Was, wenn aus Freundschaft Liebe wird?
Irgendein schlauer Mensch hat einmal gesagt:"Die schlimmste Art jemanden zu vermissen ist die, an seiner Seite zu sitzen und zu wissen, dass er niemals zu einem gehören wird." Dem kann ich nur zustimmen.
Ich bin Anna. 20 Jahre alt, Abitur, Auszubildende zur Rechtsanwaltsfachangestellten, Sternzeichen Krebs, single, etwas zu breit geraten (obwohl ich sagen muss, dass es sich mit Konfektionsgröße 42 auch ganz gut leben lässt), aber sonst für jeden Spaß zu haben, auf jeder Party vertreten und immer da, wenn man mich braucht.
Es gibt nicht viele Männer in meinem Leben. Da wäre mein bester Freund Matze, mein Papi und TIM.
Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen werde, aber es gibt den perfekten Mann. Es ist Tim. Er hat das gewisse Maß an Arschloch und Gefühlsmensch. Mal im Ernst meine Damen, wir jammern immer, dass Männer Schweine sind, aber wenn ihr mal ehrlich seid ist ein Mann, der zu allem ja und Amen sagt auch kein Mann. Männer müssen in gewisser Weise Schweine sein. Sie müssen jedoch auch über Gefühle reden und Fehler zugeben können. Genau so ist Tim.
Tim ist der beste Freund des Freundes meiner angeheirateten Schwester Sarah und mittlerweile auch ein wichtiger Teil meines Lebens. Soldat, 25 Jahre alt,Hobbyfotograf und single.
Das sollte für´s Erste zum Verständnis genügen.
Sarah ist mein Single-Dasein leid. Deswegen geht sie für mich auf die Suche nach einem geeigneten Spielgefährten. Als wenn ich das nich selber könnte, aber wenn ich ehrlich bin, im Nachhinein bin ich ihr dankbar. Ihr könnt euch sicher denken, wer ihr da als mein Zukünftiger in den Kopf gekommen ist. Richtig, Tim.
Also hat sie das Ganze in Angriff genommen. Hat Tim von mir erzählt. Natürlich ohne mein Wissen. Warum sollte man mir auch erzählen, wer mein Zukünftiger werden soll? Irgendwann klingelt mein Handy. Eine SMS von Sarah: "Hast du grüne Augen?". Ich war total verwirrt. Ja, ich habe grüne Augen; wunderschöne, große, grüne Augen mit langen, dunklen Wimpern (auf die bin ich wirklich stolz), aber jetzt war sie mir erst einmal eine Erklärung schuldig. Was interessieren sie denn meine Augen? Nein, nicht sie interessierten meine Augen, sondern Tim. Da hat der Typ, von dem ich bis dahin nicht einmal wusste, dass er existiert zu allererst nach meinen Augen gefragt. Wer fragt denn bitte nach den Augen?? Naja, grüne Augen waren genau das, was er hören wollte. Laut Sarah war dieser Kerl versessen auf grüne Augen. Ich war also im Rennen. Für´s Erste.
Als nächstes wollte er mein Alter wissen, 19 war ich da. Tim war 24. Und ob ihr´s glaubt oder nicht, ich war ihm zu jung. Zu jung. Der spinnt doch, dachte ich mir. Nun musste ich mich erstmal aufklären lassen, was das für ein Penner ist, der nur Mädchen mit grünen Augen datet und dem ich mit 19 zu jung war. MeinVZ sei Dank. Sarah sagte mir seinen Namen und ich schaute ihn mir an. Mein erster Gedanke war: "Und der erlaubt es sich nach Augen und Alter auszusortieren?". Ich war wirklich nicht sehr begeistert von ihm, aber mein Trieb nach Selbstverteidigung war geweckt. Er konnte doch nicht, ohne mich zu kennen, sagen ich sei zu jung. Aus welchen Gründen auch immer, hatte ich das Bedürfnis ihm zu zeigen, dass er falsch liegt, das ich ganz und gar nicht zu jung bin und man es super mit mir aushalten kann. Ich fand seine Einstellung einfach unter aller Sau. Im Laufe der Jahre hat es sich irgendwie in meinen Kopf eingebrannt, grundsätzlich immer das haben zu wollen, was ich nicht haben kann. Ja ja, man sollte sich mit dem zufrieden geben was man hat, aber jeder hat doch seine Laster oder? Also musste Tim jetzt dran glauben.
MeinVZ. Ich habe Tim eine Freundschaftsanfrage geschickt und gewartet bis er das nächste Mal online war. Dann habe ich ihn angeplaudert. Der würde sich noch wundern, was er mit mir verpasst. Na ja, das erste Gespräch war nicht so der Hammer. Tim war total kurz angebunden und gab mir überhaupt keine Chance ihn um den Finger zu wickeln. Ich war verwirrt. Ein Grund mehr es weiter zu versuchen. Irgendwann würde er schon aufgeben und sich ein bisschen öffnen. Und so war es auch. Nach einigen weiteren erfolglosen Versuchen meinerseits schrieb er mir. Daran hatte ich schon gar nicht mehr geglaubt. Wer war denn Tim L.? Ich hatte ihn schon beinahe wieder vergessen. Da er in meinen Augen nicht sooo toll aussah, habe ich gedacht, dass ich eine einzige Niederlage schon ertragen könne und so verschwendete ich keinen Gedanken mehr an ihn. Zu meinem Entsetzen verlief dieses Gespräch völlig anders als die vorherigen. Es war ein wirkliches Gespräch. Kaum zu glauben, aber er redete in ganzen Sätzen mit mir. Jetzt oder nie. Ich nutzte seine Gesprächigkeit und schaltete auf stur (das kann ich besonders gut). Er reagierte wie gewünscht: "Du bist aber heute nicht sehr gesprächig, bist du sauer?". Ja, das war ich. Was denkt der sich? Also erklärte ich ihm, dass es nicht gerade nett war so abweisend zu mir zu sein. Das war er wirklich. Warf mir nur einzelne Brocken an den Kopf. So behandelt man doch keine Frau mit schönen grünen Augen. Und was macht er nun? Erzählt mir von seiner Ex-Freundin, die ihn betrogen hätte und von der er sich vor kurzem getrennt hätte. Es sei einfach der falsche Moment gewesen an dem ich ihn angeschrieben hatte und er wollte zu diesem Zeitpunkt nichts von Frauen wissen. Eine Freundin wollte er jetzt immer noch nicht.
Na das wollen wir doch erstmal sehen.
Ich nahm meine alte Herausforderung also wieder an, drückte ihm hier und da mal ein Gespräch auf´s Auge und erkundigte mich bei Sarah nach ihm. Sie war völlig begeistert. "Das wird, das wird!", meinte sie ganz enthusiastisch. Ähm, hatte sie schon einmal daran gedacht, dass ich aber vielleicht gar nicht will? Er schien zwar ganz nett zu sein, aber manchmal gab er so Sachen von sich, die nicht gerade darauf hinwiesen, dass er ein "Mann" ist und eine Schönheit war er auch immer noch nicht. Trotzdem bearbeitete ich ihn weiter. Ich wollte ihm zeigen, wer hier die Spielregeln macht. Irgendwann gab er mir sogar seine Handynummer. Ein echter Erfolg. Tim war wirklich schwierig, ich musste immer genau aufpassen, was ich sagte. Ein falsches Wort und er war beleidigt und wenn er erstmal beleidigt war, dann hielt das auch an. Wie ein Mädchen, die totale Zicke. So verhält sich doch kein Mann.
Fragt mich nicht warum, aber irgendetwas beeindruckte mich trotzdem an ihm. Wir schrieben SMS, wurden immer lockerer und meine eigentliche "Aufgabe" war in den Schatten gestellt. Zu mal es sowieso aussah, als wenn er gemerkt hätte, dass man sich trotz dem ich erst 19 war gut mit mir unterhalten konnte. Ja, wir konnten uns wirklich gut unterhalten, manchmal stundenlang. Irgendwie fassten wir Vertrauen zueinander. Er erzählte mir von seinen Problemchen und auch ich stellte schnell fest, dass er ein guter Seelentröster war. Das alles obwohl wir uns noch nie gesehen hatten. Es war wirklich komisch. Mittlerweile vergingen keine zwei Tage mehr an denen wir nichts voneinander hörten. Und auch die Art wie wir redeten hätte beinahe mit Flirten verglichen werden können. Ich wusste einfach nicht was mit mir los war, aber irgendwie hatte nun nicht hauptsächlich ich ihn in meinen Bann gezogen (so wie es eigentlich geplant war), umgekehrt war es genauso. Es war als würden wir dieselben Spielchen spielen.
Seit unserem ersten "Gespräch" war dann ungefähr ein halbes Jahr vergangen und der Tag war gekommen, an dem ich sehen sollte, wem ich nur allzu gerne mein Herz ausschüttete. Es hatte sich wirklich viel verändert. Wir hatten uns irgendwie gesucht und gefunden. Wir waren füreinander da und das, obwohl wir uns noch nie gesehen hatten. Was hätte ich drum gegeben, schon am Anfang des Tages zu wissen, dass ich Tim am Abend kennen lernen würde. Das Schicksal meinte es eindeutig nicht gut mit mir.
Wir schrieben wie immer SMS. Er sagte, dass er gerade in Hamburg sei und gleich wieder nach Hause fahren würde. Ich konnte natürlich nicht meine Klappe halten und sagte, dass er ja noch vorbei kommen könnte, da Hamburg ja nicht weit von mir entfernt sei. Es war wirklich nur ein Spaß, na ja so halb jedenfalls, vielleicht habe ich auch bisschen gewollt, dass er kommt, aber es konnte ja kein Mensch ahnen, dass er sich wirklich auf den Weg machen. Er stellte auch keine Fragen oder diskutierte mit mir. Er schrieb einfach:"Ja, gib mir deine Adresse." Na super. Ich hatte nun also eine dreiviertel Stunde Zeit um mich hübsch zu machen und meine Wohnung aufzuräumen. Das war quasi eine unmögliche Aufgabe. Ich war schon seit Tagen im Chaos versunken. Und warum überhaupt hübsch machen? Ich wollte ihn doch gar nicht. Oder etwa doch? Ich wurde panisch. Ich schnappte mein Handy und rief Sarah an, irgendwer musste mir doch helfen. Nein, ganz im Gegenteil, sie lachte einfach. Sie machte sich tatsächlich lustig über mich. "Ich wusste doch, dass Tim was für dich ist." Ist sie doof oder was? Tim und ich? Never. Nie im Leben! Die Frage ist nur, was regt mich dann jetzt so auf? Ich bin in meinem Zimmer routiert wie ´ne Blöde, fing an zu schwitzen. Was war nur los? Okay, Ruhe bewahren. Ich stopfte alles, was so rum lag in meinen Schrank....zog mein Lieblings-Oberteil an, setzte neues Make-up auf und wartete. Dann die SMS: "Ich wär´ dann da." Jetzt war´s soweit. Ich musste cool sein, bloß nichts anmerken lassen. Tief durchatmen. Ich machte die Tür auf und da stand er. Mein Timmi, in Fleisch und Blut. Es war wie ich befürchtet hatte, er haute mich nicht vom Hocker. Der Typ mit dem ich beinahe täglich schrieb, den ich lieb gewonnen hatte und der mir immer zuhörte, berührte mich rein äußerlich kein Stück. Ganz im Gegenteil. Sogar das Bild von ihm bei MeinVZ gefiel mir besser als der Typ der jetzt neben mir saß. Auch das Date an sich verlief wie befürchtet, wir waren angespannt, bekamen kaum einen Satz zusammen und ich habe nur gehofft, dass es bald vorbei war. Natürlich blieb ich nett und versuchte zu wirken wie immer. Nach einer Stunde ungefähr brachte ich ihn wieder zur Tür. War das jetzt alles? Deswegen war ich so nervös? Irgendwie war ich enttäuscht. Ich redete mir ein, dass das alles nicht so schlimm sei. Ich wollte ja eigentlich auch nur mit ihm befreundet sein, mehr nicht. Dabei spielt das Aussehen doch keine Rolle. Trotzdem war der Gedanke, dass Tim vielleicht mein passender Deckel sein konnte irgendwie schön. Egal. Er war nicht mein Typ und basta.
Wir redeten nie wirklich über dieses Date, aber ich merkte, dass Tim sich verändert hatte. Ich hatte das Gefühl, dass auch er sich etwas anderes erhofft hatte. Ich bereute dieses Treffen schnell. Es hatte alles verändert. Tim schrieb nicht mehr, wenn ich ihm schrieb hatte er immer gerade keine Zeit und auch wenn es mal zu ein paar Sätzen kam, waren das Sätze auf die ich auch hätte verzichten können. Ich verstand ihn nicht. Wir hatten uns doch vorher gut verstanden. Fand er mich jetzt auf einmal so doof? Das ganze deprimierte mich. Auch wenn ich ihn nicht sexy fand, war er trotzdem ein toller Mensch. Ich mochte ihn gern. Das Ganze ärgerte mich enorm. Ja, es machte mich sogar wütend. Also fragte ich Sarah, Sarahs Freund. Keiner konnte mir sagen was mit Tim los war. "Das hat er manchmal.", das war die einzige Antwort, die ich bekam, aber ich wusste, dass es einen anderen Grund hatte. Nur welchen?
Irgendwann ist mir der Geduldsfaden geplatzt, ich hatte keinen Bock mehr die Doofe zu sein. Sollte er mir doch einfach sagen, dass er mich blöd fand. Ich wollte es hören.
Also schrieb ich ihn mal wieder an. Ein bombastischer Text, meine Wut stand quasi auf dem Papier. Da Tim die ganze Zeit nicht geredet hatte dachte ich, dass er diesmal auch nicht mit der Sprache rausrücken würde, ich wollte meiner Wut nur Platz machen. Zu meiner Verwunderung sagte er mir wirklich was Sache ist. Er wüsste, dass ich in ihn verliebt sei, aber er könne diese Gefühle nicht erwidern und deshalb sei es besser, wenn wir nicht mehr so viel Kontakt hätten. Da war ich erst einmal platt. Irgendwie hatte er ja Recht, manche SMSn sahen wirklich so als würde ich mehr wollen als nur eine Freundschaft (heute weiß ich, dass er damit wahrscheinlich Recht hatte), aber solche SMSn hatte er mir doch auch geschrieben. Außerdem ist das einfach meine Art, ich flirte gerne...und zwar ohne Hintergedanken oder verliebt zu sein. Ich teste einfach nur gern meine Grenzen aus, freue mich, wenn jemand von mir schwärmt und teste aus, wen ich kriegen kann und für wen Kleidergröße 42 einfach too much ist. Ich wusste, dass ich irgendetwas tun musste, ich wollte meinen alten Timmi wieder haben. Es machte mich wirklich traurig, wie distanziert er sich mir gegenüber verhielt. Also machte ich ihm glaubhaft wahr, dass er sich da irrt, dass das alles nur Spaß war, dass ich nicht mehr von ihm wollte. Ich versuchte es auf die "Ach-Timmi-du-Dummerchen, wie-kannst-du-so-etwas-nur-glauben-Tour". Er schien mir zu glauben. Er musste mir glauben, schließlich war das die Wahrheit. Basta.
Die nächste Zeit war schwierig. Mir war klar, dass nicht von heute auf morgen alles so sein würde, wie vor seiner Vermutung. Wir näherten uns langsam wieder an. Ich musste ihm beweisen, dass ich wirklich nichts von ihm wollte. Ich konnte also nicht so weiter machen wie vorher. Ich musste meine Worte bewusst wählen und durfte ihm nicht zu sehr auf die Pelle rücken. Ich gewöhnte mich schnell daran, nicht so viel von ihm zu hören wie früher. Ich konzentrierte mich einfach auf andere Dinge.
Die Zeit verging und ich lernte Micha kennen. Jetzt hatte ich definitiv keinen Gedanken mehr für Tim übrig. Ich war verliebt. Also so richtig. Er war einfach toll, total süß, hörte mir zu und verdrehte mir völlig den Kopf. Ich war einfach im Himmel. Wir lernten uns im Internet kennen. Tja, so läuft das heutzutage. Wir schrieben, trafen uns und waren einfach glücklich. Wie der Teufel so will meldete Tim sich genau zu diesem Zeitpunkt wieder. Irgendwie war ich keineswegs überrascht oder dachte über die Gründe nach, weshalb er sich auf einmal meldete. Ich freute mich einfach nur Tim mein Glück zu berichten. Ich plapperte wie ein Wasserfall und erzählte ihm jede Kleinigkeit über Micha und mich. Der Arme. Auf einige Sachen hätte er sicher auch verzichten können, aber er freute sich für mich. Ein oder zwei Monate vorher hätte ich gewollt, dass er eifersüchtig reagiert, aber jetzt, es war mir egal. In meinem Leben gab es nur noch Micha. Wir haben uns nicht oft gesehen, nur am Wochenende. Und dann kam der Tag X.
Wir waren mal wieder verabredet. Ich weiß das noch wie heute. Anfangs dachte ich, dies wäre der schönste Tag in meinem Leben. Es war der 5. September 2010, wir fuhren gemeinsam nach Lüneburg. Alles war super. Wir küssten uns und eins führte zum anderen. Ihr könnt euch sicher denken, was ich meine. Ich war im 7. Himmel, aber mein neues Glück sollte nicht lange anhalten. Nachdem wir miteinander geschlafen hatten packte er seine Sachen und meinte, er müsse langsam nach Hause. Ich konnte überhaupt nicht richtig reagieren, ich war von meinen Gefühlen immer noch völlig übermannt, wie in Trance. Er fuhr los. Als ich dann allein auf meinem Bett saß und langsam wieder zu mir kam, wusste ich irgendwie schon, dass es ein Fehler war, dass wir noch hätten warten sollen. Ich war deprimiert, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Doch meine sollte schneller sterben, als es mir lieb war.
Micha verhielt sich nicht mehr als wäre er in mich verliebt. Ich kann gar nicht in Worte fassen wie er sich verhielt. Es war wie bei Tim, er war kurz angebunden, abweisend. Ich konnte es nicht fassen. Mochte er mich nicht mehr? War ich zu dick? Die üblichen Zweifel einer Frau stiegen in mir hoch. Ein paar Tage später dann die SMS: "Ich brauche Zeit." Wofür brauchte er Zeit? Die brauchte ich doch auch nicht. Ich wünschte mir so sehr, dass er genauso in mich veliebt wäre, wie ich in ihn. Ich war völlig verzweifelt. Wie konnte man denn Zeit brauchen? Jetzt auf einmal. Entweder man ist verliebt oder nicht, aber wofür Zeit? Ich brauchte Hilfe. Wer kam mir dabei wohl als erstes in den Kopf? Ich klagte Tim mein ganzes Leid. Er musste sich alles anhören, alles. Dafür mochte ich ihn so sehr. Er hörte zu, machte keinen Mucks, so lange bis ich fertig war. Danach wartete ich auf seinen Rat. Tim hatte immer für alles einen Rat. Auch ein Grund, weshalb er mein Anlaufpunkt Nummer 1 für Probleme war. Es war einfach schön, zu wissen, dass er da ist und ich mit allem zu ihm kommen konnte. Egal zu welchem Problem er mir einen Rat gab, es waren immer schlaue Dinge die er da von sich gab. Fragt mich nicht, woher er die immer hatte, aber deshalb legte ich so viel Wert auf seine Meinung. Sein Rat zu meinem Micha-Problem:"Gib ihm die Zeit und gedulde dich. Geh ihm nicht auf die Nerven." Ich habe gedacht, ich höre nicht richtig. Was sollte dass denn? Mag ja sein, dass ich mich so am besten verhalten hätte, aber Tim wusste genau, dass ich die Ungeduld in Person war. Also warum erzählte er mir so einen Müll. Ok, Micha war es mir wert. Ich hab es wirklich versucht. Ganz ehrlich. Zwei Tage hielt ich es aus Micha nicht zu schreiben. Für mich war das ein neuer Rekord. Wäre die Situation nicht so traurig gewesen, wäre ich regelrecht stolz auf mich gewesen. Micha ging das seinerseits scheinbar völlig am Ars... vorbei. Ich hörte nichts von ihm. Keine SMS, gar nichts. Gegen Timmis Rat bombadierte ich Micha nun förmlich mit meinen SMS. Irgendwann musste er mir etwas sagen. Ich war so verletzt. Immer hatte er gesagt, er habe mich lieb. Er vermisse mich so. Wie konnte er mir dann sowas antun? Auf einmal war ich zurück auf dem Boden der Tatsachen. Eine Nachricht von ihm. Er schrieb, dass er seine Ex-Freundin immer noch liebte. BÄÄÄHM...ein Stich ins Herz. Es war vorbei. Er wollte mich nicht.
In den nächsten Tagen war ich zu nichts mehr zu gebrauchen. Mein Leben war ein Meer aus Tränen. Ich lies mich sogar krankschreiben, weil ich mich nicht in der Lage fühlte, auf der Arbeit eine neutrale Miene aufzusetzen. Bei jeder noch so kleinen Erinnerung brach ich in Tränen aus. Es war furchtbar. Timmi tat mir schon richtig Leid. Er musste sich täglich mein Gejammer anhören. Tim ist der geduldigste Mensch den ich kenne. Für mich ist das völlig unbegreiflich, wie man solch eine Ruhe in sich haben konnte, aber irgendwann zog er einen Schlussstrich unter meine verlorengegangene Liebe. Er wies mich ordentlich zurecht. Ich sollte aufhören zu jammern, damit könne ich es auch nicht ändern. Ach mein Timmi, in dem Moment war ich zwar sauer, dass er auf einmal so kalt war, er wusste doch gar nicht wie es mir ging, aber ich wusste, dass er auch diesmal wieder Recht hatte. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hat Tim immer Recht. Es ist unglaublich. Er sagt immer, er sei eben schon erfahrener und ich bin noch ein Küken. Ja ja, schon klar. Ich hörte es zwar nicht gern, aber er hatte Recht. Ich musste aufhören zu jammern, mich zusammenreißen und mein Leben wieder in den Griff bekommen. Vor Micha ging das doch auch. Ich gab mir die beste Mühe, mein Umfeld tat mir ja wirklich auch schon Leid. Also jammerte ich nur noch vor mir selbst und riss mich vor anderen weitestgehend zusammen. Ich fing an zu schreiben, irgendwie tat es mir gut. Hier mal ein Vorgeschmack auf meine dichterischen Vorzüge:
Ein Mann mit Herz warst du für mich, doch ich war nur ein Scherz für dich. Jeder Gedanke ging an dich, doch du brauchtest Zeit und wolltest mich nicht. Ich hab alles getan, um dich zu kriegen, die Fehler wieder gerade zu biegen. Du hielst es für richtig mich zappeln zu lassen und ich fing an mich selbst zu hassen. Ich konnte nicht mehr klar denken, wollte nur dir mein Herz sofort schenken. Irgendwann war alles vergessen, du schienst von mir fast wie besessen. Deine Sonne nanntest du mich, was klang für mich wie ein Gedicht. Doch lange hielt die Freud nicht an, denn du bist schließlich auch nur ein Mann. Du solltest dich schämen, mir einfach das Herz zu nehmen. Einfach mal die Wahrheit sagen, ach ja, bringt Männer ja glatt zum verzagen. Du wirst noch sehen, was dir fehlt, wenn deine Ex dich mal wieder quält. Doch komme nicht zu mir zurück, Trottel wie dich machen mich nur verrückt. Dafür ist mir meine Gesundheit zu schade, schließlich heiße ich mit Namen Grade. Nun nimm deinen Krempel und lass mich in Ruh, da kuschel ich lieber mit Winnie Puh. Auf Männer wie dich, ohne Gewissen, ist am besten einfach geschissen.
Ich hoffe für euch war das jetzt genauso belustigend, wie für meine Freundinnen an einem Abend mit sehr viel Alkohol.
Trotzdem war es sehr schwer sich daran zu gewöhnen, nie wieder Michas Nähe zu spüren. Ich denke bis heute noch daran, wie toll er war und bis heute logge ich mich mit dem Namen einer Freundin bei MeinVZ ein, um mit Micha schreiben zu können. Armselig, ich weiß, aber ich jammerte nicht mehr und mein Leben ging weiter. Das wollten doch alle, dann sei mir diese kleine Lüge an mich selbst doch wohl gegönnt. Ohne Tim hätte ich den Schmerz wohl lange nicht überwunden. Doch das Tim in der Zeit nun immer für mich da war hatte auch einen komischen Nebeneffekt.
Ich durfte ja nun nicht mehr auf Micha fixiert sein, also fixierte ich mich auf Tim. Jaaa, ich weiß was ihr denkt. Ich finde es ja selbst ein bisschen bescheuert, aber was soll man machen. Es is nun mal so. Das beste Mittel gegen Liebeskummer ist und bleibt einfach sich die Zuneigung bei jemand anderem zu holen. Zu mal man dann nicht nur sein Ego aufpoliert, sondern auch noch automatisch von der "großen Liebe" abgelenkt ist. Tim hatte sich sowieso ein wenig verändert nachdem ich ihm von Micha erzählt hatte. Er war nicht mehr so angespannt während unseren Gesprächen. Ihr erinnert euch, Timmi dachte, ich sei in ihn verliebt. Als das Thema vom Tisch war redete er zwar wieder normal mit mir, aber ich merkte genau, dass er jedes Wort fünf Mal umdrehte, bevor er es sagte, damit ich auch ja nichts Falsches denken konnte. Das war jetzt vorbei. Er war wieder locker, als wenn Micha der Beweis für ihn gewesen war, dass ich wirklich nicht in ihn verliebt war. Mir kam das gerade recht, einen angespannten Tim konnte ich beim besten Willen nicht gebrauchen.
Tim und ich waren also wieder "zusammen".
Ich fand es so süß, wie er sich um mich gekümmert hat. Er hat ständig gefragt, wie es mir ging usw. Das war wahrscheinlich die Aufmerksamkeit die mir fehlte. Egal was ich bei MeinVZ postete, hörte es sich nur ein winziges bisschen negativ an konnte ich mich sofort über eine Nachricht von Timmi freuen. Es gab Zeiten da habe ich sogar Sachen, die eigentlich nicht besonders schlimm waren dramatisiert, nur um von Tim getröstet zu werden. Ich hoffe, er hat mich lieb genug, um mir nicht böse zu sein, wenn er das jetzt liest. Eigentlich kann ich da auch überhaupt nichts für, wenn er nun mal so ein guter Tröster ist und immer die richtigen Worte findet ist es doch logisch, dass man die gerne hören möchte. Also, alles halb so wild. Natürlich hörte ich ihm auch immer zu und versuchte mein bestes ihm bei Problemen zu helfen, sofern ich das konnte, schließlich bin ich ja noch ein Küken und hab von nichts ´ne Ahnung. Zu Tims Entsetzen konnte ich aber trotzdem manchmal hilfreiche Lösungen für seine Probleme finden. Ich glaube, wir haben gegenseitig versucht uns ein bisschen zu erziehen. Besonders gern war er mein Lehrer in Sachen Ungeduld. Ich war ja immer soooo ungeduldig. Blödsinn. Was die Aktion mit Micha damals betraf war ich wirklich ungeduldig und als mir irgendwann noch jemand anderes sagte ich sei viel zu ungeduldig, nahm ich Tims Erziehungsmethoden an und ich muss sagen, es ist gar nicht so schlecht, wenn man nicht sofort Amok läuft, wenn man eine Neuigkeit nicht auf Anhieb erfährt. Natürlich verfall ich auch gern in mein altes Muster zurück, aber das ist nicht weiter schlimm, denn wenn Tim sich aufregt ist er schon seeehr süß. Erst Recht wenn er beinahe verzweifelt. Ach ja, ich liebe es ihn zu ärgern.
Na ja, so ging das mit uns weiter, über Wochen. Nach unserem ersten Date hatten wir uns nie wieder gesehen. Unser Kontakt bestand nur aus SMS oder Chats, was mich langsam echt nervte. Wenn man davon ausging, was wir uns alles erzählten, könnte man meinen, dass wir richtig dicke Freunde gewesen waren, aber dann hätten wir uns doch auch mal sehen müssen. Oder nicht?
Für mich war das so keine richtige Freundschaft. Ich konnte nie Tims Gesichtsausdruck sehen, wenn er mir etwas erzählte oder mir mal wieder einen Rat gab. Ich konnte ihn nie in den Arm nehmen, wenn es ihm schlecht ging. Natürlich fehlte es mir auch, dass er mich nicht in den Arm nehmen konnte. Er war so ein guter Tröster, dass er sicher auch ein sehr guter "In-den Arm-Nehmer" war.
An irgendeinem Freitag-Abend zog es eine Freundin und mich ganz zufällig ins 4Eck, das ist eine Disco in Schwerin. Wir wollten einfach nur ein bisschen feiern und tanzen. Daraus wurde für mich nicht viel, denn auf einmal stand er dort, mein Timmi. Er kam zu mir rüber, drückte mich und sofort war ich in ein Gespräch verwickelt. Ich war soooo glücklich. Ich wollte nicht, dass das wieder aufhört. Maria schob ich zu Freunden von mir ab, die wir dort getroffen hatten, damit ich mich in Ruhe mit Tim unterhalten konnte. Wir redeten stundenlang, er ließ mich nicht mehr aus den Augen. Das war genau das, was mir fehlte, Tim ins Gesicht schauen zu können, wenn ich mit ihm redete. Natürlich war eine Disco dafür nicht gerade angebracht.
Also musste da ganz fix etwas dran geändert werden, er würde sich doch wohl auch mal so mit mir treffen. Der Zeitpunkt war gut, um so etwas in Angriff zu nehmen (es war schon eine Weile her, dass Tim dachte ich würde scharf auf ihn sein). Ich musste nur noch auf den richtigen Moment warten, denn ich wollte natürlich nicht, dass Tims Phantasie wieder mit ihm durchging und er wieder auf die Idee kam, ich wolle mehr als nur Freundschaft. Was das betraf war seine Phantasie nämlich sehr ausgeprägt. Normalerweise wäre mir das wurscht gewesen, aber im Moment lief alles so gut. Ich wollte definitiv nicht, dass sich das wieder änderte. Ich wollte einfach nur Zeit in seiner Gegenwart, mit ihm allein. Als Freunde. Wenn ich mir das jetzt im Nachhinein durchlese, muss ich echt dämlich gewesen sein, damals nichts zu merken, aber gut, ich wartete also auf den Moment. Bis dahin ging ich nun jedes Wochenende ins 4eck. Ich erwischte mich immer öfter dabei, dass ich Ausschau nach Tim hielt. Kam ich etwa nur wegen ihm dorthin? Nein, das kann nicht sein. Die Partys dort waren einfach super. Das war der einzige Grund. Genau. Häufig hatte ich Glück, Timmi verbrachte scheinbar die meisten Freitage dort. Es war jedes Mal sehr schön. Die Atmosphäre zwischen uns war super, aber ich wollte mehr. Sich in einer Disco vernünftig zu unterhalten war auf Dauer wirklich sehr anstrengend.
Tim erzählte gerade von seinem Wochenende. Er war mit ein paar Freunden im Kino. Meine Chance:"Wir müssen auch mal zusammen ins Kino." Herzklopfen. Ich wusste nicht, warum ich so aufgeregt war, schließlich war ja nichts dabei, einen Freund zu fragen, ob man mal weggehen möchte. Ich hatte eigentlich mit einem "Ja" oder "Nein" gerechnet, stattdessen bekam ich ein:"Du bist schon wieder zu ungeduldig." Häää? Hatte ich irgendwas verpasst? Das hatte doch überhaupt gar nichts mit Ungeduld zu tun. Doch, in seinen Augen schon. Ich sollte warten, bis ER mich fragt, ob wir mal weggehen. "Das ist wie bei einem Heiratsantrag. Man wartet bis der Mann fragt.", hatte er gesagt. Was für ein Blödsinn, aber gut, ich habe mich nicht weiter darüber aufgeregt und sogar ein paar Wochen (naja, wohl eher ein oder zwei, maximal) gewartet. Neuer Versuch. Es lief gerade ein guter Film, also fragte ich ihn wieder.
