Romane & Erzählungen
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"Eine Welt ohne Technik und Wissen. Nur ein Ziel: Überleben. "
Veröffentlicht am 15. Januar 2014, 106 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich bin 19 Jahre und aktuell Studentin (Geowissenschaften). Mein Studium besteht nur aus Naturwissenschaften. Das Schreiben bietet also die nötige Abwechslung. Allgemein schreibe ich schon seit ein paar Jahren - aber nur für mich. Irgendwann haben Freunde von mir ein paar meiner Texte in die Hand bekommen und fanden es nicht schlecht. Nun würde ich gerne wissen, wie mein Schreibstil, meine Ideen, meine Werke bei "fremden" Menschen ankommen und ...
Eine Welt ohne Technik und Wissen. Nur ein Ziel: Überleben.

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die abc-stadt

„Doch was einmal war ist jetzt Vergangenheit.“ Genau diesen Spruch sieht das Mädchen Tag ein Tag aus. Er steht auf einer noch stehenden Mauer mitten in der Stadt. Jedenfalls wenn man die Masse an Steinen und Ruinen überhaupt noch eine Stadt nennen kann.

Vor der Mauer sitzt die kleine Sayo, die ihren Blick ständig über das geschriebene schweifen lässt. Viele Stunde saß sie schon hier. Hier ist einer der Orte an denen sie ihre Gedanken und Gefühle nur für sich alleine hat. Ein Rückzugsort aus dem Allgegenwärtigen. Außerdem ist es ein Ort, der an die vergessende Vergangenheit erinnert. „Doch was einmal war ist jetzt Vergangenheit“. Sie sieht es immer und immer wieder an, doch sie versteht es nicht. Ihr jetziges Wissen erlaubt es ihr nicht. Sie wuchs in einer Zeit auf in der das Wissen über die Vergangenheit verloren gegangen ist. So kann sie nicht, die dort stehenden Striche und Zeichen zusammenfügen und somit auch nicht die Wörter lesen, die dort eingemeißelt sind. Sie sieht nur sinnlose Striche. Auch wenn sie es noch so sehr will, kann sie es nicht lesen. Sie ließ ihren Blick von der Wand ab und schaute hinauf zur Sonne.


Plötzlich schreckt Sayo auf. Eilig steht sie auf und klopft sich den Staub und den Sand von ihren Stofffetzen, die sie ihre Kleidung nennt. Gerade in diesen Moment, gerade als sie tief in ihren Gedanken gefangen war bemerkt sie, dass sie etwas ganz wichtiges vergessen hat. „Oh Mann. Wie konnte ich das bloß vergessen. Mutter wird mich umbringen dafür. Ich muss mich beeilen.“ murmelt sie. Als sie sich ein wenig gesammelt hat, atmet sie noch einmal tief durch und rennt los - durch die Wüste der Stadt. Beeilung heißt es jetzt sonst ist es zu spät. Sie schaut vorbei an Trümmergestein und mühevoll zusammengebauten Zelten, die meist aus Resten von Stoffen zusammengenäht wurden. Meistens sieht sie nur kleine Kinder, die mit ihren großen, glasigen Augen versuchen zu weinen, aber sie können es nicht. Zu viele

Tränen haben sie schon vergossen. Die Meisten von ihnen haben sich sowieso schon aufgegeben. Überall wo sie hinsieht kann sie nur Elend, Hunger und Trauer erkennen. Es ist kein schönes Leben was sie hat. Aber sie hat wenigstens eins. Weiter durch den Dunst der Mittagstunden und durch die quälende Hitze der Sonne befindet sich Sayo bereits in den C-Vierteln. Die Stadt, wo sie lebt, nennt sich die ABC-Stadt. Ein etwas einfacher Name, aber so passt er gut. Die Stadt ist in drei Teile aufgeteilt. Wenn man es aber genauer nimmt sind es vier. Komischerweise bildet das 4. Viertel das Zentrum der Stadt. Es ist das Elends-Viertel mit den Kindern, die meist versuchen müssen sich allein irgendwie durchzuschlagen um überleben zu können. Die meisten von ihnen können gerade einmal so alleine stehen. Wie sollen sie es schaffen? Es gibt keinen der sie beschützt. Keiner kann sie lehren wie man sich

Essen besorgt, geschweige denn wie man sich einen Schutz aufbaut für Wind und Wetter. Eigentlich haben sie keinerlei Zukunft. Aber warum ist das so? Wo sind die Eltern dieser Kinder? Haben sie sie zurückgelassen, weil sie nicht einmal genug für sich selbst haben. Wenn das so ist, warum setzten sie überhaupt Kinder in diese unbarmherzige Welt? Wer kann nur so egoistisch sein. Trotzdem werden es jeden Tag mehr. Sie können sich eigentlich glücklich schätzen, wenn sie die Nacht überstehen. Die Nacht ist das schlimmste in dieser Stadt. Nicht nur wilde Tiere lassen sich dann blicken, sondern auch die Sammler. Sie begeben sich durch die dunklen Straßen. Die Dunkelheit gibt ihnen Schutz. In ihr existiert nur wenig Hoffnung und Angst regiert sie. Alles was man noch gebrauchen könnte, wie alte

Schuhe, Sachen und ein Stück Brot nehmen sie sich egal wie. Sie scheuen den Tod nicht, genauso wie sie sich nicht scheuen eine fremdes Leben zu beenden. Sie sind wie Dämonen die am Tage schlafen und in der Nacht wüten. Das ist auch der Grund, dass abends auf den Straßen der Stadt eine so unheimliche Stille herrscht. Die einzige Möglichkeit sich vor ihnen zu schützen ist sich zu verstecken. Das C- Viertel ist auch das zu Hause von Sayo. Sie und ihre Familie haben ein kleines Steinhaus, zusammen gebaut aus Steinresten. Sie haben sogar einen kleinen Keller und einen Dachboden wo sie Erinnerungsstücke verstecken vor den Sammlern. Sayo rennt gerade an ihren zu Hause vorbei und hofft einfach nur, dass ihre Mutter sie nicht zufällig sieht. In diesem Falle würde es mächtigen Ärger geben, das weiß sie. Sie rennt immer weiter raus. Die damaligen Bomben schlugen

meist im Zentrum ein. D.h. das zum Rande hin immer mehr unversehrte Landschaften hervorstießen. Sayo ist nun endlich in den B-Vierteln angekommen. Hier gibt es sogar noch halbwegs unversehrte Häuser und etwas wovon nur Sayo weiß. Ein geheimer Ort, der sehr wichtig ist für sie. Ein kurzes Lächeln geht über ihre Lippen, als sie die Mauer mit den drei blauen Blättern sieht. Die ersten richtigen Pflanzen. Erleichtert wirkt sie, als sie letztendlich in den A-Vierteln ankommt. Hier gibt es viele große Häuser und sogar ein paar Bäume, die die Hitze der Sonne von Sayo‘s Gesicht, wenigstens für einen Augenblick, fernhalten und ihr kühlenden Schatten spenden. In diesen Moment wagt sie einen kleinen Blick in den Himmel. Er ist schon seit Ewigkeiten so wunderschön klar. Wie es wohl in der Nacht aussieht? Fragt sie sich ständig. Plötzlich wird sie von einem grellen Lichtstrahl geblendet. Die Bäume sind weg und die Sonne scheint

erbarmungslos auf sie. Sie kneift die Augen zu und nach ein paar Sekunden, als sie sie wieder öffnet, sieht sie endlich ihr Ziel. Es ist eine kleine Hütte aus echtem Holz. Eine richtige Seltenheit in dieser Zeit. Genauer gesagt ist es die einzige Holzhütte, die vom Krieg noch stehen geblieben ist. Bäume heute zu fällen, für das Holz, ist nicht nur dumm sondern auch verboten. Es sind zwar nur noch verschiedene Haufen von Menschen ohne richtige Organisation, aber dieses ungeschriebene Gesetz ist wichtig für das Überleben aller. Denn ohne die Bäume, die ja bereits jetzt schon knapp sind, gebe es kaum Sauerstoff. Außerdem sind sie wie kleine Hoffnungsschimmer. Vielleicht wagt sich auch irgendwann wieder die Natur zurück hierher. Vielleicht erstrahlt die endlos scheinende Wüste irgendwann wieder in einem satten Grün.

Dieses Holzhaus hat eine ganz wichtige Funktion. Jede Woche um Mittag rum, wenn die

Sonne im Zenit steht, reifen bestimmte Früchte im Holzhaus. Aus den inneren Wänden kommen die Sangi. Das sind besondere Früchte, die seit Jahren die Stadtbewohner am Leben erhalten. Doch bei der Ernte gilt ein Gesetz. Jeder sorgt für sich selbst. Wer zu spät kommt hat Pech. Eine einzige Frucht zu verschenken kann sich hier niemand leisten.

Sayo rennt so schnell wie sie nur kann. Sie sieht bereits erste Menschen vor der begehrten Hütte. Die Türen dürfen erst kurz nach dem Zenit Stand der Sonn

e geöffnet werden, sonst verrotten die Früchte schon vorher. Das Innere der Hütte ist sonnengeschützt und schön kühl. Es gibt nur wenige Löcher in der Decke, die die warmen Sonnenstrahlen reinlassen. Komisch ist nur, dass keiner eine Ahnung hat woher und von wem diese Hütte stammt. Sie war bereits da als der Krieg begann und auch als er endete.

essenszeit

Endlich angekommen, stehen bereits zahlreiche Menschen ungeduldig vor der Hütte. Die Chance überhaupt noch eine der begehrten Früchte zu ergattern ist ziemlich gering. Sie muss sich was einfallen lassen. Bloß was? Die Sonne steigt weiter und das heißt, die verbliebene Zeit wird knapp. Was soll sie nur tun? Zu Hause warten ihre Mutter und ihr kleiner Bruder auf sie. Die Früchte brauchen genau eine Woche um zu reifen. Wenn sie nichts mitbringt müssen sie also in dieser Zeit hungern. Große Auswahl an anderen Nahrungsmitteln gibt es nicht. „Eine Woche ohne Essen. Das wäre gar nicht gut…“ –denkt Sayo „Ah bist das du kleine Sayo? Bist aber ganz schön spät dran, ne.“ Eine Stimme weckt Sayo aus ihren Gedanken.

„Mhm?. Ach Julia, Leo, ihr seid es.“ – erwiderte sie lustlos „Mhm?. Ach Julia, Leo, ihr seid es…Wirklich eine sehr nette Begrüßung. Wie wäre es mit ein wenig mehr Enthusiasmus. Wir sind nicht schuld daran, wenn du so lange faulenzt“ – lacht Julia. „Das ist nicht witzig, Schwester. Wir sind nicht viel besser dran, oder?“ – Leo, der kleine Bruder von Julia.


