Romane & Erzählungen
YARA - Die W√ľstenprinzessin

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"YARA - Die W√ľstenprinzessin"
Veröffentlicht am 29. Dezember 2011, 58 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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YARA - Die W√ľstenprinzessin

YARA - Die W√ľstenprinzessin

- Kapitel 1 -

Sie hatte versagt. Immer wieder h√§mmerten Yara diese drei Worte durch den Kopf, w√§hrend sie vor dem Mann kauerte, den sie von allen auf der ganzen Welt nahezu am meisten hasste und die Spitze seines kalten Schwertes an ihrer Kehle f√ľhlte. Fest dr√ľckte sie ihre beiden, mittlerweile blutverschmierten H√§nde, gegen die Wunde am Bauch, die er ihr nach einem langen und harten Kampf, in dem er letztendlich als Sieger hervorgegangen war, zugef√ľgt hatte. Doch der k√∂rperliche Schmerz f√ľhlte sich, im Vergleich zu dem, der in ihrer Seele tobte, nahezu l√§cherlich gering an. Alles um sie herum, nahm Yara wie durch einen dunstigen Schleier wahr. Der hei√üe W√ľstensand, der ihr seine feinen K√∂rner in die Augen trieb und sie wie tausende kleine Nadelstiche marterte, w√§hrend sie versuchte nicht zu blinzeln und ihren Blick von dem seinen loszulassen. Der harte Felsen, der sich messerscharf in ihren R√ľcken bohrte und ihr gleichzeitig Halt gab, ihr half nicht das Gleichgewicht zu verlieren und vor ihm im Staub zu liegen. Die gesch√§tzten zwanzig M√§nner, die in ihren silbergl√§nzenden Kettenhemden auf dessen dar√ľber getragenen wei√üen Hemden das verhasste rote Kreuz prangte, welches ihre Zugeh√∂rigkeit verriet, zwei bis drei Meter schwer bewaffnet hinter ihrem Anf√ľhrer standen, sodass ihr eine Flucht unm√∂glich gemacht wurde. Nur noch der teils rotverf√§rbte Sand sowie die toten K√∂rper der Krieger von beiden Seiten, die da und dort verstreut herumlagen, erinnerten noch daran, dass an diesem Ort bis vor kurzem noch eine erbitterte Schlacht auf Leben und Tod getobt hatte, ansonsten lag eine erdr√ľckende Grabesstille in der Luft. Diese wurde gerade zum zweiten Mal von einer tiefen, drohend klingenden Stimme, durchbrochen: „Ich frage euch nur noch einmal so zur√ľckhaltend, Krieger …“ Er machte eine kurze Pause, um seinen Worten noch mehr Nachdruck zu verleihen. „ … bevor mein Schwert euer Haupt fein s√§uberlich vom Rest eures K√∂rpers abtrennen wird – wer seid ihr und welcher lebensm√ľde Wahnsinnige hat euch Meuchelm√∂rder beauftragt?“. ¬†Stille – kein Mensch w√ľrde sie zum Reden bringen und dieser Sohn eines Bastards schon gar nicht. Yara’s saphirblaue Augen mit den langen schwarzen Wimpern blitzten ihn herausfordernd an, w√§hrend sie ihr Kinn verwegen noch ein St√ľckchen mehr nach oben reckte und sich seine Schwertspitze noch tiefer in ihren Hals bohrte. Sie sp√ľrte das feine Rinnsal an Blut, das ihren Hals herunterlief und ihre Kleidung beschmutzte. Ein sp√∂ttisches L√§cheln, das seine kalten Augen jedoch nicht erreichte, begann um seinen Mund zu spielen. Yara sp√ľrte ihr Herz hart und best√§ndig gegen ihre Brust h√§mmern, nahm wahr wie das Blut dr√∂hnend in ihren Ohren rauschte und war in diesem Moment froh, √ľber die ihrem Volk zueigne Kriegertracht, welche ihrem Feind nur ihre Augen zeigte und den Rest ihres Gesichtes und K√∂rpers vor seinem unerbittlichem Blick verbarg. F√ľr einen kurzen Moment stellte sie sich vor ihrem inneren Auge vor, was geschehen w√ľrde, wenn er entdecken w√ľrde, dass er eine junge Frau vor sich knien hatte und eine feine G√§nsehaut der Angst begann ihre Haut zu √ľberziehen. Zu schlimm waren die Geschichten, die ihr von den grausamen Ordensbr√ľdern, die ganze Dorfgesellschaften ausradierten, nur weil die Menschen dort, der ihrer Ansicht nach falschen Religion angeh√∂rten, zu Ohren gekommen waren. Und war sie nicht selbst Augenzeuge von ihrer Erbarmungslosigkeit geworden, als sie noch ein kleines M√§dchen von sieben Jahren gewesen war? Yara presste ihre Lippen zu einem harten Strich zusammen und dr√§ngte schnell die Bilder ihrer Vergangenheit zur√ľck, die sie in diesem Augenblick zu √ľberw√§ltigen drohten. F√ľr einen Sekundenbruchteil l√∂ste sich ihr unnachgiebiger Blick von dem seinen und ihre Aufmerksamkeit wanderte zu einer fl√ľchtigen schattenhaften Bewegung, welche nur einer genaueren Beobachterin, wie sie es war, aufgefallen w√§re, in der Ferne eines angrenzenden Wadis. Obwohl Yaras Augen nach einem Sekundenbruchteil wieder die seinen trafen und sie sich ihr angehendes Entsetzen nicht anzumerken lassen versuchte, wurde sein L√§cheln um eine Spur k√§lter und h√§rter und in seinem Gesicht machte sich Verstehen breit. Sie schluckte hart. Sie hatte einen Fehler begangen, eine Unachtsamkeit, die sie in den n√§chsten¬† Minuten noch bitter bereuen w√ľrde m√ľssen.
Ohne sich umzudrehen oder seinen Blick von den ihren zu l√∂sen, drangen seine n√§chsten Worte an ihr Ohr. „Brutus, Claudius, Gottfried – nehmt euch f√ľnf Mann und haltet Nachschau, ob wir weiteren Besuch haben …“ Ohne zu Z√∂gern machten sich seine M√§nner mit ihren Schlachtr√∂ssern auf, um kurze Zeit darauf ein schreiendes, gefesseltes B√ľndel, welches r√ľcklings √ľber eines ihrer Pferde geworfen worden war, mitzubringen. Unsanft zerrten sie ein dunkelhaariges, h√ľbsches junges M√§dchen mit bronzefarbener Haut, deren Augen im Angesicht der √úbermacht, der sie ausgeliefert war, schreckhaft geweitet waren, von ihrem Pferd und brachten sie mit einem harten Sto√ü in den R√ľcken zu Fall. „Seht, welches seltene Schmuckst√ľck wir hier in dieser grausigen Ein√∂de gefunden haben…“ Lachend packte Brutus die langen Haare des M√§dchens, das in etwa Yaras Alter hatte, wand sie sich um die Finger und riss ruckartig ihren Kopf in den Nacken zur√ľck. Das schrille Aufheulen, das folgte, brachte Yara dazu ihren Oberk√∂rper ruckartige aufzurichten, doch im Gleichen Moment zwang sie die Klinge ihres Widersachers wieder zur√ľck in ihre Ausgangsposition. Yaras Gedanken begannen sich in ihrem Kopf zu √ľberschlagen und fieberhaft √ľberlegte sie, wie sie Naila aus dieser Situation herausbekommen konnte. Doch so sehr sie sich auch anstrengte, ihr fiel in diesem Moment keine L√∂sung ein. Im selben Atemzug, in dem sich Yara die Ausweglosigkeit ihrer Lage eingestehen musste, entdeckte Naila sie und begann laut aufzuschreien. „Yara, Yara ….. oh Allah …“ Das M√§dchen presste ihre gefesselten H√§nde im Entsetzen gegen ihren Mund, als sie das auf Yara gerichtete Schwert sah und fl√ľsterte. „Nein, dass d√ľrft ihr nicht tun.