Biografien & Erinnerungen
Enejie - Mein Weg zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden

0
"Enejie - Mein Weg zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden"
Veröffentlicht am 15. Mai 2011, 36 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
http://www.mystorys.de
Enejie - Mein Weg zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden

Enejie - Mein Weg zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden

Beschreibung

Heute habe ich den Entschluss gefasst, doch endlich mal damit anzufangen alles zu Papier zu bringen. Naja Papier ist es ja nun nicht, es ist mehr... das Netz... allumfassend, weit und groß, fast wie ein Universum für sich. Ich stehe kurz vor der Scheidung und es kommt sicher noch eine Menge Ärger auf mich zu. In den letzten paar Jahren hab ich einiges an Kummer und Schmerz angestaut, so dass ich viele Nächte wach gelegen habe oder sehr schlecht geschlafen habe. Ich will das alles so nicht mehr, ich will frei sein von den wirren und schmerzvollen Gedanken in meinem Kopf und ich will den Menschen in der Welt da draußen zeigen, wie grausam das Leben sein kann und das selbst der normale Menschenverstand manchmal an Stellen verzweifelt, wo es eigentlich nicht sein kann.

Vorwort oder Warum

Heute habe ich den Entschluss gefasst, doch endlich mal damit anzufangen alles zu Papier zu bringen. Naja Papier ist es ja nun nicht, es ist mehr... das Netz... allumfassend, weit und groß, fast wie ein Universum für sich.

Ich sitze oft Stundenlang vor diesem Schitt Laptop das ich so liebe, mein MacBook ... was war ich Happy als ich es endlich in Händen hatte... und heute weiß ich oft nicht mehr was ich damit tun soll. Ab und an sitze ich mal kurz vor Facebook, viele Freunde habe ich ja http://www.buch-schreiben.net/schreiben/schreiben.php?story=53346nicht gerade oder ich spiele stundenlange auf King.com bis mir die Augen brennen. Sinn und Zweck ist das ja sicher nicht. Wie hat mich meine Mutter gefragt als ich mir das Teil zugelegt habe: "Wozu brauchst du denn so 'nen teuren Computer?" "Das braucht man halt heute, der ist eben der beste und geht nicht wieder gleich kaputt." Was anderes konnte ich nicht antworten, heute weiß ich warum. Nun ich habe mir schon 100tsd mal gesagt das ich meine Geschichte aufschreiben will. Meine Lebensgeschichte, ich hab auch schon auf diversen Blogs angefangen, dann wieder alles gelöscht, aber nun denke ich bin ich soweit.

Ich stehe kurz vor der Scheidung und es kommt sicher noch eine Menge Ärger auf mich zu. In den letzten paar Jahren hab ich einiges an Kummer und Schmerz angestaut, so dass ich viele Nächte wach gelegen habe oder sehr schlecht geschlafen habe. Ich will das alles so nicht mehr, ich will frei sein von den wirren und schmerzvollen Gedanken in meinem Kopf und ich will den Menschen in der Welt da draußen zeigen, wie grausam das Leben sein kann und das selbst der normale Menschenverstand manchmal an Stellen verzweifelt, wo es eigentlich nicht sein kann.

Dies ist nun mein zweiter Anlauf in zwei Tagen, ich liebe meinen Mac, aber auch ich lerne immer noch bei allem möglichen dazu, vorallem hier. Ich war bisher nur ein oder zwei mal in einem Blog aktiv und das auch nur sporadisch - diese Welt hier ist neu für mich, aber ich lerne schnell und gebe nicht auf.

Im Blog wurde ich heute gefragt ob diese Art Seelenstiptease (ich nenn' das jetzt mal so) nicht zu Privat, zu Persönlich ist und vielleicht gar nicht in die Öffentlichkeit gehört. Ich hab mein Gegenüber gefragt ob man das nicht deswegen Biographie nennt?

Ich will nicht mit den Menschen über meine Proble sprechen, oder eine Meinung zu meinen Problemen im Eigentlichen Sinne hören, sondern ich möchte meine Geschichte erzählen.
"Nicht ohne meine Tochter" war schließlich auch sehr persönlich - Gott bewahre das ich mich mit Betty Mahmoody vergleichen will - das nicht. Aber ich habe eben Dinge erlebt und in dieser Zeit auch viel gelernt. Über erlebte und gelebte Muster, das Verhältnis zw. Eltern und Kind und über merkwürde Entscheidungen in der Rechtsprechung.
Ich möchte das Menschen, wenn sie meine Geschichte lesen den Kopf schütteln - der/ die eine oder andere wird sich selbst wieder erkennen in verschiedenen Situationen und vielleicht auch beginnen über sich selbst nach zu denken.
Das ist für mich der Sinn wenn man seine Geschichte erzählt.

