Biografien & Erinnerungen
Die Tage nach Dir

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"Die Tage nach Dir"
Veröffentlicht am 03. September 2013, 18 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
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Die Tage nach Dir

Die Tage nach Dir

Einleitung

Wenn Liebe einen Weg zum Himmel fände und Erinnerung Stufen hätte, dann würde ich hinaufklettern und Dich zurückholen. Über den besten Opa der Welt.

 

"Bis morgen, Mäuschen. Pass schön auf."

Dann legten wir auf. Ich habe nicht viel über diese Worte nachgedacht, da jedes unserer Gespräche so endete. Ich freute mich also auf den nächsten Tag. Darauf, dass ich nach der Arbeit wieder bei dir und Oma sein kann. Doch ich ahnte nicht, dass dieses unser letztes Gespräch war. Das letzte Mal, dass ich deine Stimme hörte.

Nach diesem Gespräch ging ich schlafen. Mir war zwar unwohl, aber ich habe nicht weiter über dieses Gefühl nachgedacht. Also schlief ich ein.

Als ich dann mitten in der Nacht wach wurde und auf mein Handy sah, entdeckte ich einen entgangenen Anruf von Mama. "Sie muss wohl auf irgendeine Taste gekommen sein. So ist das mit einem neuen Handy, womit man sich noch nicht auskennt", dachte ich und schlief weiter.

Um 5 Uhr klingelte mein Wecker und gleichzeitig meine Klingel an der Haustür. Mein erster Gedanke war: "Opa, wieso klingelst du so früh bei mir? Du weist doch, dass ich nicht verschlafe." Ich stand also auf und schaute zunächst aus dem Schlafzimmerfenster. Als ich dort am Straßenrand Mamas Auto entdeckte, kam dieses Gefühl vom vorherigen Abend. Ich weckte beunruhigt meinen Freund, rannte nach unten und öffnete die Tür. Da stand Mama vor mir. Sie schien geweint zu haben. Aber Warum? Mir gingen tausende Gedanken durch den Kopf: Streit mit ihrem Freund; Ist vielleicht seine Mutter verstorben.

"Hoch. Setzen!"

Diese Worte unterbrachen meine Gedanken. Jedoch wurde das merkwürdige Gefühl immer stärker. Ich stelle ihr also tausende Fragen auf dem Weg in meine Wohnung.

 

 

 

dieses Gefühl vom vorherigen Abend. Ich weckte beunruhigt meinen Freund, rannte nach unten und öffnete die Tür. Da stand Mama vor mir. Sie schien geweint zu haben. Aber Warum? Mir gingen tausende Gedanken durch den Kopf: Streit mit ihrem Freund; Ist vielleicht seine Mutter verstorben; ...

"Hoch. Setzen!"

Diese Worte unterbrachen meine Gedanken. Jedoch wurde das merkwürdige Gefühl immer stärker. Ich stellte ihr also tausende Fragen auf dem Weg in meine Wohnung. Ich rechnete mit Vielem, aber nicht mit diesen Worten:

"Opa ist tot!"

Und genau in diesem Moment brach meine Welt zusammen.

An meine genaue Reaktion kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Mein Freund sagte, ich habe wohl ganz laut "Nein" geschrien und angefangen zu weinen.

 

 

Ich stand auf, ging ins Bad und öffnete das Fenster. Es war windig. Ich schaute in den Himmel und fragte mich, ob du wohl schon dort angekommen bist und wie es dir jetzt geht. Es waren so viele Dinge, die mir in dem Moment durch den Kopf gingen.

Ich habe oft darüber nachgedacht, wie es wohl sein mag, wenn du nicht mehr da bist. Aber diese Gedanken verflogen auch gleich wieder. Dieses Thema schien mir so fern und dann war es plötzlich ganz nah.

Ich war so aufgeregt und wusste nicht, wie mir geschah. Ich wollte sofort auf der Arbeit anrufen und mich krank melden, aber meine Mama hatte dies schon erledigt.

