
Raeme, anfangs eine normale Schülerin in einer Dorfschule, doch bald sollte sich alles ändern. Ihre Familie verloren, ihr bester Freund zurückgelassen und mit einem fremden Mann sieht sie einer ungewissen Zukunft entgegen. Ich stelle vor, Kapitel 1 Raeme.
Es regnete mal wieder aus Eimern. Hier im Grünblattdorf ist es nicht selten, dass es regnete, wir hatten immerhin die höchste Niederschlagsrate von ganz Smellarea.
Doch ich liebte den Regen, denn er fand immer seinen Weg, wohin er auch wollte. Ich stand unter einem kleinen Dachvorsprung und sah langsam, wie sich kleine Bäche bildeten, die dann zu immer grösseren wurden, bis zum Ende des Pflastersteinwegs. "Hey!"
Ich sah mich um, denn diese Stimme kannte ich mehr als gut. Ich zuckte zusammen, vom Wasser, welches von seinen Füssen aufspritzte.
"Selbst bei so einem Wetter gehst du noch über die Dächer, Kyo?"
Er schüttelte seine Haare und stellte sich zu mir.
"Na klar, wieso einen Umweg nehmen, wenn es doch auch direkt geht?"
Ich musste schmunzeln, Kyo hatte schon immer seine eigene Denkweise. Dann zog er einen alten Schirm aus der Schultasche und öffnete ihn.
"Komm runter, sonst sind wir noch zu spät in der Dorfschule!"
In etwas schnellerem Tempo, als es nötig gewesen wäre marschierten wir zu unserer Dorfschule. Dort angekommen wurde uns mal wieder klar, wie arm unser Dorf war, doch damals konnten wir nichts daran ändern und hoffen, dass das Dach an unseren Plätzen dicht war. Wie jeden Tag verabschiedete ich mich schnell von Kyo, denn niemand sollte uns zusammen sehen. Kyo ist nicht nur Klassenschwarm, nein, gleich Schulschwarm, da er der einzige Elementary im ganzen Dorf ist. Nach dem, was Kyo mir erzählt hat gibt es drei Arten von Elementary und jede Gruppe hat noch 4 Untergruppen. Er sagt, er sei ein Elementary des Lichts, viel mehr, als das Wetter manipulieren und Leute blenden kann er allerdings auch nicht. Das wiederum weiss natürlich nur ich.
Flink, wie jeden Tag schlich ich mich durch den Hintereingang in die Schule hinein. Die Stunden zogen sich mal wieder wie Kaugummi, erst nach der Schule konnte ich Kyo wiedersehen.
"Wie war dein Tag?"
Er seufzte zurück: "Na, wie immer, einen Haufen kreischender Weiber."
Ich wusste schon lange, dass Kyo nur den Netten spielte und eigentlich nicht hier her gehörte: "Kyo, warum gehst du denn dann nicht zu der Elementaryschule, wenn du doch eines der 12 Elemente beherrschst?"
Plötzlich blieb er vor mir stehen und schaute weg: "Was das angeht hab ich dir doch schon tausendmal gesagt, dass ich bleibe und ausserdem heisst sie nicht `Elementaryschule` sondern Gherklams Schule der 12 Elemente, wie oft soll ich es denn noch sagen?"
"Ist ja schon gut."
Da Kyo am Rand des Dorfes wohnt und ich weit ausserhalb verabschiedete ich mich schnell und zog weiter. Am anderen Ende des Waldes fingen die Felder unseres Grundstückes an. Von dort an schien es nicht mehr weit. Wir lebten nicht schlecht, meine Eltern, mein Bruder Sula und ich besassen ein Bauernhaus und genügend Land um zu überleben.
Ich öffnete die Türe, schüttelte den Regen aus meinen Haaren und trat ein. In der Küche stand meine Mutter, sie arbeitet hart, von morgens bis abends um uns ernähren zu können. Mein Vater und mein Bruder sind wahrscheinlich noch auf dem Feld.
"Guten Abend, Mutter."
"Hallo, mein Schatz, holst du unsere Männer vom Feld, es gibt gleich Abendessen."
 "Bin schon weg."
Ich schmiss meine Schultasche in Richtung Treppe und verliess das Haus wieder. Durch den Regen konnte ich kaum 20 Meter weit sehen, also machte ich mich auf den Weg die Felder abzusuchen.
"Vater?" "Sula?"
Nach kurzer Zeit hörte ich durch das Plätschern des Regens eine leise Antwort und stampfte dort hin.
"Schwester!"
Er grinste mich blöd an, wie jedes mal, doch ich blieb eiskalt.
"Grins nicht so blöd, es gibt Abendessen."
"Wenn du das sagst..."
Unser Vater mischte sich nun auch ein: "Na los, sonst wird das Essen noch kalt."
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An diesen verregneten Abend erinnere ich mich noch genau. Es war jener Abend, an dem wir als Familie das Letzte mal zusammen Haferbrei gegessen hatten. Damals hatte ich nur die Probleme einer normalen Dorfschülerin, nichts weiter...
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Ich stand langsam aus meinem Strohbett auf und machte mich für die Schule bereit. Ich ging noch schnell in die Küche, um meiner Mutter, wie jeden Tag, auf wiedersehen zu sagen und einen schönen Tag zu wünschen, doch sie war bereits weg. Ich schrieb danach auf einen Zettel in der Küche, dass es heute spät werden würde, da ich noch mit Kyo in die Bibliothek wollte.
Ich schloss die Türe hinter mir zu und atmete tief ein. Es roch nach frisch gepflügter Erde, weshalb wusste ich, dass Vater und Sula bereits auf dem Feld waren. Ich joggte durch den kleinen Wald zum Rand der Stadt, wo ich auf Kyo traf.
"Mutter hat wieder Haferbrei gemacht, ich weiss echt nicht, was daran schmecken soll, aber Vater liebt ihn ja."
Er murmelte daraufhin so etwas wie: "Ich hätte zu gern mal probiert."
Doch von seinem Gesicht konnte ich sofort ablesen, dass etwas nicht stimmte. Ich blieb stehen, packte seinen Ärmel und zog, sodass er zu mir schauen musste: "Was ist passiert?"
Langsam formten sich seine Lippen zu einer Antwort: "Unser Nachbar, der Schmied glaubt Fremde hier gesehen zu haben, er sagt, Es seien Elementary. Er meinte auch, sie sähen so aus, als würden sie was suchen."
Er stockte: "Ich glaube sie suchen nach jemand bestimmten."
Nach diesem Satz schaute er mir tief in die Augen, als wolle er all seinen Kummer darin vergraben.
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Diese Fremden, wie der Schmied sie nannte, ich musste nicht mehr lange warten, bis ich sie persönlich traf.
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"Was? Das glaubst du doch nicht ernsthaft, oder? So ein Mist! Dein Nachbar muss sich verguckt haben."
"Wenn du das sagst ..."
In der Schule angekommen setzte ich mich an meinen Platz. Kurz darauf läutete es, doch unser Professor Lewliet tauchte immer noch nicht auf. Daraufhin sprach mich Karin unsere Klassenstreberin an: "Na los, wenn der Professor nicht kommt muss die Klassensprecherin einspringen, beweg dich!"
Ich hasste sie, sie wusste immer alles besser: "Schon gut, ich geh ja schon."
Ich schlenderte langsam zur Tafel, holte Luft und rief ins Klassenzimmer: "RUHE!"
Sofort herrschte schweigen und alle standen auf. Bin ich zu laut gewesen?
"Äh, danke. Ich geh dann mal ins Lehrerbüro und frage, wo der Professor ist, ihr seid doch sicher still bis dahin, oder?"
