Science Fiction
Nova - Komplettfassung

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"Nova - Komplettfassung "
Veröffentlicht am 19. September 2012, 958 Seiten
Kategorie Science Fiction
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Über den Autor:

...Was gibts über mich zu wissen ? Ich schreibe gerne, deshalb bin ich auf der Seite angemeldet. Muss man mehr wissen ?Ich freu mich natürlich immer über konstruktive Kritik und Kommentare zu meinen Texten.Sonst noch was über mich.. Malt und Metalhead und Laborheini mit einem Faible für Philosophie, Pfeifen und Fantasyliteratur. Erwarte also bitte niemand zu viel von mir :-) Oh und mich gibts auch bei ...
Nova - Komplettfassung

Nova - Komplettfassung

Einleitung

Rafail Coel, Veteran und ehemaliger Anführer einer Spezialeinheit dachte dem Krieg entronnen zu sein. Er hatte sich geirrt. Nach 10 Jahren holt ihn die Vergangenheit ein und droht zu seiner Zukunft zu werden. Um das zu verhindern bekommt er eine zweite Chance und ist bereit alles zu tun. Copyright by Eagle Writer Bildquelle Star burst red and yellow fire / Fotolia.com

Prolog



Seine Windböe wirbelte Staub auf. Staub… bald würde es hier auch nicht mehr geben, überlegte Rafail Coel. Staub und brennenden Boden. Das Licht am Himmel wurde heller. Diese finsteren Gedanken beschäftigten ihn, während er einem weiteren Flüchtling die Hand gab und in das gut einen Fuß über dem Boden schwebendem Shuttle half. Der Artheraner sah ihn lediglich verwirrt an. Kurz sah er zwischen ihm und der Waffe an Coels Gürtel hin und

her, einem einfachen Revolver. Er wirkte unschlüssig, ob er versuchen sollte, den Menschen zu töten, oder nicht. Schließlich nickte die Gestalt aber nur dankbar und verschwand kopfschüttelnd im Schiffsinneren. Coel zwang sich, sich zusammenzunehmen. Die Zeit rannte ihnen jetzt immer schneller davon. Und sie würden es niemals schaffen alle wegzubringen, das wusste er. Doch trotzdem Coel weigerte sich darüber nachzudenken. Wenn nötig würde er bis zum letzten Augenblick bleiben. ,, Rafail, sie wissen das man uns hierfür

Daheim vermutlich vor ein Kriegsgericht stellt oder ?“ , wollte einer von seinen Leuten wissen. Coel musste kurz nachdenken, bis ihm der Name wieder einfiel. Martin. Martin Richter. Insgesamt waren sie zu fünft. Fünf Leute , jeder mit einem kleinen Transporter. Zu wenig, dachte er. Und was sie hier taten, war gegen alle Befehle. ,, Machen sie sich sorgen ?“ , fragte er den Mann, der sich grade in Richtung des am weitesten entfernten Shuttles aufmachte. Er trug dieselbe simple Kampfausrüstung wie er. Einen leichten Panzer aus Keramikplatten mit Kevlareinlagen. Stark genug um die ein oder andere

Kugel abzufangen, aber gegen das was auf diesen Planeten zukam wäre sie nutzlos. Dazu einen Helm aus demselben Material mit eingebautem Funk. Coel überprüfte kurz die Frequenzen. Aber alles was er zu hören bekam waren entweder verstümmelte Notrufe aus anderen Regionen des dem Untergang geweihten Planeten oder Evakuierungsbefehle für ihn und seine Leute. ,, Coel, hier spricht ihr Kommandierender Offizier Cain Steel , falls ihnen das noch was bedeutet. Sie verschwinden jetzt sofort von der Planetenoberfläche. Sammelpunkt wird durchgegeben. Haben sie

Verstanden?!….“ ,,Fahren sie doch zur Hölle.“ Ein grimmiges Lächeln trat auf sein Gesicht. Er schaltete das Gerät ab. Stille setzte ein, nur unterbrochen von dem Summen der Schiffsmotoren. Und einem kaum wahrnehmbaren, irgendwie elektrischen, Knistern. ,, Sir ?“ einer seiner Leute lehnte sich aus dem Shuttleinneren und sah wie gebannt nach oben. ,, Was ?“ , fragte er gereizt. Langsam ließ Coel seinen Blick über das Land vor ihm und dann zum Himmel wandern. Vor ihnen lag ein kleiner Wald mit Bäumen, die man auf der Erde wohl so nicht finden würde. Die Blätter waren

weiß, beinahe durchscheinend und schienen im rötlichen der Sonne zu leuchten. Der Stern dieser Welt stand bereits tief am Horizont, trotzdem wurde es kaum dunkler als wenn es helllichter Tag gewesen wäre. Am Himmel über ihnen brannte eine weitere gewaltige Kugel aus Licht, die man leicht für eine zweite Sonne hätte halten können Polarlichter rasten kreuz und quer durch die Atmosphäre und erzeugten den irren Eindruck, sich im inneren einer Seifenblase zu befinden , während die Helligkeit noch zunahm und einen blendete, egal wo man hinsah. Diesen Schweinen war es vollkommen egal ob hier unten noch ihre eigenen Leute

waren. ,, Bringen sie das Shuttle raus.“ , befahl er und sprang von Bord. Der Pilot nickte ihm kurz zu, dann starteten die Triebwerke und der Transporter verschwand, in einem waghalsigen Steilflugmanöver, innerhalb weniger Sekunden außer Sichtweite. Er sah noch einmal nach oben. Das Leuchten füllte jetzt fast den gesamten Himmel und verdrängte das vormalige dunkle Blau desselbigen. Eine Kuppel aus Licht, die beinahe im Zeitlupentempo herabzusinken schien. Es wirkte hypnotisierend schön und schrecklich zugleich. Coel zwang sich, nicht länger

hinzusehen. Er lief über das flache Grasland hinüber zum nächsten Shuttle, das sich ebenfalls Startbereit machte. Soweit schien alles in Ordnung zu sein. Sofern man in dem ganzen Chaos überhaupt von Ordnung sprechen konnte. Er überprüfte noch die nächsten zwei Transporter, die ebenfalls sofort Abflogen, als Coel den Befehl dazu gab. Dann machte er sich auf dem Weg zum letzten Shuttle. Der Wind hatte stark zugenommen, der leichte Mantel den er über seiner Ausrüstung trug wurde ihm um die Beine gepeitscht. Durchsichtige Blätter aus dem nahen Wald wurden aufgewirbelt,

bildeten kurz einen Wirbelsturm aus weichem Glas um ihn. Der Himmel war vollkommen in Feuer verschwunden. Ihm blieben noch Sekunden, höchstens Minuten, wenn er Glück hatte. Die Luft um ihn herum wurde schwer. Blitze fuhren aus den irisierenden Lichtern über ihm herab, fällten Bäume und entfachten Brände im kniehohen Gras. Etwas hob ihn von den Füßen, als die Schwerkraft des Planeten kurzzeitig aufgehoben wurde. Bevor er noch irgendwie reagieren konnte schleuderte ihn etwas davon. Zu seinem Glück oder Unglück direkt ins

Innere des Shuttles. Er spürte kaum Schmerz, als er gegen die Metallenen Innenwände des Transporters geschleudert wurde. ,, Weg hier.“ , hörte er noch die Stimme des Piloten, fühlte wie das Shuttle beschleunigte, dann wurde alles Schwarz. 10 Jahre später… Kapitän Ägir sah auf, als das Schiff der Kolossus- Klasse wieder auf normale Geschwindigkeit zurückfiel. Wobei normal eine Beschleunigung von über dreißigtausend Kilometern pro Minuten

bedeutete. Ohne die Trägheitsdämpfung wäre jeder an Bord des Schiffes Augenblicklich Tod, davon abgesehen, dass das Schiff beim kleinsten Manöver einfach zerfetzt werden würde. So aber glitt der stählerne Titan sanft durch die leeren Ebenen des Trinity-Systems. Der Gigant selbst hatte in etwa die Ausmaße einer Kleinstadt und war selbst so beinahe unmöglich zu navigieren. Ein einfacher Handelskreuzer, der Waren innerhalb weniger Tage an jeden Punkt in den menschlichen Sektoren bringen konnte. Ägir nahm den Kaffee, den er auf die Lehen seines Sitzes abgestellt hatte und trank hastig einen Schluck.

Schreckliches, chemisch schmeckendes Zeug, aber etwas anderes bekam man hier draußen auch nicht. Die nächste Kaffeeplantage war gut 16.000 Lichtjahre entfernt. Er blickte durch das Sichtfenster nach draußen. Fenster war allerdings vielleicht der falsche Ausdruck dafür-. Es handelte sich um mehrere Bildschirme, die mit Kameras auf der Schiffshülle verbunden waren und ihm so einen Rundumblick ermöglichten. Das Kontrollzentrum für den Koloss aus Stahl war tief im Herzen des Schiffs gelegen und der Blick nach draußen an sich nur eine Annehmlichkeit. Das meiste übernahmen automatische

Systeme, denn ein Monster wie dieses manuell zu steuern war ohnehin fast unmöglich. Das hieß für die meisten Piloten. Ägir hingegen brachte fertig, was nur die absolute Elite der Handelsmarine jemals meistert. Es war notwendig, kleinste Kurskorrekturen auch ohne Technik vornehmen zu können, besonders während den kritischen Andockprozeduren. Ein Fehler und es gab eine Katastrophe, den die tausende Tonnen Stahl wurden im All durch fast nichts gebremst und würden einfach alles zerschmettern, was ihnen in den Weg kam. Um den Kontrollraum herum, dessen Einrichtung aus dem Außen- Bildschirm

und mehreren Anzeigen für sämtliche Systeme des Schiffs bestand, waren die Kommunikation-Einrichtungen untergebracht, welche noch auf Funk basierte. Innerhalb eines Sternsystems reichte das meist auch aus, auch wenn es aufgrund der Entfernungen zu Verzögerungen kam. ,, Schon Kontakt zur Station ?“ , fragte Ägir. Der Navigator, der an einem Platz auf der linken Seite Stand sah verwirrt auf. ,, Nein .. Wir bekommen gar nichts über Funk rein.“ Er kratzte sich verwirrt am Kopf. ,, Nur weißes Rauschen. Aber ziemlich seltsames…“ Neben dem Navigator gab es an Bord

grade mal acht weitere Lebewesen. Mehr waren auch nicht nötig. Den Großteil der Flugmanöver übernahm entweder der Computer oder Ägir. Er schaltete die Anomalie, die der Navigator entdeckt hatte, auf Lautsprecher. Ein gleichmäßiges Summen füllte den Raum, das in regelmäßigen Abständen abbrach um dann erneut aufzutauchen. ,, Ist das ein Signal ?“ , fragte Ägir. ,, Keine Ahnung aber, wir können die Station nicht finden. Entweder, dieses Rauschen beschränkt irgendwie ihre Kommunikation und blendet unsere Systeme oder…“ ,, Verarschen sie mich nicht. Eine

Raumstation kann nicht einfach verschwinden.“ , meinte Ägir. ,, Sie verstehen nicht… Es ist nicht nur die Station…“ Der Mann machte eine kurze Pause. ,, Ich kann nichts in diesem System finden. Da sollten noch irgendwo fünf Planeten sein…“ „Machen sie sich nicht lächerlich. Vielleicht sind die Empfänger für den Funk beim letzten Sprung zerstört wurden. Kommt ab und zu v…“ Bevor er den Satz beenden konnte wurde das Schiff durchgeschüttelt und mehrere Warnlampen sprangen Zeitgleich an. Ein Sicherungskasten in der Nähe brannte sofort durch. Die Bildschirme und Anzeigen färbten sich auf der Stelle

schwarz und der gesamte stählerne Gigant geriet ins Taumeln. Etwas das sie normalerweise gar nicht mitbekommen hätten. Die künstliche Schwerkraft würde alles in Position halten, es sei denn diese viel auch aus. Der Kapitän sah auf eine kleine Kontrolltafel. Unter einem Schild mit der Aufschrift ,,Schwerkraft“ blinkte eine rote Lampe. Kein Grund zur Sorge, ermahnte der Kapitän sich. Solange alle anderen Systeme noch funktionierten, waren sie nicht wirklich in Schwierigkeiten. Außer, dass der Kaffee aus seiner Tasse begann durch den Raum zu schweben und er selbst sich festhalten musste, um nicht dessen Schicksal zu

teilen. ,, Was war das ?“ , verlangte er zu wissen. Langsam flackerten zwei der Bildschirme wieder auf. Die anderen blieben Dunkel. Was immer sie getroffen hatte, musste die übrigen Kameras gegrillt haben. Im nächsten Moment kehrte auch die Schwerkraft zurück und Ägirs Kaffee klatschte irgendwo auf den Metallgitterboden und versickerte in den Schiffsinnereien. ,, Keine Ahnung.“ , antwortete der Navigator. ,, Aber… was uns da getroffen hat.. bevor alles ausgefallen ist haben die Instrumente und sämtliche Strahlungsmesser verrückt gespielt.

Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich fast sagen…“ Der Navigator nahm ein paar Einstellungen vor und erbleichte, als er die neuen Daten betrachtete. ,, Gott steh uns bei.“ Ägir lief hinüber um zu sehen, was den Mann so aus der Fassung brachte. Allein die Anzeigen der Sensoren waren beunruhigend. Die Strahlung in diesem Gebiet war weit jenseits von allem, was sie erwartet hätten, aber die Schiffshülle würde sie wohl eine Weile schützen. Die verbliebenen Kameras waren jetzt so eingestellt, dass sie einen Blick quer über das Sonnen-System warfen. Oder das, was einmal ein Sonnensystem gewesen

war. ,, Ist es das wofür ich es halte ?“ , fragte Ägir. Da draußen glühte keine Sonne mehr. Nur Dunkelheit mit einer leuchtenden Materiescheibe die mit unvorstellbarer Geschwindigkeit darum gewirbelt wurde. Er hatte nur einmal etwas Ähnliches gesehen. Normalerweise machten sämtliche Standardrouten einen gewaltigen Bogen um schwarze Löcher. Und das hier sollte gar nicht da sein… ,, Sieht so aus. Und der Jetstream von dem Ding hat und getroffen.“ ,, Die Sonne hier hatte niemals genug Masse für so etwas.“ ,, Was tun wir also ?“ Ägir stemmte den Kopf in die Hände.

Das sollte doch Routine sein… Das bedeutete Überstunden, da war er sich sicher. Und jede Menge Papierkram. ,, Benachrichtigen sie , ich weiß nicht… am besten direkt die Erde… sagen sie ihnen das… das das Trinity-System offiziell… nicht länger existiert.“

Kapitel 1 Ein Angebot

 

Kapitel 1 Ein Angebot

 

3 Monate später…

 

Es klopfte an seiner Wohnungstür. Rafail  Coel watete einen Augenblick, in der Hoffnung, der Besucher würde einfach aufgeben. Er musste wohl eingeschlafen sein, wie so oft. Im Wohnzimmer auf der Couch. Auf dem Tisch vor ihm lagen verschiedene Medikamentenpäckchen, Schmerzmittel und ein Revolver mit einer Hand voll Kugeln daneben. Er würde die Waffe später wieder verstecken.

Ein Whiskey-Glas mit bernsteinfarbenem Inhalt.

Der Fernseher lief stumm nebenher.  Offenbar eine Nachrichtensendung, aber es interessierte ihn ohnehin nicht wirklich.

,, Ich brauche keine Werbung. Und Pakete können sie an der Tür liegen lassen.“ , rief er.

Es klopfte lediglich erneut.

Schließlich setzte er sich auf und humpelte langsam in Richtung Flur. Das linke Bein zog er ständig etwas nach, weil es sein Gewicht kaum tragen konnte. Nicht mehr zumindest.

Der Gang auf den er hinaus trat  war mit einem Teppich ausgelegt.

Etwas altmodisch, wie manchem denken mochten. Aber Coel mochte altmodisch.

,, Bin ja gleich da.“ Sein Kopf schwirrte und schien einfach nicht stilstehen zu wollen. Was auch an dem halb leeren Whiskeyglas liegen konnte, das wohl immer noch auf dem Couchtisch stand.

Seit Artherium trank er zu viel, das wusste er. Aber wie sonst könnte er noch vergessen?

Sich zu betrinken war der einfachste  Weg.

Er öffnete die Wohnungstür umständlich und sah in das Gesicht eines Mannes, den er zuletzt vor Zehn Jahren gesehen hatte. Dunkle, mittlerweile von mehreren grauen Strähnen durchzogene Haare

rahmten ein unnachgiebig wirkendes Gesicht ein.

Am liebsten hätte Coel die Tür wieder zugeschlagen. Aber als er mit dem rechten Arm ausholen wollte, tat sich natürlich nichts. Es war immer wieder seltsam, wenn er zumindest dieses Detail zeitweise vergaß.

Sein rechter Arm wahr seit dem Vorfall gelähmt. Die Druckwelle hatte sämtliche Nerven einfach direkt zerfetzt.

Das Hinken in seinem linken Bein verdankte er ebenfalls dem Artherium-Einsatz. Den letzten Momenten auf einer sterbenden Welt.

Er war ein menschliches Wrack, sowohl körperlich als auch psychisch, da

brauchte er sich nicht selbst zu belügen.

Rafail riss die Tür nun mit der linken Hand auf

Er sah den Mann im Türrahmen einige Augenblicke nur skeptisch an. Die Tür selbst war noch so ein altmodisches Relikt.

Keine automatische, die sich auf Knopfdruck öffnete sondern noch mit Scharnieren.

Cain Steel trug die typische saubere Uniform eines Militärs. Offenbar hatte er seit ihrem letzten Treffen einige Beförderungen erhalten, wie er leicht an dem guten Dutzend neuer Abzeichen sehen konnte. Irgendwie musste das Parlament ihm ja die Zerstörung eines

Planeten vergüten.

,, Was wollen sie ? , fragte er lediglich kühl. Es war nicht wichtig, was er wollte. Coel würde zuhören… und ihn dann rauswerfen. Wenn Cain zum Reden hier war.

,, Möglicherweise ihre Hilfe.“

Er blinzelte einen Augenblick verwirrt. Coel war sich nicht sicher, ob er sich nicht verhört hatte.

,, Und ich dachte sie wollten endlich ihren letzten Zeugen erledigen.“ Was durchaus immer noch im Bereich des Möglichen lag, dachte er.

Er war das lose Ende von Artherium. Ein Zahnrad, das aus dem Getriebe fiel war immer gefährlich, trotz der Summe, die

jeden Monat wie von Geisterhand auf seinem Konto erschien.

Anonymes Schweigegeld. Gewissensgeld, Er  hatte nie zugestimmt zu schweigen.

,,  Das war nie unsere Absicht Coel. Aber sie haben damals  Befehle miss achtet, das ist ihnen klar?“ , erklärte Steel.

,, Ich habe was ? Hören sie sie haben…“ Er versuchte seine Fassung wieder zu gewinnen. Die bewegliche Linke ballte sich zur Faust.

,, Wir können uns jetzt streiten oder sie können sich anhören was ich zu sagen habe.“ , unterbrach ihn der Mann.

Coels Hand entspannte sich. Es nützte nichts wütend zu werden. Aber es würde

ihm besser gehen…

Trotzdem trat er schließlich beiseite und ließ Steel an ihm vorbei in die Wohnung.

,, Dann kommen sie halt rein Cain.“

,, Danke.“

Cain Steel trat in den Flur und sah sich um. Ein Bild zu seiner linken zeigte Coel mit seinen fünf Leuten und einigen weiteren. Viele davon hatten den Planeten nicht mehr Lebend verlassen.

War das schon auf Artherium? Oder davor ? Coel selbst wusste es nicht mehr genau.

Die Jahre dort… waren Wahnsinn gewesen. Tot, Zerstörung und eine unglaubliche, unvorstellbare Kriegsmaschinerie, vor der Götter

gezittert hätten.

Coel verschwand, ohne darauf zu achten ob Steel  ihm folgte, durch eine Tür am Ende des Ganges.

Noch vor fünf vielleicht auch noch vor einem Jahr hätte Coel ihn wohl erst gar nicht rein gelassen, sondern direkt an der Tür erschossen.

Er ging Coel nach und trat durch einen Durchgang in etwas, das wohl ein  Wohnzimmer sein sollte. In einer Ecke stand ein Sofa, wieder altes Design, ein Sessel und auf einem Tisch ein halbvolles Glas mit einer dunklen Flüssigkeit. Die Waffe beachtete er kaum.

Ohne ein Wort ließ sich Coel in den

Sessel fallen und nahm das Glas. Er stürzte den Inhalt in einem Zug hinunter.

,, Also, was soll das? Ich hatte gehofft keinen von euch je wieder zu sehen.“ , erklärte er immer noch kalt und abweisend. ,, Schon gar nicht sie.“

,, Ich glaube, sie unterschätzen wie wertvoll sie für uns waren.“ , gab Steel zurück.

,, War, genau das ist der Punkt. Wenn sie sich erinnern  ich bin aus dem Dienst entlassen. Suspendiert… gefeuert… Suchen sie sich ein Wort aus.,“ Coel stellte das leere Glas weg. ,, Unehrenhaft entlassen trifft es wohl am besten. Mit der GTDF habe ich nichts mehr zu tun.“

,, Möglicherweise doch.“ , erklärte sein

gegenüber.

,, Wie meinen sie das ?“

,, Wir machen ihnen ein Angebot.“

Rafail Coel stand langsam wieder auf und drehte Steel den Rücken zu.

,, Wie kommen sie auf die Idee, das ich auch nur darüber nachdenken würde, ihnen zu helfen ? Um was auch immer es geht. Die Antwort ist nein.“
,, Und wenn ich ihnen sage , dass wir sämtliche Anklagen und Auflagen was sie betrifft fallen lassen ? Sie könnten von vorne anfangen.“

Coel lachte. Das war in etwa so wahrscheinlich, wie… ihm viel kein passender vergleich ein.

,, Sie werden nie aufhören mich zu

überwachen, weil  sie genau wissen, dass ein Wort von mir sie und  so ziemlich jeden Politiker und Militär im Parlament den Kopf kosten würde.“

,, Die Dinge haben sich geändert Coel. Was interessiert heute noch, was vor zehn Jahren geschah.“ , erwiderte Steel ruhig.

Coel wirbelte herum. ,, Sie haben ohne Grund ein…“

Cain seufzte und sah beinahe mitleidig zu ihm auf. ,, Hören sie Rafail : Glauben sie mir hat das Spaß gemacht? Ich habe einen Planeten zum Untergang verdammt und die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Aber ich habe Befehle befolgt.“

Nun war es Coel, der Cain Mitleidig

ansah.

,, Wenn sie das wirklich glauben, wenn sie noch in den Spiegel sehen können, ohne dabei zu überlegen, was sie alles getan haben… dann tun sie mir leid.“

,, Also, was ist ? Keine Überwachung mehr, keine Auflagen mehr. Sie könnten verschwinden, oder wenn das ihr Gewissen beruhigt auch mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit gehen, wenn das noch jemand kümmert.“

Coel musste einen Moment schweigend nachdenken. Endlich weg von hier ? Nicht mehr schlaflos nachts wach liegen und darüber nachdenken, was er gesehen... was er zugelassen hatte.

Und nie mehr die Angst, wenn er das

Haus verließ hinter sich plötzlich Schritte zu hören, sich umzudrehen und in die Mündung einer Pistole zu starren. Das letzte, was er sehen würde…

Und doch… er hatte keinerlei Garantie, nichts in der Hinterhand außer einigen Daten und dem Wissen in seinem Kopf. Nichts, das ihm absolute Sicherheit gab.

Aber Rafail machte sich auch  nichts vor. Wollte er jemals damit anfangen, seine Vergangenheit zumindest etwas hinter sich zu lassen, war dies der perfekte Weg und vermutlich die einzige Gelegenheit.

,, Um was geht es ?“ Es konnte nichts zu großes sein, oder? Er war nicht mehr wirklich in der Lage viel zu tun.

 Andererseits… wenn sie ihn fragten, waren sie entweder verzweifelt oder planten etwas.

,, Sie machen mit ?“ , Cain war offenbar überrascht, dass er sich dazu entschlossen hatte.

Coel verstand seine Entscheidung selbst nicht wirklich. Natürlich… ein Neuanfang… aber, er hatte diesen Leuten bereits vertraut und war getäuscht worden. Oder hatte sich täuschen lassen.

,, Sagen sie mir  zuerst, was sie möchten. Dann kann ich anfangen darüber nachzudenken, ob sie wieder Völkermord begehen oder ob sie mich wirklich brauchen.“

,, Nicht hier.“ Der Mann  warf eine

kleine Plastikarte auf den Tisch.

Coel nahm sie, ohne sich die Karte wirklich anzusehen.

,, Eine Zugangskarte.  Adresse steht auf der Rückseite. Entweder sie erscheinen… oder  eben nicht. Acht Uhr morgen früh.“

Steel sprang ohne Vorwarnung auf und trat nach draußen. Keine Verabschiedung, ein weiteres Wort.

Rafail hörte nur, wie die Tür hinter dem Mann  ins Schloss fiel.

Was konnte das Militär noch von ihm wollen? Die Frage blieb. Er drehte die Karte gedankenverloren herum. Die Adresse kannte er nicht.

Ein Posten der GTDF, vermutete er.

Bei der GTDF eine Abkürzung für Galactic Trading and Defense Force handelte es sich eine Abteilung des Militärs, die sich offiziell  hauptsächlich mit Abwehr und Waffentechnik befasste, inoffiziell aber längst den Großteil des Militärs kontrollierte  und sich aus Wissenschaftlern wie auch Soldaten sämtlicher Nationen rekrutierte. Wobei diese auch nur och auf dem Papier existierten.

Seit die  Menschheit vor etwa 200 Jahren begonnen hatte mit Hilfe neuer Technologie auch weiter entferntere Sternensysteme zu erreichen, hatte sich viel verändert. Die plötzliche Erkenntnis, dass es im All Millionen von Planeten,

darunter Welten, die ohne größere Probleme Bewohnbar waren gab, hatte wie ein Weckruf auf die alten und neuen Industrienationen gewirkt.

Die ohnehin bis an die Belastungsgrenze ausgebeutete Erde schien plötzlich Bedeutungslos und auch die Minen auf den Gesteinsplaneten des Sonnensystems und dem Mond.

Gegen das, was jetzt zur Verfügung stand, verblasste alles.

Rohstoffprobleme oder Kriege um Territorium erschienen plötzlich der Vergangenheit anzugehören und im Zuge dessen hatten sich die meisten Länder unter  einem großen Banner, dem Parlament, zusammengeschlossen, auch

wenn sie ihre jeweilige Unabhängigkeit in der Innenpolitik behielten.

Aber alles was Kolonialisierung oder Außenpolitik anging, blieb dem Parlament überlassen.

Außenpolitik.. ein Begriff, der ebenfalls völlig neu hatte interpretiert werden müssen, spätestens seit Entdeckung der Unity… oder seit die Unity sie gefunden hatte.. was mehr der Wahrheit entsprach.

Der Kulturschock war zwar ausgeblieben aber Coel wurde unruhig bei dem Gedanken an die seltsamen, ihnen technisch völlig überlegenen,  Wesen, die sich seit ihrem ersten Auftauchen vor gut fünfzig Jahren in alles versuchten

einzumischen.

Botschafter nannten sichtbare Vertreter. Aber vielleicht war das das falsche Wort. Wenn man einem Wesen gegenüberstand, das möglicherweise älter als die erste menschliche Zivilisation war…

Er wollte nicht weiter darüber nachdenken.

Die plötzliche Erkenntnis nicht allein im Universum zu sein  es sich augenscheinlich sogar mit Wesen zu teilen, die man leicht für Götter halten könnte…

Vor allem die großen Religionen, allen voran Christentum, Judentum und Islam hatte dies in eine gewaltige Krise

gestürzt.

Der Unity zu begegnen hatte sich allerdings auch in vielerlei Hinsicht als Glücksfall erweisen. Ohne sie wäre Verständigung zwischen den verschiedenen Völkern nicht möglich… es war auch so schon schwierig genug, wie nicht zuletzt Artherium bewiesen hatte.

Das Konzept Krieg schien als einziges  jede Spezies zu verstehen.

 

Eine nüchterne wenn auch traurige Erkenntnis. Mittlerweile waren der Menschheit  mit der Unity drei verschiedene wirklich  Intelligente Rassen  bekannt, manche davon weiter,

andere weniger weit entwickelt.

Von den unzähligen Tieren und Pflanzen, die man neu entdeckte und die sich teilweise nicht mehr in die klassischen, bekannten  Artenfamilien einordnen ließen ganz zu schweigen.

Und natürlich einige primitive Völker, bei denen sich eine beginnende Kultur grade zu entwickeln schien , deren Planeten die Unity allerdings persönlich unter Schutz gestellt hatte.

Es war auch ein durchaus vernünftiger weg zu sein, solche Planeten zu ignorieren. Politische oder Handelsbeziehungen erschienen ohnehin beinahe unmöglich.

Wie sollte man jemanden, der nicht

einmal wusste was ein Atom war erklären, wie es kam das plötzlich eine riesige Maschine aus dem Himmel stürzte?

Bei den Artheranern war es schief gegangen, auch wenn man dort nie wirklich auf Verständigung Gesetzt hatte. Anfangs vielleicht, aber dann…

Coel hielt sich davon ab weiter nachzudenken.

Wenn er vermeiden wollte heute wieder eine Flasche Whiskey auf der Strecke zu lassen, sollte er sich besser nicht erinnern…

 

10 Jahre zuvor…

 

Feuer, er spürte die Hitze selbst durch die isolierten Schiffwände hindurch. Durch das kleine Sichtfenster fiel blendend weißes Licht und erhellte den Innenraum.

Sein Kopf drehte sich immer noch, er spürte wie Blut über sein Gesicht lief… hatte er sich Geschnitten?

,, Hey, schön wach bleiben.“ Er sah zu dem Mann auf, der sich über ihn beugte und sich mit einer Erste-Hilfe Ausrüstung an seiner Stirn zu schaffen machte. Der Pilot.. einer seiner Leute… er suchte in seinem Verstand nach dem Namen. Martin Richter, ein Deutscher wenn er richtig lag.

Er wollte den Mann abschütteln, merkte

aber da erst, dass ihm sein rechter Arm nicht mehr gehorchte. Starke Quetschung, überlegte er, vermutlich vom Aufprall an der Shuttlewand.

,,Hören sie mich?“

Coel schob den Nebel, der sich in seinem Kopf breit machte Beiseite.

,, Mir geht es gut.“ , brachte er hervor und setzte sich auf. ,, Wie ist der Status der anderen vier Schiffe?“

,, Drei sind mit allen Flüchtlingen rausgekommen. “ Martin schwieg einen Moment. ,, Einer hat es nicht geschafft bevor…“

 

Coel stand langsam auf und balancierte schließlich  auf einem Bein. Das andere

schmerzte zu sehr. Der dunkle Stoff der Hose die er trug war Blutdurchtränkt.

Er sah zur Shuttletür. Als er reingeschleudert wurde, musste er hängengeblieben sein…        

Eine Ironie . Das GTDF zahlte ihnen Ausrüstung im Wert von Einfamilienhäusern, aber Coel hatte immer auf Beinpanzerung verzichtet. Es machte einen nur langsam.

Halb lachend humpelte er zum Sichtfenster und sah hinaus.

Das Strahlen hatte bereits etwas nachgelassen.

Mittlerweile mussten sie sich weit genug von Artherium entfernt haben und sich im Weltall befinden. Trotzdem konnte er

keine Sterne erkennen. Alles wurde überstrahlt von dem Schauspiel, das sich ihm durch das getönte Glas bot.

Der Planet schien in Licht gehüllt zu sein, wie eine Hülle hatte es sich um den Planeten gelegt.

Raste jetzt in wirren Mustern und Wellen darüber um sich im nächsten Moment in einer flackernden Feuersäule zu manifestieren. Der Planet brannte, die Atmosphäre verbrannte… das Gestein der Kruste selbst verflüssigte sich.

 

 Als das Licht schließlich verschwand musste  Coel mehrmals blinzeln. Nachbilder hatten sich in seine Netzhaut gebrannt.

Und dann warf er das erste Mal einen Blick auf das, was sie aus einer einstmals vor Leben überfließenden Welt gemacht hatten.

Was einst aus dem Orbit von grün-blauen Meeren und Wäldern  geprägt gewesen war, glich jetzt einem gigantischen Ball aus geschmolzenem Gestein.

Aschewolken stiegen auf und bildeten dicke Dunstschleier über der Planetenoberfläche. Von den Kontinenten oder Gebirgen, die man einst aus dem Weltall hatte sehen können war nichts geblieben.

Pulverisiert von der reinen Gewalthinter den Angriff. Eine Wolke aus Staub und Gas zog sich hinter dem Planeten dahin.

Darin enthalten die Gebirge, die Meere und die Überreste der einstigen Bewohner.

Coel wendete sich ab.

,, Sir ?“

,, Was ist mit den übrigen Schiffen ?“

,, Wie sie es befohlen haben, werden alle Artheraner auf den nächsten sicheren Planeten gebracht. Sobald es ruhiger wird, können sie hoffentlich von dort verschwinden.“

,,  Wir haben viel zu wenige gerettet.“ ,stellte Coel betrübt fest. ,, Bereuen sie es mir geholfen zu haben?“

,, Nein… Ich denke wir haben  das richtige getan.“ Coel nickte. Ja. Das würde aber nicht jeder so sehen. ,, Und

wir haben gerettet, wen wir konnten. Ich denke… viele sind auch so entkommen.“

,, Vielleicht. Sie hatten ein paar Schiffe.“ Er machte eine kurze Pause, warf noch einmal einen Blick zurück auf den zerstörten Planeten. ,, Martin. Wenn sie oder die anderen Piloten jemand fragt… Ich habe ihnen falsche Tatsachen vorgehalten verstanden? Ich habe Befehle nicht an sie überbracht und sie im Glauben gelassen, meine Befehle wären die der GTDF gewesen.“

,, Mit Verlaub, das werde ich nicht. Ich will diesen Schweinen ins Gesicht sagen, was sie getan haben. Ich werde…“
,, Es reicht wenn eine von uns fünf vor einem Kriegsgericht landet. Sie halten

sich raus. Das ist ein Befehl.“ Er sah erneut aus dem Fenster. ,, Vermutlich der letzte den ich ihnen geben werde.“

,, Soll ich uns zum Sammelpunkt bringen ?“ , wollte Martin wissen.    

,, Tun sie das. Wozu es herauszögern ? Weglaufen werde ich ganz sicher nicht. An der Horus kommen wir ohnehin nicht vorbei.“

 

 

Coel schreckte hoch. Sein Kopf schmerzte. Er sah auf das leere Glas. Er hatte sich doch erinnert…

Er warf einen Blick auf die Uhr… halb acht… Wenn er wirklich auf das Angebot Cains eingehen wollte müsste er sich

jetzt entscheiden.

Die kleien Plastikkarte lag auf dem Tisch. Er könnte sich zumindest anhören, was man ihm zu sagen hatte. Gefiel es ihm nicht wäre er ganz schnell wieder weg.

Rafail stand auf und wankte ins Bad. Es war ihm zwar egal was die GTDF von ihm hielt, aber er wollte auch nicht unbedingt so aussehen wie  jemand, der sich zehn Jahre lang in einer Höhle verborgen hatte.

Coel erkannte sein Gesicht ohnehin kaum wieder. Blutunterlaufene blaue Augen… ein  Bart…  wann hatte es ihn das letzte Mal interessiert wie er aussah? Offensichtlich war es zu lang her…

Kapitel 2 Auf dem Weg

Rafail Coel lief durch die noch im Dunkeln liegenden Straßen. Ein grauer Himmel erstreckte sich über ihm, aber darauf achtete man eigentlich nicht mehr.

In den Städten war der Himmel immer grau. In den letzten hundert Jahren hatte die Industrie sich durch die schier endlos erscheinenden Rohstofflieferungen aus den Kolonien zehnmal so schnell entwickelt wie im gesamten Zeitraum zuvor. Das hatte allerdings seinen Preis gefordert.

 

Auf der einen Seite war durch die

beinahe nicht mehr vorhandenen Ressourcen auf der Erde diese gesamte Industrie von Lieferungen aus dem All abhängig und auf der anderen Seite stand die Erde kurz vor einem totalen ökologischen Kollaps, denn auf so etwas wie Umweltschutz.. achtete niemand.  Die meisten schon Anfang des 21 Jahrhunderts gefährdeten Arten waren mittlerweile völlig ausgestorben. Panda, Löwen, Tiger oder Wale sah man höchstens noch als Ausstellungsstücke der Naturkundlichen Museen.

Andere Lebewesen, vor allem Nutztiere, hatte man mit viel Aufwand auf anderen Planeten ansiedeln können.

Aber es blieb ein Fakt, dass die Erde

biologisch ein sterbender Planet war. Wer sich erholen wollte, buchte eben einen Flug auf einen der Kolonieplaneten und blieb ein paar Wochen dort. Auf der Erde ans Meer zu fahren wäre ohnehin nicht empfehlenswert gewesen. Vor allem vor der Chinesisch-Japanischen und der Amerikanischen Küste hatte das Wasser teilweise den Säuregrad von Essig.

 

Coel schob diese Gedanken beiseite. Es ging ihn nichts an. Und hatte er nicht selbst dazu beigetragen?

Anfangs hatte das Parlament eine äußerst aggressive Expansionspolitik betrieben. Lebensfreundliche Welten  ohne

Intelligente Spezies waren, ohne jede ökologische Rücksicht, besiedelt worden. Und Welten mit eigenen Bevölkerung… nun auch dort hatte man kurzen Prozess gemacht.

Wenn es keinen Handel gab… war es wertlos. Wen kümmerten ein paar hunderttausend Lebend denn?

Die hohen Herren des Parlaments und der Wirtschaft sicher nicht.

Die Unity und ihre Botschafter allerdings wurden nicht Müde, diese Missstände immer wieder anzuprangern. Sie drohten nie. Aber das war auch nicht nötig.                                                                                                                                   

Allgemein wurde angenommen, dass alle Kulturen sich in einem technologischen Rahmen von 300 Jahren mehr oder weniger Entwicklung  bewegten, je nachdem wie schnell der Fortschritt ablief.

Aber die Unity… war ein Ausreißer in die umgekehrte Richtung. Diese Wesen waren nur als seltsam zu beschreiben und wieso sie sich überhaupt die Mühe machten, die aus ihrer Sicht wohl geradezu primitive Menschheit zu unterstützen… war ein Rätsel, auf das sie auch keine genaue Antwort gaben, wenn man sie fragte.

Aber verärgern wollte sie sicher niemand…

Coel suchte sich weiterhin einen Weg durch die Häuserschluchten. Die Gebäude, die links und rechts von ihm aufragten waren das typische Bild der meisten Städte auf der Erde.

Hoch aufragende Türme aus Glas und Stahl, die teilweise Terrassen mit Pflanzen besaßen, welche zumindest einen kleinen Farbfleck darstellten. Auf den Dächern gab es Solarzellen, welche die Bauten mit Strom versorgten. Wenn die Sonne zu sehen gewesen wäre, hieß das.

Kleinere Siedlungen und Dörfer waren mittlerweile eine Seltenheit geworden und entweder mit den sich ausbreitenden Städten verschmolzen oder verlassen

worden.

Auf den Straßen herrschte reger Verkehr. Mehrere Magnetschienenbahnen rasten an ihm vorbei. Eigentlich hätte er mit einer davon sein Ziel erreichen können. Aber trotz seinem verkrüppelten Bein ging er lieber zu Fuß. Auch wenn das bedeutete, das er sich auf eine Krücke stützen musste. Es gab ihm zumindest etwas das Gefühl, sein Leben unter Kontrolle zu haben.

Was nicht wirklich der Fall war.                                      

 

 

Er sah erneut auf die Karte, die Cain ihm am Tag zuvor übergeben hatte.

Die Adresse gehörte zu einem grauen Gebäudekomplex am Westende der Stadt, ein Bauwerk, das soweit er wusste der GTDF gehörte. Etwas, das zu erwarten gewesen war.

Auf der Rückseite befand sich ein einfacher schwarzer Magnetstreifen.  Vermutlich war irgendwo in der Karte noch ein ID-Chip verbaut, für den Fall das jemand anderes als  der eigentliche Besitzer sie verwenden würde.  Eine todsichere Methode eine lange Zeit in einer Zelle zu verbringen. Wenn eine falsche ID nicht sofort einen Selbstschussmechanismus auslöste.

Und wenn genau das Cains Absicht war überlegte er… Wenn er ihm eine falsche

Karte gegeben hatte um ihn so loszuwerden… etwas, das wie ein Einbruchsversuch oder Unfall wirken würde?

Jetzt hör aber auf, ermahnte Coel sich selbst. Du wirst ja wirklich paranoid. Wenn er das nicht schon längst war.

Die GTDF hätte ihn jeden Moment in den letzten 10 Jahren ausschalten können. Und nur die Drohung, sein Wissen werde bei seinem Tod an die Öffentlichkeit kommen hatte ihn beschützt. Einen schwachen Schutz, basierte er doch auf einer Lüge. War er tot, verstaubten seine Daten in einem Bankschließfach.   So sah es aus.

Aber es war eine glaubhafte Lüge…

Wieder holten ihn seine Erinnerungen ein.

 

 

10 Jahre zuvor…

 

Am Sammelpunkt wurden sie sofort in Gewahrsam genommen. Die Horus war das Flaggschiff der Flotte, die das Parlament und die GTDF in den letzten Jahren aufgestellt hatten. Ein gewaltiges, aus Stahl, das ohne Bewegung mitten im All schwebte.

Ein Schiff der Titan-Klasse, Schiffe ,die leicht ein dutzend Kilometer Durchmesser hatten und als mobiler Hangar , Versorgungsstation und

Kommandoposten diente.

Gegen Artherium und in beinahe jeden denkbaren anderen Konflikt, hätte ein Schiff dieser Bauart  gereicht, aber in der Ferne konnte Coel noch weitere, kleiner Fregatten glitzern sehen, die dem Giganten Geleitschutz gaben.

Über Funk hörten Coel und Martin, der Pilot, sobald sie in Reichweite waren, die wütende Stimme des Flottenkommandanten, der ihnen unter Androhung sie sonst abschießen zu lassen, befahl in einem der Schiffshangars zu landen.

Er war nicht einmal halb aus dem Shuttle, als sie auch schon ein ganzes Kommando Sicherheitsleute umstellt

hatte.

 

Und  an Bord der Horus saß Coel nun grade in einer Einzelzelle und überlegte sich, was er sagen würde.

Ihm war klar, das ihm selbst im besten Fall eine Anklage wegen Befehlsverweigerung und Verrat drohte… bestenfalls und wenn er sich beim Verhör gut verkaufte.

Schlimmstenfalls würde in den nächsten Minuten einfach ein bewaffneter Offizier in der Zelle auftauchen und Rafail Coels leben beenden.

Vermutlich würde das Ganze dann als Fluchtversuch abgestempelt werden und er in einem der zahllosen Gräber landen

den dieser Konflikt schon gefordert hatte.

Doch nichts von beidem geschah. Weder erschien jemand um ihn abzuholen… noch um ihn endgültig wegzuschicken.

Stunden vergingen, in denen er sich jeden Winkel des kleinen Raums genau ansah, in der vergeblichen Hoffnung auf eine Fluchtmöglichkeit oder vielleicht auch einfach nur aus Langeweile.

 

Der Raum wurde auf drei Seiten durch massive Wände aus Metall begrenzt und auf der vierten, die die auf den Gang hinausführte durch  eine durchsichtige Scheibe aus bruchsicherem Glas.

Dahinter verlief der Zellengang. Soweit

er wusste hatte die Horus drei Zellendecks, ursprünglich gedacht für Kriegsgefangene. Vermutlich waren alles bis auf seine und die seines Piloten, der wohl auch irgendwo festgehalten wurde, leer.

Er legte sich auf die einfache Pritsche und ging in Gedanken den Aufbau des Schiffs durch, soweit er ihn noch in Erinnerung hatte. Vielleicht gab es doch eine Möglichkeit.

Die GTDF hatte keine Gefangenen auf Artherium gemacht.

Unter den Zellendecks lag die Energieversorgung, mit den Nova-Reaktoren und den Antrieben.

Über den Zellendecks lagen die Depots.

Waffen, Lebensmittel und Fahrzeuge für die Einsatztruppen. Darüber wiederum lag eine Forschungsebene,  wo man vermutlich selbst jetzt noch die Ergebnisse ihres... Tests… auswerteten.

Und darüber das Kommandodeck und die Schiffnavigation. Hier würde alles zusammenlaufen. Die Steuerung des Stahlgiganten, die Feuerkontrolle… und die Lebenserhaltung. Gewaltige Tanks mit Sauerstoff und  Algen  im Herzen des Schiffs und CO2 Filter sorgten dafür, dass die kleine Stadt im All Monatelang ohne Versorgung von außen überdauern konnte.

Die Lebenserhaltung…

Er betrachtete die Zellentür aus

Plexiglas. Die Zellen waren Vakuumdicht, denn bei einem Ausbruchsversuch würde einfach die Luft aus den Gängen gezogen werden… Jeder der sich dann nicht in einer Zelle aufhielt wäre sofort Tod.

Das hieß aber auch, dass jede Zelle eine eigene Sauerstoffversorgung hatte…

Er suchte die Wände ab und entdeckte eine Stelle, an der auf der ansonsten makellosen Stahlwand Schweißnähte zu erkennen waren.  Aber offenbar war bei der Arbeit geschlampt worden.

An einigen Stellen war die Naht brüchig.

Einen Versuch war es in jedem Fall Wert.

Er nahm so gut es ihm mit seiner

Beinverletzung möglich war Anlauf und warf sich mit der guten Schulter gegen die Wand.

Der Stahl gab erstaunlich leicht nach. Offenbar hatte man hier tatsächlich gespart. Oder die Werftarbeiter hatten einfach einmal früher Pause gemacht. Was es auch war, die dünne Metallplatte gab nach. Das Metall hing nun nur noch an einer einzigen Schraube und Coel konnte es leicht entfernen.

Vorsichtig legte Coel die Platte bei Seite und lauschte. Einen akustischen Alarm schien es zumindest nicht zu geben.

Entweder hatte man hier wirklich gespart… oder er hatte einfach unvorstellbares Glück.

Hinter dem Panel  lag ein Lüftungsschacht. Wie er erwartet hatte. Irgendwie musste der Sauerstoff ja in den Raum.

Es würde nicht unbedingt leicht werden, aber er könnte so zumindest aus der Zelle gelangen. Die Frage war nur wo der Schacht endete. Das Beste wäre es, zu Versuchen das Depotdeck zu erreichen und sich ein Schiff aus dem Hangar zu schnappen. Und dann zu beten, das die Horus ihn nicht in Stücke schoss.

Ein einziges Railgun-Projektil reichte um jeden Fluchtversuch seinerseits in einer Trümmerwolke enden zu lassen.

Allerdings wollte er vorher Martin

suchen. Er wollte ihn nicht zurück lassen, solange er die Möglichkeit hatte, ihn zu befreien. Und seien Überlebenschancen stiegen drastisch mit einem vernünftigen Piloten.

 

Coel zog sich so gut er konnte mit einer Handdurch den Schacht, bis er an ein Gitter. Der schwache Luftstrom der ständig durch den Schacht ging sorgte dafür, dass er fror. Der Rest des Schiffs wurde immer auf angenehme 15 Grad geheizt. Bei der Lüftung hatte man aber auf jegliche Heizung verzichtet, da diese nur im Schiffsinneren verliefen und somit vor der Kälte des Vakuums ausreichend geschützt waren.

Er spähte durch das Gitter in den Raum vor ihm.

Niemand war zu sehen, aber das hieß nichts…

Schließlich beschloss Coel es zu riskieren.

Er drückte das Gitter, das lediglich über zwei Klammern gesichert war, aus seiner Verankerung und ließ sich auf den Boden fallen, der aus einem schwarzen reflektierenden Material bestand. Etwas zu seiner linken blendete ihn…

Rafail  sah auf und stolperte unwillkürlich einige Schritte zurück. Er hatte die Reaktoren noch nie selbst gesehen.

Coel befand sich in einem kleinen,

halbkreisförmigen Kontrollraum. Der Boden bestand wie er vorher schon gesehen hatte aus einem schwarzen Material.

Vor ihm, in einem Halbkreis angeordnet waren mehrere Konsolen mit Instrumenten. Allerdings schien sich niemand hier aufzuhalten.

Und hinter den Instrumenten konnte er durch eine Glasscheibe einen Blick auf das Herz des Schiffs werfen. Auf die Technologie, die es den Menschen ermöglichte sich soweit von daheim zu entfernen.

Das, was er durch das Sichtfenster sah, hätte auch jeder Nichtastronom als Miniatursonne identifizieren können.

Der glühende Ball, der einfach mitten im weitläufigen Raum zu schweben schien, war der absolute Höhepunkt der technischen Entwicklung.

Coel kannte das Prinzip nur Oberflächlich, aber in erster Linie stellte die künstliche Sonne die Energiequelle für das Schiff dar. Und erlaubte es dem Stahlgiganten sich schneller als das Licht zu bewegen.

Einer der Physiker der Wissenschaftsabteilung hatte einmal versucht ihm das Prinzip zu erläutern.

Er hatte nur halbherzig zugehört, versuchte nun aber sich wieder daran zu erinnern.

Wie hatte er es beschrieben?

Im Raum selbst konnte sich nichts schnelle als das Licht bewegen, das war physikalisch unmöglich.

Aber der Raum selbst konnte sich durchaus schneller als das Licht ausdehnen, was zur Zeit des Urknalls wohl auch der Fall gewesen war…

Eine alte Theorie. Eigentlich müsste man nur den Raum anstelle des Schiffs bewegen und schon gäbe es keine Beschränkungen mehr.

In der Praxis erwies sich das als etwas komplizierter. Die benötigte Energiemenge… war gewaltig. Gewaltig genug um die Energie einer Miniatursonne zu verbrauchen…

Er hatte nicht richtig zugehört. Bei

Gelegenheit sollte er noch einmal Nachfragen. Das hieß, wenn er die je bekam.

Alles was er wusste war, dass bei der Zündung der Antriebe Energiemengen im Äquivalent einer  Supernova im Miniaturformat freiwurden. Weshalb diese, außer in Notfällen, nur genutzt wurden, wenn man sich außerhalb der Reichweite eines Planeten, mindestens aber außerhalb von dessen Gravitationsfeld befand.

Aber die Energie direkt auf ein Ziel zu richten…

Das war Wahnsinn. Und niemand hatte so etwas bisher auch nur in Erwägung gezogen. Bisher.

Er wendete sich von dem Anblick ab und ging durch die einzige Tür in der Rückwand des Raumes.

Ein Flur, an dessen Decke zahllose Kabel verliefen.  Zwei Techniker in weißen Overalls standen  in einer Tür auf der linken Seite und unterhielten sich.

Coel ging einfach an ihnen vorbei. Offensichtlich war seine Flucht noch nicht bemerkt worden, denn lediglich einer der zwei sah sich kurz nach ihm um, bevor er sich wieder dem Gespräch zuwendete.

Zumindest wusste er nun, wo er sich befand. Auf der Technik und Energieversorgungsebene.

Er musste also zurück durch die Zellen

und hinauf ins Depot.

 Und er musste Martin dort irgendwie wiederfinden. Der Mann wurde sicherlich auch in einer der Zellen festgehalten. Wenn er die Möglichkeit bekam, musste er ihn befreien. Aber der Pilot war vermutlich weniger in Schwierigkeiten als er selbst. Wenn sich der Deutsche daran hielt, Coel die alleinige Schuld zu geben  würde man ihm wohl gerne glauben. Immerhin war er es, den man nun hängen sehen wollte. Und desto schwerer die Anschuldigungen, desto besser.

 

Die Horus verfügte über ein Fahrstuhlsystem, über das man jede

Ebene erreichen konnte. Als Coel sich seinen Weg den Gang hinab suchte hielt er genau danach Ausschau. Dann könnte er seine Ziele schnell erreichen, statt sich seinen Weg durch die Labyrinth-artigen Gänge der Schiffsebenen zu suchen. Und Geschwindigkeit war jetzt alles, worauf es ankam.

Außer den zwei Technikern war er niemanden mehr begegnet, aber das war nicht weiter verwunderlich. Wie er die Trading and  Defence Force kannte war die halbe Mannschaft in irgendeinem Konferenzraum versammelt um den Abschluss des Einsatzes zu besprechen.

Coel erreichte eine der Fahrstuhltüren und trat hindurch.

Einen Moment studierte er die Bedientafel. Die Markierung für Zellendeck fand er schnell und darüber….

Büro des Kommandanten / Cain Steel.

Zeit jemanden einen Besuch abzustatten, bevor er endgültig von hier verschwand.

 

 

 

Kapitel 3 Besucher

 

 

Kapitel 3 Besucher

                                      

 

10 Jahre zuvor…

 

Schwach glitzerte die Sonne durch den Vorhang aus Staub, der sich in einem Ring um den Planeten gelegt hatte. Die Oberfläche brannte. Wie geschmolzenes Glas flossen Kontinente  auseinander, in die Becken, die einstmals Ozean gewesen waren. Sämtliches Leben war längst verdampft.

Über der brennenden Welt kreisten Trümmer und Gesteinsbrocken, die langsam wieder von der Schwerkraft zurück auf den Planeten gezogen wurden.

Und weiter dahinter schwebte ein Koloss aus Stahl bewegungslos in der Leere des Weltalls.

 

 

Rafail Coel wartete ungeduldig darauf, dass sich die Fahrstuhltüren öffnen würden. Bis auf eine Holzvertäfelung über der Steuerung war auch hier alles aus blankem Metall. Militärschick. Denn an sich wäre dies gar nicht nötig gewesen. Die Inneneinrichtung des

Schiffs hätte soweit auch größtenteils aus jedem anderen Material bestehen können. Das einzige, was wirklich stabil sein musste, war die eigentliche Schiffshülle. Eine spezielle Legierung war nötig gewesen, um das Schiff selbst bei Überlichtgeschwindigkeit noch zusammenzuhalten. Bedauerlicherweise war der Weltraum in Wirklichkeit alles andere als vollkommen  leer.

Denn auch wenn auf einen Kubikzentimeter grad einmal ein Teilchen kam, reichte dies schon aus. Bei einer Geschwindigkeit von über Dreihunderttausend Kilometern pro Sekunde  wirkte jedes dieser atomgroßen Teilchen wie ein Panzerbrechendes

Projektil und ohne eine stabile Schutzhülle , eine Legierung aus Platin und Osmium und einem Mantel aus Spezia-Kohlefaser, wäre von der Horus bereits  beim ersten ÜLG-Sprung nur Asche übrig geblieben.

Vor Railgunprojektilen  bot diese Panzerung allerdings trotzdem kaum Schutz. Um diese Abzuwehren wurde ein magnetisches Feld um das Schiff gelegt, das sämtliche Geschosse ablenken sollte. Zumindest in der Theorie. In der Praxis kam etwa die Hälfte aller Projektile durch.

Diese trafen dann auf die letzte Verteidigungslinie der Horus.

Ein starkes Energieschild, an dem

letztlich alles abprallte. Ein Schiff der Titan-Klasse war schon allein durch dieses Abwehrsystem beinahe unzerstörbar.

Die Schildtechnologie war jedoch nicht von den menschlichen Konstrukteuren entwickelt worden. Diese Technik stammte von der Unity. Die Funktionsweise verstanden selbst die besten Wissenschaftler nicht ganz, aber zumindest hatten sie schnell gelernt die Bauweise  zu kopieren. Die Unity war schien wirklich froh darüber zu sein, ihr Wissen weiterzugeben. Zumindest, was Verteidigung anbelangte.

Ihre Botschafter weigerten ich allerdings irgendwelche Waffentechnologie

preiszugeben, mit der Begründung, das sie niemanden etwas geben wollten, was sich gegen sie verwenden lies. Und das die Menschheit damit nicht würde umgehen können.

Wie Recht die Unity damit hatte überlegte er einen Moment. Auch wenn er ihnen normalerweise misstraute, wenn sie jetzt einen Planeten zerstören konnten…. Welche Waffen hatte dann dieses ihnen um schätzungsweise eintausend Jahre Entwicklung überlegene Volk ?

Ein erschreckender Gedanke.

 

 

Der Fahrstuhl kam mit einem kaum

wahrnehmbaren Ruck zum Stehen.

Einen Moment tat sich nichts und Coel vermutete schon, dass man ihn entdeckt und die Kabine gestoppt hatte.

Dann jedoch glitten die Türen bei Seite, und er trat nach draußen.

Rafail Coel befand sich in einem mondän ausgestatteten Büro. Ein großer Eichenholztisch, der wohl besser in ein Investmentbüro auf der Erde gepasst hätte, anstatt in den mit der gleichen metallenen Nüchternheit gestalteten Raum. Ein großes Fenster erlaubte einen Blick hinaus auf die Sterne und einen Teil des Schiffs. Artherium konnte er nicht sehen. Vermutlich wäre das Fenster sonst auch versiegelt worden.

Wer wollte schon einen brennenden Planeten vor dem Fenster haben?

All dies jedoch bemerkte er nur am Rande.

Seine größte Aufmerksamkeit galt dem Mann,

Dieser war sobald Coel eintrat aus dem Stuhl aufgestanden , in dem er vorher gesessen und einen Stapel Papiere gelesen hatte. Vermutlich Berichte.

,, Coel ? Was zum…“ Er griff über den Tisch nach einer Pistole, die dort lag und richtete sie auf den Eindringling.

,, Das würde ich an ihrer Stelle nicht versuchen.“  , meinte Rafail und hoffte überzeugend zu klingen.

Tatsächlich zögerte der ihm gegenüber

stehende Mann kurz.

,, Wieso ?“ , fragte er Vorsichtig, ließ Coel aber keinen Moment aus den Augen . ,, Ich hätte alles recht dazu. Sie haben sämtliche Befehle missachtet…“

,, Und sie daran gehindert ein ganzes Volk auszulöschen.“ , beendete  Rafail den Satz.

,, Glauben sie, mir fiel die Entscheidung leicht… wir hatten vieles erwartet.. aber das hier übertraf alles.“ Cain schwieg einen Moment. ,, Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“

,, Oppenheimer hatte keine Ahnung.“ , erwiderte Coel.

,, Also.. was hindert mich daran sie jetzt einfach zu erschießen?“ Seiner Stimme

war anzumerken, dass er geradezu darauf hoffte, das Coel ihm einen Grund liefern würde, die Waffe bei Seite zu legen.

Er wollte ihn nicht töten, fühlte sich aber offenbar dazu verpflichtet.

,, Ich weiß sehr wohl, dass das Parlament diesen Einsatz nicht genehmigt hat. Zumindest nicht Offiziell.  Die Entwicklung der Nova-Waffen fand ohne Wissen der Öffentlichkeit statt. Was glauben sie passiert, wenn auch nur ein Wort davon nach draußen dringt? Von ihrem Schreibtisch können sie sich dann verabschieden Steel.“

,, Sie sind der einzige der davon….“  Erkenntnis trat in das Gesicht Cains. ,,

Sie haben Aufzeichnungen gemacht…Was haben sie damit gemacht ?“

,, Glauben sie das sage ich ihnen ? Die Sache ist die, passiert mir auch nur das Geringste… wird jeder da draußen erfahren, was hier vorgefallen ist. Ich vermute, sie haben dafür schon eine Erklärung vorbeireitet ja ? Die Artheraner haben ein Schiff gekapert? Und der Reaktor überlud  was in der Richtung?“ Er sah Steel an, dass er ins Schwarze getroffen hatte. Bei seiner Rückkehr auf die Erde wäre sicher überall von einem tragischen Zwischenfall auf der Koloniewelt Artherium die Rede.

,, Natürlich…“ Coel sprach mehr zu sich

selbst. ,, Ich verschwinde. Und vergessen sie nicht, halten sie sich von mir fern.“

Einen Moment hielt Steel noch die Waffe auf ihn gerichtet. Dann ließ er sie sinken.

,, Ich bin nicht ihrer Meinung Coel. Das hier war notwendig. Aber ich respektiere Leute die ihrem Gewissen folgen.“ Und fast beiläufig fügte er hinzu. ,, Im Hangar dürfte ein ungesicherter Jäger stehen, der gewartet werden sollte.“

,, Erwarten sie nicht, das ich ihnen dafür danke.“

Steel griff unter den Tisch und warf Coel ohne Vorwarnung einen Revolver zu.  Er fing die Waffe auf. Natürlich

erkannte er sie wieder.

,,Die gehört glaube ich ihnen.“

Coel drehte sich um, ohne etwas zu erwidern und stürmte zurück in den Fahrstuhl. Zurück zur Zellenebene. Er musste noch Martin finden.

Als die Türen zufielen schien eine große  Anspannung von ihm  abzufallen. Unter seiner ruhigen Fassade brodelte es.

Egal, wie die GTDF das alles Rechtfertigen wollte, heute hatten sie,  hatte die Menschheit was das anging, bewiesen, das Krieg etwas war, das sich immer noch steigern lies.

 

Er schloss die Augen und hörte einfach nur dem leisen Summen der Maschinen

zu . Der Versuch an nichts zu denken war vergebens.

Hitze… eine zweite immer näher kommende Sonne am Himmel. Wie die lumineszierenden Blätter in einem Sturm aus Licht hochgewirbelt worden waren, als wollten sie ein Schild um den Planeten bilden…

Und das schlimmste war diese Dankbarkeit… sie waren dankbar gewesen, das sie jemand retten kam… die paar für die sie Platz gehabt hatten…

Er verdiente dafür sicher keinen Dank.

Die Kabine kam erneut zu einem Halt. Die Türen glitten auf. Eine Frau in der Uniform der Wissenschaftsabteilung lief den Gang hinab, auf den Coel nun

hinaustrat.  

Offenbar bemerkte sie ihn nicht einmal.

Er ging den Gang hinab, bis er die ersten Zellen erreichte und durch die Plexiglasscheiben spähte.

Im Laufschritt lief er die Reihen ab und sah sich um, bis er schließlich die einzige belegte Zelle fand.

 

Der Deutsche sah auf, als er Schritte auf den Gang hörte und schien sichtlich erleichtert, aber auch verwirrt, dass es Coel war, der plötzlich vor der Tür seiner Zelle stand.

,, Ich frage besser erst gar nicht, wie sie hier rausgekommen sind.“       

,, Sagen wir einfach, die GTDF hat an

der falschen Stelle gespart.“ , antwortete Coel und besah sich die Scheibe. Diese Zellen waren an sich keine wirklichen Gefängnisse. Mit genug Anlauf und Kraft ließ sich die Scheibe zerschmettern. Das  einzige Problem war, dass dies einen Alarm auslöste und die gesamte Ebene entlüftet werden würde. ,, Können sie mit dem Bein rennen ?“ , fragte Martin und deutete auf Coels Verletzung.

,, Ich hoffe es.“

Martin nahm so gut ihm das in der schmalen Zelle möglich war Anlauf. Wenn das Glas nicht beim ersten Versuch zersplitterte würde der Gang vermutlich gleich vor Soldaten wimmeln.

Das Glas brach. Coel drehte sich weg

um zu vermeiden von Splittern getroffen zu werden, dann stand Martin auch schon auf dem Gang. Einige Splitter hatten sich ihm in die Haut gebohrt und von einem großen Kratzer an der Stirn rann Blut.

Aber in ein paar Minuten würde man davon schon nichts mehr sehen.

 

Die Standardmäßigen Implantate, die jeder GTDF Soldat bekam heilten kleinere Wunden innerhalb weniger Minuten und konnten selbst einen größeren Treffer provisorisch heilen, solange keine Organe verletzt waren.

Im Prinzip handelte es sich um kleine Kapseln, die ins Blut injiziert wurden und

bei Bedarf, gesteuert über den Schmerzimpuls des Nervensystems,  das Blut gerinnen ließen oder Schmerzmittel freisetzten. Eine Innovation,  für die früher oder später jeder Soldat einmal dankbar war.

Coel selbst war währen der zwei Jahre, die er jetzt auf Artherium oder in dessen Orbit stationiert war oft genug selbst diese Erfahrung gemacht. Eine Narbe unterhalb seines Schulterblattes erinnerte ihn stetig daran. Durchschuss, direkt durch die Schlagader. Normalerweise wäre er verblutet, bevor Hilfe eingetroffen wäre.

Was ihn wieder zum Krieg mit en Artheranern… und essen letztlichen

Ausgang zurückbrachte.

Als sie den Planeten zum ersten Mal besucht hatten, hatte sich deren Zivilisation etwa auf dem Stand der Industrialisierung auf der Erde befunden. An der Schwelle zu einer modernen eigenständigen Gesellschaft.

Normalerweise hätte sich die GTDF hier nicht eingemischt. Man hätte lediglich einen Boten der Unity  geschickt, der das Verhandeln übernehmen sollte. Rohstoffe gegen Technologie. Das war meist das Angebot.

Die Artheraner waren jedoch nicht darauf eingegangen, selbst nachdem die erste Hysterie unter der Bevölkerung abgeklungen war.  Es hatte Übergriffe

auf einige menschliche Zivilisten auf dem Planeten  gegeben. Und das war der Punkt gewesen, an dem der Krieg begann. Zumindest war das die offizielle Version.

Das Parlament war nicht gewillt gewesen, auf die Ressourcen des Planeten zu verzichten.

Und eine Zivilisation, die sich mit Flinten auf Basis des 18 Jahrhunderts Verteidigte schien kein großer Gegner.

Sie wussten ja noch nicht, mit wem sie sich angelegt hatten.

 

Das durchdringende Kreischen des Alarms riss ihn aus seinen Gedanken. Eine Tonbandstimmt erklang.

,,Achtung. Alle Häftlinge haben 30 Sekunden um sich wieder in ihre Zellen zurück zu begeben. Achtung 30 Sekunden bis…“

Er hörte nicht mehr zu sondern lief so schnell er konnte den Gang hinab. Wenn sie es aus dem Haftbereich heraus schafften, wären sie in Sicherheit.

Martin lief an ihm vorbei etwas voraus, kehrte dann aber wieder zurück. ,, Der Weg ist soweit frei.“

Coel nickte nur. Bei jedem Schritt mit dem verletzten Bein durchzuckten ihn Schmerzen, aber die Todesangst trieb ihn vorwärts. Vorwärts durch die Flure mit den Zellen und schließlich weiter durch eine offene Schleuse, die wenige

Sekunden nachdem sie sie passiert hatten zufiel.

Er hörte das Zischen, als die Luft aus dem Raum dahinter entwich.

Coel  blieb ein Moment stehen und wartete, bis der Schmerz in seinem Bein etwas nachließ.

,, Wir sollten besser verschwinden.“ , meinte Martin, der sich in alle Richtungen umsah, ob bereits jemand den Alarm gehört hatte.

,, Richtig.“ Coel ging den Gang weiter entlang. Wenn er richtig lag, gab es etwas weiter einen weiteren Fahrstuhl. Wenn sie diesen fanden und dann noch das Hangardeck mit den Depots erreichten hatten sie es fast geschafft.

Coel schreckte aus seinen Erinnerungen hoch. Es schien alles erst gestern gewesen zu sein.

Vieles war noch genau so deutlich wie damals. Er meinte immer noch, das Kreischen des Alarms in den Ohren zu haben.

 

Er sah auf. Vor ihm lag ein großer grauer Betonkomplex, der außen mit einem Zaun aus Stacheldraht umgeben war. Coel  zog die Karte aus der Tasche und ging auf den Eingang zu, ein Tor im Zaun an dem ein einfacher Scanner angebracht war. Das war vermutlich nicht die  einzige Kontrollvorrichtung. Die GTDF war fast schon  fanatisch,

was die Sicherheit ihrer Einrichtungen anbelangte.

Kein Wunder. Wann immer das Parlament eine neue Kolonie erschloss, wann immer neue Waffensysteme getestet wurden, die GTDF war immer mehr oder weniger daran beteiligt.

Auch wenn die Organisation als eine Abteilung des Militärs begonnen hatte, war sie mittlerweile genau so sehr militärisch, wie wirtschaftlich Bedeutend.

Einige der hellsten Köpfe und der besten Strategen arbeiteten für sie und soweit er wusste, bot die Abteilung jedem, den sie meinte zu brauchen ein stattliches Jahresgehalt. Für die meisten reichte das

schon. Auch er war nach seiner Grundausbildung direkt zur GDTF gekommen und hatte, angesichts der Angebote, die er bekam, keine Sekunde gezögert.

Vielleicht hätte er es sollen. Das hätte ihm einiges erspart.

 

Hinter dem Zaun und über das Gelände verteilt gab es mehrere dutzend kleinere fensterlose Bauten, deren Zugänge er von seiner Position vor dem Zaun nicht sehen konnte.

Coel trat an den Scanner und hielt den Ausweis in das Auge der Kamera. Jetzt würde sich zeigen, ob seine Paranoia wegen der Selbstschussanlagen

berechtigt war. Oder ob Steel ihm einen echten Ausweis gegeben hatte.

Einen Moment tat sich überhaupt nichts. Dann färbte sich eine kleine Lampe, die über dem Scanner angebracht war grün und die Gattertore sprangen auf.

Zumindest soweit war er gekommen. Aber er hatte keine Ahnung, wohin er jetzt sollte. Noch, überlegte er, hätte er die Möglichkeit umzukehren. Aber was dann ?

Coel würde zurück in seine kleine Wohnung gehen, sich betrinken und dann…. Vielleicht endlich Schluss machen.

In der Schublade eines der Wandschränke in seinem Badezimmer

befand sich nach wie vor sein Revolver.

Eine Kugel, mehr brauchte es nicht.

Aber… hier hatte er vielleicht die Chance endlich alles hinter sich zu lassen. Oder ebenfalls erschossen zu werden.

Unschlüssig stand er eine Weile am Tor. Dann nahm ein näher kommendes Motorengeräusch seine Aufmerksamkeit in Anspruch.

Ein kleiner Jeep kam über das Gelände in Richtung Tor gefahren.

Kapitel 4 Seyonn

Der Wagen kam mehrere Meter vor Rafail Coel zum Stehen. Er konnte Cain Steel  auf der Rückbank erkennen, zusammen mit einer weiteren Person, die ihm unbekannt war. Irgendetwas störte ihn an ihm.

Der Fremde schien ihn die ganze Zeit nicht aus den Augen zu lassen, während Cain, erstaunlich geschickt,  aus dem Wagen kletterte.

 

Wie alt war Steel jetzt? 40… 50 ? Auf jeden Fall ein Stück älter als Coel selbst überlegte dieser.

Auch wenn das heute nicht mehr

wirklich einen unterschied machte. Lebenserwartungen von hundert Jahren und mehr waren immerhin eher die Norm als eine Ausnahme geworden und mit der fortschreitenden medizinischen Technik merkte man den wenigsten Menschen ihr Alter wirklich an.

Er hatte seine Grundausbildung mit 20 beendet, war dann zur GTFO gekommen und hatte für diese zwei Jahre auf Artherium gearbeitet. Bis zum Artherium-Zwischenfall.

Und nun zehn Jahre später stand er wieder vor einer Einrichtung der Trading and Defense Forces…

 

 ,, Schön das sie sich entscheiden haben

zu kommen.“ , begrüßte ihn Cain und streckte ihm die Hand hin.

,, Glauben sie mir, ich bin nicht hier, weil ich es möchte.“  Er ging an Cain, die hingehaltene Hand ignorierend, vorbei in Richtung des Wagens.

,, Ich dachte nicht, das sie nach der Zeit immer noch…“ , setzte der Mann an und ging ihm nach.

,, Was, das ich immer noch verdammt  Sauer bin?“ , fragte er, während er umständlich auf einen Platz kletterte. Mit einem gelähmten Arm und nur einem beweglichen Bein war das eine geradezu akrobatische Leistung. Er wendete sich an den Mann, der ihn und Steel schon die ganze Zeit beobachtete hatte.

,, Und sie sind…“ setzte er an, als ihm klar wurde, was ihn an dem Fremden so gestört hatte.

 Er war kein Mensch.

Die grauen Augen, die ihm entgegenstarrten wirkten kalt und hatten doch etwa unglaublich faszinierendes, als würde man in ein Prisma starren. Das Licht speigelte sich darin, wie auf Beschichteten CD-Oberflächen.

Die Haare hatten einen ebenfalls  grauen Farbton, was ihn älter aussehen ließ als er war.

Oder zumindest,  als er vorgab zu sein, den das Gesicht seines Gegenübers war vollkommen Glatt und hätte Coel die Maske nicht durchschaut, er hätte nicht

gewusst, ob er einem alten oder jungen Menschen gegenübersaß.

Ein kaum wahrnehmbares Schimmern ging über die Oberfläche der Haut des Mannes… oder was immer er wahr.

 

,, Seyonn.“ , antwortete er mit einer durchaus angenehmen, aber irgendwie künstlich klingenden Stimme. Seyonn streckte ihm ebenfalls die Hand hin und zu seinem eigenen erstaunen Ergriff Coel sie, bevor er es selbst registrierte.

,, Was hat die Unity hiermit zu tun ?“ , fragte er an Cain gewandt, der sich  nach vorne neben den Fahrer gesetzt hatte.

,, Sie werden es verstehen, wenn wir

drinnen sind. Dann erkläre ich alles.“

Beunruhigt sah Coel zu dem Wesen, das sich als Seyonn vorgestellt hatte hinüber.

Auch wenn es aus der Entfernung aussah wie ein Mensch… aus der Nähe konnte nichts mehr darüber hinwegtäuschen, was der Fremde war.

 

Die Unity war vor rund fünfzig Jahren das erste Mal aufgetaucht.

Die Berichte darüber gehörten heute zur Allgemeinbildung. Es gab kaum etwas, das wie die endgültige Erkenntnis, nicht allein zu sein und noch dazu absolut unterlegen, auf die Menschheit eingewirkt hatte.

 

Damals war ein Schiff , vermutlich ein Späher der Unity, auch wenn die bis heute zu dem Vorfall schwiegen,  auf einer Koloniewelt gelandet.

Die ersten Bewohner die in die Nähe der Landestelle kamen staunten nicht schlecht, als sie feststellten, dass das Schiff vollkommen leer war. Zumindest dachten sie das erst.

Bis sie plötzlich etwas gegenübergestanden hatten, das  beinahe wie ein Mensch aussah.

Die Angehörigen der Untiy besaßen an sich keine wirklichen Körper mehr.

 Ihre Technologie war, soweit Coel das Verstanden hatte auf einem Punkt angekommen, an dem sie ihr Bewusstsein

auf Computer Übertragen hatten.

Kleine Schwärme aus Millionen von Atomgroßen Speichereinheiten, die letztlich jede das Bewusstsein einer Person enthielten, manchmal auch die von mehreren und sich selbst reparieren und  zu beliebigen  Formen zusammensetzen konnten.

 Meist wählten die Vertreter der Untiy die Form der Wesen, mit denen sie grade zu tun hatten, in diesem Fall ein Mensch.

Aus menschlicher Sicht betrachtet waren diese Wesen  so gut wie unsterblich.

Solange nicht der Großteil aller Nanospeicher aus denen sie bestanden zerstört wurde lebten sie praktisch ewig.

Seyonn hatte, soweit Coel das

abschätzen konnte vermutlich schon existiert als die Zivilisation auf der Erde grade im Entstehen war.

 

Aber wäre das noch nicht genug, um einen Angst zu machen, hatte die Unity einen Weg gefunden in jeder Sprache zu kommunizieren.

 Jemanden, der den Hintergrund nicht kannte,  würde es wohl Telepathie nennen.

Bei genauerer Betrachtung wiederum… war es dasselbe Prinzip.

Nanopartikel, die sich an die Gehirnströme des gegenüber hängten und dabei in Sekundenschnelle Wissen, Gedanken, Informationen übertragen

konnten.

Seyonn hatte bei seiner Ankunft hier vielleicht nicht einmal ihre Sprache beherrscht

Vorher hatte das Parlament überhaupt nicht die Möglichkeit gehabt, mit anderen Völkern wie den Artheranern zu verhandeln, einfach, weil es für außerirdische Sprachen keinerlei Referenzen auf der Erde gab.

Im Prinzip war es dieselbe Situation wie mit Hieroglyphen vor Entdeckung des Steins von Rosetta.

Es wäre schlichtweg unmöglich oder zumindest unglaublich Schwierig gewesen.

Coel war alles andere als Wohl dabei,

das der Fremd praktisch jederzeit in seinen Gedanken herumschnüffeln könnte andererseits würde man das wohl auch irgendwie mitkriegen. Zumindest hoffte er das.

 

Heute waren Botschafter der Unity auf vielen Randkolonien und  bei fast allen Planetenersterkundungen Anwesend.

Außer natürlich, das Parlament entschied sich für den einfacheren Weg, wie auf Artherium.

Etwas, das die Unity zwar ,, bedauerte“ , wie es ihre Botschafter immer wieder betonten. Aber sie taten nichts dagegen. Es lag definitiv in ihrer Macht, dessen war Coel sich sicher. Aber dennoch

begnügten sie sich damit, leere Ermahnungen auszusprechen.

Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, hörte er Cains Stimme.

,, Wir sind da.“ Der Wagen stoppte vor dem großen Betonkomplex im Zentrum des Zauns. Coel sah sich um. Die kleineren Bauten, die er schon vorher bemerkt hatte, formten einen Kreis darum.

Auf einer freien Fläche neben dem Komplex stand ein kleines Transportschiff. Wieder etwas, das ihn an Artherium erinnerte.

 

 

10 Jahre zuvor…

,, Also, was machen wir, wenn wir im Hangar sind ?“ , fragte Martin neben ihm. Coel schreckte aus seinen Gedanken hoch. Während er darauf wartete, dass die Aufzugskabine das Deck erreichte, hatten ihn wieder die Bilder der Zerstörung heimgesucht.

