Science Fiction
Der Staat der Abstinenz

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"Was wäre, wenn alles verboten wird, was für die meisten normal ist?"
Veröffentlicht am 09. Februar 2014, 80 Seiten
Kategorie Science Fiction
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Über den Autor:

Ich bin ein achtzehn jähriger Junge, der gerne schreibt und am liebsten Geschichten zwischen Gut und Böse entwickelt, während ich stets darauf bedacht bin, beiden Seiten eine gewisse Persönlichkeit zu verleihen.
Was wäre, wenn alles verboten wird, was für die meisten normal ist?

Der Staat der Abstinenz

Sebastian

Die Tür knallte zu und er hielt sich ein mittlerweile rotes Tuch über das Auge. "Was ist passiert?", fragte ihn Natascha kurzerhand, als sie ihn erschrocken ansah und mit einem befeuchteten Lappen auf ihn zulief. "Sie sind grausam.", sprach Sebastian keuchend. "Die Staatspolizei ist in der Stadt. Sie haben einen Mann mit Piercing und Tattoos gesehen. Lange Haare. Er zeigte sich offen und damit passte er nicht in das Bild des Staates." Sebastian nahm ihr den Lappen ab und setzte sich in dem kleinen Wohnzimmer auf die Couch. "Sie rissen ihm die Piercings

aus.", erzählte er. Ja, Sebastian hatte es noch genau vor Augen. Jeder kannte den Jungen, der nicht älter als zwanzig war. Immer offen, freundlich und manchmal randalierend. Doch das war nicht das Bild des Staates. Es waren erst wenige Wochen, seitdem sich der ältere Mann zum Präsidenten ernannte und das komplette System umkrempelte. Wie er es geschafft hat, das weiß niemand so genau. Doch eins war gewiss: Es war keine Demokratie mehr. Der Mann war ein radikaler Ideologe.

"Die Tattoos auf den Armen, sie ..." Nun stockte Sebastian. Das blutige Bild würde er nicht vergessen. Die Staatspolizei war voller Blut und es

interessierte sie nicht. Natascha schien ruhig zu sein. Beunruhigend, doch ... es wurde mehr und mehr zur Normalität. Menschen starben, die nicht dem Bild entsprachen. Noch heute kann er sich daran erinnern, wie sie hier auf dieser Couch saßen und jede einzelne Sendung unterbrochen wurde, um die Rede des Präsidenten einzublenden:


"Ab heute werden wir eine Ordnung und eine Kontrolle in das Land bringen. Das Land, das uns allen so teuer ist. Die Menschen haben mir in meinem Leben inmitten der Demokratie gezeigt, dass Freiheit ausgenutzt und ausgequetscht werden muss. Ich halte das für einen

Fehler. Die Abstinenz wurde als Schwäche angesehen. Der allgemeine Drogenkonsum immer offener gehandhabt. Unzucht als normal angesehen. Deshalb verkünde ich hiermit einem kompletten Verbot von Alkohol, Nikotin und jeder anderen Droge. In den nächsten Tagen wird jeden Einwohner ein Brief erreichen, indem dies und mehr aufgelistet ist. Sie alle haben eine Woche Zeit, Ihre Alkoholflaschen, Ihre Zigaretten und sonstigen Drogen unverzüglich der entsprechenden Staatspolizei zu überlassen. Sie haben damit zu rechnen, dass Ihre Häuser durchsucht werden. Jene Drogen werden unverzüglich vor

ihren Augen verbrannt. Ein Brechen dieser Regel wird mit einer Gefängnisstrafe, Folter oder Hinrichtung geahndet."


Das waren die groben Worte des Präsidenten, der auf seinem Balkon stand. Und das war noch nicht alles. Die Verbote nehmen zu, er trägt sie nur klug und langsam voran. Ein Überwachungsstaat. Vor zwei Tagen wurde beschlossen, dass man entsprechendem Mitarbeiter aus der Hauptstadt in der Gemeinde zutragen musste, welche Drogen man vor all dem probiert oder genommen hat, wie viel Alkohol man regelmäßig konsumierte,

wie oft man betrunken war, ob man rauchte und mit wie vielen Menschen man sexuelle Beziehungen hatte. Mittlerweile wurde letzteres vom Präsidenten und seinen Ministern kontrolliert. Es war wie im Mittelalter. Man musste sich eine Erlaubnis holen. Fortpflanzung war erlaubt, Verhütungsmittel verboten und verbrannt.

"In zwei Minuten wird eine weitere Rede des Präsidenten übertragen.", riss Natascha Sebastian schließlich aus den Gedanken.

"Noch ein Verbot?", fragte er spöttisch. "Du hast mir immer noch nicht auf meine Frage geantwortet.", sagte sie.

"Welche Frage?", fragte er. "Ich war in Gedanken, entschuldige."

"Was hat der Typ damit zutun, dass du eine Platzwunde hast?"

Die Antwort würde sie nicht glücklich machen: "Ich ... wollte ihm helfen."

Sie stand sofort auf. "Wir haben darüber gesprochen. Du bist Vater! Die beiden brauchen dich." Nachdenklich sah er auf den Boden.

"Ich konnte es nicht. Sie glauben, dass ... sie uns besitzen. Das tun sie nicht. Sie mögen meinen Kindern Lügen in der Schule erzählen, aber sie werden meine Ansicht nicht ändern und die ihre sicher auch nicht. Sie nehmen uns mehr und mehr die Freiheit. Das alles geht sie

nichts an, gar nichts!" Der Raum war ärmlich befüllt. Küche, Esszimmer und Wohnzimmer in einem. Nur die Schlafzimmer der Kinder und von ihnen waren getrennte Räume.

Man sah, dass es unangenehm für Natasche war. Dass sie weinen wollte, es aber nicht konnte.

"Denk bitte an sie ... und an mich."

Als sie den Satz beendet hatte, passierte es plötzlich. Jede Sendung wurde mitten im Satz unterbrochen. Der kleingewachsene, weißhaarige Mann erschien wieder. In der Hand Karten. Die braunen Augen in die Kamera gerichtet. Er gab sich keine Mühe, sympathisch oder charismatisch zu

wirken. Der Typ wollte Kontrolle und Überwachung, unabhängig von der Wirtschaft. Der Staat musste viel Geld verlieren. Doch vor allem verlor man das Volk mehr und mehr.