Die Klasse murmelte so etwas, wie ein ja, dann machte ich mich auf zum Rektor Büro. Ich hatte es noch nie vorher von innen gesehen. Ich klopfte etwas nervös an die Holztür. Ein ernst dreinblickender Mann tauchte hinter der Schwelle auf. Er richtete seine Halbmondbrille und sah mich an.
"Sie sind also Miss Dorodo, was wünschen sie?"
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Ich weiss noch genau, wie ich mich gewundert habe, dass der Rektor meinen Namen wusste, vor allem aber, dass er mich mit `Miss` und mit Nachnamen ansprach, wie eine Adlige.
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"Ähm, Professor Lewliet ist nicht erschienen."
"Das weiss ich, er ist auf einer geheimen Mission, aber das sollten sie doch wissen Miss Dorodo."
Ein Professor auf einer geheimen Mission? Etwa Papier kaufen, oder was? Und woher sollte ich das wissen?
Gerade machte ich den Mund auf, um meine Empörung auszusprechen, da knallte der Rektor die Holztür vor meiner Nase zu. Ich brauchte ein paar Sekunden um zu begreifen, ich wurde gerade sitzen gelassen!
"Herr  Roborowske, was soll ich denn jetzt mit der Klasse machen?"
Zuerst herrschte daraufhin ein paar Sekunden Schweigen, dann hörte ich durch die Tür ein lautes Lachen: "Überleg dir doch was Nettes, aber bleibt auf dem Schulgelände."
Mein erster Gedanke war Protest, immerhin war ich auch nur eine Schülerin, doch ich besonnte mich und lief in einem Schneckentempo zurück zum Klassenzimmer, um mir schnell etwas zu überlegen, was wir machen könnten. Ich stellte mich vor die Klasse, stöhnte einmal laut und fing an: " Der Rektor sagte mir, wir sollen uns selbst beschäftigen, also dachte ich mir, wir spielen etwas. Hat irgendjemand Vorschläge?"
Ich war mehr also froh, als diese Stunde vorbei war. Zum Glück waren alle anderen Professoren anwesend. Nach der Schule machte ich mich auf zur Bibliothek in der nächsten Seitengasse. Das war der einzige Ort, an den Kyo und ich uns ungestört nah sein konnten, da die Bibliothek so alt und schmuddelig aussah, dass niemand sie freiwillig betreten würde. Ich streifte meine Schuhe an der Fussmatte ab und öffnete die Türe. Ein Glöckchen klingelte an der Tür und der Bibliothekar schaute hinter seinem Schreibtisch hervor. Als er mich sah bearbeitete er seinen Papierberg vor sich wieder. Wie üblich ging ich zu einem der Regale und griff irgendein Buch. Daraufhin machte ich mich auf zum kleinen Tischchen im anderen Ecken des Raumes auf. Dort sah ich bereits Kyo vor einem Buch sitzend. Ich setzte mich ihm gegenüber schlug das vermoderte Buch auf und tat so als würde ich es intensiv lesen, dabei überflog ich nur uninteressiert das Buch. Doch als ich genauer hinsah fing es an mich zu packen:
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Kapitel 1
Die 3 Systeme
Seit Jahrhunderten existieren die 12 Elemente. Sie werden in 3 Systeme unterteilt.
System 1.:
Zum ersten System gehören die Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft. Diese Elemente sind erbbedingt. Schon seit Generationen existieren Adelsfamilien, die sich nur mir anderen Elementen des ersten Systems fortpflanzen um weiterhin reinrassig Adel zu bleiben.
System 2.:
Zum zweiten System gehören die Elemente Mond, Sonne, Licht und Finsternis. Diese Elemente werden einem im Laufe seines Lebens geschenkt. Dies allerdings nur wenn man sein Leben für das eines Anderen opfern wollte, wenn der Willen herrschte seine ganze Existenz zu opfern.
System 3.:
Zum dritten System gehören die Elemente Geist, Seele, Knochen und Blut. Diese Elemente sind erbbedingt, allerdings werden sie nur freigesetzt, wenn man sein Leben für jemand anderen opferte.
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Kapitel 2
Die einzelnen Elemente
Wasser....
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"Was liest du da?"
Ich brauchte einen Moment um zu merken, dass er mich angesprochen hatte.
"Nichts."
Sein Blick wurde plötzlich misstrauisch. Ich zog schnell das Buch unter den Tisch und riss so leise, dass er es nicht hören konnte Kapitel 2 aus dem Buch raus und steckte es mir in die Hosentasche, das musste ich noch lesen.
"Lüg mich nicht an."
Nach dem, was in diesem Buch stand musste Kyo sein Leben für jemanden geopfert haben wollen.
"Kyo?"
"Ja?"
"Wie wird man zu einem Licht-Elementary?"
"Seit wann interessierst du dich für so was?"
"Bitte antworte nur auf meine Frage."
Ich legte das Buch zurück auf den Tisch und zeigte auf die passende Textstelle.
" Nun gut, dann erzähle ich dir von damals. Ich glaube, du warst fünf und ich war acht. Wir waren damals zu zweit im grossen Moorwald auf der anderen Seite des Dorfes, weil du den Mond näher sehen wolltest, da überschritten wir unbewusst die Grenze. Kurze Zeit später wurden wir auch schon von Soldaten angegriffen. Sie schossen mit Pfeilen auf uns. Da stellte ich mich vor dich, um dich zu beschützen, dann spürte ich plötzlich eine ungebändigte Kraft in mir und ein Licht zeigte mir den Weg um diese zu benutzen. Wie ich die Soldaten besiegt habe weiss ich nicht mehr, es ging alles zu schnell. Auf jeden Fall bin ich bin am nächsten Morgen auf der Selben Lichtung neben dir wieder aufgewacht und habe uns nach hause gebracht. Seit damals habe ich die Macht dieser Kraft allerdings nicht mehr spüren können."
Daran erinnerte ich mich wirklich nicht mehr, aber Eines steht fest, Kyo wollte mich mit seinem Leben beschützen. Noch in Gedanken vertieft sah auch aus dem Fenster, erst da wurde mir klar, wie spät es bereits war.
"Kyo, ich muss jetzt gehen, bis morgen."
Ich stand auf, packte zusammen, doch dann blieb ich stehen und drehte mich noch einmal zu ihm um.
"Danke, wegen damals."
Er grinste zurück, offenbar froh darüber, die Wahrheit gesagt zu haben.
"Immer doch, Raeme."
Ich weiss noch, dass ich den ganzen Weg nach hause gerannt bin, weil es bereits dunkel wurde. Als ich das Wäldchen hinter mich legte und auf unsere Felder blicken konnte hörte ich plötzlich einen Schrei. Ich horchte nun genauer hin und hörte einen noch etwas leiseren Schrei.
"Mutter!"
Ich bin damals über die Felder gerannt, wie eine Irre, bis ich unser Haus fast erreichte. Vor dem Haus war die Wäsche halb aufgehängt. Das Letzte Leintuch hing noch etwas schief. Doch das brachte mich nicht zum Stocken. Das einst weiss gewesene Leintuch war rot gesprenkelt. Dahinter sah ich drei Schatten durchscheinen. Der Nächste, meine Mutter, brach gerade zu Boden, der Zweite, mein Vater stand mit ausgestreckten Armen vor ihr. Doch der Dritte Schatten schwang etwas, was in der Sonne glänzte. Im selben Moment spritzte neues Blut auf das weisse Laken und versperrte mir die komplette Sicht. Dann löste sich die Steife in meinen Beinen und ich spürte, wie ich mich weiter antrieb. Ich spürte eine ungebändigte Kraft in mir, sie erwachte zu neuem Leben. Vor mir erschien ein Weg aus Blut und jeden Schritt, welchen ich näher zum Leintuch kam ging ich diesen Weg entlang. Ich griff nach der Macht, die sich vor meinen Augen bildete und hatte plötzlich das Gefühl sie bändigen zu können. Ich schnitt mir mit meinem Fingernagel den Unterarm auf. Das Blut, welches rausspritze verformte ich zu einer Sense in meiner Hand. Ich schnitt das Leintuch durch und zielte auf die dritte Person, doch als ich ihr Gesicht sah und ich in diese grünen Augen schaute, welche mir so ähnelten blieb mein Herz stehen. Ich flüsterte vollkommen verzweifelt: "Bruder."