“ Ihre gro√üen dunkelbraunen Rehaugen f√ľllten sich mit Tr√§nen und noch gr√∂√üere Angst machte sich in ihrem Blick breit. Bis jetzt hatte Yara sie alle immer besch√ľtzen k√∂nnen. Wie zu einer gro√üen Schwester hatte Naila zu ihrer Anf√ľhrerin aufgeblickt und nun kniete selbige im Staub zu F√ľ√üen ihres schlimmsten Feindes und war selbst eine Gefangene. „Es beginnt vielversprechend zu werden …“ Sein Blick wechselte zwischen den beiden Frauen hin und her, ohne zu wissen dass die eine, eine Frau war und eine tiefe Genugtuung spiegelte sich in seinem Gesicht wieder. „Dein¬† Liebchen?“ Yara bedeute Naila mit einem bedeutungsschweren Blick ihren Mund zu halten, bevor sie sich in noch tiefere Schwierigkeiten brachte. „Gut, die Dinge haben sich also nicht ge√§ndert … du ziehst es weiterhin vor wie ein bockiges Kind zu schweigen? Dann wird sich auch an meinem Vorhaben nichts √§ndern, dich zu t√∂ten. Deine Freundin bringe ich sicherlich auch ganz gut ohne dich zum Reden.“ „Nein!“ Naila schrie laut auf und versuchte vergebens sich aus dem harten Griff von Brutus zu befreien. Unbeirrt der Tobenden hinter ihm, fuhr er fort: „Zuvor m√∂chte ich aber in das Gesicht des Mannes blicken, der es gewagt hat, mich, Maximus, den Sohn des wohl bekanntesten Mannes dieses Erdteils, anzugreifen. Es geh√∂rt eine geh√∂rige Portion Mut dazu, f√ľr die ihr euch meinen Respekt verdient habt … aber auch eine geh√∂rige Portion Dummheit …“ Das Lachen seiner M√§nner drang dumpf an Yaras Ohr. „Ihr habt doch nicht wirklich daran geglaubt, dass ihr auch nur den leisesten Hauch einer Chance hattet, mich zu besiegen … im √úbrigen k√§mpft ihr wie ein M√§dchen … und eurer Teuren werde ich nach eurem Tod schon zeigen, was es hei√üt einen richtigen Mann zu haben.“ Das noch lautere Lachen seiner M√§nner, das auf seine Worte folgte, verstummte so schnell wie es gekommen war, als Yara mit einem Satz sein Schwert wegwischte, vorschellte, den verborgenen Dolch aus ihrer Tunika zog und sich auf ihren Kontrahenten st√ľrzte. Sie f√ľgte ihm einen langen tiefen Schnitt am Oberarm zu, doch im n√§chsten Moment sp√ľrte sie eine Explosion in ihren Eingeweiden, die sie zusammensinken lie√ü, als er ihr sein Knie, in die vom vorangehenden Kampf erworbene Wunde am Bauch, rammte. Ein leises Wimmern drang √ľber Yara’s Lippen, sie kr√ľmmte sich vor Schmerz zusammen und drohte f√ľr kurze Zeit das Bewusstsein zu verlieren, doch die Kriegerin in ihr und der Hass auf ¬†ihren Feind, gaben ihr die Kraft gegen die Schw√§rze, die sich vor ihren Augen breit machen wollte, anzuk√§mpfen. Sie konnte nicht aufgeben. Sie durfte nicht. Ein saurer, kupfriger Geschmack nach Blut lie√ü eine dumpfe √úbelkeit in ihr hochsteigen. Noch eine Verletzung, die sie ihm zu verdanken hatte. Die Schmerzen zwangen sie schwer zu atmen, doch das hinderte sie nicht daran, seine Augen zu suchen und ihren Blick wieder unnachgiebig, in den seinen zu bohren. „Nehmt eure Maskerade ab!“ Aus seiner Stimme war jegliche Geduld gewichen. Als Yara nicht reagierte, gab er seinen Leuten ein Zeichen und mit einem heftigen Ruck wurde ihr im n√§chsten Augenblick das sch√ľtzende Kopftuch vom Gesicht gerissen. Seidenes, langes dunkelbraunes Haar, das in der Sonne wie fl√ľssige Schokolade gl√§nzte, fiel auf ihre Schultern herab und sie f√ľhlte sich in diesem Moment so verletzlich und schwach, wie keine Sekunde zuvor. Das Verbl√ľffen, das sich in seinen Augen f√ľr den Bruchteil einer Sekunde breit machte, verschwand ebenso schnell wie es gekommen war. Stattdessen machte sich in seinen Augen ein gef√§hrliches Glitzern breit, welches Yara, die nur eine ungef√§hre Vorahnung erf√ľllte, was das zu bedeuten hatte, ein St√ľck zur√ľckweichen lie√ü. Warum hatte er sie nicht einfach umgebracht, einfach abgeschlachtet wie all die M√§nner davor. „Das ist ja interessant…“ Der h√§mische Ton in seiner Stimme entging Yara nicht, als er einen Schritt zur√ľckmachte und sie, wie ein Vieh auf dem Markt, von oben bis unten musterte. „Eine Frau …“ Er sch√ľttelte im Unglauben seinen Kopf und begann laut und schallend zu lachen. Ein Lachen, in das seine M√§nner erst nach und nach bis zum letzten einfielen und das ebenso schnell verstummte, wie es begonnen hatte. „Eine Frau, die es wagt mich anzugreifen…“ Mit einem gewaltigen Hieb rammte er das Schwert neben ihr in den Boden, ging vor ihr in die Hocke und war ihr mit einem mal so nah, dass es Yara unangenehm wurde. Der Felsen, der sich nach wie vor in ihren R√ľcken bohrte, machte ihr ein weiteres Zur√ľckweichen unm√∂glich. Yara senkte den Kopf, um ihre nunmehr vor Furcht bebenden Lippen vor ihm zu verbergen. Doch das Zittern entging seiner aufmerksamen Beobachtung nicht und sie hatte das Gef√ľhl er weidete sich an ihrer Angst, wie eine Katze, die sich mit der von ihr gefangenen Maus spielt, um ihr danach den Todessto√ü zu versetzen. Vorsichtig hob er ihr Kinn an und zwang sie so, ihm erneut in die blauen Augen zu schauen. „Wer seid ihr?“ Das siebzehnj√§hrige M√§dchen schluckte hart und ein hei√üeres Fl√ľstern entrang sich ihrer Kehle: „T√∂tet mich!“ Er stie√ü ein verdrossenes Schnauben aus. „T√∂tet mich oder ich werde nicht eher ruhen, bevor ich euch get√∂tet habe.“ Ein Hass und eine Verbitterung lagen in Yara‘s Stimme, die sie f√ľr einen kurzen Moment selbst erschreckten. Ein vielstimmiges unverst√§ndliches Murmeln breitete sich unter den Reihen seiner Handlanger aus. „Ruhe!“ Mit einem Ruck stand er auf und wandte sich zu seinen M√§nnern um. „Packt sie, wenn n√∂tig fesselt und knebelt sie. Wir reiten zur√ľck ins Lager. Dort bringt sie zu Lauro – er soll ihre Wunden versorgen. Sobald es ihr Zustand zul√§sst, bringt sie in mein Zelt. Das andere M√§dchen bringt zu Aurora. Keiner r√ľhrt eine der beiden an bis ihr weitere Befehle von mir empfangt - dass das klar ist!“ Ohne sie noch eines weiteren Blickes zu w√ľrdigen, stieg er schwungvoll und mit einer Leichtigkeit, die Yara, angesichts der stark blutenden Wunde, die sie ihm zugef√ľgt hatte, verwunderte, auf sein Pferd, gab ihm die Sporen und ritt voran. Ohne den geringsten Widerstand zu leisten, lie√ü Yara es zu, dass seine Handlanger sie packten, sie unsanft auf die Beine zerrten, um ihre H√§nde kurz darauf hinter ihrem R√ľcken mit einer Fesseltechnik zusammenzubinden, welche ihr ein alleiniges Freikommen unm√∂glich machten. Im n√§chsten Augenblick verlor sie das Bewusstsein.