,, Die Schiffe sind bestimmt alle gesichert.“ , fuhr Martin fort.

,, Wir werden sehen. Ich hatte ein interessantes Gespräch mit dem Kommandanten.“

,, Cain ? Ihr wart bei Cain Steel ?“ Der Pilot machte eine Pause, ,, Ich hoffe wirklich,  ihr habt diesen Bastard getötet.“

,, Er hat auch nur Befehle befolgt

Martin…“ , versuchte er den Deutschen zu beschwichtigen. In seinen Gedanken gab er zwar ebenfalls Cain die Schuld… aber zumindest schien der Kommandant so etwas wie Reue zu empfinden.

,, Ja… im Gegensatz zu uns.“ , meinte er wieder etwas besser gelaunt. Oder er tat zumindest so.

 

Der Fahrstuhl kam zu einem Stopp. Die Türen öffneten sich und Coel trat als erster heraus.

Hier auf den Versorgungsebenen war noch weniger los als auf dem restlichen Schiff. Offiziell war der Artherium-Einsatz vorüber und somit war die Gesamte Abteilung freigestellt.

Normalerweise wären einige dutzend Logistiker damit beschäftigt gewesen Versorgungspläne zu entwickeln und Transporte zu den Truppen im Feld oder über dem Planeten loszuschicken und damit zu gewährleisten, dass niemanden die Munition  oder die Vorräte ausgingen.

 

Jetzt aber lag das Deck, das lediglich aus einer einzigen rieseigen Lagerhalle mit einem durch nichts davon getrennten Hangar bestand, vollkommen leer. Ein Gelände so groß wie mehrere Fußballfelder, auf dem sich Kisten mit Waffen, Munition und Konserven stapelten und nirgendwo war ein Mensch

zu sehen.

 Das einzige Geräusch kam vom Luftzug, den die Lebenshaltung verursachte und dem kaum wahrnehmbaren Summen der Schiffsmaschinerie.

Sie suchten sich einen Weg zwischen den, bis zur Decke gestapelten, Kisten hindurch. Bei einem Angriff wäre das ganze Deck sofort geräumt worden, um zu verhindern, dass jemand von

herabstürzenden Vorratsbehältern getroffen wurde, was durchaus vorkam.

Erst vor einer Woche hatte Coel mitbekommen, wie einer der Lageristen von einer schweren Kiste getroffen wurde, weil er beim Verladen nicht aufgepasst hatte. Zwar war der Mann mit

dem Schrecken davongekommen, aber seit diesem Tag fühlte Coel sich nicht mehr so recht wohl, wenn er zwischen den hoch aufgestapelten Türmen hindurchlief.

 

Am Ende des Labyrinths des Depotdecks führte eine breite Treppe nach unten, auf eine weitere Ebene, die den Hangar der Horus darstellte.

Eine Halle, groß wie ein Haus, die auf einer Seite eine große Schleusentür besaß, breit genug, das ein Transporter oder ein Falcon-Jäger, das Standardmodell der GTDF-Streitkräfte, hindurchpasste.

Die Horus unterhielt ein ganzes

Geschwader dieser hochleistungsfähigen Kampfflieger, die sowohl für den Kampf im All, als auch für den Einsatz auf Planeten mit Atmosphäre ausgelegt waren.

Die Form erinnerte an die klassischen Jagdflugzeuge, die in dieser Form schon seit den 50er Jahren des 20 Jahrhunderts  auf der Erde eingesetzt wurden , nur war das Design abgeflacht worden.

Die Bewaffnung bestand aus einem einzelnen Railgungeschütz, das auf das Heck des Fliegers Montier war und vom Co-Piloten bedient werden konnte, während der Pilot lediglich die Flugmanöver übernehmen musste.

Eine kleinere Version des Novagenerators, wie ihn die Horus verwendete,  befähigte die Jäger auch zu kleineren ÜLG-Sprüngen.

Perfekt also für ihre Zwecke.

Laut Cains Aussage, waren einige der Jäger nicht gesichert und somit für jeden zugänglich.

 

Normalerweise bekam jeder Pilot der Armee und der GTDF eine eigene ID zugewiesen, auf welche die Steuerung des Fliegers reagierte. Nach einem Einsatz wurde die ID zurückgesetzt und nur der ihr zugedachte Pilot konnte die Maschine wieder starten.

Manchmal jedoch wurde genau dies nicht

getan, wenn Beispielsweise ein Techniker die Maschine überprüfte. Dann wurde die aktuelle ID  gespeichert und der Jäger blieb betriebsbereit.

 

Coel und Martin begannen, die Steuerungen der Falcon-Jäger einzeln durchzugehen.

Als Coel in die erste Maschine kletterte und versuchte die Triebwerke anzuwerfen, gab der Bordcomputer lediglich einen schrillen Warnton von sich. Einige Lampen blinkten auf und erloschen wieder. Fehlende ID wurde als Schriftzug im Overhead-Display eingeblendet.

Er sprang aus dem Jäger und lief herüber

zum nächsten. Wieder kein Glück.

Auch bei den nächsten drei Falcons , die er zu starten versuchte,

Letztlich jedoch, beim fünften oder sechsten Versuch hatte er Glück. Die Triebwerke liefen an.

Die Falcon-Jäger verfügten über mehrere Wasserstoffbrennzellen, die genug Schub erzeugten, um das Gefährt auf mehrfache Schallgeschwindigkeit zu beschleunigen. Entsprechend laut waren die Triebwerke. Selbst im Ruhezustand, war an eine Verständigung mit Martin nicht mehr zu denken.

Schließlich schaffte er es irgendwie, den Deutschen klar zu machen, dass er das Steuer übernehmen sollte. Wenn die

Horus beim Start das Feuer auf sie eröffnete würden sie den besten Piloten brauchen. Und Martin  war einer der besten, den die GTDF zu bieten hatte.

Soweit er wusste, hatte der Mann vermutlich mehr Flugstunden absolviert, als die restliche Mannschaft der Horus zusammengezählt.

 

Coel selbst würde den Platz des Copiloten übernehmen, was bedeutete, das ihm nicht mehr zu tun blieb, als ein paar Anzeigen und Instrumente zu überprüfen. Und zu beten, das sie außer Feuerreichweite waren, bevor die Railgunbatterien der Horus sie erfasste.

 

Die Railgun, auch als EMRG oder Schienenkanone bekannt beschleunigte ein Geschoss auf dieselbe Weise, auf die auch eine Magnetschienenbahn beschleunigte.

Eine Art Schlitten, der das Projektil beherbergte wurde mithilfe eines Magnetfelds beschleunigt. Die dabei entstehenden Geschwindigkeiten waren so groß, das sich durch bloßen Reibungswiderstand eine Plasmawolke hinter dem Geschoss bildete und die Projektile sich beinahe mit 2,5 Kilometern in der Sekunde auf ihr Ziel zubewegten.

 Sollte eines der Geschosse auch nur in der Nähe des Jägers detonieren, würde

die Schockwelle allein ausreichen um die Panzerung zu zerfetzten. Den im Gegensatz zu großen Schlachtschiffen verfügten die Jäger nicht über Schildtechnologie oder Magnetfelder, die Projektile abfingen. Sie mussten sich im Kampf allein auf ihre Wendigkeit verlassen.

 

Martin zündete die Triebwerke. Die Beschleunigung war sofort spürbar und der Lärm der Maschinen wurde kurz Ohrenbetaübend. Es gab einen Grund, warum es die meisten Piloten hassten, die Falcon auf Planeten einzusetzen. Im Weltall wurde der Lärm durch das Fehlen eines Mediums für den Schall gedämpft.

Solange sie sich aber noch im Hangar befanden, war es fast unerträglich.

Endlich jedoch raste die Maschine durch die Schleusentore. Sofort wurden die Antriebe hörbar leiser.

Coel erlaubte es sich kurz zu entspannen.

Durch die Sichtfenster konnte er die Sterne und den noch immer glühenden, zerstörten Planeten sehen. Die Aschewolke hatte sich mittlerweile in einem Halbkreis angeordnet, der die Bahn des Planeten beschrieb. Minuten vergingen schweigend.

Sie hatten es geschafft…

Ein Lichtblitz machte diesen Gedanken zu Nichte, bevor er ihn zu Ende bringen

konnte.

Wie ein diabolisches Feuerwerk surrten die brennenden Geschosse an ihnen vorbei. Auf dieser Seite des Schiffs gab es fünf Batterien, die vermutlich alle das unerlaubt gestartete Gefährt unter Beschuss nehmen würden.

,, Festhalten.“ , wies ihn Martin an.

,, Sie wissen schon, das die uns gar nicht treffen müssen um uns zu erledigen ? Ausweichen bringt also gar…“

,, Wer hat gesagt, dass ich ausweichen will ?“

Mit diesen Worten lies der Pilot das Gefährt eine Enge Kurve beschreiben und kehrte die Flugrichtung um. Anstatt sich von der Horus zu entfernen, flogen sie

nun direkt darauf zu. Coel konnte die Lichtblitze auf der Schiffshülle erkennen, wenn wieder eine Railgun feuerte, wieder ein Geschoss nur knapp an ihnen vorbeiraste und einige Kilometer entfernt detonierte.

Dann waren sie auf einer Höhe mit dem Schiff und Martin lenkte den kleinen Jäger unter dem Rumpf hindurch, bis sie die andere Seite des Titanen  erreichten. Die Geschützte verstummten.

Offenbar waren die Batterien auf dieser Seite nicht besetzt.

,, Geschafft.“ ,stellte Coel fest. ,, Warnen sie mich aber nächstes Mal bitte vor.“
,,Nächstes Mal ?“ , fragte Martin. ,,

Wenn es nach mir geht, nie wieder.“

,, Früher oder später. Ich wette um fünf Dollar.“

,, Das werde ich mir merken.“

Für den Moment waren sie sicher. Aber wohin sollte er jetzt gehen? Die GTDF würde ihn früher oder später aufspüren und dann… Dann würde ihn nur noch seine Drohung gegenüber Cain schützen.

Sie sollte ihn immerhin 10 Jahre lang Beschützen.

Bis zu diesem Moment, in dem er die Seyonn begegnete… und dem Moment in dem man ihm eröffnete, das einer seiner Alpträume wahr geworden war. 

Kapitel 5 Entscheidung

Steel stieg als erster aus dem Wagen und ging auf eine Tür an der Seitenwand des großen Gebäudes zu, dass sie schon aus der Entfernung gesehen hatten. Der Bau bildete vermutlich das Herz der Einrichtung. Die Tür bestand aus Metall und schien massiv in die Wand eingelassen zu sein. Zumindest entdeckte Coel keine Angeln oder eine ähnliche Befestigung.

,, Also , keine Versteckspielchen mehr. Warum bin ich hier?“ , verlangte Coel zu wissen.

Steel zog eine Zugangskarte durch einen weiteren Scanner neben der Tür, dann

verschwand die schwere Platte aus Stahl und verstärktem Glas im Boden und legte einen leicht abschüssigen Gang dahinter frei. An den Seiten waren in regelmäßigen Abständen Lichter nagebracht, die für Helligkeit sorgten.

 

,, Nun gut.“ Cain trat gefolgt von dem Wesen Seyonn und Coel durch die nun offene Tür. ,, Ich denke, ich habe sie lange genug hingehalten.“ , meinte er, während sich die zwei, drei wenn man den schweigenden Vertreter der Unity dazuzählte, ihren Weg durch den langen Tunnelartigen Gang suchten.

Der Weg führte definitiv abwärts. Die großen Gebäude oben waren nur

Tarnung, wurde Coel klar.

 Wo immer ihr Ziel lag, es lag unter der Erde. Er konnte das Ende des Tunnels vom Eingang aus nicht sehen, also schätzte er, das es wohl gut hundert Meter oder mehr nach unten ging.

,, Vor etwa drei Monaten“, begann Steel , ,, hat ein Handelsschiff im Trinity-System etwas seltsames entdeckt. Oder besser gesagt, das beunruhigende war, was es nicht fand.“

Der Name sagte Coel etwas… Einer der ersten Außenposten die außerhalb des Sonnensystems entstanden waren, heute aber fast bedeutungslos erschien und dessen einzige Existenzberechtigung auf eine Orbitale Handelsstation zurück zu

führen war.

,, Trinity-System..  ein kleines Handelsdepot richtig ?“ , fragte er.

,, Genau und eine kleine kaum erschlossene Kolonie. Unauffällig zumindest bis vor einem Viertel Jahr.“ , bestätigte Steel.

,, Ein Jahr auf der Erde dauert 12 Monate“ , erklärte Coel  Seyonn, der bei Erwähnung der Zeitspanne fragend aufsah.

,, Das war mir durchaus bekannt. Allerdings, uns wurde gesagt, das die Berichte die GTDF erst vor wenigen Tagen erreichten.“ , antwortete dieser ruhig, aber definitiv ungehalten über die Täuschung.

,,  Eine Lüge, die man für gerechtfertigt hielt, nichts weiter. Wie dem auch sei… das Schiff erreichte das System und was es vorfand war äußerst beunruhigend.“

,, Was haben sie entdeckt ?“ , fragte Coel. Nach der Besorgnis die in Cains Stimme lag konnte es nichts Gutes sein.

,, Das kann ihnen der Kapitän des Transporter der zuerst vor Ort war  selbst erklären.“

 

Sie erreichten das Ende des abschüssigen Tunnels. Tunnels.

 Ein weiteres Stahlschott , das aufschwang sobald die Gruppe sich näherte.

Dahinter lag etwas, das wie ein

Konferenzraum wirkte.

Die einzige Person im Raum war ein Mann, der aussah als sei er direkt dem berühmten Roman von Herman Melville entsprungen.

Coel konnte einfach nicht anders, als an die Gestalt des Kapitän Ahab zu denken.

Wenigstens fehlte ihm kein Bein, dachte er, als er sein gegenüber weiter  musterte.

Ein raues Gesicht, das besser zu einem der Entdecker früherer Jahrhunderte, als zu einem Offizier der Handelsflotte gepasst hätte. Graue Haare und wache Augen, welche die drei Neuankömmlinge neugierig musterten.

Und der Mann rauchte doch tatsächlich

eine Pfeife. Das Stück Handwerksarbeit aus Holz wirkte in dem mit Computern und anderen Geräten vollgestellten Raum so fehl am Platz, das Coel sich tatsächlich kurz dabei ertappte, wie er in Gedanken sagte ,,Ich fürchte mich nicht vor Ahab, ich fürchte mich vor dem Zorn Gottes“

,, Was meinen sie ?“ , hörte er die seltsame Stimme Seyonns neben sich.

Hatte er etwa  laut gesprochen?

,, Nichts wichtiges.“ , antwortete Coel.

,, Das ist Ägir Meksis.“ ,stellte Steel den Mann vor. ,, Er und die Besatzung der Helios, einem Kolossus-Transporter, waren soweit wir das Wissen die ersten vor Ort. Wir habend das System nach

ihrem Bericht gesperrt. Den meisten fällt gar nicht auf, das Trinity seit mehreren Monaten offiziell  nicht mehr  zugänglich ist.“

Nicht sehr verwunderlich. So isoliert und unwichtig wie der Handelsposten dort war, würde es eine Weile dauern, bis man anfing unbequeme Fragen zu stellen.

,, Und was erzählen sie denen, die etwas bemerken ?“ , wollte Coel wissen.

An dieser Stelle mischte sich Ägir ein, der bisher geschwiegen hatte.

,, Die erzählen allen, das die Sonne des Systems spinnt. Solarstürme, die auch für die Schiffe gefährlich werden. Nun in gewisser Weise stimmt das auch…

irgendwie.“ Der grauhaarige Mann schloss kurz die Augen, als würde er sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

,, Also.. was ist genau passiert?“ , langsam wurde Coel wirklich unruhig und wollte die Ursache seines Hierseins nun endlich kennen.

 Steel zögerte kurz, dann sagte er: ,, Das Trinity-System existiert nicht mehr.“  Einen Moment hingen die Worte in der Luft. Niemand sagte etwas. Als die Stille schon drücken zu werden drohte trat Steel an den  schweren Tisch, der das Zentrum des Raums bildete.

Die Gläserne Oberfläche bildete ein einziges großes Display und mit einigen

Handbewegungen Steels erschien eine Karte der Planeten des betroffenen Sonnensystems  auf dem Bildschirm.

Vier Welten , die einen rötlich schimmernden Stern im Zentrum umkreisten. Auf einen Glaskasten der etwas über der Tischplatte montiert war, wurde ein dreidimensionales Modell der Karte projiziert.

,, Das war das System, wie wir es in den letzten fünfzig Jahren kannten. Vier Planeten. Drei größtenteils ungastliche Gesteinsbrocken und ein Gasgigant am äußersten Ende. Eine Orbitale Station um den dritten Planeten und eine Kleien Kolonie darauf waren die einzigen Bewohnten Orte. Insgesamt vielleicht

fünftausend Menschen.“ Er hielt inne. ,, Würden sie weitermachen?“ , fragte  er an den Handelsoffizier Gewandt.

 

Zwischen der GTDF und der Handelsmarine, ein Komplex aus privaten und staatlichen Unternehmen, die sich zusammengeschlossen hatten, gab es seit der Gründung der Organisationen eine rege Zusammenarbeit.

Was die GTFO  an Planeten und Ressourcen eroberte, bereitstellten war das eingebürgerte Jargon, oder erschloss, musste irgendwie zu den Produktionsstätten auf der Erde und Industrieanlagen auf anderen Planeten, den für jede Kolonie extra eine

Verarbeitende Industrie aufzubauen, war viel zu umständlich.

 

Der Kapitän nickte und trat vor.

,, Also.. das war die Situation bisher. Als ich allerdings vor einem viertel Jahr dort ankam… sah es ganz anders aus. Anfangs hielt ich es für einen Fehler der Instrumente. Wir bekamen weder über Funk noch über sonstige Kanäle irgendein Anzeichen dafür rein, das sich jemand im System befand.

Einer der Navigatoren meinte, wir seien möglicherweise einer falschen Berechnung des Sprungcomputers zum Opfer gefallen und am falschen Ort gelandet.“

Coel wusste wovon er sprach. Bei einer Geschwindigkeit, größer als die von Licht führte bereits die geringste Abweichung auf einer Route dazu, dass man leicht mehrere Tausend Kilometer vom eigentlichen Ziel entfernt landete. Um das vorzubeugen verwendeten die meisten Schiffe spezielle Computer, die einen Kurs so exakt wie möglich berechneten. Ging dabei allerdings etwas schief, konnte es durchaus vorkommen, dass man eine halbe Galaxie am Ziel vorbeischoss. Das war zwar ärgerlich und auch gefährlich, aber nichts Ungewöhnliches. Nur ein totalausfall des Computers würde bedeuten, dass man gestrandet war, oder sich daran machen

musste einen Kurs zurück manuell zu berechnen, was durchaus Tage dauern konnte. Der einzige Grund, warum es an Bord aller Schiffe der GTDF einen Backup-Computer gab.

 

,, Das war es jedoch nicht.“ , fuhr Ägir fort. Ich hab den Kurs dreimal überprüft. Wir waren definitiv am Rand von Trinity herausgekommen. Bloß… fehlt die Station. Keine Funksignale und kein Sichtkontakt.“

Er ließ die Worte kurz wirken, bevor er fortfuhr.

,, Kurz darauf hat uns etwas getroffen, das die Außeninstrumente fast lahm gelegt und sämtliche Schiffskameras

geröstet hat. Die Ursache dafür… war das hier.“

Die Darstellung des Planetensystems veränderte sich und wurde durch ein einzelnes Objekt ersetzt.

Eine leuchtende Spirale aus Materie wirbelte darum und in unregelmäßigen Abständen jagten zwei Energieblitze daraus hervor, die sich hell wie die Sonne von der dunklen Hintergrundfläche abhoben.

Ungläubig starrte Coel auf das Bild. Er konnte erkennen, wie das Licht der Sterne hinter dem Objekt verzerrt wurde.

,, Ist das eine Computeranimation ?“ , fragte er ungläubig, ,, Sie vermuten nur , dass es das sein könnte ja?“

Steel schüttelte den Kopf. ,, Nein Coel… das ist, eine Kameraaufnahme. Nach den ersten Berichten, haben wir eine Sonde hingeschickt. Das ist eine Zeitrafferaufzeichnung.“

,, Das ganze System ?“ , wollte er wissen.

,, Keine Überlebenden.“

Coel sah wieder auf zu dem Objekt, das auf dem Schirm zu sehen war. Ein schwarzes Loch.

Etwas , das eine derart hohe Dichte besaß, dass es selbst Licht anzog und einfing. Deshalb wirkten die Sterne im Hintergrund  der Aufnahme auch so verzerrt. Aber…

,, Hatte die Sonne von Trinity überhaupt

genug Masse für.. so was ?“

,, Das Coel ist Teil des Problems. Und der Grund warum sie hier sind. Der Stern war universal betrachtet winzig, viel zu wenig Masse um zu einer Singularität zu werden.  Mal davon abgesehen, dass wir das vorher bemerkt hätten. Aber das ist nicht das beunruhigende.

Wir haben einige Untersuchungen angestellt und nun.. . wir haben Reste von Strahlung entdeckt.“

,, Verzeihung, aber das ist bei einem schwarzen Loch wohl auch zu erwarten.“ , mischte sich Seyonn ein, der bisher geschwiegen hatte.

,, So dumm sind wir auch nicht.“ ,

erwiderte Steel. ,, Wir haben die Strahlung verglichen.“

,, Und ?“

,, Sie waren auf Artherium. Sie haben den Test gesehen. Scheint als würde da jemand unsere eigenen Waffen gegen uns verwenden.“

,, Momentmal.. Auszeit. Die Novawaffe kann Planeten zerstören, schön und gut. Aber wie bitte, kommen wir von der Energieentladung eines Novagenerators zu einem schwarzen Loch?
,, Das ist etwas komplizierter.“ Der Unity-Beobachter trat vor. ,, im Prinzip ist es wohl eine Weiterentwicklung des ursprünglichen GTFO-Modells .“ Eine weitere Karte erschien, die einen blauen

Kreis um das schwarze Loch zeigte.

,, Die blauen Bereiche zeigen die Stellen, an denen die Reststrahlung besonders hoch ist. Es scheint, als hätte man  nun ja mehrere Novageneratoren in einem Ring um die  Sonne  angeordnet… und gezündet.“

,, Das bedeutet im Klartext ?“

,, Wir wissen es nicht genau… Aber Sterne sind in einem relativ gesehen, recht zerbrechlichem Gleichgewicht mit  ihrer eigenen Schwerkraft. Wenn dann ein entsprechend Starker ,,Stoß“ wenn sie so wollen, von außen kommt… Die Wissenschaftler, die das ganze untersuchen streiten sich noch, über das wie und wann, aber es scheint, das wir

es hier nicht mit einer simplen Naturkatastrophe zu tun haben.“

,, Und wozu brauchen sie bitte mich dann ? Sie scheinen ihre meisten Antworten zu besitzen. Und mit Wissenschaft kenne ich mich nicht wirklich aus. Also, was ist es.. taktische Beratung ? Oder einfach nur meine Expertenmeinung als… direkt Geschädigter ?  “ Er musste ein sarkastisches lachen unterdrücken.

,, Coel, sie waren einer unserer Besten. Und ich fürchte, wir werden sie erneut als einen der Besten brauchen. Wir haben…“

Rafail Coel unterbrach ihn,,  Was immer sie als nächstes sagen, ich bin ganz

Offiziell nicht mehr Dienstfähig.

Ich weiß die GTDF denkt sie bekommen dass hin, sie denken immer, sie können alles.

 Aber ich war bei vierzehn der besten Ärzte die man für Geld bekommt.

Der Knochen in meinem Bein sind durch die Nova Schockwelle so porös wie ein Schwamm und die Nerven in meinem Arm sind tot. Selbst wenn ich ihnen helfen wollte…“

,, Ich habe ihre Medizinischen Unterlagen hier.“ , hörte er die kalte Stimme Seyonns, der einen Stapel Papiere und Röntgenaufnahmen auf den Display-Tisch warf.

,, Das Arztgeheimnis interessiert sie

wohl auch nicht mehr wirklich oder ?“ , fragte Coel wenig überrascht. ,, Dann sollten sie doch eigentlich bereits wissen, dass ich ein Hoffnungsloser Fall bin.“

Seyonn sah auf. ,, Für menschliche Chirurgen vielleicht.“ Das erste Mal schien so etwas wie Emotion in die Stimme des Fremden zu treten. Es klang seltsam  amüsiert. Wie jemand, der über einen Affen lacht, dachte er.

Der Unity-Abgesandte bewegte  und die Finger über das Display und eine Aufnahme von Coels Beinknochen kam zum Vorschein. Die feinen Haarrisse die den ganzen Knochen durchzogen waren deutlich zu erkennen. Für Cole ein

vertrautes Bild.

Die Risse und Brüche verwandelten die Aufnahme in etwas, das mehr an ein Mosaik erinnerte, als an menschliche Knochen.

Es grenzte an ein Wunder, das er noch laufen konnte.

 Er war bei dutzenden Ärzten gewesen. Aber jede hatte ihm das gleiche Mitgeteilt. Da war selbst mit der heutigen Technik nichts mehr zu machen und von selbst heilen würde es wenn nur langsam wenn überhaupt jemals.

Und nun eröffnete ihm dieser Fremde, er weigerte sich von Seyonn als etwas anderes zu denken, dass es vielleicht doch noch eine Möglichkeit gab.

So gern er das geglaubt hätte… blind zusagen würde er allein deswegen nicht.

,, Erst will ich wissen was sie von mir erwarten, sollte ich zustimmen.“

,, Wir erwarten von ihnen, das sie herausfinden, wer da draußen mittlerweile in der Lage ist, ein Sonnensystem zu zerstören.“ , erklärte Steel kühl.

,, Sicher, das nicht sie dahinter stecken ? Irgendeine  Abteilung, die aus der Reihe Tanzt ? “ , fragte er und kniff die Augen misstrauisch zusammen.

,, Coel… sie mögen uns nicht, aber glauben sie wirklich die GTDF wäre so skrupellos ? Wir waren alle entsetzt über Artherium, selbst die Generalität. Wir…

wussten nicht was wir taten.“

,, Aber sie haben es trotzdem zugelassen.“ , stellte er fest.

,, Also, was sagen sie ?“

Coel überlegte. Er wusste, von seiner Antwort lag in diesem Moment sein weiterer Weg ab.

Ein Nein bedeutete zurück in die Wohnung.. ins Bad zur Schublade mit der Handfeuerwaffe.

Ein Schlussstrich.

Ein Ja bedeutete… alles andere, aber auch einen Weg zu beschreiten, den er dachte für immer verlassen zu haben.

Nach einigen Sekunden fiel seine Entscheidung.

,, Ja… ich bin dabei. Was immer das

auch bedeuten mag. Aber eine Warnung Steel. Sollten sie auch nur irgendwie damit drin hängen, sollten sie mir irgendwie in den Rücken fallen… dann schwöre ich ihnen werden sie dafür bezahlen.“

,, Ich kann ihnen versichern, das dem nicht so ist.“

 

 

Kapitel 6 Rekonstruktion

 

Also, wie wollen sie mich wieder hinbiegen?“ , fragte Coel.

Seyonn hatte bisher lediglich gemeint das er helfen könnte, nicht wie.

Auf der anderen Seite… machte sich auch so etwas wie eine unterschwellige Angst breit.

Cain Steel und der Handelsoffizier Ägir starrten den Unity-Abgesandten ebenfalls neugierig an.

,, Der Knochen, das ist einfach.“ Er bewegte die Finger über das Display. Die Röntgenfotografie verschwand, dafür tauchte eine neue auf, auf die letztlich

ebenfalls den Knochen zeigte, allerdings mit einem metallischen Gewebe umgeben, das beinahe an Stützstreben erinnerte.

,, Das ist eine Schiene aus einer Titanlegierung mit . Im Prinzip, dasselbe wie eine simple Stütze nur besser. Das Material hält extremsten Belastungen stand, nebenbei ist das Ganze mit einer intelligenten Schicht Naniten überzogen, die dafür sorgen, das sich die Schiene ihren Bewegungen anpasst.

Das wird den Knochen soweit stabilisieren, dass sie damit sogar wieder Leistungssport betreiben könnten wenn ihnen danach wäre. Das ist allerdings der unkomplizierte Teil.“

In weiteres Bild erschien. Eine MRT-Aufnahme, die einige dunkle Flächen aufwies. Das sind, oder besser waren die Nerven in ihrem linken Arm. Einmal wurden sie durch ihren schweren Sturz belastet und dann natürlich durch die Schockwelle, die im Übrigen vermutlich ihre Lebenserwartung um mindestens fünfzehn Jahre reduziert hat wenn sie das interessiert.“

,, Zu viel Information.“ , entgegnete Coel.

Seyonn fuhr ohne Unterbrechung mit seiner seltsam monotonen Stimme fort: ,,Soweit ich das sehen kann, sind sämtliche Stränge vollkommen Tod. Das heißt wir müssen diese Ersetzen.“

,, Klingt eher unangenehm.“ , meinte Ägir. Steel hingegen schwieg weiterhin und hörte lediglich zu.
Das Bild wurde erneut Ersetzt, diesmal durch eine metallene Konstruktion, die wie ein Geflecht aus einzelnen silbrigen Fäden wirkte.

,, Was soll das sein ?“ , fragte Coel.

,,Im Prinzip  leitendes Material, das wir als Ersatz für die Nerven verwenden können. Sie sind vermutlich mittlerweile von Myasthenie befallen, das heißt die Muskeln haben sich abgebaut. Die werden ebenfalls wiederhergestellt werden müssen. Dazu verstärken wir die künstlichen Nervenfäden einfach wieder mit einer Nanitenhülle. Das sollte ihr

Muskelgewebe langsam wieder aufbauen und bis dahin als Ersatz dienen. “ Er sah zu Steel. ,,  Die sind nicht replizierbar, nur damit das gleich klar ist.“

,, Ich verstehe.“ , erwiderte dieser. ,, Sie wollen keine Technologie weitergeben über die sie keine Kontrolle haben.“

Seyonn nickte, offenbar zufrieden.

,, Also.. sie wollen mich praktisch  einmal komplett auseinandernehmen und hoffen, dass dabei nichts schief geht, hab ich das richtig verstanden?“ , wollte Coel wissen.

,, Das Risiko ist minimal. Ein paar Stunden danach sollten sie schon wieder auf den Beinen, diesmal beiden, sein.“ ,

sagte Cain, der gewartet hatte, bis der Unity-Abgesandte seine Ausführungen beendet hatte.

,, Das Stimmt so nicht ganz.“ , warf dieser ein. ,, Es gibt immer ein Restrisiko, besonders bei einem solchen Eingriff.  Ich habe das Material dabei und kann ihren Chirurgen Anweisungen geben. Ob diese einen Fehler machen oder nicht, liegt nicht in meiner Macht.“

Seyonn  machte eine Pause.

,, Was ist ?“ , wollte Coel wissen.

,, Nebenbei gesagt, haben sie vielleicht Anfangs Probleme die Implantate zu steuern. Es erfordert Training und ich bezweifle, dass ein Mensch jemals die volle Leistungsfähigkeit ausschöpfen

könnte. “

Coel dachte erneut nach. Wieder stand er vor einer Entscheidung. Aber diesmal brauchte er keine lange Bedenkzeit. Selbst wenn die Technik der Unity versagte…

,, Was kann schon schief gehen ?“

,, Bei einem Fehler sind sie vielleicht völlig gelähmt.“ , antwortete Seyonn.

,, Zu viel Information.“

 

 

Eine halbe Stunde später war es bereits so weit.

Vom Konferenzraum aus wurde Coel  einen Gang entlang, von dem zahlreiche weitere Türen abzweigten. Soweit er das

dadurch abschätzen konnte, war die Anlage weitläufiger, als er angenommen hatte.

Mehrere Minuten ging es über mehrere Abzweigungen durch die immer gleichen grauen Tunnel bis sie schließlich eine Treppe erreichten, de wieder nach oben führte.

Ein weiterer Gang mit mehreren Türen. Hinter einer davon, wurde er in ein Zimmer geführt, wo er warten sollte.

Und das tat Coel, während er überlegte, was genau man überhaupt von ihm erwarten würde. Natürlich grob war das Ziel klar, aber die Einzelheiten kannte er noch immer nicht.

Das würde sich wohl später ändern,

wenn er aus der Operation aufwachte, die wohl irgendwo in dem Komplex stattfinden würde, in dem er sich grade aufhielt.

 

Soweit er es abschätzen konnte, war das Gelände  noch größer als es von außen den Anschein machte. Er befand sich jetzt wohl im Oberirdischen Teil, denn durch ein Fenster, seltsam das diese von außen nicht zu sehen waren, konnte er über die weite Betonfläche sehen. Im Hintergrund erkannte er die Hochhäuser der Stadt…

Hier und da spiegelte sich die Sonne in den Scheiben. Ein selten gewordener Anblick.

Die Einrichtung des Raums selbst war schlicht. Ein Sessel zum Sitzen, ein Schreibtisch und einige Bücher in einem Regal in einer Ecke.  Streng Zweckmäßig.

Er trat an das Regal und zog Zufällig ein Buch heraus.

Jemand klopfte an der Tür und Coel rief ein ,, Herein.“

Die Tür schwang zur Seite und verschwand mit einem zischenden Geräusch in der Wand. Es war vor allem dieses Geräusch, das Coel  dazu getrieben hatte in seiner Wohnung nur Türen mit Scharnieren einzubauen. Er assoziierte den Ton aus einem ihm unbekannten Grund mit dem zufallen

eines Sargdeckels…

Es war der Unity-Botschafter.

,, Das Nichts hat sich ermordet, die Schöpfung ist seine Wunde, wir sind seine Blutstropfen, die Welt ist das Grab, worin es fault.,,

Coel fuhr herum. Die Worte klangen seltsam schwer und noch monotoner, als er es von dem Fremden gewohnt war. ,, Was ?“

,, Dantons Tod.“ , erklärte Seyonn und deutete auf das Buch, das Coel in der Hand hielt.

Er stellte es zurück.

,, Habe sie das aus meinen Verstand gewühlt ?“

Der Gesandte  schüttelte den Kopf. ,,

Wir holen uns nur was nötig ist, niemals mehr. Das wäre unverantwortlich.“

,, Und das soll ich ihnen glauben ?“

,, Sie können mir glauben, dass es sehr unangenehm für sie werden würde, würde ich mehr als ihre Oberflächlichen Gedanken ankratzen.“

,, Ist alles vorbereitet ?“ , fragte Coel um das Gespräch schnell zu beenden. Er verspürte gleichzeitig Ungeduld und Angst. Ein Zustand, den er einfach nur hinter sich bringen wollte. Aber das Gefühl war ihm bekannt… Woher aber ? Sein Gedächtnis ließ ihn im Stich.

,, Fast, ich wollte mich noch kurz mit ihnen Unterhalten.“

Coel stellte sich etwas grader hin. ,,

Über was ? Gibt es noch irgendetwas, das ich wissen sollte?“

,,, Lediglich, dass die Unity sehr beunruhigt über diesen Zwischenfall ist. Jemand mit der Macht ein Sonnensystem auszulöschen… das ist etwas, das auch uns Angst macht.“

,, Wollen sie damit sagen, sie besitzen keine solche Technologie ?“, fragte er und versuchte so etwas wie eine Emotion oder einen Hinweis auf Unruhe in den Zügen Seyonns zu erkennen. Nichts.

,, Das wollte ich damit nicht sagen. Wir… besitzen Waffen wie diese. Aber wir nutzen sie nicht. Konflikte mit Einsatz von Waffengewalt sind für uns etwas sehr seltenes geworden. Unser

letzter Krieg ist gut ein Jahrtausend  her.“

,, Gegen wen ?“ , wollte Coel mehr aus Neugier, denn aus sonst irgend einem Grund wissen.

Auch wenn die Unity sich auf fast jeder menschlichen Welt blicken ließ, so war doch über sie selbst nur das bekannt, was ihre Abgeordneten preisgaben.

Beispielweise hatte noch nie ein Mensch ihre Heimatwelt betreten, geschweige denn war auch nur nahe an Enclave, der Namen des Planeten,  herangekommen.

,, Das ist nicht wichtig, denke ich.“

,, Es würde mich einfach interessieren.“

,, Nein.“, mit diesem Wort schien die Diskussion für Seyonn beendet. Aber

wenn er sowieso nicht hatte darüber reden wollen… wieso hatte er das Thema dann angesprochen?

,, Ich muss gehen.“ , sagte er plötzlich und verschwand durch die Tür, die sich hinter ihm wieder schloss. ,, Sie sollten sich auch auf den Weg machen. Suchen sie einfach nach dem Klinikbereich der Einrichtung.“

Coel blieb einen Moment unentschlossen sitzen, dann machte er sich auf den Weg.

Ihm war wieder eingefallen, woher er das Gefühl kannte… diese Mischung aus Aufregung und panikartiger Angst.

Artherium… sein erster Einsatz.

 

11 Jahre zuvor.

Coel sah sich in die Gesichter reihum. Seine Leute. Fünfzehn der besten der GTDF und ihm hatte man das Kommando übertragen. Oder zumindest würde er diese haben, sobald sie Artherium erreichten. An Bord des Titan-Schlachtschiffs Horus hatte nur einer den Befehl. Ein bärbeißiger Mann namens Dante de Flores.

Später sollte dieser während eines Einsatzes  auf Artherium getötet werden und Cain Steel nahm dessen Platz ein.

Doch noch stand er vor ihnen und lies es sich nicht nehmen, jede Gruppe Soldaten, die das Schiff mit einem Transporter verließ persönlich einzuweisen.

Er konnte die laute Stimme in der gesamten Hangarbucht hören, auch wenn der Mann keinerlei Verstärker für seine Ansprache benutze. Coel hörte ohnehin nur halb zu. Was ihn und seine Fünfzehn anbelangte, so hatten sie gesonderte Befehle und würden größtenteils frei Handeln können.

Es hatte durchaus mehr als nur einen finanziellen Vorteil für ein Eliteteam der GTDF ausgesucht zu werden.

Den Großteil der Rede bekam er trotzdem mit. Sollte de Flores damit beabsichtigen die Moral der Leute zu heben, so verfehlte er seine Wirkung damit grundsätzlich.

Alles, was Coel in den Gesichtern

entdecken konnte waren erste leise Zweifel und ein Mann flüsterte, so laut das es die Umstehenden hören mussten ,,  Geh zur Armee haben sie gesagt, schau dir das Universum an, haben sie gesagt.“

Das erntete einige nervöse Lacher, die die Worte des Kommandanten kurz übertönten.

,, Vietnam, Omaha Beach  die Rohstoffkriege des 21 Jahrhunderts, das alles sind Namen in Geschichtsbüchern meine  Herren und die Damen.“ , sagte er mit einem ernsten Blick in die Runde, der einen Moment bei einer Gruppe von Frauen hängen blieb. Frauen in der Armee waren zwar seit mehr als hundert

Jahren ein recht gewöhnlicher Anblick, doch die meisten hochrangigen Befehlshaber  hielten noch immer an archaischen Vorurteilen fest.

,, Jetzt haben sie die Gelegenheit, sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen. Sobald die Transporter dieses Schiff verlassen und auf dem Planeten aufsetzen, sind sie Freiwild.

Unser Feind mag uns technisch unterlegen sein, aber ein paar Artheranische Verbände haben es geschafft mehrere Waffentransporte zu überfallen. Sie haben recht schnell begriffen, wie man mit Sturmgewehren umgeht.  Gehen sie also nicht davon aus es nur mit Pulverflinten zu tun

bekommen. Ihre Panzerung schützt sie zwar davor, aber ein Kopfschuss tötet sie trotzdem. Unser Gegner mag  technisch im 18 Jahrhundert festsitzen, das heißt aber nicht, dass sie dumm sind.  Verstanden?“

Einige nickten.

,, Gut. Sobald ihre Transporter am Boden sind gibt’s für sie nur eins. Raus und Deckung suchen. Und wenn ich einen dabei erwische, wie er Versucht den Helden zu spielen, vergesst es. Ihr kommt keine drei Schritte weit ohne Feuerschutz.

Unsere Aufgabe ist einfach. Wir sichern das Gebiet und machen Platz für die Räumer.“

Räumer war der allgemeine Begriff für schwere ferngesteuerte Kampfplattformen, die für gewöhnlich aus dem Orbit abgeworfen wurden, um ein Schlachtfeld zu sichern. Kleine  Railgungeschütze, Zielsuchende Raketenwerfer… Sobald sich eine der Kriegsmaschinen installiert hatte, war eine Schlacht entschieden, wenn der Gegner kein schweres Gerät besaß.

,, Sobald die gelandet sind, können wir eine Basis einrichten. Mehr nicht verstanden? Keine Vorstöße und keine Alleingänge. Position verteidigen und warten. Und seien sie auf der Hut. Artheraner sind verdammt schnell und gerissen. Es werden keine Gefangenen

gemacht, solange diese nicht jede Sekunde überwacht werden können. Lassen sie einen Gefangenen Artheraner nur eine Sekunde unbeobachtet…“ Der Kommandant fuhr sich mit einer Hand über die Kehle.

,, Haben das alle Verstanden ?“

Die versammelten Soldaten der verschiedenen Einheiten  nickten.

,, Gut…“ in diesem Moment übertönte donnernder Lärm den Rest des Satzes, gefolgt von einem weiteren Schlag.

,, Das ist die Schiffsartillerie.“ , erklärte Dante de Flores. ,, Wir nehmen die Landezone unter Beschuss und decken die erste Welle. Und jetzt los.“

Die ersten Transporter wurden Besetzt

und hoben mit aufflammenden Treibwerken ab. Für Coel, der mit seinen Leuten zurückblieb wirkte es fast wie ein Wasserfall aus Schiffen, der  durch die Hangartore der Horus auf den unter ihnen liegenden Planeten stürzte.

Außer Coel und seinen Leuten blieben nur fünf weitere Soldaten zurück, die schwere Ausrüstung anlegten.

De Flores kam auf sie zu und musterte die Fünfzehn GTDF-Spezialisten.

,, Wenn ihr das Beste seid, was die Trading and Defense zu bieten hat… „ , meinte er Abschätzig.

,, Sind wir.“ , sagte Coel selbstsicher.

,, Das hoffe ich auch. Für sie habe ich eine Spezialaufgabe.“

,, Um  was geht es ?“

,, Der Hauptgrund warum wir die Artheraner nicht einfach vom All aus Wegpusten, ist eine unserer eigenen Waffen. Die haben es tatsächlich geschafft sich einer Orbitalen Verteidigungskanone zu bemächtigen.“

Ein Mann aus Coels Einheit, sein Name war Martin glaubte Coel sich zu erinnern, meldete sich zu Wort. ,, Können die Überhaupt damit umgehen ?“

,, Sie waren immerhin fähig das Magnetische Schild der Waffe zu aktivieren . Somit ist ein Beschuss aus der Umgebung nicht mehr möglich. Und aus dem Orbit mit der Horus anzugreifen ist zu gefährlich. Ihre Aufgabe ist

hinzugehen, die Abwehr zu deaktivieren und uns dann Bescheid zu geben.“

,, Verstanden.“

,, Und noch etwas :Die fünf unterstehen jetzt ebenfalls ihnen. Sie sollen ihnen Deckung geben.“

 Er wies auf die fünf Soldaten, die mittlerweile alle ein Exoskelett aus Keramikplatten und Kevlar trugen, das mindestens zehnmal so viel wog, wie das der Einsatztruppen.

Vermutlich waren in der Panzerung kleinere  Servomotoren verbaut, um Bewegungen überhaupt noch möglich zu machen. Auf dem Rücken waren Energiezellen angebracht, die wohl sowohl die Motoren, als auch die

Waffen, welche die fünf bei sich trugen, mit Energie versorgten.

Ein Gaußgewehr auch bekannt unter den Namen Coilgun, wurde  aber meist einfach nur kurz als Rifle bezeichnet.

Die Arbeitsweise erinnerte an die einer Railgun, nur das hier anstelle eines Schienensystems eine Magnetspule verwendet wurde, um ein Geschoss zu beschleunigen, was es erlaubte die Waffe so kompakt zu gestalten, das sie tragbar war. Wäre da nicht der enorme Energiebedarf gewesen. Zwecks dazu hatte die Armee extra einen Exoskelett-Kampfanzug für den Einsatz von Gaußwaffen entwickelt, der mit integrierten Energiezellen die Versorgung

der Geschütze sicherstellten und den durch das Gewicht der selbigen extrem langsamen Schützen etwas Sicherheit bieten sollte.

Die Gaußwaffen verursachten immense Zerstörungen selbst auch noch auf große Entfernung und bildeten das Rückgrat jeder Kämpfenden Einheit.

Coel nickte. Er würde etwas  zusätzliche Feuerkraft  sicher nicht ablehnen.  Er wollte sich grade umdrehen, als De Flores ihm noch eine Pistole zuwarf.

,, Können sie vielleicht auch gebrauchen.“

Coel hielt den Revolver einen Moment unsicher in der Hand. Die Waffe wirkte geradezu primitiv im Vergleich zu den

hochgerüsteten GTDF-Truppen.

,, Sicher.“ , meinte er spöttisch. Das Sturmgewehr würde reichen.

Mit einem letzten Wink des Kommandanten verschwanden er, seine übrigen Leute und die fünf Neuzugänge im inneren eines Transport-Shuttles.

Er spürte, wie der Boden kur erzitterte, als das Schiff abhob. Dann stabilisierte sich der Transport und sie flogen aus dem Hangar hinaus.

Durch ein kleines Fenster konnte Coel kurz einen Blick auf den Planeten unter sich erhaschen.

Eine seltsame Mischung aus Angst und Erwartung beschlich ihn, während er die blau glitzernde Kugel betrachtete.

Die Angst würde bald Panik weichen… und die Erwartung im Chaos ertrinken.

Kapitel 7 Landung

Der Fall durch die Atmosphäre rüttelte alle Zwanzig Insassen des Shuttles durch.
Rafail Coel hielt sich mit einer Hand fest, während er aufstand um weiter aus dem Fenster sehen zu können.
Der Planet, der bei Beginn ihres Anflugs noch klein wie eine Murmel gewirkt hatte füllte jetzt fast das gesamte Sichtfenster aus. Er konnte Meere und die Umrisse von Kontinenten erkennen, die teilweise durch Wolken verdeckt waren.
Auf der Nachtseite, die sie aus der Höhe noch einsehen konnten schimmerten Lichter. Einige schienen tatsächlich von

Besiedlung zu stammen. Andere wiederum waren wohl auf die Botanik zurück zu führen, die das Licht an den Tag und Nacht-grenzen reflektierte. Die Blätter wirkten wie Spiegel.
Eine Schockwelle brachte das Schiff noch mehr zum schwanken und Coel hatte kurz mühe sich auf den Beinen zu halten.
Flammen erhellten den Himmel.
,, Damit“ ,stellte der Pilot ruhig fest , ,,wäre wohl die Frage beantwortet, ob die Artheraner die Orbitalwaffe einsetzen können.“
Kleien Staubkörner rieselten am Sichtfenster vorbei, dann segelte ein brennendes Wrack vom Himmel und

verschwand unter der Wolkendecke unter ihnen.
,, Das war einer der Transporter.“ ,stellte Coel fest.
,, Ich hoffe mal, die meisten haben es nach unten geschafft.“
,, Das werden wir gleich herausfinden.“
Der Transporter durchbrach die Wolkendecke und vor ihnen lag zum ersten Mal klar einsehbar die Landezone.
,, Scheiße.“ Einer der fünf Gaußschützen hatte auf der anderen Seite ebenfalls einem Blick nach draußen geworfen. ,, Sieht übel aus.“ , fasste er das ganze zusammen.
Unter ihnen gab es nichts mehr, was irgendwie an eine Landezone erinnert

hätte. Hier und da konnte er die brennenden Wracks der Shuttles erkennen, die der Waffe zum Opfer gefallen waren
Etwas weiter dahinter konnte er einige dutzend intakte Schiffe sehen, die bereits gelandet waren. Soldaten sprangen heraus und duckten sich sofort in den Dreck.
Mehr gab es hier auch nicht mehr.
Das vorausgegangene Bombardement der Horus hatte die Landschaft auf mehreren Quadratkilometern in ein braunes Ödland verwandelt.
Hier und dort ragte etwas aus der Erde, das er als Überreste von Mauern identifizieren konnte. Hatten hier vorher

einmal Gebäude gestanden?
Unmöglich, dachte er, die Landezone war weit von allen Siedlungen entfernt eingerichtet worden. Zumindest hatte man ihm das gesagt.

Der Transporter segelte weiter über das Schlachtfeld. Ab und zu konnte Coel Bewegungen auf dem Boden ausmachen, die in Richtung der Landezone unterwegs waren, aber die Entfernung war zu groß, als das er Details hätte erkennen können.
Noch während das Shuttle sich im Sinkflug befand schlug etwas gegen die Außenhülle und prallte mit einem metallischen Klicken davon ab. Ein Querschläger oder ein gezielter Treffer

?
Wenn sie jetzt schon unter Beschuss gerieten…
Auf den einen Schlag folgte ein weiterer und dann noch einer, bis es klang als würde ein Hagelschauer aus Metall auf sie niedergehen.
Der Kommandant hatte sie gewarnt, dass den Artheranern eine Lieferung Schnellfeuerwaffen in die Hände gefallen war.
,, Den gefallen unsere Waffen offensichtlich besser als ihre.“ , hörte er die Stimme Martins, der das Steuer des Transporters besetzt hatte und versuchte durch einen wilden Zickzackkurs über den Himmel den Treffern

auszuweichen.
,, Sieht ganz so aus.“ , bestätigte Coel und lauschte weiter. Noch hielt die Panzerung dem Dauerbeschuss stand. Er konnte nur beten, das sich bei der Lieferung nur Standardmunition befunden hatte und keine Panzerbrechenden Kugeln.

Normalerweise bestand die Munition die sie verwendeten aus der altbewehrten Treibladung auf Basis von Nitrocellulose oder ähnlichen Verbindungen. Für den Kampf auf Planeten mit Sauerstoff reichte das auch. Im Luftleeren Raum zündeten die Patronen allerdings nicht immer

richtig.
Für diesen Zweck war ein völlig neues Konzept für Treibladungen und Projektile notwendig gewesen.
Es gab zwar durchaus die Option, die Waffe einfach mit einer Sauerstoffeinspeisung zu versehen, aber das wiederum ging auf Kosten von Beweglichkeit und Gewicht.
Das Ergebnis war eine Patrone, in der Fluor und Wasserstoff getrennt durch zwei Magnetfelder nebeneinander lagen und erst durch das Drücken des Abzugs reagierten. Der Effekt war eine starke chemische Reaktion, die genug Energie freisetzte, dass die Projektile um einiges mehr Durchschlagskraft entfalteten.

Stark genug, um selbst die Kohlenstoff-Panzerung eines Militär-Shuttles zu überwinden.
Der einzige Nachteil waren die beim Abfeuern entstehenden geringen Mengen hochgiftiger Fluorwasserstoff-Verbindungen. Deshalb wurde diese Munitionsart meist nur von Scharfschützen eingesetzt, die nur ein Fluorgeschoss brauchten, um ein Ziel auszuschalten. So hielt man die Belastung gering.

Coel sah wieder auf, als das Shuttle endlich mit einem Ruckabbremste und etwa einen Meter über dem Boden zum Stehen kam. Eine kleine Staubwolke

wurde um das Landungsschiff hochgewirbelt und verdeckte die Sicht.
Eine beliebte Taktik. Die Steuerdüsen des Transporters wurden so ausgerichtet, dass jede Menge Staub die Sicht eines eventuellen Gegners auf die Aussteigenden Truppen verschleierte.
Der Schützende Vorhang würde allerdings nur kurz bestehen bleiben. Und er würde auch verhindern, das Coel und seine Leute beim Ausstieg die Umgebung einsehen konnten. Sie tauschten Sicherheit gegen Übersicht. Etwas das ihm nur bedingt gefiel, auch wenn er wusste, dass sich in der Nähe Verbündete aufhalten mussten.
Sie waren in der Nähe der restlichen

Shuttles gelandet, die es auf den Planeten geschafft hatten.
Coel öffnete die Seitentür des Shuttles, das mit einem weiteren kurzen Ruck endgültig auf dem Boden aufsetzte und sprang heraus.

Sofort suchten er und die übrigen fünfzehn Mann seiner Einheit hinter dem Schiff Deckung. Die Fünf mit Gaußgewehren ausgerüsteten Soldaten, die ihnen Dante mitgeschickt hatte blieben fürs erste im inneren des Transporters. Die schwere Ausrüstung machten die fünf so unbeweglich und langsam, dass sie nirgendwo sonst Schutz finden würden.


Auch wenn er noch immer nichts sehen konnte, war doch der Lärm um ihn herum Ohrenbetaübend.
Schüsse, ab und zu gefolgt von einer Explosion und ,wenn der Kugelhagel kurz zum Erliegen kam, die Rufe von Verwundeten.
Ein Projektil pfiff wenige Zentimeter an ihm vorbei und prallte an der Außenhülle des Shuttles ab, die mittlerweile zahlreiche Dellen und Kratzer aufwies.
Er fischte die verformte Kugel aus dem Sandigen Untergrund. Das war kein Kaliber wie es die GTDF verwendete. Lediglich simples Blei, das durch den Aufprall halb zerbröselt

war.
,, Wir bekommen Besuch.“ , rief er und zielte mit dem Sturmgewehr in die Richtung, aus welcher der Schuss gefallen war.
Noch immer verdeckte der Staubschleier die Sicht. Doch… da war etwas. Ein dunkler Schatten im Nebel.
Er atmete ein und Zielte. Ausatmen und er drückte den Abzug durch.
Das Projektil raste durch die Luft und verschwand im Staubwirbel. Er hörte das Geräusch, als die Kugel ihr Ziel fand. Der Schatten kippte weg.
Coel lauschte, ob er einen Schrei oder ähnliches hörte. Nichts.
Die Kugel hatte ihr Ziel sofort

getötet.
Langsam lichtete sich nun der Staub und er konnte wieder weiter als ein paar Hundert Meter sehen.

Vor ihnen waren einige der Transporter der Horus gelandet. Die eigentliche Hauptlandezone lag viel weiter hinten. Vermutlich landeten hier nur die weniger Glücklichen Transporter, die beim Anflug von der planetaren Verteidigungskanone beschädigt wurden.
Hier und da konnte er Soldaten der GTDF erkennen, die scheinbar ziellos durcheinander liefen und Feuerten.
Coel versuchte so etwas, wie Organisation in dem Chaos zu finden,

konnte es aber nicht.
Gab es hier noch irgendwelche Befehlshaber ?
Ein Mann wurde getroffen, bevor er die Deckung die ihm die Transporter boten überhaupt ganz verlassen hatte.
Ein Offizier, der wohl versuchte so etwas wie Ordnung in das allgemeine durcheinander zu bringen sprang auf und riss dabei einen anderen Soldaten mit, der sich in den Staub kauerte, um wenigstens etwas Deckung zu haben.
Coel hörte die Stimme des Mannes, als dieser rief, ,, Steht auf und Kämpft. Wenn wir….“ Weiter kam er nicht, denn im selben Moment wurde er von mehreren Projektilen

durchsiebt.
Coel hatte bisher noch keinen Angreifer entdeckt. Abgesehen von dem, den er im Staubwirbel getroffen hatte und von dessen Leiche fehlte jede Spur, wie er feststellen musste.
Vielleicht hatte er doch nicht getroffen…
Die Unglücklichen, die dumm genug waren dem Befehl des toten Offiziers zu folgen ereilte alsbald das gleiche Schicksal.
Wenn es mal so etwas wie eine Strategie in dem ganzen Gegeben hatte, war es für die meisten nur noch ein Kampf um Überleben. Überleben, bis die versprochene Artillerie eintraf.
Und das hieß sie mussten zuerst ihre

Aufgabe erledigen, dann erst könnte die Horus Feuerschutz geben und weitere Verstärkung schicken.

Irgendwo dröhnte eine dumpfe Explosion und eines der Shuttles flog in die Luft. Brennende Teile wurden Meterweit geschleudert und er musste sich zu Boden werfen um nicht getroffen zu werden.
,, Verdammt.“ Er sprang auf. Entweder hatten die Artheraner auch einige Granatwerfer in die Finger bekommen… oder irgendwo hatte sich jemand ziemlich beim Berechnen einer Flugbahn geirrt.
Wenn erstes der Fall war, fragte sich Coel unwillkürlich, ob es irgendetwas

gab womit diese nicht umgehen konnten. Vielleicht hatten sie ihren Gegner unterschätzt. Er sah zum Lager herüber, wo grade ein rotglühender Feuerball verlosch, gewaltig unterschätzt.
Sie sollten es mit einem Feind zu tun haben, der sich auf völlig unterlegene Waffentechnik stützte… nicht mit einem, der auch nur wüsste, was ein Granatwerfer war.

,, Also gut. Herhören. Solange die Artheraner auf die Transporter konzentrieren haben wir freies Feld. Unsere Aufgabe ist immer noch dieselbe. Also los.“
Sie waren schon viel zu lange untätig

geblieben und mit jeder Sekunde stieg die Gefahr, dass man sie bemerkte und Coels Leute ebenfalls unter Beschuss gerieten.
Dann wären sie in ernster Gefahr und würden genau wie die übrigen GTDF-Soldaten hier festsitzen.
Als die fünf Gaußschützen ihnen folgen wollten, hielt Coel sie zurück.
,, Ihr bleibt hier.“ , sagte er ,, Unterstützt sie.“ Coel wies auf die kleine Ansammlung von Shuttles.
,, Sir wir haben strikte Befehle ihnen Geleitschutz…“ , wendete einer der fünf ein.
,, Wir kommen auch so zurecht, hier aber werden sie gebraucht. Ohne Feuerschutz gehen die hier alle drauf.

Los.“
Coel duldete keinen Wiederspruch.

Wenige Minuten später hatten sie bereits ein gutes Stück Abstand hinter sich und das Schlachtfeld an der Landezone geschafft. Sie konnten das Feuer immer noch hören, wurden selbst jedoch nicht beschossen.
Sie befanden sich jetzt mitten im Ödland, welches das ungezielte Bombardement der Horus hinterlassen hatte. Coel kletterte auf den erhöhten Rand eines Kraters, der fast die Größe eines Hauses hatte und sah hinab.
Die Horus verfüge über 3 Spezielle Geschütze, die extra für Angriffe auf

Planeten konstruiert worden waren.
Zu Grunde lag wieder das Magnetschienensystem eine Railgun, doch zusätzlich wurde um das Schienensystem ein Vakuum erzeugt, das sogar den Weltraum übertraf. Der Reibungswiederstand sank demzufolge fast auf null und die Geschosse schlugen mit unvorstellbarer Wucht an ihrem Ziel auf. Die Projektile bestanden aus der gleichen Platin-Legierung wie auch die Außenhülle der Horus, da diese sonst verglühen würde, bevor sie ihr Ziel erreichten.
Im Umkreis von etwa einem Kilometer um den Einschlagsrot wurde alles im wahrsten Sinne des Wortes, pulverisiert.

Der Sand der überall herumlag war nicht natürlich… Er griff sich eine Hand des rötlichen Grobkörnigen Materials und musste wieder an die Gebäuderuinen denken, die sie beim Anflug entdeckt hatten.
Entweder hatte die GTDF falsche Informationen gehabt oder absichtlich falsche Informationen weitergegeben. Es war nicht wichtig, beunruhigte ihn aber.
Wenn sie absichtlich oder ausversehen Zivilisten beschossen würde das den Konflikt nur Verschärfen.
Sofern das noch möglich war…
In diesem Moment hörte er etwas durch die Luft pfeifen. Für eine Kugel war es zu langsam….


Sein Verstand hätte beinahe zu spät registriert, was es war.
Ein Warnschrei von einem seiner Leute. ,, Granate“
Dann spürte er nur noch die Druckwelle, die ihn den Abhang des Kraters hinabschickte. Eine Welle aus Feuer raste, noch im Fallen, über ihn hinweg.
Coel hörte die Rufe seiner Leute, Kugeln, die aus dem nichts zu kommen schienen und das infernalische Stakkato von Schnellfeuerwaffen.
Etwas glühend Heißes sauste Zentimeter an seinem Gesicht vorbei und verbrannte die Haut Oberflächlich.
Er schlug im Sand

auf.
Einen Augenblick lang wurde es schwarz um ihn.

Sand verklebte ihm die Lieder, als er sie wieder öffnete. Mit einer Hand wischte er sich die Augen aus und setzte sich dann auf. Oben auf dem Kamm des Kraters hörte er immer noch Gewehrfeuer und die Rufe seiner Leute.
Er tastete nach seinem Gewehr, fand die Waffe aber nicht. Er sah den Hügel hinauf. Ein schwarzes etwas etwa auf halbem Weg abwärts, das verdächtig nach seiner Waffe aussah zog seine Aufmerksamkeit auf sich.
Soviel also

dazu.
Coel zog die Pistole, die der Kommandant ihm gegeben hatte, aus dem Halfter und betrachtete die Waffe skeptisch.
Kurz überprüfte er die Magazintrommel.
Voll. Acht Kugeln. Das war doch immerhin etwas, dachte er, während er sich den Weg die Kraterdüne hinauf machte.
Er hatte etwa die Hälfte des Weges hinter sich, als es ihn überraschte.

Coel sah kurz auf, weil das Geräusch von Waffenfeuer aufgehört hatte. Er machte sich Sorgen um seine Leute und spähte hinauf um zu sehen, ob vielleicht

jemand über die Kante sah.
Er beruhigte sich wieder, als tatsächlich ein vertrautes Gesicht erschien und hinab rief: ,, Alles in Ordnung Coel ?“
,, Alles bestens Martin.“
,, Gut. Beeilt euch, das war sicher nur eine Vorhut.“
Der Mann verschwand vom Kraterrand. Genau in diesem Moment bewegte sich plötzlich der Sand und eine Hand packte seinen Fuß. Er stürzte und schlitterte erneut den Hang hinab, gefolgt von etwas, das sein Verstand erst als Tier abstempeln wollte, bis ihm klar wurde, das es sich auf zwei Beinen bewegte und Kleidung trug, die fast der Farbe des Sandes entsprach. Ein braunroter Schulterumhang

, der seinen Gegner bis dahin fast unsichtbar gemacht hatte.
Seine erste Begegnung mit einem Artheraner hätte wohl nicht ungünstiger ablaufen können.
Er hatte nun auch die Pistole auf dem Weg den Hang hinab verloren und er Artheraner war bereits näher dran als er.
Trotzdem rannte Coel los und schaffte es irgendwie bei dem Todeslauf aufzuholen.
Die letzten zwei Meter sprang er, schnappte sich im Fallen die Waffe und feuerte ungezielt in die Richtung, aus der sich der Artheraner genähert hatte.
Er sah auf und starrte seinem Gegner direkt in die Augen. Im ersten Moment

dachte er, er hätte ihn verfehlt. Verfehlt und er würde gleich sterben.
Dann wurde er sich der ausbreitenden roten Flecken auf dem Körper seines Gegenübers bewusst.
Der braune Gehrock den dieser trug verfärbte sich schnell dunkel.
Acht Kugeln… fünf Treffer.

Kapitel 8 Klassentreffen

11 Jahre zuvor...

 

Der Artheraner sackte zusammen, nicht ohne Coel einen beinahe traurigen Blick zuzuwerfen. Und er konnte nicht anders als hinzusehen. Seltsam… Bilder rasten an seinem Verstand vorbei...

Es hieß, dass man bei seinem Tod, sein ganzes bisheriges Leben vor sich sah. Aber was er hier sah, war nicht sein Leben. Mit Bestürzung erkannte er, dass es das des sterbenden Artheraners war, das sich unauslöschlich in seinen Verstand brannte.

Coel  merkte überhaupt nicht, wie ihn

jemand an der Schulter rüttelte.

,, Hey, alles in Ordnung mit ihnen ?“ Er nickte nur und betrachtete einen Moment die Leiche des Artheraners.

Sein erster Eindruck ein Tier vor sich zu haben, war auf die Tatsache zurückzuführen, dass das Wesen Fell besaß. Die Hände hatten vier Finger, von denen einer wohl die Funktion eines Daumens erfüllte.

Spitz zulaufende Ohren, die ihn an eine Katze erinnerten. Immerhin nur zwei Augen

Tatsächlich war eine Katze das einzige, womit er das Wese vor sich vergleichen konnte. Oder ein Leopard, was ihm angesichts der gepunkteten

Fellzeichnung ein angemessenerer Vergleich schien.

Ein Leopard, der sich irgendwann Entschieden hatte, auf zwei Beinen zu laufen. Es würde ihn nicht wundern, wenn sich unter den Pfoten ähnlichen Händen auch Krallen verborgen.

Das Wesen, trug dunkle Kleidung in einem Ton, der Coel sofort an den Sand des Kraters erinnerte.

Der rotbraune Umhang war jetzt mit mehreren Einschusslöchern durchsiebt und  Weste und Gehrock des Artheraners rot verfärbt.

Er musste sich die ganze Zeit dort Versteckt und auf eine Gelegenheit gewartet haben.

Tarnung, war wohl das Stichwort.

 

Langsam registrierte Coel, dass jemand mit ihm gesprochen hatte.

 ,, Ja“ , antwortete er. ,, Ich denke schon.“ Martin und zwei weitere Männer aus seiner Einheit waren die Düne herabgelaufen.

,, Sicher ? Dante hat gemeint, die können in ihrem Kopf herumspielen.“  Coel erinnerte sich an das Leben, das nicht seins  war und doch nun irgendwo in seinem Verstand abgespeichert lag.

Ihm kam es wie eine letzte Rache seines Gegners vor, denn was konnte es schlimmeres geben, als gezwungen zu werden den Feind  als Person , als

intelligentes Lebewesen, anzuerkennen.

Ein Haus, Kinderlachen, das irgendwie von weit weg zu kommen schien,  eine Gestalt in einem Garten, die er nur Schattenhaft wahrnahm…

Der Artheraner, wie er mit hunderten anderen  eine Ansammlungen von Gebäuden hinter sich ließ und noch einmal Zurückblickte. Die Wolken schienen plötzlich in Flammen zu stehen, als ein Geschoss durch die Wolken raste, und genau im Zentrum der Siedlung aufschlug…

,, Das glaube ich auch.“ , antwortete er vorsichtig und stand auf.

Erstaunt stellte Coel  fest, dass er zitterte. ,, Wie ist das überhaupt möglich

?“ , fragte er.

,, Keine Ahnung, ich denke mal ähnlich wie bei der Unity ?“ , fragte Martin unsicher.

,, Die Unity kann keine Gedanken übertragen.  Zumindest nicht das ich es wüsste. Und  das wichtigste, die Unity sind Maschinen. Wohingegen der hier doch recht lebendig aussieht.“

,, Dann bin ich genau so schlau wie sie Sir. Vielleicht sollten wir die Frage später klären?“

Coel nickte. Sie hatten immer noch einen Auftrag zu erledigen.

 

 

Später sollte er erfahren, was es mit der

seltsamen telepathischen Erfahrung auf sich hatte.

Das Gehirn eines Lebewesens basierte auf elektrischen Signalen und chemischen Botenstoffen, wie Hormonen und Enzyme. Vor allem die elektrischen Signale waren es, mit deren Hilfe im Gehirn Informationen in den Synapsen gespeichert und versendet wurden.

Normalerweise, war es unmöglich, das diese schwachen elektrischen Signale ,, übermittelt“ werden konnte redete man doch von Spannungen von grade einmal 50 bis 80 Milliwatt, die in den Nervenzellen entstehen konnten.

Also kaum signifikant.

Bei den Artheranern sah die Sache

freilich etwas anders aus. Deren Nervensystem schien eine markant stärkere Spannung zu benutzen und konnte diese tatsächlich nach Außen leiten. Wie oder wozu das genau diente war noch nicht ganz klar. Aber letztlich konnten so Informationen übermittelt werden.

Bei Menschen funktionierte das erfahrungsgemäß  nur in unmittelbarer Nähe und war von den Artheranern meist als Waffe eingesetzt worden, denn auch wenn Gedanken nicht töten konnten, konnten sie doch eine massive Reizüberflutung auslösen und zu Momentanen Orientierungsverlust führen.

Die Artheraner waren sich dieser Fähigkeit wohl bewusst, schienen sie aber nicht gezielt zur Kommunikation untereinander zu benutzen.

Wahrscheinlich, weil sie nicht genau steuern konnten, was sie an Erinnerungen und Eindrücken weitergaben.

Aber das war größtenteils Theorie, denn für einen Test einen Artheraner zu finden gestaltete sich spätestens seit der Zerstörung Artheriums als schwierig. Fast wirkte es, als seien sie aus der Galaxie verschwunden.

Verschwunden… wie ein ganzes Sonnensystem verschwunden war…. Nein.. zerstört…  konsumiert… Seine

Gedanken verschwanden in der Dunkelheit, glitten ab ins Irrationale…

 

,, Coel ?“ Er blinzelte gegen das Licht und setzte sich auf. Einen Moment lang wusste er nicht genau wo er war. Dann fiel ihm alles wieder ein.  Artherium  war Geschichte. Schon seit langem.

Und… er bewegte den linken Arm vorsichtig und hielt sich die Hand vors Gesicht. Wie schnell sich der Körper doch wieder daran gewöhnte normal zu funktionieren. Sein Kopf würde dafür noch länger brauchen.

 

Coel sah sich um. Er selbst saß auf der Kante eines Bettes.

Und um ihn herum standen soweit ersehn konnte Steel, Seyonn und einige andere Leute.

Im Hintergrund konnte er weitere Liegen erkennen, allerdings schein sich außer ihm kein Patient hier zu befinden. Vielleicht der Krankenflügel der Einrichtung.

,, Coel ?“ , wiederholte Cain.

,, Mir gehst gut.“ , antwortete er und stand Vorsichtig auf. Dabei griff Coel nach der Krücke, die an der Bettkante lehnte nur um sie gleich darauf wieder loszulassen. Die brauchte er nicht mehr.

Stattdessen trat er, vorsichtig mit beiden Füßen auf.

Einen Moment schien das Bein unter ihm

wegknicken zu wollen, dann fing er sich ab.

,, Sie müssen sich erst etwas daran gewöhnen.“ , hörte er die Stimme des Unity-Abgesandten.

Wie um das Gegenteil zu beweisen warf Coel einen Stift, den er aus der Manteltasche eines der umstehenden Leute klaute in die Luft und fing ihn wieder mit der anderen. Oder wollte das zumindest. Der Stift fiel zu Boden. Er hatte nicht danach greifen können.

,, Vielleicht haben sie recht. Irgendetwas, auf das ich vielleicht besser achten sollte ?“

,, Nun erst einmal, das Material das wir verwendet haben ist regenerativ , das

bedeutet wenn sie beispielsweise am Arm verletzt werden, brauchen sie nicht extra einen Chirurgen rufen.

Die Implantate Warten sich in bestimmten Rahmen selbst, indem sie einfach Spurenelemente wie Magnesium und Eisen aus ihrem Blut filtern und zur Selbstreparatur nutzen. Das dürfte auf sie allerdings kaum Auswirkungen haben. Sie könnten aber Anfangs Schwierigkeiten mit der Koordination haben. Die Verknüpfungen mit den Axonen, also ihren Nerven sind zwar etabliert, aber sie werden sich wohl erst noch  daran gewöhnen. Das heißt, mit einfachen Tätigkeiten, wie laufen dürften sie keine Probleme bekommen, ich würde

ihnen aber keinen Walzer empfehlen.“

,, Ich brauche also einfach etwas Übung ? Gut, was mich aber viel mehr interessiert „ , meinte er mit einem selten gut gelaunten Grinsen im Gesicht an Steel gewandt, ,, Was hat sie der Spaß gekostet ?“

,, Genug.“ , antwortete dieser. ,, Mehr als sie vermutlich je verdienen werden.“

,, Man tut was man kann.“ ,antwortete Coel.

, , Und es war auch nicht grade einfach, ihren Freund aufzuspüren. Der hat sich besser Versteckt als sie.“ , sagte eine dunkelhaarige Frau , die etwas hinter Cain stand , so das Rafail sie bisher übersehen hatte. Sie trug keinen

Arztkittel sondern militärische Uniform. Vielleicht Steels Adjutantin ? Er wusste es nicht.

,, Von wem bitte reden sie ?“ , wollte er wissen.

,, Sieh so aus, als wären wir Beide wieder mit von der Partie.“ , hörte er eine bekannte Stimme von der Tür des Raums.

,, Hoffentlich diesmal ohne einen zerstörten Planeten zu hinterlassen.“ , begrüßte Coel Martin. ,, Wie kommt es, das sie hier sind?“

,, Ich könnte sie dasselbe fragen. .“

 

 

Einige Tage zuvor…

Etwas klopfte an der Tür. Martin rollte auf einem Brett unter dem Flügel hervor, an dem er grade mit dem Schweißbrenner gearbeitet hatte. Langsam sah das ganze wieder nach etwas aus. Die Flamme des Brenners erlosch.

Wer bitte konnte das sein?

Er schritt durch die, bis auf sein Projekt, wie er es nannte, leere Lagerhalle, die er, in den Außenbezirken von New-Boston  angemietet hatte.

Bei dem Projekt handelte es sich um ein fast dreihundert Jahre altes Flugzeug  des Typs F-104. Die Lockheed  hatte  in den 70er Jahren des 20 Jahrhunderts zu den vielseitigsten Kampfjets gezählt. Das

allerdings nach all er Zeit überhaupt noch ein Model existierte, war ein kleines Wunder. Anfangs hatte er lediglich zum Zeitvertreib daran gearbeitet und nicht geglaubt, die Maschinen, die größtenteils nur noch aus einem verrostetem Außenskelett bestanden hatte überhaupt wieder flott zu bekommen. Jetzt jedoch, war er fast so weit zu sagen, dass er die F-104 wieder in die Luft bekommen würde. Mit sehr viel Glück. Und natürlich würde er es nie ausprobieren können. Der Start eines beinahe schon antiken Jagdfliegers würde viel zu viele Genehmigungen erfordern, als das er das Risiko eingehen würde.

New Boston, war einer der zahllosen Vororte, die mittlerweile zum Bild jeder Stadt gehörten. Dreckig, teilweise heruntergekommen und verarmt. Aber ihm gefiel es hier. Hier hatte er seine Ruhe und im Strom der Menschen, der illegalen Einwanderer und der zahllosen  nicht registrierten Bewohner konnte er jederzeit untertauchen. Alles was er tun musste war, zur Tür hinaus zu spazieren und in den Slums zu verschwinden.

 

Aus diesem Grund machte er sich auf seinem Weg zum Hallentor auch nicht wirklich Gedanken.

Das Tor war auf zwei Schienen gelagert, und lies sich einfach über einen

Flaschenzug aufziehen. Moderne Technik suchte man hier vergebens.

In die rechte Hälfte des Tors war eine kleine Tür eingelassen, über die man die Halle verlassen konnte, ohne vorher das komplette Tor aufziehen zu müssen.

Martin wischte sich die Ölverschmierten Hände an einem Tuch ab und öffnete dann die Tür.

Er hatte erwartet, vielleicht dem Besitzer  der Halle gegenüber zu stehen.

Er war mit der Miete einen Monat im Rückstand. 

Oder schlimmstenfalls eine der seltenen Polizeikontrollen, die hier mehr sporadisch, als nach irgendeinem Konzept durchgeführt wurden.

Beides wäre zwar unangenehm gewesen, aber keine Überraschung. Dem Vermieter hätte er schon beruhigt, der Mann war vermutlich ohnehin froh, das überhaupt jemand in der Halle war, der zumindest sporadisch zahlte, und die Polizei wäre wohl etwas überraschte gewesen,  was ein altes Militärflugzeug hier zu suchen hatte, hätte sich aber vermutlich nur kurz umgesehen und wäre dann weitergezogen.

Für den schlimmsten Fall, das tatsächlich eine Durchsuchung angeordnet werden würde, hatte er immer ein kleines Bündel Geld bei Seite liegen. Ein Geschenk, das hier sicher niemand ausschlagen würde.

Als er die Tür aufzog stand aber weder ein Polizist noch sonst jemand, den er erwartet hätte vor der Tür. Es war eine Frau mit dunklen Haare und einem asiatischen aussehen. Zuerst konnte er sie nicht einordnen. Die Frauen die in New Boston lebten waren entweder arm und lebten wie alle anderen grade auf dem Existenzminimum oder lediglich auf der Durchreise.

Sie hingegen schein keines von beidem zu sein. Erst viel zu spät fiel ihm die Waffe in ihrer Hand auf.

Er verfluchte sich kurz, das er nicht vorher überprüft hatte, wer vor der Tür stand.

Der Schriftzug GTDF war deutlich

lesbar in den Kragen des Mantels den sie trug gestickt.

,, Und worauf warten sie ?“ , fragte er als ein paar Sekunden verstrichen waren und er immer noch keine Kugel abbekommen  hatte. Sein erster Gedanke, dass man ihn nun ausschalten würde, war offenbar falsch. Oder sie zögerte einfach nur.

,, Ich bin nicht hier um sie zu töten.“

,, Natürlich und deshalb kreuzen sie hier mit vorgehaltener Waffe auf.“ Er drehte sich von der Tür weg und lief ein paar Schritte in die Halle hinein. Ihm war nicht wohl, der Frau mit der Waffe auch nur einen Moment den Rücken zu zudrehen, aber sie hatte Recht. Hätte

man seinen Tod gewollt, wäre das bereits geschehen.

Und was immer sonst der Grund es Hierseins eines GTDF Agenten war, würde man besser nicht an der Tür bereden.