Er nutze mein Zögern und schnitt mir mit seinem Schwert von der rechten Schulter runter bis fast zum Bauchnabel den Rumpf auf. Mein Klageschrei ging in die einzige Frage über, die ich momentan hatte: "Wieso?"
Ich brach auf dem Boden zusammen, mit dem Gesicht voraus. Woraufhin er nur dreckig lachte.
"Und das fragst du noch? Heute hättest du angefangen als Blut-Elementary leben zu sollen. Aber keine Angst, diese Last nehme ich dir, denn ausser dir und mir gibt es keine Blut-Elementary mehr. Ganz recht, wir sind die letzten und ohne dich bin ich der Letzte. Also, bis bald."
Ich schloss meine Augen, um auf die Erlösung von den Schmerzen zu warten. Doch, sie kam nicht, stattdessen wurden mir zwei Finger auf die Augen gelegt und mir zugeflüstert: "Schlaf."
Langsam öffnete ich die Augen, es war bereits tiefe Nacht. Mit meinen Fingerspitzen strich ich mir über die Brust, woraufhin ich eine lange Narbe spürte. Die Wunde war geheilt! Eine Fähigkeit als Blut-Elementary?
Im nächsten Moment wackelte das Holz, auf dem ich lag und ich schreckte auf. Ich lag noch in der blutigen Schuluniform auf einer Holzkutsche. Sie wurde von einem grauen Maultier gezogen und von einem eingemummten Mann gelenkt.
Erst langsam kehrten die Erinnerungen an den vergangenen Tag zurück. Ich sah in den sternenverhangenen Himmel und entdeckte zum Ersten mal einen Blutmond.
"Ich habe Mutter keinen Schönen Tag gewünscht."
Der Kutscher streckte den Arm aus und hielt mir eine Kette hin. Es war ein kleines Fläschchen mit einem O-Bauch. Das Blut, welches darin gluckerte glänzte durch das Glas.
"Nimm."
Ich öffnete die Handflächen. Er lies das Fläschchen in meine Hände fallen. In den Moment, als das Fläschchen mich berührte hörte ich Stimmen. Darunter Zwei, die mir bekannt vorkamen.
"Tochter."
Ich fing an zu weinen. Ich wusste nicht wieso, aber ich war überglücklich ihre Stimmen zu hören.
"Mutter, Vater!"
"Du hast es schon herausgefunden, oder?"
Ich verstand nicht ganz.
"Was?"
"Also nicht? Nun gut, wir werden es dir erklären. Du bist ein Blut-Elementar und gehörst damit zum dritten System. Du bist gestorben."
In mir spielten sich die Bilder von Gestern wieder ab und ich sah mich, wie ich zusammenbrach, neben den Leichen meiner Eltern.
"Dieser Anhänger wurde von ersten Blut-Elementar hergestellt. Fügst du einen Tropfen deines Blutes hier rein, so wirst du selbst nach deinem Tod noch mit den Lebenden sprechen können, allerdings nur am Blutmond und nur Menschen aus der Familie der Dorodo können dies. Wir haben unsere Kraft nie erhalten, du und Sula allerdings schon."
Sula! Ich fing an zu stottern.
"W..wa....warum.. hat... Su...?"
"Das wissen wir auch nicht, aber wir spürten sein längerem schon, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Es tut uns leid, aber wir waren nur normale Bauern, wir hätten nichts daran ändern können. Es liegt nun an dir, finde Jede, die Sula verdorben haben und finde Sula. Eine Schande in der Blut-Elementar Linie könne wir uns nicht erlauben!"
Diese Stimme kannte ich nicht von meinen Eltern. Es war offenbar unglaublich wichtig für sie. Aber Leute, die meinen Bruder verdorben haben sollen? Da fiel es mir wieder ein, die Fremden, die der Schmied gesehen haben muss!
"Ich weiss..."
"Unsere Zeit läuft ab, Kind, wir wissen nicht, wann der nächste Blutmond ist, aber bis dahin wirst du alleine weitermachen müssen, vergiss nicht auch einen Tropfen deines Blutes in das Fläschchen zu tun, Sula tat dies auch."
Ich nickte knapp, obwohl ich wusste, dass sie es nicht sehen konnten und murmelte:
"Schönen Tag, Mutter."
Danach hörte das Fläschchen auf zu glänzen und die Stimmen verstummten. Ich legte mir die Kette um den Hals und sah, wie er Blutmond hinter dem Horizont verschwand. Danach kam ich in die Realität zurück.
"Wer sind sie?"
Der Kutscher drehte sich zu mir um und mir blieb die Luft im Hals stecken.
"Sie?"
Professor Lewliet lächelte mich an.
"Hi."
"Das war die geheime Mission? Aber woher wussten sie, dass mein Bruder...?"
"Das wussten wir doch nicht, wir haben uns nur Sorgen gemacht, wegen der Fremden Elementary, die da waren."
"Wir?"
"Herr Roborowske und ich, wir gehören zum Elementary-Orden. Herr Roborowske ist Erd-Elementary und ich bin Sonnen-Elementary."
"Ich glaub es nicht..."
Zu viel ging mir im Kopf umher, meine Eltern waren tot, mein Bruder ein Abtrünniger, mein Professor und mein Rektor Elementary und Kyo...Kyo!
"Wohin bringen sie mich? Ich will zu Kyo!"
"Das geht leider nicht, wir werden immer noch gejagt, Herr Roborowske versucht unsere Abwesenheit so lange wie möglich zu vertuschen, trotzdem sollten wir uns beeilen."
"Beeilen?"
"Ich werde dich zu Gherklams Schule der 12 Elemente bringen."
Zum ersten mal war ich froh, dass Kyo mir immer so oft diesen Namen sagte.
"Und was soll ich da?"
"Das wird vorerst der einzig sichere Ort für dich sein, bis du stark genug bist, dann kannst du zurückkehren. Schlaf erst mal weiter, morgen Mittag kommen wir in Gellbora an von dort aus werden wir teleportieren."
Ich hätte wohl noch fragen sollen, wie das geht, aber mir ging jetzt einfach zu viel durch den Kopf. Zuerst musste ich Kyo vergessen, es wäre das Beste für ihn. Dazu muss ich verstehen, was damals mit mir passierte. Ich bin ein Blut-Elementary, das heisst ich muss gestorben sein, von meinem Bruder ermordet! Wieso hat Sula das getan? Er muss dafür büssen, was er Vater und Mutter angetan hat! Von heute an wird mein Ziel sein meinen Bruder zu töten! Da fiel mir noch etwas ein.
"Professor Lewliet, wir müssen Vater und Mutter noch bestatten!"
Seine Stimme klang hart: "Das ganze Grundstück ist abgebrannt."
Ich drehte mich in Richtung Heimat, doch ich konnte nicht einmal mehr die Rauchschwaden sehen, wir waren bereits so weit weg.
Ich seufzte und legte mich hin. Mein einst weissen Hemd von der Schuluniform und die kurzen Hosen waren immer noch blutbeschmiert. Der Schnitt, der auch durch mein Hemd ging wurde mit Büroklammern zusammengesteckt. Die Narbe darunter strahlte beinahe im Sonnenaufgang. Zum Schluss sah ich das Blutfläschchen um meinen Hals an. Ich sollte schnell einen Tropfen Blut einfügen.
