Krimis & Thriller
Flussmenschen

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"Flussmenschen"
Veröffentlicht am 21. Februar 2013, 24 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Flussmenschen

Flussmenschen

Einleitung

Die Sonne, welche dem Abend entgegen sieht, wirft einen roten Schein über die nahenden Wolken. Alles erscheint so wundervoll. Wie im Traum, als hätte ein unsichtbarer Maler wilde Farben an den Himmel geworfen. Es spiegelt sich auf dem Wasser und lässt es wie Blut aussehen. Ich lege meine Arbeit nieder, bette sie in weiches Gras, achte darauf, dass sie gut aussieht. Ich will, dass derjenige, welcher mein Werk findet beeindruckt ist, von meinem Schaffen. Ich will, dass alle sehen können, dass ich ein Künstler bin. Ich erschaffe die Schönheit. Nachdem ich sie vernichtet

habe.

1. Der Polizist

Blind und ohne Emotion starrten ihre kalten, leeren Augen mich an. Ihr rotes Haar war wüst und dreckig. Nass und voller Schmutz lag ihr junger Körper vor mir. Ihre Glieder waren steif und ohne jede Spur einer Bewegung. Ihre Haut war blass, inmitten des Schnees war es fast, als wäre sie unsichtbar. Lediglich ihre wunderschönen vollen Lippen stachen hervor. Ihr Make-up war vom Regen verschwommen und doch hatte ich das Gefühl, dass sie jede Sekunde aufstehen und fortlaufen würde.

An Tagen wie solchen, hasse ich meinen Job. Es war eine grauenvolle Nacht. Alpträume quälten mich und immer wieder wachte ich schweißgebadet auf. Ich wusste was an diesem Morgen geschehen würde, noch bevor es geschah. Und nun stand ich an demselben Flussufer, welches ich noch vor wenigen Tagen im Traum besucht hatte. Zu meinen Füßen lag das selbe wunderschöne Mädchen, wie noch Träume zuvor. Nur heute lächelte sie nicht.

Ich wusste langsam nicht mehr was mit mir los war, seit nun zwei Monaten schlief ich kaum noch und wenn ich dann mal ein Auge zu bekam, träumte ich von den Mädchen, welche die Kühlkammer unserer Gerichtsmedizin füllten. Junge Schönheiten, alle rothaarig, alle blass, alle auf die selbe Art ihres Lebens beraubt. Wir fanden sie alle an Flussufern, alle vollständig bekleidet und unangerührt. Keine von ihnen hatte Verletzungen, nur ein sanftes Mahl um den Hals, welches uns zeigte, dass man sie erwürgt hatte. Und doch war es ein Rätsel. Ihr Mörder tat alles dafür, dass wir die Mädchen in perfektem Zustand fanden. Sie waren alle geschminkt, schick bekleidet, ja sogar gewaschen und frisiert. Lediglich die Natur hatte seine Verschönerung zerstört. Wir wussten, dass er seine Opfer mindestens drei Wochen gefangen hielt, sie ausreichend nährte und ihnen keine Gewalt antat.
Was wir nicht wussten, war weshalb und warum.

Von den bisher neun Opfern kannten wir nur von fünfen die Identität, der Rest von ihnen war weder als Vermisst gemeldet worden, noch hatten wir einen Eintrag in unseren Datenbanken. Viele meiner Kollegen nahmen an, dass er die Mädchen aus dem Ausland holte, wo er sie am Straßenrand fand.

Ich wäre dieser Theorie gern gefolgt, gebe es nicht das Problem, das die uns bekannten Mädchen niemals als Prostituierte gearbeitet hatten. Dieser Fall raubt mir meinen gesunden Menschenverstand. Allein zu träumen, wie sie an dem Ort wo wir ihre Leichen finden würden, war schon belastend genug. Dann aber zu sehen, wie sie mich geradezu anklagend anstarrten, war wie ein Stich in die Eingeweide.

2. Das Monster

Licht. Nichts wünsche ich mir mehr. Ich will es sehen, dass Licht. Ihr Licht. Ich suche es, so sehnsüchtig, will es sehen. Ich muss es sehen, besitzen, festhalten! Sie müssen es mir geben, ich bin gut zu ihnen, ich bin nett ...so nett! Ich will es haben. Mami hat immer gesagt, wer nett ist bekommt alles. Immer war ich lieb und nett und freundlich und artig und zuvorkommend. Ich hab alles gemacht, in jedem Job hab ich alles alles gemacht. Nie war ich gemein zu ihnen oder zu irgendjemandem, ich habe sie nie angefasst, niemals. Sie bekommen alles. Essen, Trinken, Kleidung ein Bett, einfach alles. Und doch weinen sie. Immer weinen sie. Und jammern, dieses schreckliche Jammern, ich hasse es wenn sie jammern und heulen und blahen, dann will ich sie hauen und treten und verstümmeln. Ich weiß Mami wäre dann böse auf mich, aber wenn ich mich so benommen habe, habe ich auch Haue bekommen. Also warum sollte ich sie dann nicht bestrafen.

3. Das Mädchen

Er ist da, ganz nah, ich höre sein Atmen, sein komisches Schnarchen. Er klingt wie ein Schwein, dass man füttert. Und er ist da. Irgendwo, in dieser scheiß Dunkelheit. Man sieht hier gar nichts. Außer dieses widerliche Schwein kommt und bringt Essen, dann macht dieser ekelhafte Mistkerl eine Lampe an, die mich blendet, aber dann höre ich die anderen Mädchen. Ich bin nicht allein, in diesem … diesem Loch? … wo ich bin weiß ich nicht. Es ist flach, ich kann nicht aufstehen, nur hocken. Es ist kalt, nass und riecht muffig. Ich kann mich nicht auf den Boden legen und ausstrecken. Ich bin nur 1.68m, aber dieser Raum, oder was auch immer, ist vielleicht nur 1.40m lang, eventuell sogar kleiner. Vor mir befinden sich Metallstäbe, wie in einem Gefängnis. Und vor meiner Zelle ist er, dieser Dreckskerl. Er starrt mich an, ich fühle es. Ich höre ihn grunzen. Wahrscheinlich holt sich dieses Stück Scheiße gerade einen runter. Er hat uns ja alles genommen. Unser Leben, unsere Kleider, unseren Stolz. Und doch redet er immer davon so gut zu uns zu sein.
Wir bekommen Hundefutter oder so was und müssen in eine Ecke unserer Zellen pinkeln. Ich höre ein oder zwei Mädchen weinen. Ich glaube wir sind zu fünft. Jedenfalls hört es sich so an.
Die anderen mögen schwach sein und aufgeben, aber dieser dreckige kleine Wichser hat sich mit mir verrechnet. Er glaubt er kann mich brechen, mich quälen, mich zerstören, aber ich werde mich wehren, wenn es so weit ist und wenn ich diesem dreckigen Hurensohn alle Knochen brechen muss.
Mich wirst du nicht töten. Eher sterbe ich, nachdem ich dich in Stücke gerissen habe.

- Zwischengedanken -

Wir leben in einer Welt aus Egoismus, Neid und Geld gier. Niemand sieht mehr nach links und rechts. Es gibt nur noch geradeaus, nur noch das eigene Spiegelbild. Die wenigen, die diesem neuen Dasein noch nicht folgen, gehen entweder unter oder folgen der Masse. Blind und ungeschützt fügen wir uns bei. Wir reihen uns ein in eine Gesellschaft, welche aus einzelnen Personen besteht. Keine Masse, keine Gruppe, keine Gemeinschaft. Ein Haufen Egoisten, welche nur dem eigenen Schatten folgen und doch die Gedanken anderer assimilieren.  Ein traurigen Trauerspiel aus gedankenloser Dummheit, welche nicht sichtbar wird, da jeder ihr unterwürfig ist.
Die Gedanken sind frei - und Freiheit ist grenzenlos. Doch was, wenn diese beiden Güter - Gedanken und Freiheit - eingesperrt werden. Eingesperrt in den Starrsinn der Egoisten, welche wir selbst sind. Wer ist frei? Und woran erkennt man freie Menschen. Ist man frei, wenn man sich gegen das System stellt, sich wehren will, durch Worte, Taten, Gewalt? Oder stachelt diese gespielte Freiheitseroberung, nur die Berauber unserer Gedanken an, uns weiter einzusperren? Die imaginären Schlösser und Ketten, welche uns alle umgeben, fester zu ziehen. Es ist ein Wunder, dass wir unsere Gliedmaßen noch bewegen können, ohne das Rascheln der Ketten zu hören, welche wir zwar nicht sehen können, doch spüren wir ihre Last auf unseren Schultern. Es ist das Herz was leidet. Eingesperrt in die Fesseln unserer Gedanken, welche sich mit jedem neuen Tag enger ziehen, da mit jedem Sonnenaufgang neue Momente kommen, welchen den Stress, in unserem kleinen Dasein vermehren. Mich als Autor dieser Zeilen, mögen es noch viele werden, welche sich an meinem kleinen Dasein mehren, wundert es nicht, dass Menschen auf diesem Globus verrückt werden, durchdrehen, töten. Ich sehe in solchen Aktionen, solchen Black-Outs, wie es neudeutsch heißt, Befreiungsschläge. Das mag abschreckend klingen, ja sogar wahnsinnig, erklären Sie mich ruhig für verrückt, oder nutzten sie härtere Worte, aber ich möchte Ihnen die Chance geben mich zu verstehen.
In diesem Buch "Flussmenschen" geht es um eine erfundene Geschichte. Keine der Personen ist mir bekannt, sollte da draußen jemand den selben Namen haben, wie eine meiner erfundenen Personen, dann entschuldige ich mich dafür. Es war mir nicht bewusst, dass gerade Sie dieses Buch lesen würden. Da vergeben Sie mir, aber ich schweife vom Thema ab. Warum töten Menschen.
Ich bin, wie erwähnt der Ansicht, dass Mord immer einen Ursprung hat. Jeder Mensch hat seine Beweggründe, auch ein Mörder. Natürlich ist es nicht nachvollziehbar, unverständlich, wieso - weshalb - warum, jemand jemandem das Leben nimmt. Was gibt einem Menschen das Recht einer anderen Personen, mag er sie kennen oder nicht, dass Leben zu nehmen. Niemand sollte das Recht haben über Leben oder Tod zu entscheiden, dass überlassen wir mal fein der Natur.
Aber doch denke ich, dass jede gewaltsame Handlung, egal welchem Geist sie entspringt, ein Befreiungsschlag gegen jemanden oder etwas ist. Unsere Gesellschaft ist, seien Sie ehrlich, eine Beleidigung an die Freiheit und die Gedanken.
Sie hält uns gefangen, schütert uns ein. Die Bürokratie überhäuft uns mit Papier, die Politik erlegt uns Gesetzte auf, welche uns einzwängen und das alltägliche Leben folgt Regeln, Pflichten und Gesetzten, welche ein unbekannter Dritter angefertigt hat. Und all dem folgen wir. All das macht uns mürbe, verletzlich, schwach. Es dringt in unseren Geist ein, verfolgt uns über Wochen und nistet sich dann, auf ewig, in irgendeiner Ecke unseres Gehirns ein, um uns dann - immer und immer wieder, mit Erinnerungen und Gedanken zu quälen. Den einen mehr, den anderen weniger. 
Mich überrascht es, wie erwähnt nicht, dass dann Dinge, wie Morde geschehen.
Wenn ein Vater alles verliert, den Job, die Existenz, dass Ansehen, seinen Stolz und vor allem die Möglichkeit seiner Familie ein Dach über dem Kopf, warme Mahlzeiten und ein glückliches Leben zu geben, dann bin ich nicht geschockt, wenn dieser in seiner Verzweiflung zum Mord und anschließendem Suizid greift. Er hat nur diese Möglichkeit noch gesehen.
Wir, die Aussendenden schütteln die Köpfe, denken uns unseren Teil und sind der Ansicht, dass man alles hätte gerade biegen können, doch können wir von Glück reden, nicht in eine solche Situation zu geraten.