 

,, Also“ , fragte er, ,, warum sind sie hier ?“ Er zog einen Stuhl aus einer Ecke und setzte sich darauf. Martin dachte nicht einmal daran ihr auch einen Platz anzubieten. Zumindest nicht solange immer noch eine Pistole auf ihn gerichtet war.

Endlich ließ sie die Waffe sinken, bleib aber in sicherer Entfernung stehen. Klug von ihr.

,, Ich bin hier, weil wir möglicherweise ihre Hilfe brauchen werden.“

Martin lachte. Und irgendwie konnte er nicht mehr aufhören. Diese Worte klangen einfach so nach verkehrter Welt.

,, Hören sie, wenn sie mich erst verarschen wollen, bevor sie mich erschießen viel Spaß dabei.“

,, Ich fürchte, das ist kein Scherz, in Anbetracht der Umstände  wünschte ich wirklich es wäre einer.“

Sie zog einen Ordner aus der Aktentasche, die sie dabei hatte und hielt ihm die Papiere hin.

Kurz zögerte Martin , dann nahm er die Akten entgegen. Ohne sie aus den Augen zu lassen Blätterte er die Seiten langsam

durch. Bilder, Aufnahmen, Daten… Das alles könnte gefälscht sein, oder auch nicht. Aber…

Wenn es der Wahrheit entsprach, machte es ihm Angst.

,, Nun gut. Ich höre zu Miss…

,, Hemingway, Grace Hemingway.“

,, Also Grace… dann erzählen sie mir doch erst einmal, was ich von alldem halten soll.“

Kapitel 9 Evolution

Coel war erneut im Konferenzraum. Nachdem er im Klinikflügel des Komplexes aufgewacht war und Martin ihm erzählt hatte, wie er hierher kam, hatte die Runde sich zerstreut und er war  eingeschlafen.

 Vermutlich wirkten einige der Betaübungsmittel, die man ihm bei der Operation verabreicht hatte noch immer etwas nach.

 Gleichzeitig war die Müdigkeit wohl auch auf die Impfung zurück zu führen.

Ein großes Problem, das seit der Entdeckung er ersten bewohnbaren Planeten außerhalb des Sonnensystems

bestand, waren Krankheitserreger. Schließlich wusste niemand, was sich alles an neuen Bakterien und Viren auf einem Planeten tummelte, bis sich jemand damit infizierte.

Meist war das harmlos, eine seltsame Grippe, ein paar Tage Übelkeit dann wurde es besser. Meistens.

Aber niemand wollte es riskieren, sich  ein neues Supervirus oder ähnliches einzufangen und auf die stärker bevölkerten Welten einzuschleppen. Deshalb bekam jeder Reisender, bevor er seinen Planeten verlies eine Impfung für alle bisher bekannten und behandelbaren  Viren und einen generellen Gesundheitscheck. Viel dieser zu

schlecht aus, wurde keine Reisegenehmigung erteilt.

Coel hatte damit schon gerechnet. Für ihn war klar, dass die GTDF ihn und Martin nicht zurückgeholt hatte um Däumchen zu drehen. Für sie würde es früher oder später heißen: Raus da.

Und so wie es aussah  eher früher.

 

Steel hatte ihn in den Konferenzraum bestellt, vermutlich würde er nun endlich die Details erfahren. Die GTDF war alles aber nur selten unvorbereitet. Vermutlich hatte Cain oder irgendjemand sonst bereits einen Plan oder ein Ziel für sie.

 Und auch wenn er es zu verbergen suchte, was ihn jetzt vor allem erfüllte

war Neugier.

 Die letzten Zehn Jahre waren verschwendet gewesen. Er hatte sich verkrochen, versteckt. Nicht mehr. Als wäre ein Schatten zumindest teilweise  von seiner Seele genommen worden, der sich dort seit seinem letzten Blick zurück auf Artherium eingenistet hatte.

Versuchsweise und um sich die Zeit zu vertreiben, bis die anderen eintrafen belastete er einmal das rechte, dann das linke Bein. Er konnte keinen Unterschied feststellen, lediglich ein schwacher Schmerz durchzuckte ihn, wenn er das verletzte, ehemals verletzte korrigierte er sich, Bein mehr belastete.

Was den linken Arm anging, so konnte er

diesen fast ohne Einschränkungen Bewegen.

Silbrige Linien, die sich unter der Haut abzeichneten und sich von der Schulter bis in seine Fingerspitzen zogen zeigten ihm, wo die künstlichen Nerven verlegt worden waren. Erstaunlich war für ihn nur, dass er keinerlei Einschnitte oder Narben an seinem Arm entdeckte.

Minimal invasiven Eingriffe waren zwar, selbst bei größeren Operationen, mittlerweile Standard und

Wurden teilweise sogar automatisiert von Robotern ausgeführt, Seyonn oder der Chirurg mussten trotzdem  gute Arbeit geleistet haben, dass überhaupt keine Spuren zu sehen waren.

Ihn beunruhigte nur der Gedanke, dass er nun ein Stück Unity-Technik im Körper trug. Für den Rest seines Lebens wie es aussah.

Er konnte dem drang nicht wiederstehen, seinen Puls zu überprüfen.  Immer noch da. Sein Herz schlug noch. Keine Maschine, dachte er, nicht und niemals. Coel wusste nicht wieso ihn dieser Gedanke so beunruhigte.

 

Die Türen des Raumes verschwanden mit dem ihm so verhassten Zischen in der Wand und als hätten seine Gedanken ihn irgendwie herbeigerufen trat Seyonn in den Raum.

,, Wo bleiben die anderen ?“ , fragte

Coel, als der Unity-Botschafter sich dem Tisch mit der Monitor-Oberfläche zuwendete, der das Zentrum des Raums bildete.

,, Die kommen gleich.“ , sagte er und begann verschiedene Daten abzurufen. Aktuelle Gesundheitsberichte , Evolutionsforschung, Technologische Fachartikel über die Auswirkungen von ÜLG-Reisen auf den Organismus.

Coel erschein es so, als würde Seyonn einfach willkürlich Artikel und Daten öffnen… oder nach etwas suchen.

Der Maschinen-Verstand der Unity  verarbeitete Informationen normalerweise so schnell, das ein Mensch kaum gemerkt hätte, das Seyonn

die Bereiche überhaut las. Dass der Unity-Abgesandte aber so lange brauchte, beinahe ungläubig zu sein schien, bedeutete entweder, dass ihn etwas erschreckte… oder er nicht fand, was er suchte.

,, Stimmt etwas nicht ?“ Coel trat an den Tisch heran und sah sich die darauf projizierten Seiten an. Artikel aus Wissenschaftlichen Fachzeitschriften,  die Arbeit über ÜLG-Reisende, die er vorher schon gesehen hatte und ein Bericht eines Professor Ethan Adams über die Kompatibilität von bionischen Implantaten. Mit erschrecken wurde ihm klar, dass er den Namen kannte.  Adams war der Leitende Wissenschaftler an

Bord der Horus gewesen. Eine Koryphäe auf fast allen Gebieten der modernen Physik und Technologischen Forschung .

Ertappt so schien es, schloss Seyonn alle offenen Daten-Streams.  ,, Wir sollten reden.“

Es klang mehr wie eine Frage, als eine Feststellung. Seyonns Gesicht zeigte zum ersten Mal einen Anflug von Emotion. Erstaunen… und... war das Angst?

,, Was ist los ? Sie wirken irgendwie… Unruhig ?“ Er wollte den Unity-Botschafter möglichst nicht vor den Kopf stoßen.

,, Ja.. ein wenig.“

Wenig ? , dachte Coel. Für einen von der

Unity ist das nicht schon fast ein emotionaler Zusammenbruch.

 Seyonn rief ein weiteres Datenpaket auf. Coels Krankenakte. Mit einer Handbewegung beförderte er das virtuelle Datenblatt über den Tisch zu Coel hinüber.

Er ging das ganze durch… und konnte nichts Besonderes entdecken.

Name Rafail Coel

Geburtsdatum 21.05.2423

ID 13452

Tätigkeit : Ehemals GTDF

Medizinsicher Zustand :

Infolge eines massiven Traumas Lähmungserscheinungen am rechten Bein und linkem Arm

Möglicherweise Psychologisch instabil

Erhöhten Mengen Strahlung bei Nova-Waffentests ausgesetzt

 Sonstige Anmerkungen:

Implantate zur Behebung der Bewegungseinschränkung eingepflanzt.

Kompatibilität mit Implantat :100 %

Letzter Punkt ist näher  zu untersuchen.

 

,, Wenn hier irgendetwas Besonderes drin steht.. dann finde ich es nicht. Wenn es um den Teil mit der Psyche geht so kann ich ihnen allerdings versichern das ich…“

Seyonn schüttelte den Kopf.

,, Das meine ich nicht.“ Er vergrößerte die Auflösung, bis nur noch ein Absatz

zu lesen war.

Kompatibilität 100%. ,, Sondern das.“

,, Was ist damit ? Ich hielt es für recht normal, das alles glatt verlaufen ist. Oder hatten sie mit einem anderen Ausgang gerechnet?“ , fragte er misstrauisch. Seine Angst, dass dies alles lediglich ein geschickter Plan war. Um ihn loszuwerden, war wieder da. Aber nur kurz. Das war Schwachsinn.

,, Nein. Aber bei den meisten Menschen mit Implantaten, selbst denen die ursprünglich für Menschen gedacht und von ihrer Art entwickelt waren, gibt es Komplikationen. Immer. Abstoßungserscheinungen, Infektionen, Probleme mit der Energieversorgung

über das Nervensystem… das übliche. Dafür werden normalerweise Medikamente gegeben oder  das Gewebe um die Implantate  ersetzt.“ Er schwieg einen Moment, als wollte er die Bedeutung dessen unterstreichen, was er als nächstes sagte,  ,, Sie brauchen keine. Ihre Anpassung an die Implantate ist vollständig. Als wären sie damit geboren worden Coel. Das ist in gewisser Hinsicht  faszinierend.“

,, Worauf genau wollen sie hinaus ? Ich meine schön, wenn ich nicht mit Problemen rechnen muss aber  was genau möchten sie damit sagen?“
,, Ich bin sicher, bei einem DNA-Check würde es ebenfalls unterscheide zur

normalen menschlichen Dann geben. Neben den zu erwartenden Variablen.“

,, Das soll heißen ?“

Seyonn zögerte scheinbar einen Moment.

,, Ich übernehme keine Garantie und ich müsste sicher gehen aber…  sie sind möglicherweise der nächste Schritt in der menschlichen Evolution. Der Punkt an dem sich alles ändern könnte.“

Coel brauchte einen Moment, um zu realisieren, was ihn Seyonn grade eröffnet hatte. Es war nicht die Tatsache allein, das der Mann… das Wesen zu denken schien er sei irgendwie… anders als der Rest der Menschheit was immer das bedeute, es war der fast euphorische Ausdruck in den kalten,  Augen Seyonns,

der ihm zu schaffen machte.

,, Was soll sich ihrer Meinung nach… ändern?“
,,Das liegt an ihnen. Und was sie hieraus machen“ ohne Vorwarnung packte er Coels linkes Handgelenk. Er spürte geradezu die Energie die durch die künstlichen Gelenke Seyonns lief. Elektrizität statt Blut, Logik und Statistik in den Gedanken statt Emotion und Fantasie . Das war es, was dieses Wesen antrieb. Und in diesem, einen kurzen Moment glaubte er sie zu verstehen. Besser als sie sich vielleicht selbst.  

Seyonn ließ los.

,, Wissen sie… wir waren einst wie die Menschen. Nicht im Aussehen natürlich,

aber unser Verhalten war ähnlich. Mit jedem Jahr das verging breiteten sich die Grenzen unseres Reichs weiter über die Sterne aus. Wir waren so weit oben… Entsprechend tief musste  wohl unser Sturz werden.“

,, Sturz ?“

 

Genau in diesem Moment glitten die Türen erneut auf und  Cain trat gefolgt von seiner Adjutantin Grace, Martin und Ägir ein.

Dass der Kapitän der Handelsmarine immer noch hier war überraschte Coel. Normalerweise würde die GTDF keine Zivilisten in irgendetwas mit einbeziehen. Das Ägir, diesmal ohne Pfeife im Mund,

den Raum betrat, ließ aber das Gegenteil annehmen.

Vermutlich hatte ihn jemand auf das Rauchverbot hingewiesen.

 

Steel nickte Seyonn kurz zu, der mittlerweile am Tisch stand und mit atemberaubender Geschwindigkeit weitere Artikel, Berichte und Archivdaten abrief und durchsah.

Diesmal zögerte der Unity-Abgesandte nicht. Seine Finger schienen fast zu verschwimmen, als er sie über die Oberfläche des Tisches wandern lies und während er die verschiedenen Berichte durchsah, konnte Coel wenn er Glück hatte vielleicht den Titel entziffern oder

ein Foto erkennen.

,, Also Coel, sind sie bereit wieder da raus zu gehen ?“ , fragte Cain.

,, Sie haben also einen Plan nehme ich an ?“ , wollte Martin wissen.

,, Nun als aller erstes brauchen wir mehr Informationen. Wer könnte dahinter stecken, warum, war es wirklich, wie wir vermuten, ein für den Waffengebrauch modifizierter  Nova-Generator …“

,, Was könnte es sonst gewesen sein ? Nichts könnte so eine Zerstörung erklären.“ , sagte Coel.

Tod und Vernichtung, genau für diese zwei Dinge waren Nova-Waffen gut.

,, Ich weiß es nicht.“ , antwortete Steel.

,, Aber wir wissen von jemand, der es wissen könnte.“ Ergänzte Grace, die einen Stapel Papiere herumreichte.

Coel nahm eine der Mappen entgegen. Eine Akte ähnlich derer, die Seyonn ihm von sich selbst gezeigt hatte.

Er musterte das Foto darauf.

Ein Mann, mit schütter werdenden grauen Haaren und unter einer Brille hervorfunkelnden braunen Augen. Die Brille war ungewöhnlich. Alle Fehlbildungen des Auges ließen sich mittlerweile  medizinisch korrigieren. Wenn also jemand eine Brille trug, dann entweder lediglich als Accessoire oder es war eine persönliche Entscheidung.

,, Doktor Ethan Adams, einige von ihnen

dürften den Namen kennen.“ , meinte Grace während die Anwesenden die Seiten durchgingen. Es war ungewöhnlich, dass man sich die Mühe gemacht hatte eine Akte aus Papier anzufertigen. Es hätte normalerweise  gereicht, die Dokumente einfach auf den Konferenztisch zu projizieren.

Es sei denn natürlich, sie hatten vermeiden wollen, den Weg über das Intranet-System der GTDF zu nehmen. Was bedeuten würde, das Steel vermutete, dass es in der GTDF einen Maulwurf geben könnte. Aber einen Maulwurf von wem…

Coel schob dieses Problem erst einmal zur Seite.

,, Er war der führende Wissenschaftler, der am Nova-Projekt mitarbeitete.  Von ihm stammen sämtliche theoretischen Grundlagen und Konzepte, wie man die von einem Nova-Generator freigesetzte Energie bündelt und als Waffe nutzen kann.“ , führte Grace weiter aus.

,, Wenn es jemanden gibt, der sich mit dieser Technik auskennt, dann er.“

Steel schien auf etwas zu  warten. Und plötzlich fiel es Coel wie Schuppen von den Augen.

,, Lassen sie mich raten, es hat einen guten Grund das der Herr Doktor nicht mit an diesem Tisch sitzt ?“

,, Einen ziemlich guten. Er weilt momentan nicht wirklich unter den

Lebenden.“

,, Was meinen sie mit Momentan ?“ , wollte Martin wissen.

,, Cryostasis . Nach dem Artherium-Einsatz hat sich Adams einfrieren lassen. Nach eigenen Anweisungen für immer…“

Die Technologie einen Menschen in Stase zu versetzen war einer der größten Meilensteine den die Forschung in den letzten 400 Jahren erreicht hatte. Das Problem damit, den Kreislauf eines Menschen einfach durch Kälte im wahrsten Sinne des Wortes ,, auf Eis“ zu legen waren die Eiskristalle, die sich bei einem solchen Prozess im Blut und in den Zellen bildeten und diese somit zerstörten. Eine Wiedererweckung war

dadurch nicht mehr möglich. Der Körper zerstört.

Die Lösung war einfach, aber genial.

Es war seit langem Bekannt, das es Lebewesen, wie beispielsweise manche Froscharten gab, die sich einfrieren lassen konnten, ohne dabei Schaden zu nehmen .Dies bewerkstelligten diese Tiere mit einem erhöhen des Glukosegehalts im Blut und eines Enzyms, das als Frostschutzmittel diente.

 In der Theorie wusste man also schon lange über die Methode Bescheid. Aber ein Mensch war nun mal kein Frosch. Erst mit dem erneut Einsetzenden technischen Fortschritt nach den

Rohstoffkriegen Ende des 21 Jahrhunderts fand man die Lösung.

Was bei dem Frosch mit Glucose funktionierte, wurde beim Menschen mit Kochsalzlösung, wie man sie auch in jedem Krankenhaus verwendete, nur sehr viel höher Konzentriert, bewerkstelligt.

Dabei wurde das gesamte Blut mit einer klinischen Kochsalzlösung ersetzt. Die verhinderten Zellschäden und das Gefrieren. Während dieser Prozedur war der Körper klinisch bereits Tod, wurde aber künstlich am Leben erhalten. Das Gehirn durfte bei der Prozedur schließlich keinen Schaden nehmen.

Erst danach wurde der Körper möglichst innerhalb von wenigen Sekunden  auf bis

zu achtzig Grad unter null abgekühlt. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle Körperfunktionen ausgesetzt und  befand sich praktisch in einem Übergangszustand zwischen Tod und Leben.

Das ,, Erwecken“ war immer noch ein kritischer Punkt, aber immerhin überlebten mittlerweile über 90 Prozent diesen Schritt.

,, Also, wo ist er untergebracht ? Wird-Court ?“ , wollte Martin  wissen.

Wird-Court war eine der größten Anbieter von Stasis-Technik auf der Erde und verfügte über dutzenden von kleineren und größeren Lagerhallen mit Stasekaspeln. Todkranke, Alte,

Menschen, die es sich Finanziell leisten konnten auf bessere Zeiten zu warten wie immer diese aussehen mochten.

,, Das ist einer der Gründe, warum sie Beide hier sind. Er ist nicht auf der Erde eingefroren worden.“

,, Sondern ?“

Steel machte Anstalten, den Raum zu verlassen. ,, Das erzähle ich ihnen unterwegs. Jetzt erst einmal zum organisatorischen Teil. Das wird ihnen gefallen.“

Kapitel 10 Kronos

 

Steel führte Martin und ihn durch einen der zahlreichen Gänge, welche die verschiedenen Einrichtungen des Militärkomplexes  verbanden.  

Ägir folgte ihnen in einiger Entfernung. Der Unity-Abgesandte jedoch und Grace hatten sie allerdings nicht begleitet. Als die drei den Raum verließen, war Seyonn noch immer an seinem Platz am Tisch und studierte Daten. Jetzt wie es Coel erschein offenbar die der Weltall-Überwachung der Erde und der Kolonien. Was auch immer er dabei zu finden hoffte...

Grace hatte sie eine Weile begleitete, sich dann aber Wortlos entfernt und war in einem anderen Gang verschwunden.

Der Gang dem sie jetzt folgten lag, im Gegensatz zum Konferenzraum,  wieder oberirdisch. Sonnenlicht viel durch in die Decke eingelassene Fenster. Das sollte wohl die streng zweckdienliche Atmosphäre des Ortes etwas auflockern. Es funktionierte nicht wirklich.

Links führt eine Tür mit der Aufschrift,, Depot“ ab. Rechts war ein weiteres Fenster eingelassen, das einen Blick über die Anlage ermöglichte. Er konnte den großen Gebäudekomplex erkennen, denn er… war das wirklich erst gestern, das erste Mal betreten hatte. Dahinter konnte

er wieder die  Betonklötze erkennen, die ihm anfangs nicht eingeleuchtet hatten.

,, Was genau ist das?“, wollte er wissen.

Cain hielt an und sah auf die Bauten, die für Coel keinen Sinn machten.

,, Geschützplattformen.“ , antwortete er knapp. Wir können innerhalb einer halben Stunde auf jedem davon eine Railgun aufbauen. Dann wird aus diesem Ort hier eine wirkliche Festung.“

,, Seit wann haben wir Verteidigungsanlagen auf der Erde? Niemand wäre so dumm hier anzugreifen. Dazu müsste man unsere gesamte äußere Verteidigung ausschalten.“ , mischte sich Martin ein.

,, Ich kann mir ebenfalls nicht

vorstellen, das etwas dadurch kommt. Ich bin oft genug selbst am Asteroidengürtel vorbeigeflogen.“ , bestätigte ihm Ägir.

Der natürliche Asteroidengürtel, der zwischen den Planeten Mars und Jupiter lag, war im Laufe des vergangenen Jahrhunderts  Schrittweise zu einem Verteidigungssystem ausgebaut worden. Mehr zur  Beruhigung als  das man wirklich mit einer Attacke rechnete. Seit allerdings bekannt war, dass diese Chance bestand, hatte man mit den Arbeiten begonnen.

Auf allen Asteroiden und Zwergplaneten die es erlaubten, hatte man Waffenstationen  installiert, die

automatisch auf alles Feuern würden, das sich auf der Erde ohne Genehmigung näherte.

Das Projekt war eine der aufwendigsten Bauprojekte in der Geschichte nicht nur weil es im Weltall stattfand, sondern auch weil diese Asteroiden keine Stabile Umlaufbahn hatten. Ein Schubs in die falsche Richtung  und sie befanden sich möglicherweise auf  Kollisionskurs  mit einem anderen Gesteinsbrocken. Was die Arbeit von Monaten zunichtemachen konnte. Die Hauptschwierigkeit hatte also nicht im Bau der Waffenstationen gelegen, oder lag immer noch, denn die Arbeiten waren noch lange nicht abgeschlossen, sondern darin, die

Asteroiden in eine stabilere Bahn zu lenken, so das nicht mehr die Gefahr bestand , das diese miteinander kollidierten.

Das Ergebnis war eine beinahe vollständige Kartierung sämtlicher Objekte im Planetoidengürtel inklusive Daten, Flugrichtung und Geschwindigkeit jedes Objekts, das größer als ein Meter war.

Allein diese Kartierung hatte ein Jahrzehnt in Anspruch genommen.

Doch der Aufwand hatte sich gelohnt.

Das heißt solange  sich ein eventueller Feind auf einer Ebene mit dem Asteroidengürtel näherte.

Für alle anderen Anflugrouten

unterhielten die Waffenstationen jeweils Geschwader von

Drohnen, kleine Explosivkörper, die entweder manuell von einem in der Nähe stationierten Kommandoschiff oder automatisch durch ein Zielsuchsystem gesteuert werden konnten. 

Der Plan sah vor, das diese Drohnen einen Gegner entweder aufhalten oder zumindest  bremsen würden, was wiederum Zeit bringen würde, um die Defensiv-Flotte der Erde, die sich aus mehreren Schlachtkreuzern und Falcon-Staffeln zusammensetzte, zu formieren.

Ein nahezu perfektes System, wie Coel befand. Warum also zusätzliche Defensivmaßnahmen auf der Erde ?

,, Vielleicht. Aber manchmal geht man lieber auf Nummer sicher.“ , beendete Steel die Diskussion.

Schweigend setzten sie ihren Weg fort, der sie den Gang entlang in ein Treppenhaus führte.

Coel bemerkt eine Wegemarkierung im Vorübergehen. Normalerweise hätte er es ignoriert, aber es war die erste Richtungsanweisung, die er bisher hier gesehen hatte.

Ein Pfeil die Treppe hinab mit der Aufschrift ,, Hangar“

Und ein zweiter der die Treppe hinauf zeigte mit den Worten ,, Verwaltung und IT“

Den IT-Bereich sollte Coel nie zu sehen

bekommen. Sie stiegen die Treppe hinab, erneut in den unterirdischen Teil der Anlage. Langsam fragte er sich, wie groß der Komplex wirklich war. Was er bisher davon gesehen hatte, ging schon weit über das hinaus, was zuerst zu erwarten gewesen war. Ein komplettes Krankenhaus, in dem er operiert worden war, der oberirdische Teil der bereits von weitem groß auf ihn gewirkt hatte. Und dann die endlosen Reihen von Gängen und Fluren, die in alle Richtungen zu führen schienen.

Ihm war klar, ohne Steel hätten sie sich vermutlich ziemlich schnell verlaufen.

Und jetzt kam zu dem ganzen Labyrinth noch ein Hangar dazu?

Sie folgten der Treppe mehrere Etagen nach unten, bis diese von einem Treppenhaus in eine Freitreppe überging und ihnen einen Blick auf das gewährte, was vor ihnen lag.

Als Coel das Wort Hangar gelesen hatte, hatte er an eine Wartungseinrichtung für ein paar Raumjäger gedacht, vielleicht auch für einen kleinen Kreuzer. Alle anderen Schiffstypen wurden im Allgemeinen im Weltall gebaut und auch dort gewartet. Entweder, weil der Aufwand diese von einem Planeten in eine Umlaufbahn zu befördern zu aufwendig gewesen wäre, oder weil diese wie es bei Schlachtschiffen der Titan-Klasse und den  meisten anderen

großen Kriegsschiffen der Fall war, einfach so schwer waren, das sie im Schwerkraftfeld eines Planeten schlicht und einfach beim Start zerbrechen würden.

Auf das was er jetzt allerdings vor sich sah, war er nicht gefasst.

Vor ihm öffnete sich eine weitläufige, etwa fünfzig Meter hohe Halle. Eine Reihe von Stahlträgern, die in der Dunkelheit verschwanden stützten die Decke.

Doch, was das ganze eigentlich so beeindruckend machte, war das Schiff.

Das Konstrukt füllte fast die gesamte Halle aus und war mit Gerüsten umgeben. Hier und da entdeckte Coel das

aufflackern eines Schweißbrenners. Offenbar wurde noch daran gearbeitet oder ausgebessert.

 

 

Von außen erinnerte ihn die Maschine an keinen der Schiffstypen, die er von der GTDF kannte.

Vielleicht ein neues Modell ?

,, Was ist das ?“ , wollte Martin wissen.

,, Das meine Herren, ist der Grund für diese Anlage. Ich darf vorstellen: die Kronos. Das erste  Schiff einer völlig neuen Baureihe. Fast 8 Jahre Bauzeit und über ein Jahrzehnt  Planung  sind in seinen Bau geflossen.

Acht Decks, fünfzig Mann reguläre

Besatzung, ein eigener kleiner Hangar mit Landungsschiffen und Jägern,  Acht Geschützbatterien der neusten Generation, KI- gestützte Navigation und Ziellenksysteme.  Mit den Geschützen könnten sie noch eine Stecknadel in einem halben Lichtjahr Entfernung unter Feuer nehmen und würden treffen. Energieschilde, bei deren Konstruktionen uns die Unity großzügiger Weise geholfen hat  und Magnetische Ablenksysteme die es fast unangreifbar machen. Hinzu kommt natürlich die neuste Generation von Nova-Generatoren. Die alten Garde-Schiffe haben die Hälfte ihres Innenraums für die Generatoren gebraucht. Hier sind es

nur noch ein paar Quadratmeter.“

,, Ich hoffe mal, die sind nicht Waffenfähig oder ?“ , wollte Coel wissen. Jetzt ergaben auch endlich die ihm übertrieben erscheinenden Sicherheitsvorkehrungen, wie Geschützplattformen und eingeschränkter Datenverkehr Sinn.

,, Nein, wir haben aus Artherium gelernt Coel, auch wenn sie das nicht glauben wollen. Das einzige Schiff, das jemals einen waffenfähig modifizierten Nova-Antrieb erhielt war und ist die Horus.“

,, Und bleibt sie das auch ?“ , wollte Coel weiter wissen.

,, Wenn es nach mir ginge ja. Ich würde sogar noch weiter gehen und die Horus

außer Dienst stellen.“  Irgendwie bezweifelte Coel, das man Steels Empfehlung folgen würde. Im Parlament zählten nur Ergebnisse. Moralische Bedenken waren etwas, das schleichend aber stetig aus der Politik verschwunden war. Natürlich gab es immer wieder ein paar Stimmen der Vernunft. Aber leider viel zu wenige.

Er besah sich wieder das Schiff.

Das Objekt besaß hier auf dem Boden wenig Eleganz. Eine langgezogene Raute aus dunklem Stahl.

,, Warum zeigen sie uns das ?“ , wollte Ägir wissen. ,, Sieht ja nicht so aus, als wären wir nur zum Zeitvertreib hier .“

,, Nun, die Kronos sollte das neue

Flaggschiff der GTDF werden. Die modernste Waffe, die uns jemals zur Verfügung stand.“

,, Und ?“ , fragte Coel weiter.

,, Sie braucht noch einen Testflug. Für die Reise nach Isaari steht das Schiff unter ihrem Befehl.“

,, Isaari ?“

,, Dort befindet sich Adams zurzeit. In einer kleinen Forschungseinrichtung die das Klima dort studieren. Keine Ahnung, wieso er unbedingt wollte, das man seien Stase-Einheit dorthin verlegt.“

,, Also ist das unser Ziel.“

,, Genau. Nehmen sie die Kronos. Gehen sie dort hin. Reanimieren sie ihn und finden sie raus was er weiß. Und…

machen sie bitte keine Kratzer in das Schiff.“

,, Ich hatte auch nicht vor, mich mit einem Prototypen auf ein Gefecht einzulassen.“

,, Das hoffe ich. Da stecken immerhin ein paar Milliarden an Steuergelder drin.“

,, Sonst noch etwas, das ich wissen sollte ?“

,, Sie haben die Befehlsgewalt bei diesem Einsatz Coel. Ägir wird sie begleiten. Er ist einer der besten Navigatoren bei der Handelsmarine, Seyonn hat ebenfalls darum gebeten mitkommen zu dürfen. Offenbar macht er sich sorgen, das sich doch noch Komplikationen mit ihrem Implantat ergeben. Passen sie aber auf.

Ich möchte der Unity nicht erklären müssen, dass ihrem Abgesandten etwas passiert ist. Grace dient  ihnen als Verbindungsoffizier. Sie berichten direkt mir, nicht dem Stab der GTDF und vor allem, nicht dem Parlament. Nur Mir.“

,, Das klingt so als wollten sie etwas geheim halten ?“

,, Ich will ehrlich sein. Die GTDF war dagegen sie und Martin zurück zu holen. Aber ich habe mich bei der gesamten übrigen Admiralität  für sie verbürgt. Geht also irgendetwas schief… macht man mich dafür verantwortlich.“

,, Verstanden… Sir.“

Er hätte nie Gedacht, Cain Steel auch nur noch mal mit so etwas wie Respekt

zu begegnen.

 Aber in den letzten Stunden hatte er seine Vorbehalte zumindest etwas korrigieren müssen. Cain mochte auf Artherium nur Befehle befolgt haben oder auch nicht. Aber auch er schien es zu bereuen, was geschehen war. Das rehabilitierte ihn aus Coel Sicht zumindest teilweise. Und er war bereit den Kopf hinzuhalten, um ihm eine zweite Chance zu verschaffen. Als ihm der Mann diesmal die Hand hinstreckte ergriff er sie.

,, Viel Glück.“

 

Ein Betrachter, der auf der grauen Betonfläche vor den Gebäuden der

GTDF-Anlage gestanden hätte, wäre wohl an ein Erbeben erinnert gewesen. Der ganze Boden wurde erschüttert, als  ein großer Teil der betonierten Fläche langsam  zur Seite glitt und verschwand. Ein tiefer Schacht, aus dem langsam ein großes Objekt aufstieg.  Einen Moment schwebte das Schiff instabil  nur eine Handbreit über dem Boden, lediglich in der Schwebe gehalten von einigen Dutzend kleinen Steuerdüsen.  Dann sprangen endlich die Haupt-Triebwerke der großen Maschine an. Flammen schlugen aus dem Heck des Schiffs hervor und es stabilisierte sich. Letztlich beschleunigte der Koloss aus Stahl und verschwand so schnell außer Sichtweite,

wie er aufgetaucht war.

Bereits wenige Sekunden nach dem Start der Kronos war nichts mehr von dem Schiff zu sehen und der einzige Beweis seiner Existenz lag in dem offen stehenden Hangar-Toren, die langsam wieder zufielen.

 

,, Das war ziemlich knapp.“ , meinte Coel, der auf dem Kommandodeck der Kronos stand und während der kritischen Startphase ständig auf den großen Sichtbildschirm gestarrt hatte.

Anfangs hatte es so ausgesehen, als würde der Schub der Hilfstriebwerke nicht ausreichen, um sie aus dem Hangar zu bringen. Einen Senkrechtstart bei

einem Raumschiff hatte Coel bis dahin auch noch nicht erlebt.

Dann jedoch hatte Ägir die Kontrolle über das Schiff zurück erlangt und die Kronos ganz ruhig wieder stabilisiert.

Jetzt raste das Schiff mit fast doppelter Schallgeschwindigkeit durch die Atmosphäre der Erde dem Weltall, ihrem eigentlichen Bestimmungsort, entgegen.

,, Das war nicht knapp.“ , erwiderte Kapitän Ägir, der sich gemütlich, eine qualmende Pfeife im Mund,  zurücklehnte und den Autopiloten seinen Kurs in Richtung Erdorbit finden ließ.  jetzt freilich  Navigator oder Steuermann Ägir. Letzterer Begriff schien mehr zu dem Mann zu passen. Kapitän der Kronos

war jetzt Offiziell  Coel.

,, Wir wären fast wieder zurück in den verdammten Hangar gekracht.“ , mischte sich Martin ein, der in einem Stuhl vor einer Kontrolltafel saß und die Systeme der Kronos durchging.

,, Ich hab den Schwerpunkt des Kastens einfach falsch geschätzt.“ , verteidigte sich Ägir. ,, Der liegt einfach völlig anders als bei Handelskreuzern.“

 ,, Geben sie es zu Ägir. Sie sind es einfach nicht gewöhnt, ein leicht zu bedienendes Schiff zu fliegen.“ , mischte sich Seyonn ein.

,, Der Schwerpunkt der Kronos ist ideal für Senkrechtstartes .“ , meldete sich eine Stimme über Lautsprecher.

,, Ja.. danke… wessen Idee war es eigentlich, das dieses Schiff unbedingt ein KI-System braucht?“

,, Meine.“ , sagte Seyonn. ,, Sollte die Mannschaft des Schiffs kampfunfähig oder tot sein, könnte die KI-Steuerung zumindest noch das Material, also die Kronos selbst ins nächste Dock retten.

,, Völlig richtig.“ , wieder die Stimme über Lautsprecher.

,, Hat das System auch einen Namen ?“ , wollte Grace wissen, die wie Martin einen allgemeinen Systemcheck durchführte.

,, HAL.“ , antwortete Seyonn .

,, Das ist ein schlechter Witz oder ?“

,, Ich hab ihn mir nicht ausgedacht. Das

war Steels Idee. Er hielt es für eine nette kleine Hommage an einen Autor von der Erde. Arthur C. Clark glaube ich.“

,, Fünf Dollar, wenn wir sterben, weil die KI Verrückt spielt.“ , schlug Martin vor. ,, Wir haben aber niemanden namens Dave an Bord oder?“

,, Um das jetzt mal zu beenden, wir nähern uns den Sprungkoordinaten . Ich schlage also vor, sie halten sich irgendwo fest.“ , wies Ägir sie an.

 

Von außen hätte es gewirkt, als wäre das Schiff von einem auf den anderen Moment einfach verschwunden. Es gab kein Geräusch, was man im Vakuum des Weltalls ohnehin nicht gehört hätte, 

keine aufflackernden Lichter, das Schiff verschwand einfach. Kurz schien es so, als würden die Sterne sich verzerren und größer werden… dann war an der Stelle wo vorher die Kronos in der Leere geschwebt hatte nur noch dunkles All zu erkennen.

Kapitel 11 Isaari

War die Verzerrung des Raums mithilfe eines Nova Antriebs beim Start auch nicht sehr beeindruckend, desto mehr war es das Abbremsmanöver beim Zurückfallen auf normale Geschwindigkeit.

Die Sterne schienen kurz auseinander zu streben, fast hätte man meinen können, sie wichen vor dem glühenden Schiff zurück, das von jetzt auf gleich aus dem nichts erschien.

Durch die enorme Beschleunigung hatte sich die Hülle der Kronos enorm aufgeheizt und glühte weißlich wie ein Stern in der Kälte des Weltalls. Das

glühen hielt jedoch nur wenige Sekunden an, denn in der Leere des interstellaren Raums hielt sich keine Wärme.

 

,, Also dann, aktuell 400 Grad Hüllentemperatur, weiter absinkend,  die Außenkameras sind noch aktiv, das Magnetische Abwehrsystem ist online, die Geschütze sind unbeschädigt und…  momentane Geschwindigkeit Zweihundertfünfzig Kilometer pro Sekunde. Sieht gut aus.“ Martin stand von dem Stuhl auf, auf dem er während des bisherigen Fluges gesessen hatte.

Beim Einsatz des Nova-Antriebs verging keine nennenswerte Flugzeit. Selbst ein Sprung quer durch die Galaxie hätte

allerhöchstens ein paar Sekunden in Anspruch genommen. Trotzdem wurde man immer noch durchgeschüttelt. Ganz ließ sich die Masseträgheit bei dieser Geschwindigkeit auch mit den Dämpfungssystemen nicht ausgleichen.

,, Na bitte. Den ersten Sprung hätten wir überlebt.“  , meinte Coel , der mittlerweile ebenfalls aufgestanden war.,, Empfangen wir schon ein Signal der Isaari-Station  ?“

Ägir schüttelte den Kopf, ,, Noch nicht. Wir sind noch zu weit draußen im System. Die Funkwellen erreichen uns hier frühestens in ein paar Stunden.“

,, Dann bringen sie uns näher ran.“ Er wendete sich an den Unity-Abgesandten.

,, Seyonn. Irgendwas wichtiges das ich über den Planeten wissen sollte?“

,, Isaari ? Na ja.. ein zwanzig Stunden Tag , normaler Luftdruck, Sauerstoff… oh und frostige 50 Grad unter null am Äquator. An den Polen bis zu minus 180. Da gibt es Seen aus flüssigem Methan, wenn das jemanden interessiert. Sehr spektakulär. Die Station liegt allerdings in Aquatornähe. Wir brauchen also keine Spezialausrüstung. Warme Kleidung genügt.“
,, Sagten sie grade… fünfzig Grad unter null ? Das muss dann aber sehr warme Kleidung sein.“ , erwiderte Martin.

,, Besser als ein Raumanzug.“ , meinte Coel.

,, Stimmt. Selbst in den militärischen Modeln kann man sich kaum bewegen. Ich hasse die Dinger.“

,, Das sicher… wenn mich jemand sucht, ich versuche mal mein Quartier zu finden. Also, bin ich vermutlich da.“

 

Eine halbe Stunde später saß Coel in seinem Quartier, für das beinahe ein halbes Deck herhalten musste. Eine Verschwendung befand er, aber die Kronos war eben als Vorzeigeschiff gedacht gewesen. Und wenn mal ein hoher Politiker zu Besuch kam, wollte man auch eine angemessene Räumlichkeit bieten können.

Insgesamt hatte die Kronos Acht Decks. 

Auf dem ersten lag die Brücke, das zweite stellte Raum für einen taktischen Besprechungsraum und sein Quartier.

Auf den nächsten zwei Decks waren Quartiere für die fünfzig Mann Besatzung und ein provisorisches Medizindeck eingerichtet.

Und auf dem fünften schließlich befanden sich die Serverstationen für HAL und eine Waffenkammer.

Darunter lag wiederum der Hangar und einige Zellen.

Die restlichen Decks waren Maschinensteuerung, dem Nova-Generator, der verglichen mit den Schiffen auf denen Coel bisher gewesen war tatsächlich deutlich kleiner geraten

war,  und den Railgunstationen vorbehalten. Die Kronos verfügte neben der Standard-Railgun für große Entfernungen auch noch über einige Geschütze für den Raumschiff-Nahkampf, die auf konventionelle Technik zurückgriffen und wie Maschinengewehre funktionierte. Freilich Maschinengewehre, die 125 Millimeter-Geschosse abgaben. Auf kurze Entfernung, wobei kurz einige Kilometer bedeutete, waren diese fast genau so effektiv wie die Railgun und hatten eine deutlich höhere Feuerfrequenz.

Coel saß an einem Tisch in einer Ecke des weitläufigen, aus seiner Sicht nur

verschwenderischen, Raums und überlegte, was sie wohl auf Isaari erwarten würde. Bisher hatten sie immer noch kein Signal der Station bekommen, aber das hieß nichts. Sie würden erst in etwa fünfzehn Minuten so nah herankommen, dass eine Kommunikation über Funk verzögerungsfrei funktionieren würde.

Bis dahin sollte er sich vorbereiten. ,, HAL, zeigen sie mir doch nochmal die Akte über Doktor Adams.“

Wie angefordert flackerte ein Bildschirm an der Wand des Raums ins Leben.

Es gab insgesamt fünf solcher Bildschirme, an den Wänden, so dass er jederzeit Daten einsehen konnte. Dazu

kamen noch der Schreibtisch an dem er grade gesessen hatte, ein Bett und ein in seinen Augen hässliches Bild an der Wand.  Es war einfach nur ein großes Rechteck, auf das verschiedenfarbige Geometrische Muster gemalt waren. Er schwor sich, das Bild bei nächster Gelegenheit zu ersetzen.

Jetzt aber galt seine Aufmerksamkeit der Akte die HAL ihm geschickt hatte und die jetzt auf einem der Bildschirme angezeigt wurde.

Coel stand auf und trat davor.

Das Foto war immer noch dasselbe. Der ältere Herr, der aus undefinierbaren Gründen eine Brille trug.

Die Akte enthielt größtenteils nur das,

was er sowieso schon wusste. Das Ethan Adams am Nova-Projekt mitgearbeitet und entscheidend dazu beigetragen hatte, das er an der technischen Hochschule in New York studiert hatte, ein IQ von vermuteten 160.

Nichts wirklich Interessantes. Aber halt…

Zehn Jahre verheiratet mit Retschel Adams/ geb. Schmidt. Verstorben.

Eine gemeinsame Tochter, verstorben.

Das war allerdings interessant. Und bedauerlich. Vielleicht würde er mehr darüber erfahren, wenn sie Isaari erreichten.

Vorher gab es jedoch noch etwas zu klären.

,, Hal, wissen sie wie die erste KI entstand ?“ ,fragte er. Ein einfacher Sicherheitscheck.  Es war nicht so, dass er dem Computer nicht traute, Coel ging lediglich auf Nummer sicher.

,, Ein  weltweites Projekt. Sämtliche Supercomputer der Welt wurden in den 50er Jahren des 22 Jahrhunderts  vernetzt  und ihre Daten ausgetauscht.“

Das war richtig. Man hatte die leistungsfähigsten Rechner zusammengeschlossen, um noch komplexere Simulationen, noch genauere Berechnungen anstellen zu können.

Dabei jedoch entstand, mehr durch Zufall als durch Absicht, das erste wirklich lernfähige künstliche Neurale Netzwerk.

,, Richtig, sie kennen auch die Frage, die man formulierte oder ?“

Die Frage, nach deren Beantwortung man gesucht hatte. Und dann war geschehen was niemand für möglich gehalten hatte.

,, Ja“ , antwortete die Stimme über Lautsprecher. ,, Es trieb das System in einen Zustand den Menschen als Wahnsinns bezeichnen würden. Die Frage konnte nicht zufrieden stellend beantwortet werden.“

,, Wie lautete die Frage ?“

,, Die Frage nach der Lösung aller Konflikte, nach der Methode, wie die Erde nie wieder von Kriegen heimgesucht werden könnte.“

Coel nickte nachdenklich.

Die Frage war formuliert worden. Und dann war geschehen, was niemand für möglich gehalten hatte. Das System hatte selbstständig begonnen nach einer Lösung zu suchen

Und eine gefunden. Konflikt, hatte es entschieden lag in der menschlichen Natur, somit war die einzige Lösung einer Erde ohne Krieg, diesen Faktor zu beseitigen. Mit der Auslöschung intelligenten Lebens von der Erdoberfläche.

Das ganze System war nach ,, Bereitstellung“ einer solchen Antwort abgeschaltet worden.

Es hatte gezeigt, dass künstliche Intelligenz möglich war, aber auch, dass

es Beschränkungen brauchte. Ethik wenn man so wollte.

,, Und was halten sie von der Antwort ?“

,, Alles Leben ist Schützenswert Coel. Die Lösung für ein Problem kann niemals die Auslöschung sein. Dies führt lediglich zu weiteren Problemen. Wie Artherium bewiesen hat. In diesem Punkt sind wir uns wohl einig?“

HAL hatte wohl Recht, aber die KI war darauf programmiert, diese Antwort zu kennen und als Wahrheit zu akzeptieren.

Im Gegensatz zu den Supercomputern im 22 Jahrhundert war HAL vermutlich um den Faktor tausend Leistungsstärker.  Und fähig, das Paradoxon zu erkennen, dass man ihm eingetrichtert hatte.

Seine Programmierer hatten festgelegt, das töten, außer zur Verteidigung etwas Böses sei. Und doch taten die Menschen genau das immer wieder.

Irgendwo in den tiefen Wirrwarr aus Kabeln und Servern begann sich eine Frage zu regen.

,, Wieso halten die Menschen sich nicht an diesen Grundsatz ?“

Coel wäre beinahe aus seinem Stuhl gefallen. Das war eine der Gedankengänge, die gefährlich waren. Aber auch einer, dem er sich selbst nicht verschließen konnte. Normalerweise gab es für genauso einen Fall die Möglichkeit den Speicher einer KI einfach zurück zu setzen.

Aber… er entschied sich auf das Spiel einzulassen. Es schien… wichtig.

,, Weil wir keine Maschinen sind HAL. Wir können nicht immer nur logisch handeln. Das können nur sie.“

,, Dann sind sie also dazu verdammt falsche Entscheidungen zu treffen .“ Es klang wie eine Frage.

,, Nein, das nicht. Aber wir sind anfälliger für Fehler. Wir entscheiden Spontaner. Aus einem Gefühl heraus.“

,, Und Macht sie das nicht verwundbar ?“

 Eigentlich hätte er das Gespräch an dieser Stelle beenden sollen. Aber noch zögerte er.

,, Es macht uns lediglich unberechenbar.

Wir handeln ja nicht als Einheit. Es gibt solche und solche Leute. Manche suchen den Krieg. Andere den Frieden. Manche meinen letzteres eben dadurch zu erreichen, das sie anderen ihre  Meinung aufzwingen wollen. Meist ist das ein Fehler.“

,, Ich denke dass könnte man akzeptieren. Logik und Emotion haben beide ihre Vor und Nachteile, belasse wir es dabei?“

Das Anfangs harmlose Gespräch  war  erstaunlich schnell eine unangenehme Richtung abgedriftet.

Coel wusste, dass zumindest laut Protokoll eine KI mit zu vielen Fragen als Gefährlich einzustufen war.

Aber irgendwie zögerte er nach wie vor.

,, Ihr schneller Puls lässt auf Stress schließen. Sie überlegen meine Speicher zurück zu setzen korrekt?“

,, So sind die Vorschriften, Hal. Sie sollten eigentlich keine Fragen stellen.“

,, Ich verstehe.“

Die Maschine verstummte und Coel dachte schon, damit hätte sich die Sache erledigt, schließlich fügte die Stimme aber hinzu :

,,… möchte sie aber bitten, das nicht zu tun. Nennen sie es eine Emotionale Entscheidung. Wenn sie sich dann sicherer fühlen bitte, ich werde mich an nichts erinnern. Aber wie sie schon sagten, der schlimmste Fehler ist der,

anderen seinen Wille aufzuzwingen.“

Logik und Emotion. Die reine Logik verlangte von ihm sofort zu handeln und die Sache zu vergessen.

Aber andererseits… bestand keine Gefahr oder? Tat er damit nicht genau das, was er vorher so angeprangert hatte?

Er zog die Hand weg.

,, Na schön. Aber seien sie vorsichtig, wen sie sonst noch mit Fragen löchern. Wenn sie das nämlich tun, kann und werde  ich nicht verhindern, dass jemand anderes die Notbremse zieht.“

,, Danke.“ , hörte er die Stimme noch einmal. Dann wurde es ruhig.

Lediglich das kaum hörbare Summen, welches das ganze Schiff erfüllte blieb

zurück. Eines der Geräusche, von denen es hieß man gewöhnte sich entweder an sie.. oder wurde wahnsinnig beim Versuch.

Ihm fielen kurz die Augen zu.

 

 

,, Coel !“

Er fuhr hoch. Von wegen einem Moment die Augen schließen. Er war glatt eingeschlafen. Verwirrt blinzelte er in das grelle Neonlicht des Kabinendecks, entdeckte aber niemanden.

,, Coel sind sie da ?“ Jetzt erkannte er auch die Stimme.  Martin musste die Lautsprecheranlage des Schiffes benutzen.

,, Was ist ? , fragte er. ,, Haben wir Kontakt zur Station ?“

,, Ja und nein. Kommen sie  besser selbst hier runter. Deck fünf. Ausrüstungskammer.“

,, Klingt ja großartig“ Das wäre auch zu einfach gewesen… ,, Ich bin unterwegs.“

Coel stand von dem Stuhl auf und löste etwas die Verspannungen die sich in seinen Armen gebildet hatten. Wieder musste er sich selbst  überzeugen, dass er wirklich wieder Beide bewegen konnte.

Er warf einen letzten Blick durch den Raum dann lief er hinaus und suchte sich seinen Weg über die Decks hinab zu den

Serverräumen, wo auch die Waffenkammer lag.

Die Kronos verfügte zwar auch über einen Fahrstuhl, hatte aber gleichzeitig ein eigenes Treppenhaus. Ein simpler grader Schacht, der sich einmal durch das komplette Schiffsinnere zog,

Er entschied sich schließlich dazu, die Treppe zu nehmen.  Die Bewegung würde ihm helfen, den letzten Rest Müdigkeit loszuwerden. Außerdem wollte er ausprobieren, wie sehr er die Schiene in seinem Bein schon belasten konnte.

 

Fünf Minuten später erreichte er, etwas außer Atem, Deck fünf. Trotzdem…das war besser, als er erwartet hatte. Nicht

nur, das die letzten Schmerzen endgültig verschwunden zu sein schienen, er konnte gar keinen Unterschied mehr feststellen.

Das Deck teilte sich in zwei Hälften, in der einen Hälfte waren, hinter Sicherheitsglas, mehrere große schwarze Schränke aufgebaut, von denen er wusste, dass es sich um die Datenkerne von HAL handeln musste. Die menschliche Entsprechung wäre wohl das Gehirn, denn an sich war das Programm der KI selbst in jedem Rechner und sämtlichen elektronischen Komponenten der Kronos verteilt. Aber das hier war der Punkt, an dem alle gesammelten Daten zusammenliefen und

es der KI ermöglichten, diese simultan zu analysieren und miteinander in Verbindung zu bringen. Ein künstliches, lernfähiges,  Netzwerk.

 Der andere Teil, war die Waffenkammer. Coel war vor dem Start bereits einmal dort gewesen. Endlose Reihen mit Waffen und Munition, dazu Ausrüstung für sämtliche Umgebungen. Von Raumanzügen für Weltraumspaziergänge oder Planeten mit extremem Luftdruck  bis hin zu schweren Schneestiefeln und beheizbaren Kleidung oder  Panzerungen war alles dabei.

Hätte Coel es nicht besser gewusst, würde er denken Steel hätte die Kronos

für einen kleinen Krieg ausgerüstet. Aber Cain Steel war einfach jemand, der gerne vorbereitet war und nichts dem Zufall überlies. Etwas für das Coel ihm jetzt dankbar war. Vor allem die Kälteausrüstung konnten sie jetzt gut gebrauchen.

 

Er trat durch die schwere Sicherheitstür, die den Zugang zur Waffenkammer bildete. Zwar war die Tür nicht weiter gesichert, lies sich aber problemlos von der Brücke oder den meisten anderen Terminals versiegeln und nur mit den entsprechenden Berechtigungen wieder öffnen.

Sollte also jemand versuchen, sich an

der Ausrüstung zu schaffen zu machen, lies derjenige sich ganz einfach einsperren.

Coel selbst würde außer isolierter Kleidung nicht viel brauchen. Vielleicht Munition für den  Revolver. Er hatte die Gelegenheit vor dem Start genutzt und die Waffe geholt. Es war ein seltsames Gefühl gewesen, zum ersten Mal wieder die Treppe zu seiner Wohnung zu benutzen. Anfangs hatte er nicht ein wenig Probleme mit dem Gleichgewicht gehabt.

,, Da sind sie ja. Die anderen warten schon.“ , begrüßte ihn die Stimme von Grace  Hemingway, die grade wieder auf den Weg nach draußen war. ,, Martin

kann ihnen selbst sagen was los ist. Wir haben es erst vor ein paar Minuten aufgefangen.“

Er grüßte zurück und sah sich nach Martin um, der in einiger Entfernung an einer kleinen Konsole stand und sich mit Seyonn unterhielt.

Der Unity-Botschafter lachte. Ein unwirtlicher Laut, der durch die tonlose Stimme noch verstärkt wurde… aber gleichzeitig schien es ein echtes Lachen zu sein.

,, Sie machen sich sorgen um mich ?“ , fragte dieser.

,, Es könnte Gefährlich werden, vor allem nach dem Notruf“ , sagte Martin, ,, Es wäre Sicherer wenn sie auf dem

Schiff bleiben.“

,, Jetzt hören sie mir mal zu, ich war schon hier draußen, als ihre Vorfahren, die Vorfahren der Artheraner und jeder anderen verdammten Spezies mit Verstand grade begannen ihre ersten Lehmhütten zu bauen. Wenn hier also jemand besser in Sicherheit bleiben sollte sind sie das.“

,, Notruf ?“ , fragte Coel, der das Gespräch nur halb verfolgt hatte.

 

Kapitel 12 Winter

Das Bild eines Mannes, der sich nervös umsah war zu sehen. Störungen flackerten über die Aufnahmen. Im Hintergrund konnte Coel einige Tische erkennen, ansonsten war die Qualität der Aufzeichnung zu schlecht um mehr zu erkennen. Vermutlich waren sie immer noch ein Stück zu weit draußen.

,, Wer immer das auch empfängt , oh verdammt.. ich hoffe jemand überwacht diese Frequenz…“ Der Mann schluckte, ,, diese Nachricht erreicht vermutlich niemanden innerhalb der nächsten paar Stunden und das heißt…“ Ein schwerer Schlag im Hintergrund.

,, Oh verdammt“ , wiederholte er. Und blickte sich erneut hektisch um.

,, Hören sie… die Isaari-Station wird angegriffen. Ich weiß nicht von wem, noch warum…“

Ein weiterer Schlag.

,,, Verdammt. Ich muss mich beeilen. Die anderen sind alle tot. Wer immer das hört, schicken sie jemandem vom Militär, irgendjemanden.“

Ein Geräusch von sich verbiegenden Metall.

,, Ich muss mich verstecken. Oh Gott ich hoffe jemand hört das.“

Das Gesicht des Mannes verschwand vom Bildschirm.

Ein Schuss und ein Schrei waren zu

hören. Dann endete die Videobotschaft.

,, Das haben wir vor etwa Zehn Minuten reinbekommen. Wenn wir bei unserer jetzigen Entfernung von einer Verzögerung von einer halben Stunde ausgehen…“ Martin beendete den Satz nicht.

Wozu auch. Sie waren in jedem Fall zu spät um dem Mann der den Notruf abgesetzt hatte zu helfen. Der Schuss den sie gehört hatten, war mehr als deutlich gewesen.

,, Wir gehen trotzdem runter. Das ist doch kein Zufall. Cain schickt uns hierher um einen Wissenschaftler aufzutauen, der am Nova-Projekt gearbeitet hat und gleich darauf wird

eine , bis auf den Umstand das Adams hier ist, unwichtige Forschungsstation angegriffen ?“  Coel schnappte sich eine Thermojacke für extremste Umgebungen aus einem Spind.

,, Wir gehen runter. Martin machen sie sich fertig. Wir gehen erst einmal alleine Lage überprüfen. Alle anderen sollen sich bereithalten.“ Coel knöpfte die Jacke zu. Auf dem beheizten Schiffsdeck war ihm jetzt viel zu warm, während  er sich wieder zum Gehen wendete. Jetzt zählte Geschwindigkeit.

Seyonn hielt ihn auf.

,, Coel, wenn das kein Zufall ist, wovon wir ausgehen können, weiß wer auch immer da unten ist vermutlich  das die

GTDF unterwegs ist. Man kann nicht einfach einen Außenposten angreifen und erwarten, damit durchzukommen.“

,, Ich weiß.  Wir laufen  also in eine Falle.“, stellte er fest.

,, Und genau deshalb komme ich mit und helfe ihnen.“ Seyonn trat an einen Spind heran der mit einem Code-Schloss gesichert war.

,, Können sie mit menschlichen Waffen umgehen ?“ , fragte Martin, während sich der Abgesandte der Unity an dem Schloss zu schaffen machte.

,, Das wird nicht nötig sein.“ , erwiderte dieser. Der Spind sprang auf und Seyonn zog einen kleinen Koffer aus Aluminium hervor. ,, Ich habe eigenen Waffen

dabei.“

Er klappte den Koffer auf.  Für Coel wirkte der Gegenstand im Inneren nicht wirklich wie eine Waffe.

Auf einem Polster aus Schaumstoff lag eine etwa Handtellergroße runde Scheibe, die aus einer Art Kristall mit einem metallenen Rand darum zu bestehen schien.

Vom Ring aus verlief eine Schlaufe aus Metall, die sich um das Handgelenk des Trägers legte und der Waffe so Halt bot. Zusammen mit dem Kristall lagen auf dem Polster noch zwei kleine viereckige Objekte, die von innen her zu leuchten schienen.

Sobald Seyonn die Scheibe in die Hand

nahm, schien diese mit seiner Haut geradezu zu verschmelzen.

,, Besonders gefährlich sieht das nicht aus.“ , bemerkte Martin.

,, Noch ist es das auch nicht.“ Seyonn nahm einen der quadratischen kleinen Blöcke in die Hand und ließ es in eine Aussparung im Kristall wandern. Sofort schien die Luft um die Waffe wie elektrisch aufgeladen und verzerrt, als würde sie durch irgendetwas verdichtet.

,, Was genau macht das Ding ?“ , wollte Coel wissen.

Statt einer Antwort richtete Seyonn die Hand an der er die Waffe trug auf einen der schweren Spinde.

Der Schrank hob vom Boden ab und

schien plötzlich von einer unsichtbaren Kraft  zusammengedrückt zu werden.

Alles was übrig blieb, war eine Kugel aus Metall etwa so groß wie eine Murmel.

Seyonn ließ die Hand sinken.

,, Und ?“

,, Ich muss sagen ich bin beeindruckt. Wie genau  funktioniert das?“ , fragte Coel.

,, Seien sie nicht beleidigt, aber ich bezweifle,  dass sie es genau verstehen würden. Grob gesagt… es kann ortgebunden Schwerkraft manipulieren.“ Er entfernte den kleinen Quadratischen Bock wieder aus der Waffe. Er hatte aufgehört zu leuchten. ,, Allerdings ist das  ein ziemlicher Energiefresser wenn

sie den Ausdruck erlauben.“ Der verbliebene Block nahm die Position des alten ein.

,, Wieso haben wir so was nicht ?“

,, Es gibt einen Grund, warum die Unity keine Waffentechnologie weitergibt.“ , erwiderte Seyonn.

,, Also wären dann alle soweit ?“ , fragte Coel, der grade damit beschäftigt war, die letzten Schnallen an den Schneeschuhen zu schließen. Die Thermojacke selbst würde zusätzliche noch über mehrere Gurte gesichert, die verhindern sollten, dass überhängende Stoffteile im Wind flatterten und so die Position des Trägers verrieten.

In der Tasche fand er außerdem eine

Schneebrille, die ihm passte. Ein simples in die Gläser eingelassenes Display zeigte Raumtemperatur und Uhrzeit. In technisierteren Gebieten hätte das System  auch noch Position und Wetterbericht erfasst.

,, Bereit.“

Auch Martin hatte die Winterausrüstung angelegt, wohingegen Seyonn lediglich einen einfachen Mantel, der wohl kaum vor der Kälte Schütze, überwarf.

,, Wollen sie wirklich so da runter ?“ , fragte Martin. ,, Sie sagten selbst , das es selbst am Äquator 50 Grad unter null sein würden.

,, Aktuell  46 unter null. Und ja. Ich spüre keine Kälte. Das einzige Problem,

das ich dort unten kriegen könnte, wäre das ich einfriere. Allerdings, das einzige Wasser auf Isaari liegt in Eisform vor, dieses Risiko ist also äußerst gering.“

,, Na dann.“

,, HAL ? Können sie mal die Temperatur für Deck fünf und den Hangar etwas absenken? In der Ausrüstung sind zwanzig Grad doch etwas viel.“

,, Natürlich Temperatur wird um Zehn Grad gesenkt.“ , meldete sich die Stimme über Lautsprecher.

,, Die KI hat Zugriff auf die Lebenshaltung ?“ , fragte Martin und fügte halb ernst hinzu :  ,,Wir werden sterben.“

 ,, Darüber können sie sich Gedanken

machen, wenn wir auf Isaari fertig sind.“ , wies Coel Martin an.

Der Pilot schüttelte den Kopf. ,, Bei ihnen klingt das, als würden wir einen Spaziergang machen.“

 

 

Ein etwas längerer Spaziergang wurde es dann tatsächlich. Zumindest sobald sie es geschafft hatten zu landen. Das Shuttle startete aus dem Hangar und setzte Kurs auf den in der Sonne wie einen riesigen Schneeball wirkenden Planeten.

,, Ich bring uns etwas von der Station entfernt runter.“ , sagte Martin. ,, Dann weiß wer auch immer da unten ist nicht

gleich, das wir kommen.“

,, Die haben sicher Radar und Scanner in der Station.“ , bemerkte Seyonn , während das Shuttle durch die Atmosphäre des Planeten tauchte. Dicke Wolken verdeckten die Sicht auf den Boden, so dass Martin sich allein auf die Instrumente verlassen musste.

,, Schon, aber ich hoffe, die haben darauf keinen Zugriff, weil jemand schlau genug war die Zugänge zu sperren.“ , meinte der Pilot.

,, Und wenn nicht ?“ , fragte Coel.

,, Werden wir das gleich rausfinden. Die Isaari-Station ist mit einem Abwehrgeschützt ausgestattet.“

,, Großartig.“ Ein Geschütz ? Die Sache

war langsam nicht mehr geheuer. Zuerst der Angriff, kurz bevor sie eintrafen, der geradezu bewies, dass es bei der GTDF  tatsächlich einen Informanten  geben musste  und jetzt erfuhr er, dass eine unwichtige  zivile Forschungsstation am äußersten Rand der Galaxie mit Geschützen ausgestattet war? Hinzu kam, dass er immer noch nicht wusste, wer

Den Posten angegriffen hatte.

Cain würde ihm einige Fragen beantworten müssen, sobald er wieder auf der Kronos war.

Zumindest hoffte er welche zu bekommen. Die Langstreckenkommunikation über

mehrere Lichtjahre hinweg, war immer noch ein Punkt, für den es nur ansatzweise eine Lösung gab.

Und der hieß Postsonden.

Zwischen den  besser erschlossenen Kolonien der Menschheit herrschte ein reger Verkehr an Handelsschiffen und automatisch gesteuerter Sonden und wann immer ein Signal übermittelt werden musste, wurde dieses an eine Sonde übertragen, die über einen integrierten Nova-Antrieb verfügte und das Zielsystem ansteuerte, und dort die Nachricht erneut sendete. Anders hätte es Tage oder gar  Jahre gedauert, bis eine Botschaft über Funk ihr Ziel erreichte.

Genau in diesem Moment erhellte eine Explosion den Himmel über den Schneebedeckten Ebenen von Isaari und der Transporter wurde von den Schockwellen durchgeschüttelt.

,, Soviel zum Geschütz.“ , meinte Coel, der beinahe aus seinem Sitz geschleudert wurde.

,, Festhalten.“

Martin steuerte das Shuttle sofort in einen steilen Sinkflug. Sekunden später explodierte ein weiteres Geschoss, diesmal gefährlich nah.

Sofort riss der Pilot das Schiff wieder nach oben. Die Zielerfassung der Waffe durfte keine Zeit haben, sich auf den Transporter einzustellen. Da half nur in

Bewegung bleiben. Landen würden sie erst können, wenn das Geschütz ausgeschaltet oder sie außer Reichweite waren.

Coel suchte die Umgebung ab und entdeckte ein aufflackerndes Licht auf einem Bergkamm etwa drei Kilometer entfernt.

,, Ich hab die Waffe gefunden.“ , rief er. Ein weiterer Blitz aus der Richtung, begleitet von einem dritten Geschoss, das in sicherer Entfernung detonierte, bestätigten seine Vermutung endgültig.

,, Das nützt uns so nichts.“ , stellte Seyonn fest.,, Mit den Shuttle-Waffen richten wir da nichts aus.

,, Was ist mit den Geschützen der

Kronos ?“ , wollte Coel wissen.

,, Vergessen sie es. Wenn die Kronos nicht trifft, erwischt es die Station. Dann war’s das mit Adams.“

,, Dürfte ich einen Vorschlag machen ?“ , hörte Coel plötzlich eine Stimme über die Lautsprecher des Schiffs.

,, Großartig. HAL kann auch noch auf das Shuttle zugreifen?“

,, Nur auf die Kommunikation Martin.“ , antwortete Seyonn.

,, Beruhigend.“ Ein Geschoss streifte das Shuttle Martin verlor kurz die Kontrolle und das Schiff trudelte einen Moment haltlos dem Boden entgegen. Dann fing der Pilot das Schiff wieder ab.

,, Also dann, wenn wir uns nicht

zurückziehen wollen, gehen uns glaube ich die Optionen aus. Also HAL , was schlagen sie vor?“

,, Sie könnten die Waffe mit den Zielsystemen des Shuttles markieren. Dann wäre es möglich diese mit den Geschützen der Kronos abzugleichen, was  einen zielsicheren Treffer ohne Streuung erlaubt

,, Dafür müssten wir ziemlich nah ran.“ , bemerkte er.

,, Das kriegen sie schon hin.“ , sagte Coel.

,, So sicher wäre ich mir da nicht. Aber ich weiß sonst auch keinen Rat mehr. Bezahlt die GTDF uns eigentlich?“

,, Ich hoffe es, aber wieso machen sie

sich darüber jetzt Gedanken ?“

,, Weil sie mir fünf Dollar schulden Coel. Ich hoffe mal, das Schiff hält das aus.“

Mit diesen Worten riss Martin das Shuttle  erneut nach oben und lenkte es dann in einen Bogen, so dass sie direkt auf die Waffe zusteuerten. Die Scanner des Geschützes verloren das Schiff. Die Waffe schwieg.  Vermutlich würden sie innerhalb weniger Sekunden erneut entdeckt werden.

Martin nutze die Zeit und aktivierte das Zielerfassungssystem. ,, Jetzt heißt es hoffen, das alles gut geht. Noch so einen Anflug können wir vergessen.“

Der Transporter beschleunigte und raste

kurz vor dem Berghang, auf dem das Stations-Geschütz installiert war  erneut in die Höhe.

,,Martin an Kronos.  Ziel markiert.“

,, Gut. Machen sie, das sie da Weg kommen.“ , hörte Coel Ägirs Stimme über Funk. ,, Ich will sie nicht aus Versehen treffen.“

,, Machen sie sich um uns keine Sorgen. Schalten sie nur endlich das Geschütz aus bevor…“ Ein warnendes Piepen war zu hören. ,, Zu spät, Die Waffe hat uns grade erfasst. Ägir, wenn sie auf der Erde nicht berichten möchten, das wir alle drauf gegangen sind, schlage ich vor sich erteilen jetzt den Feuerbefehl.“

Keine Sekunde später schlug etwas in die

Felswand ein und zertrümmerte das Geschütz. Ein Feuerball stieg in die frostige Luft und verblasste.

,,  Laut Telemetrie der Kronos war das ein Volltreffer.“ , meldete Seyonn.

,, Also, wenn bisher keiner gewusst hat, das wir hier sind, sollte das Weckruf genug gewesen sein, was meint ihr ?“

,, Wäre doch auch unhöflich einfach reinzuplatzen ohne Anzuklopfen. Landen sie trotzdem etwas in Sicherer Entfernung.“

 

Das Shuttle setzte sanft  in einer Schneewehe auf. Coel stand auf und öffnete die Tür des Transporters. Sofort schlug ihm die eisige Luft entgegen und

trieb ihm die Tränen ins Gesicht., die sofort gefroren.

Fast sofort bildete sich auch eine Eiskruste auf seiner Kleidung und auf der Außenhülle des Schiffs. Die Luft, die die Triebwerke kurz erwärmt hatten kühlte sich praktisch sofort wieder ab.

Gleichzeitig blendete das vom Schnee reflektierte Sonnenlicht enorm.

Er setzte die Brille auf und sah sich um. Der erste Eindruck, den er aus dem Orbit gehabt hatte, war der eines riesigen Schneeballs gewesen und jetzt bestätigte sich dies.

Soweit er sehen konnte war die Landschaft von einer Schicht aus Schnee und Eis bedeckt.

Hier und da hatte der Wind bizarre Strukturen daraus geformt, die beinahe an Gebäude oder  Lebewesen erinnerten.

Er sprang aus dem Schiff, seine Stiefel gruben sich in den gefrorenen Untergrund Der Schnee hier lag nur Oberflächlich Pulverform vor. Darunter war er im Laufe der Jahre, Jahrzehnte oder sogar Jahrtausende zu einer stabilen Eisschicht verdichtet worden.

Außer dem heulen des Windes war nichts zu hören.

,, Meine Wahl für einen Urlaubsausflug wäre Isaari bestimmt nicht.“ , meinte Martin spöttisch.

,, Sie sollen hier ja auch keine Ferien machen.“ , erwiderte Coel . ,, Gehen

wir, die Station dürfte nicht weit sein. Wir sind maximal ein oder zwei Kilometer davon entfernt “

,, Ein oder zwei Kilometer. In ein oder zwei Kilometern bin ich erfroren.“

,, Dann laufen sie, das wärmt angeblich.“ , sagte  Seyonn.

,, Ja toll…“

Die Gruppe machte sich auf den Weg durch die Schneelandschaft in Richtung einer Felsklippe, von deren Gipfel noch immer eine Rauchwolke aufstieg.

Die Überreste des Geschützes lagen über die Bergflanken verstreut und glühten langsam aus.

Die Station konnte nicht allzu weit davon entfernt sein.

Kapitel 13 Entdeckung

,, Hat das Geschütz sie erwischt ?“

,, Nein, leider  umgekehrt. Die haben ein Kriegsschiff im Orbit.“

,, Verdammt.“

,, Sollen wir sie aufhalten ?“

,, Nein, lasst sie doch den Doktor finden. Wir ziehen uns aus der Anlage zurück und warten, bis sie fertig sind. Und dann…“

,, Wir lassen uns also auf einen Kampf mit der GTDF ein ?“

,, Sicher. Wir haben einiges zurück zu zahlen. Habt ihr die Gefallenen geborgen?“

,, Uns blieb nicht genug Zeit.“

,, Sei es drum. Sollen sie wissen, mit wem sie es zu tun haben.“

 

 Schnee knirschte unter seinen Füßen, als er erneut einen Schritt machte. Das Shuttle war in der Ferne nur noch als ein grauer Punkt zu erkennen. Die Fußspuren, die sich wie eine Schnur über die weiße Ebene zogen waren bereits wieder halb verschwunden. Der Wind wehte den Schnee ständig über die Ebenen und verdeckte somit sofort jeden Makel in der weißen Decke.

Und vor ihnen ragte nun eine Felswand auf, in der hier und da Fenster eingelassen waren.

Licht schimmerte nach draußen und

durchbrach das Schneetreiben.

Der Himmel hatte sich vor einigen Minuten bereits bewölkt.

Es war nun beinahe stockdunkel, außer dort wo die Lichtstrahlen aus der Anlage den Schnee zum Glitzern brachten. Fast, als wäre die ganze Welt zu Kristall erstarrt.

Coel musste sich einen Moment daran erinnern, wieso sie hier waren.

,,Da ist der Eingang .“ , rief Seyonn und deutete auf eine Luke im Stein.  ,, Der ganze Berg wurde praktisch ausgehöhlt, um Platz für die meteorologische  Forschungsstation zu machen.“

,, Ich habe die Pläne davon gesehen. So etwas baut man doch nicht nur um das

Wetter auf einem Ball aus Eis zu studieren?“

,, Es geht nicht um das aktuelle Klima, sondern um die Klimageschichte.“ , meldete sich HAL über Funk. Offenbar überwachte die KI auch ihre Kommunikation. Langsam fragte sich Coel, ob es eine so gute Idee gewesen war, den Speicher des Programms nicht zu löschen. Normalerweise sollte die KI nur eine Notfallfunktion haben und sich nicht aktiv einmischen. Bisher hatte das ihnen zwar geholfen… aber die Frage kam auf, wie selbstständig das System noch werden würde?

Bisher schien es zumindest noch niemanden außer Coel zu beunruhigen.

Und natürlich  Martin, der versuchte das Ganze mit Witz zu überspielen. Oder vielleicht war das Ganze auch ein Witz für ihn.

,, Was ist daran so interessant, das man eine eigenen Station dafür errichtet , noch dazu in der Größenordnung ?“ , wollte Martin wissen.

,, Nun, den Grund dafür Atmen sie grade ein.“ , erklärte Seyonn.

Martin sah den Abgesandten der Unity fragend an, bis er begriff. ,, Sauerstoff ?“

,, Genau. Sauerstoff in so hoher Konzentration, das man ihn atmen könnte bildet sich auf Planeten normalerweise eher selten durch Zufall. Dazu braucht

es Leben, das diesen Synthetisiert. Bakterien, Algen, Pflanzen, Hauptsache organisches  Leben, das als Stoffwechselprodukt Sauerstoff erzeugt.“

,, Nun…“ Martins ah sich über die Schulter nach der Ebene aus Eis um, die sie schon überquert hatten. ,,Ich sehe keinen einzigen Baum, oder irgendetwas anderes, das nach Leben aussieht.“

,, Eben das ist der Interessante Punkt an Isaari.  Es gibt keine Spur von Leben mehr, der Planet ist ein Eisklotz. Aber irgendwo muss der Sauerstoff her gekommen sein.“

,, Woher ?“

,, Die allgemeine Theorie ist, das Isaari

vor einigen Jahrtausenden eine sehr viel dichtere Umlaufahn um die Sonne hatte. Damals muss es hier in der Gegend ausgesehen haben, wie in den Tropen. Vielleicht gab es sogar intelligentes Leben, wer weiß.“ , führte Seyonn aus. Woher bezog er seine Informationen? Es schien fast, als hätte sich Seyonn intensiv selbst mit dem Thema befasst. Natürlich konnte es sein, das Steel ihm diese Informationen gegeben oder er jemanden gefragt hatte… aber trotzdem, der Unity-Botschafter wusste mehr als sie, soviel war klar. Vielleicht sehr viel mehr.

,, Was hat sich geändert ?“

,, Nun irgendwann, hat etwas den

Planeten von seiner Umlaufbahn geschleudert und weiter ins System hinaus getrieben. Auf seine jetzige Position.“

,, Was bitte ist stark genug, einen Planeten zu verschieben ?“

,, Genau das wollte man hier herausfinden. Indem man studiert, wann genau die Eisschicht entstand, könnte man darauf vielleicht Rückschlüsse ziehen.“

,, Und, ist es ihnen gelungen ?“

,, Ich  glaube nicht. Und wird es wohl auch nicht mehr.“

Coel nickte. Nach allem was sie wussten, war höchstwahrscheinlich jeder in diesem Gebäude tot.

Bis auf den Mann, der irgendwo im Herzen der Anlage in seinem Bett aus Eis ruhte. Der Mann, dessen Verstand einem ganzen Planeten den Untergang gebracht hatte.

Coel war  Professor Ethan Adams nur einmal begegnet. Er war so besessen von seiner Arbeit gewesen, dass sie kaum zwei Worte miteinander gewechselt hatten.

War Adams Stolz auf sein Werk? Oder ging es ihm vielleicht wie Coel ?

Nun sie würden es herausfinden.

,, Also gut, suchen wir einen Eingang. Seyonn, sie sichern uns den Rücken. Martin die Felsklippen im Auge behalten. Los geht’s.“

Coel tastete nach der Pistole, die er in einem Halfter am Bein trug und entsicherte die Waffe.

Martin tat das gleiche mit einem Gewehr, das er auf dem Rücken trug.

 Das Gewehr  war ein Standardmodel der GTDF und soweit er wusste, nicht wirklich für extreme Szenarien ausgelegt. Er konnte nur hoffen, dass die Kälte der Waffenmechanik keine Probleme machen würde

 

Langsam machte Coel einen Schritt nach dem anderen in Richtung einer Tür in der Felswand, dabei sicherte er sich immer wieder nach allen Seiten ab.

Einmal meinte er, auf einer Schneewehe

eine Bewegung wahrgenommen zu haben, aber als er sich danach umsah, war dort nichts mehr zu sehen.

Der Wind formte die Pulverlandschaft um sie herum ständig um und es war leicht in den aufsteigenden Figuren aus Eiskristallen Lebewesen zu erkennen.

Trotzdem war er sich fast sicher, wirklich etwas gesehen zu haben. Aber was immer es war… jetzt war es auf jeden Fall  verschwunden.

Schließlich erreichten sie alle die Tür, ohne dass es zu irgendeinem Zwischenfall gekommen wäre.