Ich kann verstehen wenn Menschen es komisch finden das man seine Probleme und seinen Kummer der Öffentlichkeit so bereitwillig mitteilen will. Es ist aber wichtig das die Menschen mehr lernen ihren Schmerz ihren Kummer und ihre Nöte oder Sorgen offener zu teilen, vielleicht nicht so direkt wie ich das jetzt tue, aber wie kann es sein, das man sich heute immer noch verstecken muss wenn man zu einem Psychotherapeuten geht. Oder das man schief angeguckt wird deswegen. Selbst die Erwachsenen sind dann wieder genauso gehässig wie kleine Kinder in der Schulzeit und tuscheln hinter vorgehaltener Hand.


Es gibt so viele Gründe warum Menschen heutzutage Hilfe suchen und sie auch dringen benötigen, sei es ein Gewaltakt oder Probleme in der Familie, weil z.b. die Kommunikation nicht stimmt.


Sicher gibt es Dinge die ich für mich behalten werde, aber wäre ich mit dem ein oder anderen Problem eher Hilfe suchend wohin gegangen und sei es nur zum Nachbar - wäre vielleicht sicher eher ein Knoten geplatzt. Manchmal ist es eben auch besser nicht mit der Familie oder Freunden zu reden sondern eher mit einem Außenstehenden.

Ich habe lange überlegt, erst alles in einem Textprogramm zu schreiben und es dann zu veröffentlichen, ich bin aber eher der Mensch der sich selbst ein bisschen unter Druck setzten muss. So habe ich immer im Hinterkopf... da steht was im Netz, aber eben nur halb und du musst das noch fertig machen. Sonst wäre es nur auf dem Rechner und das könnte Jahre dauern.

Meine ersten Jahre

Ich werde bei meinen ersten Lebensjahren anfangen und versuchen chronologisch vorzugehen, denn im Grunde lief von Anfang an alles schief.

Ich weiß eigentlich nicht mal wo ich Anfangen soll, vor meiner Zeugung?... oder ab dem Zeitpunkt an dem meine eigentliche Erinnerung beginnt.

Vieles weiß ich aus Erzählungen meiner Mutter oder aus anderen Quellen.

Meine Eltern hatten ein schönes Haus gebaut in einer ländlichen idyllischen Gegend, großer Garten, doppel Garage, ausbaufähig, Einliegerwohnung (bewohnt), als ich auf die Welt kam. Mein Vater hatte Arbeit und mal wieder keine, meistens steckte nichts gutes dahinter. Meine Mutter arbeitet als Krankenschwester. Als ich dann auf der Welt war hatte er mal wieder keine, aber er wollte auch nicht das meine Mutter arbeiten geht und er bei mir bleibt. Statt dessen hatte er die Idee, sie doch abends in eine Bar zu schicken, als Animiermädchen und vielleicht auch mehr.

So könnte sie ja tagsüber bei mir sein und abends würde ich ja schlafen. Sie ging auch tatsächlich in eine Bar aber nur um dort zu zapfen, wie sie mir jahrzehnte später mal gestand und was sie mir dann noch erzählte lies meinen Vater für mich fast schon als "Vater" sterben. Er brachte einen Mann für sie mit nach Hause und was er dann von ihr wollte, überlasse ich eurer Fantasie, jeder normale Menschenverstand kann sich das denken. Mir wurde schlecht und ich wusste auch das es wahr ist.

Irgendwie schaffte sie es wieder einen Job im Krankenhaus zu finden und trotzdem waren sie so verschuldet, das sie das Haus verkaufen mussten. Mein Vater muss mächtig Mist gebaut haben, dahinter sind wir nie richtig gekommen.

Sie zogen also zur Miete, weiter weg... heißt ca. 50km und wieder kam mein Vater mit einer dubiosen Geschäftsidee nach der anderen, die alle im Sand verliefen. Er hatte einen Geschäftspartner, den sie im Haus unterbrachten und den sie quasi mit durchfütterten, bis meine Mutter einen Schlussstrich darunter zog und sich fragte wohin denn das ganze Geld vom Hausverkauf hin sei.

