Kurzgeschichte
Das Tattoo von Papeete

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"Das Tattoo von Papeete"
Veröffentlicht am 09. Juni 2011, 20 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Das Tattoo von Papeete

Das Tattoo von Papeete

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Das Tattoo von Papeete     

Wenn Josè im kleinen südfranzösischen Bauerndorf am Stammtisch erscheint, schweigen die anderen Stammtischler, alle etwa im Alter zwischen sechzig und siebzig, und warten erwartungsvoll, was der groß gewachsene, schlanke Mann mit großem Schnurrbart und vom Wetter gegerbtem Gesicht aus Spanien, 42 Jahre alt mag er sein, wieder zu erzählen hat. Er kommt nur selten, der Josè, aber jedenfalls sicher Ende Monat. Trotzdem er immer viele, interessante Geschichten erzählt, ist von ihm nicht viel bekannt, nur, dass er vor langer Zeit – fünfundzwanzig Jahre sind es her - zusammen mit seinem Onkel aus Spanien kam und seither bei einem Großbauer, ziemlich abgelegen vom Ort, arbeitet. Man munkelt, Monsieur Seuret, der Großgrundbesitzer, ein Eigenbrötler und skurriler Kauz, der die zwei Spanier eingestellt hat, würde den gutmütigen Josè ausnützen. José ist ein geselliger Typ, und deshalb fand er rasch Kontakt, besonders zu den älteren Männern des Dorfes. Seinen Onkel sieht man nie im Restaurant. Er gehe nicht gerne unter die Leute, oder dann nur in der Stadt, zum Beispiel in Carcassonne. Als Landarbeiter hat José immer am Letzten des Monates Zahltag, und das ist der Tag, an dem er ganz sicher im Restaurant erscheint – bis zu diesem Tag sozusagen ohne Unterbruch.

"Heute ist doch der Letzte im Mai", sagt René, ein etwa siebzigjähriger, klein gewachsener Bauer, der mit den anderen Männern am Stammtisch sitzt und an seiner Zigarette Rauch einzieht und ihn langsam durch den offenen Mund ausströmen lässt.

"Ja, und es ist schon bald elf. Er wird wohl nicht mehr kommen", mutmaßt  Jean-Jacques, ein muskulöser Sechziger, nimmt die Pfeife aus dem Mund, bläst den Rauch in die schon rauchgeschwängerte Luft des Restaurants. Man merkt allen an, dass sie enttäuscht sind. José fehlt.

Die Stammtischrunde wartet auch am ersten Juni, am zweiten und an den folgenden Tagen vergebens. Und jeden Abend nimmt man an der allgemeinen Stimmung am Stammtisch die Enttäuschung wahr.

„Ist ihm wohl etwas passiert?“, sinniert Albert am fünften Abend. Er ist der einzige Nichtbauer. Vor seiner Frühpensionierung arbeitete er auf der Gemeindeverwaltung. Seine Frau war letztes Jahr gestorben, und seither kann er seine Freiheiten genießen.

„Habe nichts gehört. Vielleicht hat er kein Geld mehr. Er ist ja schon immer knapp bei Kasse, wenn ich denke, wie viel Lohn der erhält“, antwortet Henri, ein gutmütiger Riese; viele hielten ihn für einfältig, doch das ist er überhaupt nicht.

"Es ist schade, wenn er nicht mehr kommen sollte", sagt Jean-Jacques und bläst den Rauch gewohnheitsmäßig in die Luft.

"Ja, das wäre es. Man konnte so viel erfahren aus der weiten Welt", bestätigt Henri.

"Der ist weit herumgekommen, der Josè", staunt Albert.

Und jetzt beginnen die Männer jeden Abend, immer angeregter von Josés Geschichten zu erzählen. Wie er das Kohlenschiff in Kanada eigenhändig mit dem Kapitän entladen hat, weil die andern Schiffsleute alle krank waren. Und schon nach zehn Tagen ist es schwierig zwischen den Erzählungen von Josés und denen seiner Stammtischfreunde zu unterscheiden. Immer mehr werden seine Geschichten zu ihren eigenen.

