Kurzgeschichte
Die Krankenschwester

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"Die Krankenschwester"
Veröffentlicht am 14. November 2013, 6 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Patrizia Tilly - Fotolia.com
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Die Krankenschwester

Die Krankenschwester

Metamorphose

Auf dem Gang rieche ich schon den mir bekannten süßlich-fauligen Geruch. Er zieht mir sofort in die Nase und ich erinnere mich, wie ich das erste Mal eine

Diabetikerstation betreten habe.

Damals sind mir allerlei Gedanken durch den Kopf geirrt.

"Was riecht hier nur so penetrant?" fragte ich meine damalige Ausbilderin. "Ein bisschen mehr Respekt! Daran werden Sie sich noch gewöhnen."

Sie hat Recht behalten. Mittlerweile kann ich einen offenen Zeh reinigen und verbinden, ohne den Gammlungsprozess

geistig auf meine Nasenhäute übergehen zu sehen. Wobei sich viele Patienten ihre Zinken dabei zuhalten. Man müsste meinen, sie würden es schon gar nicht mehr wahrnehmen. 

So, jetzt bin ich gleich da. Nur noch den Flur entlang zur großen Tür auf der in großen Lettern "Gerontopsychiatrie" steht und mein erster Arbeitstag als vollwertige staatlich anerkannte Gesundheits- und Krankenpflegerin kann beginnen.  

"Schwester Alexia?"

Aus meinen Überlegungen gerissen, drehe ich mich um und erblicke eine kleine, stämmige Frau mit strengem Blick und einer großen roten Brille auf

der Nase. An ihrem blauen Kittel erkenne ich sie; meine neue Stationsschwester und somit erste Vorgesetzte. Sie lächelt. "Ja, die bin ich. Und sie müssen Schwester Gabi sein!" Euphorisch reiche ich ihr meine ausgestreckte Hand und grinse fast so sehr, wie die Katze in Alice`s Wunderland. "Laufen Sie immer so verträumt durch die Gegend? Sie sind eben an mir vorbei geschlendert, als würden Sie den Feierabend schon riechen." Sie geht geradewegs zum Türöffner und gibt den Code ein. Meine Hand lass ich unauffällig wieder in meiner Kitteltasche verschwinden. Als ich meinen Mund öffne, um entschuldigende Worte zu formulieren,

die mir gleich noch unbedingt einfallen müssen, ergreift sie wieder das Wort. Einerseits bin ich darüber erleichtert. "Ich begrüße Sie hiermit offiziell und im Namen der Stationsmitarbeiter herzlich in unserem Team." Ihre Stimme klingt monoton und rauchig. Ich versuche ihr hinterherzueilen, während sie durch die Sicherheitstür huscht und trotz ihrer kurzen Beine, einen zügigen Schritt an den Tag legt. "Derzeit sind wir mit 23 Patienten belegt. Von Altersdemenz über Depression, bis hin zur Zwangsneurose haben wir hier alles vertreten. Aber wozu erzähl ich Ihnen das. Ich hörte, sie hätten ausgezeichnetes psychiatrisches

Fachwissen. Dann kennen Sie auch unsere Behandlungsspektren." 
 

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Zuzuna

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