Er ist ungefähr in dem Alter von Sayo´s Bruder. Julia hingegen ist um einiges älter. Aber sie mag es nicht wenn man sie auf ihr wahres Alter anspricht. Es geht auch das Gerücht um, dass die beide gar nicht Geschwister sind. „Was wollen wir jetzt tun? So weit hinten bekommen wir doch gar keine Früchte mehr Sayo.“ – Leo

„Ich weiß auch nicht. Wir müssen uns was überlegen um durch die Menschenmasse zu kommen.“ „Wow, wirklich. Darauf wäre ich jetzt nicht gekommen.“ – antwortet Julia sarkastisch „Was, wenn wir einfach vorgeben, das weiter vorne unsere Mama steht und wir zu ihr wollen?“ –Leo „Nee, das wird nicht klappen. Haben wir doch schon mal probiert, weißte das nicht mehr? Die Leute haben uns einfach nicht durchgelassen und dann weggeschlagen. Damals bin ich dadurch doch ausgerutscht und hab mir die kleine Narbe am Bein zugezogen.“ – Julia „Das war aber deine eigene Schuld. Es war nur eine Schürfwunde. Du hättest sie nur besser auswaschen müssen und verbinden. Dann wäre alles gut verheilt.“ - Sayo „Bla Bla. Kann ja nicht jeder einen Koffer mit Bandage oder so eine Mutter wie du zu Hause haben. Weißte noch als Leo so krank war, dass

er nicht mal mehr aufstehen konnte? Kaum war er eine Woche bei euch hat deine Mutter ihn wieder gesund gekriegt.“ –Julia „Das war Magie. Deine Mutter ist eine Zauberin!“ – Leo strahlt. Meistens ist er wie ein Kind eben in seinem Alter sein sollte- naiv, kindlich- aber ab und zu wirkt es so als sei er sogar reifer als seine große Schwester. „Ist doch jetzt egal, oder? Hat irgendwer nun eine Idee wie wir es noch rechtzeitig schaffen an die Früchte zu kommen?“ - Sayo „Nee“ -Julia „Nö“- Leo „Na toll….“-Sayo Erschöpft und ratlos lassen sich die drei auf den Boden fallen. Sayo sieht verzweifelt nach unten. Ihre starren, blauen Augen versuchen die Tränen zu unterdrücken. Was soll sie machen. Sie kann nicht ohne Essen nach Hause kommen.


Schon bricht großes Geschrei auf und die ganzen Menschen stürzen sich in die kleine Holzhütte. Leo, Sayo und Julia schaffen es nicht mal Ansatzweise durch die feste Masse an Menschen zu gelangen. Keine zwei Minuten später ist die Hütte leer. Als auch sie endlich an der Hütte ankommen liegt nur noch eine matschige Frucht auf den Boden. Die Menschen, die etwas erbeuten konnten waren genauso schnell verschwunden wie die Früchte in der Hütte. Jeder hatte Angst, dass man ihm seine stehlen könnte. Die Sangi-Früchte sind ungefähr so groß wie eine Erwachsenenhand. Sie selbst ist geformt wie eine Birne und bläulich gefärbt mit dunkelblauen Flecken. Ihr Inneres ist süß und saftig und sättig sehr gut. Ihr Äußeres ist eher matt und schmeckt ziemlich bitter.


Stille.

Julia beugt sich langsam runter und versucht die Reste vom Boden zu entfernen. „Naja. Besser als nix, oder? Wir machen einfach die Schale weg, und versuchen den Dreck weg zu machen und dann…“ „Haben wir immer noch eine matschige Pampe, die nicht mal für einen reicht“ - Leo „Klappe.“ - Julia zerteilt die Reste in zwei Teile. Sie streckt ihre Hand zu Sayo aus. „Das reicht gerade mal für einen Tag und auch nur für meinen kleinen Bruder.“ - Sayo. Leo sieht den trostlosen Blick von Sayo und überlegt kurz. Dann schaut er rüber zu Julia mit seinen großen, dunklen Augen und einem Hundeblick. „Ach man. Schau mich nicht so an… Na gut.“ Julia nickt und wühlt plötzlich in ihrer Tasche.


„Hier.“

Die großen blauen Augen von Sayo strahlen und ein Lächeln kommt über ihre Lippen. „Woher habt ihr das Stück Brot denn her?“ „Einer der Sammler hatte es verloren bei uns. Wir wollten es mit euch teilen. Stimmt´s Julia?“ Sagt Leo „Ja Ja…“ „Aber…“ -Sayo „Nimm es doch endlich.“ Sagt Julia mit einen Lächeln. „Ich danke euch…“ zufrieden nimmt Sayo das Geschenk ihrer Freunde an. Dann sagt sie ihnen für heute auf Wiedersehen und begibt sich nach Hause zu ihrer kleinen Familie. In ihren Gedanken hofft sie, dass sie es wenigsten eine Woche noch aushalten würden.


„Ich bin wieder zu Hause.“ Schreit Sayo damit ihre Mutter sie hören konnte. „SAYOOO.“ Schreiend kommt ihr kleiner Bruder angerannt. „Renn nicht so Luka. Nicht das du noch hinfällst.“ Sagt Sayo liebevoll. Als Luka bei ihr ist, springt er hoch, direkt in die Arme

seiner Schwester. Seine kleinen, strahlenden, sechs jährigen Augen starren sie vorfreudig an. „Hast du mir was mitgebracht????“ fragt er ungeduldig. Unterdessen kommt die Mutter der beiden gerade aus dem Keller. Sayo versucht ihren Blick aufrecht zu erhalten, kann aber ihrer Mutter nicht ins Gesicht sehen. Die Mutter bemerkt den besorgten Blick ihrer Tochter und sagt daraufhin: „Na komm schon, wie viel konntest du noch bekommen?“ Sayo setzt ihren kleinen Luka vorsichtig ab. Sie greift in ihre Tasche und holt das Stück der Frucht und das Stück Brot, was sie von Leo und Julia bekam, raus. „Es tut mir leid…Ich war einfach zu langsam…ich weiß ich sollte eigentlich…“ Bevor Sayo ihren Satz beenden kann wird sie von den warmen und haltenden Armen ihrer Mutter umschlungen. Mit Tränen in den Augen sehen sich beide an und müssen sofort anfangen

zu lachen. Sayo befreit sich wieder aus den Armen ihrer Mutter und wischt sich die Tränen vom Gesicht. „Es wird schon reichen Sayo. Das hast du gut gemacht.“ Es wurde langsam dunkler in der ABC-Stadt.

die nacht

Sayo begibt sich auf das Dach, welches man über eine alte Eisenleiter erreichen kann. Die kleine Öffnung dafür befindet sich an der Decke des 2. Stocks. Insgesamt hat das Haus zwei Ebenen. Unten eine improvisierte Küche und ein kleines Wohnzimmer wo ihre Mutter schlief. Oben die Ebene, in der sich Sayo ein Zimmer teilte mit ihren kleinen Bruder. Außerdem gab es hier oben noch einen kleinen Raum mit einem großen verrosteten Eisenschloss. Die Familie hat sogar einen winzigen Keller, wo sie Wasser lagerten von den wenigen Regentagen. Im Zimmer von Sayo und Luka steht auch die Eisenleiter, mit der man auf das Dach kommt. Die Öffnung wurde nur von einem Stofftuch bedeckt. Dieses verdeckt das Loch zwar, bietet aber keinen richtigen Schutz vor der Witterung, sodass es im Winter sehr kalt wurde. Im Winter begeben

sie sich deshalb mit ihrer Mutter in den Keller, wo sie von der stechenden Kälte Schutz fanden. Das Problem ist, dass sie bis zum Winter noch Essen sammeln mussten. Auch wenn die Sangi im Winter reifen, ist es schwer bei einem harten Winter durch die Schneemassen zur Holzhütte zu gelangen. Zum Glück ist es jetzt Frühling mit den länger werdenden Tagen und den kürzeren Nächten. Sayo begibt sich auf das große Dach. Von hier oben kann sie zur einen Seite über das Elends-Viertel blicken und auf der anderen Seite die A- und B-Viertels. Als wären es zwei Seiten und sie sitzt mitten drin. Sie selbst sieht immer gerne dem Sonnenuntergang zu. Er hatte etwas Beruhigendes und Warmes. Sie liebt so welche Sonnenuntergänge sehr. Kurz bevor die Sonne unterging, kurz bevor sie ihren letzten Lichtstrahl auf die Erde schienen ließ, spürte man einen kalten Hauch. Wie ein starker Wind. Natürlich war die Farbenpracht an wolkenlosen

Tagen, die hier so gut wie immer sind, einfach himmlisch. Doch wenn sie dann endlich verschwunden war und die Dunkelheit raus kam, war das der Moment wo Sayo bereits verschwunden ist. Manchmal sieht sie ein paar leuchtende Lichter am Himmel. Ihre Mutter meinte einmal, dass dies Sterne wären, andere Orte die für die Menschen unerreichbar sind. Oft träumte sie davon nur einen dieser anderen Orte zu erreichen. Vielleicht würde sie da eine bessere Welt erwarten. Aber vor allem ist es die Neugier und die Worte „Es ist unmöglich“, die diese Sterne für Sayo so interessant machten. Ganz besonders dabei war für sie der Mond. So riesig und manchmal so nah, als könnte sie ihn berühren und zu ihn gehen. In die weite Ferne. Sehnsucht, Neugier, Fernweh, Freiheit. Leider fehlt ihr das Wissen dazu.


Sayo ist wie jedes andere Kind hier ohne Schule oder eine andere Art von Bildung aufgewachsen. Das einzige Wissen, was die Menschen in dieser Zeit besitzen, kommt von den Älteren. Diese erinnern sich aber selbst nur leicht an das, was sie damals von den vorherigen Ältesten gelehrt bekamen. Diese geben wiederum ihr Wissen an die nächste Generation der Ältesten weiter. Immer mehr von dem wenigen noch übrig gebliebenen Wissen geht verloren. Warum nur? Auf der einen Seite erblickte sie einen riesigen Vollmond und das Leben spendende Licht der Sonne auf der anderen. Unter ihr liegt eine in Trümmern liegende Stadt, die endlos zu sein scheint. Wie ein ewiger Kreislauf ist dieses Schauspiel. Die Sonne verschwindet und der Mond taucht auf. Manchmal träumt Sayo von satten grünen Wiesen und so vielen Bäume und Blumen, die sie mit einem Blick nicht erblicken könnte.