Dieses Mal fragte er mich, warum ich unbedingt mit ihm ins Kino wollte. Ich erklärte also brav, warum es mir wichtig war auch außerhalb der technischen Möglichkeiten Kontakt mit ihm zu haben. Darum ging es ihm scheinbar gar nicht, es ging um das Kino. Warum wollte ich mit ihm ins Kino? Mir war das doch völlig egal, hauptsache ich bin mal ein wenig allein mit ihm. Also sagte ich, dass wir auch was essen gehen können. "Das ist doch dasselbe.", sagte er. Jetzt war ich verwirrt. Ich hatte keine Ahnung, worauf er hinaus wollte, aber mein lieber Timmi hat es mir ja gleich erklärt. Ich habe es zwar bis heute nicht verstanden, aber was soll´s. Falls es einer von euch verstehen sollte, bitte melden. Hier seine Prinzipien: Mit Freunden geht man Kaffee trinken. Ins Kino, shoppen oder Essen geht man nur mit jemandem, bei dem man sich mehr vorstellen könnte oder NUR mit mehreren Freunden. Jaaa, genau so sieht er die Lage, ich seh da nur Fragezeichen.
Ist es nicht völlig egal, ob man Essen geht, ins Kino oder Kaffee trinken? Das macht doch keinen Unterschied. Für Tim schon. Ich habe stundenlang mit ihm diskutiert, ohne Erfolg. Am Ende war er schon völlig entnervt, entweder ich gebe mich mit ab und zu Kaffee trinken zufrieden oder gar nichts. Tzz. Da ich gern mal ein wenig provokativ bin hatte ich noch einen Satz auf Lager, den ich unbedingt noch los werden musste:"Was machst du denn, wenn wir Kaffee trinken gehen und ich mir anstatt einem Kaffee was zu essen bestelle?" Ich fand den gut. Timmi nicht. Jetz war er erst recht zickig. Na super. So hatte ich mir das alles irgendwie nicht vorgestellt. Selbst wenn ich mich nur für´s Kaffee trinken entscheiden würde, dann sollte ich sogar noch warten, bis er mich fragt. Schon war er mit dem Thema wieder durch. Und ich auch. Denn es war mir klar, dass ich darauf ewig hätte warten können. Also warum sollte ich all meine Kraft opfern, um Tim davon zu überzeugen, dass wir dringend mal Zeit miteinander verbringen mussten, allein. Wenn er nicht will, will er nicht. Tim war beinahe genauso stur wie ich, daher wusste ich genau, dass ich keine Chance hatte ihn von seinen Prinzipien abzubringen. Dann sahen wir uns eben nur in der Disco, in ´ner lauten, stinkigen Disco. Mir doch egal. Trotzdem verletzte es mich schon sehr. Ich hatte das Gefühl, dass er einfach nicht mit mir allein sein wollte. Noch ein Grund mehr sich nicht weiter den Kopf darüber zu verbrechen. Ich würde ihn kein drittes Mal um ein "Date" bitten. Zu allem Übel war Tims Themenwechsel auch nicht gerade der, den ich gewollt hatte. Er hatte ein Mädchen kennen gelernt.
Puh, das war eine völlig neue Situation für mich. Tim und ich waren solo seitdem wir uns kannten. Ich wollte ihn nicht teilen, erst Recht nicht mit einer FRAU, die er vielleicht mehr mochte als mich. Das nannte man jetzt wohl Eifersucht. Verdammt.
Er hatte sie durch einen Kumpel kennen gelernt und war sofort begeistert. Ich wollte alles mögliche über meine Nebenbuhlerin wissen, schließlich war sie im Begriff mir meinen Timmi zu klauen. Da begann das Drama auch schon, denn sie war 20, genau wie ich. Doch mir sagte Tim damals, dass ich zu jung für ihn sei, aber sie nicht oder was?! Ich war auf 180 und das ließ ich ihn auch spüren. Anstatt mich zu beruhigen und mir zu sagen, dass ich viel toller war als diese blöde Kuh fand er meine Eifersuchtsszene auch noch witzig. Blöder Idiot. Ich hatte keine Lust mehr darüber zu reden. Es war mal wieder Zeit Abstand von Timmi zu nehmen. Gesagt, getan. Mehr oder weniger. Als wir das nächste Mal im 4eck waren entschloss ich mich dazu Tim zu zeigen, was es heißt eifersüchtig zu sein. Also schnappte ich mir einen Kumpel und turtelte ein wenig, direkt vor Tims Nase. Es war sehr befriedigend seinen Blick auf mir zu spüren, zu merken, wie er das Ganze beobachtete. Ich genoss diesen Abend, nicht nur wegen Tim´s Blicken, auch weil es schön war mal wieder zu turteln. Ich war zwar nicht scharf auf Daniel, aber ich liebe es zu flirten, erst Recht wenn das Ganze einen Zweck hat. Am nächsten Morgen zeigte sich, dass mein Geflirte wirklich einen Zweck erfüllt hatte. Schon als ich die Augen aufmachte hatte ich eine Guten-Morgen-SMS von Tim auf dem Handy. Tja, so liebe ich meinen Morgen und es wurde sogar noch besser. Gleich in der zweiten SMS fragte er mich, was ich heute machen würde, was mir ein wenig spanisch vorkam. Ich erzählte ihm meine Pläne für den Tag ohne weiteres. Dann seine Antwort:"Hm...dann hast du wohl heute keine Zeit mit mir einen Kaffee zu trinken." Oh mein Gott, hatte ich Halluzinationen? Immer und immer wieder las ich die Nachricht, sie war real, ich hatte mein Date, Tim fragte mich, ob wir Kaffee trinken gehen wollten. Natürlich erklärte ich ihm sofort, dass ich dafür noch Zeit hatte. Wenn es sein müsste, hätte ich sogar alles andere abgesagt (das erzähllte ich ihm natürlich nicht).
Ich geriet nun zwar ein bisschen in Hektik, denn schließlich war ich gerade erst aufgestanden und in einer Stunde sollte ich schon mit Tim in einem Café sitzen. Das hieß also duschen im Eiltempo, die Haare irgendwie in Form bringen und ein bisschen Make-up ins Gesicht klatschen. Alles kein Problem. Ich war auch überhaupt kein bisschen aufgeregt. Dadurch, dass ich Timmi ja nun schon öfter im 4eck getroffen hatte und mich dort mehr oder weniger mit ihm unterhielt gab es dafür keinen Grund. Außerdem wollte ich mich nicht aus der Ruhe bringen lassen, schließlich war es nur ein blöder Kaffee und ich hatte ja auch keine Gefühle für ihn, außer natürlich die freundschaftlichen. Somit machte ich mir auch keine Gedanken wie ich ihn beeindrucken könnte. Alles war gut.
Wir bestellten uns also beide einen Kaffee und unterhielten uns. Ungefähr zwei Stunden saßen wir uns gegenüber. Ich genoss die Zeit sehr. Es war einfach schön Tim im Hellen zu sehen und auch jedes Wort zu verstehen, was er sagte. Irgendwann kam die Kellnerin mit der Rechnung. Nun war ich gespannt, würden wir getrennt bezahlen oder zeigte er sich als Gentlemen. Nein, wir bezahlten getrennt. Die Kellnerin hatte kaum gefragt, da sagte Tim schon, dass wir getrennt bezahlen würden. Na und, hatte ich auch kein Problem mit. Wir waren ja nur als Freunde einen Kaffee trinken.
Wir gingen zum Auto und Tim verabschiedete sich mit den Worten:"So, dass reicht jetzt erstmal wieder für ein halbes Jahr." Ja, das war mir klar. Ich bräuchte in den nächsten Monaten nicht fragen, ob wir mal wieder was trinken gehen, das sollte ja keine Ausmaße annehmen,wa?! Natürlich beschwerte ich mich nicht. Ich wollte ja nur einmal mit ihm allein Zeit verbringen, das hatte ich jetzt getan.
Sarah hatte ich davon gar nichts erzählt. Ich erzählte ihr sowieso nicht gern von Tims und meiner Beziehung zueinander, denn sie hatte sich noch nicht so richtig damit abgefunden, dass wir nur Freunde waren, da hätte das Kaffee trinken nur falsche Hoffnungen in ihr geweckt. Außerdem hatte sie selbst genug im Kopf, sie war nämlich schwanger.
Ganz ehrlich? Ich bildete mir manchmal auch ein wenig was ein. Manu (sie ist ein Mädchen und meine Freundin) und ich lieben es das Verhalten zwischen Mann und Frau zu analysieren. So analysierten wir in letzter Zeit des öfteren Tims Verhalten zu mir. Was Manu da aber manchmal so von sich gab passte mir gar nicht. Sie war sich sicher, dass Tim mehr für mich empfand als nur Freundschaft. Sowas wollte ich mir gar nicht erst einreden lassen, denn wenn ich das tun würde, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis ich von mir behaupten könnte, dass ich wirklich in ihn verliebt war. Also fand ich für alles eine plausible Erklärung. Wir unterhielten uns in der Disco manchmal nur so lange, weil wir eben auf der selben Wellenlänge waren und sonst keine Gelegenheit hatten uns persönlich zu unterhalten. Wir trafen uns zum Kaffee trinken, weil ich ihn so lange genervt habe und es in der Disco eben schwierig war ein richtiges Gespräch zu führen usw. Insgeheim dachte ich aber schon darüber nach was Manu sagte. Manchmal kam es mir ja selbst ein bisschen komisch vor, aber das konnte ich ihr nicht sagen, sonst hätte sie mich mit dem Thema gar nicht mehr in Ruhe gelassen. Ich wollte die zukünftigen Geschehnisse gern für mich behalten, um das Thema nicht weiter anzuheizen. Dies erwies sich als schwierig. So auch mit meinem Besuch im Krankenhaus.
Sarah war mittlerweile Mutter und da ihr Freund nun mal Tims bester Kumpel war, war auch Tim zu Besuch im Krankenhaus. Ich kam einen Nachmittag mit Matze ins Krankenhaus. Er hatte Sarah zwar erst einmal getroffen, war aber auch gespannt auf den Nachwuchs. Tim und Matze kannten sich nicht. Noch nicht. Ich hatte Matze nur einmal erzählt, dass Tim ziemlich zickig reagiert hatte, als ich bei Matze übernachtet hatte. Matze selbst fand solche Situationen immer zu lustig, wenn irgendwelche Typen auf ihn eifersüchtig waren, obwohl zwischen ihm und mir ja gar nichts lief.
Naja, dass zwischen uns NICHTS lief war vielleicht übertrieben. Wir verhielten uns schon irgendwie wie ein Pärchen. Ich schlief ständig bei ihm, ab und an küssten wir uns auch und wir waren uns einfach kein Stückchen fremd, besonders was das körperliche betraf. Wir kannten uns in- und auswendig, was auf andere Außenstehende doch etwas komisch und verdächtig wirkt, aber in dem Fall fand ich es auch witzig, denn Tim kannte das Verhalten zwischen Matze und mir nicht. Es war mir völlig schleierhaft, warum er sich so eifersüchtig gab, als ich ihm davon erzählte, dass ich bei Matze geschlafen hatte. Schließlich war er ja nicht in mich verliebt, also hatte er auch keinen Grund eifersüchtig zu sein. Logisch oder? Für Manu war das natürlich wieder ein Beweis, dass er es doch war. Naja, wie das Schicksal so will, ist Tim in genau dem Moment im Krankenhaus als auch Matze und ich dort eintrafen. Na super. Das konnte gar nicht gut gehen. Wenn Matze mitbekommen würde, dass Tim Tim ist, dann würde er definitiv irgendeinen dummen Spruch los lassen. Hach, ich kannte meinen Schnucki wirklich gut. Natürlich bekam er es mit und konnte sich einen blöden Spruch nicht verkneifen. Warum stellt Tim sich ihm auch vor?! Dumpfbacke. Manchmal ist Höflichkeit eben nicht das A und O. Wir unterhielten uns über´s 4eck und irgendwer sagte, dass er hoffe heut Abend eine weibliche Schlafmöglichkeit zu finden. Matzes Kommentar:"Na Anna, du weißt ja, dass ich in meinem Bett immer Platz für dich habe." Ohoh. Tims Blick sprach Bände, im Zimmer war es auf einmal still, ich lief rot an und Matze verabschiedete sich bei mir mit einem fetten Grinsen und den Worten:"Wenn du nachher noch eine rauchen willst kannst du mich ja anrufen." Typisch, er gibt allen Grund zum nachdenken und verzieht sich triumphierend. Dem würde ich nachher erstma ein paar Takte erzählen. Nun meldete sich erstmal Tim zu Wort:"Mich fragst du nie, ob wir eine rauchen wollen." Was war das denn jetzt? Schon wieder eifersüchtig? Wenn ich könnte, würde ich Tim immer, wenn ich eine rauchen wollte, fragen, ob er auch wollen würde, aber uns trennten immerhin fast 50km. Also war das totaler Blödsinn was er mir da vorwarf. Ich widmete mich einfach dem kleinen Winzling in diesem viel zu großen Bett. Ich nahm ihn auf den Arm und knutschte dieses kleine, süße Ding. Tim hatte die ganze Zeit über seine Camera in der Hand und hatte nicht ein einziges Foto gemacht. Doch jetzt, jetzt wo ich den Kleinen auf dem Arm hatte knippste er ein Bild nach dem anderen. Wenn er wenigstens nur das Baby fotografiert hätte, aber nein, er fotografierte mich. MICH. Das schärfste war, er zeigte mir die Bilder nicht einmal. Für mich war klar, warum. Für Manu auch. Wie schon angekündigt konnte ich mich nicht zusammenreißen ihr nicht von diesem Nachmittag zu erzählen und wir waren uns einig. Tim hatte nicht den Kleinen fotografiert, sondern mich, das Baby war einfach nur Vorwand. Was solche Sachen betraf waren Manu und ich wirklich kreativ, aber warum sonst sollte er mir die Bilder nicht zeigen wollen? Das war doch alles eindeutig. Ich wurde langsam immer unsicherer. Vielleicht wollte Tim wirklich mehr von mir.
Dieser Gedanke war jedoch schnell wieder vergessen. Es gab da nämlich immer noch dieses Mädel, welches er doch auf einmal so toll fand. Bis jetzt hatte die mir noch nicht so viel ausgemacht. "Verliebt" war Tim schon öfter mal, aber daraus geworden ist nie etwas. Also machte ich mir da jetzt auch keine Sorgen. Doch dieses Mal ging das alles ein bisschen weiter und zwar dann, als er mir erzählte, sie hätten sich geküsst. Das war wirklich kein sehr gutes Gefühl. Natürlich freute ich mich für ihn, nach außen hin, aber innerlich fand ich es echt scheiße. Er kann sich doch nicht einfach mit der küssen ohne mich zu fragen. Und warum küsste die ihn? Es konnte doch wohl nicht sein, dass sie ihn wirklich wollte. Warum denn? Mich wollte auch niemand, also darf er auch niemanden haben. Ja, ich bin egoistisch. Na und, man muss auch mal an sich selbst denken und ich für meinen Teil will meinen Timmi für mich allein. Ich krieg meinen Willen immer. IMMER! Ihr denkt jetzt vielleicht, dass ich bis über Leichen gehe, um meinen Willen zu bekommen, aber nein, so ist es auch nicht. Ich beeinflusse niemanden in seiner Meinung zu meinem Vorteil. Ich bin zwar egoistisch, aber nicht unfair. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich immer eine gute Freundin sein will und Freunde sind immer ehrlich, somit bleibt mir nichts anderes übrig, als Tim gut zuzureden und ihm zu sagen, was ich jedem anderen auch sagen würde, egal ob es mir nun passt, dass er die hat oder nich:"Warte einfach mal, sie wird dich schon nicht einfach so geküsst haben!" Ja, so bin ich. Eine sehr gute Freundin. Natürlich machte ich mir auch meine Gedanken, warum mich das überhaupt so störte. Wäre ich wirklich eine sehr gute Freundin müsste ich mich mit jeder Faser meines Körpers für Tim freuen, wenn er wieder vergeben wäre, aber so war es nicht. Insgeheim hoffte ich sogar, dass sie ihn nicht wollte. Klar, er wäre dann traurig, aber das vergeht auch wieder und außerdem bin ich ja da, um ihn zu trösten. Ich hatte einfach Angst, dass er dann nicht mehr so für mich da sein würde, wie jetzt. Eine Freundin kostet nun mal Zeit. Zeit, die er von meiner abziehen würde. Nein, das ging definitiv nicht. Bis jetzt hatte ich immer das Gefühl, dass ich die Person war, die ihm am nächsten ist, aber dass wäre dann doch logischerweise sein Freundin, wenn er sie denn hätte. Naja, ich musste es einfach dem Schicksal überlassen, ändern konnte ich daran eh nichts. Wenn sie sich gefunden haben, dann ist das eben so und wenn Tim ein toller Freund ist, dann wird er mich nicht vernachlässigen. Vorsichtshalber werde ich sie mir aber trotzdem bei Gelegenheit mal angucken.
Dazu hatte ich auch schnell Gelegenheit, denn seine Auserwählte ließ es sich nich nehmen, das nächste Mal mit ins 4eck zu gehen. Jetzt war sie mir automatisch schon unsymphatisch. DAS war MEIN Terrain. Meine Zeit mit Tim. Das Kaffeetrinken blenden wir mal einfach aus. Als ich im 4eck ankam wusste ich noch gar nichts von meinem Glück. Ich stand glücklich und zufrieden mit Tim an der Bar, neben ihm irgendein Mädel. Ich träumte so vor mich hin, schlürfte an meinem Drink und schaute mich um, was die Männerwelt heute zu bieten hatte. Dann hörte ich Tim in meinem Ohr:"Das ist sie." Hä? Wie bitte? Was? Wo? Das Mädchen neben ihm war SIE. Völlig unscheinbar, blauer Lidschatten, Tanktop, eine Jeans mit "Don´t touch" über´m Arsch (die waren jawohl aus´m letzten Jahrhundert) und ein normaler Pferdeschwanz. Die wäre mir im Leben nicht aufgefallen und ich wette, die fällt auch keinem anderen Kerl auf, außer Timmi. Seine Augen leuchteten förmlich, als er mir erzählte, dass es die ist. Wahrscheinlich wollte er jetzt von mir hören, dass sie perfekt für ihn ist, aber nee, ohne mich. Ich sagte ja vorhin schon, gute Freunde müssen immer ehrlich sein. Da ich ihn ja nicht vor den Kopf stoßen wollte hieß das für mich, ein schlichtes, einfaches "Aha" muss reichen. Damit gab er sich sogar zufrieden. Besser geht´s doch nicht.
Jetzt, wo ich Bescheid wusste war ich den Rest des Abends damit beschäftigt die Beiden zu beobachten. Grausam. Wie er sie anhimmelte. Bäääh. Ich konnte es echt nicht verstehen. Diese Frau hat nichts an sich, keine Möppse, keinen Hintern und auch kein besonders hübsches Gesicht mit dem sie den Rest wieder gutmachen könnte. Und wie die sich ihm an den Hals geworfen hat. Als wenn sie es besonders nötig hätte. Ich hatte genug gesehen. Zeit den Floor zu wechseln.
Irgendwann war Tim nicht mehr zu finden. Ich schrieb ihm eine Nachricht, wo er steckte. Im Bett. Er war nach Hause gegangen. Jetzt musste ich mich erst einmal schnell vergewissern, dass er allein nach Hause gegangen war. Ja, SIE war noch da. Und Tims Kumpel Andre. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nie einen von Tims Freunden kennen gelernt. Sie standen zwar immer neben ihm oder zumindest in der Nähe, aber wir ignorierten uns gekonnt. Nicht mal ein "Hallo". Doch nun quatschte mich Andre an, ob ich wüsste, wo Tim steckte. Ich erzählte ihm was ich wusste und war schon halb wieder auf dem Weg zur Bar, als er mich am Arm festhielt und mich einfach weiter zuquatschte. Wir verstanden uns auf Anhieb und plauderten wie die Wasserfälle. Wir hatten uns ja auch viel zu erzählen, schließlich kannte ich bis dato nicht mal seinen Namen. Um ehrlich zu sein war Andre auch eine kleine Schönheit. Er hat einen bombastischen Stil und bewegt sich einfach wunderbar zur Musik. Tanzende Männer sind einfach sexy. Also warum nicht. Wir verbrachten den Rest des Abends zusammen, wobei mir leise der Gedanke kam, dass Andre mir vielleicht noch einmal nützlich sein konnte, wenn ich Tims Aufmerksamkeit auf mich lenken musste. Dazu später mehr. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass einer von Tims Freunden, die mir sonst nicht einmal "Hallo" sagen, sich so mit mir beschäftigen würde. Am Ende des Abends gab er mir sogar seine Handynummer. Ich fragte mich, was Tim wohl davon halten würde, dass ich mich jetzt auch noch mit seinen Freunden gut verstand. Ich würde es mir auf jeden Fall nicht nehmen lassen, das nächste Mal vor Tims Augen in Andres Arme zu fallen, als würden wir uns ewig kennen. Nein, ich würde Tim nichts davon erzählen, dass ich seinen Kumpel kennen gelernt hatte. Der Überraschungseffekt würde super sein.
Irgendwann postete Tim einen traurigen Spruch im Netz. Natürlich musste ich fragen, was los war. Die Uschi hatte ihm verklickert, dass sie sich nicht mehr als Freundschaft mit ihm vorstellen konnte. STRIKE. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Dieser Stein ersetzte nun Tims Herz. Er war traurig, verständlicherweise, aber er sagte sich, dass es schon weitergehen würde und dass er eben damit leben musste nur ihr Kumpel zu sein. Hört sich doch alles supi an.
Ein paar Tage später schrieb Tim mir eine Nachricht:"Ich bin so glücklich." Nun sollte ich ganz überrascht fragen, warum er denn glücklich war, aber ich wusste schon, dass mir die Ursache wahrscheinlich überhaupt nicht gefallen würde. Es konnte nur mit der Alten zu tun haben. Ich hoffte so sehr, dass sie es sich nicht doch noch einmal anders überlegt hatte und ihn doch wollte. Bitte, lieber Gott, wenn du da bist, bitte lass es einen anderen Grund haben. Er erzählte mir, dass er mit Sophie DVD geschaut hatte und sie nebenher ein bisschen kuschelten. Ich konnte sein strahlendes Lächeln quasi auf dem Bildschirm sehen. Ich hätte kotzen können. Ich versuchte gar nicht erst so zu tun als würde ich mich freuen, sondern hielt ihm eine kleine Standpauke, natürlich so, dass es den Anschein hatte, als würde ich nur das Beste für ihn wollen. Ich fragte ihn, warum er sich das antat. Er sagte, dass es doch nur ein bisschen kuscheln war, sie seien nur Freunde. "Okay, wenn das so ist, dann können wir ja auch kuscheln, schließlich sind wir auch nur Freunde." "Man Anna, das ist doch was ganz anderes....wir sind doch auf ner ganz anderen Ebene." Ich wurde sauer. Diese blöde Kuh steht über mir??!! Mit welchem Recht? Ich musste um meinen Platz bei Tim kämpfen und die setzt sich einfach ins gemachte Nest und scheißt mir auch noch auf den Kopf, weil sie über mir steht?! Blöd nur, dass Tim auf Zickigkeit genauso zickig reagiert, falls er überhaupt noch reagiert. Er schrieb:"Warum kannst du dich nicht damit zufrieden geben, dass wir ab und zu mal einen Kaffee trinken?" Tjaaaa.....ääähm.....hmmm.....wenn ich das so genau wüsste. Eigentlich müsste mir das reichen, aber ich bin eben besitzergreifend und auf Gerechtigkeit bedacht und das, was er da machte, war nicht gerecht. Ich wollte auch seine Zuneigung (nur freundschaftlich), aber ich bekam sie einfach nicht, da konnte ich meckern wie ich wollte. Mehr als Kaffee trinken war scheinbar nicht drin.
Allmählich stand Silvester ins Haus. Tim und ich kannten uns dann beinahe zwei Jahre. Ich erzählte ihm von meinen Silvesterplänen. Ich wollte mit Maria und Manu Silvester in Paris verbringen, quasi unter´m Eifelturm. Tim fand die Idee super. Das wusste ich, deswegen habe ich es ihm erzählt, irgendwie in der Hoffnung, dass er mitkommen wollen würde. Er fragte nach dem Preis und allen möglichen Details. Ich würde sagen, ich hatte meinen Fisch an der Angel. Er wollte wirklich mit. Da gab es nur ein Problem: Manu würde wahrscheinlich kein Geld von ihren Eltern bekommen und ich würde dann allein mit Tim und Maria fahren müssen. Das kommt ja mal gar nicht in die Tüte. Wo ich doch wusste, dass er sie geil fand, da würde ich doch nicht mit ihm und ihr allein in die Stadt der Liebe fahren, um dann zusehen zu müssen, wie er sie ständig angafft. Nee, im Leben nicht. Ich wusste zwar, dass Maria keinesfalls von ihm angetan war, wirklich ganz und gar nicht, weder äußerlich noch innerlich, aber trotzdem war mir ein "Dreier" ein Dorn im Auge. Mal wieder eine Sache in der ich nicht ganz ehrlich zu Tim war, ihm erklärte ich nämlich, dass bei drei Leuten einfach immer einer zu viel ist. So war das auch, das hatte mir meine Mutter schon zu Kindergeburtstagszeiten beigebracht. Ich durfte nie eine gerade Anzahl an Kindern einladen, denn dann wären wir mit mir eine ungerade Zahl geworden und einer wäre immer außenvor gewesen. Diese Theorie war Tim natürlich suspekt. Er konnte keine Theorie einleuchtend finden die von mir kam. Blödmann. Ich blieb dabei. Wir diskutierten weiter, bis ich igendwann sagte, dass wir zur Not eben allein fahren müssten. Er und ich. Wie konnte ich das nur sagen? Jetzt wurde seine Laune schlechter. Ich hatte mit diesem Vorschlag wieder das leidige Thema angefangen, was man mit Freunden machen darf und was nicht. Ein Urlaub zu zweit gehörte nicht dazu, das war mal wieder zu intim. Diese Prinzipien Timmis würde ich nie verstehen, bis heute nicht. Jetzt war er wirklich wieder zickig mit mir, dabei hatte ich gar nichts mit diesem Vorschlag bezweckt. Wirklich nicht. Es sollte eigentlich nur ein Spaß sein. Aus Trotz sagte ich irgendwann einfach, dass er doch mit Maria allein fahren solle. Ich traute meinen Augen kaum. Er antwortete:" Als wenn sie das machen würde." Er zog also in Betracht mit Maria allein zu fahren, wenn sie einwilligen würde. Ich war völlig platt, wütend, enttäuscht, wütend und nochmal wütend. Wie konnte er mit Maria fahren wollen? Mit einem Mädel das er nur flüchtig kannte, anstelle mit mir, einer guten Freundin, die er seit fast zwei Jahren kannte. Es war wirklich sein Ernst, wenn Maria mitmachen würde, würde er mit ihr in die Stadt der Liebe fahren und das obwohl ich ständig jammere, dass ich mehr Zeit mit ihm verbringen möchte. Männer sind doch furchtbar. Die brauchen keinen Wink mit dem Zaunpfahl, die brauchen einen Wink mit der Betonplatte und zwar in ihr Gesicht. Eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich mich darüber überhaupt noch aufregte. Tim verletzte mich so oft mit irgendwelchen Aussagen, entweder er merkte es wirklich nicht oder es war ihm egal. Eins von Beiden. Auf jeden Fall konnte ich komischerweise immer wieder darüber hinwegsehen. Jaa, so wichtig bist du mir. Idiot. Wie auch immer, ich würde definitiv nicht mit Tim nach Paris fahren. Ich hatte ganz plötzlich so gar keine Lust mehr Silvester mit ihm zu feiern, selbst wenn Manu auch mitkommen würde, ich würde es ihm einfach nicht erzählen.
Es war natürlich klar, dass wir es nicht auf die Reihe bekamen wirklich nach Paris zu fahren. Manu, Maria und ich bekamen nie etwas auf die Reihe, was nur annähernd mit Urlaub zu tun hatte. Es war grausam. Ich hab ja nichts gegen Spontanität. Ich entscheide mich auch mal nachts um 12 noch in die Disco zu fahren, aber was Urlaube betraf plane ich gern schon ein halbes Jahr vorher. Nicht so Maria und Manu. Besonders Manu. Sie ist der planloseste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Sie lebt einfach in den Tag hinein und lässt alles auf sich zukommen. Genau das ist das Problem. Man kann einfach nicht planen, wenn man Wert darauf legt sie dabei zu haben, weil sie nie weiß, was in ein paar Monaten so Phase bei ihr ist. Das endet dann meistens so, dass ich, als holiday-planner, völlig verzweifelt das Handtuch werfe und sich danach kein anderer findet, um zu planen. Also fällt der Urlaub flach. So auch Silvester, aber dazu kommen wir später. Bis dahin standen erst noch ein paar berauschende Besuche im 4eck und mein Tattoo an.
Ja, ich war so verrückt und wollte mir ein Tattoo stechen lassen. Vor einem Jahr bekam ich zum Geburtstag einen Gutschein, der sollte nun langsam eingelöst werden. Ich hatte eine genaue Vorstellung von meiner lebenslangen Körperverzierung. Zwei Engelsflügel mit dem Schriftzug HOPE, auf dem Handgelenk. Es sollte mich täglich daran erinnern, nie die Hoffnung zu verlieren, egal, wie fies das Leben mal wieder sein würde. Ich erzählte Tim von meinem Vorhaben und er bot sich an mitzukommen, um einen Termin zu machen. Er selbst brauchte auch noch einen. Also hatten wir mal wieder ein "Date". Wir trafen uns in Schwerin und gingen gemeinsam zu meinem persönlichen Horrorhaus. Ich hatte solche Angst, unglaublich, obwohl ich nur einen Termin machen würde. Das Motiv hatte ich selbst gemalt, ich gab es nun ab, damit es professionell verschönert werden konnte. Zeichnen war nicht meine Stärke. Vor Tim hielt ich es die ganze Zeit versteckt. Niemand sollte vorher wissen, was mich den Rest meines Lebens begleitet, auch nicht mein Timmi. Innerhalb von einer viertel Stunde waren wir fertig und zu meiner Verwunderung schlug Tim vor noch einen Kaffee trinken zu gehen. Eigentlich hatte ich gar keine Zeit, aber ich konnte nicht "Nein" sagen. Also setzen wir uns in unser Stammcafé. Alles lief wie immer. Wir erzählten und tranken Kaffee. Dann fragte Tim mich, was ich noch zu tun hatte. Irgendwie war er heute anhänglich, auf jeden Fall anders als sonst. Ich wollte noch nach Winterstiefeln schauen, bisher war es mir in dieser Saison vergönnt geblieben neue Stiefel zu kaufen. Oh Wunder, Tim wollte mitkommen. Ich traute meinen Ohren kaum. Tim war doch derjenige, der immer sagte, dass Schuhe kaufen zu den Sachen gehörte, die zu intim waren, um sie mit "nur" Freundinnen zu machen und nun bot er es von selbst an, ohne dass ich etwas sagte. Ich war ein bisschen verwirrt, aber natürlich beschwerte ich mich nicht. Wir schlenderten durch das Einkaufszentrum und verbrachten noch einige Stunden zusammen. Abends würden wir uns wieder im 4eck treffen. Es war ein wirklich schöner Tag, der im 4eck nur noch besser wurde. Ich hoffte, dass Tim mit Andre kommen würde, damit ich ihm endlich zeigen konnte, dass Andre und ich uns nun auch kannten.