"Guten Abend, Einwohner. Sie alle erhalten so bald wie möglich die gesamten Gesetzensänderungen in einem Brief verfasst. Selbstverständlich wird es auch ein juristisches Gesetzesbuch verfasst werden. Die Hinrichtung von Tieren war schon immer eine verbotene Tat gewesen. Stattdessen sah man bei brutalen Schlachthöfen und Pelzfarmen weg. Tierquälerei wurde mit kleinen Gefängnisstrafen gehandhabt. Doch dem

wird heute nicht mehr so sein. Jede Tierquälerei wird mit brutaler Hinrichtung bestraft. Brutale Schlachthöfe und Pelzfarmen werden geschlossen. Stattdessen wird es bald vom Staat kontrollierte Schlachthöfe geben, die unter medizinischer Kontrolle stehen. Die Forschung ermöglicht ein friedvolles Sterben der Tiere. Dies soll die Humanität und Ordnung herstellen, die diesem Land solange fehlte."


Mit diesen Worte endete er, die Übertragung wurde beendet und die Zeichentrickserie lief weiter. Sogar auf Kinderkanälen wurden die erbärmlichen Reden übertragen. Menschen werden wie

Tiere, und Tiere wie Menschen behandelt. Was war das für eine Welt? Was war das für ein Mensch?

Präsident

In schwarze Kleidung gehüllt, stieg er aus dem vornehmen, schwarzen Auto aus. Lediglich die Handschuhe des Mannes waren weiß. Sie waren mitten auf dem Feld. Es roch fürchterlich. Hinter ihm gepanzerte Personen mit blauer Rüstung und Helmen. Neben ihm stieg ein muskulöser und größerer Mann aus. Erneut sah man, wie klein der Präsident eigentlich war. Der Mann neben ihm war, wie er sich nannte, ein Commander und für die Führung des Militärs und damit auch der Polizei zuständig.

Es war eine arrogante Miene, die der

Präsident aufgelegt hatte. Der Sicherheitschef war nicht viel älter oder jünger. Sie waren bereits seit frühester Kindheit beste Freunde. Sie teilten wohl die gleiche Ideologie und vor allem waren beide ruhig und kontrolliert. Doch in allem gab der Präsident die Impulse und er war auch der, der die Menschen wie Figuren benutzte.

Der Präsident ging einige Schritte durch das Gras und achtete darauf, bloß nicht irgendwo hineinzutreten. Inmitten des Staates sah man selten Bäume oder Gräser. Vieles war voller Technik. Plötzlich erschien ein dickerer Mann. Noch nicht alt, eher mitte vierzig. Neben ihm sein jüngerer Sohn.

"Präsident?!", hörte er den Mann sprechen.

"Sie haben meine Rede sicher gehört.", sprach dieser ruhig. Die Besonderheit seiner Stimme war, dass sie ruhig war. Kaum hörbar, doch viele trauten sich auch nicht, ein zweites Mal nachzufragen. Deshalb hörte man ihm genau zu. Doch diese Hinterwelter kannten ihn wohl nicht so intensiv. "Hm?", fragte der Mann.

"Man hat ein Gesetz erlassen. Ich würde gerne überprüfen, was Sie hier machen." Von Verbot sagte er vorerst nichts. Es war gerade sechzehn Stunden her, seitdem er das Gesetz erlassen hatte. Dass er noch nichts wusste, war

verwunderlich, aber wünschenswert.

"Okay. Gut. Wozu die Polizei?", fragte der Mann, der die eigenen Sprache nur gebrochen sprach. Der Anführer des Landes kannte Männer wie ihn. Laute, selbstbewusste Menschen. Vermutlich ein Trinker. So viele Häuser, die die Staatspolizei des Präsidenten durchsucht und so viele Flaschen, die zerstört und verbrannt wurden, so konnte ein einzelnes Haus abseits von jeglicher Kontrolle sicher übersehen werden. Der ernste Blick des Präsidenten zeigte, dass man keine Antwort von ihm erwarten solle. "Ähm. Ja. Katzen. Ihr Fell ist schön. Aber auch andere Tiere. Marderhunde, ja.", sagte er und öffnete

schließlich die Türen. Sie waren in einem Käfig eingesperrt, miauten und bellten, das dem Präsidenten gewiss schon vorher aufgefallen war. Sie waren verwahrlost, verletzt und abgemagert. In der Nähe sah er einen Container, zu dem er rüberging und die Kadaver von gehäuteten Katzen und Hunden erblickte. "Katzen. Marderhunde.", wiederholte sich der Präsident. "Tatsächlich." Ruhig sah er auf den Boden, während er sich umsah. "Dann haben Sie nicht nur meine Gesetze verpasst. Schaffen Sie diese Katzen hier raus." Seine Befehle waren ruhig und kalt zu den Polizisten gerichtet. Doch vor allem autoritär.

"Was?", fragte der Mann, wurde lauter und fing an zu schreien, das Land würde ihm alles nehmen. Schließlich verstand der Anführer ihn auch nicht mehr. Er wurde gewalttätig. Das sah der Präsident nicht: Das hörte er. Die Polizei packte ihn und er hörte die elektrischgeladenen Stäbe auf seinen Körper schlagen. Nun wurde er immer ruhiger, der Mann, der zu Boden ging. Er sah nicht hin, blickte auf den Boden, als könnte er die Grausamkeit nicht ertragen. Der Sohn war schüchtern. "Hast du bereits ein Tier getötet, Junge? Wie dein Vater?" Die braunen Augen des Mannes waren durchstechend, als dieser plötzlich vor ihm stand und ihn ansah. Unsicher und

eingeschüchtert sagte er gar nichts. Auch eine Deutung. Wer nichts sagte, war schuldig. "Ja. Du hast. ... Wie bedauernswert." In dieser Zeit wurden die Katzen in einen entsprechenden Transporter gebracht. Sie würden eine medizinische Behandlung erhalten und an gute Mitarbeiter des Landes gegeben oder in vornehmen Heimen aufbewahrt. Tiere waren in dieser Politik mehr wert, doch das war nicht der Kern in der Ideologie des Präsidenten. Es war die Abstinenz.