In meinem Buch "Flussmenschen" geht es um so einen Menschen. Einen, der nicht mehr weiter weiß. Einer, dem sein Leben lang gesagt wurde, was er zu tun hat, wann er zu denken, zu handeln und zu schweigen hat. Ein Mensch, welcher Regeln befolgen musste, welcher seinen Gedanken keine Freiheit schenken durfte. Doch als die Person, welche sein Gefängnis aufgebaut hat, verstorben ist, ist ihm der Schlüssel zu der Gefängnistür abhanden gekommen. Mit diesem Moment musste er seine erlernten Regeln weiter geben, ausführen, Gefängnisse erbauen. So greift er zum, für ihn einzig logischen Mittel. Er eignet sich Menschen an, welchen er die Freiheit raubt.

Sie können sich aussuchen, wen Sie zur Hauptfigur in diesem Buch ernennen, ob nun den Polizisten, das Monster oder das Mädchen. Doch sein Sie sich bewusst, jede dieser Figuren hat eine Geschichte zu erzählen, eine Geschichte, welche als solche aus ihren Gedanken entspringt. Und ich bitte Sie, während Sie dieses Buch durchlesen, sich zu fragen, ob Sie frei sind und ob Sie mich verstehen.

- 1. Kapitel -

Angst. Ich rieche sie, ganz nah, meine Haut ist kalt, nass ...es tut weh, meine Lungen schmerzen, mein Brustkorb scheint zu zerbrechen, ich zerreiße, ich fühle, wie ich sterbe, fühle das Leben, wie es meinen Venen entweicht. Ich schreie, ein stumpfer, hilfloser Schrei - taub für jedes Ohr. Ich kann der Dunkelheit nicht entweichen, kann nicht fort, nicht fliehen. Ich bin gefangen im Nichts. Ich fühle meine Glieder, wie sie zucken, ohne das ich es will, spüre meine Kehle, wie sie sich zu zieht, spüre meine Zunge, wie sie immer dicker wird und meinen Mund ausfüllt. Ich verdrehe die Augen, ringe mit dem letzten Atemzug, sacke in mich zusammen - und erwache.

Schweißgebadet liege ich im Bett. Mein Haar ist ganz nass, ich zittere. Es war nur ein Traum. Kein Mädchen, welches sich von mir im Schlaf von ihrem Leben verabschiedet, diesmal war ich es, der starb. Noch nie zuvor hatte ich so einen Traum. Es war so echt, so schmerzhaft. Ich hätte schwören können, dass ich ertrinke. Aber warum träume ich vom ertrinken? Die Opfer wurden allesamt erdrosselt, keine war ertrunken. Entweder verschmelzen alle Gedanken und Informationen der letzten Woche in meinen Hirn zu einer ironisch - sarkastischen - Hexenjagt auf mich selbst, oder ich werde sterben. Die Träume über die Mädchen verliefen ja auch immer gleich, wie ein Blick in die Gerichtsmedizin verrät. Sollte letzteres eintreffen, würde ich gern noch träumen, warum ich ein solches Ende finde. 
Ich stehe auf und gehe ins Bad, kaltes Wasser berührt mein Gesicht. Für einen kurzen Augenblick kommt die Angst aus dem Traum zurück und umfasst meinen Hals. Ich spüre den Druck, spüre das Würgen. Schnell schalte ich das Wasser ab und sehe in den Spiegel. Jede Schneedecke wäre neidisch auf meine Gesichtsfarbe. Mit Rot unterlaufenen Augen, hässlichen Augenringen, Falten und einer wohl auf gebissenen Unterlippe, erkenne ich nur schemenhaft den Mann wieder, welchem ich sonst, alle zwei Tage den Bart stutze. Dies ist einer der Momente, wo ich froh bin, dass meine Frau mich verlassen hat. Hätte sie mich jetzt gesehen, wäre sie in Ohnmacht gefallen. Besessen von ihrer Schönheit, hat dieses Weibsbild jedem ihre Meinung zu seinem Aussehen gesagt und mit teuren, Allergie hervorrufenden Puderdöschen um sich geworfen. Alles Dinge, die ich bezahlen durfte. Seit dem sie weg ist, habe ich auch mehr Geld zum Leben. Mit jedem Gedanken kehrt die Farbe zurück in mein Gesicht. Schlafen werde ich heute nicht mehr können. Aber wer braucht schon Schlaf, bei einem 14 Stunden Arbeitstag. Manchmal hasse ich mein Unterbewusstsein.

- 2. Kapitel -

Wer abends freiert, kann morgens auch arbeiten ...wie ich es hasse, so etwas gesagt zu bekommen.
Ja ich sehe scheiße aus. Ja ich habe die halbe Nacht durchgemacht. Aber fragt jemand warum ....nein. Man boxt mir nur auf den Oberarm und lässt Kommentare wie "Tiger", "Partyheld", "wildes Tier" oder "Weiberschwarm" vom Stapel. Als ob man so aussieht, wenn man die ganze Nacht gevögelt hat. Jeder normale Mann würde zwar scheiße aussehen, aber super breit grinsen und nach Sex, Frauen und Schweiß stinken. Ich hab mich früher, nach solchen Nächten, extra nicht geduscht, damit alles und jeder riechen konnte, dass ich Spaß hatte. Aber heute und das kann man echt nicht anders bezeichnen, stinke ich nur und sehe scheiße aus. Kein Grinsen, kein Sex, nur Schweiß und alte Klamotten. Ich sehe weder aus wie ein Polizist, noch fühle ich mich, in irgendeiner Form, dazu bereit meinen Dienst zu bewältigen. Ich fühle mich schlicht und ergreifend einfach nur mies. Der Traum hat mir jede Freude am Schlafen genommen. Meine Muskeln schmerzen und meine Haut spannt. Ich bin ein alter, stinkender Bulle, dem die Knochen schmerzen und der Pelz juckt.

- 3. Kapitel -

Diese Stille ist wie ein Gefängnis aus unausgesprochenen Worten. Nur das Wimmern der anderen durchdringt diese unheilvolle Stille. Ihre Laute dringen an mein Ohr, fressen sich in  meinen Geist und zernarben mein Gehirn. Ich spüre ihre Angst, wie sie sich mit der meinigen vermischt. Und doch atme ich flach, ruhig und ohne Mühe. Ich spüre den kalten Boden unter mir, fühle jede Unebenheit, wie sie sich in meine Haut drückt. Die Feuchtigkeit hat sich wie eine Decke auf mich gelegt. Sie umhüllt mich, hält mich fest und wickelt mich ein, in ihre scheinheilige Geborgenheit. Doch ich weiß, dass sie mich auskühlt, mich schwächt und mir die Kraft, sowie meinen Mut nimmt, wenn es Zeit ist zu kämpfen. Und ich weiß, dass es bald Zeit ist. Ich weiß nicht wie lang ich nun schon hier bin. Es können Monate sein oder erst wenige Tage. Die Dunkelheit nimmt mir jedes Zeitgefühl. Doch erst kürzlich kam ein neues Mädchen dazu, nachdem ein anderes fortgebracht wurde. Ich habe ihre Stimme gehört, ihren Protest vernommen, welcher so leise war, dass ihn niemand mehr hat hören können, welcher noch Hoffnung geschöpft hat, sie je wieder zu sehen.

Ich weiß noch, es war ein regnerischer Tag, als er mich hierher gebracht hat. Er hat mich einfach nach der Zeit gefragt, dann bin ich in mich zusammen gesackt. Ich denke er hat eine Spritze benutzt, ich habe kurz ein stechen vernommen, mir aber nichts gedacht. Als ich erwacht bin, war ich hier, in dieser Enge, diesem Alptraum. Ich hatte nie wirklich Freude am Leben. Meine Eltern verstarben früh, ich habe sie kaum gekannt. Danach ging es von Heim zu Heim, bis ich einen Job im Einkaufscenter erhalten habe. Jeden Tag Fremde Menschen, welche ohne jeden Ausdruck im Gesicht ihre Waren bezahlen, sich mit anderen unterhalten und ihren Frust an den Kassieren auslassen. Ich weiß nicht, ob der Kerl mich da entdeckt hat, ob er mich schon längere Zeit beobachtet hat, oder ob er mich spontan hierher gebracht hat. Ich weiß nur, dass er sich entschuldigt hat, nachdem ich aufgewacht bin und mir derbst den Schädel gestoßen habe.
Da hat er fast angefangen zu heulen. Ihm hat es leid getan, dass ich mich verletzt hatte. Er winselte, dass Mama das wieder gut machen würde, dass Mama bald kommen würde und dafür sorgen würde, dass alles wieder gut werden würde.
Er sagte das auch bei dem Mädchen, dass er fort gebracht hatte. Er hat gewinselt, sich entschuldigt und ununterbrochen von seiner Mutter geheult. Ich weiß nicht wie krank der im Kopf ist, aber mein Gefühl sagt mir, dass der einer von denen ist, die ihre Opfer zu Brei schlagen, bevor sie einen in den Wald schmeißen. Ich spüre die leichte Angst, spüre das unaufhörliche Kribbeln in meinen Fingerspitzen. Er kann jede Sekunde zurück kommen. Es kann jede Sekunde etwas passieren. Ich möchte zu gern mit den anderen reden, möchte ihre Namen wissen, hören wie es ihnen geht und irgendwie es schaffen, dass wir uns wehren. Niemand hat das Recht anderen so etwas an zu tun. Wir müssen uns wehren. Irgendwie. 

Ich höre ein Geräusch. Ein Klackern, wie von einem Schlüssel. Dann wird es plötzlich hell. Er ist wieder da, seine komische Lampe scheint in den Raum. Für einen kurzen Augenblick kann ich sein Gesicht sehen. Das Gesicht eines Wahnsinnigen, komplett unscheinbar. Ein Mensch wie jeder andere. Ein normal gebauter Mann, nicht dick, nicht dünn. Eine normale, leicht muskolöse Figur. Ein normales Gesicht, mit kalten Augen, welche nervös umher schauen. 