Als ich ankam stand Tim am Rand der Tanzfläche, neben ihm Andre. Perfekt. Showdown. Ich würde zuerst herzlich Andre an mich drücken, ihn nett anlächeln und um dann langsam, fast genervt die Unterhaltung mit Andre unterbrechen zu müssen, zu Tim gehen und ihn kurz umarmen, um dann wieder mit Auge und Ohr zu Andre zurückzukehren. Es war herrlich. Genau wie ich es mir vorstellte. Tims Gesicht war das reinste Fragezeichen. Was für ein Spaß. Ja, dieser Tag war einfach wunderbar.
Ich bildete mir aber nichts weiter darauf ein. Die nächsten Wochen verliefen ganz normal, ohne großartige Anzeichen für irgendwelche Gefühle. Dann gingen wir mal wieder ins 4eck, nur Matze und ich, ohne Maria und Manu. Schon als ich ankam war Tim völlig betrunken. Er verhielt sich wie sich betrunkene Männer eben verhalten, aufgeschlossen und ungehemmt. Für mich war das eine komische Situation. Ich hatte Tim noch nie so erlebt. Ich hätte nie gedacht, dass Tim sich, wenn er betrunken war, so verhielt wie andere "normale" Männer. Am Besten ich fange einfach von vorn an. Tim wich mir den ganzen Abend nicht so richtig von der Pelle, was ich sehr genossen habe. Wir wollten zusammen eine rauchen gehen, aber irgendwie verlor ich ihn auf dem Weg in den anderen Floor aus den Augen. Also rauchte ich allein und ging zurück in den Oldie. Irgendwie habe ich schon einen Blick für Timmi, ich sah ihn schon von Weitem. Kurz bevor ich bei ihm ankam erschien Andre auf der Bildfläche. Der kam mir gerade recht. Tim war immer noch fest überzeugt, dass ich auf dem Weg zu ihm war, aber anstelle zu ihm zu gehen blieb ich zwei Meter vor ihm stehen, um Andre zu knuddeln. Ich sah Tim an, dass er damit nicht gerechnet hatte. Hach, ich liebe solche Spielchen, erst recht, wenn sie so gut funktionierten. Andre verwickelte mich sogar noch in ein Gespräch. Der Arme, wenn er nur wüsste, dass er für mich nur Mittel zum Zweck war. Mit dem angefangenen Gespräch hatte er seinen Zweck bereits erfüllt, denn Tim quetschte sich aufeinmal zwischen uns. Ganz offensichtlich war er eifersüchtig, was auch Andre merkte, denn der machte sich sofort aus dem Staub. Tim nutzte die Gelegenheit und zerrte mich auf die Tanzfläche. Mein Gott, was war nur los heute. Normalerweise war es mein Part ihn zum tanzen anzuregen. Für gewöhnlich sah das dann so aus, dass wir zwar zur selben Musik tanzten, aber in einem so großen Abstand, dass niemand denken konnte, dass wir miteinander tanzten. Heute war es anders. Seeeeehr anders. Tim tanzte in direkter Nähe zu mir, genau vor meiner Nase. Nase. Gutes Stichwort. Ab und an, wenn wir bestimmte Passagen eines Liedes mitsungen (vorzüglich Liebeslieder) dann berührten sich unsere Nasen beinahe. Ich hätte ihn küssen können, wahrscheinlich ohne dass er mir rechtzeitig ausweichen könnte, so betrunken wie er war. Das war alles sehr komisch. Am schärfsten war es, als er mich drehte, ich mit dem Rücken zu ihm stand und wir diesen anmachenden Tanzstil präsentierten...ihr wisst schon....ihr Popo an seinem Schniedel und immer schön die Hüften kreisen lassen. Irgendwie kribbelte mein Bauch und ich war nicht mehr in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Ich brauchte dringend mal eine kurze Auszeit. Für mich allein. Ich verzog mich auf Toilette, ordnete mich kurz und stellte mich dann, an einen Pfeiler gelehnt, in die Nähe der Tanzfläche. Tim war nicht mehr zu sehen. Puhh....Gott sei Dank. Ich war völlig überfordert mit der Situation und meinen, nicht ganz zuzuordnenden, Gefühlen. Auf einmal erschien er wieder auf meiner Bildfläche. Er lief irgendwem hinterher. Dem Fotografen. Er zog an seinem Ärmel und zerrte ihn in meine Richtung. Oh nein, nein, nein, nein. Er wollte doch jetzt wohl kein Foto machen. Hallelujah. Ich warf schon einmal vorsichtshalber meine Haare in Position und dann stand er vor mir:"Lass uns ein Foto machen." Hilfe, er zerrte den Fotografen extra hinter sich her nur um mit mir ein Foto zu machen?! Es war ein nicht sehr gelungenes Foto. Meine Verwirrtheit war mir deutlich anzusehen. Naja, in Ausnahmefällen darf man scheiße aussehen. Eine Stunde später verabschiedete sich mein Tim. Sein Pegel war schon mehr als erreicht, er konnte sich kaum noch auf den Beinen, geschweigedenn die Augen (auf-)halten. Für mich war das auch wirklich besser, so konnte ich vielleicht noch ein bisschen entspannen, bevor ich ununterbrochen über diese Nacht nachdenken würde. Er kam zu mir und umarmte mich. 30 Sekunden, eine Minute, zwei Minuten. Ja, mindestens zwei Minuten umarmte er mich. Unnormal. Normalerweise konnte seine Abschiedsumarmung gar nicht als Umarmung durchgehen, so kurz und knapp war sie, aber diese....innig....und ich genoss es, sog seinen Geruch in mir ein und ließ mich völlig fallen. ICH GENOSS ES!!! Scheiße. Meine Vorahnung war beängstigend und Manu würde sie am nächsten Morgen bestätigen. "Du bist ja total verknallt in ihn", hörte ich sie ins Telefon schreien. Oh neeeeein. Das wollte ich auf keinen Fall hören, aber ich konnte es nicht abstreiten. Wahrscheinlich war ich das wirklich. "Ich hab das ja schon länger geahnt, aber du solltest es ja selbst merken." Blablabla...das kann ja jeder sagen. Was nützt uns diese Erkenntnis jetzt? Tim will doch diese Uschi (Ja, die ist immer noch aktuell), da kann ich mich doch nich in ihn verlieben. Auch wenn er sich in dieser Nacht etwas komisch verhielt, mein Gott, er war betrunken. Jaaaa, Betrunkene sagen immer die Wahrheit. Blödsinn. Kann das irgendwer beweisen? Hiiiilfeeeeee!!!!! Dieser Abend muss gelöscht werden, gelöscht...hörst du Anna?? LÖÖÖÖÖÖSCHEN!!! Es ist nichts passiert, alles ist wie immer. KEINE Gefühle für Tim. NEIN! Und damit das auch so funktioniert, werde ich nicht weiter darüber reden. Vergiss es Manu, du kriegst nichts mehr aus mir raus!
Es war Weihnachten. Ich saß gerade gemütlich mit meiner Familie am Kaffeetisch, da kam eine SMS von Tim. Nichts Ungewöhnliches...Frohe Weihnachten bla bla. Dachte ich. In Wahrheit war es ein Schock:"Ich war heut Nacht nicht allein." Mein Herz blieb stehen. Scheiße. Egal ob nun Sophie oder eine andere, irgendeine Tussi hatte bei ihm geschlafen und das war verboten! In meinen Augen jedenfalls. Er darf doch nicht...er kann doch nicht...ahhhh.....allein der Gedanke, dass die nur neben ihm gelegen hat, machte mich wahnsinnig. Ich wollte es wissen, ich musste es hören:"Aha?!" Er brauchte keine Minute um zu antworten. Es war wirklich Sophie. Sie hatte bei ihm geschlafen und auch mit ihm geschlafen. Schlampe! "Sie war wie Butter in meinen Händen." Ich habe gedacht ich muss kotzen. Das Fest der Liebe. Musste er das so wortwörtlich nehmen? Kann er so etwas nich für sich behalten? Macht es ihm Spaß mich zu quälen? Ach ja, er wusste ja nichts von meinen entdeckten Gefühlen. Oh man. Einen Lichtblick gab es jedoch. Er sagte, dass es nuuuur Sex war, nichts weiter. Pff...soll er sich doch mit seiner Sophie austoben. Mir doch egal. Ich kann warten. Meine Schokoladentorte befriedigt mich mindestens genauso gut, wenn sie auf meiner Zunge zergeht. Die Liebe Schokolade. Warum greifen Frauen bei Liebeskummer eigentlich immer zu Schokolade? Warum nicht Gurke, Paprika oder sonst irgendein gesundes Zeug? Immer diese fiesen Kalorien. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder man wird geliebt oder man wird nicht geliebt, futtert sich einen Rettungsring an vor lauter Kummer und hat dann noch weniger Chance auf die große Liebe. Frauen haben es echt nicht leicht, aber mein Timmi wird schon noch merken, dass ich die Richtige für ihn bin. Genauso sieht´s aus!
Nun kannten Tim und ich uns schon beinahe zwei Jahre. Silvester 2010. Ich wusste, dass ich nicht zusammen mit Tim ins neue Jahr rutschen konnte, obwohl ich das sehr schön gefunden hätte, aber wir hatten nun einmal beide einen anderen Freundeskreis. Ich kannte Andre, Marcus und die anderen alle, aber es waren nicht mehr als Bekannte. Ich interessierte mich auch nicht großartig dafür eine Freundschaft mit diesen Dödeln aufzubauen, Tim war der einzige, der mich aus diesem Kreis interessierte. Also feierte er mit seinen Freunden und ich mit meinen (wie schon vermutet, nicht in Paris). Natürlich schrieb ich ihm punkt 12 eine bombastische Neujahrs-SMS, mit allem drum und dran, das konnte ich mir einfach nicht nehmen lassen. An mein Handy gefesselt wartete ich auf eine Antwort, welche leider ausblieb. Ich begründete das mal einfach damit, dass Tim wohl schon genauso betrunken war wie ich und einfach keine Lust hatte, sich auf die, im betrunkenen Zustand sehr kleinen, Tasten des Handys zu konzentrieren. Er würde mir sicher Neujahr schreiben, wenn er ausgeschlafen hätte. Nein, auch dies tat er nicht. Also schrieb ich ihm einen Tag später wieder. Ganz unverbindlich. Ich merkte sofort, dass was nicht stimmt. Seine Antworten waren kurz und der Satz darauf war eindeutig:"Ich habe heute keine Lust zu reden, nimm es mir bitte nicht übel!" Ok, kein Problem, das hat er manchmal. Nach einer Weile kannte ich das Spielchen und wusste, dass ich keine Angst haben musste, dass er nur mit mir nicht reden will. Er meinte es wirklich wie er es sagte, er hatte einfach keine Lust zu reden. Ich hatte ihn sogar schon soweit erzogen, dass er nach einer Stunde ungefähr doch mit mir reden wollte, weil er wusste, dass ich darunter litt, wenn er nicht mit mir sprach. Wahrscheinlich konnte er mich einfach nicht leiden sehen. Hach, mein Timmi. Diesmal war es aber anders. Er meldete sich nicht nach einer Stunde und als ich ihm am nächsten Tag schrieb, ob es ihm besser ginge, wurde alles nur noch schlimmer. Er schrieb einfach nur:"Ich trinke Wein, aber frag bitte nicht weiter nach." Na super, das hieß nichts Gutes. Scheiße. Jetzt hieß es Ruhe bewahren. Wenn Tim schlecht drauf war musste ich meine Worte wirklich bewusst wählen, ansonsten war er bockig. Ihr erinnert euch? Er is eine kleine Zicke. Ich entschied mich wirklich nicht weiter zu fragen, also versuchte ich es alternativ und fragte, ob er mir trotzdem etwas erzählen könnte, da ich nicht schlafen konnte. Nein, er brauchte Zeit für sich. Zeit für sich? Das war mir neu. Sowas hatte er noch nie gesagt. Er wusste genau, dass es für mich quasi unmöglich war ihm Zeit für sich zu lassen. Ich bin doch so ungeduldig. Er entschuldigte sich zig mal. So süß, das hat schon fast wieder alles gut gemacht. Ich setzte die liebsten Worte ein, die mir einfielen. Ich sagte ihm, dass ich immer für ihn da bin und dass er mir Bescheid sagen sollte, sobald ich irgendetwas tun könnte. Mehr konnte ich im Moment nicht. So ein Dreck. Ich mochte es gar nicht, wenn es meinem Tim schlecht ging. Erst Recht nicht in solchem Ausmaß. Er erzählte mir immer alles. Warum denn nur diesmal nicht? Hatte es etwa doch etwas mit mir zu tun? Oh man, jeden anderen hätte ich erbarmungslos ausgequetscht. Solange bis er es mir gesagt hätte, aber in dieser Situation war das einzige, was ich wusste, dass ich wirklich geduldig sein musste. Diese blöde Geduld, sie verfolgt mich einfach. Tim hatte sein ganzes Profil bei MeinVZ gelöscht. Kein Bild mehr, kein Text, nichts. Tim L. war leer. Ich hatte wirklich überhaupt keine Ahnung was mit ihm los war. Nicht einmal ansatzweise. Mein Gehirn ratterte auf Hochtouren. Ich ließ die gesamten Vortage Revue passieren, in der Hoffnung, dass ich irgendeinen Anhaltspunkt finden würde. Hatte ihm diese blöde Tussi doch das Herz gebrochen, so, wie ich es prophezeit hatte? Nee, das hätte er mir sicher erzählt. Von Liebeskummer erzählte er mir immer. Obwohl, er mochte es ungern zugeben, wenn ich Recht hatte. Ach man. Es ist zum verzweifeln. Vielleicht war er aber doch in mich verliebt und das war jetzt seine Methode, um mich zu vergessen? Ich kam echt auf die kuriosisten Ideen. Wie konnte er mich nur so im Regen stehen lassen? Tim weiß doch am besten, dass ich mir echt IMMER Sorgen mache. Also Tim, ich hoffe du hast wenigstens jetzt ein schlechtes Gewissen! Ich habe sogar seinen Kumpel Marcus vorsichtig angeschrieben, obwohl ich den überhaupt nicht leiden kann, aber mir war fast jedes Mittel recht, um herauszufinden was los war. Natürlich konnte dieser Dödel mir auch nicht viel weiterhelfen, da war nur eine Kleinigkeit. Tim hatte nicht zusammen mit den anderen Silvester gefeiert und Marcus selbst war nach der Privatparty noch ins 4eck gegangen und hatte da etwas getan, was er besser nicht hätte tun sollen. Da klingelten bei mir schon wieder sämtliche Alarmglocken. Was war wenn Tims super Kumpel mit dieser Uschi rumgemacht hatte? Vielleicht sollte ich mich mal beim CSI bewerben, bei solch einer blühenden Phantasie. Nein, mal im Ernst, diese Variante kam mir nun wirklich etwas absurd vor. Also stand ich immer noch bei Null. Ab und an kam Tim mit seinem leeren Profil online. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer es war ihn nicht anzuschreiben. Ich hoffte so sehr, dass er endlich reden würde. Als ich so vor meinem Computer saß und wartete kamen die ersten Zweifel. Was war wenn er einfach darauf wartete, zum Reden gezwungen zu werden? So sind Frauen doch auch, sagen sie wollen nicht reden, aber wenn sie in Ruhe gelassen werden ist es auch nicht richtig. Es war wirklich zwecklos. Ich wusste einfach nicht, was das richtige war. Vier Tage waren schon vergangen, ohne ein einziges Wort.
Eigentlich wollte ich ja noch viel länger aushalten, aber es ging einfach nicht. Am 5. Tag schrieb ich ihm. Ich fragte, ob es ihm besser ginge und dass es mir leid tue, dass ich nicht länger ausgehalten hatte. Keine Antwort. Es ging mir schon richtig schlecht. Ich wusste, dass er wegen irgendetwas leidet, ich leidete mit. War das Liebe? Also nein, darüber diskutieren wir ein anderes Mal. So ein blöder Egoist. Ich könnte heulen. Vor Wut und Traurigkeit. Einen Tag darauf schrieb ich noch einmal, dass ich mir Sorgen machte. "Brauchst du nicht.", schrieb er. Mehr nicht. Der spinnt doch echt völlig. So ein blöder Spruch, da hätte er mir auch gar nicht antworten brauchen. Er schien einfach nicht zu verstehen, was er mir da antat. Ich wollte ihm doch nur helfen, was Tim scheinbar nicht wollte. Er wollte nicht reden. Immer redete er mit mir. Ich konnte es nicht verstehen. Dadurch machte er alles kaputt. Sich selbst, mich, unsere Freundschaft. Ich war völlig fertig. Klare Gedanken fassen war echt nicht möglich. Eigentlich war ich selbst ja auch völlig bescheuert. Selbst Schuld, wenn ich das alles so an mich ran ließ. Ist doch nicht mein Problem, denn will er eben nicht reden, sein Problem. So einfach ging das aber nicht. Ich konnte es nicht. Tim war in meinem Kopf fest verankert. Er wollte da einfach nicht mehr raus. Ich wurde schon sauer auf mich selbst. Es sind doch nur bescheuerte Gefühle, die muss man doch los werden können. Die Frage ist nur wie. Ich hatte mir wirklich fest vorgenommen, dass Tim mich jetzt nicht mehr aus der Bahn werfen konnte. Sollte er doch seine Probleme selbst bewältigen, mir egal, aber dann kam Tag 7.
Mir ging es nicht gut, nicht nur wegen Tim, irgendwie holte mich die Vergangenheit ein. Ich hatte mal wieder mit Micha geschrieben, natürlich in Franzis Namen. Er erzählte "ihr", dass er sich nicht wieder bei mir melden würde. Das tat weh. Das letzte bisschen Hoffnung war nun auch erloschen. Micha war Vergangenheit und ich lebte damit in der Vergangenheit. Fragt mich nicht, was ich so an ihm fand, aber ich konnte einfach nicht loslassen, was mich sehr belastete.
Hinzu kam, dass alle anderen ihre Probleme auf meinem Rücken ablegten. Sarahs Familie machte sich Sorgen, dass sie mit der ganzen Mutterrolle überfordert sei und sich, wie ihre Mutter auch, etwas antun könnte. Ich sollte nun dafür Sorgen, dass das nicht passiert. Ich frage mich, was machne Leute so denken, ich bin doch nicht Gott. Warum ich? Ich bin wirklich gern für die Probleme anderer da, aber bei einer Sache bin ich der falsche Ansprechpartner: Selbstmord. Wahrscheinlich hätte ich sogar nicht mal damit ein Problem, aber in meiner Familie ist Selbstmord eine gängige Art sich aus der Verantwortung zu ziehen und deshalb bin ich da wirklich nicht der richtige Ansprechpartner. Außerdem, merkt denn niemand, dass ich genug mit mir selbst zu tun habe? Nein, niemand merkt es. Hauptsache alle anderen werden ihre Probleme los. Doch einer merkte es, mein Timmi. Da war es wieder, dieses Gefühl. Ich wurde aufgefangen. Mal wieder von Timmi. Er fragte mich was mit mir los war. Mehr nicht für´s Erste. Trotzdem konnte ich ihm schon jetzt nicht mehr böse sein. Er hatte sein Schweigen aufgegeben, um sich um mich zu kümmern. Er hatte einfach diese Wirkung. Diese "Ich-bin-immer-für-dich-da-Wirkung". Ja, scheinbar war er das, aber ich hatte keine Lust zu reden. Ich glaube, ich wollte ihn ein bisschen mit eigenen Mitteln schlagen. Er sollte wissen, wie es mir ging, als er nicht mir mir redete. Leider kannte er mich schon zu gut, er wusste genau, dass ich darauf anspielte. Hm, eigentlich dürfte ich gar nicht "leider" sagen, denn der Text der danach kam war Balsam für meine verletzte Seele :
"Nimm dir das nicht so zu Herzen, wenn ich nicht darüber reden will. Es ist halt einfach, dass ich damit klar kommen muss, aber ich muss dir danken, du bist eine sehr gute Freundin, auch weil du es gemerkt hast, dass es mir nicht gut geht. Sind nicht viele die das erkennen. Danke. Ich hab dich lieb."
Sobald ich das Ende der Nachricht gelesen hatte brach ich in Tränen aus. Tränen der Freude und Tränen der Verzweiflung. Ihr könnt wahrscheinlich nicht verstehen, warum mir diese Nachricht so viel bedeutete, aber solche Worte kommen nicht oft von Tim und wenn er sie benutzte, dann entsprachen sie auch wirklich dem, was er dachte und fühlte. In dem Moment war mir klar, dass die Gefühle, die ich mir für Tim einbildete keine Einbildung waren. Sie waren wirklich da. Ich konnte es nicht mehr leugnen, ich war in Tim verliebt. Jetzt ist wahrscheinlich der Moment da, um die Tränen der Verzweiflung zu erklären. Er sagte, ich wäre eine sehr gute Freundin. Ja, eine sehr gute Freundin. Mehr nicht, wahrscheinlich. Ich bin doch echt am Arsch. Ich krieg nie das, was ich will. So ein Mist. Aber noch ist nich aller Tage Abend. Er wird schon noch merken, dass ich der Weg zu seinem Glück bin. Also beschloss ich, dass es einfach nur Tränen der Freude waren. Er kümmerte sich aber auch wieder sooo niedlich um mich. Ich rückte immer noch nicht mit der Sprache raus, hatte ich auch in Zukunft nicht vor. Er sagte, ich solle mich nicht kaputt machen, sondern vorher lieber mit ihm reden und dass er mein Freund war, um mich auch bei Problemem zu unterstützen. Oh Gott, was würde ich alles drum geben, wenn er doch endlich schnallen würde, dass ich genau die bin, die er braucht. Zum Schluss sagte er mir noch einmal, dass er es nicht ertragen kann, wenn ich so ein Gesicht ziehe und dass er mich lieb hatte. Er sagte es schon zum zweiten Mal in nur einem Gespräch. Hilfe, das war ein Wunder. Da musste doch einfach irgendetwas zwischen uns sein. Es musste. Ja ja, ich sollte mir keine Traumwelt bauen, aber das war so eine schöne Welt. Ach ja, was sein Problem war weiß ich übrigens immer noch nicht hundertprozentig, aber ich kann es mir denken. Es ging wie schon vermutet um diese blöde Tussi. Das war die einzige Möglichkeit, denn Basti sagte, dass der Moment schön war, aber es ihn immer wieder einholen wird, dass es nur ein Moment ist und nicht die Ewigkeit. Also musste es das sein. Ich hatte so einen Hass auf diese Trulla. Sie hat es nicht verdient seine Nähe zu spüren, weil sie ihn nämlich nicht will. Ich will ihn. Mir ging schon wieder so viel durch den Kopf. Ich wollte nur noch kurz meine mails checken und dann einfach ins Bett. Da war es:"Tim L. hat auf deine Pinnwand geschrieben". Damit hatte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet. Noch etwas, warum ich Tim so sehr mochte, er überraschte mich immer wieder. Also loggte ich mich nochmal schnell bei MeinVZ ein. Ich war so gespannt. Da stand es:"Kopf hoch Kleene, egal was es ist, nimm es dir nicht so zu Herzen." Er ist ein Schatz, ein absoluter Schatz. Was anderes kann man dazu gar nicht sagen. Ich wusste genau was er damit bezwecken wollte, ich sollte lächeln. Ja, das hat er auch geschafft. Wie schafft er das nur immer, bei seinen eigenen Problemen auch noch andere wieder zum lächeln zu bringen. Er ist ein unglaublicher Mensch. Etwas ganz besonderes. Nach dieser emotionalen Offenbarung seinerseits stand ich wieder am Anfang. Alles in meinem Kopf drehte sich um Tim. Ich wollte, dass das endlich aufhört. Umso länger wir uns kannten, umso zugänglicher wurde Tim und das machte es mir nicht gerade einfacher ihn zu verdrängen und den Wunsch, auch ohne viel Kontakt zu ihm zurecht zu kommen, zu realisieren. Erst Recht nicht, wenn es nichts gab, was ich ihm vorhalten konnte und weswegen ich mir einreden konnte, dass er nicht gut für mich war. Auch wenn ich es nicht einsehen wollte, Tim war Balsam für meine Seele und ich brauchte ihn. Mein Gott, ich weiß schon was für eine Predigt mir blüht, wenn er das liest und er hat mal wieder Recht. Mein lieber Tim, ich möchte wirklich nicht von dir abhängig sein, aber du verstehst mich eben so gut und du bist irgendwie der Wegweiser durch mein bzw. das Leben. Manchmal möchte ich das gern ändern, da ich davon ausgehen muss, dass uns nicht dieselben Gefühle verbinden, aber es geht nicht. Ja, genau da liegt das Problem. Tim bedeutet mir mehr als ich ihm. Er bezeichnet mich als eine sehr gute Freundin, was auch ein komisches, warmes Gefühl in mir auslöst, aber das ist trotzdem nicht die Bezeichnung, die ich für ihn finden würde. Für mich war er viel mehr.
Es ging mir wirklich schlecht. Dieses Gespräch mit ihm ließ nur in den ersten Minuten sämtliche Probleme verblassen, aber sobald der rosa Schleier vor meinen Augen wieder verschwunden war waren sie alle wieder da. In den letzten Monaten waren meine größten Probleme eigentlich Tim und meine Familienverhältnisse. Jetzt nicht mehr. Jedenfalls nicht hauptsächlich. Die grauen Wolken über mir, die Tim betrafen, spielten keine Hauptrolle mehr. Sie kamen nur noch als Nebeneffekt eines ganz anderen Problems zum Vorschein. Ich fühlte mich leer und nutzlos, allein und krank. Ja, ich glaube wirklich, dass ich krank war. Psychisch. Ich war allein, hatte keine richtige Familie und konnte mir auch keine eigene aufbauen (hier kommt der Nebeneffekt Tim). Meine Eltern hatten sich getrennt als ich 14 war, damals für mich kein Problem. Als Teenie sieht man nur die positiven Seiten: doppelte Geschenke und nur noch eine Person, die einem etwas zu sagen hat. Umso älter ich wurde, umso mehr merkte ich wie zerrüttelt meine Familie wirklich war. Ich hatte nur meinen Papa und meine Oma, auf die ich wirklich zählen konnte. Meine Mutter gab es für mich schon lange nicht mehr. Nachdem ich ausgezogen war, wir uns deshalb um mein Kindergeld stritten und sie Sarahs Vater kennenlernte gab es für uns keine Rettung mehr. Wir distanzierten uns immer weiter von einander, es gab nichts mehr zu reden. Ja, einige Monate redeten wir sogar gar nicht, weil sie mir unterstellt hatte, dass ich nur Weihnachten bei ihrem Tadäus gefeiert habe, um das Geld von Sarahs Oma abzustauben. Es hat mich tief verletzt, dass sie so etwas von ihrer Tochter dachte und diese Wunde wird auch nie wieder komplett heilen. Im Moment leben wir nebeneinander her, wenn wir uns sehen versuchen wir mit einander auszukommen, um meiner Schwester willen, aber wenn wir uns nicht sehen sind wir uns auch nicht böse. Die letzten Wochenenden habe ich immer bei Matze geschlafen, um meiner Mutter nicht zu begegnen. An einem Abend offenbarte er mir, dass ich heute nicht bei ihm schlafen konnte. Ich brach in Tränen aus. Ich wollte nicht nach Hause, ich wollte nicht zu meiner Mutter, ich fühlte mich bei Matze zuhause, nicht bei meiner Mutter. An diesem Abend wurde mir das erste Mal bewusst, wie kaputt das Verhältnis zu meiner Mutter wirklich war.
Meine Schwester ist anders als ich. Sie hat von Anfang an unter der Trennung unserer Eltern gelitten. Wenn wir meinen Vater besuchten und dann abends wieder fahren mussten brach sie regelmäßig in Tränen aus. Genau wie ich jetzt, wünschte sie sich schon damals wieder eine heile Familie. Das ging sogar so weit, dass sie die nötige Aufmerksamkeit einforderte indem sie eine Essstörung bekam. Ja, in den Sommerferien 2008 durften wir sie im Krankenhaus besuchen, mit 36 kg bei 1,65 m. Irgendwann besserte sich das Ganze wieder, aber nur bis Sarahs Vater kam. Er ist ein netter Mann, da kann man nichts sagen, für seine Töchter auch sicher ein guter Vater, aber für uns war es nicht gut, dass unsere Mutter und er zusammen kamen. Auch meine Schwester kam nicht mehr mit ihrer "neuen" Mutter zurecht. Besonders nicht, weil sie ihr mich weggenommen hatte. Klar, Michelle bekam alles mit, was zwischen mir und meiner Mutter passierte und sie fing an, sie dafür zu hassen. Also war ich jetzt ihr Ansprechpartner. So, da wären wir schon bei Nummer 4. Neben den Problemen mit Sarah, Problemen meiner Freunde und meinen eigenen durfte ich mich jetzt auch noch um einen pubertierenden Teenager kümmern. Ich bin wirklich gern für andere da, aber ich konnte einfach nicht mehr. Ich brach unter der Last zusammen. Meine Tage bestanden nicht mehr aus Freude, ich ging zur Arbeit, kam nach Hause und ging schlafen. Am Wochenende setzte ich eine freudige Miene auf, ging auf Partys und verkrümelte mich ins Bett sobald ich zuhause war. Was war das für ein Leben? Gar keins, richtig, ich fühlte einfach nicht mehr das Leben in mir. Als mein Onkel sich umbrachte schrieb er in seinem Abschiedsbrief, dass er keinen Grund mehr sehe am Leben zu bleiben, dass er keine Aufgabe mehr hatte. Ich konnte das damals nicht verstehen, dass Leben hatte doch immer wieder etwas Neues auf Lager. Er hatte eine Tochter, zumindest darin hatte er doch eine Aufgabe. Mittlerweile kann ich ihn verstehen und das macht mir große Angst, besonders weil in unserer Familie der Selbstmord gern mal als Methode zum Sterben gewählt wird. Es geht nicht darum, dass das Leben uns keine neuen Möglichkeiten gibt, sondern darum, dass uns diese einfach nicht ausfüllen, uns nicht befriedigen. Genau so geht es mir jetz. Ich bin nicht zufrieden. Ich möchte, dass alles wieder wie früher ist, dass ich eine richtige Familie habe, geliebt werde. Ich möchte in meinem Leben etwas erreichen, aber ich sehe keine Chance dazu. Ich habe keine Hoffnungen mehr. Das Einzige, was meinen Onkel und mich noch unterscheidet ist, dass er so verzweifelt war, dass er die Menschen, die er liebte allein lassen konnte, das kann ich nicht. Ich kann nicht ohne meinen Papa, ohne Matze, ohne Tim, ohne meine beiden Mauschis und den Rest meiner zerbröckelten Familie leben und ich möchte nicht die Erinnerungen verlieren, die ich noch habe. Die Erinnerungen an ein Leben in dem ich Spaß hatte, ein Leben in dem ich zufrieden und glücklich war, wo mich nichts quälte außer ein paar Teenie-Probleme. Ein Leben in dem ich gelebt habe. Ich wünsche mir so sehr, dass jemand merkt, wie schlecht es mir wirklich geht, damit ich mich nicht selbst in die Klappse einweisen muss. Ist doch blöd oder? "Hallo, ich bin Anna. Ich glaube, ich bin nicht mehr ganz dicht. Also entweder sie helfen mir oder ich werde mich irgendwann umbringen." Das doch mal ´ne Ansage. Nee, Leute. Mal ehrlich, wenn ihr dieses Buch lest und ich immer noch keine therapeutische Hilfe bekomme, fragt mich bitte, ob es mir immer noch so schlecht geht und wenn ja, sorgt dafür, dass ich eine Therapie anfange.