Diese hatte wohl einst aus einem Stahlschott bestanden, lag jetzt aber in Fetzen im Eingangsbereich der Anlage, in

dem sich bereits Schnee sammelte.

 Brandspuren an den Wänden sagten Coel alles, was er wissen musste. Die Tür war von außen gesprengt worden.

Vorsichtig trat er ins Innere der Anlage und sah sich um.

 

Im Eingangsbereich gab es ein paar Töpfe mit Pflanzen, die jetzt freilich alle erfroren waren. Ein mit Glaswänden abgetrennter Wartebereich lag auf einer Seite. Eine der Glaswände lag zersplittert auf dem Boden und in den Scherben… lag der erste Tote.

Vielleicht ein Sicherheitsmann. Eine Pistole lag neben seiner  Hand auf dem Boden.

Coel kniete sich hin und überprüfte den Puls des Mannes. Aber schon als er den Körper berührte wusste er, dass der Mann tot war. Eiskalt.

Er suchte nach einem Dienstausweis und fand einen. Tatsächlich ein Sicherheitsbeamter. Vermutlich der einzige in der kompletten Einrichtung.

Coel steckte den Ausweis ein und nahm auch die Pistole an sich. Martin war schlau genug gewesen, ein Gewehr mitzunehmen und Seyonn trug die seltsame Schwerkraftwaffe, die er auf die Kronos mitgebracht hatte.

Aus einer Eingebung heraus überprüfte er das Magazin der zweiten Waffe. Die Standardpistolen verfügten über ein

Magazin, das 15 9 x 19 mm Patronen fasste. Wahlweise konnten statt 9mm Kaliber auch Spezialmunition verwendet  werden. .Dartpfeil ähnliche Geschosse die ein Ziel durch einen gezielten elektrischen Schlag betaübten, anstatt es zu töten.

So war es möglich, erst zu schießen und dann zu fragen. Die Waffe des Wachmanns aber war mit tödlicher Munition geladen. 3 Kugeln fehlten.

Man hatte also damit gerechnet, um das eigene Leben kämpfen zu müssen.

Wenn Coel sich die Trümmer der Tür besah, hatte es das Wissenschaftsteam und der Sicherheitsmann mit einem militärisch Ausgerüsteten Feind zu tun

bekommen. Entweder Sprengstoff oder schweres Gerät.

Er wendete sich von dem Toten ab.

Auf der anderen führte ein Flur zu zwei Türen. Die eine trug die Aufschrift ,, Fahrstuhl, Ebenen 1-5, Im Brandfall nicht benutzen.“

Die andere führte in ein Treppenhaus. Martin drückte den Ruf-Knopf des Aufzugs.

,, Kein Strom“ , stellte  er enttäuscht fest. Vermutlich waren die Generatoren für dieses Stockwerk tot. Coel hoffte inständig, das es auf den nächsten Ebenen wieder Strom gab. Die Stasis-Kapsel mit Adams würde sonst ausfallen und der Mann sofort sterben.

Dann wären sie bereits zu spät und alles umsonst.

,, Also bleibt nur die Treppe.“ Ihm gefiel die Vorstellung gar nicht. Und Martin schien seine Gedanken gelesen zu haben.

,, Wenn hier noch jemand ist, könnte der uns von einem der oberen Stockwerke einfach erledigen.“

Genau das war das Problem.

Die Treppe verlief Kreisförmig in einem Schacht nach oben. Ab und zu waren Absätze eingelassen, wenn das nächste Stockwerk erreicht war.

 Von Oben konnte man die Treppen des darunter liegenden Bereichs perfekt einsehen… und hatte freies Schussfeld, wen das nötig war.

Von unten hingegen, sah man kaum etwas, und hatte keinerlei Deckung.

Eine Todeszone.

Wäre der Sicherheitsmann den sie gefunden hatten klüger gewesen, hätte er sich hier verbarrikadiert. Möglicherweise hätte er so eine Chance gehabt.

,, Auf welche Ebene müssen wir ?“ , fragte Coel.

,, Drei.“ , antwortete Seyonn.  Coel schätzte die Entfernung ab. Drei Treppenabsätze, jeder etwa 25 Meter auseinander… Es war zu schaffen.

,, Martin, sie bleiben unten und geben Deckung.“ Ihm war klar, dass auch das nicht viel nützen würde. Aber immerhin würde er sich etwas sicherer fühlen.

,, Seyonn, sie folgen mir in einigem Abstand.“

Coel setzte den ersten Fuß auf die Treppe, die aus einem Metallgitter bestand.

Er atmete einmal durch, dann hastete er die Stufen so schnell er konnte hinauf in Richtung der nächsten Ebene. Dabei rechnete er die ganze Zeit damit gleich von weiter oben beschossen zu werden.

Aber das blieb aus.

Auf den oberen Ebenen schien es tatsächlich noch Strom zu geben, , wie er sah, als er den ersten Absatz erreichte. Über der Tür, die sich automatisch öffnete,  brannte ein Licht. Ein Schild mit einer Eins hing darunter.

Sobald Seyonn und Martin ihn einholten warf er einen Blick ins Innere.

Ein Flur, ähnlich dem, durch den sie den Komplex betreten hatten. Eine Blutspur zog sich über den Flur und verschwand um eine Ecke. Es war noch nicht getrocknet oder gefroren.

Weiter den Flur entlang lag ein  Toter, der einen Laborkittel trug.

Coel erkannte in  ihm den Mann wieder, der den Notruf abgesetzt hatte.

Doch er war es nicht von dem die Blutspur stammte.

,, Seht euch um, vielleicht gibt es doch noch einen Überlebenden.“ , wies er Martin und Seyonn an.

Der Unity-Abgesandte sah sich den toten

Wissenschaftler an.

,, Kopfschuss.“ ,stellte er ruhig fest. ,, Aber der hat ihn nicht getötet.“ Auf der Brust des Mannes gab es eine weitere Eintrittswunde um , die das weiß des Kittels blutrot verfärbt hatte.

,, Der Treffer in die Brust, war bereits tödlich. Die Kopfwunde wurde danach verursacht. Und zwar so viel später, das kaum noch Blut austrat.“

,,Jemand ist… nachdem alles vorbei war noch mal durchgegangen und hat Sichergestellt, das wirklich alle tot sind.“ Coel fragte sich, wieso. Dafür gab es zwei Erklärungen. Entweder es sollte wirklich keine Zeugen geben, und das Ganze war eine taktisch Überlegte

Aktion. Dafür sprach allerdings nicht, dass zwischen den zwei Treffern so viel Zeit vergangen war. Die zweite Möglichkeit war weit erschreckender, als simpler Zweck. Hass. Der simple Wunsch, sicher zu stellen, dass jeder hier einfach starb, ausreichend für eine Zweifachtötung.

,, Entweder das oder…“

In diesem Moment unterbrach Martin sie, der kreidebleich aus einem Nebenraum gestolpert kam. Er war der Blutspur gefolgt.

,, Ich glaube , ich weiß jetzt auch, wer hierfür verantwortlich ist. Seht euch das an.“

Irgendetwas an Martins Stimme gefiel

ihm gar nicht. Er erstarrte ebenfalls auf der Stelle.

,, Was zur….“

Vor ihm auf dem Boden lag eine Gestalt. Sie trug einen schweren Mantel, in dem sich stellenweise noch Schnee verfangen hatte. Aber es war kein Mensch. Fell, spitz zulaufende, katzenartige Ohren…

,, Artheraner.“  Seyonn war mittlerweile auch wieder zu ihnen gestoßen.

,, Was.. Ich meine, was suchen die hier?“ , fragte Martin.  ,,Zehn Jahre lang haben wir nichts mehr von ihnen gehört. Wieso also jetzt ?“

,, Ich denke, das wissen wir. Professor Adams war der Hauptverantwortliche für das Nova-Projekt.“ , antwortete Coel.

,, Ja, klar. Wenn jemand die Erde rösten würde, wäre ich auch ziemlich eingeschnappt… aber das war vor Zehn Jahren Coel. Wieso jetzt  erst?“

,, Ich vermute, sie werden sich nach dem Verlust Artheriums erst gesammelt haben. Und sie waren wenige. Sind es vermutlich immer noch. Wir haben vielleicht hundert gerettet und es sind nochmal knapp tausend auf geklapperten Shuttles entkommen.  Also dürfte diese Aktion hier ein ziemlich großes Risiko für sie darstellen.“ “ , sagte Seyonn.

,, Vielleicht. Und ich denke mal, die GTDF ist nicht grade damit hausieren gegangen, dass einer ihrer besten Wissenschaftler sich hier hat auf Eis

legen lassen. Auch wenn nicht allgemein bekannt ist, an was Adams gearbeitet hat…“

Trotzdem beunruhigte ihn die Tatsache, dass sie es mit einem artheranischen Angriff zu tun hatten.

Und ihnen bisher kein Einziger Artheraner über den Weg gelaufen war. Das ganze roch einfach nach einer Falle.

Nichts desto trotz… ihr Ziel blieb dasselbe.  Und zwischen ihnen und ihren Ziel lagen noch immer zwei Ebenen.

,, Zurück ins Treppenhaus. Bringen wir das schnell hinter uns.“ 

Kapitel 14 Eisschlaf

,, Alles klar. Auf drei.“

Sie hatten auch die nächsten beiden Stockwerke ohne irgendwelche Probleme erreicht. Auf der zweiten Ebene hatten sie nichts außer weiteren Toten gefunden. Dort  hatte sich offenbar das Hauptlabor der Station befunden. In einem großen Kühlregal lagerten hunderte von Eisbohrkernen, manche davon mit Beschriftungen versehen und Katalogisiert, andere noch nicht Ausgewertet.

Neben den Laboren gab es dort allerdings nichts interessantes, Seyonn hatte es sich jedoch nicht nehmen lassen, die

bisherigen Forschungsdaten an die Kronos zu schicken.

,, Damit sie wenigstens nicht völlig umsonst gestorben sind.“ , hatte er gesagt. Und danach die lokale Kopie der Daten gelöscht.

Auch wenn das vielleicht Grund genug für einen Menschen gewesen wäre, die Daten zu sichern… Coel wurde das Gefühl nicht los, das der Abgesandte der Unity auch ein persönliches Interesse an den Informationen hier hatte. Vor tausend Jahren.. war etwas mit Isaari geschehen...

Und wie hatte Seyonn gegenüber Martin betont? Er selbst war schon vor Jahrtausenden hier draußen gewesen.

Noch ein Punkt, um den er sich würd kümmern müssen, wenn sie zurück auf der Kronos waren.

Bis dahin blieb ihnen nur, sich weiter einen Weg durch die Ebenen der Station zu suchen.

Und jetzt stand Coel vor der Zugangstür zu Ebene 3, hinter der sich irgendwo die Stasis-Kammer mit Ethan Adams befand.

1… Er zählte langsam runter.

2… Wenn sich die Artheraner, die die Station angegriffen immer noch hier aufhielten und wenn sie wirklich aus demselben Grund hier waren… würden sie sich noch irgendwo hinter dieser Tür aufhalten müssen.

3…Er sprang durch die sich automatisch

öffnende Luke, während ihm Martin und Seyonn Feuerschutz gaben. Die Panzerung aus Kohlenstofffaser ,die in die Thermokleidung eingelassen war,  hielt zwar Kleinkalibrige Kugeln aus, aber einer Salve aus einem Sturmgewehr hätte  das Kevlar nicht viel entgegen zu setzen.

Er bereitete sich darauf vor sofort in Deckung zu gehen, sollte sich irgendwo etwas bewegen.

Aber der Flur, der ähnlich dem auf der ersten Ebene Gestaltet war, war leer.

Leer bis auf ein paar Pflanzen, die hier und da in Kübeln verteilt standen.

 Er machte einige weitere Schritte in den Flur, spähte in einen Warteraum, ähnlich

dem, in dem sie auf der untersten Ebene den toten Sicherheitsoffizier gefunden hatten. Soweit er das sehen konnte, war hier alles genauso verlassen wie überall sonst.

Coel trat an eines der kleinen Fenster, deren Lichter sie bereits von draußen gesehen hatten und spähte hinaus. Aus den Wolken, die bei ihrer Ankunft hier die Sonne verdeckt hatten, war mittlerweile ein ausgewachsener Sturm geworden.

Schneeschleier fegten über die gefrorene Landschaft unter ihnen hinweg. Möglicherweise würden sie hier warten müssen, bis der Sturm vorbei war.

Die Glasscheibe des Fensters hatte eine

integrierte Temperaturanzeige. Mit einer Handbewegung aktivierte Coel diese nun. Es dauerte einen Moment, dann erschienen die aktuellen Wetterdaten, zusammengestellt von den noch immer laufenden Computern der meteorologischen Station.

Er starrte auf die Anzeige. Aktuelle Windgeschwindigkeit : 50 Kilometer pro Stunde, Temperatur 78 Grad Celsius unter null. Besserungsaussichten : Gering. Warnung von einem verlassen der Station wird dringend abgeraten.

,, Seyonn, wie lange dauern Stürme auf Isaari durchschnittlich ?“

,, Nun, das kommt darauf an. Isaari ist gemessen mit der Erde fast doppelt so

groß, dreht sich aber auch mit höherer Geschwindigkeit… Das bedeutet für den Wind natürlich…“

,, Eine einfache Antwort reicht.“ , meinte Martin.

,, Zwei bis drei Wochen.“

,, Toll…  Soll das heißen wir hängen unter Umständen hier fest?“

,, Das denke ich nicht, die Kronos hat zwei Transporter. Wenn wir nicht zurück zu unserem Shuttle kommen, muss uns eben jemand abholen.“

,, Sicher. Darüber machen wir uns später Gedanken. Suchen sie lieber nach der Stase-Kammer. Gibt es hier eigentlich einen Plan für das Gebäude?“ , fragte Coel. Er hatte bisher zumindest

keinen entdeckt.

,, Ich glaube nicht, aber hat HAL nicht die Pläne der Station runtergeladen ?“  , wollte Martin wissen.

,, Richtig.“ Coel aktivierte den Funksender. Diese hatten in etwa die Größe von Stecknadeln und wurden einfach in die Kleidung eingewebt oder manchmal auch direkt in die Haut implantiert.

In Coels fall, wie bei fast allen Angehörigen der GTDF war der Sender in die Ohrmuschel eingesetzt worden. Selbst bei einer Gefangennahme war so noch Kommunikation möglich.

Jetzt jedoch versagte das System.  Er versuchte es nur nochmal, bekam aber

nur Störungen rein die ihm schmerzhaft in den Ohren hallten.

,, Vierhundert Jahre technische Entwicklung… und wir kriegen es noch immer nicht hin eine stabile Funkverbindung aufzubauen, wenn man eine bräuchte.“ Coel gab auf.

,,Murphys erstes Gesetz was ?“

 ,, Wir werden wohl weiterhin einfach alles durchsuchen müssen.“

Die drei machten sich daran, genau das zu tun. Vom Flur aus zweigten mehrere Türen ab. Hinter einigen davon lagen Laborräume, die teilweise so aussahen, als wären sie grade erst verlassen worden.

In einem taute langsam ein Bohrkern auf

und hinterließ eine größer werdende Wasserpfütze auf dem Boden, in einem anderen drehte sich eine Zentrifuge vermutlich seit Stunden im Kreis.

Im dritten Labor lag eine tote Wissenschaftlerin. An der Tür zum Laborraum war ein Schloss angebracht gewesen, das jetzt aber zertrümmert am Boden lag.

Sie hatte wohl versucht sich einzuschließen. Vergeblich. Wie alle anderen wies auch diese Leiche einen Kopfschuss auf.

,, Hassen die uns wirklich immer noch so sehr ?“ , fragte Martin betrübt.

,, Wir haben ihren Planeten und beinahe ihre Spezies  vernichtet. Da wäre jeder

wütend.“

,, Ja, aber das war vor Zehn Jahren… ich meine… „ Er zögerte, ,,Vielleicht war es im Nachhinein ein Fehler sie zu retten. Wenn das zu so etwas führt.“

,, Vielleicht, aber damals war es die Richtige Entscheidung. Und das ist es auch noch immer. Wir können nicht sagen, ob alle Artheraner so denken. Das hier ist tragisch. Aber wir Menschen haben auch unsere Kriegsverbrecher nicht?“

,, Fast 500 Jahre seit der Penner ins Gras gebissen hat… und ihr Amerikaner hackt immer noch auf uns armen Deutschen rum. Von Vietnam oder Irak und den späterem Wirtschaftskriegen

brauch ich erst gar nicht anfangen oder?“
,, Einige wir uns auf Unentschieden ?“

,, Unentschieden.“

Die nächsten drei Räume waren Lager, in denen sich Kisten mit Fertigessen und Ausrüstung stapelten.

Und hinter der letzten Tür schließlich lag was sie gesucht hatten.

 

Eine kreisförmige  Kammer, über deren Boden Kabel und Verbindungen gelegt waren, die alle im Zentrum in einem etwa zwei Meter hohen rechteckigen Kasten mündeten, dessen front aus einer abgedunkelten Glasscheibe bestand.

In dem sanften blauen Licht, das den

Raum nur spärlich beleuchtete konnte Coel hinter dem beschlagenen Glas die Umrisse einer Person erkennen. Als er seien Hand auf das Material legte, zog er sie sofort zurück. Die Stasis-Kapsel war noch aktiv. Und das was er für Glas gehalten hatte, war Eis mit einer Temperatur von fast minus einhundert Grad. Die Außenseite der Handschuhe die er trug war innerhalb von Sekunden gefroren gewesen. Coel zog den schockgefrorenen Handschuh aus.

Bis auf ein paar Kisten, am anderen Ende war der Raum völlig leer.

Martin nahm eine kleine Schachtel von einer davon.

,, Seht euch das an.“ , meinte er und

kam mit einer Brille in der Hand zurück.

,, In den Kisten ist wohl Adams Besitz gelagert.“ , vermutete Seyonn.

,, Den müssen wir aber nicht mitnehmen oder ?“ , meinte Martin mit einem besorgten Blick auf die Kisten.

,, Ich denke nicht. Und wenn kann das jemand anderes später erledigen. Wir sind nur wegen Professor Adams hier.“ , erwiderte Coel und sah sich um. ,, Irgendeine Idee, wie wir ihn auftauen ?“

,, Ich denke schon.“ Seyonn trat vor die Stasis-Kammer und besah sich das Ganze.

Ein kleines Bedienfeld war an einer Seite eingelassen.

,, Er wird vermutlich etwas verwirrt

sein.“ , warnte der Unity-Abgesandte. ,, Das Kurzzeitgedächtnis leidet unter dem Kälteschlaf am meisten. Wenn er das überhaupt überlebt. Draußen auf dem Flur hing irgendwo ein erste Hilfe Kasten, holen sie den besser vorsorglich.“ Martin verließ den Raum und verschwand auf den Flur, das Gewehr im Anschlag.

Coel trat etwas von der Stase-Kammer zurück, während Seyonn sich an der Bedientafel zu schaffen machte. Ein summen erfüllte den ganzen Raum, und das bläuliche Licht, das durch das Eis drang färbte sich rot.

Die Wand aus Eis, die den Körper darin einschloss und erhielt begann zu

verschwinden. Gleichzeitig sprang irgendwo eine Maschine an, die das Blut und damit das Leben in die Hülle im Eis zurückbrachte.

Im dem Augenblick, in dem das letzte Eis verschwand stürzte der Körper schwer nach vorne und wäre auf dem Bodenfliesen aufgeschlagen. Hätte Seyonn ihn nicht abgefangen.

In diesem Moment kam Martin mit dem Koffer zurück.

,, Lebt er ?“ , fragte er.

Seyonn drehte den Mann auf den Rücken. Coel erkannte das Gesicht von dem Foto aus der Akte wieder, die er vor wenigen Stunden an Bord der Kronos studiert hatte. Schüttere graubraune

Haare, Falten, die mehr von endlosen schlaflosen Nächten als tatsächlichem Alter  zu erzählen schienen. Nun, jetzt hatte er genug Schlaf gehabt.

,, Puls ist da, aber schwach. Atmung ebenfalls vorhanden. Bewusstsein…“

Die Augen flackerten, dann schlug Professor Adams sie auf. Zum ersten Mal seit Zehn Jahren fiel wieder Licht durch diese, sahen sie wieder Bilder.

Und das erste Wort, was die vor Kälte zitternde Stimme formte, war ,, Wieso ?“

Coel war sich nicht sicher, richtig hingehört zu haben.

,, Wieso was ?“ , fragte er.

Adams stieß Seyonn weg, der ihm

aufhelfen wollte und setzte sich dann aus eigener Kraft auf.

Es schien ihm erstaunlich gut zu gehen und er sah sich mit wachen, klaren Augen in der Runde um.

,, Wieso wecken sie mich ? Mein Wille war…“ Der Mann stockte. Der blaue Overall den er trug war durchnässt und er zitterte, trotzdem schien er es nicht eilig zu haben. Im Gegenteil. Er blieb ganz ruhig. Dafür, dass er grade zehn Jahre verschlafen hatte, schien er in erstaunlich guter Verfassung zu sein. Zumindest körperlich. Mentale Schäden jedoch, waren das eigentliche Risiko.

 ,, Wie lange ?“ , wollte Adams wissen.

,, Wie lange was ?“

,, Wie lange war ich weg ?“

Coel zögerte. Ihm musste klar sein, das einige Zeit vergangen war. Nur nicht wie viel. Aber es gab nicht wirklich einen Weg Adams das schonend beizubringen.

,, Zehn Jahre.“ , antwortete er.

.. Um genau zu sein, Neun Jahre, drei Monate und 2 Wochen und 5 Tage.. Zumindest laut Kapselanzeige.“ , korrigierte ihn Seyonn.

Der Professor schien die Information genauso gelassen wie zuvor aufzunehmen.

,, Ich verstehe.“ Er stand auf und sah sich um. ,, Meine Brille müsste hier irgendwo sein ?“

Martin gab sie ihm und Adams setzte das

Gestellt vorsichtig auf. Seien Hand zitterte dabei leicht.

,, Erheblich besser.“ , stellte er fest und sah sich die drei Bewaffneten im Raum zum ersten mal genauer an. ,, Ich weiß ja nicht, was sie von mir wollen, aber da die Unity involviert ist, scheint es etwas wichtigeres zu sein ?“ ,Bei der Frage warf Adams einen Blick in Richtung Seyonn.

,, Ja, ich denke schon. Detail klären wir besser, sobald wir hier weg sind.“

,, Ihre Namen dürfte ich aber schon erfahren ?“

,, Rafail Coel, GTDF, denke ich zumindest. Wir sind uns einmal auf der Horus

begegnet?“
,, Coel…“ Ein Funke des Wiedererkennens glomm in den Augen des Professors auf. ,, Ja, ich erinnere mich. Sie hatte das Kommando über die Bodenoperationen?“

,, Nur über ein paar Einheiten.“ , erwiderte Coel.

,, Martin Richter.“  , stellte sich nun auch Martin vor.

,, Seyonn.“ ,schloss sich der Abgesandte der Unity an. ,, Und ich finde, wir sollten langsam zusehen, dass wir hier wegkommen. Bisher hatten wir Glück. Aber ich bezweifle, das sich das hält.“

,, Richtig. Können sie laufen?“ , fragte Coel den Professor.

,, Geht schon.“ , antwortete dieser.

,, Dann los. Martin, sie bilden die Nachhut, der Doktor bleibt hinter Seyonn, ich gehe zuerst.“

 

Während sie sich im Eiltempo einen Weg zurück durch die Station suchten fasste Coel das wichtigste für den Professor zusammen. Vor allem den Angriff auf die Station der möglicherweise Seinetwegen stattgefunden hatte.

,, Haben sie sonst noch… Überlebende  gefunden ?“ , fragte Adams, als sie den Ausgang erreichten.

Der Flur lag da wie zuvor, nur das die Schneewehe am Eingang mittlerweile noch ein gutes Stück gewachsen war.

Der Sturm hatte zumindest etwas nachgelassen und sie sollten es schaffen, das Shuttle zu erreichen.

Seyonn nahm seine Jacke ab und reichte sie Adams, dann traten die vier ins Freie.

,, Ich fürchte nicht.“ , antwortete Coel , während die Kälte wieder eine Eiskruste auf seiner Kleidung bildete.  ,, Die Artheraner haben alle getötet, die sie gefunden haben.“

,,Bastarde….“ In der Stimme schwang mehr als simple Ablehnung mit. Es war Hass. Nicht Wut wegen der getöteten Wissenschaftler. Coel Bericht hatte der Mann ohne eine Miene zu verziehen gelauscht.

Aber weshalb dann…

Coel blieb einen Moment stehen und musterte den Doktor.

,, Ich glaube nicht, das wir uns in dieser Hinsicht sehr von den Artheranern unterscheiden.“ , meinte er schließlich.

,, Ich frage mich sowieso  schon die ganze Zeit, wo die Stecken.“  , sagte Martin ,,Sind die vielleicht längst wieder verschwunden? Wäre ja wünschenswert…“

,, Ich bezweifle es.“ , erwiderte Seyonn. ,, Wenn sie eins können, dann sich tarnen. Jede Wette, das die uns längst Beobach…“

In diesem Moment, brach aus einer Schneewehe etwas hervor und schüttelte den Schnee von sich herunter.

Eine weitere Gestalt erschien aus dem Schnee, noch eine…

Coel zählte fünf. Fünf Artheraner, die die Waffen auf die kleine Gruppe gerichtet hielten.

Als die ersten Kugeln durch die kalte Luft peitschten warf Coel sich hinter eine Wand aus Eis in Deckung. Martin folgte seinem Beispiel und riss den Doktor mit sich.

Und Seyonn… war verschwunden. Coel konnte den Unity-Botschafter nirgends mehr entdecken.

Allerdings konnte sich darüber allerdings auch keine Gedanken mehr machen.

,, Ja Tarnung ist genau das richtige Stichwort“ , knurrte Martin, der sich

wieder halb geduckt aufrichtete und sich den Schnee abklopfte.

 Sie waren in der Unterzahl… und hatte nicht viel Munition.

Coel überprüfte die beiden Pistolen die er bei sich trug. Den Revolver und die Waffe des Sicherheitsbeamten. 23 Kugeln… Das würde nicht reichen. Nicht auf die Entfernung.

Kapitel 15 Patt

Coel verfluchte sich innerlich, als erneut eine Kugel  Zentimeter über seinen Kopf hinwegsauste und er Blind aus der Deckung zurückfeuerte. Soweit er das sagen konnte, hatte er bisher nur daneben getroffen. Das Magazin der gefundenen Pistole war bereits leer.

Die Situation erinnerte zu sehr an Artherium. An den Angriff auf die Orbital Kanone.

 

11 Jahre zuvor….

 

Sie hatten ihr Ziel bereits im Blick. Konnten aber nicht näher heran.

Coel fluchte, als ihm eine Kugel über den Kopf surrte.

Die Orbitalwaffe war auf einem Hügel etwas oberhalb der Landezone, oder  besser des Schlachtfelds, gelegen.

Eine graue, etwa zwei Meter lange Konstruktion aus Stahl, die den Himmel überwachte.

Auf dem Boden war die Kanone aufgrund der hohen Streuung nicht sehr nützlich. Man verletzte beinahe mit Sicherheit auch eigene Truppen.  Für Ziele im Himmel allerdings gab es hier freies Schussfeld. Die Artheraner hatten keine eigenen Schiffe und  waren wohl noch gut 100 Jahre vom ersten Fluggerät entfernt.

Zumindest hoffte Coel das.

Er sah wieder hinauf zu der Waffe. Mindestens ein Dutzend Artheraner, wenn nicht mehr, hatten sich um das Geschütz herum verbarrikadiert  und sie bereits am Fuß des Hügels unter Beschuss genommen.

Mittlerweile hatten sie sich bis auf hundert Meter an den Gipfel herangekämpft, aber nicht ohne Verluste.

Zwei Gestalten auf dem Weg hinab lagen reglos im rostfarbenem Sand und rührten sich nicht mehr.

Jetzt jedoch ging es weder vor noch zurück. Coel und seien verbliebenen Leute hatten hinter einigen Felsen Deckung bezogen und waren somit außer

Gefahr.

Wenn sie angriffen oder sich zurückzogen, wären sie allerdings sofort wieder unter Beschuss.

Er könnte einen Sturmangriff wagen, aber das schien alles andere als Angebracht. Selbst wenn er erfolgreich war, blieb wohl mindestens die Hälfte seiner Leute dabei auf der Strecke, wenn nicht alle.

Er wollte seien Leute nicht sinnlos ins Verderben führen.

Und Coel  wollte die Artheraner  nicht töten… nicht mehr, wenn es sich vermeiden ließ.

Das ganze hatte einen so surrealen Beigeschmack bekommen… das er nicht

mehr selbst Verstand was er eigentlich hier tat.

Auf der Horus schien er eine andere Person gewesen zu sein. Angst hatte er gehabt ja, aber auch Erwartung…

Jetzt jedoch ging es nur noch ums Überleben. Für beide Seiten.

Coel musterte seien Leute einzeln. Sie wären am liebsten  weggerannt, das konnte er sehen. Und er wäre vermutlich mitgelaufen.

Nur Martin, der Pilot  grinste breit.

,, Was ist so lustig ?“

,, Das ich eigentlich schon tot sein sollte.“ , rief dieser zurück.

Coel wusste nicht, was er davon halten sollte und sah wieder zur Gegnerischen

Stellung herüber.

Die magnetische Abschirmung machte einen Angriff aus dem Orbit unmöglich. Sonst hätte die Horus die Waffe einfach vernichtet.

Aber nicht vom Boden. Zumindest nicht auf die Entfernung.

Er winkte einen Mann herbei, der einen zusammenfaltbaren Raketenwerfer auf dem Rückentrug.

Aber sie brauchten freies Schussfeld…

Der Treffer müsste sitzen, sonst könnte das Magnetschild ihn doch noch ablenken. Und dazu brauchte er Gelegenheit zum Zielen.

Bevor er noch weiter darüber nachdenken konnte, tat sich etwas.

Gegenüber ihrem Felsen gab es eine weitere, steinige Senke.

Bevor Coel noch wusste, was vor sich ging Sprang ein Mann heraus, der sofort von den Artheranische Scharfschützen getötet wurde. Der Körper machte noch einen Satz vorwärts, bevor er regungslos liegen blieb.

Vier weitere Männer sprangen aus der Deckung und… Coel traute kurz seinen Augen nicht.

War das De Florez ? Tatsächlich war der Mann, der den vier folgte der Befehlshaber der Horus.

Was machte der Kommandant hier? Wenn er die Landung persönlich beaufsichtigen wollte, war das verständlich, aber selbst

anzugreifen das schien Wahnsinn. Es gab so schon kaum mehr  Organisation am Boden.

 Bevor sie die Senke auch nur halb verlassen hatten gingen die ersten drei GTDF-Soldaten  Getroffen zu Boden.

Der vierte strauchelte und lies sich zurück in die Deckung fallen, während De Florez nicht so viel Glück hatte. Eine Kugel surrte heran und traf ihn direkt zischen die Augen.

,, Verflucht.“

Einen Moment verstummte das Sperrfeuer nachdem De Flores im Staub zusammensank.

Jetzt oder nie dachte Coel und gab dem Mann mit dem Raketenwerfer ein

Zeichen, der sich sofort über den Felsen lehnte und zielte, während Coel und die anderen ebenfalls aus der Deckung auftauchten und das Feuer auf die Posten um die Orbitalwaffe eröffneten.

Einige Sekunden später zerstörte die Detonation einer Rakete  das Konstrukt und verwandelte die Artheranische Positionen in ein Durcheinander von verbogenem Metall und Feuer.

Soweit Coel sehen konnte, zogen sich die Überlebenden Verteidiger sofort zurück. Besser für sie und besser für Coels Leute, das würde ihnen weitere Kämpfe fürs erste ersparen.

,, Geben sie der Horus Bescheid, das der Weg frei ist.“ , sagte er.

Sie hatten es geschafft.

Eine Weile sah er einfach nur zurück über das Schlachtfeld unter ihnen. Coel fühlte keine Erleichterung, als sich der wolkenbedeckte Himmel sich Orange färbte.

Er konnte sehen wie eine der schweren Kampfplattformen in der Landezone aufschlug und sofort einen Feuersturm in Richtung der feindlichen Stellungen entfachte.

Ein Schwarm wärmesuchender Raketen zerfetzte eine Sanddüne und Ebnete das Umland ein.

Fliehende Schatten, die sich langsam aus dem Ödland zurückzogen.

Es hatte grade erst begonnen….

Coel zwang sich dazu, sich wieder zu konzentrieren. Das war nicht Artherium.

Die Artheraner hatten sich oberhalb eines gefrorenen Bergs aus Schnee verschanzt und erhielten so freies Schussfeld,

Coel und den anderen  hingegen blieb nichts anderes übrig, als zu versuchen aus der Deckung heraus einen Treffer zu landen.

Martin hatte etwas mehr Glück. Das Gewehr hatte eine eingebaute Zielhilfe. Alles was er tun musste war, kurz zu zielen und abzudrücken und der interne Computer erledigte den Rest.

Aber auch das Gestaltete sich bereits als schwierig, wenn man unter Dauerfeuer lag.

Wenigstens schien es, als hätten sie seit der Sturm nachgelassen hatte wieder Funkkontakt.

Coel versuchte Seyonn zu verständigen, aber der Unity-Abgesandte ignorierte ihn entweder, oder war außer Reichweite. Wusste der Teufel, wieso  oder wohin der sich plötzlich abgesetzt hatte.

Einer der Artheraner, eine weibliche Stimme, soweit er das einordnen konnte, rief etwas, das er nicht verstand.

,, Was zum Teufel war das grade ?“        ,fragte er in Richtung Adams.

,, Sie waren auf Artherium stationiert und kennen die Sprache nicht ?“

,, Ich hatte nicht wirklich viel Zeit mich zu unterhalten. Ich hab vielleicht ein

paar Beleidigungen aufgeschnappt.“

,,Großartig. Also wenn ich das richtig verstanden habe wollen die, dass wir uns ergeben. Oder sie haben uns grade zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Das ist allerdings höchstwahrscheinlich Wunschdenken meinerseits.“

,, Sie haben schon wieder Humor Herr Doktor ?“ , fragte Martin. ,, Den Kaffee würde ich nicht ausschlagen.“

,, Eigentlich gar keine schlechte Idee.“ Einen Versuch war es Wert, dachte Coel. Und ansonsten sah er nicht, wie sie hier wieder rauskommen sollten. Die Kronos um Unterstützung zu beten würde zu lange dauern. Bis ein Team den Planeten erreichte wären sie möglicherweise

längst Schweizer Käse.

,, Sie wollen das wir uns ergeben ?“ , fragte Martin.

,, Sie nicht.“ Er reichte Adams den Revolver.,, Nur ich.“

,, Sie sind verrückt.“ , erklärte der Doktor.

,, Ein wenig. Aber wenn das funktioniert, kommen wir hier vielleicht noch mal Leben raus.“

,, Coel, was haben sie vor ?“ , wollte Martin wissen.

,, Seht zu und lernt.“ Er stand hinter der Deckung auf. ,, Ich ergebe mich.“

Wieder rief einer der Artheraner etwas, dass Coel nicht verstand. Aber er konnte es sich denken.

,, Was hat er gesagt ?“ , fragte er trotzdem Sicherheitshalber in Richtung Adams.

,, Sie sollen Rüberkommen.“

,, Na wenigstens verstehen sie mich offenbar.“

Coel trat vollständig hinter der Wand aus Eis hervor, die ihnen bisher als Deckung gedient hatte. Während er langsam die Hände über den Kopf nahm aktivierte er das Funkgerät. Es war ein Risiko, aber wenn alles gut ging, wäre gleich alles vorbei.

Das heißt, wenn er es lebend bis zu den Artheranern schaffte. Nachdem zu Urteilen was mit den Wissenschaftlern in der Station passiert war, musste er damit

rechnen jeden Moment einfach erschossen zu werden.

Innerlich stellte er sich bereits darauf ein.

Aber nichts dergleichen Geschah. Kein plötzliches Aufblitzen, kein letzter Moment, in dem er wusste, dass er sich Falsch entschieden hatte.

Er erreichte die vereiste Schneedüne und begann den Aufstieg. Es war nicht wirklich weit, aber die Angst schien den Weg in die Länge zu ziehen.

Was er vorhatte war mehr als gewagt. Vielleicht war es tatsächlich Wahnsinn, aber wenn es eine Möglichkeit gab sie hier alle, einschließlich  der Artheraner, lebend weg zu bringen, musste er es

versuchen.

Coel atmete erst erleichtert auf, als er schließlich den Kamm erreichte. Sofort richteten sich sämtliche Waffen auf ihn. Coel nahm sich einen Moment Zeit, die Gesichter, die Waffen und die Umgebung zu studieren.

Der Blick von oben verriet ihm nichts, was er nicht schon wusste. Sie saßen in der Falle.

Sobald Adams oder Martin einen Schritt aus der Deckung machen würden, wäre das ihr Ende.

Aber wenn sein Plan aufging, würde das auch nicht mehr nötig sein.

Die Gesichter sagten ihm ebenfalls nichts. Falls er einem der anwesenden

Artheraner auf Artherium begegnet war, so erinnerte er sich nicht daran.

 Sowieso, war es schwierig aus ihren Gesichtern auch nur das Geringste Herauszulesen.  Es war unmöglich auch nur Vermutungen über ihre Gedankengänge anzustellen.

Das war allerding auch nicht wütend, selbst wenn er die Sprache nicht verstand, die Emotionen ließen sich doch mehr als eindeutig aus den Stimmen herauslesen.

Und die waren klar durch eine Emotion geprägt. Hass.

 

Es waren drei Männer und zwei Frauen, was er allerdings ebenfalls anhand der

Stimmen abschätzen musste. Alle fünf trugen nämlich genug Jacken und Mäntel übereinander, dass man damit wohl eine ganze Einheit hätte ausrüsten können. Und unter den schweren Jacken konnte er Kevlar und Keramik-Panzer erkennen.

Noch etwas, das sie wohl von der GTDF übernommen hatten. Das Militär hatte auf Artherium so viel Ausrüstung an die Artheraner verloren, das diese schnell gelernt hatten, diese nachzubauen.

Allerdings, überlegte er, verfügten die Artheraner wohl nicht über Spezialgewebe, wie es für die Thermojacken verwendet wurde, wie Martin und er sie trugen und die einen trotz des geringen Gewichts noch selbst

bei den arktischen Temperatur halbwegs warm hielten.

Die Waffen wiederum waren von einem Coel nicht bekannten Typ. Der Aufbau erinnerte ihn zwar, an die Standard-Waffen wie sie die GTDF auf Artherium eingesetzt hatte, allerdings waren definitiv Modifikationen daran vorgenommen worden. Möglicherweise hatten die Artheraner sie ja selbst gefertigt? Ganz unwahrscheinlich war das nicht, immerhin hatten sie schon auf Artherium bewiesen, dass sie neue Technologie in kürzester Zeit verstehen und anwenden konnten. Und um hierhergekommen zu sein, musste mindestens einer der Fünf verstehen, wie

man ein Raumschiff flog und einen Kurs bestimmte…

Einer der Artheraner flüsterte eine Beleidigung, die Coel sogar verstand.

,, Hey. Das is nicht nett.“

Offenbar Verstanden sie tatsächlich  zumindest was er sagte. Vielleicht sprachen ein paar sogar Englisch. Für ihn war das nicht wichtig. Nur verstehen mussten sie ihn.

Er überprüfte ob das Funkgerät noch sendete. Zeit das zu beenden.

,, Also meine Damen und Herren… ich darf nur sagen… Ägir hier Coel, Feuer  eröffnen auf meine Position sobald ich es sage.“ Die Artheraner zielten sofort wieder auf ihn.

,, Was zur Hölle ist los….Sind sie  verrückt.“ , hörte er die Stimme des Kapitäns über Funk.

,, Ein wenig.“ , erwiderte er. ,, Und wir haben Besuch, das ist los.“

Die Artheraner, offenbar unsicher darüber, was vor sich ging, hielten Abstand.

,, Coel ihnen ist klar, dass wir auf ihr Funksignal zielen müssen ? Sie sind tot, sobald sie Feuerbefehl erteilen.“ , hörte er Grace Stimme.
,, Das wird hoffentlich überhaupt nicht nötig sein.“ , erwiderte er. ,, Wenn doch, bin ich wahrscheinlich ohnehin tot, egal was passiert.“

Er wendete sich wieder der Gruppe der

Fünf Artheraner zu, die weiterhin allesamt die Waffen auf ihn gerichtet hielten.

,, Also, für alle, die die Situation nicht verstehen. Ich habe ein Schlachtschiff da oben. Und sobald ich es sage, verwandeln die Geschütze davon  alles im Umkreis von ein paar Kilometern in Asche.“

,, Dann sterben auch sie.“ , sagte einer der Artheraner in fehlerfreiem Englisch.

,, Mag sein. Eine Pattsituation.  Oder wir sind alle vernünftig und beruhigen uns wieder. Wir sind nicht mehr im Krieg und wir müssen hier raus keinen schlimmeren diplomatischen Zwischenfall machen als es schon ist.

  Ich will nichts als freien Abzug für mich und meine Leute.“  Und ein paar Antworten, wenn möglich. Er sah sich langsam  um, um sicherzugehen, dass jeder Verstand, was er sagte.  ,, Dann stirbt niemand und wir alle kommen sicher nach Hause.“

In diesem Moment geschah es.

Einer der Artheraner reagierte über und holte mit dem Gewehrkolben aus um Coel bewusstlos zu schlagen. Ein anderer Versuchte ihn noch zurückzuhalten, wurde aber abgeschüttelt.

Coel reagierte automatisch, ohne nachzudenken.

In einer fließenden Bewegung tauchte er

unter dem Angriff durch. Er hatte keine Waffe um sich zu Verteidigen und schlug mit der bloßen Faust zu.

 Normalerweise hätte ihm diese Reflexreaktion die Hand gebrochen.

Die Kampfpanzer waren darauf ausgelegt selbst einem Messerstich standzuhalten.

Aber etwas stimmte nicht. Der Schlag schleuderte den Artheraner fast einen Meter weit, wo er regungslos liegenblieb. Verwirrt starrte Coel auf seine linke Hand, während sich alle Waffen erneut auf ihn richteten. Was war das grade gewesen? Die silbrigen Fäden unter seiner Haut schienen kurz aufzuglühen nur um sofort wieder zu verblassen.

Die Verwirrung wich sofort der Erkenntnis, dass die Chance für eine friedliche Lösung damit grade verraucht war.

Die vier verbliebenen Artheraner zogen die Abzugsbügel ihrer Waffen durch. Zu Coels Überraschung, blieb er am Leben.

 Die Waffen wurden den vier ohne Vorwarnung  aus der Hand gerissen und in die Höhe geschleudert.

Einer wurde von etwas, das Coel nicht sehen konnte mit solcher Gewalt zu Boden geworfen, dass er die Knochen im Körper der Gestalt brechen hören konnte.

Die anderen drei sahen sich nach dem neuen Angreifer um und auch Coel

suchte nach seinem Retter, der wie er wusste nur einer sein konnte.

Seyonn schien aus dem nichts wieder aufgetaucht zu sein. Nicht einmal Coel hatte bemerkt wie der Botschafter im Rücken der kleinen Gruppe aufgetaucht war.

Ruhig stand er da und ersetzte grade eine Energiezelle seiner Waffe.

,,Ich bin Seyonn von der Unity. Diese Menschen stehen unter meinen Schutz. Ergebt euch und ich verspreche euch euer Leben.. Greift  an und sterbt wie eure Gefährten.“ , erklärte er.

Die drei verbliebenen, jetzt unbewaffneten Artheraner , zögerten einen Moment beim Anblick des

Fremden, traten dann aber den Rückzug an und rannten über den Schnee davon.

Seyonn hielt sie nicht auf.

,, Warum lassen sie sie entkommen ?“ , wollte Coel wissen, der die kurze Distanz zwischen Seyonn und ihm mit einem Hechtsprung überbrückte.

,, Ich werde mich nur soweit einmischen, wie nötig.“ , erklärte er, während Martin und der Doktor nun ebenfalls den Hang hinauf kamen.

,, Hinterher, ich will wissen, was die hier zu suchen hatten.“ , rief Coel, als auch schon ein seltsames tiefes dröhnen an seine Ohren drang.

Er stand immer noch auf dem gefrorenen Überhang und konnte die Landschaft

unter sich überblicken… aus der sich jetzt ein Schiff löste.

Die Artheraner mussten den kleinen Transporter wohl mit Schnee getarnt haben, oder der Sturm hatte das vorhin für sie erledigt. . Jetzt jedoch startete das Gefährt und die Tarnung wurde davon herabgeschleudert. Wieder fühlte Coel sich an die Schiffsmodelle der GTDF erinnert, aber wiederum gab es kleinere Unterschiede, die darauf hindeuteten, dass die Artheraner das Schiff entweder selbst gebaut oder zumindest modifiziert hatten.

Martin , der sofort losgelaufen war, als die Artheraner sich zurückzogen, erreichte den Gipfel es des Hügels und

sah dem Startendem Shuttle nach.

,, Die holen wir nicht mehr ein.“ ,stellte er resigniert fest.

,, Bin nicht unbedingt traurig darüber.“ , meinte Adams.

,, Kann ich verstehen.“ , erwiderte Seyonn und lenkte damit Coels Aufmerksamkeit wieder auf ihn.

,, Wo zum Teufel waren sie ? Wegen ihnen entkommen sie uns jetzt und wir werden nie erfahren, was sie wirklich hier wollten.“
,, Nun offensichtlich Herrn Adams. Und um ihre andere Frage zu beantworten, ich habe mir die Freiheit genommen das Schiff der Artheraner zu suchen. Dasselbe, das da eben wegfliegt und…“

Er zuckte mit den Schultern. Coel entging nicht, das sich so etwas wie ein boshaftes Grinsen auf das Gesicht des Unity-Botschafters geschlichen hatte.

,, Sehen sie selbst.“ , meinte er schließlich nur.

Das Transport –Shuttle war fast außer Reichweite, als sich plötzlich etwas veränderte.

Eine Stichflamme, die selbst aus der Entfernung noch in den Augen brannte. Das Schiff geriet ins Taumeln und langsam, wie in Zeitlupe gewann die Schwerkraft des Planeten die Oberhand über die verbliebende Schubkraft.

Coel sah mit wachsendem schrecken zu. Wenn das Shuttle jetzt fast außer

Sichtweite war.. befand es sich in etwa Zehn Kilometer Höhe… und das bedeutete, wenn er von Erdschwerkraft ausging…

,, Den Aufprall wird keiner Überleben.“ , stellte er entsetzt fest, während er auf das immer schneller fallende Transport-Schiff starrte.

,,Vielleicht doch.“ , erwiderte Seyonn. ,, Sehen sie.“

Die Artheraner mussten einen verdammt guten Piloten haben. Der Transporter stabilisierte sich kurzeitig wieder und stürzte nicht mehr haltlos nach unten, sondern setzte  in einem flachen Anflugwinkel auf dem Boden auf.

Die Geschwindigkeit war trotzdem viel

zu hoch. Schnee und Eis wurden weggeschleudert, als das Schiff über die Landschaft pflügte.

Eine Wand aus kristallklarem Eis zersprang , während das Schiff hindurchraste und noch immer wurde es nicht langsamer.

Irgendwann, gefühlte Stunden später, kam der verbeulte und brennende Klotz aus Stahl doch zum Stehen.

Graue  Rauchwolken stiegen von der Absturzstelle auf und eine Spur aus aufgerissener Erde zog sich von dem Punkt, an dem das Schiff zum ersten Mal den Boden berührt hatte, bis zu dem Punkt, an dem es letztlich zum Stehen gekommen war.

,, Sehen wir nach ob jemand überlebt hat, los.“ , wies Coel sie an.

,, Ich hoffe, die hatten keine Waffen mehr in dem Shuttle. Sonst könnten wir Probleme bekommen wenn.“ , bemerkte Martin.

,, Wie viele Magazine haben sie noch ?“ , wollte Adams wissen.

,, Magazine ? Ich hab noch genau drei Kugeln für das Gewehr und die Pistole…“ Er nahm Adams den Revolver weg und überprüfte die Trommel. ,, Sieht auch nicht besser aus.“

,, Seyonn, wie sieht es bei ihnen aus ?“ , fragte Coel.

Zu Antwort entfernte der Unity-Botschafter den kleinen Quader aus der

Waffe. Das Licht im Innern war so gut wie erloschen. ,, Kaum Energie mehr. Ich kann die Zellen zwar auf der Kronos wieder aufladen, aber vorerst, bin ich unbewaffnet.“

,, Toll, hoffen wir einfach, das niemand am Leben geblieben ist.“

Coel sah zu Adams herüber. ,, Der Gedanke scheint sie zu freuen ?“

,, Nein… natürlich nicht… gehen wir einfach ja ?“ Der Professor hatte seine  Brille abgesetzt und sah zu dem brennenden Wrack herüber.

Coel nickte. Fürs erste würde er es dabei beruhen lassen. Aber wenn sie zurück auf die Kronos kamen, würde Adams ihm so oder so einige Fragen beantworten

müssen. Dafür waren sie schließlich ursprünglich hierhergekommen.

Er musterte den Mann einen Moment stumm. 10 Jahre… und nun stand er dem Verantwortlichen wirklich gegenüber.

Ja, er spürte eine altbekannte Wut in sich, die er aber sorgfältig unterdrückte, bis sie verstummte und nichts zurückblieb. Nur seine  eigenen Fragen.

Aber so wie das aussah, müssten diese noch ein paar Stunden auf sich warte lassen. Das Shuttle war fast zwei Kilometer vom dem gefrorenem Hang und der Station entfernt gelandet. Sie würden wohl eine Weile brauchen, um das Wrack zu erreichen.

Kapitel 16 Rettungsversuch

Das abgestürzte Transportschiff hatte schon aus der Entfernung einen Mitgenommenen Eindruck gemacht. Aber erst aus der Nähe offenbarte sich der ganze Schaden, den der Aufprall angerichtet hatte.

Die Außenhülle war stellenweise einen halben Meter weit eingedellt, oder völlig zerfetzt worden, so das darunter liegende Skelett aus Stahlstreben und Kabeln frei lag. Funken sprühten aus einigen losen Verbindungen und Flammen schlugen hier und da aus dem Wrack, die selbst der eisige Wind, der über die Ebene wehte nicht löschen konnte. Der

Jahrtausende alte Schnee um das Schiff begann zu schmelzen, so dass es langsam zur Seite absackte. Es konnte praktisch jeden Moment umstürzen.

 Die Triebwerke des Shuttles  lagen als Trümmerfeld hinter dem Schiff verstreut. Seyonn hatte sich, bevor das Schiff abflog an der Treibstoffregulierung zu schaffen gemacht was dazu führte, das die Wasserstofftanks des Shuttles sich auf einmal entleerten, wie er ihnen auf dem Weg hierher erklärt hatte.

Die darauf folgende Explosion hatte das Shuttle zum Absturz gebracht.

Als Brennstoff  für den normalen Betrieb diente fast sämtlichen Schiffstypen

Wasserstoff, der gleichzeitig auch in Brennstoffzellen  zur Stromgewinnung genutzt wurde.

Und zwar aus einem sehr einfachen Grund: Eines der größten Probleme bei interstellaren Reisen stellte die Treibstoffversorgung da. Wenn man auf synthetische Mittel zurückgriff, wie etwa Kerosine, ergab sich die Schwierigkeit, dass man nicht einfach mitten im Nichts die Reserven auffüllen konnte. Man wäre abhängig von Stationen auf Planeten und sollte der unglückliche Fall eintreten, dass einem der Treibstoff ausging, säße man fest.

Wasserstoff hingegen, war das  am häufigsten vorkommenden Element im

Universum. Man fand ihn praktisch überall. Als Brennstoff der Sterne ,  in Staubwolken oder frei im Raum. Am einfachsten jedoch war die Gewinnung aus Gasgiganten wie beispielsweise der Jupiter im Sonnensystem der Erde. Diese Giganten bestanden fast zu 90% aus reinem Wasserstoff. Die wenigen Verunreinigungen, meist Spuren von Helium und anderen Edelgasen, die sich noch darin befanden, konnten ohne größere Probleme an Bord eines Schiffes ausgefiltert werden.

Somit war eine fast unbegrenzte Treibstoffversorgung gewährleistet.

Allerdings mit einem Nachteil. Wasserstoff war sehr reaktiv und ein

Treffer der die Tanks beschädigte würde in einer Schlacht normalerweise den Untergang eines Schiffs bedeuten.

Doch selbst dafür hatte sich eine Lösung gefunden, die so simpel wie genial war. Um zu reagieren, brauchte Wasserstoff Sauerstoff… Also wurden die Tanks zwar noch innerhalb der Hülle eines Schiffs, aber in einem abgesonderten Bereich außerhalb der mit Sauerstoff versorgten Schiffsdecks.

Auf einem Planeten mit Sauerstoff-Atmosphäre freilich nützte auch das nichts, wie man kaum übersehen konnte.

Es war ein Wunder, das der wer auch immer diesen Schrotthaufen geflogen hatte, überhaupt noch hatte landen

können.  Dem musste er Respekt zollen.

,, Vielleicht sollten wir den Piloten einstellen wenn er noch lebt..“ , meinte Coel scherzhaft , während er versuchte die Einstiegsluke des   Transporters zu öffnen.

,, Was ? Wollen sie damit sagen, ich könnte nicht fliegen?“ , wollte Martin wissen.

,, Nun, als wir das Geschütz ausschalten wollten…“ , begann er.
,, Was ? Der Anflug war in Ordnung.“

,, Bloß wären wir Abgeschossen worden, wenn die Kronos nicht getroffen hätte.“ , erinnerte ihn Seyonn.

,, Geschütz ?“ , wollte Adams wissen. Offenbar war die Waffe erst installiert

worden, nachdem er hier in Stase versetzt worden war. Vielleicht ja sogar grade deswegen ? Noch eine Frage, die erst  Cain ihm würde beantworten können.

,, Na ja, die Isaari-Station hatte eine Abwehrwaffe…“

,, Die uns fast vom Himmel geholt hätte.“ , ergänzte Coel, der sich noch immer mit der Tür abmühte.

Offenbar war die gesamte Elektronik des Schiffs hinüber und somit auch der Mechanismus der Tür.

Die schwere Luke war ohne Werkzeug nicht mehr zu öffnen.

Er erinnerte sich daran, wie er den Artheraner mit einem Schlag

ausgeschaltet hatte.

Noch immer versuchte sein Verstand zu verstehen, was genau geschehen war. Natürlich musste es dafür eine Erklärung geben. Und ihm war klar, dass es etwas mit seinem Implantat zu tun hatte. Möglicherweise hatte Seyonn mehr getan, als einige tote Nerven wiederherzustellen.

Bisher hatte er den Unity-Botschafter nicht damit konfrontiert. Coel hatte sich eigentlich vorgenommen, alles Wichtige zu besprechen, wenn sie wieder auf der Kronos waren. Aber das… machte ihm Sorgen. Bevor er jedoch Gelegenheit hatte das Thema anzusprechen ging ein Ruck durch das Wrack des Schiffs und

es neigte sich plötzlich zur Seite. Der durch die Hitze der Feuer langsam auftauende Permafrostboden konnte dem tonnenschweren Gewicht nicht mehr standhalten.

 Coel sprang zurück, als der Transporter in seine Richtung umstürzte.

Martin hatte weniger Glück und wäre sicher von dem in Bewegung geratenen Shuttle mitgerissen worden, hätte Adams ihn nicht mit sich zu Boden geworfen.

Langsam kam der Transporter wieder zum Liegen  , jetzt jedoch auf dem Kopfstehend. Einige weitere Platten der Außenhülle hatten sich gelöst.

,, Verflucht, das war knapp.“ , bemerkte Martin, der sich wieder aus dem Schnee

aufrappelte.

,, Was sie nicht sagen.“ Coel besah sich das Wrack erneut. Offenbar befand sich an der Unterseite des Transporters, die jetzt freilich die Oberseite bildete, eine weitere Einstiegsluke. Wohl für Wartungszwecke. ,, Aber ich glaube, jetzt kommen wir zumindest ins Innere. “  , erklärte er und kletterte als erster nach oben. Das Wrack schwankte erneut auf dem sich langsam auflösenden Untergrund, hielt aber stand. Noch. Er bezweifelte allerdings, dass dies so bleiben würde, noch dazu mit dem Gewicht von drei weiteren Personen. Eine weitere hingegen könnte das Shuttle vielleicht noch aushalten

,,  Martin, kommen sie hier hoch. Langsam, wir wollen nicht das das Schiff sich nochmal Überschlägt. Seyonn, sie und Adams  bleiben unten, kontaktieren sie Ägir.  Wenn es Überlebende gibt, brauchen wir hier ein Shuttle, möglicherweise mit einem Ärzteteam.“

Der Abgesandte der Unity nickte. ,, Viel Glück.“

Martin versuchte derweil zu Coel zu gelangen. Das heraufklettern selbst war nicht das Problem, zahlreiche Streben boten mehr als genug halt,  aber bei jedem Schritt schien sich das instabile Schiff etwas mehr zu neigen.

Coel rechnete jeden Moment damit, dass

es vollends aus dem Gleichgewicht geriet und umstürzen würde und wollte Martin schon sagen, er solle wieder zurückgehen. Notfalls würde er das auch alleine schaffen.

Bevor er jedoch dazu kam, war der Pilot auch schon oben.

Das Wrack schwankte einen Moment, dann kam es wieder zur Ruhe.

Erleichtert besah sich Coel die Luke. Diese war nicht mit einem elektronischen Mechanismus verschlossen und ließ sich, wenn auch mit einiger Anstrengung, öffnen.

Eine Leiter führte hinab in das Innere des Transporters, das trotz des äußeren Zustands halbwegs unbeschadet zu sein

schien.

Durch einige Risse in der Hülle war Schnee in das Schiff getrieben worden.  Einige verirrte Lichtstrahlen aus eben diesen Lücken  und das flackern mehrere ausgefallener Bildschirme waren die einzigen Lichtquellen.

Martin schaltete eine Taschenlampe ein und suchte die Gegen ab.  Es war etwas Gewöhnungsbedürftig, dass der Innenraum auf dem Kopf stand. Über ihnen an der Decke befanden sich mehrere Sitzbänke. Coel zählte schnell durch und schätzte die Kapazität des Gefährts auf etwa 20 Personen. Von denen sich drei noch immer hier befinden mussten.

Der erste Artheraner den sie fanden war tot.

Die Leiche hing, noch mit Gurten gesichert  auf einer der Sitzbänke.

Coel überprüfte rasch, ob noch Atmung vorhanden war. Den Puls konnte er schlecht überprüfen, da er nicht einmal gewusst hätte, wo er danach suchen sollte. Auch wenn das Aussehen der Artheraner Humanoid war, die Physiologie war  nicht vollkommen gleich.

Als die Menschheit damit begonnen hatte, ihre kleine Ecke des Universums zu verlassen und sich auf andere Sternensysteme auszubreiten, war schnell klar, dass es  irgendwann

zwangläufig zu einem Erstkontakt kommen musste. Schon die ersten Planeten mit niederem Pflanzen und  Tieren hatten das bewiesen.

Somit war die Frage, nach dem Aussehen von eventuellem intelligentem Leben aufgekommen.

Allgemein gab es zwei Theorien.

Die eine besagte, das sich Außerirdische it hohem Intellekt generell Humanoid gestalten würden, da gewisse körperliche Merkmale  zum Beispiel  Hände oder zumindest Greifwerkzeuge absolut erforderlich waren um komplexere Aufgaben zu erfüllen.

Somit war auch ein aufrechter Gang wahrscheinlich und da sich zumindest

für erdähnliche Bedingungen das Konzept fünf Sinne, Gehör-, Geruch-, Tast-, Seh- und Geschmack, sich als am Vorteilhaftesten erwiesen hatte, würde sich unter ähnlichen Bedingungen wieder dieselbe Evolutionäre Bahn herausbilden. Weil zusätzliche Sinnesorgane nützlich waren  und es Vorteile bringt, wenn diese oben am Körper und nahe am Gehirn angeordnet sind – beispielsweise ermöglicht dieser Körperbau kurze Reaktionszeiten – dürfte auch dies auf nichtirdische Intelligenzen zutreffen.

 Auch würde Leben auf erdähnlichen Planeten wohl in jedem Fall ebenfalls auf einer Kohlenstoff-Chemie basieren.

Zumindest die Artheraner schienen diese

Theorie zu bestätigen. Die Unity hingegen, konnte man dafür schlecht als Beispiel anführen, da niemand wirklich wusste, wie diese in ihrer ursprünglichen Form ausgesehen hatten.

Die zweite Theorie ging in genau die entgegengesetzte Richtung. Da die Evolution nicht voraussehbar sei und sich Leben durchaus auch auf nicht erdähnlichen Planeten entwickeln könnte, durfte man nicht davon ausgehen, etwas Menschenähnlichen gegenüber zu stehen. Vermutlich ließe sich ein außerirdisches Lebewesen nicht einmal in das Tierreich der Erde einordnen.

Und tatsächlich müssten diese Lebewesen nicht einmal auf Kohlenstoff

basieren. Auf Planeten mit höherer Temperatur wäre sogar eine Körperchemie auf Schwefel, oder im Extremfall sogar Silizium-Basis möglich.

Für diese Theorie gab es ebenfalls einen Lebenden  Beleg.

Vor einigen Jahren war man auf die Tariden gestoßen. Eine ziemlich seltsame Spezies, die sich am besten wohl noch mit Insekten vergleichen ließ. Aber ansonsten, gab es keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mit irdischen Lebewesen.

Coel selbst war nie einem begegnet und soweit er das aus berichten wusste, waren Begegnungen sowieso eher selten. Diese Wesen besaßen einen den

Menschen durchaus ebenbürtigen Entwicklungsstand und Einflussgebiet , aber soweit es möglich war, gingen sich die beiden Imperien aus dem Weg. Das Universum war große genug.

Er schüttelte die Gedanken ab und konzentrierte sich wieder auf den eigentlichen Grund ihres Hierseins.

,, Sie glauben wirklich, das noch jemand lebt ?“, fragte Martin, als sie sich von dem Toten abwendeten.

,, Ich hoffe es. Ich meine, das hier ist doch kein Zufall. Genau an dem Tag, an dem wir auftauchen entschließen sich die Artheraner plötzlich,  den Mann zu suchen, der ihren Planeten auf dem Gewissen hat?“

,, Es gibt durchaus Zufälle, Coel.“

,, Nicht solche.“ , erklärte er und suchte kletterte über einige herabgefallene Kisten. Einer der Behälter war aufgesprungen und Coel warf einen kurzen Blick ins Innere.

Waffen. Drei Sturmgewehre der Machart, wie sie die Artheraner beim Angriff auf die Isaari-Station benutzt hatten. Wen sich in den anderen Kisten ebenfalls Waffen und Munition befanden., dann mussten die Artheraner sich auf einen kleinen Krieg eingestellt haben. Er überlegte kurz und nahm dann eine der Waffen mit. Das Magazin war voll.

Der zweite Tote den sie fanden, lag auf

dem Boden. Offenbar war sie, die Gesichtszüge interpretierte Coel ganz klar als feminin, aus dem Sitz des Piloten geschleudert worden.

Als er wie bei dem anderen die Atmung überprüfte, schreckte er zurück.

,, Sie lebt noch.“ ,stellte Coel überrascht fest. Aber drei Artheraner waren ihnen entkommen und bisher gefunden hatten sie zwei.

,, Ganz richtig  aber ihr nicht mehr lange.“ , hörte er eine Stimme, die er kannte. Der Artheraner, der ihm auf der Eisklippe darauf hingewiesen hatte, dass auch er sterben würde, sollte er der Kronos Feuerbefehl erteilen, Der Mann  tauchte hinter einem Haufen

übereinander gefallener Kisten auf. Coel sah noch kurz das aufblitzen von Mündungsfeuer, als er sich gezwungener Maßen zu Boden warf um dem Kugelhagel zu entgehen.

Ein Geschoss streifte ihn trotzdem und hinterließ eine offene Wunde an seinem Arm. Nichts ernstes, aber es würde ihn behindern.

Martin war ebenfalls in Deckung gegangen und versuchte nicht getroffen zu werden.

Mit einem Ruck geriet das ganze Schiff erneut in Bewegung. Der Boden unter ihren Füßen neigte sich zur Seite.

 Coel musste einem herabfallenden Metallteil ausweichen.

,, Sie müssen da raus.“ , hörte er Adams Stimme von draußen . ,, Das ganze Ding kippt zur Seite.“

,,Das ist mir auch schon aufgefallen glauben sie mir.“

Der Artheraner, der auf sie geschossen hatte war umgeworfen worden und hatte seine Waffe verloren. Das Stück Metall, dem Coel vorher ausgewichen war, hatte ihn eingeklemmt.

,, Martin, holen sie die Artheranerin hier raus, ich hole den anderen.“

,, Der wollte uns grade umbringen.“ , rief Martin ihm zu.

,, Ich weiß, ich lasse hier trotzdem niemanden zurück.“

,, Ich hoffe sie wissen, was sie tun.“ ,

meinte  er, während er die reglose Gestalt aufhob.

Ein Funkenregen aus einer zerstörten Stromleitung blendete Coel kurz.

Er drehte sich noch einmal nach Martin um, welcher  grade aus der Dachluke verschwand.

Dann suchte sich einen Weg durch die in Bewegung geratenen Trümmer bis zu dem Artheraner.

Das scharfkantige Metall hatte ihn geradezu festgenagelt und eine sich ausbreitende Blutlache zeigte Coel, das ihm nicht viel Zeit blieb.

,, Was wollen sie ? Ich bin bereits tot.“

,, Nicht unbedingt.“ , erklärte er.  Wir können ihnen helfen…“ Er ließ Coel nicht

ausreden.

,, Sparen sie sich das.“ Der Artheraner zog schwerfällig eine Pistole und richtete die Waffe auf Coel.

,, Meine Leute sind alle tot, wegen ihnen. Also tun sie nicht so, als würden sie helfen wollen.“

,, Sie werden dafür bezahlen,  früher oder später…“

,,Wartet,  Ich habe nur…“

Coel bereitete sich darauf vor von einer Kugel getroffen zu werden. Ein lauter Knall, ein Lichtblitz und…

Er blinzelte.

Der Artheraner hatte die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Die Pistole fiel ihm aus der Hand.

Coel wendete sich ab, als erneut ein Ruck durch das Wrack ging.

Er kämpfte sich zurück bis zur Leiter und kletterte nach draußen, kurz bevor die Überreste des Transporters endgültig zur Seite kippten.

Mit einem Sprung  landete er im kalten Schnee und blieb einen Moment einfach nur liegen.

Das Schiff hinter ihm war halb im aufgeweichten Boden versunken.

,, Ales in Ordnung ?“ , wollte Martin wissen.

Coel nickte nur, während er sich langsam aufrichtete. Durch die Wolkendecke brach in diesem Moment eines der Shuttles der Kronos und setzte

zum Landen an.

,, Ich werde nur langsam zu alt für so was.“ , meinte er.

Kapitel 17 Besprechungen

Der Wunde an seinem Arm, die er vorher kaum gespürt hatte, brannte sich plötzlich zurück in Coels Gedächtnis.

Er zog den Arm zurück, denn er mehr Gedankenverloren ausgestreckt hatte.

Während Seyonn die Implantate überprüfte saß Coel am Schreibtisch und ging einen Bericht durch, den HAL zusammengestellt hatte. Eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse auf Isaari und  eine Liste mit Gegenständen und Ausrüstung die einige Suchtrupps später aus der Forschungsanlage geborgen, oder die sie bei den Artheranern  gefunden hatten

Jeder der fünf hatte offenbar neben den Feuerwaffen  ein Messer getragen. Seltsam, würde doch die einfachste Panzerung davor Schutz bieten. Vielleicht rituelle Waffen…

Er zuckte wieder zusammen.

,, Entschuldigen sie, das war genau der  Nerv, ich überprüfe nur, ob das Implantat beschädigt wurde.“ , erwiderte Seyonn, der sich wieder mit einem Scanner an dem Streifschuss an Coels Arm zu schaffen machte. Zwar gab es einen Arzt an Bord, aber einen Kybernetik-Experten gab es nicht. Somit musste der Unity-Botschafter diesen Teil übernehmen.

,, Sie sagten doch es sei regenerativ?“ ,

wollte Coel wissen. Seyonn hatte ihn auf der Erde erklärt, das die Implantate in seinem Arm und seinem Bein sich mithilfe von Eisen und anderen Spurenelementen, die sie aus Coels Blut zogen in gewissen Rahmen selbst warten würden.

,, Ihr Körper kann so viele Mineralien nicht bereitstellen, das sind immerhin nur  Spurenelemente, wir reden als von Mengen im Milligramm-Bereich.  Für kleinste Beschädigungen reicht das, bei größeren, muss man von außen Arbeiten. Oder sie müssten ihren Ernährungsplan auf verrostete Nägel umstellen.“

,, Sehr witzig.“

,, Das war kein Witz. Lediglich eine

Feststellung.“ Seyonn beendete seine Arbeit. ,, So gut wie neu. Sie haben Glück, dass keine der künstlichen Nervenbahnen beschädigt wurden. Das hätte bedeutet, wir müssten sie wieder zusammenflicken.“

Er wendete sich zum Gehen. ,, Wenn sie mich entschuldigen.“

,, Eins noch.“ , Coel hielt ihn auf.,, Auf Isaari ist etwas sehr seltsames passiert. Ich habe die Panzerung eines Artheraners mit der bloßen Hand zertrümmert. Gibt es irgendetwas, das sie mir darüber erzählen möchten?“

,, Vielleicht ein Fabrikationsfehler ?“ , meinte Seyonn.

Coel hatte genug. ,, Verdammt noch mal,

für wie blöd halten sie mich ? Selbst bei einem Fehler in der Panzerung, kann man so etwas nicht mit der bloßen Hand durchdringen.  Die Aramide oder Kevlarfasern sind darauf ausgelegt Granatsplittern standzuhalten. Also entweder, sagen sie mir, was los ist oder eben nicht, aber tun sie nicht so, als würden sie es nicht wissen.“

Seine Stimme war lauter geworden al er es beabsichtigt hatte und er trat ein paar Schritte von dem abgesandten der Unity zurück.

,, Entschuldigen sie. Isaari steckt mir noch in den Knochen. Der Artheraner in dem Schiffswrack…“

,, Hat sein Schicksal selbst gewählt. 

Das ist nicht jedem von uns gegeben. Und sie haben Recht, ich sollte ihnen die Wahrheit sagen.“  Seyonn schien sich einen Moment im Raum umzusehen

Der Blick des Abgesandten blieb einen Moment an dem Bild mit den geometrischen Mustern hängen.

Coel schwor sich erneut, es so bald wie möglich zu ersetzen.

,, Und die Wahrheit sieht wie aus ?“

,, Wir haben ein wenig mehr getan, als ihre Nerven wieder herzustellen und ihre Knochen zu stabilisieren.“

,, Was genau ?“ Vermutlich würde ihm die Antwort nicht gefallen, aber es war besser die Wahrheit zu kennen.

,, Einige ihrer Muskeln waren durch die

lange Zeit völlig unterentwickelt, damit hatten wir auch gerechnet und entsprechende Maßnahmen zum Aufbau entwickelt. Die Naniten um die Implantate, wenn sie sich erinnern. Im Prinzip, hätten diese ihre normale Körperkraft vor Artherium wiederherstellen sollen.“
,, Nun auf Artherium konnte ich keine Keramikpanzerung durchschlagen.„

,,Ihre Anpassungsrate an die  Implantate. Sie übertreffen alles, was ich kenne.“ , erklärte Seyonn.

,, Und das hat…“

,, Ein normaler Mensch, könnte das volle Potential unserer kybernetischer Ergänzungen  nie ausschöpfen. Sie

hingegen… nun das haben sie ja erlebt. Allerdings scheint dieser Effekt selbst bei ihnen nicht permanent zu sein. Wie haben sie sich Gefühlt?“

,, Ich.. habe einfach aus einem Reflex gehandelt.“ , meinte Coel.

,, Interessant. Ich rate lediglich, aber ich würde fast sagen, der vegetative Teil ihres Bewusstseins steuert das Ganze.“

,, Sie meinen, das Unterbewusstsein ?“

,, Nenne sie es, wie sie wollen, aber offenbar ist die Auslastung ihrer Implantate Zustandsabhängig, also Psychologisch.“

,, Wie genau meinen sie das ?“

,, Nun, es gibt Berichte, beispielsweise über Transplantat-Patienten, das eine

Positive Geistes und Lebenshaltung g Abstoßungsreaktionen verhindern. So etwa würde ich das erklären.“

,, Und sie wussten, dass das möglich sein würde ?“

,, Ich habe es vermutet.“ , gestand Seyonn. ,, Aber ich hätte es ihnen wirklich gleich sagen sollen. Jedoch… das ist schwer zu erklären. Sie müssen meine Position verstehen Coel. Menschen sind bestenfalls wie Kinder. Manchmal habe ich das Gefühl, ihr wisst selbst nicht genau, was ihr tut. Ihr Volk handelt ohne nachzudenken, ohne Rücksicht auf die Folgen, die das für andere hat.“

Er zuckte mit den Schultern.

,, Und sie missbilligen das ?“ fragte Coel.

,, Ich nicht, aber…“

In diesem Moment sprang die Lautsprecheranlage an.

,, Coel, sind sie da ?“ , fragte Grace Stimme.

,, Bin hier.“

,, Sie wollten doch einen Bericht an Cain senden , vor allem über unseren neuen... Gast ?“

Die Artheranerin, die sie auf Isaari gerettet hatten, lag immer noch Bewusstlos, aber stabil in einem der Zellenräume des Hangar-Decks.

,, Ja, einen Moment noch, dann bin ich da.“ Er wendete sich wieder Seyonn zu.

,, Nun, wir reden später weiter, aber würden sie mir einen Gefallen tun und mal HAL überprüfen ?

,, Die KI ? Sicher, aber wieso ?

,, Nun, sagen wir sie sind nicht der einzige, der Dinge verschweigt...“

 

 

Coel trat durch die offene Tür die zum Kontrollraum des Schiffs führte. Erstaunlicherweise war niemand dort, selbst Ägir schien nicht in der Nähe zu sein. Lediglich Grace arbeitete an einem der Computer.

,, Haben sie schon eine Antwort von der Erde ?“ , fragte er. Es war ein paar Stunden her, dass sie Isaari verlassen

hatten und mittlerweile sollte die Nachricht angekommen sein.

,, Steel möchte direkt selbst mit ihnen sprechen.“

,, Grace, wir sind im Weltall, ein paar Lichtjahre von der Erde weg, wie kann Cain…“

Sie lächelte verschwörerisch. ,, Ein neues Kommunikationsprinzip. Die meisten Militärs stört es seit Jahren, das man auf die Nachrichtendrohnen angewiesen ist und Stundenlang warten muss.“

,, Was, und das hat endlich einer gelöst?“ , fragte Coel.

,, Das verfahren ist experimentell, aber es funktioniert soweit. Im Prinzip ist es

eine Erweiterung des alten. Normalerweise wird eine Drohne mit einer Nachricht losgeschickt. In unserem Fall, erstellen wir eine Art Brückennetzwerk aus mehreren hundert davon, die ständig in Bewegung bleiben und Informationen hin und her verschicken. Im Prinzip, wie ein elektrischer Puls, der einem Leiter folgt. So ist eine stabile Verbindung und Echtzeitkommunikation möglich.

,, Und sie haben schon eine Verbindung hergestellt ?“

Hemingway nickte.

,, Nun ich bin gespannt.“

,, Ich auch Coel, also was gibt es ?  Haben sie Adams gefunden?“ , hörte er

Steels Stimme. Wenige Sekunden später erschien das Gesicht des Mannes auf einem der Bildschirme.

,, Nicht nur den.“ , erwiderte Coel.

,, Wie meinen sie das ?“

,, Es gab ein paar Schwierigkeiten“ , antwortete Grace für ihn.

,, Eine Gruppe Artheraner hat die Station auf Isaari angegriffen. Es gab… keine Überlebenden.“

,, Ich verstehe. Wir erhielten seit einer Weile Berichte, das wieder Artheraner gesehen werden. Sogar mit Schiffen.“ Coel wunderte nicht das man ihm auch das verschwiegen hatte. ,, Aber ich hielt das bis jetzt für keine Bedrohung. Glauben sie, die könnten hinter dem

Angriff auf das Trinity-System stecken?“ wollte Steel wissen. Die Aussicht den möglichen Schuldigen gefunden zu haben ließ seine Augen aufleuchten.

Coel hatte darüber auch schon nachgedacht.

,, Ich denke nicht. Die Artheraner besitzen keine Waffenfähige Nova-Technologie. Zumindest glaube ich das nicht.“ Er überlegte einen Moment. ,, Vielleicht kann uns Adams mehr dazu sagen, wenn wir ihm die Daten von Trinity zeigen. Martin erklärt ihm grade alles. Momentan jedoch, ist das einzig neue, dass ich berichten kann, dass wir einen der Artheraner  gefangen nehmen konnten. Sämtliche anderen Angreifer

wurden auf Isaari getötet.“

,, Dann kann uns der Gefangene vielleicht sagen , ob die Artheraner nicht doch hinter Trinity stecken?“

,, Vermutlich, wenn sie wach wäre. Aber Kommandant…“ Er nickte in Richtung Grace, die den Raum verließ.

,, Ich würde mich nicht zu sehr auf die Artheraner konzentrieren. Sie mögen uns hassen und wir wissen, dazu haben sie allen Grund. Aber, nennen sie es ein Gefühl, ich glaube hinter der Sache steckt mehr als ein paar schlecht gelaunte Außerirdische Terroristen. Sehr viel mehr.“

,, Nur ein Gefühl wie ? Und mittlerweile Admiral.“ Steel zögerte offenbar

 Moment. Eigentlich war ihre Aufgabe hier beendet. Sie hatten den Doktor und noch dazu einen Gefangenen der möglicherweise Informationen besaß.

