Fantasy & Horror
Wald der Schatten

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"Noch zwei oder drei Tage bis sie endlich wieder zuhause war, wenn alles glatt lief..."
Veröffentlicht am 06. Dezember 2013, 48 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
© Umschlag Bildmaterial: giulianocoman - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Angefangen mit kleinen Liebesgedichten, um ein bestimmtes Herz zu erobern und bei Laune zu halten, schreibe ich mittlerweile über viele Themen, ganz egal, wonach mir gerade ist. Das Schreiben hat mir zudem durch eine schwere Zeit geholfen, was sich in einigen meiner Texte nachvollziehen lässt. Man kann also sagen, dass vieles von dem, was ich schreibe, autobiografisch anzusehen ist, aber nicht alles. Da ich Texte, die eher negative Phasen ...
Noch zwei oder drei Tage bis sie endlich wieder zuhause war, wenn alles glatt lief...

Wald der Schatten

Vorwort

Dieses Buch ist sozusagen mein Großprojekt. Es wird immer mal wieder weitergeschrieben.


Ich freue mich natürlich schon jetzt darüber, dass es ein paar Leser gibt.


Entdeckt ihr Fehler, oder habt Verbesserungsvorschläge, immer her damit :)


Dies ist mein erster Versuch, ein Buch zu schreiben und bin für jeden Hinweis dankbar :)


Euer

Philipp Espel

Heimweg

Knarrend fuhr die herrschaftliche Kutsche den holprigen Waldweg entlang. Zwei Tage war sie nun schon unterwegs. Anfangs war die Reise noch aufregend. Sie sah die unterschiedlichsten Landschaften und Menschen in allen möglichen Situationen. Manche grüßten nett, als die Kutsche sie passierte, andere ignorierten sie. Doch seit einem Tag nur noch Wald. Dunkler, unheimlicher Wald. Sie wandte den Blick vom Fenster ab. Sie war froh, dass sie in der Kutsche saß und nicht wie der Kutscher außen auf seiner Pritsche.


Er tat ihr Leid. Die Hochzeit ihrer Schwester war wirklich schön gewesen! Prunkvoll und mit allem Drum und Dran. Doch jetzt freute sie sich auf ihr Zuhause. Einen oder Zwei Tage vielleicht noch, wenn alles glatt lief. Ihr Rücken schmerzte vom Schlafen im Sitzen. Trotz Federung und weichen Polstern, mit denen die Kutsche ausgestattet war. Sie saß einfach schon viel zu lange. Nur gelegentlich, wenn die Pferde eine Pause brauchten, verließ sie kurz die Kabine. Warum musste sie nur so weit wegziehen? Aber die Hochzeit war den Aufwand der Reise wert und schließlich

hätte ihre Schwester diesen Weg auch für ihre eigene Hochzeit auf sich genommen. Sie fing an zu träumen. Was hatte sie ausgelassen getanzt und gefeiert. Und selten hatte sie so fürstlich gegessen!

Sie erinnerte sich an das Brautkleid. Ihre Schwester hatte so wunderschön ausgesehen! Genauso sollte ihre Hochzeit auch werden. Wann würde es wohl soweit sein? Würde es überhaupt eine geben? Immerhin hatte sie keinen Partner und in ihrem Dorf gab es keinen Mann, der ihr gefiel. Sie beschloss, einwenig zu schlafen. Das Einzige, was ihr die lange und anstrengende Heimreise

verkürzte. Sie schloss die Augen und das polternde Geräusch der Pferdehufe erklang immer leiser und entfernter. Schon bald war sie fest eingeschlafen. KRACH!


Sie wurde aus dem Schlaf gerissen und fand sich in der anderen Ecke der Kutsche wieder. Sie fuhren nicht mehr und die Kutsche hatte Schieflage.


"So ein verdammter Mist!"


Die Stimme, die scheinbar vom Kutscher kam, ging durch Mark und Bein. Sie stand vorsichtig auf, noch leicht benebelt

vom Schlaf, und stieg aus der Kutsche. Der Kutscher stand kopfschüttelnd neben der Kutsche. Genau vor der Stelle, an der man normalerweise das rechte Vorderrad erwarten würde. Der Kutscher war schon eine lustige Gestalt. Groß und schlacksig. Sein grauer Rauschebart und sein alter, tief ins Gesicht gezogener Hut ließen nur einen schmalen Schlitz für seine Augen zu. Er musste Mitte 50 sein aber so genau konnte sie das nicht sagen. "Das Rad ist wieder gebrochen!"


