Kurzgeschichte
Ihr Name ist...

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"Ihr Name ist..."
Veröffentlicht am 25. Oktober 2013, 4 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich bin 17 und bevorzuge es, Kurzgeschichten zu schreiben. Für eine richtig grosse Story fehlt mir einfach die Geduld ;p . Ich lebe in der Schweiz und bin eine leidenschaftlicher Fan. Von praktisch allem. Ich bin ein Whovian, Sherlocked, ein Trekker, ein Mitglied der #SPNFamily und des #TeamInternet, ich bin ein Jäger, Tribut und eine der Gefährte , ich bin eine Hexe die noch auf ihren Brief wartet und ich weiss dass der Winter kommt. Und ja, ...
Ihr Name ist...

Ihr Name ist...

Einleitung

Eine Kurzgeschichte die sich mit der Magersucht beschäftigt. Aus der Sicht einer betroffenen geschrieben. Ich hoffe es gefällt euch ;)

Ihr Name ist...

Ich kam an einem ruhigen, sonnigen Tag auf die Welt. Meine Eltern betrachteten mich und strahlten. „Unser kleines Vögelchen.“, nannten sie mich liebevoll und gaben mir den Namen Saphira. Die Schöne. Wenn ich heute darüber nachdenke, erscheint es mir fast wie ein schlechter Witz.

In den Augen meiner Eltern war ich das bezauberndste und einzigartigste Kind der Welt. Doch während sie mit mir spielten, mich aufzogen und durch eine ruhige und glückliche Kindheit begleiteten, bemerkten sie gar nicht, dass ich auch eine Schwester hatte. Sie war immer still, schwieg, verschmolz mit dem Haus und der Umgebung. Trotzdem begleitete sie mich, wohin ich ging. In jedem Schatten, jeder verborgenen Nische konnte ich ihre Gegenwart spüren, hörte den tonlosen Klang ihrer Stimme. Worte, geflüstert, in einer Sprache die ich nicht verstand. Doch da waren auch die anderen Male. Wenn ich Fehler beging, wenn ich aufsässig wurde und meine Eltern voller Entäuschung auf ihr kleines Wunderkind sahen, war sie auf einmal da und streckte mir ihre Hand entgegen. Ihre dunklen, braunen Augen sahen durch meine Blauen hindurch bis auf den Grund meiner Seele. Aber das stumme Angebot machte mir Angst und jedes mal wendete ich mich ab um wieder in die Arme meiner Eltern und die Sicherheit meiner behüteten Kinderwelt zu fliehen. Aber die Zeit rann davon, wie ein friedlicher Bach, der zu einem Fluss anschwillt. Alles begann sich zu verändern. Bilderbücher wurden im Keller verstaut, die Schaukel im grossen Garten werwaiste nach und nach. Auch meine kleine, heile Welt bekam langsam Risse, durch die die angsteinflössenden süss-bittere Welt der Erwachsenen sickerte. Immer wieder wagte ich mich vor, kostete von neuartigen Luft die nach Freiheit und Gefahr schmeckte, ohne jedoch den grossen Schritt zu wagen.

Ich begann mich ebenfalls zu verändern. Dünnes, blondes Haar wurde Lockig und dunkel, meine Taille verlor ihr Knabenhaftes aussehen und Hüfte und Brust nahmen weibliche Formen an. Diese Entwicklung machte mir, ohne dass ich es eingestehen wollte, Angst. Ich kam nicht damit klar, wie sich alles veränderte. Mein Zuhause, mein Körper, sogar meine Gedanken. Auf einmal begann ich alles zu verabscheuen. Der Schein von Unschuld der über meinem Leben lag, die Naivität in die sich meine Gedanken hüllten. Da trat meine Schwester wieder aus den Schatten hervor. Lange, so lange hatte ich sie nicht mehr gesehen. Hatte auch sie sich verändert? Ich wusste es nicht. Alles war so gleich und doch völlig anders. Sie streckte ihre Hand nicht nach mir aus, kein Angebot keine Aufforderung. Nur ein stummes Betrachten und ein wissendes Lächeln. Aber von da an war ihre Präsenz wieder ungebrochen. Auf einmal  sah ich sie überall. In der Schule setzte sie sich neben mich, legte ihre kühle,leichte Hand auf meine Schulter wenn die Jungs über mich lachten und die Mädchen hinter vorgehaltener Hand tuschelten. „Fette Kuh“, flüsterten sie. „Monster!“