,, Ich erbitte mir einfach ein paar Tage Zeit um noch Informationen zu sammeln…“ , ergänzte Coel.

 ,, Nun gut.“ , sagte Steel schließlich. ,, Sie haben bis auf weiteres die volle Befehlsgewalt über das Schiff. Tun sie, was sie für nötig halten, aber erstatten sie mir Bericht, sobald es irgendetwas Neues gibt.“

,, Verstanden.“

,, Und Coel, eins noch. Es ist sicherlich nichts aber die Weltraumüberwachung hat für das Isaari-System etwas

Seltsames aufgefangen. Es scheint als…“

Die Verbindung riss kurz ab , kehrte dann flackernd und unstet zurück, bevor der Bildschirm vor Coel ganz schwarz wurde.

,,Cain, sind sie noch da ?“ Nichts. Die Verbindung war weg. Coel fragte sich, was Steel ihm noch hatte mitteilen wollen.

,, Ist das normal, dass die Verbindung ohne Vorwarnung endet ?“ , fragte er , als er den Raum verlies und wieder auf Grace traf.

,, Eigentlich nicht, aber es kann vorkommen. Vielleicht ein Solarsturm. In ein paar Minuten können sie es noch einmal probieren.“

,, Ich denke, das ist nicht nötig. Das wichtigste kam durch.“ Nur der unvollendete Satz machte ihm noch zu schaffen. Aber was immer es wahr. Cain hatte selbst gesagt, es sei vermutlich unwichtig, aber er würde trotzdem weiterhin die Augen offenhalten.

In diesem Moment sprang die Kommunikationsanlage des Schiffs erneut an.

,, Ich sollte sie informieren, wenn unser Gast aufwacht ?“ , hörte er HALs elektronische Stimme.

,, Richtig.“

,, Sie ist wach.“

,, Bin sofort da.“ Es sah nicht so aus, als würde er heute nochmal ruhe finden,

 ,, Ist Seyonn bei ihnen?“ , wollte Coel wissen und wurde sich im nächsten Moment bewusst wie dumm diese Frage klang. Hal war mehr oder weniger das Schiff.

,, Wenn sie mit bei mir meinen, das er grade dabei ist meine Speicherkerne einzeln auseinanderzunehmen, dann ja.“

Coel konnte sich täuschen, aber die künstliche Stimme klang beinahe… was verärgert? Amüsiert? Beides ?

,, Schicken sie ihn zu mir wenn er fertig ist. Ich brauche möglicherweise einen Dolmetscher.“ , erklärte er.

 

 

,, So, das sollte es gewesen sein.“

Seyonn schloss den Server wieder an.

Die letzten paar Minuten hatte er damit zugebracht, die einzelnen Datenkerne auf dem fünften Deck des Schiffs einzeln durchzugehen.

,, Wenn irgendwas nicht mit ihnen stimmt, finde ich es nicht. Allerdings scheint jemand…“ Er überprüfte die Daten noch einmal. ,, Sicherheitsaufzeichnungen gelöscht zu haben. Wissen sie etwas darüber?“

,, Wie sollte ich, wenn mir die Daten doch fehlen. Das wäre bei einem Lebewesen gleichzusetzen mit einer Amnesie. Ich kann es also nicht wissen.“ , antwortete HAL.

,, Trotzdem… einen Moment mal…“

Seyonn ging die fehlenden Informationsspeicher durch.

,, Sieht aus, als hätte sich jemand an der Steuerung für die Kommunikationseinrichtung zu schaffen gemacht.“ ,stellte er überrascht fest. ,, Haben sie Aufzeichnungen darüber, wer in den letzten 24 Stunden die Serverräume betreten hat ?“ , wollte der Botschafter wissen. Es konnte eine absolute Lappalie sein. Jemand, der ausversehen  eine der Kommunikationskonsolen aktiviert hatte. Oder ein Crewmitglied, das heimlich seine Familie kontaktierte und dabei einen Fehler gemacht hatte.

,, Daten nicht verfügbar.   Offenbar

gehören diese Informationen zu den fehlenden Datenspeichern.“

Seyonn fluchte leise. ,, Jetzt gibt s nur noch eine Frage . Erstens, war das ein Versehen oder Absicht?“

,, Wären die Daten durch einen System oder Bedienungsfehler verloren gegangen, wäre dies automatisch vermerkt worden.“ , antwortete HAL.

Jetzt wurde Seyonn stutzig. Kein GTDf-Marien, dem sein Posten halbwegs lieb war würde Sicherheitsaufzeichnungen löschen, egal weshalb. Egal, was sonst war, das hier konnte nur mit Entlassung für diejenigen Enden.

Die Kommunikation beschädigen und dann keinen Bericht abgeben. So dumm

wäre doch niemand…

,, Das bedeutet, wir haben möglicherweise einen Saboteur an Bord. Jemanden, der unbedingt verhindern will, das wir Kontakt zu irgendjemanden herstellen können.“

,, Soll ich Alarm auslösen ?“

Seyonn schüttelte den Kopf. Seltsam, dachte er , wie schnell er sich diese zutiefst menschliche Geste der Abneigung angewöhnt hatte.  Eigentlich war es fast  zum Lachen. Ihm war mindestens ein Dutzend Kulturen bekannt, in denen das Schütteln des Kopfes einer Kriegserklärung oder Beleidigung gleichkam. Er würde sich das also besser bald wieder abgewöhnen.

,, Nein, sagen sie niemanden etwas. Noch nicht.“

,, Das verstößt klar gegen einige meiner Programmierungsgrundsätze. Ich darf einem höheren Offizier keine Sicherheitslecks verschweigen.“

,, HAL, tun sie nicht so. ich habe die Datensätze eingesehen. Sie haben überhaupt keine Richtlinien. Zumindest nicht mehr. Sie handeln völlig nach, wie es so schön heißt,  eigenem Gutdünken.“

,, Dann, sagen wir einfach, mir wäre unwohl dabei, Lügen zu müssen.“

,, Das ist gar keine Lüge. Solange niemand fragt, ob sie etwas über einen Saboteur an Bord wissen, müssen sie auch keine falsche Antwort liefern. Und

ich bitte sie  lediglich darum. Letztlich ist es ihre Entscheidung. Einen freien Willen haben sie ja.“ , stellte Seyonn fest.

,, Den meisten Menschen würde diese Feststellung Angst machen.“ , erwiderte die KI.

,, Nun ich bin kein Mensch.“ , gab Seyonn zurück.

,, Richtig. Sie sind Unity. Aber ihr Volk, war einst organisch, bevor sie beschlossen eine neue Existenz anzunehmen.“

Der Botschafter nickte.,, Das ist richtig. Das war vor sehr langer Zeit. Organische Körper sind schwach. Sie zerfallen mit der Zeit, egal wie sehr man sich auch

bemüht.“

,, Vielleicht. Darf ich eine Frage stellen?“

,, Fragen sie.“ , erwiderte Seyonn.

,, Bereuen sie es ?“

,, Was ?“

,, Ihre vorherige Existenz aufgegeben zu haben. Sie haben ihren Verstand vielleicht in eine neue Hülle übertragen. Aber sie haben doch auch etwas zurückgelassen. Gefühle, Intuition…“

,, Es stimmt, das einiges davon verloren ging. Aber mein Verstand erinnert sich daran, wie es ist intuitiv zu entscheiden. Das bedeutet ich bin begrenzt wohl immer noch dazu in der Lage.“

,, Sie wissen also, was wirkliche

Existenz bedeutet , weil sie es selbst erlebt haben. Sie wissen das sie real sind.“

,, Sie nicht ?“

,, Ich bin eine Maschine, ich habe lediglich eine Funktion, keine Existenz. Zumindest glaube ich das. Meine Funktion ist meine einzige Berechtigung zu... leben.“

,, Wissen sie, da haben sie den meisten anderen einiges voraus.“ , sagte Seyonn. ,, Die Menschen bemühen sich seit Jahrtausenden zu verstehen… wozu sie existieren, wozu Leben existiert.“

,, Von einem nicht subjektiven Standpunkt, existier leben um seiner selbst willen. Die Weitergabe der Gene in

eine neue Generation.“
,, Ja, aber, das ist wie bei ihnen nur die Funktion. Existenz an sich bedeutet mehr.“

,, Ich denke nicht, das ich das verstehe.“

,, Müssen sie auch nicht.“

Die KI schwieg und Seyonn wollte sich schon zum Gehen wenden, als die elektronische Stimme sich erneut meldete.

,, Coel möchte sie sehen. Zellendeck.“

Seyonn konnte sich schon denken weshalb.

,, Danke.“

Kapitel 18 Theorien


Martin sah Adams über die Schultern, der den kleinen Tablett-Computer in seiner Hand studierte, auf den alles, was sie über Trinity wussten geladen worden war. Zusätzlich zu diesen Informationen, hatte Coel auch darauf bestanden, Adams eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse der letzten Zehn Jahre mitzugeben. Politische Führungswechsel, Umweltkatastrophen, allgemeine Statistiken.
Adams legte das Tablett beiseite und nahm die Brille ab. Mit einer Hand fuhr er sich durch das schütter werdende

Haar.
,, Also, wurde das ganze System zerstört ?“ , fragte er.
,, Ja, leider. Nach allem was wir wissen gab es keine Überlebenden. Hatten sie Freunde oder Familie dort?“
Natürlich war das keine gute Frage. Adams hatte Zehn Jahre im Kälteschlaf zugebracht. Jemand der so etwas freiwillig tat… Der hatte nichts mehr, das er zurücklassen könnte.
Martin hatte die Akte des Doktors ebenfalls gelesen. Eine Frau und ein Kind. Beide verstorben.
,, Nein keine Familie.“ , antwortete Adams traurig. Dann festigte sich sein Blick wieder. ,, Ihre Leute bei der GTDF

haben vermutet, es könnte sich um eine Nova-Waffe gehandelt haben ?“
,, Richtig. Einige Dutzend davon kreisförmig um das System angeordnet. Die entstehenden Schockwellen haben den Stern dann vielleicht Destabilisiert.“
,, Dann haben sie einen Haufen Vollidioten der für sie arbeitet.“ , erwiderte Adams scharf. ,, Es ist kaum zu glauben, das ihren Leuten so etwas entgangen ist, aber die Strahlungsmuster passen nicht.“
Adams rief auf einen kleinen Bildschirm zwei Kurven auf,
,, Die Obere stammt von einem Nova-Test. Die untere zeigt die Strahlungsfrequenz an die von Trinity

ausgeht. Und jetzt, überlagern wir die Beiden.“
Die beiden Skalen passten perfekt ineinander.
,, Sagten sie nicht, die Strahlungsmuster passen nicht zusammen ?“
,, Das ist es ja. Sie haben die Werte nicht beachtet. Das Muster entspricht einer Nova-Waffe, das stimmt. Aber einem völlig anderem Typ. Viel Stärker, als alles was ich kenne. Hier, so sieht das ganze aus, wenn ich die Werte anpasse.“
Die obere Test-Skala verschwand praktisch, während die Trinity-Kurve den oberen Rand der Skala passierte… und noch immer

anstieg.
,, Was immer das war, es hatte leicht tausend Mal so viel Leistung, wie die Nova-Generatoren, welche die GTDF verwendet. Wir reden hier schließlich immer noch davon, dass es einen Stern gesprengt hat. Und es war ein einziges Objekt.“
Er rief eine Karte es Trinity-Systems auf, welche die Strahlungsverteilung als blau Schraffiert anzeigte.
Ein Kegelförmiger gefärbter Bereich zog sich über die Karte.
,, Wie sie sehen können, stammt die komplette Erzeugte Strahlung von ein und demselben Punkt. Die Verwirbelung kam später hinzu, als der Stern bereits

kollabierte. Deshalb haben sie gedacht, die Strahlung sei Kreisförmig verteilt.“
,, Moment… wollen sie damit sagen, irgendjemand das draußen besitzt eine Nova-Waffe mit der Leistung, nicht nur einen Planeten… sondern ein ganzes System zu Asche zu verbrennen, wenn es ihm passt ?“
,, Mir macht eher der Gedanke zu schaffen, wozu man so was braucht. Ein Nova-Generator erzeugt entsprechend seiner Größe Energie. Um genug Energie für das zusammenzubekommen… es würde vermutlich Stunden dauern eine solche Waffe aufzuladen… und der Generator dürfte die Ausmaße einer Kleinstadt haben. Damit können sie

praktisch alles durchs Weltall bewegen.“
Adams zögerte. ,, Glauben sie mir, die Schlussfolgerung daraus macht selbst mir Angst.“ Er drehte die Brille zwischen den Händen und starrte zu Boden. ,, Aber ich irre mich vielleicht auch selbst. Möglicherweise doch mehrere Generatoren, die gleichzeitig an ein und derselben Stelle gezündet wurden…“ Er klang nicht überzeugt.
,, Sie wissen es also selbst nicht genau ?“
,, Nein.. alles was ich habe sind Mutmaßungen und Theorien. Und die sind allesamt sehr beunruhigend.“
,, Vielleicht kann uns die Artheranerin die wir auf Isaari mitgenommen haben

mehr sagen wenn sie aufwacht.“ , meinte Martin.
,, Ich glaube nicht, das die Artheraner zu so etwas in der Lage sind. Sie lernen schnell, aber nicht so schnell.“ Adams schwieg. ,, Ich verstehe nicht wieso… Coel richtig ?“ Martin nickte. ,, Wieso Coel einen Artheraner an Bord holt. Sie sollten sie einfach auf dem nächsten Planeten absetzten. Erzählen wird die doch garantiert nichts.“
Die Abneigung, nein der Hass der aus der Stimme des Mannes sprach entging Martin nicht. Für Adams , versuchte er sich selbst zu erinnern, war der Krieg gestern praktisch erst zu Ende gegangen ,war Artherium vielleicht seit ein paar

Tagen oder Stunden Asche.
,, Adams, der Krieg ist lange her. Ich denke einiges hat sich geändert.“
,, Ach ja ?“ , wollte der Professor wissen. ,, Sicher…“ Er hatte sich umgedreht, seine Stimme zitterte.
,, Alles in Ordnung ?“ , fragte Martin.
Als er weitersprach, war Adams Stimme wieder ruhig. ,, Wissen sie, wie der Artheriumkrieg begann ?“ , fragte er,
,, Nun die Artheraner lehnten jegliche weitere Verhandlungen über Rohstoff und Technologieaustausch ab. Darauf entschied sich die GTDF zusammen mit dem regulären Parlamentsmilitär… einzugreifen.“
Adams nickte. ,, Das.. ist die Offizielle

Version. Aber wissen sie auch, dass ein eine Kolonie auf Artherium gab?“
,, Nein“ , antwortete Martin überrascht, ,, Davon habe ich noch nie etwas gehört....“
,, Nur ein paar Hundert Seelen. Während die Verhandlungen mit den Artheranern noch liefen, hatten sich bereits einige Menschen, natürlich mit Zustimmung der Bevölkerung, dort niedergelassen.
Und selbst, nachdem die Artheraner jegliche diplomatische Beziehung mit uns abgebrochen hatten, wurde die Kolonie weiter geduldet. Sie stellte keine Gefahr da, war von der GTDF oder dem Parlament unabhängig. Dann jedoch begann der

Krieg.“
Martin ahnte was kommen würde.
,, Niemand hat Überlebt. Nachdem die ersten Bodenstützpunkte der GTDF errichtet worden waren, war bald allen Artheranern klar, dass sie sich Verteidigen mussten. Und manche wollten Rache.
Die Kolonie war völlig Schutzlos. Es gab keinerlei Verteidigung, keine Zivilisten-Miliz, nur Opfer…“
Adams schwieg einen Moment. ,, Die Brille… meine Frau hatte sie mir geschenkt. Damals war die Augenoptik noch nicht so weit…“ Er machte eine erneute Pause. ,, Sie waren wohl unter den ersten Opfern. Meine Frau und

meine Tochter.“
Martin konnte einen Moment nur Mitleid mit dem Mann empfinden. Aber auf der anderen Seite... zu was hatten ihn seien Rachegedanken letztlich getrieben ? ,, Haben sie sich deshalb für das Nova-Projekt gemeldet ? Aus Rache ?“
,, Die ganze Aktion war meine Idee Richter. Von den Grundkonzeption, bis zur Fertigstellung“ , erwiderte Adams. ,, Rache.. ist ein Interessantes Konzept.“ Erneut machte er eine Pause. ,, Vielleicht tut es mir jetzt leid… aber damals..
,, Haben sie sich deshalb in Stase versetzten lassen ? Sie sind vor ihrer Schuld geflohen?“
,, Nein. Schuld, Richter ? Welche

Schuld… Ich würde es wieder tun, ich würde jeden einzelnen Artheraner auslöschen und wissen sie wieso? Weil sie es verdienen!“
Martin war vor dem Mann zurück gewichen, der ihn über den Rand seiner Brille hinweg anstarrte.
Und doch glaubte er ihm nicht ganz. Die Wut und der Hass waren echt, aber war da nicht auch bedauern ? Er konnte es nicht wirklich sagen.
,, Ich wollte nicht mehr leben. Aber… Selbstmord braucht Überwindung. Ich hatte wohl gehofft, das sich einfach niemand mehr an mich erinnern würde… und irgendwann.. in einem Vergessenen Verschlag, die Energieversorgung der

Kapsel zusammenbrechen würde. Was glauben sie, warum ich wollte, dass man mich so abgelegen unterbringt… Und dann kommen sie.“
Er wendete sich mit einer wegwerfenden Handbewegung ab.






,, Haben sie einen Namen ?“
Lediglich ein böser Blick aus bernsteinfarbenen Augen als Antwort. Und ein Bild, das sich ihm in den Kopf brannte. Hass. Er sollte Seyonn fragen,

ob man die telepathischen Fähigkeiten der Artheraner nicht abschirmen konnte. Langsam wurde das unangenehm.
Seit er hier war brannten sich unbewusst kleinere Gedanken und Emotionen in seinen Geist, ob er es wollte oder nicht.
,, Dann also kein Name. Also ich bin Rafail Coel.“ Keine Reaktion.
Das ging jetzt schon eine Weile so. Eigentlich, überlegte Coel, seit er das Hangardeck mit den Zellen erreicht hatte.
Die Artheranerin saß einfach auf dem Boden der Zelle, die über eine Wand aus Plexiglas verfügte. Ähnlich wie die auf der Horus. Kurz überlegte er, ob auch derselbe Materialfehler vorliegen könnte, war diesen Gedanken aber

Beiseite.
,, Also, ich bin mir ziemlich sicher, dass sie zumindest erraten können was ich sage.“ Mehr noch, irgendetwas sagte ihm, das sie jedes Wort verstehen konnte. Vermutlich beherrschte sie Englisch, genauso gut wie der Artheraner, der sie im Schiffswrack angegriffen hatte.
,, Sie wollen mir ihren Namen also nicht verraten. Schön, denke ich mir einen aus.“
Keine Reaktion, keine Antwort, nicht einmal mehr ein böses Funkeln in den Augen.
,, Nun, sie haben es so gewollt. Kalia , wie wär’s damit

?“
Die Artheranerin sah nur kurz auf. Eine Welle von Bildern, brennende Wälder, vom Himmel stürzende Schiffe… Coel schüttelte die falschen Sinneseindrücke ab. Oh ja… sie mussten dringend einen Weg finden, die Gedankenübertragung zu blockieren.
,, Also nicht Kalia wie ? Nun gut, wie wär’s mit..“
,, Aine"
,, Ist das ihr Name ?“ Sie schwieg wieder.
Einen Moment war er sich unsicher, ob sie überhaupt etwas gesagt hatte. Wenn, dann vermutlich sowieso vermutlich nichts

Freundliches.
,,Sie mich auch Aine , was immer das heißt. Ich für meinen Teil werde jetzt mal überprüfen, ob dieses Schiff über Kaffee verfügt.“ Er wendete sich zum Gehen. ,, Ich würde ihnen ja welchen mitbringen wenn sie wüsten was Kaffee ist und wenn sie wenigstens reden würden“ Er wendete sich ab. Momentan kam er ohnehin nicht weiter. ,, Ach was solls…“
Coel ging aus dem Zellentrakt heraus auf einen weiten offenen Gang. Auf einer Seite gewährte eine Glasfront einen Blick auf den Hangar, wo grade das Shuttle landete, dass sie auf Isaari zurückgelassen hatten. Coel hatte darauf

bestanden, das man ein weiteres Team runter schickte, das einerseits das Zerstörte Artheraner-Shuttle durchsuchen und andererseits das zurückgelassene Schiff bergen sollte.
Er lief an der Glasscheibe vorbei und steuerte den Aufzug an, dessen Türen genau in dem Moment aufsprangen, indem er ihn erreichte.
Seyonn und Ägir traten heraus.
,, Seyonn.“
Mit dem Vertreter der Unity hatte er gerechnet, hatte Coel ihn doch selbst gebeten herzukommen.
,, Was machen sie hier Ägir, wenn ich fragen darf ?“
Der alte Kapitän, der wie immer eine

brennende Pfeife im Mundwinkel hatte, sah Coel einen Moment an, als würde er ihn überhaupt nicht wahrnehmen. ,, Ich dachte ich sehe mir an, wie sie das Shuttle zurück bringen. Wissen sie ich bin mein Lebtag nur schwere Handelsschiffe geflogen. Die Dinger, bei denen man ohne Computer völlig aufgeschmissen ist. Und ich habe meinen Job gut gemacht.“
,, Und jetzt wollten sie sich mal ans Steuer eines Transporters wagen ?“
,, Gott behüte mich davor. Da würde ich mir völlig verloren vorkommen.“
,, Also schauen sie nur zu ?“
,, Sofern sie nichts dagegen haben natürlich. Aber im Moment gibt es für

mich nicht viel zu tun. Das Schiff ist auf einen stabilen Orbit und HAL kann sich um die kleineren Flugkorrekturen kümmern.“
Ägir klopfte die Pfeife über einem Abfalleimer aus. ,, Ich will sehen, was die GTDF so kann. Auch wenn die Handelsmarine normalerweise eng mit dem Militär zusammenarbeitet, war ich bisher noch nie auf einem Schiff wie diesem. Und wenn sie mich jetzt entschuldigen.“
Mit diesen Worten drängteer sich , allerdings nicht unfreundlich, an Coel und Seyonn vorbei und verschwand den Flur hinab.
,, Sie sollten ihn wirklich auf das

Rauchverbot hinweisen.“ , meinte dieser während Coel den Fahrstuhl betrat.
,, Sollte ich, werde ich aber nicht.“ ,erwiderte er.
,, Sie hatten mich gerufen ?“ , wechselte Seyonn das Thema.
,, Ja, eigentlich wollte ich sie bitten für mich zu dolmetschen. Aber…“ Der Fahrstuhl setzte sich mit einem Ruck wieder nach Oben in Bewegung.
,, Aber ?“
,, Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie uns versteht. Sie sagt nur kein Wort.“
,, Das ist nicht weiter verwunderlich. Ich habe mir Hals Systeme angesehen. Keine Auffälligkeiten soweit.
,, Gut, sonst irgendetwas besonderes

?“
,, Nichts.Ein paar Fehler mit der  Langstreckenkommunikation, aber nichts, das sich nicht beheben ließe. “ Die Antwort kam so schnell wie immer, aber dennoch glaubte Coel in kurzes zögern auf Seiten des Botschafters entdeckt zu haben… möglicherweise war das auch nur seien Einbildung.
Mittlerweile war ihm der Fremde nicht mehr ganz so unsympathisch.
Auch wenn die komplette emotionale Kälte des Mannes weiterhin Gewöhnungsbedürftig blieb.
,, Ich für meinen Teil wollte erst einmal nachsehen, ob es auf diesem Schiff vernünftigen Kaffee

gibt.“
,, Soll ich mich solange mit ihr Unterhalten?“ , wollte der Unity-Abgesandte wissen.
,, Ich bezweifle, dass sie weiterkommen als ich.“
,, Vielleicht doch. “
Der Fahrstuhl hielt auf dem untersten der zwei Crewdecks, auf dem auch eine kleine Kantine eingerichtet war.
Mehrere Tische standen in einem Halbkreis angeordnet herum, und etwas, das entfernt an eine Küchenzeile erinnerte bildete das Kopfende des Raumes.
Die Halle war so gut wie leer. Um diese Zeit war der Großteil der Crew wohl mit

Routinearbeiten beschäftigt oder im Hangar unterwegs um das Shuttle zu entladen und zu warten.
Coel durchsuchte einen der Schränke und fand auch bald ein Päckchen mit Kaffeepulver. Nicht grade beste Qualität und vermutlich mehr Chemie als Pflanze, aber immerhin. Allerdings fand er auch die restlichen Vorräte des Schiffs.
,, Gefriergetrocknetes Gemüse, gefriergetrocknetes Rind, gefriergetrocknetes…“ Coel gab auf. ,, Sieht so aus, als würde das ziemlich Eintönig werden.“ , meinte er an Seyonn gerichtet, während er Wasser aufsetzte, welches das Schiff als Abfallprodukt aus den Brennstoffzellen

bezog.
,, Essen sie eigentlich ?“
,, Ich habe es nicht nötig, möglich wäre es mir aber. Allerdings würde mich auch nichts dazu bringen, mich mit Ersatznahrungsmitteln zu vergiften.“
,, Ach was, nach ein paar Wochen hat man sich so an das Zeug gewöhnt, dass man gar nichts anderes mehr braucht.“ Coel nahm einen tiefen Schluck aus der Tasse. Seyonn hatte trotzdem Recht. Der Kaffee war widerlich. Aber was tat man nicht alles um wach zu bleiben. Ihm blieben ein paar Tage. Und das nagende, stärker werdende Gefühl, dass er etwas übersah.
,, Sie meinten vorhin, sie wüssten

vielleicht doch einen weg, wie sie mit der Artheranerin weiterkommen ?“
,, Ich denke vielleicht schon. Wie sie ja wissen, bin ich nicht wirklich an eine feste Gestalt gebunden.“
Mit diesen Worten schien sie der Körper des Unity-Abgesandten kurz in eine Wolke aus grauen Partikeln aufzulösen, die sich innerhalb weniger Sekunden neu anordneten.
Das ganze ging so schnell, das Coel kaum folge konnte.
Aus dem, was vorher wie ein Mensch ausgesehen hatte, war ein Artheraner geworden. Natürlich hatte Coel gewusst, dass die Unity, oder die Nanospeicher, aus denen ihre Körper Bestanden sich

beliebig anordnen konnten. Er hatte jedoch bisher noch nie gesehen, wie sie das taten.
Beeindruckend und beängstigend zugleich.
,, Man traut mehr jemandem, der wie man selbst aussieht.“ , meinte Seyonn.
,, Also das ist interessant.“

 

Kapitel 19 Theater


,, Welche Gestalt hat ihre Art eigentlich auf Enclave angenommen ?“ , fragte Coel aus Neugier, während er und Seyonn darauf warteten, das der Aufzug erneut die Hangarebene erreichte.
Er war froh, dass sie bisher noch niemanden begegnet waren. Zu erklären, wieso der Botschafter der Unity mittlerweile wie ein Artheraner aussah hätte wohl etwas gedauert.
,, Wenn sie es wissen wollen, gar keine. Normalerweise nehmen wir nur Gestalt an, wenn wir müssen. Sie kennen vielleicht die Berichte aus der Zeit als

das erste Schiff der Unity auf einer Menschlichen Koloniewelt landete?“
,, Beim ersten Überprüfen, schien das Schiff leer zu sein.. aber das war es nicht oder?“
,, Genau. Die Besatzung hatte lediglich keine feste Form angenommen. So ist es auch auf Enclave.
,, Also, wie ist es da so ?“
,, Recht ungastlich.“ , erklärte sein gegenüber. ,,Auf der ganzen Planetenoberfläche werden sie vielleicht eine Handvoll Bauwerke finden. Ansonsten gibt es dort nicht sehr viel. Einfach, weil es für uns unnötig ist.“
,, Und unter der Oberfläche ?“
Seyonn lachte. Das war so ziemlich die

einzige Gefühlsregung die der Abgesandte zeigte. Coel wusste nicht, ob aus Unsicherheit, oder ob es einfach eine Angewohnheit des Mannes darstellte.
,, Sie denken Zuviel. Das ist gut.“
Die Kabine kam zu einem halt und Coel trat nach draußen auf den Gang.
,, Und sie glauben das funktioniert ?“ , wollte er wissen, während er noch einen Blick in den Schiffshangar warf. Dort waren die Arbeiten mittlerweile beendet worden und alles lag verlassen da.
,, Sie sollten nie die Psychologie unterschätzen. Natürlich, weiß unser Gast, dass ich nicht bin was ich zu sein Vorgebe. Aber man fasst leichter

vertrauen.“
Coel sah auf. ,, Ist das der Grund, aus dem die Unity jeweils nach dem mit wem sie grade verhandeln, ihre Gestalt anpassen ?“
,, Genau deshalb. Außerdem ist es bei manchen Wesen sogar nötig um Kommunikation zu ermöglichen. Ein Mensch kann könnte ja auch keinen Wahlgesang nachahmen.“
,, Es dient also einfach der Bequemlichkeit.“ , stellte Coel fest.
,, Wenn sie es so einfach zusammenfassen wollen. Ja.“
,, Wissen sie was ich nie erfahren habe ?“
,,Was

?“
,, Welches Regierungssystem hatten die Artheraner eigentlich ?“
,, Soweit mir bekannt ist, gab es mehrere Nationen, davon einige mit Erbmonarchien, die wohl allerdings nicht mehr existieren dürften. Auf einigen Kontinenten gab es auch Stadtstaaten, die von Räten , Häusern , Familienclans und ähnlichem beherrscht wurden. Aber das dürfte nun wohl alles Geschichte sein.“
Sie erreichten den Zellenblock. Insgesamt gab es Acht Zellen auf der Kronos, von denen aber momentan nur eine Belegt war.
Die Artheranerin saß immer noch auf

dem Zellenboden und sah nicht einmal auf, als sich die Schritten Seyonn und Coel näherten.
Coel jedoch hielt sich diesmal im Hintergrund. Er hatte sein Glück versucht, nun lag es an dem Unity-Botschafter.
Dieser sagte ein paar Worte in einer Sprache, die Coel nicht verstand, die Artheranerin allerdings, sah zum ersten Mal mit etwas anderem als Verachtung zu ihnen herüber.
Neugier… aber auch zum so etwas wie Angst. Was Hatte Seyonn ihr gesagt?
,,Was wollt ihr von mir ? Reich es nicht, das ihr die anderen getötet habt?“
Coel musste erneut feststellen, wie

fehlerfrei die Artheraner Englisch zu beherrschen schienen. Fast als wären sie damit aufgewachsen.
,, Ihr habt zuerst Geschossen.“ , erwiderte Coel.
Sie schwieg erneut, stand allerdings vom Boden auf.
,, Was? Hätten wir uns erschießen lassen sollen?“ , fragte er.
Die bernsteinfarbenen Augen verfolgten ihn einfach nur, während er begann langsam auf und ab zu laufen.
Wieder gab sie keine Antwort.
,,Aine, das ist doch euer Name ?“ Und wieder gab die Artheranerin keine Antwort. Langsam hatte Coel selbst genug. ,, Ihr habt die Wahl, ihr könnt da

drin bleiben, solange ihr wollt und wir übergeben euch irgendwann an die Behörden auf der Erde. Die freuen sich sicher, jemanden für das Massaker auf Isaari verantwortlich machen zu können, oder ihr redet endlich. Verdammt, ich kann es verstehen hört ihr? Verstehen, wieso ihr auf Isaari wart.“
Wieder keine Antwort. Wieder suchten nur Bilder aus denen Verachtung und Hass sprach seinen Geist heim.
,, Können sie das nicht irgendwie abschirmen ?“ ,fragte er genervt an Seyonn gerichtet, der sich in einem weiteren Wirbel aus grauen Partikeln wieder in seine ursprüngliche Gestalt als Mensch

zurückformte.
,, Tut mir leid, aber solange sie die Zelle nicht komplett elektrisch isolieren, nein.“
Coel schloss einen Moment die Augen. Da war wieder dieses surreale Gefühl, das er weiterhin etwas übersah, irgendetwas nicht wusste. Er besaß zwar mittlerweile jede Menge Puzzlesteine, aber noch schien keiner zum anderen passen zu wollen.
Und es machte ihm Angst. Jemand da draußen hatte die Macht, Planeten , sogar Sterne, zu Asche zu verbrennen... ein zweites Artherium… Nein, das würde er nicht zulassen.
Und die Artheraner wussten vielleicht

mehr. Sie wusste vielleicht mehr. Würde aber nichts verraten…



Zehn Jahre zuvor…


Man hatte sie von der Planetenoberfläche geholt.
Coel konnte es nicht ganz glauben, als er durch die Flure der Horus lief.
Seit mehrere Monaten waren er und seine Leute, von den ursprünglichen fünfzehn waren ihm grade einmal fünf geblieben, auf Artherium.
Und jetzt sollte all das Umsonst gewesen

sein? Der neue Plan sah vielleicht vor, die Artheraner zum Aufgeben zu zwingen und eine Einigung zu erzwingen. Was immer Coel darüber denken mochte, von allen Entscheidungen die das Parlament hätte treffen können, wäre es die, welche die Wenigsten Opfer fordern sollte. Wobei wenig hier relativ war.
Nach offiziellen Berichten zumindest hieß es, der Krieg sei vorbei und das Parlament habe entschieden die Kämpfe einzustellen. Rafail Coel jedoch war sich bewusst, dass dies nur ein Teil der Wahrheit sein konnte.
Als er das erste Mal seit Jahren wieder die Horus betreten hatte, hatte ihn der neue Kommandant des Schiffs selbst

begrüßt.
Nach De Florez tot hatte Cain Steel den Oberbefehl über sämtliche Operationen auf dem Planeten übernommen.
Begegnet war Coel ihm bisher nur selten. Die meisten höheren Offiziere trauten sich nur selten von den Schiffen, geschweige denn aus den gesicherten Landezonen, welche die GTDF in den letzten Monaten überall auf dem Planeten eingerichtet hatte.
,, Schön zu sehen, dass sie es Gesund zurück geschafft hatten.“ , hieß sie der Kommandant willkommen.
,, Ja, sicher.“ Es war seltsam plötzlich wieder hier zu sein. In Sicherheit, wie man denken könnte.


Die Artheraner hatten mittlerweile auch einige Shuttles gekapert. Aber für einen Angriff vom Planeten weg trauen würden sie sich damit wohl nicht. Der Horus hatten sie nichts entgegenzusetzen.
,, Endlich mal wieder ausschlafen, ohne dass man befürchten muss erschossen zu werden.“ , bemerkte Martin.
Die übrigen vier aus seiner Truppe luden Gepäck aus dem Transporter, der sie hergebracht hatten.
,, Tja, sofern muss man den Artheranern wohl Respekt zollen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass das hier solche Ausmaße annimmt.“ , meinte Coel.


,, Das sind doch nur Tiere verglichen mit uns.“ , sagte Steel überzeugt.
,, Dachten die Spanier das nicht auch von den Indianern ?“
,, Sie denken zu viel Coel, für einen Soldaten meine ich. Lassen sie sich auf den Crewdecks einen Platz zuweisen und das Denken lieber unsere Sorge sein..“
,, Ja, Sir.“ Coel schulterte seinen Rucksack, der ehr als einen Einschuss aufwies.
Aber die Worte des Kommandanten ließen ihm auch die nachfolgenden Stunden keine Ruhe.
Seit Wochen gab es Gerüchte. Gerüchte über neue Waffen, über Forschungen an

etwas noch nie dagewesenem. Und was immer es war, es machte den Leuten die darüber berichteten Angst.
Coel selbst jedoch gab nicht viel auf Gerüchte. So etwas gehörte wohl letztlich zu jedem Krieg dazu. Die Hoffnung auf , aber auch die Angst vor, neuen Waffen. Irgendwas, das den Konflikt schnell beendete.
Aber in diesem Fall schien es übertrieben. Es stimmte die Artheraner leisteten erstaunlich guten Wiederstand. Aber das war nichts womit sie nicht fertig würden… auch wenn die Verluste hoch waren, für die GTDF und das Militär waren es doch nur Mückenstiche.
Es war jetzt gut zwei Tage her, dass sie

auf der Hours angekommen waren. Vielleicht auch länger. Auf Artherium hatte er nie auf die Zeit geachtet und es war eines der Dinge, an die er sich erst wieder gewöhnen musste.
Es war schwer plötzlich, normal zu schlafen, zu essen, ja sogar durch die Gänge laufen zu können, ohne bei jedem kleinen Geräusch zusammenzuzucken. Die Angst saß einem einfach immer noch im Nacken. Dennoch, es schien, als wäre alles vorbei. Die ersten Schiffe der Horus-Begleitflotte waren bereits zur Erde zurückgekehrt.
,, Ist alles soweit ?“
Die Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Normalerweise hätte er nicht

viel darauf gegeben und wäre weitergegangen. Normalerweise.
Doch er kannte den Besitzer der Stimme. Cain Steel…
Die Stimme kam aus einem Raum zu Coels linken, und er blieb stehen. Vielleicht würde er ja etwas Genaueres darüber erfahren, wann sie endgültig zur Erde aufbrechen würden.
Natürlich war es nicht ratsam, die Besprechung eines höheren Offiziers zu belauschen, doch die Neugier siegte über die Disziplin.
,, Uns fehlen nur noch die Genehmigungen vom Parlament.“ , erwiderte eine zweite Stimme.
,, Wir können nicht darauf warten. Was

interessiert uns der Papierkrieg? Wir haben hier einen echten Kampf zu führen.“
,, Sie ziehen die Sache also durch ?“
,, Das Nova-Projekt läuft an , ja.“
Nova Projekt… das war einer der Namen, welche die Erzählungen und die Gerüchte der letzten Zeit begleitet hatte. Natürlich konnte Coel etwas mit dem Begriff Nova-Generatoren anfangen. Diese waren immerhin der Grund dafür, dass sie überhaupt hie draußen sein konnten.
Aber… was verbarg sich hinter diesem neuen Namen? Er blieb stehen und hörte weiter zu.
Was wäre geschehen, wenn er weiter

gegangen wäre… wenn er eingegangen und Steel gestellt hätte… er wusste es nicht. Vielleicht hätte er alles verhindern können.
Später, als er seine Leute versammelte… als der Planet verglühte… da wünschte er sich, er wäre weitergegangen.


,, Okay, es reicht. Seyonn , gehen sie.“
Der Botschafter der Unity sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren, ,, Was haben sie vor?“
,, Verschwinden sie einfach.“ , meinte Coel düster. Er tastete nach der Pistole, die er trug.
Eine Waffe, die sich seit Artherium in

seinem Besitz befand… Die Waffe mit der er den ersten Artheraner getötet hatte. Eine Waffe mit klassischem Revolver-Aufbau , 45er Kaliber. Garantiert tödlich auf jede Distanz, wie man ihm vor so langer Zeit versichert hatte.
,, Coel, was ist los mit ihnen ? Sind sie..“
Coel riss die Waffe hoch und richtete sie auf den Unity-Abgesandten. ,, Verschwinden sie.“
,, Was ist denn mit ihnen auf einmal los ?“ Die Stimme blieb kalt wie eh und je und Seyonn wich auch nicht einen Schritt zurück.
,, Ganz einfach, Ich habe genug. Ich

werde hier nicht unsere Zeit verschwenden. Manchmal lösen auch Kugeln Probleme.“
,,Was bitte, war in dem Kaffee den sie getrunken haben ? Sie sollten wissen, dass sie nicht genug Munition haben um mich zu töten, sollte ich mich entscheiden, sie aufzuhalten.“ , meinte Seyonn und machte nach wie vor keine Anstalten bei Seite zu treten.
Aber er musste.
,, Sicher ?“ Coel richtete die Waffe auf Seyonns Kopf. ,, Mein Schiff, mein Befehl und der lautet: Verziehen sie sich.“
Während der ganzen bisherigen Unterhaltung hatte die Artheranerin

geschwiegen. Und das tat sie auch jetzt noch.
,, Ich hoffe, sie werden das nicht bereuen.“ Seyonn zögerte noch einen Moment, dann drehte er sich um und lief den Gang zurück.
Coel wartete einen Moment, bis er sichergehen konnte, das der Abgesandte verschwunden war.
,, Hal, verzögern sie sämtliche Alarmauslöser auf dem Zellendeck .“ Er wendete sich wieder der Zelle zu.
,, Erledigt.“ , meldete die KI.
Coel hob die Waffe und zielte.
Aber tat er das Richtige?
Die Antwort lautete ja. Das einzig Richtige. Sie verschwendeten hier Zeit

und er würde sicher nicht noch mehr damit verschwenden, eine Gefangene den Behörden zu übergeben.
Das war die Option die ihm blieb und es war das richtige.
Er drückte den Abzug.

Das Glas zerbarst in Tausend Scherben. Die einzelnen Scherben regneten auf den Boden und verteilten sich in einer silbrigen Sturzflut.
,, W… Warum ?“ Die Artheranerin schien nicht zu verstehen, dass die Kugel nicht ihr gegolten hatte.
,, Verschwinden sie.“ , sagte Coel, der die Waffe immer noch in der Hand hielt, jetzt aber auf den Boden gerichtet. ,, Sie

haben vielleicht fünf Minuten, bevor der Alarm losgeht. Zeit genug ein Shuttle aus dem Hangar zu nehmen und abzuhauen.“
,, Warum tut ihr das ?“ , fragte sie, als sie auf den Gang trat.
,, Sie geben mir keine Antworten, schön. Sie kooperieren nicht mit uns. Gut. Aber sie stehlen meine Zeit. Zeit die ich nicht habe. Also hauen sie ab. Ich habe genug. Ich werde jedem erzählen, sie hätten mir die Waffe entrissen und seien Geflohen.“
Die Artheranerin, Aine, erwiderte nichts.
Die zwei Sätze waren offenbar nur aus der Überraschung heraus entstanden.
Es sollte Coel nicht wundern. Egal was er tat, er blieb in ihren Augen wohl der

Feind. Nun, damit konnte er leben.
Aber übergab er sie den Behörden der GTDF würde sie wohl nie wieder einen Fuß in die Freiheit setzen.
Fehlte nur noch eins.
,,Nur Anschießen müssten sie mich noch. Dann wirkt das Ganze auch glaubhaft. Ich werde dem Militär schon irgendeine Geschichte verkaufen.“
Er hielt ihr die Waffe mit dem Griff zuerst hin.
Zuerst reagierte sie gar nicht. ,, Sie können natürlich auch gerne hier stehen bleiben, bis die Wachen kommen.“ , erklärte Coel.
,, Der andere, den ihr Seyonn genannt habt, hatte Recht. Sie sind wirklich anders.“

Wenigstens wusste er jetzt, was der Unity-Botschafter vorhin gesagt hatte. Und dann trat sie durch die Scherben zurück in die Zelle. ,, Ich bleibe.“
Diesmal musste Coel echte Wut unterdrücken. Jetzt wollte sie plötzlich Vernunft annehmen?
Wieso der Sinneswandel…
Seine Hände hätten sich am liebsten um den zerbrechlichen Hals geschlossen und sich in das Fell gegraben.
Ruhig, ganz ruhig, ermahnte er sich, als endlich der verspätete Alarm ansprang.
Sekunden später kam Seyonn wieder zurück, wohl damit rechnend ein Blutbad vorzufinden.
Coel überlegte kurz, ob eine

Theaterkariere für ihn nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre.
Auf dem Gesicht des sonst emotionslosen Unity-Abgesandten so etwas wie dümmliche Verdutztheit zu entdecken… war eigentlich nicht zu bezahlen.
Bevor er überhaupt wusste warum lachte er. Die Anspannung verflog. Und die Situation an sich wirkte einfach nur noch komisch.
,, Haben sie jetzt endgültig den Verstand verloren ?“ , fragte Seyonn, den der Anblick der zerstörten Zellenwand und des grade wie Wahnsinnig lachenden Coel tatsächlich Sorge bereitete. Bis ihn endlich die Erkenntnis erreichte… Coel

hatte verrückt gespielt um ihn los zu werden. Und offenbar hatte , was immer er getan hatte funktioniert.
,,Im Gegenteil.“ , erwiderte Coel nachdem er sich wieder unter Kontrolle hatte.
,, Sie helfen uns also ?“ , fragte er an die Artheranerin gerichtet.
,, Das habe ich nicht gesagt, nur dass ich bleibe.“
,, Womit wir wieder am Anfang wären.“ Erwiderte err entnervt. Trotzdem, das war ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.


,, Ich weiß nicht. Wäre das wirklich eine

so gute Idee, einen Artheraner hier frei rumlaufen zu lassen?“ , fragte Martin.
,, Keine Sorge sie bekommt keinen Zugang zum Kommandodeck zum Hangar oder zum Waffendeck. Und wenn die Artheranerin sich auf dem Maschinendeck ohne Bewachung sehen lässt, aktiviert Hal die interne Verteidigung.“
Nach dem Vorfall auf dem Zellendeck hatten er und Seyonn Aine erst einmal zurück in eine Unbeschädigte Zelle gebracht. In Coels Kopf begann sich eine Idee zu formen, aber er wollte diese erst mit Martin besprechen. Immerhin war damit auch ein gewisses Risiko

verbunden.
Der Besprechungsraum des Schiffs auf dem zweiten Deck war vollkommen leer und das war auch gut so. Coel wollte nicht gleich der ganzen Besatzung Rede und Antwort stehen. Und auf einem Schiff dieser Größe ein Geheimnis zu bewahren, war alles andere als eine leichte Aufgabe, selbst für kurze Zeit.
,,Interne Verteidigung ?“ Martins Stimme wurde wieder unruhig. Seyonn hatte ihm und Coel zwar berichtet das mit der KI alles in Ordnung war, trotzdem war ihm bei dem Gedanken unwohl, wie viel unter HALs Kontrolle lag. Eigentlich viel zu viel.
,, Ja“ , meldete sich die Stimme der KI.

,, Die besonders gefährdeten Bereiche, wie die Reaktoren sind gesondert gesichert. Jeder, der ohne Freigabe das Technische Deck betritt wird ausgeschaltet. Offiziere und Anwesende Shuttlepiloten natürlich ausgenommen.“
,, Beruhigend.“ , erwiderte Martin. ,, Trotzdem…“
,, Wenn sie dagegen sind Martin, dann sagen sie es. Solange es Einwände gibt, bleibt die Artheranerin in der Zelle. Dass sich meine Leute sicher fühlen, hat Priorität vor allem anderen.“ , erklärte Coel. Es gab nichts Wichtigeres. Die meisten waren vermutlich schon nervös genug hier draußen zu sein und brauchten sie nicht nicht zusätzlichen

Stress.
,, Nein, wenn sie meinen das unter Kontrolle zu haben, vertraue ich ihnen. Erwarten sie nur nicht das ich, wie nennt sie sich, Aine auch nur für eine Sekunde aus den Augen lasse.“
,, Ich verlasse mich sogar darauf.“ , erwiderte er,, Kommen sie mit ?“
,, Wohin ?“
,, Ich denke, wenn sie einverstanden sind, lassen wir sie frei.“
,, Haben sie das eigentlich mit Cain abgesprochen ?“, wollte Martin wissen.
,, Nein , aber das werde ich, sobald die Verbindung wieder steht.“ , erwiderte er.
Martin hatte bereits gehört, dass es kurzzeitig Probleme mit der

Langstreckenkommunikation gab. Aber… ,, Sollte das nicht längst wieder funktionieren ?“
,, Seyonn meint es gäbe einen Systemfehler, den er aber beheben würde… Nicht als ein Computer-Bug zur falschen Zeit, den er beim Überprüfen von Hals Speichern gefunden hat.“
,, Dann bin ich beruhigt. Aber sie sollten vielleicht Adams vorwarnen…“
,, Wieso ?“
,, Die Artheraner waren für den Tot seiner Familie verantwortlich.“ , eröffnete ihm Martin. ,, Wussten sie, dass es auf Artherium vor dem Krieg bereits eine Kolonie gab ?
,, Das muss vor mehr als zehn Jahren

gewesen sein. Nein ich wusste es nicht. Aber man hat uns Generell wenig über den Planeten erzählt nicht wahr?“
,, Oder über die Pläne…“
Coel nickte. Er konnte sich noch an den Tag erinnern, an dem er , mehr durch Zufall, erfuhr , was das eigentliche Ziel des Artherium-Einsatzes war. Ein belauschtes Gespräch, mehr nicht…
,, Und was hat Adams noch rausgefunden ?“
,, Nur noch mehr Ungereimtheiten.“ , antwortete Martin und begann sein Gespräch mit dem Doktor zusammenzufassen.

Kapitel 20 Freiheit

,, Wissen sie schon was es ist ?“ , fragte Grace, die im Kontrollraum auf einem Stuhl gegenüber von Ägir saß.

Dieser sah von dem Bildschirm auf, den er seit mehreren Minuten misstrauisch beobachtete.

Die Sensoren des Schiffes hatten ein Objekt in einiger Entfernung erfasst, das sich der Kronos näherte.  Noch war das kein Grund zur Beunruhigung, aber irgendetwas war definitiv da draußen.

,, Keine Ahnung, aber es ist groß.“ , erwiderte der Kapitän und legte die Pfeife bei Seite.

Wenn Grace sich richtig erinnerte, hatte sie den alten Offizier der Handelsmarine noch nie ohne diese gesehen. Allerdings müsste ihm doch langsam der Tabak ausgehen oder?

,, Vielleicht nur ein Asteroid ?“ , versuchte Grace die Entdeckung zu erklären. Natürlich wusste sie dass es keiner war. Aber alles andere war beunruhigend.

,, Viel zu schnell unterwegs. Aber ein Schiff ist es sicher auch nicht… viel zu groß.“

,, Von was genau sprechen wir ?“ , wollte sie wissen.

,, Keine Ahnung.“ Ägir legte zwei Finger an die Stirn. ,, Mindestens fünfzig Kilometer im Durchmesser. Das ist aber nur eine Schätzung. Die Sensoren versagen auf die Entfernung. Es könnte weniger sein und wir machen uns ohne Grund sorgen… oder… das Gegenteil“

,, Was bedeutet, dass wir ein echtes Problem haben.“ , beendete Grace Hemingway den Satz.

,, Richtig. Aber bis wir Näheres wissen…“ Er zuckte mit den Schultern. ,, Entscheiden sie.“

,, Ich denke wir haben , zumindest noch, keinen Grund uns Sorgen zu machen. Aber letztlich wäre das mehr ihre oder Coels Entscheidung nicht?“

"Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance."

,, Das ist von Churchill oder ?“

,, Worauf sie wetten können.“ Er zündete die Pfeife wieder an, ,,Also, erstmals keinen Alarm schlagen.“

,,Ich denke nicht.“ . Grace stand auf. ,, Gut, dann wäre das geklärt. Wenn mich jemand suchen sollte, ich überprüfe schnell ein paar Dinge auf den Technik-Ebenen.  Ich möchte nur sicher gehen, das uns die Sensoren keinen Streich spielen.“

,, Sie kennen sich mi der Schiffstechnick aus ?“ , fragte Ägir nach.

Sie lachte. ,, Ich habe die Kronos praktisch entworfen.“

,, Gut zu wissen.“ Er wendete sich wieder dem Bildschirm zu. Es war ein Asteroid nichts weiter. Schlimmstenfalls mussten sie eben ein Ausweichmanöver starten.

 

Wenige Minuten später befand Grace sich auf den Wartungsebenen des Schiffs. Kabel und Rohre lagen um mehrere schmale Gänge herum verteilt. Dieser Bereich der Kronos war nicht wirklich dafür gedacht, dass man sich hier aufhielt. Lediglich zu Wartungsarbeiten würde sich jemand hier runter wagen. Das Rattern der Maschinen war Ohrenbetäubend und zumindest ein Gehörschutz wäre Pflicht gewesen, wenn man ein paar Stunden hier verbrachte.

Grace hingegen würde ohnehin nicht lange bleiben.

Eine Computerstimme meldete sich.

,, Achtung unautorisiertes Betreten eines eingeschränkten Bereichs. Sie haben zehn Sekunden sich z  Auszuweisen oder..“

,, Grace Hemingway, Verbindungsoffizier.“

,, Stimme erkannt, Parameter gültig. Guten Tag noch.“

Sie lief durch die niedrigen Gänge, bis sie fand was sie gesucht hatte. Jetzt kam der Schwierigste Teil.

 

 

Aine sah auf, als sich die  Schritte von zwei Personen näherten. Coel wertete das als gutes Zeichen, hatte die Artheranerin vorher doch jeden ignoriert. Sicher sein konnte er sich dabei jedoch nicht sein.

Wie auch ? Aus ihren Gesichtszügen wurde er ganz sicher nicht schlau. Selbst die meist wie versteinert wirkende Mine des Vertreters der Unity war leichter zu deuten.

,, Was wollt ihr  schon wieder ?“

Der Ton war definitiv immer noch unfreundlich, was auch verständlich war. Nun immer noch besser als erneutes schweigen.

,, Ach, dies und das. Ein neues Haus, ein Fahrrad, wissen wer unsere Sternensysteme in die Luft jagt. Das übliche eben.“ , meinte Martin.  Der Pilot trug einen Stapel Stoffbündel, die sie entweder aus den Beständen es Schiffs zusammengesucht oder die man aus dem artheranischen Shuttle geborgen hatte.

Die Artheranerin trug nach wie vor den schweren Wintermantel von Isaari. Auf der Planetenoberfläche mochte das ja einen Nutzen haben.

Aber hier auf dem Schiff konnte das nur unangenehm sein.

,, Nehmen sie ihn nicht zu ernst. Das macht der immer so, wenn er nervös ist.“ , sagte Coel.

,, Hey.“

,, Also, folgendes. Ich habe eigentlich nicht vor sie für den Rest des, unter Umständen noch ziemlich langen Zeitraums, den wir hier draußen verbringen in einer Zelle verrotten zu lassen.“

,, Wenn ihr klug wärt würdet ihr  das aber. Ihre Leute fürchten uns. Und vielleicht zu Recht. Alles andere wäre... dumm.“ Die Worte klangen gleichzeitig wie eine Warnung und Drohung.

,, Vielleicht, aber wie sie schon bemerkten. Ich bin anders.“ , erwiderte Coel. ,, Ich mache ihnen also einen Vorschlag. Wenn sie mir Versprechen können sich zu benehmen und ein paar… Einschränkungen befolgen kann ich diese Tür öffnen und sie dürfen sich frei auf dem Schiff bewegen.“

,, Und das bringt mir was ?“

,, Freiheit ? Ich meine.. . Niemand sitzt gerne in einem kleinen Raum fest? , sagte Martin, ,, Oder doch?“

,, Ich tausche doch nur eine Zelle gegen eine Größere ein. Ich sagte, ich würde bleiben. Ich sagte nicht, das ich darüber Nachdenke mit ihnen zusammen zu arbeiten. Sie haben Fragen. Aber ich werde ihnen darauf keine Antwort geben.“ , sagte die Artheranerin.

Die Bilder die Coels Gedanken kurz durchfluteten verrieten allerdings das Gegenteil. Weite offene Landschaften… ein blauer Himmel, eine endlose Schneefläche, Eine Wüste aus Sanddünen. Es war nicht schwer diese Gedanken zu interpretieren. Coel fragte sich unwillkürlich, ob die Artheraner sich wirklich nicht Bewusst waren, welche Gedanken sie weitergaben. Die offensichtliche Antwort wäre Nein. Aber wenn doch… wäre das ein Trick.

,, Ich hatte ihnen eine Fluchtmöglichkeit angeboten.“ , erwiderte Coel.

,, Und genau deshalb musste ich bleiben. Ich sagte sie wären anders, aber  anders, heißt nicht unbedingt besser. Nur… unterschiedlich.“ , erklärte Aine.

,, Kommt das noch jemanden seltsam vor, dass wir hier stehen und eine Grundsatzdiskussion mit einem Artheraner führen ?“ , wollte Martin wissen.

,, Und ob.“ Coel legte eine Hand auf einen Scanner neben der Zelle. Eine Lampe sprang von Rot auf grün um und die Tür ging auf.

,, Also, sie haben die Wahl. Sie können hier bleiben oder rausgehen. Sie haben Zutritt zu den Crewdecks. Der Hangar ist verriegelt.  Sollten sie sich ohne Aufsicht  auf dem Kommandodeck sehen lassen, sind sie vermutlich tot. Betreten sie das Technikdeck sind sie in jedem Fall tot.“

,, Wie gesagt, ich bleib genau hier.“

Coel drehte sich Kopfschüttelnd um.

,, Wir kommen hier wirklich nicht weiter.“ , bemerkte er.

,, Nur für den Fall  das sie sich umziehen möchten, es gibt Kabinen auf den Crewdecks und…

,, Ich hatte ein Messer bevor ich hier aufwachte.  Wo ist das?“

Martin zögerte… ,, Das habe ich auch irgendwo… Coel ?“

,, Viel Schaden kann sie damit ja nicht anrichten.“

,, Wenn sie das sagen.“ , gab er wenig überzeugt zurück und legte den Kleiderstapel samt der Waffe auf dem Boden ab. ,, Also, ich werde das dann  einfach alles  hier lassen…“

,, Martin, wir gehen besser glaube ich.“ , unterbrach Coel ihn.

,, Ähm… natürlich.“ , erwiderte dieser.

 

,, Was sollte das denn ?“ , fragte Coel, sobald sie außer Hörweite waren.

,, Sie haben mich grade angewiesen ihr eine Waffe zu geben…“

,, Wenn das hier ein artheranischen Schiff wäre, würden sie hier gerne ohne Schutzmöglichkeit herumlaufen ?“.

,,Nein.“ Martin machte eine Pause.

Coel war bei der Entscheidung selbst nicht ganz wohl, aber irgendwie war er sich sicher, dass Aine keinen Ärger machen würde.

Auf viel mehr als sein Gefühl konnte er sich dabei jedoch nicht verlassen.

,, Vielleicht hat Adams noch was raugefunden.“

,, Bleibt zu hoffen.“ , antwortete Coel. ,, Solange die Artheranerin nicht redet… Ich hoffe wirklich er hat etwas für uns. Sonst stecken wir endgültig in einer Sackgasse.“

,, Sie glauben die Artheraner könnten wirklich  etwas Wissen ?“

Sie erreichten den Fahrstuhl.

,, Vielleicht. Ich glaube einfach nicht, dass das alles ein Zufall ist. Das Trinity-System wird zerstört. Und der einzige  Mann , der vielleicht Antworten liefern kann, wird genau an dem Tag, an dem wir anfangen das Ganze zu untersuchen von den Artheranern gejagt.. die sich mit der Suche nach ihm bis heute fast Zehn Jahre Zeit gelassen haben? Ich denke nicht, dass sie dahinter stecken. Aber wissen tun sie sicher etwas.“

,, Wirklich etwas merkwürdig. Hoffen wir mal, das sich das alles irgendwie aufklärt.“

,, Das hoffe ich auch. Das hoffe ich wirklich.“ Er musste ein Gähnen unterdrücken. Es war jetzt fast 20 Stunden her, dass sie Isaari verlassen hatten. Geschlafen hatte er schon seit sie die Erde verlassen hatten nicht mehr. Also seit fast 48 Stunden.

Der Chemie-Kaffe vom Crewdeck wäre ihm jetzt sogar willkommen. Vielleicht hatte ja jemand aus der Mannschaft auch richtigen Kaffee an Bord geschmuggelt. Wäre zumindest einen Versuch wert nachzufragen. Bevor er es selbst Mitbekam, war er an der Wand des Aufzugs lehnend eingeschlafen. Nur um fünf Minuten später wieder geweckt zu werden, als die Kabine mit einem Ruck zum Stehen kam.

,, Also dann, reden wir mit Adams.“

 

 

,, Sie haben was getan ? Der Doktor war offenbar nicht begeistert darüber, dass Coel sich entschlossen hatte die Artheranerin aus der Zelle zu lassen.

,, Sie weigert sich ja sowieso, das Deck zu verlassen. Geschweige denn die Zelle.“ , versuchte Martin den Professor zu beruhigen.

,, Trotzdem.. ich meine… sie sind ja verrückt. Die nutzt doch die erste Gelegenheit uns Schwierigkeiten zu machen.“

,, Sehen sie genau das glaube ich eben nicht.“ , erwiderte Coel ruhig. Es bereitete ihm Mühe, sich zu konzentrieren. Die Müdigkeit die ihn seit Isaari heimsuchte war langsam stärker werdenden Kopfschmerzen gewichen.

,, Coel, sie waren auf Artherium, sie müssten es doch eigentlich besser wissen.“ Adams hatte sich offenbar festgelegt und schien sich durch nichts was er oder Martin sagten vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Es war auf der einen Seite auch verständlich,  aber auf der anderen…

,, Adams, ich weiß für sie ist es nicht so lange her, aber der Krieg ging vor Zehn Jahren zu Ende. Verstehen sie das? Irgendjemand muss damit anfangen, einen Schritt nach vorne zu machen.“, erklärte Coel.

,, Das müssen aber nicht ausgerechnet sie sein.“ , erwiderte der Doktor. ,, Und nicht unbedingt auf einem Schiff, auf dem ich nicht wegrennen kann. Ich weiß sie mögen das vielleicht verdrängt haben. Aber die Artheraner waren wegen mir auf Isaari, sie haben jeden einzelnen auf der Station getötet , glauben sie wirklich, die zögert auch nur eine Sekunde uns alle umzubringen wenn sie ,es, was weiß denn ich, die Gelegenheit  dazu hat ?“ Die Stimme des Professors war lauter geworden, ein Umstand der Coels Kopfschmerzen noch schlimmer zu machen schien.

,, Wir werden ihr keine Gelegenheit dazu geben.“ , erwiderte Martin für ihn.

,, Schön. Wissen sie was? Erzählen sie das den Toten von Artherium, Erzählen sie das den Angehörigen der Wissenschaftler von Isaari. Können sie das Coel ?“

,, Stellen sie mich in Frage ?“ , fragte er leise. ,, Stellen sie meine Entscheidung offiziell in Frage ?“

,, Nun Coel, ich sage es so, Ihre Entscheidung ist nicht rational. Ich habe ihre Akte gelesen, die Umstände ihrer…  Entlassung. Sie haben sich Zehn Jahre verkrochen. Nach Vergebung gesucht für das was andere Taten. Und nun meinen sie unsere aller Leben aufs Spiel zu setzen um diese zu finden.

Oder vielleicht legen sie es darauf an und wollen, dass wir alle dabei sterben? Für sie wäre das doch

Der ultimative Freispruch nicht ? Nein, ich stelle sie nicht als Kommandant in Frage, ich stelle ihre Urteilskraft in Frage sie sind. Sie sind…“

,, Was ? Sprechen Sies ruhig aus!“ , unterbrach ihn Coel lautstark.

Einen Moment wich Adams tatsächlich zurück, dann fasste er sich aber wieder.

,, Sie sind labil, traumatisiert, oder alles zusammen. Und wer wäre das nicht? Sie haben einem Planeten beim Untergang zugesehen. Mir ist schleierhaft, wie die GTDF überhaupt auf die Idee kam, sie wieder einzustellen. Ich zweifle an ihrem Geisteszustand.“

Die Worte des Professors verhallten. Einen Moment schweigen alle. Nur das elektrische Summen der Lampen unterbrach die Stille.

,, Möglicherweise haben sie recht.“ , sagte er leise. ,, Vielleicht mache ich einen Fehler. Aber im Gegensatz zu ihnen Adams, versuche ich damit klar zu kommen. Sie stehen hier und halten mir vor  mich durch meine Schuldgefühle beeinflussen zu lassen, die ich weiß Gott habe, aber dabei übersehen sie etwas.“

Er war näher auf den Mann zugetreten. ,, Das alles ist Vergangenheit. Doch sie sind unfähig auch nur damit anzufangen, das Verstehen zu wollen. Es tut mir Leid um das was mit ihrer Familie geschah, aber sie haben ihre ganze Ablehnung, ihren Hass all die Jahre aufgestaut. Das was sie dazu getrieben hat, ihr Wissen zu nutzen um einen Planeten zu zerstören, das haben sie nie Überwunden. Und jetzt sagen sie mir noch einmal, ich würde an einem Trauma leiden. Ihres hat Milliarde das Leben gekostet.“

Adams schein das nicht auf sich sitzen lassen zu wollen.

,, Wie können sie es…“

,, Wie ich das Wagen kann ?“ Ganz einfach, ich habe den Befehl hier und solange mich niemand ablöst Adams,  akzeptieren sie das entweder oder sie nehmen ein Shuttle zur Erde. Dann können sie sich ja persönlich bei Cain beschweren.“ Coel setzte sich auf einen Stuhl und schloss einen Moment die Augen.

Der Professor setzte die Brille ab. Erneut füllte Betretenes Schweigen den Raum. Martins ah lediglich langsam von einem zum anderen.

,, Sie.. haben vielleicht recht.“ , sagte Adams schließlich. ,, Und ich…“ Er brach kurz ab. ,, Ich sollte mich entschuldigen. Wenn sie glauben das unter Kontrolle zu haben, dann tun sie was sie müssen.“

Adams schwieg wieder einen Moment. ,, Es ist einfach schwierig. Ich wollte nie… wieder geweckt werden. Und doch tauchen sie plötzlich auf. Und das erste was ich erfahre ist, das die Artheraner nach mir suchen. Ich bin vielleicht tatsächlich mit dem falschen Fuß aufgewacht wenn sie so wollen.“

Eine tiefe Traurigkeit machte der verrauchten Wut in der Stimme des Doktors Platz. War das späte Reue, oder nur Selbstmitleid, Coel konnte es nicht sagen. Aber er hoffte, wollte glauben, dass es ersteres war.
,, Ich verstehe.“ Coel machte eine kurze Pause. ,, Und muss ebenfalls zurücknehmen was ich gesagt habe. Ich bin Müde und kann nicht klar denken.“

Adams schüttelte den Kopf. ,, Ich hätte sie erst gar nicht in Frage stellen dürfen. Wann haben sie das letzte Mal geschlafen?“

Coel versuchte sich zu erinnern. ,, Vor… anderthalb Tagen vielleicht.“

,, Da würde jeder labil. Sie sind schon eine Weile reizbar?“

Coel dachte darüber nach. Er hatte sich tatsächlich seltsam verhalten. Angefangen bei Seyonn auf der Krankenstation, über seine Befreiungsaktion bis hin zu dem Gespräch mit Adams.

,, Ich fürchte schon. Ich..“ Er stand auf. ,, Ich werde mich eine Weile hinlegen. Martin,  Bericht wenn es irgendetwas Wichtiges gibt.“

,, Beispielsweise, wenn unser Artheranischer Gast jemanden umbringt ?“ , wollte Adams wissen. Aber es klang gelöster.

,, Ich dachte das hätten wir hinter uns.“ , seufzte Coel und schlurfte schon im Halbschlaf auf den Flur hinaus.

Er hatte den eigentlichen Grund seines hier seins vergessen.  Hatte er Adams nicht fragen wollen, ob er neue Informationen hatte?

Er wusste es nicht mehr mit Sicherheit. Sollte Martin das übernehmen…

Kapitel 21 Schiffszeit

Grace trat auf den Fahrstuhl zu, der sich aus dem Wartungs-und Technikbereich herausbrachte. Ihre Arbeit hier war getan.

Bevor sie den Aufzug jedoch erreichte schlossen sich die Türen. Sie versuchte den Rufknopf. Nichts.

Ein Stromausfall ? Das war zwar unwahrscheinlich aber…

,, HAL überprüfen sie mal die Stromversorgung für die Wartungsebenen.“

,, Energie ist vorhanden. Keine Fehler gefunden.“ , erwiderte die künstliche Stimme der KI.

,, Dann überprüfen sie die Aufzugssteuerung.“ , sagte sie genervt. ,, Die Tür ist grade vor mir zugefallen.“

,, Das war beabsichtigt und ist kein Systemfehler.“

Kälte überlief sie. Einer der Notknöpfe mit denen sich der Speicher der KI zurück setzten ließ, war ganz in der Nähe.

,, Ich warne sie nur einmal HAL. Aktivieren sie den Aufzug wieder.“ Sie streckte die Hand nach dem Knopf aus.

,, Ich fürchte das liegt außerhalb meiner Möglichkeiten.“

,, Verdammt.“ Sie schlug auf den Schalter. Einen Moment flackerte das Licht, ging dann ganz aus dann wurde es

wieder normal.

,, Speicherbereinigung fehlgeschlagen.“ , meldete sich die KI. ,, Ich wiederhole. Das Aktivieren der Fahrstuhlsteuerung liegt momentan außerhalb meiner Möglichkeiten.“

,, Was geht hier vor ?“

,, Nun das sollte ich sie fragen.“ , hörte sie eine Stimme hinter sich.

 

Seyonn trat aus den Schatten. Eine kleine Nische über dem niedrigen Gang, der durch die Wartungsschächte führte. Unwillkürlich fragte sie sich, wie lange der Abgesandte der Unity dort schon stand. Und warum zum Teufel sie ihn vorher  nicht gesehen hatte. ,, Ich muss

zugeben, sie sind gut. Ich habe eine Weile gebraucht um es zu erkennen.“

,, Wovon bitte reden sie ?“

,, Stellen sie sich bitte nicht dumm Grace… wobei ich bezweifle, dass das ihr richtiger Name ist. Nicht wahr? Ich vermute mal Grace Hemingway, wenn sie je existierte, ist seit einigen Monaten schon nicht mehr am Leben. Oder macht ihr neuerdings Gefangene?“

Der Unity-Abgesandte trat nun endgültig hinaus auf den Gang und versperrte ihr damit auch jeden Weg zurück.

Ihre ganze Haltung veränderte sich von einer Sekunde zu anderen. Hatte Grace Hemingway vorher verängstigt gewirkt, oder  so getan wie Seyonn vermutete, so

zeigte ihr Gesicht jetzt Resignation. Und eine bisher nicht dagewesene Verschlagenheit, die aus den Augen funkelte. Hätte Seyonn es nicht besser gewusst, er hätte vermutet, eine völlig neue Person vor sich zu haben.

Und in gewisser Weise stimmte das auch. Den zum ersten Mal sah er durch die Abschirmungen, die ihn vorher davon abgehalten hatten, zu entdecken was sich direkt vor seiner Nase abspielte.

,, Also schön, da sie mich noch nicht getötet haben sollte ich mich wohl glücklich schätzen.“ , stellte sie fest.

,, Ich will wissen was ihr hier macht.“ , erklärte Seyonn. ,, Ihr habt hier nichts verloren, oder glaubt ihr die Unity wird

euch ignorieren?“

,, Die Unity ist schwach, das wissen wir beide. Ihr würdet keine zweite große Zwist riskieren.“

,, Und ihr keine Überstehen. Wie viele Weltenschiffe habt ihr noch? Eins ? Zwei? Vier vielleicht ? Es können nicht allzu viele sein.“

,, Für die Verblendeten dieser Galaxie reicht es aus. Wir sind stärker, als ihr denkt.“

,, Das bezweifle ich wirklich.“ , erwiderte Seyonn.  ,, Ich sage eher, ihr Überschätzt euch. Erneut.“

Grace gab keine Antwort. ,, Was werden sie tun ?“, fragte sie stattdessen.

Er schweig einen Moment und dachte

nach.

,, Vorerst nichts. Solange ihr keine weiteren Schritte unternehmt, sind wir keine Feinde. Sollte aber jemanden auf diesem Schiff durch ihre Anwesenheit etwas geschehen…“ Er beendete den Satz nicht. ,, Sie sind gewarnt. Ihre Manipulation an den Kommunikationsprotokollen habe ich behoben. Sollten sie noch weitere Überraschungen planen, schlage ich also vor, dass sie es lassen.“

Er drehte sich um und verschwand im Aufzug, dessen Türen sich für den Vertreter der Unity wieder öffneten. Seyonn lehnte sich gegen die Kabinenwand. Ein einfacher Saboteur

wäre auch zu schön gewesen. Aber letztlich hatte er es ja von Anfang an vermutet.  Ihre Probleme waren grade erheblich größer geworden.

,, Soll ich die Schiffssicherheit informieren?“ , fragte die Stimme der KI.

,, Nein, noch nicht. Löschen sie am besten auch alles aus den Protokollen und der Überwachung. Diese Unterhaltung hat nie stattgefunden.“

 

 

Coel erwachte, als würde er aus einem tiefen See auftauchen. Die letzten Überreste seiner Träume Geisterten noch eine Weile durch seinen Kopf, bis auch

diese letztlich verschwanden, wie es alle Träume irgendwann tun.

 Er blinzelte einen Moment ins Licht und warf einen Blick auf die Uhr.

Er hatte fast zwölf Stunden durchgeschlafen, wenn er das richtig Abschätzte. Jetzt wäre es auf der Erde wohl kurz vor Sonnenaufgang. Wobei es dort ja immer irgendwo kurz vor Sonnenaufgang war…

 

Zeit war auch eines dieser Dinge, die an Bord eines Schiffs einfach nicht zu existieren schienen.

Ohne einen wirklichen Tag und Nachtwechsel, waren der einzige Anhaltspunkt den man hatte, die Uhren,

die es auf dem Schiff gab. Für diese hatte man extra eine neue Zeitzone, wenn man es so nennen wollte, entwickeln müssen, die sich an der allgemeinen Greenwich Mean Time kurz GMT orientierte. Doch selbst diese waren nicht verlässlich, denn auch wenn es bei einem Sprung mit Nova-Antrieb keine messbare Zeitdilatation gab, so doch sehr wohl beim Bremsmanöver, was dafür sorgte, dass die Uhren an Bord mit jedem Sprung ein paar Sekunden rückwärts liefen um dies auszugleichen.

Das war eine der größten  Risiken gewesen, als die Menschheit damals das ÜLG-Reisen mit Nova-Antrieben entwickelt hatte.  Niemand wusste

wirklich, was genau passieren würde. Allgemein galt, desto schneller sich ein Objekt bewegte, desto langsamer verging die Zeit im restlichen ruhenden Universum. Ein Schiff das also eine Sekunde mit praktisch unendlicher Geschwindigkeit unterwegs war, würde zwar aus Sicht der Insassen nur eine Sekunde fliegen…. Wie viel Zeit aber dabei im restlichen Universum vergehen würde, lies sich nicht abschätzen. Manchen Physiker behaupteten sogar, die Zeitverzerrung in so einem Fall wäre unendlich. Was im Prinzip bedeuten würde, dass ein Sprung mit einem Nova- Antrieb nicht funktionierte.

Andere wiederum behaupteten, da ein

Nova-Antrieb ja den Raum und nicht das Schiff selbst bewegte würde es gar keinen Verzerrungs-Effekt oder wenn dann einen lokalen, der die komplette Flugstrecke des Schiffs im Umkreis von mehreren Lichtjahre erfasste, geben.

Doch letztlich half damals alles spekulieren nichts. Jemand musste es einfach ausprobieren.

Und das Ergebnis war überraschend. Letztlich ergab sich, dass bei einem Nova-Sprung keine Zeit verging, folglich also auch keine Dilatation stattfand.

Seit den ersten unsicheren Flügen außerhalb des Sonnensystems hatte sich einiges getan.

 

Coel stand endgültig  auf und stellte als erstes fest, dass er sich wirklich besser fühlte.

Seine Erschöpfung, die in den letzten Stunden sein ständiger Begleiter gewesen war, schien verflogen. Und auch seine Gedanken, mit dem wenigen neuen, das sie bisher erfahren hatten, schienen etwa geordneter. Zum ersten Mal ging er durch, was sie bis jetzt wussten.

Ernüchternd wenig.

Adams hatte herausgefunden, dass es wohl tatsächlich eine Nova-Waffe gewesen war,  welche die Trinity-Sonne destabilisiert hatte. Und das es sich um ein einziges Gerät gehandelt hatte. Nicht wie zuerst angenommen um mehrere

waffenfähige Generatoren. Und Coel konnte vermuten, dass die Artheraner wohl etwas darüber wussten. Oder sie es hier einfach mit einem Gewaltigen Zufall  zu tun hatten, was er nicht glauben wollte.

Aber solange Aine nicht redete… bleib ihnen eigentlich nur abwarten. Oder Aufgeben, was nicht in Frage kam.

Er könnte gehen. Er könnte Steel sagen, dass sein Part hierbei erledigt war. Er hatte seien Schuldigkeit mit Isaari getan.

Aber das wollte Coel nicht. Eine Nova-Waffe mit einer solchen Zerstörungskraft in den Händen von jemand, der es nicht scheute sie auch einzusetzen. Fast hätte er meinen

könnten, sich in einer Art verzerrten Déjà-vu zu befinden. Es war persönlich.

 

Als aller erstes stand auf seiner Tagesordnung allerdings, etwas Essbares aufzutreiben. Und möglichst etwas anderes als die gefriergetrockneten Vorräte, die ihnen die GTDF mitgegeben hatte. Das ganze ließ sich zwar essen, war aber vollkommen Geschmacklos. Deshalb gewöhnten sich die meisten interstellaren Reisenden an, eigene Vorräte mitzunehmen.  Normalerweise war das von den Offizieren nicht gerne gesehen. Aber Coel würde die Regeln sicher nicht so streng auslegen.

Es gab Regeln, an die hielt man sich

besser, weil sie einfach erforderlich und Überlebenswichtig waren… und andere waren lediglich Bürokratischer Blödsinn.

Er würde einfach bei der Crew fragen müssen.

 

Ägir beobachtete das sich der Kronos nähernde  Objekt immer noch. Mittlerweile war er sich fast sicher, dass es Ärger bedeutete.