„Sayo? Was machst du denn noch hier es wird schon dunkel.“ „Tut mir leid Mutter. Ich wollte nur einmal einen vollständigen Sonnenuntergang miterleben.“ „Du weißt, das dies sehr gefährlich ist Sayo. Die Sammler sind unterwegs, sobald die Sonne untergegangen ist. Und du weißt auch, dass wenn sie merken dass hier wer lebt sie auch unser Haus angreifen würden. Wir wären dann hier nicht mehr sicher“ „Ich weiß…“ „Na komm wieder mit rein. Ich wollte gerade die gute Nacht Geschichte erzählen für Luka und dich.“ „Oh ok…Wäre natürlich schade, wenn ich diese verpassen würde.“ Sayo geht langsam wieder über die Eisenleiter hinunter in ihr Zimmer. Ihre Mutter schließt noch sorgfältig die Öffnung vom Dach und setzt

sich dann zu ihren Kindern. Die Betten bestehen zum größten Teil aus alten Lacken und Stoffresten. Auch wenn es nur Reste sind halten sie schön warm. Durch die kleine Öffnung dringt das letzte Licht an diesem Tag. „Und wollt ihr die gute Nachtgeschichte hören?“ Die Mutter lächelt ihre Kinder an und beginnt dann mit ihrer Geschichte. Wie jeden Abend. „Also heute geht es um eine alte Geschichte aus einem Buch, das ich vor dem Krieg in einem alten verlassenen Haus fand. Komisch war, dass niemandem dieses Haus vorher aufgefallen war. Es war wie ein Geisterhaus, das plötzlich aus dem nichts auftauchte. Interessant war, dass auch das Buch von einem alten verkommenden Geisterhaus, und drei Schüler die sich dort rein wagten, handelte.“

Die Mutter sieht den Jüngsten der Beiden an und versucht die Geschichte so gruselig wie möglich zu gestalten. Sie macht große Augen und Grimassen während sie erzählt. Sayo lächelt bloß verständnisvoll und tut so als würde sie sich auch gruseln. „Die drei Schüler waren schon ewige Freunde und wuchsen zusammen in derselben Stadt auf. Sie machten jeden Unsinn zusammen. Da gab es zuerst die Tini. Ein sehr hübsches und ruhiges Mädchen, wie unsere kleine Sayo hier. Und dann war da noch der Tim. Er verhielt sich wie ein kleines Kind, war aber sehr klug. Zum Schluss gab es den sportlichen Athlet Tom. Sie nannten sich die drei T´s. TTT. Gerade als sie das Erwachsenenalter erreicht hatten bekamen sie einen neuen Bewohner in der sonst so kleinen Stadt. Es war sehr selten. Tim war die Sache von Anfang an unangenehm. Der neue Stadtbewohner Herr Kann hatte immer dieses

fiese Lächeln und diese ruppige Art, die den Freunden nicht gefiel. Eines Tages bat Herr Kann die wunderhübsche Tini in sein Haus zu kommen. Nach dem diese wieder raus kam sagte sie keinen Ton mehr. Sie stand nur noch da mit einem angstvollem Blick und zitterte, wenn Herr Kann in ihre Nähe kam. Er lächelte immer und sah sie zufrieden an. Eines Nachmittags begaben sich Tim und Tom zu Tinis Haus und wollten herausfinden was passiert ist. Tini sagte aber keinen einzigen Ton. Eine Woche später war dann endlich ihr erster Satz: „Wie müssen in sein Haus. Daraufhin begaben sich die Drei in das düstere Haus von Herr Kann. Tim und Tom haben sich ein wenig umgehört und haben erfahren, dass in diesem Haus ein Schatz sei von unschätzbarem Wert. Leider hat Tini auch nicht mehr gesagt. Nur das sie in das Haus wolle. Sie schlichen vorsichtig hinein, ausgerüstet mit einer Taschenlampe und einen Sack. Plötzlich

hörten die Beiden nur ein paar Schritte hinter ihnen, ein lautes Geräusch. Sie erschraken und sie bekamen eine Gänsehaut als sie das erblickten was vor ihnen stand…Tom und Tim wachten auf und bemerkte, dass das Licht langsam wieder anging.“


Eigentlich ging die Geschichte ein wenig anders, doch die Mutter wollte ein Happy End haben und kürzte die Geschichte ein wenig und veränderte sie:


„Plötzlich schrien alle Alles Gute zum Geburtstag. Tini hatte für die beiden eine Überraschungsparty. Weil sie wusste das die beiden auf Geister und Mysterien standen entwarf sie diesen Plan und fragte Herrn Kann ob er mitspiele. Sie hatten einen wunderschönen Abend und feierten noch lang.“


Ihre Mutter gibt ihren Kindern noch einen sanften Kuss auf die Wange und verschwindet dann in ihrem Zimmer. Es wird dunkel und die ABC-Stadt beginnt zu schlafen. Es gibt kein einziges Licht was die Nacht erhellt. Außer das Licht des großen Mondes. Sayo und Luka liegen in ihrem Betten. Die Stunden vergehen, aber Sayo kann einfach nicht einschlafen. Hin und her dreht sie sich in ihrem Bett und kann einfach nicht schlafen. Immer unruhiger bewegt sie sich in ihrem Bett. Bis sie mit Blick zur Decke liegen bleibt. Mit offenen Augen starrt sie sie an und fängt plötzlich an nachzudenken. Sie macht sich Gedanken um die merkwürdigsten Dinge. Zum Beispiel was sie tun würde, wenn sie einen Wunsch frei hätte. Sie könnte die Zeit zurück drehen und vielleicht den großen Krieg verhindern. Dadurch würden sie und ihre Familie in einer heilen Welt leben und das Leben genießen. Ein anderer Traum von Sayo ist es nur einmal den

Himmel in der Nacht zu sehen. Aber das ist unmöglich. Genauso wie die Vorstellung, den großen Krieg verhindern zu können. Man müsste jetzt etwas unternehmen, statt über die Vergangenheit nach zu denken. Es sind sowieso keine schönen Erinnerungen. Es sind nur Gedanken über Tod und Zerstörung. Aber eine Zerstörung von etwas kann auch positive Seiten haben: Jede Zerstörung zieht immer einen Wandel mit sich. Dieser kann gut sein oder schlecht. Aber es ist klar, dass es nie wieder so sein wird wie zuvor. Aber dieser Wandel, also was das für ein Wandel ist, liegt ganz allein bei den Menschen. Dennoch gegenwärtig haben wir hier alle nur ein Ziel, nur ein Wille. Der Wille zu leben, das wichtigste in dieser Zeit. Umso mehr sie darüber nachdenkt, umso weniger kann sie einschlafen. Schließlich begibt sie sich nochmal aus dem Bett.

Irgendwie fühlt sie sich leer und so hilflos. Sie fragt sich, ob sie etwas machen könnte dagegen. Irgendetwas um einen Wandel voran zu schreiten. Aber sie ist nur ein kleines Mädchen. Sie möchte einfach nur mit ihrer Familie überleben… Sie streckt sich ein wenig und läuft orientierungslos durch den Raum. Sie ist immer noch hell wach und weiß nicht was die tun soll. Da geht ihr Blick auf einmal zu der Öffnung an der Decke. Sie wird von der Neugier gelockt und würde gerne mal die Nacht sehen und die Kälte, Ruhe, die in ihr herrscht, spüren. Langsam und leise, so das ihr kleiner Bruder nicht aufwacht, begibt sie sich zu der Öffnung. Sie will nur einmal in ihrem Leben den Sternenhimmel sehen können. Behutsam und mit leichten Schritten geht sie die alte Eisenleiter hoch. Sie entfernt vorsichtig das Stofftuch, was den Eingang zum Dach bedeckt.

Plötzlich hört sie einen Schrei. „HILFE. Hilfe. hilfe“ Sie erschreckt und tritt einen Schritt auf der Leiter zurück. „Was war das?“ Sie verharrte ein paar Minuten ohne sich zu rühren. Sie blickt um sich und verspürt auf einmal eine große Angst. „Wieso hör ich nichts mehr. Da war doch eben ein Schrei. Jemand schrie nach Hilfe. Aber dann verstummte es. Es war so nah. Vielleicht sollte ich doch nochmal einen Blick wagen.“ –murmelte sie leise. Auf einmal packt sie jemand von hinten und zieht sie von der Leiter hinunter. Sie will schreien, doch eine Hand bedeckt ihren Mund. Ihre Atmung wird schnell und sie versucht sich aus dem Griff zu befreien. Jedoch ist er zu stark.

„Sei leise“- flüstert eine Stimme Endlich lockert sich der Griff und Sayo berührt sich, als sie bemerkt, dass ihre Mutter diejenige war, die sie festhielt. „Mutter, was ist los. Ich hab einen Schrie gehört.“ Flüstert Sayo „Die Sammler sind hier.“ Einen kurzen Moment kommt kein Wort über ihre Lippen. „Was sollen wir tun“ wispert Sayo „Am besten wir bleiben hier und verhalten uns ruhig.“ „Ich habe Angst, Mutter“ „Ich auch, Sayo.“ Sie begeben sich zurück Richtung Bett. Dort angekommen verkriechen sie sich schnell in

ihre Stoffreste und versuchen zu schlafen. Schützend hält die Mutter ihre Arme um ihre Kinder. Sie kneift die Augen zu und versucht es jedenfalls. Dabei hofft sie, dass die Sammler an ihren Haus vorbei ziehen…

die versammlung

Die Nacht ist vorbei, und die Sonne lässt ihre ersten Strahlen über die Erde ziehen. In diesen Augenblick wacht Sayo auf. Sie gähnt und streckt sich, als wäre nichts. Nur langsam kommen die Erinnerungen der letzten Nacht zurück. Sie blickt um sich und sieht außer sich niemanden hier im Zimmer. Noch im Halbschlaf steckend, klettert sie die Leiter hoch und lässt einen kurzen Blick durch das Loch im Dach zu. Die Sonne scheint in ihr Gesicht und blendet sie. Rauch steigt in ihre Nase und sie weicht für einen kurzen Moment zurück. Erst nach ein paar Sekunden konnte sie die Asche und das Feuer rings um ihr Haus erkennen - mittendrinne ein kleines Mädchen. Sie ist nicht mal so alt wie Luca. Weinend und voller Schmutz kniet sie neben jemandem. Sayo

erkennt aber niemandem. Sie sieht nur eine vom Feuer verschluckte Gestalt. Die „Häuser“ neben ihrem sind zerstört und die dort lebenden Menschen tot. Der Blick des kleinen Mädchens wendet sich von der verbrannten Person ab. Sie schaut um sich, total verwirrt, hilflos, ängstlich. Auf einmal treffen die Augen des kleinen Mädchens die Augen von Sayo. Sie starrt sie an, als würde sie sagen wollen „Hilf mir“ Und plötzlich bewegen sich ihre Lippen. Durch das schluchzen und die zitternde Stimme hörte Sayo nur „Ich will meine Mama zurück.“ Erst jetzt realisiert Sayo was hier geschehen ist.

