Romane & Erzählungen
Yuki Hime - und die Trägerinnen des Pentagramms

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"Yuki Hime - und die Trägerinnen des Pentagramms"
Veröffentlicht am 15. November 2010, 30 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Ich bin ein sehr netter Kerl und habe schon in sehr jungen Jahren angefangen, Geschichten zu schreiben und finde immer wiedet tolle Ideen, die man zu Papier bringen kann.
Yuki Hime - und die Trägerinnen des Pentagramms

Yuki Hime - und die Trägerinnen des Pentagramms

Beschreibung

Neu überarbeitet! Yuki ist ein junges Mädchen, das noch zur Schule geht. Nach dem Tod ihrer Eltern lebt sie bei der Tante. Trotz ihren vielen Freundinnen mit denen sie jeden Tag gemeinsam verbringt, findet sie ihr Leben mehr als langweilig. Aber dies ändert sich eines Tages, als sie einen Umweg über den Friedhof macht ...

Kapitel 1 - Überfall im Park

Mein Leben ist stink normal - das langweilt mich. Am liebsten würde ich irgendetwas ausgefallenes mit meinen Freundinnen unternehmen, doch meine Tante, lässt mich nur ganz selten aus dem Haus. Ich wünschte, mein Leben würde sich eines Tages verändern!

(Auszug aus dem Tagebuch von Yuki Nakamura)

 

 

Wie versteinert starrte sie den junge Mann an, der neben ihr stand. Für ihren Geschmack sah er mehr als nur umwerfend aus und sie würde für ihn jede Bitte seinerseits ohne Widerreden erfüllen. Allerdings sollte sich ihre Meinung schon sehr bald ändern.

Ein kurzer Windhauch streifte die Umgebung und sie konnte für einen Moment sein Parfüm erhaschen. Es roch nach der neusten Marke, welches derzeit auf den japanischen Markt zu erwerben war. Allerdings konnte sie sich nicht an den Namen des reizvollem Duftwassers erinnern. Aber das war auch jetzt völlig egal für sie, denn nur er stand gerade im Mittelpunkt.

Eins stand von Anfang an fest: er war der best aussehenste Junge der Shinjuku-Oberschule. Zwar wussten nur wenige Mädchen aus der Schule, wie dieser Junge so drauf war, aber dennoch wusste wirklich niemand etwas direkt konkretes über ihn, außer, dass er aus einem reichen Haushalt stammte. Er prahlte mit seinem Taschengeld, wo es nur ging. Sei es in der Kantine oder im örtlich gelegenen Elektronikmarkt, wo viele Schüler nach dem Unterricht die neusten Spiele auf den modernen Videokonsolen ausprobierten.

Er erwiderte ihr kindisches Lächeln und sprach sie an. Ihr Herz schlug jetzt heftiger als vorher. Es war für sie ein wahnsinniges und unbeschreiblich gutes Gefühl gewesen. Ein lang herbei gesehnter Traum ging für sie endlich in Erfüllung.

„Du bist doch die Kleine aus der 9. Klasse, von der jeder aus der Schule spricht. Wie heißt du noch mal?“, fragte der brünette Jüngling.

Yukis Herz sprang nun förmlich in die Luft. Darauf hatte sie gewartet. Endlich sprach er sie an. Was für ein Glück sie doch gerade hatte.

„Ich heiße Nakamura. Yuki Nakamura. Sehr erfreut, dich kennen zu lernen.“, antwortete sie ihm. Ihr Gesicht färbte sich vor Scham.

„Hallo, Yuki. Was willst du denn von mir?“, wollte Toji wissen.

Das junge Mädchen übergab Toji einen rosanen Briefumschlag. Ihre Hand zitterte ein wenig, doch sie ließ es sich nicht anmerken, wie aufgeregt sie war. „Hier ist ein Brief für dich!“

„Danke, sehr nett von dir! Ich werde ihn später lesen.“, entgegnete er höflich und drehte sich um. Dabei lachte er in sich hinein, so dass Yuki nichts davon mit bekam. „Ich muss nun los, Kleine. Meine Freunde warten ungern.“

Die junge Schülerin verabschiedete sich von ihm. Ihr Blick verwandelte sich von glücklich in Traurigkeit. „Ok, alles klar.“

Dann wandte sich Toji um und lief zu seiner Clique - es waren nur Jungs -, die ihm im selben Moment zu wunken.