Zu dieser Zeit war mein Vater immer schon sehr jähzornig und aggressiv, aber da ich erst ca. 3 Jahre alt war hab ich das nicht wirklich mitbekommen. Inzwischen weiß ich das von einer Tante, die mir mal erzählte wie er meiner Mutter mal mitten in einer Gaststätte eine schallende Ohrfeige gab, bloß weil sie ihn bat doch nicht eine Runde nach der anderen zu geben, weil sie gar nicht so viel Geld dabei hatten. Er war ein Großkotz, er tat wirklich immer so als wäre er Graf Rotz, nur war sie damals schon blind vor Liebe.

Irgendwann kamen sie dann auf die glorreiche Idee wieder aus der Mietwohnung auszuziehen und sich doch wieder was Eigenes zu suchen. Sie nahmen einen Kredit auf und kauften sich eine Wirtschaft, damals war ich gerade 4 geworden. Im Nachbardorf sollte ich in den Kindergarten gehen, der allerdings nicht mehr zur Gemeinde gehörte, was schon mal gar nicht gut war... schon war ich ein Außenseiter. Die Kinder hier fuhren alle jeden Morgen mit dem Bus von der Kirche 2 Orte weiter in den Kindergarten, nur eben ich nicht. Wir waren außerhalb der Anmeldezeit hier her gezogen und so bekam ich dort keinen Platz mehr. Das waren eben die 80er, da hatte nicht jeder gleich das Recht auf nen Kiga-Platz.

Meine Mutter arbeitete hart, im Krankenhaus als Schwester und in der Kneipe. Mein Vater arbeitete auch hart in der Kneipe, als Wirt und an den Flaschen. Er trank gerne mal einen mit seinen Gästen und abends saßen eben nur noch die üblichen Konsorten mit ihm dort und lallten über Politik oder spielten Skat. Wenn sie dann weg waren und meine Mutter anfing zu putzen ging er ins Bett. Er hatte leider auch die Angewohnheit sehr schnell wütend zu werden wenn er getrunken hatte und dann ging man ihm besser aus dem Weg, denn dann war es ihm egal wer gerade vor ihm stand.

Ich vergesse nie den Streit den meine Eltern unten in der Kneipe hatten, wir hatten unsere Wohnung ja darüber. Sie standen beide hinterm Tresen und stritten sich, worüber weiß ich heute nicht mehr, er schlug ihr ins Gesicht und ich konnte das von der Küche die hinter der Theke war aus beobachten. Wie gesagt ich war klein... gerade 5 geworden... ich lief schnell nach vorne und stellte mich vor Mama und sagt laut:"Hör auf, nicht Mama schlagen!", und schon flog ich im hohen Bogen gegen den Tresen und Mama gleich hinterher. Das ging alles so schnell, aber diesen Moment hab ich nie vergessen... ich war immer ein Mama-Kind... wahrscheinlich war auch dieser Moment mit prägend. So schnell wie er uns verdroschen hat, so schnell verschwand er auch und als er ausgenüchtert war hat er sich wieder entschuldigt, allerdings immer nur bei ihr. Er hat wohl gedacht, das ich das alles vergessen habe.

Es gab noch zwei solche Szenen die sich in mein Gehirn gebrannt haben. Wann genau die sich ereignet haben kann ich nicht sagen, aber ich war ebenfalls noch klein zw. 6 und 8 Jahren alt, das weiß ich auf jeden Fall.

Ca. 7J. war ich als ich eines Nachts mal nicht schlafen konnte. Wie gesagt ich war ein Mama-Kind und ich habe lange bei Mama im Bett geschlafen. Es gab in all den Jahren viel Streit, Gebrüll und hin und wieder Schläge, heute schiebe ich das da drauf. Ich hatte endlos viel Fantasie und hab sogar in den Mustern der Vorhänge Monster und Fabelwesen gesehen und dann konnte ich eben nicht schlafen. Nun eben in einer Nacht rief ich nach Mama:"Mamaaaa... deckst du mich zu? Ich kann nicht schlafen", jeder normale Mensch mit einem bisschen psychologischem Verstand weiß, das ich nur nach Liebe und Wärme gebrüllt habe, aber meine Mutter konnte einfach nicht mehr, heute verstehe ich das auch (... manchmal). Sie hat einfach die Rolle weitergeben wollen und stubste meinen Vater an:"Nun tu mal was!" Wahrscheinlich wollte sie das er mich zudeckt, stattdessen stand er auf und versohlte mir dermaßen den Hintern, das ich wirklich 4 Tage lang nicht sitzen konnte. Ich erzähle hier kein Märchen, ich hatte wirklich einen so schmerzenden Po, ich hab fast nur auf den Oberschenkeln gehockt.



