Science Fiction
Reflection - Komplettfassung

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"Reflection - Komplettfassung "
Veröffentlicht am 28. März 2013, 856 Seiten
Kategorie Science Fiction
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Über den Autor:

...Was gibts über mich zu wissen ? Ich schreibe gerne, deshalb bin ich auf der Seite angemeldet. Muss man mehr wissen ?Ich freu mich natürlich immer über konstruktive Kritik und Kommentare zu meinen Texten.Sonst noch was über mich.. Malt und Metalhead und Laborheini mit einem Faible für Philosophie, Pfeifen und Fantasyliteratur. Erwarte also bitte niemand zu viel von mir :-) Oh und mich gibts auch bei ...
Reflection - Komplettfassung

Reflection - Komplettfassung

Einleitung


Aaren Terrell arbeitet als Kommissar für das Elektorat. Ein gnadenloser Vertreter des Rechts, der das Gesetz um jeden Preis und auch gegen die eigene Moral durchsetzt. Im Auftrag des Elektorats reißt er zum Wasserplaneten Liurie um dort das Verschwinden eines anderen Kommissars zu überprüfen. Vor kurzem haben einige Wissenschaftler dort offenbar ein echtes Allheilmittel gefunden, dessen Quelle niemand kennt. Als Aaren anfängt den Vorfall zu

untersuchen, stößt er auf eine schier unfassbare Wahrheit und ein Geheimnis, das den Planeten nie verlassen sollte. BildQuelle : http://www.everystockphoto.com

Prolog

  ,, Haben sie das gewusst ?“ Eine Faust landete auf dem Holz des Tischs. Die Stimme des Sprechers klang seltsam ruhig, während die zwei Männer hinter dem Schreibtisch zusammenzuckten. Thomas war klatschnass. Wasser tropfte von seinem Mantel auf den teuren Teppich zu seinen Füßen und die Haare klebten ihm wirr im Gesicht. Er achtete kaum darauf. Ein Fenster hinter dem Tisch gewährte einen Blick aufs Meer und die Schäumenden Wellenberge darauf. Ansonsten gab es hier draußen auch

nichts. Der Kommissar sah nicht auf, als eine der haushohen Wellen das Schiff traf und der Boden unter ihm kurz zu schwanken begann. Soweit Thomas wusste, war dieses Wetter für Liuries Verhältnisse sogar noch recht angenehm und in den drei Wochen, die er hier war hatte er schon deutlich schlimmere Stürme erlebt. Ohne seine Mentalblocker hätte er sich wohl über das miese Wetter geärgert. So aber spürte er lediglich die Kälte des Wassers in seiner Kleidung und das ferne Wummern der Schiffsmaschinerie, das Wände und Boden zum Vibrieren brachte. Oben spülte die Welle jetzt über das

Deck der Salmakis und lief an der Backbordseite wieder ab, wodurch der Koloss noch etwas weiter in Schräglage geriet und er einen Moment Schwierigkeiten hatte, das Gleichgewicht zu halten. ,, Verzeihung… ich weiß nicht ob ich verstehe.“ , begann einer der ihm Gegenübersitzenden mit zittriger Stimme. Natürlich hatte der Mann Angst und dass Thomas zur wohl gefürchtetsten Gruppierung des neuen Jahrhunderts gehörte, machte die Sache auch nicht besser. Er lies eine Hand demonstrativ auf den Griff seiner Pistole fallen. Es war nicht der verängstigte Mann, der ihn dazu

veranlasste, sondern der andere. Ein älterer Mann, dessen Haare die ersten grauen Strähnen aufwiesen. Gouverneur Callahan. Ruhig musterte er den Kommissar als wüste er nicht, wen er vor sich hatte. ,, Gouverneur… Sie haben hiervon gewusst, nicht wahr? “ , fragte Thomas immer noch gespenstisch ruhig. Der ältere Herr lehnte sich, scheinbar Schicksalsergeben, in seinem Stuhl zurück, während eine weitere Welle auf das Schiff zurollte. ,, Gehen sie und sagen sie Bescheid, dass man die Sturmschilde hochfahren soll.“ , meinte der Gouverneur an den zweiten Mann gewandt, der wie erstarrt auf

seinem Platz saß.,, Jetzt.“ , rief er. ,, Ja.. Jawohl.“ Der Mann, bei dem es sich wohl um seinen Adjutanten handelte sprang auf und verlies eilig den holzgetäfelten Raum. Hinter dem Holz freilich verbarg sich mehrere Zentimeter starker Stahl, damit die Wellen ihn nicht eindrückten. Nachdem die Tür hinter dem Adjutanten zugefallen war, sagte der Gouverneur einladend: ,, Setzten sie sich doch.“ ,, Ich bleibe stehen.“ , antwortete der Kommissar kalt. Ein kurzes Summen erfüllte den Raum und als Thomas einem Blick zum Fenster warf sah er, dass jetzt eine schimmernde,

kaum wahrnehmbare Barriere das Schiff umgab, während es weiter durch das immer unberechenbarer werdende Wasser glitt. Fast könnte man meine, sie befänden sich jetzt im inneren einer gewaltigen Seifenblase. Die nächste Welle brach sich an der Energiewand, ohne das es auf dem Schiff zu spüren gewesen wäre. Gäbe es kein Fenster, so würde Thomas nicht im Geringsten vermuten, dass draußen grade ein Sturm tobte. Mit langsamen Bewegungen zog der Kommissar ein gefaltetes Stück Papier aus der Tasche seines Mantels und ließ es auf den Tisch zwischen ihnen fallen. ,, Wie lange dachten sie, dauert es, bis

ich es herausfinde ?“ , fragte er. ,, Eigentlich“, erwiderte der Gouverneur fast traurig als er den Zettel an sich nahm, ,,hatte ich gehofft, sie würden einfach wieder abreisen.“ Er entfaltete das Blatt und stellte fest, dass es sich um ein Foto handelte. Eines, das es nicht geben sollte. Jemand hatte Mist gebaut, jemand hatte nicht aufgepasst. Thomas wendete sich vom Fenster und dem dort sitzenden Gouverneur ab. ,, Sie wissen, das mir nur ein Urteil bleibt.“ Er zog die Pistole aus dem Holster und besah sich einen Moment die auf den Griff eingeprägten Wörter. Si vis pacem, cole iustitiam. Wer frieden will pflege die

Gerechtigkeit. Auch wenn es manchmal schwer fiel…. Das Gesetzte des Elektorats war eindeutig. ,, Ich hoffe, sie haben ihren Frieden gemacht.“ , meinte er, bevor er sich wieder umdrehte. Ein Schuss löste sich. Die Waffe entglitt Thomas plötzlich kraftlosen Händen und schlug auf dem Teppichboden auf. Ungläubig sah er zum Gouverneur herüber, der die immer noch rauchende Pistole auf ihn gerichtet hielt. ,, Ihr könnt nicht hoffen… damit davonzukommen. Das Elektorat…“ Es überraschte ihn, wie schwer ihm das

Sprechen plötzlich fiel. Schmerz spürte er noch keinen, aber die Kugel musste einen Lungenflügel verletzt haben. Der Gouverneur drückte nochmal den Abzug. ,, Andere werden folgen.“ , sagte er noch, bevor ihn die zweite Kugel traf und gegen die Wand schleuderte. ,, Der Ozean ist tief genug für sie alle.“ Um ihn wurde es schwarz.

Kapitel 1 Ankunft

Aaren Terrell sah aus dem Fenster. Unter ihm erstreckte sich in jede Richtung nichts als eine graue Aufgewühlte Masse. Haushohe Wellen, die wegen der Entfernung trotzdem nur wie Spielzeug wirkten peitschten über die Oberfläche des Meeres. Ein beeindruckender Anblick, der ihn allerdings vollkommen kalt ließ. ,, Herr Kommissar, ich schlage vor sie halten sich fest. Der Hive solle gleich in Sicht kommen.“ , meinte eine Stimme aus der Pilotenkanzel. Aaren regierte nicht sofort. Er nickte lediglich

langsam, bis ihm einfiel, dass der Pilot ihn von seiner Position aus gar nicht sehen konnte. Er sah sich um. Das Innere des Landungsschiffs war schlicht gehalten. Wände, genau so grau wie das Meer unter ihnen umgaben sie. Auf einer freien Fläche hatte jemand das Siegel des Elektorats angebracht. Mehrere Symmetrische Linien in Roter Farbe, die zusammen ein verschlungenes Muster ergaben, das sich um einen freien Kreis anordnete. Das Zeichen wurde heutzutage nur noch selten benutzt. Wozu auch ? Es gab keine anderen Autoritäten mehr. Ihm wurde schlecht, wenn er es zu lange betrachtete, auch wenn er nicht zu sagen

wusste warum. Bevor er vor zwei Stunden die Mentalblocker genommen hatte, hatte er es noch begründen können. Jetzt jedoch schien ihm seine eigene Argumentation wie eine Ausrede. Es war ihm einfach nur unangenehm. Sonst hatte es keine Bedeutung, genauso wenig, wie das Meer eine Bedeutung hatte. Mehrere Reihen mit gepolsterten Sitzen nahmen den Raum ein. Er selbst stand am Fenster und nur einer der Sitze war belegt. ,, Waren sie schon einmal auf Liurie ?“ , fragte der andere Mann. Er drehte sich zu der rauen Stimme um. Braune Haare, ein schmales Gesicht und ein hagerer

Körper, dem die dunkle Kleidung die er trug fast zu groß war. Lange, fast spinnenartige Finger hielten ein dünnes Buch mit rotem Einband umklammert. Seltsam… wer las bitte noch Bücher aus Papier? Die Leiden des jungen Werthers. Und noch dazu ein so schlechtes. ,, Nein.“ , erwiderte er lediglich ruhig. Er hatte Abundius seit er ihm Vorgestellt worden war nie leiden können und an diesem Fakt, hatten selbst die Mentalblocker nichts geändert. Fast war es ihm, dass seine Abneigung mehr ein Instinkt war. Eine echte Warnung, anstatt lediglich einige verirrte Gefühle. Aber das war Schwachsinn, wie er für sich feststellte. Aaren verabscheute und

mochte das Gefühl gleichermaßen so klar denken zu können. Aber manchmal verriet es ihm Dinge über sich und seine Umgebung, die er nicht wissen wollte und die er, wenn die Blocker nachließen, später am liebsten vergessen würde. Der Kommissar wendete sich wider dem Fenster zu betrachtete sein eigenes Spiegelbild darin. Die Ringe unter seinen Augen überraschten ihn wenig. ÜLG-Reisen waren alles andere als gesund. Space-Jetlag nannten es die Ärzte, aber was es überhaupt auslöste wussten sie nicht. Vielleicht die Belastungen, denen der Körper während des Fluges ausgesetzt war. Die einzige, bisher gekannte Methode

zur Reise mit Überlichtgeschwindigkeit waren die Phasenantriebe. Im Prinzip wurde das zu beschleunigende Objekt, in diesem Fall ein Schiff, dabei Verschoben und ,,verschwand“ gewissermaßen aus dem Realraum in den Phasenraum. Normalerweise sollte das ungefährlich sein, jedoch traten bei längeren Reisen schnell Folgeschäden auf. Die allgemeine Theorie dabei besagte, das beim Übergang von Real zu Phasenraum exotische Partikel entstehen konnten, die sich enorm schädlich auf organische Materie auswirkten und Gewebe wie Organe praktisch durchlöcherten. ,, Lesen sie eigentlich ?“ , fragte Abundius. Der Name, erinnerte Aaren

sich, hatte ihn vom ersten Moment schon gestört. Wer nannte sein Kind bitte so? ,, Nicht so etwas.“ , erwiderte er und hoffte, dass das Gespräch damit beendet wäre. ,, Nicht einmal wenn…“ ,, Nein. Nicht einmal außer Dienst.“ , gab er bewusst einsilbig zurück. ,, Aber sie…“ ,, Abundius… tun sie uns beiden einen Gefallen. Wir können später weiterreden, wenn sie wollen. Wenn ich wieder… einen Blick für so etwas habe.“ ,, Die Herren, es könnte etwas Turbulent werden.“ , meldete sich der Pilot wieder. Sie sanken tiefer und der Sturm draußen machte jede weitere

Unterhaltung unmöglich. Aaren hieß die tosende Stille willkommen und ging langsam herüber zu einem silbernen Koffer, der auf einem der Sitze stand und öffnete ihn Vorsichtig. Ein Patronengurt und zwei Pistolen lagen vor ihm auf einem Samtpolster, zusammen mit einem kleinen Silbernen Anstecker, der lediglich ein kleines Justitia-Emblem zeigte. Aber dieses kleine Symbol hatte schon die mächtigsten Männer und Frauen zum Zittern gebracht. Aaren nahm das kleine Emblem und befestigte es an seiner Jacke. Der Patronengurt folgte und als letztes ging er sicher, dass jede der zwei schweren

Pistolen geladen war. Das Design der Waffen selbst war schlicht. Dunkler Stahl und ein Griff aus Kohlefaser für den Griff. ,, Ex iniuria ius non oritur“ stand in leicht erhabenen Buchstaben darauf. Aus Unrecht wird kein Recht. Der Transporter sank noch ein Stück tiefer und für einen Augenblick verstummte der Orkan draußen. ,,Vermutliche Ankunftszeit noch etwa Fünf Minuten.“ , informierte der Pilot sie. Aarens spähte hinaus in die aufgewühlte Gischt. Und tatsächlich konnte er in der Ferne etwas über den Wellen glitzern sehen. Noch konnte er nichts Genaueres

erkennen aber andererseits…. Es gab hier draußen nichts außer dem Hive und vielleicht den Minenschiffen. Die Landung war alles andere als sanft, auch wenn Aaren dem Piloten schon dafür Respekt zollte, das er bei dem Wetter überhaupt fliegen konnte. ,, Ist es nicht etwas gefährlich bei dem Sturm zu landen ?“ , fragte Abundius. Eine so überflüssige Frage, Aarens überlegte kurz, ob es den Aufwand wert wäre, seinen Begleiter darauf hinzuweisen. Aber vermutlich würde der ihn ohnehin ignorieren. ,, Sturm ?“ , erwiderte der Pilot. ,, Das ist ein schöner Sommertag auf der Erde

verglichen mit dem was hier sonst los ist. Wir haben mit etwas Glück vielleicht eine sturmfreie Woche im Planetenjahr. Und das entspricht immerhin drei auf der Erde.“ ,, Sind sie hier aufgewachsen ?“ ,, Jap.“ , erwiderte der Pilot salopp, während unter ihnen die Landeplattform in Sicht kam. ,, Meine Familie ist in der dritten Generation auf Liurie, Sir. “ ,, Schrecklicher Planet.“ ,, Ach was, mit der Zeit lernt man das richtig lieben.“ Das Landungsschiff schwebte nun direkt über der Plattform, während der Pilot versuchte, möglichst grade aufzusetzen und dabei die plötzlichen Windböen zu

vermeiden. Aaren hörte den beiden längst nicht mehr zu, sondern musterte teilnahmslos den gewaltige Komplex vor ihnen. Von der Landeplattform, von denen es über ein Dutzend um den Hive herum verteilt gab, führte eine freischwebende Brücke zu einer Ansammlung hoch aufragender Türme und Gebäude , die alle auf einer großen, wie er wusste im Meeresboden verankerten, Plattform standen. Was er sah war jedoch nur die Spitze des Eisbergs, den unter Wasser konnte er das Leuchten zahlreicher weiterer Bauten erkennen, die sich an den gewaltigen Stützstreben der Station entlang zu hangeln schienen. Auf Wasserhöhe

befanden sich zahlreiche Docks mit Schiffen und sogar ein zwei Unterseeboten, die zwar vor dem Hive winzig wirkten, aber immer noch die meisten Supertanker auf der Erde übertroffen hätten. Trotzdem… ohne Sturmschilde hätte weder die Station noch eines der Schiffe den wütenden Elementen lange standgehalten. Zwar gab es auf Liurius vereinzelte kleinere Inseln, aber diese hätten niemals den Industriekomplex beherbergen können, den er nun vor sich sah. Also hatte man eine künstliche erschaffen. Mit einem Ruck setzte das Landungsschiff endlich auf. Aaren stand

auf und überprüfte ein letztes Mal seine Ausrüstung. Besonders achtete er darauf, dass jeder sofort das Kommissar-Emblem am Aufschlag seiner Jacke bemerken musste. Nicht weil er Wert darauf legte, aber allein seien Anwesenheit hier könnte für Unruhe sorgen. Also sollte jeder, der etwas dummes Versuchen wollte, lieber gleich wissen, mit wem er es zu tun hatte. Abundius öffnete mittlerweile die Ausstiegsluke des Gefährts. Sofort schlug ihnen Regen und aufgeschäumte Gischt entgegen. Der Wind zerrte an Aaren, als wollte er ihn jeden Moment in die dunklen Fluten unter der Plattform stürzen. Was, wie er nüchterne

feststellte, gar nicht so unwahrscheinlich war. Ein Geländer gab es an der Landeplattform nicht. Abundius schlug die Kapuze seiner eigenen Jacke hoch und zog sie sich als Schutz vor dem Regen tief ins Gesicht. ,, Hier würde ich nicht mal für den doppelten Lohn arbeiten wollen.“ , stellte er fest. Wieder absolut überflüssig… Langsam kam er wieder dahinter, wieso er den Mann nicht leiden konnte. Vielleicht ließen auch nur die Mentalblocker langsam nach. Sobald er sich umgesehen und orientiert hatte, würde er eine neue Dosis nehmen. Jetzt jedoch musste er sich vor allem

Konzentrieren. Über die Brücke, welche die Landeplattform mit dem Rest der Anlage Verband näherten sich bereits mehrere Personen. Drei davon trugen orange Overalls mit dem Omnisphere-Logo , der Firma, die diese Anlage betrieb. Vermutlich sollten sie sich um das Landungsschiff kümmern. Zwei weitere jedoch waren ganz sicher keine Mechaniker. Die erste war eine Frau, die einen weißen Laborkittel trug, der sie nur Notdürftig vor dem Wetter schützte. Die dunkeln Haare schienen durch den Regen fast schwarz. Ihr folgte ein älterer Mann, der es auch

nicht besser erwischt hatte. Er trug ein teuer wirkendes Jackett, das vermutlich ruiniert war. Der Regenschirm, den er mit sich trug wirkte beinahe lächerlich und jede Windböe riss ihn denselben fast aus der Hand. Die wenigen verbliebenen, von grauen Strähnen durchzogenen Haare klebten ihn am Kopf. ,, Herr Kommissar. Schön sie hier zu haben.“ Er schüttelte dem Mann die Hand, ohne wirklich auf seine Worte zu achten. Was ihn mehr interessierte, waren seien Augen. Der Mann lächelte zwar, aber seien Augen blieben dabei leer. Niemand freute sich wirklich über den Besuch eines Elektorat-Kommissars.

Niemand. ,, Keine Förmlichkeiten.“ , erwiderte Aaren. ,, Ich bin nicht hier um zu plaudern.“ Das falsche Lächeln auf dem Gesicht des Mannes erlosch. ,, Natürlich, wenn ich mich vorstellen…“ ,, Das wird nicht nötig sein Gouverneur Callahan .“ , sagte er. David Callahan erwiderte nichts. ,, Und sie sind ?“ , fragte Abundius an die Frau gerichtet. In diesem Moment hätte Aaren ihm am liebsten wirklich über den Rand der Plattform befördert. Allein, das er den plötzlichen Mordgedanken auf das Nachlassen der Blocker zurückführen

konnte, ließ ihn dabei zögern. Er hatte den Gouverneur fast gehabt. Ihn überrascht… jetzt war der Moment dahin. ,, Eleanor. Eleanor Haddington. Ich bin die wissenschaftliche Leitern hier.“ Sie rückte ihre Schildpattbrille zurecht, die ihre Augen viel zu groß erscheinen ließ. ,, Ich dachte Omnisphere kümmert sich hier vor allem um die Ernte von Manganknollen.“ ,, Das ist zwar wahr, die vorkommen hier enthalten sehr viel höhere Erzkonzentrationen als auf der Erde, aber natürlich untersuchen wir auch die Fauna und Flora des Planeten.“ ,, Gibt es hier irgendetwas interessantes

? Außer Fischen meine ich?“ ,, Nun…“ ,, Könnten wir das später ausdiskutieren ?“ , fragte der Gouverneur. ,, Der Sturm wird noch heftiger werden, fürchte ich.“ ,, Natürlich.“ , antwortete Aaren, bevor Abundius noch etwas sagen konnte. ,, Die Reise war lang und ich würde mich gerne etwas ausruhen bevor ich mich umsehe.“ ,, Dann… folgen sie mir bitte.“ , erwiderte Callahan . Aaren und Abundius taten genau das. Die Brücke zum Hive schwankte leicht im Wind, aber er ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Anders als Abundius,

der mehrmals stehen blieb und mit den Armen ruderte um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. ,, Das Ding hat ein Geländer, halten sie sich halt fest.“ , zischte Aaren. Oh ja… er würde dem Mann irgendwann wirklich einfach im Richtigen Moment Schupsen, wenn er die Gelegenheit bekam. Eher früher als später. Und Vermutlich tat er der Menschheit dabei noch einen Gefallen. ,, Nicht runtersehen. Man gewöhnt sich daran.“ , meint Eleanor. ,, Das sagen sie so einfach.“ Dann jedoch ging er doch weiter auf den Eingang zu, der in einiger Entfernung sichtbar wurde.

Aaren dränge sich an Abundius und der wissenschaftlichen Leiterin vorbei bis er Callahan erreichte. ,, Sagen sie mir doch, was wissen sie über Kommissar Thomas Ackland ?“ ,, Der war eine Weile hier.“ , begann der Gouverneur. ,, Er hat sich seit fast zwei Monaten nicht mehr gemeldet.“ Callahan nickte. ,, Er ist mit der Salmakis rausgefahren, einem unserer Forschung und Ernteschiffe, verschwand aber an Bord.“ ,, Verschwand ?“ ,, Sehen sie… solche Sachen passieren hier. Sie sehen das Meer ja selbst. Wenn

jemand über Bord gespült wird, fällt das nicht immer sofort auf…“ ,, Natürlich, ich verstehe. Trotzdem, werde ich mir das selbst ansehen. Die Salmakis ?“ ,, Ist noch auf See, aber wenn sie wollen… können wir sie hinbringen.“ ,, Später. Wie gesagt, die Reise war lang. Und vielleicht… zeigen sie mir die Anlage? Ich will mit der Besatzung sprechen.“ ,, Bewohner.“ ,, Wie bitte ?“ ,, Hier leben viele Familien. Wir sind so weit weg von den meisten offiziellen Sternenrouten, das die meisten hier aufwachsen, leben und sterben. Wir

haben sogar eine Kirche.“ , meinte der Gouverneur mit nicht grade wenig stolz. Aaren erwiderte nichts. Er wusste zwar davon, beschloss aber, sich weiterhin dumm zu stellen. Wenn jeder dachte, er wüsste nichts… erzählte einer vielleicht zu viel. Sie ließen die Brücke hinter sich und traten unter ein kleines Vordach, unter dem eine Tür in das Innere der Anlage.

Kapitel 2 Der Hive

  Der Hive setzte sich aus vier großen Komplexen zusammen. Der erste wurde durch die Verwaltung und Administration der Anlage belegt, die mehr oder weniger einen eigenen Staat mit dem Gouverneur an der Spitze bildete. Der Posten wurde hierbei zwar von Omnisphere vergeben, aber trotzdem musste sich der Konzern letztendlich den Gesetzen des Elektorats unterordnen. Zumindest in der Theorie, dachte Aaren, während sie aus dem Sturm ins Geschützte innere traten. Ein großes Foyer lag vor ihnen. Ein Glasdach

erlaubte einen Blick nach oben auf den Wolkenverhangenen Himmel und solle wohl den Eindruck erwecken, sich unter freiem Himmel zu befinden. Aaren stellte fest, das ihm schwindelig wurde, wenn er zu lange in die Höhe sah. Das Dach schwebte fast 100 Meter über ihnen. Die Wände besaßen zahlreiche Fenster und stellenweise sogar Balkone. Hier und da standen auch Schatten hinter dem Glas und beobachteten die kleine Prozession. Das war der zweite Abschnitt der Anlage, die Arbeiterunterkünfte und Wohnbezirke für die Familien. Hier gab es neben Wohnungen auch Bars, Spielhallen und Geschäfte. Links von ihm befand sich

ein Schaufenster, in dem verschiedene Backwaren ausgestellt wurden. ,, Bauen sie Getreide an ?“ , fragte Abundius, dem der kleine Laden ebenfalls aufgefallen war. Der Gouverneur schüttelte den Kopf. ,, Nein, wir kriegen einmal im Monat Vorräte geliefert. Das einzige, was wir hier im Überfluss haben sind Fische. Aber die meisten schmecken schrecklich. “ ,, Und sie verkaufen ihre Vorräte dann einfach ? Das führt doch zu Versorgungsschwierigkeiten.“ ,, Wir haben ein Wertkarten-System eingeführt, das sich je nach

Arbeitsleistung…“ Aaren ließ sich ein Stück zurückfallen, so dass er das Gespräch nicht mit anhören musste. Er hatte sich ausführlich über Liurie informiert und vor allem natürlich über die Geschichte der Omnisphere-Kolonie. Seit gut fünfzig Jahren gab es vereinzelte Versuche, die fast vollständig von Ozeanen bedeckte Welt irgendwie nutzbar zu machen. Planeten mit atembarer Atmosphäre und brauchbaren Lebensbedingungen waren zu rar um sie zu ignorieren und das Geld, das man durch die nicht benötigte Umweltausrüstung sparte , machte das Geschäft selbst bei widrigen

Bedingungen noch lukrativ. Im Falle von Liurie hatte es sich für die Firma und das Elektorat als wahre Goldgrube erwiesen. Nur war es schwer, die weit abgelegenen Planeten zu überwachen. Auf den zentralen Welten, die bereits über eine ähnliche Infrastruktur wie die Erde verfügten, hatte das Elektorat alle Fäden in der Hand. Das Gesetz wurde befolgt. Die Ordnung blieb erhalten. Doch hier draußen, er drehte den kleinen Goldring an seiner linken Hand gedankenverloren, hier draußen blieben nur die Kommissare. Und jetzt war einer verschwunden. Aaren beschleunigte seine Schritte

wieder, bis er zum Gouverneur, der wissenschaftlichen Leiterin und Abundius aufschloss. Warum hatte man ihm den Mann bloß mitgeschickt? Er brauchte weder Hilfe, noch wollte er sie. Und schon gar nicht von ihm, egal welche Empfehlungen er hatte. Doch das Elektorat war in dieser Hinsicht stur geblieben und jetzt… durfte er eben Kindermädchen für Abundius spielen. ,, …Gesetzt ist doch nur ein Wort.“ , meinte der Gouverneur grade. ,, Das Elektorat sieht das anders. Ordniatio et lux . Ordnung und Licht.“ , erwiderte Abundius. Na wenigstens kannte er die Grundsätze, dachte Aaren fast ein wenig erleichtert.

,, Ja, aber vor hundert Jahren sah das noch ganz anders aus. Bevor sich das Elektorat bildete…“ ,, Herrschte Chaos.“ , mischte sich Aaren ein. ,, Bürgerkriege, ganze Planeten, die im Schatten versanken. Wenn uns die Geschichte eins gelehrt hat, dann das ohne allgemeine Gesetze kein Frieden zu erreichen ist. Und wenn das Gesetz nicht von allen befolgt wird, bleibt nur die Anarchie.“ ,, Das mag für die Zentralwelten gelten…“ , begann Eleanor. ,, Es gilt auch für euch.“ , meinte Aaren und wurde ungewollt lauter. ,, Deshalb bin ich hier.“ Die Mentalblocker ließen wirklich nach. Wut trübte das

Urteilsvermögen. Wut war ein Gift für die Gerechtigkeit. Sie hatten die Halle durchquert und erreichten eine Reihe von Türen. ,, Ihr wolltet euch ausruhen ?“ Aaren nickte nur. ,, Es gibt freie Zimmer auf der zweiten und eines auf der vierten Ebene.“ Der Gouverneur gab ihm eine Schlüsselkarte. ,, Der Weg ist…“ ,, Finde ich schon.“ , murmelte Aaren und trat durch eine der Türen, ohne darauf zu achten, ob Abundius ihm folgte. ,, Sie finden mich vermutlich in der Administration.“ , hörte er den Gouverneur noch

rufen. Er hatte nicht lange gebraucht um den Weg zu finden. Glücklicherweise waren die meisten Gänge ausgeschildert, sonst wäre es wohl auch beinahe unmöglich gewesen, sich in den Labyrinthartigen Gängen zu orientieren. Der Hive war nicht aus einem einzigen Aufbau heraus entstanden, sondern allmählich auf der Plattform entstanden. Wann immer man mehr Platz gebraucht hatte, hatte man einfach ein weiteres Stockwerk auf bestehende Gebäude gebaut, oder einen neuen Komplex hochgezogen. So kam es, das die Gänge teilweise willkürlich in eine Richtung verliefen, nur um dann

plötzlich wieder zurückzuführen oder teilweise in Sackgassen endeten. Er durchquerte zwei große Hallen, ähnlich dem Foyer am Eingang, in denen sich die Leute nach ihm umdrehten. Mache trugen die orangen Omnisphere-Overalls, andere normale Kleidung, aber alle hielten kurz inne, sobald man ihn als das erkannte, was er war. Das silberne Emblem war nicht zu übersehen. Aaren schenkte den Leuten kaum Beachtung auch nicht ihrem leisen Geflüster. ,, Ich habe ja gehört das einer…“ ,, Was will der hier ?“ Manche drehten sich einfach um und

verließen auf dem schnellsten Weg die Halle. Also ob sie befürchteten, er könne jeden Augenblick einfach das Feuer eröffnen. Als er endlich das Zimmer erreichte lehnte er sich erleichtert von innen gegen die Tür. Sein Puls rauschte ihm in den Ohren, die Farben der Zimmereinrichtung schienen zu verschwimmen… Aaren schwankte durch eine Tür, welche in ein kleines Bad führte und stützte sich auf dem Waschbecken ab. Er versuchte sich zu konzentrieren, verfolgte mit den Augen die wirren Linien in der Emaille des Beckens und zwang sich ruhiger zu atmen. Er drehte das Wasser an. Dann

blieb sein Blick an dem Goldring an seiner Linken hänge. Regen… er wusste nicht ob es an jenem Abend wirklich geregnet hatte. Aber es musste wohl so gewesen sein. Es hatte zumindest nach Regen gerochen. Regen und Erde und die Sonne, die zwischen den Wolken geschimmert hatte. Und dann… Fünf Jahre war es jetzt her. Aaren spürte wie sich seine Augen mit Tränen füllten. Er schüttelte ein kleines Tablettenfläschchen aus seiner Tasche und ließ eine Pille in seine Hand wandern. Kurz zögerte er noch, dann schluckte er die Tablette mit einer Handvoll Wasser aus dem Waschbecken.

Sofort schienen seine Sorgen und seine Trauer, aber auch die Wut sich in den hintersten Winkel seines Verstands zurückzuziehen. Die Farbe schien aus der Welt zu weichen, während er sie gleichzeitig viel klarer wahrzunehmen schien. Aber noch verschwanden seine aufgewühlten Emotionen nicht ganz. Aaren hatte nicht die ganze Dosis genommen, aber genug um klar denken zu können. Objektivität. Das war das Schlüsselwort jedes Kommissars. Und Emotionen standen der Objektivität im Weg. Seit sich das Elektorat aus der Asche der planetaren Bürgerkriege des 25

Jahrhunderts erhoben hatte, hatten sich alle Kolonien der neuen Ordnung zu unterwerfen. Seit über 100 Jahren hatte sich niemand mehr gegen die Regierung aufgelehnt. Seit 100 Jahren gab es keine Kriege mehr. Nur das kalte, erleuchtete Gesetz. Manche meinten, dass es ein zu hoher Preis gewesen war. Dass auch das Elektorat Fehler machte. Vielleicht tat es das, aber das höhere Wohl aller war trotzdem ein erhabenes Ziel, dachte Aaren. Vermutlich sah Abundius das anders. Vielleicht würde er sich nachher Zeit nehmen, mit dem Mann zu sprechen. Das Zimmer, dessen Einrichtung sich

neben dem Bad auf ein Bett, einen Schrank und einen Tisch beschränkte, besaß ein Fenster, von dem aus er aufs Meer hinaus sehen konnte und einen kleinen Balkon, der nach draußen führte. Aaren öffnete die Tür und salzige Luft schlug ihm entgegen. Die rötlich schimmernde Sonne schwebte nun knapp über dem Horizont und wenn er sich nicht mit der Planetenzeit irrte, würde es bald dunkel werden. Die Mentalblocker wirkten mittlerweile zwar vollständig, aber er spürte wegen der geringeren Dosis immer noch einen kleinen Hauch der Neugier. Aaren stand auf und lief unschlüssig hin und her. Ein Schritt. Noch einer. Umdrehen. Und wieder

zurück. So ungern er es zugab, er kam sich eingesperrt vor. Blockiert. Um zurück zum Gouverneur zu gehen und mit der Arbeit anzufangen, war es zu spät. Also was ? Sich etwas auf der Station umsehen und sich wieder den Blicken der Leute aussetzen? Sicher nicht. Aaren legte den Patronengurt auf den Tisch und eine der zwei gravierten Pistolen daneben. Die Waffen der Kommissare waren allesamt Einzelstücke, die jeweils mit einem persönlichen oder vom Elektorat vorgegebenen Leitspruch versehen wurden. Jede der Waffen fasste zwanzig Projektile. Die meisten Kommissare

verwendeten Explosivkugeln, die ein Ziel bei jedem Treffer töten oder zumindest schwer verletzten würden, aber ihm selbst erschien das unnötig brutal. Er mochte den Ausdruck nicht, den manche der anderen Zeigten. Mehr als schlichte Genugtuung darüber, das richtige zu tun. Aaren schüttelte die Gedanken ab. In einer Ecke des Zimmers begann die Sprechanlage zu summen. Er versuchte es zu ignorieren. Die Mentalblocker ließen schon wieder langsam nach, denn er spürte, dass ihn die Störung ärgerte. ,, Durchstellen.“ , brummte er schließlich. ,, Hey, ähh… sind sie da ?“ , drang eine

unsichere Stimme über einige versteckte Lautsprecher. ,, Abundius. Was wollen sie?“ , fragte er. ,, Hab ich ihnen irgendwas getan ?“ Der Mann verstand es wirklich nicht. ,, Nein.“ ,, Haben sie ihre Mentalblocker nicht genommen ?“ ,, Grade genug.“ , erwiderte Aaren, achtete diesmal aber darauf, ruhig zu bleiben. ,, Und wirklich etwas angehen, tut sie das ohnehin nicht.“ ,, Tut mir leid. Eleanor hat Angeboten uns die Forschungsabteilung zu zeigen. Wenn sie…“ Aaren hörte auf zuzuhören. Die

wissenschaftliche Leiterin… Vielleicht würde er heute doch noch ein paar Informationen bekommen. Abundius redete immer noch. ,, Ich bin dabei.“ , unterbrach er ihn. Er musste ein paar Mal husten. Hoffentlich legte sich der Jetlag in ein paar Tagen. ,, Gut. Finden sie den Eingangsbereich wieder?“ , fragte Abundius. ,, Vermutlich.“ , erwiderte er. ,, Wir treffen uns dort.“ Die Sprechanlage gab ein kurzes Summen von sich, dann endete die Verbindung. Aaren blieb noch einen Moment am Tisch sitzen. Dann nahm er eine der Waffen wieder an sich und verließ das Zimmer, das er hinter sich

verriegelte. Abundius, dachte er kopfschüttelnd. Er konnte immer noch nicht glauben, dass der Mann ihn begleitete. ,, Ich komme alleine damit klar.“ , erklärte er. Die Kommissionsgebäude auf der Erde waren ein großer graue Betonbau, der sich mehrere Hundert Meter über den Straßen des mittlerweile fast vollkommen von Städten eingenommenen Planeten erstreckte. ,, Ich verstehe sie ja Terrell. Aber das hier ist ein Sonderfall. Er hat ausgezeichnete Empfehlungen.“ Aaren musterte sein Gegenüber

skeptisch. Die Kommissare unterstanden direkt dem Justizminister des Elektorats. Ein hochgewachsener, grauhaariger Mann. Und einer der wenigen ,, Freidenker“ für die Aaren Respekt hatte. Obwohl der Minister selbst den Gebrauch von Mentalblockern ablehnte, blieb er stets beherrscht und ließ sich nie zu einer vorschnellen Entscheidung hinreißen. ,, Ich werde nicht Kindermädchen für irgendjemanden spielen. Ich habe wichtigere Aufgaben.“ , erwiderte er. Das Büro des Ministers befand sich im obersten Stock des Gebäudes und die Wände bestanden komplett aus halbdurchlässigem Glas, so dass man von

drinnen zwar nach draußen über das Labyrinth der Straßenschluchten sehen konnte, aber nicht umgekehrt. In der Ferne erhoben sich in endlosen Reihen Wolkenkratzer um Wolkenkratzer, neben kleineren und größeren Industrieparks. Rauchwolken stiegen in den trüben Himmel und verloren sich dort. ,, Mir gefällt das ja auch nicht, aber ich denke nicht, das er sie behindern wird.“ ,, Sollte er besser nicht.“ ,, Aaren.“ Der Minister wäre Beinahe aufgesprungen. ,, Nur ein wenig verbliebener Humor.“ Er schüttelte den Kopf. ,, Viel Glück da draußen. Ordnung und Licht.“ ,, Ordnung und Licht.“ , erwiderte

Aaren. ,, Noch etwas, das ich wissen sollte ?“ ,, Nur eines. Der Kommissar um den es geht heißt Thomas Ackland. Das war eigentlich eine Routineüberprüfung, vielleicht ist es also nichts.“ ,, Sie glauben aber nicht daran.“ , stellte er fest. ,, Nein. Ich fürchte auf diesem verdammten Planeten geht irgendetwas vor. Und was immer es ist…“ ,, Ja ?“ ,, Ich habe heute Morgen mit den übrigen Ministern des Elektorats gesprochen . Die Wissen mehr als ich, das spüre ich. Und was sie wissen muss ihnen eine Heidenangst

machen.“ ,, Dann sollten sie mehr schicken.“ Der Minister schüttelte den Kopf. ,, Ängstliche Leute machen dumme Sachen. Besser, man erfährt erst, das ich jemanden schicke, wenn es zu spät ist um sie aufzuhalten.“ ,, Das ist aber nicht grade… Protokollgemäß.“ ,, Nein, aber es ist auch nicht illegal, wenn ich einfach ein paar Tage.. vergesse… wohin ich sie schicke.“

Kapitel 3 Die Labore



Die Labore bildeten den dritten Komplex, aus dem sich der Hive zusammensetzte. Einer der neben dem Erzabbau Gewinnbringendsten Wirtschaftszweige war die Erforschung bewohnbarer Welten. Viele Pflanzen beispielsweise enthielten völlig neue Wirkstoffe, die sich in der Medizin oder in manchen Fällen auch in der Landwirtschaft verwenden ließen. Im Fall von Liurie waren es bisher vor allem essbare Algen, die sich als wertvoll erwiesen hatten. Ihr schnelles

Wachstum erlaubte es, sie beispielsweise auf Schiffen oder unterentwickelten Welten anzubauen, so dass diese zumindest was die Lieferung von Nahrungsmitteln anging etwas unabhängiger wurden. Um die in die zwei Millionen gehende Bewohner des Hive allerdings zu versorgen, war man nach wie von auf Lieferungen angewiesen. ,, Und das hier sind die Hydrofarmen.“ , erklärte Eleanor mit nicht wenig Stolz. ,, Alles, was die Schürfteams finden wird katalogisiert.“ Sie befanden sich in einer der Unterwassersektionen der Anlage. Auf einem Gitter-Laufsteg stehende konnten sie eine schier endlos

erscheinende Ansammlung großer Wassertanks erkennen. In manchen davon schwammen Fische, in anderen Algen oder seltsam geformte Korallen. Zumindest glaubte Aaren, das es sich um welche handelte, aber es kam auch immer wieder vor, das völlig neue Tier oder Pflanzenstämme entdeckt wurde, zu denen es auf der Erde keinerlei Referenz gab. Aaren betrachtete die Halle unter ihnen mit nüchternem Interesse. Wegen einiger Algen würde das Elektorat keinen solchen Aufstand machen. ,, Und was haben sie in letzter Zeit entdeckt ?“ , fragte Abundius. Aaren musste sich erneut selbst davon abhalten

wütend auf ihn zu werden. Wobei er ihm diesmal vielleicht sogar einen Gefallen getan hatte. ,, Zwei neue Fischarten die… na ja, stellen sie sich einfach eine Kreuzung aus Papagei und Katzenhai vor.“ ,, Fische mit Federn ?“ , meinte Abundius irritiert. ,, Und ziemlich bissig. Aber lecker.“ ,, Und was davon haben sie Thomas gezeigt ?“ , fragte Aaren. ,, Ich muss seinen Weg zurückverfolgen können.“ ,, Ich weiß nicht ob…“ Sie schien plötzlich nervös zu sein. Bisher hatte seine Anwesenheit sie nicht verunsichert. Nun jedoch musterte die Frau den Kommissar, als würde sie ihn zum ersten

Mal richtig als das wahrnehmen, was er war. ,, Ich bin ein Offizieller Vertreter des Elektorats. Es gibt keine Geheimnisse für mich. Verstanden?“ ,, Ich verstehe sogar sehr gut.“ ,, Ich werde jetzt einfach mal so tun, als wäre das nicht passiert.“ , warf Abundius ein. ,, Also… was haben sie ihm gezeigt ?“ ,, Folgen sie mir.“ ,, Okay… ich gebe offen zu, das ich keine Ahnung habe, was zur Hölle das sein soll.“ , bemerkte Abundius. Aaren verkniff sich einen Kommentar. Sie befanden sich in einem kleinen

Labor, das an die Hydrofarmen angrenzte. Es gab mehrere Tische mit Analysegeräten und einigen Mikroskopen, aber das eigentlich Interessante war das kleine Reagenzglas, das Eleanor Abundius gereicht hatte. Die Glasampulle war halb gefüllt mit einer dunkelroten, fast schwarzen, Flüssigkeit. ,, Die Wahrheit ist, das ich es nicht weiß.“ ,, Wie das ?“ ,, Nun, alles was ich weiß, dass es von der letzten Schürfexpedition mitgebracht wurde. Ich habe aufgegeben es untersuchen zu wollen. Bis jetzt haben wir über 50.000 verschiedene organische

Moleküle isolieren können und das ist grade mal ein Bruchteil. Ehrlich gesagt, macht mir dieses Zeug ein wenig Angst.“ ,, Wieso ?“ , fragte Aaren zwischen einem weiteren Hustenanfall. ,, Sie können es gerne ausprobieren.“ ,, Wie… ausprobieren ?“ Eleanor nahm eine zweite Ampulle, die nur einen Rest der dunkelroten Substanz enthielt, aus einem Regal und reichte sie ihm. ,, Wir haben herausgefunden, dass die Einnahmeform egal ist. Ob über die Haut, das Blut oder Schleimhäute ist vollkommen irrelevant.“ ,, Sie weichen meiner Frage aus.“ ,stellte Aaren fest, während er den

Stopfen des Reagenzglases entfernte und etwas der Substanz auf seine Handfläche tropfte. Es zog mit rasender Geschwindigkeit in seine Haut ein. ,, Halten sie das für eine gute Idee ?“ , fragte Abundius. Aaren kam nicht dazu zu antworten, als sich etwas durch seine Adern zu brennen schien. Er stolperte ein paar Schritte zurück. ,,Was zur…“ Nur die Mentalblocker verhinderte, dass er panisch wurde, während sich die Wärme zu seinen Lungen auszubreiten schien und seine Sicht langsam verschwamm. Sie wäre niemals so dumm ihn vor Abundius zu vergiften. Zumindest hoffte er

das. ,, Fangen sie ihn auf wenn er fällt.“ , wies Eleanor Abundius an. ,, Falls….“, stammelte Aaren ,, Bisher ist jeder umgekippt.“ , hörte er noch, bevor die Dunkelheit wie eine Welle über ihm zusammenschlug. Er war im Wasser? Er wusste es nicht. Nur das er mitten in einem dunklem Nichts zu schweben schien und er musste an die Oberfläche. Seine Lungen brannten doch bereits. Aber wo war oben? Kein Licht. Nur flüssige Dunkelheit. Aber er musste irgendwie

auftauchen… Aaren schreckte hoch. ,, Ich schätze, die Halluzinationen haben sie absichtlich nicht erwähnt ? Sie hätten mich vorwarnen können.“ Sein kalter Verstand hatte kein Problem damit, sich zusammenzureimen, was grade passiert war. Aber… er konnte freier Atmen, wie er feststellte. Und nicht nur das. Er fühlte sich ausgeruhter als zuvor, so als hätte er zehn Stunden durchgeschlafen. ,, Würde es jemanden was ausmachen mich mal aufzuklären ?“ Abundius sah stirnrunzelnd zwischen den Kommissar und Eleanor hin und her. ,, Wir wissen selbst noch nicht, wie es

funktioniert. Aber das hier.“ , sie nahm Abundius das volle Reagenzglas ab. ,, bringt den Körper offenbar dazu, Stammzellen zu bilden und selbst Gewebeschäden zuheilen. Und nicht nur das, es beschleunigt die Regeneration für eine Weile um das Tausendfache. Wir haben es an einem Arbeiter getestet, der sich das Bein gebrochen hatte und am nächsten Morgen wieder gehen konnte.“ Abundius stieß einen leisen pfiff aus. ,, Das ist verdammt Beeindruckend. Aber sie haben nicht mehr davon oder?“ Elanor schüttelte den Kopf. ,, Ab und an bringt eines der Minen-Schiff mal was mit… aber keiner weiß genau wo es herkommt. “

,, Mir macht dabei eher etwas völlig anderes Sorgen.“ , sagte Aaren düster. ,, Und was ?“ Er winkte ab. Aber, dachte er, was immer damit in Berührung kam… wäre wohl verflucht schwer zu töten. ,, Ich werde wohl mit dem Gouverneur sprechen müssen.“ ,, Gute Idee, ich…“ ,, Sie bleiben hier Abundius. Tun sie mir wenigstens den Gefallen.“, erwiderte Aaren, bevor er das Labor verließ. Er überquerte den Laufsteg bei den Hydrofarmen und ging eine Weile denselben Weg zurück, den sie gekommen waren. Dann jedoch, nahm er

eine Abzweigung, die ihn in den vierten Hive-Komplex bringen würde. Die Verarbeitung und Industrieanlagen. Wenn er eines gelernt hatte, dann das: Der beste Ort um Gerüchte und Informationen zu bekommen, war immer noch der Arbeitsplatz. Wo so viele Menschen auf so engem Raum zusammenarbeiteten, blieb keiner lange still. Stickige, von Qualm erfüllte Luft schlug ihm entgegen, als er sich durch die Industriesektoren kämpfte. Funken stoben von einer großen Schmelze auf, in der die von den Schiffen geernteten Manganknollen eingeschmolzen und nach

Erzen getrennt wurde. Ein stetiger Strom aus flüssigem Metall ergoss sich in Formen und weitere Öfen. Und der höllische Lärm von tausend Maschinen dröhnte in seinen Ohren. Aaren näherte sich einer Gruppe Arbeiter in typisch orangen Omnisphere-Overalls, die etwas abseits standen. Er befand sich nun auf einer der tiefsten Ebenen der Station, in der Nähe des Meeresgrunds. Der Druck des umgebenden Meerwassers brachte die gesamte Konstruktion immer wieder zum Zittern, auch wenn wohl keine akute Gefahr bestand. Aaren lehnte sich an eine der gewaltigen Stützstreben der Halle und lauschte. Der Lärm verschluckte beinahe die Hälfte des

Gesprächs der Arbeiter, aber was er mitbekam genügte ihm. ,, Schon wieder ein Unfall….“ ,, Auf einem der Erzschiffe ?“ ,, Glaube nicht das…“ ,, Der dritte die Woche. Als ob die alle plötzlich vergessen hätte auf sich aufzupassen.“ ,, Zumindest nicht….“ ,, Wie meinst du das ?“ ,, Habe die Leiche gesehen. So was richtet keine Maschine an. Das sah aus wie..“ ,, Zähne, ernsthaft ?“ ,,… Fleisch praktisch von den Knochen getrennt.“ ,, Du siehst Gespenster. Is vermutlich einfach

in ne Ernteklaue geraten.“ Die Omnisphere-Arbeiter entfernten sich ein Stück, so dass Aaren nichts mehr Verstand. Aber was er gehört hatte, reichte, um unruhig zu werden. Aber es war nicht genug. Nichts Konkretes. Und es erklärte nicht das Verschwinden eines kampferprobten Kommissars. Langsam ging er zurück, vorbei an den Schmelzöfen und hinaus aus der Hitze, bis er wieder die oberen Etagen des Hive erreichte. Er wusste nicht genau, wo er sich befand, als er eine offene Halle erreichte. Hier gab es vereinzelte Geschäfte und auch wenn er definitiv auffiel, drehten sich doch deutlich weniger Leute nach ihm um. Eine

Willkommene Abwechslung. Eine große Glasfront gewehrt einen Blick auf das immer noch aufgewühlte Meer. Wellen so hoch, das man sie auf der Erde nur noch als Tsunami klassifiziert hätte, schlugen gegen die Pfeiler und prallten an den fast unsichtbaren Barrieren der Sturmschilde ab. Im Mittelpunkt der Halle war ein kleiner ummauerter Garten angelegt worden. ,, Was fällt euch ein.“ Eine Frau stürmte, gefolgt von einem Mann, wohl der Besitzer, aus einem der Geschäfte. ,, Das sind gefälschte Wertkarten.“ , rief er und brachte die Fliehende zu Fall. Aaren näherte sich langsam dem Kreis

der Schaulustigen, der sich gebildet hatte. Einige, die ihn erkannten, als er sich vorbeidrängte, wichen erschrocken zurück. ,, Was ist hier passiert ?“ , fragte er ruhig, aber bestimmt. Der Ladenbesitzer und die Frau warfen ihm kurz verwirrte Blicke zu, bis sich bei beiden so etwas wie Verständnis einstellte. Der Besitzer begann zu zittern und die vermeintliche Betrügerin brach doch tatsächlich in Tränen aus. ,, Reißt euch ein bisschen zusammen.“ , rief er. ,, Ihr.“ , fragte er an den Mann gerichtet. ,, Was ist passiert ?“ ,,N… nichts Sir. Wir kommen schon zurecht.“ , meinte

er. ,, Das Entscheide ich. Was ist passiert?“ ,, Sie hat versucht mit falschen Wertkarten zu bezahlen. Das ist wirklich nichts, was einen Kommissar interessieren …“ ,, Für Lebensmittel ?“ fragte Aaren. ,, Ja.“ ,, Er wendete sich an die Frau. ,, Habt ihr irgendetwas dazu zu sagen ?“ ,, E…e….es war… ich…“ ,, Also nein.“ , stellte er fest. ,, Ihr könnt unmöglich…“ ,, Ruhe.“ , fuhr er den Ladenbesitzer an. ,, Und ihr alle.“ , meinte er an die umstehenden gerichtet. ,, Verschwindet

gefälligst.“ Aaren wartete, bis sich die Leute zurückzogen. Die meisten beeilten sich, die Halle so schnell wie möglich zu verlassen. ,, Diese Station ist abhängig von Lebensmittellieferungen.“ , begann er. ,, Wer also versucht, mehr zu bekommen, als ihm zusteht, gefährdet alle anderen.“ ,, Ich glaube ihr übertreibt.“ , setzte der Mann erneut an. Die Frau sagte gar nichts mehr. Aaren ignorierte den Einwand des Besitzers. Er zog langsam die Pistole und stand einige Augenblicke Gedankenverloren dort. Aus Unrecht wird kein Recht.

Macht das einfach nicht wieder.“ , sagte er nur und ließ die Waffe sinken. ,,Was….“ ,, Ich bin kein Monster, falls ihr das dachtet. Und jetzt weg mit euch. Beide.“ Er ließ sich auf den Rand des kleinen Gartens sinken. Die Halle war jetzt vollkommen verlassen und es erschreckte ihn ein wenig, das er dazu in der Lage gewesen war, die Leute alle zu verscheuchen. Selbst objektiv betrachtet war das nicht gut. Und wenn er länger darüber nachdachte… ,, Wieso sind sie Kommissar geworden ?“ Aaren sah nicht auf, erkannte die

Stimme aber, Unfähig sich darüber zu ärgern. ,, Sie haben nicht zufällig ne Zigarette ?“ , fragte er. ,, Nichtraucher.“ , entgegnete Abundius. ,, Ich auch. Seit fünf Jahren. Und bis grade eben.“ , erwiderte Aaren. ,, Wissen sie, ich habe einmal Mentalblocker ausprobiert. Dachte ich sterbe gleich. Schreckliches… Gefühl.“ ,, Es ist ein Opfer, das manche bringen müssen. Anders kann man kein gerechtes Urteil fällen.“ ,, So wie grade ?“ ,, Was hätte ich tun sollen ? Sie erschießen und damit die ganze Anlage gegen mich aufbringen? Manche

verstehen einfach nicht, das der Tod weniger, das Leben viele retten kann.“ ,, Ist das auch Teil der Elektorats-Philosophie ?“ ,, Und es funktioniert. Auf den Zentralwelten gibt es praktisch keine Verbrechen mehr.“ Abundius schüttelte den Kopf. ,, Was ?“ ,, Ich glaube manchmal, das sie zwar die richtigen Absichten haben… aber vielleicht arbeiten sie ja einfach für die falschen Leute ?“ ,, Das Elektorat ist die einzige Institution, die wir haben. Oder wäre es ihnen lieber, wenn die Menschheit wieder in Krieg , Rassismus , Gier und

Kleinstaaterei verfällt?“ ,, Nein, aber ich glaube, das zumindest Krieg, Gier und Kleinstaaterei s Teil der menschlichen Natur sind . Egal wie viel Mentalblocker sie schlucken.“ ,, Ich könnte ihnen jetzt sagen warum das Schwachsinn ist…“ ,, Sie haben meine Frage noch immer nicht beantwortet.“ ,, Werde ich auch nicht mehr.“ Er stand auf. ,, Ich schätze, ich sollte endlich mit dem Gouverneur reden. ,, Laufen sie etwa weg ?“ ,, Nur vor ihnen.“ , entgegnete Aaren und beschleunigte seine Schritte noch ein wenig, bis er die Halle und Abundius hinter sich

ließ.

Kapitel 4 Das Mee

  ,, Wie ist der Status des Schiffs jetzt ?“ , wollte Aaren wissen. ,, Die Salmakis ist vor gut zwei Stunden in einen Sturm geraten.“ , wiederholte der Gouverneur.,, Die Ionosphäre des Planeten macht Funkverkehr leider recht schwierig , von Radar ganz zu schweigen und bei diesen Wetterbedingungen…“ Er machte eine ausladende Handbewegung in Richtung des Fensters. Draußen war das, jetzt in Dunkelheit gehüllte, Meer noch aufgewühlter als sonst. Wellen, die beinahe bereits die Unterkante der Hive.

Plattform erreichten krachten gegen die Schilde, die der Wucht der Naturgewalten nicht mehr völlig standhalten konnten. Jede Welle brachte die Station leicht zum Zittern. ,, Es wäre Selbstmord ein Schiff da rauszuschicken, selbst mit Sturmschilden. Es tut mir leid, aber sie werden bis Morgen warten müssen.“ Callahans Büro war ein großer Raum, der sich in einer de oberen Etagen des Verwaltungsbezirks befand. Neben dem Fenster befanden sich mehrere Regale mit Büchern, die meisten klassische Literatur, wie Aaren feststellte. Die Odyssee, Ilias, einige Dichter. Nur bei einem Buchtitel hielt er inne.

,, Ordnung und Licht- eine Abhandlung über die Grundfesten des Elektorats.“ Er wendete sich vom Schreibtisch und dem Gouverneur ab und zog das Buch aus dem Schrank. ,, Das ist nicht grade die Art von Literatur, die ich hier finden sollte.“ , sagte er. ,, Das Elektorat hat das Werk nicht zensiert. “, entgegnete der Gouverneur. ,, Das Elektorat zensiert nie etwas.“ Es klang beinahe spöttisch. ,, Nein… aber sie sollten es auch nicht offen rumstehen haben.“ , erwiderte Aaren, der die Seiten durchblätterte. Das Buch war eine ältere Ausgabe. Statt dem

vollen Autorennamen oder einer Kurzbiographie befand sich an der entsprechenden Stelle nur das Wort Nemo. Niemand. Das Elektorat versuchte seit fast zehn Jahren herauszufinden, wer diesen Text geschrieben hatte. Einige vermuteten, es müsste ein Interner gewesen sein, der aus irgendeinem Grund Schaden anrichten wollte. ,, Was wollen sie tun, mich verhaften ?“ Es klang beinahe wie eine Aufforderung. ,, Wir sind Gerecht. Auch wenn es… Narren gibt, die immer wieder das Gegenteil behaupten.“ ,, Vielleicht sind sie ja der Narr. Und nur zu Blind es zu sehen. “ , erwiderte Callahan. ,, Oder glauben sie wirklich

dann würde das Elektorat noch so etwas wie Kommissare brauchen ?“ ,, Wir sind Gesetzeshüter nicht mehr.“ , entgegnete er. ,, Wenn das nur alle so sehen würden. „ Aaren las schlug das Buch an einer Stelle auf. Er kannte den Text, zumindest Auszugsweise. ,, Das ist ein einziger Aufruf zur Anarchie.“ Aaren stellte das Buch zurück. ,, Ist Anarchie nicht besser als totale Stagnation ?“ ,, Wie meinen sie das ?“ ,, Ich meine, das die Gesellschaft auf den Zentralwelten erstarrt ist.“ ,, Aber sie sind

frei.“ ,, Frei ? Das Elektorat erstickt die Gesellschaft mit Regeln und ihrem Wahn von Ordnung. Es gibt Gesetze… und es gibt Wahnsinn der vorgibt Gesetz zu sein. Und der Unterschied ist manchmal ein sehr feiner.“ Aaren beschloss, das Gespräch zu beenden, bevor der Gouverneur tatsächlich noch etwas sagte, das ihn…. Zum Handeln zwingen würde. ,, Ich werde einfach so tun, als hätte ich das alles nicht gehört.“ Er wendete sich zum Gehen. ,, Ich erwarte, dass morgen früh ein Schiff bereit steht um uns zur Position der Salmakis zu bringen. Und das Wetter, ist mir dabei vollkommen

egal.“ In einem Anflug von Wut, den auch seine Mentalblocker nicht ganz unterdrücken konnten fügte er noch hinzu. ,, Ordnung und Licht.“ Kurz sah es so aus, als würde der Omnisphere-Gouverneur nichts erwidern. Dann jedoch wiederholte er düster: ,, Ordnung und Licht. Ich werde sie morgen begleiten.“ Aaren schloss die Tür hinter sich. ,, Hey.“ Wusste der Teufel, wie Abundius ihn im Gewirr der Gänge gefunden hatte. Der Mann schien ein Talent dafür zu haben, immer dann Aufzutauchen, wenn es am wenigsten

passte. ,, Ich bin Müde, verschonen sie mich also bitte.“ ,, Wie ist das Gespräch mit dem Gouverneur gelaufen ?“ ,, Gut.“ Er beschleunigte seine Schritte etwas, in der Hoffnung Abundius abzuschütteln. ,, Das heißt es geht bald los ?“ ,, Ja.“ ,, Ich verstehe.“ ,, Das bezweifle ich stark.“ Eine Weile liefen sie schweigend durch die Gänge des Hive, ab und an auch über einen großen Platz. Treppen hinauf und wieder hinab. Aaren achtete nicht darauf, wohin ihn seine Füße trugen, er

wollte einfach nur Abundius irgendwie loswerden. Sie überquerten erneut einen offenen Platz mit Glasdach. Hier befanden sich mehrere Casinos und die Omnisphere-Arbeiter die noch etwas Lohn übrig hatten verprassten ihn hier wohl großzügig. Abundius wurde nicht langsamer, sondern blieb ihm weiterhin dicht auf den Fersen. Schließlich hatte Aaren genug. Mit einem Ruck blieb er stehen, drehte sich um und packte Abundius an den Schultern. ,, Was zur Hölle wollen sie eigentlich ?“ , schrie er. Einige der Umstehenden blieben wie erstarrt stehen und plötzlich

sah er Angst in Abundius Augen aufflackern. Angst… nur einmal sollte der Mann wissen, was das bedeutet. ,, Was wollen sie hier überhaupt ?“ , wiederholte er , diesmal leiser. Abundius schien keine Antwort einzufallen, als auf die Hand zu starren, die ihn gepackt hielt. Auf seine Linke. ,, Sie sind verheiratet ?“ , fragte Abundius, als würde er die Antwort schon kennen. Er trat ein paar Schritte zurück und ließ ihn los, als hätte er sich verbrannt. ,, Ich war es. Sie ist tot.“ ,, Das ist es also ? Das ist alles?“ ,, Was hatten sie erwartet ? Eine dunkle Familiengeschichte, oder politische

Intrigen ? Nein, der einzige Grund,“ er packte den Mann wieder, sorgte dafür, das er jedes Wort hören und bis an sein Lebensende nicht mehr vergessen würde. ,, Der einzige verdammte Grund, aus dem ich zur Kommission ging ist, das ich nicht mehr darüber nachzudenken brauche, was hätte sein können. Damit andere nicht das gleiche durchmachen.“ Er stieß ihn zurück und drehte sich um, weil trotz aller Beherrschung nun Tränen in seinen Augen standen. Nervös tastete er nach dem kleinen Tablettenfläschchen in seiner Tasche und schluckte zwei. ,, Wurde sie…“ ,, Es macht keinen Unterschied.“ , unterbrach ihn

Aaren. ,, Das macht es immer. Krankheiten und Unfälle passieren. Aber…“ Er wirbelte herum. ,, Ihr Name war Sophie Sie haben mich die Leiche nicht sehen lassen wollen. Ein verfluchter Kleinkrimineller der es irgendwie durch die Kontrollen nach Terra geschafft hatte. Ein Drogendealer. Ein zerstörtes Leben. Frage beantwortet?“ ,, Es… tut mir leid. Ich wollte sie nicht…“ ,, Ich habe den Mann gesucht, der es getan hat.“ , flüsterte Aaren. ,, Und ?“ ,, Was glauben sie ?“ Er lief durch die nächstbeste Tür und

versuchte sich irgendwie zu orientieren. Als er schließlich Stunden später endlich sein Zimmer wiederfand und die Tür hinter sich verriegelt hatte, ließ er sich einfach daran zu Boden gleiten und saß eine Weile auf den kalten Stahlfliesen. Hatte er wirklich geglaubt, damit fertig geworden zu sein? Offenbar war Selbstbetrug einfach, wenn man keinen freidenkenden Idioten ums ich hatte. Erst kurz vor Sonnenaufgang schlief er endlich ein. Der nächste Tag begrüßte ihn mit strahlendem Sonnenschein. Der Sturm, der gestern noch getobt hatte, schien sich fürs erste gelegt zu haben um Platz für einen der wenigen Windstillen Tage

zu machen. Immer noch wühlten Wellen die blaue Meeresoberfläche auf, aber sie waren längst nicht mehr so bedrohlich. Warme Seeluft schlug ihm entgegen, als er nach draußen auf den kleinen Balkon trat. Offenbar hatten die Schürfer des Hive vor, das gute Wetter zu nutzen. Dutzende von Schiffen wurden an den Kais beladen und in einiger Entfernung entdeckte er weitere, die bereits abgelegt hatten. Der Gouverneur wäre jetzt nicht mehr in der Lage, sie irgendwie daran zu hindern nach der Salmakis zu suchen. Er ging zurück nach drinnen, legte den Patronengurt und die zweite Waffe wieder an und verließ das Zimmer. Unterwegs hielt er an der kleinen

Bäckerei an, die sie während ihrer Ankunft hier gesehen hatten und war überrascht, tatsächlich echten Kaffee zu bekommen, anstatt gefriergetrocknetem Pulver. Dann machte er sich auf den Weg zum Dock, an dem das Schiff auf sie warten sollte. Der Kai lag, freischwebend, einige Meter über der eigentlichen Meeresoberfläche. Vermutlich wollte man so gewährleisten, dass keine Welle einfach den Steg überspülte und Ausrüstung beschädigte. Bei schwerem Seegang jedoch würde wohl auch das nicht viel nützen. Heute jedoch lag die Türkis

Wasserfläche ruhig vor ihm. Aaren lehnte sich an das den Steg umlaufende Geländer. Bis zum Horizont gab es nichts als eine endlose Wüste aus im Sonnenlicht funkelndem Wasser. Wie hatte es der Pilot gesagt? Mit der Zeit lernte man das hier lieben. Er war sich nicht sicher, ob das auf ihn zutraf. Aber er konnte sich wohl daran gewöhnen. Abundius hatte sich noch nirgendwo sehen lassen und fast hoffte er, der Mann würde einfach nicht auftauchen. Dann könnte er ihn hier lassen. ,, Schönes Wetter.“ Wäre ja auch zu schön gewesen. ,, Ich schätze, ich kann sie nicht einfach

bitten, hier zu bleiben ?“ , fragte er seufzend. ,, Hören sie, es tut mir leid wenn ich…“ , begann der Mann. ,, Schon in Ordnung.“ Natürlich war es nicht in Ordnung, aber das würde er Abundius sicher nicht wissen lassen. ,, Ich habe lediglich die Beherrschung verloren. Das kommt nicht wieder vor. Ganz sicher.“ ,, Ich verstehe es einfach noch immer nicht.“ ,, Was ?“ ,, Sind alle Kommissare so…“ ,,Seelisch Tot ? Monster ?“ ,, Ich wollte sagen Kalt.“ ,, Natürlich wollten sie

das.“ ,, Ich habe immer Gedacht , die Kommissare… ich weiß nicht was ich gedacht habe.“ ,, Das was man ihnen erzählt hat, schätze ich. Die erste und letzte Verteidigungslinie des Elektorats. Die großen Wächter der Ordnung vielleicht ?“ Aaren schüttelte langsam den Kopf und sah hinaus aufs Meer, wo sich jetzt ein Schiff näherte. Er wusste nicht, ob es das für sie bestimmte war. ,, Man braucht einen Grund Abundius, um so zu werden wie ich. Mir ist noch nie ein Kommissar begegnet, der nicht etwas oder jemanden verloren hätte. Das macht uns aus. So kann man es ertragen,

ohne Gefühle zu urteilen und zu handeln. Absolutus aequalitas. Absolute Gerechtigkeit. Das sind die Kommissare.“ ,, Das klingt einfach nur grausam.“ , entgegnete Abundius. ,, Nicht so grausam, wie das was sie sonst durchmachen würden. Ich kann nur für jeden hoffen, es nicht selbst herausfinden zu müssen.“ Eine Weileschwiegen beide. Dann ergriff Abundius wieder das Wort. ,, Ich komme mir grade ziemlich dumm vor.“ Aaren überlegte, etwas zu erwidern wie, schön dass sie selbst drauf kommen, schwieg dann aber

doch. Als er nicht antwortete, fuhr Abundius fort. ,, Ich denke… ich verstehe es jetzt besser. Wir haben beide unsere Ansichten und vielleicht haben sie sogar recht.“ Aaren schwieg. ,, Warum wollten sie unbedingt hierher?“ , fragte er schließlich. ,, Ich habe ihre Empfehlungsschreiben gesehen. Sie hätten überall arbeiten können. Aber sie wollten zum Justizministerium und noch wichtiger, zur Kommission. Warum ?“ ,, Ich schätze, ich wollte mal Weg von der Erde. Terra Firma geht einem irgendwann auf die Nerven, verstehen

sie? Ein bisschen was erleben, bevor man sich irgendwo in die Maschinerie einklinkt.“ ,, Dann sind sie vielleicht am falschen Ort.“ , antwortete Aaren. ,, Sollten wir hier etwas ,, erleben“ wie sie es nenne, haben wir vermutlich ein Problem.“ ,, Können sie mir noch eine Chance geben ?“ Aaren zögerte. ,, Sie sehen ihre Fehler. Das respektiere ich.“ Er streckte dem Mann die Hand hin. ,, Willkommen bei der Kommission.“ Abundius schlug ein. ,, Hoffen wir, das es ruhig bleibt.“ , meinte er mit Blick auf die See und das sich nähernde Schiff. Dahinter erspähte Aaren bereits

ein zweites. Sieht aus, als wollte Callahan kein Risiko eingehen, dachte er. ,, Was, doch plötzlich keine Lust mehr auf Abenteuer ?“ ,, Nicht auf dem Meer, nein.“ ,, Wieso nicht ?“ ,, Ist wohl ein schlechter Moment um zuzugeben, dass ich ein Miserabler Schwimmer bin.“ , gestand Abundius. ,, Nur so viel. Ich rette sie nicht, wenn sie von Bord fallen und ertrinken.“ , entgegnete Aaren.

