Romane & Erzählungen
Gute Nacht-Geschichten

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"Gute Nacht-Geschichten"
Veröffentlicht am 30. Dezember 2013, 46 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Ich schreibe seit meinem 12. Lebensjahr, haupts├Ąchlich Geschichten, Gedichte/Texte und gerne auch Parodien. UND: Ein gro├čes Dankesch├Ân an meine tollen Leser! Obwohl ich so lange nur im Hintergrund aktiv war, um Geschichten fortzusetzen oder auszubessern, habe ich mich sehr ├╝ber die R├╝ckmeldungen zu meiner Fortsetzung der Geschichte "Vom Mensch zum Geist geworden" gefreut. Auch ein Buch mit Gedichten & Texten ist geplant. Vielen Dank f├╝r ...
Gute Nacht-Geschichten

Gute Nacht-Geschichten

Ein Angebot mit Folgen

Es war einmal ein K├Ânig, der lebte in seinem Schloss, welches dringend eine Renovierung n├Âtig hatte, da er nichts unternahm und sein Geld nur f├╝r Alkohol und Frauen ausgab. Sein ganzes Personal und die Familie schafften es nicht, ihn zu ├╝berzeugen, dass das Schloss renovierungsbed├╝rftig sei. Selbst der Knecht des K├Ânigs hatte, wenn auch vergeblich, oft versucht, ihm dies klar zu machen. Und eines Tages beschloss er, noch ein letztes Mal zu probieren, dem K├Ânig die Augen zu

├Âffnen. ÔÇ×Herr K├Ânig, ich muss mit ihnen reden", sagte der einzige Knecht des K├Ânigs, welcher nebenbei auch noch die Aufgabe des Hofnarren hatte. ÔÇ×Ach so, du willst mir mal wieder einen Witz erz├Ąhlen?" ÔÇ×Nein, Herr K├Ânig, ich wollte sie darauf hinweisen, dass s├Ąmtliche T├╝ren und Fenster in ihrem Schloss kaputt sind, und die W├Ąnde k├Ânnten auch besser aussehen." Der K├Ânig sagte f├╝r einen Moment lang nichts, dann fing er an zu lachen. ÔÇ×Du bist wirklich immer f├╝r eine ├ťberraschung gut, kein Wunder, dass ich dich als Hofnarr eingestellt habe, f├╝r einen Moment h├Ątte ich wirklich

geglaubt, du meinst es ernst!" Sonst lachte niemand, da jeder wusste, dass das Schloss in einem elendigen Zustand war, nur der K├Ânig begriff es mal wieder nicht. Solche Augenblicke wie diese waren keine Seltenheit, da der K├Ânig schlicht und einfach dumm geworden war. Niemand wagte, dies vor ihm zu sagen, aber insgeheim wussten alle, dass ihn seine Verw├Âhntheit sowie die Lebensweise von ihm ihn immer mehr zu einem verwahrlosten und egoistischen Menschen verkommen lie├č. Er dachte immer nur an sich, doch sobald jemand versuchte, ernst mit ihm zu reden, fing er pl├Âtzlich an, zu lachen, oder wechselte das Thema. Doch es musste etwas getan

werden, da im obersten Stockwerk sogar Einsturzgefahr bestand, weil die alten Treppen dank dem K├Ânig seit Jahren nicht repariert worden waren. Eines Tages kam ein alter Herr vorbei, welcher sein Gesicht unter einer dunklen Kapuze verbarg. Er hatte schon s├Ąmtliche Schl├Âsser renoviert, selbst die im schrecklichsten Zustand, weshalb er sehr bekannt war. Der Knecht hatte ihm von dem Problem erz├Ąhlt, und nun wollte er sich selbst ein Bild von der Lage machen. ÔÇ×Wer ist denn das, wenn ich fragen darf?", rief der K├Ânig mit einem bl├Âden Grinsen, als der Knecht den Gast zu ihm brachte. ÔÇ×Das ist ein Mann, der

ihnen gerne bei der Renovierung ihres Schlosses helfen w├╝rde." ÔÇ×Wieso Renovierung?", fragte der K├Ânig, und der Wichtel verkroch sich in einem anderen Raum des Schlosses, da er nicht miterleben wollte, wie der n├Ąchste Versuch, endlich das Schloss zu reparieren, fehlschlug. ÔÇ×Ich brauche mein Geld selbst, das gebe ich nicht f├╝r so ein bescheuertes Schloss aus!" ÔÇ×Ich mache ihnen ein Angebot", sagte der alte Mann. ÔÇ×Das w├Ąre?", fragte der K├Ânig. ÔÇ×Ich renoviere ihr Schloss, damit es wieder sicher ist, als Bezahlung geben sie mir ihren Knecht." Der K├Ânig ├╝berlegte, ob er wirklich seinen wichtigsten Diener hergeben sollte. ÔÇ×Warum nicht?", dachte