Mein inneres Schrie und weinte während mein Gesicht eine gleichgültige Maske zur Schau trug. Ich vergrub mich hinter meinen Büchern, schrieb Examen um Examen fehlerfrei um mir die Illusion zu vermittlen, dass ich etwas wert war. Um die Entäuschung in den Augen meiner Eltern nicht sehen zu müssen wenn ich versagte. Ich war schliesslich ihr Wunderkind. Meine Schwester zählte nicht. Meine Schwester hatte noch nie gezählt. Und als ich schliesslich so viel gewint hatte, so viel gekämpft hatte bis mein Herz vor Kummer und Trauer zersprang, war sie zur Stelle. Mitfühlende Augen, sichere Hände, starke Arme. Auf einmal verstand ich die Worte, die sie flüsterte, sah das Angebot hinter ihrer dargebotenen Hand. „Lass mich dir helfen,“ flüsterte sie, „und ich werde dich schlank machen. Lass mich dir helfen, und ich werde dich schön machen. Lass mich dir helfen und du wirst niemals allein sein. Ich werde dich immer Begleiten. Ich werde dich beschützen. Mit mir wirst du unverwundbar.“ Ihre Augen fixierten mich und sie lächelte mir entgegen. Wie ein Wunder nach all dem Schmerz und all dem Kummer. „Mit mir wirst du Perfekt.“ Ich vertraute ihr, meiner Schwester, meiner Freundin. Meine plumpen Finger schlossen sich um ihre weiche Hand und besiegelten so unseren Packt.

Von da an war alles anders. Ich war leicht ich war frei, ich war schwebend. Das Leben rauschte an mir vorbei ohne dass ich es wahrnahm. Nur ein kleiner Schimmer, ein winziger Lichtblitz drang in meine neue Welt. Es war nicht die Welt meiner Kindheit, in der die Farben leuchteten und Wunder an jeder Ecke warteten. Es war die Welt meiner Schwester, angefüllt mit Euphorie umgeben von starken Linien und gepflaster mit sicheren Wegen. Sie zog mich in ihren Bann, riss mich immer tiefer hinein auf der Suchen nach den Versprechen die mich hineingelockt hatten. Ich bemerkte nicht, dass die Wege alle nur in eine Richtung führten und das die Linien zu Draht und nach und nach zu Mauern wurden.

Niemand hielt mich auf, als ich den Untergrund wandelte, geblendet und getäuscht. In dieser Zeit fand ich so viel mehr über meine Schwester heraus. Eines Tages stellte sich mir eine neue Frage. Wie war ihr Name? Schüchtern wagte ich es, sie zu stellen. Da begann meine Schwester zu schreien. Sie wütete und schimpfte. „Die falschen Fragen!“, schrie sie. „Monster!“, schrie sie. „Niemals wirst du perfekt sein, niemals wirst du dünn sein, ohne mich! Du bist schwach!“ Dann wurde ihre Stimme sanfter: „Ich will dir doch nur helfen. Aber ohne Namen, ohne Sein, denn wenn du mich verstehst, muss ich gehen. Und zwar für immer.“  „Nein!“, rief ich. „Ich brauche dich!“ Sie lächelte und schloss mich in ihre Arme. Sie würde mich bestrafen, dass wusste ich, aber es war mir egal. Ohne si konnte ich nicht mehr leben.

Aber dann lief alles schief. Meine Eltern beginnen sich zwischen mich und meine Schwester zu schieben. Ihre Stimmen drangen kaum bis zu mir durch, so sehr hat schottete meine Schwester mich ab. Aber Wortfetzen drangen durch die Mauern in meine Welt und fielen dort wie Schneeflocken zu boden. Ich hob sie auf. „Mager“, stand dort. „Freunde.“ Auf einige Zettel immer wieder das gleiche.