,sagte er genervt. Es lag in Einzelteilen

auf dem Boden. Das war jetzt das zweite Mal. Der Kutscher hatte es schon einmal notdüftig geflickt aber die Chance war gering, dass es bis zur Ankunft in ihrem Dorf hielt.


"Bekommen Sie das wieder hin?"


,fragte sie. Der Blick des Kutschers verhieß nichts Gutes.


"Da ist nichts mehr zu retten!"


Sie sank zuboden. Auch das noch, was sollten sie denn jetzt machen? Genervt schaute sie sich um. Wald.

Überall wo sie hinsah nur Wald. Die Äste der Bäume wirkten wie Pranken, deren Finger jeden Moment versuchen würden, sie zu packen und in das dunkle Nichts zu ziehen, das sich zwischen den Bäumen auftat. Verzweiflung machte sich in ihr breit.


"Weiß nicht"


,antwortete der Kutscher,


"wir müssen wohl weiter ins nächste Dorf und hoffen, dass wir dort Ersatz finden. Ist aber ein langer Weg, wir sollten die Pferde nehmen!"


Sie stoehnte. Aber was blieb ihr Anderes übrig? So waren sie und der Kutscher kurz darauf dabei, etwas Proviant einzupacken, um für den langen Weg vorbereitet zu sein. Sie ritten los und ließen die Bäume an sich vorbeiziehen. Der Wald war wirklich unheimlich und sie dachte sich, wieviele Leute sich hier wohl schon verlaufen hatten. So in Gedanken ritt sie neben dem Kutscher her. Sein Blick war leicht gesenkt und er pfiff ein fröhliches Lied. Vielleicht ja, um seine eigene Angst zu überspielen. Plötzlich huschte ein Schatten vor ihnen her und die Pferde erschraken so sehr,

dass sie sich aufbäumten und ihre Reiter abschmissen. In einem Tempo, dass sie sich von den Pferden während der Kutschfahrt gewünscht hätte, gallopierten sie, bis nichts mehr von ihnen zu sehen war. Der Schatten war in den Wald gehuscht. Leicht benommen vom Sturz schaute sie sich um und erschrak. Wo war der Kutscher?? Hektisch schaute sie sich um. Hatte der Schatten etwas mit dem Verschwinden des Kutschers zu tun? Oder war er feige abgehauen und hatte sie hier im Stich gelassen? Allein wirkte der Wald noch viel unheimlicher und der mysteriöse

Schatten, der eben noch über den Weg gehuscht war, machte die Sache auch nicht besser. Ein unwohles Gefühl machte sich breit. Jetzt saß die da, mitten im Wald, allein und ohne Ahnung, wohin sie gehen sollte, um das besagte Dorf zu erreichen. Sie rappelte sich auf und schaute sich erneut um. Das Bild hatte sich nicht verändert. Wald - wo sie nur hinschaute.


"Ok, mir bleibt wohl nichts anderes übrig, auf geht's!"


,sagte sie sich leise, um sich Mut zuzusprechen. Zum Glück gab der Mond etwas Licht.

Zögerlich ging sie den Weg weiter, den sie zuvor mit dem Kutscher entlanggeritten war. Vielleicht musste sie einfach nur geradeaus. Immer weiter dem Weg folgen. Irgendwann würde sie schon irgendwo ankommen.

Es war immernoch Nacht und lange waren sie noch nicht geritten. Sie malte sich also aus, noch einen weiten Weg vor sich zu haben. Sie wusste jetzt, warum der Kutscher die ganze Zeit fröhlich gepfiffen hatte denn sie erwischte sich selbst immer wieder dabei und sie wusste, sie tat es, um ihre Angst zu überspielen. Die Bäume schauten sie wie große unheimliche Gestalten an und noch immer dachte sie

an diesen Schatten. Was war ihnen über den Weg gelaufen? Ein Tier? Ein Mensch? Etwas ganz Anderes? Sie versuchte diesen Gedanken zu verdrängen, der sie nur noch mehr mit Angst erfüllte und marschierte weiter. Immer in der Hoffnung, dass sie diesen Schatten das letzte Mal gesehen hatte. Ihr Herz stockte und sie schrie kurz auf vor Schreck.