- Kapitel 2 -

Das erste, was Yara sp√ľrte, als sie langsam wieder zu sich kam, war eiskaltes Wasser, mit dem jemand ihr Gesicht benetzte. M√ľhsam, von einer bleiernen Ersch√∂pfung erf√ľllt, √∂ffnete sie die Augen und blinzelte in das g√ľtig l√§chelnde Gesicht eines Mannes, dessen Lebensalter, wie sie sch√§tzte, schon vor geraumer Zeit die achtzig √ľberschritten hatte. Seine Augen leuchteten warm und gutherzig und auch in seinem sonstigen Auftreten strahlte er eine Ruhe und Freundlichkeit aus, die sie fast vergessen lie√üen, wo sie sich befand. Aber eben nur fast. Unvermittelt sah sich Yara wachsam um und versuchte sich kurz zu orientieren. Sie lag auf einer mit frischen Leinen bezogenen Pritsche in einem gro√üen orangefarbenen Zelt, in dem sich au√üer dem greisen Mann und ihr, niemand befand. Wohlweislich war sie von ihren Feinden, trotz ihrer Bewusstlosigkeit, weiter in Fesseln gelassen worden. Schmerzhaft schn√ľrten sie ihre Handgelenke ab und lie√üen ihr, die es jahrelang gelernt hatte, aus jeder Art von Ketten zu entkommen, nicht den Hauch einer Chance sich zu befreien. Ihre Gegner wussten anscheinend mit wem sie es zu tun hatten und zogen es vor, sie nicht zu untersch√§tzen. Ihre Zunge fuhr √ľber ihre trockenen, rissigen Lippen und sie richtete sich zaghaft ein St√ľck auf. „Ihr m√ľsst Durst haben … wartet.“ Vorsichtig setzte der Alte ihr einen Becher mit einer braun schimmernden Fl√ľssigkeit an die Lippen. Kurzerhand, voller Argwohn erf√ľllt drehte Yara den Kopf zur Seite und presste ihre Lippen aneinander. „Ruhig, M√§dchen … ihr m√ľsst keine Angst haben. Keiner will euch vergiften.“ Ein Anflug von Spott funkelte in seinen weisen Augen und gleichzeitig konnte sie leichte Besorgnis darin erkennen. „Es ist blo√ü ein kr√§ftigender Kr√§utersud, der euren K√∂rper bei der Selbstheilung unterst√ľtzen soll. Aber ihr k√∂nnt auch gern etwas Wasser haben.“ F√ľr sein Alter noch erstaunlich beh√§nde, wandte er sich um und f√ľllte einen bronzenen Becher randvoll mit kaltem Wasser aus einem danebenstehenden Tonkrug. Immer noch mit leichtem Misstrauen erf√ľllt, sah Yara ihm mit wachsamen Augen bei seinem Tun zu. Ihre Finger f√ľhlten sich taub an und als sie begann sie vorsichtig zu bewegen, trat ein so unangenehmes Kribbeln ein, dass sie kurzerhand wieder damit aufh√∂ren lie√ü. „Bitte … trinkt!“ Nochmals setzte er den Becher an ihren rauen, spr√∂den Lippen an und dieses Mal brachte der qu√§lende Durst Yara dazu, einen Schluck des k√ľhlen Nass zu kosten. Als sie merkte, dass es tats√§chlich Wasser war, das ihr angeboten worden war, trank das M√§dchen gierig den Becher leer. „Vorsicht, Vorsicht. Das ist genug. Ihr wollt doch nicht, dass euch alles wieder hochkommt.“ Yara sch√ľttelte leicht den Kopf und fl√ľsterte ein leises „Danke.“ Der Alte l√§chelte. „Und ich dachte schon, ihr h√§ttet eure Stimme verloren.“ Yara r√ľckte ein St√ľck n√§her an den Alten heran, sah gehetzt zum Zelteingang, durch dessen Leinenwand sich hin und wieder Schatten patroulierender Truppen in der nahenden Abendd√§mmerung abzeichneten, und fl√ľsterte mit ged√§mpfter Stimme: „Ich bitte euch, ihr m√ľsst mir helfen. L√∂st meine Fesseln. Ich schaffe es alleine durchs Lager zu entkommen. Ihr k√∂nnt sagen, ich sei euch entwischt. Ihr seid ein guter Mann, ich sehe es an euren Augen. Ihr ward es vermutlich, der meine Wunden versorgt und mir einen Verband angelegt hat. Ihr habt mir vermutlich mit eurer Heilkunst das Leben gerettet. Ich bin euch aus tiefstem Herzen zu Dank verpflichtet und ich stehe tief in eurer Schuld. Aber es kann nicht euer Ziel sein, mich diesem Barbaren erneut auszuliefern, nachdem ihr so viel f√ľr mein Wohl getan habt. Bitte lasst mich gehen…bitte.“ Wie ein Wasserfall sprudelten die Worte nur so aus Yara heraus und in ihrem Blick lag ein Flehen, dass nur den Bruchteil ihrer innerlichen Verzweiflung wiederspiegelte. F√ľr kurze Zeit konnte Yara Mitleid in den Augen des Mannes aufblitzen sehen, doch ebenso schnell wie der Ausdruck von Anteilnahme in sein Antlitz getreten war, so schnell verschloss sich die Miene des Alten wieder, er stand auf, trat einen Schritt von ihr zur√ľck und wandte ihr die Seite zu. „Ich kann nicht, selbst wenn ich wollte. Ich bin meinem Herrn zu absoluter Treue verpflichtet. Ohnedies ist es nun wohl besser ich sage den Soldaten Bescheid, dass ihr wach seid, damit sie euch zu ihm bringen k√∂nnen, so wie mein Herr es mir befohlen hat.“ Kaltes Entsetzen machte sich in der jungen Frau breit und l√§hmte ihren K√∂rper. „Nein, nein! Wartet! Ich bitte euch.“ Doch der Alte war schon aufgestanden ohne Yaras Worten noch Beachtung zu schenken und hatte das Zelt verlassen. Yara atmete einige Male tief durch und besann sich. Sie musste Ruhe bewahren, durfte sich ihre Best√ľrzung nicht anmerken lassen. Sie war eine Kriegerin. Sie musste nur den richtigen Zeitpunkt abwarten. Fr√ľher oder sp√§ter w√ľrde ein¬† geeigneter Moment kommen. Vielleicht w√ľrde sie am Ende doch noch als Siegerin aus diesem, ihrem pers√∂nlichen¬† Kampf, hervorgehen.
Als die Soldaten kamen um sie zu holen, hatte Yara sich wieder unter Kontrolle. Mit verschlossener Miene, aus der man nicht die Spur einer Regung ablesen konnte, blickte sie den drei M√§nnern – einen von ihnen erkannte sie als Brutus - entgegen. Alle drei waren geharnischt als ob sie in diesem Augenblick zu einem Gefecht ins Feld ziehen w√ľrden und als Brutus sie grob am Arm packte, hatte Yara nur ein ver√§chtliches Schnauben f√ľr ihn √ľbrig. „Aufstehen!“ Seine Stimme dr√∂hnte laut und herrisch durch das Zelt und ohne ihr auch nur den Hauch einer Gelegenheit zu geben, selbst aufzustehen, riss er Yara mit roher Gewalt zu sich hoch. Kein Laut des Protestes kam √ľber Yaras Lippen. Das h√§tte diesem grobschl√§chtigen Kerl mit dem grausam wirkenden Gesicht, nur mehr Anlass gegeben, sie unn√∂tig zu qu√§len. Er versetzte Yara einen Schlag zwischen die Schulterbl√§tter, der sie nach vorne taumeln, aber zu seinem offensichtlichen Unmut, nicht hinfallen lie√ü. Die beiden anderen Soldaten h√§ngten sich auf seinen Wink jeweils seitlich bei ihr ein, sodass sie sich erst gar nicht der dummen Illusion hingeben konnte, zu fl√ľchten. Hoch erhobenen Hauptes wurde Yara durch das Lager gezerrt, gab vor stur geradeaus zu blicken, w√§hrend sie die Gegend aus den Augenwinkel heraus musterte und sich versuchte jedes noch so kleine Detail, jeden Pfad der aus dem feindlichen Heereslager f√ľhren konnte, einzupr√§gen. Sie schleppten sie zu einem einfach wirkenden, im Vergleich zum vorhergehenden etwas gr√∂√üeren Zelt. Brutus ging voran, blieb vor dem Zelteingang stehen und r√§usperte sich kurz. „Bitte um Einlass, Herr. Wir haben euch etwas mitgebracht.“ „Kommt nur herein.“, vernahm Yara aus dem Zeltinneren, die ihr verhasste Stimme. Brutus schob die Plane des Zelteingangs zur Seite, lie√ü sie mit beiden Soldaten passieren, um den Zelteingang kurz darauf wieder zu verschlie√üen. Yara unterdr√ľckte den Fluchtimpuls, den sie versp√ľrte, als sie ihn vor sich stehen sah. Gro√ü und breitbeinig, mit der Statur eines Kriegers, stand er in der Mitte des Zeltes und musterte sie mit einer Ruhe und Gelassenheit, die sie umso mehr auf der Hut sein lie√ü. Er trug eine dunkle Hose mit einem Waffeng√ľrtel aus schwarzem Leder, in dem ein gr√ľndlich poliertes Breitschwert gl√§nzte, an dessen Metallgriff eine lateinische Inschrift prankte. Non nobis Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam - Nicht uns, oh Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre. Yara stie√ü¬†ein¬†ver√§chtliches Schnauben¬†aus, denn sie hatte schon lange aufgeh√∂rt, an irgendeinen Gott zu glauben.