Etwas enttäuscht und traurig schlenderte Yuki über den großen Schulhof. Sie hätte sich gerne noch länger mit ihrem Schwarm unterhalten, aber innerlich sagte sie sich, dass man Jungs einfach nicht verstehen musste.

Yuki Nakamura war vor wenigen Monaten 15 Jahre alt geworden und wohnte bei ihrer Tante. Vor ungefähr zwei Jahren waren Yukis Eltern auf den Weg nach Frankreich unterwegs gewesen. Doch als sie über dem Mittelmeer waren, stürzte das Flugzeug in die Tiefe. Kein Einziger Passagier an Board hatte den Absturz überlebt. Nun war Yuki ganz allein und die ältere Schwester ihrer Mutter hatte sie bei sich aufgenommen..

Neugierig schaute sich die 15-jährige auf dem Schulhof um. In jeder Ecke des Geländes standen mindesten vier bis sechs Schüler. Die Mädchen hielten sich in der Mitte auf und spielten irgendwelche Mädchenspiele, die Yuki nicht kannte und auch nicht wollte. Genau wie Sakura, ihre Freundin, die auch auf diese Schule ging. Langsam setzte Yuki einen Fuß vor den anderen und lief geradewegs auf ihre Freundin zu.

Sakura, die ganz allein auf einer Bank saß, bemerkte sie erst im letzten Moment. „Da bist du ja, Yuki. Ich habe auf dich gewartet. Wo warst du denn schon wieder?“

“Hallo, Sakura.“, begrüßte Yuki ihre Freundin. „Ich war gerade bei Toji ...“

Yuki wurde von ihrer Freundin unterbrochen. „Bei Toji? Kenn' ich den denn?“

„Na, der Toji aus der 13. Klasse. Toji Onari. Der coole Typ mit den brünetten Haaren eben!“

Sakura fing an zu überlegen. Schon nach einer kurzen Überlegung fiel der Yen. „Ah, der Toji. Jetzt weiß ich, wen du meinst. Und, was wolltest du von ihm?“

„Ich habe ihn meinen Brief gegeben.“, antwortete Yuki voller Stolz und setzte sich neben ihre Freundin. Die Röte stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Sakura war zwei Jahre älter als Yuki. Ihr rotes Haar glitzerte in der Sonne. Es strahlte eine ungeheuerliche und geborgene Wärme aus. Der Rotschopf besuchte zur Zeit die Abschlussklasse. Sie kannte Yuki von einer guten Freundin ihrer Mutter. Sakura mochte es, Yuki als kleine Freundin zu haben. Mit ihr konnte sie über alles mögliche reden, was ihr auf ihrem Herzen lag. Für sie war Yuki wie eine kleine Schwester, welche sie selbst nicht hatte. Ihre Eltern hatten etwas gegen ein zweites Kind im Haushalt. Wieso auch immer, Sakura hatte nie deswegen Fragen gestellt.

Nachdenklich zügelte sie die Stirn und langsam bildeten sich einige Falten. „Du hast ihm einen Liebesbrief gegeben? Du bist doch sonst so schüchtern. Mensch, ich glaub' es nicht. Was hat er denn gesagt, als er ihn las?“

„Gar nichts! Er hat ihn nicht einmal gelesen. Er sagte nur, dass er ihn später lesen wird.“, antworte das junge Mädchen und ließ einen Seufzer von sich hören.

„Na, dann kannst du ihn abschreiben.“, brachte Sakura das Geschehen voll auf den Punkt.

„Glaub ich auch.“, sagte Yuki enttäuscht. Eine Träne ran ihr über das Gesicht und sie streifte die salzigen Tropfen mit einem Taschentuch ab.