Die Sammler haben wieder einen Beutezug gemacht. Aber momentmal…wo ist Luca? Und wo ist ihre Mutter. Ohne weiter an das kleine Mädchen denken zu können, wendet Sayo ihren Blick von ihr und springt voller Panik von der Leiter runter.


Sie ist ganz allein hier. „MUTTER, LUCA.. antwortet mir.“ Fängt sie an zu schreien. Niemand antwortet. Sie rennt hinunter in den ersten Stock. Mit Tränen in den Augen schreit sie immer weiter und lauter. Bis… „Guten Morgen meine Engel.“ Ertönt plötzlich

eine warme freundliche Stimme. „Mutter“- sagt Sayo vollkommene erstarrt „Alles ok. Hattest du einen Albtraum?“ sorgt sich Luka. „Nein. Aber.. Ich dachte.. ich dachte..“ Tränen strömen über ihr Gesicht. Ihre Mutter nimmt sie in dem Arm und sagt: „Es ist alles ok. Wir sind hier. Es ist alles ok. Sayo schafft es nicht mehr zu stehen und sackt im Arm ihrer Mutter zu Boden. „Warum weint. Bitte weint nicht“ sagt Luka und kuschelt sich zwischen seine Schwester und Mutter. Als sich die Lage wieder beruhigt hat wagt Sayo sich aus dem Haus. Sie kann einfach nicht das Gesicht des Mädchens vergessen. Draußen angelangt ist das Mädchen verschwunden. Sie lebten seit Jahren nebeneinander, aber sie kennt nicht mal ihren Namen.


Überall sammeln sich vereinzelt Menschen an diesen Ort und durchsuchen die Asche nach allem was nützlich sein könnte. Ein paar Schritte von ihr weg kann sie ein Gespräch zwischen zwei unbekannten Leuten hören: „Schrecklich. Die Angriffe werden immer häufiger.“- sagt die eine Stimme „Viel schlimmer finde ich aber die Methoden, die sie neuerdings anwenden. Sie haben erst alle getötet und dann alles in Brand gesteckt. Das gab es noch nie. Warum haben sie alles verbrannt. Ich verstehe es nicht.“ Sagt die andere Stimme „Stimmt. Das ist schon eigenartig. Normalerweise töten sie so, dass niemand etwas mitbekommt. Ein Feuer ist sehr auffällig. Was wenn sie irgendwann die ganze Stadt verbrennen.“ „Ich glaube es wird Zeit, dass die Ältesten sich

was einfallen lasse.“ „Ist heute nicht sogar die monatliche Versammlung? „Ja, stimmt. Wir sollten uns beeilen“ - „Das ist nichts für kleine Mädchen“ – sagt Luka, der plötzlich neben ihr auftaucht. „Oh Mann. Erschreck mich doch nicht so. Und was heißt hier kleines Mädchen. Ich bin immerhin 10 Jahre älter als du“ lacht Sayo „Na und. Ich bin hier der Mann im Haus. Ich habe das Sagen.“ „Oh verzeihen sie werter Herr. Wie wäre es wenn wir uns von hier weg begeben würden. Nicht, dass das kleine Mädchen hier anfängt zu weinen.“ – antwortet Sayo, mit einen Hauch Sarkasmus. „Klingt nicht schlecht. Was meinst du Luka. Hast du Lust mit zur heutigen Versammlung zu kommen?“ – nun ist auch die Mutter von Sayo draußen bei ihnen. Sie schließt noch die

Haustür mit einer Kette und einem großen, leicht angerosteten Schloss zu. „Was ist mit Sayo? Kommt sie auch mit“ Fragt er mit seiner süßen Stimme. „Sie muss leider gleich los. Sie soll noch ein paar Dinge für mich auf dem Markt erledigen.“ „Was für Dinge?“ „Erzähl ich dir später. Na komm wir sind schon spät dran.“ Luka und seine Mutter gehen entlang der sandigen Straßen in der Stadt. Jeden Monat gibt es eine Versammlung der restlichen Stadtbewohner und den Ältesten. Es ist einfach nur Routine - meistens. Bei den Versammlungen werden verschiedene Dinge besprochen. Manchmal geht es nur darum zu klären wie es mit der Versorgung aussieht oder wer diesen Monat dran ist mit der Säuberung der Stadt. Ab und zu kommt es vor, dass sie über die Sammler sprechen.

Der Krieg ist nunmehr über 100 Jahre her - wenn das reicht. Die, die ihn miterlebt haben sind bereits tot und können nicht mehr darüber berichten. Die ältesten selbst wissen auch nichts über die Ereignisse, die damals die menschliche Rasse beinah aussterben ließ. Selbst die Erklärung, dass es ein Krieg gewesen sei, ist eben nur eine Vermutung. Die meisten hier wünschen sich nur eins: Endlich erlöst werden. Andere Leute, wie die Mutter von Luka und Sayo, möchte dafür sorgen, dass ihre Kinder und andere wieder ein Leben haben. Aber so ehrenhaft diese Absicht auch sein mag, sie hat leider kaum Möglichkeiten dazu. Doch sie kann ihren Kindern eines geben: Liebe, Hoffnung und das wichtigste in einer Zeit wie dieser. Deswegen sind diese Versammlungen immer etwas durchwachsen. Meistens gibt es keine Einigkeit und es passiert im Endeffekt nichts.

Auf der Tagesordnung stehen immer drei Hauptpunkte 1. normale Probleme (Streitigkeiten zwischen Bewohnern, Stürme, die ab und zu die Stadt heimsuchen und ein wenig Chaos schaffen usw..) 2. die spezielle Säuberung - das Lebensnotwendigste ist in den letzten Jahren. Jeden Monat muss die Stadt mindestens einmal „gereinigt“ werden. Das heißt es wird versucht einige Trümmerhaufen zu beseitigen und neue Gebäude zu errichten. Das ist sehr wichtig, sodass die Stadt nicht verkommt und weiter wächst und irgendwann mal wieder Pflanzen wachsen können. Doch dafür brauchen sie einen reinen Untergrund und reine Luft. Leider hat kaum einer hier eine Ahnung wie man richtige Häuser baut, die auch mal etwas mehr aushalten.


Die Ältesten sind hier Nana und Hana. Die beiden Schwestern sind bereits 45 Jahre alt. Das ist in dieser Zeit ein Wunder. Sie sind die Einzigen, die noch ein wenig Erfahrung mitbringen und weitergeben können. Ihre „Schüler“ sind drei düster aussehende Menschen. Sie verbergen ihr Gesicht immer und ihre Namen kennt man nicht. Sie werden einfach nur Schüler genannt. Hana und Nana sind die unausgesprochenen Oberhäupter der ABC-Stadt und wohnen zusammen mit ihren Schülern in dem schönsten Haus im A-Viertel.

Sie wurden vor ein paar Jahren die Nachfolgerinnen des ehemaligen Ältesten Bilik, der leider verstarb.

Sie versuchen die Überlebenden zu leiten und zu helfen, wo sie nur können. Doch mehr als nur Anweisungen zu geben schaffen sie nicht. Sie selbst sind bereits von der Krankheit umgeben die man den Tod nennt. In der Stadt so wie auch fast überall herrscht Chaos. Überall

Staub und trockene Luft. Diese Gegebenheiten verursachen die Staka-Krankheit. So nennen sie sie. Der gesamte Körper trocknet aus und verkommt. Deswegen hat man auch die Ältesten in das beste Haus geschickt. Man braucht sie. Es gab keinen der schlauer war als der andere. Was sie wussten war, wo man Essen herbekam und wie man sich versteckte. Luka nimmt seine Mutter an die Hand und lacht, ohne Grund, laut los. Seine Mutter schaut ihm freudig zu. Sie blickt hoch zum Himmel und muss selber anfangen leise zu lachen. Der Versammlungsort ist das Haus von Nana und Hana. Gerade weil es das sicherste und schönste Haus von allen ist. An dem monatlichen Ereignis können alle mitmachen die wollen, doch gerade heute wird es sehr voll sein. Heute ist es eine besondere Versammlung.

Luka und seine Mutter bewegen sich langsam in das Haus hinein. Der erste Raum ist gleichzeitig der größte von allen. Er ist riesig und voll. Dutzende von Menschen der Stadt haben sich bereits versammelt. Alle warten schon unruhig auf die Ältesten. Luka und seine Mutter nehmen auf einen der zahlreichen Steinplätzen platzt. Die einzigen möbelartigen Stücke bestehen aus Stein oder Stoff. Ganz selten kommt es vor, dass ein anderes Material benutzt wird. Es ist wie in einer mächtigen Wüste, wo Sand und Gestein die besten Freunde der Menschen sind. Holz ist nach wie vor verboten. Auf einmal kehrt eine gespenstige Stille in dem Raum ein. Hana betritt den Platz des Geschehens. Die Bewohner der Stadt stehen alle gleichzeitig auf um ihren Respekt vor den Älteren zu beweisen. Hana nimmt auf einem großen erhobenen Stein platzt. Sie winkt und gibt ein Zeichen, dass die

Menschen es ihr gleich tun sollen. Daraufhin setzen sich alle wieder und warten gespannt auf das vorher schon groß angekündigte Ereignis. „Liebe Mitmenschen. Wir sind heute zusammengekommen um die monatliche Besprechung abzuhalten.“ „Das Bla Bla kennen wir alle…Wir wollen gerne wissen, was das für ein Ereignis ist, was uns angekündigt wurde.“ Fragt ein neugieriger aus der Menschenmasse. „Das ist doch unwichtig. Viel nötiger wäre es über den letzten nächtlichen Beutezug der Sammler zu diskutieren. So kann es nicht weiter gehen.“ Fragt ein anderer. „Eins nach dem anderen. Die Ereignisse von letzter Nacht sind beunruhigend. Aber zunächst haben andere Sachverhalte Priorität.“ Antwortet Hana „Gut . Dann fangen sie doch bitte bei der Ankündigung an.“

„Tut mir Leid. Ich weiß wirklich nicht was du damit meinst.“ Antwortet sie ratlos. Ein unruhiges Gemurmel geht plötzlich durch die Reihen. „Aber es wurde uns gesagt, dass bald etwas ganz Besonders passieren soll.“ „Etwas besonders?“ fragt sie verwirrt. „Es geht das Gerücht um, dass die Sammler einen Großangriff planen auf unsere Stadt. Jeder weiß davon und jeder redet davon.“ „Ich kenne dieses Gerücht nicht und wüsste jetzt auch nicht wer es verbreitet hat, aber es passiert nichts Neues oder Besonderes in der Stadt. Punkt. Also fangen wir endlich an. Als erstes die Säuberung. Wer ist diesen Monat dran…“ Irgendetwas war merkwürdig. Hana wirkt sehr nervös und ziemlich unsicher. Luka und seine Mutter hören weiterhin zu, fragen sich jedoch was das Ganze soll.