Offenbar erkannte Professor Lewliet meinen Gedanken und reichte mir einen Schlagring mit Stacheln auf der Rückseite.
"Du solltest immer die Möglichkeit haben, Blut zu bändigen, auch wenn es dein Eigenes ist. Deine Wunden heilen bereits nach wenigen Sekunden, naja, solange sie nicht tödlich sind."
Ich nickte nur knapp und zog mir den Schlagring an und schlitze mir die oberste Hautschicht am Unterarm auf. Danach nutze ich meine neuen Fähigkeiten und lies einen Tropfen Blut in die Flasche schweben. Als ich auf meinen Arm sah, war die Wunde bereits wieder verschwunden. Ich positionierte mich auf dem Holzkarren wie ein Embryo, doch als ich meine Hosentasche streifte viel mir noch etwas ein, Kapitel 2!
Ich holte die Buchseite aus meiner Hosentasche und strich sie glatt, dieses Wissen würde ich bestimmt auf der neuen Schule gebrauchen können.
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Kapitel 2
Die 12 Elemente
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Wasser: Wasser-Elementary können Wasser bändigen. Zudem können sie aus allen möglichen Gegenständen Wasser beziehen. Ihre stärkste Fähigkeit ist allerdings die Wasserheilung, mit der sie sogar Elementary vor dem Tot retten können.
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Feuer: Feuer-Elementary können Feuer bändigen. Doch auch aus dem Nichts können sie Feuer erzeugen. Ihre stärkste Fähigkeit ist allerdings die Verbrennung.
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Erde: Erd-Elementary können Erde bändigen. Sie können allerdings auch Menschen nur durch die Erde erspüren. Ihre stärkste Fähigkeit ist allerdings das Erdbeben.
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Luft: Luft-Elementary können die Luft bändigen. Zudem können sie auch schweben. Ihre stärkste Fähigkeit ist allerdings der Wirbelsturm.
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Mond: Mond-Elementary können die Spiegelkraft nutzen. Sie können die Fähigkeiten ihrer Gegner meist kopieren. Steht ein Mond am Himmel, können sie alles auch aus seiner Perspektive sehen. Stirbt ein Mond-Elementar findet eine Mondfinsternis in der nächsten Nacht statt.
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Sonne: Sonnen-Elementary können die Anpassungskraft nutzen, das heisst sie können den Feind auf sein Nivea setzten. Steht eine Sonne am Himmel, können sie alles auch aus ihrer Perspektive sehen. Stirbt ein Sonnen-Elementar findet eine Sonnenfinsternis am nächsten Tag statt.
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Licht: Licht-Elementary können die Lichtgeschwindigkeit nutzen. Zudem können sie Leute auf Dauer erblinden lassen und die Helligkeit in ihrer Umgebung beeinflussen. Ausserdem können sie die Gefühle von einem Menschen zum Positiven wenden.
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Finsternis: Finsternis-Elementary können sich in ihre Schatten verwandeln. Zudem können sie Leute auf Dauer erblinden lassen und die Helligkeit ihrer Umgebung beeinflussen. Ausserdem können sie die Gefühle von einem Menschen zum Negativen wenden.
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Geist: Geist-Elementary können mit einem Geist und Körper tauschen. Allerdings können sie einem auch die Seele rausreissen und fressen. Ihre Spezialfähigkeit ist das Verändern von Geistern, z.B. zu seiner lebenden Waffe.
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Seele: Seelen-Elementary können unsere Gefühle komplett ändern, sowie auslöschen. Oder uns einfach in den Wahnsinn treiben. Wurdest du von einem Seelen-Elementary ergriffen, so wirst du zu seinem Slaven.
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Knochen: Knochen-Elementary können sich selbst transformieren. Sie können Knochen verschwinden, auftauchen und zum Leben erwecken. Ihre Spezialfähigkeit ist die Wiederbelebung von den Knochen der Toten, indem sie die Seelen der Toten aus dem Jenseits holen.
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Blut: Blut-Elementary können Blut manipulieren. Entsteht ein Blut-Elementary, so ist am nächsten Tag ein Blutmond. Zudem können sie sobald sie einen tropfen Blut von jemandem getrunken haben die Gedanken dieser Person hören. Ihre Spezialfähigkeit ist die Verwandlung zu Blut.
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Kapitel 3
Die Schwächen der 12 Elemente
Wasser: ...
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So ein Mist! Ich hätte das ganze Buch mitnehmen sollen! Die Schwächen wären sicher noch nützlich gewesen, aber was ich bis jetzt habe ist auch schon gut. Ich kann nicht nur Blut manipulieren, nein, ich kann auch alles in Blut verwandeln. Ob hier wohl alles im Buch steht? Es gab bestimmt noch einen ausführlicheren Text in dem Buch, so dick wie das war.
Ich startete meinen ersten Versuch, vielleicht kann ich dieses Blatt ja in Blut verwandeln. Ich hielt das Blatt vor mir hin, atmete tief ein. Plötzlich spürte ich diese ungebändigte Kraft in mir und sah wieder den Weg aus Blut, mein einziger Gedanke war Blut. Und dann geschah es, das Blatt wurde weich und verformbar, dann färbte es sich rot und schwebte von nun an in meiner Hand, aber was nun damit? Mit diesem Gedanken wurde ich plötzlich unkonzentriert und das Blut lehrte über meine Hand.
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Damals, das weiss ich heute noch heute trainierte ich den ganzen Tag auf diesem Karren, bis ich das Gras am Wegrand mit dem Bewegen eines Fingers in Blut verwandeln konnte und neben dem Karren herschweben lies. Im Nachhinein war das eine meiner besten Entscheidungen.
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Gegen Nachmittag erreichten wir Gellbora. Hier war es ganz anders, als auf dem Land. Überall waren grosse Betonbauten. Leuchtende Werbeplakate hingen überall aus. In den dunklen Seitengassen hingen lauter beängstigende Gangs ab. Am Schlimmsten war jedoch, dass ein Eselskarren hier nicht her gehörte, hier fuhren die Leute in modernen Autos, von denen mir Kyo immer erzählte, da sie in seinen Lieblingsbüchern vorkamen. Alle, die neben den Strassen standen schauten uns blöd an, liefen schneller oder machten gleich einen XXL Umweg um uns herum. Plötzlich hielten wir an. Professor Lewliet stieg vom Wagen und half mir auch raus. Dann gab er mir seinen Umhang und lief in Richtung einer Seitengasse. Ich zog mir den Umhang schnell an um den neugierigen Blicken zu entkommen und verdeckte sogar mein Gesicht im Schatten der Kapuze. Barfuss, wie ich war stolperte ich Professor Lewliet nach.
"Behalt die Kapuze immer oben, hier darf dich niemand so sehen, es war auffällig genug, dass ein Blutmond stattfand."
Genau wie es im Buch stand, fanden Blutmonde statt, wenn ein Blut-Elementar erwachte.
Es war das Erste mal, dass ich so harten Boden spürte, es fühlte sich fast wie Stein an, nur so Geometrisch, faszinieren. In der Gasse war es stockdunkel, ausser einem der leuchtenden Schilder, auf dem Stand `Bernies Bar`.
"Was sollen wir den in einer Bar?"
Und dann auch noch so ein bescheuerter Name...
"Das ist nur Tarnung, in Wirklichkeit ist das ein Treffpunkt vom Elementary-Orden."
Er öffnete die schwere Holztür und lies mich eintreten. Die Stimmen , die noch vor der Tür gehört hatte verstummten alle. Im Raum herrschte eiserne Stille. Alle Augen, von Frauen und Männern waren auf mich gerichtet. Dieser Umhang war Gold wert!