Was mich so enttäuscht hat, meine Mutter hat ihn nicht aufgehalten! Sie wird wahrscheinlich Angst gehabt haben, das sie gleich die Nächste ist.



Die dritte extrem schmerzliche Erfahrung machte ich in der Küche, hier kann ich mich nur noch an den Schmerz und an den Gegenstand erinnern - den Kochlöffel. Er schlug so lange mit dem Ding auf mich ein, bis er durchbrach, warum weiß ich nicht mehr, ich weiß nur das ich ca. 8J. war und das er überall hin schlug. Wahrscheinlich hab ich ein Widerwort gegeben, was für meine Eltern beide schon darin bestand wenn ich die Wahrheit gesagt habe. Meine Mutter kann heute noch nicht mit der Wahrheit umgehen und sagt dann immer ich sei Frech und würde nur Widerworte geben.



Nun ja wir wohnte jetzt nun mal hier, mein Vater war nicht wirklich sehr beliebt hier, weil er sich gerne mit den Leuten stritt und immer in allem Recht haben musste. Die Kneipe lief so einigermaßen, als er dann einen Schlaganfall bekam. Aber zurück zu meiner Schulzeit, wir zogen hierher, da war ich gerade 4J. alt und ich ging eben ins Nachbardorf in den Kiga, was wie gesagt ein Fehler war. Ich bekam keinen Anschluss an die Kinder hier. Ich hatte Freunde im Nachbardorf, in einer anderen Gemeinde, die zu einem anderen Stadtteil gehörte. Als ich 5 wurde kamen meine KiGa-Freunde alle in die Schule, da ich ja ein Nachzügler war. Dieser Nachzügler war aber nicht dumm und machte alles mit seinen Freunden mit und konnte schon schreiben und lesen und wollte auch unbedingt mit seinen Freunden in die Schule, also meldete meine Mutter mich hier in der Grundschule an. Ich musste einen Test machen ob ich vorzeitig zugelassen werde und den hab ich bestanden. Also kam ich mit 5J. in die Schule und das war für die "Dörfler" hier erst recht ein Dorn im Auge.



Ich war vorwitzig, weil ich viel wissen wollte und auch schon viel wusste. Ich schrieb gerne und lernte fleißig, machte immer mehr als ich musste... so war ich den Kindern von Anfang an ein Übel. Und jeder weiß wie grausam Kinder sein können. Anfangs wurde ich nur gehänselt, ich war pummelig, es ging noch, aber durch die Hänseleien wurde das auch nicht besser. Im dritten Schuljahr wurde es dann zunehmend schlimmer, es bildeten sich die ersten Gangs, bzw. es gab ja nur eine die mich jagte. Mein Heimweg war nicht lang, aber ein Horrortrip, entweder wurde ich mit Steinen beschmissen, verprügelt, an den Haaren gezerrt oder oder oder. Oft haben sie mir die Schulhefte zerrissen, das ich alles wieder neu machen musste und meine Eltern haben mir nicht wirklich geglaubt, bis ich mal einen bösen Brief von einer Klassenkameradin bekam, das ich bald tot wäre.

Und so was im dritten Schuljahr... das muss man sich mal vorstellen. Im vierten haben sie dann dem ganzen die Krone aufgesetzt. Mit einer Clique haben sie mich nach der Schule eingefangen und gewartet bis die Lehrer weg waren, dann haben sie mir die Hände zusammen gebunden und mich hinten an ein Fahrrad gebunden, der stärkste fuhr dann los und hat mich so lange hinter sich her gezerrt bis mein rechtes Knie so kaputt war, das die Kniescheibe raus guckte.

Wir hatten einen Teerplatz als Schulhof, der sehr schlecht gearbeitet war, es ging also alles ziemlich schnell. Nur der Heimweg war der Horror schlechthin, ich konnte kaum noch laufen, aber dann haben meine Eltern gesehen das ich wirklich die Hölle lebe.

Meine schulischen Leistungen habe ich nach und nach auch eingeschränkt obwohl ich eigentlich sehr wissbegierig war. Bin ich auch heute noch, aber ich habe mich in Traumwelten verzogen, Bücher gelesen, Nachts unter der Bettdecke mit Taschenlampe und Tagsüber hinter dem Schulbuch versteckt. Ich bin in einem großen Baum gesessen in Nachbars Garten oder bin durch die Wiesen mit unserem Hund gestreift, aber immer alleine. Früh habe ich schon darüber nachgedacht wie es wohl wäre wenn ich nicht mehr leben würde.