Es begann vor ungefähr einer Woche als ein Sammler in die Stadt kam. Er schien nicht aus der Gegend zu sein. Als er sein Beutezug beendet hatte verlor ein Stück Papier, wo geschrieben stand: „Zugriff auf die ABC-Stadt. Durchsuchung Nr. 881.“ Bisher kamen viele Gerüchte auf. Doch niemand hat bisher eine Ahnung was dies bedeuten soll. Nur sehr wenige können lesen, deswegen kann man nicht mit Sicherheit sagen ob die Gerüchte stimmen. Der Zettel scheint verschwunden zu sein, genauso wie derjenige, der ihn gefunden hatte. Jedenfalls tauchte er heute nicht bei der Versammlung, wie versprochen, auf. Beweise gab es also nicht. Seit dem sind die Bewohner sehr beunruhigt. „Nun gut diese Woche seid ihr dran mit der Säuberung.“ Hana fährt mit der Versammlung fort und weist daraufhin das Luka, Sayo und

ihre Mutter diesen Monat dran sind- zusammen mit ein paar anderen Personen. Die Versammlung bringt kaum was Neues. Das was sie besprechen ist immer das Gleiche. Der wichtigste Tagespunkt Nummer 3: Die Bekämpfung der Sammler wurde heute aus irgendeinen Grund ausgelassen. Hana und Nana verschwinden und lassen die Bewohner „dumm“ zurück.

der markt

Sayo geht noch recht geistesabwesend die einsamen Gassen der Stadt entlang. Sie benutzt vorwiegend kleine Schleichwege und menschenleere Pfade. Es scheint so als wolle sie jeglichen Kontakt vermeiden. Aber vielleicht mag sie es auch einfach ein wenig für sich zu sein. Auf ihren Weg begegnet sie keinen einzigen Menschen. Überall wo sie hinsieht ist Stille und Ruhe. Alles ist wie verlassen. Fast so als würde ihr die gesamte Stadt gehören. Bei diesem friedlichen Morgen kommt es einen fast so vor, als gebe es hier weder hungernde Menschen, noch den Tod. In diesen Momenten hofft sie einfach nur, dass irgendwann die Menschen in Frieden leben können und keiner mehr dem Tod so nahe kommt wie in dieser Zeit.


Sayo ist auf den Weg zum Markt. Das ist ein kleines Gebiet, wo Menschen verschiedene Gegenstände zum Tausch anbieten. Sayo soll für ihre Mutter ein Geschenk für den kleinen Luka auftreiben. Er hat nämlich bald Geburtstag. Unglaublich, dass er schon sieben Jahre wird. Sieben Jahre in dieser Hölle. Doch immer, wenn Sayo ihren kleinen Bruder ansieht, sein Lachen hört und spürt, dass er glücklich ist, fasst sie neuen Mut. Es ist so als würde Luka die Situation kaum was ausmachen. Er ist nur froh eine Familie zu haben. Und da hat er noch Glück im Gegensatz zu den Kindern im Elendsviertel. Sayo lebt nunmehr seit 16 Jahren in diesem Überlebenskrieg. Alleine wäre sie nie so alt geworden… Endlich ist sie auf dem Markt angekommen. Groß ist er auf jeden Fall nicht. Viele Wege führen hierher. Es ist eine Art Zentrum für diese Stadt. Oder besser ein zentraler Punkt

zum Handeln, zum Treffen oder um interessante Neuigkeiten unter die Leute zu bringen. Auf diesem großen, runden Sandplatz verteilen sich am Rand Links und rechts ein paar „Stände“. In der Mitte ist eine Art riesiges Podest in Stein gehauen. Auf diesem steht gerade ein Mann, um ihn versammeln sich immer mehr Menschen. Er redet über eine höhere Macht. Er nennt sie Amiola – eine in Menschengestalt umherwandernde Macht, die über uns steht. Er sagt, dass sie die Kraft hat alles zu verändern und sie es auch war die diese Katastrophe über den Menschen gebracht hat. Der Mensch ist selbst schuld. Er hat Amiola verärgert. Man solle sie nun um Verzeihung bitten, und ihr vor allem Opfer bringen. Nur so könnte man sie besänftigen. „Das ist nur dummes Gerede. Hört nicht auf diesen Idioten.“ Schreit plötzlich eine Stimme aus der Menge.

„Ich habe sie selbst gesehen- mit meinen eigenen Augen. Sie sprach zu mir. Wenn wir sie nicht bald besänftigen wird es noch weitere Katasrophen geben.“-sagt der Mann auf dem Podest „Was sollte denn jetzt noch groß passieren?“ sagt eine weitere Stimme „Ich finde wir sollten auf ihn hören. Auch ich habe schon diese Stimme gehört. Ich glaube es war die selbe.“ Plötzlich steigt eine weiter Person auf das Podest und unterstütz die Aussagen des Amiola-Mannes. Ein kleiner Streit bricht aus, aber Sayo interessiert sich nicht wirklich dafür und verlor das Interesse weiter zuzuhören. Sie geht über den Markt und sieht sich um. Genauso wie die Anzahl der Stände ist auch die Auswahl sehr begrenzt. Sayo geht an den einzelnen Ständen vorbei. Sie sieht Sachen, wie

alte Socken oder Tücher. Also nichts Neues. Daneben ein Stand, der alte Krüge und Teller anbiete. Nützlich vielleicht, aber für ein Geburtstagsgeschenk eher ungeeignet. Gelangweilt lässt sie ihren Blick an den Sachen schweifen. Plötzlich erblickt sie ein kleines glitzerndes Ding. Es war rund und hatte seltsame Striche aufgemalt. Insgesamt 12 verschiedene Symbole. Sie sahen nicht so wie die Striche auf den Stein aus, den sie gestern Mittag gesehen hatte. In der Mitte war eine Art Punkt an den zwei weitere lange bewegende Stiele befestigt sind. Der eine war kürzer als der andere. „Hey…willst du nur starren oder willst du auch was haben?“ Mault der alte Mann. Er hat einen langen Bart und die langen grauen Haare hängen ihn strähnig über dem Gesicht.

„Was ist das?“ fragt Sayo neugierig „Das ist mein Schatz. Ich nenne es Twösim.“

„Was willst du dafür haben?“ „Es ist mehr als dein dummes Leben wert. Ich bezweifle das du es dir leisten kannst, oder?“ Grummelt er nur „Ich denke nicht.“ Sein furchteinflößender Blick bringt Sayo dazu weiter zu gehen. Auf dem Markt gibt es die ungewöhnlichsten Sachen. Außer die wichtigste von allen: ESSEN. Niemand könnte den Wert von Essen in materielle Gegenstände umtauschen. Nach einer gefühlten Ewigkeit gibt Sayo auf. Sie findet einfach kein passendes Geschenk für Luka. Sie setzt sich müde und erschöpft in den Schatten eines Hauses. Atmet ein und aus und seufzt. „Dann eben wieder eine Socke… Vielleicht kann ich mit hilfe von Mutter daraus eine Art Puppe bastelt.“ Denkt sie vor sich hin. Sie schließt die Augen und entspannt ein wenig.

„Wie langweilig. Gibt’s du etwa schon auf?“ Sayo erschreckt. Auf einmal war ein junger Mann neben ihr und lächelt sie mit einem spöttischen Ausdruck im Gesicht an. „Wer bist du?“-Sayo In Gedanken betrachtet sie ihn etwas genauer: Er lehnt sich mit verschränkten Armen gegen die Mauer des Hauses neben ihr. Er hat schwarze Schuhe an, dazu eine schwarze Hose, ein schwarzes Oberteil, und eine schwarze Jacke darüber. Um die Kleidung ein wenig zu verbergen trägt er über alles einen zusammengeflickten dunklen Umhang. Die Sachen darunter sind aber weder zusammengeflickt noch kann sie den Stoff zuordnen aus dem sie bestehen. Es ist jedenfalls kein Material welches sie kennt. Sein Gesicht ist mit einer großen, tiefen Narbe

neben den linken Augen vesehen. dunkle Haare, braune Augen und eine tiefe, sanfte Stimme lassen ihn noch düsterer wirken. Dieser Typ ist eindeutig nicht von hier. „Mein Name ist egal.“ Antwortet er „Und was willst du?“-Sayo „Ich wollte mir mal die Stadt ansehen. Ein ziemlich trostloser Ort, wenn du mich fragst.“ Sein Blick senkte sich zu der immer noch am Boden sitzenden Sayo. Die wiederum versucht dem Blick auszuweichen.Gleichgültig antwortet sie dann: „Kann schon sein.“ „Wohnst du hier in der Nähe?“ „Was interessiert dich

das?“-Sayo „Es interessiert mich nicht“ „Warum fragst du dann?“-Sayo „Weil mir langweilig ist.“ Er lächelt plötzlich und schaut rauf zum Himmel. „Es ziehen Wolken auf.“ „Was?!“-Sayo Sayo sieht ihn ungläubig an. „Wie heißt du eigentlich?“ „Wieso sollte ich dir das sagen? Du hast mir auch nicht deinen Namen veraten.“ -Sayo

„Stimmt. Sagst du ihn mir trotzdem?“ Fragt er dreist Es ist selten, dass sich Fremde in die Stadt verirren. Wenn dann sind es meist nur die Sammler. „Woher kommst du eigentlich?“-Sayo „Das sage ich dir wenn du mir deinen Namen verrätst.“ „Nein. Ich verrate ihn dir wenn du mir meine Frage beantwortest.“-Sayo „Ich komme nicht von hier. Und jetzt du.“ „Warte. Was heißt nicht von hier? Bist du ein Sammler?"- Sayo


"Nein bin ich nicht."


Wieder schaut sie ihn ungläubig an. Und fragt darauf voler neugierde: "Gibt es noch weitere Städte?"


