Romane & Erzählungen
Edda entdeckt sich selbst

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"Edda entdeckt sich selbst"
Veröffentlicht am 14. Mai 2013, 8 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Edda entdeckt sich selbst

Edda entdeckt sich selbst

Einleitung

Edda ist durch eine unglückliche Beziehung am Boden zerstört. Sie will sich neu entdecken. Sie beginnt in sich zu gehen, dadurch zeigen sich im Traum immer wieder neue Bilder vor ihren Augen. Diese deutet sie und stellt fest, so schlecht ist ihr Leben garnicht. Sie darf sich nicht so gehen lassen, sondern auch etwas an sich tun. Eine graue Maus verändert sich. Aus einer traurigen zurückgezogenen Frau wird ein vollkommen neuer Mensch

Eine Liebe ist zu Ende

Lustlos sitzt Edda vor dem Fernseher und schaltet planlos durch die Programme. Sie schmeißt die Fernbedienung auf das Sofa, steht auf und geht in die Küche.

 

Lustlos öffnet sie den Kühlschrank, schaut hinein, doch sie hat keine Lust etwas zu essen, obwohl sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hat. Einfach keinen Hunger.

 

Sie denkt an die fröhlichen, liebevollen Stunden, die sie gemeinsam verbracht haben, doch jetzt, jetzt ist er bestimmt bei ihr, bei irgendeiner ihr, nur nicht bei mir.

 

"Ich muss aufpassen, kein Alkohol, sonst stürze ich total ab", denkt sich Edda, schließt die Kühlschranktür um sie sofort wieder zu öffnen.

 

"Ich muss was essen", sagt sie laut vor sich hin, nimmt sich dann einen Babybell (ein kleiner runder Käse) und schluckt ihn fast ungekaut hinunter. Dann noch einen und noch einen.

 

Dann schleicht sie zurück zum Fernseher und schmeißt sich auf die Couch. Heute ist Samstag." Für 3 Tage konnte ich mich krank melden, aber am Montag muss ich wieder zur Arbeit", sagt eine innere Stimme zu ihr. "Scheiße, Scheiße, Scheiße, ich kann ihn nicht vergessen", schreit sie hinaus. Doch dann verfällt sie wieder der Melancholie, einer unendlichen Traurigkeit, in dem Bewusstsein, allein zu sein.

 

Edda schaut auf den Fernseher ohne das Programm wirklich zu verfolgen, als sie unbemerkt einschläft.

Kommunikation mit dem Unterbewusstsein

Edda läuft durch einen dichten Wald, springt über einen Bach, dessen Wasserstand sehr niedrig ist und schwimmt dann im Fluss mit trüben Wasser.

Sie hört, wie kreischende Stimmen sie rufen. Edda dreht sich um. Sie sieht einen anderen Menschen, ein Kind?

Plötzlich befindet sich Edda in einer Schlucht. Über ihr ein Mädchen. Das Mädchen hängt an einen Strauch, unter sich die Tiefe. Edda erkennt das Mädchen: Es ist Edda. Edda schreit...

... und wacht schweißgebadet vor dem Fernseher auf. Im Fernsehen läuft gerade eine Sendung über Meerestiere.

Edda ist völlig verstört. Der Traum. Er war so real. Edda ist hellwach.

Sie interessiert sich nicht für diese Sendung, stattdessen setzt sie sich an ihren PC und schaut nach, was ihr dieser Traum wohl sagen will.

Der dichte Wald hält ihr ihre jetzige Situation vor Augen.

Es stehen unglückliche Einflüsse zu Hause und Ärger in der Familie bevor, Kälte und Hunger sagen eine lange Reise zur Erledigung einer unangenehmen Sache voraus.

Wird es eine Trennung geben?

Lohnt es sich um ihn zu kämpfen?

Und schon friert es sie wieder, wenn sie nur an ihn denkt.

Wasser symbolisiert die Seele und den Lebensweg.

Ein niedriger Wasserstand weist auf ein seelisch-geistig verarmtes Leben hin.