Am Abend des Siebzehnten beginnt Jean-Jacques. Er hält die Pfeife in der rechten Hand und während dem Sprechen lässt er kleine Rauchwolken dem Mund entweichen: "Ja, da war ich einmal mit einem französischen Frachter in der Südsee unterwegs. In Tahiti mussten wir auf eine Lieferung Kokosnüsse für Frankreich warten. Damals streikten dort die Landarbeiter. So lagen wir während mehreren Tagen in Papeete vor Anker. Ich lernte eines Abends im Ausgang eine rassige Tahitianerin kennen und verbrachte eine herrliche Zeit mit ihr. Als ich ihr eines abends sagte, am andern Tag würden wir die Anker hieven, verlangte sie Geld für ihre Liebesdienste. Aber mein Geld war alle. Da wurde sie wütend, und sie erpresste mich. Entweder werde sie mit dem Kapitän sprechen oder sie wolle mir ein Tattoo auf den Arsch brennen, dann lasse sie mich ziehen. Ich willigte für das Tattoo ein, und, oh Gott, wie das schmerzte. Ich glaube, die hat mich extra gequält. Am andern Morgen in der Früh fuhren wir weg von Tahiti".

"Das hast du uns aber noch nie erzählt, dass du zur See gefahren bist, Jean-Jacques", staunt Henri und sieht ihn ungläubig an.

Benno steht am Tresen und zieht nachdenklich die Stirne hoch. Irgendwie ist etwas an der Geschichte, das ihm bekannt vorkommt.

"Och, ich habe euch nicht alles aus meinem Leben erzählt", erwidert Jean-Jacques etwas unsicher. "Und zudem war das in meinen jungen Jahren".

"Aber soweit ich mich erinnern kann, bist du, wie ich, immer in Le Plaine-sur-le-Cret gewesen", erinnert ihn Albert.

"Ach, das stimmt nicht. Du warst doch zwei Jahre im Militär, und damals zog ich eben mal weg. Es blieb ja auch bei dieser einen Fahrt", klärt Jean-Jacques seine Freunde auf. Ihm war etwas mulmig zu Mute.

"Okay, du musst uns beweisen, dass es stimmt. Wir wollen das Tattoo sehen!", fordert da Henri.

"Ja, das wollen wir sehen!", begeistern sich die andern.

"Was, hier? Jetzt? Das geht nicht!", protestiert Jean-Jacques.

Jetzt geht ein richtiger Radau los am Stammtisch.

"Ja, wir wollen es jetzt sehen - jetzt hier und gleich... !", rufen alle durcheinander.

Auch die andern Gäste im gut besetzen Restaurant werden aufmerksam auf die Stammtischrunde. Alle starren hin und versuchen mitzubekommen, was da abläuft. Und langsam begreifen sie und beginnen zu schmunzeln. Sie wollen auch sehen, was da auf dem Hintern von Jean-Jacques eingebrannt ist. An einem Tisch beim vorderen Fenster, von der Stammtischrunde nicht zu sehen, diniert eine Frau, etwa sechzigjährig, die sich seit einiger Zeit im Ort aufhält und im einzigen Hotel des Ortes logiert. Sie sieht nur verstohlen aus dem Fenster und scheint zu schmunzeln.

Da nun der Druck für Jean-Jacques enorm groß geworden ist und er sein Gesicht nicht verlieren will, öffnet er den Gürtel - mit Widerwillen zwar. Zögernd zieht er die Hose runter.

"Mehr!  ... Mach vorwärts! ... Tu nicht so scheu! ... Du bist doch sonst nicht so prüde! ... Lass es endlich sehen! ... So ein bisschen Arsch, was ist schon dabei!", tönt es von überall her, und schallendes Gelächter quittiert jeweils die Rufe.

Dann ertönen staunende Rufe.

"Es stimmt! ...Er hat ein Tattoo! ....Mensch, Jean-Jacques, du hast recht, du hast ein Tattoo! Ich habe es dir nicht geglaubt!".

Überall herrscht lustiges Gerede und Gelächter, das sich langsam legt. Die Gäste wenden sich wieder vom Stammtischgeschehen ab und widmen sich ihren eignen Themen. Benno, der Wirt, ein Deutscher mit einer quirligen Französin verheiratet, erscheint mit einer Karaffe Wein.

"Eine Spende an unseren Helden Jean-Jacques!", sagt er und schenkt der ganzen Stammtischrunde ein.

"Du warst also in Tahiti! Das habe ich nicht gewusst. Erzähle mal mehr. Wie war's dort? Und wie war's mit ihr?", will Henri wissen.

