Beschreibung
Gegete sind wie aufsteigender Weihrauch: zärtlich und süß oder heiß und bitter
Erzählung in 5 Teilen
Teil 4: Die Entscheidung
Die nächtliche Bahnfahrt ist beinahe ein Alptraum. Thomas ist hundemüde, aber ruhelos wandert er durch den Zug, denn das Erlebnis in der Kathedrale und seine Reiseeindrücke lassen ihn keinen Schlaf finden. Immer wieder schreckt er – von wilden Traumbildern verfolgt – aus einem unruhigen Schlummer auf. Dann trifft er für sich eine Entscheidung und schläft urplötzlich ein.
Der Zugschaffner findet ihn am Morgen ausgeruht und fit, als er ihm das Frühstück bringt. An der nächsten Haltestelle ist Thomas am Ziel. Er freut sich, nach einjähriger Reise den Onkel wieder zu sehen.
Am Bahnsteig gibt es eine herzliche Umarmung auf beiden Seiten, Dann fasst der Onkel Thomas bei den Schultern, schiebt ihn ein wenig von sich weg, betrachtet ihn prüfend von Kopf bis Fuß – wie einst den kleinen Jungen – nickt zufrieden und schaut ihm dann fest in die Augen. „Mein Junge,“ sagt er dann mit einem zufriedenen Lächeln um den Mund, „ich sehe, du bist ein reifer Mann geworden und hast die Entscheidung über dein weiteres Leben getroffen.“ Thomas will etwas erwidern, aber der Onkel fährt fort: „Still, Thomas, lasse uns das alles bei einem ausgiebigen Frühstück besprechen. Du siehst so hungrig aus.“ Beide brechen in ein herzhaftes Gelächter aus, nehmen das Gepäck von Thomas und lassen sich von einem Taxi in das Stammrestaurant des Onkels fahren. Ein üppig gedeckter Tisch erwartet hier den Heimkehrer und seinen Onkel. Während dieses ausgiebigen Frühstücks berichtet Thomas von seinen mehr als abenteuerlichen Reiseerlebnissen und gänzlich unaufgefordert fügt er am Ende hinzu: „ Lieber Onkel, ich will Agrarwissenschaften studieren und Bewässerungstechnik.“ Der Onkel ist mehr als überrascht und will eben seine Einwände vorbringen, als ihn Thomas abrupt unterbricht und sagt: „Du hast versprochen, dass du mein Studium bezahlst und ich werde nicht mehr von dem genannten Plan abweichen. Gib dir keine Mühe.“ Der Onkel spürt die wilde Entschlossenheit seines Neffen. Er lenkt ein und gibt nach. Schließlich trennen sich beide in herzlichem Einvernehmen.
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©Hei-O 12-2010