Wie konnte es nur soweit kommen.

Bis vor einigen Tagen konnte sie noch lachen, jetzt läuft sie wie ein Tiger im Käfig in ihrer eigenen Wohnung herum.

Ihre Haare hängen an ihr stränig herunter, ihre Haut ist bleich, eher grau.

Was soll sie nur tun?

Bald muss sie wieder zur Arbeit und noch immer fühlt sie sich krank.

In ihrem Job als Krankenschwester trägt sie viel Verantwortung, und so fühlt sie sich garnicht in der Lage zu arbeiten.

Springen fordert oft auf, mutig eine Chance zu nutzen oder Hindernisse zu überwinden.

Ein kaltes Lachen erklingt und verstummt schon bald wieder.

Was für eine Chance denn?

So ein junges Luder nahm ihr den Mann.

Was gibt es denn da für Chancen?

Da kann sie doch nicht mithalten.

Sie, die in den letzten Jahren so sehr an Pfunden zugelegt und schmale Lippen und ein Doppelkinn zu bieten hat.

Schwimmen kann sich auf unbewusste Instinkte, Triebe und Gefühle beziehen, mit denen Sie entweder in Einklang leben oder in Widerspruch stehen.

Wobei es hier wohl eher der Widerspruch ist.

Der Fluss ist das Symbol des Lebens, er stellt den Strom physischer Energie dar. Wegen des Fließens ist er Zeichen für Vergänglichkeit, aber auch für ständige Erneuerung. Sieht man trübes Wasser, hat man einen Feind, gegen den man ankämpfen muss.

Aber würde das was nützen?

Kreischende und wütende Stimmen bedeuten Enttäuschungen und unangenehme Situationen.

Was für Entäuschungen würden sie wohl erwarten?

Würde sie ihre Arbeit verlieren?

Müsste sie deshalb hungern?

Würde sie ihm mit diesem dürren Weibsbild begegnen?

Ihre Gedanken drehen sich immer mehr im Kreis!

Was wird ihr wohl das Kind bringen?

Das Kind im Traum ist ein Hinweis auf neue Möglichkeiten und Chancen zur weiteren Entwicklung. Häufig kommen darin aber auch Konflikte zum Vorschein, die meist auf eine unreife Persönlichkeit zurückzuführen sind.

Unreife Persönlichkeit?

Kann schon sein!

Bisher hat alles ihr Mann für sie erledigt.

Ãœber sie bestimmt.

Und sie hat es sich all die Jahre gefallen lassen.

Wieso bricht alles jetzt erst aus ihr herraus?

Jetzt wo es zu spät ist.

Wird sie noch im Stande sein ein so ganz anderes Leben zu beginnen?

Eine Schlucht zu sehen bedeutet, dass es besser ist, weit weg zu sein als dicht dabei, es tritt demnächst irgendeine verführerische Sache an Sie heran

Vielleicht ein neuer Mann?

Tiefe im Traum ist ein Hinweis auf das Unbekannte oder Unergründliche.

Ein Abgrund unter mir zeigt Lebensschwierigkeiten an, die überbrückt werden können.

Edda glaubt nun daran, dass ihr Unterbewusstsein mit ihr kommuniziert.

Und sie beschließt etwas zu tun.

Sie muss etwas finden was zu ihr passt.

Ein tolles Hobby.

Oder was es noch so gibt.

Sich Freundinnen suchen, mit denen sie etwas unternehmen kann.

Bisher hat ihr Mann sie gefangen gehalten.

Obwohl sie auch zärtliche, glückliche Stunden mit ihm hatte.

Viel mit ihm unternommen hat.

Viel lachen konnte.

Aber Freundinnen hatte sie nie, oder hat diese vernachlässigt und irgendwann verloren.

Sie hat niemanden mehr.

Auch ihre Familie hat sich von ihr entfernt.

Sie will ihr Leben umkrempeln.

Edda weiß genau - Sport sendet Glückshormone aus.

Die nächsten Tage wird sie sich auf die Suche nach einem Fitnessstudio machen.