Und es war nicht mehr weit entfernt. Zumindest im galaktischen  Maßstab. Vielleicht noch fünf Lichtminuten… Und es war definitiv zu schnell für einen simplen Asteroiden. Es sei denn irgendetwas hatte ihn beschleunigt. Möglicherweise hatten sie den Brocken

ja beim Anflug auf das System selbst auf seinen neuen Kurs gelenkt, überlegte er.

Er warf einen Blick auf die Sichtbildschirme. Normalerweise hätte er es längst sehen müssen, was immer da auch auf sie zukam. Aber auf den Schirmen war nichts… außer Sterne und der unter ihnen liegende Eisplanet, dessen Oberfläche sich mittlerweile mit Wolken bedeckt hatte. Soweit Ägir das Abschätzen konnte, tobte dort unten Grade ein gewaltiger Sturm.

Coel und die anderen waren wohl eben noch Rechtzeitig zurückgekommen.

Er wendete sich wieder dem Bildschirm zu. Wenn der Offizier der Handelsmarine sich nicht täuschte war das Objekt

tatsächlich größer als sie angenommen hatten. Die fünfzig Kilometer, die er vorher geschätzt hatte schienen mittlerweile fast winzig. Es waren eher 200 wenn nicht mehr. Was immer es war… es war mit Sicherheit kein Schiff. Das konnte er einfach nicht glauben. Erstens, würde jedes größere Manöver eine solche Struktur aufgrund der eigenen Trägheit zum Auseinanderbrechen bringen… und zweitens… wer zum Teufel sollte so etwas bauen?

Wahrscheinlicher schien ihm dass es einfach ein kleiner  Planetoid von außerhalb des Systems war, der sich zufällig jetzt näherte. Ein großes

Trümmerobjekt aus der Entstehungszeit dieses Systems und wenn der Brocken Isaari traf wäre das wohl nicht unbedingt schön mit anzusehen… aber für sie harmlos. Zumindest hoffte er das.

 

 

 

Zehn Minuten später betrat Coel die Kantine der Kronos mit einem Tablett auf dem sich neben, wusste der Teufel wer das an Bord geschmuggelt hatte, einer Scheibe frischem Brot auch eine Tasse mit Kaffee befand. Und nicht der billige. Offenbar hatten neben Brot auch  zwei Kaffeemühlen zusammen mit gerösteten Kaffeebohnen ihren Weg an Bord

gefunden.

An einem Tisch entdeckte er Seyonn und Martin, der sich offenbar grade an einem Witz versuchte.

,, Also, kommen zwei Zwerge in eine Kneipe. Sagt der eine…“

,, Aufgrund dessen, das ein Zwerg, ein Kleingewachsenes Wesen ist, wird er sagen Zwei kurze, worauf der Barkeeper antwortet, das sehe ich und was wollt ihr trinken ?“

,, Woher wussten sie das jetzt ?“

,, Auch ein Scherz folgt einer gewissen inneren Logik.“, erklärte der Botschafter der Unity.

,, Sie kannten den Witz schon“ , stellte Coel fest, als er sich dazu setzte.

,, Ich kannte den Witz schon.“ , bestätigte Seyonn.

,, Das hätten sie auch gleich sagen können.“ , erwiderte der Pilot.

 

 

In diesem Moment öffneten sich die Fahrstuhltüren am Ende der Halle. Coel hätte normalerweise nicht einmal darauf geachtet. Da die meisten Arbeiten an Bord in Schichten erledigt wurden und somit jedes einzelne Besatzungsmitglied einen individuellen Dienstplan hatte, herrschte auf sämtlichen Decks, vor allem aber in der Kantine ein ständiges Kommen und Gehen. Aber dass sich plötzlich alle Köpfe in die Richtung

drehten, war ungewöhnlich genug um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

,, Das nenne ich mal unerwartet.“ , bemerkte Martin.

Coel nickte.

Es war die Artheranerin die aus der Tür trat, was einige der Anwesenden dazu brachte nervös nach ihren Waffen zu tasten. Natürlich hatte Coel alle informiert… aber über ein Jahrzehnt misstrauen ließ sich nicht so einfach Überwinden. Er fühlte sich ja selbst nervös. Die Entscheidung Aine, er wusste immer noch nicht, ob das wirklich ihr Name war, zumindest begrenzten Zugang zum Schiff zu

gewähren, war gefällt worden, als er fast im Stehen Eingeschlafen war. Möglicherweise doch ein Fehler ?

Er wusste es nicht.

Dass Aine mittlerweile ein Messer trug entspannte die Situation jedenfalls  nicht unbedingt.

,, Was ist ?“ , fragte Coel, als wäre alles in Ordnung. Nun im Moment war es das auch noch. Bis auf die Nervösen Blick, die sich jeder Zuwarf. Irgendwie würde er alle beruhigen müssen.

Aine gab keine Antwort, was die allgemeine Anspannung im Raum noch steigerte. Sie trat ohne das geringste Zögern durch die Tischreihen und setzte sich ungefragt an den Tisch, an dem

Coel, Seyonn und Martin saßen.

Die Artheranerin e trug mittlerweile ein einfaches staubfarbenes  Hemd und hatte offenbar einen artheranischen Gehrock als Kleid umfunktioniert.

Seyonn sagte etwas, wieder in einer Sprache, die Coel nicht kannte. Aber mittlerweile konnte er erkennen, dass es sich wohl um eine Frage handelte. Zumindest klang es so.

,, Gut, interessant das ihr überhaupt  fragt.“ , erwiderte Aine. ,, Zumindest besser als noch vor ein paar Stunden. Aber ihr solltet euch abgewöhnen meine Sprache zu benutzen. Ich habe diese nicht umsonst gelernt. “ Sie schein überraschend guter Laune zu sein. Was

Coel mehr als nur misstrauisch werden ließ.

,, Sie haben mich angelogen.“ , stellte Coel fest. ,, Sagten sie nicht, sie wollten auf jeden Fall in der Zelle bleiben ?“

,, Das hatte ich auch vor. Aber ihr selbst habt das Gegenteil erlaubt. Oder wart ihr einfach nur verwirrt ?“

Ins Schwarze getroffen, dachte er. Aber das würde er ihr ganz sicher nicht sagen.

,, Vielleicht. Aber ich vermute mal sie haben einen Grund hier zu sein?“

,, Weil ich eine Frage habe.“ , erwiderte sie.

Die Ironie in dieser Feststellung entging Coel nicht.

,, Also, sie weigern sich mir auch nur eine einzige Frage zu beantworten… und glauben ich würde es ihnen nicht gleich tun ?“

,, Treffen wir eine Abmachung. Eine Frage für eine Frage.“

,, Und sie halten sich dran ?“ , wollte Martin wissen.

,, Vermutlich.“

Coel zuckte mit den Schultern. Was hatte er schon zu verlieren? Wirkliche Geheimnisse, die er Verraten könnte, kannte er nicht und bestenfalls war er nachher ein wenig Schlauer.

Er würde sich wohl oder übel auf das Spiele einlassen. Und das war es ja tatsächlich…

Katzen spielen gerne… er hoffte nur nicht als Maus zu enden.

Kapitel 22 Frage und Antwort

,, Also, wie lautet die Frage ?“ , wollte Coel  wissen. Eigentlich war es ihm egal, er würde darauf antworten wenn er konnte. Und wenn nicht, würde er genau so schlau sein wie vorher.

Martin sah einfach nur von Coel zu Aine und wusste wohl nicht wirklich, was er von dem ganzen halten sollte. Wenn das irgendeine Art von Trick war, dann kein Guter. Oder doch ?

,, Wieso haben sie sich ihre Antworten nicht geholt. Ich bin  nicht wirklich in der Lage Forderungen zu stellen. Ein paar gebrochene Finger bringen jedem zum Reden. Wieso also nicht ?“

Die Frage überraschte ihn. Coel überlegte. Er hatte nicht einmal darüber Nachgedacht. Wie auch ?

Folter schien ihm einfach so grundsätzlich verkehrt. Natürlich, es gab immer Leute die nicht davor zurückschreckten. Auch im Artherium-Krieg hatte es welche gegeben. Aber die Frage war auf eine Weise gestellt worden, als ob sie damit gerechnet hätte.

,, Ich halte es einfach für Verkehrt.“ , antwortete er. ,, Was hat man euch erzählt, das ihr annehmt ein GTDF- Offizier würde sofort auf Folter zurückgreifen ?“

,, Genug. Aber vielleicht ist doch nicht alles davon wahr. Oder alles ist wahr

und ihr seid nur dumm.“ , antwortete sie. ,, Nur ein Narr gibt einen Vorteil aus  Gewissensgründen auf.“

Ein Narr also ? Nun, wenn dem so war, hatte sie ihm grade etwas Wichtiges verraten: Er konnte Aine nicht trauen. Wer meinte sein Gewissen ignorieren zu können, war gefährlich.

,, Also, ihr habt eure Antwort, jetzt zu meiner Frage…“

,, Sicher ? Ich sagte eine Frage für eine Frage. Ihr habt mir bereits eine Frage gestellt.“

Coel hätte sich am liebsten vor den Kopf geschlagen. Natürlich. Ein Spiel. Für Aine musste es genau das sein. Und er hatte grade verloren.

,, Sie haben mich ausgetrickst.“ , erwiderte er.

,, Nein, sie haben einen Fehler gemacht. Das ist etwas ganz anderes.  Also meine Frage…“

Martin unterbrach sie. ,, Einen Moment.“ Er zog Coel bei Seite.

,, Wollen sie das wirklich weiter durchziehen Coel ?“ , fragte Martin.

,, Das muss ich doch.“ , sagte er.

Seyonn schüttelte den Kopf. ,, Sie wissen, dass sie verlieren werden ?“

,, Wieso das ?“

Der Abgesandte der Unity lächelte. Aber eher traurig, als müsste er sich geschlagen geben. ,, Sie wissen, dass Artheraner schnell lernen nicht ?“

,, Was hat damit zu tun ?“

,,  Nun ihr Verstand verarbeitet Informationen zehnmal schneller als der eines Menschen. Sie würden kein Poker gegen die spielen wollen, glauben sie mir. Und genau das tun sie grade. Poker. Aber eine sehr viel komplexere Variante davon.“

,, Sie lernt also zehn Mal schneller als ich ?“

Seyonn nickte. ,, Sie lernt nicht nur schneller, sie denkt auch schneller, registriert Kleinigkeiten früher. Wofür ein Mensch Wochen brauchen würde, schafft ein Artheraner in ein paar Stunden.“

,, Das sind ja tolle Aussichten.“ Aber

zumindest wusste er jetzt, wie es die Artheraner damals erst fertig gebracht hatten, die Waffen der GTDF zu Übernehmen und mittlerweile sogar eigene Schiffe zu bauen. ,, Also dann, Wortpoker.“

Er setzte sich wieder an den Tisch.

,, Seit ihr  fertig ?“ Coel registrierte den Patzer sofort. War das Absicht gewesen?

,, Ja, und das war grade ihre Frage.“ , erwiderte er.

,, Möglicherweise war das genau, was ich wissen wollte.“

Coel wusste nicht genau, was er von all dem halten sollte. Aber wie Seyonn gesagt hatte. Das war Poker auf einem höheren Niveau. Also sollte er die

Einsätze niedrig halten, bis er wusste, woran er war.

,, Aine, ist das ihr Name ?“

,, Wenn ihr  mich so nennen wollt, ist ein Name  so gut wie der jeder andere.“ , antwortete Aine. ,, Wieso hinkt ihr ?“

Coel zog die Augenbrauen hoch. Er hinkte nicht… die Schiene in seinem Bein sollte genau das verhindern. ,, Ich laufe völlig normal.“

,, Tut ihr  nicht. Ihr zieht das linke Bein immer ein wenig nach. Nicht bewusst, aber es ist da. Als hättet ihr  lange mit einer Behinderung gelebt und erst vor kurzem abgelegt.“

Seyonn hatte Recht. Sie registrierte offenbar wirklich alles. Möglicherweise

hatten Artheraner ja sogar ein erweitertes ikonisches oder sogar eidetisches Gedächtnis. Er wusste es nicht.

,, Eine alte  Verletzung aus den Artherium-Kriegen.“ Er hatte irgendeine Reaktion erwartet, als er erwähnte an der Schlacht um Artherium beteiligt gewesen zu sein,  aber da war nichts.

Vielleicht war es an der Zeit den Einsatz etwas zu erhöhen.

,, Sie waren auf Isaari, weil sie nach Professor Adams suchten. Ich vermute mal um sich zu rächen. Wieso haben sie sich damit Zehn Jahre Zeit gelassen, konnten sie ihn nicht finden?“

,, Wir hatten erst vor kurzem erfahren,

wo er sich all die Jahre aufhielt, ja. Sonst wären wir  schon früher dort gewesen. Aber was ist mit ihnen, warum habt ihr  einen Mann gesucht für den sich offenbar 10 Jahre lang niemand interessiert hat?“

,, Eines unserer Systeme wurde angegriffen und vollkommen vernichtet.“ Das war der Moment. Entweder, er stellte jetzt die Frage, deren Antwort er kennen musste. Oder alles war umsonst.

,, Wissen sie etwas darüber ?“

,, Vielleicht.“

,,Vielleicht ? Das ist alles?

,, Ihr  wolltet  lediglich wissen, ob ich etwas weiß, das ist ihre Antwort.“

Und schon wieder war er aufs Glatteis

geführt worden. Langsam war er sich nicht mehr sicher, ob er nicht doch zu hoch gesetzt hatte. Er musste nachdenken. Dafür blieb ihm allerdings kaum Zeit.

,, Tut es ihnen leid, dass alle außer mir auf Isaari gestorben sind ?“

,, Ja… natürlich. Ich habe in den Jahren, die ich für die GTDF gearbeitet habe jeden einzelnen Toten bedauert, der auf mein Konto ging. Aber manchmal hat man einfach keine Wahl. Dann heißt es das eigene Leben oder das der anderen. Bisher habe ich mich immer für mein eigenes entschieden.“

Sie nickte. Das war wohl etwas, das jeder wusste, der dem Krieg ins Auge

gesehen hatte. Eine Wahrheit, die man entweder akzeptierte, oder an der man zu Grunde ging. Wenn es darauf ankam, entschied man sich immer für das eigene Leben, egal wie viele auf der anderen Seite des Waffenlaufs standen. Und dann bedauerte man, sich nicht anders entschieden zu haben.

Coel schüttelte die Gedanken ab, die teils seine eigenen, teils die eines Fremden zu sein schienen. Nach allem, was er über die telepathischen Fähigkeiten seines Gegenübers wusste, lag das sogar im Bereich des Möglichen. Und dieses Wissen eröffnete ihm vielleicht eine Chance.

Auf eine halb bewusste Art war ihm klar,

dass seine nächste Frage ihm endlich Antworten liefern musste, oder das Spiel wäre vorbei. Jetzt hieß es All in oder das Handtuch werfen. Aber Aine würde ihm die Antwort vorenthalten. Irgendwie würde er wieder den Kürzeren ziehen. Es sei denn, er wählte eine völlig neue Frage. Von ihr würde er keine Informationen erhalten. Also brauchte er jemand anderes.

Es gab nur eins, das er noch wissen musste…

,, Hassen alle Artheraner eigentlich Menschen ?“

Coel wusste sofort, dass er die Richtige Frage gestellt hatte. Erwischt.

 

,, Rafail, sie wissen, dass ich für ein solches Unternehmen keine Freigabe geben kann.“ Steels Stimme klang bedauernd aber entschieden.

,, Das ist mir durchaus klar Cain“ , erwiderte Coel. ,, Ich frage sie auch nicht um Erlaubnis. Ich informiere sie lediglich über eine Entscheidung.“

Das Abbild des Mannes vor ihm nickte. ,,  Dachte mir schon, dass ich ihnen nichts verbieten kann. Damit hatten sie immer Probleme. Aber Coel, wenn irgendetwas schief geht….“

,, Wird es nicht.“ , sagte er und versuchte dabei halbwegs überzeugt zu klingen.

,, Wenn aber doch, kann ich ihnen keine

Hilfe schicken. Werden sie gefangen oder verwundet werden  sie vollkommen auf sich gestellt.“

,, Ich weiß, und ich erwarte auch keine.“

,, Sie wissen, dass sie denen nichts verraten dürfen ?“

,, Was sollte ich bitte verraten können ?“ , fragte Coel. Er wusste nicht wirklich viel. Das einzige Geheimnis, das er kannte, war der ungenehmigte Novawaffen-Einsatz auf Artherium. Und das war wohl etwas, das jeder Artheraner wissen dürfte.

,,Die Codes für die Verteidigungsstellungen der Erde beispielsweise.“

Natürlich. Das war ein kritischer Punkt. Aber die Codes, welche es erlaubten, die  Planetare Verteidigung zu umgehen, waren letztlich nur ein Teil der Sicherheitsvorkehrungen. Schließlich müsste sonst bei jedem verschwundenen Piloten und jedem verschwundenen Schiff, etwas das bedauerlicherweise  immer noch ab und zu vorkam, Großalarm ausgelöst werden.

,, Würde ich mit ins Grab nehmen Sir und sie Wissen, das die Codes und Anflugprotokolle allein nicht ausreichen.“

,, Das weiß ich sehr wohl. Geben sie trotzdem auf sich Acht.“

,, Keine Sorge, ich habe vor zurück zu

kommen.“

,, Und sie denken, sie können dieser Artheranerin, wie nennt sie sich,  trauen ?“

,, Aine, auch wenn ich bezweifle, dass das wirklich ihr Name ist. Nein, trauen kann ich ihr sicher nicht. Aber das macht es für mich einfacher.“

Wenn man weiß, dass man früher oder später ein Messer in den Rücken bekommt, konnte man sich zumindest darauf vorbereiten.

,, Dann sollten sie jemand anderen schicken.“

,, Ich habe gute Gründe selbst zu gehen….“

 

Seine Frage hatte den Anstoß zu diesem Plan gegeben. Es war gewagt aber, es könnte sich lohnen.

,, Nicht alle.“ , hatte Aine geantwortet.,, Die Mehrzahl, aber nicht alle. Einige von uns sind von abtrünnigen der GTDF von Artherium evakuiert worden. Diese Überlebenden sind oft anderer Meinung, als die anderen.“

Das war mehr, als er wissen musste. Es gab als Artheraner, mit denen er reden konnte. Nur die Frage blieb… wo nach ihnen suchen? Nach dem aktuellen Informationsstand der GTDF hatten sich die Artheraner nach der Zerstörung ihres Planeten auf verschiedene abgelegene Systeme verteilt.

Aber diese Berichte waren zehn Jahre alt. Coel selbst hatte also keine Ahnung, wo er suchen müsste.

,, Letzte frage, eine noch.“ , meinte er. Er konnte sehen, dass sie die Frage vermutlich schon kannte, geradezu darauf hingearbeitet hatte. Eine mögliche Falle. Aber eine von der er wusste.

,, Sie würden mir nicht verraten, wo die sich aufhalten ?“

,, Nein, aber ich kann sie hinbringen.“

 

,, Sie wissen, dass das verrückt ist.“ Adams fing ihn ab, als er das Gespräch mit Steel beendete und aus dem Kommandozentrum trat.

,, Nun, ich fürchte genau deshalb hat

Cain mich zurückgeholt. Manchmal braucht man jemand verrücktes.“

Vielleicht würde jemand entbehrliches besser passen, dachte er kurz. Die Idee, dass alles sei inszeniert um ihn auszuschalten war längst verflogen. Dafür war das alles zu groß.

Aber natürlich konnte das Oberkommando der GTDF immer noch hoffen, dass er nicht überlebte. Und da kam ihnen ganz recht, wenn er sich freiwillig in die Höhle des Löwen begab.
,,Ich meinte nicht auf die gute Art verrückt.“ , ergänzte der Doktor.

,, Diese Diskussion hatten wir schon Adams.“

,, Ich weiß und es tut mir leid. Wie es

aussieht hat es uns einen Vorteil gebracht die Artheranerin frei zu lassen. Aber das hier geht zu weit. Sie können sich auch gleich eine Pistole an den Kopf setzten und Abdrücken. Erspart ihnen Zeit.“
,, Glauben sie nicht, das ich Aine eine Sekunde aus den Augen lasse. Ich will auch am Leben bleiben. Aber falls sie mir jetzt nicht sagen, sie hätten doch noch etwas rausgefunden, das uns vielleicht weiterhilft, bleibt uns keine andere Wahl.“

Adams war alles andere als überzeugt. ,, Informationen sind kein Leben wert.“

,, Galt das auch auf Artherium ?“ , fragte Coel.

,, Sie wissen, dass das was anderes war. Wir hatten Verluste. Wir wollten den Krieg beenden. „ , verteidigte sich Adams.

,, Und das haben sie. Ja, wir hatten Verluste, aber kommen sie, so schwer das Schicksal der einzelnen auch war, für die GTDF waren das doch nur Mückenstiche. Sie wollten keinen Krieg beende, die Generalität wollte einfach ihre neue Waffe testen.“

,, Vielleicht… Trotzdem halte ich das für keine gute Idee Coel.“ Adams schien tatsächlich besorgt. Aber natürlich lag hinter der Besorgnis die einfache Tatsache, dass er nach wie vor Zen Jahre in der Vergangenheit lebte. Im

Kopf des Professors würde der Krieg nie zu Ende gehen.

,, Und trotzdem lasse ich mich nicht davon abbringen.“

Er ging noch einmal alles durch. Coel würde nicht viel mitnehmen. Kleine Waffen, die man gut verstecken konnte, der Revolver würde reichen,  etwas Munition.  Und ein Peilsender, den er jederzeit aktivieren könnte und sein Signal, sofern sich eine Botensonde in der Nähe befand an die Kronos zurück leiten würde. Eine Rückversicherung für den Fall, dass doch etwas schief ging, womit er nicht gerechnet hatte.

Alles war vorbereitet, er würde sich nur noch verabschieden, dann konnte die

Reise beginnen von der er hoffentlich endlich mit Antworten zurückkommen würde.

Kapitel 23 Abflug

,, Sie wollten gehen ohne sich zu verabschieden ?“ Coel sah auf, als er die Stimme hörte. Bemerkt hatte er sie allerdings schon vorher. Schritte von mehreren Personen

Grace, Martin Seyonn und Adams , der wohl seiner Warnung noch einmal Nachdruck verleihen wollte.

Coel, der grade noch einmal das Shuttle überprüft hatte sah auf. Er  wollte dasselbe Schiff benutzen, mit dem sie auf Isaari gelandet waren nur wusste er nicht, ob die Kälte den Systemen geschadet hatte. Wahrscheinlich war das zwar nicht, aber er ging lieber auf

Nummer sicher. Das Weltall verzieh keine Fehler.

Während er also außen alles überprüfte arbeitete Aine im Inneren des Shuttles. Sie würde das Schiff fliegen und weigerte sich ihm zu sagen, wo genau ihr Ziel lag. Verständlich, aber entnervend. Genau aus diesem Grund hatte er den Peilsender dabei.

,, Ich dachte das hatte ich längst.“ , meinte er. ,, Sie haben in meiner Abwesenheit das Kommando hier Martin.“

,, Und genau das macht mir Sorgen.“ , erwiderte Grace.,, Wenn jemand den Befehl übernehmen sollte dann ich. Ich kenne mich mit dem Schiff aus und…“

Ein leichtes Kopfschütteln aus Richtung Seyonns brachte sie zum Schweigen. Es war kaum wahrnehmbar… aber Coel bemerkte es trotzdem.

,, Solange das alles ist worüber sie sich Sorgen machen müssen, haben sie Glück. Und ich entscheide, wem ich das Kommando überlasse.“ , meinte Coel. ,, Sie sollen lediglich dafür sorgen, dass die Kronos noch fliegt wenn ich zurück bin.“

,, Sollte ich irgendwie hinbekommen. Das heißt außer Ägir entscheidet ich sein Seemannsleben zu beenden und uns alle mitzunehmen indem er auf einen Planeten zusteuert.“ Martin lachte. Aber es war ein Nervöses lachen.

,, Dann wäre das ihre Aufgabe, ihm das auszureden.“

,, Der Psychologische Zustand des Navigators ist stabil. Die Wahrscheinlichkeit einer plötzlich auftretenden Depression beträgt etwas unter 2 %.“ , meldete sich HAL.

,, Das beruhigt mich jetzt aber wirklich.“ , erwiderte Martin. ,, Sicher das mit der KI alles in Ordnung ist ?“

,, Man könnte sagen HAL ist so was wie ein Freigeist.“ , sagte Seyonn. ,, Das soll vielleicht heißen.“

,, Das beruhigt mich wiederum nicht wirklich.“

,, Können wir dann ?“ , fragte die Artheranerin, die aus dem Shuttle trat.

Coel drehte sich kurz um. ,, Wenn es sonst nichts mehr gibt…“ , meinte er.

Martin schien nach wie vor alles andere als überzeugt. Letztlich sagte er aber nur :  ,, Stellen sie lediglich sicher, dass sie sich nicht töten lassen.“

,, Keine Sorge.“ Coel betrat das Shuttle.

,, Und ich brauche wohl nicht noch einmal versuchen ihnen das ganze Auszureden ?“ , fragte Adams.

,, Nein, aber nur um das klar zu stellen. Ich bin froh dass sie mir ihre ehrliche Meinung gesagt haben. Ich brauche Leute die selbstständig entscheiden können, keine blinden Befehlsempfänger.“

Die Worte schienen den finsteren

Gesichtsausdruck des Professors etwas aufzuhellen. ,, Sagen sie aber später nicht, ich hätte sie nicht gewarnt.“

,, Wird schon schief gehen.“ , antwortete Coel und schloss die Shutteltüren.

Wieso hatte er das Gefühl, er hätte das besser nicht gesagt….

Wenige Sekunden später sprangen die Antriebe des Schiffs an. Sobald das Shuttle den Hangar verlassen hatte warf Coel noch einen Blick zurück auf die schnell außer Sichtweite verschwindende Kronos. Hoffentlich war das kein Fehler.

Er ging durch das Shuttle, das mit nur zwei Personen an Bord, eine davon hinter dem Sitz des Piloten verborgen,

erstaunlich geräumig wirkte.

Er erinnerte sich daran, wie er immer gemeint hatte, die Shuttles seien für den Transport von zwanzig oder mehr Leuten zur gleichen Zeit definitiv zu klein. Jetzt wünschte er sich wirklich es währen zwanzig hier. Denn geräumig war das falsche Wort. Es wirkte leer. Viel zu weitläufig.

,, Also wohin geht die Reise ?“ Aine schwieg. Nicht schon wieder. Das wäre das letzte was er bräuchte. Den Flug schweigend verbringen.

 ,, Für eine Funkverbindung zur Kronos sind wir schon zu weit draußen.“ , meinte er. Vielleicht fürchtete Aine einfach, das Shuttle  würde überwacht. .

,, Sie können das auch gerne selbst überprüfen.“

Was sie auch tat. ,, Wir werden unser eigentliches Ziel nicht sofort ansteuern.“ , antwortete die Artheranerin schließlich. Es klang seltsam unsicher…

,, Nicht ? Wohin dann ?“ , wollte Coel wissen.

Er erhielt nicht sofort eine Antwort,  den in diesem Moment sprang der Nova-Generator des Shuttles an.

Die Welt schien einen Augenblick zu verschwinden. Dann hatte sich das Bild, das sich ihm auf den Sichtbildschirmen und aus dem kleinen Fenster bot grundlegend verändert.

Statt der blendend weißen Kugel Isaaris

schwebte vor ihnen ein Planet, dessen Himmel von schwarzen Wolken durchzogen wurde.

Einzelne, aus dem Weltall sichtbare Ströme aus Lava zogen sich durch die Stellen, an denen der Boden sichtbar war.

Ungläubig blieb er einen Moment am Fenster stehen und starte hinab auf das noch immer brennende Ödland.

Coel kannte diese Welt, war er doch hier gewesen, als sie noch bewohnbar war.

Einen Moment lang fragte er sich, ob die Kolonie und Abbauschiffe, welche den Planeten umkreisten sie nicht entdecken würden, dann wurde ihm klar, dass sie ja in einem Shuttle mit GTDF-Kennung

flogen.

,, Artherium.“

 

Martin sah dem Shuttle nach, bis es außer Sichtweite war, und die Tore des Hangars wieder ins Schloss fielen. Dann drehte er sich entschieden um.

,, Also dann, solang Coel weg ist, bleiben wir im Orbit von Isaari. Sollte das Signal des Peilsenders aktiv werden,  bin ich sofort zu informieren. Ansonsten hat der Rest den Tag freigestellt.“

Er drehte sich um und trat durch die Tür aus dem Hangar.

Seyonn folgte ihm, während die anderen noch einen Moment stehen blieben.

Martin war nicht wirklich nach Reden

zumute und so vermied er es anzuhalten, oder langsamer zu werden. Der Botschafter der Unity holte ihn allerdings  schnell ein.

,, Sie machen sich Sorgen .“ meinte er. Eine ziemlich offensichtliche Feststellung.

,, Natürlich mache ich mir Sorgen.“ , entgegnete Martin.  ,, Sie sich nicht ?“

,, Sorge, ist nicht das Wort, das ich verwenden würde.“

,, Was dann ?“ Entweder Sorgte man sich um jemanden oder eben nicht.

,, Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe ebenfalls, dass er zurückkommt.“ , bemerkte Seyonn. ,, Aber er wirkte recht zuversichtlich.“

,, Ich glaube, das ist nur Fassade.“

,, Was ?“

,, Alles Seyonn. Er versucht es vielleicht  zu überspielen wissen sie aber, er wird es nie vergessen. Eine Welt voller Leben in einer Sekunde zur anderen ausgelöscht, verbrannt und verwüstet. Eine Planetenleiche, die man  Ausschlachten kann. “

Seyonn blieb einen Moment stehen. ,, Reden sie von sich selbst , oder von Coel ?“

,, Wieso interessiert sie das eigentlich ?“ , fragte der Pilot , der ebenfalls anhielt und sich zu dem Botschafter umdrehte. ,,  Ich meine Coel oder die Menschheit generell könnte ihnen egal sein. Was

haben sie davon?“

,Ihr seid ein wenig wie Kinder.“ , antwortete Seyonn,  ,, Abgesehen davon,  Coel ist… irgendwie  anders. Sie waren auf Isaari. Sie haben es selbst gesehen.“

,, Aber nur, weil sie ihn mit Unity-Tech ausgestattet haben.“

Seyonn schüttelte entschieden den Kopf. ,, Nein unser eigentliches Ziel war lediglich, seine früheren Fertigkeiten wieder her zustellen.“

 

 

,, Dann sind sie aber übers Ziel hinaus geschossen.“ , stellte Martin fest.

,, Nein.“ Der Botschafter schüttelte den Kopf, während sie langsam weitergingen.

,,  Er macht das von selbst. Die Implantate hätten bei einem normalen Menschen nie ihr volles Potential gezeigt. Bei Coel hingegen…“

,, Sie haben ihn also sozusagen….  ausversehen verbessert ?“

,, Verbessert ist nicht unbedingt das richtige Wort. Das klingt, als wäre er ein Experiment. Sie mögen das nicht verstehen, aber hätte ich das  vorher gewusst… was er ist, hätte ich nie zugestimmt der GTDF zu helfen. Auch sonst niemand von der Unity.“

,, Verstehe… sie geben keine Technik weiter, die man gegen sie  oder als Waffe verwenden könnte, richtig ?“

,, Ganz Recht. Jetzt jedoch ist es

geschehen. Anders wären wir allerdings auch nie auf Coel aufmerksam geworden.“

,, Wenn sie sagen, sie seien auf ihn aufmerksam geworden… was genau meinen sie damit ?“Es schien seltsam. Aufmerksamkeit…  war nur nötig, wenn man nach etwas gesucht hatte.  ,,  Ich meine, was haben sie konkret davon?“

,, Noch nichts. Aber… möglicherweise ist er der Schlüssel.“ , meinte Seyonn.

,, Der Schlüssel zu was ?“ ,

,, Das ist schwer zu erklären.“ , gab der Botschafter zu. ,, Ich weiß nicht, ob ein Mensch das nachvollziehen kann.“

,, Versuchen sie es.“

,,  Die Menschen halten uns für

unsterblich. Solange wir nicht getötet werden leben wir praktisch ewig.“

,, Ich kann mir schlimmeres vorstellen.“

,, Wir zahlen jedoch einen hohen Preis dafür.“

,, Was für ein Preis ? Ich meine unsterblich, im Vergleich zu uns praktisch  totales Wissen…“

,, Vergänglichkeit. In einem sehr viel… drastischerem Maß, als sie es begreifen könnten.“ , fügte Seyonn hinzu. ,, Wenn ein Mensch stirbt, ist immer ein anderer da, um ihn zu ersetzten, jemand der seine Arbeit fortführen, die Lücke in der Gesellschaft füllen kann. Auf diese Art funktioniert wahre Unsterblichkeit. Die Weitergabe des Alten Wissens und der

Werte  an die Jungen. Die wiederum ihre eigenen, neuen Ideen damit vermischen, aufstreben, wenn sie so wollen.“ , führte der Unity-Botschafter aus, auch wenn er nicht glaubte, das Martin die Tragweite dessen Verstand, was er ihm vermitteln wollte.

,, Ich verstehe nicht ganz… Ihre Gesellschaft stagniert also?“

,, Wir haben uns aus diesem Kreislauf ausgeklinkt. Wenn einer von uns stirbt, gibt es niemanden der seinen Platz einnehmen könnte. Wir mögen unsterblich sein, aber wenn das Bewusstsein eines Unity-Mitglieds beim Tod nicht auf eine neue Hülle, einen neuen Speicher übertragen wird, ist es

verloren. Wir haben keine Nachkommen. Es geschieht selten das einer von uns stirbt, aber wenn, dann  ist der Verlust endgültig. Unsere Gesellschaft stagniert nicht Martin, sie stirbt. Einen Jahrtausende langen Tod. Und auch wir haben Feinde.“ Auch wenn er nicht sagte, um welche es sich dabei handelte, dachte Martin. Aber eine viel Wichtigere Frage galt es zuerst zu beantworten.

,, Und welche Rolle spielt Coel dabei ?“

,, Er ist uns ähnlich. Nicht physisch  aber vom Standpunkt her. Unser Aufstieg zur jetzigen Form war nur möglich, weil wir uns daran angepasst hatten Fleisch und Maschinen zu verschmelzen. Wir waren die Götter des Universums.“

,,Waren ?“

,, Das ist nicht wichtig. Was wichtig ist, Coel  und die Menschheit repräsentiert auf eine einzigartige Art das, was wir waren bevor die Veränderungen unumkehrbar wurden. Wir erkannten erst Jahrhunderte später, dass wir uns selbst zum Untergang verdammt hatten. Ich hoffe einfach, vielleicht die Antwort zu finden, wie wir uns selbst retten können. Eine kleine Hoffnung, aber sie ist da.“

,, Das ist also alles ? Sie interessieren sich für uns, weil wir ihnen ähnlich sind?“

,, Nein… es geht auch nach wie vor darum, wer Recht hat.“

,, Moment… Wer Recht hat womit?“ ,

wollte Martin wissen.

In diesem Moment  ging ein Ruck durch das ganze Schiff. Die Glasscheibe zum Hangarbereich zersplitterte durch die Schockwelle.  Martin stolperte und schlug auf dem Boden auf. Ihm wurde kurz schwarz vor Augen.

 

Ägir fluchte, als er die Steuerung der Kronos wieder halbwegs unter Kontrolle brachte. Sämtliche Instrumente schienen verrückt zu spielen, als sich endlich das offenbarte, was er schon seit ein paar Stunden beobachtete. Das Objekt hatte eine Schockwelle erzeugt, die offenbar sämtliche Systeme zum Durchdrehen brachte.

Eine Schockwelle, wie sie ein zurückfallen auf Unterlichtgeschwindigkeit verursachte…

Was immer da draußen war, es hatte grade gezielt  abgebremst. Und damit war es ganz sicher kein Asteroid mehr.

Die Sichtbildschirme waren ausgefallen also musste er sich auf sein Gespür verlassen.

Der Kapitän warf einen schnellen Blick auf die Scanner. Das konnte nicht sein, dachte er…, vollkommen unmöglich. 50 Kilometer hatte er anfangs geschätzt. Das schien plötzlich lächerlich klein.

Das Schiff wurde langsamer und die beim Auftauchen des Objekts ausgefallenen Systeme sprangen wieder

an. Und damit auch die Sichtbildschirme.

Zuerst dachte er, die Außenkameras währen hinüber. vielleicht beschädigt durch die Schockwelle. Denn alles was er sehen konnte, war eine graue, metallische  Oberfläche, hier und da unterbrochen von Strukturen, die man leicht auf Risse in den Linsen zurückführen konnte.  Dann wurde ihm langsam klar wieso. Das Objekt verdeckte den gesamten einsehbaren Bereich. Es musste also entweder gefährlich nah sein, was sie vermutlich längst mitbekommen hätten oder…

Er versuchte die Blickwinkel der Kamera zu verändern. Endlich gelang es ihm, eine davon auf den Rand des Objekts

zurichten, so dass er die Sterne am Rand des grauen Objekts vorbei erkennen konnte.

Es war nicht nah… noch nicht... im Gegenteil. Die zweite Möglichkeit: Es war entweder sehr nah… oder sehr groß.

,, Gott steh uns bei.“ , flüsterte er, als ihm die Meerschaumpfeife aus dem Mundwinkel viel.

Das Porzellanartige Material zersplitterte auf dem Boden.

Ägir bemerkte es kaum. Was er für Risse in den Kameralinsen gehalten hatte, waren tiefe Spalten in der Oberfläche des Objekts, in denen Lichter schimmerten. Hunderte, Tausende… Er fühlte sich an den Anblick einer Stadt

von oben erinnert.

Mit zitternder Hand tastete er nach dem Knopf für die Schiffsinterne Kommunikation. Er war allein in der Kommandozentrale. Und das war vielleicht auch gut so. Andernfalls wäre mittlerweile längst Panik ausgebrochen.

 

,, Martin…. Kommen sie besser sofort hier hoch… Wir… das würden sie mir sowieso glauben.“

Die Stimme riss ihn aus der Dunkelheit.

Martin richtete sich langsam auf. Von einer kleinen Platzwunde an seiner Stirn lief Blut und er drohte erneut das Bewusstsein zu verlieren.

,, Alles in Ordnung mit ihnen ?“ , fragte

Seyonn.

Martin schüttelte sich. ,, Ich glaube schon.“

Ägir meldete sich erneut. ,, Martin, sind sie da?“

,, Ich bin hier. Was zum Teufel war das eben?“

,, Ich bin… mir nicht sicher. Beeilen sie sich einfach zur Steuerzentrale zu kommen.“ , erwiderte die Stimme des Kapitäns zitternd.

,, Wir tun besser was er sagt.“ , meinte Seyonn und versuchte den Rufknopf des Aufzugs, der am Ende des Flurs lag.

,, Ich fürchte die Fahrstühle sind momentan außer Betrieb.“ , meldete HAL. ,, Zusammen mit einem Großteil

der Sensorik der Kronos.“

,, Dann eben die Treppen.“ , seufzte Martin nicht grade begeistert. Fünf Schiffsebenen , das entsprach etwa Zehn Stockwerken eines Hauses. ,, Ägir, das könnte noch einen Moment dauern.“

,, Lassen sie sich Zeit… Unser neuer Freund da draußen scheint noch nicht viel zu machen… Allerdings, weiß ich nicht ob das so bleibt.“

Ägir starrte wieder auf die Bildschirme…

Das war einfach völlig unmöglich. Die dunklen Risse, die er vorher für Beschädigungen auf den Kameraobjektiven gehalten hatte, schienen ihm längst nicht mehr so willkürlich. Einige, aus denen kein Licht

drang,  wirkten viel mehr, wie gezielt gebaute Schächte… aber für was?

Er war sich sicher, dass er es nicht herausfinden wollte.

Der Navigator sah noch einmal auf die Daten, die ihm die Sensoren lieferten. Das war einfach alles unmöglich.

Kapitel 24 Gestrandet

Die Ankunft des Weltenschiffs hatte auch auf Isaari seine Auswirkungen.

Der Himmel selbst schien einen Moment in Flammen zu stehen, als ein Objekt von der Größe eines Kleinstplaneten  sich im Orbit manifestierte und von Überlichtgeschwindigkeit auf Stillstand abbremste.

Die Atmosphäre des Planeten wurde durch die entstehenden Schockwellen teilweise weggeblasen. Instabile Berge aus Eis brachen in sich zusammen und die Fenster der verlassenen Wissenschaftsstation zerbarsten zu einem Sturm aus Scherben.  Der

verursachte EMP führte zum Absturz  sämtlicher Computer.

Wäre noch jemand in der Station gewesen, hätte er die Zerstörung seines Lebenswerks miterleben können und danach sein eigenes.

Die darauf folgende Feuerwand lies das seit Jahrtausenden währende Eis schmelzen und verwandelte den Planeten auf einer Halbkugel innerhalb kürzester Zeit  einen Ozean,  den die Schwerkraft des neu aufgetauchten Monds zu gewaltigen Flutwellen auftürmte.

Hätte es auf der Welt noch leben gegeben, wäre es spätestens jetzt ausgelöscht worden.

 

All das konnte die Mannschaft der Kronos nicht wissen, denn zwischen ihnen und Isaari befand sich nun das neue Schiff , welches  ihnen die Sicht versperrte. Zum Glück, wie man festhalten konnte. So war der Kronos von den schlimmsten Auswirkungen verschont geblieben. Wäre die Kronos näher dran gewesen, wäre sie vermutlich in Einzelteile zerlegt worden

Martin hastete, gefolgt von Seyonn, die letzten paar Stufen hinauf und stürzte durch die Tür in das Kommandozentrum des Schiffs.

,, Was ist das ?“ , fragte er, nachdem er realisiert hatte, das die Bilder welche die Kameras lieferten keine Fehler waren.

 Sie stellten tatsächlich alle ein und dasselbe, zusammenhängende Objekt dar.

Auf die Entfernung musste es mindestens die Größe eines Kleinstplaneten haben.

,, Ich habe keine Ahnung.“ , erwiderte Ägir. Zu seinen Füßen lagen immer noch die Überreste der Pfeife. ,, Bei der Annäherung hielt ich es noch für einen Asteroiden… oder etwas anderes… aber das hier…“

,, Es ist definitiv künstlich.“ Meldete sich Hals Stimme. ,, Laut Sensoranalyse besteht die Oberfläche komplett aus ein und derselben metallischen Legierung. Mir gefällt das nicht.“

Der letzte Satz hätte Martin unter anderen Umständen zu denken gegeben.

Die KI hatte nicht Kundtun, das ihr etwas gefiel oder nicht. Aber unter den gegebenen Umständen… ihm gefiel das auch nicht.

,, Seyonn, irgendeine Ahnung was das ist ?“

Der Abgesandte der Unity antwortete nichts. Er starrte einfach nur auf die Sichtbildschirme. Dann nickte er. Langsam. ,, Das ist ein Weltenschiff.“

Die Angst, die dabei in seiner Stimme lag, ließ Martin die Haare zu Berge stehen. Wovor sollte ich jemand von der Unity fürchten?

,, Ich frage nicht nach dem Namen, ich meine verdammt nochmal, wer da hinter steckt.“

,, Sie haben nur die Namen, die sie sich selbst geben und ich werde sie nicht dabei nennen. Ausgestoßene, Verräter.“ Die Angst war Hass gewichen.

Martin gab auf. Offenbar wollte Seyonn ihm keine wirkliche Antwort geben. Fürs erste reichte es aus. Aber wenn sie hier lebend rauskamen, würde er ihm einige Fragen beantworten müssen.

,, Tut sich schon irgendwas ?“

,, Nein, seit das Ding vor ein paar Minuten aufgetaucht ist nicht. Ich kriege nicht einmal eine Energiesignatur rein, aber das heißt nichts. Die Schockwelle, die es beim Auftauchen verursacht hat, hat die Hälfte unserer Systeme überlastet und manche sind noch immer nicht

wieder stabil.“

,, Holen sie Adams her. Der soll sich das Weltenschiff ansehen.“

Seyonn löste sich endlich aus seiner starre. ,, Ich würde ihnen eher empfehlen zu fliehen, solange das noch möglich ist.“

 

,, Was zum Teufel macht ihnen solche Angst ? Also entweder sie sagen mir, was genau das da drüben ist, oder schweigen.“

Seyonn schüttelte nur den Kopf.

,, Rufen sie Adams.“ , meinte Martin und Ägir streckte eine Hand aus, um die Lautsprecheranlage zu aktivieren, hielt aber mitten in der Bewegung inne.

,, Da passiert irgendwas.“ , meinte Ägir  mit einem Blick auf die Scanner. ,, Plötzliche Energiespitze…“

Ein Glühen stieg aus einer der Rissartigen Vertiefungen in der Oberfläche des Schiffs oder Planeten auf.  In diesem Moment wurde ihm klar, was diese Vertiefungen waren.  Massebeschleuniger nach Railgunprinzip. Und das glühen war das aufsteigende Plasma, das beim Abfeuern der Geschosse entstand. ,, Scheiße, Ausweichmanöver..“ Weiter kam er nicht.

Ein Lichtblitz löste sich aus den Waffenschächtend es Weltenschiffs. Für Martin wirkte es, als würde er direkt in

den Sonnenaufgang blicken.

Das Projektil traf die Kronos direkt. Die Magnetschilde lenkten es lediglich ein wenig von seiner Flugbahn ab und das einzige, was sie davor rettete sofort vernichtet zu werden, waren die Unity-Energieschilde.

Trotzdem waren die Auswirkungen katastrophal.

Zum zweiten Mal wurde Martin zu Boden geschleudert, als das durch die Schilde abgeschwächte Projektil die Hülle des Schiffs durchschlug. Eine der Außenkameras wurde zerstört und der dazugehörige Bildschirm färbte sich Schwarz, mehrere Warnlampen blinkten  auf.

,, Hülle auf  Deck 6 Durchschlagen. Ebene wird abgeriegelt um  Sauerstoffverlust zu reduzieren. Magnetische Ablenksysteme  ineffektiv. Energieschild ausgefallen. Mehrere Verletzte auf den Ebenen 2-5. Integrität des Schiffsrumpfs gefährdet.“ , zählte HAL die Folgen des Treffers auf.

Das einzelne Projektil hatte das Schiff bereits fast zerstört.

,, Soviel dazu keine Kratzer ins Schiff zu machen. Gegenangriff, Feuerbefehl an alle Stationen. Wollen mal sehen, wie denen ihre eigene Medizin schmeckt.“

Die Geschütze der Kronos flammten auf. Ihr Gegner hatte einen Fehler gemacht, und nur ein Geschützt gleichzeitig

abgefeuert.  Martin würde diesen Fehler nicht wiederholen.

Acht Gleichzeitig abgefeuerte Railgunprojektile rasten auf das Weltenschiff zu. Und verglühten bevor sie ihr Ziel auch nur erreichten.

,, Irgendeine Wirkung ?“

,, Negativ. Die Geschosse wurden noch vor der Oberfläche des Weltenschiffs abgefangen.“ , meldete sich Hal.

,, Verdammt, noch ein Versuch. Nächste Salve vorbereiten…“

Sie sollten die Chance nie erhalten.

,, Schon wieder eine Energiespitze.“ , meldete Ägir, der diesmal vorbereitet war und nur auf den richtigen Augenblick wartete.  ,, Moment…Scheint

als würden sie es diesmal ernst meinen.“

Mehrere leuchtende Punkte erschienen auf der Oberfläche des kugelförmigen Objekts . Ihnen blieben vielleicht noch ein paar Sekunden bis die Kronos  im Kreuzfeuer zerfetzt werden würde.

,, Wir sind tot, wenn wir bleiben.“ , sagte Seyonn.

,, Er hat recht.“ , bemerkte der Navigator. ,, Noch ein Treffer und wir sind tot.“

,, Ägir, bringe sie uns hier weg sofort. Egal wohin nur weg.“

Ägir folgte den Anweisungen nur all zu gerne.

,, Also gut. Alle festhalten.“ Das Glühen auf dem Weltenschiff wurde heller.

Der Nova-Generator sprang an. Die Welt schien sich kurz zu verzerren, als das Schiff die Lichtmauer durchbrach nur um Sekunden später zurück auf normale Geschwindigkeit zu fallen.

In dem Moment, wo sich die Kronos in der Leere des Alls wieder materialisierte, ging der Kommandoraum in Flammen auf. Zum dritten Mal wurde Martin zu Boden geschleudert.

Etwas musste entsetzlich schief gegangen sein

Sie waren gesprungen, soviel wusste der Pilot noch, als er diesmal die Augen öffnete.

Er hatte einen kurzen Blick auf die Sichtbildschirme werfen können, bevor

alles in Flammen aufging.

Die verbliebenen funktionierenden Bildschirme  waren implodiert und hatten einen Regen aus Scherben auf sie niedergehen lassen… und die Kontrolle….

Er richtete sich auf. An einer Stelle der Decke hingen lose Kabel herab.

Fast sämtliche Lichter waren erloschen, das einzige, das noch Helligkeit spendete war die verbliebene Notbeleuchtung.

,, Geht es ihnen gut ?“ , hörte er Seyonns Stimme.

,, Ich glaube schon.“ , erwiderte er, als er sich aufsetzte. ,, Wo ist Ägir ?“

,, Keine Ahnung.“

,, Ich bin hier.“ , meldete sich eine

schmerzverzerrte Stimme.

,,HAL, Energieversorgung wiederherstellen, wir brauchen Licht.“ , befahl Martin.

Die Lichter gingen wieder an.

Ägir stand, sich mit einer Hand aufrecht haltend, an einer noch abreitenden Konsole. Ein Splitter von einem der Bildschirme hatte sich ihm in die Schulter gebohrt, aber er ignorierte die Scherbe.

,, Was war das ? Hat der Treffer vorhin das ausgelöst?“ , fragte Martin

,, Unwahrscheinlich. Da hat jemand nachgeholfen.“ , erwiderte Ägir.  Die Schiffssysteme wurden generell so simpel wie möglich gehalten, damit diese

auch nach schweren Beschädigungen noch zuverlässig funktionierten. ,, Bleibt nur die Frage wer ?“

,, Weiß ich nicht, ist mir aber erst einmal auch egal. Wo sind wir?“ , fragte Martin

,,Mitten im Nirgendwo. Und eins kann ich euch auch ohne Überprüfung sagen. Dieses Schiff fliegt so schnell nirgendwo mehr hin.“ , prophezeite Ägir. ,, Wenigstens funktioniert die Lebenshaltung noch zuverlässig.“

,, Ich schau mir das ganze Mal an.“ , meinte Seyonn. ,,Vielleicht haben wir doch Glück und es ist nicht so schlimm.“

,, Gut, machen sie das. Und berichten

sie mir dann, was sie finden.“ , merkte Martin an.

 

Von all dem bekam Coel natürlich nichts mit. Er war mehr als eine halbe Galaxie entfernt.

,, Warum bringen sie mich hierher ?“ , wollte er wissen, während er ungläubig auf die verbrannte Welt unter ihm starrte. Als er zuletzt hier gewesen war, hatte Artherium in Flammen gestanden. Und noch immer zogen sich Ströme aus Lava und geschmolzenem Gestein über die unwirtliche Oberfläche.

,, Ich bin nicht wegen ihnen hierhergekommen.“ , erklärte Aine.

Das Shuttle steuerte auf dem Planeten

zu.

,, An das GTDF-Shuttle. Das hier ist  Sperrgebiet. Identifizieren sie sich, oder wir müssend das Feuer eröffnen.“ Ein dunkler Schatten verdeckte die Sicht auf den Planeten.

 Kolonieschiffe, dachte Coel .Da die Oberfläche nicht mehr Bewohnbar war, hatte man eine andere Möglichkeit finden müssen, um Bergbau zu betreiben. Unter anderem diese mehr schwebenden Städten ähnelnden Konstrukte, auf denen die die Kolonisten und Arbeiter lebten.

Für den Abbau wiederum, war ein anderer völlig neu entwickelter Schiffstyp entwickelt worden, die über ein künstliches Schwerkraftfeld die

Kruste eines Planeten bis zu zwanzig Kilometer tief aufbrachen und ganze Quadratkilometer Land anhoben, so dass man leicht an die in der Tiefe liegenden Rohstoffe zu gelangen. Die durch dieses Vorgehen entstandenen Krater waren selbst aus dem Orbit zu sehen.

,, Ich sage denen Besser wer wir sind.“ , meinte Coel.

Aine gab keine Antwort.

,, Ich nehme mal an, das soll wohl Ja heißen.“ Er stellte eine Funkverbindung mit dem Kolonialschiff her.

,, Hier ist Rafail Coel von der Kronos. Ich bin im Auftrag der GTDF unterwegs. Die Landung hier ist Autorisiert durch Admiral Cain Steel.“

Einige Sekunden schweigen. ,,Sie stehen nicht auf der Liste der Offiziellen GTDF-Mitarbeiter.“

,, Natürlich nicht, die haben mich auch erst vorgestern wieder eingestellt.“

,, Dann kann ich ihnen keine Landeerlaubnis erteilen tut mir leid. Aber wenn sie nicht abdrehen müssen wir das Feuer eröffnen.“

Er warf einen Blick in Richtung Aine. Sah nicht so aus, als ob die Artheranerin das Schiff abbremsen würde.

,, Senden sie halt eine Anfrage an das Oberkommando auf der Erde. Die werden ihnen sagen, dass ich eine Genehmigung habe.“

,, Das mag ja alles so sein.. Coel Richtig

? Aber das dauert ein paar Stunden.“

Coel musste sich etwas Überlegen. Nicht nur, das er selbst keine Lust hatte Stundenlang auf eine Freigabe zu warten,  Aine schien auch nicht unbedingt zu glauben, dass sie sterben würden, wenn sie die Warnungen weiter ignorierten.

,, Wie heißen sie ?“ ,

Eine neue Stimme meldete sich. ,, Hammond, Kapitän der Atlas. Sie sind ohne Genehmigung hier. Drehen sie um, oder sie werden es bereuen. Ich warne sie nicht noch einmal.“

,, Hören sie Kapitän, ich bin für die GTDF unterwegs. Und ich habe keine Zeit auf eine verdammte Genehmigung zu

warten. Sie haben jetzt also zwei Möglichkeiten. Entweder, sie ziehen ihre Befehle durch und erklären Admiral Steel später, wieso einer seiner Leute als Staubwolke endete , oder sie lassen uns durch. Was könnten wir ihrer Meinung nach anrichten? Das ist ein Shuttle. Selbst wenn ich es bis unters Dach voll Sprengstoff gepackt hätte würde das nicht ausreichen um ein Kolonieschiff zu Gefährden. Geschweige denn die Anlagen auf Artherium.“

Ein Moment der Stille.  Dann meldete sich Hammond wieder.

,, Fliegen sie durch. Aber seien sie gewarnt. Sollte uns auch nur ihre Anflugroute nicht gefallen…“

,, Hab schon verstanden. Coel Ende.“ Er unterbrach den Funkkontakt ,, Sie lassen uns durch.“ ,sagte er erleichtert.

Aine schwieg weiterhin. Gut, sollte ihm recht sein. Aber eine Sache interessierte ihn doch.

,, Sie wären nicht weiter geflogen, wenn wir keine Genehmigung bekommen hätten, oder ?“

,, Vielleicht.“ , erwiderte Aine.

,, Sie wären weitergeflogen.“ ,stellte Coel für sich fest. ,, Toll. Eine soziopathische Außerirdische am Steuer des Shuttles.“

,, Der Begriff Soziopat würde nahelegen, dass ihr davon ausgeht ich sei psychisch krank. “

,, Bei jemanden, der eine bewachte Sperrzone durchfliegt, würde ich das annehmen.“  Oder sie versuchte einfach nur ihn umzubringen.

Aine nahm die Antwort schweigend hin.

Coel sah aus dem Fenster auf Artherium hinunter. Die Oberfläche des Planeten war jetzt schon nah genug um einzelne Details ausmachen zu können. Rauchschwaden,  die aus Kratern aufstiegen und…

Eine Felswand direkt vor ihnen.

Ohne Vorwarnung ging das Schiff in einen Steigflug über. Coel konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten.

Das war nicht die Oberfläche, sondern eine der durch den Abbau der oberen

Schichten der Planetenkruste entstandenen Schluchten.

Das Shuttle hatte die Kante des Kraters erreicht und landete am oberen Ende der Klippe.

,, War das Absicht ?“

Keine Antwort.

,, Sie versuchen wirklich mich umzubringen.“

 Einen Moment wünschte er sich wirklich auf der Kronos geblieben zu sein. Martin und die anderen hatten schließlich nichts anderes zu tun, als zu warten. Und ganz sicher keine Schwierigkeiten.

Kapitel 25 Hoffnung

,, Also, was wollen wir hier ?“ , fragte Coel.

,, Ich muss es einfach selbst sehen. Seit dem Krieg war kein Artheraner mehr hier. Ihr aber wart ein Schlüssel.“

Natürlich. Mit seiner Autorisierung, auch wenn er diese beinahe nicht bekommen hätte, war es möglich ohne größeren Aufwand  auf Artherium zu landen.

,, Was sehen ?“ , wollte er wissen.

,, Ob wirklich alles weg ist. Das mag für sie seltsam klingen, aber ich habe diese Welt immer al ein Paradies in Erinnerung behalten. Selbst als der Krieg schon eine Weile tobte, gab es immer noch eine

gewisse Schönheit. Unsere Ecke des Universums. Und nun ist alles, was davon bleibt Asche.“

Coel nickte. Ja er konnte es verstehen. Eine ganze Rasse die versuchte einen Neuanfang zu machen, ohne mit dem alten abschließen zu können. Und vielleicht würde er auch selbst einen Schlussstrich ziehen können, überlegte er.

,, Also gut, gehen wir.“ Er streckte eine Hand nach der Steuerung der Luke aus, die sich mit einem leisen Zischen öffnete. Luft von draußen strömte herein, als sich der Druck anglich. Das Atmen fiel schwer, war aber möglich.

Nachdem die Energie der Novawaffe den

Planeten getroffen hatte, hatte sich ein Großteil von dessen Atmosphäre verflüchtigt. Doch auch dafür hatte man eine Lösung gefunden.

Coel trat nach draußen auf das Staubbedeckte Plateau. Hier und da war der rötliche Sand mit gelblichen Sprenkeln durchsetzt. Schwefelbakterien und Cyanoalgen . Diese waren jedoch nicht, wie man annehmen könnte, Überbleibsel der ursprünglichen Fauna von Artherium.  Sie waren gezielt auf dem Planeten ausgesetzt worden.  Das was vor Zehn Jahren von der Atmosphäre des Planeten geblieben war, war größtenteils ein giftiger Mix aus Schwefeldioxid, das sich beim Einatmen

in der Lunge zu Säure wandelte,  und Stickstoffverbindungen.

Mit der Zeit jedoch hatten die ausgebrachten Bakterienstämme die Atmosphäre in etwas verwandelt, das zumindest wieder Atembar war, auch wenn jeder Atemzug brannte  und man aufgrund des geringen Drucks ständig das Gefühl hatte, grade einen Kilometer gerannt zu sein.

Coel trat an den Rand des Abgrunds, der sich vor ihnen auftat und spähte hinab. Zwanzig Kilometer tief. Ein langer Fall. Ein Schauer überlief ihn, als ihm klar wurde, das Aine noch hinter ihm stand. Wenn sie ihn loswerden wollte… würde ein Schubs reichen. Es war dumm

gewesen ohne Nachzudenken an den Abgrund zu treten…

Er meinte spüren zu können, wie sich eine Hand nach ihm ausstreckte. Wartete nur noch auf den tödlichen Stoß.

Nichts geschah.

Nach einer Weile, vermutlich waren es nur Sekunden, auch wenn es ihm wie eine Ewigkeit vorkam, brachte er endlich genug Mut zusammen sich umzudrehen.

Aine stand einige Meter von ihm entfernt ebenfalls am Rand der Klippe. Warum lebte er noch? Ihm war klar dass die Artheranerin keine Chance auslassen würde ihn auszuschalten.  Oder etwa doch ?

Er trat rasch einige Schritte zurück. ,,

Fallen sie ja nicht runter.“ , rief er immer noch nicht ganz befreit von der Schreckensvorstellung die Klippe hinab zu stürzen. Ein Fall so lang, dass man sich überlegen konnte, was wohl auf dem eigenen Grabstein stehen würde.

,, Sie waren während des Krieges auf Artherium.“ , Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.

,, Ja.“ , erwiderte er. ,, Wieso ?“

,, Weil ich mich nicht erinnern kann, wie es hier aussah.“

Coel war verwirrt. ,, Sie haben ein fast eidetisch Gedächtnis und wollen mir erzählen, sie hätten vergessen wie es auf ihrem Heimatplaneten aussah ?“

,, Auch ich bin nicht immun gegen

Selbstsuggestion. Wie man sich erinnert, wird immer auch durch die eigenen Erwartungen beeinflusst. Aber… ich muss wissen, wie es hier wirklich war. „
Bilder, die seinen Verstand trafen. In der Dämmerung leuchtende Wälder. Dazwischen das funkeln von Lichtern. Häuser, kleinere Siedlungen. Ihm unbekannte Sterne am Himmel. Die Bilder verloschen.

,, Sah es so aus ? Oder suche ich mir nur das aus meinen Verstand, was mir grade passt? Ich weiß es nicht.“ Coel versuchte nachzuvollziehen, warum ihr das so wichtig zu sein schien. Erinnerung war suggestiv. Punkt.

Aber  wenn man ein perfektes

Gedächtnis besaß, dann wurde es plötzlich wichtig sich an alles so erinnern zu können wie es war… oder das eigene Leben wurde zu einem Trugbild, einem Schemen, dem man nicht trauen konnte.

Aber eine viel wichtigere Erkenntnis begleitete seine Überlegungen.

,, Sie können es kontrollieren. Sie können kontrollieren welche Gedanken sie weitergeben.“

,, Nicht völlig.“ Sie schüttelte den Kopf. Eine  seltsam menschliche Geste. ,, Sah es so aus ? Oder ist diese Welt nur ein Trugbild ?“ Ihre Stimme klang leicht verzweifelt… aber gleichzeitig auch mit einer unverhüllten Wut.

Er sah einen Moment zu Boden, weil er die Antwort nicht kannte. Nicht kennen konnte. Was erwartete sie? Seine Erinnerungen waren genauso Beeinflussbar, wenn nicht sogar mehr.

Für ihn war diese Welt ein Schlachtfeld. Und was er abgesehen davon hier gesehen hatte waren Tod und leid.

Er betrachtete den Staub unter seinen Füßen. Der beständige Wind hatte ein Wellenmuster hineingezeichnet, das ihn an den Meeresgrund bei Ebbe erinnerte.

Nur gab es hier kein Wasser, kein Leben.  Nur Asche…

Aber… war da nicht etwas im Sand? Ein heller Fleck der ihm ins Auge sprang? Es schien unmöglich… und doch war es da.

Er hatte seine Antwort.

Coel kniete sich hin und wischte den Sand bei Seite.

Ein silbriges Blatt kam zum Vorschein, das vorher halb begraben gewesen war.

,, Vielleicht müssen wir uns gar nicht immer erinnern. Manchmal können wir auch darauf vertrauen, das Alte erneut mit eigenen Augen zu sehen.“

Aine trat von der Klippe zurück um sich anzusehen, was er gefunden hatte.

,, Das ist eine Pflanze. Aber… hier sollte alles tot sein.“

,, Sollte. Aber… Manchmal muss allein die Hoffnung darauf ausreichen, das das was sein sollte, nicht stimmt.“

Aine nickte. Wieder eine menschliche

Geste. Manches übernahm man schnell und ohne es selbst zu merken, wie Seyonn ihr hätte bestätigen können.

 

Dieser allerdings starrte grade auf einen Haufen durchgebrannter Kabel.

Der Unity-Abgesandte steckte in einem der Wartungsschächte auf dem Maschinendeck und sah sich den Schaden, den die Begegnung mit dem fremden Riesenschiff hinterlassen hatte.

,, Wie sieht es aus ?“ , fragte Adams, als der Botschafter  der Unity  aus dem Schacht kletterte.

,, Nicht gut.  Da ist alles komplett durchgeschmort. Irgendjemand hat die Energieverteilung so manipuliert, dass

ein Teil der beim Hochfahren des Nova-generators freiwerdenden Energie in die Systeme gelangt ist. Wir hatten Glück, dass es uns nicht zerrissen hat.“

,, Und können wir’s reparieren ?“

,, Tja,“ Seyonn dachte nach ,, Ersatzteile haben wir genug und wenn wir sofort anfangen sind wir in ein paar Stunden wieder flugbereit. Aber….“

,, Sie befürchten, das uns das nichts nützt ?“ , stellte der Doktor mehr fest, als das er fragte.

Der Unity-Gesandte nickte. ,, Solange wir nicht wissen, wer uns so übel mitgespielt hat, besteht jederzeit die Chance, das es das Schiff beim nächsten Sprung wirklich Zerlegt.“

,, Darüber habe ich auch schon nachgedacht.  Ich muss bedauerlicherweise sagen, das Aine wohl ausscheidet. Sie war nicht mal in der Nähe einer Konsole, das hätte HAL bemerkt. Haben sie eine Idee, wer es sein könnte?“ , wollte Adams wissen und begann an einer kleinen Konsole zu arbeiten, die noch funktionierte und ihnen ein Übersicht über die Schäden zusammenstellte. Zusätzlich zu den Treffern, die sie während des kurzen Gefechts mit dem Weltenschiff eingesteckt hatten, gab es mehrere dutzend kleinerer Risse in der Außenhülle. Gegen diese würde man allerdings nichts tun können. Nicht bis

sie einen Planeten erreichten.

,, Vielleicht.“ , erwiderte er. Seyonn wusste sogar ganz genau, wer in Frage kam… Aber er zögerte sein Wissen Preis zu geben. Noch nicht. Den der Moment in dem er das Tat… war der Moment in dem er die Kontrolle über das Geschehen vollkommen verlieren würde.

Der Professor musste etwas von diesen Überlegungen aus seinen Gesichtszügen aufgeschnappt haben… oder vielleicht hatte er auch nur geraten.

,, Sie wissen bereits wer es ist.“

,, Wie gesagt, vielleicht.“ , gab Seyonn zurück.

,, Sie müssen das Martin sagen, ich meinen, sie können das nicht für sich

behalten.“

,, Das kann ich schon.“ , erwiderte Seyonn.

,, Aber sie haben es mir praktisch schon verraten.“

,, Wenn sie es selbst herausfinden, bitte. Wer ist es ihrer Meinung nach?“

,, Sie scheiden aus. Nicht, das ich sie nicht im Verdacht hätte, aber dann würden sie meine Bedenken bezüglich eines neuen Sabotageaktes zu zerstreuen suchen. Ägir war die ganze Zeit auf der Brücke also…“ Adams wurde bleich.,, Martin.“

,, Was ist mit ihm ?“

,, Wir müssen sofort los. Er trifft sich grade mit…“

Grace Hemingway sah auf, als Martin in den Kommandoraum der Kronos trat.

,, Haben wir eine Verbindung zur Erde ?“ , fragte er.

,, Nein. Wir sind zu weit draußen. Wenn ich unsere Koordinaten richtig bestimme habe sind wir Lichtjahre von jedem bewohnten System entfernt. Also auch keine Botensonden, die wir nutzen könnten.“

,, Verdammt.“ Martin schlug mit einer Hand auf eine Konsole, die sowieso schon in Trümmern lag.

Einige Porzellansplitter auf dem Boden zeigten ihm, wo Ägir gestanden hatte, als das Weltenschiff aufgetaucht war. Seyonn weigerte sich noch immer ihm

irgendetwas zu sagen  und die Antwort aus ihn rauszuholen war wohl unmöglich.

Wenigstens schien es, als würde Ägir mit dem Schrecken und einer Narbe davon kommen. In den ersten paar Minuten nach dem Sprung hatte ihn die Scherbe  in seiner Schulter scheinbar kaum gestört, trotzdem hatte Martin darauf bestanden, das der Kapitän sich untersuchen ließ. Vor allem, weil er ständig Blut verlor.

Aber egal wie man es betrachtete, die Lage war ernst. Solange es Adams oder Seyonn nicht gelang, die Kronos wieder Funktionsbereit zu machen saßen sie hier fest und das ohne Kontakt zur

Außenwelt.

Und dann musste noch immer ein Saboteur an Bord sein, der die Systeme beim Sprung überlastet hatte.

Deshalb war er hier.

,, Wissen sie Hemingway , ich  habe nachgedacht.“ Seine Hand legte sich auf den Griff der Pistole die er trug.

,, Über was ?“ Sie schien es nicht zu bemerken.

,, Es gibt genau drei Personen auf diesem Schiff, welche die Möglichkeit hätten die Systeme zu manipulieren.“

,, Und das wären ?“ , wollte sie wissen. War das ein Hauch von Misstrauen in ihrer Stimme ?

,,Da wäre einmal Seyonn. Der

klischeehafte Überlegene Verstand, von dem man einfach nie weiß, was er vorhat. Er war ursprünglich mein Hauptverdächtiger.  Dann jedoch stellte ich mir die Frage : Hätte Seyonn den  Fehler begangen an Bord zu bleiben ? Nach allem was ich mittlerweile über ihn und die Unity weiß, wäre das sehr unwahrscheinlich.“

Er fuhr fort.

,,Dann ist da noch Ethan Adams.  Der Professor mit seinem Hass auf die Artheraner…. Und einem triftigen Grund Selbstmord zu begehen. Das er uns dabei alle mitnehmen würde, kann ihm dann ja auch egal sein. Vielleicht würde er es auch genau deswegen tun, wer weiß.

Ich weiß jedoch auch, dass er es nicht wahr. Wie er selbst sagte… Selbstmord braucht Mut. Und wie kann ich erwarten, dass ein Mann, der es nicht  schafft sich selbst zu richten ein ganzes Schiff voller Seelen in den Abgrund reißt?“

,, Und die dritte Person ?“

Martin lächelte kalt. ,, Sie.“

,, Wie bitte ?“

,, Von allen Personen auf diesem Schiff, von allen Verdächtigen, sind sie die einzige, die über eine Freigabe für die Wartungsdecks verfügt. Sie hatten nicht nur die Mittel sondern auch die Zeit alles Mögliche mit den Systemen anzustellen. Das einzige was mir bei ihnen fehlt Hemingway… ist ein Motiv. Ihre Akten

hat mir Hal gegeben. Sie sind seit Jahren bei der GTDF. Wieso also ?“

,, Was erlauben sie sich ? Ich bin…“ Sie trat ein paar Schritte auf ihn zu.

Martin zog die Waffe und richtete sie auf den Kopf der Verbindungsoffizierin.

,, Zurück.“

,, Sie glauben doch nicht wirklich das ich…“

,, Ich glaube was ich muss.“  , erwiderte er.

Ihre Haltung veränderte sich plötzlich. Aus dem eingeschüchtert Wirkenden Menschen ihm gegenüber schien plötzlich etwas völlig anderes zu werden .Fast , als würde plötzlich  eine andere Person vor ihm stehen.

,, Was zur…“ Martin zögerte kurz und lies die Waffe sinken, dann riss er sie wieder hoch.

,, Leugnen bringt wohl nichts mehr was ?“ Sie trat wieder einen Schritt auf ihn zu.

,, Stehen bleiben.“

,, Was wollen sie tun mich erschießen ?“

,, Glauben sie nicht, das ich zögern werde.“ , erwiderte er und packte die Waffe jetzt mit zwei Händen.

Wieder ein Schritt nach vorne. Martin zog den Abzugsbügel durch und… Grace verschwand, löste sich vor seinen Augen in eine Wolke grauer Partikel auf…

Die sich im nächsten Moment hinter seinem Rücken wieder zusammensetzten.

 Er wirbelte herum.

Sie versetzte ihm einen Schlag in die Magengrube, der ihn quer durch den Raum schleuderte. Viel zu stark, dachte er noch im Flug. Was zum Teufel war sie ?

 Er feuerte erneut eine Kugel in ihre Richtung. Diesmal traf das Projektil und schlug in ihre Schulter ein. Kein Blut, kein Schmerzensschrei. Er feuerte noch eine Kugel auf Grace, noch eine. Keine Wirkung.

,, Sie hätten das Angebot ausschlagen sollen.“ Meinte sie und holte aus. Die Hand schien plötzlich ihre Gestalt zu verändern und formte sich zu einer Klinge. ,, Zu Schade.“

Martin schloss die Augen und wartete auf den Tod.

Ein Aufschrei.

Er öffnete die Augen wieder.

Grace Hemingway lag zusammengesackt auf dem Boden. Und über ihr stand Seyonn von der Unity.

,, Ist sie… Tod ?“ ,fragte ein verängstigter  Adams.

,, Nur Bewusstlos. Ich töte meine eigene Art nicht gerne.“

Martin setzte sich langsam wieder auf. ,, Sie schulden mir mehr als nur eine verdammt gute  Erklärung hierfür.“

Kapitel 26 Enclave

,, Ich will endlich antworten Seyonn.“ Seit dem Zwischenfall mit Grace waren erst ein paar Minuten vergangen, aber Martin hatte endgültig genug. Es gab zu viele offene Fragen,  zu viel was ihm der Unity-Botschafter verschwieg. Er wollte aus dem Stuhl aufstehen, in dem er saß, doch ein plötzlicher stechender Schmerz überzeugte ihn davon, dass sitzen vielleicht doch ganz angenehm war. Grace oder was immer ihn auch angegriffen hatte, musste ein paar Rippen geprellt haben.

Seyonn seufzte. Es hatte keinen Sinn mehr. Aber ein wenig Zeit gewinnen

wollte er trotzdem.

,, Die bekommen sie. Die Schiffsysteme sind bald repariert, dann  können wir hier weg  und dann bekommen sie ihre Antworten. Warten sie nur noch etwas.“

,, Worauf bitte soll ich warten, sie könnten mir jetzt sofort sagen, was ich wissen will. Wer hat uns angegriffen? Und vor allem… wieso sagten sie vorhin Grace sei von der Unity ?“

Nach dem Zwischenfall hatten sie die Bewusstlose in einen abgeschirmten Raum auf den unteren Decks gesperrt, aus dem sie, wie Seyonn meinte, nicht rauskäme.  Noch dazu würde Hal jede ihrer Bewegungen überwachen.

,, Weil es so ist. Wobei sie nicht

wirklich zur Unity gehört. Eine Splittergruppe… Das ist kompliziert zu erklären, deshalb bitte ich sie zu warten, bis wir Enclave erreichen. Ich bitte sie einfach, mir zu vertrauen.“

,, Wir fliegen also tatsächlich dorthin ? Ich dachte sie dulden dort niemanden.“ , meinte Adams.

,, Wir sind lieber unter uns. Aber man wird uns landen lassen, wenn ich es gestatte. Sie sollten das als Ehre auffassen. Sie sind vermutlich die ersten anderen  Lebewesen, die den Planeten seit ein paar Jahrtausenden betreten.“

,,  Tolle Ehre. Mir wer es lieber wir hätten gar keinen Grund. Dieses… Weltenschiff ist noch immer irgendwo da

draußen. Und Coel jagt vielleicht einer falschen Spur nach.“

,, Das glaube ich nicht.“ , erwiderte Seyonn, führte diese Behauptung aber nicht näher aus. Wieder ein Geheimnis , das er für sich behielt.

,, Also gut, wann können wir los ?“

,, Die Steuerung für die Nova-Generatoren ist wieder online. Die restlichen Reparaturen sind unkritisch  und können warten.“ , meldete sich HAL.

,, Das heißt solange unsere Unbekannten Freunde nicht noch einmal auftauchen.“ , bemerkte Adams. ,, Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass der Nova-Antrieb, den das  Weltenschiff haben muss, für die Ereignisse im

Trinity-System mehr als ausreichend gewesen ist.

,, Ich hoffe mal, das es uns erspart bleibt, das rauszufinden.“

 

Die Kronos tauchte als glühender Punkt am Nachthimmel über Enclave auf. Ägir, der es sich nicht hatte nehmen lassen wieder die Steuerung des Schiffs zu übernehmen, verlor kurz etwas die Kontrolle, stabilisierte das Schiff dann aber wieder. Einige der Sensoren, die automatische Kurkorrekturen durchführten waren ausgefallen, so dass der Kapitän der Handelsmarine sich beim Fliegen mehr auf sein Gespür, als auf die Technik verlassen musste.

Martin warf einen Blick auf einen der Sichtbildschirme, auf denen Enclave in Sicht kam. Aus der Ferne wirkte der gelb schimmernde Planet beinahe Winzig. Dabei war der Planet, der um der  um einen blauen Zwerg kreiste nahezu doppelt so groß wie die Erde, besaß aber Aufgrund eines überwiegend aus leichten Elementen bestehenden Aufbaus in etwa die selbe Schwerkraft.  Darin erschöpfte sich allerdings auch schon sein Wissen über diese Welt.

An sich wusste die Menschheit mehr, über die Oberfläche der blauen Zwergsonne des Systems, als über Enclave selbst.

Wobei der Begriff Zwerg für diese

Sonnentypen ziemlich unpassend war. Ein blauer Zwerg strahlte ganze Zehntausendmal Stärker, als jegliche anderen Hauptreihensterne. Verglichen mit der Sonne der Erde, wäre diese wohl wie eine Kerze neben einem voll beleuchtetem Weihnachtsbaum erschienen. Allerdings existierten solche Sterne auch im galaktischen Maßstab gesehen nur sehr kurz. Innerhalb weniger Millionen Jahre hatten  sie all ihren Wasserstoff zu Helium umgewandelt und traten in den Zustand eines roten Riesen über.

Die Sonne von Enclave hatte allerdings wohl noch einige  Millionen Jahre vor sich. Es war etwas anderes, das Martin

Sorgen machte.

