Krimis & Thriller
Weißer Regen

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"Weißer Regen"
Veröffentlicht am 27. März 2011, 10 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Weißer Regen

Weißer Regen

Beschreibung

Roger ist ein zynischer Polizist, der über seinen neuen Partner gar nicht begeistert ist, da sein alter gerade wie vom Erdboden verschluckt worden ist. Der eigentlich schon aufgeklärte Fall einer ermordeten Mutter, den sie beide erneut aufrollen, bringt ihn ziemlich ins Schwitzen, als er die Tochter und angebliche Täterin aus der Nervenheilanstalt rausholt und damit in eine Geschichte reinrutscht, die ihn auch zu seinem verschwundenen Kollegen führt.

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Dieser Kerl trieb ihn wirklich noch in den Wahnsinn.

  Angespannt warf Roger einen Blick auf den Fahrplan.

  Noch drei Stationen.

  Er verstärkte seinen Griff um die schmierige Stange, als die Bahn mit einem Ruck zum Stehen kam.

  Verfluchter Sommer, dachte er.

  Die Augen fest zusammen gekniffen, atmete er tief durch.

  Die meisten Menschen waren bei diesem Wetter zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Gerade in diesem Moment gerade beneidete Roger diese Leute; ihm selbst rannte der Schweiß über die flache Stirn in dieser verflucht stickigen Bahn, in diesem verflucht kleinem Wagon mit solchen verflucht schmutzigen Scheiben, für die sich offenbar nie­mand verantwortlich fühlte. Langsam öffnete er die Augen wieder.

  Und dieser verfluchte Kerl!

 Roger begann nun, inzwischen schon leicht gereizt, mit seiner winzigen Pistole, die ihn immer an den ersten Teil von „Man in Black“ erinnerte, in seiner dafür umso riesigeren Jackenta­sche herum zu spielen.

  Im Geiste sah er sich, mit gezückter Waffe, den Blick höchst konzentriert, vor dem Mann stehen, der ihn schon, seit er in diese fahrende Hitze-Hölle gestiegen war, so intensiv an­starrte, dass Roger fast der Kragen platzte. Und das am frühen Morgen!

  Wenn Roger das machte, dann hätte dieser Kerl was zu gucken!

  Er stellte ihn sich mit Mühe vor, aschfahles Gesicht, den Körper an die Glasscheibe gepresst, an der er so lässig lehnte, den Mund vor Schrecken weit aufgerissen und um Erbarmen flehend, wie der größte Teil der Leute halt seiner Mei­nung(bzw. Erfahrung)nach aussahen, wenn man ihnen eine Pistole, sei sie noch so winzig, an die Stirn hielt. Genau so setzte sich das Bild des Mannes nun in seinem Gehirn fest, während er da so in der öffentlichen Bahn stand, mit seiner Waffe spielte und sich zu Tode schwitzte.

  Dem ordinären Bild wurde noch ein Schreckensschrei hinzugefügt und in Gedanken hörte Roger jetzt sogar den lauten Schuss und den dumpfen und gleichzeitig doch klirrenden Ton, wenn die Patronenhülse zu Boden knallte. Jeder Polizist hier kannte dieses drückende Geräusch.

  Eine einfach, schnelle Bewegung, die Roger unheimlicher weise schon im Schlaf zu beherrschen schien, und dann hätte er nicht mehr das Gefühl, als wollten diese zwei schmalen Augen mit glasklarem Blick in ungerührt röntgen.

  Dafür würde er nur wenige Sekunden verschwenden müssen, doch das konnte er natürlich nicht machen.

  Leider, dachte Roger bissig.

  Erneut ruckte die Bahn heftig und Roger atmete tief durch, sofern dies bei solch einer widerlichen Atmosphäre denn möglich war, schnalzte mit der Zunge und versuchte dem stechenden Blick des Mannes mit Krawatte und himmel­blauen Augen  ihm Gegenüber aus zu weichen, doch er spürte ihn so deutlich auf ihm ruhen, als würde er ihm den Finger in den Bauch pieken und Roger knirschte mit den Zähnen.