Endlich den Pfunden den Kampf ansagen.

Sie wird Kurse an der Volkshochschule belegen.

Als sie das Angebotsheft der Volkshochschule durchsieht, fallen ihr gleich einige wichtige Kurse auf.

 

- Wie kann ich mit meinen Problemen fertig werden - Der Weg zur Meditation

- Wie mache ich mehr aus meinem Typ - Schmink und Stylingstipps

- Der Flirtkurs für Mann und Frau

- Wie schoppt Frau richtig - Die Farb- und Stilberatung

 

Natürlich waren auch einige kreative Kurse dabei die sie Interessierten.

 

- Das Spiel mit den Farben - wo sie doch so gern malte

- Töpfern

- Patchwork

 

Sie will sich verändern, dann richtig. So dass der Kerl, mit dem sie Jahr um Jahr zusammengelebt hat bei dem sie sich selbst nicht mehr treu war, vor Neid erblassen würde.

Schon wieder diese Gedanken an ihn.

Sie muss schnell etwas tun, um aus der Tretmühle zu gelangen.

Diese Sachen sind so neu für sie, dass sie sofort aufblüht

Sie geht  zum Spiegel und lächelt sich das Erstemal wieder an.

Sie hat sich und ihrer eingegrabenen Mentalität den Kampf angesagt.

Sie schaltet den Fernseher aus und begibt sich zu Bett.

Im Moment plagen sie keine Sorgen und sie kann ruhig einschlafen.

Eine blöde Idee

Zuerst einmal will Edda das Fitnessstudio in Angriff nehmen.

Montag hat sie Spätschicht, da kann sie sich am Morgen auf den Weg machen und sich ein paar Sportsachen besorgen.

Diese gehört ja zur Zeit noch nicht zu ihrer Grundgarderobe.

Sie stellt sich vor, wie toll sie darin aussehen würde und war sogleich wieder geschockt, als sie an ihren Bauch denkt, der an ihr wie ein Sechsmonatsbauch hängt.

Etwas schämt sie sich schon, aber was solls.

 

Montag früh macht sie sich gleich auf. In einem Sportgeschäft läßt sie sich beraten und ist geknickt. In Größe 46 ist nun nicht gerade eine große Auswahl. Also gibt es nur eine Jogginghose und ein Schlabbershirt. Dafür gibt es für sie die Super Turnschuhe. Und  so ganz nebenbei findet sie auch noch einen Flyer von einem Fitnessstudio gleich bei ihr um die Ecke. 24 Stunden geöffnet, genau das richtige für sie als Krankenschwester. Dann ist der Vormittag auch schon geritzt.

 

Dienstag, geht sie in das Fitnessstudio um sich beraten zu lassen.

Sie kann zu jeder Tageszeit kommen, braucht keinen Vertrag, sondern zahlt Stundenweise ihre 3,65 Euro.

So günstig?

Aber sie überlegt nicht lange.

Und was soll sie nun alles für sich tun?

Zuerst einmal wird ihr Muskelaufbautraining empfohlen.

Allein oder mit Trainer, wobei mit letzterem nochmals 5 Euro  pro Stunde anfallen.

Sie kann einen Pilates- oder Yogakurs belegen.

Kurse mit Power würde man ihr noch nicht empfehlen.

Das war erstmal genug.

Sie möchte morgen wiederkommen.

 

Mittwoch geht sie in den Vormittagsstunden ins Fitnessstudio.

Zweimal die Woche möchte sie etwas für sich tun.

Zuerst möchte sie das Muskelaufbautraining machen und dann etwas Yoga.

Da sie sehr sparsam ist entscheidet sie sich dies allein zu tun.

Zuerst geht sie Fahrrad fahren, das kann sie schließlich schon, da sie jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt..

Aber dieses Ding fährt verdammt schwer und sie kommt verdammt schnell ins schwitzen.

Dann geht sie zum Laufband.

Das gibt sie bald auf, denn mit dem Tempo kann sie nicht mithalten und wird glatt von diesem herrunter katapulltiert.