er sich dann. Der Knecht war eh nur nervig gewesen, und hatte st├Ąndig nur davon geredet, dass er etwas reparieren solle. ÔÇ×Ich nehme ihr Angebot an", sagte der K├Ânig und der alte Mann war erfreut. Nach Drei Tagen war das Schloss in einem tadellosen Zustand. Sowohl der alte Mann, als auch der K├Ânig waren erfreut ├╝ber das Gesch├Ąft und tranken zusammen ein Glas Wein im Speisesaal. Doch wenn zwei sich freuen, so ├Ąrgert sich der dritte, n├Ąmlich der Knecht, aber dieser hatte einen Plan gefasst. Der K├Ânig war ein undankbarer Mensch, welcher ihm nie zugeh├Ârt hatte, und nun sollte er einem fremden Mann dienen?

Nein, das wollte er nicht. Es ├Ąrgerte ihn, dass der K├Ânig seine Worte als nervig bezeichnet oder sie ignoriert hatte, obwohl er das selbe gesagt hatte, wie der alte Mann. Somit stand eines fest: Er w├╝rde heute nicht gehen. Leise schlich sich der Knecht zu dem Zimmer, wo der K├Ânig mit dem alten Mann ein Glas Wein nach dem anderen trank. ÔÇ×Wissen sie..", sagte der K├Ânig. ÔÇ×Ich bin froh, dass sie hier hergekommen sind, dieser Knecht hatte zwar dasselbe gemeint, wie sie, aber er ist nunmal mein Hofnarr, deshalb konnte ihn nicht ernst nehmen. Ich meine, wer glaubt schon einem Hofnarr?!" Der K├Ânig lachte und

f├╝gte hinzu: ÔÇ×Zum Gl├╝ck habe ich einen erfahrenen Mann wie sie getroffen, der mich im Gegensatz zu diesem Knecht nicht zum Narren h├Ąlt!" Sie redeten weiter und der Knecht holte einen Schl├╝ssel hervor, zog die T├╝r zu und schloss ab. ÔÇ×Hey, was soll das?", rief der alte Mann. ÔÇ×Mach sofort die T├╝r auf, du dummer Knecht!", schrie der K├Ânig. Doch es kam keine Antwort. Ein paar Sekunden sp├Ąter trat Rauch unter der T├╝r hervor. Verzweifelt versuchten die beiden, zu entkommen, doch die Fenster gingen nicht auf, da auch diese seit der Renovierung nur noch mit Schl├╝sseln vollst├Ąndig ge├Âffnet werden konnten.

Und so verbrannten der K├Ânig und der alte Mann, w├Ąhrend der Knecht mit dem Geld und den Reicht├╝mern aus der Schatzkammer das Schloss verlie├č und sich auf den Weg in ein besseres Leben machte.

Das t├Âdliche Fest


Als Johannes, der K├Ânig aus voriger Erz├Ąhlung, noch jung war, wuchs er bereits auf jenem Schloss auf, dass irgendwann ihm geh├Âren sollte. Sein Vater Heinrich war zu jenem Zeitpunkt schwer krank, und man dachte ├╝ber einen Thronfolger nach, wobei neben ihm, dem damals noch nicht zum K├Ânig ernannten jungen Mann auch noch dessen Bruder Christoff als w├╝rdig f├╝r diese Position galt, oder besser gesagt: Es stand schon so gut wie fest, dass Christoff der n├Ąchste K├Ânig werden w├╝rde. In dieser Zeit, wo sich so vieles entscheiden

sollte, kam es oft zu Streitigkeiten in der Familie. Was am Anfang noch eine kleine Meinungsverschiedenheit war, konnte schnell zu einem heftigeren Konflikt ausarten, da sich die beiden Br├╝der als Konkurrenten sahen. Eines Tages gab Heinrich ein Festmahl, zum Anlass von Christoff's zwanzigstem Geburtstag. Das Aufgebot an M├╝hen seitens der Dienerschaft war gro├č, da diese schon viele Jahre im Dienste der Familie stand, weshalb der Saal auch diesmal wieder pr├Ąchtig geschm├╝ckt worden war und nur die besten Speisen und Getr├Ąnke auf den Tischen standen. Und obwohl dieses Fest auch dazu dienen