 „Ich habe deine Frage beantwortet. Jetzt beantworte mir erstmal meine.“ „Mein Name ist Sayo Mika.“-Sayo „Sayo Mika - schöner Name.“ Endlich treffen sich ihre Blicke und Sayo kann ihren Scharm nicht verbergen. So einen Menschen hat sie noch nie kennengelernt. Wenn er nicht von hier kommt, dann gibt es da draußen also noch mehr, außer Wüste. Sayo hat auch irgendwie keine Angst vor diesem Mann. Sie ist eher neugierig. „Sag mal Sayo Mika-“

„Nur Sayo bitte – wenn es geht.“- Sayo „Sayo Mika nennt mich meine Mutter immer wenn sie sich Sorgen um mich macht oder wenn sie mal wieder sauer auf mich ist.“ „Also nur Sayo.“ „Genau.“-Sayo „Ich hab ein kleines Problem und wollte fragen ob du mir vielleicht helfen kannst.“ „Vielleicht. Was ist dein Problem.“ „Ich hab noch einiges zu erledigen hier. Das Problem ist, das ich nicht weiß wo ich übernachten soll. Weißt du einen Ort, an den ich für eine Weile bleiben kann? Wenn du mir hilfst beantworte ich dir auch noch ein paar deiner Fragen.“


„Nein tut mir leid.“-Sayo Sayo wurde die Sache eine wenig unangenehm. Was wenn er doch ein Sammler ist. Nur ungern erinnert sie sich an die letzte Nacht. Sie möchte nicht, dass das nächste Mal ihr Bruder derjenige ist, der über ihre Leiche weinen muss. Die Zeit ist gefährlich und auch wenn der Fremde nett zu sein scheint, ist es einfach zu riskant. „Ich muss dann wirklich wieder gehen.“-Sayo „Warte.“ Schlagartig nimmt er ihre Hand und drückt ihr etwas Weiches, Kuscheliges in die andere-ein Teddy. Er sieht wie neu aus. „Vielleicht gefällt dein Bruder das hier. Du kannst es gerne behalten.“

„Ist das dein Ernst?“-Sayo fragt mit skeptischen Blick „Mein Ernst- dafür möchte ich aber das du dir folgendes anhörst.“ „Warte?! Ich soll dir nur kurz zuhören und dann schenkst du mir das?“-Sayo „Du sollst mir nur sagen, was du davon hältst kleines Mädchen: Die Tage vergehen Egal was ich auch tu´ Die Zeit wird niemals stehen Ich schau immer nur zu So viele Steine hier Versperren mir die Welt Meine Freiheit vor mir In tausend Stücke fällt

Wir leben nur einmal in dieser Zeit Wir haben jetzt die Wahl Entweder wir leben mit Schmerz und Leid Mit der Qual Nie wirklich etwas gewagt zu haben Nie aus dem Schatten gesprungen zu sein Das Leben hat so viele Farben Ich will auch einer dieser sein.“ „- sagt ein Mann der komplett in schwarz gekleidet ist.“- Sayo „Du verstehst wohl nicht, was das Gedicht dir sagen will.“ „Es sagt das die Tage vergehen, die Zeit auch immer weiter läuft und du gerne eine Farbe sein willst.“ -Sayo „Nein.“ Lacht er „Du musst richtig hinhören und zwischen den Zeilen die wahre Bedeutung herausfinden.“

„Wieso muss ich zwischen den Zeilen suchen. Warum kannst du mir nicht direkt sagen was du meinst?“- Sayo „Du bist schwierig.“ –seufzt er „ Warum? Warum sollte man etwas verstecken. Warum sagt der Gedichtssager nicht direkt, was er dem Hörer vermitteln will.“- Sayo „Gedichtsager? Hörer? Du bist drollig.“- schmunzelt er „Und du gemein. Wenn du mich nur auslachen willst dann verschwinde ich jetzt. Danke aber für den Teddy“-Sayo „Es bedeutet, um es einfacher auszudrücken, wenn du dein Leben, so wie es jetzt ist, hasst, dann ändere es gefälligst selber und warte nicht darauf, dass es sich von selbst ändert.“

„Wenn ich jetzt was ändern würde, wäre es nur weil du es mir gesagt hast. Also nicht weil es von mir selbst kommt. Dann würde ich den Gedichtssager enttäuschen, oder?“-Sayo „Das kann schon sein. Ich habe dir aber nur gesagt, was es bedeutet.“ „Du hast gesagt was es für dich bedeutet.“-Sayo „Na gut. Was bedeutet es denn für dich?“ „Das ein schwarzer Typ gerne eine Farbe sein würde.“- Sayo „Du klingst wie ein kleines Mädchen.“ Lacht er wieder „Du bist doof.“- Sayo „Ich weiß. Wir sehen uns noch. Ach übrigens:

Ich heiße Nathan.“ Kaum hat er diese Worte ausgesprochen verschwindet er. Sayo sieht den kleinen Teddy an den ihr der Fremde geschenkt hat. Ein süßer weicher Teddybär mit gold-braunen Fell und schwarzen Knopfaugen. Das perfekte Geschenk für ihren Luka. „Woher wusste er davon?“ murmelt Sayo leise vor sich hin. Dann bemerkt sie, dass der Teddy eine kleine Halskette trägt. Eine Kette mit einen funkelnden Stein dran gebunden. „Wer war das bloß…“-Sayo Sie nimmt die Kette und bindet sie sich um. Aber zum Schutz versteckt sie sie unter ihre Kleidung. Den Teddy klemmt sie sich unter den Arm und macht sich auf den Weg nach Hause.

Die Navorsings

Auf ihren Weg begegnet sie zufällig Leo. Eigenartig ist nur, dass er allein zu sein scheint. Meistens ist er mit Julia zusammen aus dem einfachen Grund heraus, dass es sicherer für einen sechsjährigen Jungen ist. „Leo - Was machst du denn hier so ganz alleine?“ -sayo „Ich habe Julia aus den Augen verloren.“- sagt er, während er versucht die Tränen zu unterdrücken „Wo und wann genau hast du sie denn aus den Augen verloren?“ „Wir waren gerade bei der Versammlung. Danach wollten wir zu Papa gehen. Ich musste aber nochmal auf Toilette und als ich wieder kam war sie weg.“ „Wein doch nicht. Was hältst du davon wenn du erstmal mit mir nach Hause kommst?“ „Ich weine nicht – aber ok. Warum warst du

eigentlich nicht auf der Versammlung“ „Ich habe für meinen Bruder ein kleines Geschenk besorgt. Aber sag mal, was ist eigentlich nun rausgekommen? Wissen sie was es mit dem Zettel auf sich hat?“ „Ich weiß nicht. Sie haben gesagt sie wissen nichts davon. Vielleicht gab es nie einen Zettel“

„Was?! Es gibt einen. Ich habe ihn selbst gesehen.“ „Hast du?“ „Ja. Dieser Mann kam vor ein paar Tagen zu uns nach Hause. Er selbst kann nicht lesen und fragte deswegen Mutter.“ „Weißt du denn wo er wohnt?“ „Nein leider nicht. Er kam und ging sofort wieder.“ - sayo „Dann können wir es also leider nicht beweisen.“ - leo „Zugriff, Durchsuchung…Das hört sich nicht so gut an.“ –sayo „Mhm.. Da fällt mir ein: Ich glaube Papa wollte

heute zu den Navorsings.“ „Bist du dir sicher?“ „Ja. Er spricht schon lange davon, dass er auch was tun will. Er kann einfach nicht mehr tatenlos rumsitzen.“ „Immer mehr Leute scheinen sich den Narvorsings anzuschließen, obwohl sie bisher keinerlei Erfolg hatten.“ „Kann sein.“ „Es sind auch nur noch zwei Gebiete, oder?“ „Stimmt. Dann sind sie durch.“


Die Navorsings sind eine Gruppe von Menschen, die sich zusammengeschlossen haben, um das Gebiet rund um die Stadt zu erkunden. Angefangen hatte das ganze vor ein paar Jahren. Sayo selbst war gerade einmal 10 Jahre alt. Luka gab es da noch nicht. Zu dieser Zeit starb Bilik, der Lehrmeister von Hana und Nana, und ernannte seine zwei Schülerinnen zu seinen Nachfolgerinnen.

Der Tod von ihm kam plötzlich und unerwartet. Bilik war ein guter Freund, fast schon ein Teil von ihrer kleinen Familie. Mindestens einmal am Tag kam er vorbei und redete stundenlang mit Sayo´s Mutter. Sie haben viel gelacht zusammen. Auch Sayo hatte ihn sehr gern. Ab und zu saßen sie zusammen auf dem Dach nebeneinander und schauten über die Stadt hinweg.


„Der Horizont scheint unerreichbar. Diese Stadt- sie scheint wie eine eigene Welt zu sein oder vielleicht passt der Vergleich mit einem Gefängnis eher.“ „Was ist ein Gefängnis, Bilikiki?“ fragte Sayo „Bilik, heißt es richtig. Du musst lernen dir solche Sachen zu merken, kleine Sayo. Ein Gefängnis ist wie eine dunkle, kleine Kiste. Du selbst bist in dieser Kiste eingeschlossen, entweder bist du daran schuld oder jemand

anders hat sie verschlossen. Du kommst nicht raus und verlierst dich in ihrer Dunkelheit. Deine Sehnsucht nach Freiheit wird mit der Zeit immer größer, genauso wie die Verzweiflung für immer dort gefangen zu sein. Die Kiste ist klein und eng. Du bist ganz allein und kannst dich nicht bewegen oder dich entfalten, und irgendwann gibst du auf.“ „Die Stadt ist aber groß, hell und warm. Ich bin nicht allein- Mutter ist hier und auch du, Bilikiki.“ „Das hast du mit Sicherheit absichtlich so gesagt.“ „Nein stimmt nicht. Bilikiki hört sich aber schöner an.“ Lachte Sayo und beugte sich langsam zu Bilik rüber. „Das stimmt- Ich bin auch nicht alleine hier. Du, deine Mutter, meine Schüler und der alte Mirok, der mir immer etwas von seinen Geheimvorrat an Salz abgibt wenn ich ihn besuche. Oh nein, Ich bin nicht alleine. Und

genau deswegen muss sich was ändern.“ „Was willst du denn ändern?“ „Die Stadt… Weißt du, früher hatten die Menschen genug zu Essen. Sie lebten in großen Häusern mit richtigen Betten, fließendes Wasser und es gab Elektrizität. In vielen Gebieten gab es große grüne Flächen mit Bäumen soweit das Auge reichte. Im Frühling erfüllte immer ein betörender Duft die Luft. Blumen in allen Farben wuchsen heran und ließen ihre Pracht im Licht der Sonne leuchten.“ „Was ist Elektrizität?“-Sayo „Das kannst du noch nicht verstehen.“


Sein Blick wendete sich ab und veränderte sich. Er hob seine Hand und begrub unter sie sein Gesicht. Es schien so als hätte er etwas gesagt, was er nicht hätte preisgeben sollen. Aber plötzlich lächelte er und schaute Sayo mit großen Augen an. „Du darfst nicht auf das Geschwätz eines alten

Mannes hören. Ich glaube ich werde langsam senil. Vergiss einfach was ich gesagt habe, versprich es mir.“ „Ok.“ Antwortete Sayo bloß mit einen Lächeln. Solche Gespräche führten sie oft. Und immer wieder kam es vor das Bilik merkwürdige Dinge erzählte von denen Sayo noch nie gehört hatte. Am Ende nahm er aber alles zurück und lachte bloß laut los. Meistens ging er dann kurz vor Sonnenuntergang wieder zurück zu dem Haus der Ältesten im A-Viertel. Natürlich kam und ging er immer in Begleitung seiner Schüler. Er hatte damals noch mehr außer Hana und Nana, aber anscheinend überlebten die anderen nicht.


Sayo weiß noch wie sie mit ihrer Mutter zu der letzten Versammlung von Bilik ging, an dem Tag seines Todes. Er hielt eine Rede, leider erinnert sich Sayo nicht genau daran. Das einzige was ihr von diesem Tag noch in

Erinnerung blieb war der besorgniserregende und ängstlich wirkende Blick von Bilik. Dauernd schaute er Sayo´s Mutter an, als wollte er noch etwas sagen. Am Ende der Rede kam er auf sie zu. Er griff nach der Mutter´s Hand und schien sich von ihr zu verabschieden. Danach wandte er sich Sayo zu und umarmte sie.


„Du bist ein gutes Kind. Merk dir eins meine kleine Sayo. Wissen ist Macht, und ein Fluch zugleich. Aber Unwissenheit ist wie eine dunkle Kiste, aus der man nicht herauskommt.“


Das waren die letzten Worte von ihm. Hana und Nana übernahmen seine Position und der Alltag nahm seinen Lauf.


Kurz darauf gründete einer der guten Freunde von Bilik, Mirok die Gruppe der Navorsings. Am Anfang waren sie bloß zu dritt, aber

mittlerweile haben sich viele Menschen ihnen angeschlossen. Sie durchsuchen die Gebiete außerhalb der Stadt. Meist viele Stunden hintereinander ziehen sie gezielt durch die Wüste, die die Stadt umgibt, immer mit dem Ziel irgendwo Leben zu finden. Sie suchen aber auch banale Dinge wie Wasser, Pflanzen, Holz, Materialen, die sie für andere Sachen brauchen oder tauschen können. Dennoch ist ihr größtes Ziel eine andere Stadt zu finden und den Kontakt mit der Außenwelt zu knüpfen. Irgendwo müssen die Fremden und die Sammler herkommen. Jedoch sind diese Unternehmungen nicht ganz ungefährlich.

Außerhalb der Stadt ist meistens nur Wüste. Wasser gibt es dort meilenweit nicht. Bisher haben sie auch kaum was gefunden. Nur weitere Steine und alte Häuser. Manchmal haben sie sogar andere Menschen gefunden. Doch diese waren leider nicht mehr imstande aufzuwachen. Sie haben aber noch immer

Hoffnung, obwohl diese mit jeder erfolglosen Reise schwächer wird.

„Der Teddy ist wirklich ein tolles Geschenk. So einen hab ich noch nie hier gesehen.“ Meint Leo Sayo erstarrt ein wenig und schaut sich den Teddy noch einmal an. „Ach ja-den hab ich eben gerade selbst geschenkt bekommen.“ Lächelt sie. „Wir sind da. Und da ist auch Julia!“ Leo reißt sich plötzlich von Sayo´s Hand los und stürmt Richtung Julia los.


Neben Julia steht der Vater von den beiden mit Mirok zusammen. Ein Gruppe von Menschen hat sich hier schon versammelt. Das "Zelt" der Narvorsings liegt am Rande der Stadt und gilt als Treffpunkt.

Es scheint als würde es bald losgehen. Sayo schaut sich ein wenig um, während Leo vor Julia stehen bleibt und ein trotziges Gesicht aufsetzt. Er sagt ihr, dass sie hätte warten müssen und es einfach unverantwortlich war ihn so zurückzulassen. Sie hingegen macht sich bloß lustig über ihn auf ihre eigene „liebevolle“ Weise. Auch wenn er erwachsen

tut, bleibt er im Inneren immer noch ein Kind. Sayo lächelt von etwas weiter weg, als sie sie beobachtet. Hier sieht immer alles organisiert und perfekt geplant aus. Mirok erteilt Anweisungen und alle scheinen diese ohne Widerworte sofort zu befolgen. Eine Gruppe sorgt für die nötigen Wasserreserven, eine andere sorgt dafür, dass jeder, der mit will mit entsprechender Kleidung und Ausrüstung versorgt wird. Auch ein paar Kinder, aus dem Elendsviertel stoßen zur Gruppe hinzu. Sie flehen die Männer an sie mitgehen zu lassen, obwohl einige von ihnen kaum stehen können. Man versucht ihnen zu erklären, dass es unmöglich ist Kinder bei solchen Unternehmungen mitzunehmen. Man kann nicht für ihre Sicherheit garantieren und sie würden nur im Weg stehen. Selbst nachdem man ihnen das offen und ehrlich gesagt hat, weichen sie nicht von ihrer Entscheidung ab. Sie wollen mit.

Mirok bemerkt dieses Szenario. „Was ist hier los?“ fragt er die Gruppe von Männern „Wir versuchen diesen Kindern gerade zu erklären, dass wir sie nicht mitnehmen können. Aber sie bleiben stur. Keine Ahnung, was ich noch sagen soll.“ „Am besten wir binden sie irgendwo fest, damit sie auf keine dummen Gedanken kommen und uns verfolgen.“ „Wieso versucht ihr sie aufzuhalten? Wenn sie unbedingt wollen - lasst sie.“ –Mirok „Was?! Das kann nicht dein Ernst sein“ „Natürlich auf eigene Verantwortung. Glaubt nicht, dass ich euch etwas von unseren Vorräten abgeben werde oder ich euch helfen würde wenn ihr in einer Sanddüne versinkt.“ „Ok.“ Antwortet eins der Kinder entschlossen „Na dann. Was steht ihr hier noch so rum. Wir wollen heute Abend los. Beeilt euch. Es muss noch einiges vorbereitet werden.“

Das ist Mirok. Ein selbstsüchtiger, egoistischer und hinterhältiger Idiot. Sayo hasst das an ihm. Sie kann nicht glauben, dass das der beste Freund von Bilikiki ist/war. Auf einmal bemerkt er Sayo und geht auf sie zu. „So ein schlimmer Mensch- überlässt diese armen kleinen Kindern einfach so ihren Schicksal- das hast du doch gerade gedacht, nicht wahr?“ „Ich kenne dich. Ich hätte es nicht anders erwartet.“ Er lacht. „Du bist wahrhaftig ihre Tochter.“ Mirok holt ein wenig Wasser und setzt sich mit Sayo zusammen unter das Zelt. Obwohl sie meinte, dass er doch noch so viel zu tun hätte und sie ihn nicht stören wolle, besteht er darauf. Sie reden ein wenig miteinander oder besser gesagt redet er die ganze Zeit. Sie mag es aber wenn er so vor sich hin erzählt, auch wenn sie bereits alle seinen Geschichten auswendig kennt. Heute erklärt er ihr mal

wieder das Prinzip wonach die Navorsings vorgehen. Das wichtigste und vor allem schwierigste dabei: Sie können nur in der Nacht gehen. Das Prinzip hat sich Sayo´s Mutter ausgedacht. Diese kleinen leuchtenden Punkte am Himmel sind dabei entscheidend. Aus ihnen kann man nämlich eine ganz bestimmte Richtung ablesen. Nordia wird sie genannt. Eigentlich ist das der Name des einen leuchtenden Punktes, der seine Position nie ändert und als Anhaltspunkt dient. So gehen sie jede Richtung und damit verbunden jedes Gebiet, in Bezug auf Nordia, systematisch durch. Ihre Reisen dauern meist mehrere Tage. Geschlafen wird am Tag. Sie kommen dann zurück, wenn sich ihre Wasservorräte langsam dem Ende neigen. Das Problem dabei ist natürlich nicht nur die unendliche Wüste und die manchmal extreme Hitze, sondern auch die Sammler. Außerhalb der Stadt werden sie selten gesehen, aber

trotzdem ist es nicht unmöglich. Außerdem kennen sie sich in der Dunkelheit aus hingegen zu den meisten Mitgliedern der Navorsings. Umso weiter man sich von der Stadt entfernt umso sicherer ist man vor ihnen. Manchmal wirkt es so, als würden sie nicht wollen, dass man sie Stadt verlässt. „Sei vorsichtig.“ „Machst du dir etwa Sorgen um mich“ „Nicht ansatzweise. Mutter wäre bloß traurig und ich will nicht das sie wegen einen Idioten wie dir weinen muss.“ „Süß wie immer.“ Er schaut hoch zum Himmel. „Du solltest langsam nach Hause. Es ziehen Wolken auf.“ Sayo guckt ihn ungläubig an. Diesen Satz hatte sie heute schon einmal gehört. Doch bevor sie fragen kann steht er auf und begibt sich zu den anderen zurück. Sie schaut nach oben kann aber nicht eine Wolke am Himmel erkennen.

Trotzdem überkommt sie ein ungutes Gefühl und sie beschließt nach Hause zu gehen.


Der sturm

Als Sayo sich auf den Weg nach Hause machen will, hört sie hinter sich eine vertraut klingende Stimme rufen. Ernüchterung breitete sich in ihr aus als sie bemerkt, dass es „nur“ der Amiola-typ vom Markt ist, der wieder einmal versucht Leute von seinem Glauben zu überzeugen. Dieses Mal spricht er auch Sayo direkt an. „Hey du - Mädchen – bleib doch bitte nur einmal kurz stehen.“ Er lehnt seinen Arm um sie und erzählt (schon wieder) über seine Begegnung mit Amiola - Sayo solle sich vorsehen. Amiola sei wütend und würde bald ihre grenzenlose Wut

über uns ausbreiten. Sayo sagt kein Wort, lässt sich das alles gefallen, tue so als würde sie zuhören und hofft das er bald fertig ist. Sie selbst glaubt an so etwas nicht wirklich. Als er mit seinem Selbstgespräch fertig ist fragt er Sayo und die Leute um ihn herum nach einer Spende, eine Opfergabe für Amiola. Und tatsächlich gibt es ein paar die auf seine Bitte eingehen. Anscheinende wächst deine Anhängerschaft bereits. Sayo hingegen löst sich von seinem Griff und wendet sich ab. Er versucht sie noch aufzuhalten mit den Worten: „Amiola wird zuschlagen und euch Ungläubigen unter ihrer Wut begraben.“ Jedoch hört sie nicht drauf und ignoriert ihn

komplett. Sie geht ein Stück weg von der bereits angesammelten Menschenmenge um ihn. Sie schaut nicht zurück bis sie bemerkt, dass der Teddybär, den sie eben noch unter ihrer Kleidung versteckt hielt, verschwunden ist. Noch einmal blickt sie zurück und muss mit Entsetzen feststellen, dass der Amiola-typ ihn in den Händen hält. Mit einen herablassenden Ausdruck und einen listigen Grinsen ruft er ihr hinterher:

„Amiola dankt dir für deine Spende.“ Sofort dreht sie um und schlägt sich durch die Massen durch. „Gib ihn zurück“ schreit sie so laut sie kann.