¬†Letztendlich hatte sie sich immer nur auf sich selbst, auf ihren Verstand und auf ihre St√§rke verlassen k√∂nnen.¬†Innerlich auf das √Ąu√üerte angespannt,¬†√§u√üerlich wie die Ruhe in Person wirkend, setzte Yara ihre stille Musterung fort.¬†√úber der Hose hatte er nur ein einfaches Leinenhemd an und obwohl er seinen Waffenrock und das Kettenhemd abgelegt hatte, strahlte seine Erscheinung St√§rke aus. Die Blessur, die sie ihm am linken Oberarm zugef√ľgt hatte, war frisch verbunden, wie sie sah. Aus ihrer Erinnerung heraus, wusste sie, dass die Wunde heftig geblutet hatte, dass sie tief und schmerzhaft sein musste und es bereitete ihr Genugtuung, dass er eine Narbe aus ihrem Kampf davontragen w√ľrde. Dennoch hatte der Gedanke f√ľr Yara einen bitteren Beigeschmack, denn eigentlich h√§tte sie ihn t√∂ten wollen. Das Zelt selbst, wie sie registrierte, war erstaunlich schlicht gehalten und nur mit dem N√∂tigsten eingerichtet. Ein durchsichtiger Vorhang gab Sicht auf eine Schlafstatt in der linken Ecke des Zeltes, mittig und seitlich des Zeltes ragten Holzpfeiler in die H√∂he, die dem Zelt wohl zus√§tzlichen Halt geben sollten. Ansonsten befanden sich ein Tisch, auf dem eine Landkarte ausgebreitet lag, und einige St√ľhle im Raum. Mehrere Kerzen sorgten f√ľr ein d√§mmriges Licht. Widerwillig lie√ü sich Yara bis zur Mitte des Raumes zerren und funkelte ihren Widersacher angriffslustig an. „Knie nieder vor deinem Herrn, Sklavin!“ h√∂rte sie Brutus hinter sich bellen und sie konnte nicht verhindern, dass sich ein sp√∂ttisches, geringsch√§tzendes L√§cheln auf ihrem Gesicht ausbreitete. Im n√§chsten Moment sp√ľrte sie wie die Soldaten sie loslie√üen, w√§hrend ein harter Tritt in ihre Kniekehlen, sie zu Boden gehen lie√ü. „Das Lachen wird dir schon noch vergehen, du st√∂rrisches kleines Biest.“, h√∂rte sie Brutus b√∂se zischen. Noch immer war kein Wort √ľber die Lippen ihres „Gastgebers“ gekommen. Voller Verachtung blickte die junge Kriegerin zu ihm hoch und straffte ihren Oberk√∂rper. So leicht w√ľrde sie sich nicht unterkriegen lassen. Yaras vorangegangene Furcht wich einem unb√§ndigen Hass, der sich nur zu deutlich in ihrem Gesicht widerspiegelte. Ihre Augen spr√ľhten Funken. Sein h√§misches Grinsen brachte sie noch mehr in Rage. Er tat einen Schritt auf sie zu, doch Yara gab ihm nicht die Genugtuung, vor ihm zur√ľckzuweichen. Ihr Blick verfolgte, wie er seelenruhig einen Dolch aus dem Waffengurt hinter seinem R√ľcken z√ľckte, die Waffe versonnen betrachtete und mit seiner Daumenkuppe fast z√§rtlich √ľber die Klinge strich. Eine Anspannung lag in der Luft, die ihr es schwer machte zu atmen, doch √§u√üerlich lie√ü sich die heranwachsende Frau nichts anmerken. Qu√§lend langsam kam er noch einen Schritt auf sie zu und ging vor ihr in die Hocke, sodass sein Gesicht dem ihren gef√§hrlich nah kam. Sie sp√ľrte wie er ihre H√§nde fest packte und wie ein scharfer pr√§ziser Schnitt kurz darauf ihre Handfesseln durchtrennte. Yaras Gesicht blieb regungslos und auch sonst blieb sie starr vor ihm knien, den Oberk√∂rper noch immer hoch erhoben, die Augen unverwandt auf ihn gerichtet. Ihre H√§nde f√ľhlten sich wie abgestorben an, als er sie wie ein kostbares Kleinod in die seinen nahm und ihr sanft bedeute aufzustehen. Als h√§tte sie auf hei√ües Eisen gegriffen, riss Yara ihre H√§nde zur√ľck und beeilte sich aufzurichtetn. Die drei Soldaten hinter ihr taten einen Schritt auf sie zu, doch ihr Anf√ľhrer bedeutete ihnen, in dem er leicht die Hand hob, stehen zu bleiben und abzuwarten. „Nun, Yara … so nannte euch doch eure Freundin … wer seid ihr? Was, oder besser gesagt, wer hat euch zu der Dummheit angestiftet mich und meine M√§nner anzugreifen.“ Scheinbar uninteressiert goss er sich einen Becher Wein ein, doch Yara konnte einen lauernden, gef√§hrlichen Ausdruck an seinen Z√ľgen erkennen. Von seinem Auftreten scheinbar unbeeindruckt, antworte sie mit fester Stimme. „Ich bin euer schlimmster Albtraum, das schw√∂re ich euch. Und es wird der Tag kommen, an dem ihr mich um euer Leben anfleht, solltet ihr mich nicht heute und sofort t√∂ten.“ „Das hatten wir schon alles, Liebes … aber ich muss dich leider entt√§uschen, ich habe bessere Dinge mit euch vor.“ Schritt f√ľr Schritt war er n√§her gekommen und Yara wich unmerklich vor ihm zur√ľck, bis sie den harten Holzpfosten in ihrem R√ľcken sp√ľrte, der ihr einen weiteren R√ľckzug verwehrte. Seine warmen Finger strichen sanft √ľber ihre Wangen, Yara schloss kurz die Augen und sagte sich, dass das ein Albtraum sein musste und sie jeden Moment erwachen w√ľrde. Doch als sie im n√§chsten Moment die Augen wieder √∂ffnete, war sein Gesicht dem ihren so nah, dass sie seinen hei√üen Atem, der in der K√§lte der Nacht kleine Dunstw√∂lkchen in die Luft zeichnete, auf ihrer Haut f√ľhlen konnte. Trotz trat in ihre Augen und leise zischte sie: „Wenn ihr glaubt, mir mit eurem m√§nnlichen Imponiergehabe Angst einjagen zu k√∂nnen, dann m√ľsst ihr euch schon was besseres einfallen lassen, als mich hier in euer Zelt bringen zu lassen und mir zu drohen. Aber anscheinend seid ihr nicht Manns genug euch anders Respekt bei einer Frau zu verschaffen. Das m√ľsst ihr wohl von eurem Vater haben. Es hei√üt ja bekanntlich, der Apfel f√§llt nicht weit vom Stamm.“ Yara verzog das Gesicht, als er ihre Haare mit seiner Hand fest umschlang und ihren Kopf ruckartig zur Seite riss. Reflexartig griff sie nach seinen H√§nden und versuchte seinen Griff zu l√∂sen. Im selben Moment lie√ü er sie los, packte sie mit einer Hand beim Kinn und presste seine Lippen hart auf die ihren. Yara versuchte sich zu befreien, wand sich, doch seine zweite Hand hatte ihre beiden H√§nde hinter ihrem R√ľcken gepackt und hielt sie unerbitterlich fest. Sein K√∂rper war schwer gegen den ihren gepresst, sodass sie keine M√∂glichkeit zur Flucht hatte. Seine Zunge teilte ihre Lippen, als Yara vor Schmerz aufkeuchte, weil er sich noch fester gegen sie dr√ľckte und sie sp√ľrte wie ihre Bauchwunde wieder zu bluten anfing. Ohne sich darum zu k√ľmmern, riss er ihr wei√ües Leinenhemd, welches ihr wahrscheinlich der Wundheiler zuvor angezogen hatte, entzwei, sodass es bis zum Bauchnabel zerfetzt war. Immer heftiger setzte sich Yara zur Wehr und versuchte ihre H√§nde aus seinem harten Griff zu befreien. Als alles nichts half, biss sie ihn fest in die Lippen. Er lie√ü ab von ihr. Yaras Brustkorb hob und senkte sich schwer. Keuchend und mit Genugtuung erf√ľllt, nahm sie wahr, dass er blutete. Er lie√ü sie los. Schnell verschr√§nkte Yara ihre H√§nde vor der Brust, schlang das aufgerissene Hemd, das sich am Bauch leicht rot verf√§rbt hatte, um ihren Oberk√∂rper. „Na gut, ich hab ja versucht nett zu dir zu sein, aber du willst es ja nicht anders. Ich schw√∂re dir, du kleine Drecksschlampe wirst mich heute noch anflehen, dass ich dich besteige und wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir w√ľnschen ich h√§tte dich get√∂tet.