sollte, dass die Familie ihre Streitigkeiten f├╝r ein paar Stunden beiseite legte, schien es dennoch so, als w├╝rde jeder von ihnen an diesem Abend seine eigenen Pl├Ąne verfolgen. Nachdem Heinrich ein paar feierliche Worte gesprochen hatte, wurde das B├╝ffet er├Âffnet. Die Harmonie schien perfekt, und man konnte sogar schon die ersten G├Ąste sehen, die scheinbar mehr Wein getrunken hatten, als es ihnen guttat. Auch Christoff war mit dem Abend zufrieden, doch als die anderen f├╝r eine Weile wegschauten, schlich er sich aus dem Saal. Leise stieg er die gl├Ąnzenden Treppen hoch in den ersten Stock und betrat sein Zimmer, welches so edel

wirkte, dass der Ausdruck Zimmer ordin├Ąr erschien, da die Einrichtung mehr als nur teuer war. Christoff ├Âffnete die zweite Schublade eines kleinen Schrankes und holte eine ziemlich alt aussehende Flasche hervor, auf dessen Etikett in der fast unlesbaren Schrift des Schlossarztes das Wort ÔÇ×Hustensaft" stand. Dann legte er es zur├╝ck und kramte weiter in einer der untersten Schubladen und stie├č auf eine kleine Flasche Gift. Er wusste nicht, was es bewirkte, aber der alte Mann, welcher es ihm damals gegeben hatte, meinte, ein Tropfen w├Ąre schon t├Âdlich. Mit der Hoffnung, nie davon Gebrauch machen zu m├╝ssen, hatte er sich damals von ihm

verabschiedet, doch der Mann, welcher hier stand, war nicht mehr derselbe Mensch, wie vor ein paar Jahren. Christoff hatte sich ver├Ąndert und gleichzeitig plante er, alles zu versuchen, um schnellstens Heinrich's Nachfolger zu werden. Um jeden Preis. Gegen Abend schlich sich Christoff wieder in den Speisesaal. Er war noch leer, da die Dienerschaft gerade das Abendessen f├╝r die Familie zubereitete, doch die Gl├Ąser auf den Tischen waren schon gef├╝llt worden. Ein paar Mal schaute er sich noch um, ob er wirklich der Einzige im Raum war, dann schlich Christoff an Heinrich's Platz, holte das

Giftfl├Ąschen heraus und sch├╝ttete einige Tropfen in das Glas seines Vaters. Dann packte er es schnell wieder ein und setzte sich an seinen eigenen Platz, sodass man den Eindruck bekam, er w├Ąre nur fr├╝her als die anderen im Speisesaal, weil er nicht abwarten konnte, bis das Essen fertig war. Nach einiger Zeit kam auch der Rest der Familie hinzu und die Speisen wurden aufgetischt. W├Ąhrend alle a├čen, dachte Christoff nach. Sein Vater hatte schon ├Âfter erw├Ąhnt, dass er in dessen Testament als Thronfolger angegeben war. Und nun war er diesem Ziel endlich so nah wie nie zuvor, er musste nur noch warten, bis sein Vater seinen Wein austrank. Es vergingen

einige Minuten, und nach und nach wurden die Teller leer. Als auch die letzten aufgeh├Ârt hatten, zu essen, ergriff Heinrich das Wort. ÔÇ×Auf Christoff", sagte er, hob sein Glas Wein und trank es in schnellem Zug leer. Dann lie├č er sich noch etwas nachschenken, doch das zweite Glas erreichte seine Lippen nicht mehr, denn pl├Âtzlich wirkte Heinrich wie erstarrt. Dann kippte er vom Stuhl und r├╝hrte sich nicht mehr. ÔÇ×Vater, was ist mit dir?", rief Johannes und kniete sich neben Heinrich. Ein Arzt kam herbei, und versuchte alles, um ihn wieder zu beleben, doch es war zu sp├Ąt. Jeder in der Familie wusste, dass er ein schwaches Herz gehabt hatte. Und nun

schien es an der Zeit, dass sich Elisabeth allein um ihre beiden S├Âhne k├╝mmern musste, da nun kein Vater mehr da war, der f├╝r Johannes und Christoff sorgte. Traurig und verwirrt verlie├čen alle den Speisesaal und gingen auf ihre Zimmer, den jetzt wollte jeder alleine sein. Nur der Arzt blieb bei dem leblosen Heinrich, da er ihn noch einmal genauestens untersuchen wollte. Er sah sich mehrmals in dem Raum um, dann entdeckte er unter Christoff's Stuhl eine kleine Flasche. ÔÇ×So ist das also", murmelte er und betrachtete das Gift. Dann sp├╝rte er einen schweren Schlag auf dem Kopf und sank zu