Da unterbrach die Schulglocke das Gespräch der beiden jungen Mädchen.

„Also, bis dann!“, verabschiedete sich Sakura und lief sogleich die Treppe hinauf ins Innere des Schulgebäudes. Yuki blieb noch draußen. Sie hatte jetzt eine Freistunde, da der Lehrer plötzlich krank geworden war. Lustlus setzte sie ihren Rucksack auf und schlenderte zum Ausgang des Schulhofs. Sie wusste anfangs nicht, wo sie hin wollte. Dann überlegte sie sich, ob sie nicht mal bei Arina vorbeischauen sollte. Sie hatte ja schließlich Zeit und keiner konnte es ihr verbieten einer anderen Freundin Besuch zu erstatten.

Arina war schon volljährig und aus der Schule heraus. Am Tage jobbte sie in einem Café in der Nähe der Shinjuku-Oberschule. Ihre Freundinnen kamen oft in den Pausen zu ihr ins Café hinein. Yuki betrat das Geschäft und schaute sich um. Das Café war in einem weiß und roten Farben gehalten, genau wie die Farben der nationalen Flagge. Der ganze Raum duftete nach frisch, gekochtem Kaffee. Nur wenige Gäste waren anwesend. Zwei dunkelhäutige Amerikaner unterhielten sich auf Englisch über einen Rap-Musiker. Der eine Typ mit Glatze viel ihr besonders auf. Er fragte gerade seinen Kumpel, ob er sich schon die neuste CD von Bob geholt habe. Sein Freund verneinte die Frage und schließlich stellte sich heraus, dass Beide noch nicht das neue Album geholt hatten. Was kümmert mich das, fragte sich Yuki innerlich und schüttelte den Kopf.

In einer anderen Ecke des Cafés klirrte jemand mit Geschirr.

„Arina, bist du da?“, rief sie durch den ganzen Laden. Ihr war es egal, ob andere so eine Situation für eine Blamage hielten. In der Hausordnung stand ja nicht: Bitte mäßigen Sie ihren Ton während Sie sich unterhalten!

Es dauerte eine Weile, bis sich eine junge Frauenstimme aus der hinteren Ecke des Ladens meldete: „Ich komme gleich, Yuki. Warte noch einen kurzen Augenblick, bin gleich bei dir.“

Die 15-jährige wollte nicht im Stehen auf ihre Freundin warten und setzte an einen Tisch. Eine leere Kaffetasse stand noch darauf. Man konnte noch die eingetrockneten Reste des braunen Gebräus erkennen. Arina hatte wohl vergessen, sie abzuräumen. Mit einem kleinen Prusten setzte sie sich an einem der vier aus Stahl versehenden Stühlen. Dann holte sie einen Hefter aus ihren Ranzen heraus und blätterte ihre Schulmitschriften durch.

Kurze Zeit später verdunkelte ein Schatten ihren Hefter. Regnet es schon wieder, fragte sich Yuki und schaute nach oben. Sie erschrak sich fürchterlich, als sie vor sich zwei riesige grünen Augen anstarrten.

Doch alles war halb so schlimm, wie vermutet. „Ach, du bist es, Arina. Mensch, hast du mich jetzt aber erschreckt.“

„Tut mir leid, Yuki. Hallo, erst Mal.“, begrüßte die 18-jährige ihre kleine Freundin und streichelte über ihr sanftes blondes Haar. „Was führt dich denn zu mir? Hast du jetzt keinen Unterricht?“

„Die Mathestunde fällt gerade aus. Der Lehrer ist plötzlich krank geworden, und da habe ich mir gedacht, dass es dir vielleicht etwas Spaß machen würde, wenn ich dich besuchen komme.“

Arina nahm die dreckige Tasse vom Tisch und putzte mit einem naßen Spüllappen die Plastickdecke ab. „Ich freue mich immer, wenn du und die Mädels mich besuchen kommst. Warte einen Moment, ich bringe nur schnell die Tasse weg.“

Yuki hob ihre Schulsachen empor, sodass Arina genug Platz zum sauberwischen hatte. Dann verschwand Arina in der Küche. Doch es daurte nicht lange, bis sie wieder zu ihrer Freundin stoß. „So, da wäre ich wieder. Ich habe jetzt eine Pause. Wollen wir in den Park gehen?“

Yuki lächelte. „Oh ja, gerne.“

Dann stand sie auf, packte ihren angenutzten Schulhefter wieder in den Schulranzen, schob den harten Stuhl wieder an den Tisch und verließ mit ihrer besten Freundin das Café.

