Kurzgeschichte
Die Macht der Gedanken

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"Die Macht der Gedanken"
Veröffentlicht am 14. März 2010, 6 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Die Macht der Gedanken

Die Macht der Gedanken

 

 

 

 

Die Macht der Gedanken

 

Sie war niemals einsam. Sie, die die Stimmen, den Schmerz der anderen, das Leiden der Menschen um sich herum hörte. Die Frau schloss die Augen. Sie hatte alles versucht, konnte dem jedoch nicht entfliehen. Nicht den Stimmen, nicht den Qualen, nicht den Gedanken. Es war unerträglich geworden. Suchend blickte sie umher, sich fragend, woher der geflüsterte Schmerz kam. Doch sie konnte keine genaue Quelle ausmachen. Das konnte sie nie. 

Die Frau befand sich in einem dunklen Raum. Die Tapete war an einigen Stellen abgerissen, sodass man den grünen Anstrich darunter erkennen konnte. Leere Flaschen standen in einigen Ecken. Flaschen, deren Inhalt wohl von den Stimmen hätten ablenken sollen, vergebens. Das Flüstern kehrte wieder und war schlimmer als zuvor.

 

Vor der Tür und den Fenstern waren achtlos Kissen und Decken gestapelt, wohl um die Außenwelt von der Frau abzugrenzen. 
Doch jeder Versuch, sich zu isolieren, scheiterte kläglich. 
Die Gedanken der Fremden drangen an ihr Ohr und bereiteten ihr unerträgliche Schmerzen. Zahlreiche Stimmen flüsterten ihr Leid. Weinende Kinder, streitende Paare, Sterbende. Bloß das Glück und das Lachen waren Dinge, die ihr fremd waren. Davon war bloß der Funken einer Erinnerung übrig; zu schwach, um ihn wieder hervor holen zu können. Die Augen der Frau, in denen die Tränen wie Edelsteine funkelten, irrten weiterhin im Raum umher. Sie atmete schwer. Ihre Welt bestand bloß aus dem Schicksal von Menschen, denen sie nicht einmal begegnet war. Aus der Welt derer, die ihr Leben zu einer Qual machten. Sie hasste sie, die anderen.

 

 „Nein! Lass sie gehen...lass sie frei...“, erklang ein Flehen in ihrem Kopf. Jemand schrie. Die Frau presste ihre Hände auf die Ohren, um den grausamen Laut zu ersticken. 
„Das können sie ihr nicht antun!
“, schluchzte die Stimme in einen Schrei hinein. „Nicht ihr...bitte...bitte verschont sie...sie hat doch gar nichts getan!“ 

Eine kalte, harte Stimme erklang und lachte die Fremde aus. Dann kam die Dunkelheit.
Tränen liefen nun unaufhörlich die Wangen der zarten Gestalt hinab. Ihre Augen waren gerötet, der Körper schwach. Doch die Visionen achteten nicht auf ihren Zustand. Sie kamen und gingen. Es war ihnen egal, dass sie an ihnen zerbrach. Sie war ihnen egal. Sie war bloß eine Frau mit einer grausamen Gabe.
„Schaff dieses Ding fort! Bring es weg. Hast du mich gehört? Ich will es nicht mehr sehen.“, schrie jemand. 

 


Wieder erklang ein bitterliches Schluchzen. „Ich...ich kann nicht...warum verstehst du das nicht? Ich...kann es nicht.“ Ein klatschendes Geräusch hallte durch einen Raum. 
Dann konnte man das Klingen eines Messers hören, welches gezogen wurde. Den Schrei eines Babys. Schwärze.

Sie konnte nicht mehr. Verloren im Leben der anderen, nahm sie kaum mehr die Realität um sich herum wahr. Nicht das Rauschen der Autos, die auf der Hauptstraße fuhren, nicht die Sirenen der Krankenwagen, nicht den Regen, der gegen die Fensterscheiben prasselte. Ihr war wohl nicht einmal mehr bewusst, wer sie überhaupt war. Sie war nur noch eine Hülle. Ein Platz für all die verlorenen Seelen, die von ihr zehrten.Der Ohnmacht nahe, strich sie sich eine Strähne aus dem Gesicht und schluchzte.

 

Dann brach sie zusammen und die Schlinge, die sie zuvor um ihren Hals gelegt hatte, zog sich zusammen.

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Whisper

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Mani Sehr viel Talent vorhanden - Ich bin beeindruckt von der erzeugten Spannung und dem flüssigen Schreibstil.
Vor langer Zeit - Antworten
LizardKing wirklich sehr gelungen - Spannend und sprachlich eindrucksvoll.
Vor langer Zeit - Antworten
UteSchuster spannend bis zum Schluss - komisch eigentlich, weil man den Selbstmord ja ahnt. Schrecklich und ganz tragisch, wie oft gibt es das in der Realität.

Liebe Grüße Ute
Vor langer Zeit - Antworten
Whisper Kommentar vom Buch-Autor gelöscht.
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Wow - Mit dem Selbstmord zum Schluss habe ich zwar gerechnet (die Art, wie du die Verzweiflung der Frau beschrieben hast, ließ nur diesen Schluss zu), aber die Schlinge habe ich nicht erwartet und dann auch noch in einer so gekonnten Form. Bis zum Ende dazu von den Stimmen getrieben. Super.

LG
Luzifer
Vor langer Zeit - Antworten
Joesieg7 Es sind wahrscheinlich nicht nur die Stimmen die sie hört so schlimm, sondern auch die Einsamkeit. Keiner ist bei ihr und hört ihr zu oder lenkt sie ab. Das muß wirklich schlimm sein und wie vielen Menschen wird es auch so gehen und es werden war scheinlich in dieser Zeit immer mehr. Da kann man nur Gott danken das es uns so gut geht. Sei lieb gegrüßt von Elke
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Gast Eine tragische und traurige Geschichte und doch so wundervoll und außergewöhnlich geschrieben, dass man sie nicht vergessen kann.
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