"Diese Mistviecher!"



,rief sie dem Schwarm Vögel hinterher, der sich gerade laut flatternd aus einem

Baumwipfel emporhob. Ihre Angst ließ sie langsam wahnsinnig werden. Hinter jedem Geräusch, das aus dem Wald zu hören war, vermutete sie diesen Schatten. Sie wollte einfach nur raus aus diesem unheimlichen Wald. Endlich nach Hause. Was wuerde sie dafür geben..

Begegnung

Wie lange war sie jetzt schon unterwegs? Eine Stunde? Oder zwei? Sie konnte es nicht sagen. Jegliches Zeitgefühl war verloren. Nie hätte sie gedacht, dass sie sich mal so danach sehnen würde, die Uhrzeit zu kennen. Aber es half alles nichts. Da musste sie jetzt durch. Sie dachte an den Kutscher. Wo war er wohl? Was war mit ihm passiert? Hoffentlich ging es ihm gut. Es raschelte. Sie blieb ruckartig stehen um herauszufinden, aus welcher Richtung es kam. Ihre Gesichtszüge entglitten ihr. Was auch immer dieses

Rascheln verursacht hatte, es war direkt hinter ihr. Wie ferngesteuert drehte sie sich langsam um, voller Angst, was sie erwarten würde. Ihr Herz klopfte, das Blut in ihren Adern schien zu gefrieren und alles schien wie in Zeitlupe abzulaufen. Dann sah sie den Grund für ihre Angst. Ein Schatten, so groß wie ein Mensch, stand direkt vor ihr. Sie versuchte, etwas zu erkennen, ein Gesicht oder Ähnliches. Doch alles was sie sah, war ein riesiger schwarzer Fleck. Aber was war das? In diesem großen schwarzen Nichts schien sich was zu regen. Ein noch dunklerer Schatten machte sich im

oberen Drittel der Gestalt breit. Wie ein großer, zahn- und lippenloser Mund der sich auftat, um eine große Mahlzeit zu verschlingen...


Sie hatte keine Gelegenheit mehr, weiter darüber nachzudenken, denn der Schatten stürzte sich auf sie und riss sie zuboden.

Das wars, sie würde ihr Zuhause niemals erreichen. Sie dachte an ihre Schwester, die Hochzeit, auf der sie noch so ausgelassen getanzt hatte. Plötzlich stieß der Schatten einen schmerzerfüllten Schrei aus. Es klang Wie ein Fingernagel, der mit hartem

Druck über eine Schultafel gezogen wurde, nur drang dieser Schrei in die tiefsten Zipfel ihres Körpers.

Sie sah nur noch, wie diese schwarze Gestalt, die eben noch so übermächtig schien, zur Seite gerissen wurde.


 "Schnell, steh auf!"


,hörte sie eine Stimme und sie ergriff reflexartig die Hand, die ihr gereicht wurde. Sie spürte einen festen Griff. Die Hand gehörte einem Mann.


"Lauf!" Sie tat wie ihr gesagt wurde und lief so

schnell sie konnte, ohne zurückzuschauen. Noch immer war sie scheinbar nicht Herrin ihrer Sinne, sie dachte nichts, sie lief einfach nur, ohne überhaupt zu wissen wohin und warum. Die Umgebung um sie herum fing an sich zu bewegen. Ihr wurde schlecht. Sie konnte einfach nicht mehr und ließ sich fallen. Sie schloss ihre Augen. Ihr war jetzt alles egal...

Gerettet?