Als ich mich dann etwas gesammelt hatte, wurde mir auch klar, weshalb Mama mich angerufen hatte. Und schon gingen mir wieder tausende Gedanken durch den Kopf:

Was wäre, wenn ich den Anruf gehört hätte?

Wäre ich hingefahren?

Was hätte mich dort erwartet?

 

 

Im Nachhinein war ich dann doch froh, dass ich diesen Anruf nicht gehört habe. Dann dachte ich an meinen Bruder. Wie mag es ihm wohl gehen, wenn er diese Nachricht hört? Wer passt auf ihn auf, wenn Mama ihn anruft und ihm dies erzählt? Ich schweifte mit meinen Gedanken ab, um der Realität zu entkommen, aber dennoch riss es mich immer wieder zurück. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich die Worte in dem letzten Gespräch nicht so gedeutet hatte und es als selbstverständlich hielt.

Mama fuhr nach Hause, damit ich etwas zur Ruhe kommen kann und sie bat meinen Freund mich zu ihr zu fahren. Sie wollte nicht, dass ich mich in diesem Zustand ins Auto setze und selbst fahre.

Es waren mittlerweile zwei Stunden vergangen und mein Freund fuhr mich zu Mama. Ich war noch immer wie versteinert und konnte es nicht glauben, was mir da gesagt wurde. Ich hielt alles für einen Traum, doch es war die traurige Realität.

 

Mein Freund fuhr zur Arbeit und ich mit Mama zu unserem Hausarzt. Als sie ihm die Nachricht übermittelte, war er zunächst sprachlos. Dann standen auch ihm die Tränen in den Augen. Er mochte dich. Seit deinem ersten Herzinfarkt hatte er dich betreut und hatte demnach auch nicht verstanden, warum dein Herz einfach stehen blieb. Keine Woche war vergangen, als du das letzte Mal bei ihm warst und dir gesagt wurde, dass alles in Ordnung sei. Aber das Herz macht nunmal was es will und in dem Moment entschied es sich dazu, einfach stehen zu bleiben und dich mir für immer wegzunehmen.

Nach und nach erfuhr ich, was an diesem Abend geschah.

Du schicktest Oma ins Bett und wolltest später auch schlafen gehen. Dann bist du auch irgendwann ins Schlafzimmer gegangen und machtest dein Radio an. Eben wie jeden Abend. Und dann bist du wieder aufgestanden, weil es dir nicht gut ging. Du wolltest wohl in deinen Sessel. Wie immer, wenn du nicht schlafen konntest. Dann bist du vor deinem Sessel zusammengebrochen und warst tot. Dein Herz hörte auf zu schlagen und es hat niemand bemerkt.



 

Und schon wieder gingen mir tausende Fragen durch den Kopf:

Hattest du Schmerzen? Hast du dich einsam gefühlt, als du auf dem Boden lagst? Wieso hast du Oma nicht geweckt und ihr gesagt, dass es dir schlecht geht?

und die Frage generell:

WARUM?  - Warum bist du so plötzlich aus unserem Leben getreten?

- Warum hat dein Herz einfach aufgehört zu schlagen?

All diese Fragen, weiß ich, werden nie beantwortet. Aber ich habe sie mir gestellt. Das ist ja auch normal nach diesem "Warum" zu fragen. Auch, wenn es die Situation nicht ändern wird.

Dann fuhren wir nach Oma. Ich hatte Angst. Angst, dich nicht in deinem Sessel sitzen zu sehen. Angst, deine Stimme nicht zu hören.

Ich öffnete die Tür. Es roch nach dir. So, als wärst du noch da, doch dein Sessel war leer.

 

Das Chaos im Wohnzimmer sprach für sich. Es spiegelte eben den gestrigen Abend wieder. Ich hatte Bilder im Kopf, wie es wohl war, als die Rettungskräfte vergeblich versuchten, dich wieder ins Leben zu holen. Sie haben alles getan, was sie konnten, doch der Tod war stärker.