Boden. Als der Arzt aufwachte, bemerkte er, dass er nicht mehr im Schloss war. Man hatte ihn gefesselt und zu einem Brunnen in einem abgelegenen Teil der L├Ąndereien geschleppt. Christoff zog eine Pistole hervor und richtete sie gegen den Kopf des Arztes. ÔÇ×Sie machen meinen Plan kaputt, deshalb m├╝ssen sie jetzt sterben", sagte er voller Wut. Doch bevor er schie├čen konnte, stie├č ihn jemand mit voller Wucht in den Brunnen. Johannes hatte ihn die ganze Zeit verfolgt, um dem Arzt zu helfen.. ÔÇ×Hol mich hier gef├Ąlligst raus!", rief Christoff w├╝tend. ÔÇ×Bleib geduldig, du Verr├Ąter",

sagte Johannes. Er warf ihm ein Seil zu, und er versuchte, hochzuklettern. Doch bevor er oben ankam, zog Johannes ein Gewehr hervor und feuerte die gesamte Munition in den Brunnen. Als das scheu├čliche Werk nach ein paar Sekunden vollendet war, blickte er auf den f├╝rchterlich entstellten K├Ârper von Christoff, der inmitten des rotverf├Ąrbten Wassers lag. ÔÇ×Da unten kannst du bleiben, du Verr├Ąter", sagte Johannes und schmiss das Gewehr ebenfalls in den Brunnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man den Leichnam fand, war gering, zumal dieser Brunnen schon seit Jahren nicht mehr genutzt wurde, da er viel zu alt war und l├Ąngst neue Brunnen gebaut

worden waren. Zusammen mit dem Arzt, der ihm versprach, von den Vorf├Ąllen am Brunnen zu schweigen, verlie├č Johannes den abgenutzten Bereich der L├Ąndereien und sie machten sich wieder auf den Weg ins Schloss. ÔÇ×Was ist passiert, Johannes?", fragte Elisabeth besorgt. Die Zeichen der Trauer waren ihr deutlich anzusehen. ÔÇ×Nichts", sagte er. Ich war mit dem Arzt drau├čen und habe Christoff gesucht, da er ihn zuletzt gesehen hat, aber wir haben nichts gefunden." Elisabeth bemerkte die Wunde am Kopf des Arztes. Bevor sie fragen konnte, sagte Johannes: ÔÇ×Christoff hat ihn

zusammengeschlagen, weil er nicht wollte, dass ihm jemand folgt. Wei├čt du, wo er hingegangen sein k├Ânnte?" Elisabeth sch├╝ttelte traurig den Kopf und ging dann wieder nach oben, in ihr Zimmer. Niemand w├╝rde je erfahren, wie Heinrich wirklich gestorben war, da alle au├čer Johannes und der Arzt glaubten, dass er einem Herzstillstand erlegen war. Von der Vergiftung wusste niemand etwas. Und von Christoff's wirklichem Verbleib auch nicht. Die Frage war, wie lange w├╝rde das noch so bleiben?

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Ver├Ąnderungen


Ein Jahr verging nach den tragischen Ereignissen, und Johannes wurde Thronfolger von Heinrich. Die Suche nach seinem Bruder Christoff hatte man abgebrochen, da s├Ąmtliche Fahndungen erfolglos verlaufen waren und es keinen Hinweise gab, wo er noch sein k├Ânnte. Elisabeth, die sehr traurig ├╝ber das r├Ątselhafte Verschwinden ihres ├Ąltesten Sohnes war, hatte in dieser Zeit Wolfgang, ihren neuen Mann, gefunden, und ihr drittes Kind zur Welt gebracht, ein M├Ądchen namens Mary. Viele sahen die Geburt als ein Wunder an, da ein

paar Wochen zuvor bekannt geworden war, dass auch sie ein schwaches Herz hatte, wie ihr verstorbener Ehemann. Dieser war in Wirklichkeit allerdings unter anderen Umst├Ąnden aus dem Leben geschieden, als die Familie dachte, wovon allerdings nur Johannes und ein Arzt wussten. Nach wie vor waren die wahren Ereignisse jenen Tages, an dem Heinrich gestorben war, in einen Mantel der Verschwiegenheit geh├╝llt. Und es schien so, als w├╝rde niemals ans Licht kommen, was geschehen war. Doch wie lange konnte Johannes noch damit leben, zu