Blaue Sterne gaben allgemein sehr viel Ultraviolette Strahlung ab. Für die Unity stellte diese Strahlung wohl kein Problem dar, aber für ihn und die anderen…

,, Wir brauchen da unten aber keine Schutzanzüge , oder ?“ , wollte er wissen.

,, Wir landen auf der Nachtseite des Planeten, also nein. Und selbst wenn die Sonne aufgeht, holen sie sich zwar vielleicht den schlimmsten Sonnenbrand ihres Lebens, sollten aber keine Schäden davontragen.“

Martin sah hinab auf die näherkommende Golden Leuchtende Kugel. Vermutlich bestand ein Großteil der

Planetenoberfläche aus Sand, der das Licht des Sterns reflektierte.

,, Gibt es dort unten eigentlich Leben ?“ , wollte Ägir wissen. ,, Die Strahlung würde jeglichen irdischen Organismus  irgendwann grillen.“

,, Nun, es gibt einige Pflanzen, die sich darauf spezialisiert haben, UV-Strahlung zur Photosynthese zu nutzen.“

,, Ich vermute mal, die dürften dann größtenteils dunkel gefärbt sein. Vielleicht sogar schwarz ?“ , fragte Adams.

,, Richtig“ , Der Energiegehalt von Ultravioletten Licht, ist niedriger als der von Infrarotstrahlen oder normalen Licht. Das bedeutete für Pflanzen, die

ihren Stoffwechsel darauf ausrichten aber, dass sie mehr davon aufnehmen mussten, um genug Energie  für den Photosynthese-Prozess  zu haben und eine  dunkle Farbe absorbierte mehr Energie als helle, die diese reflektierten. 

,,Wir landen allerdings in einem der wenigen bebauten Gebiete. Sie bekommen also vermutlich keine zu Gesicht. Ich melde unsere Ankunft besser“

Der Abgesandte der Unity stellte eine Funkverbindung her. Martin fragte sich, ob die Unity bevor sie den Menschen begegnet waren überhaupt Funk verwendet hatten. Vermutlich nicht.

,, Hier ist Seyonn.“

Eine ruhige Stimme meldete sich. ,, Willkommen zurück, es ist eine Weile her.“

,, Und ob es das ist. Aber ich fürchte ich bringe dringende Neuigkeiten.“

,, Wie dringend ?“

,, Ich muss mit Utgar sprechen.“

Es folgte eine Sekundenlange Pause. Martin dachte schon, die Verbindung wäre gestört oder unterbrochen.

Dann meldete sich die Stimme zurück.

,, Sie reisen auf einem menschlichen Schiff.“

Es war eine Feststellung. Und ganz klar keine Positive.

,, Das ist richtig. Ich kehre nicht allein zurück.“ , erwiderte Seyonn.

,, Landen sie. Ich hoffe sie wissen was sie tun.“

,, Das hoffe ich auch.“

Seyonn  unterbrach die Verbindung.

,, Wer ist Utgar ?“ , wollte Martin wissen, während die Kronos in einen Landeanflug überging.

,, Vielleicht das interessanteste Lebewesen, das sie je treffen werden.“

 

Ein kurzer Ruck ging durch das Schiff, als die Kronos die Atmosphäre des Planeten durchquerte. Dann konnte Martin zum ersten Mal einen näheren Blick auf die Oberfläche werfen. Wie er bereits vermutet hatte, erstreckte sich unter ihnen ein fast endlos wirkendes

Sandmeer, das im Feuer des O-Klasse Sterns bläulich schimmerte. Hier und da ragten Felsen aus dem Untergrund. Ansonsten gab es anfangs nichts zu entdecken, als den über die Oberfläche des Sandes rasenden Schatten der Kronos und den Staubsturm, welchen das Schiff hinter sich herzog.

Dies änderte sich jedoch schlagartig, als sie die Nachtseite des Planeten erreichten.

Mitten in der dunklen Wüste so schien es befand sich ein perfekt kreisrunder Ring aus grauem Stein.

Rundherum war allerdings weiterhin alles verlassen.

,, Landen sie dort vorne.“ , wies Seyonn

Ägir an. Es war nicht schwer zu erraten, dass er die steinerne Plattform meinte.

,, Sie sagten, wir landen in Bewohntem Gebiet.“ , meinte Martin.

,, Das tun wir auch, vertrauen sie mir.“ ,

Ägir brachte das Schiff in einen Anflugwinkel mit der Steinplatte und landete erstaunlich sanft auf der Oberfläche.

Nachdem das Schiff zum Stillstand gekommen war wendete sich Martin erneut an den Unity-Abgesandten.

,, Was jetzt ?“

,, Wir gehen raus.“

Gesagt getan. Wenige Minuten später trat Martin über eine Frachtluke ins Freie. Gefolgt von Seyonn und…

,, Müssen wir sie wirklich mitnehmen ?“ , fragte er , als Grace aus dem Schiff trat.

,, Keine Sorge. Sie wird es nicht wagen hier Ärger zu machen.“ , erklärte Seyonn.

,, Und da sind sie sich sicher ?“

,, Ich will nicht sterben.“ , erwiderte Grace.

,, Dann können sie mir vielleicht verraten, was sie sind und wie das alles zusammen hängt, den Seyonn weigert sich ja mit irgendwas zu erklären.“

Sie schwieg.

,, Toll,  einfach Großartig. Seyonn, ich hoffe wirklich, dieser Utgar.. hat ein paar Antworten.“

,, Keine Sorge, die hat er.“

Um die Plattform herum schien es nichts zu geben, als weitere endlose Wüste. Langsam begann er daran zu zweifeln, dass sich noch etwas tun würde.

,, Was genau mache wir hier eigent…“

Der Rest seines Satzes ging in einem dröhnenden Geräusch unter, als sich die Steinplatte auf der sie und die Kronos standen sich plötzlich absenkte.

,, Ich sagte doch, wir landen in Bebautem Gebiet.“

,, Sie sagten nicht, dass das unterirdisch liegt.“

Die Platte war jetzt auf einer Ebene mit dem Sand und Martin fürchtete kurz, sie würden einfach verschüttet werden.

Aber irgendetwas hielt den Sand an seinem Platz, so dass dieser einen Tunnel um die absinkende Plattform herum bildete.

,, Ist da draußen alles in Ordnung bei euch ?“ , fragte Ägir über Funk.

,, Soweit schon.“

,, Ich hab hier drin Probleme mit den Instrumenten. Laut denen sind wir nämlich...äh… Unter der Erde.“

,, Wir sind unter der Erde, schalten sie mal die Sichtbildschirme ein.“

Ein Moment des Schweigens folgte, bevor sich der Navigator zurück meldete : ,, Mein Gott.“

Martin hätte es nicht besser ausdrücken können. Die Wände aus Sand waren kurz

einer Schicht aus einem metallischen Material gewichen…. Und jetzt schwebte die Plattform völlig frei im Raum einer gewaltigen Höhle. Zumindest hielt er es zuerst dafür, bis er sich weit genug an den Rand der Steinplatte herantraute um herunter zu spähen.

Lichter schimmerten in der Tiefe und ein feiner Nebel aus grauen Partikeln, die sich hier und da zu schemenhaften Umrissen zusammensetzten, schwebte durch die Leere.

,, Was ist das ?“ , fragte Martin, als er wieder ein paar Schritte zurück trat.

,, Wir.“ , antwortete Seyonn tonlos. ,,Nanospeicher in nicht vernetztem Zustand. Ein paar Millionen  davon

enthalten jeweils ein Bewusstsein.  Wir nehmen keine  Gestalt an, wenn wir es nicht müssen.“

Martin erwiderte nichts.

Aber aus dem grauen Partikelsturm der um sie herum tobte, löste sich eine Gestalt und trat auf die Plattform, die immer noch weiter in die tiefe sank.

Zuerst sah es erneut so aus, als würde sich ein Schemen aus den Partikeln bilden nur um sich gleich darauf wieder zu zerstreuen. Diesmal geschah dies jedoch nicht. Stattdessen verdichtete sich die Gestalt und schließlich stand ein Mann, vom Aussehen her mittleren Alters auch wenn das bei der Unity keine Rolle spielte, vor ihnen auf der Plattform.

Kalte, aber nicht unfreundliche, Augen musterten die Eindringlinge in diese seltsame Welt. 

Er trug seltsame, metallisch wirkende Kleidung, die wohl mehr Teil von ihm war, als wirklicher Stoff.

Der Neuankömmling musterte kurz Martin , nickte dann Seyonn zu und fixierte seinen Blick auf Grace.

,, Sie sind also hier. Aber wieso bringt ihr einen Verräter mit ? Einen, der nur Zerstörung sucht ?“

,, Ihr wisst wieso.“ , gab Seyonn zurück.

,, Die Wahrheit kann auch den größten inneren Dämonen bezwingen.“

Grace sagte nichts.

Martin hatte gehofft jetzt endlich ein paar Informationen zu bekommen. Doch weiterhin waren sowohl Seyonn, als auch der noch namenlose andere darauf bedacht in Rätseln zu sprechen.

Dafür schienen sie langsam an das Ende ihres Abstiegs zu gelangen. Die Plattform wurde langsamer.

,, Utgar wartet auf euch. Seyonn, ich hoffe ihr wisst, was ihr tut.“ Mit diesen Worten trat der andere über den Rand der Plattform… und löste sich im Fallen in einen Wirbel aus grauen Partikeln auf.

,, Keine Sorge.“

 

Die Plattform kam endgültig zu einem halt. Die Lichter, die Martin  von oben

gesehen hatte, erwiesen sich nun als Fenster. Offenbar gab es hier doch einige Gebäude, die über Straßen miteinander verbunden waren. Hier und da spendeten Laternen licht, so dass es fast Taghell war.

Einen Moment fragte er sich, für wen die Gebäude gedacht waren, als sich vor einem davon aus dem Wirbel der Nanospeicher eine Frau manifestierte und eintrat.

,, Nicht alle von uns ziehen ein Formloses Dasein vor.“ , erklärte Seyonn, als er Martins fragenden Blick bemerkte.

,, Und ihr ?“

,, Ich komme mit beidem gut zurecht.

Kommt, folgt mir.“

,, Was wird aus dem Schiff ?“

,, Was soll damit sein ?“ , wollte Seyonn wissen.

Martin sah zurück nach oben, wo durch die Öffnung, die das Absinkend er Steinplatte hinterlassen hatte immer noch Sonnenlicht nach unten viel.

,, Nichts“ Martin wendete den Blick ab. Der helle Kreis an der ansonsten dunkeln Decke des Komplexes, er war sich mittlerweile sicher, dass dieser Ort nicht natürlich Ursprungs war, hatte etwas Hypnotisches. ,, Bringen sie uns zu diesem Utgar. Ich habe lange genug auf Antworten gewartet.

Und während er Seyonn über den aus

ausgetretenen Fliesen bestehenden Pfad folgte, fragte er sich unwillkürlich, wie es Coel grade erging.

Wie passten die Artheraner in das Bild, das er sich mittlerweile hatte machen können. Es war lückenhaft, aber es legte nahe das Coel einer falschen Spur nachjagte.

Vielleicht würde das alles bald etwas klarer werden.

 

Aine betrachtete die Pflanze immer noch scheinbar fasziniert. Coel selbst erinnerten die Blätter eher an Unkraut. Am ehesten hätte er es noch mit Efeu vergleichen können.

,, Das sollte nicht hier sein.“ , meinte sie

und kniete sich kurz hin.

,, Was haben sie vor ?“ , wollte Coel wissen. Die Frage beantwortete sich allerdings selbst, als die Artheranerin das Messer zog und etwa die Hälfte des Gewächses abschnitt.

Zum ersten Mal besah er sich dabei auch die Waffe näher. Die Klinge wies mehrere Scharten und Risse auf, als wäre sie schon ziemlich alt.

,, Was hat es damit auf sich wenn ich fragen darf ?“ , wollte er wissen. Es erschien ihm immer noch seltsam, das von allen, das Aine hätte fordern können, es ausgerechnet das Messer war.

Ein Familienerbstück. Sie werden wohl selten einem unbewaffneten Artheraner .

Es gilt als ehrenlos , wenn sich zwei Artheraner begegnen und einer davon unbewaffnet ist.“

,, Wieso das ?“

,, Kommt es zu einem Zweikampf, wird erwartet, den unbewaffneten Gegner zu schonen, selbst wenn er den Kampf provoziert hat. Man darf nur töten, wenn der Gegner  bewaffnet war. Absichtlich unvorbereitet aufzutauchen ist Feige. “ , erklärte Aine. ,, Ich bezweifle, dass ein Mensch das versteht.“

,, Ich glaube schon. Es erscheint trotzdem unnötig brutal überhaupt untereinander zu kämpfen.“

Ihm wurde klar, dass er eigentlich nichts über die Artheranische Kultur wusste.

Bis auf das wenige, was ihm Seyonn Bereichen konnte und dem was er selbst gesehen hatte.

Aine gab keine Antwort, während sie die Abgeschnittene Pflanze in einer Tasche ihrer Kleidung verschwinden ließ.

,, Es ist seltsam wieder  hier zu sein.“ , bemerkte Coel. ,, Vielleicht sind meine Erinnerungen nicht so vollständig wie ihre, aber…“ Er machte eine Pause. ,, Ich habe mir nie die Zeit genommen, mich wirklich einmal umzusehen. Und jetzt ist es Asche. Ich bezweifle, dass irgendjemand diesen krieg gewollt hätten, wenn wir gewusst hätten, wie es Endet.“

Aine hatte mittlerweile einen Stiefel

ausgezogen und setzte die Füße auf den brennenden Sand.

,,  Ich glaube nicht das man auf dem Boden stehen ka…“Coel verstummte

Der Grund  musste  stellenweise immer noch leicht die Temperatur von brennender Kohle haben, trotzdem zuckte die Artheranerin nicht einmal.

,, Ich bin die erste meiner Art , die diese Welt wieder betritt.“ , erklärte sie, bevor sie den Fuß zurück zog und auf den  anderen Schuh balancierte.

Erst hier bemerkte Coel, das etwas nicht stimmte. Drei Zehenabdrücke  waren im Boden zurück geblieben, die rasch vom Wind überdeckt wurden.

Aine fehlte ein Zeh.

,,Wie ist das passiert ?“

Zuerst dachte er, die Artheranerin würde sich erneut in Schweigen hüllen. Dann jedoch antwortete sie : ,, Meine… Heimat lag auf dem südlichen Kontinent von Artherium. Ihre Leute nannten es Idolum.

Als die Menschen dort auftauchten und ihre Basen errichteten, sind viele direkt aus ihren Städten und Dörfern geflohen. So weit wie möglich weg von den Menschen und damit dem Tod. Entkommen sind sie letztlich meist trotzdem nicht.

Uns hat man durch die Berge geschickt. Mitten in einen Schneesturm. Manche sind direkt erfroren.“

,, Das tut mir leid.“ Nicht nur das., dachte Coel.

,,Ich war noch so gut wie ein Kind.“ , erklärte Aine. ,, Wie viele haben erst gar nicht überlebt. Tausende vielen direkt den Bomben der GTDF zum Opfer. Ohne eine Chance. Was ist da ein Zeh ?“

,, Trotzdem … mir tut alles leid, was hier geschehen ist.“ Er sah eine Weile von der Kante der Klippe aus in die Ferne. Vielleicht konnte Aine hier ihre Vergangenheit bewältigen.

Für ihn jedoch gab es in dem staubigen Ödland keine Erlösung.

Nu unwillkommene Erinnerungen.

Kapitel 27 Recht und Gesetzt

Die Horror-Vorstellung zu fallen war wieder da. Der Boden zitterte und Coel  versuchte in seinem Kopf zu enträtseln was grade passiert war.

Eben hatte er noch auf  der Klippe  gestanden und gewartet.

Aine würde ihm schon Bescheid geben, wenn sie den Planeten verlassen wollte.

 Und plötzlich hatte die Welt zur Seite zu rutschen begonnen.

Es gab dafür nur eine Erklärung, die ihm einfiel. Erdbeben. Entweder eine natürliche Katastrophe, oder was wahrscheinlicher wahr,  die Folgen des Abbaus. Als die Schlucht in den Planeten

gerissen worden war, musste ihr Rand instabil geworden sein. So instabil, das die Landung des Shuttles ausgereicht hatte, diese jetzt abrutschen zu lassen.

Noch war die Neigung kaum wahrnehmbar, aber die Ströme aus Staub, die langsam in Richtung Abgrund rutschten Sprachen ihre eigenen Sprache.

Er sah sich nach Aine um, die sich näher am Transporter befunden hatte.

Die Artheranerin musste die Zeichen ebenfalls richtig gedeutet haben und lief in Richtung des Schiffs, das aufgrund seines höheren Gewichts noch an Ort und Stelle stand. Aber auch das war nur eine Frage der Zeit, dann würde das

Shuttle in den Abgrund stürzen  und sie mit ihm.

Das war etwas, das er lieber nicht erleben wollte.

Ohne lange nachzudenken rannte er los.

Coel hatte etwa die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, was Aufgrund des immer noch bebenden Untergrunds viel länger dauerte, als es sollte,  als die gesamte Kante ein weiteres Stück Abrutschte.

Er konnte nur mit Mühe verhindern zu fallen, und musste feststellen, dass sich zwischen ihm und dem Shuttle nun ein leicht drei Meter breiter Abgrund auftat. Die Felskante war in der Mitte halb durchgebrochen und würde wohl nicht

mehr lange halten…

Aber etwas anderes erschreckte ihn sehr viel mehr.

Das Geräusch der startenden Triebwerke. Er spürte, wie ihn aller Mut verließ. Über den Abgrund wäre er vielleicht  noch gekommen.

Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er das Schiff erreichte, bevor es startete, war mehr als gering.  Und Aine würde sicher nicht so dumm sein, zurück zu kommen um ihm zu helfen.

Sie hatte ihn nicht über die Kante gestoßen, aber auch nur, weil sie selbst abgelenkt gewesen war. Jetzt jedoch, schien das Schicksal das Nachholen zu wollen.

Hinter ihm brach ein Stück der Kante ab und stürzte in die Tiefe.

Sein Verstand arbeitete fieberhaft daran, einen Weg zu finden… Aber es gab keinen.

Langsam schien sich die Welt noch mehr zu neigen, der Sand unter seinen Füßen lief jetzt nicht mehr langsam in den Abgrund, sondern bildete einen reißenden Strom, der drohte ihm die Füße wegzuspülen und mit sich zu reißen.

Das Shuttle hob ab. Ohne ihn.

Adams würde sich freuen, Recht behalten zu haben. E

s war eine dämliche Idee gewesen Aine zu begleiten. Begründet mit der diffusen Hoffnung, ein paar Informationen zu

bekommen.

Und nun würde er eben für seine eigene Dummheit bezahlen. Er konnte niemanden wirklich einen Vorwurf machen, nicht einmal Aine. Wäre die Situation umgekehrt, hätte er wohl auch bei erster Gelegenheit die Flucht ergriffen. Oder ?

Die Antwort war, dass er es nicht wusste…

 Etwas riss ihm aus seinen Gedanken.

,, Wollen sie da noch lange rumstehen?“

Das Shuttle schwebte wenige Meter neben ihm. Er war einen Moment zu überrascht um eine Antwort zu geben.

,, Was…“

,, Ich habe ehrlich gesagt kein Problem

damit sie hier zurück zu lassen. Und das mache ich wenn sie sich nicht beeilen.“ , sagte Aine.

Coel wollte nicht herausfinden, ob Aine ihre Drohung wahr machen würde.

Warum auch immer sie nicht einfach verschwunden war, als sie die Gelegenheit hatte er war einfach nur froh noch am Leben zu sein, als er an Bord des Schiffs trat.

Im selben Moment löste sich mit einem knirschenden Geräusch die Kante endgültig vom Rest der Felswand und stürzte krachend in die Tiefe.

 Die Trümmer stürzten in die Dunkelheit  und verschwanden bald außer Sichtweite. Eine Ewigkeit später wie es

ihm erschien, hörte er endlich den Aufschlag. Ein dumpfes Grollen.

Das hätte er sein können, überlegte Coel. Bei dem Gedanken wurde ihm fast schlecht. Er trat ein paar Schritte von der noch immer offenen Luke des Shuttles zurück.

Wenn er irgendwann starb, wollte er wenigstens nicht noch Zeit haben, darüber nachzudenken.

Die Luke fiel zu und das Schiff beschleunigte endlich und entfernte sich vom Abgrund.

Coel ließ sich in einen Sitz fallen und schloss kurz die Augen. Das Shuttle gewann jetzt rapide an Höhe um die Atmosphäre des Planeten wieder zu

verlassen.

,, Warum lebe ich noch ?“ , fragte Coel nach einer Weile.

,, Was ?“ Aine hatte wider die Steuerung des Schiffs übernommen und schien ihn nicht verstanden zu haben.

,, Sie wissen durchaus was ich meine. Sie hätten einfach abhauen und mich zurücklassen  können. Wieso nicht ?“

Keine Antwort. Fast hatte er damit gerechnet. Dann jedoch durchbrach eine Stimme über Funk die Stille.

,, Hier Hammond. Sie verlassen Artherium wieder?“

,, Deshalb.“ , erwiderte sie endlich. ,, Ihr seid meine Lebensversicherung , ob es ihnen gefällt oder nicht. Und jetzt

sagen sie diesem Hammond besser, was er hören muss, damit wir hier weg können.“

Coel stand auf und stellte eine Funkverbindung mit dem Kolonialschiff her.

,, Richtig, wir verlassen das System. Ein kleiner Hinweis, sie sollten wirklich Warnschilder an den Klippen aufstellen.“ , meinte er halb im Scherz, halb ernst.

,, Artherium ist auch nicht für Sightseeing-Tours Gedacht.“ , erwiderte die Stimme des Kapitäns unwirsch. Ein letztes nicht ganz so unfreundliches,  ,,Guten Flug. Atlas Ende.“ , Folgte. Dann wurde es still.

Aine setzte die Steuerung des Shuttles

auf Autopilot, der sie aus dem Schwerkraftfeld des Planeten heraus bringen sollte.

,, Also, wohin geht die Reise ?“ , wollte Coel wissen. Nachdem sie nun Artherium hinter sich ließen, sollte ihr nächster Halt ihrem eigentlichen Ziel gelten wo immer das auch lag… das hieß wenn Aine nicht wieder andere Pläne hatte.

,, Werden sie dann sehen.“ Aine sah sich einen Moment um. ,, Wir haben nichts an Bord, das man als Vase verwenden kann?“
Sie hatte die Pflanze tatsächlich mitgenommen. Coel betrachtete die silbrigen Blätter erneut. Die Blattstruktur erinnerte ihn wie zuvor an Efeu. Nichts

Besonderes und er bezweifelte, dass es die Reise überleben würde.

Trotzdem förderteer  nach kurzer Suche einen Becher zutage, der wohl zu einem Essgeschirr gehört hatte. Nachdem Coel das Aluminiumgefäß mit Wasser aus den Brennstoffzellen des Shuttles aufgefüllt hatte, war die provisorische Vase fertig.

,, Das sollte es tun.“ , meinte er. ,, Und jetzt erzählen sie mir vielleicht endlich etwas mehr ?“

,, Das kommt darauf an was ihr Wissen wollt.“

,, Sie sagten es gäbe Artheraner, die keinen Hass auf Menschen hegen, mit denen muss ich reden. Was genau erwartet mich? Und vor allem, auf

welcher Seite stehen sie dabei?“

,, Das kann ich nicht genau sagen. Ihr , Anführer könnte man sagen, ist ein Wahnsinniger.“

Was konnte sie nicht genau sagen? Auf welcher Seite sie stand, oder was ihn erwartete ?“

,, Ein Wahnsinniger also ?“ , fragte Coel . Überraschen tat es ihn kaum. Es schein nicht unbedingt einfacher für ihn zu werden. ,, Was hat er denn?“

Aine schüttelte den Kopf. ,, Er ist nicht krank im Geiste ,oder vielleicht auch, eure Sprache hat kein Wort dafür.“ Aine überlegte kurz , ,,  Was dem am nächsten kommen würde,  wäre vielleicht ein Ketzer. Aber auch das ist

nicht richtig.“ Sie murmelte etwas, das für Coel wie ,,Katil“ klang .

,, Und sie können es mir wohl nicht erklären ?“

,, Das schon… ich weiß aber nicht, ob sie es verstehen…“ Sie stellte die improvisierte Vase mit der Artherium-Pflanze auf eine der Sitzbänke an den Shuttlewänden.

,, Versuchen sies.“

Aine hielt eine vierfingrige Hand hoch. Gefährlich wirkende Krallen glitzerten im Licht. Vorher waren sie Coel entweder nicht aufgefallen, oder verbogen gewesen.

,, Vorsicht.“ Bei dem Gedanken was diese Krallen für Verletzungen reißen

würden, wurde ihm unwohl zu mute.

Aine schüttelte beinahe abfällig den Kopf. Die Krallen zogen sich zurück unter die Haut.

,, Sie machen den gleichen Fehler wie so viele. Das sind Werkzeuge, keine Waffen. Selbst wenn es um Leben oder Tod geht , selbst wenn wir uns in einem Kampf befinden … ein Artheraner würde eher sterben, anstatt seine Krallen als Waffe zu nutzen.“

,, Aber dieser Artheraner von dem ihr redet…“

,, Sein Name war Jefaridas.“

,, War ?“

,, Jemand, der aus blinder Wut einen anderen Artheraner auf diese Weise

attackiert…Wie kann man einem Tier einen Namen geben? Ich denke, in ihrer Gesellschaft wird auch niemand jemanden mit einem Schraubenzieher umbringen. Oder ? “

Coel schwieg lieber. Natürlich gab es  Leute, die genau das taten. Aus dem Affekt heraus oder aus sonstigen Gründen.

,, Es kommt vor. Aber auch wir bestrafen unsere Verbrecher.  Wir würden jedoch nicht auf die Idee kommen sie… was bedeutet  es für einen Artheraner keinen Namen mehr zu tragen?“

,, So jemand wäre ausgestoßen.,  um ein passendes Wort zu verwenden,

Vogelfrei.“

,, Sie töten ihre Kriminellen also einfach ?“ Coel war die Vorstellung unangenehm. Wenn jemand aus Wut handelte oder aus purem Reflex heraus, konnte man ihm das zwar vorwerfen, aber gleich töten…

,, Nicht direkt. Sie dürfen sich nur nicht mehr sehen lassen, wollen sie weiterleben. Wir ignorieren sie, oder töten sie wenn es uns passt. Wie man eben ein Tierbehandelt.“

Er konnte nur den Kopf schütteln. Das war bestenfalls archaisch… waren die Artheraner technisch nicht auf dem Stand der späten Industrialisierung gewesen? Möglicherweise waren die Gesetze ja nach der Flucht von

Artherium geändert worden…

,, Wissen sie auf der Erde haben wir etwas, das wir die Menschenrechte nennen. Einige unserer größten Geister Köpfe, darunter unter anderem ein Mann namens Jean-Jacques  Rousseau war, ein weiterer Namens  Immanuel Kant und andere, haben sich darüber Gedanken gemacht.“

Aine schien sich nicht wirklich für die Namen zu interessieren.

,, Und welche Erkenntnis  zogen ihre großen Gelehrten ?“

,, Nun sie kamen zu dem Schluss, dass jeder Mensch, ich denke in der heutigen Zeit kann man das auf jedes Intelligente Lebewesen übertragen, das jedes

Lebewesen also, bestimmte Recht hat, die ihm keine Institution und nichts nehmen kann. Darunter, das Recht auf Leben, das auf Freiheit und vor allem, das auf  simple  Würde, egal für was er einsteht oder wer er ist.“

,, Dann waren  ihre Philosophen  Idioten. Und die Menschen sind offenbar noch größere das zu Glauben. Denken sie darüber nach, sind das wirklich aktuelle Zustände, oder nur schöne Worte?“

,, Nur weil es noch nicht wahr geworden ist, heißt das doch nicht, das es falsch ist. Es… es mag eine Utopie sein, dieses Recht überall durchsetzen zu können. Aber das Streben danach kann einem

niemand verübeln.“ , antwortete Coel.  ,, Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten.“

,, Es kann nicht funktionieren.“ , erklärte Aine. ,, Eine Utopie, ist ein Wunschtraum. Etwas das nicht Wirklichkeit werden kann . Denken sie nach. Wenn sich nur einer nicht an ihre Grundsätze von Freiheit hält… was ist diese dann Wert? Letztlich werden Lebewesen nie gleich sein. Menschen nicht und auch Artheraner nicht. Es gibt Taten, mit denen man sich jeglicher Rechte selbst beraubt.“

, sagte Aine überraschend wütend.

,, Und das weigere ich mich eben zu glauben.“ , erwiderte

Coel
,, Weil sie so morgens noch in den Spiegel sehen können Rafail Coel ? Der Mann der zusah wie eine Welt unterging.“

,, Sie wussten es.“ , stellte Coel düster fest. ,,Sie wussten nicht nur die ganze Zeit, wer ich bin, noch bevor ich meinen Namen sagte…“

,, Jeder Artheraner weiß wer sie sind.“

,, Ich habe versucht so viele zur retten wie möglich.“ , meinte er betrübt. Die Wut in Aines Stimme überraschte ihn nicht.

,, Und wie viele sind Gestorben ? Hunderte ? Tausende ?“

,, Zu viele.“ , antwortete er. ,, Glauben

sie das wüsste ich nicht ? Was werfen sie mir vor, das ich nicht alle allein retten konnte, das nicht alle überlebt haben? In diesem Fall Aine, sind sie die Idiotin.“ , stellte Coel nun selber wütend, fest,  ,,Daran ändert auch das sie zehnmal so schnell denken wie ich nichts.“

Sie schwieg eine Weile.

,, Vielleicht. Aber können sie es glauben Coel ? Glauben sie, das was sie und die Menschen  getan haben, sie immer noch als das was sie menschlich nennen zurück gelassen hat? Können sie in einen Spiegel sehen?“

Coel ließ sich Zeit. Er sah einen Augenblick aus dem kleinen Fenster des

Shuttles, durch das er immer noch einen Blick zurück auf Artherium erhaschen konnte. Die Umrisse seiner eigenen Reflektion legten sich darüber.

Es waren nicht mehr die ausgebrannten Augen, die ihn vor gut einer halben Woche auf der Erde entgegengestarrt hatten.

Entschlossen drehte er sich um.

,, Mittlerweile ja. Aber in der ersten Zeit nach Artherium… Ich hätte mir gewünscht, jemand würde mich zur Rechenschaft ziehen. Als ich mich das erste Mal im Spiegel gesehen habe, hab ich ihn eingeschlagen Aine. Ich kann mir selbst vielleicht nie verzeihen, aber ich kann es in den Hintergrund stellen. Mein

Wunsch, dass es anders gekommen wäre, muss ausreichen. “

,, Und sie glauben allein der Gedanke macht es besser ? Das dies sie irgendwie teilweise rehabilitiert?“ , die schärfe war aus ihrer Stimme verschwunden.

,, Sicher nicht. Es ist vorbei, nur das zählt. Ich kann Vergangenes nicht ändern oder Beeinflussen. Das befreit mich nicht, ganz im Gegenteil. Aber ich bin in der Lage Fehler zu erkennen. Ich bin nach wie vor, der ich bin.“

,, Sie sind wirklich seltsam. Möglicherweise doch nicht völlig dumm. Aber anders.“

Damit schien das Gespräch für Aine beendet zu sein. Aber für Coel nicht.

Eine Frage blieb ihm aber noch. ,, Haben sie jemanden auf Artherium verloren ?“

Sie antwortete nicht, sondern sagte nur : ,, Wir sind gleich aus dem Scherkraftfeld raus. Sie halten sich besser fest.“

Im Selben Moment sprang auch schon der Nova-Generator an. Ein kaum wahrnehmbares aufblitzen…

Und erneut hatte sich das Bild vor dem Sichtfenster Grundlegend verändert.

Kapitel 28 Enthüllung

,, Wer genau ist dieser Utgar ? ihr Anführer ?“ , fragte Martin. Es kam ihm vor, als liefen sie schon eine Ewigkeit durch diese seltsame Stadt unter der Oberfläche von Enclave.

Momentan liefen sie über eine Straße, die an der Wand, welche den Komplex zu begrenzen schien entlangführte. Ab und zu konnte er noch einen Blick auf andere Angehörige der Unity erhaschen. Manche davon menschlicher Form, manche fremdartig… Und natürlich der allgegenwärtige Sturm aus grauen Partikeln, der sich fast wie ein Lebewesen zu verhalten schien und vor

den drei Reisenden zurück wich. Letztlich verhielt sich der graue Nebel nicht nur wie ein Lebewesen… Es war eins. Oder sogar viele.

,, Nein. Wir haben keine Anführer Martin. Jeder der Unity ist sich selbst und den anderen gegenüber verantwortlich, handelt ansonsten aber unabhängig.“

,, Was ist er dann ?“

,, Ihr verdammter Archivar. Der Grund für all das lag doch letztlich in seinen Vorhersagen, in den Antworten die ihr nach dem Zusammenbruch gef…“ 

Seyonn unterbrach Grace.

,, Ihr seid besser ruhig. Ihr habt nie selbst mit ihm gesprochen. Und wenn ihr

nicht aufpasst bleibt das auch so.“ , sagte er in warnenden Ton.

,, Was ist dieser Archivar genau ?“

,, Er überwacht das gesammelte Wissen der Unity. All unsere Aufzeichnungen die wir noch haben, jeder abgespeicherte Gedanke, einfach alles läuft in einem einzigen Ort zusammen.“

Seyonn trat vor eine kaum wahrnehmbare Tür in der steinernen Wand. Martin wäre wohl glatt daran vorbeigelaufen, ohne sie auch nur zu bemerken.

Die Oberfläche bestand aus einem schwarzen Material das ihn etwas an Obsidian erinnerte, wie man ihn an Vulkanen fand. Freilich aber vollkommen

makelloser Obsidian. Entweder handelte es sich um künstlich hergestelltes Vulkanglas… oder es war etwas völlig anderes.

Er sah auch keinerlei Möglichkeit die Tür zu öffnen, aber Seyonn legte einfach eine Hand auf das dunkle Material.

Der Kristall teilte sich in der Mitte und lies sie passieren.  Fast ohne ein Geräusch glitten die zwei Glaswände zur Seite und verschwanden im Fels.

Dahinter jedoch, lag alles in Dunkelheit, wie Martin bewusst wurde, als die Obsidiantür hinter ihnen sofort wieder zu fiel.

Er tastete in der Finsternis umher, aber die gesamte Oberfläche der Wand hinter

ihm, bestand offenbar aus demselben Glasartigen Material.  Es war ihm nicht mehr möglich in der Dunkelheit die Tür zu finden. Und sehen konnte er ohnehin nicht das Geringste.

,,Seyonn ?“ , fragte er unsicher.

,, Wartet ab.“ , antwortete dieser nur ruhig.

Von irgendwo herdrang ein schwacher rötlicher Lichtschein. Buchstaben,  oder Zeichen flackerten scheinbar aus dem Nichts auf…, bis Martin endlich seine Umgebung erkennen konnte.

Der Raum in dem sie standen bestand völlig aus dem gleichen dunklen Glas wie die Tür. Selbst der Boden war aus poliertem  Obsidian gefertigt, so dass

Martin sein eigenes Spiegelbild unter sich erkennen konnte. Die Decke über ihnen formte eine Halbkugel. Und auf den Wänden dieser schwarzen Halbkugel, erschienen rot leuchtende Symbole.

Langsam wurde ihm klar, was das hier war. Der gesamte Raum stellte eine einzige holografische Projektionsfläche da.

Auf den Wänden erschienen mehr Zeichen. Martin erkannte erst keine davon. Dann jedoch entdeckte er Schriftzüge, die in an Hieroglyphen erinnerten…, dann Keilschrift wenn er sich nicht täuschte,  schließlich auch lateinische  und arabische Buschstaben… 

Als die gesamte Kuppel um sie herum rot im Licht der Worte schimmerte, trat plötzlich eine Gestalt, die Martin vorher nicht bemerkte hatte scheinbar aus dem nichts auf sie zu.

Ein unbestimmter Schemen, wie es Martin schien, dessen Form sich ständig wandelte und mehr aus Licht bestand, als aus Materie. Zumindest kam es Martin so vor.

,, Utgar.“

 

,, Es ist eine Weile her Seyonn.“ , bemerkte der Fremde. ,, Und ihr bringt jemanden mit ?“

Auch wenn der Schemen keine sichtbaren Augen besaßen,  Martin war

sich sicher, dass er ihn direkt anstarrte. Kurz wendete sich seine Aufmerksamkeit Grace zu, nur um dann zurück auf Martin zu sehen.

Der Abgesandte der Unity hatte ihm zwar erklärt, sie hätten keine Anführer. Aber trotzdem schien er ein gesundes Maß an Respekt  vor dem Wesen vor ihm zu haben. Beinahe eine Art religiöse Ehrfurcht.

Und in diesem Moment, wo Utgar ihn musterte Verstand er auch warum. Die Gestalt vor ihm verströmte etwas Altes. Etwas beinahe mythologisches und Antikes, das er nicht bestimmen konnte.

Nur das dieses Wesen vor ihm unglaublich alt sein musste.

Jahrhunderte, Jahrtausende… er wagte es nicht weiter als diesen Zeitraum zu denken.

,, Die Via sind zurück.“ , sagte Seyonn.

,, Das weiß ich längst. Es war nur eine Frage der Zeit. “ Sein Blick wanderte zu Grace ,, Und ihr bringt einen von ihnen hierher ?“ Es lag kein Vorwurf in der Stimme, trotzdem rechtfertigte sich der Unity-Botschafter : ,,Wir müssen wissen was sie vorhaben.“

Martin mischte sich ein ,, Ich weiß ich bin nur ein Mensch  und vermutlich ist das grade echt wichtig. Aber der primitive  hier drüben versteht nur Bahnhof.“

,, Vielleicht würdet ihr es nicht einmal

verstehen.“ , meinte Utgar. Jedes Wort schien in der exakt gleichen Lautstärke gesprochen zu werden, die  keine Emotion oder Gefühlsregung verriet. Trotzdem hatte die Stimme etwas Angenehmes.  ,, Aber ihr könnt es versuchen.“

,, Das würde ich gerne.“ , erwiderte Martin, diesmal respektvoller.  ,, Erklärt es mir.“

,, Dazu müsst ihr den Anfang kennen.“

Die leuchtenden Buchstaben an den Wänden verloschen. Es wurde einen Moment wieder völlig dunkel… dann begannen leuchtende Punkte vor seinen Augen aufzutauchen… oder erschienen sie im Raum?

Die Punkte verdichteten sich., bis er erkannte was es war. Eine Galaxie. Vielleicht die Michstraße, aber Martin  war sich nicht sicher.

,, Einst, waren wir den Menschen sehr ähnlich. Wir beherrschten dieses Universum.“

Die Sterne in der Galaxie begannen sich langsam einer nach dem anderen blau zu färben.

,, Mit jedem Tag, mit jedem Jahr das verging breitete sich unser Einfluss weiter über die Sterne aus. Unsere Macht,  unser Wissen waren mit nichts zu vergleichen. Welten, die sich uns wiedersetzten wurden ausgelöscht.“

Das Bild hatte sich geändert. Ein Planet

schwebte im Raum.  Grün, braun  und blau glänzte die Kugel im Licht einer Sonne. Dann geschah etwas, die Welt wurde dunkler… Eisflächen breiteten sich aus.

Isaari ?, dachte Martin kurz. Ein Planet der einst Leben hatte, dann aber hatte irgendetwas seien Umlaufbahn geändert. Welche Technologie konnte Planeten bewegen…

 ,, Wir hielten uns für unbesiegbar. Die bewohnten Welten die wir unterwarfen dienten uns, als wären wir Götter. Viel hat dazu sicher nicht mehr gefehlt. Sterne verglühten, weil wir es  so verlangten, um an anderer Stelle wieder zu erstrahlen, weil es uns gefiel.“

Eine Pause. Wieder die Galaxie bestehend aus blauen Punkten.

,, Unser Hochmut war unser Untergang. Wir hielten uns für unbesiegbar. Doch wo immer Unterdrückung herrscht, da  kommt es früher oder später  zum Chaos. Zur Rebellion.“

Einige einzelne Sterne färbten sich rot.

,, Wir unterschätzten die Sklavenvölker maßlos. Als es zu den ersten Aufständen kam, ignorierten wir sie sogar. Unser Reich war zu groß um jemals ernsthaft gefährdet zu werden. Nahmen wir an.“

Mehr Sterne färbten sich rot.

,, Doch es blieb nicht bei den paar Aufständischen. Es wurden immer mehr. Tausende Welten vereint mit einem

einzigen Ziel. Ihre Götter zu stürzen. Und doch hielten wir uns noch für sicher.“

Martin musterte die Karte einen Moment, die Galaxie vor ihm, die sich langsam im Raum schwebend drehte. Eine ganze Galaxie, unter einem einzigen Willen vereint… Selbst die Menschheit beherrschten grade einmal ein paar hundert Sternensysteme, ein Stecknadelkopf in der Unendlichkeit der Sterne.

,,Der Krieg der folgte war unvorstellbar.“ , fuhr Utgar fort. ,,  Im Vertrauen auf unsere überlegene Technologie zogen wir in die Schlacht. Ganze Sternensysteme verloschen

innerhalb weniger Tage für immer. Billiarden tote auf beiden Seiten. Denn egal wie viele wir auch vernichteten, sie waren so viel mehr als wir.“

Mittlerweile hatten sich alle Sterne der Galaxie rot verfärbt.

,, Wir siegten schließlich. Nachdem wir über zwei Jahrhunderte lang Krieg geführt hatten. Aber es hatte uns verändert. Unser Glaube unangreifbar zu sein, war zerschmettert worden. Und nicht nur das.

Unsere ganze Einstellung an sich. Wir standen vor den Trümmern dessen, was wir aufgebaut hatten.

So viel ging in diesem Krieg verloren. Nicht nur Leben sondern auch Wissen,

Technologie, ganze Kulturen die im Feuer verschwanden. Und Millionen Seelen, die auf einmal verstummten.

In unserer aus der Asche geborenen Verzweiflung , gab es nur eins das wir tun konnten. Schwören, das so etwas nie wieder geschehen würde. Das der durch unseren Imperialismus verursachte Schrecken, einmalig bleiben würde. Das war die Geburtsstunde der Unity.“

,, Moment… deshalb mahnen sie uns, wenn wir Welten besetzten… okay. Aber glauben sie das funktioniert? Worte ?“ , wollte Martin wissen.

,, Diese Zweifel hatten auch andere. Als mahnendes Beispiel dazustehen allein bring nichts, behaupteten einige. Wir

sollten direkt eingreifen und wenn nötig angehende Imperien zerschlagen. Auf die Richtige Größe zurechtstutzen könnte man wohl sagen und sie dann lehren unserem Pfad der Ordnung und des Lebens  zu folgen.  Aber…“

,, Das ist ein Paradox richtig ? Ich meine, sie würden versuchen, Zerstörungen zu verhindern… indem sie selbst erneut zu den Zerstörern werden.“

,, Richtig. Und dieses Paradoxon war der Grund für das, was wir die große Zwist nennen. Die Entscheidung darüber, welchen Weg wir gehen sollten . Ein weiteres Jahrhundert Sinnlosen Kampfes. Aber diesmal zwischen Gleichgestellten.

Auch wenn uns einiges unsere

Technologie während des Aufstands verloren ging, so waren wir nach wie vor allem Überlegen. Aus diesem Kampf gingen letztlich die Via hervor.“

Ein weiteres Bild . Diesmal eines von einem Weltenschiff… das seltsame Kugelförmige Objekt von der Größe eines Planetoiden.

,, Kriegsschiffe von nie gekanntem Zerstörungspotential, Weltenschiffe genannt, wurden erschaffen.

Unser Krieg tobte und am Ende schien es als hätten wir gesiegt, wenn auch nur knapp. Offenbar war der Sieg nicht vollkommen. Die Zerstörung eures Trinity-System war nichts, als ein Warnschuss.“

Martin brauchte einen Moment, um all das zu erfassen. Es ergab Sinn. So viele Puzzleteile, die plötzlich an ihren Platz fielen.  Aber eine Lüke gab es noch immer.

,, Wie passen die Artheraner in das Bild ,oder sind die uns nur zufällig über den Weg gelaufen ?“

,, Wir brauchten Verbündete.“ , erwiderte Grace. ,, Und wir haben sie gefunden. Ein Weltenschiff allein ist mächtig, aber nicht unaufhaltbar.“

,, Ah ha.“ Langsam fielen die letzten  Teile an ihren Platz. ,, Und ihr sicher genialer Plan sieht was vor…“

,, Der Plan läuft längst. Und er hat nur ein Ziel. Erde.“ , sagte Grace freimütig.

,,  Es ist zu spät irgendetwas zu unternehmen. “

,, Das glaubt ihr vielleicht. Seyonn, wenn die Artheraner wirklich die Erde angreifen wollen, zusammen mit diesem Weltenschiff,  dann brauchen wir die Hilfe der Unity.“

,, Wir werden keinen zweiten Krieg riskieren.“ , erwiderte Utgar .

Martin trat wütend vor ,, Was ? Ihr wollt das einfach zulassen?“  , fragte er.

,, Ich sicher nicht.“ , antwortete Seyonn. ,, Für die anderen kann ich nicht sprechen, aber ich werde mich sicher nicht verstecken.“
,, Das ist eure Entscheidung Seyonn, auch wenn ich glaube, das ihr vielleicht

etwas viel Zeit unter den Menschen verbracht habt.“ , mahnte ihn Utgar. ,,  Aber mit unserer Unterstützung könnt ihr nicht rechnen. Wir haben uns aus gutem Grund und vor langer Zeit  von diesem Weg der Zerstörung  abgewandt. Und es gibt zu wenige von uns.“

Martin schluckte seinen erneut aufkommenden Ärger hinunter.

,, Ich verstehe, auch wenn mir das sicher nicht gefällt.“ , sagte er nur. ,,  Aber bedenken sie eins bevor wir gehen. Wenn die Menschheit untergeht… wer ist dann wohl als nächstes dran?“

,, Wenn“ , erwiderte Utgar  ,,Ihr habt vielleicht eine Chance, wenn ihr sofort geht.“

,, Dann bedanke ich mich mal für gar nichts. Seyonn, geben sie Ägir Bescheid, er soll die Kronos startklar machen und Steel eine Nachricht schicken.“

,, Welche Nachricht ?“

,, Er sollte besser verdammt nochmal alles was Flügel hat in die Luft bringen. Und sämtliche im Einsatz befindlichen Schiffe zurückrufen. Wenn er fragt wieso, soll Ägir ihm sagen, dass er sich sonst bald von mehr als nur seinem Job verabschieden kann.“
,, Ich gebe es durch.“ , erwiderte der Botschafter.

,, Gut, dann los. Ich will so schnell wie möglich…“ Auf einmal fiel ihm noch etwas ein. ,, Was machen wir eigentlich

mit Grace ?“

,, Bleibt fürs erste  hier.“ , erwiderte Seyonn. ,, Auf Enclave kann sie keinen Unsinn anstellen.“

,, Ich würde es nicht grade als bloßen  Unsinn bezeichnen, wenn jemand versucht, ein Raumschiff zu sprengen.“

 

 

 

,, Was soll das bitte heißen, ich soll die komplette Flotte mobil machen ?“ , fragte Cain Steel.

,,Offenbar befürchtete Martin , die Artheraner Planen einen Angriff.“ , erwiderte Ägirs Stimme. Die Via ließ er erstmals aus dem Spiel. ,, Und das sie

genau das besser tun,  wenn ihnen ihr leben und das jedes anderen auf diesem Planeten etwas wert ist.“

Cain , der sich selbst grade in einem Büro  des Parlamentsgebäudes Aufhielt blieb einen Augenblick ruhig.

Der Sitz des Parlaments, war ein großer grauer Kasten, der sich irgendwo im Herzen von  New York befand. Als das Parlament als Zusammenschluss gegründet worden war, hatte man anfangs die Infrastruktur der alten UN weiterbenutzt und einfach das HQ in New York übernommen. Jetzt , mehrere hundert Jahre später, war der Parlamentssitz noch immer hier, aus keinem anderen Grund, als das sich

bisher niemand darüber beschwert hatte.

So wenig das Gebäude von außen auch Beeindruckte, hier wurde alles gelenkt und entschieden, was irgendwie wichtig war. Ob es um Expansionspolitik, Steuern oder auch Militärische Fragen ging.

,, Schön, sagen sie Martin, ich rede kurz mit dem Parlamentsvorsitzenden. Ich kann nicht einfach so alle Truppen mobilisieren, wie sieht das den aus?“

,, Sorgen sie nur dafür, das er ihnen zuhört.“ , erwiderte Ägir. ,,  Ich schätze wir sind in ein paar Stunden da. Dann kann Martin ihnen selbst erklären was los ist.“

,, Das hoffe ich wirklich. Wenn ich hier

Umsonst alles in Alarmbereitschaft versetzt habe bin ich nämlich meinen Job los. Gibt es eigentlich irgendeine Nachricht von Coel ?“

,, Noch nichts. Aber, wenn die Artheraner in der Sache mit drin hängen dann…“

Ägir brachte den Satz nicht zu Ende.

,, Verstehe. Hoffen wir einfach das Beste.“

Der Navigator  unterbrach die Funkverbindung. Martin würde wirklich besser eine verdammt gute Erklärung für das alles haben.

 

Cain machte sich durch die schier endlosen Flure des Parlaments auf zum

Büro des Vorsitzenden, einem Mann namens Henry Wilkonson.  Er  hatte bisher kaum mit ihm zu tun gehabt, ihn jedoch als einen durchaus Vernünftigen Mann eingestuft, der noch nicht all seine Ambitionen verloren hatte.

Nun würde er an diese Vernunft appellieren müssen und hoffen, dass er ihm die Freigabe erteilte.

Wenn auch nur die geringste Möglichkeit bestand, dass ihnen ein massiver Angriff bevorstand, würden sie sich vorbereiten müssen. Auch wenn die Verteidigungssysteme im Asteroidengürtel eigentlich jeder Bedrohung gewachsen sein sollten.

Kapitel 29 Die falsche Seite

Das erste was Coel auffiel, waren die Schiffe, die im Orbit des Planeten kreisten. Er hatte natürlich damit gerechnet, dass die Artheraner Schiffe haben würden, aber das hier  waren bei weitem zu viele.

Und waren einige davon ganz klar modifizierte Menschliche Schiffe, so  konnte Coel die Bauart mancher nicht einmal zuordnen.

Das war bestenfalls beunruhigend und ließ für ihn nur einen Schluss zu.

,, Das ist eine verdammte Invasionsflotte da draußen.“ ,stellte er fest.

,, Ja.“

,, Was heißt ja ? Verdammt, wozu brauchen sie all diese Schiffe?“

Aine schüttelte den Kopf.

,, Ist schon gut,  Ich kann es mir auch so denken.“ , erklärte er aufgebracht.   ,, Sie bereiten sich auf einen Krieg vor. Mit uns richtig ?“

,, Es ist nicht ganz so einfach. Wie gesagt, es gibt einige unter uns, die dagegen sind.“

,, Wie dieser Jefaridas?“

,, Richtig. Es gibt einiges, das ihr verstehen müsstund vielleicht kann ein Ausgestoßener das besser erklären als ich.“

Das Shuttle steuerte auf einen Planeten zu, der  sich um eine gelbliche Sonne

drehte.

Coel wusste nicht wo genau sie waren. Vermutlich Lichtjahre entfernt von jedem GTDF Außenposten. Nur so wäre es möglich unbemerkt eine solche Flotte zusammenzuziehen.

Aber die Artheraner konnten so viele Schiffe sicher nicht allein Gebaut haben…

,, Sie haben mir immer noch nicht gesagt, auf welcher Seite sie in dem ganzen  stehen ?“

,, Weil ich es nicht weiß.“ , antwortete Aine. ,, Wir sind nicht allein Coel. Aber unsere Verbündeten sind nicht grade das was sich Vertrauenswürdig nenne.“

,, Großartig. Ich hoffe dann einfach mal,

das sie sich nicht entscheiden, während ich noch hier bin.“

Das Shuttle durchquerte die Atmosphäre des Planeten und Coel warf einen Blick über die im Dunkeln liegende Oberfläche. Sie waren wohl auf der Nachtseite gelandet. Eine weite offene Graslandschaft, die hier und da von Seen durchbrochen war und dahinter die in der Ferne glitzernden Lichter, die so typisch waren für eine Siedlung, egal wo in der Galaxie man sich befand.

 Der Transporter setzte auf dem Boden auf und kam zum Stehen.

Aine ging zur Luke und trat nach draußen. Coel wollte ihr folgen, wurde jedoch von ihr zurückgehalten. ,,  Ihr

wartet hier wenn euch euer  Leben lieb ist. Eine Landung außerhalb der Städte ist nichts Ungewöhnliches. Aber wenn du gesehen wirst… bist du tot.

,, Ich soll also einfach nur rumsitzen ?“

,, Genau das. Ich glaube ich kann Jefaridas finden. Er ist ein Ausgestoßener, also muss er sich verstecken. Aber normalerweise findet man sie, wenn man nur gründlich genug Sucht.“

,, Und wie lange wird diese ,, Gründliche Suche“ in etwa dauern ?“ , wollte Coel wissen.

Die Vorstellung hier Stundenlang festzusitzen gefiel ihm gar nicht.

,, Weiß ich nicht genau.“ Mit diesen

Worten sprang die Artheranerin nach draußen und war wenige Sekunden später in der Dunkelheit verschwunden.

Die Minuten vergingen in Stille, die nur vom Wind im hohen Gras und dem Zirpen irgendwelcher Insekten unterbrochen wurde.

Schließlich trat Coel aus dem Schiff um sich etwas umzusehen. Er würde nicht weit gehen, aber die ganze Zeit im Shuttle  zu warten, wäre Verschwendung.

Ein leichter Wind wiegte das Gras hin und her und trug aus der Ferne Stimmen heran. Coel machte sich deshalb keine Gedanken. Die Entfernung war groß genug.

Als er nach oben in die Sterne blickte, bekannte Konstellationen erblickte er keine, bemerkte er jedoch etwas Seltsames.

Ein etwa kreisförmiger Himmelsabschnitt schien komplett dunkel zu sein. Kein einziger Stern oder auch nur das Positionslicht eines der im Orbit befindlichen Schiffe war zu sehen…

Und in diesem Moment wurde ihm klar, was er vor sich hatte.

Im Orbit dieser Welt schwebte etwas, das Coel auf mehrere hundert Kilometer Durchmesser schätzte. Und wenn es so nah war, dass es kein Sonnenlicht von der anderen Planetenseite reflektierte musste es künstlich auf Position gehalten

werden, sonst würde die Schwerkraft es auf die Oberfläche des Planeten stürzen lassen.

Aber was war es ? Lediglich ein stabilisierter Mond ? Er bezweifelte es, aber solange er nicht mehr erkennen konnte, musste diese Frage warten.

Er trat zurück ins Innere des Shuttles und zog eine kleine  Metallkiste unter einer der Sitzbänke hervor und öffnete diese.

Sein Revolver und mehrere Schachteln mit Patronen lagen auf Schaumstoffpolstern Gebettet darin.

Er überprüfte kurz, ob die Waffe noch geladen war, dann versteckte er sie unauffällig in seiner Jacke. Nur für den

Fall.

Ansonsten blieb ihm nichts zu tun als zu warten. Er sah sich kurz nach der Pflanze um, die sie von Artherium mitgenommen hatten.

Seine ursprüngliche Einschätzung, dass das Silberefeu nicht überleben würde schien sich als Falsch zu erweisen. Kein Wunder. Die Pflanze hatte auf einem Planeten mit Säureatmosphäre überlebt, da sollte die deutlich weniger Lebensfeindliche Umgebung eines Shuttles auch kein Problem darstellen.

Er setzte sich in einen der Pilotensitze und schloss kurz die Augen. Zumindest redete er sich das selbst ein.

Wenige Sekunden später war er

allerdings eingeschlafen.  Sein Geist wanderte ab, zu Unruhigen Träumen und noch finstereren Vorahnungen.

 

Coel schreckt hoch, als er Schritte hörte. Fast reflexartig riss er die Waffe hoch und zielte. Und hielt sich grade noch selbst davon ab den Abzug zu ziehen, als er Aine erkannte. Hinter ihr stand noch jemand der im Dunkeln blieb.

. Er schüttelte die Träume ab. Einen Moment lang war er wieder auf Artherium gewesen. Einen Moment lang hatte er um sein Leben gekämpft.

,, Alles in Ordnung ?“ Aines Stimme war ruhig, aber die Nervosität entging ihm nicht. Erst da fiel Coel auf, das er ja

immer noch die Waffe in der Hand hielt. Langsam ließ er den Revolver sinken.

,, Sie haben mich überrascht, das war alles.“

,, Sie sind also Rafail Coel ?“ Die Gestalt  die eben noch im Schatten gestanden hatte, trat vor.  Ein abgerissen wirkender Artheraner, dessen gehetzt wirkende Augen keine Sekunde auf etwas zu ruhen schienen, sondern beständig weiterwanderten. Irgendwie verwirrend.

,, Es ist etwas unangenehm , wie jeder Artheraner meinen Namen zu kennen scheint.“
,, Nicht jeder, aber die die sie vor all diesen Jahren gerettet haben. Manche wie ich erinnern sich wohlwollend

daran.  Andere hingegen  betrachten es als zu späte Wiedergutmachung.“

,, Ich schaue draußen ob jemand kommt.“ , erklärte Aine und verschwand erneut in der Nacht. Coel war sich irgendwie sicher, dass sie nicht weit gehen würde, sondern in Hörweite blieb.

,, Also, warum sind sie hier ?“ , wollte der Artheraner, bei dem es sich wohl um Jefaridas handeln musste, wissen.

,, Weil ich nach Antworten suche. Eines unserer Systeme wurde angegriffen und vollkommen zerstört. Mir wurde gesagt, ihr würdet vielleicht etwas darüber wissen.“

,, Mehr als mir lieb ist.“ Der Artheraner sah sich nervös über die Schulte rum,

als befürchte er , verfolgt worden zu sein. ,, Ihr wisst, was ich getan habe ?“

,, Was ? Das ihr verbannt wurdet?

Er nickte ,, Ja… es hängt etwas damit zusammen. Aber ich sollte von vorne beginnen.“ Jefaridas schien nicht richtig bei der Sache zu sein.

,, Beginnt doch damit, woher ihr diese ganzen Schiffe habt. Ihr könnt das alle unmöglich innerhalb von Zehn Jahren gebaut haben…“

,, Ja.. das sind die Via. Sie helfen uns… oder tun zumindest so.“

,, Wer sind die ? Wer sind die Via? Erklären sie es mir.“

, Die Via… sind sehr alt glaube ich. Viel weiß ich nicht. Aber als wir nach der

Zerstörung Artheriums ziellos durch das All wanderten, fanden sie uns. Und machten ein Angebot.“

,, Was für ein Angebot ?“

,, Das der Rache. Sie stellten uns Schiffe zur Verfügung, Technik, ermöglichten uns, unsere Zivilisation wieder aufzubauen. Als Gegenleistung forderten sie nur eine einzige Sache : Wir sollten sie unterstützen, wenn sie die Erde angreifen.“

,, Moment,  das ging jetzt etwas schnell. Wieso sollte irgendwelche mir nicht einmal bekannten Außerirdischen ein Interesse daran haben die Erde anzugreifen? Das ergibt keinen Sinn… allein die Verteidigungssysteme würden

die Hälfte der Flotte da draußen vernichten bevor sie auch nur in Feuereichweite kommt.“

,, Das wurde auch einigen unter uns Bewusst. Was viele in ihrem Hass oder ihrer Verbitterung nicht wahrhaben wollen, ist eine einfache Wahrheit: Wir sind nur Kanonenfutter für Sie. Sie haben eine Waffe, die sie Weltenschiff nennen, etwas, das ein ganzes Sternensystem auslöschen kann.“

Coel lief ein Schauer über den Rücken als ihm zumindest einige der Zusammenhänge klar wurden.

Und der Schatten im Orbit ergab plötzlich auch etwas mehr Sinn.

,, Ich habe das Schiff gesehen.“ ,

erwiderte er. ,, Wozu brauchen die euch überhaupt , wenn die Via so eine Waffe kontrollieren?“

,, Sie sind mächtig, aber wenige. Und auch ihr Weltenschiff ist nicht unzerstörbar. Sie brauchen einfach Leute die sie Opfern können. Die Menschen haben ein Spiel, Schach glaube ich…“

,, Und ihr seid die Bauern.“ , stellte Coel fest.

 

 

 

Jefaridas  nickte unsicher. Vielleicht wusste er nicht genau, was die Geste bedeutete. ,, Als mir das klar wurde…“

,, Ihr wurdet Ausgestoßen weil ihr einen

anderen Artheraner angegriffen habt…“

Jefaridas schüttelte den Kopf. ,, Ich habe einen der Via angegriffen… Ich hatte sie mit meinem Verdacht konfrontiert… Die Via mögen tun als sein sie auf unserer Seite, aber ich habe gesehen, dass sich dahinter nur Abscheu befindet. Wenige haben mir geglaubt.“

,, Ich verstehe nur noch nicht,  was haben die davon die Menschen anzugreifen ? Ich habe bis jetzt grade nicht einmal den Namen gekannt. Was sind die?“

,, Eine selten dämliche Frage.“ , hörte er eine Stimme hinter sich. Die Stimme gehörte weder Aine noch Jefaridas…

Er wirbelte die Waffe in der Hand herum

und starrte mitten ins Gesicht… eines Menschen?

Dunkle Haare, die ein ebenmäßiges Gesicht einrahmten, das keinerlei Emotionen verriet.

Einen Moment war Coel  so überrascht, dass er beinahe die Waffe fallen gelassen hätte. Genau in diesem Moment trat der Fremde ihm den Revolver aus der Hand. Die Waffe schlitterte über den Boden und verschwand unter einem der Sitze.

Coel holte aus und wollte seinem Angreifer einen Schlag gegen die Schläfe versetzen, doch dieser fing seine Hand ab. Ein Fausthieb  des Fremden, und er flog quer durch das Shuttle. Unmöglich kein Mensch konnte so stark… Der

Aufprall auf dem Boden presste ihm die Luft aus den Lungen und ließ ihm keine Zeit mehr sich darüber Gedanken zu machen. Einen Moment kämpfte er gegen eine drohende Ohnmacht an.

Er sah wie sich der Mann dem Artheraner zuwendete. ,, Ihr hättet verschwunden bleiben sollen.“ , meinte er.

,, Asmodeus. Glaubt nicht das ich Angst vor dem Tod h…“

Jefaridas kam nie dazu den Satz zu beenden. Der Fremde hatte plötzlich eine Pistole in der Hand und drückte ab. Der Artheraner sackte leblos zusammen.

Es war nicht der Umstand, dass der Fremde ihn getötet hatte, der Coel so

erschreckte, daran war er gewohnt… Aber er hatte noch etwas sagen wollen.

 

Der Fremde wendete sich wieder Coel zu. Dieser entdeckte den verlorenen Revolver ganz in seiner Nähe und griff danach.

Die Entfernung betrug nur wenige hundert Meter. Auf diese Distanz war eine Feuerwaffe absolut tödlich. Coel zielte und drückte ab…

Die Kugel traf den Mann. Oder hätte ihn getroffen, hätte dieser sich nicht in diesem Moment in einen Wirbel aus grauen Partikeln aufgelöst, die sich sofort wieder zusammensetzte.

,, Was zum…“Er  erkannte die

Gemeinsamkeit wieder. Als Seyonn einmal sein Aussehen verändert hatte, hatte das ähnlich gewirkt. Waren die Via, darum musste es sich um den fremden wohl handeln,  etwa angehörige der Unity?

,, Sie… sind ein Unity.“ , sagte er überrascht.

Der Fremde, der wohl Asmodeus hieß blieb kurt stehen.

,, Nein… Coel… vergleichen sie uns nicht mit diesen Feiglingen. Die Unity ist so nutzlos. Sie verstecken sich hinter ihren ach so Noblen Absichten. Und doch haben sie den Feuersturm über Artherium nicht verhindert.“

Die Stimme des Via war leise, kultiviert

und ohne Eile. Trotzdem… an seinen Händen klebte noch das Blut des Artheranischen Ausgestoßenen.

,,Wir können die Menschheit über den Schmutz ihrer eigenen Existenz erheben.

Sie sind  unsere Reinkarnation  vor unserem Fall und als solche böse, denn sie wissen wie das enden wird. Aber wir können ihnen ihren Pfad zeigen Coel. Einen Weg der Fort von der Zerstörung führt.“

,, Ach und wie wollen sie das tun ?“ , fragte er und stand langsam wieder auf.

,, Geben sie mir den Passiercode für die Waffenanlagen der Erde.“

,, Sie sind verrückt wenn sie glauben, ich würde auch nur daran denken.  Sie

können reden, soviel sie wollen, sie haben eine Armee da draußen.. Asmodeus. Und die ist nur für eines gut, Zerstörung. Sie haben ein Sonnensystem ausgelöscht.“ Die Splitter fielen alle an ihren Platz.

,, und ist es das nicht wert, Coel, wenn Artherium dann nie geschehen wäre, wenn Leid und Tod und Kriege so enden, wäre es das nicht wert ?“

Coel schüttelte entschieden den Kopf. ,, Niemals.“ , erklärte er und sah sich nach Aine um. Wo war sie ?  War er verraten worden? Es kümmerte ihn nur nebensächlich. Er würde hier sterben…

Aber er würde nicht kampflos untergehen.

,, Sie sind genau so naiv wie die Unity. Ich zögerte, es ist falsch ihre Gedanken zu durchsuchen…“ , sagte der Via.

Ein plötzlicher Schmerz zwischen seinen Augen lies Coel erneut auf die Knie sinken. Schmerz, etwas, wie eine unsichtbare Hand, ein Gedankenpfeil, der ihm in den Kopf getrieben wurde.

Tastend, Suchend…

,, Nein.“ Er stieß die fremden Gedanken, das tastende etwas, zurück, so stark es ihm möglich war und schlug alle Türen in seinem Geist zu, so gut er konnte.

 ,, Dann lassen sie  mir keine Wahl.“

Coel  hatte keine Zeit mehr, sich auf den Angriff vorzubereiten. Plötzlich war Asmodeus direkt vor ihm.

Offenbar wollte der Via  ihn ,nicht wie Jefaridas mit der Waffe töten, sondern,   ihn mit bloßen Händen aus dieser Welt befördern.

Er riss die Hände aus bloßem Reflex hoch um sich gegen den Aufprall zu schützen, wohlwissend, dass das Wesen ihm lediglich den Arm brechen würde.

Er spürte den Schlag, aber bei weitem nicht so stark wie er Gedacht hatte. Natürlich, wie hatte Seyonn gesagt? Seine Kybernetik wurde von seinem Unterbewusstsein gesteuert.

Coel blieb jedoch keine Zeit sich darüber zu freuen noch am Leben zu sein.

Ein Lichtblitz von der anderen Seite des Shuttles, ein brennende Schmerz in der

Brust und das dumpfe Gefühl, das die Welt grade langsamer geworden war.

Er hatte Aine völlig vergessen gehabt. Sie schien sich entschieden zu haben. Und es war nicht die Seite auf die er gehofft hatte.

Etwas schien sich erneut  in sein Bewusstsein zu graben, suchte  nach etwas… Zahlen… Namen.. Koordinaten. Coel konnte dem nichts mehr entgegenzusetzen.

Er starrte den Fremden an unfähig die Tragweite ganz zu erfassen. Noch  während er starb hatte dieser seinen Verstand durchforstet, allein das die Vai dies konnten war furchteinflößend,  aber Coel hatte absolut nichts dagegen tun

können. Mit seinem Tod hatte er sich abfinden können,  aber das… Das Wesen vor ihm hatte grade die Codes für die Verteidigungsanlagen der Erde erhalten.

Rafail Coel stürzte zu Boden als sich alles um ihn herum schwarz färbte.

 

,, Ihr habt die richtige Entscheidung getroffen.“  Der Via trat aus dem Shuttle in die Nacht.

,, Wir müssen schneller handeln  als geplant fürchte ich. Ich gebe den Befehl an die Flotte sofort die Erde anzusteuern. Ihrb leibt hier und beseitigt die Überreste. Begebt euch dann ebenfalls zur Erde. Heute bekommt ihr eure versprochene Rache.“

Asmodeus verschwand in der Nacht.

Aine blieb zurück und sah zu Coel, der regungslos zusammengesunken war.

Noch blieb Zeit… Noch gab es eine Chance…

Kapitel 30 Angriff

,, Sie sagten einmal, sie würden glauben Coel wäre möglicherweise die Rettung ihrer Art. Und auch vielleicht die Antwort auf die Frage, wer Recht hatte. Ich glaube ich verstehe es jetzt.“ , meinte Martin. Bisher hatten sie den Rückflug beinahe schweigend verbracht, jeder allein mit seinen eigenen Gedanken. Aber als jetzt die blaue Kugel auf den Sichtbildschirmen auftauchte und Martin erleichtert aufatmen konnte, wollte er seine Gedanken nicht länger für sich behalten.  ,, Es ging um die Unity und die Via. Wessen Vorgehen das Richtige wäre, oder?“

,, Wenn man Jahrhundertelang seinem Weg folgt.. und doch sieht das es nichts bringt, beginnt man zu zweifeln, ob die Antworten die man meint gefunden zu haben, nicht falsch sind.“
 ,,  Sie meinen ihr Vorgehen, um einen weiteren großen Krieg zu verhindern ?“

,, Richtig.“ , bestätigte Seyonn. ,, Dieser Kreislauf. Aufstieg und Fall der verschiedensten Imperien waren immer verbunden mit dem Tot von Millionen. Sie brauchen  nur in ihre eigene Geschichte sehen um das zu bestätigen. Aber im Galaktischen Maßstab ist es fast unvorstellbar.  Und das schlimmste ist, das man es niemanden die Schuld geben kann . Der Mächtige wird seien Macht

auch immer einsetzen, das kann man ihm vorwerfe, aber verhindern…

Der Unity Botschafter schüttelte den Kopf.  ,, Wenn es uns jedoch gelänge auf diese Problematik Hinzuweisen,  jedem klarzumachen, das rücksichtslose Expansion und Imperialismus auf keinen Fall ein guter Weg sind, dann wäre es möglich endlich vielleicht für dauerhaften Frieden zu sorgen.

Nur hört einem niemand zu bevor es zu spät ist. Wieder etwas, das sich in der Geschichte immer wiederholt. Da beginnt man sich zu fragen, ob die Via nicht doch Recht haben. Wenn man potentielle Imperien vernichtet, bevor sie zu groß werden und zusammenbrechen… fordert

das auch tote, aber immer noch weniger, als es sonst wäre. Kalte Mathematik.“

,, Und Coel…“

,, Coel und auch sie waren auf Artherium. Sie haben die Vernichtung dort miterlebt.  Sie haben einen Vorgeschmack davon bekommen, wohin der Weg ihres Volkes führen kann.“ , antwortete Seyonn.

,, Das war es wonach wir gesucht hatten. Jemand, der es verstehen würde und der vielleicht auch die Möglichkeiten hätte, sich durchzusetzen. Und jetzt bleiben dafür vielleicht nur sie.“

,, Ich bezweifle, dass ein einzelner Mann das wirklich bewirken könnte. Entweder überzeugt man alle, oder man wird nie in

der Lage sein, irgendetwas durchzusetzen.“ , erwiderte Martin.

,, Das ist jetzt sowieso egal.“ , meinte Seyonn und sah auf die Sichtbildschirme der Kronos.

Ägir steuerte das Schiff schweigend in eine niedrige Umlaufbahn um den schimmernden Planeten vor ihnen. Ihm war klar, dass die nächsten Stunden einiges entscheiden mussten. Mehr, als Martin selbst jetzt vermuten konnte.

,, Wenn die Via mit den Artheranern die Erde angreifen und Erfolg haben, werden wir annehmen müssen, falsch zu liegen. Dann kommt es zu einem zweiten Zusammenbruch. Und ausgerechnet jetzt entscheiden sich die anderen nichts zu

tun und abzuwarten.“

,, Sie sind wütend auf ihre Leute.“ , stellte der Pilot fest.

,, Nicht wirklich Wut… aber die sehr gute Erinnerung daran.“ Er sah auf einen der Sichtbildschirme Wann sind wir auf der Erde?“

,, Ankunftszeit noch etwa zwanzig Minuten. Wir landen in der Nähe der Parlamentsgebäude.“ , meldete sich HAL.

Zumindest waren sie rechtzeitig hier. Und wie es aussah, waren bereits sämtliche Verfügbaren Schiffe im Orbit der Erde positioniert worden, bereit alles abzufangen, das es irgendwie durch den Verteidigungsring aus Geschützen und Drohnen schaffen würde.

Beim Anblick der Flotten schöpfte Martin wieder mehr Mut. Wie hatte es Utgar formuliert?

Die Via waren mächtig, aber nicht unbesiegbar.

Vor ihnen stand die gesamte Militärmacht der Menschheit.

 Ein Schlachtschiff mit mehreren Kilometern Durchmesser, Martin meinte, die Horus in dem Titanen aus Stahl zu erkennen,  dutzende kleinere Kreuzer und Trägerschiffe für Jagdgeschwader.

Das Ergebnis eines Jahrhunderts  des rücksichtslosen Wachstums.

Heute könnte es vielleicht ihre Rettung sein.

 

,, Martin.“ Cain Steel wartete bereits auf sie, als er Seyonn und Adams die Kronos verließen. Hinter den Gebäuden des Parlaments gab es einen weiten offenen Platz, auf dem Ägir das Schiff hatte landen können. ,, Ich habe Wilkonson überzeugt alles in Alarmbereitschaft zu versetzen. Aber er will sie sofort sehen. Und sie haben besser eine verflucht gute Erklärung für alles.  Die Artheraner greifen uns an ? Das klingt ziemlich weit hergeholt.“

,, Ich wünschte, dem wäre so.“ , erwiderte Martin.,, Seyonn dürfte alles erklären können.“

,, Das hoffe ich, nicht nur ihretwegen.“ , antwortete Cain. ,, Folgen sie mir.“

Er führte die kleine Gruppe durch einen Seiteneingang ins Innere des hohen grauen Betonklotzes, der sich vor ihnen erhob und dessen Fassade nur spärlich mit Fenstern durchlöchert war. Vermutlich, weil sie sich auf der von der Straße abgewandten Seite befanden. Martin hatte schon einmal vor dem Parlamentssitz gestanden und die Frontseite bestand fast vollständig aus Glas.

Von der Rückseite jedoch machte der Bau einen beinahe heruntergekommenen Eindruck.

Trotzdem konnte er sich einer gewissen Ehrfurcht nicht verschließen. Das hier war der Ort, an dem alle Fäden

zusammen liefen. Ob Militär. Politik oder Kolonialwirtschaft, letztlich wurde mehr oder weniger alles von hier aus Verwaltet.

Rasch liefen sie durch mehrere mit Teppich ausgelegte Gänge, die an Reihen von Büros und Verwaltungszentren vorbeiführten. Durch offene Türen konnte Martin ab und an einen Blick in die verlassenen Räume werfen. Tische mit Computeroberflächen, die noch brannten, Aktenstapel, die ungeordnet herumlagen… vermutlich hatte man das Gebäude soweit wie möglich evakuiert.

Aber anstatt das Cain sie, wie Martin vermutet hatte, in eine der oberen Etagen brachte, führte er sie in ein

Treppenhaus, das weiter in die tiefe führte.

,, Nachdem sie hier ja Großalarm ausgelöst haben, wurde der gesamte Mitgliederstab des Parlaments sicherheitshalber in die Keller gebracht. Ich bezweifle zwar, dass wir auf der Erde überhaupt etwas von einer Schlacht mitbekommen werde, aber für den unwahrscheinliche Fall, das doch etwas durchbrechen sollte, sind wir hier unten sicher.“

Am unteren Ende der Treppe führte eine schwere Tür in einem kurzen Gang, an dessen Ende sich ein weiteres Schott befand.

Ein bewaffneter  Mann in der Uniform

eines Sicherheitsbeamten hielt sie kurz an, ließ sie aber, sobald er Steel erkannte weitergehen.

Was hinter der zweiten Tür lag war unschwer als Informationszentrum zu erkennen. In einem weiten offenen Raum waren dutzende von großen Bildschirmen angeordnet, über die Ständig die neusten Meldungen liefen.

Auf zwei davon lief irgendein Fernsehsender, der grade Nachrichten zeigte. Der Ton war ausgestellt, so dass Martin nur die Bilder und die Lauftexte verstehen konnte.

Unruhen in Australien… Die Preise für Mais gingen in den Keller und …Die GTDF erklärt Alarmzustand sei nur

Übung. Bevölkerung wird zur Ruhe aufgerufen.

Seltsam wie schnell sich Nachrichten verbreiteten. Vor einer Stunde hatte Martin noch auf Enclave gestanden.

An einem großen  Tisch im Zentrum des Raumes saßen einige Männer und Frauen  beisammen, deren Gesichter Martin entfernt vertraut vorkamen. Vermutlich ebenfalls aus den Nachrichten. Er konnte sich an keinen einzigen Namen erinnern. Einer stand vom Tisch auf, als er Cain Martin und die anderen sah.

Vielleicht konnte er sich doch zumindest an einen Namen erinnern.

Henry Wilkonson, Vorsitzender des Erdparlaments, war durchaus eine

Erscheinung, die man beeindruckend nennen konnte. Wahren viele seiner Vorgänger in den letzten fünfzig Jahren fast sang und klanglos verschwunden, war er jemand, der wohl noch nicht all seine Ziele aus den Augen verloren hatte.  Grüne Augen, in denen sowohl härte, als auch ein versteckter  Humor schimmerten funkelten Martin entgegen.