“ Yara senkte den Blick, ein leichtes Zittern durchlief ihren K√∂rper und mit Entsetzen erf√ľllten Augen, wandte sich ihr Blick zur T√ľr, als er seinen n√§chsten Befehl ausstie√ü. „Bringt ihn herein!“ In Ketten gelegt und mehr tot als lebendig, schleppten sie einen gut gebauten jungen Mann mit dunklem kurzen Haar in das Zelt. Yara schlug die H√§nde vor den Mund und st√ľrzte im gleichen Moment zu ihrem Bruder. „Salim…“ Sie schrie auf, als sie einer der Soldaten auf Befehl seines Herrn von hinten packte und mit eisernem Griff festhielt. „Yara.“ Ihre Blicke trafen sich und Yaras Augen f√ľllten sich mit Tr√§nen. Die ganze Selbstbeherrschung war von der einen Sekunde auf die andere wie weggefegt. Nicht ihr kleiner Bruder. Sie durften ihm nichts antun. Nicht wegen ihr. Salim war der einzige, der von ihrer Familie √ľbrig geblieben war. Er war das einzige, dass ihr noch einen Grund gab weiterzuk√§mpfen. Er und der Gedanke auf Vergeltung. Salim wollte ihr zu Hilfe eilen, doch die Kette, die sie um seinen Hals gelegt hatten, wurde heftig zur√ľckgerissen und lie√ü ihn straucheln. Yara wehrte sich erneut gegen den Soldaten, der sie festhielt, doch sie war zu geschw√§cht durch ihre Wunde, als das sie eine Chance gegen ihn gehabt h√§tte. Von Panik erf√ľllt wechselte ihr Blick zwischen ihrem Bruder und ihrem jetzigen Sklavenhalter hin und her. Dieser stand mit verschr√§nkten Armen, den Blick nun vielmehr ihrem Bruder zugewandt und sie mit Missachtung strafend, ruhig vor ihnen und betrachtete die Szenerie. „Knie dich nieder vor deinem jetzigen Herrn!“ kam sogleich der bellende Befehl von Brutus. Als Salim keine Anstalten machte, ihnen zu gehorchen, wurde er, ebenso wie sie vorhin, zu Fall gebracht. Yara kannte Salims Stolz und wusste dass er in seiner Sturheit der ihren um nichts nachstand. „Wartet!“ Yara schluckte hart. „Bitte, wartet … tut ihm nichts.“ Keine Regung, er sah weiterhin stur auf Salim herab. „Ich flehe euch an …“ Sie biss sich, als das n√§chste Wort ihre Lippen verlie√ü, vor Selbstverachtung fast die Lippen blutig, doch dass Salim nichts geschah war jetzt wichtiger, als ihre W√ľrde. „ … Herr …“ Er hob den Blick. Sie hatte wieder seine Aufmerksamkeit gewonnen. Yara atmete erleichtert auf. „Ich sage euch was ihr wissen wollt. Aber lasst ihn aus dem Spiel.“ „Wer sagt dass ich noch etwas wissen will?“ kam es h√∂hnisch zur√ľck. „Aber ihr wolltet doch …“ Noch bevor Yara den Satz beenden konnte, stie√ü er ein Lachen aus, dass ihr einen kalten Schauer √ľber den R√ľcken laufen lie√ü und sie unterbrach. „Meinst du nicht, kleine Kriegerin, dass ich meine Hausaufgaben schon l√§ngst gemacht habe. Glaubst du nicht, dass ich schon √ľber dich Bescheid gewusst habe, w√§hrend du noch fiebernd im Zelt meines Medicus gelegen bist? Mach nicht den Fehler mich zu untersch√§tzen, mein M√§dchen.“ Er war auf sie zugekommen und stand nun wieder so nah vor Yara, dass es ihr Unbehagen bereitete. „Denn ich untersch√§tze dich auch nicht, Yara.“ Seine Finger strichen sanft √ľber ihr Dekolletee, erreichten die zarte W√∂lbung ihres Busens und lie√üen Yara den Atem stocken. „Wir k√∂nnten so viel Spa√ü miteinander haben, bevor ich dich meinem Vater √ľbergebe.“ Ihre H√§nde ballten sich zu F√§usten und ein leichtes L√§cheln huschte √ľber sein Gesicht, als er es registrierte. Yara f√ľhlte sich zur√ľckversetzt in ihre Kindheit, als sie ebenso hilflos und ohnm√§chtig zusehen musste, wie ihr Vater der Grausamkeit seines Vaters ausgesetzt gewesen war. Vor ihrem inneren Augen sah sie sich als Kind auf ihren Vater, den sie mir als ihr eigenes Leben geliebt hatte, zulaufen, als ¬†sich gerade das Schwert seines Angreifers tief in sein Herz bohrte und ihn vorn√ľber kippen lie√ü. Schrill hallte Yara ihr eigener Schrei in den Ohren wider. Er beobachte ihr Mienenspiel und keine Gef√ľhlsregung, die sie eben durchlief, schien ihm in diesem Moment zu entgehen. Was war blo√ü los mit ihr? Wo war die Kriegerin, zu der sie geworden war, hin verschwunden? Warum hatten die Gef√ľhle sie unter Kontrolle und nicht sie die Kontrolle √ľber ihre Gef√ľhle?¬† Salims Ketten raschelten als er sich wieder aufrichtete und ihren Todfeind herausfordernd anstarrte. „Lass deine dreckigen Finger von ihr oder ich schw√∂re…“ Ein s√ľffisantes Grinsen aufgesetzt wandte sich ihr nunmehriger Gef√§ngnisw√§rter zu Salim um. „Oder sonst was? St√ľrzt du dich auf mich? T√∂test du mich? Schl√§gst mir den Sch√§del ein? Ich glaube es liegt nicht an dir, irgendwelche leeren Schw√ľre zu leisten…“ Salim schoss nach vorne auf ihn zu, doch die Kette um seinen Hals und die zur√ľckgebundenen H√§nde hinderten ihn daran, auf seinen Widersacher loszugehen. Schmerzhaft wurde er zur√ľckgerissen, aber er dr√ľckte sich mit vollem Widerstand gegen die Kette. Sein K√∂rper war bis auf das √Ąu√üerte gespannt. Angsterf√ľllt um ihren Bruder beobachtete Yara die beiden M√§nner. Beide gro√ü und kr√§ftig gebaut. An St√§rke standen sie sich wohl in nichts nach. Salim spuckte ver√§chtlich vor seinen Gegner aus. „Versteckt euch nur weiter feige hinter euren M√§nnern, Templer. Etwas anderes hab ich mir von euch auch nicht erwartet. In eurer Kultur kennt man wohl das Wort „Ehre“ nicht.“ Der Peitschenhieb auf den nackten R√ľcken, der seinen Worten folgte, kam v√∂llig unerwartet und lie√ü Salim in die Knie gehen. Ein lautes Surren und ein weiteres Mal traf die d√ľnne Lederpeitsche seine nackte Haut und biss sich in sein Fleisch. „Nein!“ Mit einem Ruck riss sich Yara von ihrem Bewacher frei und st√ľrzte sich zwischen ihren Bruder und die Peitsche. Ein lautes Klatschen und sie f√ľhlte wie ein heller Schmerz sie durchfuhr, als ihre Haut aufriss. Yara biss sich fest auf die Lippen, kein Schmerzenslaut¬† entwich ihren Lippen. Ein weiterer Hieb. Tr√§nen schossen der zarten, noch m√§dchenhaft wirkenden Frau, in die Augen und sie umklammerte fest ihren Bruder. Die Augen geschlossen und die Finger in seine Arme gekrallt, erwartete Yara den n√§chsten Schlag. Doch er kam nicht. Vorsichtig blinzelte sie die Tr√§nen weg und sah hoch. Yara zuckte zur√ľck, als der Soldat, der soeben noch die Peitsche geschwungen hatte, leblos neben ihr zusammensackte und sich langsam aber stetig eine dunkelrote Blutlacke unter ihren Beinen ausbreitete. Sie robbte zur√ľck und blickte fassungslos auf den Dolch in der Hand des Templeranf√ľhrers. „Ich mag es nicht, wenn man mein Eigentum besch√§digt!“ Er blickte auf sie herab und ein Zittern erfasste Yara, das sie nicht mehr abstellen konnte. Sie zog ihre Beine an die Brust, umklammerte sie und starrte auf den leblosen K√∂rper, w√§hrend ihr K√∂rper nicht mehr zu ihr geh√∂ren schien. Wie durch einen Nebel h√∂rte sie ihn sagen, „Schafft mir den Leichnam aus den Augen und nehmt ihren Bruder mit.“ Yaras Augen f√ľllten sich mit Tr√§nen und ein leises verzweifeltes Schluchzen entrang sich ihrer Kehle. Mutlos sah sie den beiden √ľbrigen Soldaten zu wie sie ihren ehemaligen Kameraden an den Beinen hinaus schleiften und Salim zwangen ihnen zu folgen.