Kapitel 5 Das Wrack


Wenige Minuten später stieß der Gouverneur zu ihnen und die zwei Schiffe legten Links und Rechts des Kais an. Aaren drehte sich zu Callahan um. ,, Beeindruckend nicht wahr ?“ , fragte dieser und sah in Richtung der zwei Stahlkolosse. ,, So lange sie uns nur zu unserem Ziel bringen… Konnten sie die Salmakis schon kontaktieren?“ Der Gouverneur schüttelte den Kopf. ,, Wir bekommen keinen Kontakt. Wenn sie Pech haben…“ er zuckte mit den

Schultern. Aaren nahm die Nachricht gelassen auf , während sie an Bord eines der Schiffe gingen, fragte er jedoch : ,, Brauchen wir wirklich ein Begleitschiff ?“ ,, Nein, aber ich will mir auch nicht vorhalten lassen, nicht alles getan zu haben um sie… zu unterstützen.“ Das Deck des Schiffs bestand, so wie der Rest, vollkommen aus Metall und war leicht abschüssig angelegt, so dass das Wasser ablaufen konnte, wenn eine Welle es traf. Vom Bug bis zum Heck maß das ganze wohl gut 700 Meter lang. Einige Arbeiter liefen hin und her, brachten Kisten an Land, oder Ausrüstung an Bord und ein

hochgewachsener Mann, dessen Haut von Sonnenbrand einen krebsroten Ton angenommen hatte, koordinierte das Löschen der Ladung . ,, Ich habe gesagt, das kommt zur Botanik. Verdammt, hört mir hier überhaupt jemand zu?“ , wies er eine Gruppe an, die einen schweren Tank mit Proben über die Gangway schleppten. Hauptsächlich Algen aber auch einige kleine Fische schwammen zwischen den Halmen im Wasser umher. Ein drehbarer Turm am Bug zog Aarens Aufmerksamkeit auf sich. Auch Abundius entging es nicht. ,, Sie haben Geschütze ?“ , fragte er den

Mann. ,, Für den Fischfang.“ , erklärte dieser ruhig. ,, Ein Schuss ins Wasser und sie schwimmen betäubt an der Meeresoberfläche.“ ,, Das klingt nicht grade… subtil.“ ,, Ich mach nur was man mir sagt.“ Erwiderte er und gab einen Befehl, woraufhin das Schiff endlich ablegte. Aaren drängte sich zwischen den Matrosen hindurch, während ihm der Fahrtwind ins Gesicht schlug. Er sah über die Reling zurück zum Hive, dessen in der Sonne silbrig strahlende Silhouette sich vor dem perfekten Blau des Himmels

abzeichnete. Weniger als eine Stunde Stunden später war die Konstruktion des Hive bereits in der Ferne verschwunden und sie umgab nur noch Wasser. In jeder Richtung nichts als eine Fläche endloses blau-grau. Aaren kam sich verloren vor. Er kannte die Himmelsrichtungen nicht, die Sterne würden ihm nichts sagen und selbst der Stand der Sonne würde ihm nur geringfügig weiterhelfen, sich zu orientieren. So muss sich Kolumbus gefühlt haben, dachte er. Nur, das Kolumbus wusste, dass es Land gab. Wenn schon nicht

voraus, dann irgendwo in einer unendlich fernen Heimat, die aber doch zum Greifen nah war im Vergleich hierzu. Hier jedoch hatte er die unausweichliche Gewissheit, dass der einzige Trockene Ort, von den wenigen kleinen Inseln mal abgesehen, bereits zu weit hinter ihnen lag und im Meer so klein war, das sie ihn ohne Instrumente oder Funk nie wiederfinden würden. Angst machte ihm der Gedanke keine. Dafür sorgten auf der einen Seite die Mentalblocker…. Und auf der anderen… er warf einen Blick über das Deck dorthin, wo der Gouverneur stand und sich mit dem Schiffskapitän unterhielt,

auf der anderen ein unbestimmtes Gefühl, das er nicht beschreiben konnte. Misstrauen vielleicht. ,, Was halten sie von der Sache ?“ , fragte Abundius. ,, Das weiß ich noch nicht. Dieser Sturm gestern kam etwas zu… gelegen.“ ,, Ich bezweifle, dass Callahan das geplant hat. Es sei denn, er könnte das Wetter beeinflussen. “ ,, Nein, aber und er hat uns ganz sicher nicht gerne hier. Niemand hat gerne einen Kommissar in seiner Nähe.“ ,, Sie können es ihnen aber auch schlecht verübeln.“ Aaren schwieg eine Weile. ,, Gestern habe ich ein Gespräch belauscht.

Offenbar gibt es in letzter Zeit erhöhte Verluste an… menschlichem Material bei den Schürfschiffen.“ ,, Unfälle ?“ ,, Ich hoffe es. Aber vielleicht vernachlässigt Callahan ja auch die Arbeitssicherheit. Und wenn Callahan das Geheimhalten wollte…“ Er zuckte mit den Schultern. ,, Vielleicht interpretiere ich auch nur zu viel.“ ,, Vielleicht auch nicht. Ich habe mich mit Eleanor unterhalten.“ ,, Nur Unterhalten ?“ , fragte Aaren. ,,Ähm…“ ,, Volltreffer. Sehr professionell von ihnen, wirklich.“ ,,

Woher…“ Aaren lache nur. ,, Ich habe nur zwei gesunde Augen.“ ,, Können sie sonst noch was, außer Gedankenlesen ?“ Bevor er antworten konnte, hörte er einen der Matrosen etwas rufen. Aaren wirbelte herum. ,, Land in Sicht .“ Tatsächlich ragte in einiger Entfernung eine Insel aus dem Wasser. Aus dieser Entfernung war nicht mehr als ein großer Sandhügel zu erkennen, aber trotzdem beunruhigte der Anblick alle an Bord. ,, Verflucht.“ ,rief der Kapitän. ,, Abdrehen, Halt

machen.“ ,, Wir sind doch noch weit….“ , begann Abundius. Das Schiff wurde ruckweise langsamer. Kisten rutschten über das Deck und ein Matrose brachte sich nur dadurch in Sicherheit, dass er halb auf die Reling kletterte. ,, Ruhig.“ , versuchte der Kapitän wieder Ordnung zu schaffen, während das Schiff langsam über die Untiefe glitt. Jeder wartete gespannt darauf, dass sie entweder wieder freikommen, oder der Rumpf brechen würde. Und dann endlich hörte das Zittern auf und das Schiff nahm wieder Fahrt auf. Der Kapitän war derweil bereits an den Buck getreten und deutete auf etwas vor

ihnen. Aaren entdeckte es sofort. Wie ein Phantom tauchte es, noch halb hinter der Insel verborgen, auf. Das Schiff lag halb auf der Seite, das zur Sonne gerichtete Deck war durch irgendetwas völlig zertrümmert worden. Vielleicht eine besonders große Welle. Und in einiger Entfernung zum Wrack trieb die erste Leiche im Wasser. ,, Ist sie das ?“ , fragte Aaren. Callahan und der Kapitän sahen beide zu dem havarierten Schiff. ,, Mein Gott…“ ,, Der Sturm gestern.“ , bemerkte der Gouverneur nur. ,, Wenn ich darüber nachdenke das…“ Der Gouverneur stoppte mitten im Satz, als sei ihm

aufgefallen, dass er einen Fehler machte. ,, Ja ?“ , fragte Aaren. ,, Ich war… vor ein paar Tagen noch auf dem Schiff.“ , entgegnete Callahan. ,, Das ist sie also ? Die Salmakis ?“ Abundius sah mit einem unsicheren Ausdruck auf dem Gesicht zu dem Wrack. ,, Oder was die Wellen davon übrig gelassen haben. Verdammt.“ Aaren sah zurück zu ihrem Begleitschiff. Auch dort hatte man die Salmakis mittlerweile entdeckt und ein Großteil der Mannschaft stand an der Reling und begutachtete die Zerstörung. Der Kapitän ihres Schiffs hatte sich derweil ein Fernglas

besorgt. ,, Irgendwelche Überlebenden ?“ , wollte Abundius wissen. ,, Kann ich noch nicht sagen.“ ,, Wir müssen rüber gehen.“ , stellte Aaren fest. ,, Dann schicke ich ihnen jemanden…“ , begann der Kapitän. ,,, Nur wir.“ , entgegnete er. ,, Das ist eine Elektorats-Angelegenheit.“ ,, Das ist immer noch ein Schiff und eine Crew, die mir unterstanden.“ , begehrte Callahan auf. ,, Die Fracht ist äußerst empfindlich, Wir sollten das Schiff zuerst selbst…“ Er will wirklich nicht, das wir und da umsehen. schoss es Aaren durch den

Kopf. Aber… ging es ihm wirklich nur um die Ladung? Irgendetwas Illegales vielleicht ? Oder war das ein Vorwand? ,, Wir berichten ihnen was wir finden.“ , versuchte Aaren den Gouverneur zu beruhigen. Der Mann schien gleichermaßen nervös, besorgt und ängstlich. ,, Hören sie… es ist mir egal, was sie auf diesem Schiff transportiert haben und wenn es Antimateriewaffen sind. Heute bin ich bereit darüber hinweg zu sehen. Alles was ich will, ist wissen was mit Kommissar Thomas Ackland passiert ist. Und das erfahre ich wohl noch am ehesten da.“ ,, Also gut…“ Blitze da nicht so etwas wie Verschlagenheit in den Augen des

Gouverneurs auf? ,, Aber sie setzten nicht einfach so über.“ ,, Hatte ich auch nicht vor.“ ,, Kapitän, diese Männer brauchen Ausrüstung. Neoprenanzüge und alles was unsere Jungs so bekommen.“ ,, Folgen sie mir bitte.“ , wies der sonnenverbrannte Kapitän sie an. Die Ausrüstungskammer des Schiffs war für fast alle Situationen vorgesehen. Von Taucheranzügen für Reparaturen , über Thermojacken für die gesamte Crew, die gleichzeitig als Schwimmwesten dienten, bis hin zu Werkzeugen von Schweißbrennern bis

Schraubenschlüsseln. Und all das verteilt auf mehrere dutzend Spinde. Sie brauchten fast eine Stunde, bis sie endlich gefunden hatte, was sie suchten. Lampen und warme Kleidung. Sie würden nicht lange auf dem Wrack bleiben, aber Aaren wollte auch kein Risiko eingehen. Er überprüfte zwei Taschenlampen, die er mit einem Streifen Klebeband an seinen Waffen anbrachte, bevor er sie einsteckte. Unter seiner normalen Kleidung trug Aaren mittlerweile einen Neoprenanzug, der Kälte wie Hitze abhalten würde. Nach kurzer Überlegung hielt er eine der zwei Pistolen Abundius hin, während der Kapitän mit zwei

Funkgeräten zurückkam. ,, Ist das nicht etwas übertrieben ?“ , fragte dieser. ,, Ich bin lediglich gerne vorbereitet.“ , erwiderte Aaren, bevor er von Abundius wissen wollte : ,, Schon mal eine Waffe abgefeuert ?“ , ,, Nein.“ ,, Das wichtigste ist, das sie auf den Rückstoß achten. Das sind keine normalen Pistolen, die sie überall bekommen können, sondern speziell auf mich angefertigt. Und nichts für ungut, aber ich bin doch ein Stück kräftiger als sie. Wenn sie die Waffe nicht richtig gepackt halten… bricht es ihnen beim Abfeuern den Arm, oder Kugelt ihn

zumindest aus.“ ,, Ernsthaft ?“ Er sah unruhig zwischen Aaren und der schweren Pistole in seiner Hand hin und her. ,, Sie sollten es besser nicht herausfinden müssen. Halten sie die Arme einfach grade und spannen sie die Muskeln an, dann sollte alles gut gehen.“ ,, Ich will sie überhaupt nicht benutzen.“ , sagte Abundius, nahm die Waffe dann aber doch. ,, Wird vermutlich auch nicht nötig sein. Hoffe ich.“ Er überprüfte noch einmal die Funkgeräte. ,, Hören sie mich ?“ ,, Laut und deutlich.“ ,, Es gibt vielleicht ein paar Probleme, wenn sie drüben auf der Salmakis sind.“

, meinte der Kapitän , der mit einem großen Aluminiumkoffer zurück kam.. ,, Die Ionosphäre ich weiß.“ ,, Wir versuchen das seit Jahren irgendwie in den Griff zu bekommen.“ Er öffnete den Koffer. Auf einem Schaumstoffpolster lagen vier kleine, quadratische Päckchen mit Platinen, die daran angebracht waren. Aaren nahm eines in die Hand. Es war überraschend schwer. ,, Sprengstoff ?“ , fragte er überrascht. ,, Nanothermitladungen um genau zu sein. Wir verwenden sie für den Bergbau in geringerer Tiefe. Die Zünden sogar unter Wasser und brennen sich durch praktisch alles. Also Vorsicht.

“ ,, Und was sollen wir damit ?“ , wollte Abundius wissen. ,, Die Salmakis verfügt über drei Wasserschotts. Eines am Bug, ein weiteres am Heck und eines in der Mitte, sowie mehrere Wasserdichte Türen auf allen Decks. Wie das Schiff aussieht, gehe ich davon aus, dass sie beim Sturm geschlossen wurden.“ ,, Und ?“ ,, Die lassen sich nicht von Hand öffnen. Sollte es da drüben also keinen Strom mehr geben…“ ,, Ich glaube ich verstehe.“ Er wendete sich zum Gehen. ,, Und… eines noch…“ Der Kapitän hielt

ihn auf. ,, Ja ?“ ,, Wenn sie drüben sind… ich schätze nicht, das er überlebt hat aber…“ Aaren schwieg. ,, Mein Bruder war auf dem Schiff. Wenn sie sich umsehen wäre ich ihnen dankbar… wenn sie ihn finden…“ Aaren zögerte. Bevor er antworten konnte, reagierte Abundius. ,, Sie wollen Gewissheit ?“ Der Kapitän nickte. Aaren dachte nach. Sie hatten keine Zeit, das ganze Schiff nach einer Person abzusuchen. Andererseits… er würde ebenfalls Gewissheit haben wollen. Ohne Gewissheit konnte man nie seinen

Frieden machten. Er fluchte leise in sich hinein. Er schaffte es ja nicht einmal mit. ,, Ich werde sehen, was sich tun lässt, aber versprechen kann ich nichts.“ ,, Sein Name war… ist, David. David O'Neill Und ich bin übrigens Sean.“ ,, Wie gesagt, ich halte die Augen offen, aber mehr kann ich nicht tun.“ , erwiderte Aaren. ,, Ich sollte wieder auf meinen Posten aber… danke.“ Der Kapitän sah einen Moment unschlüssig zwischen Abundius und Aaren hin und her. Wirkte er etwa… Schuldbewusst ? ,, Noch etwas ?“ Er zögerte einen Moment, dann gab er

ihm einen kleinen Aluminium-Streifen min dem einige bläulich schimmernden Kapseln eingeschweißt waren. ,, Was ist das ?“ ,, Die darf ich eigentlich gar nicht weitergeben. Eine von Omnispheres eigenen Entwicklungen. Soweit ich es verstehe, erhöhen sie die Bindefähigkeit von Sauerstoff im Blut. Ein paar Mal tief durchatmen und sie können selbst untrainiert fast zehn Minuten unter Wasser bleiben. Der Rekord liegt sogar bei dreißig.“ Aaren nahm das Geschenk schweigend an sich. ,, Wir sind bald zurück.“ , sagte er.

Kapitel 6 Die Inspektion



,, Lassen sie mich wenigstens jemanden mitschicken.“ , bat Callahan. Sie waren grade dabei, ein kleines Schnellboot zu Wasser zu lassen, das ihn und Abundius zum Wrack der Salmakis bringen würde. Dieser saß bereits Im Boot und überprüfte Instrumente und ihre Ausrüstung. ,, Nein.“ , meinte Aaren nur kurz angebunden. ,, Sie trauen mir nicht.“ , stellte der Gouverneur fest. ,, Wundert sie das ?“ Er wollte über eine

Leiter hinunter ins Boot klettern, aber der Gouverneur hielt ihn auf. ,, Ich bin nicht ihr Feind. Wenn ihr mir doch zuhören könntet.“ ,, Sie sind aber auch kein Freund des Elektorats.“ ,, Das habe ich nie behauptet.“ ,, Dann sind sie gegen die Ordnung und die Regierung die uns Frieden gebracht hat.“ , erklärte Aaren. Der Gouverneur schwieg einen Augenblick, trat jedoch auch nicht Beiseite. ,, Ordnung“, sagte er schließlich, ,,hängt davon ab, wie sie diesen Begriff definieren. Was Ordentlich ist, bestimmt immer eine Regierung. Über Gesetze.

Und das Volk folgt ihnen, solange sie die Gesetze tragen können.“ Er sah einen Moment hinüber zu der Stelle, an der die Salmakis aufgelaufen waren. ,, Vergleichen sie es mit einem Schiff. Solange es einen ruhigen, graden Kurs folg, werde die Leute dem Steuermann vertrauen. Was aber… wenn ein Sturm aufkommt ? Verlassen sie sich immer noch auf den Navigator, obwohl die Wellen höher werden? Oder versuchen sie das Steuer ans ich zu reißen? Und wenn das Ruder völlig außer Kontrolle gerät…“ Callahan zuckte nur die Schultern und sah beinahe traurig hinüber zum Schiffswrack. ,, Was ich

sage will ist… das das, was ihnen so stabil erscheint, außer im Bürgerkrieg noch nie getestet wurde. Und es könnte unter der geringsten Belastung zerbröseln.“ Aaren drängte sich an ihm vorbei und Sprang in das Beiboot, ohne sich noch einmal umzusehen. ,, Los geht’s.“ , meinte er und Abundius ließ den Motor des Boots an. Das Schiff sah aus der Nähe noch schlimmer aus als er befürchtet hatte. Das obere Deck war durch eine Welle praktisch zerschmettert worden. Trümmerstücke ragten aus dem zerstörten Schiff und an einer Seite

hatten etwas, vielleicht die Felsen, den Rumpf auf ganzer Länge aufgerissen, so das Meerwasser eindringen konnte. Der in der Sonne immer noch glitzernde Stahl verlieh dem Wrack etwas Surreales. Es sah zu… neu aus, dachte Aaren. Das gut siebenhundert Meter lange Schiff hatte etwas von einem gestrandeten Seemonster. Etwas, von dem man glaubte, es gehöre ins Reich der Legende, bis es irgendwann aus den Wellen auftauchte. ,, Beeindruckend.“ , flüsterte Abundius neben ihm. Er ließ das Boot langsamer werden und drehte bei. An einer Stelle war die Reling heruntergebrochen und

bildete zusammen mit einigen Trümmern, eine wackelige Landebrücke. Das Wasser schien vor dem Wrack deutlich tiefer zu sein, als dahinter. ,, Ein unterseeische Schlucht.“ , stellte Aaren fest. Und das Schiff befand sich direkt an der Kante dazu. Jetzt verstand er auch, wieso der Kapitän sofort reagiert hatte. Etwas näher an die Insel heran und sie wären Gefahr gelaufen, selbst zu Stranden. Er sah kurz zurück zu der Stelle, wo die zwei Schiffe zurück geblieben waren, während das Schnellboot endlich zum Stehen kam und nur noch sanft auf den Wellen hin und her schaukelte.

Eine Weile besah er sich die zweifelhafte Konstruktion aus Trümmern, die herauf aufs Deck führte. ,, Sind sie sicher das hält ?“ , fragte Abundius. ,, Es gibt nur einen Weg das herauszufinden.“ Vorsichtig setzte er einen Fuß darauf. Das Metall ächzte unter der Belastung hielt aber. Ein weiterer Schritt. Unter ihm schimmerte das Wasser bläulich durch eine Lücke im Stahl. ,, Scheint zu halten.“ , rief er Abundius zu. Einen Fuß vor den anderen setzend erreichte er schließlich das Schiffsdeck.

Oder was davon übrig war. Während Abundius seinerseits den Steg heraufbalancierte, besah Aaren sich den Schaden. Das komplette obere Deck war praktisch eine Ebene tiefer gedrückt worden. Ein mindestens drei Meter tiefes Loch klaffte mitten im Schiff. Unter sich konnte er klar auf das nächste Deck hinab sehen. Einige der Trennwände der einzelnen Räume standen noch. Aaren hangelte sich am Rand des kleinen Abgrunds entlang, bis er zu etwas erhöht liegenden Schiffsbrücke kam. Diese war erstaunlicherweise fast unbeschädigt. Lediglich die Fenster waren zersplittert und nach innen gedrückt worden. Und auf dem Boden dahinter lag die zerfetzte

Leiche des Steuermannes. Ungerührt stieg Aaren über den Toten hinweg, nachdem er sich das Namensschild auf der Brust angesehen hatte. Kein David. ,, Hier oben ist alles zerstört.“ , stellte er enttäuscht fest ,, Wäre ich mir nicht so sicher.“ , erwiderte Abundius. Er hatte sich der Instrumententafel an der Rückwand des Raums zugewandt. ,, Die Systeme sind zwar alle tot…“ Er entfernte eine kleine Abdeckplatte mit dem Fingernagel. Dahinter verlier ein Gewirr aus Kabeln. ,, Aber noch intakt. Nur der Strom fehlt.“ ,, Was nützt uns das ?“ ,,

Na ja, wenn wir die Energie wiederherstellen, kann ich das Schiffs-Log einsehen.“ ,, Und der Schiffsgenerator ? ,, Ist vermutlich im Maschinenraum.“ , stellte Abundius fest. ,, Da könnte es auch einen Hilfskontrollraum geben und wir können den Rest des Schiffs wieder online bringen, falls wir müssen.“ ,, Woher wissen sie so viel über Schiffe ?“ ,, Sie haben meine Empfehlungsschreiben nicht wirklich gelesen oder ?“ ,, Nein.“ gestand er. ,, Zwei Jahre Maschinenbau studiert. Daneben Ingenieurwesen. Und… noch

ein paar andere nützliche Kleinigkeiten. “ ,, Kleinigkeiten ?“ Abundius nickte nur. ,, Also müssen wir unter Deck. Ich hoffe, da steht nicht alles unter Wasser.“ , meinte Aaren ,, Nicht wenn die Schotten wirklich dicht sind.“ ,, Erinnern sie mich nicht daran. Das Schiff hängt praktisch an einer Klippe. Da würde ich nur ungern eine Sprengladung zünden.“ ,, Thermit.“ , berichtigte Abundius ihn. ,, Das explodiert nicht, sondern brennt nur.“ ,, Na wenigstens eine gute

Nachricht.“ Die nächste halbe Stunde verbrachten sie damit, einen Weg ins Innere des Schiffs zu suchen, bis Abundius es schließlich wagte über einige wacklig aufgestapelte Trümmer nach unten zu klettern. Einen Moment sah es so aus, als würde der Schuttberg unter ihm wegrutschen, dann jedoch fing er sich wieder und gelange schließlich auf das offen liegende erste Deck. Gewarnt stieg Aaren vorsichtig über die Trümmertreppe, bis er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Erleichtert amtete er aus, bis er auf etwas Weiches trat. Sofort sprang er zurück. Eine Hand ragte unter dem

Schutt heraus. Noch ein Toter. Langsam gingen sie weiter. Diffuses Licht viel durch die Lücken in der Decke und machte es schwer, etwas in den Schatten zu erkennen. Abundius hatte die Pistole, die Aaren ihm gegeben hatte aus dem Halfter gezogen und die daran befestigte Taschenlampe eingeschaltet. ,, Nicht verlieren.“ , meinte Aaren. ,, Keine Sorge, ich passe auf.“ Sie gingen weiter in den größtenteils unbeschädigten Teil des Decks. Wasser hatte sich auf dem Boden gesammelt und stand ihnen bald bis zu den Knöcheln. Und dann kam, was Aaren schon befürchtet hatte. Vor ihnen wurde der Gang durch ein massives Stahlschott

blockiert. Abundius besah sich eine kleine Bedientafle neben der Tür, schüttelte dann aber den Kopf. ,, Ohne Strom, genau wie der Rest des Schiffs.“ ,, Hätte mich auch gewundert. Dann eben auf die harte Tour.“ Aaren nahm eine der Thermitpäckchen aus der Tasche. Die selbstklebende Oberfläche blieb am Stahl des Wasserschotts haften. ,, Wissen wir ob dahinter nicht alles unter Wasser steht ?“ , fragte Abundius. ,, Wissen wir nicht.“ , erwiderte Aaren, als er den Zünder einstellte und sie ein paar Schritte zurück traten. Das Thermit begann erst zu rauchen, bis sich schließlich eine weißliche Flamme

entzündete, die schnell so hell wurde, das Aaren noch Minuten später Nachbilder sah. Das Metall begann praktisch augenblicklich zu schmelzen und nach wenigen Sekunden hatte sich bereits eine Lücke in den Stahl gefressen, die groß genug war, um hindurch zu gelangen. Dahinter lag alles im Dunkeln. Aaren schwenkte die Taschenlampe hin und her, um sich einen Überblick zu verschaffen, während Abundius versuchte durch die Lücke zu gelangen, ohne sich an den noch rot glühenden Rändern zu verbrennen. Er selbst hatte damit wenige Probleme gehabt, auch wenn der rechte Ärmel seiner Jacke kurz

Feuer gefangen hatte. Der Geruch von verbrannter Kunstfaser erfüllte immer noch die Luft. Die Sektion, die sie betraten schien größtenteils noch intakt zu sein. Und lag überraschenderweise trocken. ,, Wie weit ist es zum Maschinenraum ?“ , wollte Aaren wissen. ,, Ich vermute mal, der ist auf einem der unteren Decks. Es gibt hier bestimmt irgendwo eine Treppe.“ Sie folgten einem langen Flur, von dem mehrere Türen abzweigten. Aaren stieß jede davon auf und sah sich in den Räumen um. Größtenteils handelte es sich um Mannschaftsquartiere, die allerdings allesamt verlassen waren. Daneben gab

es eine Dusche und eine Wäscherei. Als er die letzte Tür öffnete, stürzte ihm eine Flut Wasser entgegen und warf ihn von den Beinen. Prustend richtete er sich wieder auf, als sich das Wasser im Gang verteilte. Durch einen Riss in der Außenwand des Raums hinter der Tür schimmerte Sonnenlicht. Und ein weiterer ertrunkener Matrose lag auf dem Boden, wohl vom Wasser dorthin getragen. Aaren überprüfte das Namensschild. David O'Neill . ,, Ich schätze, wir haben unseren Mann.“ , stellte er fest. Sie konnten sich schlecht mit der Leiche abmühen aber… Aaren nahm sich kurz Zeit, dem toten

die Augen zu schließen. Später würde jemand kommen müssen, um die Toten zu bergen. Er wollte sich nicht vorstellen, was hier los gewesen sein mochte, als die Wellen das Schiff langsam in Stücke rissen. Das Zimmer war vermutlich vollkommen überflutet worden. Die Haut des Mannes war eiskalt und Bleich. Bleich und kalt wie…. Er tastete nach seinen Mentalblockern und fand sie nicht. Er hatte sie auf dem Schiff gelassen. Aaren musste kurz an Callahans Worte denken. Wenn die Wellen höher wurden…. Hatte hier jemand versucht, das Steuer ans ich zu reißen? Oder waren

alle zu verängstigt gewesen und hatten auf das Ende gewartet. Vielleicht hatten einige auch versucht, mit einem Rettungsboot wegzukommen. Das würde die bisher wenigen gefundenen Toten erklären. Schwankend stand Aaren wieder auf. ,, Ich bin überrascht.“ , meinte Abundius, als er wieder auf den Gang hinaus trat. ,, Was ?“ , wollte Aaren wissen. ,, Das sie sich um die Toten kümmern. “ ,, Wieso sollte ich das nicht ?“ ,, Ich weiß nicht…“ Er schwieg einen Moment. ,, Haben sie schon einmal töten müssen ?“ ,, Ein paar mal.“

,, Das Elektorat lehnt den Glauben an ein Leben nach dem Tod ab. Wie rechtfertigen sie das dann… das sie einen Unschuldigen töten könnten?“ ,, Das Elektorat verbietet den Leuten aber nicht, an etwas zu glauben.“ , erwiderte er. Aber sie förderten es auch nicht. Die Gesellschaft an sich. Das war es, was für das Elektorat zählte. Und solange die Gesellschaft lebte, würde niemand je wirklich sterben, den er war als Zahnrad in der Gemeinschaft geboren. Wie klein und unbedeutend es sein mochte, es war Teil des Ganzen und als solches für immer in der Gesellschaft verankert.

,, Aber nein. Ich denke nicht, dass sie irgendwie… weiterleben. Zumindest nicht wirklich. Nichts desto trotz, brauche ich mich deshalb nicht respektlos verhalten.“ Seine eigenen Worte kamen ihm hohl vor. Aaren verfluchte sich kurz selbst, bevor er sagte. ,, Gehen wir weiter.“ ,, Sie haben meine Frage schon wieder nicht beantwortet.“ ,, Nein. Und ich muss mich vor ihnen auch nicht rechtfertigen, ich dachte das hatten wir schon.“ Sie erreichten das Ende des Gangs. Eine Treppe führte hinab in die Tiefe. An ihrem Fuß schimmerte Wasser im Licht

der Taschenlampen. Aaren hoffte, das der Maschinenraum nicht auch unter Wasser stand. Ansonsten wäre ihr ganzer Plan umsonst und sie müssten einen Generator von einem der Schiffe holen, mit denen sie hergekommen waren. Einen Fuß vor den anderen setzend um im Dunkeln nicht zu stürzen machten sie sich auf den Weg nach unten. Ein dünner Film aus Algen bedeckte bereits die Stufen und machte jeden Schritt zu einem Risiko. Sie passierten mehrere Flure, die mit Schildern markiert waren. Quartiere, Ausrüstung, Messe, Forschung... Abundius blieb stehen. ,, Was ist ?“ , wollte Aaren wissen, als

er merkte, das Abundius ihm nicht mehr folgte. ,, Nichts… ich will mich nur kurz umsehen.“ ,, Dafür ist ja jetzt wohl wirklich…“ Aber der Mann hörte nicht auf ihn, sondern verschwand im Gang. Aaren fluchte und rannte die Treppe wieder hinauf.

Kapitel 7 Wassereinbruch

,, Sehen sie hier ist nichts.“ Das Labordeck bestand größtenteils aus endlosen Reihen von Lagertanks, darin Pflanzen und Fische. Die meisten waren tot. Mehrere Tage ohne Strom hatten die Tanks wohl nicht verkraftet. Irgendwie war es unheimlich zwischen den stummen, wassergefüllten Glassäulen hindurchzuwandern. Als würde man durch einen seltsamen, durchscheinenden Wald laufen. Dazwischen gab es mehrmals ein Büro oder Labor, aber ohne Strom funktionierte auch dort nichts. Einige Aktenordner lagen

verstreut auf dem Boden. Aaren hielt an und sah einige davon durch, fand aber nichts Interessantes. Größtenteils handelte es sich um Protokolle über Fänge und Fangzeiten neuer Arten, teilweise auch mit einer kurzen Beschreibung. Daneben gab es endlose Notizen über eventuelle Wirkungen von Pflanzenstoffen und im hintersten Winkel eines der Labore fand er auch ein, seltsamer Weis unbeschädigtes, Reagenzglas mit der rot-schwarzen Substanz, die Eleanor ihnen gezeigt hatte. Er ließ es stehen. Wenn der Gouverneur später Suchmannschaften schickte, wäre besser noch alles dort wo es

hingehörte. ,, Jackpot.“ , hörte er Abundius weiter vorne rufen und lief zu der Stimme. Der Mann stand vor einer großen Metalltür. ,, Was ist das ?“ ,, Der Hilfskontrollraum. Ich wusste, das der hier irgendwo ist.“ ,, Das hätten sie mir auch einfach sagen können.“ ,, Hätte ich.“ , erwiderte Abundius, der den Boden nach etwas abzusuchen schien. ,, Aber ich bin überrascht, das die Tür so gesichert ist. Vielleicht ist da noch irgendwas hinter… ,, Also nochmal die Tür schmelzen ?“ , wollte Aaren wissen und unterbrach ihn. ,, Ist nicht nötig, sobald wir wieder

Strom haben, sollte die Tür auch aufgehen.“ ,, Dann müssen wir aber…“ ,, Gefunden.“ Der Mann hockte sich hin und schob dort eine der großen Metallplatten beiseite, die den Boden bildeten. Darunter führte ein Schacht mit einer Leiter in die tiefe. ,, Ein Wartungstunnel. Sollte direkt zum Maschinenraum führen.“ ,, Woher haben sie gewusst, das der da ist ?“ ,, Ist so Vorschrift. Es muss möglich sein, den Maschinenraum auch zu erreichen, wenn die Türen blockiert sind. Meist eben über einen Schacht. Es ist nur günstig, das gleich mit dem

Hilfskontrollraum zu verbinden.“ , erklärte Abundius, während er die Leiter hinunterstieg. Aaren hörte, wie er von der Leiter sprang und im Wasser landete. ,, Soviel dazu, das die Wasserschotten halten.“ , rief er. ,, Wie schlimm ist es ?“ ,, Nicht so schlimm wie ich befürchtet habe.“ Metall schlug auf Metall. ,, Gut, die Tanks sind voll. Am Treibstoff liegt es also nicht.“ Aaren kletterte nun selbst hinunter. ,, Und die Generatoren ?“ , fragte er. Das Wasser stand hier knietief. Mehrere Rohre liefen unter der Decke entlang und halb im Wasser versunken standen

mehrere große Generatorturbinen. ,, Und sie sind sicher, die funktionieren noch ?“ , fragte er, während er durchs Wasser watete. ,, Das habe ich nicht gesagt.“ , entgegnete Abundius. Etwas schwamm an seinem Bein vorbei. Sicher nur ein Fisch, dachte Aaren bei sich. Aber ein verdammt großer… Unruhig geworden ließ er den Lichtstrahl der Taschenlampe über die trübe Wasserfläche wandern. Da… ,, Stimmt etwas nicht ?“ , fragte Abunidus, der sich vom Generator abgewandt hatte. ,, Ruhe.“

Etwas bewegte sich… Ein Schuh tauchte aus dem Wasser auf. Mit einem ungläubigen Kopfschütteln drehte Aaren sich um. ,, Ich denke mal nicht das….“ Etwas riss ihn von den Füßen, Er fiel ins Wasser, geriet mit dem Kopf unter die Oberfläche… Ein Schuss hallte, der sich unter Wasser merkwürdig leise anhörte. Was immer ihn gestoßen hatte verschwand und er konnte wieder auftauchen. ,, Was zur Hölle war das ?“ , fragte er nach Luft schnappend. Wie zur Antwort zeigte Abundius, die

Pistole ständig darauf gerichtet, auf etwas, das jetzt auf dem Wasser trieb. Aaren versetzte dem Ding einen Tritt um sicherzustellen, dass es wirklich tot war. Es besaß einen flachen Körperbau, flügelartige Flossen und vier Augenpaare. Statt Schuppen bedeckten graue Federn den Fisch. Zumindest, dachte Aaren kam es einem Fisch bis auf die Federn recht nah. ,, Erinnert irgendwie etwas an einen Rochen.“ ,, Nur das Rochen einen nicht an die Kehle springen.“ ,, War vielleicht nur verängstigt. Bei Wassermangel geraten die meisten Meerestiere in Panik und werden

Aggressiv.“ ,, Auf der Erde.“ , erinnerte ihn Aaren ,, Und hier wohl auch.“ Abundius wendete sich wieder seiner Aufgabe zu. ,, Ich frage mich… vielleicht gab es hier tatsächlich mal Vögel. Vielleicht stand das Wasser mal niedriger und na ja, die Vögel passten sich eben ans Wasser an.“ , überlegte Abundius. ,,Das ist jetzt unwichtig.“ , sagte Aaren Wie sieht’s mit den Generatoren aus ?“ ,, Treibstoff ist, wie erwähnt, noch da. Eigentlich muss ich die Turbinen nur wieder anwerfen.“ ,, Aber ?“ ,, Wir stehen im Wasser. Und die Dinger produzieren Strom. Schauen sie mal, ob

es irgendwo ein Druckventil gibt. Durch den erhöhten Luftdruck würde sich das Wasser aus dem Raum ins Meer zurück drängen lassen. Das wird zwar etwas unangenehm auf den Ohren, aber besser als ein Stromschlag ist es allemal.“ Aaren nickte und machte sich auf die Suche. Er ließ das Licht der Taschenlampe über die verschiedenen Armaturen und Anzeigen wandern, ohne etwas zu finden. Vor ihm führt ein Gang zurück zur Treppe, die sie am Forschungsdeck verlassen hatten Schließlich jedoch entdeckte er das gesuchte Ventil an einer der zahlreichen Deckenleitungen. ,, Ist es das ?“ , rief er zu Abundius

zurück. Das grüne Metallrad war nicht beschriftet. ,, Sollte es zumindest. Drehen sies auf.“ Das Rad ließ sich anfangs kaum bewegen, dann jedoch löste sich das Gewinde und von irgendwoher hörte Aaren ein unangenehmes Zischen. Auf seinen Ohren baute sich Druck auf, während der Wasserspiegel tatsächlich langsam zu sinken begann. ,, Sagen sie mal… trauen sie Callahan eigentlich ?“ Abundius versuchte den Generator zu starten, dieser würgte jedoch sofort wieder ab. ,, Wieso fragen sie ?“ Das Wasser war mittlerweile nur noch

knöchelhoch. ,, Vergessen sies einfach.“ Abundius unternahm einen weiteren Versuch. Kurz stotterte die Maschine noch, dann begann die Turbine sich zu drehen und eine Reihe von Lichtern sprang flackernd an. ,, Und wir sind wieder im Geschäft.“ , sagte er. Wenig später standen sie wieder vor der Tür zum Hilfskontrollraum. Diesmal jedoch nicht im Halbdunkeln ihrer Taschenlampen. Der Strom auf der gesamten Ebene schien wieder zu funktionieren. Die endlos erscheinenden Reihen aus Glasbehältern waren nun hell erleuchtet

und auch die meisten Laborgeräte liefen wieder. Am wichtigsten aber, war immer noch die Türsteuerung des Raums vor ihnen. ,, Jetzt wird’s spannend.“ , meinte Abundius, als er das Kontrollfeld berührte. Im nächsten Moment sprang die Tür auf. Eine Reihe von Konsolen und Rechner standen in einem Würfelförmigen Raum. Eine Tür und ein Sichtfenster führten von dort aus weiter. Abundius setzte sich vor einen der Computer und sah die Schiffs-Logs durch. ,, Das ist interessant“ , bemerkte er. ,, Wenn ich das richtig verstehe… waren

ihr Kommissar, dieser Thomas und Callahan zeitgleich auf diesem Schiff. Der Mann schuldet uns eine Erklärung.“ Aaren hatte derweil einen Blick durch das Sichtfenster in den nächsten Raum geworfen. ,, Das glaube ich allerdings auch.“ , flüsterte er. ,, Wie meinen…“ Abundius hatte sich umgedreht und sah nun auch, was er sah. ,, Mein Gott…“ ,,Wie gesagt… Callahan hat einiges zu erklären….“ Gouverneur Callahan ging auf dem Deck der Anguana, einem der zwei Schiffe,

die sie hergebracht hatten, auf und ab. Natürlich wäre auf auch ein Transport per Landungsschiff möglich gewesen, aber die Ionosphäre des Planeten machte neben Funkverkehr auch Navigation oftmals schwierig. Ein Schiff, dem auf dem Meer der Treibstoff ausging, konnte immer noch treiben. Ein Landungsshuttle jedoch würd unweigerlich ins Meer stürzen. Das jedoch war es nicht, was dem Gouverneur Sorgen machte. Nein ich beschäftigte die simple Gelegenheit, die ihm sich hier bot. Noch wussten weder der Kommissar noch der andere Mann etwas. Sie vermuteten lediglich, dass etwas nicht in Ordnung war, doch keiner

der beiden hatte bisher auch nur die geringste Vorstellung um was es hier ging.. Aber… er zögerte. Ein Gewissen überlegte er. Würden sie es vielleicht verstehen? Ackland hatte nichts Verstanden. Und nur eine Bedrohung des Elektorats gesehen. Aber selbst ihn hatte er nur ungern getötet. Und jetzt zwei weitere Leben… Eines davon doch, vielversprechend. Und selbst der Kommissar, dieser Terrel… Er schüttelte den Kopf. Manchmal waren Opfer erforderlich. Callahan sah sich auf dem Deck um. Kapitän O'Neill stand ein paar Schritte von ihm entfernt und beobachtete durch ein Fernglas das Wrack der Salmakis.

Das Wasser war ruhig und wenn die Meteorologische Station des Hive Recht hatte könnte sich das gute Wetter sogar noch mehrere Wochen halten. ,, Ich möchte nicht, das Leute sterben.“ , flüsterte er zu sich selbst, aber der Kapitän hatte es trotzdem gehört. ,, Wer will das schon.“ , meinte er. ,, Sie wissen, das ihr Brudermit Sicherheit tot ist ?“ ,, Ich hätte mich trotzdem gerne verabschiedet.“ ,, Geben sie mir die Schuld ?“ ,, Sie haben die Salmakis nicht zurück beordert, trotz des Sturms.“ Es war eine simple Feststellung, keine Anschuldigung. Vielleicht hätte O'Neill

es Verstanden. ,, Manchmal tut es weh, das richtige zu tun.“ ,, Wie meinen sie das ?“ Callahan verschränkte die Arme hinter dem Rücken und sah erneut zurück zum Wrack. Die Abendsonne spiegelte sich auf den Metallflächen und die Helligkeit stach ihm in die Augen. ,, Geben sie Befehl, das Feuer auf die Salmakis zu eröffnen.“ , sagte er schließlich. ,, Wie bitte ?“ ,, Das war ein Befehl.“ , entgegnete Callahan. Der Kapitän musterte den Mann. Er schien sich in den letzten Sekunden verändert zu haben. Das war nicht mehr der vielleicht etwas

überforderte Omnisphere-Gouverneur. ,, Den verweigere ich.“ ,, Sicher ?“ Ein Boot löste sich vom zweiten Begleitschiff. Rufe drangen heran. Aber sie klangen irgendwie falsch. Mehr wie Schreie… Seans Verstand blendete die Geräusche aus ,, Ganz sicher.“ , erwiderte ,, Warten sie ab und sehen sie zu.“ ,, Zusehen….“ Der Kapitän sah auf, als das Geräusch der Bootsmotoren lauter wurde und es beidrehte. Drei Männer saßen an Bord. Alle drei trugen dunkle schwarze Mäntel. Zwei trugen dazu noch Sturmmasken. Nur der dritte nicht. Dessen Gesichtszüge wurden durch eine Schirmmütze verborgen. Bevor der

Kapitän die Situation erfassen konnte, zog er sich auch schon an Bord. ,, Was geht hier vor ?“ rief Sean. Der Fremde mit der Schirmmütze verpasste ihm lediglich einen Schlag vor den Kopf. Er taumelte einige Schritte rückwärts, während sich sein Sichtfeld verengte. Das letzte, was der Kapitän mitbekam war, wie nicht etwa die Salmakis von geschossen getroffen wurde, sondern das Begleitschiff hinter der Anguana explodierte. Dann setzte ihm der Fremde eine Pistole an den Kopf und drückte ab. ,, War das wirklich nötig ?“ , reif Callahan und sprang zurück. ,, Sie waren nicht mehr zurückzuhalten.“

, meinte sein Gegenüber mit der Schirmmütze. Er dachte wohl, er meine das zerstörte Schiff. Die anderen beiden Insassen des Boots begannen derweil die Matrosen auf dem Deck zusammenzutreiben. Der Gouverneur schüttelte den Kopf. ,, Das meine ich nicht. Sie haben den Mann einfach getötet.“ Callahan schüttelte den Kopf. ,, Ich verstehe nicht…“ ,, Er war keine Bedrohung. Das einzige Problem stellt der verdammte Kommissar dar. Wir dürfen nicht riskieren, das er etwas findet.“ ,,Finden ?.“ ,, Die Salmakis hatte noch… Ladung.

Deshalb ist Ackland uns ja erst auf die Spur gekommen.“ ,, Sollten wir die dann nicht bergen ?“ Callahan schüttelte den Kopf,, Vermutlich ohnehin tot. Eins mehr oder weniger.“ Er sah ein letztes Mal zurück zur Salmakis. ,, Schickt sie endgültig auf den Meeresgrund. Dann… räumt hier auf. Noch brauche ich Zeit. Wenn das Elektorat wirklich noch einen Kommissar schickt, fangt ihn ab, wenn ihr könnt.“ ,, Zeit wofür ?“ ,, Ich kehre zum Hive zurück.“ , erwiderte Callahan ohne die Frage zu beantworten. Mit diesen Worten wendete er sich ab.

Sekunden später eröffneten die Geschütze der Anguana das Feuer auf das Wrack. Ein Treffer brachte das beschädigte Schiff ins Wanken, als es von der Felskante zu rutschen begann. ,, Das solle genügen.“ Die Sonne ging grade über dem versinkenden Schiff unter, als sich die Anguana langsam entfernte.

Kapitel 8 Schiffbrüchig



Aaren und Abundius standen einfach nur eine Weile stumm vor dem Durchgang zum Nebenraum. Keiner sagte etwas. Die schwache Beleuchtung des Raums erhellte ihre Gesichter und lediglich das Summen der Schiffsgeneratoren unterbrach die Stille. ,, Hat er deshalb solche Angst gehabt, das wir uns hier umsehen ?“ , fragte Abundius, als er seine Sprache wiederfand. ,, Der Stromausfall muss es fast getötet

haben.“ , murmelte Aaren, während er einen Schritt in den Raum hineintrat. Das Innere wurde zur Hälfte von einem großen Wassertank, ähnlich denen weiter vorne auf dem Labordeck, eingenommen. Das Becken hier allerdings war nur notdürftig beleuchtet. Schwebeteilchen trieben durch die Lichtstrahlen und etwas Großes schwebe im Halbdunkeln im Wasser. Das erste was Aaren auffiel waren die halb geschlossenen goldenen Augen. Sie wirkten beinahe teilnahmslos, folgten aber kaum merklich jeder seiner Bewegungen. Es stellte sich schlafend oder tot, wie ihm langsam klar wurde. Aaren weigerte sich darüber

nachzudenken, was das bedeuten konnte. Trotz aller Fremdartigkeit wirkte es erstaunlich Humanoid. Und war ganz offenbar Intelligent… Der Kopf selbst war mit kaum sichtbaren silbrigen Schuppen besetzt und besaß eine ovale Form. Haare trieben in einem wirren Kreis um den Kopf, bei denen es sich aber auch nur um eine optische Täuschung handeln konnte. Und es besaß deutlich sichtbare Kiemen am Hals. Zwischen den sieben Fingern, die letzten zwei bestanden hierbei lediglich aus kleinen Knochenkanten, befanden sich durchscheinende Schwimmhäute. Das gleiche mit den Füßen.

Der Körper war schlank. Die unwirtlich wirkenden Haare fielen fast wie Kleidung über die Brust. Geschlechtsmerkmale gab es ansonsten keine, auch wenn die Form auf ihn definitiv weiblich wirkte. Vielleicht interpretierte er auch nur zu viel. Etwas, das auf ihn wie eine Große Flosse wirkte, spannte sich wie ein Schemen um das Wesen im Tank. Plötzlich öffnete es die Augen musterte ihn mit der Geduld eines Raubtiers, das sich die Haare in seinem Nacken aufstellten. Hinter den blassen Lippen verbargen sich kleine, aber spitz zulaufende Zähne.

Das Ding war definitiv bösartig. Er schüttelte sofort den Kopf bei dem Gedanken. Nichts war einfach so böse. Die Mentalblocker fehlen wirklich. Narben verunstalteten die Arme und Aaren warf einen beunruhigten Blick zu der Reihen von Reagenzgläsern, die auf einem Tisch gestanden hatten, bevor sie der Sturm umgeworfen hatte. Scherben lagen über die Arbeitsplatte neben dem Wassertank verteilt. Schwarz Rote Flüssigkeit war darüber gelaufen und dort geronnen .Das war Blut, wie ihm klar wurde. Und in Zusammenhang mit den Narben des Wesens… ,, Ein Tier ? Bitte sagen sie mir, dass

das nur ein Tier ist.“ Aarens eigene Stimme klang einen Moment ungewohnt für seine eigenen Ohren. Panisch. Er hatte mit allem gerechnet. Nur ganz sicher nicht mit dem, was er nun tatsächlich gefunden hatte. Abundius sah dem Wesen lange in die Augen. Furcht blitze plötzlich darin auf, ersetzte die Wut. Dann verschwand es im trüben Dunkel des Wassers . ,, Das bezweifle ich.“ , meinte er schließlich düster. ,, Deshalb hatte er solche Panik ? Ich meine das ist…“ Vielleicht nicht unbedingt das, was er als ethisch richtig ansah, aber wie Aaren klar wurde, kein Grund für das Elektorat gegen den

Gouverneur vorzugehen. Es gab hierfür soweit er wusste nicht einmal Gesetze… Er würde sich später darüber Gedanken machen. ,, Callahan wird mir einige Fragen beantworten.“ , meinte Abundius und griff nach seinem Funkgerät. Zum ersten Mal schien er wütend. Aaren wusste nicht, wie er reagieren sollte. Er wünschte wirklich, er hätte die Mentalblocker dabei. Dann wäre alles einfacher und er könnte klarer Denken. So aber blieben ihm nur die Tabletten, die ihm der Kapitän gegeben hatte. ,, Kein Signal.“ , stellte Abundius wütend fest und kickte das Gerät in eine

Ecke. ,,Was immer es ist, es hat sich bestimmt nicht einfach so fangen lassen.“ , meinte Aaren. Die erhöhte Unfallrate bei den Arbeitern… ein Paar Puzzleteile fielen an ihren Platz. Auch wenn er bezweifelte, dass die Männer von Omnisphere alle gewusst hatten was sie taten. ,, Das ist doch jetzt nebensächlich…Das ist einfach nur krank“. Ein funkeln erhellte Abundius Augen. ,, Wusste das Elektorat hiervon ?“ , seine Stimme war gefährlich leise. ,, Was ?“ ,, Stellen sie sich nicht dumm. Wusste das Elektorat, was hier vor sich

geht?“ ,, Das ist Blödsinn. Sie lassen zu, das ihre Wut ihr Urteilsvermögen trübt.“ ,, Ach ja ? Wissen sie was, das ist mir Scheißegal. Wissen sie was ich glaube? Ein bisschen weniger Vernunft würde ihnen ganz gut tun. Ihre verdammten Mentalblocker erfüllen doch nur die Aufgabe, sie emotionslos zu machen, weil sie es sonst nicht ertragen könnten. Wenn hier jemand verblendet ist, dann sind sie das. Sie und das ganze verdammte Elektorat.“ Das reichte Aaren. Er wusste nicht, ob es an der seltsamen Situation lag, den Entzug der Mentalblocker oder aus seiner Angestauten Abneigung gegen den Mann.

Vielleicht eine Mischung aus allen drei. Aber er schlug ihn. Der Hieb traf Abundius unvorbereitet und fegte ihn fast von den Beinen. Langsam richtete er sich wieder auf. Der Mann spuckte Blut. ,, Ist das alles, was ihnen bleibt ?“ , fragte er die Lippen zu einem grausigen Lächeln verzerrt. ,, Vorsicht.“ , meinte Aaren. Fast ohne es zu merken hatte er die Pistole gezogen und zielte auf Abundius. ,, Was wollen sie machen ? Mich erschießen? Nur zu!“ Eine Bewegung zu seiner rechten zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Die zerbrechlich wirkende Gestalt hinter dem

Glas schien sie zu beobachten. Nein… beobachtete sie garantiert, berichtigte er sich selbst. Aber diesmal weder mit Hass oder Angst… sondern mit verstohlener Neugier. Ihm wurde schlecht, als er diese Art der Neugier erkannte. Es war dieselbe, die die Leute immer zusammentrieb, wenn ein Kommissar ein Todesurteil vollstreckte. Seine Hand begann leicht zu zittern. Was zur Hölle dachte er sich dabei? Unwirtlich langsam ließ Aaren die Waffe sinken. ,, Reißen sie sich zusammen.“ , sagte er und wusste nicht, ob er sich selbst oder Abundius meinte. ,, Sie sind ein verdammter…“ In diesem Moment ging eine

Erschütterung durch das Schiff, die beide von den Füßen riss. Die Welt schien zur Seite zu kippen und von irgendwo her kam das Geräusch zerreißenden Metalls. Wasser, das durch die Tür in den Raum strömte, schlug Aaren entgegen, als er sich wieder auf die Füße kämpfte. Er schluckte und schmeckte Salz. Eine weitere Erschütterung brachte ihn beinahe erneut zu Fall. Explosionen, stellte sein verwirrter Verstand fest. Sie wurden beschossen. Es überlief ihm Eiskalt. Gouverneur Callahan ging offenbar kein Risiko ein… Aber irgendetwas stimmte ganz und gar

nicht. ,, Was war das ?“ , rief Abundius über das Rauschen des Wassers hinweg. Langsam wurde Aaren klar, was ihn störte. Der gesamte Raum lag Schief. Und das bedeutete… Ein weiterer Ruck. Der Raum geriet noch weiter in Schräglage. Er stand nun halb auf der Wand, um das Gleichgewicht noch zu halten. ,, Das Schiff rutscht ab.“ , rief er. ,,Wir müssen hier raus.“ ,, Was ist damit ?“ , reif Abundius und deutete auf den Tank. Aaren zögerte und blieb stehen. ,, Dafür haben wir jetzt wirklich keine Zeit. Nebenbei bemerkt wissen wir nicht,

ob und das Ding nicht auffrisst.“ ,,Ernsthaft ?“ ,, Ach verdammt...“ Er winkte ab. Der Wasserspiegel stieg beunruhigend schnell und wenn das Schiff noch mehr in Schieflage geriet würde es sie einfach mit in die Tiefe reißen. ,, Es gibt bestimmt eine Möglichkeit den Tank zu öffnen.“ ,, Und ob.“ , erwiderte Aaren und hob die Waffe. Das Wasser im Raum war bereits knietief und wenn er das Glas zerschoss… ,, Sie wissen, dass der Raum dann vollkommen unter Wasser steht ?“ , fragte er Abundius. ,, Ich war noch nie ein guter Schwimmer.“ , erwiderte

er. ,, Dann lernen sie besser schnell oder ertrinken.“ Er zog die Tabletten aus seiner Tasche und warf sie dem Mann zu. ,, Hier. Also, bereit?“ , fragte er während er auf die Glasscheibe anlegte. ,, Was kümmert sie das ?“ Ein weiterer Ruck der das Wrack zum Schwanken brachte und dafür sorgte, dass nur mehr Wasser eindrang. Er antwortete nicht sondern drückte lediglich den Abzug der Waffe dreimal durch. Das Glas hielt der ersten und auch der zweiten Kugel stand, auch wenn sie es durchschlugen, die dritte lies es jedoch in dutzende von scharfkantigen Scherben zerbersten, die sofort vom

Wasser mitgerissen wurden. Aaren warf sich zur Seite, bevor die Flutwelle mit den Glasklingen ihn erfassen konnte. Es gelang ihm jedoch nicht ganz. Ein Splitter erwischte ihn am Bein und Schnitt die Wade auf voller Länge auf. Aaren unterdrückte einen Schmerzensschrei und kämpfte sich wieder an die Wasseroberfläche. Wo war das Wesen aus dem Tank? Ein silbriges Schemen im Wasser. Er streckte eine Hand in die Richtung aus, was damit quittiert wurde, das es danach Schnappte. Ein Kopf tauchte einen Moment aus dem Wasser auf. Goldenen Augen musterten sie einen Moment und verschwanden dann wieder. ,,Nur

raus hier“ , rief Aaren Abundius zu, bevor das Wasser über ihnen zusammenschlug. Sie hatten zu lange gewartet, wie ihm klar wurde. Er suchte im trüben Wasser nach der Tür. Sich im Wasser auflösende Papiere trieben umher. Die Lampen an der Deck brannten wenige Sekunden später durch, als das Salzwasser sie ebenfalls erreichte. Bis auf das schwache Licht der Taschenlampe war nun endgültig alles dunkel. Jemand zog ihn an der Schulter. Abundius. Er deutete grob in eine Richtung. Das Schiff schien sich erneut zu bewegen. Aaren schwamm los, in dem Wissen, das

ihnen im besten Fall wenige Minuten blieben, bis das Schiff endgültig im Abgrund verschwand. Und da war auch endlich die Tür. Mit der Beinverletzung war es schwer richtig zu schwimmen. Und das Salzwasser, das sich in die Wunde zu fressen schien, machte die Sache nicht grade besser. Er zog sich in den Hilfskontrollraum, der noch nicht völlig unter Wasser stand und tauchte einen Moment auf. Abundius erschien neben ihm. Bald wäre auch dieser Raum völlig überflutet. ,, Wir müssen irgendwie nach draußen.“ Abundius nickte. Für den Augenblick zählte nur

das. ,, Wo ist eigentlich unser neuer Freund abgeblieben ?“ ,, Weiß ich nicht und es ist mir auch egal.“ , antwortete Aaren. ,, Wir ertrinken wegen dem Ding noch.“ Dann, als hätte er es fast vergessen fragte er noch: ,, Schaffen sie es?“ ,, Hätte nicht gedacht, dass sie das noch kümmert.“ Wortlos tauchte Aaren wieder ab. So brauchte er sich zumindest nicht mit dem Mann auseinandersetzen. Sie durchschwammen die vollkommen unter Wasser stehende Halle mit den Wasserbecken. Es hatte etwas Surreales für Aaren die kleinen Fische, Algen und

Wasserpflanzen jetzt noch durch eine Glasscheibe zu betrachten. Vor sich konnte er endlich das Treppenhaus erkennen, durch das sie ursprünglich hierher gelangt waren. Nur, das er es nun aus der seltsam verzerrten Perspektive betrachtete, die die Schräglage der Salmakis verursachte. Seine Lungen brannten bereits. Auftauchen. Das war der einzige Gedanke, der ihn noch antrieb. Irgendwie musste er nach oben. Aaren versuchte sich selbst zur Ruhe zu zwingen. Das Wasser erschwerte es irgendetwas zu erkennen und seien Augen tränten. Oben… aber wo genau war das

jetzt? Er tastete umher und fand das Geländer der Treppe. Langsam, um sich nicht wieder in der Dunkelheit zu verlieren, schwamm er daran entlang nach oben. Aber lange würde das nicht mehr gut gehen, dachte er bei sich. Vor seinen Augen tanzten bunte Schemen, sein Blickfeld verengte sich bereits bedenklich…. Und all das während er mit stoischer Gelassenheit dabei zusah. Vielleicht war er nach all den Jahren nicht mehr dazu fähig echte Panik zu empfinden, selbst kurz vor dem Tod. Es war beinahe lächerlich. Und dann durchbrach sein Kopf doch die Wasseroberfläche und er schnappte nach

Luft. Das erste, was er tat sobald sein nach Luft ringender Körper es zuließ war lachen. Er würde es später auf den Sauerstoffmangel schieben. So schnell es ihm möglich war, stand Aaren wieder auf. Er war noch immer auf dem Schiff. Auf dem ersten Deck, um genau zu sein. Durch die zersplitterte Decke schienen die letzten Sonnenstrahlen herein. Und Abundius war nirgends zu sehen. Er war allein… Grade, als Aaren wieder auf die Füße kam, ging ein letzter Ruck durch das Wrack. Die Welt kippte erneut zur Seite, diesmal jedoch in unglaublicher Geschwindigkeit. Der Abendhimmel in der Lücke verschwand, kurz sah er die

kleine Insel, dann Wasser, als das Schiff endgültig zur Seite kippte. Ohne lange nachzudenken, nutz er die Gelegenheit, rettete sich mit einem Hechtsprung nach draußen… und wurde erneut unter Wasser gedrückt, als das Schiffswrack ihn ein Stück weit mit in die Tiefe riss. Als Aaren es endlich schaffte aufzutauchen, gab es um ihn herum nur noch aufgewühltes Wasser und einen schwachen rötlichen Schimmer am Horizont. Sonst war alles verlassen. Keines der beiden Schiffe zu sehen. Aber vermutlich war das auch besser so, dachte er. Er würde sonst kaum noch viel länger

überleben. Langsam schwamm er in Richtung der Insel. Die Verletzung an seinem Bein brannte. Er würde sich darum kümmern müssen. Und Abundius…. Wer wusste, was mit dem passiert war. Ein kleiner Teil von ihm bedauerte es, den Mann vorhin geschlagen zu haben. Der größere Teil jedoch war nur darauf konzentriert, nicht unterzugehen und an Land zu kommen.

