
England 1249- Die junge Juliette lebt einsam auf der Brug ihres Bruders, bis eines Tages ein junger Herzog auftaucht und sich unsterblich in Juliette verliebt. Da der Bruder der Juliette gegen eine Heirat ist, entsteht ein verzeifelter Kampf. Am Ende gewinnt doch das Schicksal.
Es lebte in einem fernen Land die schöne Juliette Herzogin in England. Tag für Tag verbrachte sie allein mit ihrem Gefolge, erfüllt von tiefster Einsamkeit. Da kam der junge Herzogssohn Stefan, der sich unsterblich in die Jungfer verliebte. Entflammt von ihrer Schönheit warb er um ihre Hand. Berauscht über die neue Freude gab sich Juliette dem Werben hin. Die Beiden verbrachten glückliche Tage zusammen. Doch das Glück währte nicht lange. Herzog Wilbert, der eifersüchtige Bruder der Juliette verbot eine Verbindung seiner Schwester mit Stefan.
Tief von Kummer getrübt verbrachte Juliette einen Tag am See. Die glatte Oberfläche spiegelt das hübsche Gesicht der holden Jungfrau. Strahlend blondes Haar umgab ein rundes, weissliches Gesicht. Zarte Züge und strahlend blaue Augen, die nun durch Tränen getrübt sind. Ihr Bruder suchte sie auf. Er sprach bestimmt: „Lass dir den Jüngling aus dem Kopfe schlagen. Du hast einen bessren verdient.“ „Ach weh! Könnest du mich doch verstehen!!“ Klagte die Schwester und rannte weinend in ihr Gemach. In dunkler Nacht stieg der junge Herzog den Rosenspalier zur Kammer seiner Geliebten hoch. Er trat graziös in ihr Gemach. „Holde Maid nun ist’s so weit. Ich bin gekommen um dich als meine Gemahlin heimzuführen“ Gesagt getan folgte sie ihrem edlen Herrn nach Fulkham. Am nächsten Morgen fand Wilbert ihr leeres Gemach. Er schwor sich bittere Rache. „Gott sei es geklagt, ich will sie zurück!“
Der zornige Wilbert sammelte ein Heer und zog in Eilmärschen in den Süden. Feuer und Tod waren seine Begleiter. Stefan führte seine eigene Armee in den Krieg. Die Schlacht wurde zugunsten des Verteidigers gewonnen. Doch gab sich Wilbert mit einer Niederlage nicht zufrieden. Er zückte seinen Dolch und streifte den Arm des Stefan. Gekonnt warf dieser sich zur Seite und entging dem tödlichen Hieb. Da griff unerwartet der Bruder Wilberts ein. „Dein Betragen, Bruder, ist unverzeihlich. Was soll denn unser edler Vater von dir denken, dass du den Geliebten deiner Schwester töten willst? Nimm Vernunft an. Lass ab von deiner Tat und gib unserer Schwester ihren Geliebten.“ Zögernd steckte Wilbert die Waffe ein. „So will ich das Ansehen unseres Vaters nicht länger beleidigen.“
Die Sonne stand hoch am Himmel, die lieblichen Vögel jubilierten, als Herzog Stefan seine strahlende Braut an den Altar führte. Viele Gäste waren geladen, darunter die Brüder der Brautleute. Ein älterer Bischof verlas die Messe und segnete das Paar. Nach der Messe begab man sich in die Burg des Stefan. Bis spät in die Nacht wurde getanzt und geschmaust. Als nur noch wenige Gäste feierten, brachte Stefan seine Gemahlin in das eheliche Schlafgemach. An der Wand gegenüber dem Ehebett prangte ein grosser, goldener Adler mit gekröntem Haupt. „Hab keine Furcht vor dem Adler. Er ist der Schutzpatron meiner Familie und von heute an auch der deine.“ In grösster Eile wurden die Kleider vom Leibe gezerrt. Man warf sich lustvoll aufs Bett, wo sogleich ein wilder Akt der Liebe begann. Nach getaner Arbeit lagen die Eheleute beisammen, wanderten sanft ins Reich der Träume.
Auf die glückliche Hochzeit folgten ereignisreiche Jahreszeiten. Kaum ein paar Wochen nach der Vermählung glänzte die junge Herzogin in der Hoffnung ein Kind zu tragen. Als der Sommer vor der Tür stand, wölbte sich ein runder Bauch unter den Gewändern der Juliette hervor. Mitten in der Erntezeit gebar sie einen strammen Knaben. Das Kind bekam Guillaume als Namen. Nun war’s vollbracht. Der Erbe des Hauses war da. Der junge Vater gab fröhliche Feste und Spiele zur Geburt seines Sohnes. Guillaume wuchs und blieb der Liebling aller Leute. Bald darauf bekam er zwei Brüder und zwei Schwester zum Spielen.
Oh wie hold das Leben doch sein konnte!
Es geschah im tiefsten Winter, als Juliette einem Fieber erlag. Kaum zwei Tage zuvor hatte sie einen herrlichen Tag mit der Familie verbracht. Nun lag sie friedlich auf einer schwarzen Bahre. Das Gefolge und die Brüder weinten bittere Tränen. Am härtesten traf es den Gemahl. Er stand im Schlafgemach an der Wand wo der Adler prangte. Eine Hand ruhte auf der Brust des Patrons, sie zitterte. Den Kopf in den Arm gedrückt gab er sich seinem Elend hin. Auf einmal zückte er seinen Dolch und stach sich wütend in die Hand. Dann fuhr er mit der Hand über den Adler. Leuchtend rotes Blut verunstaltete nun das stolze Bildnis. Kleine Blutstropfen rannen die Wand hinab und fielen schließlich zu Boden. Todunglücklich sank Stefan auf den Boden und vergrub sein Gesicht in der blutigen Hand.
ENDE