Nun ist Jean-Jacques der Star des Abends, und er genießt es und schmückt seine Heldentaten mit großer Fantasie aus. Er kennt Tahiti aus den Büchern und Zeitschriften und lässt die Fotos in seiner Fantasie aufleben und erfindet weitere Geschichten. Je höher der Alkoholspiegel steigt, je größer werden seine Prahlereien. Nur einmal stockt er etwas, als er in seinem Rausch, wie in einem Nebel, die schwarz gekleidete Frau aus dem Restaurant gehen sieht. Sie schaut lächelnd zum Stammtisch und zwinkert mit dem rechten Auge. Jean-Jacques gewinnt wieder an Sicherheit als sich die Tür geschlossen hat. In vollen Zügen genießt er diesen Abend und findet den Nachhauseweg nur im Zickzack-Kurs. Seine Frau ist schon im Bett, und er ist bedacht, in seiner Trunkenheit, sie nicht zu wecken. Vor dem Einschlafen grunzt er zufrieden vor sich hin: "Mein Tattoo von Papeete". Er betont es aber: „Babette“. Eveline, seine Frau, die sich schlafend gestellt hat, weil sie nicht wie üblich mit dem Spätheimkehrer streiten wollte, hebt den Kopf: 'Hm, Tattoo von Babette? Morgen will ich es wissen. – Ein Tattoo?'.

 

Henri ist am folgenden Samstag der Erste der Stammtischrunde. Nach und nach kommen die andern. Die Gespräche sind einsilbig. Man spricht von den neusten Nachrichten aus aller Welt. Auch Jean-Jacques sitzt da, hält seine Pfeife mit der rechten Hand im Mund - saugt hin und wieder und pafft den Rauch zwischen den Lippen durch aus. Da öffnet sich die Tür und Josè tritt ein.

"Hei, schaut wer da kommt!", ruft Benno, der Wirt, hinter dem Tresen.

Am Stammtisch wird es lebendig. Alle rufen:  Josè!

"Heute ist der achtzehnte!", stellt Albert fest.

"Das ist außergewöhnlich, dass du heute kommst! Wir dachten du kämest nicht mehr!".

"Ja, wir haben dich vermisst, Josè", sagt Henri.

„Und Angst gehabt, du könntest nicht mehr kommen. Es sei dir etwas geschehen", fügte Albert hinzu.

"Oh, da bin ich ja wieder". Josè setzt sich zwischen Henri und Albert. Er lacht und schaut in die vollzählige Runde. "Ich habe gehört, dass da jemand in Tahiti gewesen ist". Er lacht und zeigt seine großen Zähne.

Alle schauen auf Jean-Jacques.

"Ja, er", sagte Benno, an den Tisch tretend und zeigt auf Jean-Jacques.

"So? Du warst dort?".

"Ja, und er hat ein Tattoo auf den Arsch eingebrannt erhalten. Von einer Tahitianerin. Eine Scharfe soll es gewesen sein!", ruft Roger, der sonst sehr still ist. Aber er gehört zum Stammtisch. "Wir haben sein Tattoo gesehen!".

Roger ist seit Geburt gehbehindert, läuft mit zwei Krücken, wobei er das rechte Bein nachzieht.

"Ach, es ist ja schon lange her. Ich hab' die Geschichte nun mal erzählt, und lasst es jetzt dabei". Jean-Jacques ist es sichtlich zuwider. Er erinnert sich missmutig an die Auseinandersetzung mit seiner Frau, die das Tattoo sehen wollte. Noch hatte er es verhindern können. Ihr kann er die Geschichte von Papeete nicht erzählen.

"Lass es mich sehen! Ich habe ja auch eines von dort und scheinbar auch dort, wo du es hast.. Ich habe doch -  's ist lange her – euch meine Geschichte erzählt. Lass sie uns anschauen, unsere sündigen Brandmarken von Papeete, Jean-Jacques!". Papeete tönt eher Babette, und das Lächeln ist eher ein spöttisches Grinsen.

Jetzt ist wieder Leben in der Bude. Alle wollen sie sehen, diese Tattoos. Josè hat sich rasch den Hintern frei gemacht. Sofort hört man den erstaunten Ruf:  "Das ist ja das gleiche wie bei Jean-Jacques!"

"Lass zeigen, Jean-Jacques!", wird jetzt gerufen, und alle fordern den sich zierenden, kleinen Mann, vorwärts zu machen.

"Tatsächlich!",  staunen die Rumsitzenden.

Die beiden Männer ziehen die Hosen wieder hoch und setzen sich. Es wird überall gelacht.

"Gibt es in Tahiti nur eine Hure? Wann warst du, Jean-Jacques, dort - und wann du, Josè?", fragt Albert.

"Ich hab's ja gesagt: als Albert im Militärdienst war, das ist vierzig Jahre her", hält Jean-Jacques fest.

"Und du?", richtet sich Henri an Josè.