Kapitel 9 Gestrandet


Eine Welle brach sich über ihm, ein letztes Mal geriet Aaren unter Wasser, schnappte nach Luft, als die Flut zurückwich. Er zwang sich dazu, aufzustehen und ein paar Schritte über den felsigen Strand zu machen. Weg vom Wasser. Dann gaben seine Beine endgültig nach. Es war mittlerweile vollkommen Dunkel. Nur schwaches Mondlicht von zwei münzgroßen silbrigen Scheiben am Horizont spiegelte sich auf dem Wasser. Eine Weile lang bewegte er sich gar nicht. Dann setzte Aaren sich auf und

sah hinaus auf das Quecksilber-farbene Meer. Das verletzte Bein hatte er von sich gestreckt, während er das Wasser absuchte. Er hoffte, irgendetwas oder jemanden zu entdecken. Vielleicht Abundius… selbst ein Schiff wäre ihm recht gewesen, auch auf die Gefahr hin, das ihn dann lediglich eine Kugel zwischen die Augen erwartete. Er sah auf die Waffe in seiner Hand. Was durchaus immer noch im Bereich seiner Möglichkeiten lag. Seiner sehr begrenzten Möglichkeiten. Der Gouverneur musste das geplant haben: Zu warten, bis sie im Schiffswrack waren und dann die Gelegenheit zu ergreifen sie

loszuwerden. Etwas, das wie ein tragischer Unfall wirken würde… Aaren begann alles durchzugehen, was er hatte. Die Pistole natürlich, mit einem Magazin. Er legte die Waffe beiseite. Die Kleidung die er trug. Ein Messer. Und das Funkgerät, das sich mit einem knistern Verabschiedete, als er es einschaltete. Wasser lief aus dem Gehäuse. Vermutlich hätte er ohnehin keinen Empfang gehabt. Er warf das Gerät in den Sand, entschied sich dann aber doch, es mitzunehmen. Schließlich stand er Vorsichtig auf. Das verletzte Bein trug ihn nur bedingt. Aaren humpelte ein paar vorsichtige

Schritte weiter den Strand entlang. Der Schmerz war abscheulich, ließ sich aber Aushalten. Was ihm mehr Sorgen machte, war der ständige Blutverlust… Irgendetwas würde er deswegen unternehmen müssen. Er sah sich um. Hinter ihm lag lediglich das Meer… und links und rechts von ihm erstreckte sich in alle Richtungen lediglich Sand. Vor ihm stieg der Strand ein Stück weit an und wurde felsiger. Algen und Flechten überwucherten die Steine. Größere Pflanzen hingegen gab es, bis auf einige Gräser, hingegen keine. Gab es Landlebewesen auf Liurie ? Er glaubte nicht. Wobei das, bei näherer Überlegung ohnehin keine Rolle

spielte. Von dem Wesen auf dem Schiff hatte er vorher auch nichts gewusst. Mit einiger Schwierigkeit kämpfte er sich die Uferböschung hinauf. Die Insel war nicht groß, vielleicht einen Kilometer im Durchmesser und von sanften Dünen durchzogen, die als einzige verhinderten, dass er von einem Ende zum anderen sehen konnte. Nichts als Sanddünen und Gras. In einer großen Senke in der Nähe hatte sich Wasser angesammelt und er humpelte darauf zu. Wasser wäre sein Hauptproblem, wenn er länger hier bleiben musste. Offenbar war die Senke in Folge eines kleinen Erdrutschs entstanden. Das Wasser war klar und er

schöpfte etwas davon mit den Händen. Es nicht so salzig, wie er erwartet hätte, wäre es bloß Meerwasser. Vermutlich hatte sich das Becken durch die ständigen Stürme mit Frischwasser gefüllt. Er würde es trinken können… sogar müssen. Eine wirkliche Wahl hatte Aaren nicht. Das hieß außer der Pistole. Und darüber konnte er immer noch nachdenken, wenn er vor Durst oder Hunger Wahnsinnig wurde. Ja.. er hatte Wasser. Aber immer noch nichts zu essen. Vielleicht könnte er Fische fangen. Aber woher eine Angel nehmen ? Wie lange konnte ein Mensch ohne Nahrung überleben? Eine Woche ? Zwei

? Er wusste es nicht. Es war ziemlich unwahrscheinlich, das ihn hier draußen jemand fand… geschwiege denn nach ihm suchte. Wenn Callahan zum Hive zurückkehrte, würde er dort einfach melden er und Abundius seien auf dem Wrack umgekommen. Vielleicht würde das Elektorat trotzdem nach ihm suchen lassen. Aber das würde Wochen dauern… Ein tragischer Unfall, dachte er erneut und spürte wie sich seine Hand zur Faust ballte. Und wofür das alles ? Er verstand es noch immer nicht. Und das war es, was ihm wirklich zu schaffen machte. ,, Wozu das alles ?“, flüsterte er und weil ihn ohnehin niemand hören konnte

wiederholte er lauter : ,, Wozu das Ganze ?“ Wenn er schon starb, oder für Monate hier fest saß, dann wollte er gefälligst wissen, wofür. Er setzte sich Vorsichtig an den Rand des kleinen Teichs und begann die Wunde an seinem Bein so gut wie möglich auszuwaschen. Es brannte höllisch. Besser als eine Infektion, erinnerte er sich selbst. Denn dann würde er mit Sicherheit sterben. Aaren ließ sich einfach auf den Boden neben dem Teich fallen. Er war Müde, er war allein…. Und er saß verdammt nochmal fest. So hatte ich mir mein Ende eigentlich nicht vorgestellt, dachte er leise

lachend. Er schleppte sich müde zurück zum Strand. Das Wasser war ein Stück weit gestiegen und er konnte an der Linie aus Algen und Meerespflanzen erkennen, das die Flut bei voller Höhe den gesamten Strand überspülte. Sorgsam darauf bedacht oberhalb der Flutlinie zu bleiben, suchte er sich einen Schlafplatz in einer Sandmulde. Sicher, es gab bequemeres…. Aber für den Moment konnte er nicht wirklich wählerisch sein. Über ihm glitzerte eine Unzahl Sterne. Aaren erkannte keine der Konstellationen. Selbst wenn diese entfernten Sonnen von der Erde aus sichtbar gewesen wären… in den gewaltigen Metropolen von Terra war es

fast unmöglich überhaut Sterne am Himmel zu sehen. Er erinnerte sich, einmal, er musste damals noch klein gewesen sein, irgendwo weit im Norden gewesen zu sein. Dort wo es noch Eis auf den Bergen und manchmal auch auf dem Meer gab. Und wo das Licht der Städte nicht zu sehen war. Damals hatte er etwas Ähnliches im Himmel sehen können. Eine Unzahl Sterne. Aaren schüttelte die plötzlich aufkommende Nostalgie ab. Er wünschte sich wirklich, er hätte die Mentalblocker mitgenommen. Das Licht der Sterne und der zwei Monde spiegelte sich im Gold des Rings an seiner linken

Hand. Das würde es einfacher machen… Schließlich schlief er ein. Mitten in der Nacht erwachte er, ohne zu wissen warum. Aber ein plötzliches Gefühl von Bedrohung veranlasster Aaren, sich aufzusetzen und seine Waffe zu ziehen. Suchend ließ er den Blick über den Strand wandern. Nichts. Er sah zu den Dünen hinter sich. Leer. Dann der Ozean. Eine blitzschnelle Bewegung… Irgendetwas war da draußen gewesen, auch wenn er es nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen hatte. Etwas… beobachtete

ihn… Er ließ die Waffe sinken. Und wenn schon. Seine Situation konnte nicht viel schlimmer werden. Und wenn ihn irgendetwas Angriff… besaß es vielleicht wenigstens die Freundlichkeit essbar zu sein. Als er am nächsten Morgen schließlich erwachte, fühlte er sich elend. Auf der einen Seite war das wohl der Tatsache zu Schulden, das er seit über 24 Stunden nichts mehr gegessen hatte. Aber auf der anderen… Die Wunde an seinem Bein schien in einem gleichmäßigen Tackt zu pulsieren. Er setzte sich auf. Alle Gelenke taten ihm weh und als Aaren

sich über die Stirn fasste… er war sich nicht sicher, aber er schätzte, er müsse wohl Fieber haben. Zumindest ein wenig. Das gute Wetter vom Vortag hatte sich gehalten. Nur vereinzelte Wolken trieben über dem endlosen Ozean. Ihm war abwechselnd heiß und kalt, als er sich dazu Zwang aufzustehen. Zitternd stand er eine Weile einfach nur da und sah aufs Wasser hinaus. Vielleicht suchte er nach der Gestalt vom Vorabend… oder er tat es, nur um sich überhaupt zu beschäftigen. Nachdem er sich irgendwie wieder zur Wasserquelle zurück geschleppt hatte, er brauchte für den kurzen Weg fast zwei Stunden, weil er

immer wieder hinfiel oder stehen bleiben musste, da ihm schwindlig wurde. Schließlich schaffte er es jedoch. Aaren konnte nicht klar Denken, immer wenn er Versuchte, eine Erinnerung zu greifen, schien sie ihm zu engleiten. Aber er musste doch Nachdenken… eine Lösung finden… Endlich hatte er genug. Er tauchte den Kopf einen Moment in das kalte Wasser der Senke, was tatsächlich kurz half. Nahrung. Er brauchte etwas zu essen. Und , er sah auf das Bein und die deutlich rot hervortretende Verletzung, vermutlich Antibiotika, die er nicht hatte. Genau das hatte Aaren gefürchtet. Irgendwie schaffte er es erneut, sich zum

Aufstehen zu bewegen und torkelte wie ein betrunkener zurück zum Strand. Eine Weile stand er, ohne sich zu bewegen am Gipfel einer Sanddüne. Die Pistole in seiner Hand fühlte sich zu schwer an. Nicht erinnerte an die Eleganz, die diese Waffen normalerweise innehatten, als er sie langsam anhob. Hatte er immer das richtige getan? Die Frage beunruhigte ihn. Ein kalter Schauer, den er dem Fieber zuschob, überlief ihn. ,, Ist eine Antwort zu viel Verlangt ?“ , rief Aare in den Wind. Natürlich erhielt er keine Antwort. Das verletzte Bein gab unter ihm nach und er stürzte in den Sand. Das

schlimmste war… sein Tot wäre vollkommen Umsonst. Er hatte keine Möglichkeit irgendeine Nachricht zu hinterlassen. Keinen Weg das Elektorat zu informieren. Aaren ließ die Waffe wieder sinken. Soweit war er noch nicht… Noch nicht…. Als er wieder auf die Füße kam, begann er am Strand entlangzulaufen. Fischen konnte er in seinem Momentanen Zustand ohnehin nicht. Und Gras essen… war auch nicht unbedingt eine Erfahrung, die Aaren machen wollte. So verzweifelt war er nicht. Und bevor er soweit sein würde… hätte die Infektion, die jetzt in ihm wütete ihn vermutlich

ohnehin umgebracht. Anfangs glaubte er, auf der Stelle zu laufen. Der Strand sah an jeder Stelle gleich aus. Hier und da gab es ein Gezeitenbecken, oder einen Felsen. Aber nichts markantes, keinerlei Landmarken. Irgendwann lachte er ohne zu wissen warum. Dann war ihm plötzlich wieder zum Weinen zumute. Wurde er verrückt? Aaren versuchte sich zu Ruhe zu zwingen. Zurück zum kalten, logischen Denken. Aber es gelang ihm nicht. Der Tag neigte sich bereits dem Ende, als er schließlich etwas fand. Zuerst glaubte er, zu Halluzinieren.

Ein weiteres Gezeitenbecken lag vor ihm. Mit jeder Welle wurde etwas Meerwasser hineingespült und auch einige kleinere Fische. Was seine Aufmerksamkeit erregte, war allerdings der große Fisch, der mitten in dem kleinen Becken trieb. Tot. Aber offensichtlich noch nicht lange. ,, Ich kann mir besseres vorstellen.“ , flüsterte er. Aber andererseits…. Welche Wahl blieb ihm auch hier außer der Pistole. Keine, wenn er weiterleben wollte. Denn er würde sich sicher nicht einfach hinsetzen und auf den Tot warten. Aaren überlegte, ob er mit dem Gras, das

überall wuchs ein Feuer entfachen könnte, während er den Fisch aus dem Teich zog. Danach musste er sich kurz setzen, weil ihm schwindlig wurde. Das Tier war dem nicht unähnlich, das ihn und Abundius auf der Salmakis angegriffen hatte. Die gleichen seltsamen Federn, die allerdings nicht aus weichen Fasern bestanden, sondern eher aus Chitin, wie bei einem Insektenpanzer. Er stockte. Die Kehle des Tiers war durch irgendetwas aufgeschnitten worden. Normalerweise wäre es ihm gar nicht aufgefallen oder er hätte dem keine Beachtung geschenkt aber, eine solche Verletzung hätte das Wasser des

Gezeitentümpels eigentlich rot mit Blut färben müssen… Es sei denn das Tier wäre anderswo getötet worden und war dann… hier abgelegt worden. Wo er es finden würde. Es gab sonst keine Lebewesen auf der Insel. Zumindest nicht soweit er wusste. Und ich habe auch noch nicht gehört, das Meereslebewesen ihre Beute an Land schaffen, dachte Aaren beunruhigt. Ein Rätsel, aber eines, um das er sich später würde Gedanken machen müssen. Wenn er dazu morgen noch in der Lage wäre. Die letzten Stunden bis Sonnenuntergang verbrachte Aaren damit, einige passende

Steine zu sammeln und eine notdürftige Feuerstelle anzulegen. Wie seltsam dachte er. Sie hatten ganze Planeten in Städte verwandelt, interstellares Reisen gemeistert , Verbrechen waren im Kern-Gebiet des Elektorats praktisch nicht mehr Existent und mehr als einmal hatten sie Bewiesen, dass es nichts gab, das die Menschheit mit Einfallsreichtum nicht überwinden konnte. Aber wenn es wirklich ums Überleben ging, griff der Mensch doch immer wieder auf die primitivsten Mittel zurück, die er hatte. Das dürre Gras brannte überraschend gut. Zwar war er gezwungen, ständig neues Brennmaterial zu besorgen, was

mit der Beinverletzung und den ständigen Kälteschauern, die ihn überliefen, schnell zur Qual wurde, aber die Flammen brannten rauchlos und hinterließen beinahe keine Asche. Von einem in der Nähe wachsenden Busch brach er einige dünne Zweige ab und benutzte einen davon als Grillspieß für den Fisch. Irgendwann schlief t er ein. Eine Hand auf dem Griff der Pistole.

Kapitel 10 Requiem

 

Am nächsten Morgen wusste Aaren mit Sicherheit, dass er sterben würde. Als er es endlich schaffte, auch nur die Augen zu öffnen, blendete ihn die Sonne. Der Sand um ihn herum war warm, trotzdem zitterte er und seine Glieder wollten ihm nicht richtig gehorchen. Ein Blick auf die Verletzung am Bein reichte Aaren. Mehrere rote Linien breiteten sich von dort aus und liefen sein Bein hinauf. ,, Oh Großartig.“ Der Klang seiner eigenen Stimme überraschte ihn, aber er wusste im nächsten Moment schon nicht

mehr warum. Irgendetwas stimmte damit nicht. Aaren versuchte aufzustehen, was aber nur dazu führte, das e im nassen Sand landete. Sand, der ihn an etwas wichtiges erinnerte. Er hatte gestern nicht darauf geachtet, wo er einschlief… Die Flutlinie… Eine Welle überrollte ihn und spülte Aaren ein Stück den Strand hinauf. Nach Luft schnappend blieb er liegen wo er war. Wenigstens hatte das Wasser ihn kurz wieder klar denken lassen. Als er sich das Wasser aus den Augen wischte, stellte er fest, dass seine Haut viel zu warm war. Wie viel Grad Fieber ? Aaren entschied, dass er es gar nicht so genau

wissen wollte. Er glühte förmlich. Irgendwie schaffte er es schließlich doch noch aufzustehen. Seine Beine zitterten,. Und nun war ihm nicht mehr kalt… stattdessen schien es ihm, als würde er innerlich verbrennen. Aaren machte ein paar unbeholfene Schritte vorwärts…stolperte und fiel erneut in den Sand. Einen Augenblick wurde es schwarz um ihn, und als er die Augen dieses mal wieder aufschlug, war die Sonne verschwunden, ersetzt durch graue Wolken, die über ihm dahintrieben. Offenbar verschlechterte sich das Wetter wieder. ,, Seltsam.“ , er konnte sich später nicht erinnern, ob er wirklich sprach, oder die

Worte bloß Gedacht hatte, ,, Ich hatte immer Gedacht der Tot würde mir mehr Angst machen Sophie.“ Er wusste nicht, mit wem er eigentlich redete… Wer war Sophie? Er zwang sich, sich zu erinnern. Aber alles schien so Bedeutungslos. Seine Gedanken erschienen ihm wirr. Dafür sah er jetzt allerdings Formen im Sand und in den Wellen, die keinen Sinn ergaben. Und verschwanden, sobald er genauer hinsah. Auch seine Umgebung schien plötzlich bedeutungslos. Aber der Geschmack von Regen in der Luft… Regen… und feuchte Erde. Es hatte tatsächlich Geregnet. Das Wasser lief

ihm in Strömen übers Gesicht, vermischte sich dort mit den Tränen. Die wenigsten Leute ließen sich noch in der Erde bestatten. Zumindest nicht auf dem dicht besiedelten Heimatplaneten der Menschheit. Aus Platz und Preisgründen wurden die meisten einfach verbrannt. Aber Aaren hatte das nicht gewollt. Und so kam es, dass er nun auf einem kleinen Stück Rasen stand. Seine Schuhe sanken in den lehmigen Boden ein, der Regen hatte das schwarze Jackett das er trug vermutlich ruiniert. Und auch der Lilienstrauß in seiner Hand war bereits in Mitleidenschaft gezogen. Vor ihm lag ein frisch geschlossenes Grab. Der Stein war noch nicht da,

stattdessen gab es ein schlichtes Holzschild. Kein Kreuz. Das hatte er abgelehnt. Er glaubte nicht an Götter und wenn er es je getan hatte… so lag diese Zeit jetzt in der Vergangenheit. Aaren brauchte das Schild nicht mehr zu lesen. Er kannte die Inschrift, hatte sie in den letzten Stunden immer wieder studiert. Als könnte das alles ein Fehler sein, als hoffte er, das sich der Name darauf irgendwie änderte… Die wenigen Gäste, die zur Beerdigung gekommen waren, waren längst wieder gegangen. Nur Aaren nicht. Schließlich ließ er sich auf die Knie sinken, legte den Blumenstrauß auf die frische Erde. ,, Ist schon komisch…“ Er musste eine

Pause machen. ,, Ich habe immer gedacht, dass ich es sein würde, der zuerst stirbt. Das Justizministerium ist nicht der sicherste Platz und jetzt….“ ,, Ich weiß, was sie grade durchmachen Terrel.“ Aaren drehte sich um, entdeckte die grauhaarige Gestalt, die im Regen zu verschwimmen schein. ,, Bei allem Respekt… ich fürchte, das tun sie nicht Herr Minister. Ihre Mentalblocker…“ ,, Ich nehme keine.“ , erwiderte der Mann. Eine Weile schweigen Beide. ,, Sie haben mir einen Posten als Kommissar angeboten.“ , begann Aaren schließlich. In der Ferne sah er den

niedrigen Zaun, der das Friedhofsgelände umgab. ,, Das waren sie, oder ? ,, Ich dachte nur…“ Der Minister klang fast entschuldigend. ,, Schon gut.“ Aaren folgte dem Verlauf des Zauns, dann wanderte sein Blick wieder zurück zum Grab. ,, Ich denke ich werde annehmen.“ ,, Überlegen sie sich das gut. Ich möchte nicht, das sie…“ Er brachte den Minister mit einer Handbewegung zum Schweigen. Dann stand er langsam auf. ,, Ich will den Mann, der das getan hat.“ ,, Aaren…“ ,, Sie haben ihn noch nicht erwischt,

oder ?“ ,, Nein, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Sie wissen, dass wir sie nicht einfach…“ ,, Minister…“ ,, Sagen sie Arthur.“ Er ignorierte das Angebot. ,, Minister. Mir ist egal, was sie dazu sagen. Ich frage sie nicht um Erlaubnis.“ ,, Ich weiß.“ , erwiderte der Minister, als Aaren sich an ihm vorbeidrängte. Er sah ihm eine Weile nach, dann machte er sich selbst auf den Weg. Aaren hatte nicht lange gebraucht um den Mann auswendig zu machen, den er suchte. Er arbeitete seit mehr als drei

Jahren für die Justiz des Elektorats, wenn auch nur als Bezirksaufseher, der immer noch der Gerichtsbarkeit anderer unterstand, nicht als Kommissar. Auf der Erde gab es praktisch keine größeren Verbrechen, aber es galt immer dafür zu sorgen, dass das auch so blieb. Die Agenten des Ministeriums lernten mit der Zeit Menschen mit wenigen Blicken einzuschätzen. Und wenn nötig auch mit wenigen Bewegungen unschädlich zu machen. Und jetzt wartete er, vor einer etwas heruntergekommenen Hütte in den Randbereichen der Metropole. Der Mann, den das Elektorat verdächtigte, war erst vor wenigen Tagen hier angekommen…

und irgendwie durch die Sicherheitskontrollen geschlüpft. Ein auf mehreren Welten bekannter Drogenabhängiger, der auch verkaufte und schmuggelte, wenn sich die Gelegenheit bot. Oder eben tötete… Aarens Hände ballten sich zu Fäusten. Nein… er würde warten, bis der Mann rauskam und ihm dann eine Kugel zwischen die Augen verpassen. Die Waffe, mit einem Schalldämpfer versehen, befand sich in seiner Tasche. Das war alles, schwor er sich selbst. Es gab nur wenige Anlaufstellen für Junkies, die sich Stoff besorgen mussten. Und das Ministerium kannte sie alle.

Ganz eindämmen ließ sich der Drogenhandel nie, aber wenn er nur an bereits bekannten Orten stattfand war das Elektorat in der Lage ihn einzuschränken und zu überwachen. Dachten sie zumindest. Es hatte nicht lange gedauert, einige Kontakte zu befragen und herauszufinden, wo sich der Mann rumtrieb. Mittlerweile regnete es nicht mehr, aber die Straße war immer noch nass. An einer Mauer ihm gegenüber prangte ein buntes Graffiti, das im Licht einer Stra0enlaterne schimmerte. Es war bereits dunkel geworden. Aaren wartete zündete sich die letzte

Zigarette seines Lebens an. Nach zwei Zügen ließ er sie allerdings fallen und trat sie aus. Stattdessen richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Tür des Hauses. Von dort waren jetzt stimmen zu hören. ,, Vergiss es.“ , rief eine offenbar wütende Stimme. ,, Hey Mann…du kannst mich nicht einfach so wegschicken.“ ,, Und ob ich das kann. Komm wieder wenn du Geld hast.“ Die Tür wurde geöffnet und ein einzelner Mann taumelte heraus auf die Straße. Irgendwie war Aaren fast enttäuscht. Die wenigen Haare, die der Mann noch hatte standen ihm Wirr vom

Kopf ab. Die Augen wirkten gehetzt und schimmerten blass. Bleiche Haut… Der Kerl war eine menschliche Ruine, dachte er. Vielleicht hätte er noch ein, zwei Jahre zu Leben… Nahm er seine Umgebung überhaupt noch richtig wahr? , fragte Aaren sich, während der Mann an ihm vorbeilief, ohne ihn auch nur zu bemerken. Langsam folgte er ihm. Die Straßen waren verlassen, die Fenster der Häuser dunkel. Niemand würde ihn sehen. Schließlich beschloss er, dass es genug war. Seine Hand zitterte nicht, als er stehenblieb, die Waffe hob und zielte. Ein Schuss und es wäre vorbei. Aber etwas hielt ihn davon ab.

Stattdessen zielte er auf die Beine des Mannes. Und drückte ab. Der Schalldämpfer machte den Schuss fast unwirklich leise. Die Kugel durchschlug das Knie seines Ziels. Der Mann schrie auf, blieb kurz benommen liegen und versuchte dann, sich wieder aufzurichten und auf einem Bein weiter zu humpeln. Einen Moment drehte er sich um, sah den Mann im ruinierten Jackett mit der Waffe in der Hand… Aaren zielte erneut. Das noch gesunde Knie wurde von der Kugel zerfetzt. Niemand schein etwas zu bemerken… und wenn doch würden sie so tun, als wäre nichts, das wusste

er. Jetzt versuchte der Mann wegzukriechen. ,, Was zur Hölle wollen sie ?“ , rief er, als er merkte, das Aaren langsam näher kam. ,, Hören sie… wenn Wilhelm sie schickt.. er bekommt das Geld…“ Aaren antwortete nicht, sondern trat ihn. ,, Ich habe…“ Ein weiterer Tritt. Dann riss er den Mann auf die Füße, hielt ihn aufrecht. Schmerz und Furcht schimmerten in seinem Blick, als er versuchte, sich gegen den stählernen Griff zu wehren. ,, Ich weiß nicht wer sie sind… aber…“ Aaren holte mit der Pistole aus, schlug ihn den Waffenkolben gegen den Kopf und stieß ihn wieder zu

Boden. ,, Bitte…“ , setzte der Mann an. ,, Hat sie das auch gesagt ?“ Der Mann sah ihn verständnislos an. Seine trüben Augen schienen begreifen zu wollen, was grade geschah. Aaren war es egal. Egal ob er verstand… Er trat wieder zu. Eine Rippe brach. Der Mann wimmerte jetzt nur noch. Aaren trat ein paar Schritte zurück. Er atmete schwer, wischte sich übers Gesicht, und stellte fest, dass seine Hände blutig waren. Genau wie seine Schuhe… Und der gesamte Rest auch. Er hatte ihn doch nur töten wollen. Stattdessen… Aaren hob langsam den Kopf. Blut lief

auf das Pflaster der Straße, zeichnete eine Spur hinter dem Mann her, der immer noch versuchte, wegzukommen. Langsam hob Aaren die Waffe und zielte auf den Kopf seines Opfers. Er hatte dem Mann Unrecht getan. Ihn töten… das war eine Sache gewesen ja gut… aber das hier… das war zu weit gegangen. Aus Unrecht wurde kein Recht. Ein Gedanke, der später zu seinem Leitspruch werden sollte. Als er schließlich abdrückte und die Kugel den Kopf des Mannes durchschlug, empfand er kein Gefühl der Rache… für den Mann war es vermutlich eine Erlösung

gewesen. Aaren drehte sich um und verschwand leise in der pechschwarzen Nacht. Dunkelheit, die ihn verschluckte und den Mann, der einmal Aaren Terrel gewesen war mit sich trug. Schwärze. Mehr war da nicht. Dunkelheit, nur durchbrochen durch das Rauschen von Wellen… Er blinzelte, sah Sand auf dem sich Mondlicht spiegelte. Eine weitere Welle brach sich am Strand und durchnässte seine Kleidung. Entweder war grade Flut oder er war aus undefinierbaren Gründen näher ans Wasser gelangt. Aaren hätte gelacht, wenn er dazu in der Lage

gewesen wäre. Vielleicht ertrank er ja, bevor ihn die Blutvergiftung umbrachte. Seine Erinnerung verblasste langsam. Was für eine Ironie. Vor sich sah er wieder das Gesicht des Mannes in der Nacht. Blutend und mit schrammen übersäht. Fünf Jahre lang… Wovor war er weggerannt? ,, Vielleicht nur vor mir.“ Der Klang seiner eigenen Stimme erschreckte ihn. Irgendetwas am Rand seines Gesichtsfeldes zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Goldgelbe Punkte im Dunkeln. Dann fielen seine Augen wieder zu. Erneut Schwärze. Diesmal tiefer und…

endgültiger. Abundius trieb auf dem Wasser. Er wusste nicht mehr, wie er aus der Salmakis entkommen war. Auf dem Weg die Treppe hinauf hatte er im Wasser die Orientierung verloren. Und danach ? Das Wrack war abgerutscht, daran konnte er sich erinnern. Irgendwann hatte er es dann doch geschafft, einen Ausweg aus dem Schiff zu finden. Das musste vor drei Tagen gewesen sein. Vielleicht auch vier. Alles, was Abundius wusste war, das als er endlich die Oberfläche erreichte, weder von dem Schiff noch von der Insel noch

etwas zu sehen gewesen war. Nur Meilenweit Wasser und einige vereinzelte Trümmer, die er als Schwimmhilfe nutzen konnte. Er war auf ein großes Stück weißen Kunststoff, der wohl einst zur Innenverkleidung des Schiffs gehört hatte, geklettert, das sein Gewicht über Wasser halten konnte. Das Funkgerät hatte er irgendwo verloren, wie er schnell feststellte und auch ansonsten blieb ihm nicht viel. Der einzige Grund, warum er die letzten Tage überlebt hatte, war eine kleine Flasche mit Wasser, die er, beinahe einer inneren Eingebung folgend, am Vortag der Expedition zur Salmakis eingepackt

hatte. Allerdings ging auch diese nun langsam zur Neige. Er hatte bereits versucht, in Ermangelung irgendwelcher Landmarken, sich am Stand der Sonne zu orientieren. Ein vergebliches Unterfangen, ohne Kompass oder Uhr und noch dazu auf einem Planeten, dessen Tagesrhythmus er nicht kannte. Es mussten wohl annähern 24 Stunden sein, den einen größeren unterschied hätte er bemerkt. Hoffte er zumindest. Was Abundius jetzt allerdings sah, ließ ihn stutzig werden. Zuerst hielt er es für eine Täuschung, weil er gezwungen war, direkt in die Sonne zu sehen. Ein kleiner Schatten am

Himmel. Als der Schatten jedoch näher kam und er schließlich die Motoren hören konnte, wusste Abundius, das er sich nicht irrte. Das war ein Landungsshuttle… und es kam definitiv in seine Richtung. Sein erster Impuls war es, irgendwie auf sich aufmerksam zu machen. Dann jedoch erstarrte er. Das waren vielleicht Callahans Leute… und auch wenn es unwahrscheinlich war, das die ganze Hive-Station und Omnisphere in die Aktion des Gouverneurs eingeweiht waren, wie lange würde er überleben, wenn er zum Hive zurückkehre? Andererseits… blieb er, würde er ebenfalls sterben und zwar sogar

sicher. Das Landungsschiff war jetzt bereits ein gutes Stück näher und wurde langsamer. Während er noch die Arme hob um zu winken, wurde ihm klar, dass das Schiff abbremste. Sie hatten ihn gesehen. Jetzt wurde es ernst. Nervös tastete er nach der Pistole, die Aaren ihm gegeben hatte. Er wusste nicht, ob die Waffe nach der Zeit im Wasser überhaupt noch funktionierte. Aber im Zweifelsfall war es besser als nichts. Das Shuttle kam direkt über ihm in der Luft zum Stehen, die schwenkbaren Düsen hielten es grade in der Luft. Abundius stutzte. Das gibt es doch nicht, dachte er. Auf dem Unterboden des

Schiffs befand sich nicht etwa das orange Emblem von Omnisphere, wie er erwartet hätte… sondern das Symbol des Justizministeriums des Elektorats. Zwei Adlerfedern auf einer Waage. Ein Wappen, das das alte Zeichen mittlerweile fast überall ersetzt hatte. ,, Wollen sie da noch lange rumstehen ?“ , rief jemand von oben. ,, Sieht so aus, als hätten sie eine Menge durchgemacht.“ Abundius antwortete vor Überraschung nicht gleich, als ihm das Ende einer Strickleiter zugeworfen wurde. Er hatte ganz vergessen, wie sich andere Menschen anhörten. Und das nach nur… Waren es wirklich nur vier Tage

gewesen? Dann jedoch fiel ihm etwas Wichtigeres ein… Aaren. Hatte der Kommissar es ebenfalls aus dem Wrack herausgeschafft?

Kapitel 11 Gold

War er tot? Aaren wusste es nicht. Nur langsam schien das Gefühl in seine Glieder zurückzukehren. Er spürte Wind. Schmeckte die bereits altvertraute, salzige Luft. Offenbar war er doch nicht so tot, wie er Gedacht hatte. Einen Moment lang, wusste er nicht, wo er sich befand, oder auch nur wer er war. Dann kehrten seine versengten Erinnerungen langsam zurück. Liurie, das Schiff… Es bereitete Aaren Mühe auch nur die Augen zu öffnen aber… er fühlte sich nicht mehr so Elend, wie am Tag zuvor,

stellte er überrascht fest. Das Fieber war weg. Vorsichtig blinzelte er. Die Sonne blendete ihn trotzdem noch. Wasser umspülte seine Füße. Mit den Bewegungen eines alten Mannes schaffte er es schließlich sich aufzusetzen. Vor ihm lag nur der graue Ozean. Und hinter ihm wohl immer noch dieselbe verlassene Insel. Er sah hinab zu der Wunde an seinem Bein. Oder wo diese hätte sein sollen. ,, Was zur Hölle…“ Statt dem von roten Linien überzogenen Schnitt befand sich dort nur glatte Haut und eine kaum wahrnehmbare Narbe. Ein Versuch aufzustehen, wurde allerdings trotzdem nur damit belohnt,

dass das Bein unter ihm nachgab und Aaren unsanft im Sand landete. Einen Moment blieb er wie betäubt liegen. Ganz so einfach würde es also nicht werden… Neben sich hörte er ein seltsames Glucksen, das fast wie ein Lachen klang. Er ignorierte es, während er darüber nachsann, ob es die Mühe wert wäre, es noch einmal zu versuchen.. Dann erstarrte er. Wo kam das Lachen her? Er war alleine hier, oder? Seine letzte Erinnerung bevor er das Bewusstsein verloren hatte kehrte zurück. Goldene Augen. Vielleicht überlegte er, irrte er sich einfach. Er halluzinierte immer noch

durch das Fieber. Das musste es sein. Trotzdem zwang er sich dazu, den Kopf zu drehen. Was da ein paar Schritte entfernt von ihm im flachen Wasser saß sah definitiv aus, wie das Wesen vom Schiff. Nein, verbesserte er sich. Es war das Wesen vom Schiff. Die kaum verblassten punktförmigen Narben an den Armen waren nicht zu übersehen. Die große Rückenflosse trug es fast wie einen Umhang. Einen Augenblick lang versuchte Aaren sich möglichst nicht zu bewegen und hielt den Atem an. Er konnte sich in seinem Zustand kaum Verteidigen. Das Wesen, das ein Teil von ihm immer noch als weiblich assoziiere, wirkte jetzt im

Sonnenlicht kaum gefährlich. Nicht auf den ersten Blick. Es saß einfach nur da… beobachtete ihn und schien genau wie er darauf zu warten, das etwas geschah. Die ausdrucksstarken goldenen Augen musterten ihn mit einer Intelligenz, die er einerseits erschreckend, andererseits aber auch beruhigend fand. Was intelligent war, brachte ihn hoffentlich nicht um. Es war nicht so, dass er auch nur weglaufen könnte wenn… Aber neben der Intelligenz spiegelte sich auch Angst, vermischt mit Hass und… Neugier ? Es war seltsam, das Augen so viel verraten konnten. Und er fühlte sich unwohl zu lange hinzusehen. Goldene

und grüne Partikel schienen sich ständig neu anzuordnen und wirre Muster zu bilden. Aaren fürchtete, diese Augen könnten alles durchschauen, auch ihn. Möglicherweise interpretierte er mal wieder zu viel. Woran die fehlenden Mentalblocker sicher auch nicht ganz unschuldig waren. Er schüttelte den Gedanken ab. Nein. Zum ersten Mal seit Jahren war er frei davon. Allerdings war Aaren sich unsicher, ob ihn das freuen oder Sorgen machen sollte. Der Mann mit Gefühlen… das war der Mann, der einen unbewaffneten Getötet hatte. Auch wenn er es verdient hatte. Aaren entspannte sich, tastete aber suchend nach seiner Waffe. Er fluchte

leise, als er sie nicht fand. Ein Blick zurück zum Strand zeigte ihm, dass der Griff der Pistole einige Meter weiter oben aus einer Sanddüne ragte. ,, Einfach Großartig.“ Aaren sah wieder zu dem Wesen. Es… sie, Aaren zögerte. Er sollte sich vielleicht einen Namen überlegen. Langsam kam er zu dem Schluss, dass es sich wohl nicht im nächsten Moment auf ihn stürzen würde und setzte sich vorsichtig auf. Sand rieselte aus seiner Kleidung. ,, Warst du das ?“ , fragte er. Schweigen. Die goldenen Augen weiteten sich fragend. Irgendwie musste die Waffe ja dorthin gekommen sein.

Allerdings machte ihm die Vorstellung Angst, das Wesen könnte eine Feuerwaffe erkennen… Das hieß zumindest nichts Gutes. Oder er hatte die Waffe im Fieber verloren. Aaren entschied, das die letzte Möglichkeit doch die bessere war. ,, Du verstehst kein Wort von dem was ich sage, oder ?“ , fragte er kopfschüttelnd. Keine Reaktion, lediglich ein fragender Laut, der sich zu sehr nach einem Wort anhörte. ,, Oder doch ?“ Zu seiner Überraschung wiederholte es : ,, Doch.“ Es klang vollkommen falsch. Aber das Wort war

unverkennbar. ,, Also gut… das ist interessant.“ Es konnte Worte nachahmen. Aaren versuchte noch einmal aufzustehen, aber das ehemals verletzte Bein wollte ihn immer noch nicht tragen. Diesmal achtete er wenigstens darauf, nicht wieder unsanft auf dem Boden zu landen. Er würde eine Krücke brauchen. Trotzdem, wenn er nicht eine Ewigkeit geschlafen hatte, wusste er nicht wie die Verletzung so schnell hatte heilen können. Es sei denn natürlich… Aaren musterte das Wesen. Sein Blick wanderte zu den Narben auf seinen Armen, eine davon

schien frischer zu sein, als die anderen und mit einer Klinge statt einer Nadle zugefügt. ,, Warum ?“ , fragte er leise. Es oder Sie hob einen Arm deutete hinaus aufs Meer… dort wo die Salmakis in die Tiefe gesunken war. ,, Weil ich dir geholfen habe ?“ Keine Reaktion. Die goldenen Augen verhärteten sich, betrachteten ihn nun nicht mehr mit Neugier… sondern Abscheu. ,, Warum dann ?“ Sie schien keine Antwort zu haben. Mit der Hand machte sie eine kreisförmige Bewegung. ,, Verdreht ?“ , er brauchte einen

Moment, bis er die Geste verstand. ,, Anders ? Wir waren… anders? Wie anders ?“ Er erhielt keine Antwort. Vielleicht verstand sie ihn doch nicht. Und was bitte tat er hier eigentlich? Er unterhielt sich mit… einem Fisch. Oh ja, er wurde definitiv langsam verrückt, wie es schien. Was jetzt jedoch wichtiger war, er musste irgendwie wieder auf die Füße. Aaren sah sich den Strand entlang um. Einige der größeren Büsche besaßen Äste, die sich als Stütze eigene würden. Mehrere davon waren, wohl in Folge eines Sturms, abgebrochen und lagen im Sand, keine fünfzig Schritte entfernt. Nur hinkommen… das war keine Strecke,

die er gehen könnte. ,, Ich könnte etwas Hilfe gebrauchen.“ , murmelte er. Sie musterte ihn einen Moment. ,, Hilf…“ ,, Hilfe, ja.“ Er überlegte. Irgendwie musste er doch klarmachen, was er brauchte. Aaren deutete auf sein verletztes Bein und machte Anstalten erneut aufzustehen. Natürlich gab es unter ihm nach. Dann deutete er herauf zum Strand, auf eines der großen Holzgewächse. Sie schien zu begreifen. Zumindest weiteten sich ihre Augen entsetzt. Aaren wurde langsam auch klar warum. Sie saß immer noch halb im Wasser und

schein damit keine Probleme zu haben. Aber das war für ein Wasserlebewesen natürlich noch etwas anderes, als tatsächlich an Land zu gehen. Selbst wenn es Beine hatte. Konnte sie überhaupt laufen? ,, Vergiss es.“ , meinte er und kreuzte die Arm einmal vor der Brust. Er würde sich etwas anderes überlegen. Bevor er jedoch auch nur dazu kam, stand das Wesen auch schon unbeholfen auf. Ein wackliger Schritt durch das niedrige Wasser, noch einer. Aaren zuckt mit den Achseln und hoffte, dass sie die Geste verstand. Ihre Entscheidung. Hauptsache, er kam irgendwie hier weg. Am Strand

liegenbleiben konnte er nicht. Der erste Schritt auf trockenen Boden schien sie zu Überraschen. Sie zog den Fuß sofort zurück ins Wasser, dort wo die Wellen den Sand noch erreichten. Aaren musterte sie stumm. Dann setzte sie wieder einen Fuß in den trockenen Sand. Es waren vielleicht gut zwanzig Schritte, bis zu den ersten Pflanzen, aber das immer noch namenlose Wesen brauchte fast zehn Minuten, zumindest schätzte Aaren diesen Zeitraum um dorthin zu gelangen. Jeder Schritt war unsicherer als der erste wie es schien. Und nach etwa der Hälfte der Strecke schien sie Probleme zu haben, auch nur grade stehenzubleiben.

Aaren gestand sich nicht ein, das er sich Sorgen machte, aber… er konnte ihr schlecht helfen, wenn sie stürzte. Das wäre dann echte Ironie des Schicksals, überlegte er und musste ein leises lachen unterdrücken. Wann hatte er überhaupt das letzte Mal wirklich gelacht? Sie schien immer schwerer zu atmen als sie endlich einen der abgebrochenen Zweige aufhob. Unsicher musterte sie den Ast, bis Aaren ihr bedeutete zurückzukommen. ,, Das sollte gehen.“ , rief er. Tatsächlich war er sich nicht sicher, ob die provisorische Krücke sein Gewicht tragen würde, aber es dürfte reichen,

wenn er zumindest vom Strand wegkam. Sonst hätte er spätestens, wenn das Wetter schlechter wurde ein echtes Problem. Sie hatten den Rückweg fast geschafft, als sie stehenblieb. Sie schüttelte sich, als wollte sie irgendein lästiges Insekt verscheuchen. ,, Alles in Ordnung ?“ , fragte er. Er wusste immer noch nicht, ob sie seine Worte verstand oder nicht. Sie taumelte etwas, ließ den Holzstock in seiner Reichweite fallen und fiel beinahe zurück ins Wasser. ,, Hey.“ Er streckte eine Hand aus um sie zu stützen. Stattdessen wurde seine Hand ohne Vorwarnung weggeschlagen,

Ein blutiger Kratzer verlief über den Handrücken. ,, Na danke auch.“ , fluchte er. Ein Blick in die ihn misstrauisch musternden Augen war genug. Selber schuld, schienen sie zu sagen, während das Wesen den Ast neben ihm fallen ließ und zurück ins Wasser ging, bis es wieder ihre Knie erreichte. Aaren versuchte mithilfe der Stütze aufzustehen. Etwas, das immer noch leichter gesagt als getan war. Sein Fuß war völlig gefühllos und der Sand machte es auch nicht einfacher, auf einem Bein und der Krücke zu balancieren. Irgendwie schaffte er es jedoch stehen zu

bleiben. Aaren sah zurück zu dem Wesen im Wasser. ,, Hast du einen Namen ?“ , fragte er. Keine Reaktion. Lediglich der wütende Ausdruck in den Augen schien kurz zu verschwinden. ,, Namen ?“ , wiederholte er. ,, Du verstehst wirklich kein Wort von dem was ich sage, oder ?“ Er setzte sich Vorsichtig wieder in den Sand. Langsam kehrte das Gefühl in sein Bein zurück. ,, Wenn du sowieso nichts verstehst… wie wär’s mit Sonea ? Das ist ein indischer Name glaube ich, auch wenn das wohl egal

ist.“ Sie schien ihn nach wie vor nicht zu verstehen. ,, Genau, du hast keine Ahnung was Indien ist. Oder wovon ich überhaupt rede, was das angeht.“ Aaren stand wieder auf. ,, Ich suche Wasser.“ , meinte er. Wenn er sich richtig erinnerte, musste das Wasserbecken hier irgendwo in der Nähe sein. Wobei… hier sah ohnehin alles gleich aus Das schien Sonea wieder verstanden zu haben. Sie deutete aufs Meer hinaus und sah ihn an. Ein gluckender Ton, der wie ein Lachen klang. Irgendwie vermutete Aaren, das er grade ausgelacht wurde.

Natürlich… hier war ja auch überall Wasser. Nur eben keines, das er trinken könnte. Aaren ging kopfschüttelnd den Strand hinauf. Unterwegs hielt er einmal an und hob seine Pistole auf. Die Waffe war zu leicht. Aaren zog das Magazin heraus und stellte fest, dass die Munition fehlte. Er sah zurück zu dem Wesen im Wasser. Hatte es… sie tatsächlich die Patronen entfernt? Und wenn ja, woher wusste Sonea, was eine Feuerwaffe war? Geschwiege denn, wie diese Funktionierten? Irgendwie hatte er damit gerechnet, dass sie verschwinden würde, sobald er außer

Sicht war. Eine Hand wäscht die andere, das war alles. Oder ? Eigentlich wunderte es ihn, dass sie ihm überhaupt geholfen hatte. Ich würde vermutlich eine Teufel tun und jemanden helfen, der mich in einen Glaskasten sperrt, überlegte Aaren. Aber immer noch wusste er nicht, was Callahan damit hatte bezwecken wollen… Natürlich das Blut dieses Wesens schien unglaubliche Fähigkeiten zu haben, aber die hatte die moderne Medizin auch. Es dauerte vielleicht länger aber sie waren in der Lage jede Verletzung und beinahe jede Krankheit zu heilen. Nur dafür verschwieg man dem Elektorat ganz sicher nicht, das man dergleichen

gefunden hatte. Schon gar keine Augenscheinlich intelligente Lebensform. Und selbst wenn versuchte man deshalb keinen Kommissar umzubringen. Das war viel zu viel Aufwand bei zu viel Risiko. Dahinter musste noch mehr stecken. Aaren ging weiter, blieb aber am Gipfel der Düne stehen und erstarrte. Er hörte ein Geräusch. Es dauerte eine Weile, bis ihm klar wurde, dass es ein Motor war. Und kein Bootsmotor. Sofort begann Aaren den Horizont abzusuchen. Das Wasser hatte er vergessen. Selbst wenn es Leute des Gouverneurs wären um ihn endgültig

auszuschalten… vielleicht würde er mit ihnen fertig werden und könnte so von hier entkommen. Das hieß wenn er Sonea überzeugen konnte ihm die Munition wiederzugeben. Aaren sah sich nach dem Wesen um, entdeckte aber nur noch ein leeres Stück Strand. Bevor er sich deshalb jedoch Gedanken machen konnte, hörte er wieder etwas Neues. Weißes Rauschen… Sofort durchsuchte er seien Taschen nach dem beschädigten Funkgerät, während am Himmel ein sich nähernder schwarzer Punkt sichtbar wurde. Endlich fand er was er gesucht hatte. ,, Hier ist Abundius Brady. Kann mich

irgendjemand hören?“ Aaren hätte das Funkgerät beinahe fallen gelassen. Der Mann hatte überlebt? ,, Ich bin hier. Und ich habe schon gedacht, ich wäre sie endlich los“ Langsam kam das Landungsshuttle in Sicht, schwebte über den Strand und setzte dann auf dem Boden auf. Seltsamerweise befand sich kein Symbol von Omnisphere auf dem Schiff, sondern das Wagenemblem des Elektorats. Eine Luke ging auf und drei Männer sprangen hinaus in den Sand. Zwei davon trugen die blau schwarze Uniform des Elektorats-Militärs. Die dritte war Abundius. ,, Verdamm, warum hat das so lange

gedauert? “ , rief Aaren, als er ihnen entgegenging, was die zwei Soldaten dazu brachte, kurz anzuhalten und sich verwirrt anzusehen. ,, Das sollte ein Scherz sein, verdammt ich bin halt aus der Übung.“ , sagte Aaren, während er die Sanddüne mehr hinunterrutschte als lief. ,, Ich glaube sie haben einiges zu Berichten.“ , meinte eine vierte Person aus dem Inneren des Landungsschiffs.

Kapitel 12 Rückkehr


Sie flogen über dem Meer, das zwischenzeitlich wieder genau so grau und aufgewühlt war, wie bei Aarens Ankunft hier. Nur das es nicht mehr Abundius war, der ihm Gegenübersaß, sondern eine hochgewachsene Frau in der schwarz-blauen Kampfausrüstung der Elektorats-Armee. Ein kleines Schild wies sie als Leutnant Hannah Favelli aus. Sie war nicht mit Abundius und den anderen ausgestiegen, als sie ihn auf der Insel gefunden hatten. Nach wie vor Fragte er sich, welcher Zufall, sie ausgerechnet jetzt hierher führte… und

ihnen beiden ohne Zweifel das Leben gerettet hatte. Er musste an die Worte des Ministers denken… Die übrige Regierung hatte Angst… aber vor was? Was ahnten oder wussten die restlichen Minister, was er nicht wusste? ,, Was machen sie hier, wenn ich fragen darf ?“ , wollte er wissen. ,, Wir wurden direkt hergeschickt, nachdem man von ihrer, übrigens nicht genehmigten, Abreise erfuhr.“, antwortete die Frau mit einem leicht tadelnden Unterton. Wollte sie ihm grade wirklich Vorhaltungen machen weil er sich nicht an alle Vorschriften gehalten hatte? Einem Kommissar ? Die Vorstellung war gewissermaßen

lächerlich, dachte Aaren. ,, Nur deshalb ?“ , mischte sich Abundius ein. Dieses mal war die Frage wohl durchaus berechtigt. ,, Natürlich nicht. Der Ministerrat weiß seit einer Weile, das auf Liurie etwas nicht ganz nach.. Protokoll läuft. Callahan muss durchgedreht sein und wir sind hier um das richtig zu stellen.“ ,, Das heißt sie töten ihn ?“ ,stellte Abundius fest. Der Mann sah noch bleicher und dünner aus als sonst. Kein Wunder. Wie Aaren erfahren hatte, hatte man ihn erst wenige Stunden vor ihm gefunden. Im Meer treibend und fast ohne Trinkwasser oder irgendetwas

Essbares. ,, Ich habe keinen Haftbefehl vom Elektorat. Aber als wir hier ankamen hieß es auch noch, wir suchen nach einem verschwundenen Kommissar. Bis wir ihn hier,“ sie nickte in Abundius Richtung. ,, bei einer Patrouille aufgegabelt haben. Das kann ihnen der Admiral auf dem Hive selbst erklären.“ ,, Admiral ?“ Aaren runzelte die Stirn. ,, Wie viele Leute genau hat das Elektorat geschickt.“ ,, Admiral Ivars Vänskä und eine Division der Infanterie. Ich bin seine Adjutantin. Wir haben zehn Schiffe im Orbit. Die nützen uns aber dank der Interferenzen in der Atmosphäre nicht

viel. Genaue Zielanvisierung können sie da vergessen.“ ,,Sie denken doch nicht wirklich darüber nach den Hive zu beschießen ?“ , fragte Abundius. ,, Da leben über zehntausend Leute.“ Aaren musste ihm stumm Recht geben. Favelli überging die Frage jedoch. ,,Der Admiral weiß schon bescheid, aber, Callahan weiß noch nicht, das sie zwei Überlebt haben. Und er wird es erst erfahren, wenn wir ihn festsetzen.“ , erklärte sie statdessen. ,, Wieso warten ? Sie könnten ihn jetzt sofort verhaften. “ ,, Na sie wollen vielleicht dabei sein, wenn wir ihn erledigen.“ , antwortete Favelli

und stand auf um sich mit dem Piloten des Landungsschiffs zu unterhalten. Die Instrumente nützen ihnen hier draußen nicht viel und sie mussten sich darauf verlassen, dass sie irgendwie zum Hive zurückfanden. ,, Wie viel haben sie ihnen erzählt ?“ , fragte Aaren Abundius, sobald er sichergehen konnte, das Favelli außer Hörweite war. ,, Das meiste.“ , antwortete der Mann leise. Aaren seufzte. Irgendwie verstand er Mann es immer noch, ein Gespräch unnötig in die Länge zu ziehen. Besonders dann, wenn es auf Zeit ankam. ,, Und was haben sie nicht erzählt

?“ ,, Ich dachte unseren schwimmenden Freund lasse ich erst mal aus.“ ,, War vermutlich auch besser so.“ Er sah eine Weile schweigend aus dem Fenster auf die Wellen. Mittlerweile war der Himmel größtenteils erneut von grauen Wolken bedeckt, die Richtung Horizont mit dem Meer zu verschmelzen schienen. In der Ferne wurde bereits eine große Struktur über dem Wasser sichtbar. Stahltürme und Glasdächer blitzten ineinem Sonnenstrahl, der noch seinen Weg durch die Wolkendecke hindurch fand. Der Hive. ,,Ich hatte eigentlich nicht Gedacht noch einmal hierhin zurück zu

kommen.“ ,, Wie haben sie bitte vier Tage überlebt ?“ , wollte Abundius wissen. ,, Eigentlich müsste ich sie das fragen. Ich hatte eine Insel, sie nur ein Stück Kunststoff. ,, Entwickeln sie plötzlich so was wie Humor ?“ ,, Ist nie zu spät dafür.“ ,, Das ich das noch erlebe.“ Abundius schüttelte lediglich den Kopf. Dann meinte er ernster: ,, Sie hatten keine Mentalblocker oder ?“ ,, Nein.“ , antwortete Aaren. Und das war seltsam. Fünf Jahre… waren eine lange Zeit. Und doch schien es ihm, als wäre keine Sekunde vergangen. Er

konnte das Gesicht des sterbenden Mannes vor sich sehen… das Grab. Er schüttelte die Gedanken ab. ,, Eine bitte : Lassen sies einfach weiterhin sein.“ ,, Kann ich nicht.“ , erwiderte Aaren leise. ,, Weil sie als Kommissar weiterarbeiten müssen ?“ ,, Nicht nur deshalb. Es gibt durchaus Kommissare, die ohne Mentalblocker arbeiten. Meistens die älteren.“ Allerdings… waren das auch nicht unbedingt die freundlichsten Gestalten. Was die Jahre des Konsums mit ihnen angerichtet hatten war… beängstigend. Vielleicht wurden Kommissare auch

teilweise deshalb dazu angehalten, ihren Medikamentenspiegel hochzuhalten. Damit sie keine Angst vor den Folgen hätten… Ein seltsamer, beinahe häretischer Gedanke, wie Aaren feststellte. ,, Wie dem auch sei, das habe ich für sie gerettet.“ Abundius hielt ihm seine zweite Pistole mit dem Griff zuerst hin. Aaren nahm die Waffe langsam entgegen. Die Buchstaben drückten sich in seine Handfläche. ,, Hat die noch Munition ?“ , wollte er wissen. ,, Meine ist mir… abhandengekommen.“ ,, Ich weiß nicht ob das Wasser den Patronen geschadet

hat.“ Aaren schüttelte den Kopf. Die Kommissar-Waffen waren darauf ausgelegt selbst unter extremsten Bedingungen zu funktionieren. Ein bisschen Salzwasser war da noch das harmloseste. ,, Danke.“ , meinte er, während er die Waffe an sich nahm und ins Halfter steckte. Mittlerweile war der Hive bereits als silberne Silhouette vor dem Horizont zu erkennen. Wenige Minuten später setzte das Shuttle auf einer der Landungsplattformen auf. Leutnant Hannah gab dem Piloten noch

ein paar Anweisungen: ,, Fliegen sie zurück in den Orbit, wir sollten damit anfangen unsere Leute so schnell wie möglich hier runter zu bringen.“ Der Mann nickte und während Aaren noch aus dem Schiff kletterte, wobei ihn das Bein kaum noch behinderte, liefen die Turbinen bereits wieder an. ,, Haben sie was gesagt ?“ , fragte er an Abundius gerichtet. Das Landungsschiff war so laut, das er kaum sein eigenes Wort verstand. ,, Nur das ich gerne Callahans Gesicht sehen würde, wenn er erfährt, das wir noch leben.“ Einen Moment starte der Mann über den Rand der Landeplattform in die Tiefe. ,, Und das ich jetzt

garantiert schwimmen lerne.“ Aaren nickte, während sie losgingen, Auf der Brücke ,die zum Hive führte erwartete sie bereits jemand. Ein wenig hatte das ganze etwas von einem Déjà-vu ihrer Ankunft vor einer Woche. Nur das es freilich nicht der Gouverneur war, der sie begrüßte. Der Mann, der auf sie wartete trug einen blauen Schulterumhang, eine Schirmmütze im selben Farbton und eine schlichte blauschwarze Uniform darunter. Ärmelabzeichen und Schulterklappen waren in einem goldenen Farbton gehalten. Unter der Schirmmütze grau schimmernde Augen musterten die Neuankömmlinge

nüchtern. Schwarze Haare, die zu dunkel waren um nicht gefärbt zu sein fielen ihm über die Ohren. Nur an den Schläfen schimmerte grau. Flankiert wurde er von zwei Männern in Elektorats-Uniform. An der Hüfte trug der Mann einer Pistole mit den eingravierten Worten: ,, Fiat iustitia, et pereat mundus“ Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde. Aaren konnte die hervorstehenden Buchstaben erkennen. Seltsam, dachte er. Seltsam… das war ohne Zweifel eine Kommissar-Waffe, aber der Mann war vom Militär, nicht von Ministerium. Und zu allem Überfluss, was den seltsamen Eindruck noch Verstärkte, den

er auf Aaren hatte, trug er auch noch einen Säbel, welcher aber wohl eher ein Rangabzeichen darstellte. Die meisten Klingenwaffen aus Metall würden die heutigen Panzerungen nicht einmal ankratzen. Es sei denn natürlich… ,, Admiral Vänskä nehme ich an.“ , begrüßte Aaren ihn. ,, Und sie sind Kommissar Aaren Terrel.“ Einen Moment standen beide auf der Brücke ohne sich zu bewegen. Zwei Menschen aus vollkommen unterschiedlichen Gesellschaftlichen Bereichen. Der eine hochrangiges Militär, der andere abgesandter des Justizministeriums.

Irgendwann, nach einer Zeitspanne, die Aaren wohl schlicht länger vorkam, als sie tatsächlich war, nickte der Admiral ihm einfach nur zu. Etwas, das man Wahlweise für eine Respektsbekundung, aber auch leicht für Geringschätzung halten konnte. Er wusste nicht, welche Möglichkeit ihm weniger gefiel. ,, Gut das sie hier sind. Ich will Callahan nicht länger frei herumlaufen lassen, als unbedingt nötig.“ , meinte er. ,, Bei allem Respekt, wissen sie wirklich, womit sie es zu tun haben ?“ , wollte Aaren wissen. Er wusste es ja selbst nicht. Und bis er es wusste… würde er auch weiterhin nicht alles erzählen.

Ein paar Karten in der Hinterhand zu haben war selten Verkehrt. Er misstraute dem Admiral zwar nicht, aber er musste sich selbst erst einmal in Ruhe damit befassen. Fünf Jahre… Aaren musste wieder an Abundius Vorschlag denken, die Mentalblocker weg zu lassen. Er wusste nicht, ob er dazu in der Lage wäre. Jedes Mal wenn er die Augen schloss, waren da wieder die gleichen Bilder. Und es gefiel ihm nicht. Es gefiel ihm nicht, darüber nachdenken zu müssen. Er hatte fünf Jahre so gelebt, ohne Probleme, warum jetzt nicht mehr… ,, Einem Verräter. Das ist alles was ich

wissen muss.“ , erwiderte Vämskä, bevor er seine Adjutantin heranwinkte. ,, Leutnant Favelli haben sie ja schon kennengelernt.“ Aaren nickte und sah zurück zum Landungsschiff, das grade wieder abhob. Eine Windböe , ausgelöst durch die Anfahrenden Turbinen zerzauste ihm die Haare und ließ ihn schaudern. ,, Das ist eine Energiewaffe, oder ?“ , fragte Abundius und deutete in Richtung des Admirals. Oder besser der Klinge, die dieser am Gürtel trug ,, Ich dachte die sind noch experimentell.“ ,, Nicht mehr.“ , antwortete Favelli. ,, Es sind trotzdem sinnlose Waffen.“ , meinte Aaren. ,, Unnötig Brutal und

einer Pistole jederzeit unterlegen.“ ,, Ich weiß nicht.“ , erwiderte Vämskä und zog die Klinge. Ein schwaches Glühen hüllte den Stahl ein, das man nur sah, wenn man es aus dem richtigen Winkel betrachtete. ,, Aber ich finde eine Waffe, die praktisch durch jede Panzerung schneidet, ist äußerst praktisch.“ Sie gingen schweigend weiter über die Brücke, bis sie die Türen ins Innere der Anlage passierten. Aaren kam nicht umhin festzustellen, dass sich in den wenigen Tagen einiges verändert hatte. Ein halbes Dutzend Elektorats-Soldaten flankierten das Foyer und die wenigen Leute, die sich her trauten,

verschwanden so schnell wie möglich wieder. Es war wohl Verständlich. Erst taucht ein Kommissar auf und dann auch noch das Militär. Das würde wohl jeden unsicher werden lassen. Trotzdem hielt es einige nicht davon ab, stehenzubleiben und die Neuankömmlinge zu beobachten. Der Admiral sah sich ungehalten um. ,, Werdet ihr fürs rumstehen bezahlt ?“ , fragte er in die Runde der Schaulustigen. Die meisten traten ein paar verängstigte Schritte zurück. ,, Wo ist Callahan ?“ , wollte Aaren derweil wissen. Der Gouverneur war im Augenblick alles, was ihn interessierte. Wenn der Mann festgesetzt war… konnte

er sich über den Rest Gedanken machen. Und sich einmal ausführlich mit ihm unterhalten. ,, Im Verwaltungsbezirk. Wir haben ihn nicht unter Hausarrest gestellt aber klar gemacht das es… gesünder wäre wenn er in seinem Büro bleibt“ , erwiderte Favelli. ,, Was ist mit der wissenschaftlichen Leiterin ? Eleanor Haddington.“ , wollte Abundius wissen. ,, Was ist mit der ?“ , fragte der Admiral . Etwas zu interessiert, wie Aaren dachte. ,, Nichts.“ , erwiderte Abundius. ,, Ich will nur nach ihr sehen.“ Die grauen Augen des Admirals

musterten ihn einen Moment. ,,Schön. Gehen sie.“ Abundius verabschiedete sich darauf hin, während Aaren und der Admiral einen Aufzug nahmen, der sich in den Verwaltungsbezirk des Hive und in die Nähe von Callahan bringen würde. Favelli blieb in der Halle zurück ,, Waren sie bei den Kommissaren ?“ , fragte Aaren, während die Kabine langsam Anfuhr und der Platz unter ihnen zurück blieb. ,, Wegen der Waffe ? Die gehörte meinem Vater. Ich selbst habe einen anderen Weg gefunden, dem Elektorat zu dienen. Was ist mit ihnen?“ ,, Darf ich ehrlich sein

?“ ,, Solange sie nichts sagen, das mich zwingen würde sie zu erschießen.“ Das hätten vor wenigen Tagen noch seine Worte sein können, stellte Aaren fest. Ironie. Die Aufzugs-Kabine war verglast und sie konnten nach unten in die Eingangshalle spähen. Sie waren bereits ein gutes Stück vom Boden entfernt und die Leute unten wirkten fast wie Spielzeug. ,, Wenn man so viel Zeit zum Nachdenken hat, dann…“ , er zögerte, ,, Ich bin mir einfach über gar nichts mehr sicher.“ Der Admiral schien die Bemerkung gar

nicht zu registrieren. ,, Gibt es noch irgendetwas, das ich wissen sollte ?“ , fragte Vämskä. ,, Wie meinen sie das ?“ ,, Was ich meine ist, was haben sie da draußen gefunden. An Bord der Salmakis muss es doch irgendetwas neben den Laboren gegeben haben.“ Der Admiral sah auf die Anzeige des Aufzugs. ,, Callahan ist ein Intelligenter Mann. Er hätte das Schiff nicht versenkt, wenn es dort nichts gegeben hätte. Dazu ist das Risiko, das er eingegangen ist viel zu groß.“ ,, Ich weiß es nicht.“ , antwortete Aaren. Eine Antwort, die der Wahrheit so nah wie möglich kam. Er überlegte…

vermutlich Schadete es nichts, etwas mehr zu verraten. ,, Sie haben die Berichte über dieses Zeug, das sie hier gefunden haben? Ich weiß noch immer nicht genau um was es hier geht, aber… wir sollten sehr Vorsichtig sein.“ , schloss Aaren. Vämskä nickte, während er auf die Stockwerksanzeige des Fahrstuhls sah. ,, Da müssten sie mir schon mehr verraten. Sie verheimlichen doch wa…“ Ein Ruck ging durch den Fahrstuhl, als dieser ohne Vorwarnung stehen blieb. Die Beleuchtung begann zu flackern und von irgendwo über ihnen kam das Geräusch von Splitterndem Glas. ,, Was zur Hölle war das ?“ Der Admiral

hatte seine Pistole gezogen und zielte auf die Decke. ,, Ich weiß es nicht.“ , erwiderte Aaren. Unten in der Halle war Panik ausgebrochen. Leute rannten hin und her, die Gestalten der Elektorats-Soldaten sahen sich nach allen Seiten um. Auch in der Halle war der Strom ausgefallen und die einzige Beleuchtung kam nun von der verglasten Decke. Von der ehemals verglasten Decke. Etwas hatte sie zerschmettert und im Scherbenhagel hangelten sich mehrere Dutzend bewaffnete Männer in dunkler Kampfausrüstung herab. ,, Das ist gar nicht gut.“ Der Admiral war derweil damit

beschäftigt über ein kleines Headset Befehle zu erteilen. ,, Was soll das heißen, sie wissen nicht wer die sind ?“ , schrie er. Aaren konnte nur Bruchstücke der Antwort verstehen. ,, Keine Ahnung… verdammt.. sterben nicht.“ ,, Was ?“ ,, Ziehen uns zurück.“ , kam die nur schwer verständliche Antwort. Vämskä schaltete das Funkgerät ab. ,, Wie hoch stehen die Chancen das das Zufall ist ?“ ,, Ich würde sagen, die geht gegen Null.“ Die Notstromversorgung sprang an und der Aufzug fuhr weiter.

