Fantasy & Horror
Vor dem Sprung

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"Vor dem Sprung"
Veröffentlicht am 14. Dezember 2010, 4 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Vor dem Sprung

Vor dem Sprung

Einleitung

Wie oft hatte er bereits von diesem Moment geträumt? Wie viele Stunden hatte er sich wach in seinem Bett umher gewälzt und dabei immer wieder dasselbe Bild vor Augen gehabt? Das Bild von ihm, mit ausgebreiteten Armen auf dem Dach eines Hochhauses oder auf der Spitze eines Berges. Der Sprung. Das Fliegen durch die Luft. Der Boden, der unaufhaltsam näher kommt. Der Anblick danach, wenn man ihn finden würde.

Hier oben, auf dem Dach des Hochhauses, ging ein eiskalter Wind. Es war kurz nach Mitternacht und der Mond von Wolken verdeckt.
   Er hatte sich komplett schwarz angezogen. Niemand würde ihn hier oben sehen. Obwohl der Wind seine verschwitzte Haut ziemlich abkühlte merkte er es kaum. Zu sehr war er mit dem beschäftigt, was er als nächstes tun würde.
   Sein Atem war beschleunigt. Das kam vom Adrenalin. Genauso wie der Schweiß auf der Stirn, dem Hals und den Händen.
   Die Füße schienen wie angewurzelt und weigerten sich, auch nur einen Zentimeter vorwärts zu machen. Immer wieder prüfte er die Entfernung zum Abgrund.
   Drei Schritte. Es waren nur drei Schritte. Nur drei lächerliche Bewegungen mit den Füßen und er würde das erleben, worauf er sich in den vergangenen Nächten immer wieder vorbereitet hatte.

Wie oft hatte er bereits von diesem Moment geträumt? Wie viele Stunden hatte er sich wach in seinem Bett umher gewälzt und dabei immer wieder dasselbe Bild vor Augen gehabt? Das Bild von ihm, mit ausgebreiteten Armen auf dem Dach eines Hochhauses oder auf der Spitze eines Berges. Der Sprung. Das Fliegen durch die Luft. Der Boden, der unaufhaltsam näher kommt. Der Anblick danach, wenn man ihn finden würde.

In seinen Vorstellungen war er stets stumm geblieben. Nie hatte er vor Angst oder Schmerz schreien müssen. Würde das auch in der Realität so sein? Irgendwie bezweifelte er das. Egal, es würde ihn ohnehin niemand hören.
   Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung hob er nacheinander die Füße an, um die Schwere in seinen Beinen zu verlieren.  Die Gelenke knackten. Das lag wahrscheinlich an der Kälte und der Anspannung. Egal, Hauptsache sie funktionierten.

Gab es etwas, das nach dem Tod auf einen wartete? Eine gute Frage, die ihm ebenso in den schlaflosen Nächten begleitet hatte. Da gab es viele Idee, aber was letzen Endes stimmte, wusste Niemand.
   Ein Paradies? Sollte es so etwas geben, so würde er bestimmt nicht dort herein gelassen werden.
   Eine Hölle? Schon eher.
   Wiedergeburt? Interessanter. Einfach Augen zu, springen und im nächsten Moment kommt man irgendwo auf der Welt als Baby wieder raus. Wie bei einem Computerspiel: Wenn man stirbt, muß man nochmal von vorne anfangen. Außerdem hat man die Möglichkeit, sich einen anderen Charakter zu basteln. Ja, das würde ihm gefallen.

Wie in Trance hoben und senkten sich seine Füße. Schritt für Schritt dem Ziel entgegen. Es kam ihm unendlich lange vor, bis er den Abgrund erreicht hatte. Nun blockierten seine Beine völlig. Da war etwas, was ihn davon abhalten wollte, den letzten Schritt zu machen. Was immer es war, es war stark.
   Wieder dachte er über das Thema Reinkarnation nach. Allein die Vielzahl der Möglichkeiten, die eine Wiedergeburt bot, war verlockend. Mann oder Frau, arm oder reich, Europa, Amerika oder sonstwo. Vielleicht würde es sogar innerhalb der Verwandtschaft bleiben. Unglaublich, wie viele Möglichkeiten es zu geben schien.
   Seine Augen waren geweitet. Die Entscheidung gefallen. Mit einen leichten Lächeln verlagerte er sein Gewicht nach vorne.