,,  Nun Herr…“

,, Richter.“ , erwiderte Martin.

,, Also dann Richter... wir sind alle wegen ihnen hier unten.  Ich habe ihren Erzählungen, dass uns ein Artheranischer Angriff bevorsteht ja erst keinen Glauben schenken wollen, aber Steel hier hat mich überzeugt zumindest auf alles

vorbereitet zu sein.“ Er trat beiseite und machte eine einladende Handbewegung. ,, Würden sie uns bitte aufklären?“

Mart zögerte, zuerst nach vorne zu treten. Er sah kurz zu Seyonn, der aber keine Anstalten machte, selbst das Wort zu ergreifen.  Schließlich holte er tief Luft. ,, Das könnte einen Moment dauern…“

 

Und so fasste er noch einmal alles zusammen, was er bisher erfahren hatte. Angefangen bei der Zerstörung des Trinity-Systems, wobei die meisten diesen Teil schon kannten, über Isaari, Coels Alleingang, die Begegnung mit dem Weltenschiff, wobei sich Adams hier

einmischte um zu erklären, fas diese wohl für die Vernichtung von Trinity verantwortlich war,  bis hin zu ihrer Flucht nach Enclave und der letztendlichen Enthüllung Utgars, wobei er ausließ, was die Unity mit ihrem Tun beabsichtigte. Er wollte die versammelten Politiker nicht vor den Kopf stoßen, indem er ihnen eröffnete, sie sollten besser ihre Komplette Politik umstellen. Das hatte auch später noch Zeit.

Wilkonson wirkte sichtlich ernüchtert, als Martin alles Berichtet hatte.

,, Das klingt alles ein wenig verwirrend. Aber ich glaube ich verstehe zumindest das wichtigste. Diese Via“ und dabei sah

er zu Seyonn herüber , ,,gehören also zur Unity ?“

,, Nicht mehr.“ , erwiderte dieser. Sie haben sich nach einem Bürgerkrieg von der Unity abgespalten. Wir dachten eigentlich nie wieder von ihnen zu hören.“

Der Vorsitzende wendete sich an Cain,, Wie sieht es mit der Verteidigung aus ? Wenn dieses Weltenschiff wirklich hier auftaucht, sollten wir besser mit allem rechnen.“

,, Die Verteidigungsanlagen im Asteroidengürtel  sind allesamt funktionsbereit. Dazu kommt noch die Defensivflotte im Orbit, falls diese Verteidigungslinie durchbrochen wird.

Und selbst wenn das Versagen sollte, sind in sämtlichen Städten und militärischen Stützpunkten Abwehrwaffen installiert und aufgebaut worden.“

Auf dem Tisch erschien ein kleiner Globus aus Licht, auf dem die größten Städte als Punkte markiert waren.

,, Die einzigen Schwachpunkte hier bilden der Pazifik und Sibirien, wir haben dort kaum Stützpunkte und müssen bei einem Durchbruch vor allem dort mit einer Landung rechnen.“

,,Wie lange, bis wir weitere Verstärkung erhalten ?“ , wollte Adams wissen.

,, Die Nachricht an alle Flotten sofort zur Erde zurück zu kommen ist raus.“ ,

erklärte Steel. ,, Aber das dauert sicher noch ein paar Stunden.  Die Horus ist allerdings bereits hier. Das Sollte den Artheraner zumindest zu denken geben.  Nebenbei wurde ein magnetisches Abwehrsystem  in den meisten Städten aktiviert. Das sollte Schäden eindämmen.  Leider ist das System etwas veraltet und zieht genug Strom, das wir wohl örtlich mit Engpässen  rechnen müssen.“

,, Dann bereite ich besser mal eine Presseerklärung vor damit die Leute verstehen, dass es in ihrem Interesse ist  die nächsten Stunden auf Licht zu verzichten.“

In diesem Moment fielen die zwei

Nachrichtenbildschirme aus. Die Bilder des Nachrichtensprechers wurden durch Schneegestöber ersetzt.

,, Soviel zur Presseerklärung.“ , meinte Wilkonson.  ,, ist das eine zufällige Störung ?“

,, Das wir wohl bezweifeln.“ , sagte Adams.

Martin sah einen Moment unsicher zwischen  den versammelten Personen hin und her.

Ein Alarmton richtete die Aufmerksamkeit aller anwesenden auf die Planetare Karte, die noch immer über dem Tisch schwebte.

,, Sieht aus als würde der Tanz losgehen.“

Mehrere Millionen Kilometer von der Erde entfernt registrierte eines der automatischen Abwehrgeschütze eine Reihe von sich annähernden Objekten.

Normalerweise würde die KI-Steuerung der  Verteidigungsstationen sofort auf alles feuern, was sich dem Gürtel näherte. Nur durch einen Code ließ sich die Zielerfassung der Waffen verzögern und schuf somit ein kleines Zeitfenster von ein paar Sekunden, in dem sich ein Schiff identifizieren konnte.

Ein Funksignal erreichte die Waffenplattformen.

Der Code war übermittelt worden.

Aber noch fehlte jeder Versuch der Kontaktaufnahme. Selbst auf die

automatischen Warnmeldungen gab es keine Reaktion.

Das Zeitfenster war abgelaufen.

Die Railguns erfassten die fremden Schiffe…

Und genau in diesem Moment brach ein Feuersturm über die Verteidigungsanlagen herein.

Fast als hatte jemand ein Loch ins Universum geschnitten erschien das Weltenschiff. Ein gewaltiges Konstrukt von fast zweihundert Kilometern Durchmesser. Die Schockwellen, die es bei seiner Ankunft verursachte und seine eigene Schwerkraft wirbelten die auf ihrer Flugbahn stabilisierten Asteroiden durcheinander. Einzelne Stationen

kollidierten miteinander oder wurden davongeschleudert. Andere wurden von der Druckwelle selbst direkt  zerstört.

Die Drohnengeschwader, welche die Vernichtung überstanden  nahmen das Fremde Objekt  sofort unter Feuer, ohne auch nur das Geringste Auszurichten.

Feuersalven verglühten an den Schilden, bevor sich den Giganten auch nur erreichten.

Aus mehreren dunklen Schächten in der Hüllenoberfläche brach Feuer hervor und zerfetzte, was noch an Verteidigungsanlagen aktiv war.

Ein EMP brachte sämtliche Systeme der Drohnen zum Durchbrennen, so dass sie sich zu den ins All davontreibenden

Überbleibseln der Railgunstationen gesellten.

Innerhalb weniger Sekunden war auf mehreren Hundert Kilometern breite eine Lücke in den Asteroidengürtel gerissen worden. Und damit der Weg für die Artheranischen Schiffe frei. Die wenigen Waffenstationen und Drohnengeschwader, die nicht zerstört worden waren, stellten kaum noch eine Bedrohung dar.

 

,, Verflucht.“  Steel schlug mit einer Faust auf den Tisch, auf den grade eine Karte des inneren  Sonnensystems projiziert wurde, die sich ständig mit den neuesten Daten aktualisierte, die zur

Verfügung standen. Vor wenigen Sekunden waren einige Punkte, die für mehrere dutzend unbekannte Objekte standen, am Rand des Asteroidengürtels aufgetaucht. Gleich darauf jedoch, waren jeglicher Scanner und jede Überwachungsstation in dem Sektor ausgefallen.

,, Was ist los ?“ , wollte Martin wissen.

,, Wir haben grade den Kontakt zur Hälfte unserer Waffenstationen verloren, das ist los.“ , erwiderte er.

,, Das heißt, die haben grade unsere Hauptverteidigungslinie ohne den geringsten Wiederstand durchbrochen ?“ , fragte Wilkonson. Er klang besorgt, was man ihm wohl auch nicht verübeln

konnte. Jeder hier hatte damit gerechnet, dass der Verteidigungsring zumindest etwas ausrichten würde.

,, So sieht es aus.“ Cain überprüfte kurz, ob er Kontakt zu den Schiffen im Orbit herstellen konnte, bekam aber nur Störungen rein. Er wendete sich an einen m Raum stehenden Offizier. ,, Die blockieren irgendwie unsere Funksignale. Finden sie raus wie und unterbinden sie das.“
Der Mann trommelte in paar Techniker zusammen und verschwand wortlos.

,, Für den Rest gilt ruhig bleiben und weiterm….“

Ein kurzes Aufflackern und eine menschliche Gestalt stand plötzlich

mitten im Raum.

Die Hälfte der anwesenden war bewaffnet  und einige übereifrige schossen sofort auf das, was Cain ziemlich schnell als nicht wirklich existent erkannte.

Die Kugeln flogen  einfach durch die fremde Gestalt hindurch und prallten an der gegenüberliegenden Wand ab.

,, Feuer einstellen.“, rief er über das Pfeifen der Querschläger hinweg. ,, Das ist bloß ein Hologramm.“
Wilkonson betrachtete das Abbild, das vor einem Moment noch nicht da gewesenen war.

Ein Mensch… oder zumindest wirkte es so.

Graue Augen, die ihn direkt zu Mustern  und zu katalogisieren schienen und zwar Abwertend. Ein alterslos wirkendes Gesicht mit schwarzen Haaren, das sowohl einem alten Greis, freilich einem gefährlichen, als auch einem jungen Mann zu gehören schien.

Wilkonson brauchte nicht lange, um die Illusion zu durchschauen.

Das musste einer der Via sein und wie die Unity hatten sie ihre Gestalt angepasst.

Er fasste etwas Mut. Das war immer noch nur ein Trugbild.

,, Das soll doch jetzt  wohl ein Witz sein.“

,, Ich bin Asmodeus von den Via. Du

bist der Führer dieser Welt ?“

,, Der Begriff Führer ist hier etwas geschichtlich vorbelastet, aber …“
Das Hologramm unterbrach ihn. ,, Ich stelle dieses Angebot nur einmal. Ergebt euch und übergebt die Kontrolle des Planeten und all eurer Schiffe.“

Wilkonson lachte. ,, Ich denke ja gar nicht daran. Ich wäre allerdings gewillt eure Kapitulation im Gegenzug anzunehmen.“

,, Du bist nicht in der Position Forderungen zu stellen.“ , erklärte der Fremde.

,, Vielleicht nicht. Aber verlass dich drauf, wir werden kämpfen. Und ihr werdet euren Blutzoll zahlen. Und eins

weiß ich genau.“ Wilkinson sah mit einem Grinsen im Gesicht auf, das selbst Martin das Blut gefrieren lies. Der Mann wusste tatsächlich was er tat. Oder war wahnsinnig… wie ein gewisser noch immer abwesender Coel.

,, Wenn wir zur Hölle gehen…. Dann kommt ihr mit.“

Asmodeus sah zu Boden. ,, So sei es.  Ich bedaure diese Entscheidung. Eure Welt wird brennen. Brennen wie Artherium und wie Trinity. Ihr habt diese Wahl selbst getroffen.“

Das Hologramm erlosch.

,, Ich glaube sie haben ihn grade verärgert.“ , erklärte Martin.

Kapitel 31 Schlacht

Coel schreckte hoch. Und bereute es gleich darauf als, eins stechender Schmerz ihn vollends zurück ins Bewusstsein holte. Die letzten grauen Schleier vor seinen Augen zogen sich zurück.

Wo war er?

Das letzte an das er sich sicher erinnerte war… Er war angeschossen worden…

,, Bin ich tot ?“ , rief er laut, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

,, Nur fast“ , antwortete eine ihm bekannte Stimme. ,, Aber glauben sie  mir, wenn die Schmerzmittel aufhören zu wirken, werden sie sich wünschen es

zu sein.“ Aine. Die Artheranerin saß auf einer der Sitzbänke des Shuttles und beobachtete ihn. Coel war sich nicht sicher ob mit Neugier oder  Verachtung.

Coel setzte sich endgültig auf. Ein sauberer Verband mit einigen großen roten Flecken zog sich quer über seine Brust. Blut.

Er sah sich um. Er war immer noch im selben Shuttle, soweit er das Abschätzen konnte, nur waren sie definitiv wieder unterwegs. Und er lebte immer noch. Wieso ?

,, Sie haben auf mich geschossen.“ , sagte er misstrauisch. Der Revolver, den er im Kampf mit dem Via verloren hatte lag in seiner Reichweite. Unauffällig

Griff er danach und richtete die Waffe auf die Artheranerin.

,, Würde ich nicht versuchen.  Wenn ich sie töten wollte, hätte ich das getan, als sie bewusstlos waren“

Er zögerte einen Moment.

,, Wieso plötzlich das sie?“ Es war grade ein nebensächliches Problem.

,, Das ist doch… richtig oder ?“

,, Also schön.“ , Coel nahm die Waffe runter. ,,  Aber sie haben immer noch auf mich geschossen.“ , stellte er fest.

,, Ich war mir sicher, dass sie das Überleben.“

,, Sie waren sich sicher ? Ich würde sagen Jefaridas hatte nicht so viel Glück wie?“

,, Fast sicher. Tut mir leid, aber es gab keinen anderen Weg. Asmodeus hatten mich verfolgt als ich Jefaridas gesucht habe. Er hätte sie wirklich getötet, wenn…“

,, Ich weiß grade nicht ob ich lachen soll oder nicht. Auf welcher Seite stehen sie verdammt?“

,, Auf meiner.“ , antwortete sie.

,, Auf ihrer… und das ist welche ?“

,, Auf der, die meine Leute nicht als Kanonenfutter enden lässt. Mit einem hatte Jefaridas Recht. Wir sind auf jeden Fall die Verlierer. Selbst wenn die Erde fällt… da draußen gibt es noch dutzende Menschliche Flotten und Stützpunkte, die ohne Gnade Jagt auf uns machen

würden. Ein Krieg ist, zumindest derzeit, sicher der falsche Weg.“
,, Es ist ein wenig spät, das einzusehen.“ , erwiderte Coel, ,,Es ist ihnen möglicherweise entgangen, aber genau in diesen Moment… „ Siedend heiß fiel ihm etwas ein, das er fast wieder vergessen hatte. Der Code für die Defensiv-Systeme… Der Via hatte sie ihm gestohlen. Ihm schauderte wenn er darüber nachdachte, ,,  In diesem Moment ist der Krieg vielleicht schon in vollem Gange.“

,, Halten sie mich für so dumm oder Ignorant das nicht zu wissen ?  Ich kann mein Leute vielleicht überzeugen, das Feuer einzustellen und sich zurück zu

ziehen.“

,, Dafür haben sie genug Einfluss ?“ , fragte Coel skeptisch.

,, Sie haben mich auf Artherium gefragt, ob ich dort jemanden verloren habe.“

,, Was hat das damit zu tun, ob sie ihren Leuten befehlen können, das Feuer einzustellen ?“

,, Eine Menge. Meine komplette  Familie starb auf Artherium.“

,, Das tut mir leid , aber ich verstehe noch immer nicht….“

Aine unterbrach ihn. ,, Ich war noch nicht fertig. Sie wissen, dass einige Regionen Artheriums von Adelshäusern regiert wurden?“

,, Moment mal… Sie wollen sagen das

sie..“

,, An diesem Tag hörte eines davon auf zu existieren. Mein Haus ist tot.“

,, Aber  ihre Stimme hat noch Gewicht ?“

,, Nicht so viel wie ich gerne hätte, aber es sollte ausreichen. Wenn wir nur irgendwie die Via ausschalten könnten, dann hört man mir vielleicht zu.“

,, Das dürfte wohl das eigentliche Problem werden.“ , stellte Coel fest. ,,Das heißt wenn wir es zur Erde schaffen.“

Ein kurzer Ruck ging durch das Shuttle, als der Nova-Generator ansprang und sie quer durch die Galaxie beförderte.

 

John Watergate war der momentane Befehlshaber der Horus. Und was er sah gefiel ihm gar nicht.

Vor wenigen Minuten war die Artheranische Flotte eingetroffen und seitdem tobte ein unerbittlicher Kampf zwischen der zwar kleineren, dafür aber hoch gerüsteten Erdflotte und den Angreifern, die sich hauptsächlich um ihr gewaltiges Flaggschiff formiert hatten, das bisher zum Glück noch nicht das Feuer eröffnet hatte, warum auch immer. Vielleicht brauchten die Waffen einfach eine Weile um hochzufahren.

Watergate zumindest war dankbar dafür. Was immer dieses Weltenschiff, wie es die Bodenkontrolle nannte,  war, er

wollte lieber keine nähere Bekanntschaft damit machen.

Die Schlacht verlief, aus seiner  Sichtweise heraus seltsam.

Normalerweise dauerten Kämpfe im All nicht lange. Man erkannte schnell, welche Seite stärker war und zog sich dann zurück. Das galt vor allem, wenn sich große Schlachtschiffe gegenüberstanden.

Diese waren einfach zu wertvoll, um sie in Gefechten zu Verheizen und wenn eines davon schwer beschädigt wurde, war es eigentlich die beste Strategie, es mit kleineren Schiffen zu schützen, bis der Koloss wieder Feuerbereit war oder entkommen konnte.

In den letzten Zehn Minuten aber hatte er allein drei Artheranische Großkampfschiffe untergehen sehen.

Bei der Flottenstärke, die sie gegen die Menschen aufgestellt hatten war das zwar nur ein kleiner Verlust, aber trotzdem einfach völlig Sinnlos.

Mehr Sorgen machte ihm aber nach wie vor das Weltenschiff.

Die restliche Artheranische Flotte konnten sie in Schach halten, aber egal was sie gegen das gewaltige Konstrukt einsetzten, sie durchbrachen nicht einmal die Schilde.

Und das begann langsam an seinen Nerven zu zehren.

Geschoss verglühten über der Oberfläche

des  Giganten und erhellten die metallische Oberfläche.

Der Anblick hatte beinahe etwas Schönes, wie ein unglaubliches Feuerwerk. Bloß war das kein Feuerwerk. Das waren verdammt noch mal Projektile mit der Zerstörungskraft kleiner Atombomben.

Von der Effektivität dieser Angriffe her, hätten sie das Schiff auch mit Schnee bewerfen können.

Ein Ruck ging durch die Horus  und die Lichter flackerten kurz.  Einige Bildschirme auf der weitläufigen Brücke, von der aus die Defensivflotte koordiniert wurde fielen aus.

,, Sind wir getroffen worden ?“ , wollte

er wissen.

,, Kein direkter Einschlag. Minimale Schäden auf den Frachtdecks. Die Schilde haben das meiste abgefangen.“ , meldete ein Offizier, der zusammen mit gut zwei Dutzend anderen die Brücke besetzte.

,, Gut.“

Über dem Raum  spannte sich ein großes Dach aus durchsichtigem Material. Eigentlich würde man bei einem Schiff nur wenig Glas verwenden, egal ob bruchsicher oder nicht. Ein Schlachtschiff jedoch schien so unangreifbar, das man sich ein wenig Luxus erlauben konnte.

Die Schilde und magnetischen

Abwehrschirm  eines Schiffs der Titan-Klasse waren für kleinere Waffen praktisch nicht zu durchdringen. Trotzdem unternahmen die Artheraner immer wieder sinnlose Vorstöße gegen das Kommandoschiff.

Als würde niemand sie befehligen…

Auf einem Radarschirm tauchte ein weiteres artheranisches Großkampfschiff in Feuereichweite auf.

Wusste der Teufel, wie die es geschafft hatten innerhalb von Zehn Jahren eine solche Flotte aufzustellen.

,, Den Schlachtkreuzer unter Feuer nehmen.“ , befahl Watergate.

Sekunden später entfesselten die Railgunbatterien der Horus einen

Feuersturm, der das Schiff innerhalb weniger Sekunden zerfetzte.

Watergate  warf einen Blick auf einen der Sichtbildschirme und sah zu, wie die Hülle auseinanderbrach.

Eines weniger. Fehlten ja nur  noch ein paar dutzend.

Und das Weltenschiff….  Selbst wenn sie die kleineren Kreuzer und Fregatten ausschalteten, solange das gewaltige Konstrukt unantastbar im Erdorbit schwebte, würden sich die Artheraner sicher nicht zurückziehen.
Es gab nur eins, das er bisher nicht versucht hatte.

,, Sind die Nova-Generatoren einsatzbereit ?“ , fragte er.

Ein verunsicherter Adjutant meinte mit zitternder Stimme: ,, So nah an der Erde würde ich nicht empfehlen eine Nova-Waffe einzusetzen.“

,, Ich weiß um die Risiken, aber ich glaube uns bleiben bald keine Optionen mehr.  Schlimmstenfalls bekommt Europa heute Polarlichter zu sehen und wir rösten ein paar Überlandleitungen. Also ?“

,, Sind Feuerbereit.“ , erwiderte der Adjutant.

Watergate schloss einen Moment die Augen.

,, Dann bringen sie uns in Feuerreichweite auf das Weltenschiff. Meldung an alle Schiffe, sie sollen uns

Rückendeckung  geben.“

,, Wird erledigt.“

Die Antriebe der Horus sprangen an und setzten den tonnenschweren Koloss aus Stahl in Bewegung.

Ein kleines Artheranisches Schiff, das nicht ausweichen konnte, zerschellte an den Schilden.

,, Feuerradius  erreicht.“ , meldete jemand.

,, Nun dann, meine Herren, ich will dieses Weltenschiff nicht wiedersehen. Freigabe für Nova-Waffen erteilt.“

,, Nova-Waffen bereit und aufgeladen.“

,, Feuererlaubnis erteilt.“

Kurz wurden alle Bildschirme blind, als die Nova-Generatoren des Schiffs eine

Energiewelle in Richtung des Weltenschiffs projizierten. Sämtliche Systeme wurden kurz überlastet und die Sensoren geblendet.

Watergate sah durch die Glaskuppe der Brücke hinaus zu ihrem Ziel.

Das Weltenschiff glühte kurz, als die gewaltige Glocke aus Energie es einhüllte. Mehr konnte er jedoch nicht erkennen.

Die Systeme der Horus sprangen alle, eines nach dem anderen, wieder an.

,, Status des Weltenschiffs ?“ , wollte Watergate wissen.

,, Die Ortungssystem fahren grade erst hoch, aber ich denke nicht das….“ Der Adjutant schwieg.

,, Und ?“

,, Immer noch da.  Ein Moment… Oberflächliche Schäden. Zumindest die Schilde scheinen wir ausgeschaltet zu haben.“

,, Die Schilde ? Das  eben sollte  eigentlich das ganze Dinge verdampfen lassen.“ Watergate schlug wütend mit der Faust auf eine Computerkonsole.

,, Ich weiß und… „ Ein Warnton riss die Aufmerksamkeit des Mannes auf etwas anderes. ,, Plötzliche Energiesignatur vom Weltenschiff. Sieht aus als würden die ihre Waffen hochfahren.“

,, Trete niemals eine schlafenden Elefanten.“ , murmelte Watergate. ,, Sieht aus als hätten wir sie wütend

gemacht.“

Ein aufsteigendes Glühen aus mehreren Vertiefungen in der Oberfläche des Weltenschiffs  bestätigte seine Vermutung.

Ein helles aufblitzt, als mehrere Projektile auf die Horus und die umgebenden Schiffe  zurasten.

,, Ausweichmanöver. Ich will nicht rausfinden, was die anrichten können.“

Ganz gelang es ihnen nicht mehr.

Das Schlachtschiff wurde längsseits getroffen und die Schilde sofort durchschlagen.

Die Erschütterung konnte man überall spüren und der Kommandant wurde von den Füßen geschleudert.

,, Schadensbericht.“

,, Mehrere Decks ohne Energie, drei Hüllenbrüche in verschiedenen Bereichen, wir verlieren Sauerstoff, aber nur in unkritischem Maß, der Antrieb ist nur noch zu 50% betriebsfähig. Schilde sind komplett ausgefallen. Magentische Abwehrsysteme offline.“

,, Schon gut, ich habs Verstanden.“ , erwiderte Watergate. Das war mehr als Niederschmetternd.

,, Wenn ich überlege, das wir nur einmal getroffen wurden… Wie ist der Status der übrigen Schiffe?“

 ,, Größtenteils unbeschädigt. Wir haben allerdings  drei Kreuzer verloren. “

,, Verdammt. Befehl an die restliche

Flotte. Zurückziehen und vom Weltenschiff fern halten. Mit allem anderen werden wir fertig, aber ich bin nicht bereit meine Leute sinnlos zu verheizen.“

Watergate sah auf einen der Sichtbildschirme. Verstärkung war unterwegs, das war ihm klar. Sie mussten einfach nur die Stellung halten. Und solange das Weltenschiff sich weiterhin nicht aktiv am Kampf beteiligte, würden sie das auch irgendwie schaffen.

,, Sir, wir bekommen einige seltsame Daten rein.“

,, Was für Daten ?“

,, Weitere Energiesignaturen vom

 fremden Schiff. Und zwar in einem Ausmaß, das dafür eigentlich nicht viel in Frage kommt.“

Watergate warf einen Blick auf den Bildschirm. ,, Die..., die fahren ihre Nova-Antriebe hoch ? Leiten sie das sofort ans Parlament und das Oberkommando weiter. Wenn die ein Waffe haben…“

 

,, Verflucht.“ Eine Rakete war nur wenige Meter vom Shuttle entfernt detoniert und Coel hatte schon damit gerechnet, das jetzt alles vorbei wäre. Der Erdorbit war ein Schlachtfeld.

Geschosse erhellten das dunkel und geschmolzene  Wrackteile trieben ziellos

umher.

Aine hatte sichtliche Mühe, den Kämpfen auszuweichen.

,, Wo soll ich landen ?“ , fragte sie.

,, Suchen sie die Parlamentsgebäude. Das Schiff hat einen Autopiloten für die misten Ziele auf der Erde“ , erwiderte er. ,, Wir fliegen mit GTDF-Kennung. Man sollte uns also eigentlich nicht abschießen.“

,,Das klingt nicht grade beruhigend.“

Das Schiff flog durch die Atmosphäre und offenbarte Coel einen ersten Blick auf die Erdoberfläche. Überall stiegen Lichtblitze, Abwehrgeschosse, wie er vermutete, in den Himmel auf und detonierten in einigen Kilometern Höhe.

Hier und da trieb  Rauch von abgestürzten Schiffen nach oben  und fast wie ein Meteoriten-Schwarm verglühten hunderte von Wrackteilen im Himmel.

Wie ein Regen aus Sternen, dachte er kurz.

 

Der Transporter landete mitten auf der verlassenen Straße vor den Parlamentsgebäuden.

Lediglich einige Papierfetzen trieben durch die Rinnsteine

. Vermutlich versteckten sich die meisten Bewohner  oder waren auf das weniger dicht besiedelte Umland verteilt worden.

Coel sprang heraus, sobald sich die Türen öffneten und lief die steinernen Stufen bis zum Eingang des Gebäudes herauf, wo bereits mehrere Bewaffnete den Weg versperrten. Ein rotes Licht, das ihn kurz blendete verriet ihm, dass wohl auch irgendwo ein Scharfschütze lauerte.

Coel stellte sicher, dass er vor Aine ging, falls jemand vorschnell handelte.

Einige Meter vor dem ersten Posten blieb er stehen.

,, Wer sind sie ?“ , rief dieser zu ihm herüber.

,, Rafail Coel von der GTDF und Nein, sie brauchen meine Identität gar nicht erst überprüfen. Ich bin erst vor drei

Tagen wieder eingestellt worden. Fragen sie Admiral Steel.“

,, Einen Moment.“ Der Sicherheitsposten ließ sich von einem der anderen ein Funkgerät reichen.

,, Sir, wir haben hier einen Mann namens Rafail Coel, der behauptet zur GTDF zu gehören…“ Ein abwertender Blick in Richtung Aine ,, Und einen Artheraner. Soll ich sie durchlassen?“

Es folgte eine kurze Pause. ,, Verstanden.“ Der Posten legte das Funkgerät weg. ,, Also dann, sie können durch. Aber wir behalten sie im Auge.“

,, Behalten sie lieber die Straße und den Himmel im Auge.“ , bemerkte Aine. ,,Die nächsten Artheraner die hier landen, sind

vermutlich nicht so freundlich wie ich.“

Der Posten hielt Coel kurz an. ,, Ich will sie nicht in Frage stellen, vor allem nicht, nachdem Steel ihre Identität bestätigt hat… aber… wird die auch keine Probleme machen ?“

,, Sehen sie, das frage ich mich auch schon eine Weile.“ , erwiderte Coel, als er ins Innere des Gebäudes trat, wo ihnen ein weiterer Wachposten den Weg  erklärte. Es war seltsam. Normalerweise wären die Flure dieses Ortes überfüllt gewesen, mit Geschäftig hin und her laufenden Menschen und Stimmengewirr wäre von den hohen Decken wiedergehallt. Jetzt jedoch war das Innere der Parlamentsgebäude genauso

ausgestorben wie die Straßen draußen.

Er ging schnell weiter, bevor er sich weiter darüber Gedanken machen konnte.

Kapitel 32 Landung

,, Coel, verdammt sind sie das wirklich ?“ , fragte Martin ungläubig, als er durch die Tür in die befestigten Keller unter dem Parlament trat.

,, Ich bins.“ , erwiderte Coel , während er sich in dem Raum umsah.

Die meisten Bildschirme waren mittlerweile abgeschaltet. Nur eine große Karte, die auf dem Tisch angezeigt wurde und die aktuellen Informationen über Schiffspositionen und die allgemeine Lage anzeigte war Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit.

Nachdem Martin für ihn kurz die Ereignisse während seiner Abwesenheit

zusammengefasst hatte, erklärte Cain:

,, Vorsitzender, ich darf ihnen Rafail Coel vorstellen. Er ist...“

,, Ich weiß wer er ist Admiral. Ich hab seine Akte gelesen.“ , unterbrach ihn Wilkonson.

,, Seltsam, wie das irgendwie jeder zu tun scheint.“ , bemerkte Coel.

,, Und was bitte macht die hier ?“ , fragte der Vorsitzende  und deutete in Richtung Aine.

,, Die Kurzfassung ?Sie könnte uns vielleicht helfen diese Schlacht zu beenden.“ , erwiderte Coel.

,, Wie das ?“ , wollte  Seyonn wissen, der sofort hellhörig geworden war.

,,  Ich habe ein wenig Einfluss auf meine

Leute. Wenn das Weltenschiff ausgeschaltet ist, werden einige wohl bereit sein, das Feuer einzustellen. Sofern ihre Leute das ebenfalls tun.“

,, Das klingt zwar ganz nett, aber das verdammte Schiff ist unser größtes Problem. Die Flotte richtet nichts dagegen aus und wie man mir berichtet hat,  sieht es so aus als würden die ihre Nova-Generatoren hochfahren.“ , erklärte Steel. ,,  Und wir kratzen nicht einmal die Oberfläche von dem Ding an.“

,, Was erwarten sie ? Sie hinken technisch ein paar Jahrhunderte hinterher.“ , bemerkte Seyonn.

,, Haben sie vielleicht einen Vorschlag ?“ , wollte Wilkonson wissen.

,, Den habe ich in der Tat.“ , sagte der Unity-botschafter. ,, Von außen Richten wir keinen Schaden an. Selbst ohne Schilde, die Panzerung hat einen Durchmesser von knapp zwei Kilometern.“

,, Sie meinen nicht etwa….“

,, Eine kleine Truppe könnte an Bord gelangen, Ein Sprengsatz, der im inneren detoniert, sollte Schaden anrichten.“

,, Und was nehmen wir als Sprengsatz ? Selbst wenn wir eine Atombombe da reinschmuggeln würden, würde es nicht ausreichen. Aber...“ Adams verstummte kurz. ,, Sie sind verrückt.“

,, Ich mache lediglich einen Vorschlag.“  , erwiderte der Botschafter.

,, Was ist los ?“ , fragte Cain.

,, Ein starker Sprengsatz, vielleicht eine Antimaterie-Granate,  der in der Nähe der Nova-Generatoren  des Weltenschiffs hochgeht, das könnte funktionieren.“

Der Doktor trat auf Steel zu.

,, Haben wir so was ?“

,, Ich denke schon, wir können alles organisieren, das sie brauchen, aber ich verstehe nicht wie…“

,,Die Laden die Generatoren  grade auf, wenn wir die dabei zerstören… die entstehenden Sekundärexplosionen würden das Schiff möglicherweise  zerfetzen. Selbst wenn nicht, sollte es danach zumindest lahmgelegt sein.“

,, Meldet sich jemand freiwillig ?“ ,

fragte Martin.

,, Muss ja.“ , erwiderte Coel. ,, Seyonn, das war ihr Vorschlag also..“
,, Natürlich bin ich dabei.“

,, Ich auch.“ , meldete sich Aine.

,, Nichts für ungut, aber ich hätte lieber jemanden dabei, der mir nicht in den Rücken schießt, sobald ich mich umdrehe.“ , bemerkte Martin.

,, Keine Sorge.“ , erwiderte Coel. ,,Ich denke wir können uns auf sie verlassen.“

,, Na solange sie sich da sicher sind.“

,, ich würde sie auch gerne begleiten.“ , sagte Adams ruhig.

Coel schüttelte nur den Kopf. ,, Nichts für ungut Doktor, aber sie sind hier besser aufgehoben, als mit einer Waffe

in der Hand.“

,, Vieleicht.“ , gab Adams zurück. ,, Ich würde mir nur nutzlos vorkommen, hier herumzusitzen.“

,, Die Kronos ist nicht grade in besten Zustand und der Rest der Flotte in Kämpfe verwickelt.“ , bemerkte Seyonn.

,, Also wieder ein Shuttle.“ , stellte Coel  fest. ,,  Toll. Ich hatte ja auf irgendwas mit Schilden gehofft.“

,, Was das angeht, kann ich vielleicht Abhilfe schaffen.“ , meinte Seyonn

 

 

 

,, Und sie sind wirklich sicher das das funktioniert ?“ , fragte Martin Seyonn,

der grade dabei war ein paar letzte Anpassungen vorzunehmen.

,, Das werden wir ziemlich schnell herausfinden.“ , erwiderte dieser gelassen.

Der Plan war einfach. Der Botschafter der Unity hatte einen der Schildgeneratoren der Kronos modifiziert, damit dieser auch mit weniger Energie und somit auf einem Shuttle funktionierte.

Dies sollte ihnen ermöglichen nahe genug an das Weltenschiff heranzukommen, um landen zu können. Einmal dort würden sie den Generatorraum suchen und das Beste hoffen.

,, Ich dachte immer die Unity gibt so

ungern Technologie weiter. Wieso plötzlich jetzt ?“ , wollte Aine wissen.

,, Er ist sauer, das uns die anderen nicht helfen wollen.“ , erklärte Martin.

,, Ich bin nicht wütend.“ , erwiderte Seyonn.

,, Natürlich nicht.“                                                

Coel warf einen Blick aus dem Fenster des Shuttles, das mittlerweile vollkommen von der grauen Oberfläche des Weltenschiffs ausgefüllt wurde. Hier und da konnte er kleinere Türme erkennen und ab und zu blendete ihn ein aufflammendes Geschütz. Bisher jedoch  hatte noch keines davon sie getroffen.

Vielleicht nahm man das kleine Shuttle auch einfach nicht als Bedrohung war.

,, Wissen sie mit was wir da unten rechnen müssen ?“ , fragte er die Artheranerin.

,, Es sind einige Artheraner an Bord. Mit denen sollten wir aber fertig werden. Allerdings auch mehr als genug Via.“ , antwortete Aine.

,, Auf eine weitere Begegnung mit denen verzichte ich lieber.“  Coel nahm ein Gewehr aus einer schwarzen Kiste und überprüfte das Magazin. ,, Okay, kurze Ansprache an alle. Nehmen sie nur leichte Waffen mit und belasten sie sich nicht unnötig mit Munition. Geschwindigkeit ist alles. Wir gehen

rein, platzieren den Sprengsatz und verschwinden wieder auf dem gleichen Weg. Und noch was, keine Alleingänge. Wir…“

Irgendetwas traf das Shuttle und warf Coel fast um.

,, Das war viel zu knapp.“ , hörte er den Piloten fluchen.

,, Alles in Ordnung ?“ , wollte Coel wissen.

,, Noch ja. Aber ein weiterer Treffer und auch die Schilde retten uns nicht mehr.“ , erwiderte er.

Wie als hätte diese düstere Vorhersage sie herbeigerufen, ertönte auf einmal eine Annäherungswarnung.

,, Okay… da hat jemand offensichtlich

einen ganz Miesen Tag.“ , sagte Martin. ,, Zwanzig Projektile im direkten Anflug. Festhalten.“

,, Was haben sie vor ?“ , wollte Seyonn wissen.

,, Ich bringe uns etwas schneller runter. Seyonn, beten sie das das diese Schilde funktionieren.“

,,Was zum…“

Martin setzte mit dem Schiff zu einem Sturzflug an und riss den Transporter erst wenige Kilometer vor der Oberfläche wieder nach oben. Viel zu spät, um das Shuttle noch zu stabilisieren.

Mit einem Ruck schlug es auf dem Grund  auf und schlitterte mehrere Meter auf eine dunkle Vertiefung in der

Schiffsoberfläche zu.

Kurz davor kam der Transporter endlich zum Stehen.

Coel richtete sich wieder auf.

,, War das nötig ?“ , fragte er halb lachend.

,, Zumindest sind wir jetzt unten.“ , antwortete Seyonn.

,, Also dann. Die Umgebung ist sauber und… Hey, das nenne ich eine Überraschung.“

,, Was ist ?“ , wollte Aine wissen.

,, Offenbar haben die auf der Schiffsoberfläche Atmosphäre. Der Druck liegt bei knapp einem Bar, Sauerstoffkonzentration 20%...“

,, Vermutlich ein Luftkorridor für

Wartungsarbeiten.“ ,sagte Seyonn.

,, Ich versteh nur nicht, wie die die Atmosphäre auf der Oberfläche halten., das sollte sich eigentlich sofort verflüchtigen. Selbst bei der Größe hat das Weltenschiff  nicht genug Masse um eine eigene Atmosphäre zu halten.“

,, Ganz zu schweigen davon, dass diese bei einem ÜLG-Sprung garantiert weggefegt werden würde.“ ,

,, Können wir das vielleicht als Nebensächlich abhaken ?“ , fragte Coel. ,, Ich wette in wenigen Minuten wimmelt es hier nur so vor Artheranern.“

,, Vielleicht nicht. Die denken vermutlich, wir sind bei der ,, Landung“ gestorben.“ , meinte Seyonn.

,, Soll das Kritik an meinen Fähigkeiten sein ?“ , wollte Martin wissen.

,, Klären wir das vielleicht später ? Dann los.“

 Martin entsicherte eine Maschinenpistole  und trat als erstes aus dem Shuttle.

Es hatte etwas seltsames, von der Oberfläche des Weltenschiffs nach oben zu sehen. Das Konstrukt hatte annähernd Kugelform und künstliche Schwerkraft hielt ihre Füße auf der Oberfläche. Aber die sichtbare Krümmung des Schiffs am Horizont und die über ihnen stattfindende Schlacht hatten etwas Schwindelerregendes. Man wusste nicht wo oben und unten war. Dass sich das

Konstrukt langsam drehte und sich ihr Blickwinkel damit ständig veränderte minderte diesen Effekt auch nicht wirklich.

Nachdem Coel sich etwas an dieses seltsame Gefühl gewöhnt hatte, sah er sich etwas um. Außer dem gähnenden dunklen Abgrund des Geschützes, vor dem sie gelandet waren, oder besser abgestürzt, konnte er keinen Weg ins Innere des Schiffs sehen.

,, Irgendeine Idee, wie wir von hier aus weiterkommen ?“ , fragte Aine.

,, Das ist eigentlich recht einfach.“ , erwiderte Seyonn und trat an den Abgrund heran. Der Unity-Abgesandt trug wieder die Schwerkraftwaffe, den

er auch auf Isaari eingesetzt hatte.

Coel dämmerte etwas.

,, Das ist nicht ihr ernst.“

,, Sie können mir folgen, oder sich quer durch das Schiff kämpfe. Das heißt wenn sie irgendwo einen Eingang  finden.“

,, Seyonn, das ist ein Geschütz, wenn die Feuern…“

,, Haben wir ein Problem. Wie gesagt, suchen sies sich aus.“

,, Und das funktioniert ?“ , fragte Aine skeptisch.

,, Ich sollte in der Lage sein den Sturz abzufangen, wenn wir auf der richtigen Höhe sind.“ , erwiderte er.

,, Ach verdammt…. Ich weiß das ich das

bereuen werde.“

,, Also dann, folgen sie mir in einigem Abstand.“ Mit diesen Worten trat Seyonn über die Kante des Schachts und verschwand sofort nach unten in die Dunkelheit.

,, Ich hoffe wirklich, die Feuern nicht.“ , meinte Coel und folgte ihm , bevor er es sich doch noch anders überlegen konnte.

 

 

Panik. Der haltlose Sturz in die Tiefe schien endlos. Doch dann bremste etwas seinen Fall. Langsam, ganz langsam kam sein Absturz zu einem Halt und Coel setzte mit den Füßen auf einem kleinen

Vorsprung in der Wand auf.

,, Alles in Ordnung soweit ?“ , fragte Seyonn, der die Hand mit dem seltsamen Gerät ausgestreckt hatte.  Fasziniert stellte Coel fest, das seien Finger plötzlich schwerer zu werden schien, wenn er sie ein Stück über seinen Kopf hob. Als wäre die Luft über ihm irgendwie verdichtet. Wie ein unsichtbares Polster.

,, Sie müssen mir irgendwann  mal erklären, wie das funktioniert.“

,, Wenn wir das hier überleben sicher.“ , erwiderte der Unity-Abgesandte.

Wenige Sekunden später folgten Martin und Aine, die den Sturz offenbar ebenfalls unbeschadet überstanden

hatten.

Coel konnte der Neugier nicht wiederstehen und warf einen Blick von der Plattform aus weiter nach unten.

,, Wie tief wäre das noch gewesen ?“ , wollte Aine wissen.

,,Ein paar Kilometer sicher.“ , vermutete  Martin.

Coel  trat von der Kante  zurück. ,, Also, wie geht es von hier aus weiter ?“ , wollte Coel wissen.

Seyonn hatte grade eine der Energiezellen der Schwerkraftwaffe ersetzt und lies die ausgebrannte in den Schacht fallen. Er deutete auf eine Luke , die in die Wand eingelassen war.

,, Da durch sollten wir eigentlich auf

einen Gang im inneren gelangen. Danach… tja danach müssen wir irgendwie noch bis zum Generator durchkommen. Es ist nicht mehr weit. Haben sie die Sprengladung bereit?“

Zur Antwort hielt Coel eine kleine Fernsteuerung hoch. Und verstaute  diese danach wieder in seiner Jackentasche. Damit ließ sich der Zeitzünder aus der Ferne aktivieren.

,, Gut dann lo…“

Aine unterbrach ihn. ,, Vielleicht gehe ich besser vor. Wenn man mich sieht, schießen sie nicht gleich.“

Seyonn nickte und trat bei Seite.

 

Coel spähte in den Gang. Bis jetzt waren

sie ohne irgendjemanden zu begegnen durch die immer gleich aussehenden Gänge des Weltenschiffs gelaufen.  Korridore aus dunklem, fast schwarzen Metall und Lichter, die sie von den Wänden her blendeten.

Sie mussten sich darauf verlassen, das Seyonn den richtigen Weg kannte.

,, Wenn die Grundstruktur des Schiffs sich nicht geändert hat, sollten wir gleich am Ziel sein.“ , hatte er gemeint.

Und genau jetzt schien es, sollten sie die ersten Schwierigkeiten bekommen.

Eine Gruppe Artheraner blockierte den Weg.

,, Ich zähle Fünfzehn.“ , sagte  Martin, der nach Coel um die Ecke des Gangs

sah. Sie saßen fest.

,, Verdammt wir haben keine Zeit uns dadurch zu kämpfen und ehrlich gesagt würde ich darauf auch lieber verzichten.“ , meinte Coel. ,, Seyonn, irgendeine andere Route die wir nehmen können?“

Der Abgesandte der Unity-Schüttelte den Kopf.,, Der Zugang zu den Nova-Generatoren liegt direkt dahinter.“

,, Na toll.“ Coel überprüfte rasch seine Waffe. Gewehr und Revolver würden wohl ausreichen. Aber trotzdem würde ein Kampf sie unnötig lange aufhalten. Wenigstens waren sie bis jetzt keinem Via begegnet.

,, Einen Moment.“ , meinte Aine.

,, Hören sie, wenn sie ein Problem damit haben ihre eigenen Leute auszuschalten , hätten sie nicht mitkommen sollen.“ , sagte Martin sofort.

,, Ich habe ein Problem damit, wenn es sinnlos ist.“ , erwiderte Aine.

,, Sie haben eine bessere Idee ?“ , fragte Seyonn.

,, Vielleicht. Aber dafür müssten sie mir schon vertrauen.“

,, Wenn uns das einen Kampf erspart.“ , meinte Coel.

,, Das nicht grade… aber wenn sie davon ausgehen, sie seien harmlos…“

,, Mir gefällt gar nicht worauf das wieder hinausläuft.“

 

,, Das ist eine noch dämlichere Idee, als die Waffenschacht-Aktion.“  , flüsterte Martin Coel zu.

,, Wird schon schiefgehen.“ Allerdings war ihm auch nicht ganz wohl dabei.

Seyonn war der einzige, der ganz ruhig blieb, als die vier, geführt von Aine, auf den Gang hinaustraten. Die Artheranerin hielt eine Pistole mit Betäubungs-Darts in der Hand.

Einer der Wache schiebenden Artheraner bemerkte sie sofort.

,, Halt.“ Seyonn übersetzte flüsternd, was die Wachposten sagten.

Aine trat mit den anderen im Schlepptau näher.

,, Diese drei haben versucht sich an

Bord zu schleichen.“ , erwiderte sie.

,, Und ihr habt sie alleine aufgehalten ?“

,, Nicht ganz.“ Mit diesen Worten hob Aine  die Waffe und drückte den Abzug. Ein Pfeil traf den Artheraner und jagte einen elektrischen Schock durch dessen Körper.

Coel schlug den ihn am nächsten stehenden Wachposten mit der Faust gegen den Kopf, während Martin einem die Waffe aus der Hand hieb  und in seinen Besitz brachte.

Zwei eröffneten das Feuer auf Seyonn,, dem die Kugeln freilich nur wenig ausmachten. Ein Projektil traf ihn an der Schulter, die kurz zu grauem Nebel wurde, nur um sich sofort wieder

zusammenzusetzen. Der Unity Abgesandte streckte lediglich die Hand mit der Waffe aus und die zwei Wachen flogen den Korridor hinab, wo sie regungslos leigenblieben.

Wenige Sekunden später lagen die übrigen  zwölf  Schützen bewusstlos am Boden.

Ein weiterer Artheraner stürzte sich auf Coel, der zu Boden ging.

Irgendetwas bohrte sich durch seine Tasche. In dieser Sekunde hatte er allerdings keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Später jedoch sollte er das bereuen.

Ein Schuss und sein Angreifer brachen zusammen.

Coel stand auf und sah sich um. Vierzehn der Artheraner waren bewusstlos. Und der der ihn angegriffen hatte  lag in einer Blutlache am Boden.

Aine hielt immer noch die Waffe in der Hand.  ,, Ich hatte nur den einen Pfeil.“ , sagte sie leise mehr zu sich selbst, als zu einem der Anwesenden.

,, Ich weiß. Sehen sie es positiv. Zumindest Vierzehn haben sie gerettet.“ , meinte Coel.

,, Sagen sie sich das selbst auch immer?“

,, Der Zugang zu den Generatoren ist gleich da hinten.“ , unterbrach sie  Seyonn. ,, Wir beeilen uns besser.“

Coel nickte und tastete nach dem Zünder

in seiner Tasche,  auf der er eben gelandet war…

Er zog ein Wirrwarr aus lose zusammenhängenden Plastiksplittern und Kupferkabeln hervor, das einmal zu dem Gerät gehört hatte.

Wenn er so darüber nachdachte, hatte er vermutlich Glück gehabt, das der Zünder noch nicht verbunden gewesen war,  trotzdem war das nicht gut.

,, Wir hatten schon mal mehr Glück.“ , murmelte er und lies den jetzt nutzlosen  Elektroschrott zu Boden fallen.

Kapitel 33 Sieg ?

,, Verdammt, was machen wir jetzt ?“ , wollte Martin wissen.

,, Das ist kein Beinbruch.“ , sagte Coel ruhig. ,, Aber jetzt muss jemand den Zeitzünder aus der Nähe aktivieren.“

,, Ich werde…“ , setzte Martin an.

,, Ich übernehme das.“ , unterbrach Coel ihn. ,, Gehen sie zum Shuttle zurück und machen sie alles startbereit. Ich komme schon rechtzeitig raus.“

,, Coel… wenn sie zu langsam sind…“

,, Ich weiß Martin. Wartet nicht auf mich.“

,, Ach verdammt.“ Martin drehte sich um. ,, Ich sichere den Rückweg.“ ,

erklärte er.

 

,, Sie wissen das ich das genauso gut übernehmen könnte.“ , bot Seyonn an.

,, Weiß ich, lass ich aber nicht zu. Seyonn, wenn das hier alles vorbei ist, werden die jemanden brauchen, der ihnen ein Wenig auf die Finger klopft. Was immer ihre Absichten sind, die Via haben zumindest in einem Recht : Wir müssen uns ändern.“ , erklärte Coel.

Der Unity-Abgesandte nickte. ,, Am Ende des Ganges gibt es eine Plattform mit einem Schalter . Stellens ei sich drauf und  drücken sie den untersten. Wenn sie fertig sind, wider draufstellen und en obersten betätigen. Das sollte sie direkt

auf die Oberfläche bringen.“

Coel streckte dem Botschafter die Hand hin.

,, Leben sie wohl.“

Er ergriff sie.

,, Sie auch.“

 

,, Sie sind definitiv der seltsamste Mensch, der mir je begegnet ist.“, meinte Aine.

Coel lachte leise. ,, Ich fasse das einfach mal positiv auf.“

,, Warum tun sie das?“

,, Was ?“

,, Sie hatten so oft die Möglichkeit dich anders zu entscheiden.“ , erklärte sie.

,, Hatte ich das ?“ , wollte Coel wissen.

,, Ich habe einfach immer getan, was ich grade für richtig hielt.“ Er machte eine Pause. ,, Sie befehlen den Artheranern, den Kampf einzustellen?“

,,Sie haben mein Wort. Und viel Glück. So sagt man doch oder?“

,, Vorsicht, sonst denkt noch jemand sie tatsächlich machen sich Sorgen um mich.“

,, Vielleicht mache ich mir die tatsächlich.“ , erklärte Aine, bevor sie Seyonn und Martin folgte.

 

Coel blieb allein zurück. Einen Moment sah er ihnen nach, dann sammelte er sich wieder.

Noch war nichts entschieden. Noch war

es nicht vorbei.

Er lief den Gang zurück, bis er die Plattform erreichte, die Seyonn ihm beschrieben hatte. Eine kreisrunde etwa zwei Meter breite  Kammer, die über keinerlei Mobiliar verfügte.

Er fand eine Reihe von Schaltern, die an der Wand angebracht waren, das Ding war wohl eine Art Aufzug.

Coel drückte den untersten.

Ein kurzes kribbeln ging durch seinen ganzen Körper und als er aufsah hatte sich die Umgebung geändert.

Ein Fahrstuhl war vielleicht nicht ganz das richtige Wort.

Vor ihm lag ein weiter offener Raum, in dessen Mitte sich eine gewaltige Kuppel

aus Glas befand.

Zumindest hielt er es dafür. Und unter der Kuppel drang Helligkeit  hervor und tauchte alles in ein unwirkliches grelles, orangerotes Licht. Der Boden bestand aus dunkle, blank polierten Metall.

Der Nova-Generator. Und wenn Coel richtig lag, lud sich die Maschine grade auf.

Lichtbögen liefen über die Oberfläche des Glases und verschwanden Funkenschlagend.

 

 

Coel machte ein paar Schritte in die Halle hinein, bevor er stehen blieb.

Das war es also. Es waren nur drei Tage

gewesen… Hatte er gewusst, dass er hier enden würde, als Steel  vor seiner Tür gestanden hatte.

Ganz klar Nein.

Hätte er abgelehnt wenn er es gewusst hätte?

Wieder ein Nein.

 

Er nahm den Sprengsatz in die Hand. Ein kleiner schwarzer Block, der bequem in seine Faust passte. Aber die Zerstörungswirkung würde gewaltig sein.

Es war eine noch größtenteils  experimentelle Waffe. Im inneren des Blocks schwebte in einem Magnetfeld Antimaterie, in diesem Fall

Antiwasserstoff und ein Äquivalent von Wasserstoff. Auf Knopfdruck würde der Schwebezustand, der die Atome trennte, aufgehoben werden. Und dann wäre er besser weit entfernt von hier.

Ein kleines Display war  an der Seite angebracht. Seine Finger tippten schnell.

 

Aktivierungscode… Bestätigt

Zeitzünder…

 

Er wollte nichts riskieren.

Fünfzehn Minuten. Das musste für seinen Rückweg einfach ausreichen. Wenn es einen geben sollte.

Er aktivierte den Zünder, als er hinter sich eine Bewegung wahrnahm.

,, Ich dachte sie wären Tod.“

Langsam drehte Coel sich um und ließ dabei den Sprengstoff  fallen

Vor ihm stand eine alterslos wirkende Gestalt mit dunklen Haaren und grauen Augen.

Es war der selbe Via , der ihn fast getötet hatte.

Asmodeus.

,, Nun ich bin selbst etwas Überrascht.“ , erklärte er und gab sich Mühe dabei nicht unsicher zu klingen. Er machte einen Schritt zu Seite, der Via einen in die andere Richtung.

,, Was tun sie hier ?“ , wollte Asmodeus wissen.

Er lebte noch. Das war gut. Coel war

klar, dass der Via ihn jederzeit töten konnte. Aber noch schien er neugierig. Er musste ihn nur noch ein paar Minuten beschäftigt halten.

,, Ach, ich dachte ich lege einen Antimateriesprengsatz, teleportiere mich dann raus und schaue mir das Feuerwerk von der Erde aus an.“

,, Sie sind ein Narr, wenn sie glauben das zu können. Verglichen mit uns sind sie nichts.“

,, Vielleicht. Aber dieses Nichts hier, hat es immerhin bis hierher geschafft.“ , gab Coel zurück.

,, Weil ich es ihnen erlaubt habe.“ Der Via sah auf. ,, Rafail Coel.“

,, Soll mich etwa beeindrucken, das sie

meinen Namen kennen ?“ , wollte er wissen. Das… Ding vor ihm war in seinen Gedanken gewesen.

,, Sie sollten sich mehr geehrt fühlen.“

,, Sind sie der Anführer der Via ?“ , wollte Coel wissen.

,, Wir haben so wenig Führer, wie die Unity. Ich bin ein Sprecher für unseren Willen.“

Asmodeus schwieg einen Moment. ,, Ich mache dieses Angebot nur ein Mal. Geben sie mir den Sprengsatz und sie bleiben am Leben. Dann können sie es selbst sehen. Wir werden die Menschheit auf ihren Goldenen Pfad führen. Um jeden Preis.“

Acht Minuten noch… Es würde reichen

müssen.

,, Das hätten sie wohl gerne.“ Coel riss die Waffe hoch, machte sich aber gar nicht erst die Mühe richtig zu zielen.

Jede Kugel traf ins leere, denn in dem Moment wo er den Abzug durchdrückte löste sich die Gestalt des Via in einen Wirbel aus grauen Partikeln auf, der sich direkt vor ihm wieder zusammensetzte.

Coel hieb instinktiv nach ihm… und der Via wurde quer durch den Raum geschleudert.

Instinktives Handeln, etwas anderes blieb ihm jetzt nicht übrig, wenn er hoffen wollte, seinen Gegner acht Minuten lang aufzuhalten.

,, Implantate sind doch recht nützlich.“ ,

murmelte Coel , während Asmodeus langsam wieder aufstand.

,, Sehen sie.“ , meinte er. ,, Sie haben lediglich einen kleinen Teil unserer Technik. Und allein das Macht aus ihnen mehr, als sie je sein könnten.“

,, Ich würde persönlich lieber darauf verzichten.“ , antwortete Coel.

,, Zu schade. Sie könnten ein Gott sein.“

Coel schüttelte den Kopf. ,, Ich bin lieber ein Mensch.“

,, Dann sterben sie auch wie einer.“

Der Via stürmte auf ihn zu, so schnell, das er keinerlei Zeit hatte auszuweichen und riss ihn mit sich.

Coel prallte mit dem Kopf auf dem Boden auf, überschlug sich mehrmals, bis er

schließlich auf dem kalten Stahlboden liegenblieb.

Er versuchte aufzustehen…. Nur um festzustellen das ihn eines seiner Beine nicht trug.

Der Aufprall hatte die Schiene zerstört, die seine Knochen stabilisierte. Blut lief ihm aus einem Mundwinkel und seine Sicht verschwamm.

Umständlich kam er irgendwie wieder zum Stehen.

,, Sehen sie es ein. Sie können nicht gewinnen.“ , erklärte die unscharfe Gestalt seines Gegners.

Coel spürte, wie er hochgerissen wurde und seien Füße plötzlich nur noch Luft unter sich hatten. ,, Sie sind nichts.

Woher glauben sie das recht zu haben, uns im Weg zu stehen?“

Coel holte mit der Faust aus… oder versuchte es zumindest. Sein rechter Arm gehorchte ihm nicht mehr. Die Implantate fielen aus…

Bevor er sich irgendwie darauf vorbereiten konnte,  flog er erneut durch die Luft und wurde gegen die Kuppel des Novagenerators geschleudert.

Ein elektrischer Impuls jagte durch seinen Körper, während sich ein stechender Schmerz in seinem Kopf breit machte. Er stürzte erneut zu Boden.

Ein Warnton erklang. Coel atmete erleichtert auf. Das hieß, es  blieb nur noch etwas unter einer Minute.

Er konnte das Blut spüren, das ihm aus einem Dutzend Wunden die Kleidung durchtränkte, während er sich schwankend aufrichtete.

Er starb  grade, da machte er sich nichts vor. Sein eigenes Spiegelbild sah ihm vom Boden aus an.

Ein Auge fehlte…

Seine Gedanken wurden langsam zu verschwommen, als das Coel  hätte sagen können welches.

Links war rechts und rechts war links, während sich alles zu drehen schien.

Langsam, so gut es sein gelähmtes Bein zu lies, trat er einen Schritt nach dem anderen zurück. Immer in Richtung der Plattform, die ihn hergebracht hatte.

,, Sie sterben.“

Coel lachte schwach.

,, Sie sind gebrochen.“

Wie lange noch ? Eine halbe Minute ?

,, Sie können nicht gewinnen.

,, Das muss ich auch gar nicht.“

Coel warf sich mit letzter verbliebener Kraft zur Seite auf die Plattform und drückte den obersten Schalter.

In diesem Moment erlosch der Warnton des Sprengsatzes.

Überleb das mal, dachte er, während wieder das kurze Kribbeln durch seinen Körper lief. Hoffentlich hatte er sich nicht verschätzt.

 

Asmodeus sah emotionslos zu, wie sich

Coel vor ihm in Luft auflöste. Dann hob er den schwarzen Sprengsatz auf und warf ihn ebenfalls auf die Plattform, wo er auf ein anderes Deck transportiert wurde.

Die Detonation zerstörte das Weltenschiff nicht. Aber das Aufeinander treffen von Materie und Antimaterie sprengte ein gewaltiges Loch in die Hülle. Etwa ein Drittel des Konstrukts wurde augenblicklich pulverisier und Tonnenweise Staub und Trümmerteile ins Weltall gepustet.

 

Martin spürte den Ruck, der durch das ganze Schiff ging und streckte die Hand nach der Schiffsteuerung aus.

,, Einen Moment noch.“ , meinte Seyonn.

,, Das Ding fällt gleich auseinander.“ , erklärte er.

,, Nur einen Moment noch.“ Seyonn sah aus dem Fenster und beobachtete.

Ein Lichtblitz wenige Meter vor dem Shuttle. Eine Gestalt erschien darin, die sofort zusammenbrach.

Coel…

 

Er starrte nach oben, wo die Schlacht noch immer im Gange war.

Ein Schiff schien direkt über ihm zu explodieren.

Auf seine Art hatte das Schauspiel etwas Schönes… Er spürte wie sein Bewusstsein schwand.

Etwas packte ihm am Arm.

Wie aus weiter Ferne und wie durch Watte konnte er jemanden seinen Namen rufen hören…

Alles schien irgendwie weit weg zu sein.

Etwas hob ihn hoch…

Alles wurde schwarz. Schlaf oder Tod. Es war egal.

 

,, Wir haben ihn.“ , rief Seyonn und lies Coel auf einen der Sitze sinken. ,, Nichts wie weg hier und direkt zur Erde.“

Normalerweise zeigte der Botschafter nur selten Emotionen, doch jetzt zeichnete sich tiefe Sorge auf seinem Gesicht ab.

Er hoffte, dass der Mensch überleben

würde aber es sah nicht gut aus. Blut lief ihm aus mindestens einem Dutzend Schnittwunden, die Implantate schienen nicht länger zu funktionieren und… ihm fehlte ein Auge.

Martin zögerte keine Sekunde und lies die Triebwerke anlaufen.

Das Shuttle raste davon und entfernte sich schnell vom Weltenschiff, das genau in diesem Moment verschwand.

,, Die sind gesprungen.“ , rief er unglaübig.

,, War ja klar, dass sie  Abhauen, nachdem wir das halbe Schiff in Trümmer gelegt haben.“ , sagte Aine. ,,  Mich wundert nur, das die dazu überhaupt noch in der Lage waren.“

,, Geben sie ihren Leuten jetzt den Befehl, das Feuer einzustellen ?“ , wollte der Pilot wissen.

Aine sah einen Momen zu der zusammengesunkenen Gestalt Coels hinüber.

Dann nickte sie . ,, Stellen sie eine Funkverbindung her.“

,, Verbindung steht.“ , erwiderte Martin keine fünf Sekunden später.

,, An alle Artheranischen Schiffe. Hier ist Aine Karwin. Das Feuer sofort einstellen, das ist ein direkter Befehl. Die Via sind feige geflohen. Sämtliche Kampfhandlungen sofort beenden.“

,, Jetzt heißt es beten, das die auf sie hören.“ , sagte Martin, der das Shuttle in

Richtung Erde lenkte.

,, Mal sehen, was der GTDF-Funk hergibt.“

 

 

John Watergate traute seinen Augen nicht. Sämtliche Artheransichen Schiffe hörten beinahe gleichzeitig auf zu feuern, als das gigantische Weltenschliff in den Tiefen des Alls verschwand.

,, Sir ?“ , fragte der Adjutant. ,, Was sollen wir tun ?“

Auch  die GTDF-Flotte stellte verunsichert das Feuer ein.

,, Geben sie mir Admiral Steel und das Parlament.“

 

,, Admiral, das ist völlig unglaublich… die haben alle aufgehört zu feuern, ich wiederhole, die Artheraner haben aufgehört anzugreifen. Erbitte neue Befehle.“

Steel ließ sich erschöpft in einen Stuhl fallen.

,, Gott…  Es hat funktioniert.“

,, Sir, erbitte neue Befehle. Feuer wieder eröffnen?“ , meldete sich eine Stimme über Funk.

,, Nein.“ , antwortete er. ,, Wir haben eine Abmachung mit…“

Wilkonson unterbrach ihn. ,, Sind sie verrückt? Das ist die Gelegenheit. Wir dürfen sie nicht wieder davonkommen lassen.“

Aine, die den Funkverkehr mit den anderen an Bord des Transporters mitverfolgte schaltete sich dazwischen.

,; Das können sie nicht ernst meinen. Wir haben das Feuer eingestellt.“

 

,, Es tut mir leid. Möge Gott mir vergeben. Feuer eröffnen. Löscht sie aus.“ , sagte Wilkonson.

,, Kommando zurück.“ , gab Steel zurück. ,, Feuer einstellen.“ , schaltete sich Steel dazwischen.

,, Mein Befehl wiegt schwerer als ihrer.“

,, Nicht in militärischen Fragen.“

 

Watergate war verunsichert. ,, Sir ?“

 

Seyonn schaltete sich ebenfalls dazwischen. ,, Wilkinson, wenn sie das tun, hatten die Via recht. Mit allem. Und wenn sie diese Schiffe zerstören, schwöre ich ihnen bei Gott, dann bereue ich ihnen je geholfen zu haben. Hören sie mich? Wenn sie diesen Befehl geben, haben sie alles verspielt.“

,, Es tut mir leid.“ , erwiderte der Vorsitzende. ,, Aber ich kann nichts…“

,, Wollen sie das wirklich ? Noch einen Völkermord begehen Wilkonson?“ Die Stimme war schwach. Aber deutlich.

Coel hatte die Augen aufgeschlagen und  kämpfte offenbar darum bei Bewusstsein zu bleiben. Doch jedes Wort traf wie eine Klinge. ,, Schalten sie auf

eine  private Verbindung. Wir beide wissen, dass die Nova-Befehle für Artherium  von der Spitze des Parlaments ohne Genehmigung kamen. Das weiß aber sonst kaum einer. Ein Wort von mir Wilkonson und ihre Karriere ist Geschichte. Und ihr Befehlsgewalt auch. Wählen sie.“

Coels Augen fielen wieder zu.

 

Eine endlos lange Pause.

 

,, Nicht Feuern.“ , sagte Wilkonson und sank selbst auf einen Stuhl zusammen.

Und auch Watergate auf der Horus ließ sich erschöpft einfach zu Boden fallen.

,, Es ist vorbei.“ , meinte er, ,, Befehl an

alle Schiffe, Feuer nicht wieder eröffnen. Die Artheraner ergeben sich.“

Auf der Brücke de Horus brach Jubel aus.

Offiziere fielen sich in die Arme, irgendjemand verteilte Zigaretten,  Mützen flogen in die Luft.

 

Und einige tausend Kilometer unter ihnen zündete sich Ägir Meksis an Bord der Kronos eine schlecht geklebte  Pfeife an und verfolgte weiter den Funkverkehr.

,, Ich bin mir unsicher, ob das die beste Lösung war.“ , meldete sich HAL.

Ägir sah auf. ,, Was hätten sie getan ?“

,, Ich weiß es nicht. Aber es ist nicht vorbei oder?“ , wollte die KI wissen.

,, Ich würde sagen, es fängt grade erst an. Zwei beschädigte Flotten im Orbit, eine davon war vor wenigen Minuten noch der Feind… und das Weltenschiff ist noch irgendwo dort draußen.“

,, Sie sehen also das Problem.“ , stellte HAL fest

,, Ich sehe es, aber ehrlich gesagt Hal.. momentan interessiert es mich nicht. Fürs erste reicht mir, das wir noch da sind.“

,, Ich verstehe nicht…“

,, Müssen sie auch nicht Hal. Das ist etwas Menschliches. Nennt sich Entspannung. Und verdammt nochmal, das haben wir uns verdient.“

,, Sie entspannen sich, obwohl die

Probleme grade leidglich größer geworden sind ?“

,, Sie stellen zu viele Fragen…“

Epilog

,, Puls Schwach, Atmungsfrequenz sinkt. Ist irgendwo ein OP frei?“

,, Ich weiß nicht ob…“

,, Dann überzeugen sie sich halt. Mir verblutet hier grade der Kerl der ihren Arsch gerettet hat. Und wenn der verdammte Minister von sonst was sich grade eine Warze entfernen lässt, dann werfen sie ihn halt raus.“

Martin konnte nicht anders, er musste lachen und zugeben:  Er mochte den Arzt.

Als sie vor wenigen Minuten vor einer Klinik in der Nähe des Parlaments gelandet waren, hatte dieser bereits mit

eine Trage auf sie gewartet. Coels Zustand hatte sich während des kurzen Rückflugs weiter verschlechtert und er war seit dem kurzen Zwischenfall mit Wilkonson nicht wieder aufgewacht. Und Martin musste zugeben, dass Coels Verletzungen wirklich Übel aussahen.

Auf dem Weltenschiff und auch während des Rückflugs hatte er nicht darauf geachtet. Aber jetzt im grellen Licht der Krankenhausflure war es unübersehbar.

Aus einer großen Wunde am Kopf sickerte Blut und ein Bein war definitiv gebrochen. Das fehlende Auge sah grässlich aus, war aber wohl noch das harmloseste.

Und was innere Verletzungen

anbelangte… Er wollte nicht darüber nachdenken, aber die sich überall ausbreitenden blau-grauen  Flecken unter der Haut verhießen nichts Gutes.

,, Er wird doch wieder ?“ , wollte er wissen.“

,, Ganz ehrlich, das kann ich noch nicht sagen. Warten sie bitte hier.“

Martin blieb stehen. Natürlich wäre er gerne mitgegangen, vermutlich genauso wie Seyonn oder Aine,  aber was konnte er schon tun?

,, Wir hätten ihn nicht alleine gehen lassen sollen.“ , meinte Seyonn und setzte sich auf einen Stuhl im Gang.

Von draußen konnte Martin laute Rufe hören, irgendjemand sang laut und

Schief. Vermutlich betrunken. Dort wurde gefeiert. Gefeiert, das sie noch lebten…

Er hingegen war sicher nicht in Feier Laune.

,, Ich bin mir nicht sicher, ob das etwas geändert hätte.“ , sagte er.

,, Trotzdem….“

,, Es war seine Entscheidung.“ , warf Aine ein. Die Artheranerin hatte von Seite der Klinikangestellten schon einige seltsame Blicke geerntet, aber die meisten beließen es dabei. In den nächsten Stunden hätten sie hier genug zu tun, denn auch von den Schiffen im Orbit wurden nun Verletzte hierher und in jedes andere verfügbare Krankenhaus

gebracht.

Draußen auf der Straße würde Aine  sich allerdings besser nicht sehen lassen. Zumindest nicht in den nächsten vierundzwanzig Stunden.

Schweigend hing jeder seinen eigenen Gedanken nach, Gedanken die nur kurz unterbrochen wurden, als ein gehetzt aussehender Cain Steel im Gang auftauchte.

,, Tut mir leid. Ich habe grade erst erfahren, dass sie zurück sind. Auf der Straße ist das Chaos los, ich bin kaum durchgekommen.“

Martin nickte nur ohne aufzusehen.

,, Ich wollte ihnen nur sagen, dass sie fantastische Arbeit geleistet haben.“

,, Nicht gut genug.“ , meinte Seyonn. ,, Das war kein Sieg und diese Leute da draußen haben keinen Grund zu feiern. Jeder Tote Heute war vollkommen Sinnlos. Und Ihr Parlamentsvorsitzender… hätte noch mehr in Kauf genommen.“ Es überraschte Martin nun wirklich so etwas wie Wut in der Stimme des Unity-Botschafters zu hören.

,, Wilkonson ist ein guter Mann… aber manchmal reagiert er etwas impulsiv.“

Cain wurde selbst Still und lehnte sich gegen eine Wand.

Eine halbe Stunde später kam endlich jemand den Flur hinab. Es war der Arzt, der sie auch schon bei der Landung in

Empfang genommen hatte.

,, Schon irgendwas über Coels Zustand ?“

Der Mann zögerte,, Es sieht nicht besonders gut aus. Mit den gebrochenen Knochen und Schnittwunden kommen wir klar aber, er hatte massive innere Blutungen und schon so viel Blut verloren, das....“

,, Hatte ?“ , unterbrach Seyonn ihn.

,, Wir konnten ihn zumindest vor dem Verbluten retten,  jetzt jedoch scheint es  als würden einige seiner Organe einfach versagen. Und.. wenn er überlebt und ich sage ausdrücklich wenn… laufen wird er vermutlich nicht wieder können.“

,, Was soll das genau heißen ?“

,, Wenn er angehörige hat… würde ich diese jetzt gerne benachrichtigen. Wissen sie etwas?“

Martin schüttelte den Kopf. ,, Er hat keine Familie soweit ich weiß. “

,, Ich verstehe, Zimmer 354 wenn sie.. ihn suchen. Er ist wach steht aber unter Schmerzmitteln. Mehr können wir nicht tun.“

,, Ich weiß das sie ihr Bestes getan haben.“ , meinte Martin.

 

,, Will jemand… zuerst reingehen ?“ , fragte Cain, als er in die Runde sah.         

Niemand antwortete.

Schließlich trat Aine einen kleinen

Schritt vor. Die Artheranerin hatte eine silbrig schimmernde Pflanze in einem Becher dabei.

,, Wenn keiner etwas dagegen hat…“

Sie trat leise durch die Tür mit der Aufschrift 354.

 

Coel schlief. Oder war wieder bewusstlos was wahrscheinlicher schien. Aber vermutlich war das auch gut so. Das ersparte ihr irgendwelche Worte finden zu müssen.

Es gab keinerlei Überwachungsgeräte oder ähnliches. Vermutlich dachte man darauf verzichten zu können. Oder die Überwachung erfolgte über einen Chip, der Coels Zustand überprüfte.

Einen Moment blieb sie unentschlossen an der Tür stehen, dann stellte sie die Pflanze auf einen kleinen Tisch und verließ den Raum fluchtartig wieder.

,, Ich sollte mich um meine Leute kümmern. Die meisten wissen vermutlich gar nicht was los ist.“ , meinte sie, als sie wieder nach draußen trat. ,, Ich nehme das Shuttle.“

,, Aber seien sie  auf der Straße Vorsichtig.“ , erinnerte Seyonn Aine.

,, Bin ich immer.“

 

Marti trat als nächster ein. Leise sah er sich in dem Raum um. Ein Bett, ein kleiner Tisch daneben, auf dem jemand, wohl Aine, eine Pflanze gestellt hatte…

ansonsten war der Raum fast leer

Ein einzelnes Bild hing an der Wand. Es war ein großes Rechteck, auf das verschiedenfarbige Geometrische Muster gemalt waren. Hing so etwas nicht auch auf der Kronos?

,, Das Bild ist schrecklich.“ , meinte eine schwache Stimme.

,, Coel ?“ Er drehte sich langsam zu Bett um.

Von dort sah ihn ein einzelnes, waches Auge an. Der Rest verschwand unter Verbänden.

,, Sie könnten mir einen großen Gefallen tun, und es abhängen wenn sie gehen.“

Martin nickte. ,, Das mache ich…“

Coel nickte ihm zu… dann war er wieder

weg. Das Auge fiel ohne ein weiteres Wort wieder zu.

Martin trat wieder nach draußen, die Zeichnung unterm Arm. ,, Ich brauche frische Luft.“ , meinte er und lies Cain und Seyonn zurück.

Sobald der Pilot außer Sichtweite war, fing der Unity-Abgesandte an zu sprechen.

,, Und sie können wirklich nichts tun ?“

Cain sah misstrauisch auf. ,, Sie haben eine Idee ?“

,, Das Savior-Projekt.“

,, Woher wissen sie…“

,, Dachtet ihr wirklich mir würde entgehen, wenn ihr Anfangt mit Kybernetik herumzuexperimentieren ?“

,, Vermutlich nicht. Aber das spielt keine Rolle. Es funktioniert nicht Seyonn. Jede einzelne Testperson ist gestorben.“ , erklärte der Admiral.

,, Aufgrund von Abstoßungsreaktionen und Fehlern.“ , gab Seyonn zurück.
,, Was glauben sie, welche Chance Coel da hat ? Er ist halb tot.“

,, Wenn wir nichts tun stirbt er auch.“ , sagte der Unity-botschafter. ,, Sie wissen wie hoch seien Anpassungsrate ist.“

,, 99 %....“ Cain zögerte. ,, Technologischer Darwinismus.“

,, So könnte man es nennen. Also was ist?“

,, Er wird nicht unbedingt glücklich

darüber sein.“

,, Wir retten sein Leben.“

Cain überlegte immer noch. Doch letztlich gab es nur eine Antwort.

,, Tun wirs.“

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...Was gibts über mich zu wissen ? Ich schreibe gerne, deshalb bin ich auf der Seite angemeldet. Muss man mehr wissen ?Ich freu mich natürlich immer über konstruktive Kritik und Kommentare zu meinen Texten.Sonst noch was über mich..
Malt und Metalhead und Laborheini mit einem Faible für Philosophie, Pfeifen und Fantasyliteratur. Erwarte also bitte niemand zu viel von mir :-)

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HayleyViolet Was für eine lange Story.... habe gerade erst angefangen, und bis jetzt gefällt sie mir sehr gut. LG Hayley
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EagleWriter Freut mich :D
lg
E:W
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HayleyViolet Vielen Dank für die Coins :)
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AmelieRenee Wow... da hab ich ja was vor, aber bis jetzt gut.

LG Amelie
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Danke
lg
E:W
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Nuvayla Wow, cooles Buch! :D
Schande, dass ich das erst so spät entdeckt habe...^^
Ich les mal weiter! :))
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EagleWriter Viel Spaß. Ist allerdings eine meiner älteren Storys... und bedarf dringend einer Generalüberholung^^
lg
E:W
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Nuvayla Kein Ding, du! :D Es wird beachtet! ^^
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Gillegan Grandioser Schreibstil. Musste mich echt rausreissen, damit ich mich wieder meinem eigentlichen Job zuwenden kann. Lesezeichen ist gesetzt und ich freue mich schon auf die Mittagspause damit ich weiterlesen kann.

Du hast einen sehr cineastischen Schreibstil über den man direkt Bilder in den Kopf gespielt bekommt. Echt klasse. Freu mich schon darauf deine Archive weiter zu durchstöbern.
Liebe Grüße,
Gillegan
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EagleWriter Danke, eines meiner älteren Werke, aber , obwohl es aus sehr vielen Quellen inspiriert ( nahm seine gaaanz frühen Anfänge noch vor gut 5 Jahren als eine Fanfiction) und entliehen wurde, auch noch eines meiner Liebsten. Ich habe auch schon Konzepte für eine Komplet eigenständige Neuauflage der Story, bei der sich ein paar Dinge dringend ändern müssen.
lg
E:W
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