- 4. Kapitel -

Wieso starren die mich an, wieso gucken die so? Ich will das die aufhören. Guckt weg!!! Ich brülle, höre meine Stimme, wie sie bricht. Schnell gehe ich zum Schreibtisch, drehe ihnen den Rücken zu, aber ihre Blicke sie sind da. Guckt weg! Ihr sollt weg gucken! Weg! Weg! Weg! Einfach weg gucken! Ich haste zu der Zelle, mit der auserwählten, aber diese Blicke. Mama will das ich wieder einer helfe. Mama weiß was zu tun ist. Mama weiß alles. Sie ist da. Ich spüre ihre warme Hand auf meiner Wange. Mama ist bei mir. Ich liebe dich Mama.
Meine Mama ist so schlau, sie weiß so viel, weiß wer böse ist, weiß wer Hilfe braucht. Sie sucht die Mädchen aus, warum es immer nur Mädchen sind, weiß ich nicht, aber mir ist das lieb so, Jungs mag ich nicht, die hauen immer. Ich wurde oft verhauen. Böse Jungs. Immer hauen die mich. Boxen und Treten. Als ich noch in der Schule war, haben sie mich ganz häufig gehauen. Auch ein paar Mädchen waren gemein zu mir, aber nicht viele. Mama hat immer gesagt, ich sei zu hübsch, daher mögen mich die Mädchen. Ich weiß nicht ob das stimmt, ich mag keine Mädchen. Die sind doof. Die heulen immer rum. Aber Mama will, dass ich den Mädchen helfe, wieder lieb zu werden. Die hier, bei mir waren alle gemein zu ihrer Mama, sonst wären sie ja wohl lieb. Wer gemein zu seiner Mama ist, muss lernen wieder lieb zu sein. Ich sammle die Mädchen nur ein und warte bis Mama sie will. Dann bringe ich die Mädchen zu ihr, damit sie machen kann, dass Mädchen wieder lieber sind. Wie sie das macht weiß ich nicht, ich kann ja nicht mitkommen. Ich schicke die Mädchen nur schlafen. Mama sagt, man muss ganz fest ihren Hals drücken, bis sie ganz fest schlafen. Aber man darf das nicht mit den Händen machen, man muss das mit einem Seil machen, weil man sonst die Träume verscheucht und die sind ja wichtig, hat Mama gesagt. Ohne die Träume ist lieb sein nicht möglich. 

Mama sagt es ist so weit. Ich stehe vor der Zelle ganz vorn rechts. Da ist das Mädchen, was heute meine Mama kennen lernt. Sie weint. Ich erzähle ihr, dass alles ok ist und ich sie nur zu meiner Mama bringe und die ganz lieb ist und ihr helfen wird, auch ganz lieb zu sein.
Sie starrt mich an, ist ganz leise und schluchzt. Ich finde sie hübsch. Sie hat schmale Lippen und ganz viele Sommersprossen. Ihre Haut ist total hell, ihre roten Haare ganz wild gelockt und ihre Augen voll grün. Und sie hat einen tollen Körper. Ich habe ihre Brüste mal gesehen, da habe ich mich geschähmt, weil ich einen Harten bekommen habe. Hätte das meine Mama gesehen, oh wei, das hätte ordentlich Ärger gegeben. Aber sie hat es ja zum Glück nicht bemerkt. Und ich hab mich auch nicht angefasst, denn ich bin ein braver Junge.

Ich nehme das Mädchen am Arm und führe sie heraus, sie wehrt sich kaum. Doch dann brüllt die Neue rum, dass ich das Mädchen umbringen werde, so ein Müll, ich töte niemanden ich schicke sie schlafen!
Und so wickle ich das Seil um ihren Hals und ziehe zu, noch bevor sie etwas sagen kann, beginnt sie zu zucken. Dann ertönt ein leises Röcheln und sie schläft. Noch nie zuvor hab ich eine vor den Augen der anderen schlafen geschickt. Aber warum muss die Neue auch so einen Blödsinn rumbrüllen. Bald ist die ja auch dran, auch wenn ich nicht weiß, was man an so einem Miststück lieb machen will. 

So nehme ich das schlafende Mädchen auf den Arm und trage sie nach oben, jetzt ist es Zeit sie hübsch zu machen. So dreckig wie sie ist, kann ich sie ja wohl kaum zu Mama schicken.


 

- 5. Kapitel -

Ich habe ihn gesehen, habe ihn beobachtet, habe es gesehen. Er hat es vor aller Augen getan. Ich habe es gesehen ... Es soll aus meinem Kopf, ich will das es aufhört. Ich höre die anderen wimmern, weinen, schluchzen, sich übergeben. Nie zuvor habe ich jemanden sterben sehen. Es war widerlich, seltsam, faszinierend, abstoßend, grausam. Er ist zu kräftig, viel zu kräftig. Wie soll ich gegen ihn ankommen, er hat sie, ohne mit der Wimper zu zucken umgebracht, einfach so. Es sah so einfach aus. Er ist zu stark, scheiße, er ist zu stark. Was soll ich tun, was soll ich nur machen. Ich komme gegen ihn nie im Leben an, wie soll ich mich nur wehren. Was soll ich nur tun?! Sie hat so seltsam gezuckt, hat gegurgelt, komische Geräusche gemacht. Ich habe ihre Stimme brechen hören. Habe gesehen, wie ihre Beine getreten haben, ihre Arme seinen Körper gesucht haben, wie ihre Nägel sich in sein Fleisch gegraben haben, wie sie die Kraft verloren hat, sie schlapp wurde und dann nur noch kurz gegurgelt hat. Dann war es vorbei. 
Der Geruch von frischem Urin und Kot liegt noch immer in der Luft. Sie hat sich vollgemacht, als sie starb. Und alles ist die Schuld dieser neuen Tussi. Hätte die nicht rumgebrült, dass er die Kleine töten wird, hätte er es nicht hier gemacht. Klar hätte er sie umgebracht, aber doch nicht hier, nicht vor unseren Augen! Jetzt wissen wir doch was uns bevorsteht, jetzt wissen wir, wie wir enden, wie wir stinken werden, wie wir aussichtslos kämpfen werden, wie wir zappeln werden und wie wir verlieren werden. Jetzt kennen wir unser Enden, kennen unseren Tod, unser Schicksal.

Er hat die ganze Zeit gesprochen, ich habe noch seine Worte in den Ohren, seine Stimme schwirrt durch meinen Kopf. Dieser Bastard hat eine verdammt raue Stimme, irgendwie komisch, fast schon ...erotisch. Ja, er klingt seltsam vertraut. Auch sein Gesicht kommt mir bekannt vor. Aber diese Worte, diese seltsamen Worte ....
"Schlaf, schlaf ein, du musst schlafen, erst wenn du schläfst kommen die Träume, welche Mama macht um dich zu befreien, erst mit den Träumen kannst du frei sein, erst mit den Träumen, kannst du wieder leben."
Er hat gesprochen wie in Trance, als würde er meditieren oder ein Gebet sprechen. Noch bevor er sie getötet hat, sprach er wie ein kleines Kind, er hat die ganze Zeit geredet, in dem Moment wo er diesen Raum betreten hat, hat er geredet. Leise, fast wie ein Murmeln, aber je näher er an die Zelle der Kleinen kam, desto lauter wurde er, desto intensiver sprach er. Immer wieder erwähnte er seine Mutter, sprach davon, dass diese uns lieb machen würde. Sprach davon, dass wir böse seien, dass wir uns befreien müssten und das wir schlafen müssten, wenn es so weit sei. Und das alles klang wie die Worte eines Kindes, aus dem Mund eines erwachsen Mannes.  

- 6. Kapitel -

Müde, erschöpft und mit einem großen Becher Kaffee sitze ich an meinem Schreibtisch und massiere mir die Schläfen. Zu wenig Schlaf, zu viele Träume und vor allem, zu viele Gedanken. Ich fühle mich alt, nein, ich bin alt und fühle mich auch so. Diese ewigen Träume, keine Erfolge in den Ermittlungen und das Wissen, bald wieder eine Leiche zu finden. Das alles ist wie ein stetiges einprügeln auf meinen Schädel. Wir wissen bisher nicht viel über unsere identifizierten Opfer. Es gibt Parallelen zwischen ihnen, eindeutige Gleichnisse, welche uns ein Chema ermöglichen, mit welchem wir arbeiten können. Unsere Verhaltensforscherin konnte bisweilen nicht viel über unseren Täter sagen, nur das er zu hoher Wahrscheinlichkeit ein Soziopath ist. Ich selbst habe eine andere Theorie.
Wir wissen, dass alle uns bekannten Opfer, von welchen wir den Namen haben, in Supermärkten, Discountern oder Krämerladen, in und um Rostock gearbeitet haben. Wir wissen, von den Kollegen und Chefs der Mädchen, dass sie aus Heimen oder schwierigen familliären Situationen stammen. Alle Mädchen haben fast das selbe Gewicht, von 60 kg. Sie sind alle fast gleich groß, haben alle rote Haare, und sind zugezogene. Ich denke, dass unser Täter sich speziell auf diese Mädchen fixiert hat, weil er sich mit ihnen verbunden fühlt. Schwierige Mädchen, Einzelgänger. Er selbst muss ähnlich sein. zudem kommt, dass er sie nicht sexuell misshandelt. So ein Verhaltensmuster ist selten, bei Entführungen und Morden, welche sich knapp drei Wochen, nach dem Verschwinden ereignen. Täter, welche sich ähnlich verhalten, misshandeln, vergewaltigen oder beschmutzen ihre Opfer für gewöhnlich. Dieser hier scheint sie nur besitzen zu wollen. Und das wiederum zeigt mir, dass er verhaltensgestört ist. 
Ich denke, dass wir es hier mit einem Mann zwischen 25 und 30 zu tun haben, welcher ungefähr 1.80m sein muss und kräftig, nicht stämmig gebaut ist, da er die toten Mädchen trägt. Wie er sie entführt weiß ich nicht, aber wenn er sie zurecht macht, dann trägt er sie, dass zeigen eindeutige Druckstellen, an ihren Leichen. Zudem denke ich, dass er attraktiv ist. Meine Theorie ist, dass er die Mädchen anspricht, mit ihnen flirtet, sie in Sicherheit wiegt und sie dann verschleppt. Daher muss er attraktiv sein. 
Zudem denke ich, dass er schizophren ist. Ich denke, dass er zwischen zwei, oder mehreren Persönlichkeiten wechselt, vielleicht sogar sexuell unberührt ist und die Mädchen aus Scham und Angst nicht berührt.  