Oma saß weinend vor dem Wohnzimmerschrank auf einem Hocker und suchte hektisch irgendwelche Papiere zusammen. Mama setzte sich in deinen Sessel und weinte. Meine Tante räumte die Sachen weg, die der Notarzt im Wohnzimmer hat liegen lassen. Unter anderem deine Zähne. Quasi ein Teil von dir.

Ich stand wie versteinert im Türrahmen und versuchte die Situation zu deuten. Es schien, als wollten alle schnell etwas anderes machen, um sich mit der Situation nicht auseinanderzusetzen. Wir waren wohl alle in einer Art Schock.

Mama versuchte derweil andere aus der Familie zu erreichen, um diese über deinen Tod zu informieren. Es konnte niemand glauben. Wieso auch? Gestern ging es ihm ja noch gut. Ich schaute auf die Bilder an der Wohnzimmerwand von meiner Cousine und mir. Ich hatte sie Oma zum 60. Geburtstag geschenkt.

 

 

Wie die Kleine wohl reagieren mag, wenn meine Tante ihr sagt, dass du nie wieder kommst?

Später kam dann auch meine andere Tante dazu. Und nach und nach kamen Omas Geschwister. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir in solchen Situationen zusammenhalten.

Dann kam der Bestatter, um die Beerdigung vorzubereiten. Das ging alles wie ein Film an mir vorbei. Der Bestatter fragte, ob sich noch jemand von ihm verabschieden möchte, bevor du ins Krematorium kommst. Ich wollte dich so gerne noch ein letztes Mal in den Arm nehmen. Ich wollte mich doch von dir verabschieden. Und generell wollte ich dich einfach noch einmal sehen, bevor ich dich nur noch auf Bildern sehen kann. Aber ich durfte nicht. Alle sagten "nein" und ich musste dies akzeptieren.

Dann telefonierte der Bestatter: "Ja, er kann jetzt abgeholt werden." Und da wusste ich, ich werde dich NIE wieder sehen. Ich ging raus und brachte die noch verpackten Medikamente in die Apotheke. Du hattest sie ja erst am Anfang der Woche geholt. Auf dem Weg dorthin gingen mir viele Erinnerungen durch den Kopf.

 

Ich wurde gefragt, warum ich weine. Auch die in der Apotheke wussten nicht, was sie zu dieser Nachricht sagen sollten. Ich hörte nur: "Aber er war doch letztens noch da und es ging ihm gut." Dann ging ich gegenüber in den Fahrradladen. Du hast ja noch den Roller in der Garage stehen. Und Oma sagte, ich soll doch mal dort fragen, ob die den verkaufen können. Immernoch unter Schock ging ich also dorthin. Es konnte einfach niemand begreifen, dass du so plötzlich von uns gegangen bist.

Als ich wieder bei euch war, entschied ich mich dazu, Abends bei Oma zu bleiben. Ich wollte sie nicht alleine lassen. Ihr habt schließlich so viel für mich getan und seid immer für mich da gewesen. Jetzt ist es eben an der Zeit gewesen die Rollen zu tauschen und auch mal für euch, bzw. für Oma da zu sein.

Um 19.30 Uhr gingen dann alle nach Hause und Oma wollte schlafen gehen. Ich habe in deinem Bett geschlafen. In dem Bett, wo du noch einen Tag zuvor drin gelegen hast, bevor du aufgestanden bist und starbst. Es war ein komisches Gefühl. Ich musste weinen, aber ich konnte nicht. Du sagtest immer "Starke Mädchen weinen nicht". Also habe ich versucht meine Tränen zu unterdrücken.

 

Am nächsten Morgen waren Oma und ich schon früh wach. Also gingen wir ins Esszimmer und tranken Kaffee. Ich saß auf deinem Platz. Es wäre komisch gewesen, wenn ich woanders gesessen hätte und auf deinen leeren Platz hätte schauen müssen. Oma holte die Zeitung rein. Und deine Todesanzeige stand schon drin. Mit dem Spruch:

"So verstehe !