Bis zum Park, der Shinjuku-Gyoen hieß, war es nicht weit. Zusammen überquerten sie die lange Hauptstraße Shinjuku-dori. Wobei sie aufpassten mussten, dass sie ungefährdet auf der anderen Seite der voll befahrenen Straße ankamen. Schon bald standen sie vor einem der verschiedenen Eingängen in den Park.

„Er sieht immer noch so schön aus, wie beim letzten Mal, als wir hier waren, nicht wahr, Arina?“, freute sich Yuki.

„Meiner Meinung nach ist er der beste Park in ganz Tôkyô, Yuki.“

Der Shinjuku-Gyoen war ein ehemals kaiserlicher Park, der teils im japanischen, teils im europäischen Stil angelegt war. Man erreicht den Park am besten vom U-Bahnhof Shinjuku-Gyoem-mae oder vom Bahnhof Yoyogi, im Westen vom Park, aus. Zu der Zeit der Kirschblüte ist er ebenso schön wie während der herbstlichen Laubverfärbung. Einige Blätter der Kirschbäume lagen zu dieser Jahreszeit auf dem Boden verstreut.

„Wie geht es eigentlich Sakura und Makoto?“, wollte Arina von Yuki wissen.

„Makoto schmeisst sich wie immer in Schale. Du weisst doch, dass ihr Vater ein großer Firmenboss ist, oder?“

„Sicher weiß ich das. Und was macht Sakura?“

„Sakura ist immer noch die Alte, wie du sie kennst. Sie trainiert täglich bis zu drei Stunden am Abend. Für mich wäre das ganz schön anstrengend.“

„Will sie immer noch die Kampfsportschule ihrer Eltern übernehmen?“, fragte Arina rethorisch, obwohl sie die Antwort auf ihre Frage längst wusste.

„Aber klar doch, sie schwärmt doch nur für den Kampfsport. Nur wegen ihr habe ich auch damit angefangen.“

„Du trainierst auch Kampfsport? Seit wann denn das?“, fragte Arina sehr erstaunt.

„Seit letzte Woche. Ich trainiere zwar aller zwei Tage in unserer Sporthalle mit ihr, aber trotzdem ist es ganz schön anstrengend, finde ich. Jedesmal muss ich unter die Dusche, so verschwitzt bin ich nacher, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Und du, trainierst du auch noch?“

„Was denkst du denn? Natürlich. Jeden Morgen stehe ich schon zeitig auf und trainiere erst Mal eine Stunde. Nach getaner Arbeit im Café ebenfalls. Also mein Terminplaner ist von früh bis abends total voll.“

„Verstehe. Da habe ich ja noch einiges vor mir liegen. Kommst du heute Abend trotzdem noch in den Club?“

Arina grübelte in ihren Gehirn nach. Hatte sie für heute Abend schon etwas vor? Sie kam zu einem gewogenem Entschluss. „Das lässt sich einrichten. Wie immer, zwanzig Uhr?“

„Wie immer!“, antwortete Yuki und schaute dabei auf ihre Armbanduhr. Die Zeiger zeigten ihr dreiviertel Zwei, also fünfzehn Minuten bis vierzehn Uhr. „Ich habe noch zwanzig Minuten, bis Wirtschaft beginnt.“

„Gut, dann gehen wir gleich zurück. Die Zeit sollten wir uns auch noch nehmen. Setzen wir uns noch auf die Bank dort?“ Arina zeigte auf eine dunkelhölzige unbesetzte Parkbank.

„In Ordnung.“, willigte Yuki ein.