Wir wissen, dass er die Leichen der Mädchen an Flussufern um Rostock ablegt. Ihm scheint es egal zu sein wo, Hauptsache es ist Wasser in der Nähe, als wollte er sie reinigen. Er muss sich daher auskennen.

Nach dem dritten Opfer, sind wir den Schritt gegangen, den Fall an die Öffentlichkeit zu geben, um Hilfe von den Bürgern zu erhalten. Anfangs kam nichts. Doch dann begann die Presse das zu tun, was sie am besten kann - Mist erzählen. Wie in jedem Fall, den wir öffentlich machen, beginnen selbst ernannte Detektive und Schnüffler ihre Geschichten publik zu machen. So kam es, wie es kommen musste. Urplötzlich war die Rede vom "Killer-Angler". Durch irgend so einen Trottel, von möchte-gern-Ermittler, machte die Story, von einem blutrünstigen Angler, die Runde. Seither bekommen wir Anrufe von Bürgern, welche zu einhundert Prozent unseren Mörder gesehen haben wollen. Dies sind dann meist unwissende Angler, welche einen Fisch vor Ort ausgenommen haben. 
Trotz unserer Bemühungen, diese Gerüchte als falsch und irrsinnig zu erklären, werden weiterhin Anrufe getätigt, was uns keinen Millimeter voran bringt, es kompliziert die Ermittlungen nur mehr und mehr.

Ich höre vom Eingang aus Geräusche. Eine Frau weint und redet. Wahrscheinliche ein Handtaschendiebstahl. Ich versinke wieder in Gedanken, bekomme nicht mit, wie mein Kollege auf mich zugeht und mit mir spricht, doch dann, als wollte mein Unterbewusstsein, das ich es höre, vernehme ich die Worte, auf welche ich seit einem halben Jahr warte ..."wir haben eine Vermisstenmeldung".

- Zwischengedanken -

Soziophatie. Das ist ein Begriff angloamerikanischer Herkunft, welcher in der Psychiatrie benutzt wird, um eine psychiatrische Strörung, vor allem im Sozialverhalten zu erklären. Heutzutage bezeichnet man Menschen als Soziopatisch veranlagt, wenn diese nur geringfügig oder gar nicht in der Lage sind, MItgefühl zu entwickeln. So sind sie nicht in der Lage sich in andere hinein zu versetzten und können daher ihr eigenes Handeln nicht abschätzen. So merken sie nicht, wann sie Grenzen überschreiten.  
Soziopathen sind unfähig Verantwortung zu übenehmen, lehnen dabei aber gleichzeitig sämtliche soziale Normen, Regeln und Verpflichtungen ab. Missachten diese sogar. Sie sind unfähig Beziehungen zu führen, ziehen dafür aber solche an und haben keinerlei Probleme neue Beziehungen zu beginnen, welche sie wiederum nicht führen können. Verwirrend ich weiß. 
Zudem haben Soziopathen eine verdammt geringe Frusttrationstoleranz, was dazu führt, dass sie zu aggressivem und brutalem Verhalten neigen. Sie besitzen kaum Selbstbewusstsein und sind absolut unfähig aus Erfahrungen zu lernen. 

Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass Soziopathen einen angeborenen, nennen wir es mal - Gehirnschaden haben. So vermutet man, dass das Gehirn eines Soziopathen die antisoziale Arbeitsweise nicht nachvollziehen kann, was dazu führt, dass der Soziopath nicht in der Lage ist, sein handeln und dessen Folgen zu verstehen.
So weiß man heute, dass die erkrankte Region sich im Frontallappen des Gehirns befindet. Oder genauer gesagt, es handelt sich um die ventromediale präfrontale Region der Großhirnrinde. 
So konnte in Kernspintomographen bewiesen werden, dass diese Region, bei Soziopathen eine geringe Aktivität aufweißt. Zudem ist der sogenannte Mandelkern bei Soziopathen inaktiv. Dieser Mandelkern, medizinisch wird dieser als Amygdala bezeichnet, ist für die Entstehung von Angst verantwortlich und spielt zudem eine große Rolle, bei der Entwicklung von Emotionen. Darüber hinaus, arbeitet der Mandelkern wie ein Memorychip. Er weißt uns auf Gefahren hin und lässt uns Situationen wieder erkennen. Er sorgt dafür, dass wir bei möglichen Gefahren Impulse bekommen, welche uns zum Selbstschutz verleiten. 
Fällt dieser Mandelkern aus, passiert das, was für uns "Normalos" kaum vorstellbar ist. Man verliert sämtliches Angstgefühl.
Dazu wird das Aggressionsempfinden eingestellt. Das Ergebnis dieser Verluste ist folgendes: lebenswichtige Abwehr- und Warnreaktionen brechen zusammen. 
Forschungen aus dem Jahr 2004 haben ergeben, dass der Mandelkern zudem unser Sexualverhalten mit steuert. Er sorgt dafür, dass wir Lust empfinden, erregt werden können, sexuelle Gefühle empfinden und zudem unseren Sexualtrieb mit steuert.

Sie sehen also, wehrter Leser, Soziopathen sind verdammt gefährlich. Solche Menschen wissen nicht was sie tun, weil sie nicht wissen, wie es sich anfühlt etwas falsches zu tun. Sie empfinden nichts. Und genau das ist der Grund, warum sie es tun. Die meisten Soziopathen handeln gewaltätig um Emotionen zu provozieren. Sie machen das so lange, bis sie endlich kapieren, dass es nicht geht, dass sie krank sind. Und dann passiert das, was wir uns nicht vorstellen können: sie finden gefallen dran.
Die meisten soziopathischen Mörder töten jahrelang Tiere, bis diese ihnen "langweilig" werden, dann wird quasi ein Hebel in ihrem Hirn umgelegt und sie gehen auf Menschenjagd. 

- 7. Kapitel -

Sie hat so schönes Haar. Löckchen, so viele süße Löckchen. Ich kämme sie und mache eine Strehne, welche ich knapp neben dem Seitenscheitel, der anderen Gesichtshälfte wähle, über ihrem linken Ohr fest. Eine grüne Spange, mit einer gelben Blüte. Sie ist so schön. Ich habe sie gewaschen, habe ihren Körper gesehen und ihren Busen berührt, ihren Bauch, ihren Rücken, ihren Po, ihre Bein und ihre Scham. Ich habe ihre zarte Haut gespürt, ihren Duft gerochen. Mama war nirgendwo in der Nähe. Ich war allein. Allein mit dieser Schönheit, in ihrem Eva Köstüm. Ihre festen Brüste haben nur wenig unter dem Druck meiner Hand nachgelassen. Ich habe ihren Bauch geküsst. Ihren Nabel mit meiner Zunge umspielt. Habe ihre Schenkel gestreichelt und gespürt, wie sie ihre Beine auseinander gemacht hat. Sie wollte es. Sie wollte mich. Ich habe mich entkleidet, bin zu ihr ins Wasser gestiegen, habe sie geküsst, erst sanft, dann immer intensiver. Unsere Zungen haben miteinander gespielt, während ich meine Hände über ihren Rücken zu ihrem Po geführt habe. Ihre Beine hatte sie um mich geschlungen, während ich ihre festen Backen geknetet habe. Dann bin ich in sie eingedrungen, habe ihre Feuchtigkeit gespürt, habe gefühlt wie sich mich sehnsüchtig empfangen hat. Unsere Körper haben aneinander gerieben. Ich habe das Klatschen gehört, wenn mein Becken hart auf ihren Schoß getroffen ist. Sie wollte es hart, hat es genossen, ich habe es ihr gegeben. Wir haben uns geliebt, haben uns vereinigt. Dann habe ich es kommen fühlen. Schnell zog ich mein Glied aus ihrem Schoß und ergoss mich auf ihrem Bauch. Es war so wunderschön. Danach mussten wir uns erneut waschen. Und nun liegt sie vor mir und schläft. Mich hat unser Spiel der Liebe ebenfalls erschöpft, doch muss sie perfekt aussehen, bis Mama wieder kommt. So richte ich ihr Haar weiter her, mache ihr einen Mittelscheitel und befestige die Haare locker an ihrem Hinterkopf mit einer großen, schönen Spange. Die übrigen, lockeren Haare mache ich mit kleinen Spangen fest. Dann noch etwas Haarspray und sie ist wunderschön. Ihre Lippen tragen ein kräftiges Rot, welches ihren herrlichen Mund voll aussehen lässt, ein wenig Rouge auf den zarten Wangen unterstützt ihr traumhaftes Gesicht. Ihre Augen besitzen nun einen Lidstrich, welcher etwas ihr etwas asiatisches verleiht. Dazu ein schwach grüner Lidschatten und volle Wimpern. Selten habe ich eine solche Schönheit gesehen. Schon ohne Make-Up sah sie aus wie eine Göttin, doch jetzt, mit diesem, könnte sie das Universum besitzen. Sie trägt ein grünes Kleid, welches ihre atemberaubende Figur umspielt. Ihre großen, festen Brüste, welche ich noch eben kosten durfte, habe ich mit einem Korsett betont. Als ich ihr die Unterwäsche übergezogen habe, habe ich erneut die Erregung gespürt. Ich will sie noch immer. Will sie auf ewig. Das ich sie Mama übergeben muss, gefällt mir nicht, ich will sie für mich, will sie auf ewig lieben. 

Ich ziehe ihr fleischfarbene Strapse an, und berühre erneut ihre Scham. Noch ist Mama nicht da, sie kommt erst in gut 10 Minuten. So schlage ich ihren Rock hoch und spreize ihre Beine. Mein Mund berührt ihre Scham. Ich rieche und schmecke ihre Lust durch den Stoff der Unterwäsche und spüre meine eigene Erregung wachsen. Mit den Fingern schiebe ich ihren Slip beiseite und umspiele ihre Klitoris mit meiner Zunge. Ich liebe sie mit meinem Mund, fülle sie mit meiner Zunge, benutze die Finger und ziehe sie dann zu mir heran. Ich stehe vor dem Tisch, auf welchem sie liegt und stoße erneut ihr Becken, fühle erneut ihre Lust, ihre Feuchtigkeit, ihre Unersättlichkeit. Ich kann mich kaum noch beherrschen, fühle meinen Höhepunkt, wie er näher kommt. Ich stoße sie noch einmal fest, will ihn herausziehen, doch kann nicht widerstehen, sie noch einmal zu stoßen. Dann geschieht es. Ich ergieße mich in ihr. Fühle die Wärme durch mein Glied rauschen, spüre ihre enger werdende Frucht und sacke auf ihr zusammen. Ich bin noch immer in ihr, bin noch immer hart und stoße sie weiter, bis ich erneut komme. Dann ziehe ich ihn heraus und wische kurz ihre Scham und mein Glied ab. Den Slip schiebe ich zurück, dann ziehe ich ihr die Schuhe über. Schicke grüne Pumps, welche ihr sehr gut stehen. 
Ich ziehe sie zurück auf den Tisch, dass sie komplett auf diesem liegt und warte auf Mama.
Wenn sie kommt muss ich meine Geliebte an einen Fluss bringen, wo Mama sie dann in ihre Welt mit nimmt, wo meine Liebe ihr Gewissen gereinigt bekommt. Ich küsse sie ein letztes mal und hoffe, dass es für sie genauso einzigartig und wunderbar war, wie für mich. Dann höre ich wie Mama kommt und mir sagt, es sei so weit.