Einige male habe ich zu meiner Mutter gesagt, das ich sterben will, aber das hat sie nicht wirklich als Hilferuf verstanden.

Sie war wohl zu sehr damit beschäftigt arbeiten zu gehen, das Geld nach Hause zu bringen, das unser Vater dann entweder wieder verzockte, versoff oder sonst was damit anstellte und hinter der Liebe meines Vaters her zu laufen... aber das habe ich erst viele Jahre später verstanden.

Der Grund allen Übels

Als ich im ersten Schuljahr war bekam mein Vater einen Schlaganfall. Meine Eltern führten nach wie vor noch die Gaststätte und am Abend waren noch die üblichen Stammgäste in der Wirtschaft. Als die letzten Gäste gegangen waren, ging mein Vater nach oben während meine Mutter noch unten den Tresen sauber machte. Ich war um diese Uhrzeit natürlich schon im Bett.

Oben befand sich ein Badezimmer, mein Kinderzimmer, das Elternschlafzimmer und ein Wohnzimmer in einer U-Form in der Mitter ein Flur. Im Flur stand ein Sessel, typisches 70er Jahre Modell... dort zog sich mein Vater aus und brach im gleichen Moment auch schon zusammen. Davon wurde ich natürlich wach und schrie nach meiner Mutter, die als Krankenschwester perfekt reagierte... die üblichen erste Hilfemaßnahmen einleitete, den Hausarzt anrief, der sofort kam und dann den Krankenwagen, früher ging das ja noch. Heute muss man erst den Notarzt anrufen und der braucht wenn man Pech hat ne Ewigkeit bis er da ist. Dank meiner Mutter kam mein Vater innerhalb einer halben Stunde ins Krankenhaus und war durch sie und den Hausarzt schon bestens Vorversorgt. Beide haben ihm das Leben gerettet, so hat man ihm das auch im Krankenhaus bestätigt, heute denken meine Mutter und auch ich manchmal über das L...-Wort nach, dürften wir eigentlich nicht, weil man so etwas nun mal nicht tut, aber bei allem was passiert ist, lässt sich dieser Gedanke nun eben manchmal nicht verhindern.

Mein Vater kam ins Städtische Krankenhaus, das hier keinen besonders guten Ruf genießt, aber auch dort wurde er bestens versorgt und von dort so schnell wie es nur ging in das nächste Uniklinikum verlegt. Für meine Mutter folgte eine unsagbar harte Zeit, die Kneipe die sie führte unterstützt von Freunden und Familie die von weit her angereist kamen. Wohl bemerkt es kam niemand aus der Familie meines Vaters, es war die Familie meiner Mutter die mehrere 100km herbeigeeilt kam um uns zur Seite zu stehen und dann die tägliche Fahrt über die verschneiten Straßen in das 50km entfernte Uni-Krankenhaus. Meine Mutter wurde zusehends immer dünner und dünner. Sie kam auf ein Gewicht von knapp 45kg, was heute für viele Frauen das Ideal-Gewicht ist, aber meiner Mutter sah man an das es ihr schlecht ging.

 

Als es meinem Vater wieder etwas besser ging, wurde in die Reha verlegt und dort begann das Übel erst Recht. Statt das er sich freute, das sich seine Frau so rührend aufopferte, dankte er es ihr mit einem Kurschatten. Aus dem Kurschatten wurde eine Affäre, die über einen längeren Zeitraum ging und ihn die er mich auch noch mit hinein zog. Jetzt denkt man sich, wie kann man ein kleines Kind da mit rein ziehen, wie soll das denn gehen... mein Vater war was das anging genial. Er gab vor etwas mit mir zu unternehmen, ins Phantasialand zu fahren etc. pp und traf sich dann statt dessen mit mir und seiner Freundin. Klar wir unternahmen auch was, damit ich was erzählen konnte aber sie war auch dabei. Sie wurde mir als Tante K. vorgestellt, den Namen weiß ich heute noch aber es interessiert mich heute nicht mehr. Man ging in ein Hotel, heute nennt man das Suite, Wohnzimmer mit Schlafzimmer... ich bekam was zu spielen in die Finger gedrückt während sich die Herrschaften nebenan vergnügten. Wenn ich heute so darüber nachdenke könnte ich kotzen, so sehr ekle ich mir vor diesem Gedanken.

Wie es eben so sein soll, es kam alles raus. Der übliche Streit... Geheule, Wutausbrüche, ich will mich gar nicht mehr an jede Einzelheit im Detail erinnern. Meine Mutter verzeihte meine Vater... wieder einmal, sie schüttete mir ihr Herz aus, obwohl ich noch so klein war, aber ich wusste ja eh schon alles, was machte es da schon wenn ich noch mehr auf meinen kleinen Schultern trage.