Langsam begaben sich die beiden Mädchen zur Bank. Als sie sich setzten wollten, fing jemand an zu schreien.

Wie von Geisteshand gezogen sprang Arina auf und rannte in die Richtung, aus welcher der Schrei kam.

„Komm, Yuki. Beeil dich!“, raunte die Sprinterin ihrer Freundin zu.

Der Tatort lag nicht weit entfernt. Direkt im kühlen Schatten des Baumes zerrte ein ältere Herr an einer Handtasche, die einer schwarzhaarigen Frau gehörte. Arina hielt an und stoppte ihre junge Freundin mit ausgestreckter Hand. Sie rief dem Handtaschenräuber laute Worte in die Ohren. „Hey, Sie! Wie können Sie es wagen, eine Dame zu berauben.“

Anschließend wandte sie sich an ihre Freundin. „Yuki, ruf die Polizei von deinem Handy aus. Ich mach solange den Kerl hier fertig und werd im zeigen, dass man sich nicht an Frauen vergreift!“

Yuki nickte. Man merkte, dass ihr die die Angst den Rücken hinunter lief. Sie versteckte sich hinter dem starken Baustamm des Kirschbaumes und holte ein Handy aus der Hosentasche.

Der Dieb stoppte seine Aktion und wandte sich zu Arina. „Was fällt dir eigentlich ein, mich zu stören. Ich muss dir wohl die Leviten lesen! Was willst du, du ungezogender Bengel?“

„Wie hast du mich eben genannt?“, fragte Arina zurück, um sicher zu gehen, dass sie sich wohl überhört haben musste.

Aber dem war nicht so. „Ich habe dich einen ungezogenen Bengel genannt. Jetzt verstanden?“

„Und wie ich das habe, dafür setzt es gleich was! Sehe ich wie ein Junge aus? Man, ich glaub du brauchst eine Brille, wenn du ein Mädchen mit einem Jungen verwechselst!“

Dieses Situation war nicht gerade neu für sie, denn es stand ihr ins Gesicht geschrieben: ihre orangefarbigen kurzen Haaren, ihre kräftigen Wangenknochen und dann noch ihre raue Stimme. All das waren eigentlich Merkmale für das andere Geschlecht. Aber selbst hatte sich keine Einwände und war zufrieden mit dem, womit Gott sie geschaffen hatte.

„Ein Mädchen auch noch. Ist ja noch besser. So ein schwaches Ding wie du willst mir Angst machen? Welch lächerliche Aktion von dir.“

Arina zögerte nicht lange und kickte den Räuber erst Mal ihr rechtes Bein in die Bauchseite. Mit einem Hecheln fiel dieser zu Boden. Doch das war für ihn nicht zu hart gewesen. Er räppelte sich schnell wieder auf und stürmte auf die Angreiferin zu, während Yuki und die beraubte Frau mit gespannten Augen der Kampfsportlerin zusahen. Der Räuber hatte keine Chance gegen das Mädchen mit der Hochschulreife. Jedes Mal wenn sich der dreckige Räuber auf sie stürmte, fiel er auch wieder mit gekonnten Schlägen und Tritten zu Boden.

„Hast du endlich genug?“, fragte Arina triumphierend.

„J... Ja!“, winselte die verbeulte Gestalt am Boden liegend. „Ich gebe auf!“

Ein letztes Mal gab Arina dem Widerling einen Stoß. Dieser kippte zur Seite und verlor das Bewusstsein. Yuki kam nun hinter dem Baum wieder hervor und lief auf die Siegerin des Zweikampfes zu.

„Die Polizei ist unterwegs. Das war großartig, Arina.“, lobte sie ihre Freundin. „Du bist echt die Beste! Ich möchte auch einmal so stark sein wie du!“

„Schon gut, Yuki. Das war nur eine Leichtigkeit. Mit dem was du drauf hast, hättest du es genauso geschafft. Aber da du ja noch ein kleiner Angsthase bist ...“

„Bin ich nicht!“, demonstrierte Yuki dagegen.

„Bist du wohl!“, widersprach Arina.

„Nein, bin ich nicht!“, wiederholte der Blondschopf.