Mit meiner Liebsten auf dem Arm schreite ich durch das Haus. Ich setzte sie auf den Beifahrersitz und begebe mich an den Fluss, welchen Mama ausgewählt hat. Es ist ein windiger, aber trockener Tag, bewölkt aber nicht kalt.
Ich hoffe meine Liebste weiß meine Arbeit zu schätzen, ich habe mir so viel Mühe mit ihr gegeben.  
Wir erreichen den Fluss. Ich parke das Auto, hebe sie aus dem Wagen und gehe zum Ufer, wie erwartet ist es menschenleer. Ich bette sie in das weiche Gras, ihre Kleidung vereinigt sich mit dem satten Grün der Natur. Vorsichtig mach ich ihr, vom Wind zerzaustes Haar zurecht. Mamas Blicke spüre ich im Nacken, sie achtet darauf, dass ich gründlich bin. Ich kann meine Gefühle für diese Schönheit nicht verstecken. Sie ist ein Kunstwerk. Wer auch immer sie finden wird, nachdem Mama sie befreit hat, wird sie als solches erachten.
Ich bin ein Künstler. Die Leute meinen ich sei verrückt, aber das bin ich nicht. ich erschaffe die Schönheit. Und dieses Mädchen ist meine beste Arbeit. Wer auch immer sie finden wird, wird meine Kunst hoffentlich zu schätzen wissen.

- 8. Kapitel -

Ich sehe eine kleine Frau durch die Eingangshalle gehen, sie ist aufgelöst, weint und schaut sich voller Panik um. Sie ist Mitte 50, stämmig und riecht seltsam nach Mottenkugeln. Sie hat ihr graues Haar zu einem Dutt gebunden, trägt viel zu viel Make-Up und einen Hosenanzug, welcher ihr deutlich zu groß ist. Und doch ist es mir scheißegal wie sie aussieht, ich muss wissen wer sie ist, wen sie vermisst und ob wir endlich die Spur bekommen, auf die ich seit sechs Monaten warte. Ich gehe auf die Frau zu, stelle mich vor und bitte sie, mir zu folgen. Wir gehen in einen freien Verhörraum. Ich biete ihr ein Getränk an, sie willigt ein und verlangt einen Kaffee, mit zwei Stück Zucker, einem Tropfen Milch und einem ordentlichen Schuss Wiskey. Ich verlasse den Raum, hole ihr einen Kaffee, mit zwei Stück Zucker, einem Tropfen Milch und keinem Tröpfchen Wiskey. Auch wenn ich selbst einen vertragen könnte, haben wir leider keinen auf dem Revier. Ich mache mir auch noch eine Tasse Kaffee und gehe zurück in den Verhörraum, stelle ihr den Kaffee hin, entschuldige mich für den fehlenden Wiskey, setze mich und trinke einen Schluck Kaffee. Dann sehe ich sie an. Sie hat geweint und gesoffen. Wovon genau die roten Augen kommen, kann ich nicht sagen, aber ihre Fahne verrät mir, woher die geplatzten Äderchen auf ihrer Nase und ihren Jochbeinen kommen. Ich räuspere mich kurz, nehme meinen Kugelschreiber und ein Blatt Papier zur Hand, stelle mich erneut vor und frage die Frau nach ihrem Namen, ihrem Alter, ihrer Adresse und ihrem Anliegen. Dann beginne ich zu Schreiben, während ich zuhöre.

"Ich heiße Martha Kucklowsky, bin 52 Jahre alt und wohne in der Anton-Makarento-Straße 64, in Evershagen. Ich komme ursprünglich aus Polen, bin aber vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen, wegen einem Mann, wissen Sie. Der hat mir ein Kind angedreht und sich dann verzogen. Wir waren sieben Jahre zusammen, dann kam meine Tochter Kristina zur Welt und er war weg. Und genau deswegen bin ich hier. Nicht wegen dem Kerl, sondern wegen meiner Tochter. Sie ist weg. Seit zwei Tagen kam sie nicht mehr nach Hause. Ich gebe zu, sie ist ein schwieriges Kind, aber das passt nicht zu ihr. Sie wollte mit Freundinnen auf eine Party, das war vor zwei Tagen, danach habe ich sie nicht mehr gesehen! Sie müssen mir helfen!!"

Ich lege den Stift beiseite und schaue Frau Kucklowsky an. Ohne lange nach zu denken, frage ich sie, wie ihre Tochter aussieht, ob sie rotes Haar hat, ungefähr 60kg wiegt und ca. 1,65m ist. Sie schaut mich entgeistert an, schlägt die Hände vor dem Mund zusammen und beginnt zu weinen. Ich weiß was sie denkt, doch ich kann ihr nur sagen, dass wir sie nicht gefunden haben. Wieder starren mich ihre blauen Augen, wieder fühle ich mein Herz, wie es sich zusammen zieht, weil ich nichts machen kann. Dann nickt die kleine Frau und öffnet ihre Handtasche. Ein großes schwarzes Portmonee berührt den Tisch. Mit zitternden Händen öffnet sie es und zieht ein Passfoto hervor, auf welchem ein hübsches Mädchen zu sehen ist. Sie hat Schulterlanges rotes Haar, leicht gewellt. Helle Haut, kräftige Gesichtszüge, die Jochbeine der Mutter und große blaue Augen. Ich schmecke Enttäuschung in meinem Mund. Er hat wieder eine entführt, was für mich hieß, dass bald eine Leiche auftauchen würde, von einem anderen Mädchen. Einem Mädchen wie Kristina, welche mich auf diesem Bild anlächelte, welche mir bald im Traum begegnen würde. Ich begrüße Kristina im Geist, frage ihre Mutter, ob ich das Bild behalten darf, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Sie willigt ein und schnäuzt sich die Nase. Ich beobachte sie, wie sie vollkommen leblos ihre Augen trocknet, wie sie atmet, wie sie schluchzt und auf den Tisch starrt. Meine Stimme durchdringt die Stille. Ich frage Frau Kucklowsky nach den Tagen, bevor Kristina verschwunden ist. Frage sie, wo Kristina gearbeitet hat, frage nach Männern, welche sie kennen gelernt hat und nach den Freundinnen, welche sie zuletzt gesehen haben.

Ihre Stimme ist schwach, gebrochen. Sie flüstert mehr als das sie spricht. 
"Kristina ist ein schwieriges Kind. Ich habe sie ganz allein großgezogen. Sie ist so ein Dickkopf. So ein stures Mädchen. Das hat sie von ihrem Vater. Sie arbeitet im LIDL, in der Berthold-Brecht-Straße. Ihre Kollegen sind nette Menschen, nur ihren Chef mochte sie nicht. Aber so sind die jungen Leute. Sie ist jetzt 22 Jahre jung, wird bald 23. Ich habe schon einen Kuchen gekauft. Sie liebt Schokolade. Es ist ein Schokoladenkuchen, wissen Sie. Die mag sie besonders."

Sie holt tief Luft, ich höre geduldig zu, ihr Akzent wird mit jedem Wort stärker, sie weint beim reden. Ich fassen über den Tisch und ergreife ihre Hand, drücke sie. Ich will das sie weiter spricht. Sage ihr, dass sie das bisher sehr gut macht und sie sich Zeit nehmen kann. Sie schaut mich an. Ihre Augen sind nass von den Tränen. Sie schüttelt den Kopf, schluckt schwer und spricht weiter.

"Ich hätte nie erwartet, dass so etwas passiert. Sie und ihre Freundinnen waren im, ich glaube das heißt Bacio. Ich habe an diesem Abend, als sie los ging noch über ihre Kleidung geschimpft. Ihr Rock war viel zu kurz, ihr Oberteil zu eng und die Stiefel zu hoch. Mein Gott ich habe gesagt, sie sehe aus wie eine billige Nutte. Wie konnte ich so etwas sagen? Vielleicht ist sie deshalb fort geblieben. 
Ich weiß nicht ob sie einen Freund hatte, aber ich habe doch nur Angst gehabt. So wie sie aussah, wer weiß was da passiert ist!!"

Sie beginnt erneut zu weinen. Schlägt sich gegen den Kopf und flucht auf polnisch. Ich hole tief Luft und entschließe mich dazu, sie einzuweihen in meine Vermutung.

"Frau Kucklowsky, es fällt mir schwer ihnen zu sagen, dass ich vermute was ihrer Tochter geschehen ist. Vielleicht haben sie schon von dem Mann gehört, welcher sich durch die Küstenregion bewegt und rothaarige Mädchen entführt. Die Medien nennen ihn den  "Killer-Angler". Ich vermute, dieser Mann hat ihre Tochter gekidnappt. Sie müssen mir unbedingt die Namen der Mädchen aufschreiben, mit welchen ihre Tochter vor zwei Tagen ausgegangen ist. Ich brauche jeden Hinweis, den sie mir geben können.
Ich selbst weiß nur, dass dieser Täter bisher neun Mädchen entführt hat und sie sollten wissen, dass all diese Mädchen verstorben sind. Ich kann ihnen sagen, dass er die Mädchen jeweils knapp drei Wochen gefangen hält, bevor er ihnen das Leben nimmt. In diesen drei Wochen erhalten die Mädchen Essen und Trinken. Wir fanden die bisherigen Opfer bekleidet, frisiert und geschminkt. Keinem der Mädchen wurde körperliche Gewalt angetan und sie wurden auch nicht sexuell misshandelt. Ich darf ihnen all das eigentlich nicht sagen, aber ich scheiße gerade auf die Vorschriften, weil sie mein einziger Hinweis sind um dieses Schwein zu stoppen und ich flehe sie an helfen sie mir! Bitte!!"

Als ich Frau Kucklowsky zur Ausgangstür begleitete, hatte ich eine Liste mit Namen in der Hosentasche. Ich hatte von Kristinas Mutter die Namen ihrer Freundinnen und die Namen ihrer Kollegen erfahren. Sie hatte aufgehört zu weinen, mich angesehn und begonnen zu schreiben. Dann gab sie mir den Zettel und sagte mit fester Stimme, dass ich dieses Schwein fassen soll und ihm die Hölle heiß machen soll. Ich habe ihr geschworen, dies zu tun, denn jetzt habe ich endlich das, was ich die ganze Zeit gebraucht habe. Namen, Hinweise und vor allem Hoffnung.