Aber noch gibt sie nicht auf, auch wenn sie hier schon zur Lachnummer avanciert.

Ihr Herz hüpft ganz gewaltig.

Noch ein wenig Armdrücken, Rudern, an einem anderen Gerät muss sie hinter sich ein Gewicht hochziehen und wieder runter lassen.

Ihr Herz scheint zu zerspringen, die Lunge zusammenzufallen

Dann geht sie zu einer Sitzbank.

"Oh, nee, was tu ich mir denn hier an?", keucht Edda, kaum noch Luft bekommend, an einer Sitzbank stehend. Völlig erschöpft hat sie halt gemacht.

Sie geht in die Umkleide und ist geknickt.

"Also das war wohl jetzt nicht die beste Idee", spricht Edda weiter zu sich selbst.

 

Als Edda Donnerstagmorgen aufwacht, wacht sie mit dem festen Willen auf, ihr Leben neu zu gestalten.

 Und als erste Maßnahme, fährt sie in den Stadtpark und beginnt zu joggen. Doch schon nach 5 Minuten steht sie völlig erschöpft an einer Parkbank. Keine passenden Schuhe, keine passende Kleidung, keine Kondition und ein ganz gewaltiges Seitenstechen..

"Kann ich ihnen helfen?", wird Edda gefragt. Edda schüttelt nur den Kopf, welcher ihr zu zerplatzen droht.

Nach einer kleinen Erholungsphase geht Edda langsamen Schrittes weiter. Die kühle, angenehme Morgenluft wirkt reinigend auf ihren Körper, ihre Seele und ihren Geist.

Wie ein kleines Kind nimmt Edda ihre Umgebung wahr. Sie erfasst mit ihren Blicken jeden Baum, jede Pflanze am Wegesrand und sieht plötzlich die Natur mit neuen Augen.

Nach und nach gehen die Erinnerungen ihres bisherigen Lebens durch ihren Kopf. Die guten und die schlechten Erlebnisse. Doch keine Depression schleicht sich in ihren Kopf, vielmehr bewirkt ihr morgendlicher Spaziergang ein Umdenken.

Weg aus der Vergangenheit, hin zur Zukunft. Dieser Gedanke schießt ihr durch den Kopf. Edda steht am Stadtparksee und schaut den Enten zu. Sie spannt ihren Körper an. Ihre Muskeln erhärten sich.

Tief atmet sie die Morgenluft ein und wieder aus.

Edda schließt die Augen und vor ihrem geistigen Auge taucht ein gigantischer Wasserfall auf und Edda lässt das Wasser über ihre Haut und durch ihren Körper fließen.

Edda öffnet wieder ihre Augen, sucht sich eine Parkbank und setzt sich hin. Dann schaut sie der Natur und dem Treiben der Menschen zu.

Und schon wieder ist ein ganzer Vormittag dahin.

Aber eines muss sie noch tun, in ihrem PC nachschauen, was der Wasserfall ihr sagen wollte.

Gigantisches tut sich ihr auf.

Das herabstürzende Wasser lässt Erfolge erhoffen, eine rasche Entwicklung guter Anlagen, Förderung von oben.
Ihr verrücktester Wunsch wird sich erfüllen, Sie wird außergewöhnliches Glück in der Karriere haben, eine Einladung zu einem Vergnügen auf der Sie beobachtet wird, der Klatsch blüht.
Einen Wasserfall sehen bedeutet aber auch den Ruin eines Familienmitgliedes.

Und letzteres wünscht sie ihm an den Hals.

Sollte sie sich von der Welt zurückziehen?

Einladungen ablehnen?

Diese Sache lässt sie mal außer Betracht.

Sie wollte viele Freunde kennelernen, was im Fitnessstudio nicht klappte wird doch wohl hoffentlich in ihrem Meditationskurs klappen.

Dieser beginnt in 14 Tagen an der Volkshochschule.