Wie jeden Morgen während der Woche klingelte um acht mein Wecker. Automatisch schaue ich immer zuerst auf mein Handy. Eine neue Nachricht. Normalerweise kam die von Matze, der mir einen guten Morgen wünschte, aber an diesem Morgen war sie von Tim und der Inhalt war komisch:"Hallo Anna, ich brauche mal deine Adresse." Dafür konnte es nur zwei Erklärungen geben, entweder wollte er mich spontan besuchen kommen, um zu sehen, wie schlecht es mir wirklich geht, oder er wollte sie sich schon mal für Afganisthan aufschreiben, aber eigentlich war es dafür noch zu früh, denn wir hatten gerade mal Januar und Tim sollte erst im März weggehen. Tja, falsch gedacht. Tim wollte meine Adresse für Afganisthan, weil er doch schon früher gehen sollte. Na super. Jetzt musste ich mir darüber auch noch Gedanken machen. Ich hatte die ganze Zeit, seitdem ich wusste, dass er in diesen Einsatz muss gehofft, dass er im Endeffekt doch nicht gehen würde und nun sollte es auch noch früher sein als geplant. Hinzu kam noch, dass Tim nicht einmal wusste, ob wir uns davor noch einmal sehen würden. Das war echt zu viel. Ich musste Timmi doch wenigstens Tschüß sagen können. Außerdem konnte er doch nicht ohne mein Geschenk weggehen. Ich hatte ihm Briefpapier gekauft. Wenn er das auspackt, wird er zwar denken, dass ich völlig bescheuert bin, aber wenn man schon mal einen Brief schreibt kann man jawohl auch schönes Briefpapier benutzen. Am wichtigsten war mir jedoch ihn noch einmal zu drücken. Ich hatte Neujahr einen sehr bösen Traum. Ich habe geträumt, dass ich dieses Jahr wieder einmal bei irgendeiner Beerdigung sein würde. Jetzt, wo Tim mir sagte, dass es nun bald soweit sein würde, fiel mir mein Traum wieder ein. Man will ja nicht den Teufel an die Wand malen, aber man weiß nie was kommt, ich hatte gerade erst in den Nachrichten gehört, dass man damit rechnen muss, dass die Bundeswehr in Afganisthan in den nächsten Wochen noch mehr unter Beschuss geraten wird und gerade jetzt muss Tim dahin. Ich habe wirklich Angst um ihn.
Liebe ist so verdammt ungerecht. Eigentlich wollte ich nur von Tim wissen, ob er sich seiner Sache, was Afghanistan betrifft, immer noch so sicher war. Was bekomme ich stattdessen? Liebeskummer. Zwar bereute er seine Entscheidung für den Einsatz ein wenig, aber nicht nur, weil seine Freunde über den monatelangen Verlust traurig waren, viel mehr, weil er seine blöde Sophie nicht sehen konnte. Mein Gott ey, er hatte nur noch diese Frau im Kopf, was mir nicht neu war, aber dieses Mal traf mich der Schlag. Er sagte mir, dass er sie so sehr lieben würde, wie schon lange niemanden mehr. Trommelwirbel....3,2,1...da kamen die Tränen schon wieder. Wissenschaftler sagen ja immer, dass ein erwachsener Mensch mindestens 2l Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen soll. So viel, wie ich im Moment heulte musste ich sicher schon das doppelte trinken. Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass das mit Sophie auch nur eine Phase sei, wie bei seinen anderen Verliebtheiten, aber nein, diesmal war es sein Ernst. Er liebte diese Frau, nicht mich. Trotz dem ich bei diesem Gedanken so sehr litt durfte ich mir nun noch über Stunden anhören, wie toll sie doch war und wie traurig er doch sei, dass sie ihn nicht wollte. Diese ganzen blöden Details, sie sei so schön, perfekt für ihn, sie merke immer, wenn es ihm nicht gut ginge und so weiter. Erinnert ihr euch noch? Zu mir hatte er auch gesagt, dass ich immer wüsste, wenn es ihm schlecht ginge, aber ich bin ja nur die blöde, sehr gute Freundin. Die Olle hat nichts, gar nichts. Sie sieht weder gut aus, noch hat sie einen so tollen Charakter, wie er immer sagt. Kann sie gar nicht haben, denn sonst würde sie ihn nicht so verletzen. Ich mein, Hallooooo, sie steigt mit ihm in die Kiste ohne in ihn verliebt zu sein, jedoch mit dem Wissen, dass er es ist. Am liebsten würde ich ihr etwas ganz furchtbar schlimmes antun und Tim gleich mit, dafür dass er nicht merkte, wie dumm er sich verhielt. Da ich ja die liebe, zuhörende und ratgebende Freundin sein musste hörte ich mir das Elend brav zu Ende an und erklärte ihm dann, dass es ihm sicher gut tun würde in Afghanistan ein wenig Abstand von ihr zu gewinnen. Darauf erwiderte er doch allen Ernstes:"Das sehe ich ein wenig anders. Der Gedanke an sie lässt mich zurückkommen. Ich will sie wiedersehen und deswegen werde ich noch ein wenig mehr auf mich aufpassen." Sehr witzig. Konnten wir jetzt dankbar sein, dass Tim sich wegen ihres Daseins nicht erschießen lässt? Es ist so lächerlich, täte es nicht so verdammt weh würde ich mich auf dem Boden rollen vor lachen. Ich wünschte er würde so von mir reden. Er bräuchte nur die Augen aufmachen und sich einmal umschauen. Da würde ich stehen, sein Glück, die Frau die ihn liebt und seine Gefühle nicht benutzt. Er ist so fixiert auf diese alte Hexe. Furchtbar. Ich bin immer gut damit zurecht gekommen nur Tims Freundin zu sein, ich höre mir auch gern seinen Liebeskummer an (schließlich ist das ein Zeichen dafür, dass es mit der Auserwählten nichts wird und ich ihn nicht teilen muss), aber das jetzt war auch für mich ein bisschen zu fett. Ich hatte zwar über Monate geübt mir nichts anmerken zu lassen, aber da hatte er auch nie gesagt, dass er jemanden liebte. Moment mal, was war denn jetzt mit meinem Briefpapier? Ich schenkte ihm doch nicht MEIN Briefpapier, damit die Olle darauf wöchentlich Timmis Liebeserklärungen erhalten würde. Das war für meine Briefe von ihm gedacht. Ausschließlich meine. Soweit kommt das noch. Ich unterstütze doch nicht seine Dummheit. Und überhaupt, ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich war froh, dass Tim nach Afghanistan ging und ich legte auch keinen Wert mehr darauf täglich einen Brief von ihm zu bekommen. Naja gut, ein Land in dem nicht so viele Menschen erschossen werden hätte es auch getan, aber mir würde es auch gut tun Abstand von ihm zu gewinnen, denke ich jedenfalls im Moment. Lange konnte ich meine Fassade wirklich nicht mehr aufrecht erhalten. Ich hätte ihm so gern an den Kopf geknallt, dass er sich bei jemand anderem ausheulen soll, dass ich es nicht mehr aushalte, dass er gar nicht merkt, welche Wunden er auf meiner Seele hinterlässt, aber das ging nicht. Ich wollte ihn doch nicht verlieren.
Wisst ihr, wenn man normalen Liebeskummer hat vergeht der normalerweise wieder, weil dieser Idiot, der uns nicht verdient und der ein totales Arschloch ist, sich einfach wieder aus unserem Leben verzieht. Er geht so plötzlich wie er gekommen ist, aber wenn aus Freundschaft Liebe wird ist das schwieriger. Man kann nicht einfach getrennte Wege gehen. Man hat diesen Menschen bereits kennen gelernt, teilt Erinnerungen mit ihm und ist immer füreinander da.Wenn man dann aufeinmal Gefühle entwickelt, die nicht erwidert werden kann man sich nicht einfach aus der Affaire ziehen, so gern man es auch möchte. Genauso geht es mir mit Tim. Er erwidert meine Gefühle nicht (kann er ja auch nicht, weil er nichts von ihrem Dasein weiß und selbst wenn, ich bin sicher, dass er auch IRGENDETWAS für mich empfindet) und da ich (s)eine Freundin bin kann ich nicht einfach alles hinschmeißen. Will ich auch gar nicht, da ich weiß, was für ein toller Mensch Timmi ist. Trotzdem tut es weh, besonders weil man tagtäglich an seine Gefühle erinnert wird. Mit jedem Tag den man sich länger kennt wird es unmöglicher sich zu trennen, weil man sich jeden Tag noch mehr zu schätzen lernt. Ich liebe Timmi. Aufgrund seiner inneren Werte, nicht der äußeren. Genau deshalb weiß ich, dass es Liebe ist. Es ist Neuland für mich Gefühle für jemanden zu entwickeln, den ich anfangs nicht attraktiv fand. Das ist der springende Punkt: Anfangs.
 "Nicht die Schönheit entscheidet wen ich liebe, sondern die Liebe entscheidet wen ich schön finde."
Das ist die Wahrheit, das ist Liebe.
Gerade weil man als Freunde nicht einfach Abstand voneinander gewinnen kann ohne das das Geheimnis der heimlichen Liebe auffliegt, weil es ja einen Grund für die plötzliche Distanz geben muss, war ich froh über Tims kleinen, großen Trip.
Mittlerweile war das schon wieder anders, denn Tim hatte andere Vorstellungen von seinen letzten Tagen als ich. Wie schon gesagt, wusste er noch nicht genau wann es losgehen würde, nur dass es nicht erst im März sein würde. Jetzt hatten wir Ende Januar. Also dachte ich, ich melde mich rechtzeitig an, um ihm auf alle Fälle noch Tschüß sagen zu können. Denkste Puppe. Es würde keinen Abschied geben, keinen einzigen. Er wollte sich von niemandem verabschieden, erst Recht wollte er mein, vor Trauer verzogenes, Gesicht nicht sehen. Das waren ja wieder top Nachrichten. Es vergeht wirklich nicht ein Tag in meinem Leben, an dem ich nicht wütend, traurig oder verzweifelt war. An diesem Tag war ich alles drei gleichzeitig. Wie immer ging es auch noch schlimmer. Ich fragte ihn nach seiner Adresse hier in Deutschland, wenn ich ihn schon nicht mehr drücken durfte sollte er wenigstens mein Geschenk noch vor dem Abflug erhalten. Fehlanzeige. Nicht einmal das wollte er, er wollte nichts, was in irgendeiner Weise mit Abschied zu tun hat. Jetzt kommt das Schärfste. Er würde mir nicht einmal sagen, wann es losgehen würde. Er wollte sich einfach so aus dem Staub machen. Ohne ein Wort. Tolle Idee Timmi. Blöder Egoist. Er schrieb mir, er würde ja wiederkommen, es wäre alles nicht so wild. Woher wollte er das wissen? Er konnte nicht wissen, ob er wiederkommen würde. Ich hoffte es wirklich, aber man kann nie wissen, was passiert. Also wie konnte er gehen, ohne mich vielleicht ein letztes Mal zu umarmen? Klar, ich bin ein Sentimentalitätsbündel, aber das war wohl wirklich nicht zu viel verlangt. Und er brauch mir auch nicht erzählen, dass er sich von seiner Schlampe (oops, das mein ich natürlich nich so) nicht verabschieden würde. Also konnte er es auch von mir. Er musste einfach. Das würde ich beim besten Willen nicht überstehen.
Für die nächsten Tage war ich erst einmal ziemlich abgelenkt von dem Drama um Tim. Matzes Geburtstagsparty stand an und damit auch ein Wiedersehen mit Chris. Chris is furchtbar hübsch, so hübsch, dass es schon fast weh tut ihn anzusehen. Ich brauche ihn nur von Weitem zu sehen und bekomme Gänsehaut und ein verdammt ausgeprägtes Kopfkino. Leider Gottes ist Chris Matzes bester Freund und für mich damit quasi tabu. Matze kann es nich leiden, wenn ich scharf auf seine Freunde bin, was ich gut verstehen kann, ich mag es auch nicht, wenn er meine Mädels anbaggert. Chris und ich sehen uns nicht oft. Wir sehen uns nur, wenn er bei Matze zu Besuch ist und ich zufällig auch da bin. Wie gesagt, in Matzes Anwesenheit ist er tabu. Also hoffe ich schon lange darauf, dass ich mal mit Chris allein sein würde. Bisher war das nur, wenn wir eine rauchen gingen und Matze mal ausnahmsweise keine Lust hatte, was nicht oft vor kam. Diese (maximal) fünf Minuten genoss ich dann immer sehr, leider waren sie jedes Mal viel zu schnell vorbei.Vor kurzem verwirrte Chris mich jedoch ein bisschen. Er hielt sich nicht so zurück wie sonst. Normalerweise gibt es zwischen uns kaum irgendwelche unnötigen Berührungen, damit Matze nicht auf dumme Ideen kommt. An diesem Tag schlief er neben uns auf der Couch (er hatte mal wieder zu viel getrunken). Chris merkte, dass meine Hände kalt waren und nahm sie tatsächlich in seine. Er hielt mir die Hände, die ganze Zeit. Im Vorbeigehen haute er mir dann mal eben auf´n Po und nur solche Geschichten. Ich konnte mir das nicht erklären, zu mal er eine Freundin hatte. Was soll´s, ich ignorierte es so gut ich konnte, innerlich war ich jedoch weich wie Butter. Es kam mir auch eigentlich ganz gelegen von Tim abgelenkt zu werden. Dadurch das wir uns aber eben nicht oft sahen und auch nicht viel schrieben war die Hysterie auch schnell wieder verflogen.
An Matzes Party sollte es aber noch ein bisschen mehr knistern. Gott, schon wenn ich nur daran denke bekomme ich ein heftiges Kribbeln im Bauch. 20.00 Uhr musste Matze im Gemeindehaus sein, um die ersten Gäste zu begrüßen. Chris sollte eigentlich mit ihm zusammen dort hin fahren. Allerdings war der noch bei seiner Freundin, die er irgendwohin fahren sollte. Sie brauchte scheinbar ein bisschen zu lange im Bad, sodass Chris es nicht pünktlich zu Matze schaffen würde. Ich wollte mit Manu erst gegen halb zehn zur Party. Also blieb Matze nichts anderes übrig, als Chris bei mir mitzuschicken. Ich allein mit Chris in einem Auto. Die Freude war riesig. Endlich sollte ich mal ein Weilchen mit ihm allein sein. Natürlich holte ich Chris zuerst ab und danach Manu. Als ich bei Matze zur Tür rein kam, kam mir Chris schon entgegen, mit den Worten:"Verdammt siehst du heiß aus." Dankeschön. Wir fuhren also los. Ich nahm so viele Umwege wie möglich (Chris kannte sich in unserem Ort nicht aus, also ging das gut) und hielt noch an der Tankstelle, um Zigaretten zu holen. Manu war wie immer zu spät, was mir in dieser Situation sehr gelegen kam. Ihr versteht schon. Wir unterhielten uns einfach wunderbar, nicht so gezwungen wie sonst, wenn Matze dabei ist. Als wir dann vor Manus Tür im Auto saßen und warteten nahm Chris auf einmal meine Hand, mit der Begründung, er wolle nur sehen, ob meine Hände wieder so kalt waren. Natürlich waren sie das. Also hielt er wieder meine Hände, streichelte sie und wir unterhielten uns schnell auf einem Niveau, das wirklich nur noch mit flirten zu tun hatte. Irgendwann kam Manu dann und wir konnten los. Zum Ausparken brauchte ich natürlich beide Hände, leider und ich dachte mir auch, dass es Chris vielleicht lieber war, wenn das unser kleines Geheimnis bleiben würde. Während der Fahrt versuchte ich es dann aber doch und legte ihm einfach meine Hand auf den Schoß. Zu meiner Verwunderung nahm er sie und hielt sie fest. Von hinten zwickte mich Manu in die linke Seite. Ich vermute mal, sie glaubte mir nicht, als ihr damals erzählte, er hätte meine Hand gehalten. Jetzt sah sie es mit eigenen Augen. Bei der Party angekommen fragte ich Chris, wo wir uns hinsetzen wollten. Er drückte mir seine Jacke in die Hand und sagte:"Such dir was aus und reservier mir einen Platz neben dir." Aber gerne doch. Mir war klar, dass ich an dem Abend nicht mehr viel von Chris haben würde. Es waren einfach zu viele Leute da und Chris ist eher selten bei uns, also rissen sie sich förmlich um ihm. Seine Jacke allerdings war bei mir und jedes Mal, wenn er sie brauchte, brachte er sie wieder zu mir, als wäre ich seine Freundin, die auf seine Jacke achtete. Herrlich. Zwischendurch machte ich noch schnell ein Foto mit ihm, um die Erinnerung an sein wunderschönes Gesicht auch auf Papier zu haben. Chris mit einer leichten Solariumsbräune, die neben meiner vornehmen Blässe und seinen blonden Haaren beinahe südländisch wirkte. Der Kontrast zwischen unseren Hautfarben war enorm groß, gegensätzlich, aber Gegensätze ziehen sich an.Wirklich ein sehr schönes Foto, wir sehen beide perfekt aus, ein Wunder. In meinem Gesicht war kein einziger Pickel zu finden. Und Chrissis perfekte Augenbrauen. Jede Frau wäre stolz, hätte sie solche wunderbar geformten Augenbrauen. Das Einzige was sein Antlitz ein bisschen trübte waren diese riesigen, völlig übertriebenen Panzerketten, die seinen Hals und sein Handgelenk schmückten. Naja, aber man muss ja auch Abstriche machen können. Der ganze Rest entschädigt ausreichend.
 Ab und an brachte er mir Getränke und streichelte mir über den Rücken. Ich genoss seine Nähe, aber bildete mir nichts ein, sein Alkoholpegel stand schon auf Hochwasser. Manu war auch ziemlich betrunken, also traten wir schon gegen halb drei die Heimreise an. Ich allerdings musste Matze und Chris später noch abholen, wenn alle Gäste gegangen waren. Einerseits fand ich das natürlich nicht so berauschend, denn wenn man ständig mit einem Anruf rechnet fällt es nicht leicht zwischendurch noch ein wenig zu schlafen. Andererseits, Schande über mein Haupt, hoffte ich, Chris Betrunkenheit noch ausnutzen zu können. Matze hatte noch ein Mädel dabei, was bei ihm schlafen würde, also was spricht dagegen, wenn ich dem armen, einsamen Chris auf der Couch Gesellschaft leisten würde, weil ich viel zu müde war, um noch nach Hause zu fahren? Gegen viertel vor fünf kam dann mein Startsignal. Es ging mir beschissen. Ich bekam die Augen kaum noch auf. Nur schnell eine Jogginghose überschmeißen und ab ins Auto. Als ich wieder im Gemeindehaus ankam war Chris auf seinem Stuhl schon eingenickt. Ich setzte mich daneben, denn Matze war noch lange nicht so weit. Ich weckte Chris, der Matze sofort zu ein bisschen mehr Tempo anheizte. Dann trat er aufeinmal hinter mich und fing an mich zu massieren:"Du bist schon sehr müde, ne?","Ja!", "Dann setz dich doch schon mal ins Auto". Sehr witzig, ich hatte nur einen Dreitürer und da meine Rückbank ja voll verplant war musste ich noch auf die anderen warten. Chris und ich gingen schon zum Auto, Matze war mittlerweile auch schon draußen und verabschiedete sich von den Übriggebliebenen, was allerdings auch noch dauerte. Ich lehnte mich an Chris Schulter an und er nahm mich in den Arm. Matze war nicht aus der Ruhe zu bringen, also setzte Chris einen forscheren Ton an:"Matze, halt jetzt die Fresse und setz dich hier rein." Das Chris Matze anschreit ist wirklich sehr ungewöhnlich, die beiden sind eigentlich unzertrennlich. Hach, er verteidigte mich oder eher meine Müdigkeit, was für ein Schatz. Bevor wir dann aber los konnten stritten sich die beiden noch wer vorne sitzen würde. Ich war natürlich für Chris und so kam es dann auch. Während der Fahrt musste ich von meinem Plan gar keinen Gebrauch mehr machen. Chris schlug von selbst vor, dass ich ja in Kuhstorf schlafen könnte. Langsam war ich wieder hellwach. Ich musste ja auf alles vorbereitet sein. Zuhause angekommen zog Chris sich sofort seinen Pullover aus. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Mein Gott, was für ein Körper. Matze verschwand sofort mit Marie in seinem Schlafzimmer. Nun waren Chris und ich wieder allein und schwuppsdiwupps hatte er nur noch seine Boxershorts an. Auf einmal war mir verdammt heiß. Als er dann dort so vor mir stand in seiner ganzen Pracht hätte ich mir am liebsten die Klamotten vom Leib gerissen und mich ihm auf einem Silbertablett angeboten. Frauen sind eben auch nicht besser als Männer. Wir stöhnen immer, wenn sie irgendeiner Frau, die hübscher ist als man selbst hinterher guckten, aber in diesem Moment dachte ich auch an nichts anderes mehr als Sex. Ich konnte meinen Blick kaum noch von ihm lassen. Er ist so verdammt gutaussehend. Ich konnte mein Glück kaum fassen, dass ich nun die sein sollte, die neben diesem Traummann schlafen durfte. Er schob noch eine Pizza in den Ofen, währenddessen ich mir meine Hose auch auszog. Ich konnte ja schlecht in Hose schlafen. Auf dem Tisch stand der Wodka. Jetzt musste ich ja nicht mehr fahren, also durfte ich auch trinken. Wenn schon alle betrunken waren wollte ich wenigstens jetzt auch mitmachen. Chris hatte seinen Höchststand bereits erreicht, sodass ich den Wodka allein trank, pur. Eine halbe Stunde später sprudelten die Sätze nur so aus mir raus. Chris kam ganz nah, als wenn er mich nicht verstehen könnte. Er sagte nichts, er schaute mich einfach nur an und lächelte. So ein anhimmelndes Lächeln, ihr wisst schon welches. Ich war schon jetzt mit den Nerven am Ende, hätte ich es drauf angelegt, dann hätten wir uns definitiv geküsst, aber irgendwo tief in meinem Inneren meldete sich mein Gewissen, schließlich hatte er ja eine Freundin. Allerdings hatte ich Chris schon mal zu verstehen gegeben, dass ich ihn gern als Kopfkissen benutzen würde. Er willigte ohne Zögern ein. Nun saß ich da, in meinem String, obenrum nur mit einem etwas längeren T-Shirt bedeckt. Auf einmal kam Chris Hand von hinten und wanderte nach vorn in Richtung Dekoltée. Hilfe, jetzt war es soweit. Ich dachte wirklich, dass wir uns nun zumindest küssen würden. Mein Herz überschlug sich beinahe. Es waren nur ein paar Sekunden, danach entschuldigte er sich dafür. Ich konnte nichts sagen, ich lächelte nur. So ein Mist. Wir machten das Licht aus und ich legte mich auf seine Brust. Vielleicht zehn Minuten lagen wir dort so, dann fing er an meinen Rücken zu streicheln und begann seinen Satz mit:"Mäuschen?" Was konnte den nun noch kommen? "Ich will dich nicht enttäuschen, aber ich glaube wir sollten vielleicht doch nur nebeneinander schlafen. Wenn ich eine Frau im Arm habe denke ich automatisch an Sex. Besonders wenn ich dich sehe werde ich schon spitz wie Schmidt´s Katze und es ist ja leider so, dass ich irgendwo noch ´ne Freundin habe." Hm...ich war ein wenig enttäuscht, allerdings sprach das ja auch für ihn, nicht viele Männer wären im Suff noch in der Lage sich zu zügeln und mit diesem Satz, dass er bei meinem Anblick schon heiß wurde, machte er sowieso alles wieder gut. Ich rutschte also zurück auf mein Kissen. Chris schlief schnell ein, das merkte ich vor allem an seinem furchtbaren schnarchen. Nicht nur das schnarchen raubte mir meinen Schlaf, ich konnte einfach nicht verstehen, was hier vor sich ging. Ich war völlig hin und weg. Irgendwann im Laufe der Nacht fanden wir unseren Weg doch noch wieder zueinander. Ich machte kein Auge zu, ich genoss es ihn anstarren zu können, ohne aufzupassen, dass er es nicht merkte. Ich spürte seine Wärme an meiner Haut. Beobachtete seine Atemzüge. Dieser Typ machte mich echt wahnsinnig. Trotzdem stellte ich mich darauf ein, dass morgen alles vorbei sein würde, schließlich war er dann wieder nüchtern. Außerdem machte ich mir Gedanken über mein Verhalten. Ich hätte mich gar nicht erst auf seine Brust legen dürfen. Er hat doch eine Freundin verdammt. Würde irgendeine Usche das bei meinem Freund machen, ich würde ihr den Hals umdrehen. Gleich morgen früh würde ich mich bei Chris entschuldigen, dass ich ihn in so eine blöde Lage gebracht hatte. Leider wachte Chris nicht so schnell von allein auf. Da hilft nur eins, anstarren bis der Arzt kommt. Und siehe da, er öffnete die Augen. "Guten Morgen, hast du gut geschlafen?" "Nein, dein Schnarchen war grausam." Er entschuldigte sich gleich zig Mal. Wie süß er doch ist. Dann bereitete ich meine Entschuldigung vor:" Du Chrissi? Das war doof von mir, dass ich mich auf deine Brust gelegt habe. Ich hätte dich nicht in so eine blöde Situation bringen dürfen, das tut mir Leid." Schmollmund. Er war mir nicht böse, ganz im Gegenteil. Ich lag auf dem Bauch, er griff über mich rüber nach der Fernbedienung, die auf dem Tisch neben mir lag. Für den Rückweg auf seine Seite des Bettes war er scheinbar zu müde, also blieb er auf mir liegen. Ich konnte es nicht fassen. Es ging wirklich weiter, trotz dem er nun nicht mehr geschätzte 2 Promille hatte. Irgendwann schafft er es dann doch wieder auf seine Seite des Bettes, seine Hand jedoch blieb auf meinem Po liegen. Ich war im Himmel, eindeutig. Als er ein bisschen zu sich gekommen war zeigte er sich noch einmal von seinen charmanten Seite. Er wollte mir einen Kaffee kochen. Welcher Kerl merkt denn bitte von selbst, wann die Frau einen Kaffee gebrauchen könnte?? Keiner. Mein Chris schon. Er ist einfach perfekt. So wie man es möchte. Badboy in public, pussycat at home. Ja, ich weiß, dass habe ich von Basti auch schon gesagt. Bei Chris kommt nur noch hinzu, dass er eine wahre Schönheit ist. Äußerlich hat er dieses typische Machoimage. Sein Gesicht strahlt förmlich aus, dass er nicht jede nimmt. Man würde wirklich nie im Leben denken, dass er Kaffee kocht, geschweigedenn Händchen hält oder Rücken massiert, aber er tut es und das finde ich sehr anziehend. Nun tranken wir unseren Kaffee. Ich wollte das Schweigen brechen und dabei fiel mir nichts besseres ein, als ihm zu sagen, dass der Kaffee gut schmeckte. Er entgegnete nur, dass man beim Kaffeekochen ja nicht viel falsch machen kann. Hach, wie bescheiden er doch ist. Beim Kaffeekochen kann man nämlich sehr wohl etwas falsch machen, ich kann den grauenhaftesten Kaffee kochen den es gibt. Glaubt mir. "Das ist unser erstes gemeinsames Frühstück", fügte er noch hinzu. Mit diesem Worten kam Matze aus dem Schlafzimmer, was so viel hieß, jetzt war es wirklich vorbei. Die ganze Romantik, die in der Luft hing (jedenfalls in meiner Luft) war hinüber. Jetzt war es vorbei mit der Zweisamkeit, mit diesen kleinen,aber vielsagenden Zugeständnissen, die mich so aus der Bahn warfen. Es ist wie früher in der Grundschule, wenn Jungs anfangen interessant zu werden. Man verstand sich super mit einem Jungen, aber sofern mehr daraus wurde fing er an uns in der Öffentlichkeit zu ignorieren, damit seine Freunde bloß nichts merken, denn das wäre ja dann peinlich. So waren die kleinen Jungs. Damals hatte ich immer die Hoffnung, dass wir ja ALLE einmal erwachsen werden, auch die Jungs. Dann würden sie auch vor ihren Freunden zu der Frau an ihrer Seite stehen. Pustekuchen. Männer werden 9 und dann wachsen sie nur noch. Bestes Bespiel ist doch mein Chrissi. Achtung, Achtung! Matze ist in der Nähe. Lass dir bloß nichts anmerken.
Wir hingen alle vier noch ein paar Stunden auf der Couch. Chris und ich mit gewissem Sicherheitsabstand, wie immer. Sehr schade. Gegen 16.00 Uhr verabschiedete ich mich dann, schließlich war Sonntag und ich musste noch zurück nach Lüneburg. Im Auto ließ ich meinen Gefühlen erst einmal freien Lauf. Ich sang laut die Lieder im Radio mit, quitschte vor lauter Freude über dieses gelungene Wochenende und strahlte einfach nur von einem Ohr zum anderen. Ich hatte nicht ein einziges Mal an Tim gedacht. Stattdessen versuchte ich jetzt qualvoll meine Gedanken zu ordnen und sie von Chris zu befreien. Es würde eine Weile dauern bis ich ihn mal wieder sehen würde und erst recht würde es dauern, bis ich wieder allein mit ihm sein würde, falls das überhaupt noch einmal vorkommen würde. Also heißt es: die Erinnerung wahren und sich zusammenreißen. Alles bleibt so wie es vorher war. Ganz einfach. Ha ha, Witz komm raus. Es würde alles andere als einfach werden. Ich habe leider die Angewohnheit nach einem kleinen Techtelmechtel nicht mehr zur Normalität zurückfinden zu können und das würde bei Chris nun sicherlich nicht gut angekommen. Ich war mir sicher, dass er mit einem schlechten Gewissen kämpfte. Trotzdem schrieb ich ihm eine SMS, ganz unverbindlich:"Vonwegen Ordnung, du hast dein Bier in meinem Auto liegen lassen." Es kam nur eine kurze Antwort, er wollte mir die 8 cent Pfand schenken. Toll. Ich versuchte es noch einmal:"Wieso bist du überhaupt schon wach?"-"Kein Plan." Ich fragte ihn, was ihn bedrückt, so kurz antwortete er sonst nie. Diesmal bekam ich gar keine Antwort mehr. Alles klar, jetzt war es amtlich. Er hatte ein schlechtes Gewissen und wollte nun Abstand. Ich wartete noch ein paar Stunden. Da war sie wieder, meine blöde Ungeduld, ich konnte es einfach nicht lassen. Schicken wir doch einfach noch eine SMS hinterher, damit er so richtig genervt ist. Im Endeffekt sagte er mir, dass alles ok sei und er nur keine Lust auf simsen hatte. Na gut, ich nahm ihm das einfach mal ab, es blieb mir ja nichts anderes übrig. Ich musste dieses ganze Wochenende vergessen. Und was tut man da am besten? Man beschäftigt sich mit einem anderen Mann. Man sucht das Nirwana einfach woanders, um dann mit voll Karacho gegen die nächste verschlossene Tür zu knallen. Es war ein ewiger Kreislauf, in dem mir kein besserer einfiel als Tim. Tim. Meine nächste verschlossene Tür. Zu allererst musste ich aber Sarah von der Story mit Chris erzählen, schließlich war sie dabei, als ich Chris kennenlernte und wir waren beide von Anfang an fasziniert von ihm.
Ich erzählte ihr alles im Schnelldurchlauf, nicht mit all den Details, die ich Manu angetan habe. Ich hörte noch kurz, ob es ihr gut ging (schließlich war das ja zu meiner Aufgabe geworden), was scheinbar der Fall war und dann landeten wir auch schon bei Tim. Mir war klar, dass es dazu kommen würde, denn nicht nur ich wusste, dass es ihm schlecht ging. Er hatte sich von allen abgewandt und auch den anderen eingetrichtert, dass er keinen Abschied wollte, wenn er nach Afghanistan ging. Sarah jedoch hatte ihren eigenen Kopf, sie wollte Tims Wunsch nicht akzeptieren. Sie plante eine kleine Abschiedsparty. Einerseits war ich ihr dankbar, denn so könnte ich mich doch noch von Tim verabschieden. Andererseits konnte ich nicht glauben, dass das eine gute Idee war. Tim würde stinksauer sein, sofern er sich überhaupt dazu überreden ließ mit irgendwem irgendwohin hinzugehen. Ich war nur froh, dass ich dann nicht die Schuldige sein würde. Ich habe Sarah vorgewarnt, aber sie wollte nicht hören. Also würden wir sehen, wie das Ganze ausgeht.
Nachdem Tim mich in den letzten Tagen mal wieder angezickt hatte schrieb ich ihm wieder. Ich konnte es nicht ertragen zu wissen, dass es ihm schlecht geht, egal wie sauer ich über seine Zickigkeit war. Also fragte ich ihn, ob es ihm besser ging. Ich bin einfach zu gutmütig. Er sagte, es ginge ihm nicht schlecht, er hätte nur nicht geschlafen und sei müde gewesen. Na gut, wie er will. Dann kann ich ja jetzt anfangen ihn mal wieder zur Eifersucht zu bewegen. Die Nacht in der Timmi nicht geschlafen hatte war nämlich auch die Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, da ich neben einem sexy Chris lag. Meine Antwort:"Dann ging es dir ja wie mir." Ich wusste genau, dass er jetz nach dem "Warum?" fragen würde, eine völlig normale Reaktion, jeder Mensch ist neugierig. Also schmückte ich meine Geschichte noch ein bisschen aus und ließ sie so klingen als hätten Chris und ich nicht nebeneinander sondern miteinander geschlafen. Natürlich habe ich das nicht konkret gesagt, denn man soll ja nicht lügen, das hat Mami uns ja so beigebracht. Ich erzählte ihm wie blendend es mir doch jetzt ginge und das ich von einem Ohr zum anderen strahlen würde. Völlig übertrieben, aber das weiß er ja nicht. Jaaa, jetzt schon. Sorry Tim. Mir ging es aber wirklich besser, für den Moment. Chris hatte irgendwie Freude in mein Leben gebracht, was mich selbst ein bisschen wunderte. Denn erstens bin ich nie zufrieden und zweitens hätte ich eigentlich damit gerechnet, dass ich mal wieder mehr wollen würde, was ich von ihm nicht kriegen konnte. Nichts von alledem traf ein. Ich war völlig zufrieden mit dieser einen Nacht, also was sprach schon dagegen Tim mein Befinden wissen zu lassen. Meine Provokation trug schon wieder Früchte. Ich bin echt gut in sowas. Ein verdammtes Luder. Ja, genau das bin ich. Es macht so tierischen Spaß. Tim schrieb mir, dass ich mich für den Moment vielleicht gut fühle, aber dass das auch wieder irgendwann vorbei ist und es dann für mich umso schmerzlicher wird. Das war jawohl ein typisches Eifersuchtsverhalten. Ich liebe es, wenn er alles schlecht redet, was ich super finde, weil es ihm nur nich passt, wenn ich es toll finde. Ich trieb das Ganze sogar noch weiter und erzählte ihm von diesem wunder-, wunderschönen Foto, das ich mit Chris gemacht habe und bot ihm auch noch an es ihm zu schicken. Ich bin so furchtbar fies. Ich komme in die Hölle, aber da ist es wenigstens schön warm. So richtig begeistert war er nicht, aber ich schickte ihm das Bild und seine Reaktion enttäuschte mich nicht:"Naja, hauptsache dir gefällt es." Ha! Ich hab es doch immer gewusst, er wollte mich auch. Das war jawohl eindeutig. Nun kam die Frage aller Fragen, konnte Tim sich vorstellen, dass man, wenn man Gefühle füreinander hat irgendwie zusammenfindet, mit der Zeit? Dass ich damit auf Chris und mich anspielte war ihm leider nicht so klar wie ich dachte. Für mich gab es für diese Frage nur diese eine Interpretationsmöglichkeit. Timmi interpretierte sie allerdings auf seine Gefühle, das merkte ich daran, dass er sagte er hoffe es. Er hoffte es nicht für mich, sondern für sich und seine Olle. Na super, immer kommt mir diese Schlampe in die Quere. Ich sagte ihm, dass ich wüsste, worauf er anspielt. Er stritt es ab. Ich hielt dagegen. Er gab es zu. Es gäbe ja im Moment nur eine Frau in seinem Leben, da war das ja nicht so schwer zu erraten. Puff. Wieder einer meiner Träume ist geplatzt wie eine Seifenblase. Naja, ich bin es langsam echt gewohnt, es macht mir nichts mehr aus, jedenfalls nicht viel. Trotzdem mache ich mir so meine Gedanken. Über Tim. Über seine Gefühle. Über meine Gefühle. Und darüber wie es weitergehen sollte. Manchmal glaube ich, dass ich es irgendwann bereuen werde, dass ich zu feige bin, um ihm die Wahrheit zu sagen, aber daran hängt einfach so verdammt viel. Entweder alles wird wunderbar, weil er mich auch liebt oder ich habe ihn für immer verloren. Das Risiko ist mir einfach zu groß, dafür ist er mir zu wichtig. Er könnte ja auch einfach mal von selbst was merken, dann wäre es wenigstens nicht meine Schuld, wenn es schief läuft. Wenn es doch aber unbedingt sein muss, dass ich alles selbst in die Hand nehme, weil Männer einfach unfähig sind, vielleicht wäre Afghanistan dann der perfekte Zeitpunkt. Die Anfangszeit, wenn Tim gerade erst weg ist. Vielleicht sollte ich es ihm dann einfach sagen, denn dann hat er genug Zeit, um über seine Gefühle nachzudenken und ich habe genug Zeit, um mir zu überlegen, wie ich mit einem Wiedersehen umgehe oder wohin ich auswandere. Auf jeden Fall musste ich es ihm irgendwann sagen. So ging das doch nicht. Früher oder später würde sowieso alles rauskommen. Also sollte ich doch froh sein, dass ich es jetzt noch selbst in der Hand habe und mir den Zeitpunkt selbst aussuchen kann. Vielleicht sollte ich ihm einfach dieses Buch in die Hand drücken. Dann weiß er hundertprozentig Bescheid und ich kann mich nicht mehr mit irgendwelchen Ausreden aus der Affäre ziehen, wenn er nicht so reagiert, wie ich es will.
Boah ey! Ich bin soooo sauer! Seine Liebeserklärung kann er sich abschminken! Tim ist so ein Idiot! Ich hab euch doch erzählt, dass er mir nicht den Termin für seinen Einsatz erzählen wollte, dass er einfach so verschwinden wollte. Naja, ich war ja nicht die Einzige, der es nicht erzählt hat. Ich hatte mich langsam damit abgefunden, solange er es auch niemand anderem erzählte konnte ich damit leben. Aber jetzt kommt´s. Manu, mit der er überhaupt gar nichts zu tun hat, der hat er es erzählt. Ohne wenn und aber. Sie hat ihn gefragt und er hat es ihr gesagt. So ein blödes Arsch! Wie kann er nur? Mir, die ich ja so eine gute Freundin bin, erzählt er es nicht, aber irgendwem dahergelaufenes, da ist das natürlich kein Problem. Wie dämlich er auch is, er konnte doch wohl nicht ernsthaft glauben, dass sie mir das nicht erzählt. Oder war das vielleicht sein Plan? Wollte er stur bleiben und es mir selbst nicht sagen, aber mir etwas Gutes tun und dafür sorgen, dass es mir jemand anderes sagt? Wäre ja auch möglich. Ach, dass machts auch nich besser. Ich werde nie wieder ein Wort mit ihm reden. Damit werde ich auch gleich anfangen. Er schrieb mir eine SMS. Keine Antwort von mir. Bei MeinVZ habe ich getextet, dass ich enttäuscht bin. Er kommentiert:"Von was?" Keine Antwort von mir. Dann schreibt er mich direkt an:"Redest du nicht mehr mit mir?" Richtig, mein Lieber, du hast es erfasst. Ja, ihr merkt schon, ich war wirklich sehr sauer! Auch auf Manu. Was fällt ihr ein einfach meinen Tim anzuschreiben? Das ist meiner! Ohne mich hätte sie ihn nie kennen gelernt. Ich hasse es, wenn sich einer an meine Männer ranmacht. Naja, sie macht sich ja nicht an ihn ran, aber trotzdem. Sie hat kein RECHT ihm zu schreiben. Und erst recht nicht, etwas herauszufinden, was er mir verschweigt. Das ist doch jetzt ein totaler Triumph für sie. Und wie steh ich denn bitte da? Ich bin mal wieder der Depp vom Dienst. Super. Irgendwann schrieb ich ihm dann doch. War ja klar, ich hatte mal wieder keine Geduld, aber dafür war es ein böser Satz:"Lass mich in Ruhe!" So, da hat er´s! Selbst Schuld! Anstatt mich jetzt anzubetteln ihm zu sagen, was mit mir los ist schrieb er einfach:"Okay. Bis dann." Geht´s noch? Wo bin ich denn hier gelandet? In was für einer Welt leben wir, wo Männer tun, was man von ihnen verlangt? Mein Gott, es ist doch zum verzweifeln. Tzz, der soll ja nicht glauben, dass Chris an meiner Enttäuschung Schuld ist. Das wär´s ja noch. Nee, nee den Zahn werd ich ihm gleich ziehen. Also doch noch eine SMS hinterher, eine allerletzte:"Und glaub ja nicht, dass du Recht hast! Mit Chris ist alles bestens!" Ich kann aber auch böse sein. Man man man. An seiner Stelle hätte ich ja ein schlechtes Gewissen! Diesmal kam keine Antwort mehr. Na bitte, geht doch! Der soll mich bloß in Ruhe lassen! Soll er doch nach Afghanistan verschwinden, lieber heute als morgen!
Ich bin auch so blöd ey, ich könnte mir selbst in den Hintern treten. Ich war mit meiner Oma bei Möbelstadt Rück. Ich hatte nichts besseres zu tun, also, warum nicht. Da kann man total gut Kaffee trinken. Ein Stück Kuchen und eine große Tasse Kaffee für 1,50 €. Das ist doch der hammer oder? Naja, ein bisschen geschnökert haben wir auch. Im Endeffekt haben wir aber alles liegen lassen, denn so richtig gebraucht haben wir nichts und Geld sparen ist doch auch von Vorteil. Dann kamen wir zum Ausgang. Ein großer Ständer mit Kugelschreibern mit Aufdrucken wie "Ich liebe dich" oder "Du bist der Beste" und Namen. Ja, Namen. Ihr erratet sicher sofort nach welchem Namen ich als erstes suchte. TIM. Ich wurde fündig und ohne irgendein zögern ging ich zur Kasse und bezahlte. Ich muss völlig bescheuert sein. Ich weiß selbst nicht, was ich mir immer dabei denke. Tim hat meine ganzen Sentimentalitäten überhaupt nicht verdient. Er zickt mich an und ich belohne ihn mit einem Kugelschreiber damit er mir auch aus Afghanistan schreiben kann. Das ist so hohl, aber ich kann einfach nicht anders. Anstatt mir selbst irgendetwas zu kaufen, kaufe ich diesem blöden Idioten, der mich dauernd enttäuscht, so einen scheiß Kulli. Ich hoffe, dass er es wenigstens zu schätzen weiß, wenn er mein Paket in den Händen hält und ausgepackt hat. Ein "Tim-Kulli" und hübsches Briefpapier. Darüber muss man sich doch freuen und Gnade ihm Gott, wenn ich nur ein lahmes "Danke" dafür krieg, dann is wirklich Schluss mit lustig. Dann wirklich! Versprochen! Ich versteh nicht, warum ich nicht einfach eine ganz normale Frau sein kann, die merkt, wenn sie sich den falschen Kerl ausgesucht hat und sich einfach ein neues Opfer sucht. Warum bin ich nicht so? Ich bin genauso blöd, wie eine olle, hässliche Stubenfliege, die immer wieder gegen dieselbe Scheibe fliegt, in der Hoffnung, dass sie irgendwann doch den Weg nach draußen findet, in ihre Freiheit. Genauso wirre ich immer wieder in der Vorkammer Tims Herzen umher, in der Hoffnung, dass er Herzrhytmusstörungen bekommt und ich durch eine kleine Lücke in sein Herz huschen kann, während eine gewisse Sophie einfach an mir vorbeifliegt und den Weg findet ohne sich anzustrengen. Ist das unfair, ein Stubenfliegenleben ist unfair.
Ich machte eine erschreckende Feststellung. Einer meiner "Freunde" bei MeinVZ hatte sich verabschiedet. In Windeseile ging ich die wichtigsten Personen durch. Ich kam bei Tim an. Er war weg. Tim war jetzt nicht mehr mein Freund. In Gedanken ging ich die letzten Tage noch einmal durch. Hatte ich irgendetwas verpasst? An einen Streit konnte ich mich nicht einmal annähernd erinnern. Währenddessen forschte ich weiter. Tim war nicht nur nicht mehr mein Freund. Er hatte sein Profil komplett gelöscht. Was für ein Drama! Ihr erinnert euch sicher, dass er schon einmal sämtliche Details aus seinem Profil gelöscht hatte. Zu diesem Zeitpunkt ging es ihm scheiße. Mein gesunder Menschenverstand schlussfolgerte also, dass es ihm jetzt noch schlechter gehen musste, wenn er "sich" komplett auslöscht. Ich schnappte mein Handy, um ihm eine SMS zu schreiben. Kurzzeitig dachte ich daran, dass er es vielleicht gar nicht an haben würde, aber das würde ich ja dann sehen. Ich fragte ihn, was los sei. Zu meiner Überraschung bekam ich sofort eine Àntwort:" Nichts, wieso?" Tzzz. Jetzt will er mich für dumm verkaufen. Ich erzählte ihm also von meiner Entdeckung. Er sagte, das hätte militärische Gründe. Genau. Schon klar. Diese militärischen Gründe konnte er mir natürlich nicht weiter erläutern. Wie dumm von mir, dass ich überhaupt gefragt habe. Ich wurde wütend. Er machte alles kaputt und er merkte es nicht einmal. Mit dieser ganzen Geheimnistuerei machte er alles kaputt, was ich mir über Jahre mit ihm aufgebaut habe. Erst die Aktion mit Manu und dem Termin und jetzt verschwindet er auch noch aus meinem Cyber-Leben ohne mir eine vernünftige Erklärung dafür zu liefern. Meine Finger schwebten über die Tasten meines Handys ohne dass ich darüber nachdachte, welche Lawine ich damit los trat. Es war mein Herz, dass diese SMS schrieb, nicht mein Verstand:"Du merkst wirklich überhaupt nichts, ne?" Abgeschickt. Scheiße. Ich bin so blöd. Jetzt dürfte ich mich gleich erklären. Für´s Erste hatte ich aber nichts zu befürchten. Er kapierte wirklich gar nichts. Er dachte ich würde mir Sorgen machen. Lächerlich. Bei so viel Enttäuschung und Wut bleibt kein Platz für Sorgen. Mir schoss das Adrenalin in die Adern und ich schrieb ihm, was er eigentlich nie erfahren sollte:"Du wolltest wissen von wem ich enttäuscht bin....von dir!" Wieder wurde mir erst hinterher bewusst, was ich da eigentlich gesagt hatte, aber ich war einfach so verdammt wütend. Mein neugewonnener Mut war allerdings genauso schnell wieder verflogen, wie er gekommen war. Ich hatte Angst vor Tims Reaktion. Vielleicht war ich nun diejenige, die alles kaputt gemacht hat. Er hat es immer noch nicht kapiert:"So ist das manchmal, ich hab dir gesagt, dass du dir keine Sorgen machen brauchst." Ich konnte nur noch mit dem Kopf schütteln, während mir die Tränen die Wangen herunter liefen. Konnte er wirklch so blöd sein? Merkt er absolut nichts? Merkt er nicht, wie uns unsere Freundschaft entgleitet? Es war mal wieder offensichtlich, dass er mir mehr bedeutete, als ich ihm.Diese Erkenntnis ist immer wieder schmerzhaft. Als ich nicht mehr antwortete fragte er dann doch irgendwann, warum ich enttäuscht sei. Ich blockte mit einem "Is nich so wichtig" ab. Für ihn war das okay. Damit kann er sich doch nicht zufrieden geben. Mein Herz wollte, dass er es weiß, dass er alles weiß. ALLES! Also konnte ich es nicht dabei belassen und schrieb, dass alles nicht so einfach ist. Ja, ich wurde wieder weich. Nicht so Timi. Der wurde zickig. Entweder ich rede Klartext oder ich soll es lassen. Gut. Wie er will. "Ich kenne deinen Termin!" Anstatt jetzt alles zuzugeben stellte er meine Aussage in Frage. Woher sollte ich denn den Termin wissen. Als wäre das völlig absurd. Gegenfrage:"Gibt es so viele Möglichkeiten, woher ich ihn wissen kann?" Ja, scheinbar gab es die. Er glaubte mir kein Wort. Nun sollte ich ihm doch den Termin, den ich zu kennen meine, sagen. Kann er haben. Bitte sehr. Tja, jetzt war er definitiv überrascht. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als mir Recht zu geben. Trotzdem war da noch die Frage, wer es mir erzählt hatte. Er ließ einfach nicht locker. Ich erklärte ihm, dass es darum doch gar nicht ging, dass die Tatsache nun einmal war, dass er es MIR nicht erzählt hatte. Das konnte mein lieber Tim überhaupt nicht einsehen:"Warum soll ich dir einen Termin sagen, der bis heute noch nicht einmal feststand?" Äääähm....weil du ihn allen anderen auch erzäht hast??!!! Genau das sagte ich ihm. Genau das waren meine Worte. Das "alle" legte er jetzt wieder auf die Goldwaage. So viele seien es nun auch nicht gewesen. Ja, meinetwegen, aber unter diesen Personen war eine unwichtig. Er wusste, auf wen ich anspiele:"Jetzt sag nich du meinst Manu." 100 Punkte, mein Lieber. Mir wurde das langsam zu blöd. Ich antwortete nur mit einem:"Nein, sage ich nicht." "Gut." Das lief irgendwie alles wieder nicht, wie ich gehofft hatte. Er sah nicht mal einen Grund sich zu entschuldigen, er wollte mir nichts erklären. So ein gefühlskaltes Arschloch. Es war ihm völlig wurscht, ob ich von ihm enttäuscht war. Was interessieren ihn denn meine Gefühle. Neeeeein!! Die sind doch total egal. Scheiß auf meine Gefühle. Sind doch nur Gefühle. Langsam bekam ich das Gefühl, dass er das mit Absicht macht, dass er sich absichtlich wie ein Arschloch verhielt, um es mir einfacher zu machen, wenn er weg ist. Sollte dies wirklich sein Plan sein, dann könnte er aufgehen. Ich habe die Schnauze voll!
"Timmi, ich kann mir vorstellen, dass das alles sehr schwer für dich ist, aber du kennst mich doch. Du weißt, wie schnell ich überreagiere und hysterisch werde. Ich weiß, dass ich dir damit nicht gerade etwas Gutes tue, aber für mich ist das alles auch scheiße. So, und weil ich dir dein blödes Verhalten verzeihe musst du mir meins auch verzeihen!"
Ja, ihr ahnt es sicher. Nach 1,5 Tagen Funkstille werde ich wieder rückfällig, aber das ist nicht meine Schuld. Ich kann nichts dafür. Sarah ist Schuld. Wirklich. Ich schwöre! Sie hat ihm eine Nachricht geschrieben, was mit ihm los ist. Darauf er:"Alles okay." Dann kam ihr Wutanfall und sie antwortete:"Gut wenn bei dir alles okay ist...dann frag ich mich aber, warum du dich bei keinem mehr meldest, warum du dich im VZ löscht und warum du niemandem sagst, wann du fliegst. Sind wir dir etwa alle so egal geworden?" Ist ja eigentlich alles gar nicht so wild, wäre der letzte Satz nicht gewesen. Darauf reagiert Tim allergisch, ich weiß das, aber Sarah leider nicht. Und seine Antwort hatte es in sich:"Ihr scheint mich ja alle super zu kennen. Na klar, ihr seid mir nicht mehr wichtig. Was für eine doofe Frage. Bye." Ich spüre förmlich seine Wut, Traurigkeit und Enttäuschung. Diese Sätze gingen mir bis unter die Haut. Sarah hatte den Bogen überspannt, wenn nicht sogar soweit, dass wir ALLE verloren hatten, dass er uns jetzt gar nicht mehr an sich ran ließ. Ich wusste genau, dass Tim diese Nachricht von Sarah besonders auf mich bezog. Ich war die einzige, die mit Sarah über ihn redete und wieso sollte sie sonst auf einmal auf solche Ideen gekommen sein, da musste ich mich ja beschwert haben. Ist doch völlig logisch, dass ich das wieder gerade biegen musste, oder? Also schrieb ich diese SMS und sah einfach darüber hinweg, dass Tim und ich uns gestritten hatten, zumindest ich mich mit ihm. Er tat mir einfach leid. Wir reagierten einfach alle über. Die gröste Last hatte nun einmal er zu tragen und jetzt kommen wir und machen ihm auch noch Vorwürfe. Das war einfach unfair. So lang wie meine SMS auch war, so lang wurde auch Tims Antwort. Ich hatte ihn weich geklopft, ich hatte die richtigen Worte gefunden, ich kam in die Nähe seines Herzens. Er schrieb:"Ich weiß, dass es schwer ist und ich weiß, dass es meine Schuld ist und ich weiß auch das es einige traurig macht. Das ist es, was mich fertig macht, weil es meine Schuld ist. Es ist, als ob mich keiner kennt. Ich werde gehen und ich werde mich nicht verabschieden, aber ich werde auch nicht ohne ein Wort gehen." Na bitte. Das ist doch ein Anfang. Dann sagte er noch, dass er mir natürlich verzeiht, denn was wäre er dann sonst für ein Freund. Ja, ein Freund. Ein Freund, der mich allein lässt. Das sagte ich ihm auch, dass ich das Gefühl habe, dass er mich schon jetzt allein lässt, da er sich so zurückzieht. Immer wieder sagte er, dass er ja wiederkommen würde und dass er sich jetzt nur so zurückziehen würde, damit es für uns alle leichter wird, wenn er weggeht. Was für eine blöde Theorie. Das musste ich ihm nun nur noch erklären. Ich war voll in Fahrt. Es lief super. Er sicherte mir zu, dass wir uns vorher bestimmt noch einmal sehen würden. Er verstand einfach nicht so richtig, was ich wollte. Ich wollte, dass er aufhört sich zurückzuziehen, dass wir uns so oft sehen, wie sonst auch. Darauf antwortete er wieder nur mit seinem Standardsatz:"Es ist doch kein Abschied, ich komme wieder." Na gut, dann schlage ich ihn mit eigenen Mitteln:"Du sagst es und genau deshalb sollte alles so sein, wie immer. Wenn du dich weiter zurückziehst nützt es auch nichts, wenn du sagst, dass du ja wiederkommst." Er fing an zu zweifeln:"Warum nicht?:(" So, mein nächster Text musste niederschmetternd werden. Ich wollte triumphierend aus dieser Konversation gehen. Er sollte mich endlich verstehen. Egal welche Geschütze ich auffahren muss. Ich war selbst überrascht, wie überzeugend mein Text war:"Mensch Basti, du bist unglücklich, wie es jetzt ist. Ich bin es auch. Alle anderen auch. Du ziehst dich zurück und sagst, du kommst wieder, aber was haben wir davon? Jetzt? Gar nichts. Aber wenn wir jetzt noch eine schöne Zeit haben, etwas unternehmen und du dann sagst, du kommst ja wieder, dann können wir uns auf die Zeit freuen, wenn du wieder da bist. Wir können uns daran erinnern, wie schön die Zeit vorher war und wie schön sie wird, wenn du wieder hier bist." Keine sofortige Antwort von Tim. Gewonnen. Ich hatte ihn zum grübeln gebracht und er zweifelte an der Richtigkeit seiner Entscheidung. Genau das wollte ich doch. Irgendwann schrieb er dann, dass er uns ja alle verstehen konnte. Das war sozusagen ein Eingeständnis, dass ich Recht habe. Sehr gut. Ich glaube zwar nicht, dass er sein Verhalten nun ändern wird, aber er hat mich verstanden, das war mehr als genug.
Ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Tim verkackt es einfach immer wieder. Heute musste ich von Sarah erfahren, dass er angeblich mit Sophie und ihren Weibern seinen Abschied feiert. Das durfte jawohl nicht wahr sein. Ich war völlig platt. Darauf musste ich ihn einfach ansprechen. Also fragte ich ihn, ob diese Behauptung stimmt. Nein, natürlich nicht, sagte Tim zumindest. Jetzt durfte ich wieder erklären, wie ich auf sowas komme. So ein Mist aber auch immer. Ich durfte es nicht sagen und daran habe ich mich gehalten, was ihn stinkig machte. "Halt dich endlich mit deinen Unterstellungen zurück!", schrieb er. Na schönen Dank auch. Ich verteidige ihn vor allen anderen und das ist der Dank. Langsam geht er zu weit. Ich erkannte ihn einfach nicht mehr wieder. Ja, auch Tim konnte ein Arsch sein, aber nicht so. Er sagte doch zu Sarah, dass er das Gefühl habe, keiner würde ihn mehr kennen; das Gefühl habe ich langsam auch. Er war wie ausgewechselt. Soll er es sich doch mit allen verscherzen, einschließlich mir, ich werde ihn nicht mehr davon abhalten. Blöder Penner! Wenn das so weitergeht, dann habe ich doch auch nichts mehr zu verlieren. Ich könnte ihm einfach sagen, dass ich ihn liebe, dass er der Einzige für mich ist. Schlimmer als jetzt kann es eigentlich nicht mehr werden, obwohl ich mir sicher bin, dass ohne eine Liebeserklärung meinerseits auch wieder gute Zeiten kommen würden. Wenn ich ihm aber alles sage, dann bin ich mir dabei alles andere als sicher. Es ist einfach komplizierter als Liebe. Es ist so verdammt kompliziert. Liebe ist immer kompliziert. Selbst wenn man sich sogar gegenseitig liebt. Man ist zusammen, eigentlich glücklich, aber irgendwann kommt der Punkt an dem es kompliziert wird. Wenn man sich jedoch liebt, dann kann man über alles reden. Ich kann mit Tim nicht reden. Er weiß nicht, was in mir vorgeht und das macht das Ganze noch komplizierter als einfache Liebe. Jeder Schritt muss von mir durchdacht sein, jede Handlung, jedes Gespräch. Ich muss immer Angst haben, dass Timmi etwas von meinem Gefühlen merkt und es dann vorbei ist. Es darf nicht vorbei sein, ich kann ihn nicht verlieren und deshalb ist es kompliziert, anstrengend und zum verzweifeln. Ich weiß nicht, was ich machen soll, was die richtige Entscheidung ist, gerade weil ich weiß, dass meine Chance eigentlich Null ist. Schließlich sagt er mir ständig, wie toll doch Sophie ist, aber irgendwo in mir steckt noch ein bisschen Hoffnung. Ich hoffe auf ein Happy End. So eins wie im Fernsehen, wo der süße, liebe Freund erst über seine Gefühle stolpert, als sie ihm ihre gestanden hat. Ja, so stelle ich mir das alles vor. Ich sage ihm, was ich fühle und er fängt an zu zweifeln, ob er wirklich nichts für mich empfindet und kommt dann zu dem Entschluss, dass ich es bin, die er liebt, nicht diese blödekack Sophie. Im Fernsehen läuft gerade die dritte Staffel Doctor´s diary. Ist euch die story bekannt? Da wäre Dr. Marc Meier und Dr. Gretchen Haase. Gretchen ist seit sehr langer Zeit hoffnungslos in Marc Meier verliebt. Die meiste Zeit stößt er sie von sich, aber manchmal wird er schwach und gesteht sich ein, dass auch er Gefühle für Gretchen hat, leider nicht von Dauer. Irgendwann hat Gretchen die Schnauze voll Tag für Tag hinter ihm herzuhecheln und dabei doch nie etwas zu erreichen. Sie beschließt eine Weile weg zu gehen, weit weg. Gretchen schreibt Marc einen letzten Brief, gesteht ihm noch einmal ihre Gefühle. In dem Moment, als Marc diesen Brief liest fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Er liebt Gretchen und will sie nicht verlieren. In Windeseile fährt er zum Flughafen, um Gretchen von ihrer Reise abzuhalten. Marc kann allerdings nicht mehr einchecken, er ist zu spät. Völlig fertig sitzt er auf einer Bank im Flughafengebäude, als sich jemand neben ihn setzt. Er schaut hoch und kann seinen Augen nicht trauen. Gretchen. Die Beiden fallen sich küssend um den Hals. Happy End. Kann es bei mir bitte auch so enden?! Die Story ist doch quasi dieselbe. Ich drucke dieses Buch für Tim aus, überreiche es ihm zusammen mit dem Briefpapier und dem Kulli, mit dem Vorbehalt, dass er das Päckchen erst aufmacht, wenn er in Afghanistan ist. Natürlich hält Tim sich nicht an diese Abmachung. Er liest das Buch und langsam dämmert es bei ihm. Ja, er liebt mich. Leider sitzt er bereits im Flieger. Im letzten Moment stürmt er aus dem Flugzeug und fällt mir in die Arme (Ich bin nämlich zum Flughafen gefahren, um ihn von dem Flug abzuhalten). Wir schauen uns an, er stellt fest, wie doof er die ganze Zeit war und wir küssen uns leidenschaftlich. Ende. Das wäre doch filmreif. Genau so will ich es. ICH WILL!!!
Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf. Ich versuche mich zu sortieren. Ich kann Tims Verhalten nicht einfach ausblenden. Es geht nicht. Er ist nicht mehr der, in den ich mich verliebt habe. Afghanistan macht ihn kaputt, macht unsere Freundschaft kaputt, dabei ist er noch nicht einmal im Einsatz. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, was ich tun kann. Ich glaube nicht mehr daran, dass alles gut wird, wenn er erst einmal wieder hier ist. Besonders weil wir alle wissen, wie es laufen kann. Sarahs Freund ist das beste Beispiel. Er kam zurück aus Afghanistan, alle haben sich gefreut, aber nun?! Er ist nicht mehr richtig in die Clique integriert, er geht nicht mehr mit auf Partys, er weiß nicht, was bei den anderen so los ist. Die Freundschaft ist eingegangen. Freundschaft muss gepflegt werden, wie eine Blume, wird sie nicht gegossen geht sie ein. Freundschaft lebt von gemeinsamen Erlebnissen und Erinnerungen. Wenn Tim nicht endlich wieder anfängt zu reden, dann werden wir uns immer weiter voneiander distanzieren und werden keinen Weg mehr zueinander finden. In nicht einmal mehr zwei Monaten ist er weg, dann werden wir noch weniger Kontakt haben. Sogar für eine funktionierende Freundschaft ist so eine Trennung eine Zerreißprobe, aber für eine Freundschaft, die sowieso schon krieselt, wird diese Reise das Ende bedeuten. Wir werden nicht mehr zueinander finden. Ich bin mir sicher. Es wird nie wieder so sein wie es einmal war. Ich weiß nicht, ob Timmi das klar ist, ob er es sogar in Kauf nimmt. Ich weiß es nicht. Einen letzten Versuch startete ich noch, um unsere Freundschaft vielleicht zu retten. Ich fragte Tim, ob wir uns am Wochenende sehen könnten. Er sagte, dass er das jetzt noch nicht wüsste. Das war ja schon einmal kein "nein". Einen Tag später fragte er mich, warum ich mich mit ihm treffen wolle. So dämliche Fragen können echt nur Männer stellen. Also antwortete ich:"Hört sich ja fast so an, als müsste ich einen bestimmten Grund haben, um mich mit dir treffen zudürfen." Darauf ein:"Boah!:(" "Naja komm, die Frage war echt bescheuert." Nun sollte ich ihn doch bitte in Ruhe lassen. Na klar, was auch sonst?! Ich verstand die Welt schon wieder nicht mehr. Er hielt mir vor, dass ich ihm schon wieder etwas unterstellen würde. Mit gleicher Nachricht offenbarte er, dass er mir nun nicht mehr antworten würde, er wünsche mir alles erdenklich Gute für die Zukunft. Jaaa, heulen wir doch einfach mal wieder ein bisschen, haben wir ja lange nicht mehr gemacht, ne Anna?! Ich schrieb ihm eine letzte Nachricht, um mich zu verteidigen:"Is jawohl auch so, warum fragst du mich, warum ich dich treffen will? Freunde treffen sich normalerweise ab und an...OHNE Grund. Egal was ich mache, ich kann es dir nicht mehr recht machen. Du sagtest, ich scheine dich nicht mehr zu verstehen, ich denke du hast Recht. Ich erkenne dich nicht mehr wieder. Ich weiß nicht, was mit uns passiert is...ich habe dich die ganze Zeit vor den anderen verteidigt und du verurteilst mich dafür." Ich wusste, dass er nicht antworten würde. Es war endgültig. Tim ist ein erwachsener, eigenständiger Mensch. Er muss wissen, was er will und wenn er keinen Kontakt mehr mit mir möchte, dann muss ich das akeptieren. So schlimm es auch für mich war. Es war offiziell, unsere Freundschaft war an Afghanistan zerbrochen. Ich habe gekämpft, aber wir waren nicht stark genug und sind gescheitert.
Fünf Tage sind seitdem vergangen. Ich saß gerade bei Matze auf der Couch, er war irgendwo feiern und ich wollte mal wieder nicht zuhause schlafen. Nun saß ich da, nachts um 23.30 Uhr. Ich war hundemüde, aber nach schlafen war mir einfach noch nicht. Ich dachte an Chris und unsere Nacht, daran wie es wohl gelaufen wäre, wenn er keine Freundin gehabt hätte. Und ich dachte an Tim. Ich wurde total sentimental...mal wieder. Das konnte doch nicht wirklich sein Ernst sein. Nein, nein, nein. Ich kannte ihn doch. So ist Timmi nicht. Mein Gott, ich brauche dringend mal einen Schlag gegen den Hinterkopf. Warum lass ich ihn nicht laufen? Wenn er gehen will, dann soll er doch. Nur leider kann ich ihn nicht gehen lassen. Also schnappte ich mein Handy und fragte ihn, ob das wirklich das ist, was er will, dass wir keinen Kontakt mehr haben. Mein Gott, mitten in der Nacht fange ich eine Diskussion an. Wie doof kann man eigentlich sein? Man muss tun, was das Herz einem rät und manchmal ist das eben auch mitten der Nacht. So ist das eben. Ich hielt es nicht aus neben meinem Handy zu sitzen und zu warten, also ging ich raus und rauchte meine Nervosität weg. Ich hörte von drinnen mein Handy klingeln. Eine neue Nachricht. Ich überlegte noch zirka fünf Minuten, ob ich die SMS wirklich lesen sollte. Ich hatte Angst davor, dass er wirklich geschrieben haben könnte, dass er nichts mehr von mir hören will. Die Nachricht hatte ganze 510 B. Was kann das bedeuten? Ja, das es eine lange SMS ist, schon klar, aber was konnte er so viel geschrieben haben? Ich nahm meinen Mut zusammen, ändern konnte ich es sowieso nicht mehr. Augen zu und durch:"Weißt du was, mach was du willst. Ich habe nie gesagt, dass ich keinen Kontakt mehr will, aber wenn du es so interpretierst. Und weißt du, ich bin ruhig, es nervt nur tierisch, wenn jeder denkt, er müsste angepisst sein, weil ich mich nicht melde. Wenn ich so wichtig wäre, dann könnte man selbst das Handy nehmen und sich melden. Das betrifft nicht unbedingt dich. So und nun hör auf mit solchen Vorwürfen, wie "hast du dich beruhigt" oder "das hört sich an, als wenn man einen Grund bräuchte sich mit dir zu treffen". Weißt du wie es mir geht?" Okay. Punkt. Punkt. Punkt. Mein Kopf war irgendwie leer. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Natürlich wollte ich mich erklären, aber das wären für ihn wahrscheinlich wieder alles nur Vorwürfe. Ich musste irgendwie neutral bleiben, mich trotzdem erklären und an ihn ran kommen. Immer diese hochkomplizierten Lebensaufgaben. Das gibt es echt nicht. Ich entschied mich für die Wahrheit, sagte ihm, dass ich dazu nichts sagen könne, weil es für ihn nur Vorwürfe wären und dass ich nicht wisse, wie es ihm ging, es mir nur denken könne. Dann passierte etwas womit ich nicht gerechnet hatte. Tim schrieb, dass wir es dann wohl besser dabei belassen, dass wir gerne schreiben können, ich aber nicht erwarten soll, dass er sich von selbst meldet und dass er nicht darüber reden möchte, wie es ihm geht. Außerdem schrieb er noch:"Ich mag dich Anna und ich möchte nicht, dass es zerbricht." Genau das schrieb er. Ich heulte mal wieder eine Runde, vor Rührung und vor Verzweiflung. Es war sehr erleichternd zu wissen, dass ich ihm nicht egal bin, aber gleichzeitig wusste ich, dass es trotz allem vielleicht zu schwer für uns ist. Das Blatt hat sich gewendet. Ich bin davon ausgegangen, dass Tim schon aufgegeben hatte, aber scheinbar hatten wir doch noch eine Chance. Ich antwortete nun einfach nach Gefühl. Ich ließ es einfach raus:"Glaubst du ich will das? Aber immer wenn ich dir schreibe, dann endet es böse. Ich traue mich schon gar nicht mehr dir zu schreiben, weil ich Angst habe, dass ich wieder etwas falsches sage. Andauernd höre ich irgendwelche Geschichten von denen ich nicht weiß, ob sie stimmen. Und jetzt muss ich schon wieder heulen und ich weiß, dass du das gar nicht hören willst. Ich versteh nicht, warum es so schwer ist, warum ist nicht alles wie früher?" Darauf kam seine Standard-Antwort, das Leben ist hart und unfair, geprägt von Veränderungen, ob gut oder schlecht. Wir redeten noch eine Weile weiter. Er sagte noch, dass es ihm leid täte, dass ich weinen müsse und all solche Sachen. In dieser Nacht schlief ich nicht gut. Wahrscheinlich auch, weil ich allein in Matzes Haus lag und der Haustürschlüssel von außen steckte, damit er am Morgen auch rein kommen würde. Außerdem hatte ich ja mal dieses Horrorerlebnis, als er mich das letzte Mal allein ließ. Ich lag nichtsahnend in meinem tiefschwarzem Zimmer und schlummerte noch ein wenig. Auf einmal hörte ich Geräusche und meine Zimmertür öffnete sich. Ich sah das Wohnzimmerlicht in mein Zimmer scheinen. Mein Herz raste. Irgendwer stand in meinem Türrahmen. Ich wagte es nicht mich zu bewegen. Ich sah nur eine Gestalt, die schwer atmete. Verdammt. Irgendwer schaute mir da genüsslich beim Schlafen zu. Nach ein paar Minuten lag ich wieder im Dunkel. Die Person war weg. Ich hatte tierische Angst das Zimmer zu verlassen. Wer weiß, was das für ein Typ war und ob er überhaupt schon wieder weg war. Als Matze später wiederkam erzählte ich ihm alles, aber er lachte mich nur aus:"Du bist ja paranoid." Tzzz. Und nun lag ich wieder in diesem Zimmer, in diesem Haus in das jeder gehen konnte, weil der Schlüssel steckte. Ich versuchte mich abzulenken und dachte an Tim. Es war gut gelaufen, aber ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Er wollte nicht über den Einsatz reden, nicht über Sophie, nicht darüber wie es ihm geht. Worüber sollte ich dann mit ihm reden? Wenn ich weiß, dass ihn etwas belastet, wie soll ich einfach darüber wegsehen und so tun, als wäre alles in Ordnung?
In den nächsten Tagen und Wochen gab ich mir die größte Mühe, mich auf Normalität umzustellen. Ich redete totalen Blödsinn mit Tim, zusammenhanglos und einfach langweilig:"schönes Wetter heute","Freitag geh ich mein Tatoo nachstechen", "mein Meerschweinchen ist gestorben". Wie sollte aus solchen Sätzen ein Gespräch werden? Ich konnte mich bemühen wie ich wollte, mein Tim war nur noch eine Illussion, in meinem Kopf, in meiner Erinnerung. Im Moment glich er einfach jedem anderem Typen auf dieser Welt. All die Sachen, die ihn für mich besonders machten, waren Geschichte. Er war nicht mehr lebenslustig, nicht mehr gefühlvoll, nicht gesprächig, hörte nicht zu, gab keinen Rat, machte keine Witze. Stattdessen war er unsensibel, böse, schlecht gelaunt und behielt seine Gefühle für sich. Langsam aber sicher wurde mir klar, dass ich mich wirklich damit abfinden musste, dass er vor seinem Einsatz nicht mehr der Alte werden würde. Ach Mist, dieser blöde Einsatz. Wenn ich mich wenigstens auf das Wiedersehen freuen könnte, aber mir haben schon so viele gesagt, dass er auch danach nicht wieder derselbe sein wird. Logisch, bei den ganzen furchtbaren Erfahrungen die er machen wird. Wahrscheinlich hätte ich auf Tim hören sollen, als er mir sagte, ich solle mich nicht so sehr auf ihn fixieren, aber ich hatte mal wieder meinen eigenen Kopf und das hab ich jetzt davon. Ich lerne einfach nicht draus.
Tim hat mir ein Foto von sich geschickt. Ich bekomme öfter mal eins. Ganz harmlose, von Partys oder sowas. Diesmal war es nicht harmlos, jedenfalls nicht wenn man heimlich verliebt ist. Er macht jetzt Sport (als wenn er das vorher nicht gemacht hätte, der Spinner) und seine Trainigserfolge wollte er mich sehen lassen. Er schickte mir also ein Bild von sich, halb nackt, nur in Boxershorts. Jo, schönes Ding Timmi....jetzt brauche ich mir nicht mehr vorstellen wie du nackt aussiehst sondern hab es direkt vor Augen....besten Dank. Ich hab mich ja auf viel eingestellt, oberkörperfrei oder so, aber damit war ich maßlos überfordert. Kopfkino. Zwar war Tims Körper nicht ansatzweise mit Chris´ zu vergleichen, aber es passte so gut zu Timmi und meiner Vorstellung von seiner persönlichen Perfektion. Er war perfekt so wie er war. Ich verstand auch nicht so ganz, warum er jetzt auf einmal Kraftsport trieb. Wenn das einer nötig hat, dann ich, egal was für ein Sport. Er sagte, das wäre seine Art von Problembewältigung. Ja, selbst Körperfett treibt uns immer wieder zu dem Problemthema. Ich ging nicht weiter darauf ein, zu riskant, aber für mich war klar, dass das nicht der Grund war. Er tat das für Sophie, er wollte ihr gefallen. Sowas bescheuertes. Würde ich sowas machen hätte er mir links und rechts eine gedonnert, natürlich nur mit Worten. Frauen schlägt man ja nicht. Ohh, wie gern würde ich ihm ordentlich eine knallen, so dass sein Gehirn endlich wieder am rechten Fleck sitzt. Er setzte dem Ganzen noch die Krone auf, als er dieses Foto als sein neues Profilbild bei facebook einstellte. Ich hab gedacht ich sehe nicht richtig. Sowas hätte Tim früher niemals nötig gehabt, sein Ego aufzupolieren indem er der ganzen Welt seinen Körper zeigte, in der Hoffnung, dass ihm irgendeine Frau bestätigt, dass er toll ist. Er machte sich nie etwas daraus, was andere Leute über ihn dachten. "Ich bin wie ich bin", das hatte er immer gesagt. Nein, er war eindeutig nicht mehr mein Tim, aber ich hatte auch keine Zeit und erst recht keine Lust mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich hatte besseres zu tun.
Ja, wirklich. Im Moment flirteten mich so viele Männer an wie nie. Es verging kein Tag, an dem mir keiner sagte, was für eine tolle Ausstrahlung ich hatte. Natürlich waren unter diesen ganzen Typen einige Blindgänger, die mich nur ins Bett kriegen wollten, aber einer war dabei, der es mir wirklich angetan hatte. Nicht zu glauben, aber auch ein blindes Huhn, wie ich, findet mal einen Korn. Er war gerade einmal so alt wie ich, eigentlich ein No-go, aber warum nich, versuchen kann man es ja mal. Er war eher der dunkle Typ, braune Augen, dunkle, etwas längere Haare und einen kleinen Kinnbart. Er gefiel mir. Er war die neue Hoffnung in meinem verkorksten Liebesleben. Sebastian und ich schrieben miteinander, täglich mehrere Stunden. Wir verstanden uns auf Anhieb super. Er kam aus der Nähe von Lüneburg, ursprünglich, so wie ich, aus dem Norden und war nur wegen der Arbeit weg gezogen. Wir hatten sowieso viele Gemeinsamkeiten. Irgendwie schwammen wir auf der selben Welle. Rein vom erzählen her passten wir gut zueinander. Irgendwann telefonierten wir auch mal, beinahe zwei Stunden. Er war nicht so, wie man es bei Männer immer erwartete. Er flirtete nicht einfach drauf los, sondern nur ein kleines wenig und wenn, dann auch sehr vorsichtig. Das gefiel mir. Ich bekam das Gefühl, dass auch er etwas Ernstes suchte. Irgendwann verabredeten wir uns auf einen Kaffee. Er wollte zu mir kommen. Ich freute mich total, aber gleichzeitig hatte ich auch Angst, dass danach alles vorbei sein würde. Schließlich konnte er mich zwar nett finden, aber wenn er neben mir sitzen würde, könnte ich meinen überschüssigen Speck nicht verstecken. Außerdem hatte ich Angst, dass wir vielleicht doch beide zu schüchtern waren und uns nur anschweigen würden. Letzteres traf nicht ein. Wir redeten am laufenden Band. Immer wieder fiel uns etwas neues ein. Wir waren nicht verkrampft oder sowas. Wir waren locker, lachten (er hat wundervolle Zähne, sooo gerade) und ich für meinen Teil genoss die Zeit total. Nach knapp drei Stunden verabschiedete er sich wieder. Schon zur Begrüßung hatte er mich einfach gedrückt. Nun standen wir wieder vor der Tür. Er wollte mich wieder umarmen, aber wir kamen uns dauernd in die Quere. Ihr wisst schon, der eine neigt den Kopf in die Richtung und der andere in genau dieselbe. Dann will man selbst die Seite tauschen, aber der andere tut es automatisch auch usw. Wir mussten lachen. Als wir uns dann abgesprochen hatten wer seinen Kopf in welche Richtung streckt hat es dann mit der Umarmung auch geklappt. Mit den Worten "Wir schreiben nachher bestimmt noch einmal." drehte er sich um und ging zu seinem Auto. Als ich die Tür hinter mir schloss musste ich es erstmal durchatmen. Würde er sich wirklich melden? Würden wir uns wiedersehen? Würde mehr aus uns werden? Ich hatte irgendwie das Bedürfnis nach Hause zu fahren. Ich war so aufgedreht. Ich packte meine Sachen und fuhr los. Sebastian bräuchte ungefähr eine Stunde bis er zuhause sein würde. Ich auch, aber er hatte ungefähr eine halbe Stunde Vorsprung. Ich hoffte, dass er noch online sein würde, wenn ich zuhause ankommen würde. Ich hatte zwar auch seine Handynummer, aber wir schrieben uns kaum SMSn. Er hatte O2 und ich D2. Zu teuer. Zuhause angekommen machte ich sofort wieder den PC an. Er war zwar online, sein Status allerdings als "abwesend" gekennzeichnet. Ich schrieb trotzdem, dass ich doch noch nach Hause gefahren war. Hätte ja sein können, dass er es merkt. Nach einer Weile vergeblichen Wartens verabschiedete ich mich dann ins Bett. Von ihm kam keine Nachricht. Ich war traurig. Ich schlief sehr schlecht in dieser Nacht. Ich träumte davon, wie er unser Date beurteilte und solche Sachen. Immer wieder wurde ich wach. Ich musste mich einfach noch einmal einloggen und sehen, ob er nicht doch noch etwas geschrieben hatte. Vorher könnte ich sowieso nicht wieder schlafen und es war erst halb sieben, an einem Samstag. Ich wartete gespannt, während das Programm lud. Pling. Eine neue Nachricht von Sebastian. Himmel sei Dank. Er schrieb, dass es ihm total leid tun würde, dass er meine Nachricht nicht gehört hatte und dass er sich freuen würde, dass ich doch noch nach Hause gefahren war. Außerdem schrieb er, dass er heute den ganzen Tag nicht da sein würde. Hm...ich wusste nicht so recht, was ich von dieser Nachricht halten sollte. Ich machte mir schon wieder viel zu viele Gedanken. Ich wollte eigentlich einfach alles auf mich zukommen lassen, entweder es klappte oder nicht, aber irgendwie gefiel er mir dafür zu gut. Ich musste also den kompletten Tag ohne ihn aushalten und ohne eine Einschätzung seinerseits über unser Date. Ich wusste gar nicht, wie es jetzt überhaupt so rein theoretisch weitergehen würde. Ich konnte ihn doch nicht einfach fragen, wie ich ihm gefallen hatte. Wir hatten vorher nie davon gesprochen, dass aus uns ja vielleicht mehr werden könnte. Wir hatten es einfach schweigend hingenommen. Also, wie ging sowas weiter? Ich hatte keine Ahnung. Darüber brauchte ich mir auch gar nicht weiter den Kopf zerbrechen, denn es ging nicht weiter. Am Sonntag schrieb ich ihn an. Ich freute mich total endlich wieder mehr als nur einen Satz von ihm zu hören, aber er nahm mir schnell den Wind aus den Segeln, denn er hatte gerade keine Zeit, weil er Computerspiele spielte. Für mich war schon klar, dass es vorbei war, dass nicht mehr aus uns werden würde, denn wenn man sich verguckt hat o. ä. zieht man eine Unterhaltung mit der betreffenden Person jawohl einem Computerspiel vor. Manu versuchte mich zu beruhigen. Sie redete mir gut zu:" Mein Gott, Mauschi....er ist ein Kerl....die sind so....denk dir da nichts bei, das ist ganz normal, dass er auch mal was anderes macht. Alles halb so wild." Damit sie endlich Ruhe geben würde, habe ich ihr einfach Recht gegeben, aber innerlich verharrte ich steif auf meinem Standpunkt. Ich wusste es. Hundertpro. Am Nachmittag bekam ich eine Nachricht. Sie war von Sebastian. Mein Herz machte schon einen Sprung, in der Hoffnung, dass er jetzt Zeit hatte und mit mir reden wollte. Doch was ich las traf mich wie ein Schlag:"Hey, ich nehme dich jetzt mal aus meiner Liste. Frage einfach nicht nach. Tschüß." Mir fehlten die Worte. Was war denn nun kaputt? Ich hatte ja damit gerechnet, dass er mir sagen würde, dass aus uns nichts wird, aber das er völlig den Kontakt abbricht stand nicht auf meiner Rechnung. Was sollte überhaupt dieser blöde Spruch, ich solle nicht nachfragen? Glaubt er wirklich, dass ich nicht nachfragen würde? Das war jawohl mein gutes Recht, zu erfahren, was an mir auf einmal so doof war. Für´s Erste blieb es erstmal dabei. Ich musste mich auf die Fahrt nach Hause konzentrieren und wenn ich dort angekommen würde, dann würde ich ihm schreiben. Ich war relativ gefasst, geschockt, aber gefasst. Als ich zuhause ankam hatte er mich wirklich überall gelöscht. Facebook, ICQ....er war nirgends mehr. Naja, ich hatte ja noch seine Handynummer, für den Notfall. Das war jawohl ein Notfall. Also schrieb ich ihm einen Text der sich gewaschen hatte. Keinen hysterischen, ich war ganz erwachsen. Ihm gegenüber jedenfalls. Ich schrieb wirklich nur diese eine Nachricht (auf die natürlich keine Antwort kam), ich löschte danach seine Nummer, seine Bilder und alles was ich sonst noch von ihm hatte. Ich war wirklich stolz auf mich. Allerdings saß ich, wie immer nach so einer Aktion, in meinem Zimmer und heulte. Nicht weil ich ihn nich haben konnte (ich fand ihn zwar total nett, aber ich wusste ja selbst nicht mal, ob ich auch mehr gewollt hätte), sondern weil er mich nicht wollte. Mein Selbstwertgefühl war gleich Null. Ich hatte ja keine Erklärung dafür, warum er mich nicht mehr wollte, also führte ich es auf unser Treffen zurück. Er musste mich einfach total hässlich gefunden haben. Was sollte es sonst sein? Ich setzte mich mit einer Packung Schokoeis auf die Couch und heulte in die Schachtel. Na toll, Schokoeis mit Salz-Tränen-Geschmack. Ist doch echt jämmerlich. Andere Frauen hätten sich gesagt:"Der Typ hat einfach keine Ahnung, was gut ist...sowas wie mich kriegt der nie wieder.", aber ich war am Boden zerstört und fand mich genauso scheiße, wie Sebastian mich wahrscheinlich auch. Ich glaube, ihr könnt euch denken, wie es weiterging. Was Liebe betrifft gibt es in meinem Leben nicht viele Möglichkeiten. Auf meinem Weg der Liebe gibt es zwei Abzweigungen: 1. große Liebe und 2. dieser blöde Penner hat mich verarscht. Allerdings gibt es nun, nicht wie bei einem Stammbaum, keine weiteren Abzweige. Nein, diese zwei Abzweigungen treffen sich wieder in der Mitte und dieser Pfad heißt: Tim. Ja, wenn ich total glücklich und furchtbar verliebt bin muss ich es Tim wissen lassen und wenn ich völlig verzweifelt und am Boden zerstört bin, auch dann muss er herhalten. Jetzt war es mal wieder soweit. Normalerweise ging es mir nach diesem Gespräch immer wieder super. Tim hatte einfach immer so eine psychologische Heilkraft an sich. Mir hätte eigentlich klar sein müssen, dass er dieses Mal nicht einfach so Süßholz raspeln würde, damit es mir wieder gut ginge, denn er war ja nun ein Fremder und nicht mehr mein Tim. Er hatte nichts mehr für Gefühl übrig, selbst bei einer heulenden Anna konnte er seine Coolness und Kälte nicht ablegen. Er hatte zwar ein paar Sprüche auf Lager, sowas wie:"Der Typ ist keine deiner Tränen wert.", aber sie klangen abgelesen und nicht ernst gemeint. So als wäre es einfach seine Aufgabe, mir irgendetwas vorzubeten. Ich war enttäuscht, aber es half trotzdem. Ich dachte nicht mehr an mein vernichtetes Ego, sondern heulte nun wegen Tim. Ich wollte ihn so gern zurück, die ganze vergangene Zeit. Ich wusste nicht, wie ich so viele Monate ohne ihn auskommen sollte, egal ob er jetzt so ein Idiot war. Er würde mir so verdammt fehlen. Nach ca. 3 Stunden Geheule war alles vorbei, ich schlief völlig erschöpft mit der halbleeren Packung Eis neben mir ein, was für eine Sauerei. Dieser Tag war wieder einer von denen, die unbedingt gelöscht werden müssten, die kein Mensch braucht. Vonwegen man wächst auch an schlechten Erfahrungen. Für mich traf das definitiv nicht zu. Einer dieser Sprüche sagt aber doch die Wahrheit:"Am nächsten Tag sieht schon wieder alles anders aus." Am nächsten Morgen fühlte ich mich zwar matschig und konnte kaum aus den Augen gucken, aber die größten Zweifel waren überwunden. Ich sagte mir einfach:"Ich bin wie ich bin. Irgendwer wird das schon noch zu schätzen wissen." Was Tim betraf, ich blendete ihn einfach aus...so wie die letzten Wochen auch. Was man nicht an sich ran lässt, kann einem auch nicht weh tun. Es vergingen ein paar Tage und Sebastian tauchte wieder auf. Ich war mir von Anfang an relativ sicher, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen war und nun tauchte er wieder in meiner Liste der anwesenden Freunde auf. Komisch. Ich nutzte die Gunst der Stunde und schaute mir noch einmal an, wem ich da aufopfernd einen Kaffee gekocht hatte, um dann einen Arschtritt zu bekommen. Ich hatte in den letzten Tagen immer noch mit Manu gerätselt, was der Grund für diesen Abgang gewesen sein könnte (sie konnte gar nicht glauben, dass sie sich geirrt hatte) und nun wurde das Rätsel, mit meinem Blick auf seine Seite, gelüftet. Es war ganz einfach. Er war wieder in einer Beziehung. Eins und Eins setzte sich zusammen. Er war an diesem Samstag gar nicht bei seinem Kumpel gewesen, sondern bei diesem Mädel. Das erklärte, warum er Freitag Abend noch ganz normal war und Sonntag auf einmal nicht mehr. Mich ließ diese Tatsache eigentlich relativ kalt, ich konnte nichts dafür, mir war eben eine andere in die Quere gekommen und außerdem sah sie scheiße aus und war erst 16, maximal (auf ihrer Seite stand: Abitur 2013). Wenn er eben auf kleine Mädchen stand, dann war er bei mir ganz besonders falsch. Allerdings störte es mich, andauernd zu sehen, dass er online war ohne mit ihm reden zu können. Also fasste ich mir ein Herz und schrieb ihm einen Text:"Hey, wir haben jetz zwei Möglichkeiten: entweder wir können uns wieder normal unterhalten oder wir lassen es auch hier. Wie hättest du es gerne?" Ganz unerwartet bekam ich sofort eine Antwort:"Ja sorry, also bei mir bist du gelöscht." Alles klar, dass war wohl eindeutig. Mit irgendwelchem doofen Gelaber hielten wir uns noch ein wenig hin, sodass ich mich entschied noch einmal nachzufragen, was nun los war. Er sagte mir, dass einfach viel passiert sei und er sich jetzt voll und ganz auf seine Familie konzentrieren wollte. Naja, hört sich für mich ziemlich bescheuert an, aber was soll´s, ich wollte eine Antwort und hatte sie bekommen. Nun war es Zeit sich zu verabschieden. Ich hatte wirkich vor, ihn auch aus meiner Liste zu löschen, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es war als würde ich etwas ahnen. Ungefähr zwei Stunden später leuchtete mein Nachrichtenfenster wieder auf. Ich dachte, es wäre Manu oder Maria, aber nein, es war Sebastian. Er entschuldigte sich für die letzten Tage und bat mich einfach alles zu vergessen. Er erzählte mir alles. Diese neue Freundin war seine Ex-Freundin. Die Beiden waren jetzt 5 Monate getrennt gewesen und fanden wieder zusammen. Er würde seine Arbeit in Stade kündigen und zu ihr nach Hessen ziehen und er gab zu, dass er sich an dem Samstag mit ihr getroffen hatte. Dieses Treffen hatte alles für ihn verändert und er wollte es nicht vermasseln, deshalb hielt er es für besser den Kontakt mit mir abzubrechen. Ich konnte ihm gar nicht mehr böse sein, ich freute mich sogar ein bisschen für ihn, obwohl ich das alles auch ziemlich lächerlich fand. Dieses Mädel ist nicht umsonst seine Ex-Freundin und sie wird es auch wieder werden, da bin ich mir ganz sicher. Dafür dann seine Arbeit aufzugeben und in ein völlig anderes Bundesland zu ziehen? Klingt ziemlich naiv oder nicht? Naja, ist ja nicht mein Problem, muss ja jeder selbst wissen, was er tut. Ich war nur froh, dass ich jetzt wusste, was Sache war und dass alles geklärt war.
Schon war dieses Problem geklärt hatte ich auch schon wieder ein neues. Bisher war Tim ja besessen darauf sich vor dem Einsatz nicht mehr mit mir zu treffen. Ich hatte mich damit abgefunden. Vielleicht hatte er Recht und es war wirklich besser für uns. Doch dann schrieb er mir eine SMS, mit der ich nie gerechnet hätte. Er fragte mich, ob wir am 18.3. Kaffee trinken gehen wollen (am 22. fliegt er los). Natürlich drückte er es nicht wie einen Abschied aus, aber für mich würde er das werden und das wusste er auch genau. Im ersten Moment freute ich mich tierisch. Es liefen auch wieder Tränen. Freudentränen darüber, dass er mir scheinbar doch zugehört hatte, als ich ihn anflehte sich noch einmal mit mir zu treffen, aber im nächsten Moment zweifelte ich an diesem Treffen. Ich würde nicht so tun können als wäre es ein normales Kaffeetrinken. Die ganze Zeit über wird mir der Gedanke im Nacken sitzen, dass ich ihn nun zum, vorerst, letzten Mal sehe. Ich kann auch nicht garantieren, dass ich nicht anfange zu weinen, wenn wir uns Tschüß sagen. Für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach, ihm für dieses Treffen abzusagen. Ich werde leiden, aber ich würde mich totärgern, wenn ich diese Chance nicht nutzen würde, schließlich wollte ich das doch so unbedingt und ich konnte ihn einfach nicht gehen lassen, ohne ihn noch einmal zu drücken. Also werde ich am 18. mit Tim Kaffeetrinken, ich werde die Zeit genießen und versuchen mich zusammenzureißen und es ihm nicht noch schwerer zu machen. Wird schon. Ähm nein, zuversichtlich bin ich wirklich nicht.
Ja, mein Leben war auf einmal geprägt von Überraschungen. Erst das Wiederauftauchen von Sebastian, dann die Einladung von Timmi und dann war es mir gegönnt ihn sogar noch einmal vor dem Kaffee zu treffen. Es war das Wochenende an dem Maria nach zwei Monaten mal wieder in Hagenow war. Wir hatten geplant uns bei ihr zum Raclette zu treffen. Schön den Bauch voll schlagen und gucken, was danach noch passiert. An diesem Tag hatte Tim mich gefragt, ob ich Lust auf Kino hatte. Er wollte Kokowääh gucken. Ein Frauenfilm von Til Schweiger, mit Heulgarantie. Ich hatte ihn leider schon gesehen und war ja nun auch schon verabredet, aber um mit Tim ins Kino gehen zu können hätte ich ihn mir glatt noch einmal angesehen. Naja, es war nicht zu ändern, er hatte einfach zum falschen Zeitpunkt gefragt. Allerdings bot ich ihm, so nett ich immer bin, an, mit mir zu Maria zu kommen. Ich war mir sicher, dass er nicht zusagen würde, aber da hatte ich mich getäuscht. Er sagte sofort zu. Ich bin aber auch ein Glückspilz. Wir verabredeten uns bei mir und fuhren dann gemeinsam zu Maria. Er setzte sich am Tisch neben mich. Herrlich. Es war perfekt. Er war wie der alte Tim. Lachte, machte Scherze und redete über UNSERE gemeinsame Zeit. Über unser kommendes Kaffeetrinken, über mein Abschiedsgeschenk (darüber, was es sein könnte), über vergangene Diskussionen, die wir so häufig führten. Er war einfach losgelöst, irgendwie frei. Ich wusste, dass dieser Zustand nicht lange anhalten würde, also genoss ich den Anblick. Ich hatte ihn so lange vermisst und nun war er endlich wieder da. Wisst ihr alle was Raclette ist? Man hat so kleine Schälchen, die man mit Mais, Pilzen, Nudeln usw. befüllt und dann mit Käse überbackt. Tim fand heraus, dass es sehr lecker schmeckte, wenn man Tomate mit Tzaziki und Käse überbackt. Er empfahl mir, diese Variante auch einmal zu probieren. Männer fühlen sich ja immer toll, wenn sie das Gefühl haben zu etwas gebraucht zu werden, also fragte ich ihn, ob er mir so ein Schälchen machen würde. Ganz ohne Widerworte fing er an. Es war super. Es war noch eine Freundin von Maria anwesend, die den Rest von uns bisher nicht kannte. Ich bin mir sicher, in diesem Moment sah es für sie aus, als wären Tim und ich ein Paar. Tomate und Tzaziki überbacken mit Käse schmeckt echt lecker. Nach dem Essen überlegten wir uns noch in die Disco zu fahren. Tim bot sich als Fahrer an. Wie lieb er doch ist. Ich war total irritiert, dass er überhaupt mit wollte und ich nicht nach dem Essen wieder nach Hause fuhr, aber es war mir natürlich mehr als recht. Ich hatte lange nicht mehr mit ihm gefeiert. Gegen halb zehn fuhren wir zu mir. Ich musste mir noch ein anderes Oberteil anziehen und Tim war ja nun mal gezwungen mitzukommen, schließlich war ich zusammen mit ihm zu Maria gefahren und konnte ja schlecht zu Fuß gehen. Er saß auf der Couch. Ich rannte durch die Wohnung wie ein Huhn auf Koks. Ich hatte nur 15 Minuten um mich stylen, das muss man erst einmal schaffen. Auf einmal machte ich halt. Ich hörte Tim in meinem Ohr wie eine Phatamorgana:"Haben wir eigentlich schon über den Karneval geredet?" Tim war beim Karneval gewesen, ebenso Sophie und es war kein guter Abend. Mehr wollte er mir damals nicht erzählen. Doch jetzt fing er an zu reden, ohne dass ich danach fragen musste. Himmel sei Dank. Er ging Sophie an dem Abend aus dem Weg. Alle seine "Freunde" gingen ihm aus dem Weg. Er war enttäuscht. Ging früh nach Hause und hatte seitdem keinen Kontakt mehr zu Sophie. Das er keinen Kontakt mehr zu Sophie hatte freute mich natürlich sehr, aber ich war enttäuscht von Martin und den ganzen anderen, dass sie ihn wirklich alle hängen ließen und es tat mir weh, zu sehen, wie sehr ihm das zu schaffen machte. Tim hat immer alles für seine Freunde getan, war immer für sie da, egal wie schlecht es ihm ging und nun, wo es drauf ankam, konnte er sich nicht auf seine Freunde verlassen. Ich war wirklich froh, dass ich so stur war und Tim immer wieder verziehen hab, als er sich so doof benahm. Ich wusste, wie sehr er es zu schätzen wusste, dass wenigstens ich noch für ihn da war. Der Abend allerdings war gelaufen. Keine Spur mehr von meiner guten Laune. Im Gegensatz zu Tim konnte ich das nicht einfach überspielen. Ich musste die ganze Zeit daran denken, wie sehr er leiden musste. Wenn ich mir vorstelle, dass mich all meine Freunde in der schlimmsten Zeit meines Lebens, in der ich überhaupt nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht im Stich lassen würden, ich würde Amok laufen. Tim zur Liebe riss ich mich zusammen. Als wir endlich in Trittau angekommen waren ging das auch ziemlich gut. Wir tanzten, tranken ein bisschen und hatten einfach ein bisschen Spaß. Im Laufe des Abends schweifte mein Blick immer wieder zu Tim ab, ich schaltete alles andere aus und sah nur noch ihn. Allerdings ertappte ich auch ihn, wie er mich beobachtete. Ich tanzte auf so einer Erhöhung, ihr wisst schon, so ein Podest auf dem dich jeder anstarren kann. Tim hatte das Ganze nicht mitbekommen. Doch dann blieb sein Blick an mir kleben. Ihm fiel die Kinnlade herunter. Ja, ich war selbst überrascht. So viel Selbstbewusstsein hätte ich mir gar nicht zugetraut und Tim scheinbar auch nicht. Naja, er überrascht mich oft genug, dann kann ich das auch einmal. Ich genoss diesen Blick. Wir waren ziemlich schnell am Ende. Gegen vier wollten wir nach Hause, jedem von uns fielen beinahe die Augen zu. Wir warteten noch ein Lied ab. Genau dieses Lied brachte mich wieder zurück in die Gegenwart: 1000 und 1 Nacht von Klaus Lage. "Wir waren nur Freunde und wollten´s auch bleiben, ich dacht´ nicht im Traum, dass was passieren kann.", wie passend. Scheiße, warum musste dieser blöde DJ genau jetzt dieses Lied spielen? Ich wollte nach Hause, weg von Tim und weg von dem Zwang mir nichts anmerken zu lassen. Auch auf der Rückfahrt saß ich vorne in Tims Auto. Sobald es ruhig wurde war ich wieder in meine Gedanken verloren. Ich dachte darüber nach, wie ich Tim helfen konnte. Mein Kopf lehnte an der Fensterscheibe, mein Blick war verloren. Es gab keinen Weg. Ich konnte Tim zwar unterstützen, aber er musste da selbst durch. Es waren seine Freunde, es waren beschissene Freunde, die konnte ich ihm nicht abnehmen. Timmi merkte, dass mich etwas bedrückte. Er schaute immer wieder unauffällig zu mir rüber. Ich tat so, als würde ich nichts mitbekommen. Er hätte eine Erklärung gewollt und ich hatte einfach keine Kraft mir schon wieder eine Notlüge auszudenken, wie ich es in letzter Zeit so oft tat. Ich fühlte mich schon wirklich schlecht. Ich belog Tim in den letzten Tagen ständig. Er fragte so oft, was mit mir los war, aber ich konnte ihm nicht sagen, dass es mir weh tat ihn leiden zu sehen, dass ich Angst vor dem Tag seiner Abreise hatte und dass ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte, das hätte ihn nur noch mehr belastet und ich wusste, dass er wollte, dass ich stark bin, dass ich nicht jammere. Also musste ich lügen, ich war dazu gezwungen.
Zwischendurch fing ich wieder an, mehr Kontakt mit Sebastian zu haben. Mit seiner Freundin lief es nicht mehr. Er konnte es ihr einfach nicht recht machen, sie hatte immer etwas zu nörgeln. Also schrieben wir wieder mehr, telefonierten und ich war hauptsächlich wieder in meinem Job als Samariter gefragt. Mir machte das nichts aus, ich tröstete ihn gern. Wenn ich ehrlich bin, dann hätte ich sogar nichts dagegen, wenn sich seine Freundin endgültig wieder von ihm trennen würde. Vielleicht machte ich mir wirklich wieder ein paar Hoffnungen, dass aus uns noch etwas werden würde, besonders weil wir uns noch einmal verabredeten. Ich sollte zu ihm kommen. Wir wollten DVD schauen, kochen und ein bisschen was trinken. Danach sollte ich dort übernachten. Also wenn da nichts läuft, dann weiß ich auch nicht. DVD gucken und Alkohol. Diese Kombination ist quasi ein Synonym für Sex. Natürlich war mir bewusst, dass ich wahrscheinlich nur ein Lückenfüller für ihn sein würde, genauso würde er es auch für mich sein, aber na und? Dann trösten wir uns eben ein bisschen gegenseitig.
Mittlerweile war Tims letzte Woche in Deutschland angebrochen. Nach dem Abend in Trittau hatte sich einiges geändert. Er fand sichtlich gefallen daran mit mir und meinen Freundinnen wegzugehen, was wahrscheinlich auch daran lag, dass seine Freunde sich immer noch nicht mit ihm trafen. Ich hätte das eigentlich auch nicht weiter schlimm gefunden, ich verbrachte ja gern Zeit mit ihm, aber er fing nun auch an mit Maria und Manu zu schreiben, was mir überhaupt nicht passte, besonders als ich erfuhr, dass er mit den Beiden über mich redete. Es lief alles aus dem Ruder. Zuerst redete er mit Maria darüber, dass wir ja alle noch einmal weg gehen konnten an seinem letzten Wochenende. Maria blockte ab, was Tim dazu veranlasste sie dazu einzuladen auch mit zu seinem und meinem Kaffeetrinken zu kommen. Mir blieb glatt der Keks im Hals stecken als ich das las. Männer sind doch so vedammt dämlich. Tim konnte doch nicht ernsthaft denken, dass ich damit kein Problem hätte. Es musste ihm doch einleuchten, dass ich meinem letzten Kaffee mit ihm allein trinken wollte, dass ich mein letztes Gespräch mit ihm allein führen wollte. Kann man wirklich sooo blöd sein? Maria war Gott sei Dank nicht so dumm wie er und lehnte ab, allerdings mit den Worten:"Ich glaube, da hätte Anna etwas dagegen." Tja, da war ich nun die Blöde. Naja, die Hauptsache war, dass ich ALLEIN mit meinem Tim bin. Nur leider kam mir Manu dazwischen. Sie ist einfach immer zu neugierig und mischt sich zu gerne in fremde Angelegenheiten ein. Sie nutzte es aus, wenn Tim ihr schrieb. Eigentlich war abgemacht, dass wir am Freitag nach meinem Kaffeetrinken ins 4eck gehen, damit ich mich betrinken kann, um diesen Abschied zu vergessen. Nur wir Mädels, ohne Männer. Dann kam Tim. Er fragte sie, ob wir nicht am Wochenende mit ihm nach Trittau wollten. Schon war mein Abend im 4eck vergessen, weil der arme, arme Tim doch nach Afghanistan geht und wir ihn an seinem letzten Wochenende doch nicht allein lassen konnten. Es hat ihn niemand gezwungen nach Afghanistan zu gehen!! Manu fand seine Idee blendend und setzte mich sofort darüber in Kenntnis. Super. Meine Freundinnen ließen mich im Stich, für einen Typen, den sie sonst immer bescheuert fanden. Ich war enttäuscht. Mir wäre egal gewesen, wenn sie lieber nach Trittau gewollt hätten, als ins 4eck, aber nicht mit Tim. Für mich stand fest, dass ich da nicht mitmachen würde. Sollten sie doch meinetwegen mit Tim Party machen, ohne mich, ich würde zuhause bleiben. Ich konnte das einfach nicht. Ich würde mich am Freitag von ihm verabschieden und danach würde ich von diesem ganzen Thema nichts mehr hören wollen, geschweigedenn ihn sehen wollen. So sagte ich das auch Manu. Sie verstand das sogar ein bisschen. Das Problem war nur, dass sie Tim meine Entscheidung gleich stecken musste und damit begann der Streit. Zuerst streitete ich mich mit Manu. Darüber mit welchem Recht sie mir so in den Rücken fiel. Sie war doch ein schlaues Mädchen. Sie hätte wissen müssen, was für eine Bombe sie damit ins rollen brachte. Denn nun war ich für Tim der Buhmann. Ich machte ihm sein letztes Wochenende zunichte. Zuerst, weil ich nicht wollte, dass Maria mit zum Kaffeetrinken kommt und nun, weil ich nicht mitkommen würde, wenn er mit meinen Freundinnen weggehen wollte. Außerdem machte er sich so seine Gedanken, warum ich nicht mitkommen wollte, was zu meinem Streit mit Tim führte. Er bestand darauf, dass ich mitkommen würde:"Ohne dich fahr ich da nicht hin." Ja, denn nicht, ist doch nicht mein Problem. Als er merkte, dass ich bei meiner Entscheidung bleibe, wurde er wütend und zog seine Konsequenzen daraus. Dank Manu durchschaute er schnell, dass ich mich beim Kaffeetrinken von ihm verabschieden wollte. Was ja nun auch eigentlich völlig normal war. Er machte mir Vorwürfe, dass ich die einzige sei, die so ein Drama aus der Afghanistansache macht. Tja, dann bin ich wohl die einzige, der wirklich was an ihm liegt. Er erpresste mich:"Entweder du kommst Samstag mit oder ich lasse das Kaffeetrinken sausen." Ganz toll, vielen Dank, Manu. Was blieb mir nun anderes übrig? Ich musste nachgeben. Ich konnte dieses blöde Kaffeetrinken nicht sausen lassen. Ich musste noch einmal meine Zeit mit ihm allein haben. Hätte Manu sich nicht eingemischt wäre das alles ganz anders gelaufen. Ich hätte Tim gesagt, dass ich am Samstag schon etwas vorhabe, nicht da bin oder sonst was. Er hätte keinen Verdacht geswchöpft und alles wäre gut gewesen, aber nein, Madame musste sich mal wieder der Probleme anderer annehmen. Nun war es zu spät, ich musste am Samstag mit allen nach Trittau und eine gute Miene zum bösen Spiel aufsetzen.
Ein paar Tage später dachte ich das Schicksal wäre auf meiner Seite. Tim schrieb:"Du Anna, ich muss für Samstag leider absagen. Die anderen wollen etwas mit mir unternehmen. Ich hoffe du verstehst das. Unser Kaffee bleibt natürlich." Na bitte. Besser ging es doch gar nicht. Die ganze Aufregung wa umsonst gewesen, dachte ich zumindest. Schon ein paar Stunden später hatte sich das Blatt wieder gewendet und es wurde sogar noch schlimmer, als nur ein Discobesuch mit Tim in Trittau. Manu schaltete sich mal wieder ein und verlegte Trittau einfach auf Freitag. Da sich keiner zum fahren fand, fragte sie mich. Nein, ich fahre ganz sicher nicht mit meiner kleinen Kiki eine knappe Stunde auf der Autobahn. Ihr Lenkrad fängt schon bei 100 km/h verdammt doll an zu vibrieren. Außerdem hatte ich Tim nur unter der Bedingung zugesagt mitzukommen, wenn ich trinken konnte. Also fiel auch ich als Fahrer aus. Eigentlich dachte ich, dass das Thema damit wieder vom Tisch sein würde. Wir hatten keinen Fahrer, also würden wir auch nicht nach Trittau fahren, aber dann kam eine erneute SMS von Manu:"Lukas fährt. Tim muss dann bei dir schlafen."
Herzlichen Glückwunsch, das war genau das, was ich jetzt noch brauchte. Tim soll bei mir schlafen, die ganze Nacht. Nee, das würde ich nicht einfach hinnehmen. Das würde schief gehen, auf jeden Fall. Ich wimmelte Manu ab, indem ich sagte, dass ich das mit Tim besprechen werde. Natürlich hatte ich nie vor, das wirklich zu tun. Es waren noch ein paar Tage bis zum Wochenende, ich hoffte einfach, dass noch ein Wunder geschehen würde und Tim nicht bei mir schlafen würde. Ja, manchmal geschehen wirklich Wunder. Am nächsten Tag sagte neben Manu auch Lukas ab. Er musste am Samstag früh arbeiten, also hatte er keine Lust Freitag bis tief in die Nacht zu feiern. Schon war mein Problem gelöst. Ich setzte Tim von den Neuigkeiten in Kenntnis und wir beschlossen, dann doch einfach nur ins 4eck zu fahren, Maria, Basti und ich, damit konnte ich leben. Um 23.00 Uhr holte Tim mich ab, wir sackten Maria ein und fuhren los. Während der Fahrt sagte Tim zu mir gewand:"Morgen geht es um eins los." Ich stand auf dem Schlauch:"Was ist morgen?" Tim fiel jeglicher Ausdruck aus dem Gesicht und da dämmerte es mir. Morgen war DER Tag. Gegen 13.00 Uhr sollte ich mich mit Tim treffen und mich von ihm verabschieden. Ich hatte es wirklich vergessen oder besser gesagt, ich hatte es verdrängt und das würde ich auch weiterhin tun, für´s erste. Der Abend war eigentlich nicht schlecht. Ich betrank mich ein wenig, verbrachte nicht besonders viel Zeit mit Tim und widmete mich dafür den restlichen anwesenden Männern. Keine Zwischenfälle. Gegen 4.00 Uhr fuhren wir wieder nach Haus. Es hatte sich irgendwie zur Gewohnheit gemacht, dass Tim mich als letztes nach Hause brachte, genau wie ich immer vorne sitzen durfte. Wir brachten also Maria nach Hause und machten uns auf den Weg zu mir. An einem kleinen Waldstück hielt Tim an. Ich war ein wenig irritiert und bekam Angst, dass er vielleicht reden wollte oder sonst irgendwas beschämendes. Ich würde anfangen zu heulen, dessen war ich mir sicher. Stattdessen sagte er das unromantischste, was ein Mann nur sagen konnte:"Ich muss pissen." Er machte das Auto aus und ich saß im Dunkeln. Für einen Augenblick war ich unbeobachtet und konnte in meinem Sitz zusammensacken. Der Abend hatte mich geschlaucht, besonders die Tatsache, dass nun schon Samstag war und ich in nicht mal mehr 8 Stunden wieder in Schwerin sein würde. Tim war relativ schnell wieder zurück. Ich setzte mich wieder aufrecht hin und er beugte sich zu mir rüber. Herzklopfen. Er zeigte aus meinem Fenster:"Schau mal, ein Hirsch". Was für eine Atmosphäre. Wir sitzen im dunklen Auto, im dunklen Wald und beobachten Tiere. Ich konnte das nicht ertragen:"Können wir los? Ich bin müde". Sichtlich enttäuscht, dass ich keine Lust hatte mir einen Hirsch anzugucken, fuhr er los. Zuhause angekommen konnte ich noch nicht schlafen. Er setzte mich auf den Balkon, rauchte und schaute in den Himmel. Es war eine sternenklare Nacht. Wenn mein Kopf nur auch so klar gewesen wäre. Eine Sternschnuppe. Unvermeitlich musste ich, noch mehr als sowieso schon, an Tim denken und schrieb ihm:"Ich habe eine Sternschnuppe gesehen, wunderschön". "Ich habe sie auch gesehen, wünsch dir etwas". War das nun Schicksal, dass Tim und ich genau zur selben Zeit in den Himmel und dieselbe Sternschnuppe sahen? Was hatte ich davon mir etwas zu wünschen? Mein Wunsch würde sowieso nicht in Erfüllung gehen. In ein paar Stunden müsste ich wieder aufstehen und Tschüß sagen:"Wir sehen uns in ein paar Monaten". Ich legte mich ins Bett und merkte nicht einmal mehr wie ich einschlief, ich dachte an nichts mehr und träumte auch nicht. Mein Wecker klingelte. Ich schaltete ihn aus und starrte an die Decke. Ich wollte nicht aufstehen. Ich konnte nicht. Es war, als würde mich ein Magnet an mein Bett fesseln. Einen kurzen Moment dachte ich wirklich darüber nach dieses Treffen abzublasen. Ich hatte nicht die Kraft dafür. Bis auf den letzten Drücker blieb ich liegen. Ich stieg schnell in die Dusche. Es war mir egal wie ich aussah, am Ende dieses Tages würde ich sowieso total scheiße aussehen. Ich machte einen Zopf, nahm das Geschenk und stieg ins Auto. Auf einmal war wieder alles so unreal. Ich war nicht nervös und auch nicht bedrückt. Ich war der Mittelpunkt eines totalen Gefühlschaos. In Schwerin fuhr ich direkt zu unserem Stammcafé. Wir hatten keinen Treffpunkt ausgemacht, aber es war so sicher wie das Amen in der Kirche, dass er hierher kommen würde. Tmi verspätete sich ein wenig. Er sah genauso schlecht aus wie ich, die Nacht war einfach zu kurz. Ich gab ihm das Paket. Er tippte auf eine DVD. Es freute mich, dass ich ihn an der Nase herumführen konnte. Das er falsch dachte. Wir unterhielten uns über irgendwelche unspektakulären Dinge, sofern wir überhaupt redeten. Ich hatte nicht das Bedürfnis etwas zu sagen. Ich konnte überhaupt nicht verstehen, was in mir vor ging. Es war alles so anders als ich es mir vorgestellt hatte. Natürlich war ich irgendwie bedrückt, aber ich nahm das alles nicht richtig wahr. Ich konnte nicht glauben, dass es das jetzt sein sollte. Schon nach einer Stunde hatte Tim seinen nächsten Termin. Ich verstand das, jeder wollte sich verabschieden. Wir gingen noch eine rauchen. Die letzten 5 Minuten für die mindestens nächsten 4 Monate. Jetzt wurde es mir klar. Jetzt überfiel mich eine innerliche Panik. Tim drückte seine Zigarette aus. Ich rauchte schneller. Ich hielt es nicht mehr aus. Ich wollte es endlich hinter mir haben."Ok Anna, Zeit sich zu verabschieden". Ich vergaß das Atmen. Mit Mühe bekam ich noch ein paar Worte zusammen. Ich wünschte ihm viel Glück, eine schöne Zeit und sagte, er solle auf sich aufpassen. Dann umarmte ich ihn. Es waren nicht einmal zwei Sekunden. Ich drehte mich um, ging und genau in diesem Moment schossen mir die Tränen in die Augen. Aus dem Blickwinkel sah ich wie Tim mir noch hinterher schaute. Ich wollte mich nicht umdrehen. Er sollte nicht sehen wie es mir das Herz zerriss, obwohl ich genau wusste, dass er gesehen hatte wie ich weine. Sein Blick zeigte Entsetzen und Traurigkeit zugleich. Damit hatte er nicht gerechnet, hatte ich selbst nicht. Diese Person war nicht ich. ICH hätte mich heulend vor seine Füße geworfen und ihn angefleht hier zu bleiben, aber nun ging ich heulend durch das Einkaufszentrum zu meinem Auto. Schnurstracks. Es war mir egal was die Leute dachten. Ich wollte nur noch weg. Noch als ich nach einer halben Stunde zuhause ankam heulte ich. Ich konnte mich nicht beherrschen. Es ging immer wieder los. Ich konnte nicht glauben, dass ich ihn jetzt nicht mehr sehen würde, dass ich ihm nicht mehr einfach schreiben konnte, dass er bald auf einem anderen Kontinent sein würde. Irgendwie schlief ich vor Erschöpfung ein und als ich aufwachte war alles vorbei. Ich war nicht mehr traurig. Ich dachte nicht mehr an ihn.
Zwei Tage später war es dann soweit. Der Tag seiner Abreise. Ich hatte ihm keine SMS mehr geschrieben. Ich hatte ihn nicht noch einmal gesprochen. Ich dachte nicht einmal daran, dass er fahren würde, bis ich eine SMS von ihm bekam:"So, Anna Popanna. Jetzt dauert es nicht mehr lange und mein Flug geht ab. Ich wollte dir noch alles Gute und Beste wünschen. Ich danke dir für ein sehr schönes Geschenk. Leider muss ich dir sagen, dass ich das Schreibzeug nicht benutzen kann. Wir haben hier welches von der Bundeswehr, aber die kleinen Pillen habe ich dabei und noch keine geöffnet. Ich öffne sie wenn ich Heimweh habe und denke dann an dich. Ich hab dich lieb und wir hören uns. Bis bald." Ich fing wieder an zu weinen. Die kleinen Pillen von denen er sprach waren "Sonnenschein in kleinen Dosen". Kleine Zettelchen mit schlauen Weisheiten, die gute Laune bescheren sollen wenn es einem schlecht geht. Ich schrieb ihm nicht zurück und versuchte mich schnell wieder zu fangen. Ich konnte mit meinen Tränen doch sowieso nichts mehr ändern. Ich musste mich damit arrangieren. Tim war nun mindestens die nächsten vier Monate weg und ich musste allein klarkommen, was auch erstaunlich gut funktionierte.
Gerade vor dem ersten Tag hatte ich immer Angst gehabt, aber es war alles halb so schlimm. Ich kam nicht einmal auf die Idee ihm zu schreiben. Es war ganz komisch, als wenn mein "ICH" wusste, dass es sowieso nichts bringt sich die Augen auszuweinen. Irgendwie hatte ich es auch noch gar nicht realisiert. Der Tag verging und alles war ok. Auch die nächsten Tage und Wochen verliefen nach dem selben Prinzip. Ich dachte kaum an ihn und wenn, dann dachte ich nur darüber nach warum ich nicht an ihn denke. Irgendwie hatten sich mit seiner Abreise all meine Probleme in Luft aufgelöst. Ich musste nicht mehr gegen meine Gefühle kämpfen, ich wurde nicht mehr ständig an meine Gefühle erinnert und ich musste auch nicht mit Timmis Launen klarkommen. Es war alles so einfach. Die Welt um mich drehte sich weiter und ich war nicht einen Moment traurig über seine Abwesenheit. Ich wartete nicht einmal sehnlichst auf einen Brief. Nein, ich hatte gemerkt, dass es auch ohne ihn geht.
Irgendwann erreichte mich dann doch der erste Brief. Ich machte Freudensprünge, fing an zu zittern und musste einfach kreischen voll Glück. Ich öffnete ihn ganz behutsam und langsam. Dieser Brief war mir beinahe heilig. Das erste Lebenszeichen. Im Moment hatte ich gerade gar nicht damit gerechnet, was wahrscheinlich daran lag, dass ich auch nicht wartete. Eine Seite schrieb er mir:
"Hi Anna. Ich bin endlich mal zum schreiben gekommen. Nun bin ich schon ein Weilchen da und habe mich eingelebt. Das Schlafen ist noch nicht so der Hit, aber was soll´s. Die Zeit vergeht eigentlich ziemlich schnell. Zu schnell meiner Meinung nach. Das Wetter hier ist wie "deutsches Wetter". Ziemlich viel Regen, was für die Wüste sehr ungewöhnlich ist. Hier war gestern teilweise das Camp gesperrt wegen Überflutung. Sonntag grillen wir und machen einen sogenannten Icebreakerabend. Mal sehen was das wird. Die Leute sind okay und ich komm klar. Am Mittwoch bin ich das erste Mal rausgefahren und hab ein wenig von der Gegend gesehen. So, das war es erstmal von mir. Lass mal was von der Heimat hören. Bis bald, Tim."
Immer wenn ich dachte, dass es mir doch eigentlich schlecht gehen musste, dachte ich, dass es mir mit Sicherheit wenigstens nach dem ersten Brief schlecht gehen würde. Fehlanzeige. Diese eine Seite hatte mir völlig gereicht. Ich hatte es nicht einmal eilig mit dem Antworten. Stattdessen beschäftigte ich mich lieber mit anderen Männern. Es kommt wirklich immer anders als man denkt.
Es wurde mal wieder spannend mit Chris. Als wir uns kennenlernten versprach er mir mich einmal in Lüneburg zu besuchen, wenn er da sein würde. Nun war er da, aber wie Matze hat auch er die dumme Angewohnheit seine Zeit nicht gut einplanen zu können, also sagte er mir ab. Er fragte wann ich das nächste Mal wieder in Hagenow sein würde. Ich antwortete:"Am Mittwoch vor Herrentag." "Das passt ja super, da bin ich bei Matze, dann sehen wir uns da, Mäuschen:" Hm, nicht so ganz das was ich mir vorstellte. Schließlich wollte ich nur das Chris mich in Lüneburg besuchte, damit ich einmal ganz mit ihm allein sein konnte, ohne Matze. Nun musste ich mir etwas einfallen lassen. Chris war mittlerweile wieder solo und ich wollte unbedingt wissen, ob er weiter gehen würde als damals bei Matzes Geburtstagsparty. Ich hatte mich gerade wieder mit meiner Mutter gestritten, sodass ich nicht zuhause bleiben wollte. Ich rief Matze an und tat so, als wüsste ich gar nicht dass Chris zu ihm kommen würde:"Du Schnucki, kann ich Mittwoch bei dir schlafen?" Natürlich gewährte er mir Unterschlupf, neben Chris auf der Couch. Außerdem schlug er vor an dem Abend noch ins 4eck zu fahren, was so viel bedeutete, dass Chris betrunken sein würde. Noch besser. Ich war schon Tage zuvor total überdreht und machte mir Gedanken was ich anziehen sollte um Chris zu verführen. Ich wollte ihn unbedingt kriegen..komplett! Es wäre eine herbe Enttäuschung für mich gewesen, wenn er mich abblitzen lassen würde. Davor hatte ich Angst. Meine Ansprüche waren einfach zu hoch angesetzt. Damals hatte er mich so angemacht und die einzige Begründung dafür, dass er stoppte war, dass er eine Freundin hatte. Also musste es jetzt einfach klappen. Es stand ja nichts mehr im Weg. Ich überlegte auch krampfhaft wie ich mich in einem solchen Fall verhalten sollte. Einfach alles auf eine Karte setzen und riskieren, dass er mich abblitzen lässt oder es einfach hinnehmen? Ich hatte keine Ahnung. Am Mittwoch kam ich dann so gegen 20.00 Uhr bei Matze an. Chris Auto stand schon dort, Matze allerdings war noch unterwegs. Das hieß also ich würde schon jetzt einen Augenblick mit Chris allein sein. Wir begrüßten uns wie gewohnt, gingen eine rauchen und während wir rauchten schaute er mir auf die Brüste:"Dein BH is der totale hammer, ein richtiger Blickfang, den musst du unbedingt anbehalten." Super. Genau so wollte ich das. Ich hatte extra ein ziemlich durchsichtiges und enges Shirt an und es zeigte seine Wirkung. Es war alles wie bei den letzten Malen, er haute mir auf den Po, hielt meine Hand usw. Er bemerkte sogar, dass mich etwas bedrückte, nämlich meine Mutter. Er war wirklich ein Traummann. Ich freute mich riesig auf den Abend. Im 4eck angekommen waren wir alle ziemlich schnell betrunken. Matze hatte seinen Spendablen und es gab Tiquilla en masse. Chris war ziemlich viel unterwegs, traf hier und da ein Mädel, das er kannte, welches ihm natürlich gleich um den Hals fiel. Er sieht einfach zu gut aus. Ich war ein wenig enttäuscht. Allerdings nur so lange, bis wir ein Foto zusammen machten, er mich dabei ganz fest an sich zog, so lange bis er mir den Rücken kraulte und so lange bis er mich bat auf sein Bier aufzupassen und mir als Dank einen Kuss gab, auf den Mund. Jaaaa, auf den Mund. Ich war völlig fertig mit der Welt. Als er aus Reichweite war musste ich erst einmal ein wenig mit Manu im Chor kreischen. Sie wusste was ich vor hatte und freute sich dementsprechend für mich. Trotzdem war ich mir nicht so sicher ob die Nacht enden würde, wie ich es mir vorstellte. Halb 6 fuhren wir nach Hause. Matze und Chris zogen sich aus, ich zog Hose und Shirt aus...ich hatte vor im BH und Boxershorts zu schlafen, aber dann kam Matze und sah mich im BH im Bett liegen:"Du schläfst doch sonst bei mir auch immer ohne BH?!" "Ja, aber Chris is ja nich du." Chris klinkte sich an Matze gewandt ein:"Wie jetzt? Sie schläft bei dir immer nackt?" Matze ganz cool:"Joa!" Damit war das Gespräch erstmal beendet. Chris schaute ein wenig enttäuscht. Matze ging ins Schlafzimmer und Chris legte sich zu mir. Wir mussten uns eine Decke teilen. Das Schicksal war in dieser Nacht wirklich auf meiner Seite. Er war kaum drunter geschlüpft, als er sagte:"Ach komm, lass uns noch ein bisschen kuscheln." Er zog mich an sich und umarmte mich fest. Ich fühlte mich jetz schon wie im Himmel. Ich wäre sogar nur mit dem Kuscheln zufrieden gewesen, aber er ging noch weiter. Er sagte:"Dein BH stört jetzt aber. Zieh den doch aus, oder vertraust du mir weniger als Matze?" Schwupps, dass lass ich mir doch nicht zwei mal sagen..schon war ich obenrum nackt. Chris wünschte mir eine Gute Nacht und gab mir noch einmal einen Kuss auf den Mund. Außerdem sagte er noch, dass ich heute Nacht mit ihm machen konnte was ich wollte. Ich wusste, dass das meine Chance war, entweder diese Nacht oder keine. Er vergrub sein Gesicht in meinen Haaren und fing an mir den Rücken zu streicheln. Auch ich kraulte ihn. Ich zittierte am ganzen Körper, ich stand total unter Strom. Chris bemerkte mein Zittern. Ich konnte ihm ja schlecht sagen, dass ich so zitterte, weil ich so verdammt scharf auf ihn war, also sagte ich mir sei kalt. Meine Atmung ging so unruhig, ich bekam kaum Luft. Chris zog mich noch dichter an sich, um mich zu wärmen, dabei war mir schon so furchtbar heiß. So lagen wir eine Weile, aber ich wollte mehr. Also hob ich noch einmal den Kopf und sagte irgendetwas dämliches was mir gerade in den Kopf kam. Chris legte mir seinen Zeigefinger auf die Lippen und sagte:"Matze kann uns hören." Wir waren uns ganz nah. Wahrscheinlich nich nur weil wir scharf aufeinander waren, sondern auch, weil wir zu betrunken waren um uns zu verstehen wenn wir flüsterten. Ich ergriff nun die Initiative und antwortete:"Dann ist es jetzt Zeit zu schweigen." Mit diesen Worten küsste ich ihn. Er hatte nur darauf gewartet, das merkte man der Reaktion seines Körpers an. Er war total in Extase. Er nahm mein Gesicht in beide Hände und lenkte meinen Körper in Rückenlage. Er küsste mich so zärtlich, stupste meine Nase mit seiner und streichelte mir über das Haar, aber trotzdem versprühte er eine gewisse Stärke. Die Rollen waren klar verteilt. Ich ließ mich völlig fallen. Ich fühlte mich so verdammt wohl. Seit ich Chris kennenlernte habe ich mir gewünscht nur ein einziges Mal mit ihm kuscheln zu können, seine Lippen auf meinen zu spüren und nun, nach fast genau einem Jahr war es soweit. Ich genoss einfach nur den Augenblick. Irgendwann fing er an mich überall zu streicheln, Rücken, Möppse...überall..rutschte mit seinen Lippen an meinem Hals tiefer. Es dauerte nicht mehr lange und er zog mir die Boxershorts aus. In meinem Kopf drehte sich alles. In wenigen Minuten würde ich mit ihm Sex haben. Ich, die kleine pummelige Anna mit dem heißesten Mann den ich derzeit kenne. Er lag halb auf mir und arbeitete sich an meinem Körper weiter nach unten vor. Dann fing er an mich mit der Zunge..ähm...naja ihr wisst schon. WOW. Mit seiner Zunge konnte er wirklich sehr gut umgehen. Nun zog er sich auch seine Boxershorts aus, schaute mich an und fragte, ob das auch wirklich alles ok für mich sei. Hallooooo? Das ist mehr als ok. Er erfüllte mir gerade den Traum, den ich die ganzen Tage zuvor geträumt hatte, von dem ich glaubte, dass es immer ein Traum bleiben würde. Jap, er war drin. Er küsste mich weiterhin. Er biss mir zärtlich in den Hals. Er wusste genau was ich wollte. Wir verstanden uns beinahe ohne Worte. Kurz bevor wir die Position tauschten fragte er dann ob er in mir oder auf mir kommen sollte. Tzzz...Chrissi..was für eine dumme Frage, wer soll denn die Sauerei danach wieder wegmachen? Also antwortete ich:"In mir." Er versicherte sich noch kurz, ob ich die Pille nahm, bevor ich mich auf ihn setzte. Verantwotungsbewusst war er also auch noch. Ich konnte mein Glück einfach nich fassen. Ich bewegte mein Becken vor und zurück und beobachte gleichzeitig wie Chris seinem Höhepunkt immer näher kam. Ich genoss diesen Anblick. Lauschte seinem leisen Stöhnen. Ich machte meine Sache eindeutig gut. Tja, irgendwann hat auch der schönste Moment ein Ende und wir zogen uns wieder an, sofern man das Anziehen nennen konnte. Ich schmiegte mich wieder an ihn und er gab mir noch einen Kuss auf die Stirn. Dann "schliefen" wir. Ich konnte nicht schlafen. Ich wusste, dass wir beide dasselbe dachten. Wir hätten nicht miteinander Sex haben dürfen. Wenn das Matze in irgendeiner Weise rausfinden würde, würde es riesigen Zoff geben. Naja, manchmal muss man ein Risiko eingehen um seine Träume zu erfüllen und auch wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es im Leben nicht tun. Chris hatte mich fest in seinem Arm. Manchmal zog er seinen Arm im Schlaf noch fester zu, sodass ich beinahe keine Luft bekam, aber das war mir egal. Es war eine unglaubliches Gefühl unsere nackten, verschwitzten Körper aneinander zu spüren. Als es dann Zeit zum Aufstehen wurde, grübelte ich die ganze Zeit, wie ich Chris gegenübertreten sollte, wenn er aufwachte. Wie verfällt man sich nachdem man Sex hatte, den man nicht haben dürfte? Ich hatte keine Ahnung. Chris schlug die Augen auf, sah mich fragend an und erkundigte sich, ob alles in Ordnung war. Ich hielt es für das beste, so zu tun als würde ich mir über nichts Gedanken machen und antwortete mit einem cool klingenden "Klar". Wir verhielten uns wie immer. Matze durfte niemals erfahren was in dieser Nacht passiert war. In einer unbeobachteten Minute versicherte ich mich auch noch einmal, ob wirklich alles wie vorher war. Darauf Chris."Ja, das war das absolute Highlight des Abends, nun haben wir beide ein kleines Geheimnis." Klein? ich konnte die Last schon jetzt nicht mehr tragen. Am liebsten wäre ich auf die Straße gelaufen und hätte es jedem erzählt. Ich brannte schon so darauf Manu alles zu berichten. Ich mochte gar nicht daran denken, dass ich das eigentlich nicht durfte. Naja, aber eigentlich sollte Chris bewusst sein, dass ich so eine Nachricht, als Frau, unbedingt jemandem erzählen musste. Außerdem musste ich auch irgendwie mein Gewissen beruhigen, denn so langsam, als ich wieder bei klarem Verstand war, wurde mir bewusst, was diese Nacht alles bedeuten könnte. Wenn Matze rausfinden würde, dass ich mit Chris Sex hatte, dann wäre Holland in Not. Da wäre erstens die Tatsache, dass Chris sein bester Freund war und ich seine beste Freundin, das kommt schon mal gar nicht gut. Zweitens versucht Matze seit Jahren mich ins Bett zu kriegen ohne Erfolg, wie sollte ich ihm verklickern, dass Chris sich dafür nicht einmal anstrengen musste? Ich konnte wirklich nur hoffen, dass Chris die Klappe hielt. Eigentlich war ich mir dessen auch sicher, aber es war Herrentag. Die Beiden waren an der Ostsee, sie würden sich bis zum Umfallen betrinken und ich wusste nicht, ob Chris, wenn Matze ihn direkt fragen würde, dann noch schauspielen konnte. Matze hatte nämlich noch in der berüchtigten Nacht mit Manu spekuliert, ob zwischen mir und Chris etwas laufen würde, also lag es nahe, dass er Chris ansprechen würde. Umso länger ich mit Manu über alles redete, umso mehr musste ich wissen, was an Herrentag bei Matze und Chris passiert war. Ich fragte Matze am Freitag also sofort wann sie wieder kommen würden. Er antwortete:"Wir sind schon da." Gut, ich kündigte für den Abend meinen Besuch an. Ich musste ihn irgendwie vorsichtig ausquetschen. Bei Matze angekommen war Chris Auto schon weg. Noch besser. Ich schrieb ihm eine SMS bevor ich zu Matze ins Haus ging. Ich fragte ihn, ob er trotz Trunkenheit die Klappe gehalten hatte. Er antwortete relativ schnell:"Natürlich, das hat keinen etwas anzugehen." Hm, hörte sich fast an als wenn er es wirklich bereuen würde, aber naja, darüber sollte und durfte ich mir keine Gedanken machen, denn sonst würden Gefühle ins Spiel kommen und das wollte ich nicht. Ich ging also zu Matze und beobachtete unsere Unterhaltungen ganz genau. Schnell kam ich zu dem Entschluss, dass er absolut gar nichts wusste. Ich kannte meinen Matze. Er hätte es nicht für sich behalten können. Er hätte mich angesprochen, hätte er etwas gewusst, aber er machte nicht einmal eine dumme Bemerkung. Nun konnte ich wieder aufatmen und genoss den Abend. Wir saßen auf der Couch auf der Chris und ich zwei Tage zuvor eine tolle Nacht verbracht hatten, alles lag noch so da, wie wir es hinterlassen hatten. Ich musste lächeln und dachte direkt wieder an alle Einzelheiten. Wahrscheinlich würde ich nie wieder mit Chris Sex haben, also dachte ich umso öfter daran wie es war, an seinen Gesichtsausdruck, seinen Körper..ich wollte die Bilder einfach nicht vergessen. Manu liebte es darüber zu reden...fatal...wenn sie so weiter machen würde, würde es früher oder später ans Licht kommen, also verbot ich ihr weiter mit mir zu diskutieren und zu spekulieren. Es war wirklich besser so. Am Sonntag allerdings bekam ich mein Andenken. Ich hatte eine Blasenentzündung. Ständig rannte ich auf Toilette und es kamen nur Tropfen und diese Tropfen brannten dann ganz fürchterlich. Dank Google wusste ich, dass dies die Symptome waren und ich wusste auch woher sie kamen: Sex ohne Kondom. Danke Chris, hast du fein gemacht. Ich hatte das Bedürfnis ihm mitzuteilen, was er da angestellt hatte. Natürlich wollte ich ihm keine Vorwürfe machen, also schrieb ich:"Du hast mir ein Andenken hinterlassen...eine schöne Blasenentzündung...naja, wer das eine will muss das andere mögen ;)" Ich bekam keine Antwort. Nun war ich mir sicher, dass er es bereute. Ich ärgerte mich zwar darüber, aber es machte mich nicht fertig. In dieser Situation war ich einfach egoistisch, ich hatte bekommen was ich wollte und ich hatte Chris in der Hand, ich saß am längeren Hebel, also war es mir egal. Â
Ok, einen Tag später war es mir nicht mehr egal. Es kotzte mich sogar tierisch an. Ich verstand einfach nich warum er sich jetzt so kindisch verhielt. Um seinen Schwanz in mich zu stecken war er doch auch erwachsen genug. Er hätte sich vielleicht einmal vorher überlegen sollen was er tut, wenn er hinterher nicht damit leben kann. Blöder Penner. Naja, das war nun eben das Opfer, dass ich bringen musste, um mir meinen Wunsch zu erfüllen...heutzutage geht eben nichts mehr ohne "Gegenleistung". Dann hatte ich jetzt eben keinen Kontakt mehr mit ihm, dafür hatte ich Sex mit einem der geilsten Typen, die ich kenne.
Außerdem konnte ich auch nicht behaupten, dass es mir gerade an Männern mangelte. Eigentlich wollte ich immer auf Teufel komm raus endlich wieder vergeben sein, aber so langsam fand ich Gefallen daran einfach nur eine "Freundschaft +" zu haben. Sex ohne Verbindlichkeiten, keine Gefühle die einem weh tun konnten, einfach Spielchen spielen. Darin war ich scheinbar echt gut. Für eine Frau ist es aber auch einfach soooo leicht, nuuur Sex zu haben. Irgendwie sagt kein Mann "Nein", wenn du ihm sagst, dass du nur Spaß ohne Beziehung willst. Es waren so einige an mir interessiert, zwar nur Online-Bekanntschaften, aber immerhin. Da waren ein weiterer Chris, ein Jan und ein Henrik. Chris und Jan waren zwar nett und sahen auch ganz gut aus, aber mein Hauptinteresse lag bei Henrik. Ich verstand mich von Anfang an sehr gut mit ihm. Er war 24, machte in seiner Freizeit Musik (nahm sie sogar auf) und hatte Abitur. Er wohnte bei mir in Lüneburg. Wir unterhielten uns jeden Tag mehrere Stunden. Fingen an zu telefonieren, er spielte mir am Telefon Lieder vor. Ich war hin und weg. Er konnte dieser Typ sein, den sich Frauen wünschen: ein Romantiker, der dir ein Lied schreibt, um dir damit seine Liebe zu gestehen. Ja, genau so stellte ich mir das vor. Irgendwann schlug er dann spontan ein Treffen vor. Er wollte vorbei kommen, eine rauchen und ein wenig reden. Er war mir so sympathisch, dass ich überhaupt nicht aufgeregt war. Ich takelte mich auch nicht besonders auf. Irgendwie war ich ganz ruhig. Seitdem Tim weg war hatte sich einiges an mir verändert. Ich war irgendwie erwachsener geworden, hatte ich das Gefühl. Er stand wie vereinbart pünktlich um 20.30 Uhr vor der Tür. Er sah nicht so gut aus wie auf den Bildern im Netz. Kennt jemand Gareth Gates? Genau so sah Henrik auf den Bildern aus, mit seiner Gitarre unter dem Arm. Wie der totale Mädchenschwarm. Nun stand er vor mir. Seine Haut war ein wenig unrein, seine Nase hatte eine kleine Kante. Dafür hatte er genau so ein heißes Kinn wie Chris, mit einer kleinen Ritze in der Mitte und ich fühlte mich zu ihm hingezogen. Wir verstanden uns sehr gut, aber nach den letzten Dates die ich hatte wusste ich, dass das nichts bedeuten muss. Scheinbar war es mir doch ernster als gedacht. Nach einer Stunde fuhr er wieder. Ich war die ganze Zeit über bei facebook online gewesen. Zehn Minuten nach seiner Abfahrt war auch er wieder online und er schrieb mich prompt an. Sowieso schrieb er mich immer an. Ich musste nie lange warten. Wir unterhielten uns über den Abend. Er sagte, dass ich so war, wie er sich mich vorgestellt hatte. Das war doch schon mal nicht negativ oder? Ich war es ja schon gewohnt, dass sich die Männer nach dem ersten Date immer wieder von mir distanzieren, aber so war er nicht. Er verhielt sich noch genau so wie vor dem Date. Schon zwei Tage später trafen wir uns wieder. Er kam wieder zu mir, es lief alles so wie beim ersten Date, nur dass er dieses Mal länger blieb. Er machte nie Andeutungen, dass er mich nur im Bett haben wollen würde. Wir ließen es langsam angehen. Für mich zu langsam. Ich hatte Angst, dass es auch ihm zu langsam ging, dass er darauf wartete, dass ich den ersten Schritt machte. Ich erkannte mich selbst überhaupt nicht wieder. Ich war sooo schüchtern, hatte Angst irgendetwas falsches zu machen. Ich war nicht Ich. Daran merkte ich, dass es mir wirklich ernst mit ihm war und ich glaubte auch immer mehr, dass es ihm genau so ging. Irgendwann war er mal wieder bei mir. Wir lagen nebeneinander auf der Couch, er hatte sein Bein über mich gelegt und wir erzählten. Ich glaubte, dass wir uns heute vielleicht endlich küssen würden, aber dann sprang er auf einmal auf und verkündete, dass er jetzt los fahren würde. Innerhalb von 3 Minuten war er weg. Ich hatte es verkackt. Ich hatte zu lange gewartet. Ich hatte nicht die Initiative ergriffen. Er hatte die Schnauze voll. Am nächsten Tag offenbarte er mir, dass er einfach noch nicht für eine neue Beziehung bereit wäre. Kein Problem. Ich warte. Am zweiten Tag hieß es dann er habe sich in eine andere verliebt. Problem. Herzlichen Glückwunsch. Ich habe mal wieder das Los gezogen. Ich war furchtbar traurig, aber ich wollte mir nicht die Blöße geben es mir anmerken zu lassen, also tat ich ganz cool..."Ich wünsch dir viel Glück"...bla bla bla. "Freundschaft +" ist eben doch besser.Ein paar Tage später fragte ich ihm wie es denn so läuft usw. Es lief nicht gut. Er fand er sei "untervögelt". "Soll ich vorbei kommen?" Mein Plan spielte sich schon vor meinem geistigen Auge ab. Rache ist Blutwurst. Soll er ruhig merken, dass man mich nicht so einfach abblitzen lässt. Ich ging duschen, macht mich hübsch und kam mit einer vornehmen (geplanten) Verspätung von 10 Minuten bei ihm an. "Du bist zu spät." - "Ja, hatte noch was zu tun." Tada...hat doch schon mal gut geklappt. Wir legten uns auf die Couch und schauten einen Film. Ich rührte keinen Finger. Wenn er unbedingt vögeln wollte, dann sollte er sich auch bemühen. Ich dachte schon es passiert gar nichts mehr, aber dann fing er an mich am Hals zu küssen. Showtime. Ich drehte mich um. Küsste ihn. Machte ihn heiß. Zog ihn aus. Ließ mich von ihm ausziehen. Ich trieb es soweit bis ich merkte, dass er sich schon kaum noch zurückhalten konnte. Dann fragte er:"Gehen wir ins Schlafzimmer?" Ich:"Nö." "Warum?" Ich beugte mich zu ihm runter und flüsterte ihm ins Ohr:"Hast du wirklich geglaubt, ich lass mich von dir ficken trotzdem du mich hast abblitzen lassen?" Ich werde seinen Blick niemals vergessen. Damit hatte er nicht gerechnet. Er flehte mich an mit ihm zu schlafen:"Bitte, du wirst es auch nicht bereuen." Wie erbärmlich. Ich nahm meine Sachen, zog mich an und fuhr nach Hause. Das war der erste Streich. Zwei Tage später schrieb ich ihm wieder. Ich war mir nicht sicher ob er sich nochmal mit mir treffen würde, aber ich war noch nicht fertig mit ihm, also musste ich es versuchen. Es klappte. Wir waren wieder verabredet. Der Junge musste echt untervögelt sein. Ich fuhr wieder zu ihm und wir hatten Sex. Es war ein Genuss zu sehen wie gut er es fand. Ich hatte ihn genau da wo ich ihn haben wollte. Nachdem er gekommen war machte ich noch ein paar Minuten auf Kuschelkurs, dann stand ich auf und suchte meine Sachen zusammen. Er schaute mich an:" Was machst du?" - "Mich anziehen." - "Du kannst doch hier schlafen." - "Nö warum?" - "Fandest du es nich gut?" - "Ging so." - "Wie jetz?" - "Hattest du nich gesagt es wird sich für mich lohnen?" - "Ja." - "Hat es nicht." Mit diesen Worte ließ ich den armen, in seinem Stolz gekränkten Henrik allein in seinem Bett zurück. Tja, so ist das Leben. Danach trafen wir uns noch einmal wieder. Wäre ich doch bloß zuhause geblieben. An diesem Abend hatte ich das peinlichste Erlebnis in meinem ganzen Leben. Ich saß also mit Henrik und seinem besten Kumpel auf dem Sofa. Die beiden kamen auf die gloreiche Idee Wodka zu trinken...pur. Ich wollte nicht als "Mädchen" dastehen und trank deshalb einen nach dem anderen mit. David fuhr irgendwann nach Hause und Henrik und ich wollten ins Bett. Uns ein bisschen vergnügen und dann schlafen. Mir drehte sich schon auf dem Weg zum Bett alles. Mir war wirklich übel. Naja, ich erspar euch die Details und mache es kurz. Er wollte offensichtlich "mündlich" befriedigt werden. Ich nahm "ihn" in den Mund, fing an und musste mich übergeben. Jaaaaa. Danach trafen wir uns nicht mehr wieder. Das lag nicht an ihm..nein, nein...der Sex mit mir war scheinbar sonst immer gut genug gewesen, sodass er über dieses Erlebnis hinwegsehen konnte, aber ich wollte ihm nie wieder unter die Augen treten. Ich hab mich sooooo geschämt. Ein paar Wochen später hatte er dann auch wieder eine Freundin. Gottes Willen. Die sah vielleicht aus. Ich sah sie ja nur auf Bildern, aber sie war völlig overdressed und fett. Ja, wirklich fett. Ich bin ja auch nich schlank, aber die hatte locker noch 20 kg mehr drauf. 5 davon waren sicher auch Make-up. Ich hab noch nie jemanden mit so viel Schminke im Gesicht gesehen. Naja. Jeder wie er mag. Irgendwann musste ich Henrik doch wiedersehen. Mein Meerschweinchen war gestorben. Ich hatte zwar kaum noch Kontakt mit Henrik, aber jetzt musste er mir helfen. Ich kannte schließlich großartig niemanden weiter hier und selbst hab ich es einfach nicht hingekriegt mein totes Schweinchen anzufassen und in einen Karton zu legen. Ich hab auch nicht um den heißen Brei geredet, hab ihm einfach gesagt, dass er kommen muss, um mein Meerschwein zu beerdigen. Mehr wollte ich auch nicht von ihm. Und er kam. Mit seiner Freundin. Oh Gott. Es war noch schlimmer als auf den Bildern. Sie hatte ein hautenges Minikleid an, dazu einen Blazer und Pumps mit Pfennigabsatz. Nicht sehr vorteilhaft. Nicht zu vergessen die riesige Blume, die sie im Haar hatte. Wo wollte die denn noch hin verdammt? Sie war doch nur hier um mein Meerschweinchen zu beerdigen. Ich musste mir echt das lachen verkneifen. Henrik machte mir direkt ein Kompliment zu meiner neuen Haarfarbe:"Du hast die Haare dunkler. Wow, steht dir richtig gut." Klar, was auch sonst. Seine Freundin zog das erste Mal ein Gesicht. Dann schwelgte er in Erinnerungen:"Ich weiß noch wie wir hier auf deinem Bett lagen und Formel 1 geschaut haben." Nummer 2. Er legte noch einen drauf und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte mit ihm und seiner Freundin am Abend feiern zu gehen. Jetzt viel ihr wirklich alles aus dem Gesicht. Für mich war es einfach super. Vor seiner eigenen Freundin baggert er seine Ex-Affäre an. Besser geht´s gar nicht. Wäre das mein Freund gewesen, den hätte ich unangespitzt in den Boden gerammt. Nun ja, er hatte mein Schwein in einen Karton gelegt und damit war seine Aufgabe bei mir erledigt. Ich bedankte mich brav und drängte die Beiden Richtung Tür. Ich war ihm wirklich sehr dankbar, ohne ihn wäre ich aufgeschmissen gewesen, aber mehr wollte ich dann auch nicht mehr mit ihm zu tun haben.
Nach Henrik folgten noch einige andere. Alles nichts Festes. Einfach nur Spaß. Ich fühlte mich irgendwie so gut dabei, einfach jeden zu kriegen, den ich wollte. Man fühlt sich so begehrt und toll. Natürlich ging es den Kerlen wahrscheinlich immer nur um Sex und sie fanden eigentlich nichts an mir, aber in dem Moment hab ich mich immer gewollt gefühlt. Also machte ich immer so weiter. Jetzt im Nachhinein schäme ich mich ein wenig. Klar, jeder hat mal seine wilde Phase, man sammelt Erfahrungen usw., aber trotzdem ist es irgendwie schlampig gewesen. Na ja. Eins stand jedenfalls fest. Tim war jetzt schon eine ganze Weile weg und ich vermisste ihn immer noch nicht. Ich war einfach mit anderen Sachen beschäftigt und es klappte alles von allein, ohne Tims Hilfe. Ich brauchte seinen Rat nicht mehr. Ich war jetzt ein Huhn, kein Küken mehr. Natürlich freute ich mich über jeden einzelen Brief von ihm. Es war schön etwas von ihm zu hören, aber es machte mich nicht traurig, dass nur ungefähr einmal im Monat etwas von ihm kam. Ich schrieb ihm seitenlange Briefe zurück. Schrieb sie sogar erst vor, damit ich auch nichts vergesse. Ich erzählte ihm alles. Ich dachte einfach, dass er so am meisten Heimat bekommt. Ich wollte nicht, dass er sich ausgegrenzt fühlt oder das Gefühl haben muss, dass er etwas verpasst. Ich wollte ihm seine Zeit einfach so angenehm wie möglich machen. Ich habe das nicht gemacht, weil ich immer noch Gefühle für ihn hatte und ihn vermisste oder ihm zeigen wollte, dass ich einfach die Beste für ihn bin, sondern nur, weil ich Anna bin und einfach lieb. Ja, die ganzen Gefühle waren wie weggeblasen. Als wären sie mit Tim nach Afghanistan gegangen. Ich machte mir so meine Gedanken darüber, wie das auf einmal sein konnte. Ich war doch so überzeugt davon gewesen, dass ich in ihn verliebt war, aber so langsam dämmerte es mir. Ich war überhaupt nicht verliebt in Tim. Ich war einfach nur abhängig von ihm gewesen. Ich brauchte ihn, um in meinem Leben zurecht zu kommen. Ich wollte seine Aufmerksamkeit. Hatte Angst, dass er mich irgendwann hängen lässt und ich meine Probleme selbst lösen muss. Das alles hatte ich mit Liebe verwechselt. Ich hatte keine meiner Entscheidungen selbst getroffen, ich brauchte zu allem Timmis Meinung. Ich hab zwar meistens nie gemacht, was er gesagt hat, aber er hatte mich trotzdem immer beeinflusst. Ich hab mich immer klein und hilflos gefühlt. Jetzt war auf einmal die Erleuchtung da. Ich brauchte niemanden, der mir sagt, was ich zu tun hatte. Gerade diese Sache mit Henrik war der ausschlaggebene Punkt. Er hatte mich auf eine gewisse Weise verletzt und ich habe nicht lange gejammert, sondern hab es selbst in die Hand genommen, mich wieder gut zu fühlen. So wie Tim wahrscheinlich an seinem Einsatz gewachsen ist, bin ich es auch. Ich fühlte mich auf einmal zufrieden und selbstsicher, was ich auch ausstrahlte. Die Menschen schauten mich mit ganz anderen Augen an. Ich sah immer geradeaus, nicht mehr auf den Boden. Es fühlte sich einfach toll an. Ich erzählte Tim davon und er war stolz auf mich. Das machte mich einfach glücklich.
Einen Vorfall gab es jedoch, wo Tim mir doch wieder Sorgen machte. In den Nachrichten wurde mal wieder gebracht, dass in Afghanistan einige deutsche Soldaten erschossen wurden. Bei solchen Nachrichten blieb mir jedes Mal das Herz stehen. Diesmal sah ich bei web.de ein Foto von zwei verletzten Soldaten. Der eine sah Tim verdammt ähnlich. Es war schrecklich. Ich zeigte Manu und Maria das Foto, in der Hoffnung, dass die Beiden mir sagen würden, dass ich mir das nur einbildete. Leider konnten sie das nicht. Sie fanden auch, dass die Ähnlichkeit beängstigend war. Ich hatte große Angst. Ich rannte jeden Tag nach der Arbeit sofort zum Briefkasten in der Hoffnung einen Brief von Tim zu erhalten. Mir blieb ja nichts anderes übrig als zu warten. Das waren wirklich schlimme Tage, aber irgendwann kam dann die Erlösung, es ging ihm gut.
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In der Zwischenzeit hatte Matze sich mit einem Reiseunternehmen nach Norwegen selbstständig gemacht. Das waren größtenteils nur Angeltouren, also eigentlich nichts für Mädchen, aber ich wollte trotzdem mal mitfahren, um der schönen Landschaft Willen. Für eine Tour brauchte Matze mindestens 5 Leute. Diese musste ich nun finden. Maria war sofort überzeugt davon. Sie hatte mal Lust zu angeln und auch die schöne Landschaft lockte sie. Mit ihr kam automatisch auch ihr Freund mit. Nun waren wir schon drei. Als Vierter fiel mir Sarahs mittlerweile Ex-Freund ein. Er war leidenschaftlicher Angler, also warum nicht. Glücklicherweise hatte er genau zu dem geplanten Zeitpunkt Urlaub. Fehlte also nur noch einer. Dabei dachte ich an Tim. Er war dann gerade aus Afghanistan zurück, da wäre Urlaub doch genau das Richtige. Wir hätten genug Zeit, um alles nachzuholen, was wir in den letzten 4 Monaten vermisst hatten. Außerdem fotografierte er ja gern, ich wusste genau, dass ich ihn mit der schönen Landschaft locken konnte. Also sagte auch er zu. Ich freute mich sehr auf diesen Urlaub. Es würde sicher super werden. Tim und ich könnten uns bis in die Nacht unterhalten und solche tiefsinnigen Gespräche führen, wie wir es sonst immer getan hatten. Erstmal musste er allerdings zurückkommen.
Dann war es soweit. Der Tag seiner Ankunft. Ich freute mich sehr, aber ich machte mir auch meine Gedanken, wie das jetzt alles werden würde. Würden die "Gefühle" vielleicht doch wiederkommen? Würde ich wieder abhängig von Tim werden? Würden wir uns wieder so gut unterhalten können wie es mal war? Auf all das würde ich bald eine Antwort bekommen. Es war abgemacht, dass wir uns alle im 4eck treffen und dort sein Zurück feiern. Tim wusste nicht, dass ich auch da sein würde. Ich wollte ihn überraschen. Ich fuhr also mit meinen Mädels ins 4eck. Ich war ein bisschen aufgeregt und hielt sofort Ausschau nach ihm. Die anderen hatte ich schon gesehen, lief aber einfach vorbei. Ich war noch nicht so weit. Keine Ahnung warum, aber ich konnte Tim nicht schon jetzt "Hallo" sagen. Wir standen im Raucherbereich an der Tür. Durch das Fenster sah ich Tims Freunde. Und dann auch ihn. Da stand er. Ich sah automatisch schnell wieder weg, als hätte mich jemand ertappt. Es war ein ganz komisches Gefühl. Am liebsten wäre ich wieder nach Hause gefahren. Ich wollte mich gerade wieder Richtung Fenster drehen, da hörte ich seine Stimme:"Hallo Anna." Ich war ganz starr vor Schock. Meine Beine zitterten. Er fiel mir um den Hals und dann musste ich endlich lachen. Timmi war wieder da. Wir gingen gemeinsam rüber zu den anderen. Er sah irgendwie schlecht aus. Ganz dünn. Raspelkurze Haare. Aber er lachte. Alle waren glücklich und das machte mich auch glücklich. Endlich waren alle meine Schäfchen wieder beisammen. Nun musste ich weinen und fiel Tim um den Hals. "Ey. Versau mir nicht mein T-Shirt,das hab ich heut erst gekauft." Ich musste lachen. Ja, das war Tim. Es war ein sehr schöner Abend. Ich schaute ihn die ganze Zeit an. Mit feuchten Augen und einem Lächeln auf den Lippen.
Gast Weiter so!! - Wunderschön!! Es liest sich sehr gut. Ich konnte und wollte gar nicht mehr aufhören es zu lesen. :) Eine tolle Geschichte, die aus dem Leben gegriffen scheint, einen zum Lachen bringt, aber auch bewegt und ein wenig nachdenklich macht. Gibt es noch eine Forsetzung? :) |
DerHein Ja, flüssig geschrieben und amüsant ebenfalls. Mir ist nur ein: Er weiste mich, das: er wies heissen muss und ein Timmi, aus dem plötzlich ein Basti geworden ist, aufgefallen. Und wie geht es nun weiter? Siegen die inneren Werte über belanglose Äusserlichkeiten? Bitte, bitte ein Happy End: ;) |