ANATOLISCHES LIEBESLIED 2
Voll Sehnsucht warte ich auf dich,
mein stolzer Reiter in der Steppe.
Tollkühn sitzt du im Sattel, unter dir
donnern die Hufe eines edlen Pferdes.
Dein dunkel gebräuntes Gesicht,
von schwarzen Locken umrahmt,
mit kühn geschwungenem Mund
und feurig blitzenden Augen geziert,
leuchtet in all meinen Träumen auf.
Seit ich dich bei den Pferden erblickte,
ist es um meine Ruhe geschehen.
Dein Anblick treibt Tränen ins Auge mir,
dein Mut lässt das Herz mir schwellen,
dein Blick weckt ganz zarte Gefühle
und lässt mich im Traume erschauern.
Wenn sich meine Träume im Blau verlieren,
dann scheint die Zeit still zu stehen.
Mein Blick wandert über die Steppe,
mein Auge sucht nur nach dem Reiter,
dessen weißes Zelt von Sandelholzduft,
süßen Datteln und weichem Teppich erzählt.
Sehnsüchtig erwarte ich im Mondenschein
den stolzen Reiter mit seinem Ross.
Dann sitzen wir unterm Sternenzelt,
Herz an Herzen zärtlich gelehnt,
bis die Morgensonne zum Aufbruch mahnt.
Aber unsere Träume tragen uns fort
in das weiße Zelt unterm halben Mond,
das in der Einsamkeit der Steppe steht
und leise säuselt: bis bald, bis bald,
und dann seid ihr für immer vereint.
© HeiO 21-08-2011