„Und wie du das bist!“

„Stimmt gar nicht!“

Die Streiterei wäre noch weitergegangen, wenn sich nicht die schwarzhaarige Frau in den Streit eingemischt hätte. „Stopp, Mädels! Ich danke euch für eure Hilfe.“

„Ach nichts zu danken.“, sagte Arina lässig und kratzte sich dabei am hinteren Haarschopfe. „War doch Ehrensache.“

„Ich werde euch ein Geschenk machen. Hier habt ihr zwei Eintrittskarten für den Citypoint. Auf Wiedesehen und Danke nochmals.“ Dann verschwand die Frau aus den Augenwinkeln der beiden Mädchen.

„Wow, Eintrittskarten für das Citypoint. Man haben wir ein Glück. Das muss ich unbedingt Sakura erzählen.“, jubelte Yuki, nahm Arina die Karten weg, hob sie ins Sonnenlicht und bestaunte ihr Geschenk von allen Seiten.

„Mach das ruhig, Yuki. Wir sehen uns später im Club. Ich muss jetzt wieder los.“, sagte Arina entspannt und verabschiedete sich von ihrer kleinen Freundin. „Ach ja, wenn die Polizei iregndetwas von mir wissen will, du weißt wo sie mich finden können.“

„Ist gut. Ich warte hier noch so lange. Ich bin jetzt eh schon zu spät dran, auf die paar Minuten kommt es nun auch nicht mehr an, dass ich zum Unterricht zurück kehre. Ich hasse Wirtschaft sowieso.“

„Alles klar. Dann bis heute Abend. Tschüss!“

Yuki winkte ihrer Freundin noch so lange nach, bis sie den herbstlichen Park verlassen hatte. Nachdenklich blieb sie stehen und wartete auf die Gesetzeshüter der Stadt.

 

***

 

Sakura saß auf der Treppe, als die Schulglocke den streßigen Schultag beenden ließ. Es dauerte keine fünf Minuten, bis sie ein heftiges Getrampel vernahm und eine ganz Schülerscharr durch den Ausgang hinaus in die Ferien rannten. Schnell stand sie auf und konnte sich noch in Sicherheit retten. Denn wenn sie sitzen geblieben wäre, wäre sie auf jedenfall unter den vielen Füßen ihrer Mitschüler gekommen und dann wäre sie wahrscheinlich und mit großer Sicherheit erst wieder im hiesigen Krankenhaus aufgewacht.

„Was haben die denn alle vor?“, überlegte sie laut, sodass jeder mithören konnte, was sie sagte.

„Hast du es schon wieder vergessen? Ab jetzt beginnen doch die Ferien, du Nuss.“, sagte eine ihr bekannte Stimme.

Sakura schaute sich um. Einige Schüler standen ihr noch im Bilde, doch letztendlich ging auch der letzte Schüler aus dem Schulgebäude hinaus und ein junges Mädchen mit langen grünen Haaren stand mitten auf der kalten, steinigen Treppe. Makoto Sugiyama war ihr Name und sie war die wirklich beste und allerliebste Freundin von Sakura.

„Ah! Hallo, Makoto!“, begrüßte sie ihre Freundin und beide gaben sich einen schmatzigen Kuss auf die Lippen. Auch wenn sie kein Paar waren, so gab es zu jeder Begrüßung der beiden ein freundschaftlichen Kuss.

„Heute habe ich dich den ganzen Tag noch nicht gesehen, Sakura. War heute viel los?“, fragte Makoto ihre Freundin.

„Das kannst du laut sagen, Mako!“, seufzte Sakura.

„WAR HEUTE VIEL LOS?“, wiederholte Makoto ihre Frage jetzt etwas lauter.

Etwas zu laut wohl, denn Sakura hielte sich nach dieser Aktion die Ohren. „Das war laut genung! Ja, ich hatte heute viel zu tun.“, beruhigte sie ihre Freundin.

Makoto nahm Sakura gerne ernst und war für jeden Spaß zu haben. Mit ihr konnte man sogar Pferde(äpfel) stehlen gehen.

