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IM ZEICHEN DER ZEIT - Gedanken

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"IM ZEICHEN DER ZEIT - Gedanken"
Veröffentlicht am 18. Oktober 2013, 6 Seiten
Kategorie Sonstiges
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Über den Autor:

Ich wurde in einem kleinen Dorf bei Nürnberg geboren. Studium und Beruf brachten mich nach Baden Württemberg. Die etwa 35 Jahre im Dreiländereck waren genug. 1999 zog es mich in meine alte Heimat zurück und seither lebe ich in Fürth.
IM ZEICHEN DER ZEIT - Gedanken

IM ZEICHEN DER ZEIT - Gedanken

Beschreibung

Dieser Text ist in dem Buch 2012 des artofarts-Verlags, Forchheim erschienen.

IM  ZEICHEN  DER  ZEIT

Was heißt das: ZEIT? Oft und oft hören wir heute: ich habe keine Zeit; die Zeit läuft mir weg; die Zeit wird es zeigen; mit der Zeit gehen; sich Zeit lassen; sich Zeit nehmen; Zeit sparen; es ist noch nicht Zeit für dieses oder jenes; die Zeit  ist nicht reif und derlei Wendungen mehr. Wissen wir wirklich, was wir damit zum Ausdruck bringen oder äußern wir uns nur so, um unsere eigene Unzulänglichkeit oder Versäumnisse, den Mangel an Initiative, an Kreativität, an Mut, unsere Frustration zu überdecken und letztlich, wenn alles anders gelaufen ist als in unseren Vorstellungen, einen anderen zum Sündenbock machen zu können?

 Zeit ist ein sehr vielschichtiger Begriff. Wenn wir zurückgehen in die Anfänge der Menschheit, dann wird Zeit weiträumig. Die Menschen damals empfanden Zeit als den Rhythmus und die Wiederkehr der Jahreszeiten, der Sternbilder, von Sonne und Mond, von Tag und Nacht. Ihre Zeit war bestimmt von den natürlichen Bedürfnissen Essen, Trinken, Schlafen. Als die Bevölkerung dichter und die sozialen Gefüge komplizierter wurden, genügten diese natürlichen Rhythmen nicht mehr. Die Menschen begannen zu beobachten und zu erforschen, wovon sie sich größeren Nutzen versprachen. Und siehe, sie fanden auch eine Möglichkeit, die Zeit einzuteilen.

Wohl nahmen sie dazu die Maße, die ihnen der Kosmos, der Sonnenlauf und die Größe der Erde anboten. Und sie schufen Geräte, mit deren Hilfe sie diese Einteilung sichtbar machen konnten. "Zeit"-Messer entstanden; heute sagen wir Uhren dazu. Und mit dieser Erfindung begann der Mensch auch, sich von der Zeit versklaven zu lassen.

Unser Leben heute wird nicht mehr von uns Menschen bestimmt, sondern von jenem Gerät, das wir Uhr nennen und das heute schon Funk gesteuert wird, damit wir auf den Bruchteil des Augenblicks genaue Zeitangaben machen können. Der Wecker bestimmt den Morgenrhythmus, der Terminkalender den Tageslauf, die Mahlzeiten, das Fernsehprogramm  den Abendrhythmus. Und wir lassen uns kritiklos von dieser "Time-Machine" unser Leben diktieren. Wenn wir merken, dass wir keine Zeit mehr für uns haben, dann versuchen wir hier und dort Zeit einzusparen, im Glauben, wir könnten damit unser Leben effektiver gestalten. Denn wir wollen Zeit haben für uns, unser Hobby, für Sport, den Kneipenbesuch, den Kino- oder Konzert- oder Theaterbesuch. Doch je mehr Zeit wir einsparen wollen, umso gnadenloser eilt uns die Zeit davon und wir werden zu Sklaven, über deren Rücken die Uhrzeiger peitschen. Und wir dienen dem Gott Ticktack bis zum Zusammenbruch.