Edda liest im Blumentränkwasser

Edda liebt ihre Orchideen über alles, sie hegt und pflegt sie schon über Jahre und sie danken es ihr mit einer reichlichen Blüte.

Heute ist wieder so ein heißer Tag, dass sie ihre Lieblinge tränken muss. Sie hat schon Zeitungen ins Fenster gestellt um die Wurzeln zu beschatten und troztdem hängen ihre Blüten schlaff herrunter.

Hinter dem Haus hat Edda mit einigen anderen Familien des Hauses eine Regentonne aufgestellt. Ihren Lieblingen gibt sie nichts anderes zu trinken. Also geht sie mit ihrem kleinen Eimerchen auf den Hof und füllt ihn mit eben diesem Regenwasser. Als sie in die Wohnung zurückkehrt stellt sie diesen in der Dusche ab. Liebevoll trägt sie eine Orchidee nach der anderen in ihr Bad, bestückt sie mit einem Orchideendüngerstäbchen und taucht sie in ihr Eimerchen. Mit jedem Tauchgang gibt das Substrat einige kleine Krümel, zart wie ein Staubkorn an das Wasser ab. Langsam setzen sich diese Partikel am Boden ab.

Immer wenn Edda einen Topf taucht stöben diese Partikel nach außen an den Rand des Eimers um schon bald wellenartig zu Mitte zurückzukehren. Ein dunkler Fleck in der Mitte beginnt sich wieder zu teilen und zeigt Edda eine kauernde Person genau in der Mitte des Flecks.

Oder eine lockige Gestalt  um die es ziemlich hell ist und die mit ihrer Faust irgendwo draufzuschlagen scheint.

Dann folgte ein schreiendes Kind.

 

Auch wenn es kein Traum ist, so geht Edda doch wieder an ihren Pc um nachzuschauen,was ihr das alles sagen will. Jetzt, wo sich ihre Träume ins Reale wandeln.

Das Kind hatte sie ja schoneinmal und dieses bietet ihr neue Möglichkeiten und Chancen zur weiteren Entwicklung. Der Schrei, wenn er von einem selbst kommt verheißt Glück. Aber war es ihr eigener? Ein Freudenschrei verheißt schlechte Nachrichten, war es ein Verzweiflungsschrei, wird alles gut. Aber sie konnte es ja nicht hören. Vielleicht war es ja auch der ewige Kinderwunsch, der sich ihr nie erfüllte. Wer weiß es schon?

Locken bedeuten eine vollkommene Veränderung in bestehenden Angelegenheiten, eine neue Umgebung und bessere Zeiten sind in Sicht.

Die geballte Faust kann als Zeichen angestauter Aggression gesehen werden oder als Triumpf über eine bevorstehende Situation.

 Jede geträumte Person kann auch einen Persönlichkeitsanteil, einen Wesenzug des Träumenden darstellen.

"Kauert nun diese Person oder hockt sie?", fragt sich Edda.

Denn die Hocke sagt schon wieder etwas ganz anderes.

Das Kauern wäre ja dann wohl ein Wesenszug ihrerseits, aber würde sie hocken, dann steht eine höhere Position für sie bereit.

"Na so ein Mist!", muss Edda leider kapitulieren. Dazu müsste sie schon auf einem Ast oder Baum sitzen. Aber davon war weit und breit nichts zu sehen.

 

Sie wird sich überraschen lassen.

Vielleicht geht es ja gar um das Gespräch, welches sie morgen mit dem Geschäftsführer der Klinik, Dr. Will hat.

Edda hat Mut

"Wollt ihr  was auf die Fresse oder was?", schreit der etwa 16 bis 18 jährige Junge die etwa 12 bis 14 jährigen Jungs an.

 

Die Kinder sitzen auf der Sitzbank in der U-Bahn, als der ältere Junge beim letzten Halt zustieg. Rücksichtslos stößt er ein paar Fahrgäste beiseite und bewegte sich mehr zufällig als zielstrebend auf die beiden Jungen zu.