„Und worauf wartest du noch?“, fragte sie, als sie ihre Freundin ansah und nicht weiter wusste, was sie Sakura fragen wollte. „Wollten wir nicht nach Harajuku gehen?“

Harajuku liegt südlich von Shinjuku. Es ist als Einkaufsviertel sehr beliebt bei den japanischen Kids, denn dort - so sagt man -, ist das Paradies der jungen Teenager, vor allem der Mädchen. Ein gleicher Viertel, der bei den japanischen Teenager angesagt ist, ist Shibuya.

„Sicher, aber Yuki und Lisa kommen doch noch!“, antworte Sakura.

„Verstehe.“, nickte Makoto. „Du lässt deine Freundinnen auch nie alleine, oder?“

„Nein. Du etwas?“

„Schon gut. Da ist ja die Kleine!“ Makoto zeigte auf ein kleines blondes Mädchen, was gerade vor den Schulhof betrat. Die Kleine, wie Makoto sie nannte, lächelte die beiden Freundinnen an.

„Na endlich, Yuki. Wo hast du denn noch so lange gesteckt?“, fragte Sakura sie gleich.

„Du wirst mir nicht glauben, was mir passiert ist. Beziehungsweise Arina und mir. Das war sowas von cool von Arina wie sie ...“

„Hallo, Yuki.“, unterbracht Makoto Sakuras kleine Freundin barsch.

Makoto mochte jüngere Kindern nicht. Weshalb, wusste sie selber nicht. Vielleicht weil sie nie eine kleine Schwester - geschweige eine kleine Freundin - hatte. Wenn man sie so ansah, konnte man vermuten, dass Makoto auf Yuki eifersüchtig war. Aber das sollte bald vorüber gehen. Ihre Meinung zu Yuki sollte sich bald ändern.

„Oh, hallo, Makoto.“, begrüßte auch Yuki die Freundin ihrer Freundin lächelnd. Yuki mochte einfach jeden Menschen. Egal, wie sie aussahen, was für eine Sprache sie sprachen, oder was sie sonst noch taten. Sie konnte es sich nicht einmal vorstellen, auf Makoto eifersüchtig zu sein. Freunde von Freunden waren auch ihre Freunde.

„Wo bleibt den Lisa?“, wunderte sich Sakura und schaute Yuki wie immer mit ihrem sentimentalen Blick an.

„Ach ja, Lisa hatte heute eher Schluss. Sie ist schon nach Hause gegangen. Ich soll euch ausrichten, dass sie heute Abend kommen wird.“, gab Yuki ihre Nachricht an die zwei Mädels weiter.

„Gut zu wissen.“, gab Makoto von sich.

„Na schön. Dann können wir ja zum Bahnhof gehen.“, sagte Sakura und gemeinsam schlenderten die drei Teenager zum Ausgang des leeren und verlassenen Schulhofes hinaus.

Als sich die Mädchen noch einmal umdrehten und dem Schulgebäude für die Ferien "Tschüss" sagen wollten, hatten sie schon irgendeine geheimnisvolle Ahnung, dass sie innerhalb der Ferien, wieder hier auftauchen würden. Noch keiner von ihnen ahnte, dass es wirklich passieren sollte.

„Also los, zum Bahnhof, Leute!“, befahl Sakura. Noch schnell schnürrten sie ihren Schulranzen fest und maschierten im gleichen Tempo gemeinsam im Gleichschritt zum Yoyogi-Bahnhof, der im Westen Tokyos lag.

„War heute irgendetwas besonderes bei euch?“, fragte Sakura plötzlich in die Runde.

Makoto antwortete als Erste. „Nein?! Wieso fragst du?“

„Ach nur so, Ich wollte bloß, dass wir uns unterhalten. Mehr nichts.“, lachte Sakura.

„Aber mir!“, raunte Yuki ein.

„Ach ja, da war ja noch was. Du wolltest uns ja vorhin dein Erlebniss mi Arina erzählen.“

„Genau! Arina und ich haben einen Verbrecher dingfestgemacht."