Es passierte plötzlich, als er schließlich eine Katze erblickte. Eine schwarzweiße Katze. Schönes Tier. Vor allem intelligentes Tier, da sie nicht

zurückschreckte, als der Polizist sie packen wollte. "Einen Moment, bitte.", sprach er zu ihm, als er die Katze ansah. Ein wunderschönes Wesen. Langsam strichen die weißen Handschuhe über das Fell. "Nachdem sie medizinisch untersucht wurde, bringt sie in mein Anwesen." Als wäre er verzaubert gewesen, blickte er die Katze erneut an. Der Präsident hatte eine Schwäche für Katzen, doch würde er gewiss nicht jede Katze, die hier lebte, aufnehmen können.

Es dauerte einen Moment, als alle Katzen und Marderhunde weggebracht wurden und die Käfige leer waren. Der Mann lag auf den Boden, sein Sohn kniete neben ihm. "IHR SCHWEINE!",

schrie der Vater, als der Präsident neben ihn trat. Das Bild war von hohem Wert. Die Ideologiebrecher unter ihm. Er sah auf sie hinab, weil er etwas besseres war. "Commander.", sagte er, als wären sie sich fremd. "Ihr geht vor wie folgt: Ihr häutet die beiden, aber sie sollen dabei nicht sterben. Dann verbrennt Ihr sie lebendig, zusammen mit den Kadavern und der gesamten Farm. Danach gebt Ihr den Befehl, das mit jeder Farm und jedem Schlachthof zu tun - natürlich ohne die lebenden Tiere." Amüsiert sah der alte, brutalaussehende Mann ihn an und nickte.

Der Präsident beobachtete das brutale Vorgehen. Nie hatte er sich selbst die

Finger schmutzig gemacht. Deswegen trug er die weißen Handschuhe: Solange kein Blut an seinen Händen klebt, war er auch kein Mörder.

Der Blick auf die brennende Farm, das Schreien der beiden Männer und der Geruch waren unangenehm. Doch der Präsident war gewissenslos, wie der Mann hier. So viele tote Katzen - so viele tote Tiere für Pelzmäntel? Tatsächlich?

SeBastian

Es war von Leichtigkeit für den jungen Mann, den Eimer Wasser zu schleppen. Doch auf der anderen Seite war es auch ironisch, denn in den größeren Städte wurden die modernsten Häuser gebaut. Das gesamte Geld wurde verwendet, um Schwarzmärkte außeinanderzuschlagen, harmlosere Tötungsmethoden für Tiere zu finden und Kontrollchips zu entwickeln, die dem Staat alles mitteilten. Ob man nun mit einer Person schlief, Drogen zu sich nahm, Alkohol trank, rauchte oder auf Toilette war - vermutlich sahen die alles. Das Konzept wurde bisher etwas vorgestellt. Es war

Dr. Meyfarth, ein etwas dickerer Mann, den man neuerdings oft im Fernsehen sah. Einer der engsten Vertrauten des Präsidenten. Dort stellte er das Konzept vor. Die Moderatoren änderten sich mehr und mehr zu Mitarbeitern des Präsidenten und niemand von ihnen verurteilt seine Taten. Die, die es taten, waren plötzlich verschwunden. Die Presse wurde manipuliert.

Doch das Volk leidet. Die kleinen Dörfer leiden darunter, dass man plötzlich kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn bekommt. Doch der Wissenschaftler möchte dem Vorbeugen. Für den Präsidenten spielte Geld keine Rolle, das merkte man. Die Menschen

mussten für ihn arbeiten - aus Angst. Doch ... wenn sich alle gegen ihn stellen würden ... wie stark wäre er dann wirklich?

Dr. Meyfahrt jedenfalls stellte das Konzept vor: Anhand des Chips lässt sich feststellen, was eine Person gerade fühlt. Befindet sich eine Person inmitten der Akt der Liebe, muss die Frau in einem ähnlichen Zustand sein. Sebastian musste spöttisch auflachen, als ihm der Gedanke kam, dass es nicht immer zwei Personen bedurfte, um die Lust zu befriedigen. Für ihn war der Staat ein Bild von Versagern. Jedenfalls konnte man mithilfe des Chips auch den Konsum feststellen. Das wiederum

machte Schwarzmärkte unbrauchbar, wenn auch sich bei weitem nicht jeder einen Chip einpflanzen lassen würde. Doch in heutigen Zeiten hatten sie jeden im Computer. Durch den Kontrollchip wurde bei jeweiligem Konsum oder Sex mit einer anderen Person als dem Ehepartner, Gift ausgesetzt, das eine Person grausam lähmte und schließlich ersticken ließ.

Mit dem Eimer kam er in das kleine Haus, wo das magere Frühstück aufgestellt war. Das Wasser sollte zur Zubereitung von Tee verwendet werden. "Papa!", riefen ihm die Kinder zu und liefen auf ihn zu, nachdem er den Eimer weggestellt hatte. Sam war sein

neunjähriger Sohn, Abigaile seine siebenjährige Tochter. Mit einem Kuss begrüßte ihn seine Frau.

Mittlerweile begannen die Schichten mitten in der Nacht. Feldarbeit war angesagt, denn das Fleisch wurde weniger und teuerer. Wieder lief der Fernseher. Und wieder Zeichentrickserien für die Kinder. Viele Zeichentrickserien durften nicht mehr gesendet werden. Spöttischer Gedanke, wie der Präsident wütend eine Zeichentrickserie verurteilt, weil jemand angeheitert dargestellt wurde. Für ihn war der Mann eine Witzfigur, der seine Laune und Unfähigkeit offen präsentierte. Hätte er nur einmal ein

Bordell besucht oder wäre mit einem Kater neben einer unbekannten Frau aufgewacht, tja, schon wäre all das kein Problem mehr. Doch stattdessen tat er all das wohl nie. Stattdessen hat er heute einen Stock im Arsch, keine Familie und definitv keinen Menschen, die ihn liebten. Wie konnte man so ein Monster auch lieben?

Umso glücklicher machte es Sebastian. Er hatte eine wundervolle Familie und Liebe. Dinge, die dieser so mächtige Mann nie haben würde. Alleine das zeigte, dass er nichts in Sebastians Augen war. Lächelnd sah er nun zu seiner Familie und direkt kam ihm der Gedanke, wie grausam es wäre, einen

von ihnen zu verlieren. Sie hatten wenig, ja, doch Bildung war immer noch für jeden erreichbar und es herrschte eine Schulpflicht. Doch die Lehrer wurden ersetzt und einerseits wurde das Ideal unterrichtet, andererseits hörte er Geschichten, dass Schüler plötzlich verschwanden, weil ein größerer Intelligenzquotient festgestellt wurde. Der Präsident fürchtete intelligente Menschen. Sie müssen entweder für ihn arbeiten oder sterben. Es gab keinen Menschen, der neutral sein durfte. Das war das Problem.