- Kapitel 3 -

Yara blickte an sich herab und wischte sich kurz entschlossen die Tr√§nen aus den Augen. Sie wusste, was sie zu tun hatte. Alles was z√§hlte, war ihren Bruder und Naila aus deren Gefangenschaft zu retten. Egal wie hoch der Preis war, mit dem sie zu bezahlen hatte. Mit Beklommenheit erf√ľllt, streifte sie z√∂gernd langsam das viel zu gro√üe, halb zerrissene Leinenhemd, welches schon mehr zeigte als es verbarg, √ľber ihre Schultern und lie√ü es bis zu ihren H√ľften herab gleiten. Sie konnte sp√ľren wie sein Blick unmerklich √ľber ihren K√∂rper glitt und wie er sie verwundert bei ihrem Tun beobachtete. Yara wagte es nicht ihn anzusehen. Zu gro√ü war die Angst davor einen R√ľckzieher zu machen. Mit leiser, aber dennoch um Festigkeit bem√ľhter Stimme, brachte die junge Frau ihre n√§chsten Worte vor. „Tut mit mir, was euch beliebt.“ Sie atmete zitternd ein und fuhr fort, „Aber ich bitte euch, verschont meinen Bruder und tut auch Naila nichts an.“ Befangen sah sie zu ihm hoch, in ihren Augen spiegelte sich ihre Verzweiflung wieder. „Er ist das einzige, was ich noch habe. Nehmt ihn mir nicht auch noch.“ Etwas in seinem Blick ver√§nderte sich, dass Yara nicht auf Anhieb zuordnen konnte. Die H√§rte darin war mit einem Mal verschwunden und war f√ľr den Bruchteil einer Sekunde aufrechter Anteilnahme gewichen, doch ebenso schnell wie sich das Mitgef√ľhl in seinen Z√ľgen gespiegelt hatte, so schnell verfl√ľchtigte es sich auch wieder und sofort kam der arrogante Ausdruck in seine Miene zur√ľck. „Steh auf …“ Bed√§chtig begann er den Dolch vom Blut seines Untergebenen zu s√§ubern und musterte den Stahl dabei mit kritischen Blick. Spannungsgeladen krallten sich Yara‘s eiskalte Finger in den weichen, fein gewebten Stoff ihres Hemdes und nachdem ein Augenblick des Z√∂gerns verstrichen war, entspannte sie ihre Finger, lie√ü den Stoff, der ihr f√ľr kurze Zeit Halt gegeben hatte, los und stand langsam und sich ihrer Nacktheit nur allzu sehr bewusst auf. Obwohl er noch immer mit dem Polieren des Dolches, den er nun hochhielt und im Schein der Kerzenflammen begutachtete, besch√§ftigt war, konnte Yara sp√ľren das ihm nichts entging. Sie f√ľhlte sich elend. Dieser Barbar w√ľrde sich nehmen, was ihm seiner Meinung nach zustand und danach w√ľrde er sie entweder t√∂ten oder, was f√ľr Yara noch schlimmer zu ertragen war, er hatte Gefallen an ihr und w√ľrde sie zu seiner pers√∂nlichen Sklavin machen. Aber sie musste es ertragen. Sie musste es aushalten, um ihren Bruder, Naila und wom√∂glich noch viel mehr Gefangene ihres Volkes vor dem sonst sicheren Tod zu bewahren. Sein Schweigen, seine ruhige Gelassenheit und die monotonen Bewegungen mit denen er noch immer seinen Dolch vom Schmutz befreite, obwohl er schon so blank poliert war, dass der Stahl im Kerzenlicht gl√§nzte, lie√üen ihre Nerven fast zerrei√üen. Das machte er absichtlich. Er wollte sie m√ľrbe machen und ihren Willen brechen, da war sich Yara sicher. Unvermittelt wandte Maximus sich zu ihr um und lie√ü seinen Blick nun offensichtlich √ľber ihren nackten K√∂rper gleiten. Yara konnte nicht verhindern, dass sich ihr K√∂rper versteifte, als er auf sie zukam und so knapp vor ihr stehen blieb, dass sich ihre beiden K√∂rper gerade um einen Hauch nicht ber√ľhrten.
„Du hast Angst …“ Seine tiefe Stimme und der Blick, mit dem er sie musterte, jagten Yara einen Schauer √ľber den R√ľcken. Mit dem Daumen strich er sanft √ľber ihre vollen Lippen. „Solltest du auch …“ Yara konnte nichts erwidern. Sie stand regungslos vor ihm und selbst wenn sie etwas entgegnen h√§tte wollen, w√§ren ihr wahrscheinlich die Worte im Hals stecken geblieben. Ihr Blick war starr auf sein Gesicht gerichtet und alles was sie f√ľhlte, war ihr Herz, das ihr bis zum Hals schlug.
„Du solltest dir jetzt etwas anziehen … ich werde dir Dajana schicken. Sie soll deine Wunde neu verbinden, dir etwas zum Waschen geben und frische Kleidung bringen.“ ¬†¬†
Mit einem Mal drehte er sich um und verlie√ü das Zelt. Er ging einfach. Benommen folgte ihm Yaras Blick. Du hast Angst. Wie ein Echo hallten seine Worte in Yara’s Gedanken nach. Ein Zittern durchlief ihren K√∂rper, sie hielt die Luft an und ballte ihre H√§nde zu F√§usten, so fest, dass die Kn√∂chel wei√ü hervortraten und sich ihre Fingern√§gel fest in ihre Handinnenfl√§che bohrten.¬† Ich werde dich t√∂ten. Ich werde dir deinen verfluchten Dolch durchs Herz rammen, so wie es dein Vater mit meinem getan hat und ich werde mit Befriedigung zusehen wie langsam das Leben aus deinem K√∂rper weicht. Und ich werde keine Sekunde z√∂gern, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Ein leises R√§uspern lie√ü Yara aufblicken. Eine hellh√§utige, junge Frau mit feinem, langem Haar so gl√§nzend wie Gold und einem Gesicht so h√ľbsch das es Yara den Atem verschlug, stand am Eingang des Zeltes und kam nun, da sie Yaras Aufmerksamkeit hatte, einige Schritte n√§her heran. Ihr Gang war anmutig, ihre H√ľften wogen weich und fraulich hin und her, sodass ihr wohl jeder Mann (und wohl auch jede Frau – nur diese von¬† Neid erf√ľllt) hinterher schauen musste. Das rote, an der Taille mit einem Kordelband eng geschn√ľrte ¬†Kleid, das sie trug, war tief ausgeschnitten und gab den Blick auf volle runde feste Br√ľste frei. Und auch der Rest ihres K√∂rpers war schlank und doch wohlgeformt mit weichen, frauenhaften Konturen. Yara sp√ľrte bei dem Anblick einen leisen Stich von Missgunst. „Nun, meine Kleine…“ gurrte die blonde Frau und ein sp√∂ttisches, jedoch auch warmherziges L√§cheln spielte um ihre Lippen. „Maximus meinte ich soll mich um dich k√ľmmern …“ Yara zog eine Schnute. „Danke, ich habe keinen Bedarf.“ „Ach, M√§dchen … nun hab dich nicht so … ein paar Handgriffe und du siehst aus wie ein kleines leckeres T√§ubchen.