  Sein penibler Zahnarzt hatte ihm zwar erst vor kurzer Zeit davon abgeraten, doch dieser Doktor von und zu, der konnte ihn mal.

  Wieder schweiften seine Gedanken zu seiner Mini-Waffe in der Jackentasche und auch dahin zurück, was ihm sein (überheblicher)Boss eingebläut hatte, als es das letzte Mal so weit mit ihm durchgegangen war und er dem Typen in der Bahn tatsächlich eine Bleikugel durch das linke Schienbein gejagt hatte, da er von diesem noch schlimmer von Blicken durchstochen worden war als jetzt in diesem Moment voller Hitze.

  So was hatte Roger zuvor noch nie erlebt und er war sich sicher, dass sein Boss seit diesem Tag noch tiefere Augen­ringe hatte als sowieso schon.

  Noch nicht einmal in seiner Vorstellung hatte das Gesicht seines Chefs so rot ausge­schaut wie an diesem üblen Tag.

  Und Roger hatte schon eine ziemlich genaue Vorstellung da­von, wie sein Boss aussah, wenn er kurz vorm Platzen stand.

  Obwohl der Mann danach wieder gesund, jedoch nicht ohne einen Schock erlitten zu haben, entlassen worden war, was natürlich selbstverständlich war, denn wer wird schon am hell­lichten Tage in der Bahn von einem Polizeibeamten schein­bar völlig grundlos angeschos­sen?

  Und trotz der Tatsache, dass der Mann danach wieder bei bester Genesung war, hatte sein Boss ihm mit Sicherheit die längste und elendigste Predigt seines unnützen Lebens gehalten, worauf Roger  wirklich gern verzichtet hätte.

  Nicht einmal seine störrische Mutter hatte ihm je eine solche Standpauke gehalten, nicht einmal, als er mit Absicht die uralte geblümte und seiner Meinung nach scheußlichste Keramikvase überhaupt im Hausflur von ihrem Sockel gesto­ßen hatte und den Sockel noch mit dazu.

  Noch eine Erinnerung, auf die er nur zu gern verzichtet hätte.

  Nein, das würde er nicht noch einmal heil überstehen.

  Und auch hatte er wenig Lust, seinen Job wegen so eines nichtigen Kerls zu verlieren.

  Doch Herr Gott noch mal, was musste der ihn auch so anstarren? Inzwischen hatte er schon beinahe einen Krampf in der verschwitzten Hand.

  Er musste sich einfach beruhigen, aussteigen und den Kerl einfach hinter sich lassen.

  Ganz ruhig, gleich bist du da, sagte er sich und spürte, wie sich seine Hand langsam wieder entspannte.

  Zur Sicherheit drehte er sich jedoch auch noch um und starrte auf die zwei kleinen Monitore, auf denen eine Wetterkarte flackerte. Roger schnaubte.

  Was sollte das nützen? Man musste doch nur rausgehen um zu wissen, wie es in den nächsten Tagen werden würde, nämlich genauso wie schon seit zwei ewigen Wochen; heiß!

  Schließlich war es Hochsommer und die Höchsttemperatur lag teilweise bei über 30 Grad. Roger klebten die Haare im Nacken und er stöhnte, da er keine Luft bekam.

  Sein Puls raste und zusätzlich hatte er Hunger.

  Wenn der Polizeitherapeut ihm das nächste Mal sagte, dass er sich nicht unter Kontrolle hätte, würde Roger ihm an die Gurgel gehen, so viel stand fest.

  Es war sowieso nur noch diese eine Strecke, dann würde er aussteigen können und sich im Büro auf die Kaffeemaschine stürzen, ehe er mit der Arbeit beginnen würde.

  Roger konnte den Kaffee schon auf der Zunge schmecken, doch dann durchfuhr ein etwas zu kräftiges Rucken den Wagon und die gesamte Bahn rollte langsam aus und blieb liegen.

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Hörbuch

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Winni

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