- 9.Kapitel -

Regen ist ein stetiger Gegner, welcher der Schönheit ihren Schein nimmt. Tropfen für Tropfen wäscht er den Glanz ab und hebt hervor, was unter der Maskerade weilt. So umfließt die Nässe die Form, welche einst der Schönheit Gebiet war. Doch jene Form ist ein Meer aus Leere, welches ohne jede Ströhmung still steht, sich nicht regt. Einzig die Wesen, welche das Meer beleben zeugen von Leben. 

Jedes Lebewesen erfüllt einen Nutzen, sowohl im Leben wie auch im Tod. Waren wir einst mächtig und unzerstörbar, dienen wir im Ableben nur noch als Nahrung für all jene, welche wir eins mit Füßen traten. Der Kreislauf, welcher uns alle vereint, schließt sich mit unseren Augen und bebt weiter, wenn wir keinen Atemzug mehr tätigen.  Wir sind nur ein winziger Teil eines gewaltigen, unsichtbaren Wesens, welches sich Leben nennt. Geboren um zu sterben. Gestorben um zu nähren. 

- 10. Kapitel -

Ich weiß nicht, wann ich das letzte mal den Regen beobachtet habe, doch es schien mir eine Ewigkeit her zu sein. Fast schon unwirklich sah ich den Tropfen zu, wie sie an der Fensterscheibe ihren Wettlauf vollführten. Was mich einst als Kind unterhalten hatte, stimmte mich heute depressiv. Regen, so sagte einst meine Großmutter, entsteht, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Ich arbeite mit dem Tod, verdiene mit ihm mein Leben. Meine gesamte Karriere verfolgte mich diese Lethargie der Wahrheit. Ich verfolge die Bösen, welche mit ihrem tun meine Brieftasche füllen. Manchmal frage ich mich, ob ich der gute oder der Böse bin. Als Polizist mag ich die Menschen fassen, welche anderen Leid an tun, doch sind es gerade diese Menschen, welchen ich die warmen Mahlzeiten, das Dach über meinem Kopf und meine Kleidung, sowie meinen Dienstgrad zu verdanken habe. Eine seltsame Leere macht sich in mir breit. Ich suche Kristinas Entführer. Suche den Mörder von bisher neun Mädchen. Und doch frage ich mich, ob ich bereit bin ihn zu jagen. Es ist der Beruf, welcher die Seele in Ketten legt. Jeder Bulle kommt früher oder später an den Punkt, wo er sich fragt ob er es noch schafft, seinen Arsch aus dem Büro zu verfrachten und die bösen Buben zu schnappen. Heute war mein Punkt. Würde ich es schaffen diesen Scheißer zu finden, würde ich es schaffen ihn hinter Gittern zu bringen, würde ich meinen Hintern in die Luft bewegen können?

Die Liste mit den Namen starrt mich an. Ein paar Anrufe bei der Vermittlung und ich würde eine Menge Befragungen durchführen dürfen. Doch ich habe keine Lust anzurufen. Etwas in mir hält mich davon ab. Als würde heute etwas geschehen, auf das ich zu warten scheine. 

Meine Kollegin, Nadine Sommer tritt an meinen Tisch, ihre breite Hüfte platziert sich auf meinem Papieren. Sie ist die Art Frau, welche ausgehungerte Kerle anzieht. Ich schätze sie auf 120 kg, welche sich bei ihrer Größe äußerst unvorteilhaft verteilen. Schon häufig hat mich der Gedanke an Nadine davor bewahrt, in der Gegenwart von absoluten Schönheiten meine Freude zu verbergen. Und doch mochte ich die kleine Frau. Sie ließ sich nie unterkriegen und hatte immer den richtigen Spruch auf Lager. So sah ich sie an und wartete auf ihre Wortwahl. Doch sie sagte nichts, was mich zum Lachen bringen würde.

"Wir haben gerade einen Anruf erhalten, ein Angler hat einen Typen gesehen, wie der ein Mädchen an den Fluss gelegt hat. Der Angler, ein Miroslaw Nowak, stand im Schutz des Schilfes, als der Typ die Frau aus seinem Wagen gehoben hat. Der gute Herr Nowak hat mit seinem Handy zwei drei gute Bilder gemacht und ist auf dem Weg hierher. Vielleicht magst du ihn ja mit anhören, Steiner übernimmt die Vernehmung." 

- 11. Kapitel -

Steiner ist ein Mensch, ein Kerl, ein Tier, ein Mix aus allem, welcher die dumme Angewohnheit hat, Leuten, welche nichts böses im Sinn haben zum heulen zu bringen. Ich habe minimal Angst um den guten Herrn Nowak. Als er durch die Tür kommt, sehe ich einen alten Säufer, welcher nach Fusel und Fisch stinkt, welcher zittert und grinst, welcher vor dem Gericht keine Fähigkeit hätte uns den erwünschten Erfolg zu bringen. Er hält ein Handy in der Hand, welches er nervös umklammert, er schaut jeden an und starrt immer wieder auf den Boden. Dieser Mann hat etwas gesehen, was ihn durcheinander bringt, etwas was ihn schockiert hat. Eine Vermutung macht sich in mir breit. Eine Befürchting, welche ich nicht ersticken will, ich will sie erfahren, will es hören, dass dieser alte kaputte Mann Scheiße gebaut hat. 
Müden Schrittes leitet Steiner unseren Zeugen in den Verhörraum, ich folge beiden, betrachte das Stück Papier in Nowaks Hosentasche, frage mich ob der Zettel etwas mit unseren Ermittlungen zu tun hat, beobachte die Füße des Mannes. Meine Augen halten etwas an seinem rechten Fuß fest. Ich sehe es, mein Atem stockt kurz, mein Herz beginnt zu rasen und meine Handinnenflächen beginnen zu schwitzen. Es weht leicht in der Luft, welche Nowaks Fuß umschmeichelt, ich will es fassen, festhalten, will es dorthin bringen wo es hingehört. An den Fluss, wo Nowak neben ihr gehockt hat, wo er es ihr, ohne sein Wissen entnommen hat. Er hat sie bestohlen und sein Diebesgut zu uns gebracht. Ich berühre seine Schulter, er sieht mich an, meckert, was mir einfällt, ich bitte um Entschuldigung, bitte ihn stehen zu bleiben, lasse mir eine Pinzette bringen, von einer jungen Kollegin und gehe vor Nowak in die Knie. Die Pinzette greift nach dem filigranen Beweis. Ich ziehe ihn von Nowaks Fuß und betrachte es. Steiner hockt sich zu mir, sieht meine Errungenschaft an und steht auf. Dann dreht er sich zu Nowak und wird ernst. Seine dunkle, raue Stimme durchdringt den Raum. Ich starre noch immer das dünne, gelockte Fädchen an, welches ich kaum fassen kann. Eine andere Frau reicht mir einen sterilen Beweisbeutel, damit ich es sicher verwahren kann. Ich lege es hinein, fühle Stolz, Müdigkeit und Schmerzen in meinen Knien. Dann drehe ich mich zu dem alten Mann und sehe ihn an. Mit übermüdeter Stimme richte ich mich an ihn und sehe einen Schock in ihm aufkommen, als ich die Worte ausspreche, welche er nicht hören will.

"So Herrn Nowak, dann verraten Sie mir mal, wo Sie dieses Haar her haben."

- Zwischengedanken -

Der Tod ist faszinierend. Unglaublich zu wissen, dass unsere Haare und unsere Fingernägel noch wachsen, nachdem wir schon lange nicht mehr unter den Lebenden weilen. Wieso, weshalb dieses Wachstum von statten geht, weiß ich nicht, doch habe ich Bilder in meinem Kopf, wie ich nach meinem eigenen Tod aussehe wie der Struwwelpeter. Ja ich habe eine rege Fantasie, würde ich sonst den Schritt wagen, meine Gedanken in Worte zu fassen und damit Seiten zu füllen, ohne zu wissen ob diese Sätze anderen gefallen, andere bewegen, andere ansprechen oder abschrecken? Jeder, welcher sich Autor nennen will, weil er oder sie sich hinsetzt und seiner Fantasie Platz auf leeren Seiten bietet, kann diese Form von Verrücktheit vielleicht nach voll ziehen. Ich kenne ein zwei Personen, welche selbst schreiben und mich als Wahnsinnig bezeichnen, weil mich der Tod fasziniert. Doch ist es mehr als nur der chemische Prozess des Sterbens, welcher meine Aufmerksamkeit für sich in Anspruch nimmt. Es sind die anschließenden Folgen, wenn der leblose Körper zur Nahrung wird. Der Tod mag den Verbliebenen wehtun, doch ist er von Nutzen. Er nährt Lebewesen, welche durch den Tod eines Einzelnen leben können. Mich fasziniert der Prozess, welcher zum Tod führt. Doch was mich am meisten fesselt, ist der gewaltsame Tod durch Dritte. Was bewegt einen Menschen zu töten. Was passiert in seinem Gehirn, dass er entschließt anderen das Leben zu nehmen. Keine Wissenschaft kann sagen, was es ist und wie es passiert. Und genau das ist der Fakt, welchen ich wissen will. Kann man es steuern, wenn man weiß, was in den Mördern vorgeht, könnte man im Laufe der Wissenschaft es schaffen, diesen Prozess gezielt zu verwenden, vielleicht sogar einzuschränken oder gar zu verhindern? Sollte dieses Buch jemandem in die Hände fallen, welcher sich damit beschäftigt, dann sein Sie so gut und kontaktieren Sie mich. Ich höre Ihnen gern zu und schreibe eventuell ein Buch darüber.

- 12. Kapitel -

Ruhe. Absolute Ruhe. Ich höre nichts, keines der anderen Mädchen, keinen Laut. Er ist nicht da, scheint vor Stunden gegangen zu sein. Wilde Gedanken durchschießen mein Gehirn. Kommt er nie wieder und lässt er uns verhungern? Ich friere, beginne zu zittern, habe Durst, Hunger - Angst. Eine der anderen beginnt zu weinen, ihr Schluchzen schnürt mir den Hals zu. Ich will weinen, heulen, blahen. Doch warum, worüber? Es bringt mir nichts zu flennen. Es hört doch eh kein Mensch, wenn wir heulen, wer soll uns schon finden, wir sind irgendwo unter der Erde, irgendwo versteckt, verurteilt elendig zu verrecken. Ich will nicht sterben, will nicht hier bleiben. Ich höre mich weinen, fühle meine Tränen, will sie wegmachen, will aufhören, doch es werden immer mehr, ich scheine zu ertrinken, zu ersticken, sterbe an meiner Angst. Nein! Ich will nicht sterben, nicht jetzt, nicht hier, nicht heute!
Ein Schrei durchdringt mein Mark. Mein Schrei. Ich höre wie ich "Nein" schreie, höre wie ich es immer wieder schreie. Die anderen Mädchen stimmen mit ein, ein wildes Gewirr aus Stimmen durchdringt die Dunkelheit. Wir töten die Stille mit unseren Stimmen und bezwingen unsere Einsamkeit, werden zu einem Ganzen, fühlen wie die Stärke in uns heranwächst und fühlen uns unbezwingbar.