Plötzlich hörte ich eine Stimme hinter dem Tresen.
"Hey, lang ned  gsehn, Lewliet, was geht`n ab?"
"Alles easy, Bernie, ich bringe nur dieses Engelchen zu Gherklams Schule der 12 Elemente."
Ach du Scheisse! Es gibt wirklich einen Idioten, der `Bernie` hiess. Und was heisst hier Engelchen, den werde ich es Zeigen. Ich liess den Umhang zu Boden sinken. Jetzt konnte ich nur zu gut sehen, was sie dachten: `Ein junges Mädchen mit blutverklebten, langen schwarzen Haaren und leuchtend grünen Augen. Um ihren Hals hängt eine der legendären Blutketten. Ihr Hemd ist blutüberströmt und offenbar aufgeschnitten worden. Was danach mit Büroklammern zugesteckt wurde. Teilweise sah man noch ihre Narbe unter dem Hemd hervorblinzeln. An einer Hand ein Schlagring mit Stacheln. Die Hot-Pants ebenfalls blutüberströmt und nur noch halb auf der Hüfte hängend. Sie ist Barfuss und von oben bis unten schmutzig.`
Ich blickte langsam auf und sah diesem `Bernie` tief in die Augen. Dieser machte gleich einen Schritt zurück.
Da wurde Professor Lewliet plötzlich sauer: "Was soll das? Hab ich dir nicht gesagt, du sollst ihn anbehalten?"
Ich drehte meinen Kopf langsam zu ihm, worauf er auch plötzlich unsicher wurde.
"Ähm, naja auf jeden Fall suchen wir einen Mond-Elementary, der uns zur Schule teleportiert."
Ich wusste nicht wer, aber irgendeiner schrie mich an:
"Wer würde so eine denn freiwillig aufnehmen?"
Doch mein Professor verteidigte mich: "Lass das mal unsere Sorge sein!"
Da stand ein Mann im Publikum auf.
"Ich mach es..."
Ich sah diesem Mann ins Gesicht und erkannte eine ehrlich Miene.
"...unter einer Bedingung!"
Mein Professor wurde misstrauisch.
"Und die wäre?"
Er stand plötzlich auf und kam auf mich zu. Jeder Schritt hallte auf dem Boden wieder, bis er vor mir stehen blieb und mich ansah.
"Sie sagt mir ihren Namen."
Kurz bevor mir Lewliet den Mund zuschlagen konnte spuckte ich ihm die Worte ins Gesicht: "Raeme Dorodo"
In dem Moment klatschte mir Professor Lewliet die Hand vor den Mund, sodass ich mit dem Hinterkopf gegen die Tür knallte.
Da lachte der Wirt plötzlich auf.
"Denn is ja jut. Geht ehr denn in mas Büro, ehr stört d`Kund."
Ich folgte dem Professor in ein Nebenzimmer. Der Fremde trat zum Schluss ein.
"Also legen wir los, Miss Dorodo."
Es war seltsam, von dieser Fähigkeit schrieben sie nichts im Buch, offenbar war es wirklich nicht vollständig.
Der Fremde zog einen Kreidekreis in Zimmer.
"Stellt euch da rein."
Wir taten, wie Befehl. Als wir alle auf Position waren sagte der Fremde noch etwas: "Mein Name ist Robro  Zuklaim" Dann schnippte er mit den Fingern und das Bild vor meinen Augen verschwamm.
Im nächsten Moment stand ich auf einem Kieselsteinweg, vor mir war ein Ausblick auf eine riesige Stadt.
"Umdrehen, Raeme."
Ich sah Professor Lewliet an und drehte mich um 180 Grad. Dann blieben mir die Worte im Hals stecken. Es war eine riesige Schule, bestehend aus grossen Steingemäuern. Überall ragten Türme in den Himmel. Vor mir war ein moosbewachsenes Eingangsportal, auf dem Stand `Gherklams Schule der 12 Elemente`.
"Wir sind da!"
Langsam lief ich durch das Eingangsportal, weiter auf den Kiesweg. Neben dem Kiesweg wuchs frisches Gras. Ausser dem Eingang gab es keine Möglichkeit in die Schule zu gelangen, da sie aussen mit gigantischen Mauern umringt war.
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Das Erste mal, als ich diese Schule betrat, wusste ich nichts über mich selbst. Doch in dieser Schule machte ich mich bereit für meinen Kampf, ich machte mich bereit mein Ziel zu erreichen, mit allen was ich hatte. Und zwar meinen Bruder zu töten und somit auch meine Eltern zu rächen!
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Nun stand ich vor einem gigantischen Tor. Es war mindestens drei Meter hoch. Neben dem Tor standen zwei Wachen die uns passieren liessen. Professor Lewliet öffnete das Tor. Dahinter befand sich der mit Abstand grösste Raum, den ich je gesehen hatte. An der Decke hing ein gigantischer Kronleuchter. Der Boden war glatt poliert und an den Wänden befanden sich erstklassige Bilder. Im Raum waren verschiedene Personen, Jene mit Schuluniform, und Jene, die Professoren waren. Es war anscheinend nicht oft, dass das Tor geöffnet wurde, denn alle sahen uns verwundert an. Doch als sie mich sahen reagierten sie ähnlich, wie die Leute in der Stadt Gellbora. Einige liefen gleich weg, andere sahen mich nur blöd an, die hatten offenbar eine lange Leitung.
Der Professor riss mich wieder aus meinen Gedanken.
"Komm, wir müssen zum Rektor."
"Etwa Herr Roborowske?"
Er fing an blöd zu lachen.
"Nein, der ist nicht der Besitzer dieser Schule, dieser Rektor heisst Herr Gherklam, wie die Schule."
Irgendwie ergab das schon Sinn, und so dringend wollte ich Herr Roborowske auch nicht wieder sehen.
Diese Schule besass viele Wege und Gänge, es würde bestimmt lange dauern, bis ich wüsste, wo alles war. Wir bogen ganz scharf rechts ab, also direkt an der Aussenmauer entlang. Der Gang führte uns aus der Eingangshalle raus. Dann tauchten viele Türen auf, offenbar alles Zimmer von Professoren, da an jeder Tür ein Name stand. Bei der fünfen Tür blieben wir stehen. Auf dem Schildchen stand:
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Prof. Dr. Dr. K. Gherklam
Schulleiter
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Professor Lewliet klopfte wohl etwas schüchtern an Tür.
"Wer ist da?"
"Ähm Lewliet, ich habe eine neue Schülerin für sie."
"Herein."
Sogar durch die Tür hörte sich seine Stimme schrecklich ernst an, doch als ich ihn sah wurde mir erst richtig mulmig zumute. Er war bestimmt um die Mitte 30. Seine schwarzen Haare waren streng nach hinten gekämmt und richtig schleimig. Sein Anzug sass perfekt und selbst sein Hemd war schwarz. Seine Schuhe waren auf das Höchste poliert und seine Brille war schmal und eng, was seine Gesichtszüge nur verstärkte, doch am schlimmsten waren seine schwarzen Augen, man konnte Pupille nicht mehr von Regenbogenhaut unterscheiden, kein Licht spiegelte sich darin, sie waren leer.
Zudem reagierte er anders als die Anderen auf mein abnormes Aussehen. Er fing an zu lachen.
"Konntest du der Kleinen nicht einmal neue Sachen kaufen?"
Lewliet kratze sich etwas verlegen am Hinterkopf: "Ich bin gerade etwas knapp bei Kasse."
"Nun gut, da du auf diese Schule willst müssen wir wissen, wie gut du bist und um das zu testen wirst du einen Kampf ausführen."