ENDE

Nico Weinard
14.12.2010

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Kenshin Finde es etwas unglaubwürdig, dass ein Mensch sein Leben beendet ohne sich darüber im klaren zu sein was danach auf ihn zukommt. Wenn er sich schon so lange mit dem Thema des "Sprungs" beschäftigt hat, dann müsste er doch auch lange genug über das Thema "Leben nach dem Tod" nachgedacht haben, um darauf eine Antwort zu wissen, oder?

Mir entgeht etwas die Botschaft des Textes. Soll der Sprung ( ohne zu wissen wie es nach dem Tod weiter geht ) für einen Schritt ins Ungewisse stehen? Oder soll es um die Ästhetik des Sprungs gehen?

lg
Vor langer Zeit - Antworten
Treebeart Re: Schöne Story... -
Zitat: (Original von EwSchrecklich am 05.05.2012 - 16:11 Uhr) Du hast das Thema gut verpackt und man merkt richtig, dass du dir Gedanken darüber gemacht hast.
Das Titelbild finde ich übrigens auch sehr hübsch.

lg


Besten Dank.
Von dem Titelbild war ich, ehrlich gesagt, gar nicht mal sooo begeistert. Aber mir ist nix besseres eingefallen.
Vor langer Zeit - Antworten
EwSchrecklich Schöne Story... - Du hast das Thema gut verpackt und man merkt richtig, dass du dir Gedanken darüber gemacht hast.
Das Titelbild finde ich übrigens auch sehr hübsch.

lg
Vor langer Zeit - Antworten
Treebeart Re: mir gefällt die story -
Zitat: (Original von Jerade am 15.08.2011 - 11:44 Uhr) und ich habe sie gerne gelesen.

lg jerade



Danke, Treebeart
Vor langer Zeit - Antworten
RogerWright Zeitproblematik - Gut, wenn du denkst, dass dies reingehört, dann kannst du das natürlich machen.
Die Schwierigkeit dessen wäre die Frage, wenn eine Reinkarnation in der Vergangenheit funktioniert, warum ändert sich unsere Geschichte dann nicht permanent, beispielsweise, was wäre, wenn ein wahrer Wohltäter, ein großer Sozialist plötzlich als Ludwig der XVI. geboren wird und anfängt dem 3. Stande Frankreichs Gehör zu schenken.
Dann wäre das geschichtliches Ereignis der Französischewn Revolution entweder verschoben worden.
Wobei die Idee schon verlockend ist mit der Wiedergeburt in der Vergangenheit, wohl war, aber ich bin nicht der Meinung, und das ist eben meine persönliche, dass man dies so einfach schreiben könnte.
Aber das müssen ja die restlichen Leser nicht so sehen, also, schreib es ruhig rein wenn du es wirklich willst.
Vor langer Zeit - Antworten
Treebeart Re: Re: Re: -
Zitat: (Original von RogerWright am 08.03.2011 - 16:48 Uhr) Vergangenheit/Zukungt ist ja nicht möglich, Krümmungen im Raum-Zeit Kontinuum ausgeschlossen. Zukunft ist ja die einzige Option dabei, wichtiger wäre die Frage der Position, des sozialen Statuses. Die Frage, ob man als Reinkarnation schließlich Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte oder eine andere für den Selbstmörder anziehende Berufung.



Aber warum dann nicht auch die Vergangenheit? Klar, wir verstehen Zeit als eine gerade verlaufende Linie. Aber wer sagt denn, dass das stimmt.
Vor langer Zeit - Antworten
RogerWright Re: Re: - Vergangenheit/Zukungt ist ja nicht möglich, Krümmungen im Raum-Zeit Kontinuum ausgeschlossen. Zukunft ist ja die einzige Option dabei, wichtiger wäre die Frage der Position, des sozialen Statuses. Die Frage, ob man als Reinkarnation schließlich Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte oder eine andere für den Selbstmörder anziehende Berufung.

Vor langer Zeit - Antworten
Treebeart Re: -
Zitat: (Original von RogerWright am 08.03.2011 - 16:18 Uhr) Schwieriges Thema, aber gut verpackt, sollte nicht geändert werden.


Besten Dank,
den Gedanken mit der Reinkarnation hatte ich gedanklich nochmal weiter gesponnen. Also nicht nur Mann/Frau, Europa/Amerika sondern auch noch Vergangenheit/Zukunft.

Was meinst Du, sollte das noch mit rein ?
Vor langer Zeit - Antworten
RogerWright Schwieriges Thema, aber gut verpackt, sollte nicht geändert werden.
Vor langer Zeit - Antworten
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