Nun hörte er ein Trommeln. Ein plötzliches Trommeln, das die Menschen zusammenrief. Oftmals fragte sich

Sebastian, warum er den Trommeln folgte. Doch ein Blick zu seiner Familie beantwortete ihm dies.


Sie alle versammelten sich auf dem Platz. Freunde und sein Bruder. Nachbarn und ja, sicher auch unbeliebte Bekannte. Sie alle standen dort und mit langsamen Schritten ging ein Captain die Reihe entlang. Ein grauhaariger Mann. Blaue Augen, hochgewachsen und brutal. Allerdings hatte er ihn noch nie gesehen. "Uns ist etwas zu Ohren gekommen.", sprach die Stimme schließlich. "Oder wohl eher in die Nase ..." Wie er hörte, hatte der Präsident dafür gesorgt, dass jeder der Soldaten

den Geruch der Drogen kennenlernt. Gewissermaßen dachte Sebastian sich sogar, dass sie sich das alles selbst reinzogen, doch bei dem Typen musste er es selbst irgendwie bestreiten. "Cannabis?", fragte der Mann mit tiefer, aber lauter Stimme. "IST DAS EUER ERNST?" Man sah und hörte, dass er gereizt und sauer war. Ein loyaler Mann der Hauptstadt. Auf einmal holte er ein Gerät hervor, das Sebastian noch nie gesehen hatte. "Es kostet mich Zeit, jeden von euch dieses Gerät in den Arm zu stechen und euer Blut zu untersuchen. Deswegen gebe ich euch die Möglichkeit, jetzt vorzutreten. Na los." Der in blauer und gepanzerten

Uniform gekleidete Staatspolizist, der eine wichtige Position im Staat inne hatte, wirkte rücksichtslos. Brutal. Und nun dauerte es.

Ruhe. Ein Verhör. Niemand war Schuld. "Na gut." Nachdem der Captain eine Runde gedreht hatte, stand er wieder vorne. Er sah den langhaarigen Mann mit verbundenen Armen, der der Polizei hier bekannt war. Sie hatten ihm die Tattoos abgekratzt. Ängstlich stand er da. So hatte Sebastian ihn noch nie gesehen. "Wie ihr wollt." Plötzlich zog der Polizist seine Pistole und schoss dem langhaarigen Typen in den Kopf. Schreie ertönten, geschockte Blicke. Auch Sebastian hatte sich erschrocken,

wollte sich zurückziehen, war allerdings eingeklemmt. "RUHE!", schrie der Polizist, doch die Menschen waren unruhig und hatten Angst. Sie zitterten und wurden nicht ruhig, als er es befahl. Dies führte zu einem Blutbad. Der Polizist erschoss den nächsten, jungen Kerl. Sie waren alle hochgewachsen, durchtrainiert. Vermutlich Menschen, die leichter eine Gefahr sein könnten. "Jagt diese Geräte in jede verdammte Person hier, ich will, dass diese Person die gerechte Strafe bekommt!"

Sebastian wurde zusammengedrückt und verlor plötzlich seine Familie aus den Auge. Er hörte sie. Er hörte auch Natascha. Aber er kam nicht aus der

Menge. Sie drückten ihn zusammen und plötzlich spürte er nur noch eine Nadel im Oberarm, als ein Schlag gegen den Kopf ihn zu Boden sinken ließ.

Präsident

Sie saßen zu fünft an einem Tisch. Edle Atmosphäre. Aus den Fenstern war eine komplette Stadt zu sehen. Überall Hochhäuser, modernste Fahrzeuge. Doch es lebten wenige Menschen in der direkten Hauptstadt. Lediglich die Perfekten, wie man sie nannte. Die Ideale. Ältere Menschen, die konservative Ansichten hatten oder tatsächlich Leute, die abstinent lebten. Aber auch Freunde und Familie des Präsidenten und der vier engsten Vertrauten durften unter Ausnahme hier lebten - trotz ihren ehemaligen Sünden gegenüber der Ideologie. Zugegeben

mied der Präsident seine ehemaligen Freunde und seine Familie, die der Ideologie nicht entsprachen. Sie kritisierten ihn einst. Heute wagen sie das nicht, doch sie liebten ihn auch nicht. Nicht mehr jedenfalls.

Schweigend saß er dort und dachte nach. Die vier Personen sahen ihn an. Sein bester Freund, der Commander und Sicherheitsheitschef, Dr. Meyfarth, der persönliche Wissenschaftler, der Justizminister Jefferson und der Wirtschaftsminister Roberts. Sie alle hatten ihre Aufgaben. Die schwerste Aufgabe war wohl die des Wirtschaftsministers, denn durch das Alkohol-, Nikotin- und Drogenverbot

verlor man erhebliche Einnahmen.

"Nun", fing der Präsident schließlich an. "Ich habe eine Problem." Jeder der Berater hatte eine Tasse Tee vor sich stehen. In dem gesamten Raum roch es frisch nach schwarzem Tee, welchen Geruch vor allem der Präsident genoss. "Es gibt Gangster und Mafias, die meinen, sich gegen mich zu stellen. Und auch Rebellen. Rockergangs, Drogendealer, Zuhälter, Prostituierte. Sie provozieren mich." Die ruhige Stimme war unzufrieden. Einst hatte er kluge Worte gesagt: 'Wenn ein Mann ruhig bleibt, obwohl ihr wisst, dass ihr an seiner Stelle explodieren würdet: Fürchtet diesen Mann, denn er ist

unberechenbar.' Genau das war der Präsident. "Doch auch die Freunde, denen ich hier Unterschlupf gewähre, provozieren mich." Die Städte wurden immer leerer, das war wahr. Der Präsident hatte immer ein perfekteres Bild von der Gesellschaft. "Kann ich diese Freunde tatsächlich an meiner Seite behalten?" Wieder dachte er nach und wirkte bei weitem nicht so entschlossen, wie es sonst der Fall war. "Ich kann die Kriminalität in meinem Staat nicht akzeptieren. Genauso wenig diese ... Freunde." Es waren wenige, gewiss. Sie hatten Familien aufgebaut und ihn hintergangen. Eigentlich ... mussten sie eliminiert werden. Aber

nein. Es waren gute Menschen. Sie waren für ihn da, früher einmal. Sie bauten Familien auf und hatten keine Zeit für ihn. Seine Familie hatte das gleiche Problem. Auch sie hatten immer weniger Zeit für ihn und langsam fiel er in die tiefe Einsamkeit. In eine Verbitterung. Der Präsident spürte die tiefste Einsamkeit und das hatte sich bis heute nicht verändert. Er bevorzugt diese Einsamkeit. Langsam erhob er sich. "Man kann nicht davon sprechen, dass es meine Freunde sind. Ich bat ihnen ein Zuhause, weil sie mir einst etwas wert waren. Ähnlich wie ihr euren Freunden und Familien diese Ehre anbieten durftet. Die Ideologie der