Während er sprach holte er eine Schuluniform aus dem gigantischen Wandschrank. Diese bestand aus einem weissen Hemd, einem schwarzen Roch, dunkelblauen Overknee-Strümpfen, Unterwäsche, schwarzen Schuhen und einem schwarzen Mantel.
Er drückte mir die Uniform in die Hand und deutete auf die Tür auf der anderen Seite des Zimmers.
"Da kannst du dich waschen und umziehen, Lewliet wird mir derweil alles über dich erzählen."
Ich schloss die Tür hinter mir und machte das Licht an. Es war ein Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und, was mich am meisten freute einer Dusche! Ich duschte mich schnell und zog die Uniform der Schule an. Aus meinen alten Sachen kramte ich noch den Anhänger und den Schlagring. Dann verliess ich wieder das Badezimmer. Der Rektor hatte jetzt einen anderen Gesichtsausdruck. Er war neugierig aber auch abstossend.
"Professor Lewliet sagt, du seist gut."
Ich sah den Professor etwas verwirrt an.
"und deshalb wirst du gegen unseren zweitstärksten Schüler antreten, denn ich denke Cero ist dann doch noch eine Stufe zu hoch. Sein Name ist Thirey, er ist ein Finsternis-Elementar."
Offenbar meinten die Zwei das ernst.
Ich folgte dem Rektor und dem Professor aus dem Zimmer zurück zur Eingangshalle. Währenddessen rief ich mir einen Absatz aus dem Buch wieder ins Gedächtnis:
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Finsternis: Finsternis-Elementary können sich in ihre Schatten verwandeln. Zudem können sie Leute auf Dauer erblinden lassen und die Helligkeit ihrer Umgebung beeinflussen. Ausserdem können sie die Gefühle von einem Menschen zum Negativen wenden.
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Das hiess für mich:
Ich muss auf alle Schatten im Zimmer aufpassen!
Ich darf mich nicht auf meine Augen verlassen!
Ich muss meine Gefühle unterdrücken!
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In der Eingangshalle schnappte sich der Rektor den erstbesten Schüler: "Du! Bring sofort Thirey in die Turnierhalle!"
Der Schüler machte sich schnell vom Acker, während wir geradeaus durch die Halle liefen, direkt am Eingangstor vorbei. Wir liefen noch eine Weile Durch den Gang, dann tauchte auch schon eine Tür auf. Wir betraten den Raum. Ich konnte nur staunen, dieser Raum war fast so gross, wie die Eingangshalle. Zudem war es wie ein Stadion aufgebaut, aussen rum waren etwa dutzend Sitzreihen, und in der Mitte eine eingezäunte Kampffläche. Der Rektor brachte mich durch die Sitzreihen zur Kampfläche, öffnete die Umzäunung und nahm mir meinen Umhang ab.
"Hier wartest du, bis dein Gegner auftaucht."
Ich nickte knapp und ging noch ein paar Schritte von der Mauer weg. Der Rektor und der Professor setzten sich in die Hinterste Reihe des Stadions. Da rief mir noch der Professor zu.
"Ach übrigens, es wird gekämpft, bis der Feind kampfunfähig, KO oder auf dem Rücken liegt, das heisst du darfst ihn nicht töten!"
Ich wusste nicht, warum der Professor so einen blöden Kommentar brachte, allerdings hatte ich auch keine Zeit um darüber nachzudenken, denn im nächsten Moment sprangen die vier Türen auf und hunderte Schüler strömten in den Saal. Darunter ging einer direkt auf die Kampffläche zu, neben ihm lief wohl sein Freund. Kurz vor dem Zaun blieb er stehen und reichte seinem Freund seinen Umhang.
"Pass auf, Thirey, sie ist ein Blut-Elementar."
"Mach ich, Cero."
Wie es aussah der war Schwarzhaarige mit der Brille Thirey und der Blonde mit den blauen Augen Cero. Der war bestimmt ein Mädchenwarm, stärk und süss, also nichts für mich, aber welches Elementar hatte er?
Doch zuerst konzentrierte ich mich auf Thirey. Langsam wurde das Publikum leiser und ein Lehrer betrat den Kampfbereich, offenbar der Schiedsrichter.
"Ruhe bitte! Mein Name ist Herr Furesch, wer mich noch nicht als Professor hatte, ich unterrichte die Schwertkunst. Heute werde ich allerdings hier der Schiedsrichter sein, wenn wir dann anfangen können."
Es war wie in einer Arena um uns herum hunderte Menschen und vor mir mein Feind. Er stand etwa zehn Meter von mir entfernt und machte sich startbereit. Diesen Kampf musste ich gewinnen! Als meine Ehre als Blut-Elementar und natürlich auch, weil ich nicht als Loser durchgehen wollte.
"Start!"
Ich muss auf alle Schatten im Zimmer aufpassen!
Um mich herum wurden die einzigen Schatten von Zaun geworfen, das hiess, ich musste in der Mitte bleiben.
Ich darf mich nicht auf meine Augen verlassen!
Ich blickte mich noch einmal um die Abstände zum Rand und zu Thirey zu messen, dann schloss ich sie endgültig, jetzt konnte mir mein Training mit Kyo echt etwas nützen! Kyo... wieso dachte ich jetzt an ihn? Nein! Ich musste Regel Nummer drei beachten!
Ich muss meine Gefühle unterdrücken!
Für ein paar Sekunden dachte ich an nichts ausser dem Rasen im Vorhof, dnn atmete ich einmal schwer aus und sperrte alle meine Gedanken in diesen Kampf.
Ich horchte auf. Überall herrschte vollkommenes schweigen, dann hörte ich leise Schritte, die über den Boden schlichen. Eins, zwei, drei...zehn!
Er musste jetzt etwa zwei Meter von mir entfernt sein, schnell benutzte ich meinen Schlagring und schlitzte mir den Unterarm auf. Das Blut, welches rausfloss formte ich zu einer Sense in meiner Hand, so wie ich es damals tat. Dann rannte ich auf Thirey zu, um letzten Moment öffnete ich die Augen um genau zu zielen, doch vor mir stand niemand. Ich drehte meinen Kopf und sah eine schwarze Klinge auf meinen Kopf zukommen. Eine Idee! Ich brauche eine Idee! Es war wie ein Überlebenssinn, in dem Moment, in dem sein Finsternisschwert meine Kopfhaut berührte verwandelte ich mich komplett in Blut, er schnitt durch das Blut hindurch, welches sich danach wieder in mich zurückformte.
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Damals wusste ich nicht, wie riskant diese Technik war, ein falscher Gedanke und ich wäre nur noch ein Blutfleck gewesen, wie das Blatt auf dem Karren. Trotzdem bereute ich nie, sie verwendet zu haben.
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Ich nutze seinen Schockmoment und schwang meine Blutsense, sodass ich ihm beide Unterschenkel aufschnitt. Er konnte jetzt unmöglich noch stehen! Wir vermutet brach er vor meinen Augen zusammen.
Man könnte jetzt sagen, dass das seine letzten Worte waren, aber ich habe ihn ja nicht umgebracht.
"Du bist gut."
Ich verwandelte mich in mein wahres ich zurück, da ertönte auch schon der Schlusspfiff und ein Rettungstrupp kam auf ihn zu, es waren Wasser-Elementary. Als ich sehen wollte, ob der Rektor und der Professor noch da waren, waren sie verschwunden. Der Schiedsrichter hob meinen rechten Arm in die Höhe und das Publikum jubelte, doch mein Blick ruhe auf dem verletzten Jungen.
Dann kam eine der Krankenschwestern zu mir und reichte mir einen Zettel.
"Vom Rektor."