- 13. Kapitel -

Ich habe manchmal so Phasen, wo ich über den Tisch haschen und dem Menschen vor mir eine kleben will. Nowak ist so ein Mensch. Ein Angler, welcher beim Angeln gestört wurde. Wer es glaubt. Der Mann ist sturztrunken, lallt und stinkt wie eine Schnapsbrauerei. Als er sich setzte, sahen Steiner und ich die Kornflasche in seinem Anorak vorluken. Wir wechselten Blicke, rollten mit den Augen und ließen die Hoffnung von dannen ziehen. Dieser Mann war bei einer Leiche, hatte unseren Mörder gesehen, an der Toten rumgefummelt und war nun zu besoffen um klare Fakten zu liefern. Welch Freude. Wir konnten natürlich nun wertvolle Zeit verschenken und warten bis der gute Herrn Nowak wieder nüchtern war, doch schätze ich diesen Heini so ein, dass der seit 10 Jahren nicht mehr nüchtern war. 

Meine Finger massieren meine Schläfen, ich halte die Augen geschlossen und versuche aus dem sinnlosen gelalle Worte zu formen, welche in irgendeiner Form Sinn ergeben könnten. Doch leider spreche ich nicht fließend Besoffen. Mein Bein wippt auf und ab, Nervosität macht sich breit, ich merke, wie Steiner langsam die Geduld verliert. Seine Fingerkuppen berühren im Takt der Aufregung die kalte Tischplatte, die Füße bewegen sich entgegen dem Takt. Er setzt abwechselnd die Fußballen auf und scheint unbewusst einen Rhythmus zu formen,  welchem nur er selbst die Musik zu dichtet. 

Nowak schaut uns beide abwechselnd an, seine Augen bewegen sich langsam und träge, sein Kopf folgt dieser Bewegung nur schleppend. Ich verstehe Trinker nicht. Als er durch die Tür kam, dachte ich "ok, der hat ne Fahne, was solls", doch hätte ich nie erwartet, dass dieser Kerl, welcher Zielgerichtet gegangen ist, so besoffen sein könnte. Oder war es der Schock, welcher den Alkohol durch sein Blut pumpte? Ich entschließe mich anders vorzugehen, so stehe ich auf, gehe um denTisch herum und bleibe neben Nowak stehen.
Freundlich sehe ich ihn an, er blickt verwirrt zu mir auf, babbelt etwas von "Was isn?"  und schaut zwischen mir und Steiner hin und her. Ich lehne mich leicht vor, berühre Nowaks Schulter und warte auf seine Reaktion. Der alte Mann schreckt zurück. Es ist also doch ein Schokzustand. Augenblicklich weiß Steiner was zu tun ist. Er steht auf und verlässt den Raum, ich wende mich Nowak zu, bitte ihn mir zu folgen und geleite ihn in unseren Pausenraum. Polstermöbel und warme Farben haben schon jeden zum Entspannen gebracht.
Ich bitte Nowak sich zu setzten, biete ihm etwas heißes zu trinken an, er wählt einen Kaffee, welchen ich ihm gebe, dann mache ich einen Teller mit Gebäck her und setzt mich zu ihm. Augenblicklich beruhigt sich die Lage. Er wirkt sofort entspannter, bekommt eine ruhigere Stimme und bedankt sich für meine Freundlichkeit.
Aus dem alten Griesgram mit der Fahne ist ein freundlicher alter Herr mit Fahne geworden.

Ich unterhalte mich kurz mit ihm, über die Familie, dass Angeln und seine bisherigen Fänge, wiege ihn in Sicherheit und gebe ihm das Gefühl Willkommen zu sein. Dann muss ich den Schritt wagen, aus dem Gespräch eine Verhörung zu machen. Mit einem Keks in der Hand sehe ich ihm in die Augen, räuspere mich und beginne.

"Es tut  mir leid, Sie nun fragen zu müssen, doch was haben Sie genau gesehen, weshalb Sie bei uns sind. Zudem frage ich mich, wie das rote Haar an Ihren Schuh gelangt ist. Ich kann es mir zwar denken, doch muss ich es leider von Ihnen hören. Lassen Sie sich ruhig Zeit, ich gebe Ihnen so viel Zeit, wie Sie brauchen, daher reden Sie in Ruhe, doch bitte erwähnen Sie alles, was passiert ist."

Nowak holt kurz Luft, nippt an seinem Kaffe, schluckt die letzten Gebäckreste herunter und sieht mich traurig an.  

"Ich habe zwei Töchter und einen Sohn. Meine Frau ist vor sechs Jahren gestorben, Krebs. Von jetzt auf gleich war sie weg, hat mich allein gelassen. Mein Sohn lebt in Köln, weit weg von seinem Versager von Vater. Ich liebe meine Kinder, doch hatte ich nie das Glück von Ihnen geliebt zu werden. Meine Frau hat getrunken. Viel getrunken. Wir hatten immer Streit, immer wurde geschrien und gestritten. Ich habe sie geliebt, so geliebt, doch als es hieß, sie habe Magenkrebs und müsse aufhören mit dem Trinken, ist sie ausgeflippt. Sie hat mich geboxt, getreten, mich angeschrien und bespuckt. Meine Kinder mussten all das mit ansehen. Jessika, meine Jüngste hat geweint, so bitterlich geweint. Ihre Mama hat so viele gemeine Dinge gesagt, Dinge, die man sagt, wenn man betrunken ist und sterben muss. Noch am selben Abend sind meine Kinder, alle drei gegangen. Sie haben Ihre Sachen gepackt und sind zu ihrer Tante gegangen. Ich habe sie seither nicht mehr gesehen. Meine Frau hat sich tot getrunken.
Ich habe all meine Kraft in unsere Ehe getragen, habe alles gegeben. Nach dem Tod meiner Frau habe ich mich aufgegeben. Deshalb trinke ich."

Er holte kurz Luft, wischte sich die Tränen aus den Augen und sackte in sich zusammen.

"Als ich dieses Mädchen gesehen habe, das tote Mädchen, ist mein Herz zerbrochen. Sie sah aus wie meine kleine Jessika. Ich weiß nicht warum, aber dieses Mädchen hat mich zerbrochen. Ich habe diesen Typ gesehen, diesen riesigen, starken Kerl, wie er dieses zarte Wesen abgelegt hat und weggefahren ist. Doch als ich dieses Mädchen gesehen habe, als ich ihr Gesicht gesehen habe, da bin ich gestorben. Einfach gestorben."

Ich spüre wie ich schwer schlucke. Nowack war nicht geschockt, er war zerbrochen. Ich weiß, dass ich als Bulle die Pflicht habe Fragen zu stellen, doch in Momenten wie diesen, will ich einfach nur nach Hause. Nowack holt sein Handy hervor und aktiviert die Bilder-Galerie, er reicht mir das Telefon, ohne ein Wort zu sagen. Ich nehme es entgegen und sehe auf das Display. Ein Mädchen, nicht älter als 19, mit feuerrotem Haar füllt den kleinen Bildschirm. Sie scheint zu schlafen, doch ihre blasse Haut, die bläulichen Lippen und die Würgemale verraten mir, dass sie tot ist. Ich blättere zum nächsten Bild. Sie ist voll bekleidet, ihre Kleidung ist zu groß, ein grünes Kleid, als würde sie ausgehen wollen. Das nächste Bild ist von weiter weg. Ein großer, kräftiger Mann steht vor der Leiche. Er hat kurzes dunkles Haar, eine helle Haut, Arbeiterkleidung. Ein erstes Foto des Mörders. Ich spüre einen Anflug von Freude. Wir haben ein Bild von dir, du verfluchtes Stück Scheiße. Das nächste Bild, zeigt ihn mit der Toten auf dem Arm. Er trägt sie wie eine Braut, ein Auto steht im Anschnitt geparkt. Auf dem nächsten Bild steht er vor dem Wagen und holt sie heraus. Ich könnte Nowack drücken. Bilder vom Mörder, vom Wagen und von der Leiche, der Ermittlungserfolg rückt in unmittelbare Nähe.

"Wo ist das, Herrn Nowack?"
" Am Sildemower See, am Südufer."

Seine Stimme ist schwach, gebrochen. Ich greife seinen Arm, drücke ihn fest, er sieht mich an.

"Wir finden heraus wer das Mädchen ist und wir fassen diesen Kerl. Sie haben und sehr geholfen, super Fotos gemacht und uns einen großen Schritt weiter gebracht. ich verspreche Ihnen, durch Ihre Hilfe werden wir diesen Spuk beenden."

Nickend sieht er auf den Boden. Ich sehe Nowacks Rücken, als er das Präsidium verlässt und weiß, dass ich diesen Mann nie wieder sehen werde. 

- 14. Kapitel -

Als wir am Sildenower See ankommen, stelle ich fest, dass es doch noch wunderbare Orte um Rostock gibt, welche quasi unberührte Natur beherbergen. Die Luft ist klar und kühl,  ein schwacher Wind weht über das klare Wasser und formt leise Kreise, welche zu Wellen werden und binnen Sekunden verebben. Die Bäume rascheln leise und formen eine Melodie, welche durch das Gezwitscher der Vögel besungen wird. Wir befinden uns am Südufer, atmen die frische Luft ein und vernehmen den schwachen, süßlichen Geruch der Verwesung. Mit bestimmten Schritten gehen wir auf das Ufer zu, an welchem wir von weitem die Form einer liegenden Person erkennen können. Hallo Nummer zehn. Als wir bei ihr sind, haben Tiere schon etwas von ihrer Schönheit genommen. Fliegen schwirren um sie herum, Maden suhlen sich in den angefressenen Stellen. Und doch ist sie eine Schönheit, wie all die anderen Mädchen. Ihr rotes Haar glänzt im Licht der Sonne. Ich hocke mich neben sie, bei mir ist der Gerichtsmediziner, welcher fasziniert eine Fliegenmade betrachtet. Unglaublich, dass solche Tiere uns sagen können, wann man ihr das Leben entrissen hat. Ich betrachte sie, erkenne deutliche Würgemale. Diese sind anders, deutlich anders. Die anderen Leichen hatten schwache Male, welche davon zeugten, dass die Opfer betäubt worden waren, doch diese hier hatten etwas brutales. Ich sah Thomas zu, wie er seinen neuen besten Freund in einem Beweisbehälter verfrachtete. Ich werde mich niemals daran gewöhnen können, dass er mit den Viechern sprach, welche die Leichen verzerrten. Er muss meine Blicke gespürt haben, da er mich doof angrinst und dann weiter schaut. Mir irgendetwas von dn Fliegen und Käfern erzählt und dabei anscheinend ein Lob erhofft. Doch ich höre kaum zu. Ungewöhnlich unruhig weise ich ihn auf die Würgemahle hin, welche er gelangweilt ansieht.