"Ich war nie in Tahiti", sagt dieser.

"Du warst nie ... aber du hast uns doch die Geschichte – ich kann mich jetzt erinnern: Die Sache mit den Kokosnüssen und dem Tattoo auf dem Arsch ist von dir!", staunt Benno, der eigentlich die Bestellung der Stammgäste aufnehmen wollte, aber interessiert zuhört.

"Natürlich habe ich das. Leider muss ich euch enttäuschen: Alle meine Geschichten sind allesamt erfunden. Ich habe nie etwas Außergewöhnliches erlebt - träumte aber zeitlebens davon. Jetzt noch. Aber was ich euch jetzt sage ist wahr: Ich bin Vater, Ehemann und Großbauer geworden!".

Jetzt ist es ganz still im Restaurant. Die auf Josè gerichteten Augen verraten Zweifel.

"Ihr glaubt mir nicht? Aber es ist wahr: Lisette, unsere Küchenhilfe, hat mir am ersten Juni ein Mädchen geboren! Beide sind wohlauf, und gestern haben wir in Carcassonne geheiratet. Und wegen der Heirat und dem Kind habe ich – auch gestern - den Hof überschrieben erhalten. Ich bin also auch Großbauer. Das hat in letzter Zeit viel zu tun gegeben. Ihr wisst, all dieser Ämterkram, und deshalb bin ich jetzt längere Zeit nicht mehr am Stammtisch gewesen. Aber jetzt will ich eine Runde spenden. Benno, bring Wein vom Besten!", ruft Josè freudig.

"Du hast uns also dauernd Geschichten vorgegaukelt! Und arm, haben wir gedacht, seiest du!", sagt Albert vorwurfsvoll.

"Nun, es tut mir leid. Aber es ist halt meine Geschichte. Ich bin in Garjarda geboren. Das kleine Dorf liegt am Fuße der Pyrenäen auf spanischer Seite. Meine Eltern sind arm gewesen. Ich hatte fast keine Kleider. Bei uns war das Essen immer knapp. Zur Schule ging ich schlecht und recht. Ich arbeitete bei meinem Onkel, aber der war auch nicht auf Rosen gebettet. Er war ledig und bewirtschaftete einen kleinen Bauernhof, der fast nichts abwarf - schlechter Boden. Mit meinem kleinen Zusatzverdienst ging es der Familie ein wenig besser. Meine Mutter war krank, und wir konnten den Arzt nicht bezahlen. Aber wir hatten einen starken Zusammenhalt in unserer Familie.

Mein größter Wunsch war, die weite Welt zu bereisen. Das war aber nicht möglich. Meine liebsten Bücher waren Reisebeschreibungen und der Atlas. Ich habe ihn immer noch, diesen Atlas, obschon man kaum mehr etwas sieht. Aber ich habe viele Reisen gemacht in meinem Leben – auf dem Atlas. Und dabei habe ich natürlich auch die größten Abenteuer erlebt – in meiner Fantasie. Das ist bis heute geblieben.

Nun, nach der Schule blieb ich bei meinem Onkel und arbeitete für ein Taschengeld. Dafür konnte ich bei meinen Eltern bleiben. Es ist Sache der Natur, dass bei einem Jüngling auch die sexuellen Triebe wach werden. Im Dorf hatte es eine Frau, von der man wusste, dass sie im Bett mehr verdiente als ihr Mann als Handwerker. Ich war halt auch neugierig, und es kam wie  ... nun ja, ich landete in ihrem Bett. Und nachher konnte ich nicht zahlen; ich hatte einfach kein Geld. Da wurde sie wütend und drohte mir, es meiner Mutter zu sagen. Das erschreckte mich - Mutter war ja so krank -, und deshalb bat ich sie, mit mir zu machen, was sie wolle. Da sagte sie, sie wolle mir ein Tattoo auf den Arsch brennen. Ich war erleichtert und stand die Schmerzen durch. Nach getaner Arbeit sagte sie, dass dieses Tattoo mich als Schmarotzer bezeichne. Ich weiß heute noch nicht, ob das zutrifft. Ich war zufrieden. In diesem kleinen Dorf war nicht viel los. 