schweigen? ÔÇ×Ich habe eine Bitte", sagte Elisabeth eines Abends zu ihm. Sie konnte schon seit mehreren Tagen das Bett nicht mehr verlassen, da sie nicht mehr laufen konnte und starke Schmerzen hatte. ÔÇ×Welche denn?", fragte er und betrachtete seine Mutter. Sie sah sehr schwach und m├╝de aus, und es war offensichtlich, dass sie bald sterben w├╝rde. ÔÇ×Ich will, dass du alles versuchst, um Christoff zu finden", sagte sie mit fl├╝sternder Stimme und hielt seine Hand. ÔÇ×Ich verspreche es dir, Mutter", sagte er nach kurzem Z├Âgern und schaute zum

Fenster, wo die letzten Strahlen des Sonnenuntergangs zu sehen waren. Als er sich wieder umdrehte, waren ihre Augen geschlossen und sie atmete nicht mehr. Noch lange sa├č er an ihrem Bett und bald kam auch der Rest der Familie und sie setzten sich zu ihm. Alle waren in tiefster Trauer, nur die kleine Mary, welche friedlich in den Armen ihres Vaters schlief, wusste nichts von alldem. Noch lange sa├čen sie da, und wollten, selbst als sie weggetragen wurde, nicht glauben, dass Elisabeth tot war. Erst als einer der ├ärzte in das Zimmer kam, die Todesursache (Herzversagen) verk├╝ndete und sein Beileid aussprach, konnten sie den Gedanken, dass sie den jahrelangen

Kampf gegen ihre Krankheit nun verloren hatte, endg├╝ltig zulassen. Am n├Ąchsten Morgen herrschte immer noch tiefe Trauer. Der Himmel war von zartem Blau wie an kaum einem der letzten Tage, und doch konnte ihn niemand mit denselben Augen wie fr├╝her betrachten, da sie sich fragten, ob sie dort oben einen Blick auf das Ganze hatte. Vor allem Johannes machte sich Gedanken, da er ihr versprochen hatte, Christoff zu finden, wobei dieser doch schon lange tot war. Und er war Schuld daran. Selbst am Sterbebett hatte er es nicht ├╝ber's Herz bringen k├Ânnen, seiner Mutter endlich die Wahrheit zu sagen. Es

stimmte zwar, dass sein Bruder etwas schlimmes getan hatte, doch in all seiner Wut war Johannes selbst zu einem M├Ârder geworden. Vielleicht w├Ąre Christoff eingesperrt oder hingerichtet worden, doch stattdessen hatte Johannes ihn bestraft, und nun trug auch er eine Schuld mit sich. Er war ein K├Ânig, der Nachfolger seines Vaters, das stimmte, aber war er auch ein guter Mensch? Daran zweifelte er. Aber er musste weiterleben, als w├Ąre nichts, das wusste er. Ein Skandal w├╝rde seiner Familie schaden und alles andere w├Ąre feige. Im Laufe der letzten Jahre hatte sich viel auf dem Schloss ver├Ąndert. Heinrich

hatte der Familie zwar eine betr├Ąchtliche Menge Geld hinterlassen, aber vieles war teurer geworden. Die meisten Diener der Familie waren gestorben oder hatten ihren Posten niedergelegt, da sie nicht mehr die j├╝ngsten gewesen waren, und man hatte mit m├╝hevollem Aufwand die L├╝cken in der Dienerschaft gef├╝llt. Doch sie verlangten eine h├Âhere Bezahlung, die sie nach einigen Streitereien auch bekamen, weil die Familie keine andere Wahl hatte und sich sonst niemand fand, der f├╝r einen niedrigeren Lohn arbeiten wollte. Fern von dem Schloss in einer kleinen Stadt in dem Land, das Johannes

regierte, herrschte momentan viel Armut, da vor einigen Wochen ein reicher Waffenschmied gestorben war. Viele junge und alte M├Ąnner hatten f├╝r ihn gearbeitet, da ihm auch die Familien seiner Arbeiter sehr am Herzen gelegen hatten, doch da sich sein Sohn Josef, der Erbe des Ladens, scheinbar ewig Zeit lie├č, bis er den Betrieb weiterf├╝hren wollte, konnten sie nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen und Geld verdienen. Voller Emp├Ârung dar├╝ber standen sie oft vor seiner T├╝r, schrieen ihn an oder bewarfen sein Haus mit Steinen und redeten schlecht ├╝ber ihn, da er im Gegensatz zu seinem Vater ein Egoist war, und sich nie um andere k├╝mmerte.