Das Unwirkliche ist wirksam. Du kannst es niemals fassen, doch erfasst es dich für immer."

Er passte so gut. Wir hatten halt alle nicht damit gerechnet, dass du so schnell aus unserem Leben gehst.

Um 10 Uhr etwa klingelte es an der Tür. Da wusste ich, dass das, was jetzt kommt, eines der schwersten Momente war. Jill kam. Sie ist doch noch so klein und sie hat dich doch auch so geliebt. Wie soll ein Kind das bloß verstehen? Ich hatte Angst vor diesem Moment. Aber da mussten wir nun alle durch. Auch sie hat das Recht, zu erfahren, was passiert ist.

 

"Jasmin, Opa ist nicht mehr da", sagte sie zu mir. Das waren ihre ersten Worte. Sofort ging ich mit ihr auf den Balkon. Ich nahm sie auf den Arm, zeigte in den Himmel und sagte: "Dort oben ist Opa. Er sitzt auf einem wunderschönen Stern und kann uns immer sehen." Dann hat sie dir gewunken. Vielleicht hast du es ja gesehen. Und sie stellte so viele Fragen.

Wo arbeitet Opa denn jetzt? Bekommt er da was zu essen? Hat er ein Auto? Ist im Himmel auch ein Schwimmbad?

Diese kindliche Ansicht vom Tod ist erleichternd. Sie hat mir wirklich sehr geholfen mit der Situation umzugehen.

Aber trotzdem kenne ich die Realität und weiß, dass ich dich nie wieder sehen werde. Aber der Glaube daran, dass du auf einem Stern sitzt und uns siehst tut gut.

Ich ging mit Jill spazieren, damit Oma etwas zur Ruhe kommt. Wir gingen an einem Blumenladen vorbei und Jill sagt: "Ich möchte Oma eine Blume kaufen.

 

 

Dann muss sie nicht mehr so sehr weinen." Es ist erstaunlich, wie man mit drei Jahren auf eine solche Idee kommt. Wie suchten Oma also die schönste Rose aus und gingen heim. Sie freute sich sehr darüber und konnte sogar ein bisschen lächeln. Trotzdem sah man ihr an, dass ihr das Lächeln sehr schwer fiel. Kein Wunder. Du warst ja gerade mal zwei Tage tot.

Montags sollte deine Beerdigung sein. Ich hatte so eine Angst davor. Und der Tag kam immer näher.

Sonntags gab es Sauerbraten. Wir hatten doch noch letzte Woche darüber gesprochen, wie sehr du dich darauf

freust. Und jetzt müssen wir ihn ohne dich essen. Es ist erschreckend, über was man alles nachdenkt, wenn man nicht mit der Trauer direkt konfrontiert werden will.

Sonntag Abend hat Mama bei Oma geschlafen. Ich habe Montag morgen meinen Bruder am Bahnhof abgeholt. Wir sind zum Blumenladen gefahren und haben sieben Rosen gekauft. Sechs weiße und eine rote für Oma.  Sie waren für dein Grab. Dann fuhren wir nach Oma. Der Moment deiner Beerdigung kam immer näher.

 

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Sonrisa91

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Sonrisa91 Re: -
Zitat: (Original von Zebra am 04.09.2013 - 09:37 Uhr) So Nah und doch so fern ...
Das Kind ist ja wirklich süß, das nimmt der Story den bitteren Unterton!
Sehr Gelungen!

Vielen Dank :) Ich bin nur noch nicht fertig damit.
Vor langer Zeit - Antworten
Zebra So Nah und doch so fern ...
Das Kind ist ja wirklich süß, das nimmt der Story den bitteren Unterton!
Sehr Gelungen!
Vor langer Zeit - Antworten
Michael33 ERGREIFEND - Manchmal schreibt man besser nichts, traurige Geschichte aus dem Leben, sehr gut geschrieben!

LG, Michael
Vor langer Zeit - Antworten
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