In der Schule wurde ich weiter gehänselt, inzwischen war ich auch schuld daran das mein Vater einen Schlaganfall hatte. Kinder haben so viel Phantasie, manchmal denke ich aber auch das sie vieles von ihren Eltern haben. Schließlich lauschen wir, wenn sich die Erwachsenen unterhalten, nur verstehen wir eben nicht was sie da sagen wenn wir klein sind und machen unsere eigene Wahrheit daraus. Nach dem Schlaganfall meines Vaters mussten wir die Kneipe schließen, die Gäste blieben aus und meine Mutter fing wieder an als Krankenschwester zu arbeiten.

Heute wissen wir warum die Gäste ausblieben, einige haben uns nach dem mein Vater vor 2 Jahren ausgezogen war gestanden, das sie wegen ihm nicht mehr kamen, weil er immer so aggressiv und unfreundlich war und immer alles besser wissen wollte. Tja, so kannten wir ihn schon immer!

Nun ja, meine Eltern rauften sich eben zusammen, mein Vater nahm viele Medikamente wegen des Schlaganfalls und wurde immer dicker und böser. Meine Mutter verstand den Zusammenhang und hat mit unserem Hausarzt besprochen das eine Klimaveränderung her musste und die Tabletten weg sollten. Es ging also auf in den Urlaub nach Ibiza, paralell dazu reichte unser Arzt die Rente für meinen Vater ein.

Im Urlaub wurden die Medikamente also abgesetzt und mein Vater erholte sich schlagartig. Die Medis haben seinen Organismus mehr vergiftet als ihm zu helfen, das einzige Problem das er noch hatte, er zog das rechte Bein ein wenig nach, aber wenn man es nicht wusste, sah man es ihm auch nicht an.

So weit ich mich erinnern kann, war der Urlaub schön bis auf den Moment an dem ich fast ertrunken bin, aber das war eine Unachtsamkeit meins Vaters und eines dort befreundeten Urlaubspärchens. Ich entwickelte daraus eine erste Angst vor dem Schwimmen, die ich aber unter Zwang meines Vaters einige Jahre später wieder ablegte. Das ich mich in dieser Hinsicht so brutal behandelte... nun dafür bin ich heute Dankbar, hätte er meiner Angst nachgegeben hätte ich wohl nie wirklich schwimmen gelernt, statt dessen wurde eine Wasserratte aus mir. Ich trainierte Kinder im DLRG und liebe auch heute noch das Wasser. Urlaub ohne Wasser ist für mich kein Urlaub. Das ist aber auch so ziemlich das einzige wo ich seiner brutalen Art dankbar sein kann.

Als wir aus dem Urlaub zurück kamen lag der Rentenbescheid auf dem Tisch. Mein Vater war jetzt offiziell Rentner, das war 1984 und ich war oder wurde 8 Jahre alt. Da mein Vater kein gebürtiger Deutscher ist, sondern aus einem Nachbarland stammt, bekam er auch von dort eine Rente und weil er es wohl hat kommen sehen, war er 1 Jahr bevor er krank wurde so schlau und schloss eine Privatrente ab. Er bekam also 3 Renten. Die aus dem Ausland, die war zwar nicht gerade hoch, aber sie war höher als heute Hartz IV ist, die Privatrente und die normale Rente. Er bekam mehr Rente als meine Mutter normalen Lohn verdiente oder zu mindestens genauso viel und eigentlich hätte er sie versteuern müssen, aber mein Vater war eben schon immer ein Gauner und gab eben eine Rente gar nicht erst an. "Und wenn die nicht Nachfragen haben sie Pech und kriegen auch nix von mir.", so mein Vater und so war der Lieblingssatz meines Vaters den wir ab da fast jeden Tag morgens zum Frühstück schon zu hören bekommen, "Wenn ich aufsteh hab ich mein Geld schon verdient, ich verdien ja mehr im Schlaf wie du!"

Nachdem mein Vater nun Rentner war hatte er keine Aufgabe mehr, er hatte keine Freundin mehr (zu mindest wussten wir von keiner), meine Mutter ging arbeiten, ich ging in die Realschule und das Leben ging seinen Gang. Meine Eltern beschlossen das Haus umzubauen, Handwerken konnte mein Vater und so entschieden sie sich alles in Eigenregie zu bauen, so wie das Geld da war, nur für den Start sollte Geld aufgenommen werden.