Lieber gab er das ihm vermachte Geld seines Vaters daf├╝r aus, lange und aufwendige Reisen zu machen, oder mit seinen Bekanntschaften in teuren Gastst├Ątten essen zu gehen, wenn auch die wenigsten davon ihm etwas bedeuteten, aber die Armut der Arbeiter seines Vaters interessierte ihn nicht. Tats├Ąchlich kam es so, dass, nachdem er seinen Gegnern drohte, jemanden daf├╝r zu bezahlen, sie unter die Erde zu bringen, eine lange Zeit Ruhe einkehrte. Die Leute hielten sich mit kleinen T├Ątigkeiten ├╝ber Wasser, doch dies brachte auf Dauer keinen Frieden, weshalb eines Tages erneut wieder ein Streit ausbrach, diesmal allerdings mit

schlimmeren Folgen. Josef ging an jenem Mittag in Begleitung einer jungen Dame, die ein auff├Ąlliges, rotes Kleid trug, in die Stadt. Die Leute munkelten, er habe vor, sie zu heiraten, da er sie angeblich ├╝ber alles liebte, doch einen anderen Beweis als die Spekulationen und Vermutungen der Leute gab es daf├╝r nicht, weshalb es nach wie vor als ein blo├čes Ger├╝cht galt, zumal er auch oft mit anderen Frauen gesehen worden war. Mittlerweile standen beide in der Stadtmitte an einem Brunnen, um den herum die besten Lokale der Stadt lagen. Sie konnten sich nicht entscheiden, wo sie essen gehen wollten. Doch Josef merkte, dass etwas nicht stimmte.

Ein Mann, der seinen Hut ins Gesicht gezogen hatte, so, dass man seine Augen nicht sehen konnte, kam auf ihn zu. ÔÇ×Guten Tag", sagte er und fing sofort an, zu reden. ÔÇ×Werter Herr, wie sie wissen, wollen die Leute, dass sie den Betrieb ihres Vaters endlich weiterf├╝hren, warum er├Âffnen sie ihn dann nicht einfach wieder? Die M├Ąnner sind am Ende, weil sie ihre Frauen und Kinder kaum noch ern├Ąhren k├Ânnen! Und mein Sohn ist schwer krank und ich habe kein Geld f├╝r seine Heilung!" Josef wirkte gelangweilt, als der Fremde dies zu ihm sagte, da er dies schon so oft geh├Ârt hatte, aber genau das sollte ihm

zum Verh├Ąngnis werden. Denn pl├Âtzlich zog der Mann eine Waffe hervor. Mit w├╝tenden Augen schaute er ihn an, dann schoss er auf Josef. F├╝r einen Augenblick dachten ein paar Schaulustige, er w├Ąre getroffen worden. Doch wie ein Schrei verriet, hatte die Kugel nicht ihr eigentliches Ziel erwischt . Die Dame in dem roten Kleid hatte sich vor Josef geworfen, um ihn zu retten. Sie war aber noch nicht tot und stie├č einen Schmerzensschrei aus, wie nicht von dieser Welt, w├Ąhrend sich auf ihrer Brust ein roter Fleck ausbreitete, der immer gr├Â├čer w├╝rde. ÔÇ×Josef", fl├╝sterte sie. ÔÇ×T├Âte sie." Ihre Lippen trafen sich noch einmal zu einem letzen

Kuss, w├Ąhrend er sie in seinen Armen hielt, dann starb sie. Er brachte kein Wort hervor, keine Tr├Ąne, doch w├Ąhrend er vor ihrem toten K├Ârper kniete und es noch nicht realisierte, dass sie nie mehr aufstehen w├╝rde , betraten f├╝nf M├Ąnner in schwarzen Anz├╝gen den Platz. Sie geh├Ârten zu Josef. Der M├Ârder war zwar l├Ąngst geflohen, als er gemerkt hatte, dass man ihm Wachen auf den Hals hetzen wollte, aber bald w├╝rde man ihn finden. Josef schaute einen von ihnen kurz an und sagte leise: ÔÇ×Nehmt jeden mit, der f├╝r meinen Vater gearbeitet hat, einschlie├člich den Mann, der..." Er brachte es nicht ├╝ber die Lippen, zu sagen, was passiert war, doch sein