 

Er setzt sich ihnen gegenüber hin und pöbelte die Kinder an. "Was glotzt ihr so? Glotzen kostet was! 20 Euro von jedem, aber ganz, ganz schnell, sonst drück ich euch die Augen aus."

 

Die Kinder, die entweder kein Geld mithaben oder es ihm nicht geben wollen, schauen sich ängstlich und hilfesuchend um.

Die übrigen Fahrgäste schauen betreten und hilflos in andere Richtungen.

 

Der 16 - 18 jährige baut sich drohend vor den 12 - 14 jährigen auf.

 

"Wollt ihr was auf die Fresse oder was?", wiederholt er seine Drohung.

 

Edda steht auf und ruft so laut sie kann in den Waggon. "Achtung! Alle festhalten! Gefahr! Ich ziehe jetzt die Notbremse!"

 

Mit diesen Worten umklammert Edda den Griff der Notbremse. Plötzlich kommt Bewegung in die Leute. "Was denn für eine Gefahr?", ruft der Eine. "Lassen sie die Bremse los", der Andere. "Ich muss zur Arbeit", hört Edda eine Frau.

 

 

"Hier werden 2 Kinder bedroht und überfallen", sagt Edda in einem Ton, der Entschlossenheit ausdrückt.

 

Der 18jährige, der sich eben noch so aufgespielt hat, hat sein Interesse an den Kindern verloren und stimmt mit den anderen Fahrgästen ein und sagt: "Ey, Alte, mach keinen Scheiss!"

 

Entschlossen hält Edda die Notbremse weiter fest, alle Blicke ruhen auf ihr.

 

Die U-Bahn hält an der nächsten Station und der 18jährige verschwindet schnell aus dem Zug. Eigentlich müss Edda hier aussteigen, aber sie will nichts überreizen und sich dann mit dem jungen Mann auf dem Bahnsteig anlegen.

 

Neue Fahrgäste steigen ein und die U-Bahn fährt wieder an.

 

"Danke", sagt plötzlich einer der beiden bedrohten Jungen zu ihr und Edda spürt wieder die Blicke der Fahrgäste auf sich ruhen.

 

Doch diesmal sagen die Blicke etwas anderes. Die Menschen zeugen ihr Anerkennung und Respekt.

 

An der nächsten Haltestelle steigt Edda aus. Die Anspannung löst sich und sie wird von einem Glücksgefühl erfasst, dass sich in ihrem vor Freude strahlendem Gesicht widerspiegelt.

 

Freudestränen fließen über ihre Wangen. Ein schwerer Stein, der auf ihrer Seele lastete, zersprang in tausend Teile.

 

Das unbeschreibliche Gefühl der Macht, der Fähigkeit etwas bewirken zu können, dieses Gefühl, das sie an der Notbremse in der U-Bahn hatte, das Bewusstsein in das Geschehen eingereifen zu können und in ihrem eigenem Sinne verändern zu können, dieses Macht - Gefühl, den Respekt, die Anerkennung verdient zu erlangen, sollte ihre Zukunft von nun an bestimmen.

 

Edda setzte mit völlig neuem Selbstbewusstsein ihren Weg zur Arbeit zu Fuß fort.

 

"Was besagten noch mal meine Träume?", denkt Edda. "Springen fordert oft auf, mutig eine Chance zu nutzen oder Hindernisse zu überwinden. Außerdem, das Kind im Traum ist ein Hinweis auf neue Möglichkeiten und Chancen zur weiteren Entwicklung. Häufig kommen darin aber auch Konflikte zum Vorschein, die meist auf eine unreife Persönlichkeit zurückzuführen sind. War jetzt nicht irgendwie alles real geworden, nur eben ganz anders als gedacht? Die unreife Persönlichkeit nicht ich sondern der 18jährige Mann?"

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liebetraumfee

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liebetraumfee Danke für Deinen Kommentar. Du kannst gewiss sein, es wird noch viel spannender.
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Baumkrone Eine schöne Geschichte. Gefällt mir sehr. Ich werde auch die anderen teile lesen.
Liebe Grüße von der Baumkrone
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