Ich klappte ihn auf und las. Meine Zimmernummer war 204 und der Stundenplan für die nächste Woche war auch drauf.
Ich ging noch einmal zu dem Jungen:
"Tut mir Leid."
"Macht nichts, es war immerhin ein fairer Kampf."
dann verliess ich den Saal, wobei ich merkte, dass alle bereits wieder gingen. Ich schloss mich der Masse an, allerdings musste ich nicht drängeln, wie die Anderen. Als ich im Flur stand wusste ich nicht, wohin es weiter ging und ansprechbar war so wirklich niemand, da wurde mir plötzlich auf die Schulter getippt. Ich drehte mich abrupt um und sah in das Gesicht des Blonden Jungen, Cero.
Ich mochte ihn nicht, schon allein deshalb, weil der Rektor ihn als stärksten Schüler bezeichnete, doch zudem wusste ich nicht einmal sein Element.
"Wenn du willst, zeige ich dir, wo du hin musst."
Seine Stimme war natürlich und sein Gesichtsausdruck gelangweilt, als wäre ich eine Last für ihn, was bildete der sich ein?
"Kümmere dich lieber um deinen Freund."
Ich kehrte ihm den Rücken zu und lief zurück in Richtung Eingangshalle.
Er schrie mir noch zu: "Das ist der falsche Weg!"
Ich stöhnte auf, ich brauchte wohl doch seine Hilfe. Ich drehte mich um und sah, dass ausser ihm und mir niemand in diesem Gang war, nun konnte ich ihn fragen: "Unter einer Bedingung!"
"Du meinst, ich darf dir zeigen, wo dein Zimmer ist, wenn ich deine Bedingung erfülle? Spinnst du? Als ob ich das machen würde! Vergiss so was, du und ich, wir sind TOT!"
Er war also auch ein Elementary des 3 Systems! Und wie es aussah waren wir die zwei Einzigen der ganzen Schule. Aber wieso bedrückt ihn es so, dass er bereits einmal gestorben ist?
"Mag ja sein, dass wir schon einmal gestorben sind, aber wir leben trotzdem!"
"So siehst du das also."
Er drehte sich um und lief in die Dunkelheit in den Gang hinein. Und was jetzt?
Ich ging zurück zur grossen Halle. Dort brannten noch ein Paar Lichter, doch die letzten Schüler, die ich sah hatten es plötzlich ganz eilig und gingen alle in die gleiche Richtung, die Schlafräume!
Gerade, als ich ihnen vollkommen ohne Orientierung folgte ertönte die Stimme des Rektors in einem Lautsprecher, den ich nicht sah:
" An alle meine kleinen Schüler, es ist 9:55 Uhr, in fünf Minuten kommen die Putzmaschinen! Gute Nacht!"
Putzmaschinen? Hatten es die Schüler deshalb so eilig? In der nächsten Weggabelung, sah ich, dass zwei Mädchen rechts abbogen und der Junge links. Ich folge den Zweien, da tauchten auch schon die ersten Türen mit Zimmernummern auf. 278,277,276...
Die Zwei gingen in irgendeine der Türen, doch ich war von meiner noch weit entfernt. 254,253,252...
Langsam ging mir die Puste aus, in Schein der flackernden Kerzen rannte ich einen ewig langen Gang entlang, hin und wieder bog er links oder rechts ab, aber Weggabelungen gab es zum Glück keine mehr. Da hörte ich eine Turmuhr, sie schlug ein, dann zwei mal... daraufhin hörte ich Schrubber, die über den Boden kratzen, die Putzmaschinen. Das Geräusch wurde schnell immer lauter, obwohl ich so schnell rannte, wie ich konnte holten sie mich dennoch immer schneller ein. 221,220,219...
Gleich hab ich es geschafft! 209,208,207... da erschien hinter mir ein Licht, es war bereits so nah! Mit dem letzten Sprung riss ich die Tür von Zimmer Nummer 204 auf und schmiss sie hinter mir wieder zu. Vollkommen ausser Atem kniete ich auf den Boden, ohne zu merken, dass ich nicht alleine in dem Zimmer war.
"Oh, da hast du es aber ganz schön knapp noch geschafft!"
Ich sah auf und eindeckte ein Engel in einem weissen Nachthemd und einer Kerze in der Hand. Nein, warte sie war einfach nur wunderschon, das mit abstand schönste Mädchen, das ich je gesehen hatte!
Als sie das Licht anmachte bemerkte ich erst, dass sie hellblaue Haare hatte und blaue Augen, die wie das Meer glänzten.
"Hallo, mein Name ist Prinzessin Nelenia von Gutensburg, Wasser-Elementary, aber du kannst mich ruhig Nelenia nennen."
War ja mal wieder klar, dass ich mit einer adligen Prinzessin im Zimmer war.
"Ich nehme an, du bist Raeme Dorodo, oder?"
Naja, immerhin wusste sie, wer ich war und hatte keine Angst.
"Komm ich helfe dir hoch."
"Danke."
"Ich nehme an, wir werden jetzt im selben Zimmer schlafen, in welcher Klasse bist du denn?"
"Ich holte den Zettel aus der Hosentasche."
"Klasse 9B."
"Schade, dann gehen wir nicht in die selbe Klasse, ich gehe in die 9C."
Gerade als ich das Zimmer inspizierte, welches aus zwei Betten und zwei Kleiderschränken bestand, und natürlich einer Tür zu einem Badezimmer, da sprang eine der Schranktüren auf und ein gewuschelter Kopf lugte hervor.
" Was ist denn hier los, Nele?"
Da sprang die seltsame Person aus dem Schrank und rannte mich um.
"Niemand bedroht meine Nele!"
"Ganz ruhig Maylea, sie wird ab sofort mit mir in einem Zimmer schlafen."
Dann ging sie von mir runter. Im schwachen Licht konnte sie besser erkennen. Sie hatte orangene Haare, die bis zu den Schultern gingen und grosse rehbraune Augen. Sie trug das selbe Nachthemd wie Nele.
"Diese Blut-Elementary also, nur damit das klar ist, mein Name ist Maylea Zuklaim, Klasse 9E!"
Zuklaim! Der Mann aus der Bar hatte den selben Nachnamen, aber ich dachte Mond-Elementary können ihre Fähigkeiten nicht vererben.
"Sag mal, hast du das Mond-Element?"
Sie grinste frech.
"Ganz recht, aber woher weißt du das?"
"Ich bin einem Robro Zuklaim begegnet."
"Das ist mein Adaptivvater, seit meine Eltern starben."
Ich richtete mich auf uns sah diese zwei Mädchen an, offenbar war ich nicht die einzige mit einer traurigen Vergangenheit.
"Maylea, du solltest jetzt wieder zurück zu Aycha gehen, sonst erwischt man dich noch hier."
Das seltsame Mädchen ging zurück in den Kleiderschrank. Da konnte ich sehen, dass die Rückwand unseres Kleiderschrankes ein Loch hatte, genauso die Wand und der Kleiderschrank auf der anderen Seite. Also gehörte sie ins Nachbarzimmer und dort schlief noch ein Mädchen namens Aycha. Nele reichte mir ein weisses Nachthemd.
Zieh das an, wir sollten jetzt schon längst schlafen."
Ich zog mich um und legte meine Sachen neben mein Bett, dann löschte Nele das Licht.
"Gute Nacht Raeme."
"Gute Nacht."
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Damals, in der ersten Nacht, als ich in dieser Schule schlief dachte ich noch lange nach. Was kommt wohl morgen auf mich zu?
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"Los, du musst aufstehen!"
Es war wieder diese nervende Stimme von dem Nachbarsmädchen.
"Tut mir leid, ich habe dich nicht wach gekriegt, da hab ich Maylea gefragt ob..."