Abstinenz wurde von ihnen allen belächelt. Spätestens fünf Tage später hatten sie mich vergessen. Sie tranken, weil sie es mochten. Wo war ich in diesem Moment? Wo war der Mensch, der es ihnen doch ... verboten hatte? Liebten sie einen noch? Oder hatten sie mich schlicht vergessen?" Sie alle schwiegen, denn man wusste, dass der wortkarge Mann nun eine Geschichte erzählte, die auf etwas hinauslaufen sollte. "Sowohl die Familie, wie auch die engsten Freunde. Und ich habe sie nie vergessen. Aber auch nicht ihre Taten. Soll ich diese Sünden jagen und bestrafen? Trotz der Tatsache, dass sie einst alles für mich waren?" Während er

sprach, sah er aus dem riesigen Fenster, als er sich schließlich umdrehte. Der Mann hatte ein freundliches Gesicht, der kalte und rücksichtslose Präsident dieser Diktatur, wie viele sagen würden. Nun benötigte er Rat, doch keiner ergriff das Wort. Lediglich der Commander. "Wenn ... du deine Freunde und Familie bestrafen möchtest, dann ..." Der Präsident ergriff mit ruhiger Stimme das Wort: "... ist die eure der Reglung nicht ausgeschlossen. Doch wenn wir ehrlich sind, wissen sie zu viel von uns, oder nicht? Ich liebte eine von ihnen, bedenkt das. Eine, die eine Familie aufbaute, unabhängig von meinen Gefühlen. Und ich verabscheue Gefühle. Unter ihnen

sind Jungen, die meinten mit vierzehn Jahren ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Und Mädchen, die diesem Jungen genau dies ermöglichten. Sie waren gar jünger oder im gleichen Alter. Warum sollten sie ungestraft davon kommen, wenn doch ... genau Jungen und Mädchen heute dafür bestraft werden. Es sollte nicht einschließlich zählen, was heute ist. Sondern wir sollten auch verfolgen, was einst war. Dafür waren die Befragungen da. Führen Sie sie mir vor, Meyfarth." Der dickere Mann erhob sich sofort ruhig und warf die Übertragung holografisch an die Luft. Ein sanftes Lachen des Präsidenten ertönte. "Sehen Sie das? Die meisten

haben vier Kreuze. Alkohol, Nikotin, Cannabis und ... Unzucht. Und Sie leben noch. Warum?" Sein Blick richtete sich zu dem Sicherheitschef, der sich im ersten Moment eher verunsichert umsah. "Nun, es gab noch keinen direkten Befehl.", entgegnete er. Ruhig nickte der Präsident. "Halten wir unsere Schritte kurz fest: Wir kamen an die Macht und trugen die Verbote nach und nach vor. Wir durchsuchten Häuser, warfen alle Arten von Drogen, Alkohol und Zigaretten auf einen Haufen und verbrannten es. Dann erschossen wir jeden, der nicht nur Alkohol und Tabak besaß. Schwarzmärkte werden bis heute regelmäßig außeinandergeschlagen. Doch

diese Kriminellen interessiert das wenig. Sie meinen, ich lasse mir Korruption gefallen. Sie meinen, man könnte mit mir spaßen. Sie machen einen erheblichen Fehler. Diese Zuhälter sind nicht annährend so gefährlich wie ich. Sie sind Narren. Und sie werden sterben. Habe ich mich da klar ausgedrückt? Dann lautet mein Befehl: Jeder, der dem Ideal nicht entspricht, wird erschossen. Wir beginnen außerhalb der Hauptstadt. Wie wir es mit unseren Lieben handhaben wollen, tja, dazu werde ich mir was überlegen. Doch Kriminelle und jeder, der im Leben bisher nicht auf Alkohol, Zigaretten oder Drogen verzichten

konnte. Die mehr ... als einen einzigen Partner geküsst, geschweige denn sich mit ihm geliebt haben, werden umgehend erschossen."

Sebastian

Erschrocken wachte er in einem Raum auf und konnte sich nicht bewegen. Er war an eine Liege gefesselt. Alles war weiß. Auch er trug einen weißen, leichten Anzug. Kleidung, in der er sich fast nackt fühlte und einen nicht wirklich wärmte. Warum war er hier? Der Mann hatte gegen keine Regel verstoßen. Er wollte raus, doch zum Schreien war er viel zu schwach. Was hatten sie mit ihm gemacht? Wer hatte es mit ihm gemacht?

Nachdem sein Sichtfeld immer klarer wurde, konnte er mehr und mehr erkennen. Die massive Glastür zeigte auf

einen leeren Gang. Der Rest war weiß. Auch, wenn man immer davon sprach, wie angenehm ein weißes Licht war, vor allem im Tod: Es machte ihm Angst. Es galt ja allgemein die Theorie, dass man auf weißer Kleidung jede mögliche Spur sah. Das war bei schwarzer nicht der Fall.

Plötzlich trat ein Herr ein. Alt und sehr hochgewachsen. Kahl, aber mit einem Bart. Ein strenger Blick mit runder Brille. Sebastian stellte sich so immer die strengsten Lehrer aus der Vergangenheit vor, weit vor seiner Zeit. Warum gab es an der Führung nur alte Säcke?

"Ah, Mr. White. Sie sind wach.", sagte

die alte, unangenehme Stimme. Doch Sebastian wollte vorerst nicht antworten. Auf was auch? "Tja, wir haben ... ein Problem." Das wiederrum machte ihm Angst. Einerseits wollte er zeigen, dass das System so nicht funktioniert. Andererseits verfolgte ihn die Angst, die Erziehung seiner Kinder zu verpassen. Die Angst, sie müssten ihm ihn trauern. "Wie alt sind Sie, Mr. White?" Als würde er es nicht wissen. "Ich bin ... siebenundzwanzig Jahre alt ...", antwortete er mit gerunzelter Stirn, schwach. Was hatten sie ihm nur in den Arm gehauen?