Ihre Augen waren geschlossen, doch sie war wach. Sie griff in den Untergrund auf dem sie lag und war überrascht. Kein Sand, kein Moos... Nichts, das irgendwie an Wald erinnern würde. Vielmehr ein weicher Stoff. Sie spürte auch nicht mehr die Kälte und hörte auch keine Waldgeräusche. Ihr war wohlig warm und es knisterte sanft. Der Geruch von trockenem, verbranntem Holz suchte sich den Weg in ihre Nase. Ein Feuer? Vorsichtig öffnete sie ihre Augen, ängstlich aber zugleich neugierig,

welcher Anblick sie gleich erwarten würde. Sie war in einem Haus oder eher in einer kleinen aber gemütlich wirkenden Hütte. Der Untergrund, den sie mit ihren Fingern ertastet hatte, war der Bezug eines Bettes. Rustikal aber bequem. In der Ecke war eine kleine Feuerstelle, in der ein wärmendes Feuer vor sich hin knisterte. Wo war sie? Sie könnte aufstehen und versuchen, mehr herauszufinden, aber sie fühlte sich sehr schwach. Schon bald gewannen ihrer Augenlider wieder den Kampf und so ließ sie es geschehen und schlief ein. Aus weiter Ferne hörte sie eine Stimme. Sie kam immer näher und wurde immer

klarer.


"Meinst du nicht, du hast so langsam mal genug geschlafen?"


Sie öffnete die Augen. Der Mann, den sie eben noch im Wald gesehen hatte, schaute sie lächelnd und besorgt zugleich an.


"Da bist du ja wieder, ich hatte mir schon Sorgen gemacht, du schläfst noch 'nen weiteren Tag"

"Wie, noch einen weiteren Tag? Wie lange habe ich denn geschlafen?"


Der Mann schaute ihr tief in die Augen.


"Drei Tage!" Sie konnte es nicht fassen. Drei Tage hatte sie geschlafen, war alles mit ihr in Ordnung? Was war passiert? Ihre Gedanken wurden unterbrochen.


"Sag mal, was wolltest du eigentlich in dem Wald da draußen? Es ist dort sehr gefährlich, besonders, wenn man allein unterwegs ist!"


Allein? Aber sie war doch gar nicht all...

Ihre Nackenhaare stellten sich auf und ein eiskalter Schauer lief ihr über den

Rücken. Oh nein! Der Kutscher! Der Schatten! Angst und Sorgen erfüllten sie. Mit zittriger Stimme wandte sie sich an den Mann:


"Habt ihr noch jemanden gefunden? Einen Mann, Mitte 50, Rauschebart und Hut? Ich war mit ihm in einer Kutsche unterwegs als wir einen Radbruch hatten. Wir wollten zum nächsten Dorf reiten um Ersatz zu besorgen. Ein Schatten huschte über die Straße, die Pferde drehten durch und dann war er verschwunden

und..." "...Ruhig, alles der Reihe nach!"


,unterbrach sie der Mann,


"Leider haben wir niemanden außer dir gefunden. Ich will dir auch keine zu großen Hoffnungen machen, drei Nächte allein in diesem Wald hat bisher noch niemand überlebt. Zumindest kenne ich keinen. Du hattest auch riesiges Glück, dass wir dich rechtzeitig gefunden haben, mit den Biestern ist nicht zu spaßen!"

"Biester? Was war das für ein Schatten?"


,fragte sie.


"Also gut"


,entgegnete der Mann,


"ich erzähle es dir!"


Er setzte sich auf einen kleinen Hocker in der Nähe des Bettes, atmete tief durch und begann zu erzählen: "Vor einigen Jahren lebte ich in einem Dorf wie diesem hier. Ich war glücklich mit meinem einfachen Leben als Tischler. Ich war zwar nicht reich an Vermögen, dafür umso reicher in meinem

Herzen. Ich hatte ein Mädchen kennengelernt. Du erinnerst mich an sie. Wir waren glücklich und wollten heiraten. Da wussten wir noch nicht, was uns erwarten würde. Als ich eines Abends noch etwas Holz aus dem Wald holen wollte, überraschte mich ein Schatten, einer wie der, der dich angefallen hat. Ich hatte leider keine Hilfe und so hatte er leichtes Spiel."