„Iss!“ Das war die Schrift meines Vater. Ich warf sie wieder auf den Boden. So machte ich es mit den meisten. Bis ich schliesslich zwei fand, die die Schrift meiner Mutter aufwiesen. Tränen durchtränken sie und der Geruch nach Trauer und Leid drang mir in die Nase.

„Bitte! Ich liebe dich doch!“ stand auf einem. Lange betrachtete ich ihn, bevor ich ihn sorgfältig gefaltet in meine Tasche steckte. Auf dem anderen standen nur zwei Wörter: „Anorexia nervosa“  Ein seltsames Gefühl durchfuhr mich. Ohne dass ich recht wusste wieso drehte ich mich um und betrachtete die Ränder meiner Welt. Mir stockt der Atem. Woher kamen bloss die dicken Mauern? Wieso sah ich erst jetzt wie dunkel der Himmel war? Kalter Wind wirbelte durch meine Haare und strich über meine blauen Lippen. Er trug die Stimme meiner Schwester mit sich. „Was tust du da?“, fragte sie. „Hör auf, oder ich werde mit dir schimpfen müssen!“ Ich traute mich nicht meine Stimme gegen sie zu erheben, zu stark und übermächtig erschien mir ihre Gegenwart. Aber langsam, vorsichtig machte ich einen kleinen Schritt auf einem Weg, der ins dunkle führte. Aber ich wusste, dass das Ende bei den Mauern war.

Da erklang hinter mir ein Schrei. Meine Schwester riss an meinem Arm und in ihren Augen, wild vor Panik und Angst konnte auch ich zuletzt auf den Grund ihrer Seele sehen. Der Tot lag darin.

Endlich, endlich sehe ich, was ich so lange nicht zu sehen bereit war, weiss, was ich niemals zu wissen geglaubt habe. Während die Wut meiner Schwester in meinen Ohren klingt, schwöre ich mir, den Weg zu den Mauern zu suchen. Oh ja er wird steinig und schwer sein, die Mauern riesig und beängstigend. Aber ich werde es schaffen. Also sehe ich meiner Schwester mitten ins Gesicht und flüstere leise: „Ich weiss jetzt deinen Namen. Dein Name ist Ana.“

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Hörbuch

Über den Autor

Alanee
Ich bin 17 und bevorzuge es, Kurzgeschichten zu schreiben. Für eine richtig grosse Story fehlt mir einfach die Geduld ;p . Ich lebe in der Schweiz und bin eine leidenschaftlicher Fan. Von praktisch allem. Ich bin ein Whovian, Sherlocked, ein Trekker, ein Mitglied der #SPNFamily und des #TeamInternet, ich bin ein Jäger, Tribut und eine der Gefährte , ich bin eine Hexe die noch auf ihren Brief wartet und ich weiss dass der Winter kommt.
Und ja, natürlich habe ich Tumblr (alanee97).
Ausserdem schreibe ich ab und zu gerne ein wenig Fanfiction. Jeden der sich da interessiert, bitte hier klicken: http://www.fanfiktion.de/u/Palomina
Vor ein paar Jahren bin ich an einer atypischen Magersucht erkrankt. Die Eindrücke dessen sind daher in einigen meiner Geschichten verarbeitet. Im Augenblick (Juli 2015) bin ich zwar (psychisch) noch nicht ganz gesund, aber so weit das ein Leben ohne Therapie und mit eigenverantwortlichem Essen möglich ist.

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Alanee Re: - Vielen Dank :D

Zitat: (Original von Michael33 am 26.10.2013 - 03:26 Uhr) Bewegend, deine Geschichte und mit brillanten Worten niedergeschrieben!

LG, Michael

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Michael33 Bewegend, deine Geschichte und mit brillanten Worten niedergeschrieben!

LG, Michael
Vor langer Zeit - Antworten
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