Die Mühlen mahlen langsam

Es wurde Geld aufgenommen. 100.000 DM, das Haus als Sicherheit alles auf meine Mutter. Der Saal der Kneipe sollte Wohnzimmer werden. Die Kneipenstube zur Küche und Esszimmer und die alte Küche zum Eingang umfunktioniert werden, oben sollten nur noch Schlafzimmer und Badezimmer sein.

Unten war die Kneipe und der Saal schon ausgeräumt, nur die Küche war noch dort wo sie war. Oben war das Bad als erstes dran, denn meine Kinderkommunion stand kurz bevor Mai 85. Wir haben eine große Familie. Meine Mutter kommt aus dem Süden Deutschlands und mein Vater eben aus einem Nachbarland Deutschlands. Meine Omas waren beide sehr Fruchtbar.

Im Mai 1985 war wunderschönes Wetter, es haben über 40 Leute in unserem Haus geschlafen und der Rest wurde bei Freunden und bekannten untergebracht. Onkel und Tanten mütterlicherseits kamen zeitig und fassten beim Kochen mit an, meine Mutter backte in einer Nacht 40 Kuchen. Es wurde 3 Tage bei schönstem Wetter im Garten und einem Restaurant gefeiert. Ich weiß noch das Fußball im Fernsehn kam, irgendwas wichtiges... vielleicht Europapokal oder sowas, die Männer haben alle vorne im Kneipenraum gesessen und Fußball geguckt und wir Kinder und Frauen haben hinten und draußen gesessen. Die Omas haben unter den Bäumen im Liegestuhl ein Nickerchen gehalten und wir Kinder sprangen in den Pool. Ja das habe ich noch nicht erzählt. Wir haben einen Pool im Garten. 8x4x1,20 in Form einer Acht. Ich glaube 1985 war ich das glücklichste Kommunionkind was auf Erden wandelte.

Ich bekam mein Lieblingsessen, Schnecken, im Restaurant während die anderen alle Menü aßen, als wir zum Kaffe wieder zu Hause waren durfte ich mein Kleid ausziehen und meinen extra für diesen Tag gekauften weißen mit punten Punkten Rüschenbikini anziehen und in den Pool hüpfen. Es gab keine Kleiderordnung und keinen Verhaltenskodex. Es war MEIN Tag. Viele Kinder erzählen danach in der Schule wie streng ihre Eltern sie am Tisch hielten und wie brav sie sein mussten. Ich hatte einfach nur Spaß. Selbst heute kann ich noch behaupten, das war bis jetzt das schönste und leichteste, ungezwungenste Erlebnis an welches ich mich erinnern kann.

Nach der Kinderkommunion ging alles schnell, die Grundschule war schnell vorbei, der Horrotrip 1 war zu ende und Horrotrip 2 begann, ich kam in die Realschule, neue Schule, mehr Schüler, mehr Prügel? Ich hatte Hoffnung und Angst. Meine Mutter wollte mich auf's Gymnasium schicken, weil ich eigentlich immer ein guter Schüler war oder in Schule 2 Orte weiter in die andere Gemeinde, eine Gesamtschule (GottseiDank hat das nicht geklappt). Ins Gymnasium ging nur eine Schülerin aus unserer Grundschule und meine Mutter meinte wenn ich mit den anderen nicht mehr zusammen komme, werde ich auch nicht mehr verprügelt. Sicher hätte sie Recht gehabt, aber aus irgendeinem dummen Grund wollte ich weiter Gedroschen werden und wollte mit den anderen auf die Realschule. Ich war anscheinend auf der Suche nach Anerkennung.

Im 5ten Schuljahr lernte ich fleißig und es machte mir Spaß, die neuen Fächer wie Erdkunde ganz besonders. Englisch lag mir und Geschichte reizte mich und schon viel ich wieder auf. Ich zeigte zu viel auf und kam auch noch dran. Was setzte ich Depp mich auch noch in die erste Reihe. Na damit ich was sehe und auch ja alles mit bekomme... ist doch klar!

Ich war in der 5a und es gab noch 4 weitere Klassen in der b lernte ich meinen ersten Gschbusi kennen, wir fuhren auch zusammen auf Klassenfahrt mit der "b". Naja und was für nen Volltreffer hab ich da gelandet, er war auch nicht gerade der Beliebteste und schon wurden wir zusammen gehänselt. So ging mein Leben eben weiter, nur das ich jetzt noch 40 Minuten mit dem Bus nach Hause musste und dort dann auch keine Fluchtmöglichkeit hatte.