,, Jede Wette, die sind wegen dem Gouverneur hier.“ Aaren sah hinab in die Halle, wo die blau gekleideten Elektoratssoldaten sich verstreuten und in die Gänge des Hive zurückzogen. ,, Dann finden wir ihn besser, bevor die es tun. Und danach haben sie mir einiges zu erklären Terrell.“

Kapitel 13 Verlorene Schlachten



Aaren trat als erster auf den Gang hinaus, nachdem der Fahrstuhl zu einem Halt gekommen war. Die zwei Pistolen hielt er dabei im Anschlag und sah sich nach allen Seiten um. Noch schien hier alles ruhig. Aber der Flur auf dem sie sich befanden schien vollkommen verlassen. Einige Türen waren aufgerissen worden und Papiere lagen auf dem Boden verteilt. Davon ausgehend, das sie eben erst gemerkt hatten, was vor sich ging, musste das ganze ziemlich schnell

passiert sein, dachte Aaren. Von unten hörte er immer noch Gewehrfeuer, obwohl die Elektorats-Soldaten sich doch zurückgezogen hatten. ,,In Welcher Richtung liegt Callahans Büro ?“ , fragte er, die Pistole im Anschlag. Er konnte sein Blut in den Ohren rauschen hören, seine Sinne waren aufs äußerste Gespannt. Auch wenn Kommissare sich verteidigen konnten, sie waren eigentlich keine Soldaten, wenn es nicht nötig wurde. Zumindest war er ganz sicher nicht auf so etwas wie das hier vorbereitet. Aaren versuchte, seine Furcht unter Kontrolle zu bringen. Es gelang ihm erstaunlich gut, wie er

zufrieden feststellte. Das hier war ungewohnt, ja, aber nichts, womit er nicht fertig wurde, Mentalblocker hin oder her. ,,Den Gang runter.“ Admiral Vämskä deutete nach rechts. Langsam und geduckt liefen sie den Flur hinab. Immer, wenn sie eine offene Tür passierten, nahm sich Aaren kurz Zeit hineinzuspähen. Die Räume waren allesamt verlassen. Büros, Archive… nichts Interessantes zumindest. Und trotzdem hatten die Angreifer offenbar jeden der Räume durchkämmt, vielleicht auf der Suche nach Callahan. Nur ein einziges Mal fanden sie

jemanden. Einen junger Mann, der sich unter einen Tisch gekauert hatte. Als Aaren den Raum zuerst betrat, hatte sich dasselbe Bild wie in den anderen Büros geboten. Papierfetzen und Aktenordner waren aus den Schränken gekippt worden, ein Fenster auf der Rückseite lag als Ansammlung von Splittern auf dem Boden. Und ein Toter lag halb auf dem Gang, die Hände noch ausgestreckt, als hatte er gehofft, seinen Gegner irgendwie abwehren zu können. Es gab keine Schusswunde. Während Aaren sich umsah, versuchte der Admiral seine Leute über Funk zu organisieren. Noch immer hatte keiner

eine Ahnung, wer sie angriff, nur, dass sie das halbe Dutzend Elektorats-Soldaten immer weiter zurückdrängten. ,,Was ist mit der Verstärkung ?“ , fragte Vämskä. ,,Die sollte doch bald hier sein.“ Die Verbindung war immer noch schlecht, aber die Antwort genügte ihm . ,,Wenn.. solange standhalten.“ ,,Haltet sie nur von den Treppen und Aufzügen fern. Sieht so aus als wären hier oben auch welche und ich möchte nicht, das uns jemand in den Rücken fällt. Verstanden?“ ,,… Möglichstes.“ Dann riss die Verbindung ab. ,,Die müssen irgendwo einen Störsender

haben.“ , stellte Aaren fest. ,,Oder aber…“ Ein leises Geräusch ließ Beide sofort verstummen. Unter einem der Tische bewegte sich etwas. ,,Rauskommen.“ , reif Aaren und richtete die Waffe auf die am Boden kauernde Gestalt, die ihm zuvor entgangen war. ,,N… Nicht schießen, ich bin unbewaffnet.“ Ein Mann in weißem Hemd tauchte unter dem Tisch auf. ,,Schon gut, sagen sie uns nur was hier passiert ist.“ , versuchte Aaren ihn zu beschwichtigen. ,,Ihnen passiert nichts. Zumindest tuen wir ihnen nichts.“ Der Mann brauchte eine Weile, bis er

antwortete: ,,Keine Ahnung… es ging alles so schnell. In einem Moment mach ich noch Gehaltsabrechnungen und im nächsten… Die sind durchs Fenster reingekommen und ich habe mich versteck. Die anderen sind weggelaufen.“ ,,Wie viele waren es ?“ ,,D..drei glaube ich.“ ,,Ausrüstung ?“ ,,Zwei mit… Gewehren glaube ich, schwarz getönte Ausrüstung und der dritte… Ich hatte mich versteckt, aber er hat mich gesehen, das weiß ich. Hat Gegrinst wie ein Wahnsinniger und…“ ,,Was war mit dem dritten ?“ ,,Er…“ Der Mann nickte zu der Leiche in der Tür. ,,Hat Donovan mit bloßer

Hand das Rückgrat gebrochen.“ ,,Ich kann mir schönere Tode vorstellen.“ ,,Können sie laut sagen.“ , meinte der Admiral. ,,Okay, hören sie, machen sie, dass sie hier wegkommen. Wenn sie das Treppenhaus nehmen, sollte ihnen unsere Leute entgegenkommen.“ Der Mann nickte und ging aus dem Zimmer. Aaren sah ihm kurz nach. Sobald er den Gang erreichte fing er an zu rennen. ,,Wir müssen weiter.“ , ermahnte Vämskä ihn. ,,Die, wer immer die auch sind, haben einen guten Vorsprung und Callahans Büro ist nicht mehr

weit.“ Aaren nickte, dann liefen sie los. Als sie das Büro erreichten, stieß der Kommissar die Tür ohne Vorwarnung auf. Die Waffe hatte er im Anschlag und zielte auf die Stelle, von der er wusste, dass sich der Schreibtisch des Gouverneurs dort befand. Der Raum war leer. Die Bücher standen ordentlich in ihrem Regal und nur ein kleiner Stapel aufgeschlagener Akten auf dem Tisch verriet, dass vor kurzem noch jemand hier gewesen war. Aaren ließ die Waffe sinken. ,,Verdammt.“ ,,Wenn diese Kerle in den schwarzen

Panzerungen Callahans Leute sind…“ , überlegte Vämskä. ,,Dann wollen sie ihn sicher hier weg bringen.“ , beendete Aaren den Gedanken. ,,Wo ist das nächste Dock oder die nächste Flugplattform ?“ ,,Es gibt zwei, wenn ich den Plan dieser Ebene richtig im Kopf habe. Ein Dock einige Ebenen unter uns und eine Plattform den Gang hinauf.“ ,,Dann teilen wir uns also auf. Wollen wir Münzen werfen?“ ,,Nein, ich kümmre mich um das Dock.“ , erwiderte der Admiral. Mit ihrem Bein sind sie zu langsam.“ ,,Eigentlich geht’s mir“ Der Admiral war bereits verschwunden ,,ganz gut.“

Aaren verschwendete ebenfalls keine Zeit. Den Gang hinauf, einem Schild folgend bog er rechts ab…, hinein in einem von Säulen gesäumten Gang, der wohl als Zugang für Besucher und hohe Gäste vorgesehen war. Eine Kugel jagte an ihm vorbei und er musste sich hinter eine der Säulen in Deckung bringen. Wenigstens weiß ich jetzt dass ich richtig bin, dachte er. Sicher würden Callahans Leute seinen Rückzug decken wollen. Aber wo war der Schütze? Er durfte keine Zeit verschwenden… Aaren lugte Vorsichtig hinter der Marmorsäule hervor. Sofort schlug knapp über seinen Kopf eine zweite

Kugel in den Stein. Er zog sich wieder zurück. Er hatte gesehen, was er hatte sehen müssen. Sein Gegner saß wie er hinter einer Säule, allerdings am anderen Ende des Ganges. Und er hatte en Gewehr. Ohne nachzudenken rollte er sich aus der Deckung heraus und feuerte Blind in die Richtung des Schützen. Vier Kugeln durchsiebten den Brustkorb des in schwarz gekleideten Mannes. Die Wucht der Treffer schleuderte ihn zu Boden und die Waffe fiel ihm aus der Hand. Sofort rannte Aaren los. Zu seinem Entsetzen musste der Kommissar jedoch zusehen, wie sich der Mann langsam wieder aufrichtete, nach seiner

verlorenen Waffe tastend. Blut rann aus den deutlich sichtbaren Einschüssen in seiner Kleidung. Das war doch nicht möglich… Aaren jagte dem Mann eine weitere Kugelsalve in den Körper, dieser machte aber immer noch keine Anstalten zu sterben. Stattdessen breitete sich ein blutiges Grinsen über sein Gesicht aus. Die dunklen Augen musterten ihn mit animalischer Ruhe… Aaren bekam es mit der Angst zu tun. Ein immer noch ungewohntes Gefühl. Aber er blendete es aus. Seine Gedanken rasten, während der Mann der nicht sterben wollte weiter nach seiner Waffe tastete… und sie

beinahe erreicht hatte. Aaren war schneller. Er riss erneut die Pistole hoch und diesmal zielte er. Die nächste Kugel traf den Mann in den Kopf. Der Schädel wurde halb zerstört. Das muss dich aber einfach erledigen, dachte er. Die Gestalt sank endlich in sich zusammen und rührte sich nicht mehr. Eine Weile stand Aaren schwer amtend über den Toten gebeugt. Der Mann hätte schon beim ersten Treffer sterben müssen, er hätte sofort tot sein müssen… das war der einzige Gedanke, der wie eine hängengebliebene Schallplatte durch seinen Kopf hallte. Und stattdessen war er einfach wieder

aufgestanden, als würde er die Wunden gar nicht spüren. Endlich konnte Aaren sich dazu durchringen, weiterzulaufen. Die Landeplattform konnte nicht mehr weit sein. Als er durch eine Flügeltür hinaus ins freie Stolperte, musste er kurz das Gesicht mit der Hand abschirmen. Die Sonne blendete ihn und das Geräusch anlaufender Motoren dröhnte in seinen Ohren. Der Motor eines starbereiten Landungsschiffs… Aaren konnte Callahan erkennen, der bereits in der Einstiegsluke stand, zusammen mit zwei anderen Männern…

Unter ihnen in der Tiefe toste das Meer, aufgewühlt durch den starken Wind, der bereits Sturmwolken herantrieb, welche die Sonne verschluckten. Und wenn er sich nicht irrte, hörte er zwischen den Wellen weitere startende Maschinen. Die Docks lagen unter ihnen und wenn Callahans Leute diese besetzt hatten… Sie stahlen die Schiffe? SO oder so, das fand hier ein Ende. Aaren riss die Pistole hoch und gab einen Warnschuss ab. Der Gouverneur drehte sich langsam zu ihm um. Er könnte sich mit einem einzigen Schritt in Sicherheit bringen. Stattdessen trat er vom Schiff

zurück. ,,Was zur Hölle soll das alles ?“ , fragte Aaren. Er beobachtete die anderen zwei Männer. Der eine trug ein Gewehr gleich dem, das der Soldat getragen hatte, den er im Flur getötet hatte. Callahans zweiter Begleiter hingegen schien unbewaffnet und trug einen schwarzen Offiziersmantel mit Schirmmütze. Der Mann mit dem Gewehr legte auf Aaren an. Bevor er jedoch dazu kam, auf ihn zu schießen, bedeutete Callahan ihm, die Waffe zu senken. ,,Wissen sie Aaren, ich hatte irgendwie schon damit gerechnet, das wir uns noch einmal sehen.“, begann er, ,,Das Elektorat ist wie der Riese Polyphem ,

mit nur einem Auge, das starr eine Richtung verfolgt. Und alles andere zermalmt. Es wird Zeit daran einiges zu ändern.“ ,,Wie meinen sie das ?“ Aaren ließ die Pistole sinken. ,,Weil es falsch ist Aaren. Sie sind zu verblendet um das zu verstehen. Ihre Gesetzte… ihr ganzes System verbietet es ihnen auch nur einen Blick auf das Gesamtbild zu werfen. Können sie mir beispielsweise sagen, wann das letzte Mal ein Minister ersetzt wurde?“ Aaren schwieg. ,,Vor Zehn Jahre Terrel. „ , beantwortete Callahan seine eigene Frage. ,,Was ich meine ist… wer macht

den ihre Gesetze, die sie so fanatisch umsetzen? Nicht die Bewohner des Elektorats, soviel ist klar. Nicht mehr zumindest.“ ,,Die Minister wissen was sie tun.“ , erwiderte Aaren, aber seine eigenen Worte klangen für ihn falsch. ,,Ach wirklich ? Ich sage, sie wissen es nicht. Sie sind auf ihren Posten verstaubt. Erstarrte Älteste, die sich nur um ihre eigene Macht scheren.“ War der Gouverneur vorher ruhig gewesen, schrie er ihn jetzt beinahe an. Und plötzlich wurde Aaren klar wieso. ,,Wieso hassen sie das Elektorat so sehr ?“ ,,Was

?“ ,,Kommen sie schon. Sie sind doch ein intelligenter Mann. Wir können uns darüber streiten, aber sie müssen zugeben, dass das Elektorat funktioniert. Seit über 100 Jahren.“ ,,Um welchen Preis ? Ich will nicht das Menschen sterben Terrel. Aber wenn ich muss… wenn ein paar mehr Tote alles in Ordnung bringen…“ ,,Sie haben meine Frage nicht beantwortet.“ , stellte Aaren fest. Callahan schwieg. Der Wind zerzauste ihm durch die verbliebenen grauen Haarsträhnen. Seine Augen bekamen einen traurigen Ausdruck, als er aufs Meer hinaus starrte. Schließlich sagte

der Gouverneur: ,,Ich bin euch keine Rechenschaft schuldig, Kommissar. Aber wenn ihr es wissen wollt.. lasst mich euch eine Geschichte erzählen. Wissen sie, was das Elektorat mit abtrünnigen Welten anstellt?“ ,,Es gibt keine…“ ,,Natürlich nicht. Es sind keine Nachrichten, die auf der Erde ankommen würden. Oder auf irgendeiner anderen Welt. Ich sah einen Planeten in Flammen Terrel. Einfach nur, weil seine Bewohner nicht mehr unter der ständigen Kontrolle des Elektorats leben wollten. Der Ministerrat lebt in einer solchen Angst vor einem weiteren

Bürgerkrieg wie vor 100 Jahren, das ihnen einfach jedes Mittel recht ist.“ ,,Manchmal sind Opfer notwendig und wenn dabei einigen….“ ,,Nein. Es sollten keine notwendig sein. Besser eine zersplitterte Galaxie als das. Lieber jeder Planet isoliert, als auch nur ein toter für eine seltsame Ideologie. Ich verlange nicht, dass sie das verstehen. Es hat mich den Großteil meines Lebens gekostet Terrel, aber hier, auf diesem Planeten habe ich den Schlüssel gefunden, das Elektorat zu vernichten.“ ,,Diese… Wesen ? Im Wasser ?“ ,,Interessant, dass sie die Begegnung mit einem Überlebt haben. Sie erwiesen sich eigentlich immer als recht…

aggressiv.“ ,,Was bei der Behandlung ja auch kein Wunder ist.“ , erwiderte Aaren und wusste nicht einmal selbst zu sagen, warum er wütend wurde. ,, Welche Rolle spielen die bei dem ganzen? Selbst mit ihrem… ist das wirklich ihr Blut?“ ,,Soweit wir wissen.“ ,,Selbst damit… verdammt was haben sie ihren Leuten angetan ? ich habe einen praktisch durchsiebt und er ist wieder aufgestanden. Selbst mit dem Blut dürfte das nicht möglich sein.“ Der Gouverneur bedachte ihn nur mit einem finsteren Blick. ,,Erklären sie es mir.“ ,,Warum sollte ich ?“ Callahan drehte

sich um und ging in Richtung des wartenden Landungsschiffs davon. ,,Stehenbleiben, oder ich schieße.“ Aaren hob die Waffe wieder und zielte auf den Gouverneur. ,,Nein, werden sie nicht.“ Er nickte dem Mann mit der Schirmmütze zu. ,,Skye . Töte ihn.“ Sofort wechselte Aaren sein Ziel und legte auf den als Skye angesprochenen Mann an. Er schoss zweimal auf ihn. Beim ersten Schuss, traf eine Kugel seinen Gegner in den Brustkorb. Völlig unbeeindruckt ging der Mann weiter. Als Aaren den Abzug das zweite Mal durchdrückte hörte er nur noch ein leises

Klicken. Keine Kugeln mehr und er hatte keine Ersatzmagazine dabei. Die lagen auf dem Meeresgrund oder in seiner Unterkunft mehrere Ebenen tiefer… ,,Großartig .“ , fluchte Aaren. Er holte mit der Waffe nach seinem näherkommenden gegenüber aus. Egal wie unverwundbar der Mann schien, ein Schlag gegen die Schläfen sollte ihn trotzdem verwirren. Bevor er jedoch dazu kam, fing Skye Aarens Arm in der Luft ab. Sofort versuchte dieser ihm das Handgelenk zu verdrehen, damit er die Waffe fallen ließ. Aaren holte mit der anderen Hand zu

einem Schlag aus. Er hätte genauso gut auf eine Mauer einschlagen können. Dafür musste er jetzt mit einem Schmerzensschreie endgültig die Waffe fallen lassen. Ein Hieb traf ihm an Kopf und ließ ihn benommen ein paar Schritte zurück taumeln. Er schmeckte Blut und fiel auf die Knie. ,,Ist… das schon alles ?“ , fragte Aaren, während er versuchte wieder aufzustehen. Die Welt drehte sich und ihm wurde schlecht. Ein Tritt gegen sein Bein brachte ihn wieder zu Fall. ,,Der ist nicht mal die eine Kugel wert.“ , meinte eine Gestalt, die er nur

noch Schemenhaft wahrnahm. Vermutlich Skye. ,,Töte du ihn. Und dann sammle die anderen. Wir gehen.“ Der Schatten entfernte sich. Ein Windstoß wirbelte Staub auf, als das Landungsschiff abhob und eine neue Gestalt in sein Blickfeld trat. Der Mann mit dem Gewehr. ,,Ich hatte mehr von einem Kommissar erwartet.“ Er hob die Waffe, zielte auf seinen Kopf… und erstarrte in der Bewegung.

Kapitel 14 Neugier


Aaren wagte es nur langsam, den Blick wieder zu heben. Eine Klinge ragte aus der Brust des Mannes über ihm und fraß sich ohne jeden Wiederstand durch das Gewebe. Im nächsten Moment wurde das Schwert herausgerissen und trennte den Kopf des Mannes vom Rumpf. ,,Sagen sie nochmal Energiewaffen sind unpraktisch.“ , meinte eine Stimme. Der Mann klappte zusammen. Und gab den Blick frei auf Hinter Admiral Vämskä, der das Schwert sinken ließ und Aaren eine Hand hinstreckte, um ihm

aufzuhelfen. ,,Das war viel zu knapp.“ , sagte Aaren. Um ihn drehte sich noch immer alles und selbst mit der dargebotenen Hand des Admirals fiel es ihm schwer, wieder auf die Füße zu kommen. ,,Callahan ?“ , fragte dieser nur. ,,Entkommen.“ , erwiderte er. ,,Verdammt.“ Aaren sah sich auf der Landeplattform um. ,,Wie sieht es jetzt in der Station aus ?“ ,,Keine Ahnung.“ Vämskä griff zum Funkgerät. ,,Könnte mir jemand einen Lagebericht geben ?“ ,,Sir, sind sie das ?“ , meldete sich eine unsichere Stimme am Ende der

Leitung. ,,Nein, meine Großmutter. Was glauben sie denn? Also Lagebericht.“ ,,Die Angreifer haben sich zurückgezogen und… die Verstärkung ist jetzt hier Sir.“ ,,Sehr gut. Verluste ?“ ,,Drei Tote bei uns. Und ein paar verletzte Zivilisten. Wir bringen sie grade in Sicherheit.“ ,,Und auf gegnerischer Seite ?“ , wollte Vämskä wissen. Ein Moment des Schweigens folgte vor der Antwort : ,,Keine.“ ,,Zwei.“ , verbesserte Aaren. Der Admiral nickte. ,,Ich habe den Toten auf dem Weg hierher

gesehen.“ Er wendete sich wieder an den Mann am Funkgerät: ,,Sonst noch was?“ ,,Äh… sie haben es sicher mitbekommen aber… die haben jedes Schiff und jeden Transporter den sie finden konnten mitgenommen.“ ,,Ja.. ich war am Dock.“ , erwiderte der Admiral und sah aufs Meer hinaus. In der Ferne sah man nur noch vereinzelte Punkte am Horizont. ,,Weiß der Teufel, was die damit wollen.“ ,,Sich einen militärischen Vorteil verschaffen.“ , meinte Aaren düster. Vämskä musterte ihn skeptisch. ,,Sie haben uns überrascht, aber egal wie viele Leute Callahan hat, er kann nicht

hoffen, es mit dem Elektorat aufzunehmen.“ ,,Da wäre ich mir nicht zu sicher. Der Kerl den ich erledigt habe, hat ziemlich was eingesteckt.“ Der Admiral schüttelte den Kopf. ,,Ich habe hier zwei tote Angreifer, die könnte sich mal jemand ansehen. Vielleicht diese Eleanaor wenn sie jemand findet. Und der andere Kerl… Abundius. “ Danach schaltete er das Funkgerät aus und wendete sich wieder Aaren zu. ,,So und sie sagen mir jetzt, was sie mir verschwiegen haben.“ ,,Wie bitte ?“ ,,Ich will verdammt nochmal wissen, wie

es möglich ist, das ein Provinz-Gouverneur eine Armee aufstellt, die aus Männern besteht scheinbar nicht sterben wollen oder können und meine Leute wie Frischlinge aussehen lassen.“ ,,Ich weiß nicht, woher er die Leute hat… aber ich fürchte, ich weiß wieso die mit mehreren Kugeln im Körper noch weiterlaufen können.“ ,,Ich warte.“ ,,Diese Substanz, von denen man ihnen erzählt hat…“ ,,Kann Wunden heilen, soviel weiß ich auch, aber sicher nicht so schnell.“ ,,Sie wissen vielleicht nicht alles darüber.“ ,,Kommen sie mal zum

Punkt.“ ,,Es ist Blut.“ , erklärte er, während er seine Waffen aufhob, die er im Kampf mit Skye verloren hatte. Die Geschwindigkeit… und vor allem die Leichtigkeit mit der ihn der Mann Besiegt hatte, machten ihm Angst. Wenn alle von Callahans Truppe so sind… ,,Mein Blut hat definitiv eine andere Farbe.“ ,,Ich rede auch nicht von menschlichem Blut.“ , erwiderte Aaren. ,,Mir ist da draußen… etwa begegnet. Callahan und seine Leute haben es erforscht ohne das Elektorat zu informieren und das nicht grade höflich … ich bin mir nicht

sicher.“ ,,Ein paar Fische machen mir keine Sorgen, selbst wenn sie unverwundbare sind.“ , meinte der Admiral. ,,Sollte es vielleicht. Die sind intelligent. Da bin ich mir ziemlich sicher.“ ,,Na klar. Das waren Delfine angeblich auch. Und was hat es ihnen gebracht? Heute gibt es auf der Erde keine mehr. Ich mach mir mehr Sorgen um den Irren, der grade mit der halben Hive-Flotte abgehauen ist. Und das sollten sie vielleicht auch. Immerhin, hat der versucht sie zu töten.“ Sie kehrten in das Foyer des Hive

zurück, durch das sie den Komplex betreten hatten. Die Leichen der zweig getöteten Männer waren bald abgeholt und in eine der tiefer gelegenen Labore der Anlage gebracht worden. Gewaltige Trümmer vom Glasdach lagen in der Halle verteilt, als Aaren aus dem wieder funktionierenden Fahrstuhl trat. Ein halbes Dutzend Arbeiter in Warnwesten war bereits dabei, die Splitte zu beseitigen, während alle Verletzten in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht worden waren. Ein Mann in blauschwarzer Uniform bemerkte ihn und den Admiral. ,,Sir.“ Er salutierte kurz. Vämskä musterte den Mann nur stumm.

,,Sie sagten wir hatten drei Tote ?“ Er nickte. ,, Sergeant Patricks, ein Mann, den wir ohne DNA-Test nicht mehr identifizieren können und noch ein Techniker, der nicht mehr rauskam. “ ,,Das sind drei zu viel.“ , erklärte der Admiral. Aaren suchte die Halle ab und entdecke Abundius, der sich ernst aber gefasst das Chaos ansah. ,,Das in ein paar Minuten so viel schief gehen kann.“ , meinte er, als Aaren sich näherte. Er erwiderte nicht sofort etwas. Von oben vielen Sonnenstrahlen durch die zerstörten Fenster, die aber immer wieder von vorbeitreibenden Wolken

unterbrochen wurden. Es sah aus, als würde das Wetter wieder schlechter. Es hatte schon oben auf der Landeplattform nach Sturm ausgesehen. ,,Wie geht’s Eleanor ?“ , fragte er schließlich. ,,Na ja, was würden sie machen, wenn ihr Boss sich als Verräter erweist.“ Aaren musste bei dem Gedanken Unwillkürlich grinsen. ,,Mein Boss wäre in diesem Fall eher derjenige, der die Verräter findet.“ ,,Stimmt wohl. Aber…“ ,,Was ?“ ,,Diese Favelli scheint irgendwie davon überzeugt, dass sie von Callahans Plänen gewusst haben muss. Oder zumindest von

mehr als sie zugibt.“ Er strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. ,,Die hatte doch wirklich die Nerven selbst während es Angriffs noch Vorhaltungen zu machen.“ ,,Aber sie glauben das nicht ?“ Abundius zuckte nur mit den Schultern. ,,Ich schätze mal meine Urteilsfähigkeit ist da etwas getrübt wie ?“ ,,Und sie und Eleanor…“ ,,Ich weiß nicht. Jetzt wo wir wohl fürs erste hierbleiben, denke ich… “ ,,Ich hatte nicht vor zu bleiben.“ , erklärte Aaren. ,,Aber wenn sie wollen, kann ich mal mit ihr reden Das Urteil eines Kommissars muss sie akzeptieren.“ ,,Dafür wäre ich ihnen zwar dankbar

aber.. . sie wollen wirklich gehen?“ ,,Meine Aufgabe hier ist eigentlich erledigt. Den Rest kann genauso gut das Militär übernehmen . Und…“ , er schwieg einen Moment. Ich verändere mich dachte er. ,,Ich sollte herausfinden, was mit Thomas Ackland passiert ist. Ich schätze, wir können davon ausgehen, dass er tot ist. Callahan wollte ihn loswerden, das ist alles. Fall abgeschlossen. “ ,,Da hätte ich wohl auch noch ein Wort mitzureden.“ , rief der Admiral. Weder Abundius noch er hatten gemerkt, dass Vämskä sich genähert hatte. Aaren drehte sich langsam zu dem Mann um. ,,Ich unterstehe ihnen nicht. Ich

unterstehe dem Justizministerium, genauer gesagt, direkt dem Minister. Sie können mir nichts befehlen.“ Und je eher er hier Verschwand… desto besser. Zumindest, bis er sich über einige Dinge klar geworden war. Sein Leben war in den letzten Tagen mehr aus den Fugen geraten, als in dem halben Jahrzehnt zuvor. ,,Und deshalb werden sie sich auch nicht einfach davonmachen Terrel.“ , erwiderte Vämskä. ,,Das heißt vielleicht nicht viel, aber sie sind schon länger hier als jeder meine Leute. Und auf dieser Station kann ich niemanden sonst vertrauen.“ ,,Dafür bin ich definitiv der

Falsche.“ ,,Vielleicht, aber sie sind der einzige Ortskundige den wir haben. Neben dem da.“ , er deutete auf Abundius. ,,Das sollten sie mit dem Minister absprechen.“ , sagte Aaren. ,,Die Verbindung zur Erde steht, das können sie sogar gleich selbst mit ihm absprechen.“ , erklärte der Admiral. ,,Ich veranlasse, das man eine Konferenzschaltung in ihr altes Quartier hier einrichtet.“ ,,Woher…“ ,,Wir haben Zugriff auf die gesamte Verwaltung. Wenigstens, alles was nicht Passwortgesichert durch den Gouverneur ist. Und da kommen wir auch noch ran.“

Es klang beinahe wie eine Drohung. ,,Schon.“ Er seufzte. So schnell kam er aus der Sache wohl nicht mehr raus. ,,Und was haben sie jetzt vor ?“ , wollte Aaren wissen. ,,Erst einmal rausfinden, wie groß der Schaden ist, den Callahans Leute verursacht haben. Und dann hoffe ich, dass die Wissenschaftsabteilung des Hive uns etwas sagen kann. Wenn diese Haddington rumpfuscht, lass ich sie Standrechtlich erschießen.“ ,,Sie übertreiben doch.“ , mischte sich Abundius ein. ,,Tue ich das ? Das hier war grade eine Schlacht… was folgt, ist der Krieg. Wenn es bis morgen früh keine neuen

Ergebnisse gibt, verfolgen wir Callahan. Er kann sich hier draußen nicht verstecken.“ ,,Er hat das ganze Meer für sich.“ gab Aaren zu bedenken. ,,Ich weiß. Verdammt… Gestern denke ich noch, das wird Routine… heute tauchen plötzlich Zombie-Soldaten auf. Ein Kommissar erzählt was von intelligenten Fischen und spätestens Morgen sitzt mir das Verteidigungsministerium im Nacken und will erfahren, wie ich praktisch am ersten Einsatztag drei Leute verlieren konnte. Ich bin begeistert.“ Der Admiral entfernte sich kopfschüttelnd. ,,Vergessen sie nicht sich beim

Justizminister zu melden. Der wartet sicher auch nicht gerne.“ ,,Und ich dachte immer, Kommissare wären schon schlimm.“ , meinte Abundius, nachdem er sicher war, das der Admiral verschwunden war. ,,Aber gegen den sind sie ja noch fast höflich.“ ,,Ich kann es ihm aber auch nicht verübeln.“ , meinte der Kommissar. ,, Seinen Job möchte ich jetzt garantiert nicht haben.“ ,,Sie reden mit Favelli ?“ Aaren nickte. ,,Keine Sorge. Aber jetzt rede ich erstmal mit dem Minister. Und sie ?“ ,,Eleanor untersucht grade den Soldaten, den sie erledigt haben. Und ein paar

andere sehen sich den an, den Vämskä erwischt hat.“ ,,Gut, sagen sie mir bescheid wenn es was neues gibt ?“ ,,Mache ich.“ ,,Ich habe den Admiral übrigens über unsere kleine Entdeckung auf dem Wrack informiert.“ ,,Und ?“ Er zuckte mit den Schultern. ,,Es hat ihn kaum interessiert.“ ,,Das ist vielleicht auch besser so.“ Aaren nickte. ,,Bloß verstehe ich einiges hiervon immer noch nicht.“ ,,Sie sind also neugierig ?“ ,, Vielleicht.“ ,,Neugierig genug um zu bleiben

?“ ,,Vielleicht.“ Die Verbindung war nicht besonders gut. Was bei der Entfernung natürlich auch kein Wunder war. Es gestaltete sich generell schon als Schwierig, die Kommunikation zwischen Planeten sicher zu stellen, aber im Fall von Liurie wurde es durch die abgelegene Lage und die Störungen in der Atmosphäre des Planeten fast unmöglich. Das Bild das Aaren auf der Oberfläche eins Bildschirms sah, war unstet und fiel immer mal wieder aus, aber wenigstens

schien die Audioverbindung in Ordnung. ,,Zuerst einmal muss ich ihnen wohl Gratulieren.“ , meinte der Minister. ,,Dazu besteht wohl, fürchte ich kein Anlass. Callahan ist entkommen und alles andere… wissen sie vermutlich bereits?“ ,,Das meiste.“ Aaren schwieg eine Weile. Er saß wieder in der kleinen Wohnung, die er am ersten Tag seiner Ankunft hier betreten hatte. Die Tür zum Balkon stand offen und in der Ferne sah er Wetterleuchten am dunkler werdenden Horizont. Er drehte das kleine silberne Justitia-Emblem in den Händen. ,,Ich wollte sie eigentlich bitten, mich zurückzubeordern.“

, sagte er schließlich. ,,Ich wollte sie um das Gegenteil bitten.“ ,,Wie darf ich das Verstehen ?“ ,, Wie ich es gesagt habe. Es ist ihre Entscheidung. Wenn sie zurück wollen, dann nur zu. Aber ich möchte, dass sie gut darüber nachdenken. Tun sie, was sie für richtig halten Terrel. Ich vertraue ihnen.“ ,,Danke.“ Er lehnte sich zurück. Die Verbindung stand noch, während sein Verstand arbeitete. Wie viele Tage keine Mentalblocker mehr ? Vier ? Fünf ? Aaren wusste es nicht. Seine Aufgabe war erfüllt… und selbst seine erwachten Gefühle sagten ihm, das es das Beste

wäre zu gehen. Er wäre heute beinahe gestorben und er hatte Angst gehabt. Angst… vor dem Tod ? Aaren schloss die Augen. Die Antwort kannte er nicht. Aber… da war auch noch etwas anderes, das der Angst entgegenstand. Neugier. Vielleicht hatte Abundius Recht. ,,Ich werde darüber nachdenken.“ , sagte er schließlich. ,,Das ist alles, worum ich sie bitten kann.“ Dann wurde die Verbindung beendet. Der Schirm vor ihm wurde dunkel. Aaren trat nach draußen auf den Balkon, von wo er das Meer und einen Teil der Einrichtung des Hive überblicken konnte. Die Wolken am Horizont wurden

dichter. Ein weiterer Sturm wie es aussah. Ein Blitz erhellte die Wolken, tauchte kurz alles in grelles Licht und schlug in einen Blitzableiter ein. Das wird dem Admiral nicht gefallen, überlegte Aaren. Und ihm gefiel es auch nicht. Nach einer Weile ging er zurück nach drinnen. Favelli. Er hatte sein Versprechen gegenüber Abundius nicht vergessen.

Kapitel 15 Gespräche

Die Soldaten des Elektorats waren in einige der leerstehenden Quartiere im Wohnbezirk der Station untergebracht worden. Aaren musste sich lediglich durchfragen, bis ihm jemand sagte, wo er Hannah Favelli fand. Die meisten zögerten kurz, bevor sie ihm antworteten. Und Aaren kannte dieses zögern nur zu gut. Der Moment, in dem sie sich die Frage stellten, wieso der Kommissar nach jemanden suchte. Und eine unverhohlene Angst vor ihm, die selbst die Soldaten nicht verbergen konnten. Ein Kommissar musste sich vor

niemanden für seine Taten verantworten, außer direkt den Ministern. Das war das Geheimnis, wie das Elektorat die Ordnung aufrechterhielt. Die verschiedenen Ministerien wie Justiz, Verteidigung oder Wirtschaft hatten alle ihre Verwaltungsapparate und Unter-Organisationen. Im Fall des Justizministerium Gerichte und Polizei. Darüber standen die jeweiligen Minister, die wiederum im Ministerrat ihr Vorgehen und Gesetzte abstimmten. Und nur nach diesen Plänen und gesetzten mussten sich die Kommissare richten. Nach der Ordnung, die das Elektorat vorgab. Und die die sie um jeden Preis durchzusetzen

hatten. Im Prinzip hieß das, das die meisten Kommissare früher oder später ein Todesurteil zu vollstrecken hatten, abhängig von Gesetzen und Situation. Stahl beispielsweise jemand etwas auf einer gut entwickelten Welt, konnte man denjenigen einfach an die örtlichen Sicherheit ausleifern. Geschah gleiches aber auf einem Raumschiff oder einer abgelegenen Station… war es eine Bedrohung für alle, denn der kleinste Fehler konnte hier Tote bedeuten. Und hier auf Liurie… Aaren konnte durchaus verstehen, wieso der Admiral nicht grade begeistert war. Sie wussten nicht, wer im Hive

möglicherweise noch auf Callahans Seite stand, oder ob die restlichen Mitarbeiter von Omnisphere nichts von dessen Plänen gewusst hatten. Er klopfte zweimal an die Tür und wartete. Er kam sich irgendwie dämlich vor, vor allem, da einige Soldaten auf dem Flur standen und ihn beobachteten. Kein Wunder. Von einem Kommissar erwarteten die meisten wohl eher, dass er eine Tür eintrat, anstatt höflich anzuklopfen. Früher hätte ihn das nicht gestört. Selbst noch vor fünf Tagen hätte es ihn nicht gestört. Jetzt jedoch war es ihm unangenehm, die Blicke im Rücken zu spüren und Aaren musste sich zusammenreißen, nicht lautstark zu

fragen, ob keiner von ihnen etwas Besseres zu tun hätte. Ruhig, sagte er sich selbst. Mentalblocker hätte das Problem schnell beseitigt. Warum hatte er als er die Gelegenheit hatte, keine genommen? Er wusste es nicht. Mal wieder. Die Dinge gerieten aus den Fugen und es kam ihm so vor, als wäre er dabei nur Beobachter… nicht Akteur. Die Stimme hinter ihm überraschte Aaren und er wirbelte herum, eine Hand auf dem griff der Pistole. Und erstarrte, als er Favelli erkannte. Nur langsam liest er die Waffe los. Er handelte aus reinem Instinkt. Aber manchmal waren diese eben etwas überempfindlich.

Warum ? Die Antwort war diesmal so simpel, dass er fast gelacht hätte. Fast. Er war Nervös. Zum ersten Mal seit Jahren. ,,Und das liegt nicht nur daran, das mich heute schon zweimal jemand töten wollte.“ , murmelte er leise. ,,Haben sie was gesagt ?“ , fragte Favelli. Aaren schüttelte den Kopf. ,,Sprechen sich Gerüchte hier immer so schnell rum ?“ ,,Ich bin Vämskäs Adjutantin.“ , erwiderte sie, als würde das als Erklärung ausreichen. Nein es gab eine simple Ursache, für seine überstrapazierten Nerven. Sie war eine

schöne Frau, was ihm vorher nicht aufgefallen war. Blonde Haare, die auch wenn militärisch kurz gehalten noch eine gewisse Eleganz behielten, grüne Augen, die das ansonsten eher unauffällige Gesicht hervorhoben. ,,Ist der Admiral immer so ?“ , fragte Aaren schnell. ,,Der Admiral steht nur unter Stress. Eigentlich ist er ein guter Mann.“ ,,Daran zweifele ich nicht. Er hat mir da draußen das Leben gerettet.“ Er sah Weg, ließ den Blick über den Flur wandern. ,,Allerdings, bin ich nicht deshalb hier.“ ,,Sondern ?“ ,,Das würde ich wirklich ungern auf

dem Gang besprechen.“ , antwortete er und nickte in Richtung eines der Soldaten. Sie zuckte die Schultern und öffnete die Tür der kleinen Wohnung. Die Einrichtung war wohl überall dieselbe. Ein Tisch, ein paar Schränke… ,,Sie haben mit der wissenschaftlichen Leiterin der Station gesprochen, oder ?“ , wollte Aaren wissen, sobald er die Tür hinter sich schloss. ,, Eleanor Haddington.“ ,,Das ist richtig.“ Er trat an ein Fenster, von dem aus er allerdings kein Wasser sehen konnte. Etwas, das fast unwirtlich wirkte, nachdem Aaren sich mittlerweile schon

daran gewöhnt hatte. Stattdessen überblickte er eine der großen Hallen des Hive, eingeschlossen von hoch aufragenden Türmen und Bauten. Durch das Glasdach unter sich konnte er Leute sehen, die geschäftig hin und her strömten. Aber in ihrer Eile lag nun auch so etwas wie Angst. Jeder wollte scheinbar so schnell wie möglich Weg von der Straße. ,,Und glauben sie, das sie mit Callahan zusammengearbeitet hat ?“ , fragte Aaren. ,,Sie ist eine der naheliegenden Verdächtigen. Sonst nichts.“ , erwiderte sie. ,,Das zu beurteilen, sollten sie vielleicht

mir überlassen.“ Er gab sich Mühe, nicht drohend zu klingen, wobei er eigentlich Grund dazu gehabt hätte. Solche Verdächtigungen übertraten ihre Befugnisse bei weitem. ,,Ich dachte sie wollen uns verlassen.“ Sie klang ernsthaft überrascht. ,,Aber noch bin ich hier.“ , antwortete Aaren. ,,Und so lange das so ist, steht mein Urteil über ihrem.“ ,,Auch über dem des Admirals ?“ Aaren wendete sich vom Fenster ab. ,,Was soll das heißen ?“ ,,Nichts. Ich will nur wissen, auf welcher Seite sie stehen.“ ,,Sicher das sie bei der Kommission nicht besser aufgehoben wären ?“ ,

fragte Aaren der lachen musste. Er schalt sich selbst dafür, aber…er konnte nicht anders. Plötzlich stand er selber im Kreuzverhör und er hatte es erst gar nicht bemerkt. ,,Die Kommission ist kein Platz für mich.“ , antwortete sie ernst. Er zwang sich selbst wieder zur Ruhe. ,,Wieso nicht ?“ ,,Ich glaube nicht, das ich einfach so über das Leben von jemanden entscheiden könnte.“ ,,Im Kampf treffen sie die selbe Entscheidung.“ ,,In einem Gefecht hat man keine Wahl. Man muss nicht abwägen, es gibt nur mein Leben oder das der anderen. Eine

einfache Entscheidung.“ Aaren schwieg kurz, während er nachdachte. Natürlich war es schwer, ein Urteil zu fällen, wenn man wusste, dass ein Leben davon abhing. Aber… ,,Die Urteile der Kommissare sind gerecht.“ ,,Wissen sie das wirklich ?“ ,,Ich habe selbst mehrere Vollstrecken müssen. Sicher , es gibt immer Raum für Fehler aber…“ ,,Aber es ist ein Preis, der die Gesellschaft stabil hält wie ?“ ,,Sie verstehen es also ?“ Aaren blinzelte. ,,Ein wenig. Das ist doch genau dasselbe, was die Armee tut. Nur im größeren

Maßstab.“ Aaren musste zurück an Callahans Flucht denken. Was hatte er gesagt… ,,Können sie mir eine Frage beantworten ?“ ,,Das kommt auf die Frage an.“ Aaren war sich nicht sicher, wie er anfangen sollte. ,,Ich habe es nie selbst erlebt… aber , was macht das Elektorat mit Welten, die versuchen sich vom System loszusagen ?“ Favelli zögerte. ,,Sie dulden keine Abweichler. Das wissen sie.“ ,,Ich denke ich verstehe.“ , sagte Aaren. Er wendete sich zum Gehen. ,,Ordnung und Licht.“ ,,Sie heißen das nicht gut ?“ ,

Er blieb stehen. ,,Ich weiß es nicht. Ich bin mir im Moment über gar nicht mehr sicher.“ ,,Das Elektorat steht für die Menschheit ein. Sie wissen was richtig ist.“ ,,Der könnte von mir sein.“ , meinte Aaren. ,,Sagen sie Favelli… ist das ein spanischer Name ?“ ,,Italienisch. Auch wenn das wohl schon ein paar Generationen zurück liegen dürfte. Und sagen sie Hannah.“ Aaren nickte und verabschiedete sich dann. Draußen lief er eine Weile Ziellos durch die Flure, bis er die Quartiere des Elektorats-Militärs hinter sich gelassen

hatte. Er blieb vor einem großen Fenster stehen, das auf die Docks des Hive hinausging. Dort lagen jetzt bedeutend weniger Schiffe vor Anker, dafür waren nun für jedes davon ein Kontingent von Wachen abgestellt worden. Und auf einige wurden bereits Vorräte und Waffen geladen. Einige Männer schleppten große Metallteile und ein Lastenkran brachte weitere Kisten auf eines der größeren verbliebenen Schiffe. Aaren nahm nur nebenbei Notiz davon. Er versuchte immer noch Ordnung in das Chaos in seinem Kopf zu bringen. Fünf Jahre und jetzt schien es ihm, als sei er für alles überempfindlich geworden. Es

hatte ihn Mühe gekostet bei dem Gespräch mit Favelli… Hannah…. Konzentriert zu bleiben. Aaren hoffte, das er sich mit der Zeit wieder daran gewöhnen würde. Aber warum ? Er konnte jetzt einfach auf sein Zimmer gehen, die Mentalblocker suchen und wieder zurück an die Arbeit gehen. Ohne emotionales Feedback, das ihn nach all der Zeit unberechenbar machte. Warum also tat er es nicht ? ,,Morgen jagen und finden wir diesen Hund.“ , meinte eine Stimme neben ihm. Vämskä war erneut ohne das Aaren ihn auch nur gehört hätte neben ihm aufgetaucht. Entweder war er wirklich so

sehr in Gedanken gewesen, oder der Mann konnte sich wie eine verdammte Katze bewegen. ,,Wo haben sie eigentlich gelernt sich so anzuschleichen ?“ , fragte er. Früher hätten Aaren solche unsinnigen Gespräche gestört. Jetzt jedoch interessierte es ihn plötzlich. Neugier, dachte er. Mal wieder. Es war, als hätte er sich selber bisher nicht gekannt. Oder besser… er wusste durchaus, wer der Mann war, der sich hinter einem Schutzwall aus objektiver Kälte verbarg. Oder hatte es geglaubt zu wissen. , Auf Carvus.“ ,,Das ist…“ ,,Eine Welt mit dem dreifachen der

Erdschwerkraft. Da lernt man vorsichtig aufzutreten. Sonst konnte es durchaus vorkommen, das einem das eigene Gewicht einen Knochen bricht.“ ,,Das Klingt äußerst Unangenehm.“ , stellte Aaren fest. ,,Aber praktisch.“ , meinte der Admiral. ,,Die meisten Leute, die dort Trainiert wurden entwickelten entweder eine sehr gesunde Kondition und Disziplin, oder brachen irgendwann zusammen. Meistens letzteres. Aber die die es schaffen, gehen zur Spezialeinheit oder Kommission. Da stehen einem dann alle Chancen offen. “ ,,Und sie ?“ ,,Zuerst Spezialeinheit. Danach bin ich dann eine Weile als Kapitän eines

Militärschiffs unterwegs gewesen. Und schließlich das hier. Die Kommission war einfach nichts für mich. Zu viel Papierkram. Wobei es jetzt auch nicht weniger ist.“ ,,Nicht ?“ , fragte Aaren verwundert. ,,Sie meinten vorhin ihr Vater war ein Kommissar ?“ Vämskä nickte. ,,Er wurde auf Carvus getötet, ein paar Monate nachdem ich meine Ausbildung dort abgeschlossen hatte, von einem anderen Kommissar ist das zu glauben ?“ ,,Ein Abtrünniger Kommissar ? Davon habe ich bisher nie gehört.“ ,,So was kommt öfter vor, als sie glauben. Nur in diesem Fall… hat es

eben nicht den Abtrünnigen erwischt. Er ist entkommen und wurde nie mehr gesehen. “ ,,Was ist auf dem Planeten vorgefallen ?“ ,,Wir hatten früher dort einen Ausbildungsstützunkt. Und es gab auch einige Minenarbeiter. Heute gibt es das alles nicht mehr.“ , schloss Vämskä und Aaren nahm an, das er sich auch nicht weiter dazu äußern würde. ,,Sie glauben wirklich, wir haben noch eine Chance Callahan zu erwischen ?“ ,,Er kann nirgendwo hin. Und sobald die Atmosphäre es zulässt, können wir ihn aus dem Weltraum erfassen.“ ,,Ihnen ist aber klar, das auch die

Minenschiffe von Omnisphere bewaffnet sind ?“ ,,Und ob.“ Der Admiral deutete nach draußen auf die Schiffe, die grade beladen wurden. Der aufziehende Sturm peitschte Wellen auf, die beinahe schon die Docks überspülten. Vermutlich würden sie in spätestens einer halben Stunde entweder die Arbeit einstellen oder die Sturmschilde aktivieren müssen. ,,Deshalb rüsten wir auch auf.“ Er wendete sich wieder Aaren zu. ,,Tun sie mir einen gefallen und schauen sie, ob ihr Freund dieser…“ ,,Abundius ?“ ,,Genau, der und die Laborleiterin…Haddington untersuchen grade noch

unsere zwei toten Angreifer. Sie könnten für mich rausfinden, ob sie was Neues wissen.“ ,,Was ist denn bisher bekannt ?“ ,,Nicht viel.2 , gab Vämskä zu. ,,Die Ausrüstung ist Militär-Standard. Offiziell sollte man da ohne Regierungskontakte gar nicht rankommen. Aber… ich hoffe einfach, das es ein interner Verkäufer war und sonst nichts. Die Waffen sind nichts Besonderes. Messier 74. Schnellfeuergewehre, die sie überall legal oder illegal bekommen können. Nur wer die beiden sind, wissen wir noch nicht. Aber bei dem Vorgehen und dem was wir gesehen haben tippe ich auf

ehemaliges Militär. Auf jeden Fall gute Ausbildung.“ ,,Also so was wie Söldner ?“ Der Admiral nickte. ,,Fragt sich nur, womit Callahan sie bezahlt. Sein Privatvermögen ist nicht so groß, das er eine Armee unterhalten könnte.“ ,,Vielleicht geht ihm ja das Geld aus.“ , meinte Aaren. ,,Irgendwie bezweifle ich, dass es so einfach wird.“ Aaren verabschiedete sich. ,,Ordnung und Licht.“ ,,Ordnung und Licht.“ , wiederholte Vämskä.

Kapitel 16 Sturmauge


,,Also um es kurz zu machen : Es ist praktisch ein DNA-Transmitter. So was wie ein Plasmid nur… etwas komplexer.“ , erklärte Abundius. Aaren verstand kein Wort von dem, was der Mann ihm grade erzählt hatte. ,,Sehr viel komplexer. Ich fang grade erst an zu verstehen, wie es funktioniert.“ , fügte Eleanor hinzu. Der Kommissar sah immer noch verwirrt zwischen beiden hin und her. Sie befanden sich im Laborbereich des Hive, unterhalb des Meeresspiegels, denn durch ein Fenster konnte Aaren Wasser

sehen und ab und an auch kleinere Fische erkennen. Draußen war es mittlerweile kurz vor Sonnenuntergang, wenn er die Zeit richtig einschätzte. Auf einer Bahre vor ihm lag einer der Bewaffneten, der sie während Callahans Flucht angegriffen hatten, dazu auf einen Tisch mehrere Blutproben in kleinen Violen … und etwas rot-schwarze Substanz, die Aaren fast schon vertraut vorkam. ,,Noch mal bitte für Nichtakademiker.“ , meinte er. ,,Also, wir wussten ja bereits, dass das… es ist wirklich Blut oder ?“ , fragte Eleanor unsicher. ,,Ja, wieso

?“ ,,Weil es ziemlich unglaublich ist, das ein Lebewesen darüber verfügt. Ich.. das wäre jetzt Spekulation aber… wenn diese NDNA..“ ,,NDNA ?“ , fragte Aaren. ,,Nicht Differenzierte Nucleotid Ansammlung. Das ist die Abkürzung, die wir uns davor überlegt haben, als Anspielung auf die Auswirkung, die es auf DNA…“ ,,Würden sie mir bitte einfach erst einmal erklären, was sie gefunden haben ?“, unterbrach er sie. ,,Also, wir wussten ja bereits, dass es die Zellerneuerung anregt. Die Immunabwehr stärkt und wohl sogar

Stammzellen freisetzt und das in einem unglaublichen Maß.“ ,,Soviel hatte ich mittlerweile auch mitbekommen.“ ,,Tja, das ist praktisch nur der Ruhezustand wenn sie so wollen. Wir haben eine geringfügige Spannung drangelegt, wie sie beispielsweise das menschliche Nervensystem erzeugt. Nur noch ein Stück schwächer.“ ,,Was übrigens meine Idee wahr.“ , meinte Abundius. ,,Sie hat es mit Starkstrom versuchen wollen. Das hat die Zellen geröstet.“ ,,Ihre Idee ?“ , fragte Aaren skeptisch. ,,Biomedizinstudium. Und nebenbei noch ein paar andere

Fächer…“ ,,Wie Maschinenbau was ? Gibt es eigentlich was, das sie nicht gelernt haben?“ , wollte er wissen. ,,Na hierauf hat mich beispielsweise keiner vorbereitet.“ , erwiderte Abundius. ,,Es hat sich herausgestellt, dass es in diesem Zustand einige wirklich sehr interessante Eigenschaften bekommt.“ ,,Die da wäre ?“ ,,Da ich mir Fachwörter sparen will, nennen wir es einfach einen Genkleber. Im Prinzip erlaubt es einem wie man grade lustig ist an der DNA rumzupfsuchen, da es danach alle eventuellen Schäden repariert. Das heißt

ich könnte theoretisch irgendeine Gensequenz ganz meinen Bedürfnissen anpassen und danach baut dieses Zeug sie fehlerfrei ein. Ohne Ausnahme. Es erschafft sogar neue Sequenzen, wenn alte durch Manipulation beschädigt werden. “ ,,Das heißt…“ ,,Das heißt, das hier… erlaubt es jedem der auch nur etwas Ahnung davon hat, DNA im Lebenden Körper anzupassen ohne dabei auf negative Folgen achten zu müssen.“ ,,Weil es eventuelle Schäden ohnehin repariert ?“ , fragte Aaren. ,,Genau, Aaren, haben sie auch nur eine Ahnung was das bedeutet

?“ ,,Lassen sie mich raten… Supersoldaten ? Das ist irgendwie zu einfach.“ Aber es würde wenigstens erklären, wieso einer davon selbst mit einem Dutzend Kugeln im Körper noch weiteratmete. ,,Etwas mehr als das.“ ,,Zeige sie es ihm.“ , meinte Abundius. ,,Mir was zeigen ?“ ,,Das hier“ Eleanor zeigte auf ein Bild mit dunklem Bandenmuster, das an der Wand des Raums hing, ,,ist die DNA eines unserer Freunde hier, die wir isoliert haben.“ Sie deutete auf ein zweites Bild daneben. Die Bande war deutlich länger. ,,Und das hier entstand keine Stunde

später.“ ,,Ähm…“ ,,Es schleust nicht nur zugegebene Gene in die DNA ein, es bildet auch völlig neue Gensequenzen. Selbst nach dem Tod. Ganz ohne unser Zutun.“ ,,Wir glauben, das sich das wohl auch über elektrische Impulse steuern lässt.“ , fügte Abundius hinzu. ,,Wie sie in einem lebenden Körper ablaufen.“ ,,Ja. Bei den Soldaten war das sicher keine Absicht, einfach ein Nebeneffekt der natürlichen Elektrizität in ihren Körper. Vermutlich verliert sich der Effekt auch irgendwann. Ich weiß nicht, wie viel Substanz Callahan seinen Leuten

verabreicht hat, aber sicher Stoppt der Effekt irgendwann und bei der Replikationsrate wohl eher früher als später.“ , erklärte Abundius weiter. ,,Was allerdings heißt, das zumindest der Soldat, den sie erledigt haben erst vor kurzem.. verändert wurde.“ ,,Aber mal angenommen, ihre Meereswesen, diese Kreaturen die sie, oder besser Callahan, entdeckt hat, können die Entwicklung mit elektrischen Impulsen steuern… wie gesagt es ist nur Spekulation aber…“ ,,Das wäre und ist Biotechnologie auf einem Stand, von dem wir nur träumen können.“ , schloss Abundius. ,,Zusammengefasst, darf ich dem

Admiral also sagen, das seine Leute in Zukunft besser auf den Kopf zielen.“ ,,Na ja… soweit wir wissen, sollte sie das Töten ja.“ ,,Soweit sie wissen ? Klingt wirklich beruhigend.“ Aaren wollte gehen, dann jedoch hielt er inne. ,,Ich habe übrigens mit Favelli geredet. Das sollte sich erledigt haben.“ ,,Nur geredet ?“ , fragte Abundius. ,,Nur geredet. Ich bin nicht sie.“ ,,Das ist nicht nett.“ ,,Vielleicht nicht. Und jetzt entschuldigen sie mich. Vämskä will Morgen versuchen Callahan zu finden und ich will dabei sein.“ ,,Das heißt sie bleiben ?“ , reif Abundius

ihm nach. ,,Das heißt vermutlich bleibe ich.“ , entgegnete Aaren und machte sich auf den Rückweg.,, Zumindest so lange noch.“ Später stand eine einsame Gestalt auf einem Balkon des Hive. Unter ihm schlugen Wellen gegen die Pfeiler der Station. Er trat an das Geländer das Balkons und spähte nach unten. Mittlerweile war der ganze Himmel Wolkenverhangen und immer wieder zuckten einzelne Blitze die die Dunkelheit einen Moment schmerzhaft erhellten. Aber er empfand das Tosen als beruhigend. Es half Aaren seine

verwirrten Gedanken und Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen, während er auf die See hinaus sah. In der Hand hielt er ein kleines Tablettenfläschchen. Der Kommissar zögerte. Der Mann mit Gefühlen, das war der, der einen Unbewaffneten töte konnte. Der Mann mit Gefühlen war es aber auch, der plötzlich wieder lachen konnte. Schließlich traf Aaren Terrel eine Entscheidung. Er holte mit dem Arm aus und das Röhrchen flog in hohen Bogen ins Meer, wo es ohne eine Spur zu hinterlassen versank. ,,Ich laufe nicht mehr

weg.“ Aaren trat zurück nach drinnen. Am nächsten Morgen weckte ihn das Geräusch, das er nicht sofort zuordnen konnte, bis ihm langsam klar wurde, dass es das Intercom war. Regen schlug gegen die Fenster und übertönte fast den langgezogenen Ton der Sprechanlage. Dazu schien es, als hätte der Sturm draußen noch einmal an Intensität zugenommen. Er setzte sich fluchend auf und warf einen Blick auf die Uhr. Fünf Uhr morgens. Draußen lag noch alles in grauem Zwielicht. Wer bitte wollte um diese Uhrzeit… Aaren kam endlich dazu, den Anruf

entgegenzunehmen. ,,Ja ?“ ,,Wir warten nur noch auf sie.“ , meldete sich Vämskäs Stimme. ,,Sie wollen bei dem Sturm doch nicht wirklich rausfahren.“ , erwiderte Aaren ungläubig. ,,Wie gesagt, wir haben die Schiffe etwas aufgerüstet.“ ,,Und ich dachte einmal fast ertrinken reicht.“ , murmelte er. ,,Was ?“ ,,Nichts. Hoffen wir einfach, das Callahans Schiffe nicht längst untergegangen sind, bis wir sie finden.“ ,,Und beeilen sie sich.“ ,,Bin gleich

da.“ Weniger als eine halbe Stunde später stand Aaren an Deck eines von fünf Schiffen, die der Admiral ausgerüstet und für die Jagd auf Callahan eingeteilt hatte. Vämskä selbst diskutierte auf der Brücke grade lautstark mit dem Kapitän über den eingeschlagenen Kurs. Der Kapitän war in diesem Fall keiner von Vämskäs Leuten und offenbar hatte der Admiral es sich zur Aufgabe gemacht, jede Entscheidung des Mannes in Frage zu stellen. Manchmal kann man es mit dem Misstrauen auch übertreiben, dachte Aaren. Aber das war nicht sein

Problem. Immer wieder trafen Wellen das Schiff und überspülten es, wenn die Sturmschilde dem Druck des Wassers nicht mehr standhielten. Dazu regnete es beständig. Auf dem Deck waren mehrere neue Geschütze montiert worden, aber er bezweifelte, dass die bei dem Seegang überhaupt etwas nützen würden. Die automatische Geschossbahnberechnung kam bei Sturm einfach nicht mit der Korrektur hinterher. Aaren hatte längst aufgegeben, zu versuchen sich irgendwie vor dem Wetter zu schützen. Unter Deck war es ihm zu stickig und die Besatzung und die Elektorats-Soldaten, die nicht an Deck

arbeitete, kauerten sich bereits dicht an dicht in den Kabinen zusammen. Stattdessen suchte er mit einem Fernglas den Horizont ab und war gleichzeitig damit beschäftigt, auf dem rutschigen und schwankenden Deck das Gleichgewicht zu behalten. ,,Sehen sie irgendetwas ?“ , rief Hannah ihm über den Lärm des Sturms hinweg zu. Er verstand nur die Hälfte, konnte sich die Frage aber zusammenreimen. ,,Nichts. Der Regen macht es unmöglich was zu erkennen. Zeigt das Radar irgendwas?“ Sie schüttelte den Kopf ,,Nur Wasser weit und breit. Wenn man von den Störungen einmal absieht. Aber Callahan

kann sich schlecht in Luft aufgelöst haben.“ ,,Wir sind erst eine halbe Stunde unterwegs. Sein Vorsprung ist viel größer und wenn er schlau ist, bringt er so viele Meilen wie möglich zwischen sich und den Hive.“ Auch wenn ihnen wohl irgendwann der Treibstoff ausgehen muss, dachte Aaren bei sich. Es sei denn natürlich, die Minenschiffe können den irgendwie auch bereitstellen. ,,Ich habe die Berichte über die zwei Soldaten gelesen.“ ,meinte sie. ,,Sie meinen Callahans Leute ?“ ,,Genau die.“ ,,Ich wette das wird auf der Erde ganz schön für Aufruhr

sorgen.“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Besser, sie würden es vergessen. Was Callahan getan hat um an das Blut dieser Wesen zu kommen…“ Er setzte das Fernglas ab und wendete sich Favelli zu. ,,Im Bericht nennen sie es einfach nur NDNA , Nicht Differenzierte Nucleotid Ansammlung.“ ,,Ja, was irgendwie auch nur angibt, das wir keine Ahnung haben.“ , meinte Aaren. ,, Zumindest, wenn ich Abundius gestern richtig verstanden habe.“ ,,Aber es klingt besser als : Keine Ahnung was das ist, oder ?“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Ich sehe mal nach dem Admiral. Nicht das er den

Kapitän noch gänzlich vergrault und der uns dann wirklich noch in die Irre führt.“ ,,Wie gesagt er…“ ,,Steht nur unter Stress.“ , ergänzte er. ,,Aber es kann durchaus sein, das das sein Urteilsvermögen trübt.“ Er wendete sich zum Gehen, als eine weitere Welle das Schiff erfasste und ihn Beinahe von den Füßen holte. ,,Daran hab ich mich noch nicht gewöhnt.“ , murmelte er zu sich selbst während er über das Deck in Richtung der verglasten Schiffsbrücke ging. ,,Und ich sage ihnen noch einmal, der Kurs Stimmt.“ , erklärte der Kapitän, ein kleingewachsener Mann mit

weißblonden Haaren, und klopfte auf eine Satellitenkarte, die sich als dreidimensionales Hologramm auf einem Tisch in der Mitte des Raums befand. Die Stelle, an der man Callahan laut Satellitenüberwachung vermutete war rot hervorgehoben. Ein Dutzend Leute waren grade damit beschäftigt, den Stahlkoloss auf Kur zu halten und in den Wellen zu navigieren. Vämskö stand mit dem Rücken zum Tisch und starrte durch die Glasfront der Brücke ins graue Nichts, das das Schiff umgab. Als Aaren eintrat, drehte er sich um. ,,Admiral.“ ,,Noch keine Spur von ihm ?“ , wollte

der dunkelhaarige Mann wissen und musterte den tropfnassen Kommissar mit einem leichten schmunzeln. ,,Noch nichts. Es ist nutzlos ihn bei diesem Sturm verfolgen zu wollen.“ Die Spur eines Grinsens auf dem Gesicht seines Gegenübers verschwand. ,,Ich habe sie nicht nach ihrer Meinung gefragt Kommissar.“ ,,Wenn die Satellitenbilder stimmen, haben wir das schlimmste bald hinter uns.“ , mischte sich der Kapitän ein. ,,Dann werden wir sehen, ob jemand außer uns in der Nähe ist.“ Vämskä wirkte beruhigt. ,,Gut, wie ist der Status der anderen Schiffe ?“ ,,Sie sind noch da.“ , erwiderte ein

Mann mit Headset. ,,Aber ein Schiff hat Schäden erlitten. Die Sturmschilde haben versagt und offenbar steht eine Sektion schon unter Wasser.“ ,,Soll zum Hive zurückkehren und wenn nötig Unterstützung anfordern.“ Der Mann nickte. Vor ihnen verzogen sich die Wolken langsam und machten dichtem Nebel Platz. Das Meer war immer noch aufgeschäumt, aber wenigstens überspülten die Wellen nicht mehr das Deck. War Aaren vorher so gewesen, als wären sie inmitten einer Waschmaschine geraten, so sah es jetzt so aus, als hätte die Welt um sie herum einfach aufgehört

zu existieren. Er konnte nicht einmal mehr das Schiffsdeck erkennen. Nur eine graue Masse vor den Fenstern der Brücke. ,,Langsamer, Maschinen drosseln.“ , befahl der Kapitän. ,,Das Gefällt mir nicht.“ , meinte Vämskä, während er in den Nebel starrte. ,,Hat ihnen der Sturm etwa mehr Spaß gemacht ?“ ,,Das meine ich nicht.“ Von draußen hörte Aaren plötzlich Schritte, die Tür wurde aufgerissen und ein völlig durchnässter und verschwitzter Matrose stolperte hinein. ,,Schiff voraus.“ , meldete er noch, bevor er sich auf einen

Stuhl fallen ließ. ,,Maschinen Stopp.“ , reif der Kapitän. ,,Sind sie sicher ?“ , wollte Vämskä ,,Ganz sicher.“ ,,Was sagt das Radar ?“ , fragte Aaren. ,,Ist gestört, verfluchte aufgeladene Atmosphäre, nichts funktioniert richtig.“ ,,Sehen wirs uns an.“ , sagte Vämska schließlich. ,,Jemand soll Scheinwerfer an Deck bringen und geben sie allen Bescheid sie sollen sich bereit machen.“

Kapitel 17 Enter

Die Lichtstrahlen von zwei Scheinwerfern durchschnitten das weiße Nichts des Nebels. Nach dem Tosen des Sturms schien es nun fast unwirtlich Still zu sein. Aber es war nicht vollkommen ruhig, wie Aaren schnell feststellte. Schwache Maschinengeräusche erfüllten die Luft. Die Motoren ihres eigenen Schiffs waren abgeschaltet und sie trieben nur noch. Callahan oder zumindest eines der entwendeten Schiffe musste tatsächlich ganz in der Nähe sein. ,,Geschütze bereit, versucht sie nur

Manövrierunfähig zu machen.“ , flüsterte Vämskä seinen Leuten zu. Etwa dreißig bewaffnete Elektorats-Soldaten hatten sich bereits auf dem Deck versammelt und warteten nur noch auf ihren Einsatz. ,,Alles in Ordnung ?“ , fragte Hannah und Aaren brauchte einen Moment, bis ihm klar wurde, das sie ihn meinte. ,,Nein.“ , erwiderte er. Im Nebel zeichneten sich ständig Schemen ab und verschwanden wieder. Das Wasser plätscherte in einem stetigen Rhythmus um das Schiff. Niemand sagte etwas. Aaren tastete nach den Pistolengriffen an seinem Gürtel und überprüfte die Reservemagazine. Er hatte aus seinen Fehlern gelernt.

Auch die übrigen Soldaten überprüften und entsicherten nun ihre Waffen. Und plötzlich trieb das Schiff aus dem Nebelfeld heraus. Die Sonne schien hell am Himmel und stach ihnen schmerzhaft in die Augen. Nur noch vereinzelte Nebelfetzen bedeckten das Wasser und einige Wolken trieben am blauen Himmel entlang. Es war fast friedlich zu nennen gewesen, wäre da nicht das in einiger Entfernung treibende, zweite Schiff gewesen. Und es war keines von ihnen. Gespannt warteten sie, ob das Schiff sie entdeckt hatte oder ob der Nebel sie noch

verbarg. ,,Sie drehen ab.“ , meldete ein Mann, der das Schiff durch ein Fernglas beobachtete. Aaren selbst nahm seines wieder in die Hand, als Vämskä ihm das Glas auch schon entriss und selbst nachsah. ,,Oh nein, das werden sie nicht.“ , rief der Admiral. ,,Feuer frei, bremst sie aus.“ Sofort flammten die neuen Geschütze auf , die man an Bord installiert hatte und durchbrachen die geisterhafte Ruhe. Die Entfernung zum Schiff war noch zu groß und die meisten Geschosse schlugen ins Wasser ein. Fontänen stiegen auf und erfüllten die Luft mit einem schwachen

Nieselregen. ,,Verfehlt.“ , reif Aaren dem Admiral zu, als ein Geschoss das fliehende Schiff doch noch traf. Das Heck explodierte in einer Feuerwolke und er konnte sehen, wie Trümmer und Stahl Meter hoch in den Himmel geschleudert wurden. ,,Korrigiere.“ , meinte Vämskä sichtlich zufrieden. Zum ersten Mal entspannten sich seine Gesichtszüge kurz. ,,Volltreffer. Näher ran und dann können wir an Bord.“ Das manövrierunfähige Schiff erwiderte jetzt das Feuer. Ein Geschoss schlug direkt auf dem Deck auf, keine zwanzig Meter von Aaren entfernt. Metallsplitter wurden in alle Richtungen geschleudert,

als eines der neuen Geschütze getroffen wurde. Sekunden später ging jedoch der Geschützturm auf dem fremden Schiff ebenfalls in einer Feuerwolke auf. Eines der Begleitschiffe erschien hinter ihnen aus der Nebelbank. Manövriere und Kampfunfähig trieb das gegnerische Schiff nun auf dem Meer. Der Admiral reichte Aaren das Fernglas zurück, damit er sich selbst ein Bild machen konnte, während er selbst seine Leute einwies. ,, Ich will das das eine saubere Operation wird. Keine Toten wenn möglich. Sobald wir in Reichweite sind, gehen wir an Bord. Wenn Callahan auf diesem Schiff ist, ist er in jedem Fall

Leben gefangen zu nehmen. Eventuelles gegnerisches Feuer ist zu erwidern, aber versuch auch die Lebend gefangen zu nehmen. Wenn Callahan nicht hier ist, weiß vielleicht einer von ihnen, wo er sich versteckt. Eure Gegner halten einiges aus. Es sind genetisch Optimierte Söldner. Zielt also auf die Köpfe und stellt sicher, dass sie tot sind, wenn ihr sie nicht bewachen könnt. Das wäre alles.“ Aaren beobachtete derweil das Deck des beschädigten Schiffs. Der Bug stand, dort wo das Geschütz gewesen war, in Flammen. Einige verstreute Gestalten liefen umher und versuchten Ordnung in das Chaos zu bringen. Vermutlich hatten

sie den Schiffsantrieb lahmgelegt, den der Stahlkoloss trieb immer langsamer auf den Wellen. Als sie schon so nah heran waren, das man mit einem Sprung von einem Deck zum anderen gelangen konnte, tauchten plötzlich ein halbes Dutzend schwarz gekleidete Soldaten hinter der Rehling auf und eröffneten das Feuer auf sie. Aaren ging sofort hinter einem der Geschütztürme , während der Admiral zu Boden gerissen wurde, als ihn eine Kugel streifte. Er sah sich nach Hanna um, die jedoch im allgemeinen Durcheinander nicht mehr zu finden war. Vämskä rappelte sich wieder auf. Eine Kugel hatte ihn am Arm getroffen und

eine blutige Wunde hinterlassen. ,,Feuer erwidern, sichert das Schiff.“ Die Elektorats-Soldaten fingen sich wieder und schossen zurück. Aaren selbst lehnte sich aus der Deckung, zielte auf einen der gegnerischen Söldner und drückte den Abzug. Die erste Kugel traf seinen Gegner in der Brust, die zweite zerschmetterte den Schädel. Ein Projektil raste dicht über Aarens eigenen Kopf hinweg, als er wieder in Deckung ging. Eine Granate, die später niemand verloren haben wollte, rollte über das Schiffsdeck und an ihm vorbei in Richtung Reling. Dann detonierte sie und

schickte zwei Elektorats-Soldaten, die das Pech hatten in der Nähe zu stehen, ins Wasser. Sie kamen , wie Aaren erfuhr, mit ein paar Verbrennungen davon und hatten so gesehen wohl noch Glück. Aaren sah sich blinzelnd im Rauch um. Viele der Söldner schienen sich entweder zurückgezogen zu haben, oder hingen nun Tod an der Reling des Schiffs. Aber auch unter den Elektorats-Soldaten gab es erste Verluste. Einige zögerten und schienen sich nicht mehr aus der Deckung zu wagen. Aaren stand auf und klopfte sich Staub aus der Kleidung. Eine Kugel jagte erneut knapp über seinen Kopf hinweg.

Er hob die Waffe, suchte nach dem Schützen. Ein Söldner, der sich auf der Brücke des beschädigten Minenschiffs verschanzt hatte. Der Kommissar zielte erneut und schoss. Der Mann wurde in die Brust getroffen und stolperte zurück. Vermutlich lebte er noch, trotzdem hatten sie wohl fürs erste freie Bahn. Aber die meisten zögerten nach wie vor . Aaren sah kurz zum Admiral, der einige Leute zu Suchtrupps einteilte für die sich niemand freiwillig melden wollte. Niemand wollte da rüber. Aber einer musste den ersten Schritt machen, dachte Aaren, als er aufstand und Anlauf nahm. Mit einem Satz war er auf dem

Deck des anderen Schiffs. Er hörte noch ein ,,Ist der verrückt geworden ?“ , als bereits wieder eine Kugel knapp an ihm vorbeijagte. Entweder, überlegte er, ziehe ich die heute an, oder habe einen Schutzengel. Offenbar hatte seine Aktion den gewünschten Effekt. Einige der übrigen Soldaten sprangen ebenfalls herüber. ,,Sichert das Deck ab.“ , hörte er Vämskä von irgendwo rufen. Aaren suchte den Mann und fand ihn im Nahkampf mit einem der Söldner. Sein Gegner hatte offenbar seine Waffe verloren und trug nur noch ein Messer in der Hand, mit dem er nach dem Admiral

stach. Dieser trat Beiseite, drückte ihm die Pistole an den Kopf und ohne auch nur langsamer zu werden zog er den Abzug durch. Der Mann brach zusammen. ,,Das mit der guten Ausbildung nehme ich zurück.“ , knurrte Vämskä r, als er Aaren erkannte. ,,Sichern sie die Brücke.“ Aaren nickte und machte sich auf den Weg. Die Brücke war wie auf ihrem Schiff ein etwas über das Deck erhabener Aufbau mit Glasfront. Er lief über das Deck, das mittlerweile größtenteils unter ihrer Kontrolle

stand. Einige Soldaten hatten einen der dunkel gekleideten Söldner gestellt, dieser hob jedoch, anstatt sich zu ergeben, die Waffe an den Kopf und drückte ab. Aaren musste sich wegdrehen. Jemanden im Kampf sterben zu sehen war eine Sache… das hier etwas anderes. Er bedeutete einem Elektorats-Soldaten ihm zu folgen, als er die Treppe zur Brücke hinauf lief. Aaren stürzte mit gezogener Waffe durch die Tür und sah sich um. Die Steuerkonsolen des Schiffs waren allesamt verlassen. Langsam setzte er einen Fuß vor den anderen und sicherte sich dabei nach allen Seiten ab. Der

Elektorats-Soldat folgte ihm ohne ein Wort. Ein Gang führt ein einen Kartenraum mit zahlreichen Holo-Tischen. Ein Geräusch zu seiner linken veranlasste Aaren sich in Deckung zu werfen. Kurz erhellte ein Schuss den Raum. Woher er kam wusste Aaren nicht, als er sich hinter einen der Tische in Deckung kauerte und lauschte. Ein schwerer Schlag erschütterte den Boden, als der Elektorats-Soldat getroffen zusammenbrach. ,,Wertlos.“ , hörte Aaren eine Stimme. Eine Stimme, die er wiedererkannte. Skye. ,, Ich weiß das sie hier sind Terrel. Ich weiß wer sie sind,“ Aaren konnte die Schritte des Mannes hören,

als er näherkam. So gut er konnte, versuchte Aaren sich vorzustellen, wo sein Gegner jetzt war, während er selbst so leise wie möglich von einem Tisch zum nächsten schlich. Ihm blieb vermutlich nur ein Versuch, Syke auszuschalten. ,,Wissen sie ich war mal genau wie sie.“ Aaren stockte. Die Schritte die ihm folgten hatten aufgehört. ,,Ach ja ?“ , rief er zurück. ,,Kommissare. Es gibt wirklich nichts Wertloseres als euch.“ ,,Das nehme ich persönlich.“ , murmelte Aaren. ,,Sie alle mögen denken, was sie tun sei edel und zu Wohle dieses Geschwüres,

das sie heute Menschheit nennen. Aber in Wirklichkeit sind sie doch gleichzeitig die Verkörperung all dessen, was sie vorgeben zu bekämpfen.“ Lass ihn nur reden, dachte Aaren. Der Admiral und seine Leute würden sicher bald auch die Brücke erreichen. ,,Das müssen sie mir erklären.“ ,,Es war auf Carvus, als ich dem Elektorat die treue brach. Ein kleiner Aufstand sagten sie. Ich und ein anderer Kommissar… kann mich nicht an seinen Namen erinnern. Vämser… oder..“ ,,Vämskä.“ , flüsterte Aaren. ,,Als wir da waren hieß es plötzlich, alles auslöschen. Der ganze Planet sei abtrünnig. Das waren Frauen und Kinder

da Terrel. Männer, Frauen und Kinder und alle sollten nach dem Willen des Elektorats sterben. Weil sie ihr eigenes Leben gewählt hatten.“ Ein Schuss. Einer der Kartentische zersprang. ,,Weil sie angefangen hatten für sich selbst zu denken.“ Ein weiterer Tisch direkt neben seinem Versteck wurde von einer Kugel zerschmettert ,,Weil sie für sich selbst eingestanden haben. Sagen sie mir Aaren, haben diese Menschen da draußen, auf den Welten und auf der Erde, haben sie je gelernt für sich selbst einzustehen? Nein, ihr Elektorat füttert ihnen alles zu, gibt Anweisungen und Erlasse aus… “ Er schwieg einen

Moment. ,, Aber nicht an jenem Tag auf Carvus. Ich hab meinen Partner getötet und die Befehle ignoriert. Ich bin für mich selbst eingetreten Terrel. Können sie das auch für sich behaupten?“ Ein erneuter Schuss, der die Oberfläche eines Tischs zerschmetterte. ,,Können sie für sich einstehen und einfach… rauskommen ?“ Aaren wartete noch einen Moment. Er wusste jetzt wo sein Gegner war. Er rollte sich aus der Deckung und zielte. ,,Wissen sie was ihr Problem ist ? Sie reden zu viel.“ Die Kugel traf Skye in die Schulter, der sich Geistesgegenwärtig noch aus der Schussbahn zu werfen versuchte. Aaren

drückte nochmal ab. Die zweite Kugel traf ihn in den Brustkorb und schleuderte ihn zu Boden. Die dritte zerschmetterte eine Kniescheibe. Mit einem Satz stand Aaren über dem gefallenen Kommissar und setzte ihm die Waffe an den Kopf. ,,Nur zu.“ , meinte dieser und spuckte etwas Blut. Die Schusswunden heilten schon wieder. ,, Schießen sie . Es ist ihre Entscheidung. Ihr Gesetz.“ Aaren zögerte. ,,Sie können es einfach nicht. Muss ihnen jemand den Befehl geben abzudrücken Terrel ?“ Skye lachte. ,,Gut, hier ist ihr Befehl, erschießen sie

mich.“ Das Schiff wurde von irgendetwas getroffen. Aaren stolperte zurück, als er das Gleichgewicht verloren. ,,Was zur…“ Skye lachte nur, als er langsam aufstand. ,,Offenbar sind sie einfach wirklich unfähig.“ Aaren achtete nicht auf ihn, sondern rannte nach draußen. Was zur Hölle war jetzt wieder schief gegangen? Auf dem Deck waren mittlerweile nur noch die Elektorats-Soldaten zu sehen, die es geschafft hatten, etwa ein halbes Dutzend Söldner gefangen zu nehmen. Die Blicke aller waren aufs Meer gerichtet. Vämskä unterhielt sich grade

mit einem Mann, der wohl die weiteren Sektionen des Schiffs sichern sollte. ,,Wenn nötig, verbarrikadieren wir hier oben einfach die Türen ins Schiffsinnere. Selbst wenn sie die Motoren wieder starten kommen sie nicht raus und wir können…“ Ein weiterer Ruck ohne erkennbare Ursache ging durch das Schiff. ,,Was zur Hölle ist hier los ?“ , wollte der Admiral wissen. Die beiden ineinander verkeilten Schiffe trieben mittlerweile langsam aber sicher in die Nebelwand zurück. ,,Das Gefällt mir gar nicht.“ Aaren sah ebenfalls besorgt auf die weiße Wand, die die Schiffe allmählich

verschluckte.

Kapitel 18 Nebelgeiste


Sie trieben Minutenlang durch das graue Nichts. Ohne das etwas geschah. Mittlerweile gab der Admiral die Anweisung, die Gänge ins Schiffsinnere zu bewachen, falls sich dort noch weitere von Callahans Soldaten verstecken sollten. Aaren war derweil noch einmal zurück zur Brücke gerannt, nur um diese vollkommen verlassen vorzufinden. Von Syke gab es keine Spur mehr. Kurz überlegte er, ob er Vämskä von dem Mann erzählen sollte, entscheid sich jedoch dagegen. Wenn Skye schlau war, hielt er sich bedeckt.

Gegen die Elektorats-Soldaten, die sich auf den Schiffen sammelten hatte er alleine keine Chance. Und er konnte nirgendwo hin, dachte Aaren. Spätestens wenn der Nebel sich wieder lichtete würden sie ihn ohnehin finden. Bis dahin hatten sie andere Probleme. Die Erschütterung, die das Schiff vor einer Weile getroffen hatte, machte ihm immer noch zu schaffen. Es ergab keinen Sinn. Hier war weit und breit nichts, was dafür verantwortlich sein könnte. ,,Haben wir eigentlich Kontakt zu den anderen Schiffen ?“ , fragte Aaren, als er Hannah im Nebel entdeckte. Wenigstens schien der Sturm sich endgültig gelegt zu

haben. ,,Seit ein paar Minuten nicht mehr. Aber das hat hier nichts zu bedeuten. Die Elektronik fällt ständig aus.“ ,,Und Callahans Leute ?“ ,,Wenn noch welche an Bord sind verhalten sie sich ziemlich ruhig. Den Gouverneur selbst haben wir allerdings nicht gefunden.“ Aaren spähte durch den Nebel zu dem halben Dutzend Gefangener Männer in schwarzer Ausrüstung. ,,Dann ist er auf einem der anderen gestohlenen Schiffe.“ ,,Wahrscheinlich. Und der Admiral ?" ,,Unter Deck wir versuchen….“ Von irgendwoher hörte Aaren ein

Platschen, als etwas ins Wasser fiel. ,,Was war das ?“ ,,Keine Ahnung.“ Hannah war mit einer Maschinenpistole mit Taschenlampenaufsatz bewaffnet, aber das Licht drang kaum weiter durch den Nebel, als sie ohnehin sehen konnten. ,,Geben sie mir Deckung.“ Eine ziemlich nutzlose Anweisung. Sie würde ihn nicht einmal sehen können, sobald er sich ein paar Schritte entfernte. Er zog langsam die Waffe und ging in die Richtung aus der das Geräusch gekommen war. Aaren konnte nicht viel erkennen, während er Vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzte. Ab und antanzten

Schatten im Nebel um ihn her, die entweder wirklich Personen oder nur Sinnestäuschungen waren. ,,Ich sehe mich nur hier drüben um.“ , rief er, ohne zu wissen, ob ihn jemand hörte. Er erreichte den Bug des Schiffs, wo die immer noch brennenden Trümmer des Geschützes glühten. Und an der Reling… lag eine Waffe auf dem Boden. ,,Was zur…“ Aaren kniete sich hin und hob das Gewehr vorsichtig auf. Aber wo war der Mann, dem es gehörte? Er spähte über die Reling in die tiefe. Nichts, außer aufgeschäumtem Meerwasser. Bestimmt wäre keiner der Elektorats-Soldaten so dumm, seine

Waffe einfach zurückzulassen. Plötzlich hallte eine Reihe von Schüssen durch den Nebel, gefolgt von einem Schmerzensschrei. Aaren sprang auf und rannte in die Richtung los, aus der die Geräusche kamen. . ,,Was geht hier vor ?“ , fragte ihn jemand im Vorbeilaufen aber er schüttelte die Hand ab, die sich auf seine Schulter legen wollte. Er musste sich beeilen, das war klar. Eine Gruppe von Bewaffneten tauchte aus dem Nebel auf, die sich um einen weiteren versammelt hatten, der am Boden lag. Ein Mann mit weißer Sanitäts-Armbinde kniete neben ihm und

versuchte ihn ruhigzuhalten. Aaren kämpfte sich durch die Gruppe umstehender und half dem Arzt dem Mann festzuhalten, der zuckte, als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen. ,,Was ist passiert ?“ , wolle Aaren wissen, während der Arzt und er immer noch Mühe hatten, den Mann am Boden zu halten. ,,Weiß ich nicht, irgendwas hat ihn gebissen.. oder gestochen.“ Er deutete auf zwei längliche Kratzer am Hals des Mannes. Kein Messer, soviel stand für Aaren fest. Dafür waren die Verletzungen zu Oberflächlich… eigentlich harmlos. Während er noch darüber Nachdachte,

wurde der Mann plötzlich ruhig. ,,Scheiße.“ Der Arzt überprüfte seine Atmung und den Puls, dann setzte er sich Kopfschüttelnd auf. ,,Wie…“ ,,Sehen sie sich die Haut um die Wunde an.“ , meinte der Arzt. Tatsächlich verfärbte sich der Bereich um die Kratzer bereits deutlich bläulich. ,,Offenbar verwenden Callahans Leute jetzt schon Nervengift.“ ,, Irgendwie glaube ich nicht das…“ , setzte der Kommissar an, brach aber ab, als sich erneut Warnschreie erhoben. Überall auf dem Schiff hörte Aaren jetzt aufgeregtes Rufen und vereinzelte Schüsse, die im Wasser

aufschlugen. ,,Zum Teufel, wo ist der Admiral ?“ , wollte einer der umstehenden Soldaten wissen. Der Mann stand mit dem Rücken zur Reling und Aaren suchte das Meer hinter ihm ab, soweit er sehen konnte. ,,Ruhig bleiben.“ , meinte Aaren. ,,Ruhig ? Irgendwas ist da drauß…“ , weiter kam er nicht, als ihn etwas, das zu schnell wieder verschwand über Bord riss und er in den Wellen verschwand. ,,Okay… alle zurück, haltet euch vom Wasser fern.“ ,,Lustig, wir sind auf dem Meer.“ , bemerkte einer der Männer, wich aber mit den anderen zurück. Nur Aaren blieb, die Augen aus Wasser

gerichtet. Die Gruppe Soldaten war längst wieder vom Nebel verschluckt worden. Eine Bewegung unter den Wellen zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Nur ein Schatten, aber doch deutlich genug für ihn. Aaren trat ein paar Schritte von der Reling zurück, als er sich sicher war, dann wartete er. Es hatte ihn sicher auch bemerkt… Etwas Sprang aus dem Wasser und landete nur ein Stück von ihm entfernt auf dem Deck. Aaren riss die Waffe hoch und schoss. Die Kugel traf es in den Brustkorb, aber es blieb stehen. Er flüchte. Die Wunde heilte so schnell, das er beinahe dabei zusehen konnte.

Silbrige statt grüne Schuppen und grüne Augen, ein Humanoider Körperbau. Er wusste, was er vor sich hatte, auch wenn dem Kommissar weiterhin ein Name dafür fehlte. Aber das hier war um einiges größer als das Wesen, das er auf Salmakis gesehen hatte. Die Haare waren kürzer und die Rückenflosse kleiner, so dass sie nicht wie ein Umhang über die Gestalt fiel. Vielleicht war das eine tatsächlich die weibliche Version gewesen und das hier… Viel Zeit zum Nachdenken blieb ihm jedoch nicht mehr, als es auf ihn losging. Die Geschwindigkeit überraschte ihn, hatte das Wesen vom

Wrack an Land doch kaum atmen oder laufen können. .Der Nebel, dachte er kurz. Wenn diese Wesen Feuchtigkeit bauchten um zu amten, reichte das vielleicht schon. Die Knochenhöcker an den Händen des Wesen, die die Ansätze von zwei der sieben Finger bildeten liefen Spitz zu und schienen mit einer klaren Flüssigkeit überzogen, die kein Wasser war. Er musste an die Verletzung am Hals des Soldaten denken. Wenn es ihn auch nur damit kratzte, war er tot. Aaren sprang zur Seite, eine der Knochendornen raste gefährlich nahe an seinem Gesicht vorbei. Mit einer Drehung kam er in den Rücken

der Kreatur, die sofort erstarrte, als Aaren ihr die Waffe an den Hinterkopf drückte. ,,Ich weiß ja immer noch nicht ob ihr mich versteht aber egal wie schnell ihr euch regeneiert, dir wird wohl kaum ein zweiter Kopf wachsen, Freundchen.“ Er sah sich rasch im Nebel um. Nur vereinzelte Schatten rannten Aufgeregt hin und her. ,,Also, folgender Vorschlag, du verschwindest jetzt und komm ja nicht wieder.“ Aaren zögerte, die Waffe wegzunehmen. Was tat er eigentlich grade? Schließlich ließ er sie doch sinken. Das Wesen zögerte kurz, dann stand es

auf und ging unsicher in Richtung der Reling. Im nächsten Moment verschwand es im Wasser. Aaren sah dem Wesen nach, konnte jedoch in den Wellen nichts mehr erkennen… außer… Kurz blitzten zwischen den Wellen ein paar Augen auf. Golden ,nicht grün ,schimmernde Punkte im Wasser. Aaren blinzelte und sah noch einmal hin. Nichts. Vielleicht hatte er sich getäuscht. Aber irgendwie glaubte er das nicht. Jemand packte ihn an der Schulter und er wirbelte herum. Es war Admiral Vämskä. ,,Wir ziehen uns vom Schiff zurück.“ , erklärte er. ,,Irgendwas da

draußen schnappt sich Reihenweise unsere Leute.“ ,,Was ist mit Callahan ?“ Vämskä schüttelte den Kopf. ,,Wäre er hier hätten wir ihn schon gefunden. Wir ziehen uns zurück. Sollen sie doch das Schiff haben, das ist nicht wichtig.“ Aaren nickte und lief los. Im Moment schien es wirklich das Beste sich zu sammeln und dann weiterzusehen. Er rannte über das Deck, rutschte beinahe aus, setzte über die Reling und landete wieder auf dem Deck des Schiffs, mit dem sie hergekommen waren. Aaren sah sich langsam um. Von den drei Dutzend Soldaten, die zu dem Entertrupp gehört hatten, scheinen es die

meisten auch wieder zurück geschafft zu haben. ,,Raus aus dem Nebel.“ , rief er dem Admiral zu. Dieser nickte und rannte zur Brücke, wo der Kapitän vermutlich immer noch wartete. Langsam setzte sich das Schiff wieder in Bewegung und löste sich von dem Minenschiff. Dessen Motoren sprangen allerdings ebenfalls wieder an. Offenbar waren doch noch Leute an Bord. An Deck erschienen einige Gestalten. Einige Elektorats-Soldaten legten auf das Schiff an, aber Aaren schüttelte den Kopf. ,,Vergesst sie. Wichtig ist, das wir

wegkommen.“ Die Männer senkten die Waffen. Hinter ihnen verschwand das Schiff langsam im Nebel. Seltsamerweise konnte er im Wasser keines der Wesen mehr entdecken und auch die Söldner, die er erkennen konnte, schienen eher unbesorgt. Vielleicht wussten sie einfach nicht, was los war. Trotzdem…. Seine Gedanken wurden unterbrochen, als das Schiff endlich die Nebelwand durchbrach. Wenn er mit seiner Theorie richtig lag, wären sie jetzt zumindest halbwegs in Sicherheit. ,,Was war das da drüben ?“ , fragte Hannah, die es auch wieder mit rüber

geschafft hatte. Irgendwie erleichterte Aaren das. ,,Raten sie mal, unsere Freunde vom Meeresgrund. Und sie sind offenbar ziemlich sauer. Was auch recht verständlich ist.“ ,,Einfach Großartig.“ Der Admiral tauchte ebenfalls wieder auf und sah aufs Meer hinaus. ,,Nur irgendwie scheinen die Söldner sie nicht zu stören. Nur wir.“ Aaren ließ sich auf eine Kiste fallen und schlug die Hände vors Gesicht. Er fühlte sich plötzlich extrem Müde. Nicht hiervon ergab irgendeinen Sinn. Natürlich… das die Wesen sie angriffen, nachdem was Callahan getan hatte war

fast zu erwarten. Sie unterschieden wohl nicht wirklich zwischen menschlichen Gruppierungen. Oder vielleicht doch ? Hatte der Admiral Recht? Er sah zurück zum Phantom des Minenschiffs im Nebel. Die brennenden Trümmer des Geschützturmes verrieten es wie ein Leuchtfeuer. Keine Rufe, keine Schreie… nichts. Als hätten die Angriffe nur den Zweck gehabt, sie von dem Schiff wegzutreiben. Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, ging ein Ruck durch das Schiff, als wären sie auf eine Sandbank oder ähnliches gelaufen. Die Maschinen erstarben. ,,Was jetzt schon wieder ?“ , fluchte

Vämskä. ,,Wir… sind auf Grund gelaufen ?“ , meinte Hannah. ,,Äußerst unwahrscheinlich. Das Meer ist hier durchschnittlich einen Kilometer tief. Zumindest wenn man den Satellitenkarten trauen kann.“ Aaren trat an die Reling und sah hinab. Im dunklen Wasser konnte er nichts erkennen. ,,Es gibt eine Möglichkeit das rasuzufinden.“ , meinte er und zog die Pistole. Mit einer Hand hielt Aaren sich an der Reling fest, mit der anderen zielte er auf eine Stelle im Wasser, knapp vor den Schiffswände. Die Kugel traf etwas Festes.

Und plötzlich bewegte sich das Schiff wieder. ,,Was zur…“ Aaren konnte sich grade noch festhalten als der Sog von irgendetwas großem, das Versank, das Schiff ein Stück in die Tiefe riss. Ein tiefes Dröhnen erfüllte die Luft. ,,Was immer es ist, jetzt ist es wütend.“ , stellte Vämskä fest. Einige Sekunden später, erhob sich etwas aus dem Wasser, ein paar hundert Meter vom Schiff entfernt. Sie sahen nur den Kopf, aber das reichte den meisten. Der Kopf allein war so groß wie die Schiffsbrücke und was sie vom Körper im Wasser erkennen konnten, erinnerte an eine riesige

Seeschlange, aus Seemannsgeschichten, die eigentlich niemand glaubte. In Zukunft sollten viele an Bord diese Geschichten ernster nehmen. Schwarze ölig wirkende Haut, ein Knochenkamm, der von der Stirn bis in den Nacken verlief…. Und Reihen Spitz zulaufender Zähne. Augen jedoch, schien es keine zu haben. Es riss das Maul auf, wieder erfüllte ein Grollen die Luft, das unangenehm auf die Ohren drückte. Der Admiral zögerte nicht lange. ,,Feuer frei, macht das Ding fertig, egal wie.“ Die Geschütze flammten auf. Erstaunlicherweise erwies sich das Feuer als sehr effektiv. Die ersten Geschosse zerschmetterten den Knochenkamm, die

nächste Salve traf es am Hals und riss eine große Wunde… dann tauchte es ab. Langsam versank der Koloss wieder in den Fluten. ,,Ist es Tod ?“ ,,Keine Ahnung. Es ist weg, das reicht mir fürs erste.“ , meinte der Admiral. Jemand soll mir aber eine Gewebeprobe sichern. Und dann nichts wie zurück zum Hive. Ich habe fürs erste genug.“

Kapitel 19 Fronten


,,Das ergibt keinen Sinn. Warum sollten diese Wesen Callahan ignorieren?“ , fragte der Admiral. Aaren wusste es nicht mit Sicherheit, aber er hatte eine Vermutung. ,,Nun, nach dem, was seine Leute mit ihnen gemacht haben, haben die sicherlich eine Scheißwut auf uns. Uns alle. Sie werden kaum wissen, dass es der Gouverneur war, der hinter allem steckte. Und der Feind meines Feindes…“ ,,Ist mein Freund.“ , beendete Vämskä den Satz. ,, Wenn wir uns gegenseitig

bekämpfen, werden die sich auf eine Seit geschlagen haben. Leider die Falsche. Hoffen wir einfach, das ich mich irre und das nur Zufall ist.“ Sie hatten das Schiff grade erst verlassen und standen auf dem Dock vor einem der Zugänge zum Hive. Aaren sah zu, wie die übrigen Schiffe der Begleitflotte ebenfalls an den Docks anlegten. Während der ganzen Aufregung hatte er keine Zeit gehabt, wirklich über die Ereignisse nachzudenken. Er hatte einfach funktioniert. Jetzt jedoch musste er unbedingt irgendwie den Kopf freibekommen. Sie hatten Callahan nicht gefunden und offenbar einen neuen Feind.

Aaren kam es vor, als könnte er die Spannung in der Luft greifen und das gefiel ihm nicht. Wenn sie schon alle auf einem Pulverfass saßen, wüsste er gerne, woraus die Lunte dafür bestand. ,,Haben sie zufällig eine Idee, wie wir den Hive sichern können ?“ , fragte der Admiral an Hannah gerichtet. ,,Keine Ahnung, aber… dieses große Wesen , das wir beschossen haben hatte keine Augen.“, meinte sie. ,,Denken sie, es orientiert sich mit Schall ? Die Töne die es verursacht hat…“ ,,Genau das. Was diese Wesen angeht, die Callahan oder Aaren je nach dem,

entdeckt haben, die können wir sicher nicht fernhalten, aber sollte eine Seeschlange auftauchen, können wir die vielleicht mit Schallwellen verwirren.“ ,,Ich frage mal ein paar Omnisphere-Techniker ob wir eine Sonaranlage ins Wasser bekommen können.“ ,,Was ist eigentlich mit den Gewebeproben , die sie gesammelt haben ?“ ,,Sind schon unterwegs ins Labor. Eleanor und Abundius leisten da wirklich gute Arbeit.“ ,,Ein Lob von ihnen Admiral ?“ , fragte Aaren halb ungläubig. ,,Ich bin zu mies drauf um unehrlich zu sein.“ ,erwiderte dieser. ,,Sie haben alle

Landgang… bis ich mir überlegt habe wie es weitergeht. Der Ministerrat will sicher einen Zwischenbericht. Die werden mir die Hölle heiß machen, Aaren.“ Einen Moment sah Aaren dem Admiral nach. In seinem Kopf begann sich eine Idee zu formen. Völlig verrückt, sagte er sich selbst, aber auf der anderen Seite… sein Gefühl sagte ihm, dass er eine Chance hatte. Aber noch war es nur eine grobe Idee. ,,Haben sie eigentlich schon was vor ?“ Er sah auf und entdeckte Hannah . Er hatte gar nicht mehr daran Gedacht, dass sie noch da war. ,,Ich bin nicht unbedingt die Art von

Gesellschaft, die überall Willkommen ist.“ , meinte er ausweichend. Die Wahrheit war, das Aaren sich einfach nicht sicher war, was er überhaupt wollte. ,,Das war keine Antwort.“ ,,Ich werde nach Abundius sehen… danach.“ , er zuckte mit den Schultern. ,,Dann haben sie jetzt was vor.“ , sagte sie entschieden. ,, Es gibt da im Wohnbezirk einige Restaurants und ich kann ja schlecht alleine da auftauchen.“ ,,Wieso nicht ?“ ,,Die Menschen hier trauen dem Militär hypergenau so wenig, wie den Kommissaren. Und wenn sie dabei sind halten sie vielleicht wenigstens die

Klappe.“ Aaren musste lachen. ,,Ich bin dabei.“ , sagte er schließlich. ,,Gut und sie sollten sich vielleicht irgendwas zum Anziehen besorgen. Die Kommissar-Uniform ist nicht grade was ich als unauffällig bezeichnen würde.“ ,,Was ist falsch an der Uniform ?“ , fragte er, aber Hannah war bereits verschwunden. Er sah an sich herab. ,,Na Großartig.“ ,,Sie sind zurück.“ , stellte Abundius fest, ohne auch nur einen Moment von dem Tablettcomputer aufzusehen, den er in der Hand hielt. ,,Ich habe schon von ihrer kleine Begegnung mit dem

Ungeheuer von Loch Ness gehört.“ ,,So ähnlich, die Proben die sie bekommen haben stammen davon.“ , erwiderte Aaren. Eleanor sah ihn skeptisch an. ,,Das stammt wirklich von einem Lebewesen ?“ ,,Sogar von einem ziemlich großen.“ Aaren sah zwischen den beiden hin und her. ,,Wieso ?“ ,,Erinnern sie sich, wie ich…“ , setzte Abundius an. ,,Wie ich, „ , verbesserte Eleanor ihn , ,,die Vermutung äußerte, diese Wasserlebewesen, die sie entdeckt haben könnten die Wirkung ihres Blutes selbst

steuern.“ ,,Ja.“ ,,Es sieht aus, als hätten wir grade den Beweis dafür gefunden. Sehen sie… dieses Ding, hat die DNA einer Aal-art, die wir hier vor kurzem gefunden haben.“ ,,Und…“ ,,Nun, die Aale, die mir bisher untergekommen sind waren irgendwas zwischen ein paar Zentimeter und zwei Meter groß.“ ,,Ich bin ziemlich sicher, der den wir gesehen haben war größer als zwei Meter.“ ,,Weil es kein einfacher Aal mehr war.“ , sagte Abundius düster. ,,Das

DNA-Grundgerüst, wenn sie so wollen, war immer noch das selbe , aber jemand hat sich den Spaß gemacht, da ein paar Wachstumsfaktoren einzubringen. Zusammen mit jeder Menge anderer neuer Gen-Sequenzen.“ ,,Und das kann nicht auch Callahan getan haben ?“ Eleanor schüttelt den Kopf. ,,Wir haben uns die Zellen angesehen und die Veränderungen mit denen de Soldaten verglichen, aber das hier ist um einiges Komplexer. Sie können nicht mal eben ein Wesen größer machen. Da muss auf das Organsystem geachtet werden, die Blutgefäße… einfach alles eben.“ ,,Und welchen Nutzen hat das Ding dann

überhaupt ? Ich glaube nicht, dass man so was irgendwie kontrollieren kann. Oder ? ,,Ich tippe auf einen Schlüsselreiz. Das ist mal wieder eine reine Spekulation, aber angenommen es ist einfach darauf geprägt nur Schiffe oder größer Objekte als Beute anzusehen.“ ,,Und das vielleicht in Verbindung mit einer Art genetischem Kill-Schalter falls es doch außer Kontrolle gerät.“ , meinte Abundius. ,,Praktisch wie bei einem Laborsicherheitsstamm bei Bakterien. Es ist ohne… Unterstützung einfach nicht Lebensfähig. Vielleicht eine Aminosäure, die es nicht mehr synthetisieren oder aus der Nahrung

gewinnen kann.“ ,,Das heißt ?“ ,,Das heißt im Klartext, ist das was sie gesehen haben gar kein Tier mehr, nicht mal ein Lebewesen.“ ,,Eher eine biologische, maßgeschneiderte Waffe. Was bedeutet, dass diese Wesen das gesamte Meer als Waffe gegen uns einsetzen können, wenn meine Theorie stimmt. Und das macht sie gefährlicher, als ich mir zutraue Abzuschätzen. Wir reden hier von Technologie auf komplett Biologischer Basis.“ ,,Eine Gesellschaft, die nie krank wird, praktisch nicht stirbt und ihre komplette Umgebung genetisch anpassen kann.

Vielleicht nicht einmal absichtlich, sondern mehr aus Gewohnheit ? Ich meine, wenn Eleanor Recht hat, gehört das Verändern und Anpassen von Lebewesen für die praktisch zum Alltag.“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Wir können uns aber schlecht einfach nur auf Theorien verlassen. Können sie mir eine Liste erstellen, mit allem, was wir definitiv wissen? Dann haben wir wenigstens etwas konkretes, was wir dem Ministerrat zeigen können.“ ,,Die sollten sie vielleicht machen ?“ , entgegnete Abundius. ,,Sie sind bisher der einzige, der einen von denen begegnet ist. Und es Überlebt hat, wie

ich hinzufügen muss.“ ,,Na ja, ich schätze von dem was ich gesehen habe, das sie an Land nicht sonderlich lange überleben, vielleicht dreißig Minuten, es sei denn die Luftfeuchtigkeit ist hoch genug.“ ,,Das lässt wohl auf zwei Atemsysteme schließen. Ich tippe auf Kiemen und nicht sehr effektive Lungen.“ ,,Das heißt sobald sie dehydrieren ist es aus, gut zu wissen.“ ,,Sie können außerdem nicht gut laufen.“ ,,Mich wundert, dass sie das überhaupt können.“ , sagte Abundius. ,,Eleanor, hattest du nicht die Theorie, das der Meeresspiegel früher tiefer gelegen haben muss

?“ ,,Sie meinen die Sache mit dem Vogel-Fisch ?“ , fragte Aaren. ,,Genau die. Aber um das zu überprüfen müsste sich wohl jemand finden, der sich die Geologie des Planeten ansieht. Und ich bezweifle, dass der Admiral dafür Leute abstellt.“ ,,Später vielleicht wenn das ganze Chaos vorbei ist..“ , meinte Aaren. ,,Ja. Wenn Callahan und Vämskä was übrig lassen.“ , ergänzte Abundius. ,,Wir wissen außerdem ,das ihr Blut auch bedingt als Halluzinogen wirkt. Das könnte gefährlich werden, wenn es während eines Kampfes mit der Haut in Kontakt

kommt.“ ,,Die Giftdornen nicht zu vergessen. Und was ihre Vermutung angeht Eleanor, sie wissen zumindest, das ihr Blut heilt. So habe ich auf der Insel überlebt. Die Wunde an meinem Bein hätte mich fast getötet und dann… “ , Aaren schwieg einen Moment. ,,Womit zur Hölle legen wir uns da an ?“ , fragte er schließlich. Das klang völlig verrückt. Sie konnten den ganzen Tag hier sitzen und spekulieren… und trotzdem keinen Schritt weiter kommen. Abundius zuckte mit den Schultern. ,, Die haben uns angegriffen, oder ?“ Seine Stimme verriet jedoch, das er seinen Worten selbst keinen Glauben

schenkte. ,,Und Callahans Leute ignoriert.“ ,,Sind sie da sicher ?“ ,,Fast. Das sie uns nicht leiden können ist klar… aber wenn Callahan es irgendwie geschafft hat, sie davon zu überzeugen, das wir der Feind sind, dann wird das schnell hässlich werden.“ ,,Sie meinen also wirklich sie helfen ihm. Einfach so ?“ ,,Ich meine lediglich sie haben sein Schiff nicht angegriffen, nachdem wir uns zurückgezogen haben, das ist alles.“ Und die Idee, die ihn nicht mehr los ließ. Er würde später darüber nachdenken müssen. Jetzt aber hatte er ein dringenderes

Problem. ,,Kann ich mal kurz mit ihnen reden ?“ , fragte er Abundius. ,,Klar, was ist ?“ Aaren zögerte. Er hatte mittlerweile einen gesunden Respekt vor dem Mann entwickelt, trotz seiner anfänglichen Abneigung. Abundius war fähig. Etwas zu fähig vielleicht. Der Wissensschatz des Mannes erschien schon fast Übernatürlich. Wie eine wandelnde Bibliothek, dachte er. , ,Sie haben nicht zufällig was zum Anziehen ?“ , meinte er schließlich. ,,Was ?“ Abundius musterte ihn einen Moment verwirrt, dann sagte er mit einem

Grinsen: ,,Hannah ?“ ,,Ähm ..“ ,,Ah ja…“ Abundius musterte ihn einen Augenblick, als hätte er eine seltsame Kuriosität vor sich. ,,Was ?“ , fragte Aaren. ,,Nichts.“ ,,Stimmt eigentlich irgendwas mit der Uniform nicht ?“ ,,Sie meinen außer die Brandflecken und dem Loch im Kragen ?“ , fragte Eleanor. ,,Stammt das eigentlich von einer Kugel ?“ ,,Ja danke, das stammt von einer Kugel. Mir sind heute davon einige um die Ohren geflogen, falls ich sie daran erinnern darf.“ , erwiderte Aaren

sarkastisch. Das war grade der Moment, in dem er sich Wünschte, er hätte die Mentalblocker nicht alle ins Meer geworfen. Dann könnte ihm das alles egal sein. ,,Ich sage ja nur… ein Stück weiter und..“ ,,Ich bin aber nicht getroffen worden.“ , erwiderte er ungehalten. Wann hatte sich das letzte Mal jemand Sorgen um ihn gemacht? Es schein ebenfalls zu lange her. Und es ging ihm auf die Nerven. ,,Also was ist jetzt?“ Abundius zuckte die Schultern, dann sagte er einfach: ,,Mal sehen ob wir was für sie finden. Aber versprechen kann ich nichts. Ich hab auch nicht damit

gerechnet länger als ein paar Tage hier zu sein.“ ,,Eleanor, würdest du dem Admiral die Ergebnisse zuschicken ? Der wartet bestimmt schon.“ Sie nickte. ,,Gut, Aaren, ich gebe ihnen einfach meinen Zimmerschlüssel. Suchen sie sich was aus. Und bitte… „ Abundius grinste. ,, Bringen sies ohne Brandstellen und Einschusslöcher zurück.“ ,,Das hatte ich vor.“ Das erste was Aaren auffiel, als er die Tür öffnete, war die Unordnung. Eine Tasse mit längst erkaltetem Kaffee stand auf der Fensterbank. Die Balkontür war

geöffnet und hatte Papiere durch das ganze Zimmer geweht. Bücher lagen Reihenweise aufgeschlagen auf dem Tisch und weitere befanden sich in einem Regal. Abundius hatte bis auf eines keine Bücher mitgebracht, also musste er sie sich alle in der kurzen Zeit, die sie hier waren besorgt haben. Aaren musterte die Titel nur kurz, blieb dann aber doch an einem Hängen. ,,Ordnung und Licht.“ Es ging ihn eigentlich nichts an trotzdem zog Aaren das Buch aus dem Regal und schlug es auf. Es war Callahans Ausgabe, wie er schnell feststellte. Aaren dachte zurück an die Bücherregale im Büro des Gouverneurs, das jetzt der Admiral für

sich in Anspruch nahm. Vermutlich hatte man die Bücher dort Beiseite geschafft und Abundius hatte einige an sich genommen. Er würde ihn später danach fragen. Jetzt jedoch galt seien Aufmerksamkeit erst einmal dem Kleiderschrank. Schnell fand er etwas das zumindest passen würde. Dann ging er wieder nach draußen auf den Flur. Ein Blick auf die Uhr sagte Aaren , das er sich beeilen musste, als er sich auf den Rückweg zu seiner Wohnung machte.

Kapitel 20 Menschlichkeit


Aaren sah hinauf zum Glasdach, in dem sich die Lichter vom Boden spiegelten. Es war mittlerweile dunkel draußen und auch die Halle in den Wohnbezirken, die er jetzt betreten hatte wirkte trotz der Beleuchtung eher düster. Neonreklame erhellte eine Reihe von Geschäften und ein Teil der Halle bestand aus einem künstlich angelegten Teich, über den einige Holzstege führten. Hier und da fanden sich kleinere Beete mit Blumen. Alles in allem, dachte er, hatte sich jemand Mühe gegeben, den Ort wirken zu lassen, als

läge er unter freien Himmel und nicht inmitten eines Industriekomplexes auf hoher See. Aaren sah sich nach Hannah um, während er eine der kleinen Brücken überquerte. Im Wasser schwamm ein einziger großer Koi-Karpfen, der davonhuschte, als Aarens Schatten über ihn fiel. Er betrachtete kurz sein Spiegelbild im Wasser. Aaren war es nicht gewohnt, das ihn sein Aussehen kümmerte. Normalerweise reichte die Drohung seiner Anwesenheit aus damit die Leute Respekt vor ihm hatten… oder Angst was bei weitem öfter vorkam. Aber hier ging es auch nicht um Respekt

oder? Er trug ein dunkelblaues Jackett, das er noch in seinen eigenen Sachen gefunden hatte, dazu ein weißes Hemd von Abundius, das ihm eigentlich zu klein war. Er fand, dass er lächerlich aussah. Die dunklen Haare hingen ihm wirr ins Gesicht und gaben ihm bestenfalls etwas von einem heimlichen Alkoholiker. Allerdings, am meisten störte ihn, dass er keine Waffen trug. Aaren hatte noch überlegt, eine der Pistolen einfach offen zu tragen aber sich dann dagegen entschieden. Welchen Eindruck würde das denn machen… Spart vielleicht den Anwalt. Der Gedanke ließ ihn kurz grinsen, trotzdem konnte er nicht

vermeiden, ab und an nach der Waffe zu tasten, die schlicht nicht da war, wo sie sein sollte. Die kleine Nadel mit Justitia-Emblem glitzerte an seinem Kragen. Das war nichts, dass er einfach ablegen konnte. Zum Glück bemerkten die meisten Leute es gar nicht. Einige nickten ihm im Vorbeigehen rasch zu, bevor sie sich wieder ihren eigenen Leben zuwendete, dass er allerhöchstens als flüchtige Erinnerung streifte. Wenn doch jemand die kleine Anstecknadel bemerkte, wichen sie meist ein paar Schritte zurück und ignorierten ihn dann. Auf einer kleinen Terrasse mitten auf dem künstlichen Teich standen einige

Stühle und Tische verteilt. Aaren warf einen Blick auf die Uhr, dann sah er sich um. Einige der Tische waren besetzt, andere nicht. ,,Warten sie schon lange ?“ , hörte er eine Stimme hinter sich. Er drehte sich langsam um und erkannte Hannah. Sie schien eigentlich nicht jemand zu sein, den er sich in einem Kleid vorstellen konnte. Das hieß bis zu diesem Augenblick. ,,Nein…“ , sagte er nur. ,,Und sie haben meinen Rat befolgt.“ ,,Ach das… die Sachen waren sowieso ruiniert. Passiert eben , wenn man den halben Tag im Kugelregen steht.“ , meinte er

unsicher. ,,Sie übertreiben. Ich habe schon schlimmeres erlebt. Wie viele Feuergefecht haben sie überhaupt schon gehabt?“ ,,Fünf wenn ich die Sache damals in Shanghai mitzähle. Und das lief etwas…. außer Kontrolle, könnte an sagen.“ Sie suchten sich einen freien Platz am Rand der Terrasse, wo ein Fenster einen Blick auf den von tausend Lichtern erhellten Komplex und die dunklen Wellen unter ihnen zuließ. Der Teich, dessen Wasser einfach unter dem Holzboden hindurchfloss, besaß hier einen Glasboden unter dem nur noch das Meer lag.

Ein Kellner kam und fragte nach Bestellungen für Essen und Getränke Aaren wollte erst Wasser bestellen, dachte dann aber: Verdammt du bist ausnahmsweise mal nicht im Dienst also hör auf so zu tun als wärst dus und bestellte Whiskey. ,,Das gleiche für mich.“ , sagte Hannah. Er sah sie einen Moment überrascht an. ,,Was ?“ Aaren zuckte mit den Schultern. ,,Also, was war in Shanghai ?“ , wollte Hannah wissen. ,,Mein erster Einsatz als Kommissar. Das Elektorat hatte mitbekommen, das eine Bande Waffen in die Metropole

schmuggelte. Und ich rede hier nicht von ein paar Pistolen. Sondern Raketenwerfer, Maschinengewehre. Was womit sich richtig Ärger machen lässt.“ ,,Und was ist schiefgelaufen ?“ ,,Nichts, das war ja das Merkwürdige. Eine kleine Gruppe Schmuggler sollte sich in einem Lagerhaus verschanzt haben. Alles lief perfekt, aber sie wussten dass wir kommen. Innerhalb von ein paar Sekunden war die halbe Einheit die mich begleiten sollte tot.“ ,,Aber sie sind lebend rausgekommen.“ ,,Ja. Irgendwie.“ Eine Bedienung brachte die Getränke. Aaren war kein großer Trinker, aber das war eine Erinnerung, die er wegspülen wollte. Er

hatte in letzter Zeit ziemlich viele davon Sie hatten das Gebäude in einem Industrieviertel umstellt. Die meisten Städte auf der Erde waren im Verlauf der letzten Jahrhunderte zu einzigen Megacitys zusammengewachsen und ganze Länder mitsamt ihren Grenzen waren unter Hochhäusern und Beton verschwunden. Einer der Nebeneffekte davon war, das sich de durch nichts mehr voneinander getrennten Städte nur noch schwer voneinander abgrenzen ließen. Die meisten Städte hatten das Problem gelöst, indem ihren Eigenständigen Status aufgegeben und sich mit den

umliegenden Siedlungen zu einem gemeinsamen Verwaltungsbezirk zusammengeschlossen hatten. Ein System, das langsam arbeitete, den eine Stadt von der Größe eines Landes oder im Falle Europas schon fast eines Kontinents zu organisieren war eine schier unmögliche Aufgabe. Und etwas, das viel Raum für Bestechungen und gesetzliche Grauzonen ließ, trotz der ständigen Kontrolle durch das Elektorat. So kam es auch schon einmal vor, dass Kommissare auch auf der Erde eingesetzt wurden. Bis zu diesem Augenblick war alles perfekt gelaufen. Die Straßen waren dunkel und praktisch menschenleer, als

Aaren aus einem Landungsschiff stieg, das ihn hergebracht hatte und unter einer Polizeiabsperrung mit dem Wagensymbol des Elektorats hindurchschlüpfte. Ein Mann in Polizeiuniform wollte ihn aufhalten, dann jedoch viel sein Blick auf die Anstecknadel, die beschrifteten Pistolengriffe und er trat rasch einige Schritte zurück. Ein weiterer Mann in dunkel getönter schusssicherer Weste drehte sich ihm zu. ,,Schön sie hier zu haben Sir.“ Hinter dem Mann standen noch etwa sieben weitere Personen in ähnlicher Ausrüstung. Eine Sondereinheit der Polizei. Aaren nickte ihm nur kurz zu. Die

Mentalblocker wirkten, er war kalt und ruhig. ,,Wie ist die Lage ?“ Der Mann räusperte sich. ,,Ich bin Officer Dan Ashton, Sir und das sind…“ Er drehte sich zu den restlichen Männern der Truppe, als Aaren ihn unterbrach. ,,Das habe ich nicht gefragt.“ Er war bereits auf dem Weg hierher über das meiste informiert worden. Der Mann erstarrte praktisch in der Bewegung. ,,J… Jawohl.“ ,,Also , wie ist die genaue Lage ?“ ,,Die Verdächtigen sind im Gebäude. Und die Ladung auch.“ ,,Sagen sie ruhig Waffen Officer. Wir

wissen alle worum es hier geht.“ Kommissare standen über der normalen Polizei. Als direkter Abgesandter des Ministeriums war er lediglich hier, um die Aktion zu überwachen und wenn möglich wichtige Informationen zu sichern. ,,Alle bereit ?“ Die Truppe nickte. ,,Dann gehen wir rein.“ Aaren stieß die Tür ins Innere des Gebäudes auf, gefolgt von den Acht Mitgliedern der Spezialeinheit. Es gab einen Steg, der die obere Hälfte des Raums umlief und unter den sie nun durchliefen. In der Mitte der Halle standen mehrere

Männer, die damit beschäftigt waren Kisten aufzustapeln. ,,Hände über den Kopf und Herkommen “ Die Männer, offenbar einheimische Arbeiter, sahen sich einen Moment verwirrt um, bis sie die bewaffnete Truppe entdeckten, bleiben aber wo sie waren. ,,Spricht jemand Mandarin ?“ , fragte Aaren. Einer der Männer reif den Arbeitern etwas zu und endlich hoben sie einer nach dem anderen die Hände und stolperten auf die Gruppe Bewaffneter zu. ,,Rausbringen.“ , wies Ashton einen

seiner Leute an, während die übrigen sich dem Kistenstapel näherten. Aaren hielt sich derweil im Hintergrund. Eine Bewegung auf dem umlaufenden Steg hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Was war… ,,Alle zurück.“ , schrie er, als irgendwo über ihnen das Geräusch eines Maschinengewehrs die Halle erfüllte. Vier der sieben Leute, die die Kisten untersuchten waren sofort Tod, durchsiebt von den Kugelsalven. Die drei die mehr Glück hatten, sprangen rechtzeitig in Deckung saßen aber in der Falle. Auf dem Steg erschienen drei weitere Männer mit Gewehren, die die offene

Fläche mit den Kisten beschossen. Aaren hielt den Officer zurück, der seinen Leuten helfen wollte. ,,Vergessen sies.“ , sagte er nur . ,,Sie sagen mir nicht ob ich meinen Leuten helf….“ Aaren versetzte ihm einen Schlag mit dem Pistolengriff. ,,Und ich brauche sie lebend.“ , rief er und duckte sich selbst hinter ein paar Kisten. In der Nähe gab es einen Aufgang dorthin, wo der Schütze stand. Er schätze die Entfernung und die Position seiner Gegner ab. Wenn er schnell genug war… und wenn er den MG-Schützen erwischte… Ashton schrie irgendetwas in ein

Funkgerät. ,,Wir brauchen hier Verstärkung verdammt. Die haben auf uns gewartet.“ Aaren wartete einen günstigen Moment ab, dann rannte er los, die Treppe hinauf. Er hatte sich die Position der Schützen gemerkt. Der erste drehte sich überrascht zu dem Kommissar um, bevor Aaren ihn erledigte. Der zweite entdeckte ihn und eröffnete das Feuer. Aaren war es egal. Leben.. was bedeutete das ohne ein Gefühl dafür? Etwas, das er erst fast fünf Jahre später erneut verstehen sollte. Er hob die Waffe und zielte. Einige Kugeln streiften ihn, verletzten ihn aber nicht. Aaren drückte den Abzug. Der

Mann sank zusammen. ,,Kommissar.“ , rief einer der Überlebenden. Es war der MG-Schütze. Aaren warf sich in Deckung, als eine Kugelsalve ihn erneut knapp verfehlte. Plötzlich jedoch hörte das Feuer auf. Aaren hörte den Schützen fluchen. Das gab es nicht, dachte er, bevor er aus der Deckung auftauchte und den Mann mit einem Kopfschuss tötete. Ihm war doch tatsächlich die Munition ausgegangen. Der letzte Schmuggler zielte jetzt auf ihn. Seine Hände zitterten. Aaren hob ebenfalls die Waffen. ,,Sicher das sie das wollen ?“ , fragte Aaren ruhig. ,,Schießen sie, sterben wir

beide.“ ,,Ich gehe.“ Der Mann fing an Rückwärts zu laufen. ,,Das werde ich nicht erlauben.“ ,,Wie sie sagten, dann sterben wir beide.“ ,,Nein. Nur sie.“ Aaren zielte und drückte ab. Der Mann feuert einfach Blindlings, bevor ihm die Kugel die Hand zerschmetterte und er die Waffe fallen ließ. Aaren spürte einen brennenden Schmerz, als ihn das Projektil doch noch traf. Er blendete es aus und lief auf den Mann zu, der versuchte wegzukriechen. Langsam hangelte der Schmuggler sich am Geländer des Stegs hoch, sah einen

Moment zwischen dem Kommissar und dem Abgrund hin und her… und sprang. Aaren sah ihm ungerührt nach, als er auf dem Betonboden aufschlug. ,,Was zur Hölle haben sie getan ?“ , fragte Ashton hinter ihm entsetzt. ,,Die Operation gerettet.“ , erwiderte Aaren. ,,Räumen sie hier auf.“ Den Schmerz in der Schulter, wo ihn die Kugel getroffen hatte, bemerkte er kaum. Durchschuss, wie Aaren kalt feststellte. Gut, so sparte er sich, dass jemand die Kugel rausholen müsste. Weniger gut war, dass keiner der Schmuggler überlebt hatte. Jetzt würden sie nicht so schnell herausfinden, für wen die Waffen bestimmt gewesen waren.

Er trat nach draußen auf die Straße. Den Polizeibeamten an der Absperrung, der seine Verletzung besorgt musterte, ignorierte er. ,,Alles in Ordnung ?“ Aaren blinzelte. ,,Ja… ich war nur kurz in Gedanken.“ Er sah aus dem Fenster aufs schwarze Wasser hinaus. ,,Wir haben den Auftraggeber nie ermitteln können aber… „ Er zuckte die Schultern. ,, Ich vermute das spielt heute keine Rolle mehr.“ Der Mann aus dem Lagerhaus damals existierte nicht mehr. Zumindest hoffte Aaren das. ,,Es ist erschreckend was Mentalblocker aus

einem machen können, wenn man nicht aufpasst.“ ,,Ich verstehe nicht, welchen Zweck haben die überhaupt ?“ ,,Es geht um das Urteilsvermögen. Sie wissen wie schwer es ist, in den abgelegenen Welten wie hier die Ordnung aufrechtzuerhalten. Man kann aber auch schlecht jede Kolonie unter Militärische Beobachtung stellen. Also gibt es die Kommissare, die das Gesetz und die Reglementierungen des Elektorats durchsetzen. Als Richter und Vollstrecker. Aber man kann einer einzelnen Person natürlich schlecht die gesamte Rechtsprechung überlassen. Menschen sind korrupt, sie streben

immer zuerst danach, einen eigenen Vorteil für sich aus etwas zu gewinnen. “ ,,Danke.“ , erwiderte Hannah sarkastisch. ,,So meinte ich das nicht. Aber… wenn jemand in der Lage ist, ohne Gefühle und vollkommen Vorurteilsfrei zu urteilen, dann kann man davon ausgehen, dass es keine Fehlurteile mehr gibt. Um das zu gewährleisten gibt es Mentalblocker. “ ,,Das klingt irgendwie grausam. Einen Menschen seiner Gefühle zu berauben heißt auch, dass es keinen Spielraum für Mitleid gibt. Wie passt das in ihr Bild von

Gerechtigkeit?“ ,,Manche würden ihnen da zustimmen. Einige Kommissare die ich kenne sind… sagen wir einfach es hat sie verändert.“ Die Wahrheit war eher, dass die meisten nach Jahrzehnten unter Blocker-Einfluss kaum noch etwas Menschliches zu haben schienen. Manche der dienstälteren Kommissare hörten auch komplett auf Mentalblocker zu nehmen, wenn man ihnen zutraute auch ohne weiterhin Urteile im Sinn des Elektorats zu fällen. ,,Und sie ?“ ,,Ich weiß es nicht. Ich hoffe einfach, das ich immer noch ein Mensch bin.“

Kapitel 21 Ministerrat


Aaren erlebte den Rest des Abends als eine Abfolge wechselnder Sinneseindrücke. Sie redeten über belangloses, das Wetter, die Ereignisse der letzten Tage, die Pläne des Admirals. Nur was sein Leben anging, versuchte Aaren antworten zu vermeiden. Die Erinnerung an seinen Einsatz hatte ihm gereicht und er wollte nicht weiter darüber nachdenken. Wenn er jetzt zurückblickte… fürchtete er sich.

Stattdessen wich er aus und fragte, in welcher Stadt sie aufgewachsen war. Hannah lachte. ,,Ich bin nicht auf der

Erde aufgewachsen.“ ,,Nicht ? “ Sie schüttelte den Kopf. ,,Nein, innere Welten. Vineta um genau zu sein.“ ,,Ist das nicht auch ein Wasserplanet ?“ ,,Fast 95 % Ozeane. Es gibt nur einen Kontinent, mehr eigentlich eine große Insel. “ ,,Dann sind sie ja praktisch schon eine Einheimische wie ?“ Hannah schüttelte den Kopf. ,,Ich bin zwar dort aufgewachsen, aber nachdem ich mich fürs Elektorats-Militär gemeldet hatte, war ich nur noch zwei Mal da.“ ,,Wieso das ?“ ,,Ich hatte Gründe.“ , entgegnete

sie. ,,Ich weiß das mich das nichts angeht aber…“ ,,Schon gut. Sagen wir einfach, meine Familie war nicht die beste.“ Aaren schwieg. Er wusste nicht genau, was er sagen sollte. Stattdessen musterte er Hannah. Er war seine neuen Gedankengänge nicht gewohnt. Auf der einen Seite machte ihm das Angst auf der anderen… auf der anderen schien es ihm, als könnte er endlich, endlich die Schemen loswerden, die ihn verfolgten. ,,Mit sechzehn bin ich endlich abgehauen. Habe ein paar Dokumente gefälscht, damit es nicht

auffällt.“ ,,Das heißt sie haben sich mit sechzehn verpflichtet ? Und das hat niemand gemerkt? Normalerweise überprüfen das Militär mittlerweile Telomere auf das Alter. Da gibt es keine Möglichkeit jemanden zu täuschen. “ Hannah nickte. ,,Das hatte mir aber niemand gesagt. Na ja,…so bin ich dem Admiral das erste Mal begegnet In einem Verhörraum des Elektorats, wo ich mich wegen Dokumentenfälschung verantworten sollte.“ ,,Aber die haben sie nicht wirklich eingesperrt ?“ ,,Nein. Letztlich hat der Admiral ein Wort für mich eingelegt. Ich weiß bis

heute nicht warum. Der weitere Weg war dann klar. Grundausbildung, ein paar Trainingseinsätze, die ersten echten Operationen und schließlich wurde ich Vämskäs Adjutantin.“ ,,Und sonst ? Sie müssen ihre Familie doch trotzdem wieder besucht haben? Freunde ?“ ,,Mir blieb in der ganzen Zeit sehr wenig Freizeit. Was ist mit ihnen?“ Aaren sah kurz Weg und ließ den Blick über die Tische und das Glasdach der Halle schweifen. Die Neonreklamen einiger Geschäfte tauchten alles in grelle Farben, die sich im Teich spiegelten. ,,Nicht mehr.“ , sagte er schließlich. ,,Das tut mir

leid.“ ,,Muss es nicht. Es ist fünf Jahre her. Aber in der ganzen Zeit… habe ich es verdrängt. Und jetzt, jetzt scheint es praktisch bedeutungslos.“ Aaren stand auf. Er hatte keine Ruhe mehr. Gedanken, Gefühle, ihm wurde schwindlig davon. ,,Ich muss kurz frische Luft schnappen.“ , entschuldigte er sich. Aaren hörte noch wie auch Hannah aufstand und ihre Schritte, die ihm folgten, aber im Moment war ihm das egal. Ein Stück die Halle hinunter führte ein Durchgang hinaus auf eine großflächige Veranda, von der man einen freien Blick

aufs Meer hinaus hatte. Die Wellen brachen sich einige hundert Meter unter ihm und ein erneuter aufziehender Sturm am Horizont tauchte die Wolken in Wetterleuchten. Aaren spürte, wie ihn der Anblick nicht etwa besorgt machte, sondern ruhiger werden ließ. ,,Was ist los ?“ ,,Gar nichts.“ Er sah hinunter aufs Wasser, eine dunkle schäumende Fläche ohne Anfang oder Ende. Aaren dachte daran, wie groß ihm die Hive-Anlage anfangs vorgekommen war, aber im Vergleich zum umgebenden Ozean war das Gerüst aus Stahl nur ein Punkt im Nichts.

,,Wussten sie, das wir über die Tiefsee auf der Erde noch immer weniger wissen, als über das umliegende Sonnensystem ?“ ,,Aber auch nur, weil sich niemand mehr dafür interessiert.“ , meinte Aaren. ,,Und weil dort vermutlich ohnehin alles tot ist. Ich glaube auf der Erde habe ich noch nie sauberes Wasser gesehen, das nicht aus der Aufbereitung stammt.“ Er zog langsam den kleinen Goldring vom Finger. Ein Blitz spiegelte sich darin, der nur einige Kilometer entfernt im Wasser aufschlug. Einen Moment tanzten blauweiße Lichtbögen über die Wellen.

,,Was ist das ?“ Aaren streckte die Hand über das Geländer der Terrasse. Der Ring verschwand in der Nacht und er hörte nicht einmal mehr, wie dieser endgültig im Wasser versank. ,,Etwas, das ich zu lange mit mir herumgetragen habe.“ , sagte er leise. Und noch leiser, das nur er es hören konnte. ,,Ruhe in Frieden, diesmal hoffentlich für uns beide.“ Aaren trat ein paar Schritte von der ,,Ich sollte gehen.“ ,,Soll ich sie nicht..“ ,,Nein, ich brauch einfach nur ein paar Stunden Ruhe.“ , erwiderte er. ,,Wir

sehen uns morgen.“ Ohne sich noch einmal umzudrehen ging er davon, ohne wirklich darauf zu achten, wohin ihn seine Schritte brachten. Aarens Gefühle scheinen ihn ersticken zu wollen. Da war Glück und Besorgnis ja sogar Angst jahrelang unterdrückte Trauer, die nur noch wie erkaltete Asche schmeckte. Aaren wünschte sich fast, er hätte darüber Weinen können, aber seine Augen bleiben trocken und klar, sein Verstand, wenn auch durcheinandergewirbelt zielstrebig und kalt. Vielleicht war er dazu ja schon nicht mehr in der

Lage. Aaren lehnte sich gegen die Tür. Sobald sie sich hinter ihm geschlossen hatte, atmete er ein paar Mal tief durch. ,,Ich bin ja so ein Idiot.“ , sagte er in die plötzliche Stille hinein. Er öffnete die Tür zum Balkon und setzte sich an den Tisch der Wohnung. Darauf stand immer noch der Verbindungs-Bildschirm, über den er mit dem Justizminister gesprochen hatte. War das wirklich erst knapp einen Tag her? Ihm schien die Zeit zwischen den Händen zu zerrinnen… und da war immer noch eine verrückte Idee, die ihn nicht mehr

losließ. Vielleicht würde er morgen mit dem Admiral darüber sprechen. Und sich bei Hannah entschuldigen. Ihn verwirrte, dass er nicht einschätzen konnte, was ihm wichtiger war. Draußen speigelten sich die Lichter des Hive und der Mond im Wasser, während er versuchte wieder Ruhiger zu werden. Das Klingeln des Intercom riss ihn aus seinen Gedanken. Mit einem seufzten stand Aaren auf und nahm den Anruf entgegen. ,,Was gibt es ?“ ,,Hier ist Vämskä, ich habe grade mit dem Ministerrat gesprochen.“ ,,Und ?“ ,,Die wollen auch mit ihnen reden.

Sagen wir einfach die Berichte über die Situation hier haben sie… etwas verschreckt.“ Aaren war sofort wieder hellwach. ,,Das verstehe ich nicht ganz…“ ,,Wie gesagt, das erklären sie ihnen am besten selbst, ich stell sie durch.“ Die Verbindung wurde unterbrochen und stattdessen meldete nun der Bildschirm auf dem Tisch ein eingehendes Signal. Aaren setzte sich und schaltete den Schirm ein. Es dauerte einen Moment, bis das Bild sich stabilisierte. Flackernde Balken liefen über das Display, bis Aaren endlich etwas erkennen konnte. Im Hintergrund befand sich offenbar ein

großer Saal, durch dessen Fenster er die Hochhäuser und Straßenschluchten der Erde erkennen konnte. Im Vordergrund standen zwölf Personen. Sieben Männer und Fünf Frauen, der gesamte Ministerrat. Bisher hatte Aaren noch nie mit allen von ihnen Gleichzeitig gesprochen, geschweige denn überhaupt schon alle von ihnen getroffen. Die Minister waren immerhin die Ankerpunkte des Elektorats, diese zwölf Personen legten die Gesetzte fest und trafen die übergreifenden Entscheidungen. Und früher hätte er es als Ehre betrachtet mit ihnen zu sprechen. Jetzt jedoch wurde ihm eine Tatsache klar, die Aaren bisher nicht

verstanden hatte. Das waren nur Menschen. War es das was Callahan gemeint hatte? Er wusste es nicht… Ich bin ein Kommissar, dachte er. Diesen zwölf habe ich Gefolgschaft geschworen… aber stimmte das noch? Aaren hätte am liebsten die Verbindung unterbrochen und erst einmal Ordnung in seinen Kopf gebracht. Das war Verrat. Seine Gedanken waren Verrat. Das Elektorat war die Zukunft der Menschheit. Ansonsten gab es nur Anarchie. Der grauhaarige Justizminister ergriff als erster das Wort: ,,Ich hoffe es geht ihnen gut?“ ,,Den Umständen entsprechend.“ ,

erwiderte Aaren. ,,Die Berichte, die uns in den letzten Stunden erreicht haben sind… um es vorsichtig zu formulieren beunruhigend.“ , meinte eine Frau , deren Namen Aaren nicht einfiel. Er ging die Zwölf Minister der Reihe nach durch. Da war natürlich Arthur Jones der Justizminister, seit fünfundzwanzig Jahren im Amt, war er einer der ältesten Minister und wohl noch am ehesten mit der Kernidee des Elektorats vertraut. Aaren war sich nicht sicher, aber vermutlich war der Justizminister einer der wenigen, denen er sicher vertrauen

konnte. Dann natürlich das Verteidigungsministerium mit Ministerin Hotaru Oishi. Der Nachrichtendienst, welcher in letzter Zeit , also seit etwa einem Jahrzehnt praktisch bedeutungslos geworden war , da das Justizministerium die meisten Aufgaben mittlerweile übernommen hatte mit Minister Hasan Okafor, ein hochgewachsener dunkelhäutiger Mann, der eine schwere Lesebrille trug und ihn keine Sekunde aus den Augen ließ. Soweit Aaren wusste, hieß es er hätte die letzten Jahre mit einer zunehmenden Paranoia zu kämpfen. Und nicht zu vergessen das

Finanzministerium welches über unglaubliche Macht verfügte, da die Bankenwirtschaft vom Wohlwollen des Ministeriums abhing. Minister Daniel Szymanski war sich dieser Macht wohl mehr als bewusst und von den zwölf war er der Jüngste, soweit Aaren wusste. Strohblonde Haare und dunkle stechende Augen, die ihn wie eine zu opfernde Schachfigur musterten . Das Innenministerium, Wirtschaft… Er vervollständigte die Liste, H ging ein Gesicht nach dem anderen durch und sah schließlich wieder auf. ,, Ich fürchte,“ , sagte Aaren, ,,die Berichte, die sie gesehen haben stimmen. Wir sehen uns einer schlagkräftigen

Streitmacht von Söldnern gegenüber, die Gouverneur Callahan offenbar befehligt.“ ,,Sie erwähnten auch, dass es sich nicht um gewöhnliche Soldaten handelt.“ ,,Das ist wahr. Callahan, oder vermutlich eher einem seiner Wissenschaftler hier…“ Ihm wurde grade etwas klar… etwas, das ihn schon vorher gestört hatte, aber ihm jetzt erst wie Schuppen von den Augen fiel. ,, Callahan besitzt keine Wissenschaftliche Ausbildung oder ?“ ,,Das sollten sie doch wissen …“ , meinte der Finanzminister düster. ,,Soweit wir wissen nicht.“ , sagte Jones und überging damit die Bemerkung des

Mannes. ,,Dann muss ihm jemand helfen.“ , stellte Aaren fest. ,,Auf die Idee kommen sie ja früh, vor allem, da die offensichtlichste Verdächtige…“ ,,Sollten sie damit auf Eleanor Haddington so muss ich ihnen leider mitteilen, das ich keinen Grund zu dieser Annahme sehe. Sie hat uns wertvolle Informationen geliefert. Und die übrigen Wissenschaftler sind alle noch hier. Vielleicht war es jemand von Außerhalb?“ Jones Augen blitzten auf. ,, Tatsächlich hat Callahan die letzten Monate damit zugebracht zahlreiche Nachrichten an

jemanden auf der Erde zu schicken. Die letzte kurz vor ihrer Abreise.“ ,,Woher..“ , setzte Aaren an. ,,Ich habe selbst etwas recherchiert“ , meinte der Justizminister mit einem schelmischen Grinsen und fügte hinzu : ,,Lass niemanden etwas tun, das du nicht selbst bereits bist zu machen.“ ,,An wen gingen diese Nachrichten ?“ ,,Keine Ahnung, Verschlüsselt und über ein Dutzend verschiedenen Server geschickt. Ich habe ein paar Leute daran sitzen, aber bis die was finden…“ Der Mann vom Nachrichtendienst ließ ein deutlich vernehmbares Räuspern hören. ,,Dürfte ich darauf hinweisen das wenn

meine Institution…“ ,,Ich glaube wir haben wichtigere Probleme.“ Unterbrach die Verteidigungsministerin ihn. Aaren nickte. ,,Das fürchte ich auch.“ ,,Laut den neusten Berichten, die Admiral Vämskä uns zukommen ließ, sieht es so aus, als sei Callahan nicht unser einziger Feind.“ Und jetzt war der Moment gekommen, den Aaren schon erwartet hatte. ,,Das trifft vielleicht nur bedingt zu.“ ,,Wie meinen sie das ?“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Sie kennen die Berichte ?“ ,,Und sie haben einigen von uns hier einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Manchen mehr als anderen.“ ,,Wie meinen sie das ?“ ,, Er meint damit, das wir entschieden haben, das sie vielleicht etwas Unterstützung gebrauche könnten. Ein Schiff mit Raketensatteliten ist bereits auf dem Weg.“ Aaren sah sie einen Moment entsetzt an. ,,Orbitale Raketenplattformen sind keine Angriffswaffen, Minister. Was wir hier brauchten sind Präzisionsschläge, aber die sind Bestückt mit…“ ,,Thermonuklearen Sprengsätzen.“ , beendete die Verteidigungsministerin den Satz.

Kapitel 22 Alternativlösungen


,,Die Waffen werden direkt Admiral Vämskäs Befehl unterstellt.“ ,,Sind sie eigentlich vollkommen…“ Aaren hielt sich grade noch rechtzeitig zurück. ,,Darf ich sie daran erinnern, das die Gesetze des Elektorats den Einsatz von Nuklearwaffen, allein das Stationieren solcher in der Atmosphäre Bewohnbarer Planeten verbieten ?“ ,,Wir reden nicht darüber sie tatsächlich einzusetzen Terrel. Nur eine Vorsichtsmaßnahme. Die Satelliten verfügen auch über taktische

Sprengköpfe.“ ,,Eine Vorsichtsmaßnahme ,die gegenunser eigenes Gesetz ist. “ , reif Aaren. Er war aufgestanden und sah die Gruppe der zwölf Männer und Frauen entgeistert an. ,,Gesetze kann man ändern.“ , meinte Szymanski, der Finanzminister, nur kalt. Aaren schüttelte lediglich den Kopf. ,,Sie dürfen eines nicht vergessen. Callahan ist derjenige, der für all das grade stehen muss. Er ist ein erklärter Feind der Ordnung. “ Es klang hohl. Aber Aaren hatte nicht vor, sich mit den Ministern zu streiten. Einen Sinn hatte das eh nicht. Bestenfalls würden sie ihn

noch entlassen und das… das würde ihm jegliche Möglichkeiten nehmen. Vielleicht hatten sie zumindest damit Recht. Wenn die Drohung neuer Waffen ausreichte, würde Callahan sich vielleicht einfach stellen, so brauchten sie ihn wenigstens nicht über den ganzen Ozean jagen. Es war eine schwache Hoffnung und er musste seine aufsteigende Wut unterdrücken. Hilfesuchend suchte er den Justizminister auf dem Bildschirm. Diesem schien auch nicht ganz wohl bei der Sache, den er versuchte das Thema zu wechseln ,,Was ist mit diesen Wesen… ich weiß nicht, wie heißen

die?“ ,,Bisher namenlos, aber ich bin sicher irgendjemand denkt sich was aus. Bis dahin, sollten wir besser rausfinden, wie wir sie bekämpfen. “ Und da war sie wieder die verrückte Idee, die Aaren nicht mehr los ließ. ,,Vielleicht gibt es eine bessere Lösung.“ , sagte er. ,,Wie meinen sie das ?“ ,,Ich glaube nicht, das sie uns einfach so angreifen. Callahan hat diese Wesen gefangen und für den Aufbau seiner Armee genutzt. Wer weiß wie viele dabei gestorben sind. Ich denke es ist klar, dass sie und deshalb alle als Feindlich

betrachten.“ ,,Vämskäs Bericht erwähnt aber auch, dass es so aussah, als würden sie Callahans Leute, also ausgerechnet ihre eigentlichen Feinde, nicht angreifen.“ ,,Das verstehe ich auch noch nicht ganz.“ , gab Aaren zu. ,,Aber wenn wir sie überzeugen, das wir zumindest nicht der Feind sind, ersparen wir uns einen Krieg an zwei Fronten.“ ,,Und das wollen sie wie anstellen ? Soweit ich das gelesen habe, verstehen sie nicht mal unsere Sprache.“ Worüber sich streiten lässt, dachte Aaren. ,,Nun, ich habe Möglicherweise einen Kontakt.“ , sagte er. ,,Wie bitte

?“ ,,Wie ich sagte, ich habe vielleicht einen Kontakt. Und wenn ich die Zeit bekomme… kann ich das hier vielleicht beenden, ohne dass sie gleich den halben Planeten in die Luft jagen.“ Wobei die Raketen im Wasser vermutlich ohnehin nicht viel nützen würden. Und Schiffe mit Atombomben zu beschießen war eine ziemlich unsinnige Idee. Zumindest sagte Aaren sich das selbst. Sie haben Angst und ängstliche Leute machen dumme Sachen. ,,Das sind ziemlich viele vielleicht.“ ,,Oder sie bombardieren den Planeten, ihre Entscheidung, aber was macht sich wohl besser im Lebenslauf

?“ ,,Schön, sie bekommen ihre Chance.“ Ohne ein weiteres Wort und ohne sich mit den anderen zu besprechen unterbrach der Finanzminister die Verbindung. Aaren saß eine Weile vor dem leeren Bildschirm und stützte den Kopf auf die Hände. Draußen ging grade der Mond unter und die Wolken am Horizont verzogen sich. Offenbar drehte der Sturm ab. Nichts ist jemals einfach, dachte er, bevor er sich endlich dazu zwang aufzustehen und zu versuchen, etwas schlaf zu finden. Morgen würde er einiges organisieren müssen. Aaren hatte nicht wirklich damit gerechnet,

dass er eine Chance bekommen würde. Aber auf der anderen Seite… war er immer noch ein Kommissar. Hatten sie überhaupt gemerkt, dass er wütend geworden war? Oder waren sie einfach davon ausgegangen, eine emotionslose Figur vor sich zu haben, so dass sie dem gar keine Beachtung geschenkt hatten? Aaren hätte gerne allein mit dem Justizminister gesprochen. Vielleicht hätte er dann ein paar Antworten bekommen. Am nächsten Morgen brauchte er eine Weile um Admiral Vämskä zu überzeugen. Obwohl der Ministerrat ihn bereits informiert hatte, schien er von

der Idee gar nicht begeistert, Aaren ohne Begleitschutz auch nur irgendwohin gehen zu lassen. ,,Ich kann durchaus auf mich aufpassen.“ , meinte Aaren. ,,Und ich nicht auf sie verzichten.“ , erwiderte er. Sie befanden sich in einer großen Halle, die der Admiral eigentlich als Unterkunft für die Elektorats-Soldaten hatte nutzen wollen jetzt aber vollkommen verlassen da lag. Die Soldaten waren in den leer stehenden Arbeiterapartments untergekommen. Stattdessen hatte man den Raum mit einigen Schaumstoffmatten ausgekleidet. Ein großes Fenster ging hinaus aufs Meer.

Letztlich gab der Mann aber doch nach. Vor allem, weil ihm die Aussicht auf einen Kampf an zwei Fronten genau so wenig gefiel, wenn sich zumindest eine davon vermeiden ließ. ,,Aber nur damit sie es wissen, wenn sie draufgehen und nichts erreichen, wird das Elektorat vielleicht wirklich eine Auflösungsbefehl schicken.“ ,,Auflösungsbefehl ?“ Aaren musterte ihn ungläubig. Auflösung würde bedeuten, sich eine Niederlage einzugestehen und den Planeten als verloren aufzugeben allerdings würde das in einem Orbitalen Bombardement enden, der jedes wertvolle Ziel zerstören würde.

Es war ein Mittel der letzten Wahl für das Elektorat, um mit rebellischen Welten und Kolonien zu verfahren und in der Geschichte erst Dreimal angewandt worden. Jedes Mal im kleinen Rahmen auf lebensfeindlichen Welten, die vielleicht ein zwei Minenkomplexe beherbergten. Aber hier sprachen sie von einer bewohnten Welt mit tausenden von Menschen. Und langsam wurde ihm klar, dass diese Drohung durchaus ernst gemeint war. Mit den Satelliten, die im Laufe des Tages eintreffen sollten, hätten sie jederzeit die Möglichkeit dazu. ,,Wir müssen das Elektorat verteidigen Aaren, auch wenn es schwer fällt.“ Der

Admiral klopfte mit den Fingerspitzen unruhig auf das Heft seines Energieschwerts und sah aus dem Fenster. ,,Das wissen sie doch ?“ Aaren musste sich eine ehrliche Antwort verkneifen. ,,Natürlich.“ , sagte er stattdessen kalt. War ich auch mal so? War ich noch vor einer Woche so? Das schien eine andere Person gewesen zu sein. An einer Aufhängung an der Wand lehnten einige Waffen. Schwerter wie Aaren feststellten. ,,Sind das Energiewaffen ?“ Der Admiral nickte. ,,Wir bilden unsere Leute noch damit aus. “ Aaren nahm eine der Klingen aus der

Halterung. Sofort umhüllte es ein kaum wahrnehmbares Energiefeld, das die Luft um den Stahl zum Flimmern brachte. Aaren wusste nicht genau, wie die Waffen funktionierten aber die Theorie dahinter war, das die Klinge selbst ein Schutzfeld erzeugte, welches das Metall davor bewahrte Stumpf zu werden. Das war auch nötig, da die Schneiden auf den Durchmesser weniger Atome geschliffen wurden und sonst schnell splittern oder stumpf werden würden. So aber erhielt man eine Klinge, die beinahe jedes Material schneiden konnte. Er lies das Schwert einmal durch die Luft kreisen. Die Waffe war erstaunlich leicht. Das Schwert besaß eine Grade

Klinge und war nur auf einer Seite zu geschliffen, das Klingenblatt selbst so fein, das die Schneide kaum zu erkennen war, der Klingenrücken war dagegen stumpf. ,,Nicht meine erste Wahl. „, meinte Aaren. ,. Was nützt ihnen ein Schwert, wenn ihr Gegner hundert Meter vor ihnen steht? Mit einer Feuerwaffe ?“ ,,Sagen sie das nochmal, wen sie jemand in einer vollen kinetischen Panzerung angreift, da nützen ihnen Kugeln überhaupt nichts.“ ,,Richtig, aber eine kinetische Panzerung kostet zu viel um eine Streitmacht damit auszurüsten, geschwiege denn, dass irgendjemand die Dinger wirklich

heimlich kaufen könnte.“ ,,Noch. Wir wissen alle, dass es bei jeder Technologie nur eine Frage der Zeit ist, bis sie für jeden zu haben ist. Das bringt Fortschritt so mit sich. Nehmen sie mich, ich bin zweiundfünfzig. Noch vor ein paar Jahrhunderten wäre ich jetzt ein alter Mann. Jetzt habe ich noch gut hundert Jahre zu leben und das bei bester Gesundheit.“ Vämskä zog langsam seine eigene Waffe. ,,Haben sie schon mal ein Energieschwert benutzt ?“ ,,Einmal während meiner Ausbildung als Kommissar. Die lassen uns nicht eher auf die Menschheit los, bis wir mit so ziemlich jeder Situation umgehen

können.“ Der Admiral musterte ihn einen Moment. ,,Ehrlich gesagt, bezweifle ich das. Sie sind gut, das leugne ich nicht, aber kein Soldat.“ Er sah ihn Herausfordernd an. ,,Oder haben sie Angst . Kommissar?“ Aaren trat ein paar Schritte zurück. Normalerweise hätte er die Aufforderung des Admirals einfach ignoriert, aber… jetzt hatte ihn ein gewisser Ehrgeiz gepackt. Trotzdem… ,,Diese Klingen schneiden durch alles. Ist das nicht gefährlich?“ ,,Sie müssten das Schutzfeld während des Schlags abschalten, sonst passiert nichts. Sie holen sich höchstens ein paar blaue Flecke. “ , erklärte

Vämskä. ,,Das werden wir sehen.“ Die Waffe war ungewohnt für Aaren und er überlegte noch, wie er die Klinge überhaupt halten sollte. ,,Noch irgendwas, das ich wissen sollte ?“ ,,Wenn sie einen Schlag in einem echten Kampf nur abwehren wollen, lassen sie das Schutzfeld an, sonst zerbrechen beide Schwerter. Aber so…“ Langsam begann der Admiral ihn zu umkreisen und Aaren drehte sich mit, damit der Mann nicht in seine Flanke gelangen konnte. Oder gar in seinen Rücken. Der erste Schlag kam überraschend und Aaren hatte grade noch genug Zeit, die

ungewohnte Klinge hochzureißen um den Angriff abzuwehren. Sofort setzte Vämskä nach und drängte den Kommissar in die Defensive. Aaren tauchte unter einem schlecht gezielten Schlag durch und kam in der Seite des Admirals wieder auf die Füße. Ein Angriff seinerseits wurde jedoch ohne Mühe von Vämskä abgewehrt, der sich nicht ablenken oder beunruhigen ließ. Eine Weile lang ging der Kampf hin und her, bis sowohl Aaren als auch der Admiral einige Schritte zurück traten. Aaren war außer Atem und Vämskä musste sich auf das Schwert stützen. ,,Also schön.“ , meinte Vämskä ,,Sie bekommen ihre Chance. Was haben sie

also genau vor?“ Er hob die Waffe wieder auf, Aaren machte sich bereit und parierte den ersten Schlag. ,,Nun, ich müsste raus aufs Meer. Möglichst allein.“ , sagte er. ,,Zu gefährlich.“ Die Antwort war Eindeutig. ,,Was machen sie bitte, wenn sie da draußen verloren gehen ?“ Aaren sprang ein Stück zurück, als der Admiral zu einem erneuten Schlag ausholte, aber es gelang ihm nicht ganz. Das Energieschwert krachte gegen seine Schulter und er musste seine eigene Waffe fallen lassen. ,,Ich schätze eine der Inseln tut es auch.“ , meinte er und hob die Klinge

wieder auf. Und er wusste auch schon welche. ,,Ich müsste Vorräte mitnehmen.“ , fügte er hinzu , während er die Waffe wieder in der Wandaufhängung anbrachte. ,,Und Waffen.“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Zwei Pistolen, die reichen.“ ,,Sagen sie das nochmal, wenn Callahans Leute sie allein entdecken sollten.“ ,,Ich habe mal eine ganze Bande Schmuggler alleine ausgeschaltet. Glauben sie mir ich komme zurecht.“ ,,Ein paar Streuner sind was anderes, als eine Ausgebildete Kampfeinheit. Wie ich ihnen doch hoffentlich grade beweisen konnte?“ , fragte Vämskä. ,,Nun

, die hatten Maschinengewehre und ich nur eine Pistole.“ Der Admiral lachte. ,,Ich sehe die Kommissare werden ihrem Ruf gerecht. Also gut, tun sie was sie für richtig halten. Aber ich werde ebenfalls tun, was ich für das beste halte. “ ,,Vielleicht klappt es auch gar nicht, dann wäre die ganze Aktion ohnehin umsonst.“ , meinte Aaren, während er die Halle verließ. Wenn der kurze Kampf eines bewirkt hatte, dann das er ihn auf seltsame weiße beruhigte. Ein Kampf , egal in welcher Form, ob in einer Diskussion oder Physisch, erforderte immer vollkommene Konzentration . Da war

kein Platz mehr für seien Sorgen und Gedanken. Im Kopf ging er bereits alles durch, was er brauchen würde.

Kapitel 23 Abreise

Einige Stunden später stand Aaren an einem Pier der Station, an dem sich ein kleineres Motorboot befand. Bei einem Sturm wäre es unmöglich gewesen, damit rauszufahren, aber das Wetter war gut und er wollte auch nicht, das Vämskä ein Schiff abstellen musste, nur um ihn zu seinem Ziel zu bringen. Er hatte einige Tasche mit Vorräten, die ihn wohl im Fall, das ein Sturm seine Rückkehr verhinderte ein paar Tage reichen würden. Dazu ein Funkgerät, das hoffentlich auch funktionierte. Daneben nahm er nur die Kleidung die er trug und

die zwei Pistolen mit je einem Reservemagazin mit Auch wenn er hoffte, die nicht zu brauchen. Aaren warf die letzte Tasche in das Boot und drehte sich dann um, als er Schritte näherkommen hörte. ,,Und sie wollten einfach abhauen ?“ Hannahs Stimme war nur gespielt vorwurfsvoll aber… sie hatte recht. Er hatte überlegt, nach ihr zu suchen, bevor er ging. Und sich dann dagegen entschieden. Warum ? Er wusste es nicht. Auch Abundius hatte er erst gar nicht über sein Vorhaben informiert. Ich bin eben niemand, der sich gerne Verabschiedet, dachte Aaren. Da waren sie wieder, diese wiederstrebende

Gefühle, die ihm keinen ruhigen Gedanken ließen. ,,Es ist ja nicht so, dass ich vorhabe lange wegzubleiben.“ , meinte er und fügte dann entschuldigend hinzu : ,,Ich hätte gestern nicht einfach gehen sollen.“ ,,Schon in Ordnung.“ ,,Nein das ist es nicht.“ , sagte er entschieden. ,,Ich habe ein halbes Jahrzehnt immer damit zugebracht wegzulaufen. Und jetzt, wo ich glaube, das mir endlich, endlich, wieder jemand etwas bedeuten könnte…“ Aaren machte eine Wegwerfende Handbewegung. ,,Ich habe Dinge getan, die mir im Nachhinein verwerflich vorkommen. Menschen

getötet, die das Leben verdient hätten und ich beginne mich zu Fragen…“ Er zögerte, seine Gedanken frei auszusprechen.. Aber… es war niemand außer Hannah in der Nähe, der ihn hören konnte. ,,Ich beginne mich zu fragen, ob ich nicht auf der falschen Seite stehe.“ Hannah machte einige Schritte rückwärts. ,,Das ist Verrat.“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Nein, ich glaube an das, wofür das Elektorat mal stand. An den Gedanken einer gerechten und geordneten Gesellschaft. Aber ich frage mich, ob der Ministerrat diesen Glauben noch teilt.“ ,,Aaren, bitte sagen sie einfach gar nichts mehr. Noch ein Wort und… ich

muss dem Admiral Bericht erstatten.“ ,,Können sie das denn ?“ , fragte Aaren leise. ,,Es sind schon Leute für weniger gefährliche Gedanken hingerichtet worden. Können sie mich mit einem Wort zum Tode verurteilen? “ ,,Nein. Aber… was sie.. was.. das ist Hochverrat.“ ,,Das ist mir vollkommen klar.“ Aaren sah einen Moment aufs Meer hinaus. Einzelne Wolken trieben über den Himmel und die Wellen schaukelten das Motorboot auf und ab. ,,Und genau deshalb kann ich nicht bleiben. Es ist falsch. Wenn ich wegen eines Gedankens sterben muss, stimmt etwas nicht. Wenn ich wegen eines Gedankens töten muss,

genau so wenig.“ ,,Aaren... haben sie eine Ahnung… was stimmt nicht mit ihnen ?“ Er hätte am liebsten gefragt, was mit ihr nicht stimmte. ,,Ich verlange nicht, das sie mich verstehen. Sie sind immer noch so, wie ich war und dahin kann ich nicht mehr zurück. Und ich will es auch nicht.“ Aaren wusste, dass diese Entscheidung endgültig war. Trotzdem zögerte er nicht. Er setzte einen Fuß ins Boot und hielt dann doch inne. Hinter diesem Schritt stand sowohl der Kommissar, als auch der normale Mensch in ihm. ,,Vielleicht komme ich nicht zurück. Vorausgesetzt natürlich, ich habe

überhaupt Erfolg. “ , sagte Aaren. ,,Passen sie lediglich auf sich auf.“ Hannahs Sorge war echt, das wusste er im selben Moment, in dem er die Worte hörte. Aber natürlich haderte sie auf der anderen Seite immer noch mit ihrem Pflichtgefühl, dem Wissen, das sie eigentlich gezwungen war ihn aufzuhalten. Er nickte nur. ,,Das mit Sicherheit.“ Aaren zwang sich, nicht einfach in das Boot zu steigen und zu gehen. Genug weggerannt. Einen Moment schien Hannah zu zögern und Aaren wurde etwas klar. Wenn er sie fragte, würde sie mitkommen. Aber das konnte er schlecht zulassen.

,,Denken sie nicht mal dran, mir zu folgen.“ ,,Ich wollte nicht…“ ,,Ich werde mich nicht Callahan anschließen falls sie das denken. Vielleicht bin ich nicht mehr ein Anhänger des Elektorats, aber Callahan ist über Leichen gegangen nur um selbst zu entkommen. Möglicherweise warte ich einfach ab, bis das alles vorbei ist. Und… verschwinde dann.“ Erst jetzt drehte er sich entschieden um, startete den Motor und wartete, bis der Hive fast außer Sicht war, bevor er sich noch einmal umdrehte. Die silberne Konstruktion war nicht

mehr als ein Punkt am Horizont und um ihn herum gab es nichts mehr, als eine endlose blau-graue Fläche. Aaren überprüfte seine Position setzte dann einen Kurs, der halbwegs stimmen musste und wartete. Ihm blieb nichts zu tun, als das Steuer grade zu halten. Selbst mit den Elektorats-Schiffen und Callahans gestohlener Flotte war das Meer so leer, das er extremes Pech haben müsste, irgendjemanden zu begegnen. Die Stunden zogen sich schleppen dahin. Von oben hätte das Schiff sicherlich lediglich wie ein Punkt auf einer endlosen blauen Leinwand gewirkt. Zeitweise glaubte Aaren, er würde sich

überhaupt nicht von der Stelle bewegen. Nur das aufgeschäumte Wasser am Bug des kleinen Schiffs belehrte ihn eines Besseren. Trotzdem… der Horizont blieb immer gleich. Um ihn herum gab es nichts mehr als leere. Aaren hatte das Ruder blockiert, so dass es auf Kurs bleiben würde und war unter Deck gegangen. Das Boot besaß einen kleinen Verschlag, der grade genug Platz für ein Feldbett und eine Kiste bot, in die er alles packte, was er nicht dem Wasser aussetzen wollte oder konnte. Daneben gab es einige Satellitenkarten von Liurie , auf denen natürlich nichts zu sehen war, als Ozean. Und einige vereinzelte dunkle Punkte. Die kleineren

davon stellten wohl Schiffe da, die in die Aufnahme geraten waren. Und die größeren waren Inseln, kaum größer als ein paar hundert Meter. Aaren schüttelte den Kopf, als er wieder nach draußen trat, eine der erstaunlich Präzisen Karten im Arm. Er zog ein kleines Ortungsgerät aus einer wasserdichten Tasche, stellte schnell fest, das er seien Position aufgrund irgendwelcher Störungen nur ungefähr bestimmen konnte und warf dann einen Blick auf die Karte. Was machte er hier eigentlich? Selbst wenn er das Wesen, das er Sonea getauft hatte fand… wie wollte er überhaupt etwas ausrichten? Geschweige denn auch

nur erläutern, wie Callahan sie hintergangen hatte. Falls sie überhaupt auf seiner Seite standen. Und wenn er nicht getötet wurde. Und wenn es diese Wesen dann überhaupt interessierte, wen sie bekämpften. Mit einem hatten die Minister recht gehabt. Es gab jede Menge vielleicht und wenns in seinen Überlegungen. Aaren setzte sich auf den Bootsrand und ließ einen Fuß ins Wasser baumeln, während er die Karte studierte. Oder zumindest so tat. Er fluchte leise. Wie hatten ein paar Tage bitte alles so durcheinanderwirbeln können? Noch vor zwei Wochen hatte er in der Metropole der Erde gesessen, ein

Kommissar des Elektorats und vermutlich der erste, der Callahan oder jeden mit dessen Gedanken ohne zu überlegen erschossen hätte. Nun schien er langsam selbst dazu zu werden. Nein, korrigierte Aaren sich in Gedanken. Nicht langsam. Es hatte nur einen so kleinen Anstoß gebraucht um ihn die Augen zu öffnen. Er erschauerte bei dem Gedanken und musste an die Worte des Gouverneurs denken. Was ihnen so stabil erscheint ist noch nie getestet worden. Es war brüchig, Marode. Unter der Maske der Stärke lag nur faules Holz. Was, dachte er, würde passieren, wenn man dem ganzen einfach einen gewaltigen Stoß

versetzte? Das Elektorat würde zerbröseln wie Staub und sich auflösen. Nur der Schlag musste eben stark genug sein. Aaren dachte an Callahan zurück. Er konnte das hier nicht gewinnen. Dafür waren die paar Mückenstiche, die er ihnen bisher versetzt hatte nicht bedrohlich genug. Der Gouverneur war nicht dumm. Was also hatte er vor, wenn er nicht für den Rest seines Lebens vom Elektorat über die Ozeane gejagt werden wollte? Oder zumindest, bis die Raketensatelliten einsatzbereit war. Callahan musste klar sein, das das Elektorat auch vor einem Auflösungsbefehl nicht zurückschrecken

würde…. Aaren sah ins Wasser. Er wusste sofort, dass er auf etwas Gestoßen war. Eine wichtige Idee… ein Puzzleteil, das an seinen Platz wollte, aber es entglitt ihm wieder. Ein Stoß, der das Elektorat zerschmetterte… den maroden Turm ins Wanken brachte… Etwa wie… Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als etwas wenige Meter vom Boot entfernt seine Aufmerksamkeit erregte. Ein Schatten im Wasser. Das gab es doch nicht… Ein zweiter grünlich schimmernder Schatten tauchte neben dem ersten auf. Aaren tastete nach seiner Waffe… und fand sie nicht.

,,Was zur…“ Aaren drehte sich um , um nach der Pistole zu suchen und erstarrte in der Drehung. Er war nicht mehr allein auf dem Schiff. Halb sitzend halb stehend beobachtete er die seltsam humanoid anmutende Gestalt, die auf der Reling saß und ihn aus ausdrucksstarken goldenen Augen musterte. Vor ihr lagen die zwei gravierten Pistolen. Natürlich ohne Magazine. Er bekam grade noch mit, wie sie diese hinter sich ins Wasser fallen ließ. Die anderen Schatten, die er eben noch gesehen hatte, waren zwischenzeitlich verschwunden, auch wenn Aaren das Gefühl hatte, das er

wohl keine Sekunde unbeobachtet bleiben würde. Aber er wurde auch nicht angegriffen. Vielleicht weil er nicht mehr bewaffnet war? Das schien wenig Sinn zu machen. Oder doch ? Langsam stand Aaren auf. Das Wesen ließ ihn keine Sekunde aus den Augen. Der Kommissar machte einen langsamen Schritt vorwärts. Unbehaglich musterte er die zwei Knochenhöcker, welche das sechste und siebte Fingerpaar bildeten. Ein Kratzer und er würde vermutlich sterben. Unsicher trat er wieder zurück und lehnte sich Vorsichtig gegen die Reling. Zwischen ihnen lag jetzt die komplette Breite

des Schiffs. ,,Okay… und was jetzt ?“ , fragte er, immer noch unsicher, ob Sonea ihn wirklich teilweise Verstand, oder ob das alles ohnehin sinnlos war. Zu seiner Überraschung öffnete sie die Hand. Ein kleiner Gegenstand lag darauf, der ihm seltsam vertraut vorkam. Es war ein Ring. Und nicht irgendeiner, wie ihm schnell klar wurde. ,,Woher.. . „ Aaren machte einen unsicheren Schritt auf das Wesen zu und blieb dann stehen. Es wich nicht zurück, kam aber auch nicht näher. Langsam steckte er eine Hand aus. Seine Fingerspitzen strichen kurz über

ihre Hand. Sie war eiskalt, wie Aaren feststellte. Trotzdem zwang er sich, keine schnellen Bewegungen zu machen. Er war sich mittlerweile sicher, dass die anderen Wesen, die er nur als Schatten gesehen hatte, noch im Wasser waren. Genauso, wie er sich sicher war, das er sterben würde, wenn er einen Fehler machte. ,,Woher hast du das ?“ Die Antwort kannte er natürlich. Er hatte den Ring selbst ins Wasser geworfen. Aber ihn so zurückzubekommen war… bestenfalls seltsam. Aaren trat wieder zurück an die Reling und spähte einen Moment in die Ferne. Natürlich war nach wie vor nichts zu

sehen. Nur Wellen und Wasser, das gegen das Schiff schlug. Er drehte sich wieder um. ,,Ich denke…“ Aaren stockte. Sonea war verschwunden. Er hatte nicht einmal gehört, wie das Wesen zurück ins Wasser geglitten war. Ein Blick über die Reling zeigte ihm nur noch ein paar Umrisse im Wasser, die schnell außer Sicht verschwanden und denen er selbst mit dem Fernglas nicht mehr folgen konnte. ,,War das jetzt ein Erfolg ?“ , fragte er sich laut . Das ganze hatte irgendwie eine Unwirtliche Atmosphäre gehabt und wenn er sich nicht vollkommen sicher wäre, bei Bewusstsein zu sein, hätte er wohl geglaubt nur Geträumt zu

haben. Aaren suchte noch einmal den Horizont ab, konnte jedoch nach wie vor kein Land sehen, nicht einmal einen Hinweis darauf, dass das Wasser in der Ferne flacher wurde. Und langsam färbte sich der Horizont dunkel, als die Sonne langsam versank. Aaren setzte sich, entzündete einen kleinen Gasbrenner und versuchte einige der Vorräte, die er mitgenommen hatte Warm zu bekommen. Ein Gefühl von Einsamkeit überkam ihn, das er vorher nicht gekannt oder auch nur bemerkt hatte. Die Wesen, die ihn bisher beobachtet hatten, waren ebenfalls verschwunden,

das spürte er. Der Gedanke stimmte Aaren etwas melancholisch, noch ein Gefühl, das er so seit Jahren nicht mehr gekannt hatte. Es war zumindest Gesellschaft gewesen. Aaren holte das Funkgerät aus der Kiste unter Deck und schaltete es ein, gespannt, ob er ein Signal bekommen würde. Und ob der Admiral überhaupt noch mit ihm reden würde. Wenn Hannah ihm Bericht erstattet hatte, würde er das vermutlich schnell herausfinden.

Kapitel 24 Schatten


Anfangs war die Funkverbindung schlecht und Aaren musste eine Weile warten, bis die Störungen nachließen, erst dann erhielt er eine Antwort. ,,Sind sie das Aaren ?“ Zu seiner Überraschung war es Abundius, der sich meldete. ,,Ich bins.“ , erwiderte er. ,,Es hätte nichts geschadet, wenn sie mir gesagt hätte, was sie vor haben.“ ,,Ich wollte einfach weg.“ , erklärte Aaren. ,,Und ich glaube auch nicht… das ich wiederkomme.“ ,,Ich habe es auch schon gehört. Der

Gedanke, dass wir bald ein paar Raketensprengköpfe über uns kreisen haben, ist nicht grade beruhigend. Und das einige davon für uns bestimmt sein könnten…“ ,,Solange der Ministerrat vernünftig ist…“ , meinte Aaren. ,,Das sagen sie so leicht, sie sind ja schön weit draußen.“ Abundius schwieg einen Moment. ,,Der Admiral will sicher einen Bericht.“ Aaren überlegte. Eigentlich… hatte er bisher gar nichts erreicht. Einen Moment saß er hinaus auf die Wellen, die nur noch von vereinzelten Strahlen Mondlicht erhellt wurden. Mittlerweile hatte sich der Himmel wieder bewölkt

und er fürchtete, dass vielleicht ein Sturm aufziehen würde. Die Wellen schaukelten das kleine Schiff bereits bedenklich hin und her. ,,Man könnte sagen, dass ich… Kontakt aufgenommen habe.“ , sagte Aaren schließlich. Er drehte den Goldring gedankenverloren zwischen den Fingern. Wieso hatte Sonea ihm das hier zurückgegeben? Und wichtiger… wie war sie daran gekommen? Die einzige Erklärung wäre, dass sich einige der Wasserwesen bereits in die Nähe des Hive wagten. Nichts, das der Admiral unbedingt wissen musste. Wer wusste, was er sonst tat… ,,Das heißt

?“ ,,Ich weiß es nicht Abundius.“ , erwiderte er. ,,Es gibt nicht viel was ich tun kann glaube ich. Und ich weiß nicht ob ich das überhaupt will. Ich bin auf einem neuen Weg, den ich nie gehen wollte… und Blicke zurück auf einen, den ich schon gegangen bin und nicht erneut gehen kann. Für mich gibt es grade weder ein vor noch ein zurück.“ Abundius schwieg eine Weile. Aaren dachte schon, die Verbindung sei vielleicht abgerissen, als er sagte: ,,Sie sind nicht mehr der Mann, den ich auf der Erde kennen gelernt habe. Es hilft zwar nichts, aber ich glaube, sie haben sich zum Besseren verändert.

“ ,,Und trotzdem fühle ich mich dabei nicht besser.“ , erwiderte er. ,,Es wäre falsch, wenn es ihnen leicht fallen würde. Zumindest glaube ich das. Aber… ich muss sie warnen. Wir , also ich und Eleanor haben uns das Gift , das den Soldaten auf dem Schiff getötet hat etwas genauer angesehen. Das ganze scheint eine Botulinumtoxin-Ähnliche Verbindung zu sein, allerdings sehr viel Aggressiver und schneller wirksam. Und ebenfalls auf Basis von NDNA. Ich wette fast, unsere Freunde können das Gift auch einfach variieren. “ ,,Das heißt ?“ ,,Ganz allgemein ? Wenn sie das

abbekommen sind sie ohne Behandlung definitiv tot. Je nachdem, ob es direkt in ihren Blutstrom gelangt, stirbt man wohl innerhalb von einigen Sekunden bis mehreren Stunden an Atemlähmung. Außerdem zersetzten sich langsam die inneren Organe.“ Aaren hörte Papiere rascheln, offenbar hatte Abundius einige Papiere dabei. ,,Oh… und hatte ich erwähnt, das außerdem das gesamte Nervensystem angegriffen wird?“ ,,Beruhigend. Da will jemand echt sicher gehen, dass wir draufgehen. “ ,,Ich sage ja, seien sie Vorsichtig.“ Aaren antwortete nicht sofort. ,,Sie haben sich Callahans Bücher beschafft oder

?“ ,,Ja, sicher. Das Elektorat hätte die doch nur ins Meer gekippt… oder im klassischen Stil angezündet. Vämskä ist glaube ich nicht der Mann, der viel mit Büchern anfangen kann.“ ,,Darunter war doch auch eine Kopie von Ordnung und Licht, richtig ?“ ,,Ich wusste nicht, was es war.“ , meinte er beinahe entschuldigend. ,,Auch wenn ich natürlich… ,,Lügen sie bitte jemand andere an.“ , erwiderte Aaren. ,,Ich bin niemand, der sie deswegen in Schwierigkeiten bringt… Nicht mehr zumindest schätze ich.“ ,,Zumindest hoffe ich das.“ , erwiderte Abundius lachend. ,,Noch vor zwei

Wochen hätten sie es.“ Er beruhigte sich wieder. ,,Ich werde dem Admiral einfach glaubhaft versichern das sie… diplomatische Fortschritte machen.“ ,,Und das bekommen sie hin ?“ ,,Nun, wenn sie von sich aus in … nördlicher Richtung eine große , pilzförmige Wolke sehen, wissen sie das die Antwort Nein war. Allerdings… “ ,,Das ist nicht wirklich witzig.“ ,,Nennt sich Nervosität. Werden sie auch wieder kennenlernen.“ , entgegnete Abundius. ,,Vämska ist schon den ganzen Tag am Fluchen . Offenbar hat es zwei Schiffe zerlegt, die er auf Spähmissionen geschickt hat. Zähne, Klauen, Tentakel, Stacheln - geben mir

Geschütze! Ich weiß wie man einen Feind besiegt, der mich mit Geschützen angreift. So was in der Richtung eben. Passen sie auf sich auf.“ Er legte das Funkgerät weg. Stille, nur unterbrochen vom stetigen plätschernd er Wellen. Eine kleine elektrische Laterne erhellte das Schiff und ein Stück des umliegenden Wassers. Ansonsten umhüllte ihn vollkommene Dunkelheit. Selbst das Mondlicht wurde mittlerweile von den aufziehenden Wolken ausgeblendet. Irgendwann schlief er ein und versank in unruhigen Träumen. Seine Hände zitterten, als er die Tür

aufstieß. Er wusste nicht warum… er hatte Angst, wie ihm im nächsten Moment klar wurde. Aber wovor ? Die Tür schwang auf, hinter ihm musste sich irgendwo eine Lichtquelle befinden, denn sofort wurde das Dunkel im Raum dahinter erhellt. Eine große weitläufige Halle. Säulen stützten eine nicht sichtbare Decke, ansonsten schien es keine Einrichtung zu geben. Er machte einen Schritt in den Raum. Die Tür hinter ihm fiel zu und verschmolz sofort mit den Schatten, als das Licht ausgeblendet wurde. Er trat zurück, tastete nach dem Holz des Tors, aber wo dieses sein sollte, fand sich nur noch

Stein. Wieso hatte er solche Angst? Aaren trat Vorsichtig einen Schritt in den Raum hinein und durch das erste Säulenpaar hindurch. Zwei im Dunkeln nur als Schemen erkennbare Gestalten traten hinter den Steinernen Stützen hervor. Seltsamerweise Überraschte ihn das nicht. Hatte er damit gerechnet? Eine der Gestalten war definitiv eine Frau. Sophie. Und die andere Silhouette… ich habe nicht einmal seinen Namen gekannt, dachte er. ,,Verzeiht mir…“ Aaren spürte, wie seine Beine nachgaben und er auf dem kalten Steinboden landete.

Er konnte nicht weiter… musste es aber doch. Irgendetwas versuchte ihn hochzuziehen. Er sah zur Seite und starrte lediglich in ein verschwommenes Gesicht. Er ergriff die dargebotene Schattenhand und stand auf. Aaren schlurfte durch das nächste Säulenpaar. Die Männer aus der Lagerhalle… Diesmal ging es besser. ,,Ihr hättet nur aufgeben müssen.“ , flüsterte er und ging durch die Schatten hindurch , die sich auflösten wie Rauch. Die nächste Säule… immer weiter. Ein Schatten jagte den nächsten und verblasste, manche verfolgten ihn länger, andere begleiteten ihn nur ein

Stück. Aber einer wich nie ganz von seiner Seite. Er warf der Gestalt einen kurzen unsicheren Blick zu. Seine Beine zitterten mittlerweile nicht mehr. Und vor ihm…. Vor ihm befanden sich keine weiteren Säulen mehr. Stattdessen stand er nun vor einer Tür aus schimmerndem Holz. Oder zumindest kam es ihm so vor, als würde das Holz schwaches Licht ausstrahlen. Ein Blick zurück in die Halle zeigte ihm, dass es auch dort heller geworden war. Die Schatten dort schienen kaum mehr Wahrnehmbar. Und wenn er diese Tür öffnete… würden sie verschwinden. Das wusste er einfach. Aaren hielt an und sah zu dem Schatten

an seiner Rechten. Den einzigen, den er nicht loswerden wollte. ,,Ich kann das nicht Sophie.“ Nicht wirklich. Vielleicht nie. Egal was er tat, ein Schatten würde ihn immer verfolgen. ,,Du musst.“ ,,Was habe ich denn dann noch ?“ ,,Freiheit.“ von alldem…aber er würde gleichzeitig alles loslassen müssen. ,, Freiheit was zu tun ?“ Er schüttelte den Kopf. ,,Es zu beenden.“ Aaren zögerte. ,,Ich habe dich geliebt.“ ,,Pass auf dich auf.“ Er nickte langsam, ,,Leb wohl.“ , Und stieß die Türflügel auf.

Gleißende Helligkeit schlug ihm entgegen, blendete ihn und brachte ihn dazu, ein paar Schritte zurück zu stolpern. Die Schatten in der Halle verloschen wie Kerzenrauch. Aaren schirmte die Augen mit den Händen ab und trat durch die Tore. Im Licht war ein Schatten… Nur war es diesmal sein eigener. Er erwachte. Es war noch dunkel, aber am Horizont zeichnete sich bereits ein blasser grauer Schimmer ab. Langsam stand Aaren auf und sah hinaus aufs neblige Wasser. Der Sturm schien sich doch noch aufgelöst zu haben. Er war

hungrig, aber noch nicht so sehr, dass es ihn gestört hätte. Am Finger trug Aaren jetzt wieder den kleinen Goldring, den er noch keine zwei Tage zuvor ins Wasser geworfen hatte. Aber jetzt er war froh ihn wieder zu haben. Diesmal nicht mehr als eine Bürde, sondern als eine Erinnerung. Eine Weile blieb er so stehen und suchte den Horizont ab, ohne zu wissen wonach. Die Inseln musste er verfehlt haben, dachte er und verfluchte die ungenaue Navigation. Aber… irgendwie war es ja ohnehin unnötig geworden. Hinter sich hörte er Wasser platschen. Leise, fast unhörbar, aber diesmal war es ihm nicht entgangen. Er legte

Vorsichtshalber eine Hand auf den Griff einer Pistole. Nicht weil er Angst hatte. Wenn sie ihn hätten töten wollen, wäre das vermutlich längst geschehen. Aber Aaren hatte nur wenig Lust, sich auch noch seien letzte Munition stehlen zu lassen. Zu seiner Erleichterung waren die Waffen noch da. Erst jetzt drehte er sich um. Silbrige Schuppen, dunkle Haare und goldene Augen, die ihm immer noch keine Ruhe zu lassen schienen. Wenn er jemals geglaubt hatte, dass ihn etwas oder jemand vollkommen durchschauen würde, dann war es dieses Wesen. Und das gefiel ihm nicht. Es war Sonea, oder sah dem Wesen aus

dem Schiff zumindest extrem ähnlich. Allerdings… davon ausgehend, wie wenige Vertreter dieser Art er bisher gesehen hatte, konnte er wohl davon ausgehen. Wieder Stand das Wesen einfach nur an der Schiffs-Reling, offenbar bereit sofort wieder zu verschwinden. Aaren blieb ruhig stehen und versuchte sich möglichst wenig zu bewegen. Nach einigen Minuten jedoch kam ihm das nur noch dämlich vor. ,,Also… ich persönlich habe nicht vor den ganzen Tag hier rumzustehen.“ , sagte er und wendete sich halb ab. Sonea musterte ihn, als versuche sie herauszufinden, wovon er überhaupt

sprach, oder was er vorhatte. ,,Ich bin mir ziemlich sicher, dass du mich verstehst.“ , fügte er hinzu. ,,Also zumindest das wichtigste.“ Zu Aarens eigener Überraschung schüttelte das Wesen verneinend den Kopf. ,,Wenig.“ Wieder war das Wort kaum zu verstehen. Aber es reichte ihm. ,,Erwischt.“ , stellte er fest. ,,Ich vermute, ihr habt einiges von Callahan oder den Minenschiffen aufgeschnappt ? Oder hast nur du das gelernt?“ Sie wich ein Stück zurück, soweit das die Reling überhaupt zuließ, verschwand aber nicht. ,,Auch nicht weiter wichtig.“ , meinte er und versuchte beruhigend zu klingen.

Aaren beschloss das Wesen erst einmal zu ignorieren. Im Moment kam er so garantiert nicht weiter. Allerdings schien Sonea mit dem Aufenthalt außerhalb des Wassers kaum Probleme zu haben. Seltsam, bei der ersten Begegnung auf der Insel war sie nach ein paar Minuten bereits halb tot gewesen. Vielleicht, dachte Aaren, während er unter Deck ging, hatte Abundius recht mit der Vermutung, dass diese Wesen ihr Blut, oder dessen Fähigkeiten tatsächlich aktiv nutzen konnten. Sie passten sich einfach selbst an, wenn nötig. Auf eine Art war das äußerst

beunruhigend. Er spähte kurz nach draußen, nur um Sicherzustellen, das Sonea noch da war. Er konnte schlecht wieder einen Tag oder länger warten, bis oder ob sich eines der Wesen erneut zeigte. Aber er musste auch Vorsichtig bleiben. Wie sich herausstellte, war sie von der Reling zurückgetreten und ein paar unsichere Schritte auf das Deck hinausgegangen. Aaren nahm ein paar Vorräte mit nach oben , darunter einige Scheiben eingeschweißtes Brot, Pulverkaffee, und etwas, das sich als eine Fischkonserve ausgab, aber nach absolut nichts schmeckte, wie er bereits gestern

festgestellt hatte. Danach erst trat er wieder nach draußen. Möglicherweise würde das doch länger dauern, als er gehofft hatte. Aber wenn es ihm gelang… Wenn es ihm gelang, würde er das Elektorat trotzdem verlassen. Vielleicht könnte er auf einer der entlegeneren Welten verstecken. Oder gleich hierbleiben. Das Meer hatte etwas Beruhigendes für ihn.

Kapitel 25 Wasser

Aaren trat nach draußen und das erste, was er feststellte war, das Sonea nicht mehr da war. Er fluchte, stellte das Essen weg und sah sich um. Er hatte grade ein paar Schritte gemacht, als ihm etwas die Füße wegzog. Aaren schlug auf dem Boden auf, rollte sich sofort herum und tastete nach seiner Waffe. Bevor er allerdings auch nur dazu kam, die Pistole zu ziehen, drückte sich bereits ein Knochendorn an seinen Hals. Er erstarrte. Keine Verletzung… solange er sich nicht bewegte zumindest. Aaren sah auf

Es war tatsächlich Sonea. ,,Was soll das denn jetzt ?“ , er versuchte ärgerlich zu klingen , konnte aber auch seine Angst nicht verbergen . Seine Hand lag auf dem Pistolengriff, aber er wäre niemals schnell genug, wie ihm klar wurde. Er drängte die Panik zurück. Warum plötzlich ? Eben war sie noch vor ihm zurückgewichen. Schlimmer noch, wenn Sonea geplant hatte ihn zu töten hätte es dafür bereits ein halbes Dutzend besserer Gelegenheiten gegeben. Goldene Augen, in denen einerseits der Wunsch ihn zu töten schimmerte… und auf der anderen eben auch Zweifel.

Zumindest hoffte er das. Warum hast du mir dann überhaupt geholfen? , dachte er. ,,Warum ?“ Fast glaubte er, sie hätte seien Gedanken irgendwie erraten, aber das war natürlich unmöglich. Diesmal war das Wort klar verständlich. ,,Warum was ?“ Der Druck auf dem Gift-Dorn an seinem Hals schein den Bruchteil einer Sekunde nachzulassen. Jetzt wenn überhaupt hätte er die Gelegenheit gehabt, davon zu kommen. Stattdessen blieb er jedoch ruhig. Ihm wurde klar, dass die Frage wichtig war… das es vielleicht der einzige Grund war, aus dem er noch lebte. Und aus dem sie ihm vermutlich geholfen hatte. ,,Anders,

warum ?“ Sie sagte die Worte langsam, aber deutlich, als würde sie mit einem Kleinkind reden. Langsam gewann Aaren den Eindruck, dass sie wirklich alles oder zumindest das meiste von dem verstand was er sagte. Und vermutlich, überlegte er, wäre sie sogar in der Lage ganz normal zu sprechen. Sie ließ sich lediglich nicht dazu herab, entweder aus Eitelkeit, purer Abneigung oder einem anderen Grund. Vielleicht weil es ihr einfach Mühe bereitete? Es war nicht wichtig, half ihm aber, sich zu konzentrieren. Die Narben auf ihren Armen waren nach wie vor sichtbar. Wie sehr sie uns alle

einfach hassen muss, dachte Aaren. Wie würde er reagieren, wenn ihn jemand einsperrte, verstümmelte und dann einfach zum Sterben zurück ließ… Und wer weiß, wie viele dieses Schicksal geteilt hatten. Sie müssen uns Hassen dachte er. Uns alle. Aber wieso helfen sie Callahan dann? Und in diesem Moment fiel ihm die Antwort wie Schuppen von den Augen. Er hatte vermutete, das Callahan diese Wesen irgendwie auf seine Seite gezogen hatte. Dass sie für ihn kämpften, als seine Schachfiguren. Die Wahrheit aber… ,, Callahan ist die Schachfigur hier,

oder ? Nicht ihr ?“ , fragte er laut. Sonea musterte ihn ohne zu Antworten. Natürlich nicht. Es war so simpel… sie gingen davon aus, das sowohl Callahan als auch das Elektorat ihre Feinde waren. Aber wenn sich die eigenen Feinde gegenseitig bekämpfen, was tut man dann? Den Kampf in die Länge ziehen. Es war brillant… es war… erschreckend Intelligent. Und deshalb war er noch am Leben. Er passte nicht in das Bild, das sich dieses Wesen vor ihm, das sich Sonea und wohl auch die anderen, von den Menschen gemacht hatten. Und vielleicht war die Wahrheit deshalb am besten. ,,Ich wusste anfangs nicht was du

warst… oder auch nur, was vor sich geht. Um ehrlich zu sein, war es Abundius , der darauf bestanden hat dich zumindest frei zu lassen. Ich wäre vermutlich einfach gegangen. Zumindest… da noch.“ Sie schien mit der Antwort nicht zufrieden zu sein, tat aber nichts. Die goldenen Augen spiegelten Unverständnis wieder. Was willst du noch? , dachte Aaren. Er hatte das andere Wesen auf der Jagd nach Callahan nicht getötet… ,,Ich weiß nicht, warum ich so gehandelt habe.“ Wieder die Wahrheit. Aber diesmal kam es ihm gefährlich vor. ,,Ich weiß es einfach nicht. Es schien…

unnötig.“ Aaren wusste nicht, wie viel Zeit verging, in der er versuchte sich einfach nicht zu bewegen und gleichzeitig darauf wartete, dass er starb… oder eben nicht. Sonea schwieg einfach nur und musterte ihn mit goldenen Augen, in denen sich ein verwirrendes Wechselspiel widersprüchlicher Emotionen zeigte. ,,Ob ich lebe oder nicht, macht mir nichts aus. Aber ich wäre wirklich dankbar, wenn du dich langsam entscheiden würdest.“ , sagte er schließlich sarkastisch. Langsam wurde es ihm wirklich egal. Sonea sprang jedoch plötzlich auf und wich bis zum Schiffsbug zurück, soweit

wie möglich von ihm entfernt. Langsam setzte Aaren sich auf. Er tastete an seinen Hals nach Verletzungen ab, aber das, dachte er, hätte er vermutlich schon längst gemerkt. ,,Alles in Ordnung.“ , sagte er mehr zu sich selbst, als er schließlich schwankend aufstand. Das war viel zu knapp gewesen… und extrem seltsam. Wieder einmal. Aaren sah sich nach Sonea um, die keine Anstalten machte, auch nur wieder näher zu kommen. Nun wenigstens etwas hatte er erfahren. Diesen Wesen war es offenbar egal, wen sie bekämpfen. Für sie waren sowohl Callahan als auch das Elektorat der

Feind. Und vermutlich haben sie damit sogar Recht, dachte er niedergeschlagen. Es gab bei diesem Kampf keine ,,gute“ Seite, so gerne er das auch glauben wollte. Er griff nach der Kaffeetasse, deren Inhalt mittlerweile kalt war. Der Appetit war ihm definitiv vergangen und seine Gedanken verloren sich in einem endlosen Strom neuer Vermutungen… und beginnender Verzweiflung. Er hatte sich darauf verlassen, das Callahan der Drahtzieher war. Jetzt jedoch schien das nicht mehr sicher. ,,Hast du einen Namen ?“ Die Frage, dieses Mal völlig fehlerfrei Gestellt,

überraschte ihn. Aaren trank langsam einen Schluck Kaffee, während er darüber nachdachte. Wieder hatte er das Gefühl, das sie absichtlich Vortäuschte seine Sprache nicht richtig zu beherrschen. Warum ? Oder konnte sie es wirklich nicht? Zumindest verstehen konnte sie Aaren perfekt. Schließlich erwiderte er : ,,Hast du denn einen ?“ Sie schwieg nur. ,,Also ich bin Aaren.“ , meinte er schließlich, als ihm klar wurde, das sie nicht antworten würde. Wieder schien es eine Mischung aus Eitelkeit, simpler Verachtung und noch etwas anderem, dass sie zum Schweigen zu zwingen

schien. ,,Und wenn du mir deinen Namen nicht verrätst, bleibe ich einfach bei Sonea.“ Aaren musterte das Wesen noch einmal langsam. ,,Und eure Spezies nennt sich wie ?“ Auch die Füße besaßen sieben Zehen, hatten allerdings keine Knochendornen wie die Hände. Kaum sichtbare durchscheinende Schwimmhäute schimmerten zwischen den einzelnen Finger und Zehengliedern. Eine große Flosse verlief über den Rücken und fiel außerhalb es Wassers fast wie ein Umhang über die Schultern. Schwarze Haare, die über die Brust fielen und goldene Augen, die irgendwie jeden Gedanken und jede Gefühlsregung

widerzuspiegeln schienen. Er fragte sich wiederholt, ob er sich das nur einbildete oder nicht. Und wenn nicht…Vielleicht Verständigten sich diese Wesen tatsächlich über Blicke ? Kleine, Silbrig-grüne Schuppen bedeckten die Haut. ,, Naias. “ ,,Ist das dein Name ?“ , fragte Aaren nach. ,,Unserer.“ Er stellte die Leere Tasse weg. Wie weit fortgeschritten konnten diese Wesen technisch eigentlich sein? Maschinen besaßen sie wohl nicht, aber das konnte er auch nicht vergleiche. Wie Abundius gesagt hatte… sie hatten

ihre ganze Technologie auf biologischer Ebene. Die technische Entwicklung ließ sich gar nicht miteinander Gleichsetzen, aber offenbar war sie weit genug, um Feuerwaffen zu erkennen und deren Funktionsweise zu verstehen. Langsam, um nicht bedrohlich zu wirken, zog er die zwei Pistolen aus dem Holster und legte sie eine gute Armlänge von sich entfernt hin. Aus Unrecht wird kein Recht. Wenn er die Worte doch von Anfang an selbst Verstanden hätte. Er schüttelte nur den Kopf. Sonea musterte ihn verwirrt, als würde sie nicht verstehen, was er tat. Oder es zumindest nicht nachvollziehen können

wieso. ,,Warum ich die Waffe weglege ?“ , fragte er. Sie erwiderte nichts, er beschloss das einfach als ja zu deuten. ,,Kein besonderer Grund. Ich brauche sie lediglich grade nicht.“ ,,Gefährlich.“ Es war nicht die Feststellung, dass es gefährlich war die Waffen wegzulegen. Es war gefährlich… weil sie in der Nähe war. Aus ihrer Sicht setzte er sich damit einem unnötigen Risiko aus. ,,Aber jetzt nicht mehr oder ?“ , meinte Aaren. ,,Du hattest die Gelegenheit mich zu töten.“ ,,Dumme Sachen.“ Bei der Bemerkung musste er laut

loslachen. ,,Stimmt… mein Kopf ist in letzter Zeit voll mit dummen Ideen.“ Aaren nahm eines der eingeschweißten Brotscheiben und die Konserve mit Fisch, zögerte dann aber. ,,Willst du was ?“ , fragte er unsicher. Sie musterte den Metallbehälter in seiner Hand abfällig und machte Anstalten über die Reling zu klettern. ,,Wo willst du hin ?“ Aaren machte sich Sorgen, das Sonea wieder verschwinden könnte. Jetzt wo er endlich zumindest kleine Fortschrotte zu machen schien, war das nichts, das er riskieren wollte. ,,Essen. Ich fange selbst. Fairer. “ Mit diesen Worten verschwand sie in den

Wellen. ,,Komm wieder…“ , meinte er leise. ,,Das kann ja heiter werden. Wo bin ich hier bloß reingeraten.“ Letztlich aber… sah er sich nun lediglich einem neuen Problem gegenüber. Langsam gewöhne ich mich dran, dachte Aaren. Es dürfte schwierig werden Sonea auch nur zu überzeugen, dass ihr Kampf ihnen höchstens den Zorn des Elektorats eintrug. Sie konnten nicht gewinnen. Entweder Vämskä gewann… oder der Planet brannte. Und ob dann der Rest der ihrer Art auch verstehen würde, stand wieder auf einem anderen Blatt. Es schien, als gäbe es nur zwei

Möglichkeiten das hier zu beenden. Entweder das Elektorat zog sich freiwillig zurück oder Callahan ergab sich. Aaren wusste nicht, welche Möglichkeit ihm weniger gefiel… und welche Unwahrscheinlicher war. Er sah hinaus auf die Wellen, konnte Sonea aber nirgendwo entdecken. Geschweige denn überhaupt irgendetwas als Wasser und Wellen in alle Richtungen. Stattdessen suchte Aaren das Funkgerät und schaltete es ein. ,,Kann mich jemand hören ?“ Nur statisches Rauschen und Störungen. Er legte das Gerät beiseite. ,,Großartig.“

Endlich hätte er dem Admiral etwas zu berichten gehabt und dann fiel natürlich wieder die Kommunikation aus. Aaren ging langsam die paar Meter bis zum Bug des Schiffs. Was mache ich? Es schien eine einfache Frage zu sein und doch behagte ihm die Antwort nicht. Fünf Jahre seines Lebens hatte er als Kommissar zugebracht, seine Persönlichkeiten ausgelöscht und seine eigene Existenz ignoriert. Für das Elektorat. Und als Fluchtmöglichkeit vor sich selbst. Und jetzt schien es… als müsste er wieder Aaren Terrel sein. Der Mensch. Ein Wesen das so unvollkommen war, das es den Begriff Gerechtigkeit, der

ihm einst so klar gewesen war, nicht länger verstand. Oder vielleicht besser Verstand ? Es gibt keinen Weg, der gut und gerecht ist. Alles was er tat konnte wiederum Leid verursachen, wo er es gar nicht sah. Oder sehen wollte. Was blieb ihm also übrig? ,,Was mache ich ?“ ,,Dumme Sachen ?“ Er hatte nicht gehört, dass sie zurückgelehrt war. Mal wieder. Eigentlich sollte ihn der Gedanke wohl unruhig machen. Wenn sie ihn doch noch töten wollte, würde er seinen Tot nicht einmal kommen hören. ,,Vielleicht.“ , sagte Aaren leise. ,,Es

gibt keine Seite für mich in diesem Kampf. Ich will ihn überhaupt nicht führen.“ ,,Ihr gehen.“ Natürlich… für Sonea klang es nach der Vernünftigsten Lösung. Aber… ,,Das geht nicht. Weder Callahan und schon gar nicht das Elektorat werden auch nur einen Schritt zurückweichen fürchte ich.“ Es blieb bei den zwei Lösungen. Und jetzt war er wieder am Anfang. Dort, wo er gestanden hatte, als das erste Geschoss das Wrack der Salmakis getroffen hatte. Nur diesmal wollte er es nicht. ,,Ich wünschte es gäbe einen anderen Weg. Aber… das Elektorat ist zu

mächtig. Ein offener Kampf ist aussichtslos.“ Aaren nahm langsam seine Waffen wieder an sich. Die Pistolen kamen ihm viel zu schwer vor, als er die Magazine überprüfte. ,,Sonea“ , sagte er dann ,,Ich muss Callahan finden. Entweder er beendet das hier… oder ich tue es für ihn.“ Er hatte eigentlich damit gerechnet, dass sie sich weigern würde. Stattdessen nickte sie lediglich. ,,Ihr wisst also tatsächlich wo er ist ?“ Sie schien zu lachen. Ein glückender Laut, der irgendwie ansteckend war. Natürlich wussten sie es. Das hier war ihr Gebiet. Vermutlich gab es keine Bewegung, kein Schiff und kein Objekt,

das sie nicht bemerkten. ,,Weißt du was… zeig einfach in die ungefähre Richtung.“ Er hatte es nicht wirklich eilig dem Mann gegenüberzustehen. Geschweige denn wusste er wirklich, was er tun wollte, wenn es einmal so weit war.

Kapitel 26 Verloren

,,Welche Rolle spielst du hierbei?“ , fragte Aaren. Sie waren bereits ein paar Stunden in die Richtung unterwegs, die Sonea ihm gezeigt hatte, aber bisher war nichts zu sehen. Langsam wurde es dunkel. Das Wesen, das sich selbst als ein Naias bezeichnete antwortete nicht sofort. Tatsächlich hatte sie während der letzten Stunden kaum ein Wort gesagt, auch wenn sie ohne Zweifel demonstriert hatte, das sie mehr als in der Lage dazu war. Jedoch schien sie jedes überflüssige

Wort abzulehnen und Sprechen generell als lästig zu empfinden. Zumindest gewann Aaren zunehmend diesen Eindruck. Wirklich schlau wurde er aus ihr immer noch nicht. Schon gar nicht aus ihrer Motivation ihm zu helfen. Weil er sie einmal gerettet hatte? Das schien unwahrscheinlich. Allerdings verstand er auch den seltsamen Ehrenkodex dieses Wesens nicht wirklich. Sie weigerte sich beispielsweise, irgendetwas zu essen, das sie nicht selber fing. In diesem Fall eben meist Fische. Weil es nicht fair dem Tier gegenüber wahr, es jemand anderen für sich töten

zu lassen, wie sie ihm mit einigen Schwierigkeiten klar gemacht hatte. Es war seltsam, sich mit ihr zu unterhalten, denn auch wenn sie ihn verstand, lies sie sich nie zu einer vollständigen Antwort herab, die aus mehr als ein oder zwei Wörtern bestand. Wenn Sonea überhaupt etwas sagte. Aaren wusste nicht, ob er das wirklich verstehen wollte oder konnte. Hinzu kam, dass sie immer Größtmöglichen Abstand zu ihm zu halten schien. Angesichts dessen, wie Klein das Boot jedoch im Vergleich zur weite des Wassers sein musste, konnte er das zumindest nachvollziehen. Sie musste sich hier regelrecht eingesperrt

vorkommen. Noch immer gab es um das kleine Schiff herum nichts als Wasser. ,,Also keine Antwort ja ?“ , fragte er. Aaren hatte nicht wirklich damit gerechnet, trotzdem begann die Stille langsam an seinen Nerven zu zehren. Es war vielleicht nicht einmal so sehr die Stille, sondern einfach der Blick ihrer Augen, dem er nicht ausweichen konnte und die ihn keine Sekunde zu verlieren schienen. Traute sie ihm nach wie vor nicht über den Weg, oder war das ganz einfach das normale Verhalten ihrer Art? Die Antwort interessierte ihn nicht wirklich, aber das Nachdenken lenkte ihn wenigstens etwas ab.

,,Du weißt aber, dass sie mit dem Elektorat durchaus auch verhandeln könnten ? Es wird vielleicht schwierig aber sie können nicht gewinnen, nicht wirklich jedenfalls.“ Keine Antwort. Er überlegte, ob er Sonea auf die Pläne des Elektorats hinweisen sollte, Raketensatelliten in den Orbit des Planeten zu bringen. Aber würde sie mit dem Begriff überhaupt etwas anfangen können? Vermutlich nicht, auch wenn sie wohl viel Verstanden, Weltraumtechnik war wohl doch ein zu Abstrakter Begriff für Wesen, für die selbst das Land eine fremde Welt darstellte. ,,Ihr

habt es immerhin geschafft mehrere Jahrzehnte unentdeckt zu bleiben. Ich vermute deine Leute leben nicht in großen Gruppen oder?“ Keine Antwort. Nur schweigen. ,,Okay… folgender Vorschlag, ich rate einfach , kannst du wenigstens nicken, wenn ich richtig liege?“ ,,Vielleicht.“ ,,Na das ist doch was. Also… diese Riesenseeschlange, die uns angegriffen hat…“ ,,Levian.“ ,,Das beantwortete meine Frage schon fast. Das Vieh stammt also tatsächlich von euch?“ ,,Das ist

leicht.“ ,,Glaub mir, es gibt mindestens ein Dutzend Wissenschaftler auf diesem Planeten, die das Gegenteil behaupten werden. Ihr lebt also nicht in Gruppen?“ Sie schüttelte den Kopf. ,,Außer wenn nötig.“ ,,Also so wie jetzt was ?“ Er stand von seinem Platz an der Backbordseite auf. ,,Ich wünschte langsam wirklich, ich wäre nicht hier geblieben. Kennst du den Begriff Frieden? “ Aaren sprach mittlerweile mehr mit sich selbst. Um seinen Gedanken Platz zu machen, ,,Ich habe den Krieg gelebt…. Lange genug um zu wissen, dass Friede ein

dehnbarer Begriff ist. Das Elektorat befindet sich im Frieden, aber ist es deshalb friedlich? Ich habe Leute getötet. Im angeblichen Frieden. Und für eine Idee töten… das ist absolut falsch. Vielleicht… wenn die Idee gut genug ist. Aber wenn diejenigen, die sie umsetzten sollte, das nicht mehr tun…“ Er schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen, unfähig, seine eigenen Gedanken weiter in Worte zu fassen. Worte die ihm nach wie vor zu schwach erschienen. ,,Du verstehst ohnehin nicht wovon ich rede oder ?“ Aaren drehte den Ring zwischen den Fingern, etwas, das langsam zu einer echten Angewohnheit wurde. Es half ihm

beim Nachdenken. ,,Woher hattest du den Ring eigentlich ? Du kannst ihn kaum vom Meeresgrund geholt haben? Der Druck da unten, das würdest auch ihr nicht überleben schätze ich.“ Sie gab natürlich keine Antwort, aber das Schweigen reichte ihm. Der Ausdruck in ihren Augen wurde fast… schuldbewusst? ,,Ihr habt mich beobachtet ? Oder warst das nur du?“ Und wenn ja, wieso hat dich bitte niemand bemerkt? , dachte Aaren . Vämskäs Leute ließen das Wasser doch sicher keine Sekunde aus den Augen. Geschwiege denn, das die Radar und Sensoranlagen der Station

auch so etwas kleines wie eine einzelne Person bemerken würden. ,,Wonach suchen wir eigentlich ? Ist Callahan mit einem Schiff hier draußen?“ Er hatte nach wie vor zu viele Fragen… und so gut wie keine Antworten. Und erneut erhielt er keine von Sonea. Aaren machte eine wegwerfende Handbewegung und nahm das kleine Ortungsgerät zur Hand, um seine Position zu überprüfen. Erneut gelang ihm das nur halbwegs. Die Koordinaten änderten sich ständig und er musste sich wohl mittlerweile gut zwei oder dreihundert Meilen vom Hive entfernt befinden.

Hier draußen sollte es eigentlich nichts mehr geben. Am Himmel zogen bereits wieder dunkle Wolken auf und der Wind war deutlich stärker geworden. Diesmal würde er wohl kein Glück haben und Aaren hoffte nur, das sie was auch immer finden würden, bevor der Sturm zu einem echten Problem wurde. Das kleine Schiff würde den Wellen nicht viel entgegenzusetzen haben und über Sturmschilde verfügte es nicht. Er sah aufs Wasser hinaus. Ihm war klar, dass das Ende… wie auch immer es aussehen mochte, näher rückte. Aber Ende war ein unpassender Begriff. Für Aaren gab es kein Ende mehr.

Wenn das hier vorbei ist, kann ich nicht einfach zurückkehren, als wäre nichts geschehen, dachte er. Er konnte kein Kommissar mehr sein. Aber er konnte sich auch nicht alleine gegen das Elektorat stellen. Vielleicht ist es besser, wenn ich das nicht überlebe, dachte er. Es würde ihm viel Ärger ersparen. Und doch… endlich konnte, endlich wollte er wieder Leben. Er hatte wieder einen Grund dazu. ,,Wenn mir jemand vor einer Woche gesagt hätte, das ich hier landen würde… noch dazu unter diesen Umständen, ich hätte ihn für verrückt erklärt.“ Wieder

sprach er nicht wirklich mit Sonea, sondern mehr um die Stille zu vertreiben. ,,Und jetzt… jetzt halte ich mich selbst für verrückt. Ich habe alles hinter mir gelassen. Fünf Jahre bin ich einem Irrglauben aufgesessen. Verblendet, Wahnsinnig, wie auch immer. Es war ein einziger Irrtum.“ Er machte eine Pause. ,,Und jetzt… kann ich vielleicht wieder sehen. Aber das macht es nicht besser. Dass ich jetzt anders bin, macht die Toten nicht wieder lebendig. Aber ich hoffe… glaube… das ich mir irgendwann auch selbst verzeihen kann.“ Sein Grund weiterzumachen war Vergebung. ,,Aber… das ist unwichtig denke ich.“

Diesmal war Aaren die Stile willkommen. Eine leichte Berührung an seiner Schulter ließ ihn zusammenzucken. Sofort wirbelte er herum, die Hand schon auf der Waffe und erstarrte. Es war nur Sonea. Wobei ihn erneut erschreckte, wie unhörbar leise sich das Wesen bewegen konnte. ,,Mach das besser nicht noch einmal.“ , sagte er hatte aber Mühe, dabei ernst zu bleiben. Er war Angespannt und nervös, das war alles. Ihre Hand lag noch immer auf seiner Schulter und er überlegte schon, sie einfach wegzuwischen. Dann jedoch besann Aaren sich eines Besseren. Der

brennende Blick sorgte langsam dafür, dass er sich Unbehaglich fühlte. ,,Was ist denn ?“ Aaren brachte den Satz nur halb zu ende, bevor er es selbst sah. Vor ihnen zeichnete sich ein gewaltiger schwarzer Schatten über dem Wasser ab. Die Wolken formten mittlerweile eine dichte Barriere über dem Himmel, die das Sonnenlicht fast vollständig schluckte und das, was vor ihnen lag in Dunkelheit tauchten. ,,Das gibt es nicht…“ Der Wind peitschte ihm die Haare ins Gesicht, während er wiederholt die Position des Schiffs bestimmte. ,,Das gibt es nicht.“ Vor ihnen lag eine Insel. Keine kleine Sandbank, wie er sie schon gesehen

hatte, sondern ein augenscheinlich mehrere Quadratkilometer großer Felsen, dessen Steilklippen sich weit in den aufgewühlten Himmel erhoben. An den Wänden wuchsen überall Fanartige Pflanzen und es schein tatsächlich einige größere Baumartige Gewächse zu geben. Was Aaren jedoch am meisten Überraschte war das Schiff, das einige hundert Meter vom Ufer entfernt ankerte. Er brauchte nicht lange um es als eines der gestohlenen Omnisphere-Minenschiffe zu identifizieren und konnte nur hoffen, dass man das kleine Boot übersehen würde. ,,Ist es das ?“ , fragte Aaren, dem die Antwort ohnehin klar war. Mit

zitternden Händen holte er das Fernglas hervor und suchte die Küste ab. Zumindest auf dieser Seite gab es kein Zeichen von Besiedlung oder auch nur, das je ein lebendes Wesen dort gewesen war. Aber… ,,Das Schiff wäre nicht hier, wenn es hier nichts gäbe. Callahan braucht einen Hafen für seine Flotte.“ Sich dem Minenschiff zu nähern wäre mehr als dumm. Blieb also ohnehin nur die Insel. Eine Welle traf das Boot und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Aaren musste sich an der Reling festhalten um nicht im aufgewühlten Wasser zu landen. Er konnte nur hoffen, dass er die Insel

erreichte, bevor der Sturm noch schlimmer wurde. Sonea hätte wohl kein Problem, einfach im Wasser zu verschwinden, er selbst jedoch besaß diesen Luxus nicht. Hecktisch geworden, tastete er nach der wasserdichten Tasche mit dem Funkgerät. Sobald Aaren es einschaltete, wusste er, dass er kein Glück haben würde. Noch immer Nichts als Rauschen. Trotzdem musste er es versuchen. ,,Ich weiß nicht ob mich irgendjemand hört. Ich befinde mich irgendwo zwischen…“ er las die ungenauen Daten des Ortungsgeräts ab. ,,Callahan ist hier. Er… hier ist eine Insel, die er irgendwie aus den Satellitenkarten gelöscht haben

muss.“ Oder die aufgeladene Atmosphäre lies selbst die Satelliten unzuverlässig werden. Ein Gedanke, den er lieber nicht weiterführen wollte. Stattdessen wendete er sich Sonea zu. ,,Du schuldest mir nichts mehr. Ich weiß nicht wie das hier ausgehen wird, aber verschwinde besser.“ Entweder verstand sie ihn diesmal wirklich nicht, oder sie wollte es nicht. ,,Dann halt nicht.“ , meinte er. Die nächste Welle, die das Boot traf, überspülte das Deck und riss ihn fast von den Füßen. Aaren blockierte das Steuer und stellte den Motor auf höchste Leistung. Sonst konnte er nichts tun, wie er

wusste. Nur abwarten, ob das Schiff den Wellen standhielt, bis sie Land erreichten. Aaren begann auf dem schwankenden Deck alles einzusammeln, was er brauchen konnte und was das Wasser nicht zerstört hatte. Ein paar Flaschen Trinkwasser, seine Waffen, das Funk und das Ortungsgerät. Er sah auf und konnte den Strand und die darüber aufragenden Klippen bereits in einiger Entfernung erkennen. Mittlerweile war es ihm egal, wo er an Land kam. Wenn er es nur schaffte, würde er danach schon einen Weg finden. Bevor er richtig verstand, was vor sich ging, kippte die Welt jedoch plötzlich

zu Seite. Aaren schlug auf dem Deck auf, das plötzlich fast senkrecht zu stehen schein und langsam nach vorne kippte. Nicht die Welt stand schief, sondern das Schiff. Wenn er nicht sofort verschwand, würde das Deck auf ihn stürzen und ihn in die Tiefe reißen. Ohne lange nachzudenken sprang Aaren ins Wasser. Die Wellen schlugen sofort über ihm zusammen und er konnte den Schatten des versinkenden Boots über sich sehen. Das Schiff versank für ihn, der noch immer unter Wasser war, fast lautlos. Der plötzliche sog wirbelte Aaren ein Stück weit in die Tiefe.

Irgendwie schaffte er es, sich wieder an die Oberfläche zu kämpfen und Luft zu schnappen, als ihn die nächste Welle wieder unter Wasser drückte. Aaren musste hätte gelacht, wenn er dazu in der Lage gewesen wäre, bevor ihn erneut eine Welle herumschleuderte. Zweimal in weniger als sieben Tagen gestrandet. Das hieß, wenn er es an Land schaffte…

Kapitel 27 Allein

Aaren blinzelte ins trübe Licht. Nur langsam wurde ihm wieder klar, wo er sich befand. Über ihm erstreckte sich ein von grauen Wolken bedeckter Himmel. Und links und rechts von ihm breitete sich soweit er sehen konnte, ein Kiesstrand aus. Langsam stand er auf und sah sich weiter um. Wasser umspülte seine Beine, wenn sich eine Welle am Strand brach und breiten Kiesstreifen fast vollständig unter Wasser setzte. Wo war Sonea ? Wirklich Sorgen musste

er sich um die Naias wohl nicht machen. Im Gegensatz zu ihm, dürfte das Wesen mit dem Wasser keine Probleme haben. Aaren hustete. Er hatte Glück gehabt, das ihn die Wellen irgendwann an den Strand getrieben hatten. In seinem Rücken erhob sich eine Steilklippe. Ein kurzer Blick hinauf zeigte ihm bereits, dass es fast unmöglich werden würde, dort hinaufzuklettern. Die Felswände waren, vermutlich durch die ständigen Wellen praktisch glattgeschliffen. Langsam begann er, dass wenige an Ausrüstung zu überprüfen, das er vom Schiff hatte retten können. Von dem war freilich nichts mehr zu sehen, außer ein paar vereinzelten Trümmern, die am

Strand angespült wurden. Es regnete leicht, was Aaren aber nicht wirklich störte. Er war ohnehin Nass bis auf die Knochen. Wenigstens hatte der Sturm die Temperatur nicht abgesenkt. Sonst hätte er jetzt noch ein Problem zusätzlich. Aaren zog das Funkgerät aus der Tasche, die dicht geblieben war. Es funktionierte noch, auch wenn er nach wie vor keine Antwort bekam, außer weißem Rauschen. Das Ortungsgerät jedoch schien endgültig hinüber zu sein. Anstatt sich nur in einem bestimmten Bereich zu verändern, sprangen die angegebenen Koordinaten jetzt vollkommen Planlos und ohne erkennbaren Sinn hin und her. Wenn er den Daten glaubte, befand er

sich gleichzeitig am Nord und am Südpol des Planeten. Und manchmal auch irgendwo dazwischen. So starke Störungen hatte er bisher auf Liurie noch nicht erlebt, geschwiege denn davon gehört. Vielleicht hatte Callahan sich genau deshalb hierher zurückgezogen, die Insel schien sich in einer Art Ladungsnexus zu befinden, der sämtliche höheren technischen Geräte störte. Abundius hätte sich bestimmt dafür interessiert. Und vielleicht sogar die Ursache gefunden, dachte Aaren. Er betrachtete die Felswände. Vielleicht war das Gestein hier magnetisch? Für ihn stellte es in erster Linie ein Ärgernis da. Jetzt war er endgültig von

allem Abgeschnitten. Aaren ging langsam den Strand entlang. Wenn er nicht klettern konnte, musste er die Insel eben umrunden. Irgendwo musste Callahan ja an Land gegangen sein. Es sei denn er befand sich auf dem Schiff, das er draußen vor der Küste gesehen hatte. Trotzdem musste es hier etwas geben, das die Anwesenheit des Gouverneurs rechtfertigte. Soweit Aaren das aus der Ferne hatte abschätzen können, war die Insel groß, zumindest für Liurie-Verhältnisse. Vermutlich einige Quadratkilometer im Durchmesser. Wenn er Pech hatte, würde er mindestens eine Nacht hier verbringen müssen, denn die Sonne,

soweit er das am schwachen Schimmer, der durch die Wolken drang abschätzen konnte, stand bereits kurz über dem Horizont. Seine Gedanken wanderten zurück zu Sonea. Wenn sie nicht hier war hatte sie sich vielleicht doch entschieden, zu verschwinden. Vermutlich war das besser so, aber… Er kam sich erneut sehr allein vor. Seltsam, das ihn das plötzlich störte. Früher… früher war er gerne alleine gewesen. Aaren schüttelte seine Gedanken ab. Er war hier, das zählte. Jetzt musste er es auch zu Ende bringen. Er wanderte gut eine Stunde über den Strand, ohne dass sich das

Landschaftsbild groß änderte. Die Klippen ragten weiterhin zu seiner rechten auf und zu seiner linken lag das Meer. Wenigstens wurde der Strand langsam breiter, so dass Aaren nicht mehr ständig im Wasser watete, sondern sich auf ein höhergelegenes Stück Land zurückziehen konnte. Seine Füße hinterließen deutliche Spuren dort, wo der Sand nicht mit Steinen durchsetzt war. Die Sonne brach mittlerweile immer wieder zwischen der sich auflösenden Wolkendecke hindurch und der Wind lies deutlich nach. Der orangerote Feuerball stand bereits bedenklich dicht über dem

Horizont. In der Ferne sah es so aus, als würde die Klippe langsam niedriger werden und zum Inland hin abfallen. Vielleicht würde er dort etwas finden. Auf dem Wasser trieb das Schiff, das er schon zuvor gesehen hatte, bevor der Sturm das Boot zerlegt hatte. Aaren duckte sich und hoffte, das er weit genug weg war, um nicht gesehen zu werden, dann zog er das Fernglas aus der Tasche und suchte das Schiffsdeck ab. Er konnte ein paar Gestalten ausmachen, aber nichts Genaues… Eine Lichtreflexion auf dem Brückenturm veranlasste ihn, sich flach

auf den Boden zu werfen. Das war kein Zielfernrohr gewesen, da war Aaren sich sicher. Aber ein anderes Fernglas. Jemand da drüben beobachtete das Ufer. Aaren unterdrückte einen Fluch. Er konnte nur hoffen, dass er nicht entdeckt worden war, als er seinen Weg vorsichtig fortsetzte und sich dabei möglichst im Schatten der Felsklippe hielt, bis er eine Stelle erreichte, an der die Klippen sich verloren und stattdessen dichten Wäldern aus farnartigen Pflanzen Platz machten. Tiere schien es hier nicht zu geben, außer einigen Vogelähnlichen Wesen, die kreischend davonflogen, sobald er zwischen die Bäume trat. Sie verschwanden zu schnell, als das er mehr

hätte erkennen können. Wieder etwas, das Abundius oder Eleanor sicher hellauf begeistert hätte. Das war der erste Beweis für Landlebewesen auf Liurie. Solange sie mich nicht fressen ist alles gut, dachte er. Die Pflanzen würden ihn hoffentlich vor dem Schiff verbergen, blockten aber auch einen Großteil des restlichen Sonnenlichts aus. Bereits wenige Meter vom Strand entfernt war es fast Stockdunkel, weswegen Aaren sich am Rand des Farnwalds hielt, wo es noch Licht gab. Trotzdem wurde es beständig finsterer, bis nur noch ein schwacher rötlicher Schimmer am Horizont Licht spendete.

Bald hätte es keinen Sinn mehr weiterzugehen, da er nicht einmal mehr sehen würde, wohin er trat. Aaren hielt an. Das Schiff hatte er hinter sich gelassen, aber… Der Gedanke daran, dass ihn jemand gesehen haben könnte ließ ihn nicht los. Er war müde ja, aber auch Nervös. Gehetzt, obwohl er nicht wusste wieso. Es gab nicht viel, was er dagegen tun konnte. Eine Weile blieb er noch am Strand sitzen, lauschte auf verdächtige Geräusche, wie etwa einen laufenden Motor, der das Rauschen der Wellen durchbrach, aber es blieb ruhig und dunkel. Nur der Mond des Planeten tauchte langsam am Horizont als große

silbrig glänzende Scheibe auf. Soweit er wusste, war der erste Mond von Liurie fast doppelt so groß, wie der der Erde, trotzdem erhellte er die Dunkelheit nur spärlich. Alles war ein schummriges silbernes Licht getaucht, das bei Aaren fast den Eindruck erweckte, unter Wasser zu sein. Kein schwacher Lichtschimmer in der Ferne oder das Flackern eines Feuers durchbrachen die bläulichen Schatten. Irgendwann schlief er dann doch unruhig ein, eine Pistole griffbereit neben sich. Er erwachte zweimal Das erste Mal war er sich nicht sicher, was ihn geweckt hatte. Lediglich eins

wusste er, sobald er die Augen aufschlug. Er war nicht mehr alleine. Trotzdem fühlte er sich dadurch nicht bedroht, was immer es war, das ihn Geweckt hatte… es hätte Zeit gehabt ihn zu töten. Aaren stand jedoch nicht sofort auf. Stattdessen lauschte er, ob sich etwas rührte. Nichts. Die Minuten vergingen und er wäre beinahe wieder eingeschlafen, als Aaren sich doch aufrichtete. Im Wald hinter ihm war alles dunkel. Selbst die seltsamen Vögel schienen verschwunden, doch ab und zu erhaschte er zwischen den Bäumen einen Blick auf kleine, sich bewegende Schatten, die dort nicht sein sollten und verschwanden, sobald er nicht mehr

hinsah. Aber das war es nicht, was ihn geweckt hatte. Aaren lies den Blick über den Strand wandern, wo ebenfalls alles leer wirkte. Aber etwa machte ihn stutzig. Seine Fußspuren vom Vortag waren noch gut zu erkennen. Fußspuren… Jetzt wusste er was ihn störte. Seine eigenen Spuren hörten dort auf, wo er den Strand verlassen hatte und den Wald betreten hatte. Aber eine zweite Spur zog sich vom Wasser bis etwas zur Hälfte des Strands herauf. Aaren stand auf und lief zum Wasser hinunter, konnte aber nichts mehr entdecken. Als er sich die Fußspuren jedoch genauer

ansah musste er lächeln. Sieben Zehen. Er wurde beobachtete, wusste allerdings nicht ob er sich darüber freuen sollte oder nicht. Wenn die Naias nach wie vor Callahan unterstützten… konnte sie durchaus gefährlich werden. Aber irgendwie glaubte Aaren das nicht. Nein er glaubte zu wissen, wem die Fußspur gehörte. Das ganze warf nur eine Frage auf. ,,Warum bist du zurückgekommen ?“ , murmelte er zu sich selbst. Langsam ging er zurück und schlief erst Stunden später wieder ein. Das zweite Mal als er erwachte, überlegte er nicht lange. Ein Ast knackte irgendwo in der

Dunkelheit, als ein Fuß darauf trat. Aaren tastete langsam nach seiner Waffe, während er lauschte. Wer immer für das Geräusch verantwortlich gewesen war, konnte allerhöchstens ein paar Meter entfernt sein. Nur die Schatten hatten ihn wohl davor bewahrt, entdeckt zu werden. So leise wie möglich kam er auf die Füße und schlich, eine Pistole im Anschlag, ins Unterholz des Waldes. Die Farne bildeten verholzte Strukturen an den Blättern aus, die überall auf dem Boden verteilt lagen wie Laub. Aaren wollte nicht denselben Fehler machen und darauf treten, deshalb kam er nur langsam voran.

,,Habt ihr ihn schon gefunden ?“Die Stimme war nah. Zu nah. Aaren ging hinter einem brusthohen Farn in Deckung. Zwischen den Blättern hindurch erkannte er eine Gestalt, die auf einer Lichtung stand. Schwarze Kampfausrüstung, ein Sturmgewehr, aber keine Taschenlampe. Das war gut. Allerdings wusste Aaren nicht, ob der Mann nicht doch ein Nachtsichtgerät besaß. Einige Elektorats-Soldaten bekamen sogar Kontaktlinsen mit Restlichtverstärkern implantiert. Offenbar mussten aber auch Callahans Leute Probleme mit dem Funk haben, weshalb sie einander zurufen

mussten. ,,Nein.“ , reif der Mann auf der Lichtung zurück. ,,Er ist hier irgendwo. Weit kann er nicht gekommen sein.“ , kam die Antwort. Die Stimme kam Aaren unheimlich bekannt vor, aber er konnte sie noch nicht zuordnen. ,,Sucht weiter.“ Schwere Schritte entfernten sich durchs Unterholz. Der Mann auf der Lichtung fluchte leise. ,,Und das alles nur weil der verdammte Kerl Gespenster sieht.“ Aaren schlich sich langsam in den Rücken des Mannes, der offenbar keine Anstalten machte, dem Befehl Folge zu leisten. Nachtsicht

oder nicht, er würde ihn nicht bemerken. Kurz überlegte er den Mann einfach zu erschießen, aber wenn es einer von Calalhans Soldaten war… er konnte nicht sicher sein, das der Mann überhaupt sterben würde. Und er wollte Lärm vermeiden. Zumindest sagte Aaren sich das selbst. Aber… der andere Grund erschreckte ihn selbe. Er begann es zu hassen. Aaren hatte das Töten immer nur als eine Notwendigkeit gesehen, die sich manchmal eben nicht umgehen ließ. Jetzt aber… Jetzt aber machte ihn der Gedanke unruhig. Nicht wenn es nicht sein musste. Aaren traf seine Entscheidung, auch

wenn sie ein gewisses Risiko barg. Er stand auf ging zu dem Mann und drückte ihm den Pistolenlauf an den Hinterkopf. ,,Ein Wort ohne, dass ich sie frage und sie sind tot. Verstanden?“ ,,Scheiße. Sie sind der Typ den Skye geseh…“ ,,Verstanden ?“ , wiederholte Aaren. Der Mann nickte. ,,Waffe weglegen.“ Das Sturmgewehr landete auf dem Boden. ,,Wie viele sind sie ?“ ,,Ein… ein dutzend. “ ,,Nachtsichtgeräte oder ähnliches ?“ Der Mann schüttelte den Kopf. ,,Das tut jetzt kurz weh.“ Aaren drehte

die Pistole in der Hand und versetzte dem Mann einen Schlag mit der flachen Seite gegen die Schläfe. Er brach zusammen. Nachdem Aaren sich überzeugt hatte, dass der Mann noch lebte, zog er ihn schnell den Schatten eines großen Farmbaums. Das würde reichen müssen, damit niemand ihn entdeckte. Blieben noch zwölf von Callahans Männern, die irgendwo da draußen unterwegs waren. Er verfluchte sich, das er vergessen hatte, den Mann nach dem Gouverneur zu fragen. Aaren wusste nach wie vor nicht, ob sich Callahan auf der Insel befand und wenn ja wo. Egal. Dazu hätte er vielleicht noch ein paar

Gelegenheiten. Aaren hatte den Männern gegenüber einen Vorteil. Er wusste, dass sie hier waren. Sie nicht. Sie stocherten lediglich im Dunkeln. Er hob das Gewehr vom Boden auf, hoffte aber es nicht zu brauchen. Wenn die anderen auch alleine unterwegs waren, hätte er eine Chance. Dann lasst die Jagd beginnen, dachte Aaren.

Kapitel 28 Jagd

Aaren beobachtete den Soldaten jetzt schon eine Weile. Der Mann hatte ihn in der Dunkelheit nicht bemerkt und suchte ziellos das Unterholz ab. Zum Glück weit genug von ihm entfernt. Er wartete, bis der Soldat ihm den Rücken zudrehte, dann tauchte er aus den Büschen auf, holte mit dem Gewehr aus und zog dem Mann die Beine Weg. Bevor der Mann wieder auf die Füße kam, ließ er die Waffe erneut auf dessen Hinterkopf krachen. Aaren überzeugte sich kurz, das der Mann wirklich noch atmete. Er konnte sich schlecht erlauben,

zimperlich zu sein aber solange es nicht nötig war, wollte er niemanden töten. Schnell schleifte er den regungslosen Körper in die Schatten, entwaffnete ihn und zog sich dann wieder zurück. In der letzten Stunde hatte er gut ein halbes Dutzend wenn nicht mehr von Callahans Soldaten ausgeschaltet und es überraschte ihn, wie leicht diese Männer sich übertölpeln ließen. Fast etwas zu leicht, dachte Aaren. Von der Gruppe, die ihn suchte konnten nicht mehr viele übrig sein. Vielleicht drei oder vier. Aaren blieb stehen, als er vor sich Licht sah, das die Dunkelheit zwischen den Bäumen etwas aufhellte. Er hatte den Rand des kleinen Walds

erreicht, wo dieser wieder zum Strand überging. Mondlicht ließ das Wasser wie einen riesigen silbernen Spiegel wirken. Nur eine einzige Gestalt saß, vollkommen reglos in eine Decke gehüllt, ein Stück über der Flutlinie. Vielleicht ein Wachposten, den seine Jäger zurückgelassen hatten, sollte er den Wald verlassen. Wenn, dann kein sehr guter, den der Posten saß mit dem Rücken zu ihm. Aaren überlegte, ob er es wagen konnte, sich dem Mann zu nähern. Er würde sich nirgends verstecken können, sobald er aus dem Wald trat und das war bisher wohl der einzige Grund, dass man ihn noch nicht entdeckt

hatte. Aber ihm blieb keine große Wahl. Es würd nicht lange dauern, bis irgendjemand die anderen fand, die er ausgeschaltet hatte. Was er mit ihnen machen wollte, wusste er ohnehin noch nicht. Aaren rannte das Stück Strand entlang. Leise sein war jetzt keine Option mehr, der Posten brauchte sich nur kurz umzudrehen, um ihn zu entdecken. Aber das tat er nicht. Seltsam… Aaren hatte kaum Zeit darüber nachzudenken, während er die Waffe zog und auf den Mann zielte. ,,Keine Bewegung.“ Der Posten reagierte

nicht. ,,Aufstehen.“ Keine Reaktion. ,,Ich sagte aufstehen.“ Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Aaren wurde eiskalt, als er die Gestalt mit dem Fuß anstieß. Das Konstrukt kippte scheppernd zur Seite und offenbarte sich als eine Ansammlung aus zwei Gewehren und einem Kochtopf. ,,Was zur Hölle…“ ,,Hätte wirklich nicht Gedacht, das sie darauf reinfallen.“ , rief jemand hinter ihm. Aaren drehte sich langsam um, die Waffe immer noch in der Hand.

Verdammt… Drei Männer tauchten aus dem Schatten des Walds auf. Zwei trugen Sturmgewehre mit Laservisieren, die sie auf ihn gerichtet hielten. Die andere Gestalt trug dunkle Kleidung und eine Schirmmütze. ,,Skye.“ Der Mann schein fast... fröhlich? In der Hand hielt er eine Pistole, die er wie ein Spielzeug um den Finger wirbeln ließ. ,,So sieht man sich wieder.“ , meinte der abtrünnige Kommissar. ,,Ich hätte sie töten sollen.“ , erwiderte Aaren. ,,Aber das haben sie nicht. Interessant,

das sie es hierher geschafft haben. Normalerweise ist dieser Ort ziemlich sicher.“ ,,Nicht mehr. Das Elektorat weiß Bescheid.“ Das war natürlich eine Lüge. Aaren hatte keine Ahnung, ob das Funksignal, das er noch an Bord des Schiffs losgeschickt hatte, durchgekommen war. Aber sollte Callahan doch ein paar Schlaflose Nächte darüber haben. Skye jedoch schien damit kein Problem zu haben. ,,Sie können schlecht Lügen. Kein Funkspruch verlässt diese Insel.“ ,,Wieso nicht ?“ Lass ihn nur reden. Solange er Skye am Reden hielt, hätte er Zeit sich einen Plan zu überlegen. Im

Moment zumindest führte der einzige Weg für ihn… ins Wasser ,,Keine Ahnung. Irgendwas mit dem Gestein hier. Verstärkt die Interferenzen.“ , antwortete er. ,,Und jetzt nehmen sie die Waffe runter.“ ,,Ich denke gar nicht dran.“ Er machte einen kleinen Schritt zur Seite, die zwei Bewaffneten folgten. ,,Dann töten wir sie.“ ,,Was hat Callahan vor ?“ , fragte Aaren. Noch ein kleiner Schritt. Er musste sie lediglich aus dem Weg bekommen, dann könnte er vielleicht weglaufen. Oder zumindest im Wald Deckung suchen. ,,Das geht sie nichts an.“ ,,Ach ja und sie Skye ? Sie sagten, das

die Zerstörung von Carvus sie dazu gebracht hat sich vom Elektorat loszusagen.“ Skye hielt inne. ,,Das ist richtig. Sie haben hunderte getötet. Einfach nur aus Angst.“ Nun war es an Aaren innezuhalten. Und hier wollen sie tausende opfern. ,,Aber Callahan opfert genau so leichtfertig Leben. Wie viele Unschuldige sind beim Angriff auf den Hive gestorben?“ ,,Keine. Sie waren nicht unschuldig. Unschuldig ist nur jemand, der nicht beteiligt ist.“ ,,Das müssen sie mir erklären.“ Sie standen sich jetzt direkt am Wasser

gegenüber. Wenn Aaren noch ein paar Schritte schaffte… ,,Was gibt es daran zu erklären ? Sie sind genauso Teil des Elektorats, wie alle anderen. Nur ein Rädchen in der Maschinerie, aber eben doch damit verbunden. Glauben sie mir, diese Leute würden Kämpfen, wenn es ihnen befohlen würde. Weil sie nicht für sich selbst einstehen können, wenden sie sich an jemand anderen, der es für sie tut. Das ist das ganze Geheimnis hinter dem Elekorat.“ ,,Das glaube ich nicht.“ , entgegnete Aaren. ,,Ich bin ihr Lebender Beweis. Ich bin…“ Etwas im Wasser zog kurz seine Aufmerksamkeit auf sich. Kurz war

Aaren sich nicht sicher, ob er sich nicht getäuscht hatte. ,,Ich bin kein Teil des Elektorats mehr.“ , fuhr er fort. ,,Warum sind sie dann hier ?“ Aaren antwortete nicht. ,,Ein letztes Mal Aaren, seien sie vernünftig und nehmen sie die Waffe runter.“ Aaren antwortete nicht. Hatte er sich getäuscht? ,,Letzte Warnung.“ ,,Verdammt.“ Aaren lies die Pistolen in den Sand fallen. ,,Geht do…“ Einer der zwei Männer, die auf ihn zielten schrie kurz auf, als ihn etwas zu Fall brachte und er regungslos

liegenblieb. Was immer es gewesen war, verschwand sofort wieder im Wasser. Aaren lächelte. Er hatte keine Ahnung, warum sie das tat aber… es rettete ihm vielleicht das Leben. ,,Verflucht was war das ?“ Der zweite Soldat war zu dem gefallenen Mann gegangen. ,,Und ?“ , wollte Skye wissen. Der Mann schüttelte nur den Kopf. ,,Tot.“ ,,Okay Terrell.“ Skye richtete die Waffe auf ihn ,,Sie haben genau eine Sekunde um mir zu erklären…“ Waffenfeuer unterbrach ihn. Der überlebende Soldat schoss aufs

Wasser. ,,Verflucht.“ ,,Was ist los ?“ ,,Ich dachte… ich dachte ich hab was gesehen.“ , meinte der Mann. ,,Alles da draußen sollte eigentlich auf unserer Seite stehen.“ , erwiderte Skye, bevor er sich wieder Aaren zuwendete. ,,Wen haben sie mitgebr…“ Plötzlich ging alles ganz schnell. Der überlebende Soldat brach mit einem Aufschrei zusammen, als sich ohne Vorwarnung zwei Knochendornen in seinen Hals bohrten. Aaren zögerte nicht lange und stürzte sich auf Skye. Wenn er den Mann nicht sofort

entwaffnete… Er schlug nach der Waffe und hoffte einfach, das Skye zu überrascht wäre um auf ihn zu feuern. Der abtrünnige Kommissar jedoch ließ sich nicht so leicht überrumpeln. Zwar löste der Schlag dessen Griff um die Waffe, er ließ sie jedoch nicht wie Aaren gehofft hatte fallen. Aaren nutzte den kurzen Moment und trat seinem Gegner Sand ins Gesicht. Nicht grade elegant, aber es verfehlte seien Wirkung nicht Skye hieb halbblind nach ihm. Er tauchte unter dem Schlag weg und erstarrte. Der abtrünnige Kommissar standwieder aufrecht, die Waffe auf ihn

gerichtet. Schwer atmend , stützte er sich mit der freien Hand auf ein Knie. ,,Zu Schade. Ich hatte eigentlich gehofft sie lebend zu bekommen.“ Aaren erwiderte nichts. ,,Jetzt jedoch…“ Eine Hand aus der Dunkelheit, Knochendornen, die sich dem Mann in den Hals bohrten. Ein heller Lichtblitz, als Skye den Abzug der Waffe drückte, ein brennender Schmerz in Aarens Schulter. Er fiel zu Boden, genau wie der abtrünnige Kommissar, an dessen Hals sich nun zwei Kratzer befanden, aus denen langsam Blut strömte. Aber noch war er nicht tot. ,,Ich bin… irgendwie fast stolz auf sie.“

Die Worte waren klar, Skyes Gesicht zu einem schmerzvollen Grinsen verzehrt. ,,Was ?“ Aaren glaubte, ihn nicht Verstanden zu haben, aber der Kopf des abtrünnigen Kommissars fiel lediglich zur Seite und er hörte auf zu atmen. Langsam stand Aaren auf. Er schwankte leicht und jede Bewegung schmerzte. Die Kugel hatte ihn tatsächlich getroffen. Die Wunde selbst schien allerdings nicht weiter schlimm. Durchschuss und es schien nicht so, als ob eine Arterie verletzt wäre. Das hätte er schnell gemerkt. Trotzdem war das alles andere als gut. ,,Verdammt.“ Er machte ein paar Schritte zurück, weg von den drei toten.

,,Verdammt.“ Erst dann sah er langsam zu der fast schon vertrauten Gestalt auf, die hinter dem toten Skye stand. Eine Weile blieb Aaren ohne ein Wort stehen. Sonea rührte sich ebenfalls nicht. ,,Warum ?“ , fragte er schließlich. Es schien keinen Sinn zu machen. Statt einer Antwort legte sie nur eine Hand auf die Wunde an seiner Schulter. Ein kurzes Brennen, das sich von der Verletzung auszubreiten schien. Einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen. Aaren stieß die Hand weg. Er brauchte nicht nachsehen, er wusste, dass die Wunde nicht mehr da war. ,,Warum hilfst du mir immer noch

?“ Natürlich erhielt er nach wie vor keine Antwort. Aaren schüttelte den Kopf. ,,Auch gut.“ , meinte er, während er das Gewehr und die Pistolen wieder aufhob. Er sah zurück zum Farnwald. Zeit, dass er ein paar Antworten bekam. ,,Aufwachen.“ Der Mann blinzelte. Aaren saß in einiger Entfernung an einen Baum gelehnt und hielt das Gewehr auf ihn gerichtet. Mittlerweile war die Sonne aufgegangen. Nebel hing über den Bäumen und streute das Morgenlicht, so dass die ganze Welt in Rot getaucht zu sein schien. Sonea stand ein paar

Schritte von Aaren entfernt außerhalb der Sichtweite des Gefangenen Soldaten. Die übrigen von Callahans Leuten, die er ausgeschaltet hatte, waren alle noch Bewusstlos und würden hoffentlich nicht aufwachen, bis Aaren weit weg war. ,,Wer zur Hölle sind sie ?“ Der Mann rieb sich die Schläfe, war aber glücklicherweise schlau genug, sitzenzubleiben. ,,Aaren Terrel, auch wenn das unwichtig sein dürfte. Versuchen sie gar nichts dummes, ich weiß, das auch sie einen Kopfschuss nicht überleben.“ ,,Dazu müssten sie aber treffen.“ , meinte der Soldat, rührte sich aber

nicht. ,,Glauben sie mir, das werde ich.“ ,,Wo zur Hölle sind die and…“ ,,Tot.“ Das entsprach zwar nicht ganz der Wahrheit aber es war nicht verkehrt, wenn er ein bisschen Angst hätte. ,,Und wenn sie sich nicht dazugesellen wollen, schlage ich vor, das sie mir ein paar Fragen beantworten.“ Der Mann schluckte. ,,Sind sie vom Elektorat ? Ich weiß nichts. Nichts. Keine Pläne keine… ich bin nur… Verdammt, ich hätte mich nie hierauf einlassen sollen.“ ,,Das interessiert mich alles nicht. Nur zwei Fragen, dann können sie gehen.“ ,,Wirklich ?“ Der Mann glaubte ihm

offenbar nicht. Natürlich nicht. Aaren war sich selbst nicht sicher, ob er es riskieren konnte, ihn laufen zu lassen. Wenn er Callahan warnte… ,,Nur, würde ich ihnen empfehlen mir nie wieder über den Weg zu laufen. Wir verstehen uns?“ ,,Ich… ich werde gehen. Weit weg. Callahan zahlt nicht gut genug um sich dafür sinnlos töte zu lassen.“ ,,Sehr schön. Also zwei Fragen. Erstens: Ist Callahan auf der Insel ? Zweitens, wenn er hier ist, dann wo ?“ ,,Er.. wir haben ein Camp. Eigentlich nur ein paar Hütten auf der Rückseite der Insel. Der Gouverneur sollte da irgendwo sein. Seitdem das Elektorat auf

dem Meer patrouilliert schickt er uns nur noch raus, wenn es sein muss. Wir lassen die… anderen… die meiste Arbeit machen.“ ,,Anderen ?“ Aaren konnte sich die Antwort zwar denken, aber da der Mann schon mit Informationen um sich warf. ,,Ja, keine Ahnung, habe nie einen davon gesehen. Wasserlebewesen. Irgendwie zumindest. Sie sind der Grund dafür das… na aj sie auf meinen Kopf zielen müssen. Hat Callahan zumindest so erklärt.“ Aaren nickte. ,,Wie ist das Lager aufgebaut ? Sicherheitsmaßnahmen ? Verteidigungsanlagen

?“ ,,Nur zum Meer hin. Wir haben nicht wirklich damit gerechnet, dass uns jemand findet. Verflucht.“ Offenbar war dem Soldaten selbst grade klar geworden, dass er zu viele Informationen ausplauderte. ,,Aber es gibt eine Garnison. Sie kommen da nicht einfach rein..“ Aaren stand auf. ,,Das war schon alles.“ ,,Sie lassen mich einfach so gehen ?“ ,,Nicht einfach so. Ihre Leute finden sie hier irgendwo im Wald. Ich denke, die meisten wachen nicht so bald auf. Sie kümmern sich besser um sie.“ ,,Sie hatten gesagt…“ ,,Das war eine Lüge. Und eine schlechte

noch dazu“ , antwortete Aaren. Er nickte Sonea zu ,,Gehen wir.“

Kapitel 29 Callahan

Aaren sah hinunter auf das Camp. Es befand sich in einer leicht abfallenden Bucht, die wohl einen der wenigen Orte darstellte, an dem die Insel nicht von Steilklippen geschützt wurde. Im provisorischen Hafen lagen mindestens fünf der gestohlenen Schiffen und er konnte überall Wachen erkennen. Sie trugen die gleiche Ausrüstung wie die Söldner am Strand. Die ganze Anlage, die aus einem Dutzend Fertigbauhütten bestand umlief ein hoher Drahtzaun. Ein kleiner ausgetretener Weg führte vom Wald aus, wo sie sich befanden, an ein Tor im Zaun. Ebenfalls bewacht.

Unbemerkt da rein zu kommen schien unmöglich. ,,Nun, durch die Vordertür reinmarschieren klappt schon mal nicht.“ , meinte er während er sich zu Sonea umdrehte. Oder etwa doch ? Die Idee war so verrückt… das sie sogar funktionieren könnte, dachte Aaren. Aaren musterte das Wesen, das ihn seinerseits aus goldenen Augen betrachtete. Warum half sie ihm? Es gab keinen Grund oder? Wenn sie wirklich darauf setzten, das das Elektorat und Callahans Leute sich gegenseitig vernichteten… Dann hätte sie ihm nicht helfen dürfen. ,,Warum ?“ , wiederholte er. Eine Frage,

die Aaren so oft stellen konnte wie er wollte. Sie tat nicht einmal so, als würde sie ihn nicht verstehen sondern… schwieg einfach. Sie befanden sich auf einem Hügel von dem aus Aaren das Lager überblicken konnte, ohne zu riskieren, selbst gesehen zu werden. Zumindest hoffte er das. Eine weitere Begegnung wie die am Strand konnte er nicht gebrauchen. ,,Also gut, hör zu, bei der Anzahl an Leuten, die Callahan da unten hat, kennt sicher nicht jeder jeden. Und sie wissen, dass eine Gruppe da draußen ist, die nach mir sucht.“ Sonea erwiderte nichts, aber Aaren wusste mittlerweile, das sie so gut wie

alles Verstand. ,,Also, sie wissen nicht genau , wer dazu gehört aber einfach reinspazieren wäre etwas zu dreist. Folgendes…“ Er versuchte den Plan möglichst kurz zusammenzufassen. Die Hauptsache war, an den Torwachen vorbeizukommen, danach dürften sie eigentlich nicht mehr auffallen. ,,Verrückt.“ , sagte Sonea schließlich. ,,Genau das wollte ich hören.“ , erwiderte Aaren. Jetzt gab es nur noch ein Problem. ,,In meinen Sachen fall ich da unten trotzdem auf wie… tja wie ein Schiffbrüchiger eben.“ Aber auch dafür gab es eine Lösung. ,,Ich geh zum Strand zurück.“ Eine Lösung, die ihm

nicht gefiel aber… die Alternative wäre umzudrehen, sich zu verstecken und nichts zu tun. Einige Stunden später ging Aaren, jetzt in einer der schwarzen Kampfpanzerungen von Callahans Soldaten, den Pfad zum Torhaus hinunter. Das Gewehr hatte er locker über der Schulter hängen. Wenn alles gut gehen würde, würde er es nicht brauchen. Sonea ging einige Schritte hinter ihm. Wenn möglich sollte man ihn zuerst entdecken, nur für den Fall… Er blieb stehen und sah den Weg hinab zum Tor. Noch hatte man sie nicht

bemerkt. Frechheit Siegt, dachte Aaren, als er sich zum weitergehen Zwang. Er hatte keine Angst aber die Unsicherheit war mindestens genauso schlimm. Wenn das nicht funktionierte, wäre er erledigt. Endgültig. Der erste Posten am Tor entdeckte sie. ,,Stehenbleiben.“ Aaren wurde langsamer. Jetzt wurde es ernst. ,,Wichtige Nachricht für Callahan.“ Hoffentlich wusste der Wachosten nicht, wer genau zu dem Suchtrupp gehört hatte. ,,Es gab einige Schwierigkeiten.“ ,,Schwierigkeiten ?“ der Mann schein verwirrt. ,,Wovon reden sie und wer sind

sie ?“ Er nahm die Waffe hoch. ,,Suchtrupp.“ , erklärte Aaren. Verdammt das lief nicht gut. ,,Ich bin zurückgekommen um…“ ,,Wo ist der Rest der Truppe ? Skye ? Sie sollten doch da draußen sein und…“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Tot.“ ,,Wie bitte ?“ Der Mann lies die Waffe langsam sinken. Seine Überraschung schien ihn zumindest weniger misstrauisch zu machen. ,,Es war ein verdammter Kommissar. Ich bin als einziger noch übrig. Das heißt wenn es sonst noch niemand zurück geschafft hat?“ ,,Nein. Ist der Kommissar tot? Wir können es uns nicht leisten, dass das

Elektorat uns findet. “ Gut, das hieß der Soldat vom Strand hatte sein Versprechen gehalten. Oder der Mann log. Aber dann wäre er vermutlich schon tot. ,,Er ist tot.“ Wenn sie das glaubten würden die Wachen hoffentlich etwas weniger misstrauisch sein. Auch wenn Aaren hoffte hier schnell wieder verschwinden zu können. ,,Was zur Hölle ist da draußen passiert?“ ,,Genau das sollte der Gouverneur besser direkt erfahren.“ Aaren trat bei Seite, so dass der Wachposten Sonea entdeckte. ,,Ist das.. ist das…“ ,,Ich muss sofort zu Callahan.“ , erklärte

Aaren ernst. Der Posten war mit der Situation mittlerweile offenbar vollkommen überfordert. ,,Ich… wir müssen…“ ,,Wollen sie ihm dieses Debakel erklären oder ich ?“ , fragte er mit Nachdruck. ,,Natürlich. Gehen sie… der Gouverneur ist am Hafen. Das größte Gebäude.“ Aaren nickte, während der Wachmann endlich beiseitetrat. Das lief besser als erwartet. So schnell er konnte, ohne das es Auffällig gewesen wäre, passierte er, gefolgt von Sonea den Zaun und betrat das Lager. Die Fertigbauhütten wirkten vor dem Kontrast der ansonsten vollkommen Unbebauten Insel fehl am

Platz. Ein paar Soldaten drehten sich kurz nach ihnen um, musterten die Neuankömmlinge aber nur kurz. Es funktionierte. Nachdem das Tor außer Sichtweit war, blieb er hinter einer Hauswand stehen. Ein Weg führte hinunter zum provisorischen Hafen. Aarens Blick wandere aus Meer hinaus. Irgendwo dort draußen lag der Hive. Darüber irgendwo die Satelliten des Elektorats. Und noch weiter zurück, die ersten Zentralwelten. Und schließlich… die Erde. Etwas mehr als eine Woche. Und die Welt schien verrückt geworden zu sein. Er hatte das Gefühl eine viel längere Reise hinter sich zu haben. Eine Reise, die vor mehr als fünf Jahren

begonnen hatte. Aaren konnte das Haus sehen, das der Torwächter gemeint haben musste. Und dort musste Callahan sich aufhalten. Er ging langsam weiter Nun blieben ihm nur noch ein paar letzte Schritte. Und dann… würde das hier enden. So oder so. ,,Du kannst noch gehen.“ , meinte Aaren an Sonea gerichtet. Natürlich gab sie wie gewohnt keine Antwort. Er zögerte nicht, als er die Tür endlich erreichte. Noch einmal hielt er kurz inne. Von drinnen konnte Aaren Stimmen hören. ,,Das Elektorat kontrolliert momentan gut dreißig Prozent der

Meeresoberfläche. Mehr können sie nicht abdecken, ich verstehe nicht wieso…“ ,,Ich weiß.“ Unterbrach eine Aaren bekannte Stimme den Sprecher. ,,Trotzdem, wir bleiben noch hier. Es ist bald soweit.“ ,,Was ?“ ,,Wenn das Elektorat weiterhin so handelt wie ich es erwarte dann…“ Aaren zog Vorsichtig seine Pistole, nachdem er sichergestellt hatte, dass die umstehenden Soldaten ihn nicht bemerkten, dann öffnete er die Tür und trat nach drinnen. ,,Sie…“ Aaren brauchte nur einen Moment, um

sich umzusehen. Ein großer Tisch mit holografischer Karte bildete das Zentrum des Raums. Callahan und drei andere Personen, die er nicht kannte standen daran. Durch ein großes, zum Hafen gerichtetes, Fenster fiel Licht herein. Der Gouverneur, der eben noch die Karte betrachtete hatte, starrte nun ungläubige in Richtung Tür, während die drei anderen Männer noch nichtverstanden hatten , was los war. Zwei davon hatten zumindest ihre Waffen gezogen und zielten auf ihn. Aaren hingegen beachtete sie kaum. ,,Ich.“ , erwiderte er die Pistole auf Callahan gerichtet. Die zwei

Bewaffneten zögerten. ,,Was wollen sie machen ? Mich erschießen?“ , fragte Callahan ruhig. ,,Wenn es sein muss.“ ,,Ein Kommissar der zögert ?“ Callahan ging langsam um den Kartentisch herum. Die wenigen grauen Haare, die ihm geblieben waren hingen ihm wirr ins Gesicht. Wenn Aaren raten müsste, würde er sagen, der Gouverneur hatte ein paar Tage nicht geschlafen. Der Mann wirkte nicht bedrohlich, nicht wie jemand, der das Elektorat herausforderte. Nur ein alter Mann. Trotzdem ließ Aaren ihn nicht aus den Augen, während Callahan sich hinsetzte. Er zog ein kleines Stück Papier aus

seiner Tasche und betrachtete es einen Moment. Sein Blick traf Sonea, zeigte aber wenig Überraschung. Er kam Aaren beinahe teilnahmslos vor. ,,Vielleicht unterhalten wir uns einfach wie zivilisierte Menschen ja ?“ Callahan nickte den drei Männer zu. Einer zögerte kurz, dann nahmen sie langsam die Waffen runter. ,,Schön.“ Aaren senkte die Pistole. Callahan sah wieder einen Moment auf das Blatt Papier in seiner Hand, dann hielt er es Aaren hin. ,,Was ist das ?“ ,,Sehen sie selbst.“ Vorsichtig nahm er das Papier entgegen und drehte es um. Es war ein Foto.

Aaren erkannte den Raum wieder, auch wenn er hier noch in besseren Zustand war, als wenn er dort gewesen war. Das Forschungsdeck der Salmakis. An der Rückwand des Raums befand sich ein Wassertank, an den Aaren sich natürlich ebenfalls erinnerte. Und natürlich wusste er, was sich darin befand, hier nur als heller Schemen zu erkennen. Aber es war deutlich genug für ihn. ,,Ich weiß durchaus, was sie getan haben Callahan.“ , meinte Aaren. Sie haben intelligente Lebewesen gefoltert und verletzt ohne weiter darüber nachzudenken. Am liebsten hätte er Callahan seien Anschuldigungen auch ins Gesicht gesagt, aber für den Moment…

,,Warum zeigen sie mir das ?“ Er hielt dem Gouverneur das Bild hin, dieser machte aber keine Anstalten es wieder an sich zu nehmen. Draußen zogen langsam dunkle Wolken auf und verdeckten die Sonne. Als ein paar erste Regentropfen gegen das Fenster schlugen, sprach Callahan schließlich weiter. ,,Ackland. Das Foto stammt von ihm.“ ,,Er hat es also rausgefunden ?“ Callahan schüttelte den Kopf. ,,Nein . Zumindest nicht alles. Aber das wenige, was er wusste, hat ihm gereicht.“ ,,Dann ist er also tot ?“ ,,Natürlich ist er das. Er hat eine Bedrohung gesehen und wie ihr alle, ihr verblendeten Narren, hat er nur eine

Lösung gefunden. “ Aaren schwieg einen Moment. Diese ganze Unterhaltung schien ihm surreal. Der Mann vor ihm war vielleicht die größte Bedrohung für das Elektorat seit Jahrzehnten. Und doch… ,,Sie wissen, dass sie keine Chance haben, oder ?“ , fragte Aaren. ,,Selbst mit ihren… Verbündeten ?“ ,,Sie sind nicht meine Verbündeten, zumindest glaube ich das nicht wirklich, aber… denken sie taktisch, wenn sie zwei Feinde haben die sich bekämpfen… was tun sie? Sie ziehen den Kampf in die Länge.“ Also hatte Aaren richtig vermutet. Das Callahan sich dessen allerdings bewusst

war, das machte das ganze etwas unberechenbar. Er konnte mittlerweile nicht einmal mehr abschätzen, wo die Grenzen zwischen Callahan, dem Elektorat und den Naias lagen. Keine Seite schien aus diesem Kampf irgendetwas zu gewinnen. Und keine schien ihm wirklich Recht zu haben. Callahan glaubte vielleicht das richtige zu tun aber… Aaren konnte nicht darüber hinwegsehen, das er ohne zu zögern Leben geopfert hatte, selbst die von Unbeteiligten und Zivilisten, nur um selbst zu entkommen. Und dann natürlich noch… Aaren sah zu Sonea. Die Narben auf ihren Armen. Er fragte sich kurz, ob sie wirklich einfach nicht verheilten…

oder ob Sonea es vielleicht einfach nicht zuließ. ,,Aber sie wissen, dass sie nicht gewinnen können ? Der Ministerrat ist weit weg. Und das Elektorat ist kurz davor einen Auflösungsbefehl zu erteilen. Sie wissen was das bedeutet. Jedes, zumindest jedes an Land lebende, Lebewesen auf diesem Planeten, jeder Mensch hier, wird sterben.“ ,,Der Ministerrat Aaren ?“ Callahan lächelte schwach, beinahe entschuldigend. ,,Der Ministerrat ist nicht das Problem.“ ,,Wie meinen sie das ?“ ,,Es bringt nichts, nur den Ministerrat zu zerstören, es ist nur Teil der

Maschinerie, die sie als Elektorat kennen. Denken sie nach Aaren. Was bringt es mir, zwölf Leute zu töten, die zwar Macht haben… aber jederzeit ersetzt werden können. Durch Männer und Frauen, die genau den gleichen Weg durch die Reihen der Ministerien hinter sich haben, mit genau dem gleichen Denkmuster und genau der gleichen Einstellung ? Bestenfalls gibt es ein paar Monate Chaos. Sie sind ersetzbar. Vielleicht ist der Ministerrat ein großer Schaltkreis in der Maschine, aber immer noch ersetzbar. Nein, Aaren, wenn dann muss das gesamte Elektorat fallen. Die gesamte Maschinerie, von der Verwaltung bis zur Führung, muss

zerstört werden.“ Plötzlich wirkte Callahan nicht mehr alt. Nicht mehr harmlos. Der Mann sprach buchstäblich davon, die gesamte zivile Struktur zu zerstören und neu aufzubauen. ,,Was auch immer sie vorhaben, der Auflösungsbefehl würde es spätestens zunichtemachen.“ ,,Sie gehen davon aus Aaren, das ich nicht genau damit gerechnet habe.“ ,,Was ?“ Callahan sah aus dem Fenster zum grauen Himmel. ,,Ich schätze, die Satelliten sind mittlerweile Einsatzbereit.“

Kapitel 30 Flucht

,,Was haben sie getan ?“ ,,Noch gar nichts Aaren. Und ich werde auch nichts tun. Alles was es braucht, ist ein kleiner Schups, eine kleine Provokation…“ ,,Sie wollen, das Vämskä den Befehl gibt.“ ,,Genau das. Aber diesmal Aaren, wird nichts tot geschwiegen.“ Die Faust des Gouverneurs landete krachend auf dem Tisch. ,, Diesmal erfährt jede Welt, jeder Mensch, wie das wahre Gesicht des Elektorats aussieht. Eine Nachricht vom Hive aus, und nichts kann die

Ministerien noch retten.“ ,,Das… allein auf dem Hive leben Zehntausend Menschen. Und wenn sie Erfolg haben…“ Aaren zögerte. ,,Sie würden einen Bürgerkrieg auslösen.“ ,,Das ist der Plan.“ ,,Sind sie wahnsinnig ? Sie sind bereit Millionen zu opfern.“ ,,Und ich opfere noch sehr viel mehr wenn es sein muss. Ich will nicht, das jemand stirbt Aaren. Das Elektorat wird diese Menschen töten, nicht ich.“ ,,Es muss einen anderen Weg geben.“ , Aaren war aufgestanden. ,,Und ich kann sie nicht gehen lassen.“ Callahan zeigte sich wenig Beeindruckt durch die Drohung. Nur seine drei

Wachen hatten nun ebenfalls die Waffen auf Aaren gerichtet. ,,Sie können mich nicht aufhalten.“ Es war eine Feststellung. ,,Sie können den Hive nicht attackieren.“ ,,Mit ein wenig Unterstützung durchaus.“ ,,Unterstützung… Die Naias ?“ Aaren drehte sich zu Sonea um. ,,Er will tausende töten.“ , sagte er aufgebracht ,,Und ihr helft ihm dabei ?“ Sie sagte nichts. Aber der Ausdruck in ihren Augen reichte Aaren. Nein. Sie nicht. Aber was die anderen anging… Aaren wendete sich wieder dem Gouverneur zu. ,,Sie haben zwei Möglichkeiten Aaren,

sie helfen mir… oder sie kriechen zurück zum Elektorat.“ Er schüttelte den Kopf. ,,Ich habe durchaus eine dritte Möglichkeit. Ich werde ihnen nicht helfen. Und sie aufhalten.“ So schnell, das keine der drei Wachen reagieren konnte, zog er seine eigenen Waffe und richtete sie auf Callahan. Eine der Wachen schrie überrascht auf und Aaren sah, das Sonea dem Mann einen Knochendorn an den Hals hielt. Warum tat sie das? Nach wie vor hatte er keine Antwort darauf. ,,Meine Befehle stehen. Wie bei den Ministern ist es egal ob ich lebe oder sterbe.“ , erwiderte der Gouverneur

nur. ,,Das glauben sie, aber was tuen ihre Leute, ohne einen Befehlshaber ? Das sind Söldner.“ ,,Und sie verdanken es mir, das sie nun sind was sie sind. Das ist ihre Bezahlung.“ ,,Sie meinen die genetischen Veränderungen ?“ ,,Genau die. Sie sind absolut Loyal. Das wäre man wohl zu jedem, der einen praktisch Unverwundbarkeit anbietet.“ ,,Ich kann sie nicht unterstützen.“ ,,Denken sie doch nach Aaren. Selbst wenn sie mich töten, sterben sie lediglich. Und nicht nur sie…“ Callahan nickte in Richtung Sonea.

,,Können sie noch mehr Tote verantworten ?“ Aaren zögerte. Callahan hatte bedauerlicherweise Recht. Selbst wenn er den Mann jetzt tötete… was brachte es? Außer mehr Toten. Er senkte die Waffe. ,,Lass es gut sein.“ , meinte er an Sonea gerichtet. Einen Moment war Aaren sich sicher, dass sie den Mann trotzdem töten würde. Ein Aufblitzen der gleichen Wut, die er auch schon auf dem Schiff gesehen hatte. ,,Bitte.“ Zögerlich ließ sie den Soldaten los. ,,Sperrt beide ein. Ich hege keinen Groll gegen sie Aaren. Wenn sie Glück

haben Aaren, überleben sie das ganze sogar.“ Aaren versuchte nicht die Wache abzuschütteln. ,,Wir haben einiges zu tun, ruft alle zusammen.“ , befahl Callahan einem der drei. ,,Sie können nicht…“ , setzte Aaren an, als ihm irgendetwas am Kopf traf. Das letzte was er sah, bevor es um ihm dunkel wurde, war Callahan. ,,Ich kann, ich werde und ich muss.“ Aaren erwachte und konnte einen Moment nur Dunkelheit sehen. Wie lange war er bewusstlos gewesen ? ,,So fühlt sich das also an.“ , murmelte

er, als er versuchte, sich aufzusetzen. Sein Kopf fühlte sich an, als sei er mit Watte gefüllt und… er tastete seinen Hinterkopf ab und fand Blut an seinen Fingern. Aaren sah sich langsam um. Offenbar war er in einem anderen Gebäude. Durch ein kleines Fenster, das viel zu hoch lag, als das es jemand hätte erreichen können, fiel Licht herein. Ansonsten war der Raum dunkel und bestand aus dem gleichen Fertigmaterial, wie die übrigen Gebäude, die er hier gesehen hatte. Billig, aber immer noch zu stabil, um hier irgendwie rauszukommen. Ein Blick zur Tür zeigte ihm, dass diese geschlossen war.

Aaren versuchte aufzustehen und kam langsam auf die Füße. Ihm war schwindlig und schlecht. Gehirnerschütterung dachte er. ,,Einfach Großartig.“ Sie hatten ihm seien Waffen gelassen. Aber natürlich keine Munition. Mit Gewalt könnte er die Tür vielleicht öffnen, aber nicht in seinem Momentanen Zustand. Aaren musste sich setzten, als ein weiterer Schwindelansatz die Welt um ihn herum zum Drehen brachte. Das war überhaupt nicht gut. Eine kalte Berührung an seinem Arm ließ ihn zusammenzucken.

Es war Sonea. Irgendwie hatte er gar nicht mehr an sie gedacht. Goldene Augen musterten ihn aus der Dunkelheit mit einem Ausdruck von… Sorge ? ,,Alles in Ordnung.“ , sagte Aaren. Es war beunruhigend Leise. Wenn sie noch in Callahans Lager waren, dann sollte draußen eigentlich reger Betrieb herrschen. Dem war aber nicht so. Aaren weigerte sich darüber nachzudenken, was das heißen konnte. ,,Wie lange war ich weg ?“ Sonea antwortete nicht. Wie auch ? Er bezweifelte, dass sie das Konzept von Stunden kannte. Für Wesen, die praktisch nur an Altersschwächer sterben

dürften, war Zeit ohnehin wohl etwas völlig anderes. Sonea allerdings schien bleich zu sein, soweit das für Aaren erkennbar war und atmete definitiv schwerer. ,,Wie lang bist du schon aus dem Wasser ?“ Natürlich wieder eine Frage, auf die sie keine Antwort geben konnte. Wenn er davon ausging, das er lange genug bewusstlos war, das Callahan offenbar mit einem Teil seiner Leute verschwinden konnte… Vier, vielleicht fünf Stunden ? Aaren sah sich rasch noch einmal in dem kleinen Raum um. Es gab keine Einrichtung und so fand er schnell, was er gesucht

hatte. Eine Flasche Wasser. Mit einiger Anstrengung schaffte er es an die Flasche zu kommen. Wie Callahan gesagt hatte… er hatte kein Interesse daran, Aaren zu töten. Dazu zählte wohl auch, dass er ihn nicht verdursten lassen wollte. Allerdings war das Wasser nicht für ihn. ,,Hier.“ Aaren hielt Sonea die Flasche hin. Sie machte keine Anstalten, das Wasser zu nehmen. Sie macht sich Sorgen um mich. Und vermutlich hatte Sonea aus ihrer Sicht auch allen Grund dazu. Ich muss ihr unglaublich schwach

vorkommen und vor allem zerbrechlich. ,,Glaub mir, ich halte noch länger ohne Wasser durch als du.“ Auch wenn er sich selbst elend fühlte, er würde es wohl überstehen. ,,Bitte.“ Jetzt erst nahm sie die Flasche zögerlich entgegen. ,,Jetzt müssen wir wohl irgendwie schnell hier raus.“ , stellte Aaren fest. Er versuchte wieder aufzustehen wurde aber von Soena zurückgehalten. ,,Was ?“ Eine kalte Hand strich über die Platzwunde an seinem Kopf. Sie wollte ihn heilen. ,,Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Ich schaffe das auch so.“ , sagte er.

Und viel wichtiger, er wusste nicht, ob das Sonea in ihrem Zustand nicht Schadete. Immerhin war es ihr Blut. Sie schien skeptisch. Aaren setzte sich vorsichtig wieder und sah einen Augenblick ins Leere ,,Warum hilfst du mir ? Und tu nicht so, als könntest du mich nicht verstehen.“ ,,Cal.. Callahan ?“ ,,Was ist mit…“ Es war keine Frage gewesen, wie ihm klar wurde. ,,Warum ich ihn nicht getötet habe ?“ . Er musste über die Frage nachdenken. Eine Weile verfolgte er einfach die Staubkörner, die durch den Lichtstrahl vom Fenster nach unten sanken. Schließlich meinte er : ,,Warum hast du

den Soldaten nicht getötet wenn du es für richtig gehalten hättest ?“ ,,Vertrauen.“ ,,Du hast keinen Grund dazu.“ Sonea reagierte nicht. Stattdessen breitete sich Wärme und ein leichtes brennen in seinem Körper aus. Aaren tastete nach der Wunde. Sie war verschwunden und auch seine Übelkeit und das Schwindelgefühl. Nur eine kahle Stelle zwischen seinen Haaren blieb zurück. ,,Alles in Ordnung ?“ , fragte er, als er langsam aufstand. Sie nickte zwar, aber Aaren musste ihr trotzdem aufhelfen, als er zur Tür ging. Von innen gab es keinen Türgriff, aber

sie ging nach außen auf. Vermutlich war dieser Ort nur ein provisorisches Gefängnis und nicht wirklich für diesen Zweck gebaut worden. Einige Sekunden später bestätigte sich Aarens Verdacht, als die Tür unter einem einzigen Tritt aufflog. Sofort blendete ihn die Sonne, die nur noch eine Handbreit über dem Horizont stand Das war fast zu einfach. , dachte er, während er nach draußen trat. Wie er bereits befürchtet hatte, schien die Umgebung wie ausgestorben. Sie befanden sich noch im Lager, genauer gesagt, ein Stück weit über dem Hafen. Aber nirgendwo war jemand zu

sehen. ,,Ist vermutlich auch besser so.“ , meinte Aaren, während er sich zu Sonea umdrehte. Es fiel ihm leicht, den Ausdruck auf ihrem Gesicht zu lesen. Was jetzt ? Sie , oder zumindest er, saß immer noch hier fest. ,,Nun, eigentlich hab ich nur bis hier geplant.“ , meinte er, ,,Wir müssen so schnell wie möglich Callahan einholen. Oder besser noch direkt zum Hive und sie warnen. Sie dürfen auf keinen Fall einen Auflösungsbefehl auch umsetzen, egal was passiert.“ Er sah hinunter zum Hafen, wo sich, soweit er das sehen konnte nur noch ein

einziges Schiff befand. Vielleicht haben sie das einfach nicht mehr gebraucht, dachte Aaren. Oder es war doch noch jemand hier… Er betrat das erste Haus, das sich gegenüber des provisorischen Gefängnisses befand uns sah sich um. Eine große Fensterfront ging auf den Hafen hinaus und erlaubte Aaren sich einen besseren Überblick zu verschaffen, ohne selber zu offen zu stehen. Zwei Personen in dunkler Kampfausrüstung standen vor dem verbliebenen Schiff. Wenn das wirklich alles ist, was Callahan zurückgelassen hat, dann haben wir vielleicht Glück, dachte er, während er rasch ein paar Schubladen

durchsuchte und tatsächlich ein paar Patronen zu Tage förderte. Das musste einfach reichen. Aaren trat zurück nach draußen. ,,Noch ein Schiff übrig und zwei Wachen. Ich bezweifle, dass wir an denen einfach vorbeikommen.“ , sagte er. Zumindest nicht ohne sie zu töten. ,,Hör zu, ich kann nicht beide gleichzeitig ausschalten und du kommst nicht an ihnen vorbei ins Wasser also…“ Er hielt ihr eine der Pistolen mit dem Griff zuerst hin. ,,Ich hoffe du kannst damit umgehen.“ Sonea machte einen Schritt rückwärts. Wieso diese Abneigung gegen Waffen ? Mit dem töten schien sie keine Probleme

zu haben. ,,Ich weiß das dir das nicht gefällt.“ , sagte Aaren ruhig. ,,Aber ich bezweifle, dass wir eine andere Wahl haben.“ Langsam nahm sie die Waffe entgegen. ,,Schieß nur, wenn du dir sicher bist.“ , wies Aaren sie an, während sie versuchten so nahe wie möglich an den Hafen heranzukommen, ohne gesehen zu werden. Offenbar waren die zwei zurückgelassenen Wachleute nicht sehr aufmerksam. Oder sie hatten Glück. Aaren duckte sich hinter der letzten Häuserfassade. Einer der Männer stand mit dem Rücken zu ihnen und murmelte irgendetwas, der andere sah sich immer wieder um, aber

nicht aufmerksam, sondern her gelangweilt. ,,Warum zur Hölle musste jemand hier bleiben ?“ Der angesprochene zweite Wachmann zuckte die Schultern. ,,Werst du ernsthaft lieber da draußen ?“ ,,Das ist weniger langweilig.“ Aaren zielte auf den ersten der Männer, der mit dem Gesicht zum Wasser stand. ,,Langweilig ? Ich denke…“ Die Kugel traf den Posten zwischen die Augen und riss ihn von den Füßen. Aaren ging noch bevor der Mann auf dem Boden aufschlug wieder in Deckung. Der zweite verbliebene Wachposten

regierte sofort und machte sich gar nicht erst die Mühe nach dem Toten zu sehen. Stattdessen riss er die Waffe hoch und feuerte auf die Stelle, an der Aaren ein paar Sekunden zuvor noch gewesen wäre. Der Kommissar war jedoch bereits so schnell er konnte zur anderen Seite des Hauses gelaufen und hoffte, den Posten überraschen zu können. Als er grade die Hauswand umrundete, schlug ihm etwas ins Gesicht. Der überlebende Mann hatte den gleichen Gedanken gehabt und ihn an der Wand abgepasst. Aaren ignorierte den Schmerz und feuerte stattdessen halb blind auf die Wache. Die Kugeln trafen ihr Ziel zwar,

aber nicht tödlich. Sein Gegner wurde ein paar Schritte zurückgeschleudert, stand aber langsam wieder auf, während Aaren versuchte, seine Hand ruhig zu halten und zu zielen. Körpertreffer richteten nichts aus, also musste er den Kopf des Mannes erwischen. Leichter gesagt als getan. Ein Knall machte all seine Überlegungen zunichte. Zuerst dachte Aaren, er wäre getroffen worden. Dann sah er, wie der Mann ihm gegenüber taumelte und umfiel. Er drehte sich um. Sonea ließ die Pistole fallen. Und in diesem Moment, glaubte er es zu verstehen. Der Wachmann hatte nie eine

faire Chance gehabt sich zu verteidigen. Körperliche Überlegenheit einem Gegner gegenüber war eine Sache, aber wenn es nichts brauchte, als einen Finger am Abzug um ein Leben auszulöschen… dann wurde es zu einfach. Ein Bewaffneter Gegner war kein Feind, den man verschonen konnte, ohne es vielleicht bereuen zu müssen. ,,Gehen wir.“ , sagte er nur, während er die Waffe aufhob. ,,Du glaubst vielleicht, das war falsch, aber ich denke nicht, das er dir eine Wahl gelassen hätte.“ Aaren wusste nicht, ob Sonea ihm überhaupt zuhörte.