"Schon gut, bin ja schon wach!"
Morgens war ich schon immer leicht reizbar, aber als ich auf die Wanduhr sah um dort 6:07 Uhr stand, war ich einfach nur genervt. Ich ging ins Badezimmer und duschte mich schnell, danach föhnte ich mir die Haare, putze meine Zähne, fragte nach schminke, die ich dann auch bekam und zog mich an.
"Ich bin fertig."
Da Nele und ich jetzt alleine im Zimmer waren antwortete sie mir: " Okay, es ist 6: 43 Uhr, in zwei Minuten treffen wir uns vor der Tür mit Aycha und Maylea, vergiss aber deine Schultasche nicht, sie liegt im Kleiderschrank, mit allen Büchern."
Als wir im Flur standen war dort bereits die Hölle los, dutzende Mädchen drängten sich an uns vorbei, bis Die Tür von Zimmer Nummer 205 aufging. Zuerst kam Maylea hüpfend heraus, danach ein gross gewachsenes Mädchen, sie trug eine Brille und hatte feuerrote Haare und dunkelbraune Augen. Die Leute hier hatten echt kranke Haarfarben! Sie hielt ein Buch in der einen Hand und schaute kurz hoch und murmelte so etwas, wie: "Mein Name ist Aycha von Hörchkos, Feuer-Elementary und du bist die neue, das weiss ich schon."
Wieder so ein schräger Charakter. Ich durfte mich nicht einmal vorstellen!
Zu viert gingen wir den Gang entlang, in die entgegengesetzte Richtung, wie ich gekommen war. Am Ende des Ganges bogen wir rechts ab. Der neue Gang war um einiges breiter und hier gab es riesige Schlossfenster, man traf auch wieder auf Jungs, offenbar hatten wir den Mädchentrakt verlassen. Wir folgten dem Strom in einen Raum mit grossen Portaltüren. Hier befanden sich lauter Holztische und ein Tresen, wo die Schüler anstanden. Ganz klar, eine Mensa! Offenbar holte man sich hier sein Frühstück, denn jene, die am Tresen waren und sich aus der Menschenmasse zurückkamen hielten Orangensäfte, Croissants und Brötchen in den Händen. Rechts von mir stand Maylea, die offenbar genervt war: "So ein Mist, wir sind schon wieder zu spät dran, jetzt kriegen wir wieder nur die Naturjoghurts und den Frühlingszwiebelquark. Aber warte! Heute haben wir ja dich!"
Sie zeigte mit ihrem Finger direkt in mein Gesicht.
"Mich? Und was soll das heissen?"
"Warts nur ab!"
Sie zog mich mit in Richtung Menschenmasse. Offenbar erkannten Aycha und Nele, dass das ein dummer Gedanke war und blieben am Eingang stehen. Fast bei der Menschenmenge angekommen erkannte ich Cero und Thirey, die offenbar weniger interessiert waren und die Show nur beobachteten. Im selben Moment brüllte Maylea über die Menschenmenge hinweg: "Hey, alle hergehört, wer nicht sofort bei Seite tritt kriegt es mit dem Blut-Element zu tun!"
Auf einmal herrschte schweigen, so selbstsicher sie auch war, zog sie mich in Menschenmenge, die von ganz alleine Platz machte, sodass wir direkt am Tresen standen, ohne das wir auch nur berührt wurden. Ich versuchte den Menschen natürlich zuzulächeln, doch die machten noch einen Schritt rückwärts. Maylea schnappte sich für uns alle nur die besten Schokoladencroissants und Butterbrötchen mit Tetra-Milch. Auf dem Weg zurück sah ich noch das belustigte Gesicht von Cero und schaute schnell weg. Maylea drückte Aycha ihre Portion in die Hand, die daraufhin alles in ihre Schultasche packte.
"Sehr gut, Maylea, das war sehr strategisch gedacht, du wirst besser."
"Danke Maylea und natürlich auch danke Raeme. Ich gehe dann mal zu meiner Klasse."
Maylea winkte definitiv zu stark, als Nele die Mensa verliess.
"Also, ich gehe dann auch mal in meine Klasse!"
Sie hüpfte aus dem Zimmer, wie ein Frosch, also mal im Ernst, etwas weniger Selbstvertrauen täte ihr gut!
Nun stand ich mit Aycha alleine da.
"Und in welche Klasse gehst du?"
"9D."
Ohne ein weiteres Wort verliess auch sie die Mensa und ich stand mit dem Frühstück in der Hand wie ein Volltrottel da. Schnell packte ich das Frühstück ein und sah mich um. Von hier aus gab es acht Türen, zwei in jede Richtung. Die ersten zwei gingen Richtung Eingangshalle, die anderen zwei Richtung Schlafräume. Also stand die Chance, dass ich richtig lief bei 50%. Ich lief in Richtung eine der übrigen Türen, da wurde mir auf die Schulter getippt.
"Falscher Weg, wenn du zur Klasse 9B willst."
1. Was fällt ihm ein, mich anzufassen? Und 2. Woher weiss er, dass ich in Klasse 9B gehe? Natürlich, vor der Turnierhalle hat er mir ja über die Schulter geschaut!
"Das ist mir egal!"
Ich blieb hart, ich brauchte seine Hilfe nicht!
"Glaubst du, du kommst immer noch pünktlich, wenn du jeden Gang hier entlangläufst? Du wirst nicht jedes Mal so viel Glück haben wie Gestern mit der Putzmaschine."
Dieser Typ nervte! Woher wusste er das jetzt schon wieder?
"Gut, wenn du es besser weißt, kannst du mir ja sagen, wo mein Klassenzimmer ist, oder?"
"Falsch, ich werde dir zeigen, wo mein Klassenzimmer ist, deines ist nicht weit davon."
Er lief voraus durch eine der anderen Türen, danach folgte ich ihm durch ein paar dunkle Gänge, bis wir vor einer Tür stehen blieben, auf ihr stand 9B.
Aber warte, das hiess ja, wir gingen in die selbe Klasse! Von wegen nicht weit davon!
Er öffnete die Türe und liess mich eintreten. Da hörte ich auch schon eine Schulklingel, er hatte recht, ohne ihn wäre ich zu spät gekommen. Im Klassenzimmer stellten sich gerade etwa 20 Schüler hinter ihre Tische. Ein Professor stand an der Tafel. Das schönste im Zimmer waren jedoch die grossen Fenster, mir denen man auf einen schönen Brunnenplatz sehen konnte. Cero ging an mit vorbei und stellte sich hinter den Tisch, der ganz hinten am Fenster stand, den Platz wollte ich auch! Da leutete es ein zweites Mal und der Unterricht fing an:
"Morgen, Klasse."
Dann drehte er sich zu mir und schaute mich prüfend an.
"Wie ich sehe haben wir eine neue Schülerin, stell dich doch bitte kurz vor."
Jeder in diesem Raum schien bemerkt zu haben, wie unnötig das war, allerdings war dies eine Floskel des Anstandes. Ich sah noch einmal Cero an, der gelangweilt aus dem Fenster schaute.
"Mein Name ist Raeme Dorodo, Blut-Elementary."
Als nächstes zeigte mir der Lehrer meinen Sitzplatz, der sich direkt vor Cero befand.
" Nun gut, mein Name ist Professor Zwittrich, ich unterrichte Astrologie. Schlagt bitte das Buch auf Seite 245 auf, wir nehmen den Mondzyklus durch."
Die ganze Stunde über konzentrierte ich mich nur auf das Plätschern des Wassers im Brunnen. Es war beruhigend, wie Balsam für die Seele. Doch dann schoss ein Gedanke bei mir wie ein Blitz ein: `Wie geht es jetzt wohl Kyo so?`