„Was?“ Makoto stutze. „Du und Arina?“

„Ja. Heute hatte ich doch eine Freistunde und ...“, begann Yuki ihr heutiges Abenteuer zu schildern. „... und da habe ich Arina im Café besucht. Wir sind dann gemeinsam in den Shinjuku-Park gegangen und dort hat dann ein komischer Kerl eine normale Frau die Handtasche geklaut ...“

„Das sind sie doch alle!“, äußerete Sakura sich.

„Hä?“, fragte Yuki, die nicht verstand, was Sakura wollte.

„Na, Frauen. Wir Frauen sind doch alle normal, oder?“

„Ach so. Ja stimmt!“ Yuki wurde etwas Verlegen im Gesicht.

Doch Sakuras Meinung traf für andere nicht zu - und das sollte sie auch noch erfahren. Nicht jede Frau ist normal. Nicht Yuki, nicht Makoto, nicht ihre Freundinnen und nicht einmal sie selbst.

„Und wie ging es weiter?“, wollte Makoto wissen.

„Äh, ja. Also, Arina stellte sich dem Täter in den Weg und verpasste ihm mehrere Tritte in den Bauch und verprügelte ihn so heftig, dass der Kerl vor lauter Schmerzen fast zusammen gebrochen wäre - oder sogar gestorben wäre ...“

„Du kannst ja ganz schön übertreiben!“, meinte Sakura.

„Doch, ehrlich!“

„Ist ja schon gut. Und du hast dich bestimmt wieder hinter einen Baum versteckt. Habe ich recht?“

„Woher weißt du das? Kannst du hell sehen?“

„Nein, das nicht, aber ich weiß doch wie du bist. Ich kenne alle meine Freundinnen gut genug.“, klärte die 17-jährige mit den roten Haaren Yuki auf. „Ist dann noch etwas passiert?“

„Nichts besonderes mehr. Die überfallene Frau hat uns dann noch zwei Eintrittskarten für das Citypoint mitgegeben.“

Makoto wollte die teuren Karten unbedingt sehen. „Zeig' her!“

Das Citypoint war der angesagteste Club im ganzen Stadtteil Shinjuku. Und jeder der dort war, der ging so schnell nicht wieder nach Hause. Makoto und Sakura waren schon öfters dort gewesen und hatten sich dutzende Jungs geangelt und dann doch wieder in den Teich geworfen. Es war für sie kein passender Freund dabei gewesen. Eigentlich wollten sie schon aufgeben, aber schließen versprachen sie sich mindestens ein mal im Monat abzuhotten, auch wenn es keinen Erfolg auf ein heißes Dates gab.

„Hier!“ Yuki zeigte Makoto ihre Karte.

„Das ist ja super.“, freute sich Sakura. „Heißt das, dass du heute Abend auch kommst?“

„Klar komme ich. Arina wird mich bestimmt abholen. Ich rufe sie später noch mal an.“

Schon bald standen sie gemeinsam vor dem Bahnhof. Yuki schaute auf ihre Armbanduhr, die sie zu ihrem zwölften Geburtstag bekommen hatte und immer noch niegel-nagelneu aussah.

„Der Zug wird gleich da sein.“, behauptetet sie und sah hinüber zu den Gleisen.

Drei Lichter aus weiter Ferne kam näher und wurden für die drei Mädchen sichtbarer. Bald darauf erschien der Zug, der nach Südwesten fuhr und kurze Zeit später mit einem quietschenden Gebremse im Bahnhof anhielt. Yuki öffnete die Türe und stieg ein.

„Wir sehen uns später.“, verabschiedete sich Sakura von ihrer kleinen Freundin.

„Ja, zwanzig Uhr. Bis später!“, sagte Yuki und schon schlossen sich die Wagentüren und der Zug fuhr los. Sakura und Makoto schauten dem ratternden Zug nach, bis die roten Rücklichter nicht mehr zu erkennen waren. Dann marschierten sie in Richtung Harajuku.

 

Fortsetzung folgt Ende November 2010

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alaska1984
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