Bald darauf musste ich in die Armee. Und dort gab es wegen dem Tattoo ein Problem für mich - beim Duschen! Vor fünfundzwanzig Jahren herrschten in der spanischen Abgeschiedenheit konservative Lebensanschauungen.  Und so erfand ich die Geschichte von Tahiti. Und es folgten mehr solcher Geschichten. Ich wurde schon nach kurzer Zeit wegen den Bronchien aus der Armee entlassen und kehrte wieder zur Familie zurück. Dort hatte sich insoweit nur das verändert, als dass auch mein Vater schwer erkrankt war. Er starb und kurz nach ihm auch meine Mutter. Mein Onkel hatte die ganze Zeit so gut es ging geholfen, dabei verschuldete er sich und verlor alles. Da zog er nach Frankreich. Ich ging mit ihm und versprach, ihm zu helfen, wie er unserer Familie geholfen hat. Wir arbeiteten  auf dem Hof von Monsieur Seuret. Und diesen herrlichen Hof konnte er vor einigen Jahren in Pacht nehmen. Ich verzichtete auf einen Lohn - blieb weiterhin beim Taschengeld. Wir legten  alles auf der Bank an und konnten letztes Jahr den Hof kaufen! Mein Onkel ist bald siebzig und er sagte. 'Du bist jung und solltest noch heiraten. Wenn du heiratest und ein Kind hast sollst du der Besitzer des Hofes sein.' Und das bin ich seit heute. Ich bin so glücklich, meine Freunde. Lisette kenne ich seit langer Zeit. Sie ist das Liebste – natürlich zusammen mit der kleinen Isabelle".

In diesem Moment geht die Tür auf, und die fremde Frau mit schwarzem Haar tritt ein. Sie schaut zum Stammtisch und ruft:

"Ah, Josè, du bist hier! Welche Freude! Schönen Abend, wünsche ich dir und deinen Freunden!" 

Sie lacht und schaut von Josè weg und streift mit einem Augenzwinkern Jean-Jacques, der seit dem Auftritt der Frau unruhig geworden ist und jetzt verlegen dem Blick ausweicht.

"Danke, Babette!" antwortet Josè.

Sie geht zum Tisch am Fenster und beginnt, sich in die Speisekarte zu vertiefen.

"Wer ist das?" fragt Henri.

"Das ist die Frau, mit der ich zum ersten Mal Sex hatte - ihr wisst, das Tattoo! Sie ließ sich, noch vor meinem Wegzug, scheiden, weil der Mann sie zu diesem Nebenverdienst zwang. Sie lebt jetzt in Barcelona. Wir sind trotz allem Freunde geblieben. Sie ist Künstlerin, und ich habe sie gebeten, meine Trauzeugin zu sein und Patin unserer kleinen Isabelle zu werden. Sie wollte unbedingt im Hotel wohnen, weil sie unter verschiedenen Allergien leidet und auf einem Bauernhof – ihr wisst ja".

"Wenn diese Frau dir das Tattoo in Spanien – das muss ja so vor dreißig Jahren gewesen sein - auf deinen Po gebrannt hat, wie kommt es, dass du, Jean-Jacques, ebenfalls das gleiche Tattoo seit Tahiti – wie du sagst vor vierzig Jahren - auf deinem Po hast?", fragt Henri und schaut verwirrt auf Jean-Jacques.

"Nun, ... ich ... ", stottert dieser verlegen.

"Ich habe ja gesagt, dass es das Zeichen für Schmarotzer sei. Vielleicht ist das international", mischt sich Josè ein, was Jean-Jacques sichtlich erleichtert.

Die Stammrunde scheint sich mit dieser Erklärung zufrieden zu geben und alle beginnen jetzt über die überraschende Neuigkeit vom frisch gebackenen Ehemann, Vater und Großgrundbesitzer zu reden. Sie lassen ihn hochleben und freuen sich über die vielen gespendeten Runden des Glücklichen.

Henri, der neben Josè sitzt, und immer noch über die beiden Tattoos nachdenkt, zieht ihn am Ärmel und neigt den Kopf zu ihm hin: "Du, was für eine Künstlerin ist diese ... Frau – da drüben?".

"Ach, du meinst Babette. Sie ist Tattookünstlerin. Sie hat ein Geschäft in Barcelona und bietet Kurse an". Er lächelt.

Henri grübelt weiter.

„Du, José, ist sie immer noch ... ich meine ... weißt du, äh, ... im Bett aktiv? Du weißt schon was ich meine!“. Henri ist total verlegen.

Über Josés Gesicht huscht ein Grinsen. „Wahrscheinlich fragst du besser Jean-Jacques. Ich weiß es nicht".

Er wendet sich den andern zu, die ihn erneut hoch leben lassen.

 

 

 

 

 

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Hene

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pyrmonter Ja, der Stammtisch - Es ist ja eine schöne Geschichte.

VG
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