Dann müssen wir plötzlich Zeit haben und beginnen, etwas vom Leben zu verstehen: vom Rhythmus unseres Herzschlags, unserer Atemzüge, vom geordneten Wechsel zwischen Arbeit und Muße. Und siehe: Augenblicke werden zu Ewigkeiten, was wir früher nie vermutet hätten. Und der Begriff Zeit bekommt völlig neue Dimensionen. Endlichkeit und Vergänglichkeit, Unendlichkeit und Ewigkeit rücken in unser Blickfeld. Wir lernen begreifen, wie Zeit uns gut tut, wenn wir sie mit gefalteten Händen und stumm gewordenen Gedanken in Stille vorbei ziehen lassen. Wie endlos sich nun Minuten dehnen können und wie viel Kraft wir aus diesen Minuten schöpfen dürfen. Wir werden bereichert und tauchen ein in dieses ewige Spiel des Verstehens, der Hingabe. Und wir erfahren Glücksmomente, denen wir früher in Eile nachgejagt haben ohne Erfolg.

Wir gewinnen Zeit, wir werden ruhiger, finden den Weg zu uns selbst, zu unserer unendlichen Quelle und spüren auf einmal, was uns bisher so unzufrieden gemacht hatte: Die Missachtung der Lebensgesetze. Wir erleben eine ungeahnte Bereicherung und finden den Sinn unseres Lebens in unserer Mitte.

©Heidemarie Opfinger 07-2010

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Über den Autor

NORIS
Ich wurde in einem kleinen Dorf bei Nürnberg geboren. Studium und Beruf brachten mich nach Baden Württemberg. Die etwa 35 Jahre im Dreiländereck waren genug. 1999 zog es mich in meine alte Heimat zurück und seither lebe ich in Fürth.

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NORIS Re: -
Zitat: (Original von Luap am 22.10.2013 - 20:34 Uhr) Dieser Text gefällt mir sehr gut. Oft bin ich auf der Suche, wie ich aus dem hektischen Alltag ausbrechen könnte. Ja, es ist die Missachtung der Lebensgesetze. Diese Missachtung steckt sehr tief in unserer modernen Gesellschaft, alles ist auf Leistung getrimmt... leider...

Liebe Grüsse
Paul


Lieber Paul,

Du schreibst so wunderbare meditative Texte im Zusammenhang mit klassischer Musik. Das sind doch momente des Aussteigens. Wenn so etwas täglich gelingt, die eine Stunde jeden Tag, dann ist das eine großartige Sache. Ich spüre aber, dass Du davon gerne mehr hättest. Das gelingt wohl nur im Urlaub oder wenn man den Mut hat, seinen Job zu kündigen und mit wenigem zufreiden zu sein.
Leider!

Danke, dass Du mich besucht, den Text gelesen und kommentiert hast.

Liebe Grüße
Heidemarie
Vor langer Zeit - Antworten
Luap Dieser Text gefällt mir sehr gut. Oft bin ich auf der Suche, wie ich aus dem hektischen Alltag ausbrechen könnte. Ja, es ist die Missachtung der Lebensgesetze. Diese Missachtung steckt sehr tief in unserer modernen Gesellschaft, alles ist auf Leistung getrimmt... leider...

Liebe Grüsse
Paul
Vor langer Zeit - Antworten
NORIS Re: -
Zitat: (Original von Zentaur am 20.10.2013 - 10:22 Uhr) Ich trage schon lange keine Uhr mehr bei mir und habe es geschafft mich in meiner Freizeit nach meiner inneren Uhr zu richten.

lg Helga


Das ist wunderbar entspannend, nicht wahr?

LG Heidemarie
Vor langer Zeit - Antworten
Zentaur Ich trage schon lange keine Uhr mehr bei mir und habe es geschafft mich in meiner Freizeit nach meiner inneren Uhr zu richten.

lg Helga
Vor langer Zeit - Antworten
NORIS Re: -
Zitat: (Original von welpenweste am 18.10.2013 - 17:46 Uhr) Zeitlos!
LG
Günter


vielleicht, weil heute mehr denn je für jeden von uns gültig oder zumindest nachdenkenswert.

LG Heidemarie
Vor langer Zeit - Antworten
NORIS Re: Deshalb -
Zitat: (Original von baesta am 18.10.2013 - 18:54 Uhr) mache ich die Armbanduhr auch meistens gar nicht erst ran. Allerdings können wir uns dem Zeitgefüge doch nicht gänzlich entziehen, wir sind eingebunden in die allgemeinen Zwänge.

LG Bärbel


Wie wir damit umgehen, ist und bleibt aber unsere ganz persönliche Angelegenheit.

LG Heidemarie
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Deshalb - mache ich die Armbanduhr auch meistens gar nicht erst ran. Allerdings können wir uns dem Zeitgefüge doch nicht gänzlich entziehen, wir sind eingebunden in die allgemeinen Zwänge.

LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Zeitlos!
LG
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
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