Kurzgeschichte
Neben-Tankstelle-WC

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"Neben-Tankstelle-WC"
Veröffentlicht am 04. November 2007, 4 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Neben-Tankstelle-WC

Neben-Tankstelle-WC

„Ich denke nicht, dass du länger als fünf Minuten darauf sein wirst.“, sagte ein wenig lachend.
„Wer weiß. Werden wir doch sehen.“. antwortete ich über den Rücken und ging über den halben Parkplatz zu einem kleinen Häuschen. Ich tippte vorsichtig auf die eiserne Klinke, die mit einem leichten Hauch Rost überzogen war und stieß sie schließlich hinunter, als ich mir sicher war, dass sie noch nicht die Hitze der andauernden Mittagssonne angezogen hatte. Quietschend öffnete sie sich ohne große Anstrengung in Gebrauch zu nehmen. Ich tapste in den kleinen Vorraum, in dem sich meine Augen durch die hellen Fliesen schnell gewöhnten. Eine weitere große eiserne Tür erbot sich vor mir. Ein Stück zerknülltes Toilettenpapier war in den Schlitz geschoben worden, sodass die Sicht zur Toilette verhindert war. Leicht stand der Türkoloss auf und so stupste ich mit einem Bein heftig gegen ihn, sodass er aufflog und gegen die Wand prallte. Blaue unerträgliche Hitze schwappte mir ins Gesicht und ich schloss kurz hilflos die Augen. Dann erbot sich ein Bild des Ekels vor mir. Ich drehte mich hastig um und schloss die Tür. Schob einen kleinen Riegel vor, sodass ich ungestört allein sein konnte. Panik stieg in mir auf. Der etwa zwei Quadratmeter große Raum schien immer kleiner zu werden. Ich fuchtelte nervös mit den Händen vor meinem Gesicht, um ein wenig Wind zu bewirken und starrte entsetzt um mich. Blauer Fußboden, der an einigen Stellen aufgerissen war, schwamm unter mir. Die Toilette schien angenehm sauber. War nicht gelb. Nicht ganz so gelb. Ein wenig gelb. Der Deckel mit einer Schicht Klebeband an der Wand befestigt. Ich hörte auf, mit den Händen zufächern. Es war in dieser unbeschreiblichen drückenden Schwüle eine Qual und nur noch schweißtreibender. Ich schaute hoch. Nickte mit dem Kopf leicht nach hinten, um die mit Spinnweben und den dazugehörenden langbeinigen Tierchen zu begutachten. Ich blickte von noch mehr Abscheu befangen wieder herunter. Eine vollends dunkelblaue Statur eines Eimers zierte die vorderste Ecke. Eine Rolle Toilettenpapier war daraufgelegt worden. Die Toilettenbürste halb aus ihrer Ankerung gefallen. Die weiße Wand mit italienischen Liebesschwüren und anderen Kritzeleien übersät. Staubflocken sammelten sich in den Ecken. Mir wurde immer wärmer. Immer wärmer. Große Schweißtropfen brachen auf der Stirn und unter dem kleinen Top aus. Zitternd schob ich den Riegel wieder zurück. Spülte einmal. Zu meinem Entsetzen rauschte sauberes Wasser herunter. Dann schlug ich die Tür wieder auf und trat mit einem übergroßen Schritt aus dem beißenden Raum. Stützte mich keuchend auf das Waschbecken im Vorraum und sah mit einem müden Blick in den kaputten und zerkratzten Spiegel vor mir. Meine Haare waren zerwühlt. Die Stirn vom Schweiß nass. Kleine Pupillen leuchteten mir aus dem roten Gesicht entgegen. Ich drehte den Wasserhahn auf kalt und ließ angenehmes Wasser über meine immer noch ein wenig zitternden Hände laufen. Hätte das Gesicht auch gerne in dem erfrischenden Nass versinken lassen, traute mich aber nicht. Die Hände schüttelnd betrat ich die Freiheit, welche mir mit einem kühlen Windzug entgegen kam.
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