“ Die Frau begann Yara unsympathisch zu werden. „Und wenn ich aber nicht aussehen will, wie ein kleines leckeres T√§ubchen!“ Die Antwort kam sch√§rfer als sie es beabsichtigt hatte, doch Dajana lie√ü sich nichts anmerken und fuhr fort: „Maximus w√ľnscht es so und es steht euch – soweit ich wei√ü - nicht zu, seine Befehle zu verweigern. Yara schluckte eine noch sch√§rfere Antwort hinunter und seufzte in stiller Ergebenheit. Letztendlich f√ľhrte Dajana wohl oder √ľbel auch nur aus, was ihr von oben aufgetragen worden war. Dajanas Lippen kr√§uselten sich zu einem L√§cheln, ob ihrer stillen Ergebenheit und sie begann sich an die Arbeit zu machen. Mit beiden Fingern stie√ü sie einen hohen Pfiff aus und kurz darauf kamen zwei weitere junge, h√ľbsche M√§dchen (wenn auch nicht so h√ľbsch wie Dajana) –Sklavinnen oder Kurtisanen, wom√∂glich auch beides, dachte Yara bei sich ¬†– in das Zelt und stellten einen Bottich mit dampfenden, wohl riechenden Wasser ab. „Hinein mit dir!“ Dajana gab ihr einen Klaps auf den Hintern und Yara machte sich schnell daran, in den warmen Zuber zu steigen und in das wohltuende Wasser zu tauchen. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal, den Luxus eines hei√üen Bades genossen hatte und konnte es sich nicht verkneifen, behaglich aufzuseufzen. Bald schon schrubbten sechs eifrige H√§nde ihre Haut mit Seife ab und sp√ľlten ihr Haar mehrmals mit einer duftenden Rosenessenz durch. Doch bevor sie es richtig genie√üen konnte, erklang schon wieder Dajanas Befehlston: „Raus mit dir! Ehe du uns einschl√§fst vor lauter Behaglichkeit.“ Unangenehm ber√ľhrt kletterte Yara schnell aus dem Holzbottich und ehe sie sich versah, wurde sie in ein weiches warmes Baumwolltuch eingewickelt und trocken gerubbelt. Willenlos lie√ü sie die darauffolgende schmerzhafte Haarentfernung mit Zuckerpaste √ľber sich ergehen und ebenso widerstandslos lie√ü sie zu, dass Dajana ihr Haar trocknete und frisierte. Miteinander tuschelnd und kichernd begannen die beiden anderen M√§dchen Yaras Augen mit schwarzem Kohl zu umranden und ihre Haut mit einem Puder abzust√§uben. Dajana hielt ein wei√ües halb durchsichtiges Kleid vor ihren K√∂rper und musterte es kritisch. „Das ist perfekt.“ „Nein!“ Yara ging einen Schritt r√ľckw√§rts. „Das ziehe ich nicht an. Wo sind meine Sachen?“ „Deine Sachen wurden verbrannt, Sch√§tzchen. So etwas Barbarisches ziehen Frauen bei uns nicht an!“ „Ihr habt was?“ „Zieh dein Kleid an … der Herr hat es f√ľr dich ausgesucht…“ Erneutes Kichern bei den beiden M√§dchen. „Ich werde einen Dreck tun!“ Yaras Stimme war so laut geworden, dass sich vor dem Zelteingang eine der Wachen r√§usperte. „Alles in Ordnung bei euch?“ „Jaja, schon gut…“ erwiderte Dajana und ohne sich um Yaras Protest zu k√ľmmern, streifte sie ihr das Kleid √ľber den K√∂rper. Yara unterdr√ľckte den Impuls der Gegenwehr und lie√ü es einmal mehr an diesem Tag zu, dass man ihr etwas aufzwang, das sie nicht wollte.
Dajana klatschte ihre H√§nde zusammen. „Perfekt.“ Als sie Yara einen Spiegel vor die Nase hielt, musste diese hart schlucken. Langsam hob das M√§dchen ihre Hand und strich wie verzaubert √ľber ihre Wangen und ihre Lippen, doch gleichzeitig f√ľllten sich ihre Augen wieder mit Tr√§nen. Durch Dajanas eingehende Musterung peinlich ber√ľhrt, senkte sie schnell den Blick und blinzelte ihre Tr√§nen weg. „Du musst keine Angst haben, M√§dchen … Maximus ist ein einf√ľhlsamer, z√§rtlicher Liebhaber … auch wenn er wahrscheinlich nicht will, dass ich dir das sage. Aber ich kann dich verstehen … auch ich hatte Angst, als ich ihm das erste Mal gegen√ľberstand, als er mich in sein Bett holte ¬†…“ Sie grinste bei ihren n√§chsten Worten. „Und jetzt kann ich es von Mal zu Mal kaum erwarten, dass er mich zu sich ruft.“ Yara blickte wieder zu ihr auf und Verst√§ndnislosigkeit machte sich in ihrem Gesicht breit. „Er hat sich euch auch aufgezwungen? Und ihr findet das auch noch gut? Das dies nicht das erste Mal ist, dass er so etwas tut, macht ihn nur noch abscheulicher f√ľr mich und es gibt mir noch mehr Grund sein Leben auszul√∂schen, damit ihm nicht noch mehr M√§dchen zum Opfer fallen.“¬† Dajana seufzte. „Ach, M√§dchen … macht keine Dummheiten … ihr habt nicht den Hauch einer Chance gegen ihn. Sein Vater hat daf√ľr gesorgt dass er der beste Krieger unter den seinen ist. Maximus wird niemals unbesonnen sein und er kennt euren Hass gegen ihn, der ihn nur noch zu mehr Vorsicht anstiftet. Ihr seid eine N√§rrin, wenn ihr glaubt, ihr k√∂nntet ihn t√∂ten. Schlagt euch das gleich aus den Kopf, wenn ihr euch und euren Bruder nicht gef√§hrden wollt. Und auch um das M√§dchen willen, Naila war doch ihr Name … glaubt mir, es w√§re nicht klug Maximus Zorn zu beschw√∂ren. Denn sein Zorn, sofern er erst einmal gesch√ľrt worden ist, ist wohl das einzige, das noch gr√∂√üer ist als seine Vorsicht.“ „Dann stehen wir uns wohl darin um nichts nach.“ Mit ernsten Augen blickte Yara in die von Dajana. Ein Blick der Dajana nur nochmals laut Aufseufzen lie√ü. Im n√§chsten Moment sp√ľrte Yara wie ihr Dajana wieder Fesseln um die H√§nde wandt. ¬†Wenn¬† sie gewollt h√§tte, h√§tte sie sich wehren k√∂nnen, aber da es ihr in diesem Moment nichts brachte, lie√ü sie es in stiller Ergebenheit √ľber sich ergehen. Nachdem die Sklavin Yara‘s H√§nde hinter ihrem R√ľcken fest verknotet hatte und sich davon √ľberzeugte, dass der Knoten auch hielt, band sie Yara am Pfosten des Bettes an. „Alles Gute, M√§dchen.“ Sie gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn, als w√§re Yara noch ein kleines Kind und schenkte ihr noch ein aufmunterndes L√§cheln, in dem jedoch auch eine Spur von Mitleid mitschwang, bevor sie und ihre beiden M√§dchen das Zelt verlie√üen. Eine K√§lte machte sich in Yara breit, die sie zu l√§hmen schien, w√§hrend sie am Bett sa√ü und auf ihren Peiniger wartete.