Der Arzt hielt ein Klemmbrett in der Hand und blickte drauf. "Und Sie haben

zwei Kinder im Alter von ...?" Sebastian dachte sich nur, der alte Sack solle in den verdammten Computer schauen. Doch dies war offensichtliche Provokation. Der Mann genoss es, ihn leiden zu sehen. Wohl genauso ein Versager. "Neun und sieben.", gab der gefesselte Mann zurück.

"Tja, also haben Sie ein Kind gezeugt, als Sie noch nicht einmal volljährig waren." Klar, da hatte er recht. Irgendwie passierte es einfach, doch er schuldete dem Arzt keine Erklärung, weshalb er versuchte mit den Achseln zu zucken. Ob er die schiefe Bewegung erkennen und deuten konnte, das war eine andere Frage.

"Es gibt eine neue Reglung, Mr. White. Die Volljährigkeit wurde auf fünfundzwanzig Jahre hochgesetzt. Und wie Sie sicherlich wissen, wird auch die Vergangenheit bestraft. Der Präsident mag diese Jugendsünden überhaupt nicht."

Der Präsident mag gar nichts. Doch der Satz beunruhigte Sebastian. Er wusste ja, wie das alles gehandhabt wurde. Ein Mädchen wurde erschossen, weil sie einmal im Leben Cannabis probiert hatte. Und das war nur ein Fall, denn er kannte das Mädchen. Gewissermaßen hatte er ihr das damals empfohlen und auf einer Party gegeben. Andererseits haben sie auch miteinander rumgemacht.

Vielleicht wurde sie sogar dafür hingerichtet. Warum aber Sebastian nicht?

"Nun, ich sehe Ihnen die Beunruhigung an. Umso schlimmer, dass Ihre Frau ein Jahr jünger ist als Sie.", fuhrt der Arzt fort. Sebastian biss sich auf der Lippe und wollte sich losreißen, doch das ging nicht.

"Beruhigen Sie sich", sprach die tiefe und dominante Stimme des Arztes. "Es ist ja nicht nur Ihre Unzucht. Es gab mehrere Partner in Ihrem Leben, das wissen wir. Wir wissen, dass Sie Alkohol, Zigaretten und Cannabis konsumierten." Tja, der Staat wusste alles. Wie toll. Diese verdammte Technik

hatte ihn verraten. Deprimierende Erkenntnis. "Wo ist meine Familie?", fragte er nach.

"Noch in Sicherheit." Langsam nickte der Arzt ernst.

"Warum töten Sie mich nicht?", fragte Sebastian direkt.

"Sie sind ein komplizierter Fall. Für die gesamte Klinik. Ihre positive Arbeit ist dem Staat gewiss aufgefallen. Aber nun ... gibt es eben Regeln. Ja, Sie werden sterben müssen. Daran gibt es keinen Weg vorbei."

"Und Sie nennen sich Klinik? In der Politik werden Menschen wie Tiere behandelt. Und Tiere wie Menschen."

"Stellen Sie sich über die Tiere? Das

wäre nicht sonderlich klug?", fragte der Arzt schließlich. "Der Präsident ..."

"Ist ein verdammter Versager, der seine Launen nun an uns auslebt. Die Tiere waren die einzigen, die ihm nie ordentlich die Meinung geigen konnten. Die, wenn sie einsam waren, sicher komplett dem Ideal des Präsidenten vertraten." Ja, Sebastian hatte jede Hoffnung verloren.

"Genug, Mr. White.", unterbrach ihn der Arzt, wenn auch nicht sonderlich erfolgreich.

"Er hält seine kleinen Reden und scheißt auf sein Volk, so einfach ist es doch! Aber es gibt Leute für mich, die verdammt nochmal die Wahrheit auch

aussprechen!"

Der Arzt schüttelte den Kopf, wurde unruhig und suchte nach einer Spritze, um ihn zu beruhigen, die er dann auch fand.

"Sie sollten noch ein wenig schlafen. Unter diesen Umständen möchte der Präsident sich dies sicher ansehen." Das letzte, was Sebastian sah, war die Kamera, als er recht schnell das Bewusstsein verlor.

Präsident

Der Präsident besaß ein riesiges Anwesen, mit großem, gepflegten Garten, Brunnen und einem Käfig mit verschiedenen Arten von Vögeln. Mit einem Eimer fütterte er diese teilweise aus der Hand. An so einem warmen Sommertag genoss er ihren Gesang und schwelgte in nostalgischen Erinnerungen. Der Geruch des Sommers war dafür verantwortlich.

Einerseits sah er seine Kindheit. Sie war schön, wie auch die regelmäßigen, kleinen Familienfeiern zu Weihnachten oder Ostern. Das gute Essen. Eine schöne Erinnerung. Doch daneben gab es

immer den Alkohol, der die Abende zerstörte. Die in Streiteren oder Gewalt endeten. In der Jugend ließ es mehr und mehr nach. Als kalter Junge entwickelte er diese Ideologie. Dieses Bild, das herrschen musste. Damals war es nur ein Gedanke, nichts, dass erfüllt werden musste. Doch je älter er wurde, desto länger wartete er darauf die Macht zu ergreifen.

Der Präsident scheute auch immer die Öffentlichkeit. Um genau zu sein tut er das auch heute noch. Und das war das Problem, dass ihm eine hohe Karriere in der Politik erschweren würde. Deshalb hatte er gewartet. Dass er auf dem Weg dahin hätte sterben können, das kam ihm

nicht in den Sinn. Zumindest nicht offensichtlich.

In der Zeit seiner Arbeit, in der er als Lehrer tätig war, sammelte er viel Geld. Seinen engsten Vertrauten gab er den gleichen Befehl. Seine Schwäche für Macht und Herrschaft war früh offensichtlich - zumindest für ihn.

Deshalb wartete er auf aktuelle Begebenheiten und beobachtete mehr und mehr den Zusammenburch des allgemeinen Systems. Europa schloss sich irgendwann zu einem Land zusammen, ähnlich wie die USA. Die Hauptstädte galten als die großen und vornehmen Städte, dem Rest wurde wenig Beachtung geschenkt. Es gab

soviele Komplikationen inmitten der Politik. Und der zukünftige Präsident wurde älter und älter, doch seine Entschlossenheit nahm nicht ab, die Welt verändern zu wollen. Er war ein Revolutionär.