Der Mann öffnete die oberen 4 Knöpfe seines Hemdes. Auf seiner Brust, dort, wo das Herz saß, war eine kreisrunde Brandnarbe zu sehen, vom Durchmesser

in etwa so groß wie Trinkkrug. Er fuhr fort:


"Ich spürte einen brennenden Schmerz. So stark, wie ich ihn noch von keiner Verbrennung zuvor kannte. Ich dachte, mein Leben wäre vorbei. Doch völlig unerwartet ließ der Schatten von mir ab. Ich fasste mir an die Brust und schrie auf vor Schmerzen, denn ich drückte meine Hand direkt in eine offene Brandwunde. Mir wurde schwindelig und ich drohte, ohnmächtig zu werden, doch mit letzter Kraft schleppte ich mich zurück ins Dorf, wo ich mitten auf dem Marktplatz entgültig das Bewusstsein verlor.

Als ich aufwachte, lag ich in meinem Bett. Mein Mädchen saß daneben und hielt meine Hand. Ich fasste mir wieder an die Brust. Dieses Mal vorsichtiger, in Erwartung, wieder laut vor Schmerzen aufzuschreien. Aber die Wunde war verheilt. Nur diese Brandnarbe blieb zurück.

Nach ein paar Tagen ging ich wieder meiner Arbeit als Tischler nach. Von Tag zu Tag fiel mir meine Arbeit leichter. Ich schleppte soviel Holz auf einmal aus dem Wald wie nie zuvor. Ich strotzte nur so vor Kraft. Es machte mir Angst aber ich erzählte niemandem etwas davon. Es hätte mir ja doch niemand geglaubt."


Er atmete tief durch.


"Doch nach einiger Zeit, wurde ich immer aggressiver gegenüber den Anderen aus meinem Dorf. Es war eine Wut gegen Alles und Jeden. Es wurde unerträglich!

Seinen Höhepunkt erreichte meine Wut, als eines Tages ein alter Freund meine Säge fallen ließ. Ich schrie ihn an, machte ihm Vorwürfe und fing an, auf ihn einzuprügeln. Sein Gesicht war schon ganz aufgequollen, doch ich konnte nicht aufhören. Es war wie ein Ventil, dass ich nun endlich geöffnet hatte, um meine Wut herauszulassen.


Regungslos lag er dann vor mir. Überall war Blut. Ich hatte ihn getötet! Meine Wut war zu einer tödlichen Waffe geworden!


Um dem Galgen zu entkommen und aus Angst, beim nächsten Wutausbruch meinem Mädchen etwas anzutun, flüchtete ich aus dem Dorf."


Seine Hand zitterte als er weitererzählte.


 "So lebte ich im Wald. Einsam und voller Sehnsucht, jedoch sicher entfernt zu anderen Menschen. Ich suchte nach Antworten doch ich fand keine. Ich

vermisste mein Mädchen so sehr..."


Eine Träne rollte seine Wange hinunter. Er wollte wohl nicht, dass sie ihn so sah.


"Du musst dich ausruhen"


,sagte er und verließ fluchtartig die Hütte. Mit vielen Fragen blieb sie zurück. Sie lag im Bett und versuchte, das alles zu verstehen. War sie in Gefahr? Immerhin hatte er ihr gerade berichtet, wie er einen Menschen totgeprügelt hatte, wegen einer fallengelassenen Säge...


Sie wurde müde. So gab sie ihren Augenlidern abermals nach und schlief ein.

Der nächste tag

"Was für ein Traum!"


Sie wachte auf und und war noch ganz durcheinander. Ein Radbruch, Schatten, ein mysteriöser Mann...

Doch halt, es war kein Traum. Sie war noch immer in dem selben Bett, im selben Zimmer. Sie erstarrte.


Was sollte sie tun? Sollte sie sich rausschleichen und einfach weglaufen? Aber wo sollte sie hin? Wo lag das nächste Dorf? Wie weit war es entfernt? Wo war sie überhaupt?

Und dann war da ja noch dieser Schatten!


Sie beschloss abzuwarten. Bisher ging es ihr hier doch recht gut. Sie bekam zu Essen und zu Trinken und wurde auch sonst sehr gut umsorgt.

Und doch wollte sie einfach nur nach Hause. In ihr Dorf, in ihr Haus, in ihr Bett!

Sie versuchte aufzustehen und sie fühlte sich bestens. Ihre Füße boten einen festen Stand und ihre Beine machten keine Anzeichen, nachgeben zu wollen.