- Kapitel 4 -

Die Sekunden schienen sich zu Minuten auszudehnen und die Minuten verl√§ngerten sich zu Stunden. Immer wieder wanderte Yara‘s Blick unstet zum Zelteingang und lie√ü ihren Herzschlag f√ľr ein paar Sekunden aussetzen, wenn sich der Stoff im Wind bl√§hte und sie glauben lie√ü, er w√ľrde jeden Augenblick eintreten. Drau√üen war es dunkel geworden, die Kerzen waren die letzten Stunden heruntergebrannt und ihr flackerndes Licht zauberte unheimliche Schatten an die Leinenbahnen der Zeltw√§nde. Drau√üen war Gel√§chter zu h√∂ren und vereinzelt konnte sie die Stimmen und das Gr√∂len angetrunkener M√§nner ausmachen. Sie feierten wohl ihren heutigen Sieg √ľber jene, die sie die Ungl√§ubigen nannten, dachte sie bitter. Ein leises Rascheln am hinteren Ende des Zeltes lie√ü Yara ihre Aufmerksamkeit in die Richtung, aus der sie das Ger√§usch wahrnahm, richten. Eine menschliche Gestalt zw√§ngte sich durch einen verbogenen Spalt in das Zelt. Yara K√∂rper spannte sich und sie richtete, auf dem Bett kniend, ihren Oberk√∂rper auf. Als sie zu erkennen glaubte, wer sich da ungesehen und wohl auch unerlaubt in das Zelt einschlich, stockte ihr erstmals der Atem. Ein j√ľngeres Abbild ihres Todfeindes trat schelmisch grinsend ein und stie√ü einen anerkennenden Pfiff aus, als er sie auf dem Bett kniend vorfand. „Welch‘ sch√∂ne neue Errungenschaft meines Bruders haben wir denn hier…“ Yaras Herz h√§mmerte fest gegen ihre Brust, w√§hrend sich ihre Gedanken blitzschnell zu √ľberschlagen begannen. Das war ihre Gelegenheit. Er hatte also einen Bruder. Wenn sie ihn √ľberw√§ltigen konnte, war dies die Freiheit f√ľr diejenigen, die sie liebte und vielleicht auch die ihre. Und sollte sie daf√ľr sterben, dass sie ihre Lieben retten konnte, so w√ľrde sie dies nur allzu gerne in Kauf nehmen. Wortlos musterte Yara den jungen Mann, der geradewegs und ohne jegliche Scheu, auf sie zukam. Er war, wie sie sch√§tzte, in etwa gleich alt wie sie Bruder, vielleicht auch um zwei bis drei Jahre j√ľnger und seine Statur war nicht ganz so kr√§ftig wie die seines Bruders. Von der K√∂rpergr√∂√üe her √ľberragte er Yara etwa um eine Hauptesl√§nge. Sie hatte es schon mit gr√∂√üeren und schwereren Gegnern in fr√ľheren K√§mpfen zu tun gehabt, bei denen sie auch ohne Waffen als Siegerin hervorgegangen war. Noch immer blitzte dem jungen Mann der Schalk aus den Augen, als er sich neben sie auf die Pritsche setzte und sie in ihrem halb durchsichtigen Kleid musterte. Das eingesch√ľchterte junge M√§dchen spielend, wich Yara ein St√ľck zur√ľck und kauerte sich in die Ecke der Schlafstatt, die Wand hinter ihrem R√ľcken und ihn mit gro√üen, angstvollen Augen musternd. Befangen zog sie die Beine an, um ihre Bl√∂√üe zu bedecken und kaute scheinbar nerv√∂s an ihrer Unterlippe. Iven legte den Kopf schief, aus seinem Gesicht wich das spitzb√ľbische Grinsen und machte einen ernstvolleren Ausdruck breit. „Mein Bruder scheint dich ja ganz sch√∂n ver√§ngstigt zu haben …“ Der junge Templer r√ľckte ein St√ľck n√§her an sie heran, was Yara dazu bewegte, sich noch fester gegen die Wand an ihrer R√ľckseite zu dr√ľcken und ihre Beine mit ineinander verkrampften H√§nden zu umschlingen. Sie schluckte hart und ihre Stimme klang schwach und zaghaft, als sie die n√§chsten Worte aussprach. „Herr, ich bitte euch … tut mir nicht weh…“ Ihre Augen schimmerten feucht und sein Blick fing auf, wie sich vor Anspannung ihre Fingern√§gel in ihre Unterschenkel krallten. „Schhh…“ Er legte seine warmen, wie sie wahrnahm, angenehm weichen H√§nden auf die ihrigen und nahm ihre klammen Finger zwischen seine H√§nde. „Keine Angst, ich will dich nicht verletzen.“ Er hob seine Hand und strich ihr in einer z√§rtlich gemeinten Geste eine lose hervor gefallene Haarstr√§hne hinters Ohr zur√ľck. Yara betrachtete sein Gesicht. Er war gutaussehend mit dem markanten Kinn und den weichen, jungenhaften Z√ľgen mit den kleinen Gr√ľbchen, die sich scheinbar vom vielen L√§cheln in seine Wangen gegraben hatten. Seine Gesichtshaut war glatt und frisch rasiert und auch sein dunkelbraunes Haar trug er kurz geschnitten, wie es bei den Templern √ľblich war. Seine dunkelbraunen Augen wirkten durch die geweiteten Pupillen fast schwarz, in dem nur vom Kerzenschein erhellten Zelt. Ihr Blick blieb nur eine Sekundenl√§nge an seinen sanft geschwungenen, weich wirkenden Lippen h√§ngen, doch scheinbar lang genug, damit er es registrierte. Denn schon stahl sich wieder ein leises L√§cheln auf seine Lippen. Mit klopfenden Herzen senkte Yara schnell ihren Blick. Das lief gar nicht so, wie sie es beabsichtigt hatte. Behutsam umfasste er ihr Kinn mit einer Hand, hob es mit zwei Fingern wieder an und das n√§chste, das sie f√ľhlte, waren seine weichen, warmen Lippen auf den ihren, die sie sanft liebkosten und umschmeichelten. Yaras Atem stockte und f√ľr einen Moment konnte sie nicht anders, als diese wenigen Sekunden nur ihren Empfindungen nachzugehen. Die Zeit schien stillzustehen und Yara verga√ü, wenn sie hier vor sich hatte und erwiderte mit zitternden Lippen seinen Kosungen. So vorsichtig, dass Yara es nicht wirklich registrierte, dr√ľckte er sie durch sein K√∂rpergewicht zur√ľck in die Kissen, sodass sie unter ihm auf dem R√ľcken lag, seine Beine zwischen den ihren. Als er begann ihre Lippen mit seiner Zunge zu teilen, war der Augenblick der Selbstvergessenheit schlagartig vorbei und Yara erschrak selbst √ľber ihr Tun. Schwer keuchend drehte sie den Kopf zur Seite und zuckte noch mehr zusammen, als sie Maximus mit verschr√§nkten Armen, seinen R√ľcken gegen den mittleren Holzpfosten im Zelt gelehnt, sah, ein s√ľffisantes Grinsen im Gesicht. Er r√§usperte sich lautstark und nun wurde sich auch sein Bruder seiner bewusst. „Ich st√∂re euch ja nur ungern bei eurem Tun… aber, kleiner Bruder, du beanspruchst hier etwas, dass mir geh√∂rt.“ „Ich wollte sie nur etwas …… bereit machen f√ľr dich…“ Mit einem bedauernden Ausdruck √ľber die verpasste M√∂glichkeit im Gesicht, lie√ü er Yara los und r√ľckte eilig ein St√ľck von ihr ab. Schnell richtete sich das M√§dchen so gut es ging wieder auf und diesmal waren das Entsetzen und die Angst, die sich in ihrem Gesicht spiegelten, echt und nicht nur aufgesetzt, um ihren Gegner zu t√§uschen und von den Fesseln loszukommen. Sie hatte es verbockt. Mehrmals riss Yara mit voller Gewalt an ihren Fesseln an, doch Dajana hatte ihre Aufgabe gut gemacht – sie hatte nicht die geringste Chance sich vom Bettpfosten zu befreien. „Du kannst jetzt gehen, Bruder. Wenn ich mit ihr fertig bin, kannst du sie meinetwegen zu deinem Vergn√ľgen benutzen wie es dir gef√§llt … vorausgesetzt du willst sie dann noch.“ Yara war nur allzu sehr bewusst, wie er sie mit seinen Augen fixierte, um zu sehen, wie sie auf seine Worte reagierte. Doch um ihre Selbstbeherrschung war es heute ohnehin schon l√§ngst geschehen. Mit panikerf√ľllter Stimme, wand sie sich an Iven. „Bitte, bleib hier … lass nicht zu, dass er mir etwas antut.“ Sie r√ľckte soweit es ging in seine Richtung, bis das Seil an ihren H√§nden vollends gespannt war und sie nicht mehr n√§her an ihn herankam. Ein Flehen trat in ihre Augen, das Iven unangenehm ber√ľhrt zu Maximus aufblicken lie√ü. Dieser zeigte weiterhin keinerlei Regung und musterte Yara kalt. Schnell beeilte sich der j√ľngere Bruder aufzustehen. „Nein, geht nicht!“ Yara’s Stimme klang gebrochen und sie h√∂rte mit einem Mal auf an den Fesseln zu zerren, sei es dass sie einsah, dass es keinen Sinn hatte, weiter ihre Kr√§fte zu vergeuden, sei es dass ihr die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage bewusst wurde. „Wenn du nach mir, mit ihr nichts mehr anzufangen wei√üt, kannst du sie auch gern unseren M√§nnern zukommen lassen. Sozusagen zur St√§rkung der Kampfesmoral. Die hatten ohnehin schon seit langem keine Hure mehr zwischen ihren Beinen. Und jetzt raus mit dir!“ Die letzten Worte betonte Maximus so, dass sie keine Widerrede mehr ¬†zulie√üen.
Iven schenkte Yara noch einen letzten mitleidigen Blick, bevor er ein leises „Es tut mir leid“, fl√ľsternd das Zelt seines Bruders verlie√ü. Jetzt waren sie allein.

Mit angsterf√ľllter Miene, die Stirn in Sorgenfalten gelegt und dieses Mal unbewusst auf ihrer Unterlippe kauend, sah Yara ihm nach, wie er das Zelt auf den gleichen Weg verlie√ü, auf den er gekommen war. Als w√ľrde ihr die Luft zum Atmen abgeschn√ľrt, machte sich in Yara’s Brust ein beklemmendes Gef√ľhl breit, welches von Sekunde zu Sekunde schlimmer wurde. Sie hob den Blick und traf den von Maximus, der noch immer seelenruhig gegen den Holzpfosten gelehnt da stand, um sie von oben bis unten zu mustern. „Macht mich los!“ Yara’s Stimme klang leise, aber dennoch bestimmt.¬† „Nenne mir einen guten Grund daf√ľr, warum ich das deiner Meinung nach tun sollte?“ Seine stille Musterung war ihr unertr√§glich. ¬†„Ich werde euch nicht weglaufen!“ Er l√∂ste seine verschr√§nkten Arme, stie√ü sich mit einem Bein vom Holzpfosten ab und tat einen Schritt auf Yara zu. „Das ist kein Grund…“ Seine Stimme klang rau und doch irgendwie angenehm sanft, was sie erneut verwirrt registrierte. Den Kopf leicht schief gelegt, schweifte sein Blick √ľber ihren K√∂rper, blieb kurz an ihren Br√ľsten h√§ngen, um dann wieder ihre blauen Augen zu suchen. Yara wagte es nicht an sich herabzublicken. Auch so war sie sich nur allzu sehr bewusst, wie viel das Kleid zeigte und noch viel mehr, wie wenig es verbarg. „Meine Handgelenke … sie schmerzen…“ Den Impuls zur√ľckzuweichen, als er noch einen Schritt auf sie zutrat, widerstand Yara nur, weil sie die Pritsche an ihren Unterschenkeln sp√ľren konnte und sich im selben Moment ausmalte, wie sie vor ihm ins Bett sank. „Deine schmerzenden Handgelenke sollten im Moment dein geringstes Problem sein, meine Teure…“ Bis aufs √§u√üerste angespannt, lie√ü Yara es zu, dass er √ľber den Kleiderstoff strich, genau an der Stelle ihres Bauches, wo er ihr die Wunde in der Schlacht mit seinem Schwert zugef√ľgt hatte. Seine Ber√ľhrung war behutsam und vorsichtig, er hatte in diesem Moment nicht die Absicht ihr wehzutun, obwohl sie dies nach seinen Worten am ehesten erwartet hatte. Ruhelos folgte sie seinen Fingern mit den Augen, wie sie vorsichtig √ľber die verbundene Stelle strichen. Seine Hand senkte sich langsam, lie√ü wieder von ihr ab und Yara blickte erneut zu ihm hoch. Verwundert registrierte sie, dass sich Besorgnis in seinem Gesicht wiederspiegelte. „Es war dumm von dir mich anzugreifen … ein St√ľck tiefer und du w√ľrdest nun nicht mehr vor mir stehen.“



 

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CharmingGirl

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FindYourselF Du hast wirklich einen sehr schönen Schreibstil und ich bin von der Geschichte wirklich angezogen. Freue mich, mehr lesen zu dürfen.
Veröffentlichst du alles in diesem Buch, oder auch einzelne Kapitel, da ich sonst vllt neue Kapitel verpasse ;)

Glg von Jule
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