Beschreibung
Kl. Story die ich bei Nachbarn als Kind erlebte...
Kleine Erlebnisse bei Nachbarn
Wunderheilung und Muschelschreck
Ich will doch schnell mal von Tante Lotte und Onkel Ernst erzählen, die bei uns oben im Haus auf der Kirchstraße wohnten. Insgesamt wohnten vier Familien in dem Haus, und alle verstanden sich gut wie in einer großen, glücklichen Familie.
Tante Lotte war eine sehr liebe und auch kluge Frau und ich war gerne dort oben zu Gast. Sie hatte immer eine kleine Leckerei für die Kinder im Haus, einen unbeschreiblichen Humor, und nichts konnte sie jemals aus der Ruhe bringen.
Ihr Mann, Onkel Ernst hatte immer die tollsten Späße auf Lager. Er turnte oft mit mir herum, dass ich mir vorkam wie ein Artistenkind, ließ mich durch die Luft wirbeln machte fröhliche Musik und konnte die schönsten und spannendesten Geschichten erzählen. Dann lächelte die liebe Tante immer verständnisvoll und sagte nur leise:„ Der Schlangenmensch ist wieder da“. Sie war diese ständigen Aktionen gewohnt und hatte auch ihre Freude daran.
Bei ihr aß ich auch oft was ich zu Hause verschmähte, aber das lag wohl eher daran, dass ich durch so manche witzigen Einlagen einfach abgelenkt war, oder mich auch mit Sohn und Tochter gut verstand.
Holte Onkel Ernst, der Spaßvogel aber den große Einmachkessel aus dem Keller, so packte mich immer ein wenig das Entsetzen das aber auch aus einer Portion Neugier und ängstlichem Misstrauen bestand. Dieser Kessel wurde immer hervorgeholt wenn er für viele Menschen Muscheln machen wollte. Bei solch einer Gelegenheit hatte er mir mal erzählt dass diese Tierchen quieken sobald sie in das heiße Wasser gekippt werden. Diese Vorstellung hatte mir solchen einen Schrecken eingejagt, dass ich immer die Flucht ergriff sobald ich diesen Kessel sah. Die Erwachsenen hatten jedenfalls immer ihren Spaß und amüsierten sich köstlich wenn sie erkannten das ich wieder vor Grausen zur Flucht ansetzte, um die armen Muscheln nicht hören zu müssen. Lebendige Tiere kochen? Eine schreckliche Vorstellung für mich. Das konnten sie doch nicht tun. Allerdings hat mir keiner verraten ob das wirklich so ist aber da traute ich ihm nicht.
Tante Lotte hatte auch Wunderwaffen. „ Mein Sonnenscheinchen, komm mal her“, sagte sie immer beim Anblick meiner dick geschwollenen Wange, wenn ich wieder mal von heftigen Ohrenschmerzen gepeinigt wurde. Wenn alle Medizin versagte und keiner mehr Rat wusste, wie dem weinenden Kinde zu helfen und die Schmerzen zu lindern wären, dann fiel ihr immer das ein. Sie hatte ein kleines, geheimes Schränkchen in dem sie ihre „Wundermedizin“ aufzubewahren pflegte. Wenn ich so sehr weinte dass es einen Stein zum Erweichen gebracht hätte , und jeder um Fassung und Hilfe bemüht war dann steckte sie mir ein in Alufolie eingewickeltes Stück Schokolade oder ein Bonbon in das warme Tuch an der kranken Seite das mir meine Mutter schon schön angewärmt als Hilfemaßnahme um den Kopf geschlungen hatte.
Ein Wunder geschah - ich kann es nicht erklären aber schlagartig wurde das jämmerliche Weinen leiser und weniger - der Schmerz schien etwas nachzulassen. Diese Wunder geschah mehrfach, auch wenn es nicht zu erklären war, diese Art von Hilfe war einfach wunderbar.
Wenn ich das heute recht bedenke dachte ich es nur, weil von echter Schmerzlinderung gab es in Wahrheit gar keine Spur. Wie so oft, hatte wohl der Glaube hier auch Berge versetzt. Bei so einem Wundermittel mussten die Schmerzen ja nachlassen oder besser werden. Wunschgedanke? Bestimmt war es so.
Ich lernte aber, dass alles einfacher ist zu ertragen wenn man von solch liebevoller Zuwendung begleitet wird.
Will heute noch Tante Lotte danken die meine Wehwehchen öfter so bezwang. Das sind kleine alltägliche Geschichtchen, aber ich vergesse sie nicht mein Leben lang.
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