Kapitel 31 Rauch

Wenige Stunden später hatten sie die Insel bereits ein gutes Stück hinter sich gelassen. Die Sonne war nur noch als rötlicher Streifen am Horizont zu sehen. Aaren stand am Bug des Schiffs und versuchte, eine Funkverbindung zum Hive zu bekommen. Vergebens. Entweder waren sie immer noch zu nah an der Insel oder die Atmosphäre des Planeten speilte wieder verrückt. Das Ergebnis war in jedem Fall das gleiche. Auf seine Funksprüche erhielt er nur weißes Rauschen als Antwort. Er legte das Funkgerät weg und überprüfte

stattdessen seine Waffen. Munition hatte er zwar praktisch keine, aber die Prozedur war ihm mit den Jahren so in Fleisch und Blut übergegangen, das er kaum darüber nachdenken musste. So blieb ihm unbequem viel Zeit zum Nachdenken. Sie lagen mindestens vier Stunden hinter Callahans Flotte zurück und sie würden mindestens einen Tag für die Rückreise brauchen. Aaren konnte nur hoffen, das ihnen genug Zeit blieb. Denn wenn nicht… er vermied es so gut wie möglich, darüber nachzudenken. Das Schiff selbst war etwas größer als das mit dem er ursprünglich nach Sonea und dann nach dem Gouverneur gesucht

hatte, besaß aber, im Gegensatz zu den Minenschiffen, die Callahan gestohlen hatte keinerlei Bewaffnung. Vermutlich war das auch der Hauptgrund, warum man das Schiff zurückgelassen hatte. Bei dem, was Callahan nun vorhatte, war es schlicht nicht von nutzen. Er würde den Hive angreifen… und Vämskä würde tun, was man von ihm erwartete. Die Bedrohung eliminieren. Aaren sah ins Wasser und suchte nach Sonea. Sie hatte sich nicht an Bord des Schiffs begeben, sondern schwamm lediglich daneben her. Die Geschwindigkeit des Wesens überraschte ihn dabei, sie hielt mühelos mit, ohne das geringste Zeichen von Anstrengung.

Sie tauchte ein paar Meter entfernt vom Schiff aus dem Wasser auf. Aaren konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Gab es etwas schöneres, als ein Wesen zu beobachten, das einfach völlig in seinem Element war? Eine Göttin der See… und was waren Menschen dann? Anfangs sicher die Herren über Erde und über das Feuer. Später auch über den Himmel und das Wasser. Und dann darüber hinaus. Wenn er länger darüber nachdachte, so waren Menschen wohl keinem wirklichen Lebensraum mehr zuzuordnen. Aaren stand auf und überprüfte kurz den Kurs des Schiffs. Es gab eine kleine

Brücke auf dem Deck, von der aus er das Schiff steuern konnte. Das Ortungsgerät funktionierte immer noch nicht richtig, aber zumindest bekam er eine ungefähre Positionsanzeige. Solange sie nicht weiter von der Insel entfernt waren konnte er nur weiterhin einen ungefähren Kurs halten. Wie viel sich doch so schnell geändert hatte. Es schein ihm, als hätte er die letzten fünf Jahre seines Lebens nicht selbst gelebt. Als wäre das jemand anderes gewesen… "Accidit in puncto, quod non speratur in anno.“ Ein Motto, das er einmal von einem anderen Kommissar gehört hatte. ,, In einem Augenblick kann geschehen, was man sich in einem Jahr nicht erhofft

hätte“ , murmelte Aaren, als er wieder nach draußen trat. Es kam ihm irgendwie richtig vor. Aaren trat wieder an die Reling und spähte ins Wasser. Sonea war nicht mehr als ein Schemen, der neben dem Schiff durchs Wasser glitt. ,,Sonea.“ Es gab noch eine Sache, die Aaren wissen musste. Er war sich nicht sicher, ob sie ihn unter Wasser hörte. Einen Moment später bekam er jedoch schon die Antwort darauf, als das Wesen bereits die Reling hinaufkletterte und sich aufs Schiffsdeck zog. ,,Hör zu. Wenn wir den Hive erreichen,

kann ich für nichts garantieren. Wenn deine Leute mich angreifen, werde ich mich verteidigen. Auch wenn ich Versuchen werde niemanden zu töten. Kannst du das verstehen? Mir bleibt vielleicht keine andere Wahl.“ Sonea antwortete nicht, aber Aaren war diesmal nicht bereit, sich mit Schweigen zufrieden zu geben. Das war zu wichtig. Wenn er es zurück schaffte, würde er sich entweder kurz vor oder vielleicht bereit mitten in einem Kampf wiederfinden. Sie machte ein paar Schritte rückwärts. Verunsichert oder… war sie wütend auf ihn? Natürlich, die Frage stieß sie vermutlich vor den Kopf aber… ,,Sonea,

ich muss einfach eine Antwort haben.“ Sie gab keine Antwort, sondern stand mittlerweile schon an der Reling. ,,Du kannst nicht immer weglaufen. Manchmal muss man sich entscheiden.“ ,,Nachdenken.“ , erwiderte Sonea nur und verschwand mit einem Satz in den Wellen. Er sah ihr nach, bis das Wesen unter den Wellen nicht mehr zu sehen war. ,,Nachdenken.“ Aaren schüttelte den Kopf, weil es ihm wie eine Ausrede vorkam. Eine Ausrede in einem einzigen Wort. Mittlerweile war es fast vollkommen dunkel geworden. Er machte sich daran, das Schiff, das nur über ein Unterdeck

verfügte nach etwas essbaren zu durchsuchen. Es gab eine Bordküche, allerdings waren die Schränke bis auf einige Konserven und einen Wasserbehälter vollkommen leer. Aaren zwang sich selbst, zumindest etwas zu essen, ließ dann aber doch einfach alles stehen. Entweder, sie kam zurück oder eben nicht. Jetzt konnte er daran nichts mehr ändern, aber… irgendwie wünschte er sich, nicht gefragt zu haben. Er würde einfach weitermachen müssen. Das war das erste Mal seit langer Zeit, das er glaubte, sein altes Leben als Kommissar ein wenig zu vermissen. Es war zumindest einfach

gewesen. Irgendwann zwang er sich dazu, aufzustehen und sich einen Schlafplatz auf dem Schiffsdecke einzurichten. So unwahrscheinlich das war, wollte er nicht riskieren, auf Callahans Flotte zu treffen und es zu spät zu merken. Allerdings, dachte Aaren, wäre er dann ohnehin so gut wie tot. Aaren erwachte in völliger Dunkelheit. Offenbar waren erneut Sturmwolken aufgezogen, die den gesamten Himmel bedecken mussten und er hörte das Rauschen der Wellen, die gegen das Schiff schlugen. Es war merklich kälter

geworden und er hatte die Decke verloren. Nichts war zu hören aber trotzdem blieb er ruhig liegen und lauschte. Irgendetwas hatte ihn geweckt. Aaren spähte eine gefühlte Ewigkeit in die Dunkelheit, ohne etwas zu entdecken. Vielleicht hatte er sich einfach getauscht dachte er. Was immer es war, vielleicht war es schon wieder weg. Er war Müde und schon wieder halb eingeschlafen, als sich doch Schritte näherten. Aaren war sich nicht sicher, ob er nicht einfach wieder eingeschlafen war, als sich das Wesen einen Meter entfernt hinsetzte und ihn einfach nur eine Weile

betrachtete. Abschätzend wie es schein. Sie wusste gar nicht, dass er wach war, dachte Aaren. Sonea musterte ihn immer noch. Ihre Goldenen Augen zeigten ein seltsames Wechselspiel von Emotionen und Gedanken. Schuld, Misstrauen, Entschlossenheit… etwas anderes. Langsam, etwas zögerlich legte sie die verlorene Decke über ihn. Aaren hatte seine Antwort. Mit diesem Gedanken schlief er wieder ein. Als er erwachte, war der Geruch von Rauch das erste was ihm auffiel. Langsam stand er auf.

Sonea saß ein paar Schritte entfernt. War sie die ganze Nacht hiergeblieben? Er wusste es nicht, nur das irgendetwas sie veranlasste nach oben zu starren. Im nächsten Moment wurde ihm klar wieso. Der Himmel war mittlerweile wieder klar. Oder wäre es gewesen. Über ihnen zog sich eine einzige pechschwarze Wolke wie eine Wunde quer über den ansonsten blauen Himmel und trug den Brandgeruch mit sich, der ihn geweckt hatte. Nicht den angenehmen Geruch von brennendem Holz sondern den Gestank von schmelzendem Plastik und kochendem

Metall… Aaren setzte sich langsam auf und dachte zuerst, es würde schneien. Kleine, vereinzelte Flocken rieselten vom Himmel und blieben als grauer Belag auf dem Deck des Schiffs liegen. Asche, dachte er entsetzt und rannte zum Bug des Schiffs. Wie erstarrt stand er einen Moment an der Reling. Der Horizont wurde größtenteils von der stahlgrauen Silhouette des Hive eingenommen. Das Wasser um die Anlage herum schein zu brennen, auch wenn das vermutlich auf ausgelaufenen Treibstoff zurückzuführen war. Man hätte meinen können, die Welt

wollte hier Enden. Aaren zählte mindestens dreißig Schiffe um die Anlage herum, manche davon schwer beschädigt, manche noch in Kämpfe verstrickt. Aus der Entfernung konnte er nicht sagen, welche Seite gewann. Noch während er hinsah blitzen an Bord eines der Schiffe mehrere Geschütze auf und zerfetzten ein bereits halb gesunkenes Wrack. Einen Moment glaubte er brennende Menschen zu sehen, die in Wasser stürzten, das ihnen keine Rettung versprach. Ein gewaltiger Schatten schwamm unter das Schiff, das soeben das andere versenkt hatte. Im nächsten Moment verschluckte

scheinbar der Ozean selbst den Schlachtkreuzer. Aber Aaren wusste es besser. Langsam erhob sich ein zerschmetterter Knochenkamm mit einem dunklen Kopf aus dem Wasser. Selbst auf die Entfernung war die Kreatur riesig. Aaren musste sich mehrmals klar machen, das er nur den Kopf sah. Groß genug um selbst für den die Schlacht bisher recht gut überstandenen Hive zur Gefahr zu werden. Aber das Wesen, obwohl wohl mehr als ausreichend, war das einzige Anzeichen, das sich Soneas Volk an dem Kampf beteiligten. Vermutlich würden sich wohl die meisten einfach unter

Wasser versteckt halten. Ein weiteres Minenschiff, das wohl zu Callahans gestohlener Flotte gehörte, ging in Flammen auf. Das Geräusch von berstenden Metall erfüllte die Luft, dann versank das Stahlkonstrukt langsam in den Wellen. Aaren tastete nach seinem Funkgerät. ,,Hier ist Kommissar Aaren Terrel. Ich befinde mich ein paar Meilen vor dem Hive. Wie ist die Lage?“ ,,Verdammt… Aaren… sind sie das wirklich ?“ Er erkannte die Stimme. ,,Ich bin es Abundius. Und ich bin nicht allein, dazu aber später mehr. Jetzt ist erst einmal wichtig, dass ich den Admiral erreiche. Ist irgendwo ein Dock

frei?“ ,,Na ja, wenn sie an dem Schlangenvieh vorbeikommen, das nimmt grade unsere ganze Flotte auseinander.“ ,,Großartig.“ ,,Tut mir leid, aber ich habe selbst kaum einen Überblick. Geschwiege denn irgendjemand.“ Plötzliches Gewehrfeuer im Hintergrund unterbrach Abundius. ,,Verdammt, sieht aus als wäre einige von Callahans Leuten auf der Station. Wir müssen uns zurückziehen. Aaren, ich versuche mich zum Dock durchzuschlagen. Wir treffen uns dort. Eleanor, wir packen am besten ein was geht und dann weg hier.“ ,,Hoffentlich.“ , erwiderte Aaren , dann

riss die Verbindung ab. Im nächsten Moment schlug ein Geschoss kurz vor dem Schiff ins Wasser ein. ,,Einfach Großartig.“ Er lief zurück zur Brücke des Schiffs. Er musste nur irgendwie durch das Schlachtfeld, ohne dabei zu Kleinholz verarbeitet zu werden. Das erste Schiff, das sie passierten war lediglich ein Wrack, das sich irgendwie noch über Wasser hielt. In der Bordwand klaffte ein Loch, das selbst für einen Geschütztreffer zu groß schien und Aaren musste wieder an das riesenhafte Seewesen denken. Wie hatte Sonea es genannt? Levian. Eine Begegnung mit dem wollte er wenn

möglichst vermeiden. Bisher jedoch hatten sie Glück. Offenbar war das Schiff einfach zu unbedeutend, um ein lohnendes Ziel abzugeben, oder es war Callahans Leuten unklar, zu wem das neu aufgetauchte Schiff gehörte. Was auch immer es war, Aaren war dankbar dafür. Das Dock war mittlerweile schon so nah, dass sie es Notfalls auch schwimmend hätten erreichen können. Aaren sah sich kurz nach Sonea um. ,,Gleich geschafft.“ , meinte er. ,,Auch wenn der Tag noch lange nicht vorbei ist.“ Ein verirrtes Geschoss traf das Deck des Schiffs. Ein Feuerball zerschmetterte

die Glasscheibe der Brücke und verwandelte diese in einen Sturm aus messerscharfen Splittern, Aaren und Sonea hatten das Glück vorher von der Druckwelle umgeworfen zu werden, trotzdem schnitt irgendetwas Aarens Stirn auf, bevor er auf dem Boden aufschlug. Im selben Moment rammte das Schiff, jetzt führungslos, das Dock des Hive. Die Schiffswand gab ein knirschendes Geräusch von sich, dann blieb Aaren hustete, als er wieder auf die Füße kam. Er blinzelte im Rauch, den die Explosion hinterlassen hatte und klopfte Staub und Glassplitter aus seiner Kleidung. Aus einer, zum Glück nicht

tiefen, Wunde an seiner Stirn sickerte Blut. ,,Alles in Ordnung ?“ , fragte er. Sonea stand bereits wieder auf den Füßen. Natürlich unverletzt. Die Kratzer, mit denen er sich Tag oder Wochenlang herumärgern musste, heilten bei ihr in ein paar Sekunden oder Minuten. ,,Ich bin fast neidisch.“ , meinte Aaren. Das was von der Brücke noch übrig war, lag in Trümmern, aber dafür hatten sie zumindest das Dock erreicht. Das Schiff hatte eines der Piers gerammt und sich daran verkeilt. Er trat nach draußen, auf das halb zertrümmerte Deck. Was immer sie getroffen hatte, hatte den

Schiffsrumpf praktisch entzwei gerissen. Aaren kletterte einige Trümmer hinab, bis er den Pier erreichte, während Sonea einfach ins Wasser sprang. ,,Aaren.“ Er sah sich um und entdeckte Abundius, der, gefolgt von Eleanor und zwei Elektorats-Soldaten auf den Pier hinausgerannt kam. Der Mann schien in ähnlich schlechtem Zustand wie Aaren selbst. Eine übel aussehende Brandwunde am Arm zwang ihn dazu, den Koffer den er trug und eine Pistole in einer Hand zu halten. Trotzdem brachte er ein Grinsen zustande. ,,Legen sie immer so an ?“ ,, Es ist nicht so, dass ich mir das ausgesucht hätte. Und ich war noch nie

so froh sie zu sehen, das können sie mir glauben. “ , erwiderte Aaren. ,,Geht es allen gut ?“ ,,Uns soweit schon.“ , meinte Eleanor. ,,Aber… die sind praktisch ohne Vorwarnung aufgetaucht. Wir gewinne zwar, glaube ich, langsam die Oberhand, aber… keiner weiß wirklich etwas.“ Aaren sah sich nach Sonea um, konnte aber nichts entdecken. ,,Suchen sie etwas ?“ Er hielt es für besser, erst einmal zu schweigen. ,,Nein, nichts. Wo ist der Admiral, oder Hannah? Irgendjemand, der das Kommando hat ?“ ,,Wie gesagt, das ist momentan alles ein heilloses Chaos. “ , sagte Abundius, Er

wendete sich an einen der Elektoratssoldaten. ,,Schauen sie mal, ob sie Vämskä erreichen.“ Der Mann nickte und ging ein paar Schritte zurück, während er auf sein Funkgerät einsprach und auf eine Antwort wartete. ,,Was ist überhaupt los ? Etwas, das wir wissen sollten ?“ ,,Das zu erklären konnte etwas dauern…“ Der Steg wurde durch irgendetwas erschüttert. Kein Geschoss, wie Aaren klar wurde. Sondern etwas anderes. Größeres. ,,Was… was war das ?“ , fragte Abundius. ,, Das wollen sie gar nicht wissen.

Lauft, zurück in die Anlage, sofort.“

Kapitel 32 Leviatha

Weder Abundius, Eleanor oder die zwei Soldaten zögerten eine Sekunde. Aaren warf immer wieder hektisch einen Blick zurück, während sie rannten, aber natürlich war nichts zu sehen. Trotzdem wusste er, das ihnen die Zeit davonlief. Die Tür ins Innere des Hive lag nur noch gut zwanzig Meter entfernt und der erste der Soldaten hatte sie fast erreicht. Nur noch ein Moment… Ein Teil des Stegs wurde in einer Wasserfontäne in die Luft geschleudert,

als etwas aus dem Wasser auftauchte. Dunkel, fast schwarz. Einer der Soldaten verschwand in den Wellen, als der Steg unter ihm wegbrach. Aaren blieb stehen. Ein Augenloser Kopf mit einem Knochenkamm tauchte auf, griff aber nicht an. Noch nicht zumindest. Der überlebende Soldat gab ein paar Schüsse auf das Wesen ab, richtete aber nichts aus. Die Kugeln waren für den Levian vermutlich nicht mehr als Mückenstiche. ,,Waffen runter.“ , meinte Aaren. ,,Was ? Sind sie irre?“ ,,Sie richten sowieso nichts gegen das Vieh aus, Waffen runter.“ Der Soldat zögerte. ,,Ich hoffe wirklich

sie wissen was sie tun.“ , meinte er schließlich und senkte langsam die Waffe. ,,Was haben sie vor ?“ , wollte Abundius wissen. ,,Das weiß ich auch nicht, ich hoffe nur es funktioniert.“ , erwiderte er. Langsam nahm er seine eigenen Waffen und legte sie ein Stück entfernt auf den Boden. Der gewaltige Kopf schien sie zu mustern, aber ohne Augen…schein das ziemlich sinnlos. Wasser lief der Kreatur aus dem Maul. Minuten schienen zu vergehen, in denen sie weder angegriffen wurden, das Wesen vor ihnen aber auch nicht weniger bedrohlich

wirkte. Dann versank der Kopf, langsam, so langsam, das Aaren es erst gar nicht bemerkte, wieder im Wasser. ,,Was zur….“ Abundius schien es tatsächlich einmal die Sprache verschlagen zu haben. ,,Woher wussten sie, das das funktioniert?“ ,,Wusste ich nicht.“ , erwiderte er. ,,Aber... ich habe ein bisschen was gelernt in den letzten Tagen.“ ,,Dumm.“ Aaren drehte sich um, als er die Stimme erkannte. Sonea. Wieder einmal war Aaren überrascht, wie Leise sie sich bewegen konnte und fragte sich insgeheim auch, wie lange sie schon dastand.

,,Danke für die Hilfe.“ , meinte er sarkastisch. ,,Wenn das nicht geklappt hätte, wäre ich jetzt Fischfutter.“ ,,Ist das…“ Abundius musterte das Wesen. Der verbleibende Elektorats-Soldat sah ratlos zwischen Aaren und den anderen und Sonea hin und her. ,,Keine Sorge, die gehört zu uns.“ , sagte Aaren. Der Überlebende Soldat entspannte sich etwas. ,,Sonea, es ist alles In Ordnung.“ , fügte er hinzu, ohne zu wissen ob das stimmte. ,,Kann sie uns verstehen ?“ , wollte Eleanor wissen. ,,Lange Geschichte.“ , erwiderte Aaren.

,,Aber die Kurzfassung wäre wohl, ja.“ ,,Das ist unglaublich… haben sie eine Ahnung…“ ,,Abundius, wir sind mitten in einem Krieg, wenn ich sie daran erinnern darf.“ ,,Ja natürlich…“ ,,Also, hat irgendjemand Vämskä erreicht ?“ ,,Ich hatte kurz Kontakt mit ihm, bevor dieses… Ding aufgetaucht ist.“ , meldete sich der verbliebene Elektorats-Soldat. ,,Und ?“ ,,Offenbar haben er und einige andere die Landeplattformen gesichert, nachdem einige von Callahans Leuten auf die Station gelangt

sind.“ ,,Und davor ?“ ,,Ich weiß nicht, es gab eine routinemäßige Besprechung mit dem Ministerrat und dann… na ja, das sehen sie ja.“ Aaren nickte. Aber… was wollte Callahan mit Soldaten auf der Station? War der Gouverneur vielleicht selbst hier? Das wichtigste war jetzt, Vämskä zu erreichen, bevor etwas Schlimmeres geschah. ,,Wissen sie auf welcher Plattform sie sind ?“ ,,Ich denke die Plattform auf der dritten Ebene, man kann sie von hier sehen.“ Der Soldat deutete auf einen kaum

erkennbaren Schatten in der Ferne, der sich an der Außenwand des Hive befand und gut zwanzig Meter über dem Wasser schwebte. ,,Gut, dann wissen wir, wo unser Ziel liegt.“ ,,Was ist den überhaupt los ?“ , wollte Eleanor wissen. ,,Das Ganze ist ein Abgekartetes Spiel.“ , erwiderter Aaren. ,,Callahan setzt darauf, das ein Auflösungsbefehl erteilt wird.“ ,,Das ergibt keinen Sinn, er wäre dann auch tot.“ ,,Vielleicht, vielleicht nicht, das wichtigste ist, er will , das es das gesamte Elektorats-Gebiet erfährt. Das

jeder sieht, welche Methoden das Elektorat benutzt.“ ,,Sir, ich würde…“ setzte der Elektorats-Soldat an. ,,Klappe halten, ich weiß was ich grade gesagt habe. Haben sie damit ein Problem?“ , fragte Aaren wütend. ,,Oder Unterstellen sie einem Kommissar sogar Verrat ?“ ,,N…Nein Sir.“ ,,Gut, dann los.“ Der Hive hatte sich sichtlich verändert. Nicht nur waren nur noch wenige Leute unterwegs, und wenn dann in bewaffneten Gruppen, auch hatte man aus irgendeinem Grund die Beleuchtung

gedämpft und durch die großen Deckenfenster, die die Hallen der Anlage ausmachten fiel aufgrund des Rauchs kaum genug Licht. ,,Was ist in meiner Abwesenheit passiert ?“ , fragte Aaren. Zusammen mit dem überlebenden Soldaten des Elektorats bildete er die Spitze der kleinen Gruppe, während Sonea, Abundius und Eleanor etwas zurückblieben. ,,Nicht viel, es gab ein paar Gerüchte, das Callahans Leute sich zurückziehen, als würden sie sich irgendwo sammeln aber das hier…“ Abundius zuckte die Schultern, während er erneut Sonea musterte. ,,Das ist das Wesen, was wir auf der Salmakis befreit haben, oder

?“ ,,Genau das.“ , erwiderte er. Irgendetwas ließ ihn langsamer werden und schließlich anhalten. Sie befanden sich am Zugang zu einer großen Halle, vielleicht noch ein paar hundert Meter von den Landeplattformen entfernt. Einige verlassene Geschäfte befanden sich auf der linken Seite, während die Rechte von einem Fenster eingenommen wurde, das hinaus aufs Meer ging, wo nach wie vor die eigentliche Schlacht tobte. ,,Was ist ?“ ,,Ich habe nur ein ziemlich ungutes Gefühl.“ , erwiderte Aaren. ,,Lasst uns einfach Vorsichtig

sein.“ ,,Zum Teufel, wir haben keine Zeit.“ Der Elektorats-Soldat drängte sich an ihm vorbei. ,,Nicht.“ Aaren versuchte ihn noch zurückzuhalten, war aber zu langsam. Der Mann trat in die Halle hinaus. ,,Sehen sie, nich…“ Weiter kam er nicht, als ihn eine Kugelsalve aus einem der verlassenen Geschäfte traf und er zusammensank. Aaren handelte fast instinktiv und feuerte auf das Fenster, aus dem die Schüsse gekommen waren. Ein Schmerzerfüllter Schrei zeigte ihm, dass er sein Ziel getroffen hatte. Rasch trat er zu dem getroffenen Soldaten

herüber. ,,Idiot. Was rennt er auch einfach los.“ Abundius machte ein paar Schritte in den Raum, Aaren bedeutete ihm aber, zu bleiben wo er war. Der Mann war tot. Langsam wendete er sich dem zerschossenen Schaufenster zu. Der Schütze hingegen, lebte noch. Aaren hatte ihn zwar in den Brustkorb getroffen, aber die Wunde heilte bereits. Die schwarze Panzerung die er trug hatte wohl einen Großteil der Wucht der Kugel abgefangen. Trotzdem hatte ihn die Kugel zu Boden geschleudert und halb bewusstlos werden lassen. Aaren trat das Gewehr des Mannes außer

Reichweite. ,,Ist noch jemand hier ?“ ,,Wer…“ Der Schütze schien seine Umgebung grade erst wieder wahrzunehmen. ,,Ich habe gefragt, ob sich noch welche von euch in diesem Teil der Station aufhalten.“ ,,Weiß nicht. Alles ein heilloses Chaos hier. Callahan ist… er hat den Befehl gegeben und ist mit mehreren Landungsschiffen hierher…“ ,,Callahan ist auf der Station ?“ Der Mann nickte. ,,Glauben sie mir, ich lüge nicht. Ich will nicht sterben.“ ,,Wo will er hin ?“ ,,Keine Ahnung. Ich bekomme

Anweisungen und befolge sie, mehr nicht. Mir erzählt doch keiner was.“ ,,Dann gebe ich ihnen jetzt eine Anweisung. Laufen sie und hauen sie hier ab, wenn sie eine Gelegenheit bekommen. “ Was hatte Callahan nur vor? Diese Frage ging Aaren nicht mehr aus dem Kopf, während sie ihren Weg fortsetzten. Das war dich idiotisch, oder? Callahan würde nicht entkommen, selbst wenn der Auflösungsbefehl gegeben wurde, oder bereits erteilt worden war. Es sei denn… Es sei denn er wollte nicht entkommen. Aber… Er kam nicht dazu, den Gedanken weiter zu verfolgen, denn in diesem Moment

erreichten sie endlich die Landeplattform. Wind schlug ihm entgegen, als er gefolgt von Abundius, Sonea und Eleanor nach draußen trat. Unter ihnen schlugen die Wellen gegen die Stützpfeiler des Hive und schwemmten Wrackteile und verbrannte Körper an, die bereits von der nächsten Welle wieder ins Meer gespült wurden. ,,Und ich will, dass jemand diese Landungsschiffe sichert. Der kommt mir hier nicht weg.“ , rief eine Aaren vertraute Stimme über den Wind. Neben einem Transporter, mit dem Callahan oder einige seiner Leute wohl auf die Station gekommen waren, stand , zusammen mit einer Gruppe Soldaten in

Elektorats-Uniformen, Admiral Vämskä und erteilte Anweisungen. Aaren entdeckte außerdem Hannah, die damit beschäftigt war, einer weiteren Gruppe Anweisungen zu geben. ,,Die unteren Ebenen sind noch nicht gesichert und der Verwaltungskomplex auch nicht. Wenn wir das nicht…“ ,,Admiral.“ Aaren machte auf sich aufmerksam und sofort richteten sich zwanzig Gewehrmündungen auf ihn, bis er und die anderen erkannt wurden. Das hieß bis auf Sonea natürlich. ,,Es ist in Ordnung.“ , sagte Aaren, aber keiner der Männer senkte die Waffen. Vämskä wendete sich ihm erst jetzt zu. ,,Sie waren lange Weg.“ , war sein

einziger Kommentar, als er die Neuankömmlinge musterte. Aaren hatte weder Zeit noch Lust sich lange zu erklären. ,,Admiral, egal was passiert, sie dürfen auf keinen Fall einen Auflösungsbefehl durchführen.“ Vämska schüttelte den Kopf. ,, Das kommt ein wenig spät, Aaren. Der Befehl wurde bereits vor mehreren Stunden erteilt, ich kam nur bisher nicht dazu, ihn durchzuführen, aber die Anweisung steht.“ Er deutete auf das brennende Meer hinaus. ,,Sehen sie sich um, das Elektorat kann eine solche Bedrohung nicht mehr dulden.“ ,,Admiral, sie dürfen diesen Befehl nicht

ausführen.“ ,,Nun genau das Gedenke ich aber zu tun. Ich habe Befehle und im Gegensatz zu ihnen… Kommissar, kann ich sie so überhaupt noch nennen, werde ich die auch durchsetzen.“ ,,Sie tun genau das, was Callahan will. Ich werde nicht zulassen…“ ,,Sie lassen nicht zu ? Ich sage ihnen mal was Terrell, wenn sie mit mir von diesem Planeten verschwinden möchten, bevor die Bomben fallen, sind sie Besser ruhig. Auf sie warten noch ganz andere Anklagen als Befehlsverweigerung.“ Aaren warf Hannah einen Blick zu, die sich Schuldbewusst

wegdrehte. ,,Sie haben mich verraten.“ ,,Das brauchte sie gar nicht, Terrell.“ , antwortete Vämskä, bevor sie etwas sagen konnte. ,, Sie haben sich selbst verraten.“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Ich habe mich gefunden.“ Schneller , als einer der Umstehenden reagieren konnte, hatte er die Waffe gezogen und hielt dem Admiral die Mündung zwischen die Augen. ,,Und sie werden diesen Befehl nicht ausführen.“ Vämskä sah ihm eine gefühlte Ewigkeit in die Augen, dann lachte er nur. ,,Sie drücken den Abzug nicht.“ ,,Wollen sie drauf wetten ?“ Aaren

packte den Griff der Pistole fester. ,,Ganz sicher sogar. Dazu sind sie nicht mehr in der Lage. Also was sind sie, Kommissar oder Feigling?“ Er zögerte, dann lies er die Waffe langsam sinken. Es war das gleiche Dilemma. Er könnte Vänskä töten. Aber die Befehle würde dann nur jemand anders ausführen. Und sie alle würden in jedem Fall sterben. ,,Ein Feigling. Immer gewesen.“ ,,Sind sie wahnsinnig ?“ Es war Eleanor, die plötzlich vorstürmte. Ein Fehler. Die Soldaten waren nun viel zu angespannt und er selbst… viel zu langsam. Eine Kugelsalve traf die Wissenschaftliche Leiterin, die

zurückstolperte… und über die Kante der Plattform verschwand. Das konnte doch einfach nicht sein… Es war so schnell gegangen, das Aaren es nicht einmal richtig registriert hatte. ,,Nein.“ Alles was er tun konnte war nun Abundius zurückzuhalten. ,,Festnehmen.“ Aaren riss sich von dem ersten Soldaten los, der ihn an der Schulter packe wollte. Mit der Hand tastete er an seinem Kragen nach etwas. Wenn das hier so enden sollte… dann musste er etwas tun, solange er die Gelegenheit dazu hatte. Er entfernte die Nadel, die bisher alles mitgemacht hatte, ob nun Schiffbrüche

oder Kämpfe. Das Meerwasser hatte das Justizia-Emblem etwas angegriffen, so dass es einige Patina-flecken aufwies. Trotzdem war es noch immer gut zu erkennen. Er ballte die Hand darum zur Faust. ,,Wenn das das Elektorat ist, dem ich gedient habe, „ , hinter sich hörte er Abundius fluchen, als ihm einer der Soldaten einen Schlag versetzte, Sonea rammte dem ersten, der ihr zu nahe kam, einen Giftdorn in den Hals. Aaren blendete es aus. ,,Dann möchte ich kein Teil mehr davon sein. Ich kündige meinen Dienst auf, alle Eide und Verpflichtungen bin nichtig. Ab diesem Moment, bin ich ein freier Mensch.“ Er

schleuderte das Emblem im hohen Bogen davon. ,,Das war grade ihr Todesurteil Terrell.“ Vämskä schenkte dem an ihm vorbei in die Tiefe fallenden Symbol keine Beachtung. Stattdessen musterte er Sonea. ,,Ein lebendes Exemplar wäre sicher Wertvoller.“ Sie kämpfte immer noch, während die Soldaten weder wagten noch einmal ohne Befehl auf sie zu schießen, noch näherzukommen. Aaren verstand die Drohung nur zu gut. Und hasste, was er tun musste. ,,Sonea… lass gut sein, bitte.“ Sie sah ihn einen Moment Ungläubig an.

Und dieser kurze Augenblick reichte den Elektorats-Soldaten auch schon, des Wesens, sowie Aaren und Abundius endlich habhaft zu werden. Aaren sah sich nach Sonea um, suchte nach den goldenen Augen. Das vertrauen darin war erloschen. Vergib mir, dachte er nur. ,,Schafft sie mir aus den Augen, irgendwohin.“ , befahl Vämskä. Während Aaren jemand die Waffen abnahm. ,,Wo befindet sich Callahan jetzt ?, ich weiß das der Verrückte hier ist.“ ,,Wie es aussieht, ist er im Verwaltungsflügel Sir.“ Jemand gab Aaren einen Stoß nach

vorne. ,,Gut… setzten sie ihn fest. Ich werde mich selbst darum kümmern. Die Büroräume müssen ohnehin zurückerobert werden. Die Kontrollstationen für die Satelliten…“ Aaren wurde endgültig außer Hörweite und über den schmalen Steg weg vom Landeplatz zurück zum Hive gedrängt.

Kapitel 33 Ausweg


,,Weiter Verräter.“ Jemand gab Aaren einen Stoß, der ihn fast zu Boden warf. Er konnte nur versuchen auf den Füßen zu bleiben, während er sich gleichzeitig nach Abundius umsah, der mit gesenktem Kopf hinter ihm herlief. Und Sonea… ,,Was machen wir ?“ Abundius leises flüstern riss ihn aus seinen Gedanken. Fünf Soldaten bewachten sie auf ihrem Weg durch die teilweise im Dunkeln liegenden Gänge des Hive. ,,Was meinen sie… es ist vorbei.“ Sollte einer von ihnen auch nur etwas versuchen, wären sie vermutlich

innerhalb von ein paar Sekunden tot. ,,Sie geben also auf ?“ Aaren antwortete nicht, sondern konzentrierte sich nur darauf, weiter einen Fuß vor den anderen zu setzen. Es gab nichts, das er noch tun konnte. Blind, wie Vämskä war, würde er den Befehl durchführen… jeder hier würde sterben, und Callahans Plan aufgehen. Was nur noch mehr tote bedeuten würde. Und Sonea. Er konnte sich nicht dazu zwingen, ihr längere zeit in die Augen zu sehen. Das war wieder das verängstigte und… hasserfüllte Wesen, das er zuerst auf der Salmakis gesehen hatte. Wieso sie trotzdem ruhig mitging… er wusste es

nicht. Ich habe auf ganzer Linie versagt. , dachte er. Oder ? Nein, ich versage erst, wenn ich aufgebe. Und hatte er aufgegeben? ,,Jetzt ?“ , fragte Abundius. Aaren zögerte. Was hatten sie noch groß zu verlieren? Sie passierten einen schmalen Steg zwischen zwei Gebäuden, der freischwebend über dem Meer hing. Vermutlich war das ganze eigentlich nur ein Wartungszugang, aber bei dem Chaos waren wohl viele Durchgänge einfach blockiert. Der schmale Weg jedoch zwang ihre Bewacher, alle hintereinander zu

laufen. Jetzt oder nie. ,,Jetzt.“ In der Hoffnung, den Soldaten, der hinter hm lief zu überraschen, wirbelte er herum und trat nach dem Schienbein des Mannes. Abundius war geschickter. Er wartete, bis sich einer seiner Bewacher nach dem Tumult umdrehte, um diesen dann zu Boden zu reißen. Aber wenn einer von ihnen nicht in den nächsten Sekunden eine Waffe zu fassen bekam, wären sie erledigt. Aaren versuchte, seinem Gegner das Gewehr zu entreißen, aus der sich ein Schuss löste und einen weiteren Elektorats-Soldaten traf, der versuchte,

ihn zu packen. Die Kugel zerschmetterte ihm die Schulter und lies ihn mit einem Aufschrei zusammensackten. Bevor er den Boden jedoch erreichte, bohrte sich bereits ein Knochendorn in seinen Hals. Kalt musterte Sonea den Mann, als er tot zu Boden sank. Abundius hatte mittlerweile den Soldaten, den er zu Boden gerissen hatte einen Schlag ins Genick verpasst. Bevor der Mann sich davon erholt hatte, trat Abundius ihn in die Seite. Aaren hätte ihm gerne gesagt, das das nichts brachte. Er war wütend, aber den Soldaten traf keine Schuld am Tot von Eleanor. Zumindest nicht er

allein. Als Abundius den Mann schließlich liegenließ, hatte er dessen Waffe in der Hand und hielt damit die zwei verbliebenen Wachen in Schach. Aaren gelang es endlich, seinem Gegner den Arm zu verdrehen Mit einer letzten Drehung, brach er dem Mann das Handgelenk und entriss ihm das Gewehr. ,,Danke.“ Aaren wendete sich an Abundius, der immer noch die zwei überlebenden Elektorats-Soldaten in Schach hielt. ,,Lass sie laufen.“ ,,Ich rate euch, aber auch wirklich zu verschwinden.“ , erwiderte Abundius und ließ die Waffe

sinken. ,,Das war gut. Ich wusste nicht, das sie wirklich kämpfen können.“ , meinte Aaren. ,,Selbstverteidigungskurs… und ein paar wirklich üble Schlägereien.“ Aaren nickte. Sonea… Er sah sich nach dem Wesen um, das ein paar Schritte entfernt stand und ihn lediglich misstrauisch musterte. Das gefiel ihm nicht. Überhaupt nicht… ,,Alles in Ordnung.“ Aaren zögerte, einen Schritt auf Sonea zuzumachen, aber irgendetwas musste er tun. ,,Ich weiß, das…“ Ihm fehlten die Worte, um seinen Vertrauensbruch wirklich auszudrücken. Sie hatte auf ihn gehört

nur um dadurch wieder gefangen zu werden. Das musste ein Schock sein. Vielleicht sogar mehr. ,,Sie hätten dich sonst getötet.“ Er wusste, dass sie ihn verstand, aber der Ausdruck in ihren goldenen Augen änderte sich nicht. Sie trat einen kleinen Schritt zurück, näher an den Rand und damit das Wasser. ,,Warte.“ Er streckte eine Hand aus, vielleicht ein Fehler. Sonea wollte seine Hand lediglich wegschlagen, dessen war er sich später sicher. Trotzdem, ein Knochendorn schnitt über seinen Handrücken. Brennender Schmerz raste seinen Arm hinauf. Aaren ignorierte es, als Sonea mit einem letzten Schritt

rückwärts in der Tiefe und damit im Wasser verschwand. ,,Es tut mir leid.“ Blut tropfte über seine Hand auf den Boden. Auch das ignorierte er. Das Handgelenk fühlte sich taub an und seine Handfläche fast gefühllos. ,,Hat es sie etwa…“ , setzte Abundius an. ,,Das war keine Absicht.“ , erwiderte Aaren, der die Hand schüttelte und hoffte, das seltsame Gefühl, als wäre seine Hand eingeschlafen loszuwerden, das sich kaum merklich sein Handgelenk hinauf ausbreitete. ,,Es war keine Absicht.“ Es durfte keine gewesen sein. ,,Sie müssen… ich weiß nicht.. zu einem

Arzt.“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Keine Zeit.“ ,,Aaren, hören sie mir überhaupt zu ?“ ,,Natürlich.“ Alles schien weit weg zu sein. ,,Erinnern sie sich auch nur ein bisschen an das, was ich ihnen über das Gift erzählt habe.“ Er nickte nur. ,,Das ist mir durchaus klar. Abundius, hören sie, wie viel Zeit bleibt mir, was glauben sie?“ ,,Keine Ahnung… Eine Minute, zehn Stunden… keine Ahnung, aber wir müssen…“ ,,Sie. „ , korrigierte Aaren ihn, Sie

müssen.“ ,,Was ?“ Aarens Kopf arbeitete. Er musste sich schnell etwas ausdenken. ,,Abundius, ich möchte, dass sie eine Landeplattform und einen Transporter suchen.“ ,,Was haben sie vor ?“ ,,Das gleiche wie zuvor. Vämskä aufhalten… und dann Callahan.“ ,,Sie werden Hilfe brauchen.“ Aaren schüttelte den Kopf. ,,Selbst wenn das funktioniert…“ , er zögerte. ,,Warten sie einfach nicht zu lange auf mich, wenn ich nicht auftauche.“ ,,Sie sind wahnsinnig und werden garantiert sterben , wissen sie das ?“ ,

rief Abundius ihm nach, als er Aufstand und über die Brücke zurück ins Innere des Hive rannte. ,,Sehens sie Positiv. Bringt mich das Gift bis dahin nicht um, schafft es vielleicht eine Atombombe.“ , erwiderte Aaren. Er musste zum Verwaltungsbereich. Wenn Callahan dort war… würde auch Vämskä auf dem Weg dahin sein. Alles auf eine Karte setzen… Er hielt kurz inne, als er einen der Transportaufzüge erreichte, das war es doch, was er hier tat. Das Gefühl in seiner verletzten linken kehrte etwas zurück. Aaren wusste nicht, ob das gut oder schlecht war. Für das

was vor ihm lag war es jedoch definitiv einfacher. Diesmal konnte er nicht darauf achten, niemanden zu verletzten. Wenn er noch einmal ein Kommissar sein musste, dann sei es so, dachte Aaren. Aber niemals wieder. Seine Sicht schien kurz zu verschwimmen, als er aus dem Fahrstuhl auf den Gang hinaus trat. Trotzdem bemerkte er die kurze Bewegung zu seiner rechten, legte mit dem Gewehr an und feuerte. Ein Schmerzschrei, dann stille. Ein Mann in Elektorats-Uniform lag tot auf

dem Boden. Aaren musste sich einen Moment an einer der hier vereinzelt den Flur säumenden Säulen abstützen, bevor er weiterging. Wenn Callahan hier war… wohin würde er wollen? Ihm fiel eigentlich nur ein Ort ein, der von Interesse für den Gouverneur sein könnte. Sein Büro. Wenn es dort etwas gab… Natürlich gab es dort etwas. Kommunikationsanlagen, Callahan hatte von einer Nachricht gesprochen, wenn er also irgendetwas ins Elektorats-gebiet senden würde, dann von dort. ,,Stehenbleiben.“ Aaren hielt an, als er die Stimme erkannte. Dann drehte er

sich langsam um. Hannah Favelli stand ihm wenige Meter entfernt gegenüber. Mit zwei Pistolen bewaffnet, die Aaren wiedererkannte. Dass sie mit seinen eigenen Waffen auf ihn Zielte hatte schon etwas Ironisches, dachte er. ,,Wollen sie mich wirklich erschießen ?“ ,,Wenn ich muss.“ Warum kam es ihm so vor, als hätte er dieses Gespräch bereits geführt, nur… aus vertauschten Perspektiven. ,,Sie töten mich nicht.“ , mit diesen Worten drehte er sich um. Eine Kugelsalve ließ ihn stehenbleiben. Ein Projektil flog knapp an seinem Kopf vorbei, ein anderes streifte seine rechte

Schulter, verletzte ihn aber nur leicht. Er spürte ein gutes Dutzend weiterer Kugeln, die an ihm vorbeiflogen. ,,Sehen sie.“ , meinte Aaren. Als Antwort jagte eine weitere Kugel knapp an ihm vorbei und schlug in die Wand hinter ihm, als er sich umdrehte. ,,Wie viele Kugeln haben sie überhaupt noch ?“ ,,Eine reicht um sie zu töten.“ Die Waffe blieb auf ihn gerichtet. ,,Ich bin schon tot Hannah. Genauso wie jeder hier, wenn sie mich das hier nicht beenden lassen.“ ,,Das Elektorat…“ ,,Das Elektorat ist ein Haufen alter Männer und Frauen. Sonst nichts. Sie

mögen ja einmal edle und gute Ideen gehabt haben, aber diese Zeit liegt lange zurück. Lassen sie es einfach.“ Sie ließ die Waffe sinken. ,, Sie klingen wie Callahan.“ ,,Sie haben ihn ?“ ,,Der Admiral… redet selbst… mit ihm.“ ,,Dann müssen sie mich gehen lassen Hannah. Noch ist Zeit das alles zu beenden.“ ,,Das kann ich nicht.“ ,,Doch, das können sie. Es ist gar nicht so schwer, das richtige zu tun, wenn man es einfach zulässt.“ ,,Tut mir leid, aber das hier ist das richtige.“ Sofort richtete sich die Pistole wieder auf ihn. ,,Leben sie

wohl.“ Aaren schloss die Augen. ,,Sie auch. Es tut mir leid.“ Dann sollte es wohl so sein… ,,Ich habe sie wirklich gemocht, Aaren…“ Stille, dann ein Schuss. Aaren öffnete die Augen langsam wieder und sah grade noch, wie Hannah in sich zusammensackte. Nein … Verflucht. Musste er wirklich immer alle verlieren? , dachte er, der Verzweiflung nun so nahe, wie schon seit fünf Jahren nicht mehr,. Unfähig das richtige zu tun… hatte sie nur noch diesen Ausweg gesehen? Er sollte die Antwort nie erfahren. Hannah

Favelli war tot. Aaren trat langsam einen Schritt zurück. Warum ? Das war die einzige Frage, die er sich stellte, als er seine Pistolen aufhob. Nie wieder, dachte er dabei. Er würde die Waffen zerstören, wenn er es hier raus schaffte, das schwor er sich. Er hätte das letzte Opfer seiner eigenen Waffen sein sollen. Sonst niemand. Er ging weiter, auch wenn ihm jetzt immer wieder schwindlig wurde. Callahans Büro konnte nicht mehr weit sein. Irgendwann stand er dann endlich vor der Tür und trat ohne zu zögern hindurch.

Aaren war nicht mehr hier gewesen, seit der Admiral das Büro des Gouverneurs übernommen hatte Die Bücherregale waren verschwunden, der Schreibtisch hingegen war noch da. Ein Schwerthalter hatte den Platz des Regals eingenommen. Und vier Soldaten richteten sofort die Waffe auf ihn, In der Mitte des Raums kniete Callahan auf den Boden, eine Waffe an der Schläfe. Er schien Aaren aus den Augenwinkeln war zunehmen, reagierte aber weder Überrascht, noch sonst wie. Eher ängstlich. Vämskä hingegen, der dem Gouverneur die Pistole an den Kopf drückte, drehte sich zu hm

um. ,,Ich hätte nicht damit gerechnet, dass sie hier auftauchen.“ , sagte er ruhig. ,,Allerdings grade rechtzeitig, das ich alle Verräter auf einmal erledigen kann. Nicht wahr ?“ , fragte er an Callahan gerichtet. ,,Nicht. Ich stelle mich allem aber tuen sie nic…“ Der Admiral drückte den Abzug. Callahan sank zusammen. Das der Gouverneur tot war kümmerte Aaren weniger, als der Umstand, dass er noch etwas hatte sagen wollen. Er wollte noch etwas sagen… Und selbst das hatte man ihm letztendlich verweigert. ,,Sie würden nicht um ihr Leben betteln

wie er.“ , meinte Vämskä ungerührt. ,,Oder ?“ Aaren musterte die vier Soldaten und den Admiral abwechselnd. Er wäre in jeden Fall nicht in der Lage, alle auszuschalten. ,,Wissen sie, was dieser Narr tun wollte ?“ , fragte Vämskä und deutete auf den Computer auf Callahans Schreibtisch. Einer der Soldaten drehte den dünnen Glasschirm so, das Aaren etwas erkennen konnte. ,,Er wollte alles senden Aaren, alles. Jede Kleinigkeit über die Vorkommnisse hier, jedes Detail… und die Umstände des Auflösungsbefehls. Wie viele Leute noch hier sind, was zerstört wird… Ein

Fingerdruck und er würde einen Krieg auslösen.“ Der Admiral drehte den Bildschirm wieder weg. ,,Aber das wird nicht passieren. Nicht mehr.“ Die Soldaten legten auf Aaren an, aber der Admiral hielt sie zurück. ,,Nein. Wir machen das unter uns aus.“ Er ging herüber zu der Schwertaufhängung an der Wand und zog eine der Klingen heraus, die er Aaren zuwarf. ,,Wollen wir sehen, ob sie sich diesmal besser schlagen Terrell ?“ ,,Sie könnten mich einfach töten.“ , erwiderte Aaren. Er blendete das Taubheitsgefühl aus, genau wie seine zunehmende verschwommene Sicht. Noch

nicht. ,,Das wäre nur halb so interessant.“

Kapitel 34 Letztes Gefeht


Aaren wog das Energieschwert in einer Hand und wartete. Das sollte es also entscheiden, dachte er. Nun, wenn Vämskä es so wollte… Der Admiral stand auf der anderen Seite des Raums, sicher zu gewinnen. Und Aaren würde ihm dabei sogar Recht geben. Er fühlte sich nicht gut. Seine Augen spielten ihm Streichen, seine linke Hand zitterte… Die Haut um den Kratzer dort hatte sich tiefblau verfärbt. Vämskä war schnell. Aaren hatte grade noch genug Zeit, den ersten Schlag

abzuwehren, als der Admiral bereits zum zweiten Ausholte. Er sprang Beiseite, während die Klinge de Schreibtisch traf und das Holz ohne Wiederstand in zwei Hälften teilte. Aaren griff Vämskä seinerseits an, aber der Mann parierte jeden Schlag mit Leichtigkeit. Eine Weile sah es so aus, als würde keiner die Oberhand gewinnen aber Aaren war klar, dass die Zeit gegen ihn arbeitete. Es kostete ihn alle Kraft, die er noch hatte, das Schwert hochzureißen und einen weiteren Angriff abzuwehren. Er stolperte mehrere Schritte zurück auf den Flur hinaus. ,,Das ist ihr Ende Aaren.“ Vämskä setzte

sofort nach und zwang ihn weiter zurückzuweichen. ,,Bleibt wo ihr seid.“ , rief er den vier Soldaten zu. Vielleicht hatte der Admiral damit sogar Recht, dachte er. Aber noch nicht. Er wischte Müdigkeit und seine zunehmenden Gleichgewichtsprobleme Beiseite. Ihm kam eine Idee. Wenn er es richtig abschätzte… ,,Freu dich nicht zu früh.“ , erwiderte er und duckte sich unter einem Schlag weg, der eine der Säulen im Gang traf und glatt durchtrennte. Der Träger geriet ins Schwanken und stürzte, so dass der Admiral sich mit einem Sprung zur Seite

retten musste. Aaren nutzte nun Seinerseits die Gelegenheit und ging zum Angriff über. Vämskä stolperte wieder auf die Füße, wehrte einen Hieb ab. Aaren ließ ihm keine Zeit sich wieder neu zu sammeln, sondern setzte sofort nach und trieb ihn den Flur entlang, durch eine verlassene Bürohalle. Ein kurzer Moment in dem der Admiral unaufmerksam wurde und seien Verteidigung vernachlässigte. Aaren hieb nach ihm, so das Vämskä den schlag grade noch ausweichen konnte, dabei aber ins Straucheln geriet. Im nächsten Moment schlug er ihm die Waffe aus der Hand und hielt ihn die

Klinge an den Hals. ,,Na los… beenden sie es.“ Aaren lies die Waffe sinken. ,,Nicht heute. Für Heute Vämskä, sind genug gestorben. Und sie werden diesen Befehl nicht geben, wenn ihnen ihr Leben lieb ist.“ ,,Ich habe Befehle und die werde ich ausführen wenn ich kann, egal was es mich kostet.“ ,,Dann tuen sie mir leid Admiral.“ Aaren drehte sich ohne ein weiteres Wort um und ging zurück. Ihm war schlecht und er musste sich an den Tischen abstützen um weiterzukommen. Der Admiral sah ihm einfach nur nach, ohne sich zu rühren.

,,Terrel.“ Aaren ging weiter. Die Nachricht… das musste er noch tun. Sie löschen. Dann wäre alles vorbei. ,,Terrel. Kommen sie zurück und beenden sie das.“ ,,Das habe ich vor.“ , flüsterte er. ,,Terrel. Ich führe meine Befehle immer noch aus!“ ,,Nein, das tun sie nicht.“ Er ignorierte Vämskä weitere Proteste, während er ihn zurück ließ. Das Büro war immer noch verlassen und der zerstörte Schreibtisch gab dem Ort einen verwüsteten Eindruck. Aber… Aaren wurde stutzig. Die vier Soldaten

waren Tod. Einer lag von Gewehrkugeln durchsiebt in einer Ecke, der zweite schien durch einen Kopfschuss getötet worden zu sein und war neben Callahans Leiche zu Boden gefallen. Die anderen zwei lagen neben der Tür, als hätten sie ihren Angreifer nicht einmal kommen sehen. Das ganze musste schnell passiert sein. Und in den letzten Minuten. Aaren schüttelte nur den Kopf. Vielleicht ein paar Überlebende von Callahans Landungstrupp. Er wendete sich dem Computerbildschirm zu… und erstarrte. Gelöscht…. Vor ihm befand sich… Nichts. Nichts außer der Meldung.

Gelöscht. Was zur Hölle ging hier vor... Die Festplatte war aus dem Rechner gerissen worden. Aaren musste sich auf der Tischplatte abstützen, als ihn ein neuer Schwindelanfall fast von den Füßen holte. Was ging hier vor… Er übersah etwas. Etwas Wichtiges. Ein Elektorats-Soldat hätte die Nachricht gelöscht, aber die Soldaten nicht getötet… einer von Callahans Leuten hingegen… hätte die Nachricht versendet. Aber die Festplatte entfernt… mit allen Informationen, die sie…. Er warf einen Blick auf die Stelle, an der Callahans Bücherregal gewesen war, in dem er

einst ,,Ordnung und Licht“ gefunden hatte. Es schien Jahre her zu sein… Das war nicht möglich… das war vollkommen unmöglich… Nein, das ist Schwachsinn, sagte ein Teil seines Verstands. Aber es würde einiges erklären, ein anderer. Aaren rannte los, ohne darauf zu achten, dass er beinahe stolperte. Wenn er recht hatte, wenn es auch nur die kleinste Chance gab, das er sich nicht irrte…. Er schnappte sich ein Funkgerät von einem der toten Soldaten. ,,Auf welcher Landeplattform sind sie ?“ Er erhielt keine Antwort. ,,Verdammt “

Er warf das Gerät weg. ,,,Verdammt. “ Allerdings… weit konnte er nicht sein, Aaren war nur wenige Minuten weg gewesen. Er bog in den Gang ein, der ihn zur Landeplattform auf dieser Ebene bringen würde, die gleiche von der aus auch Callahan geflohen war. Es schien erneut eine Ironie des Schicksals zu sein. Aaren stürzte aus der Tür. Seine Lungen brannten und die Welt um ihn herum schien sich zu drehen, trotzdem versuchte er, die Waffe grade zu halten. Auf den Mann Gerichtet, der grade an Bord des Landungsschiffs gehen wollte,

das vor ihm lag. ,,Stehenbleiben.“ ,,Aaren ? Alles in Ordnung, ich bin es nur.“ , sagte Abundius. Er stand auf der Rampe zum Transporter, einen Koffer in der Hand. Er konnte sich irren… ,,Langsam herkommen.“ ,,Was ist los ? Wir müssen weg, oder?“ ,,Abundius, was ist in dem Koffer ?“ , fragte er ohne die Waffe zu senken. Abundius ging ein paar Schritte auf ihn zum, blieb aber außer Reichweite. ,,Interessant.“ Aaren wurde klar, wie wenig er wirklich über Abundius wusste. Wie alt war der Mann? Älter als er aussah, so viel war klar. Und wer war

er…. ,,Ein letztes Mal, was ist in dem Koffer ?“ ,,Alles Aaren.“ , sagte Abundius. ,, Die Nachricht, Callahans und meine, Forschung. NDNA-Synthese und Anwendung… und sämtliche Berichte.“ Seine Hand begann zu zittern, und ihn überlief eine Welle aus Kälte, so dass er die Pistole fallen ließ. Aaren machte ein paar Schritte zurück, bis er fast über den Rand der Plattform gefallen wäre. Er schien nicht mehr grade stehen zu können. ,,Sie waren sein Kontakt auf der Erde.“ Die Erkenntnis kam etwas zu spät. Abundius verzog das Gesicht zu einem

Grinsen, das so untypisch für ihn zu sein schien… Aaren konnte nur den Kopf schütteln. War er Blind gewesen? Nein… Er hatte nie einen Grund gehabt an Abundius zu zweifeln. Selbst wenn er nichts über ihn wusste… er hatte immer eine Erklärung gehabt. ,,Viel mehr als das Aaren. Viel mehr als das. Zugegeben es war nicht wirklich geplant, das Callahan das Schiff versenkt, besonders wo ich noch an Bord war, aber kann ihm auch kaum übel nehmen, das er die Gelegenheit nutzen wollte. Aber ansonsten… glauben sie wirklich, er hat sich das alles hier alleine ausgedacht?“ ,,Das Buch… sie

haben…“ ,,Was soll ich sagen, ich brauchte es nicht wirklich lesen. Wenn man etwas schreibt… behält man es für gewöhnlich im Gedächtnis.“ ,,Nein, das glaube ich nicht. Sie sind niemals…“ ,,Glauben sie was sie wollen Aaren.“ ,,Und Eleanor ?“ , fragte er. ,,Ich muss sagen ihr tot… war nichts was ich wollte aber…“ Abundius zuckte die Schultern. ,,Aber das ist nicht das wichtige. Aaren. Mit dem was ich hier habe, mit dem Inhalt dieses Koffers, habe ich genug um das Elektorat in Stücke zu reißen. Haben sie eine Ahnung, was ich noch tun kann

Aaren?“ ,,Sie waren bereit jeden hier zu Opfern.“ ,,Es gibt Dinge, die größer sind als ein paar Leben Aaren, hat man ihnen das nicht beigebracht ?“ ,,Dann sind sie genauso schlimm, wie das Elektorat. Sie wollen nur einen Dämon durch den Teufel ersetzen. Und ihre Forschung wie sie es nennen ist widerlich. Sie haben selbst gesehen, was sie anrichten, sie foltern intelligente Lebewesen.“ ,,Nein Aaren, die wahre Folter sind diese selbsternannten Minister. Wie viele Tote ? Und sie wollen mich verurteilen? Ich biete ihnen hier und jetzt an, mit mir zu kommen. Sie könnten der Mann

sein, der das Elektorat zerstört. Sie haben es gesehen, wie es wirklich ist.“ ,,Nicht so Abundius oder Nemo, oder wie sie auch immer wirklich heißen mögen. Nicht auf ihre Weise.“ ,,Dann tut es mir leid.“ Abundius zog eine Waffe unter dem Koffer hervor. ,,Vermutlich… ist das ohnehin schmerzloser als das, was das Gift mit ihnen anstellt.“ Die Kugel traf ihn unvorbereitet. Aaren erhaschte noch einen Blick auf Abundius, der das Transportschiff betrat, bevor ihn die Wucht des Projektils über den Rand der Plattform schleuderte. Er bekam nur noch mit, wie die Wellen

über ihn zusammenschlugen, als er ins Wasser fiel.

Epilog

Aaren schwamm im Wasser. Zumindest glaubte er das. Er kam sich verloren vor, ohne zu wissen wo er war, oben und unten schienen keine wirkliche Rolle zu spielen. Irgendwann zwang er sich dazu langsam die Augen zu öffnen. Alles schien leicht verschwommen, als er ins Licht einer grellen Sonne blinzelte. Er lebte. Es kostete ihn unglaubliche Mühe, auch nur den Kopf zur Seite zu drehen, damit er nicht mehr direkt in die Sonne sah. Aber… er lebte. Sand umgab ihn, soweit er sehen konnte.

Hier und da auch ein paar hartnäckige Grashalme, die zwischen Seetang und kleinen Felsen herausragten. Vorsichtig hob er den linken Arm. Eine Hakenförmige Narbe war auf dem Handrücken zu sehen. Wieso lebe ich noch? , dachte er. Sein Verstand fühlte sich wie Sirup an. Träge und zäh. Langsam stand Aaren auf und versuchte, seine Erinnerungen zu sortieren. Etwas hatte ihn getroffen… Abundius… Vämskä, Hannah , Callahan, Eleanor, Sonea… Innerhalb der nächsten paar Sekunden stürzte alles wieder auf ihn ein. Er setzte sich endgültig auf, tastete an

seiner Burst nach der Wunde, die die Kugel hinterlassen haben musste, fand aber nichts. Vor ihm erstreckte sich eine große, stille Wasserfläche, auf der sich sein Spiegelbild abzeichnete. ,,Sonea ?“ Er hatte nicht wirklich mit einer Antwort gerechnet, deshalb stolperte er auch unbeholfen ein paar Schritte zurück, als plötzlich ein Kopf aus dem Wasser vor ihm auftauchte. Das Wesen musterte ihn aus den so vertrauten, goldenen Augen, in denen jedoch immer noch die Vorsicht regierte. ,,Es tut mir leid.“ Aaren wusste, dass es damit nicht getan war. Er hatte Vertrauen verspeilt… und würde eine

Weile brauchen um es zurück zu gewinnen. So einfach war das. Aber das sie hier war… Er zwang sich zu einem Lächeln. ,,Tja, ich schätze, ich habe es geschafft wie ?“ , fragte er. ,,Ich meine, zwar rennt Abundius noch irgendwo da draußen rum, aber… die Leute auf dem Hive sind in Sicherheit. Das ist wenigstens etwa“ Aaren sah nach oben, wo sich in alle Richtungen nur blauer Himmel erstreckte. ,,Wo genau sind wir hier eigentlich ?“ Sie antwortete natürlich nicht, aber… zumindest zu wissen, wie weit vom Hive entfernt er war, würde schon

helfen. ,,Sonea ?“ Aaren seufzte und ließ sich in den Sand fallen. ,,Tja, sieht so aus, als würde ich mal wieder festsitzen. Einfach Großartig.“ Er blieb eine Weile so sitzen und beobachtete einfach nur die vereinzelt am Himmel vorbeitreibenden Wolken. Er hatte sich verändert in diesen paar Wochen. Der Kommissar in ihm war tot. Endgültig. Vielleicht reichte das, um wieder Leben zu können. Diesmal lächelte er ernsthaft bei den Gedanken. ,,Vielleicht sollte ich das ganze Aufschrieben, was meinst du ?“ , fragte

er Sonea, ohne eine Antwort abzuwarten. ,, Bis mich jemand findet, habe ich Zeit. Ach wenn ich dann wohl einiges erklären muss. Vielleicht bleibe ich ja?“ Er sah sich um. In seinem Rücken gab es eine vertraut wirkende Steilklippe und seltsame Farnwälder. ,, Tja… wie anfangen… ,Ich war Aaren Terrell… ich war ein Kommissar und jetzt… bin ich mehr.“ Sonea gab einen glucksenden, an ein Lachen erinnernden Laut von sich. ,, Richtig… das ist zu übertrieben.“

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Demar123 Hey,

hab mal ein bisschen geschmökert. Ich mag deinen Stil, der nimmt einen schön mit! Liest sich sehr professionell! Wie machst du das, wenn du eine neue Welt erfindest? Schreibst du einfach los, oder hast du vorher ein Konzept?
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter In den meisten Fällen habe ich vorher immer ein grobes Konzept, zumindest was die Welt und die ungefähre Richtung der Handlung mit einigen Kernpunkten angeht. Aber was gewisse Details angeht, so entstehen die meist erst beim Schreiben^^
lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
abschuetze Fertig :))

Keine Vernichtung? Was wurde aus dem Elektorat? Irgendwo ein offenes Ende^^

Danke für ein weiteres Buch von dir inmeine "Sammlung".

LG vom Schuetzlein
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Ein ziemlich offenes Ende. Beabsichtigterweise :-)
lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
abschuetze Seite 242 ...um den Mann ausfindig (statt aufwendig) zu machen...

ähm, dann ist mir aufgefallen, immer wenn du "geschweige denn" schreibest , heißt es bei dir "geschwiege denn" ^^

Bin jetzt Seite 310 und es ist alles schön.
Ich musste einfach weiterlesen^^
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter ^^ Danke für die Hinweise.

lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
abschuetze Seite 117 : Weniger als eine Stunde Stunden später ... (?)
Seite 119 : "Nein, aber und ... (?)
Seite 162 : ...fand er auch ein seltsamerweise unbeschädigtes Reagenzglas...

toll dass die "d"-Taste neben der "s"-Taste liegt, denn so entsteht aus deinem uns öfter mal ein und^^
Haben die keine See(Land)karten, dass sie beinahe auch auf die Insel aufgelaufen wären? Navigationssysteme, Radar oder irgende ewtas? Okay, gelesen ... ist schwierig^^

So.... bin jetzt auf Seite 211 und gespannt, wie es weiter geht. Toller Schreibstil, spannend, mit sehr viel Fantasie (hab ich auch nicht anders erwartet ---lach---) und es klingt alles sehr professionell im Detail.
Bis auf ein "paar" Rechtschreibefehler, die ich geflissentlich nicht wahrgenommen habe ... gefällts es mir sehr gut. Ach und ich bin kein SF-Fan und Krimi auch nicht^^
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Nun ich sitze ja grade am überarbeiten, da hilft mir das schon mal sehr weiter ^^ Und stimmt, Rechtschreibfehler finde ich grade jede Menge.
Vielleicht wartest du besser auf die Korrigierten Parts.^^ Bin jetzt bei Teil 5.
lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
abschuetze okay
Vor langer Zeit - Antworten
abschuetze Nur schon mal vornweg, ich habe schon begonnen und wenn ich es nicht in den nächsten zwei Wochen schaffe, du wirst mich nicht los :))
Vor langer Zeit - Antworten
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