"Was erwartest du, alle sind erwürgt worden."
"Aber diese sind stärker, unruhiger, unglaichmäßiger. Sie hat sich gewehrt. Hör zu, sobald wir zurück sind, untersuchst du sie genau und führe alles auf, was anders ist."
"Riechst du mal wieder einen Braten?"
"Ich rieche nicht nur einen Braten, ich rieche ein zehn-Gänge-Menü. Siehst du ihre Handgelenke? Druckstellen und da ihre Fingernägel ...ich wette das da Gewebe drunter ist."

Thomas hebt ihren Rock an und blickt unter diesen. Ich kann kaum abwarten was er entdeckt hat, doch sein Blick spricht Bände.

"Und? Ist da auch was?"
"Druckstellen, welche kurz nach dem Tod zugefügt worden sein müssen ...und ihr Slip ist nass."
"Nass? - wie nass? Urin?"

Er rollt die Augen und gewährt mir einen Blick. Ich sehe den schwach gelben Fleck und sehe Thomas in die Augen. Er nickt und steht auf.

"Es scheint, dass unser böser Bube die Kleine ganz besonders gern gehabt hat."
"Wenn das Sperma ist, dann frage ich mich, warum er das nicht weggemacht hat."
"Hmmm, vielleicht weil er nicht wusste, dass Sperma nach dem Tod der Frau aus der Scheide läuft."

Ich muss grinsen, bei dem Wissen, dass er Fehler gemacht hat. Gewebe, Sperma, Fotos. Ich höre im Geist die Handschellen zuschnappen und weise die Kollegen an, den Tatort zu sichern und zu untersuchen. Dann schaffen wir den Leichnam in die Gerichtsmedizin.

- 15. Kapitel -

Diese blöden Weiber sollen aufhören. Ich will dass die aufhören. Die ihr doofes Geschrei ist ekelig. Ich bin noch nicht bereit für die nächste, aber wenn die so weiter machen, dann hole ich die nächste und bring sie zu Mama, ist mir doch egal ob die das nicht gut findet. Klar wird Mama schimpfen, doch ich halte das nicht mehr aus, ich muss beweisen, dass ich bestimme, wann etwas passiert. Diese blöden Weiber gehören mir! Ich bestimme über ihr Leben, über ihren Tod! Ich bin ihr Freund, ihr Feind und ihr Leben!

Ich stehe auf und gehe zur Kellertür. Fest reiße ich sie auf und mache das Licht an. Mit einem Mal hört das Geschrei auf. Licht hab ich denen noch nie angemacht. Geschieht denen recht, dass sie Angst bekommen. Mit schweren Schritten gehe ich die Treppe herunter und reiße die Tür zu dem Bereich mit den Zellen auf. Ihre Augen starren mich an. Ich grinse und gehe stolz durch den Gang, zwischen den Gefängnissen. Seit dem mich meine Geliebte zum Mann gemacht hat, kann mich nichts mehr aufhalten. Die neue starrt mich an. Dich werde ich auch noch brechen, du blöde Schlampe. Es war ein Fehler dieses Miststück mit zu nehmen. Aber Mama wollte die ja. Am liebsten würde ich dieses Weib sofort wegschaffen. Die hat kein Recht auf Mamas Liebe. Die hätte nie geboren werden dürfen. Ich stehe vor ihrer Zelle und gehe nah an die Gitterstäbe. Ich fletsche die Zähne und spucke in ihre Zelle, sie schreit und flucht. Ich drehe mich kurz weg, gehe zum Tisch und setzt mich auf die Tischkante. Sie flucht noch immer. Ich greife nach dem nächst besten Gegenstand und erhasche ein Buch. Mit aller Kraft schlage ich das Buch auf den Tisch, damit ein lauter Knall ertönt. Mit einem Mal ist es still. Stolz gehe ich in die Mitte des Ganges, wo mich alle fünf sehen können. Dann erzählich ihnen von meiner neuen Idee.

"Meine lieben Mädchen. Ich habe euch eine neue Freundin mitgebracht, welche, wie ihr merkt, nicht das macht was ich will und ihr wisst, wie wichtig es ist, dass ihr tut, was ich will. Aber da ich leider auch dieser zeigen muss, wie wichtig es ist, auf mich zu hören, tut es mir sehr leid, aber ich muss eine Gruppenbestrafung veranlassen, da ihr alle sehr böse ward. Daher gibt es für eine Woche kein essen. Wenn ihr mir zeigen wollt, dass ihr verstanden habt, dass ich der Chef bin, unterbreche ich die Bestrafung. Aber bis dahin muss ich so hart sein. Verzeiht mir, meine lieben Mädchen.

Ich verlasse den Bereich der Zellen, schließe die Tür und lösche das Licht, als ich den Keller verlasse. 

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KathaGro

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BellaCPernier Liest sich bisher sehr schon, bin mal gespannt.

LG Catherne
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KathaGro Re: Und die Lämmer, sie schrien so laut... - Dankeschön, ich hoffe nicht allzu schlimm durch einander zu kommen, aber bisher gehts :) Es freut mich, dass es gefällt, derweil schreibe ich parallel noch an den weiteren Kapiteln zu Schlagschatten und einer weiteren Story, daher wird dem "sich-selbst-verwirren" keine Grenze gesetzt ^^
Vor langer Zeit - Antworten
PorterThomson Und die Lämmer, sie schrien so laut... - Das verspricht eine spannende Geschichte zu werden. Sie erinnert mich ein wenig an "Das Schweigen der Lämmer". Vor allem die Szene im "Verlies".
Auch die Idee der drei Protagonisten, die alle in der Ich-Form erzählt werden, ist mal was anderes. Ich bin mal gespannt ob man da nicht irgendwann durcheinander kommt. Aber im Moment bin ich positiv beeindruckt. zunächst mal 3*
Vor langer Zeit - Antworten
Zeitenwind Re: Dankeschön :) -
Zitat: (Original von KathaGro am 21.02.2013 - 17:51 Uhr) Für deinen äußerst langen, aber interessanten Gedankengang. Nun, wie soll ich mich erklären ...ich bin ein Schreiber, welcher sich in seine Hauptperson/en hinein versetzt. Mit dem Beginn der Story (mögen es auch nur 3 Worte sein), beginne ich zu denken, wie eine andere Person, versetzte mich in sie hineien und beginne jemand anderes zu sein.
Ich gebe zu, mich fasziniert der kranke Geist des Menschen. Ich möchte nur zugern verstehen, weshalb Menschen töten, weshalb sie so handeln. Jedoch will ich ehrlich sein, ich weiß leider nicht, weshalb solche Handulngen von Statten gehen, was in einem passiert. Ich kann nur eigene Lebenserfahrungen in Emotionen packen und aus ihnen Worte machen.

Freuen tut es mich, dass du exakt den Charakter meines "Monsters" erkannt hast. Das macht mich gerade etwas stolz^^



Da kannst Du auch stolz sein. Mir geht es ähnlich. Wenn ich einen Roman schreibe, versetze ich mich auch in die Personen um die es geht. Das macht Vieles einfacher.
Vor langer Zeit - Antworten
KathaGro Dankeschön :) - Für deinen äußerst langen, aber interessanten Gedankengang. Nun, wie soll ich mich erklären ...ich bin ein Schreiber, welcher sich in seine Hauptperson/en hinein versetzt. Mit dem Beginn der Story (mögen es auch nur 3 Worte sein), beginne ich zu denken, wie eine andere Person, versetzte mich in sie hineien und beginne jemand anderes zu sein.
Ich gebe zu, mich fasziniert der kranke Geist des Menschen. Ich möchte nur zugern verstehen, weshalb Menschen töten, weshalb sie so handeln. Jedoch will ich ehrlich sein, ich weiß leider nicht, weshalb solche Handulngen von Statten gehen, was in einem passiert. Ich kann nur eigene Lebenserfahrungen in Emotionen packen und aus ihnen Worte machen.

Freuen tut es mich, dass du exakt den Charakter meines "Monsters" erkannt hast. Das macht mich gerade etwas stolz^^
Vor langer Zeit - Antworten
Zeitenwind Freiheit - Du fragst, ob ich mich frei fühle. Nun, es gibt gewisse Regeln im Leben, ohne die ein geordnetes Zusammenleben nicht möglich wäre und die auch nachvollziehbar sind. Folglich befolgt man sie, auch völlig unbewusst und ohne darüber nachzudenken, ob man dadurch eingeschränkt wird oder nicht. Diese Art der Regeln nimmt man gar nicht wahr. Andere Regeln wiederum, schränken uns in unserem Tun ein und wir wehren uns dagegen. Wieder andere Regeln kommen uns ganz gelegen und stören uns nicht, weil sie uns vielleicht nicht betreffen. Ärgerlich wird es, wenn Regeln und Gesetze zu einer Handlungsweise verpflichten, die wir als ungerecht oder gar unsinnig empfinden. Dann lehnen wir uns innerlich dagegen auf und fühlen uns gegängelt. Hier wird unsere persönliche Freiheit plötzlich eingeschränkt. Jetzt empfindet jeder Mensch diese Situation anders und reagiert auch anders darauf. Und jetzt sind wir an dem Punkt, an dem Du Dein Monster ins Spiel bringst.
"Ich habe Haue gekriegt, also darf ich auch hauen" so sieht es das Monster, aber denkt es da richtig? Ich glaube nicht, denn so tut es das, was es eigentlich ja verurteilt. Es kommen Menschen zu Schaden. Hier kann und will man diese Denkweise ncit verstehen. Man kann nicht jemanden anderen dafür verantwortlich machen, wofür er gar nichts kann.
Mit anderen Worten - Dieses Monster tut das Gleiche, wie die Menschen, die Regeln und Gesetze auf den Weg bringen, nur um ein gezieltes Verhalten zu erzwingen oder ihre Macht zu demonstrieren. Wieder haben wir die Wahl. Nämlich es zu akzeptieren, es anzunehmen oder es abzulehnen. Und da beginnt eine gewisse Freiheit. Die Gedanken kann Dir keiner nehmen, sie auszusprechen ist eine Gewissensfrage. Aber die Gedanken sind und werden immer frei sein. Das Umgehen mit einer gewissen Einschränkung, ist eine Sache, mit der man sich mit sich selber auseinandersetzen muss. Wie mache ich daraus jetzt das Beste? Was kann ich tun, damit mir diese Einschränkung am wenigsten wehtut? Klar, meine Freiheit ist eingeschränkt, aber ich bin noch immer Herr meines Denkens und Handelns. Somit kann ich einen Mord zB. nicht verstehen, denn als Befreiungsschlag deklariert, verhüllt man ihn mit einem regelkonformen Mantel, mit dem man dann wieder seinen eigenen Freiheits- und Gerechtigkeitsgedanken in die Quere kommt.

Übrigens - wer weiß, dass er am nächsten Tag arbeiten muss und dennoch feiern will, der sollte soviel Arsch in der Hose haben und auch zur Arbeit gehen. Egal wie es ihm geht.

Gruß vom Trollbär

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