Beschreibung
Elf Freunde müsst Ihr sein wenn ihr Siege wollt erringen...
Meine Mutter hätte gesagt: „Wie eine Tüte Doof“.
So standen wir nämlich auf dem Rasen herum, und belauerten uns.
Wir wollten alle Fußball spielen, dass Problem war nur, keiner konnte es eigentlich „richtig!“.
Was wir nicht konnten war also schon eine ganze Menge.
Aber das wusste unser neuer Trainer.
Er wusste zum Beispiel, dass wir alle irgendwo aussortiert worden waren, alle Jungs die hier herumstanden wie „eine Tüte Doof“ waren der Ausschuss.
Wir hätten uns genauso gut irgendwo hinsetzen können, denn das taten wir sowieso die meiste Zeit.
Wir waren die Bankwärmer, die mit den zwei linken Beinen und dem Ballgefühl einer schwangeren Seekuh.
So standen wir nun rum, und ich fingerte mir wie immer ziemlich nervös an meiner Glückskette herum.
Das hatte mir auch meinen Spitzennamen eingebracht: „Kette“.
Mehr aber auch nicht.
Die einzigen Gelegenheiten bei denen ich den Namen hörte war: „Kette jetzt mach doch mal!“ oder: „Oah Kette! Was war das denn!“.
So war das eben.
Mein letzter Trainer, der Ralf, der hatte mich mit den Worten verabschiedet: „Tut mir ja echt leid Kette, aber wir wollen ja auch mal Meister werden nich?“, und meine Mama hatte mich bei meinem neuen Trainer angemeldet, damit ich überhaupt weiterspielte.
Für meine Mama war Fußball nämlich anscheinend die einzige Möglichkeit, an einer weißen Linie zu stehen und nach Leibeskräften zu Brüllen.
Warum spielte Sie nicht einfach selbst Fußball?
Und hier standen wir nun, ein neuer Trainer, neue Spieler, kurz: wir sahen aus wie ein Haufen Elend in Stutzen.
Ich beäugte neugierig das was so in meiner Nähe stand, und irgendwie hatte ich doch den Eindruck, das es denen genauso elend war und es ihnen verdammt noch mal genauso beschissen ging wie mir.
Wenigstens eine Gemeinsamkeit.
Aber einen Lichtblick gab es doch.
Gerade kam mein neuester und bester Kumpel Alex auf den Platz gedonnert und sprang mitten in der Fahrt von seinem Mountainbike herunter.
Dann schlenderte er mit dem zerfetzten Rucksack auf seinem Rücken zu mir herüber, während sein Fahrrad allein weiterfuhr und schließlich in die Rosenhecke donnerte.
Dort blieb es mit eierndem Vorderrad liegen.
„Jo!“ begrüßte mich Alex, und ließ seinen Rucksack einfach von den Schultern auf den Boden krachen.
Boah war der cool!
Ich wäre nämlich auch gern so cool gewesen wie er, aber irgendwie kam mir bei jedem Versuch so zu sein wie er etwas dazwischen und ich machte mich gehörig zum Horst.
Alex nicht, Alex war cool wie die Sau.
Wir unterhielten uns kurz, wie immer über Dinge die irgendwie total uninteressant waren, nur um die Zeit totzuschlagen, denn in fünf Minuten sollte der neue Trainer auftauchen.
Ich hatte ihn schon genau vor Augen.
Stählerne Augen, abgenutzte Fußballschuhe, und eine Silberne Pfeife um den Hals.
So würde er durch das Tor kommen, nein! Schreiten!, Pakete von Muskeln an den Beinen und eine Technik die selbst Ronaldo würde erblassen lassen.
Allerdings ging meine Phantasie mal wieder mit mir durch und der Kerl der in diesem Moment durch das Tor gelatscht kam, war sicherlich nicht die Ausgeburt meiner Vorstellungen.
Dieser Typ war genau das Gegenteil.
Sein Bauch war doch recht beachtlich, seine Haare wurden dann doch schon ein wenig grau, und seine Fußballschuhe waren Nagelneu.
Aber die Pfeife, die silberne, die hatte er tatsächlich.
Na wenigstens etwas.
Er blieb stehen, und sah sich um, dann blickte er zurück, als wartete er auf jemanden.
Dieser jemand kam just in diesem Moment mit dem Kopf voran durch die Gittertür gestolpert weil er über seinen Vereinsrucksack gefallen war.
Er trug eine Torwartmontur, und war der kleinste Torwart den ich in meinem Leben je gesehen hatte, und ich war schon ein Stoppelhopser erster Kajüte.
„Wat will der denn!“ grunzte Alex langsam: „Fliegen fangen oder was?“.