Komplize wusste, wie es gemeint war und gab die Anweisung weiter. Es gab Aufruhr in der Stadt. Frauen wurden geschlagen oder sogar zu Mitgefangenen gemacht, weil sie ihre M├Ąnner besch├╝tzen wollten oder die Komplizen Josef's attackierten. Und selbst vor Kindern machten die M├Ąnner halt. Sie traten sie aus dem Weg oder schlugen sie, wenn sie nicht zur Seite gingen, was noch mehr Tumult ausl├Âste. Auf beiden Seiten wurden Menschen erschossen, die Leute wehrten sich, aber schlie├člich gewannen Josef's Leute die Oberhand. Sie verschleppten oder erschossen jeden, der sich der Verhaftung widersetze. Kinder, deren Eltern sie verschleppt

oder umgebracht hatten, wurden ebenfalls erschossen oder in den brennenden H├Ąusern zur├╝ckgelassen. Am Abend dieses Tages erkannte man ebenjene Stadt nicht mehr wieder, und es gab nur wenige, die vor den Angriffen verschont geblieben waren. Was aus den Gefangenen von Josef's M├Ąnnern geworden war, wusste keiner und ebenso wenig wusste man ├╝ber deren Verbleib. Aber das ihnen etwas grausames bevorstand, war mehr als sicher. W├Ąhrend in der Stadt langsam Ruhe einkehrte und s├Ąmtliche H├Ąuser wieder aufgebaut wurden, erfuhr Johannes von einem seiner Wachm├Ąnner von den

Geschehnissen. ÔÇ×Josef ist doch selbst Schuld, dass das passiert ist", sagte er w├╝tend. ÔÇ×Er hatte kein Recht, all diese Leute zu t├Âten und trotzdem hat er es getan. Und er hat die Armut der Menschen einfach ignoriert." ÔÇ×Was sollen wir tun?", fragte der Wachmann. ÔÇ×Fangt Josef und seine M├Ąnner, sowie den M├Ârder seiner Geliebten ein und bringt sie in den Kerker. ÔÇ×Ich k├╝mmere mich morgen um sie." Der Wachmann nickte zustimmend und verabschiedete sich , um dem Rest der Wache den Auftrag mitzuteilen. Johannes stand jetzt am Fenster mit einem Glas Wein in der Hand und dachte nach. Seine Mutter war tot. Sein Vater war tot. Und auch sein

Bruder, der noch leben w├╝rde, w├Ąre Johannes nicht gewesen. Nur er lebte noch. Wolfgang, der Mann von Elisabeth, hatte sich nach deren Tod das Leben genommen, indem er ein Gift aus dem ├ärzteschrank entwendet und es ohne weiteres getrunken hatte. Die Einzige, die noch lebte, war die kleine Mary, f├╝r die Johannes ein Kinderm├Ądchen eingestellt hatte. Aber er wollte sich, sobald er eine Frau gefunden hatte, mit ihr zusammen um das Kind k├╝mmern. Bis dahin galt es, das Land so zu regieren, dass eines Tages Frieden herrschen w├╝rde.

Der Hinterhalt

Schon seit einigen Tagen versuchten Johannes┬┤ Wachen, Josef und seine M├Ąnner zu fangen. Die meisten von ihnen waren gefasst, aber Josef selbst und ein Komplize namens Leopold waren immer noch auf der Flucht. Johannes ging auf und ab und dachte nach. Er wusste, dass er nicht mehr lange K├Ânig bleiben wollte, und schmiedete schon seit mehreren Wochen Pl├Ąne, abzuhauen. Das Geld seines Vaters hatte er aufgeteilt, sodass er einen Teil davon an sich nahm und der andere seiner Familie geh├Ârte, die er zur├╝cklassen musst. Er glaubte nicht, dass jemand merken

w├╝rde, dass er etwas beiseite geschafft hatte, da schon die H├Ąlfte seines Verm├Âgens so viel Geld war, das keiner auf die Idee k├Ąme, sich die M├╝he zu machen, es zu z├Ąhlen. Er wollte sich gerade umdrehen, doch er sp├╝rte etwas an seinem Kopf. "Deine Wachen sind tot", sagte Josef lachend, eine Waffe auf Johannes Kopf gerichtet. "Und deine Familie ist es bald auch." "Ich habe noch mehr Wachen", sagte Johannes, aber Josef zog die Waffe nicht weg. "Jetzt war┬┤s das mit dem K├Ânig!", schrie er und dr├╝ckte ab. Johannes erwartete einen Knall, doch nichts passierte. Diesen Moment nutzte er aus und holte seine eigene Waffe hervor. Josef hob die