Nun, irgendwann gab es dann einen Zusammenbruch. Nachdem das Militär aller Länder zusammengelegt wurde, war die Chance gekommen. Sein einstiger bester Freund schlug den Weg im Militär an und stieg hoch auf. Nun war es nur noch eine Frage der Summe, die der Anführer des Militärs annehmen würde oder ob er getötet werden musste. Das ganze ersparte kam nur zusammen, weil die engen Vertrauten bescheiden

lebten. Auf seinem Weg gab es zugegeben viele Vertraute, die irgendwann einfach ... das Interesse und die Hoffnung verloren, krank wurden oder gar starben.

Jedenfalls tötete der heutige Commander diesen Anführer, motivierte die anderen Soldaten und nun, schon war der Weg gesichert. Unternehmer wollten mit Geld fliehen, Politiker ebenfalls. Sie fürchteten das Kommende. Den Mangel an Rohstoffen und Geld. Deswegen ergriff der Präsident die Möglichkeit, nachdem in kleinen Städten wenig von der Krise bekannt wurde. Das alles wurde zu einem Überwachungs- und Polizeistaat.

Ja, das war die grobe Geschichte der Machtübernahme. Es kam ihm vor, dass er seinen ganzen Lebenslauf durchging, als er ein sanftes "Präsident?" hinter sich hörte.

"Commander.", sagte er und lachte kurz auf. Etwas, das man selten hörte - und um genau zu sein auch so kaum.

"Meinst du nicht, dass wir unsere Namen benutzen sollten, wie die letzten sechzig Jahre auch?", fragte der Präsident ihn.

Der Commander zuckte nur mit den Schultern. "Hm, dann halt nicht. Was gibt es?"

"Aufstände. Menschen liefen nackt durch die Straßen, angeheitert und wohl

bekifft. Sie trieben es auf der Straße miteinander.", gab er zurück.

Nun schwieg der Präsident. Wieder ein unangenehmes Schweigen. Es musste was heißen, wenn sogar der Sicherheitschef ihn gewissermaßen fürchtete. Und sie waren wohl beste Freunde.

"Ich hatte mal eine gute Freundin. Sie beichtete mir einmal, dass sie drei Jahre vor unserer Bekanntschaft eine Wette mit ihren Freundinnen abgeschlossen hatte.", erzählte er, während er den Eimer hinstellte, die Voliere schloss und durch den Garten spazierte. Mit einer Handbewegung deutete er an, dass sie ihm folgen sollte.

"Wer in einer Nacht mit mehr Männern schlief, hätte gewonnen. Sie schaffte neun." Unzufrieden lief er auf den großen Brunnen zu und beobachtete seine neue Katze ganz hinten durch den Garten tollen.

"Das musste ich so akzeptieren. Du kannst dir sicherlich vorstellen, wo sie heute ist." Der Commander nickte. Ja. Schnell hatte er für ihren Tod gesorgt.

"Vorher hatte ich eine weitere gute Freundin. Menschen, denen ich vertraute und zugegeben lernte ich sie alle in einer Zeit kennen, in der ich Ehe und Liebe für unausweichlich. Aber sie alle ... waren nicht perfekt. Wie dem auch sei. Sie kannte meine Ideale. Sie erzählte

mir, dass sie genau diesem entsprach. Sie trank nicht, sie rauchte nicht, sie nahm keine anderen Drogen. Und kein Sex vor der Ehe. Sie war perfekt. Dennoch baute sie eine Distanz auf. Sie war emotional labil. Wie ich hörte, war sie an einem älteren Mann interessiert und wurde dafür geärgert. Sie wollte ihrem Leben ein Ende setzen." Sie waren mittlerweile an den Brunnen gelangt, auf welchen Rand er sich setzte. "Wie sich ergab, ging sie jedes Wochenende feiern. Nachdem sie mit allem vollgepumpt war, was es dort zu finden gab, ging sie mit irgendjemandem nach Hause. Einem Typen, den sie noch nie gesehen hatte. Und das jedes

Wochenende."

Der Commander schluckte, lächelte allerdings ein wenig, was der Präsident entgegnete. "Sie hat ihre Depressionen nie überwunden. Heute habe ich Sie in eine Klinik gesperrt, in der Sie Tag für Tag ihre Qualen neu durchleben darf. Das gibt mir Ruhe. Sie ist kaputt."

All diese Erzählungen spiegelten die Verbitterung des Präsidenten wieder. Der Commander musste aber schließlich fragen: "Und?"

Wieder erscheinte ein Lächeln auf den Lippen des Präsidenten. "Ich vergesse nicht. Sie sollen alle sterben."

Ruhe breitete sich aus. "Holen Sie den jungen Mann hinein.", gab der Präsident

schließlich zurück als er sich erhob. Mit blauem Auge und blutverschmiertem Gesicht packte ihn die Staatspolizei fest am Arm und brachte ihn in den Raum. "Gehen Sie jetzt alle.", sprach der Präsident zu seinen Beratern als er langsam zum Fenster traf und sich an einer Theke einen Tee zubereitete. Dass seine Berater längst den Raum verlassen hatten, hatte er sicherlich bemerkt. Nun stand er da. Stille. Lediglich der schwere Atem des Jungen. Vermutlich war er etwa zwischen zwanzig und fünfundzwanzig. "Ich möchte Ihnen heute etwas zeigen.", sagte er. Es war kein Zufall, dass der Präsident ihn ausgewählt hatte. Das war der Sohn des

Mannes, der ihn in seiner Kindheit angriff, ihn gewissermaßen verbitterte. Er sah aus wie er. Dass der Mann bereits mit seiner Frau unter grausamen Qualen sterben musste, war dem Jungen bewusst. "Setz dich.", gab der Präsident zurück und zeigte auf einen Sessel, als er mit Fernbedienung neben ihn trat. In der rechten Hand hielt er die Fernbedienung und in der linken den sehr süßen Tee. Langsam schaltete er nun eine Liveübertragung an dem großen Fernseher an. "Was sehen Sie?", fragte der Präsident ihn.

Der Typ schwieg, bis er dann aber irgendwann anfing. "Sechzehn Jugendliche." Der Präsident nickte

zufrieden.

