Biografien & Erinnerungen
Stadtkind - Kindheitserinnerungen Teil 2

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"Stadtkind - Kindheitserinnerungen Teil 2"
Veröffentlicht am 15. April 2010, 6 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
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Stadtkind - Kindheitserinnerungen Teil 2

Stadtkind - Kindheitserinnerungen Teil 2

Beschreibung

Ich blicke zurück auf eine zauberhafte Kindheit, so behütet und so unbeschwert. Die vielen kleinen Ereignisse hatten damals für mich enorme Bedeutung und formten mich schließlich zu dem Menschen, der ich heute bin. Begleiten Sie mich auf eine Zeitreise in die 1960er Jahre und verfolgen Sie in den jeweiligen Fortsetzungen die Entwicklung des Stadtkindes.

Kennt noch jemand diese schweren, häßlich grauen Zinkwannen? Die gab es in verschiedenen Größen und gehörten einfach in jeden Haushalt. An die leichten, farbenfrohen Plastikerzeugnisse war Anfang der sechziger Jahre noch nicht zu denken. In solch ein Monstrum also stellte meine Mutter ein Waschbrett. Es war ein ganz selbstverständlicher Anblick. Wenn sie so mit viel Mühe und Kraft die Handtücher oder Vaters Arbeitssachen schrubbte. Anschließend wurde frisches Wasser aufgesetzt und dann saß ich drin mit Entchen und allerhand anderem Spielzeug. Das brauchte ich unbedingt, denn das Waschen war nur eine lästige Begleiterscheinung. Im Wasser herumzuplanschen und zu manschen, Schiffe versenken, Puppenhohlkörper vollaufen zu lassen, um sie dann spritzend wieder von ihrer Füllung zu befreien; das war was Herrliches! So ganz nebenbei löste sich auf diese Weise auch der Sandkastenstaub.

 So, wie in den meisten Küchen um diese Zeit, setzte sich der Fußboden aus braungestrichenen Dielen zusammen. In regelmäßigen Abständen rutschte meine Mutter bohnernderweise auf den Knien herum. Anschließend wurde mit einem schweren Bohnerbesen blankgewienert; eine Arbeit, die im Zeitalter der  

 

 

Flüssigwachse und Selbstglänzer kaum noch denkbar ist. Ich liebte das „klack klack“ des Besens und den kräftigen Geruch des Wachses.

 Während meine Mutter im Hof Bettwäsche auf die Leine hängte, saß ich mit einer Unmenge kleiner Figuren und Schiffchen in der Wanne. Auch mein Kochgeschirr von Uropa durfte nicht fehlen. Wie lange würde es dauern, bis ich mit den Kochtöpfchen die Wanne leergeschöpft habe? Ob das Wasser gleich in die Ritzen abläuft? Was wird Mutti dazu sagen? Sie wird garantiert schimpfen. Sicher wird sie mich bestrafen.

 Meine Mutter ist eine kleine, temperamentvolle Frau. Wenn sie sich über etwas ärgert, tut sie es lauthals kund. Das war mir auch schon als kleines Kind nicht unbekannt. Trotzdem interessierte mich ihre Reaktion. Ich würde das unwissende Kind spielen, das mit großen traurigen, unschuldigen Augen dem Kanonenfeuer meiner Mutter zuhört. Vielleicht schaffe ich es ja auch, noch ein paar Tränen herauszudrücken, die die Mutter wieder versöhnlich stimmen. Also dann: einmal das Töpfen füllen, über den Wannenrand heben und gaaanz langsam 

 

 

 

 

ausgießen. Und noch einmal: Füllen, heben, gießen …. Füllen, heben, gießen …

Das Wasser breitete sich allmählich in der ganzen Küche aus und es glänzte jetzt viel besser als Mutters Bohnerwachs. Ein interessantes Spiel! Da, plötzlich Schlüsselklappern! Mutti kommt! Mein Herz klopfte heftig. Schnell noch ein Töpfchen voll Wasser über Bord. Jetzt kommts!

„Du liebe Güte! Was ist denn hier passiert?“

Die Mutter holte Eimer und Wischlappen. Dann wurde das Wasser eilig aufgewischt. Was denn, war das etwa alles? Kein Schimpfen, kein Zetern? Nichts?! Na, dann hebt sie es sich vielleicht für später auf. 

Als die Küche halbwegs in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt worden war, holte mich meine Mutter aus der Wanne, trocknete mich ab, half mir beim Anziehen und erledigte danach noch den Rest der Aufräumarbeiten. Dabei fiel kein einziges lautes Wort, kein Vorwurf. Ich wurde lediglich darauf aufmerksam gemacht, in Zukunft doch ein wenig besser drauf achten zu müssen, nicht so viel Wasser zu verschütten. Ich war enttäuscht! Ein bisschen mehr Power hatte ich  

 

 

tatsächlich erwartet. Immerhin war mir voll bewusst, welchen Blödsinn ich da angestellt hatte.

 ***

Fortsetzung folgt. 

 

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Gunda Re: Re: Fehlt ... -
Zitat: (Original von Mysteria am 16.04.2010 - 10:03 Uhr) Kann es sein, daß manchmal nicht alles angezeigt wird? Also ich habe nun keinen weiteren Fehler entdeckt.

Ja, die Waschmaschinen und die vielen anderen großartigen Helferlein, die uns heute zur Verfügung stehen .... und komischerweise hat man trotzdem weniger Zeit.

Auf alle Fälle Dir, liebe Gunda, nochmals vielen Dank! Dein Hinweis neulich war überaus hilfreich.




Im 3D-Modus ist alles da, das hatte ich nicht gesehen, Ilona, weil ich fast immer nur in der Gesamtansicht lese. Jetzt konnte ich die gesamte Story lesen.

lg
Gunda

Vor langer Zeit - Antworten
Mysteria Re: Fehlt ... - Kann es sein, daß manchmal nicht alles angezeigt wird? Also ich habe nun keinen weiteren Fehler entdeckt.

Ja, die Waschmaschinen und die vielen anderen großartigen Helferlein, die uns heute zur Verfügung stehen .... und komischerweise hat man trotzdem weniger Zeit.

Auf alle Fälle Dir, liebe Gunda, nochmals vielen Dank! Dein Hinweis neulich war überaus hilfreich.

Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Fehlt ... - ... da wieder ein Teilstück im Text, Ilona?
Was ich gelesen habe, war wieder sehr niedlich und ... gut nachzuvollziehen. Allerdings war meine Mutter wohl eine der ersten am Ort, die über eine elektrische Waschmaschine verfügten, allerdings noch ohne Schleuderfunktion, dafür gab es dann wieder eine Extramaschine.
Ach, wie gut es uns doch heute geht ...

Lieben Gruß
Gunda

Vor langer Zeit - Antworten
Mysteria Re: So so... - Danke danke! Wird sofort korrigiert.
Vor langer Zeit - Antworten
Gast So so... - da wollte wohl mal Jemand die Grenzen austesten, ja?! Leider hat Mutti nicht mitgespielt, was vielleicht auch besser so war...;-)

Wieder toll geschrieben und ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Allerdings hat sich da ein kleiner Fehler am Anfang der Geschichte eingeschlichen. Da sollte wohl "An" stehen und dabei steht da nur "N".

Ansonsten wieder großartig!
Vor langer Zeit - Antworten
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