pentzwTot. Motorunfall. Nachts mit seinem Motor ist ein Freund nach Hause gefahren, eine Abkürzung gemacht, durch einen Parkplatz, unbeleuchtet, auf den Hinterteil eines unbeleuchteten LKW gecräscht. Tot.
Tot. Mit Siebzehn. Nachts mit dem Motorrad nach Hause gefahren, nach einem Besuch bei einem Freund, durch die dunkle Parkbucht neben der Hauptstraße gefahren, eine vermeintliche Abkürzung, gegen einen in der Dunkelheit stehenden Laster gerast und tot. (Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich kann es immer noch nicht fassen.)
Dort durfte kein Laster abgestellt werden. Vielleicht heutzutage schon, aber dann nur mit Warnlichter.
Jugendliche haben keine Recht, gefühlsmäßig zunächst. Hat jemand den Lastwagenfahrer zur Rechenschaft gestellt? Die Sache war derartig ungeheuerlich, die, dass einer unter ihnen, von den Heranwachsenden, den Jugendlichen, den Neuen, herausgerissen worden ist, dass es eigentlich nach Bestrafung geschrien haben sollte, aber damals keiner von uns Jugendlichen auf diese Idee gekommen wäre. Es war eben Schicksal. Und diejenigen, die dies normalerweise tun und dazu verpflichtet wären, die Erwachsenen, Lehrer, Behörden, Unrecht zu bestrafen, taten es nicht. Gar der Versucher des Todes von Sem kam nicht zur Beerdigung, erschien erst recht nicht auf unserer Schule und leistete Abbitte.
Was sagte man zu diesem Vorfall?
Hätte doch der Jugendliche nicht den Parkplatz durchquert! Sein Verhalten war gleich schuldig wie der des Lastwagenfahrers. Tot. Mit Siebzehn. Aber wahrscheinlich hat man die Konsequenz daraus gezogen, dass man fürderhin Autoabsteller auf öffentlichen Parkplätzen dazu verpflichtete, Warnlichter anzubringen, Leuchter, etwas dergleichen!
Tot. Sem war tot.
Noch nach Jahrzehnten habe ich deswegen, weil mir dessen Tod so nahe geht, Wochenenden, an denen es mir schlechtgeht, wo ich diese Umstände Semsens Tod und seine Person nicht aus dem Kopf kriege. Dann liege ich tatenlos auf dem Bett und wälze den Kopf hin und her. Die Allgemeinheit zuckt mit den Kopf, zuckt mit den Schultern, sagt, die die zu sensibel sind, naja, sind selber schuld.
Wenn ich heutzutage durch die Straßen fahre und ich sehe abgestellte Fahrzeuge, Gefährte, Lastwagen, Transporter auf öffentlichen Gehwegen, dann kommt mir sprichwörtlich die Galle hoch. Wirklich, ich verspüre eine leichte Übelkeit. Ich werde traurig und melancholisch. Dann werde ich aber auch wütend und zornig, ich muss schauen, dass ich mich nicht zu lange diesem Anblick aussetze. Die meisten Fahrzeuge habe keine Warnlichter. Naja, selber schuld, wer dagegen fährt, sie stehen schließlich auf öffentlichen Parkplätzen. Sind diese aber zum Abstellen von Kleinunternehmern und solchen Privatbesitzern, die es sich leisten können, gedacht? Dienen diese Parkplätze für deren Caravane, Wohnwagen, Transporter für Motorräder, für Kleintransporte aller Art? Müssten diese Gefährte nicht in privaten Garagen stehen? Warum unternimmt die Polizei, die sogenannten Ordnungshüter, dagegen nichts? Gesetze mag es geben, aber keiner schert sich darum. Warum?
Unrechtsstaat!!!
Woher hast du den Begriff Unrechtsstaat? Die frühere sogenannte DDR wird von Leuten von hier, dem Westen, so bezeichnet. Ich lebte während des sogenannten Unrechtsstaates des Osten im Westen und erlebte dies mit Sem und seinem Unfall, erlebte diesen Staat als Ungerechtigkeit. Denn Verhalten, das andere in Gefahr bringt und tödlich verletzen kann, verlangt doch nach Verhütung und wenn es denn sein muss Bestrafung. Und heute noch, ich sehe es an den öffentlichen Parkplätzen, herrscht diese Zum-Himmel-schreiende-Ungerechtigkeiten immer noch! Ich erfahre es auch, denn ein Nachbar stellt seine Wagen an öffentlichen Parkplätzen ab und keiner schert sich darum, wenn ich es tue, sagen die Offiziellen: Ja, wir haben Gesetze, aber diese in diesem und anderen Fällen durchzusetzen ist Privatsache!
Doch lasse ich nicht locker. Vor allem Abstellplatz-Verstöße, die wie Semm, zum Tode führen können, gehe ich hinterher.
Ich habe schon den Standort der örtlichen Polizei herausgesucht. Ich beabsichtige, mit darüber zu beschweren, dass Laster und Anhänger auf einem Parkplatz am örtlichen Naherholungspark neben dem großen See abgestellt werden. Muss ein zweiter Sam-Todesunfall passieren? Mögen die Laster auch mit Leuchtplaketten versehen sein, aber, wer weiß, ist es, was an Seen oft der Fall ist, neblig und nass und die Luft von daher undurchdringlich, dann passiert es wieder: Tod durch unachtsam abgestellte Fahrzeuge. Weil einige Leute nicht genug kriegen können, sparen wollen, ihren Fuhrpark auf Kosten der Allgemeinheit abstellen - in diesem Unrechtsstaat BRD im Jahre 23.04.2026!
Heute, am 1. Mai bin ich wieder diese Strecke am See entlang gelaufen. Lag es am Feiertag, aber es waren keine abgestellten Anhänger, LKWs oder sonstige Gefährte zu sehen. Doch, eines, das aber kaum sichtbar am äußersten Rand der Parkeinbuchtung, auf dem Gehweg platziert war: Mai-Baum-Aufstellung und Fest am Ort. Herzliche Einladung ergeht!
Da tauchte auch ein stark verschmutztes Schild auf: Hier ist Parken nur für PKWs erlaubt.
Was wird aber geschehen, wenn die Maifeier vorbei ist?