"Und was tun sie?", entgegente das Oberhaupt wieder. Und nun fielen ihm die Worte um einiges schwieriger. Sie begannen Sünde. Das wollte er von ihm hören. Die Problematik lag hier dabei, dass es seine Freunde waren. Dennoch sagte der junge Mann nichts.

"Sie begehen Sünde. Jetzt, genau in diesem Moment. Sie verzehren den Alkohol, rauchen Tabak und Cannabis. Wenn ich umschalte ..." Das tat er mit einem Klick auf die Fernbedienung, als ein Schlafzimmer erschient. "... sehen wir, dass es achtzehn Jugendliche sind. Aber dieser Pärchen ist ein wenig schwach geworden, meinen Sie nicht?"

Der Typ schwieg, schwach und blutend. "Gefällt es Ihnen Jugendliche beim Sex zu zusehen?"

Ein spöttisches Lächeln erschien auf den Lippen des Präsidenten. "Du wirst bald sehen was mir gefällt." Nun betrachtete er die noch harmlose Situation, die sich beim Küssen hielt. "Wir haben jede Information über die beiden. Das Blut hat es uns gesagt und nun ja, wir sind ein Überwachungsstaat. Wir wissen alles. Wie dem auch sei. Du kennst die beiden auch. Aber erstmal erzähle ich meine Informationen.

Die beiden sind kein Paar, richtig? Sie wollten es nie werden. Sie waren gute bis beste Freunde, ja. Und nun liegen Sie

dort. Das Blut des Mädchens wies nach, dass sie schon einiges ausprobiert hat. Dass sie die Pille nimmt spricht auch nicht für sie. Verhütungsmittel sind harmlose Waffen, wussten Sie das? So viele Mädchen ... Mörder. Können Sie sich das vorstellen? Und auch dieser Typ ist ein Mörder. Sie alle dort sind Mörder. Und damit ... Sünder?" Nun endete der Präsident mit monotoner, langsamer Stimme kurz zu sprechen.

"Und Sie sind kein Mörder?", fragte er den Präsidenten.

"Mörder? Ich? Sehen Sie diese weißen Handschuhe. Solange dort kein Blut dran ist, bin ich kein Mörder. Ich gebe grausame Befehle, gewiss. Aber die

Menschen führen es aus. Würde ich Ihnen nun die dunkelsten Geheimnisse Ihrer Freundin erzählen ... würde es Sie zerstören. Glauben Sie mir. Sie würden das gleiche tun, was diese Soldaten aus purer Loyalität tun. Weil sie wissen, dass ... diese Sünde nicht in diese Welt gehört. Dass es ausartete. Aber nun ... ich wollte Ihnen ja zeigen, was mir gefällt."

Das Mädchen und der Junge begannen sich auszuziehen und im Schrank rumzuwühlen, das war genug für den Präsidenten. "Nun gut, beenden Sie diese Party.", gab er in ein kleines Mikrofon an, als er laut "NEIN?!" schrie und die Staatspolizei nun auch wieder in

den Raum trat, ihn packte und hindrückte.

Und nun hörte man Schüsse. Schnell schaltete der Präsident auf den ersten Raum um. "Sprechen Sie im Kopf Ihre Namen. Vielleicht macht es den Verlust leichter.", gab das Staatsoberhaupt spöttisch zurück. Nun sah er wie der erste Schuss einen der Jugendlichen traf. Der eine, sportliche Typ wollte sich wehren und sackte dennoch zusammen ein Sack Kartoffeln. Nun wurden auch das Mädchen und der Typ an den Haaren aus dem Raum gezerrt. "Die Unzucht hat nun ein Ende. Die Vernunft und Ehre wird siegen. Diese harmlosen Mörder werden alle vernichtet werden." Wieder

fielen Schüsse, mittlerweile außerhalb der Sichtweite, da sie entkommen wollten. Doch nun war es ruhig. Nur noch die beiden lebten. Hübsches Mädchen. Hübscher Junge, aus der Sicht eines Mädchens jedenfalls. "Wusstest du, dass der Typ dort und deine Freundin eine zeitlang zusammen waren? Natürlich nicht. Es ist jämmerlich, dass man sich nicht für die ehemaligen Beziehungen interessiert. Ist es nicht irgendwie fragwürdig, ein Mädchen zu küssen und mit ihr zu schlafen, wenn jemand es schon vor dir tat? Oder zwei? Oder gar drei? Das gleiche gilt natürlich für Männer, doch die interessieren mich noch weniger. Ich

hätte damit zu kämpfen ... Jemanden zu lieben, Nähe mit ihm zu teilen und zu wissen, dass sie diese Nähe schon anderen Personen gab. Aber dich hat es nie gekümmert, oder?", fragte der Präsident spöttisch. "Was ist, wenn ich dir das hier zeige?" Ein anzügliches Video. Ein altes Video, das sie ins Internet stellte. "Sowas ist in meinem Staat verboten. Vielleicht sollten Sie dies Ihrer Freundin bewusst machen?" Der Junge wurde so leise, so wütend. "Wie vielen Männern gab sie da einst ... Nähe? Oder zumindest eine gewisse Befriedigung. Herzlichen Glückwunsch, nun ist es nicht einmal mehr eine dreistellige Zahl!" Die braunen Augen

des Präsidenten wanderten nun zur Staatspolizei. "Bringt ihn in die Zelle zu seiner Freundin. Der Junge wird wissen, was er mit ihr macht." Psychischer Terror. Nur eine der grausamen Waffen des Staates.



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Über den Autor

Skytilla
Ich bin ein achtzehn jähriger Junge, der gerne schreibt und am liebsten Geschichten zwischen Gut und Böse entwickelt, während ich stets darauf bedacht bin, beiden Seiten eine gewisse Persönlichkeit zu verleihen.

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Skytilla Vielen Dank für die Rückmeldung und den Hinweis!
Ja, ich schreibe noch weiter und versuche damit, täglich einige, weitere Kapitel zu veröffentlichen. :)

Liebe Grüße!
Vor langer Zeit - Antworten
koollook 
Eine interessante Idee, die du hier gut ausformuliert hast. Schreibst du noch weiter an der Geschichte?
Mir ist beim Lesen ein grober Fehler aufgefallen. Du hast "Gefängnisstraßen" statt Gefängnisstrafen geschrieben. Sonst ist der Text fehlerfrei soweit ich das beurteilen kann.
Vor langer Zeit - Antworten
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