H├Ąnde und wich immer weiter zur├╝ck Richtung Fenster. "Mach es auf", sagte Johannes drohend und er ├Âffnete es. "Was hast du vor...?" "Das kann dir egal sein", sagte Johannes. "Entweder du springst jetzt da runter oder ich erschie├če dich." "Ich springe aber nicht!", schrie Josef. "Dann stirb!" Johannes feuerte auf ihn, doch er verfehlte ihn knapp und bevor er ein weiteres Mals schie├čen konnte, war Josef aus dem Fenster verschwunden. "Den Sturz ├╝berlebt er nicht", dachte sich Johannes zufrieden und schloss sich in dem Zimmer ein. Das Fenster verschloss er auch und ging dann zu einer Wand, an der ein Bild seiner Mutter hing. Er nahm

es ab und es ├Âffnete sich ein Geheimgang, der in einen zweiten Schlossgarten f├╝hrte, den nur er kannte. Als er dort ankam, wartete schon sein Kutscher. "Wo soll es hingehen?", fragte er. "In das alte Schloss von meiner Mutter, das sie mir vererbt hat", sagte Johannes."Ich habe es schon vor Monaten neu herrichten lassen." "Und sie sind sicher, dass sie f├╝r immer wegwollen?" "Ja", sagte Johannes. "F├╝r immer."

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Hörbuch

Über den Autor

Julian23
Ich schreibe seit meinem 12. Lebensjahr, haupts├Ąchlich Geschichten, Gedichte/Texte und gerne auch Parodien.

UND: Ein gro├čes Dankesch├Ân an meine tollen Leser! Obwohl ich so lange nur im Hintergrund aktiv war, um Geschichten fortzusetzen oder auszubessern, habe ich mich sehr ├╝ber die R├╝ckmeldungen zu meiner Fortsetzung der Geschichte "Vom Mensch zum Geist geworden" gefreut. Auch ein Buch mit Gedichten & Texten ist geplant. Vielen Dank f├╝r Coins, Favoriten, Abos, G├Ąstebucheintr├Ąge, und nat├╝rlich die Kommentare. Da f├╝hle ich mich gleich wieder wie zuhause, nach all der langen Zeit.


AKTUELLES: Das Projekt "Die Sprache der Seele" steht im Vordergrund. Nebenbei ist ein weiteres Kapitel der Gute Nacht-Geschichten erschienen. Alles andere ist momentan Nebensache.

Das Jahr neigt sich dem Ende und wenn alles gut l├Ąuft, versuche ich, wenigstens ein bisschen neues Material zu ver├Âffentlichen.

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matgy die weiteren Geschichten in diesem Buch lese ich später....
Vor langer Zeit - Antworten
matgy Ein sehr schön geschriebenes Märchen mit einer klaren Botschaft. Ja, und im Märchen dürfen die Bösen halt sterben.
Lieber Gruss, Matthias
Vor langer Zeit - Antworten
Julian23 Freut mich, dass es dir gefällt. :)
Ich arbeite momentan an der dritten Geschichte dieser Sammlung :)

LG Julian23
Vor langer Zeit - Antworten
petjula007 
Nette Geschichte, aber ich finde, als Gute Nacht - Geschichte nicht so toll. Wenn ich die meinem Enkel vorlesen würde, oh weih........

LG Petra
Vor langer Zeit - Antworten
Julian23 Dann sind es halt Gute Nacht-Geschichten für Erwachsene ;)
Aber vlt sollte ich auch mal was für die kleineren schreiben :)

LG Julian23
Vor langer Zeit - Antworten
petjula007 
Dank auch für die Coins.

LG Petra
Vor langer Zeit - Antworten
Pria schöne Geschichte liest man gern
Vor langer Zeit - Antworten
Julian23 Danke :) Es werden übrigens noch einige Geschichten Folgen :)
Aber die Arbeit ist hart und es wird dauern bis es eine Sammlung geworden ist

LG Julian23 :)
Vor langer Zeit - Antworten
Vitti finde ich auch, eine kleine nette Geschichte Julian :-)
sehr gern gelesen

lg
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Gaenseblume Ein nette Geschichte nur das die Beiden umgekommen sind,das ist schon
traurig .naja,einer war wenigstens glücklich. LG Marina Gaenseblume
Vor langer Zeit - Antworten
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