Ein Schritt, zwei Schritte...

Es klappte!

Ihr Zimmer konnte erkundet werden.


Schnell fiel ihr Blick auf eine kleine

Komode, auf der sauber aufgereiht ein paar Bilder standen.

Sie hatte die Bilder schon vorher bemerkt und war sehr interessiert daran, jedoch hatte sie sich bisher zu schwach gefühlt.

Jetzt war sie endlich in der Lage dazu, ihre Neugier zu stillen. So bewegte sie sich langsam aber zielstrebig auf die Komode zu.


Sie nahm eines der Fotos in die Hand auf dem drei Personen zu sehen waren. Scheinbar eine Familie. Ein Mann, seine Frau und ein Kind. Der Mann und die Frau standen nebeneinander und beide hatten jeweils eine Hand auf einer

Schulter des Mädchens, das vor den beiden stand.

Sie sahen glücklich aus, zumindest strahlten alle drei ein herzerwärmendes Lächeln aus.


Ihre Gedanken schweiften ab. Würde es ein solches Foto auch mal von ihr geben?

Würde sie mal heiraten, Kinder haben?


"Da ist ja jemand wieder fit!"


Die freundliche Stimme zog sie wieder in die Realität. Reflexartig stellte sie das Bild wieder auf den Kaminsims zurück.


Der junge Mann vom Vortag stand in der Tür.


"Ich habe hier Brot und etwas zu trinken für dich, sollst ja nicht vom Fleisch fallen!"


Er hielt ihr einen kleinen Korb hin, den sie zögerlich entgegennahm.


"Ist 'ne kleine Entschuldigung dafür, dass ich gestern so fluchtartig verschwunden bin. Möchtest du den Rest der Geschichte hören?"


Sie nickte zaghaft.


Die ganze wahrheit

"Nachdem ich also aus dem Dorf geflohen war, lebte ich eine ziemlich lange Zeit im Wald. Anfangs war es wirklich schwer, weil ich alles zurückgelassen hatte, was mir lieb und teuer war. Aber es musste sein. Ich konnte nicht mehr zurück. Entweder hätte man mich getötet oder ich hätte beim nächsten Wutausbruch jemandem das Leben genommen.

Außerdem schämte ich mich so sehr! Ich hielt mich für ein Monster. Was wohl mein Mädchen von mir dachte...


- Fortsetzung folgt -


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Hörbuch

Über den Autor

PhilippEspel
Angefangen mit kleinen Liebesgedichten, um ein bestimmtes Herz zu erobern und bei Laune zu halten, schreibe ich mittlerweile über viele Themen, ganz egal, wonach mir gerade ist.

Das Schreiben hat mir zudem durch eine schwere Zeit geholfen, was sich in einigen meiner Texte nachvollziehen lässt. Man kann also sagen, dass vieles von dem, was ich schreibe, autobiografisch anzusehen ist, aber nicht alles.
Da ich Texte, die eher negative Phasen meines Lebens behandeln, oft erst veröffentliche, wenn "etwas Gras über die Sache gewachsen ist", braucht man sich keine Gedanken machen, wenn da mal ein etwas härterer Text kommt. Solche Themen sind bei Veröffentlichung bereits für mich abgeschlossen. Mir geht es gut ;)

Viel Spaß beim Lesen, Bewerten und Kommentieren meiner Texte!

Euer
PhilippEspel

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BellaCPernier Ich bin selber ja auch noch Anfänger. Ich finde deine Geschichte gut.

Das Problem Das Koolook anspricht kommt mir, bei mir auch sehr bekannt vor. Aber ich lerne auch erst noch.