Mit Zeit wurden meine Noten immer schlechter, je mehr ich als Streber gehänselt wurde desto mehr ging ich in der Masse unter, bloß nicht auffallen. Nach der Schule ging ich zu unserer Nachbarin, die in dieser Zeit für mich zu einer Ersatzmutter wurde. Meine Mutter war arbeiten und mein Vater, tja der trieb sich wohl rum. Er war oft wenn ich nach Hause kam nicht zu Hause und einen Schlüssel bekam ich nicht. Es hieß dann immer er sei Baumaterial holen oder wegen was gucken, aber das dauerte oft Stunden lang. Ich war noch zu klein und zu dumm um das zu hinterfragen oder um Mama was zu sagen, weil ich über so etwas auch gar nicht nach gedacht habe.

Heute habe ich das oft von ihr vorgeworfen bekommen: "Warum hast du denn nichts gesagt, das er nie da war, wie soll ich das denn wissen, wenn ich arbeiten bin?" Tja, als ob eine 10 oder 11 Jährige darüber nachdenkt wo sich ihr Vater rum treibt. Ich hab vielleicht mal gefragt: "Wo warst du?" und als antwort kam dann:"Im Baumarkt." Als ob man das als Kind hinterfragen würde... lächerlich.

Mein Vater war kein guter Vater, er stand nie mit mir auf, weckte mich auch nicht. Ich musste alles alleine machen, mir mein Frühstück selbst organisieren, Kaffee kochen (für ihn) und wenn ich mal verschlafen habe und er mich fahren sollte passte ihm das gar nicht, dabei war er Rentner und hatte sonst nichts zu tun, als zu bauen wann er lust hatte.

Mit der Zeit verschlechterte sich mein Gesundheitszustand, desöfteren wachte ich morgens aus unerklärlichen Gründen neben meinem Schreibtisch auf, war dann verstört und wusste nicht warum das so war. Ich hatte Zuckungen wenn ich mich waschen wollte und schmiss meinen Waschlappen durch die Gegend. Häufig hatte ich Kopfschmerzen und ich fühlte mich nicht gut, das alles hatte begonnen als ich 13J. alt wurde, genau zu dem Zeitpunkt als ich meine Periode bekam.

Meine Mutter ging mit mir zum Arzt und der schickte uns weiter. Nach langem Hin und Her stellte man Epilepsie fest. Ich wurde medikamentös eingestellt. Na Super, ich sollte in der Schule auch noch erklären was das ist und wie man damit umzugehen hat, wenn mal etwas passiert. Von dem Zeitpunkt an war ich "Behindi" oder "Epiläppi". Das Medikament machte mich müde und ausgerechnet im Religionsunterricht schlief ich dann ein. Das gab natürlich Ärger weil der Lehrer mir anfangs nicht glauben wollte. Meine Mutter musste zur Direktorin und die verlangte dann vom Lehrer das er sich vor der Klasse bei mir entschuldigte.

Danach hatte ich eine Zeitlang Ruhe, denn einschlafen im Unterricht und dann auch noch das OK von der Schule dafür fanden die Kids wieder cool. In der ganzen Zeit baute mein Vater mal hier und da am Haus und ich wurde dann als Handlanger missbraucht. Zementsäcke waren ihm zu schwer geworden, angeblich konnte er sie seit dem Schlaganfall nicht mehr tragen. Die alten Gebinde waren glaub ich 40kg, die gibts heute glaub ich nur noch im Großhandel, ansonsten nimmt man heute nur noch die kleinen 25kg, weil die großen zu schwer sind. Naja und die großen hab ich damals schon immer geschleppt, weil mein Vater das nicht mehr konnte oder wollte.

Viele Jahre ging das so, Schule, Baustelle zu Hause bis ich dann mit 15 fertig mit der Schule war und die Zeit der Berufsschule anstand. Was sollte ich denn werden?

http://www.mscdn.de/ms/karten/beschreibung_53346-0.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/beschreibung_53346-1.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_426924.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_426925.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_426926.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_426927.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_426928.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_426929.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429802.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429803.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429804.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429805.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429806.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429807.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429808.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429809.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429810.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429811.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429812.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429827.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429828.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429829.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429830.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429831.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429832.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429833.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429834.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429852.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429853.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429854.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429855.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429856.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429857.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429858.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_429859.png
0

Hörbuch

Über den Autor

Enejie

Leser-Statistik
54

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Zeige mehr Kommentare
10
0
0
Senden

53346
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung