Kurzgeschichte
Eidesstaatliche Versicherung

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"Eidesstaatliche Versicherung"
Veröffentlicht am 19. Juni 2012, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich studierte in Deutschland und habe dort zehn wunderschöne, aber auch teils schwere Jahre verbracht. Deutschland ist für mich die zweite Heimat.
Eidesstaatliche Versicherung

Eidesstaatliche Versicherung

Beschreibung

Noch ein Kapitel

 

Irgendwelche Rechnung habe ich nicht bezahlt. Das ist nicht das erste Mal, aber diesmal weiß ich wirklich nicht, welche Rechnung das war. Auch Mahnungen habe ich anscheinend übersehen. Inkassobriefe auch. Irgendwann bekomme ich einen Brief: Ich soll eine eidesstaatliche Versicherung abgeben!!! ???Was ist das denn?? Mein Sprachwissenschaftlerwissen genügt nicht, um das Wort zu entziffern. In dem Brief steht auch ein Termin – ein Herr irgendjemand würde an einem bestimmten Tag um 11 Uhr zu mir kommen und ich soll bitte zu Hause sein. Für den Tag habe ich aber einiges galant. Macht aber nichts, ich werde alles verschieben und zu Hause auf den Eidesstaatlicheversicherungmann warten. „Eidesstaatliche Versicherung“ – das klingt so wichtig, daß man einfach alle Termini gerne verschiebt.

 

Es ist schon kurz nach zwölf, der Mann ist aber noch nicht da. Wie lange soll ich warten? Letztlich sind wir in Deutschland und hier muss man pünktlich sein. Also, tschüss ... Ich gehe ... ich habe genug zu tun.

In etwa zwei stunden klingelt mein Telefon. Ein Herr meldet sich, er sei bei mir gewesen und niemand habe die Tür aufgemacht. Eidesstaatlicheversicherungmann!!!

-         Ich habe aber bis kurz nach 12 auf Sie gewartet – antworte ich möglichst freundlich.

-         Ich war aber schon kurz nach 11 da!

-         Das kann nicht sein, ich saß in meinem Zimmer und habe auf Sie gewartet – versuche ich freundlich zu bleiben.

 

Er sagt nichts mehr dazu, nennt mir eine Adresse, ich soll um 16 Uhr dahin kommen und den Brief mitnehmen und noch Personalausweis. Kein Problem. Gehe ich doch gern hin. Wegen der eidesstaatlichen Versicherung kann man schon zum anderen Ende der Stadt fahren.

Ich verspäte mich absichtlich. Es ist fast halb fünf, als ich an die Tür klingle. Die Tür öffnet sich.

-         Ich habe gesagt, Sie sollen um 16 Uhr kommen! Ich wollte schon gehen.

-         Es tut mir leid, es gab keinen Bus.

-         Sie hätten einen Bus früher nehmen sollen!

-         Ich habe heute Vormittag auch länger als eine Stunde auf Sie gewartet – sage ich ganz freundlich und lächle.

 

-         Ja ... ich habe auch andere Sachen zu tun.

-         Ich auch!

Mein Deutsch überrascht ihn. Das sehe ich in seinen Augen. Er will auch nicht mehr so unfreundlich sein. Aber anders kann er nicht. Schließlich bin ich ein Ausländer, der seine Rechnungen nicht bezahlt. Bleibt er also unfreundlich. Dann stellt er unendlich viele Fragen und füllt ein Formular aus. Irgendwann fragt er, ob ich eine teuere Uhr habe. Einzige Frage, an die ich noch erinnern kann. Als Mehrwertsteuer auf 19 % erhöht wurde, hat man im Kaufhof sehr schöne Uhren für uns, Mitarbeiter runtergesetzt. Dazu kam noch Rabatt, den wir als Mitarbeiter auch so hatten und ich habe eine Swatch Uhr für 60 Euro gekauft. Sonst hätte sie 140 gekostet. Die Uhr zeige ich dem Eidesstaatlicheversicherungmann:

 

-         Die Uhr ist nicht teuer – sagt er genervt.

-         Für mich schon! – antworte ich und versuche ihn in die Augen zu sehen. Das versuche ich die ganze Zeit, er schaut aber immer weg.

Irgendwann ist die Umfrage zu Ende.

-         Sie sollen hier unterschreiben – zeigt er mir eine Stelle.

Ich unterschreibe deutlich und schreibe hinter meinen Namen M. A. Natürlich absichtlich.

-         Bitte, – gebe ich ihm die Papiere zurück.

Der wirft einen Blick auf die Unterschrift, schaut mich an und fragt:

-         Sind sie Magister?

-         Sehe ich nicht so aus, gel..?

Er antwortet nicht mehr. Ich verabschiede mich und gehe.

 

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Hörbuch

Über den Autor

Giorgi
Ich studierte in Deutschland und habe dort zehn wunderschöne, aber auch teils schwere Jahre verbracht. Deutschland ist für mich die zweite Heimat.

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