LG Catherne
Vor langer Zeit - Antworten
Superblume1311 Spannend, bin gespannt wie es weitergeht....
Vor langer Zeit - Antworten
koollook Ich habe das erste Kapitel gelesen und will dir mal meine Eindrücke und meine Kritik geben.
Man merkt, dass du noch nicht so viel Prosa geschrieben hast. Der Text lässt sich gut lesen und du hältst auch durchgehen einen Stil ein, aber die Sätze wirken unzusammenhängen, es entsteht kein Lesefluss. Es ist nicht so, dass die Sätze vom Inhalt nicht passen -- der Inhalt ist logisch und gut aufgebaut -- nur wirken sie wie schlecht zusammengeklent. Nicht immer aber doch recht häufig.
Das nächste Problem ist die Satzstruktur, die meistens gleich ist -- dadurch entsteht eine gewisse Monotonie. Du bleibst auch bei kurzen Sätzen, was grundsätzlich gut ist, da Schachtelsätze schwierig zu lesen sind, aber eine gewisse Abwechslung und Forderung für den Leser muss man auch wagen.
Ich hoffe, du kannst etwas mit meinen Anmerkungen anfangen. Du hast Talent und solltest auf jeden Fall weiter arbeiten. Prosa ist eine harte Nuss -- zumindest für mich war sie das --, bei Lyrik konnte ich schneller Fuß fassen.
Vor langer Zeit - Antworten
PhilippEspel Vielen Dank für deinen kritischen Kommentar, genau sowas hilft mir beim Besserwerden.
Mein Hauptproblem ist momentan eher die Story an sich, wie gehts weiter, was ist das Ziel, wie komme ich da hin usw.
Den "Feinschliff versuche ich dann, wenn das Grundgerüst steht. Und da kann ich schonmal einige verbesserungsvorschläge und Kritik einfließen lassen :)
Ist halt ein Großprojekt und ich habe (zum Glück) alle Zeit der Welt :)
Vor langer Zeit - Antworten
ripperlyric Das gleiche Problem habe ich mit meiner Story auch. Mein Ziel hat sich schon ein paar mal geändert und scheint immer noch nicht fix zu sein.
Du hast sehr spannend geschrieben. Freue mich schon auf eine Fortsetzung.
Vor langer Zeit - Antworten
PorterThomson Es gibt da ein paar populäre Autoren die ich sehr gerne lese. Sie alle zeichnen zwei Dinge gemeinsam aus. Ihre Werke lassen sich sehr angenehm lesen. Ihr Stil ist geradlinig ohne Schnörkel, ohne jedoch das "Umfeld" ganz und gar zu vergessen. Zum zweiten bringen Sie es mit ihrem Stil immer wieder fertig die gewisse Portion Spannung aufzubauen. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass dein Stil in die selbe Richtung geht. Sehr gut geschrieben!

LG Porter
Vor langer Zeit - Antworten
PhilippEspel Wow, danke für deine lobenden Worte :)
Dein Kommentar hat mich schon ein bisschen stolz gemacht :)

LG
Philipp
Vor langer Zeit - Antworten
LinneaHazel Hallo Philipp!
Was ich bisher gelesen hab, klingt für mich schon mal sehr interessant.
Ich hoffe, du bleibst weiterhin dran...
Aber eine kleine Anregung hätte ich vielleicht...
Wie wäre es wenn du deinen Protagonisten Namen gibst? Mich stört das zwar jetzt nicht allzu sehr, aber ein Buch ohne Namen?:)

Ganz liebe Grüße
Linn
Vor langer Zeit - Antworten
PhilippEspel Hallo Linn,
vielen Dank für deinen Kommentar!
Ja, ich ergänze immer mal wieder. Momentan kommen die kreativen Phasen eher schubweise :)

Zu den Namen: Ich tu mich immer etwas schwer, passende Namen zu finden, mit denen ich auch zufrieden bin. Darum hatte ich es erst ohne versucht.
Habe aber auch schon darüber nachgedacht, Namen einzufügen. Ich habe gemerkt, je mehr Personen erwähnt werden, umso schwieriger wird es, sie ohne Namen auseinanderzuhalten.

Vielen Dank für deine Anregung und auch für die Coins :)

Ebenfalls liebe Grüße :)
Philipp
Vor langer Zeit - Antworten
LinneaHazel Ja das mit den kreativen Phasen kenn ich leider auch nur zu gut.:)

Richtig, wenn's dann um mehrere Personen geht wirds dann schwierig- für dich und den Leser!
Aber so wie ich das sehe, "spielt" deine Geschichte ja in einer früheren Zeit... vielleicht hilft dir das Internet weiter, um ein paar passende Namen zu finden.;)

Vor langer Zeit - Antworten
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