Doch seine Anhänger blockieren den Weg.

„Was hast du denn. Amiola wird dir für diese außergewöhnliche Spende danken.“ „Wenn es sowas wie Amiola gebe, dann glaube ich nicht, dass sie an materiellen Gegenständen Interesse hätte“ „Was du glaubst spielt hier keine Rolle“ „Wie bitte?! Ich dachte darum geht es beim Glauben. Es ist egal wie man seinen Glauben benennt, meinetwegen Amiola, oder wie man ihn beschreibt. Das ist jedem selbst überlassen. Der Glaube ist eine Stütze für uns. Er gibt uns Sicherheit, Mut, Zufriedenheit, HOFFNUNG. Ich hasse es wenn Leute den Glauben, die Hoffnung von

Menschen so scharmlos ausnutzen.“ „Du bist noch ein Kind. Du verstehst sowas nicht.“ „Ich glaube gerade deswegen verstehe ich gut. Ein Kind hat noch ein unbeschriebenes und unverdorbenes Bewusstsein. Kinderaugen sehen die Wahrheit, Kindermünder sprechen die Wahrheit, Erwachsene verdrehen die Wahrheit zu ihrem Vorteil.“ „Einfältiges kleines Kind. Amiola wird dich bestrafen“ „Hast du nicht noch einen anderen Spruch drauf? Der wird langsam langweilig.“ Der Amiola-typ scheint wütend über Sayo´s Worte zu sein. Sein Blick wird

von Augenblick zu Augenblick düsterer. Er hält drohend den Teddy hoch zum Himmel mit beiden Händen. Dann fängt er an, an ihm zu ziehen. Als Strafe und als Zeichen wolle er ihn zerstören. Sayo versucht es zu verhindern kommt aber nicht bis zu ihm hindurch. Doch dann zieht ein starker Wind auf. Menschen fallen um, Zelte fliegen davon, und auch der Teddy wird aus seinen Händen gerissen- Es war nur ein kurzer starker Windstoß. Orientierungslos schauen die Menschen hier um sich als es vorbei war. Sayo blickt rauf zum Himmel – Wolken sind aufgezogen. Sie hat ein komisches Gefühl. Es ist als ob die Welt um sie

herum immer leiser würde. Die Stimmen der vorbeiziehenden Menschen verschwinden. Bis alles um sie vollkommen verstummt. Plötzlich ein lauter Schrei. Eine völlig aufgelöste Frau kommt ihr entgegen. Sie ist so bleich - ihre Angst kann man förmlich spüren.


„LAUFT“


Immer mehr Menschen kommen ihr entgegen und alle haben sie denselben Blick. Sayo geht ein paar Schritte in die Richtung aus der sie kommen- doch was sie dort sieht lässt sie erstarren. Eine meterhohe Wand aus Sand - wie

eine riesige mächtige Wolke, die auf der Erde wandert. Kaum vergehen weiter die Sekunden schon verdunkelt sie die Sonne und ein kalter leichter Hauch übersieht die Stadt. Dunkelheit, Schreie und Sand – Ein mächtiger Sandsturm rollt über die Stadt direkt auf Sayo (-und die Amiola Leute) zu. Statt aber wegzurennen steht Sayo immer noch regungslos da. So etwas Unterdrücktes hatte sie noch nie gespürt. Er hat bereits die Elendsviertel unter sich begraben und kommt jetzt den C-Vierteln immer näher. Langsam wird der Wind immer stärker und stärker.

Erster Sand und Staub gelingt in Sayo´s Augen.

„Amiola´s Wut“ schreit einer der Anhänger des Mannes. Der Blick des Amiola-Mannes erstarrt und man kann deutlich Furcht in seinen Augen erkennen. Sayo erwacht endlich aus ihrer Trance und realisiert: Sie muss verdammt nochmal endlich los rennen, sonst wird sie unter dem Sandsturm begraben. Während die Anhänger auf die Knie vor den Mann fallen und beten, rennt Sayo weiter ins Innere der Stadt. Zu sich nach Hause zu fliehen wäre dumm, da in dieser Richtung der Sandsturm wütet. Sie muss irgendwo Unterschlupf suchen und sie weiß auch genau wo: Die Mauer mit den drei blauen Blättern.

Überall hört man auf einmal Geschrei und Leute versuchen sich in Sicherheit zu bringen. Sayo bindet ihre Haare fest zusammen und zieht ihren Schal übers Gesicht. Der Himmel verdunkelt immer mehr und Finsternis bricht über die Stadt herein. Sie ist schnell, jedoch ist der Sturm schneller. Immer näher kommt er ihr. Sie öffnet ihre Augen ein kleines Stück. Um sie herum ist nur noch Wind und Sand, trotzdem ist das nur der Vorgeschmack. Die eigentliche Kraft des Sturmes hat sie bisher noch nicht erreicht, jedoch reicht das schon um Sayo jegliche Orientierung zu nehmen. Sie läuft und läuft, obwohl sie kaum

noch weiß wo sie ist. Der immer stärker werdende Wind macht es ihr nicht leicht auf ihren Füßen zu bleiben. Der gesamte Staub von den Ruinen, der Schutt und die Asche wehen umher. Sayo stütz sich kurz an einem Haus. Sie überlegt und versucht irgendeinen Anhaltspunkt zu finden. Plötzlich verliert die Wand des Hauses ihren Halt und stürzt auf Sayo nieder. Nur im letzten Augenblick kann sie sich noch retten. Kurz darauf denkt sie, dass sie ein paar Häuser wieder erkennt und hofft, dass sie sich nun in die richtige Richtung bewegt. Auf einmal packt sie aus dem Sturm heraus eine Hand an ihren Arm. Sie

erstarrt kurz und bewegt sich nicht. Ein blutüberströmtes Gesicht blickt sie an. Die Augen kann sie kaum noch erkennen, nur die winselnde Stimme klingt vertraut. „Es tut mir Leid wegen dem Teddy. Ich glaube das ist meine Strafe von Amiola.“ Sein Griff lockert sich und er fällt zu Boden. Er ist tot. In seinem Rücken steckt ein langer splittriger Holzstab. Er scheint vom starken Wind erfasst worden zu sein und im unglücklichen Moment den Amirola-Mann getroffen zu habe. Doch warte - HOLZstab? Woher kommt er?

Furcht breitet sich in Sayo aus. Dunkelheit herrscht hier überall. Geschütz von ihr ziehen sie durch die Stadt. Die Sammler kommen.


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Über den Autor

Uriana
Ich bin 19 Jahre und aktuell Studentin (Geowissenschaften). Mein Studium besteht nur aus Naturwissenschaften. Das Schreiben bietet also die nötige Abwechslung. Allgemein schreibe ich schon seit ein paar Jahren - aber nur für mich. Irgendwann haben Freunde von mir ein paar meiner Texte in die Hand bekommen und fanden es nicht schlecht. Nun würde ich gerne wissen, wie mein Schreibstil, meine Ideen, meine Werke bei "fremden" Menschen ankommen und vor allem liebe ich es neue, noch nicht veröffentlichte Texte zu lesen. Deswegen habe ich mich hier angemeldet und ich hoffe, dass ich ein paar ehrliche Kritiken bekomme. :)

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Jannoire Hey :)
Ich finds toll, dass du weiterschreibst. das neue Kapitel gefällt mir gut. Allerdings finde ich nicht, dass Mirok tatsächlich "ein selbstsüchtiger, egoistischer und hinterhältiger Idiot" ist. In solchen Zeiten muss man eben Verantwortung zeigen und dazu gehört es nunmal auch, diese den Kindern beizubringen.
Aber ansonsten gut.
Spielmannsgrüße :)
Vor langer Zeit - Antworten
Uriana danke :)
das war ein bisschen schlecht formuliert. eigentlich sind das die gedanken von sayo. So wie du es auch gerade gesagt hast, soll es letztendlich auch rüberkommen. ^^
das nächste kapitel ist auch shcon fertig. Ich muss nur nochmal drüberlesen. Jetzt geht die eigentlich Handlung los^^
gruß madel
Vor langer Zeit - Antworten
Jannoire Sehr gut, ich freu mich schon tierisch drauf ^^
Vor langer Zeit - Antworten
KaraList Hallo Uriana,

ich bin gespannt wie die Geschichte weitergeht. Wag Dich ruhig an die "wörtliche Rede". Gegenwärtig erinnern einige Passagen eher an ein ´Drehbuch`, da Du namentlich vorgibst, was einer Deiner Protagonisten sagt.
Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend.

LG
Kara
Vor langer Zeit - Antworten
Uriana Vielen Dank für das Lesen meines buches!!
Und danke für den Tipp. Du hast recht, an manchen Stellen ist der Dialog etwas überflüssig und dominant. Ich werde versuchen ein wenig mehr in Richtung wörtliche Rede zu gehen.
Dankeschön :) gruß madel
Vor langer Zeit - Antworten
Milan01 Da ich am Bildschirm nicht sooo lange lesen kann, hab ich deine Geschichte in Etappen gelesen. Ich muß sagen, hat mir sehr gefallen.
Ich hoffe, es geht noch weiter. Sayo wächst einem gleich ans Herz.
Echt klasse.
Lg Milan
Vor langer Zeit - Antworten
Uriana vielen lieben dank für den Kommentar und vor allem fürs Lesen!! Ich freue mich echt sehr das es dir gefallen hat. Eins kann ich auf jedenfall sagen: die geschichte ist noch lange nicht zu ende ;) das Konzept steht schon komplett, es muss nur noch aufgeschrieben werden
nochmals vielen Dank :D
Vor langer Zeit - Antworten
Jannoire Hallo, Uriana.
Ich möchte dir auch sagen, dass ich deine Geschichte sehr klasse finde. Mich erstaunt, wie du deine Ideen umsetzen kannst, besonders die Sonnenuntergangsszene gefält mir gut. An machen Stellen haperts noch mit der Rechtschreibung und Wortwahl, wie ich finde, aber diese Geschichte ist auf einem sehr guten Weg.
Ich bin gespannt, wie es weiter geht und freue mich tierisch darauf, zu erfahren, was es mit diesem Nathan auf sich hat...
Grüße vom Jannoire :)
Vor langer Zeit - Antworten
Uriana Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Kritik, aber vorallem dafür das du es dir durchgelesen hast :) und willkommen auf mystorys :DD
Vor langer Zeit - Antworten
Gaenseblume Eine wirklich mitreißende Geschichte von Dir hier und mit den Bildern hast Du es ja geschafft. LG Marina Gaenseblume
Vor langer Zeit - Antworten
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