Boah das war wieder so Cool!
„Genau!“ sagte ich deshalb nur, denn ich wollte ja auch cool sein.
„Genau was?“ wollte Alex trocken wissen.
„Weiß nicht?“ erwiderte ich langsam, dass war wieder in die Hose gegangen.
„Das isser!“ sprach Alex weiter.
„Jo! Sieht so aus“ sagte ich nur.
Inzwischen waren die anderen Jungs aus unserem abgerissenen Haufen auf den gleichen Trichter gekommen, und scharten sich so langsam in unsere Richtung zusammen.
Der neue Trainer kam uns entgegen, im Schlepptau mit dem kleinsten Torwart der Welt.
Er grinste.
Ja Toll! Dachte Ich: wenigstens einer hat seinen Spaß!
Ich konnte Ihn von Anfang an nicht leiden.
Er stellte sich uns vor.
„Tach Mädels! Ich bin der Bernd, aber ihr könnt Balu zu mir sagen, das macht jeder der mich kennt, und nu kennen wir uns ja, nich wahr?“
Na Super! ein Scherzkeks war er auch noch.
„So ! Ihr seid also die neue E IV was? ich soll euch ab sofort trainieren und mal gucken, vielleicht reißen wir in der kommenden Saison ja noch was oder!?
Die einzige Reaktion war unverständliches Gemurmel, sonst nix.
„Wir sind nich gut!“
Das war ein komischer kleiner Kerl, der irgendwie an einen Kobold erinnerte.
Balu grinste.
Boah war das fies!
„So Kleiner Mann Ihr seid nicht gut Hm?“
Der kleine Kobold nickte.
„Na das woll´n wir doch mal sehen nich?“
Ratlose Gesichter schien in Mode zu kommen.
Balu scheuchte uns mit einem Wink seines Kopfes auf den Platz, und schlurfte uns hinterher, indem er einen Ballsack hinter sich her zog
Wir trottelten also voran, und während er fröhlich pfeifend folgte, sank in mir der Mut schneller als der Wasserstand bei Ebbe.
Das konnte wieder einmal nur in die Hose gehen.
Mitten auf dem Platz ließ er den Ballsack liegen, und stemmte die Arme in die Hüften.
„So!“ strahlte er: „Dann macht euch mal warm!“
„Was solln wir denn machen?“ fragte der kleine Kobold.
„Na warm machen?“ das klang wie: „Wie jetzt keine Ahnung oder was!“
Der Pulk setzte sich in Bewegung und trabte einfach so los, jeder in eine andere Richtung.
Da ich als letzter in die Füße kam, hörte ich hinter mir ein Seufzen.
Dieses Seufzen war kurz und verzweifelt, und darauf folgte ein Pfiff aus der Trillerpfeife, der einem durch Mark und Bein ging.
„Nee Jungs, so geht das nicht! Kommt mal alle wieder her!“
Einige Jungs murrten.
„Was denn nun, warm machen oder nicht!“
Bernd „Balu“, unser neuer Trainer, schien die Hoffnung bereits begraben und gesegnet zu haben.
„Ich werde einfach mal von Null anfangen!“ sagte er lächelnd, „macht doch mal einen Kreis, und setzt euch, damit wir uns ein wenig besser kennen lernen!“.
Und das taten wir dann.
Ich war als erster dran, typisch! Und musste mich den anderen vorstellen indem ich aufstand und meinen Namen sagte.
„Ja, hallo? Ich bin Heiko, und alle sagen Kette zu mir!“.
Dann setzte ich mich schnell hin, denn das war schon peinlich genug gewesen.
Nicht in den Augen von Balu.
„Ja Moment, das ist alles?“
„Öh ja?“ erwiderte ich.
„Achso? Und was hast Du gespielt?“
„Fussball“ antwortete ich verlegen, weil mir nichts Besseres einfiel, ich war eh immer nur der Notnagel wenn mal einer krank war oder so.
„Also Stürmer?, Mittelfeld?, Verteidiger?“ Balu wollte es genau wissen, der war mir gleich eine Spur zu hartnäckig.
„Ja!“ sagte ich deshalb.
„Der war Linksdraußen!“ kam es hämisch von irgendwo, und ich errötete bis in die Haarspitzen, was kein Thema war, denn ich hatte ja eh feuerrote Haare, und Recht hatte der Zwischenrufer auch.
„Und du?“ wollte Balu trocken wissen.
„Ich?, ja ich heiß Rudi, und ich war nämlich Mittelfeldspieler!“
„Ja weil Du da nix verkehrt machen konntest!“ sagte Alex, und kaute gleichzeitig höchst interessiert an seinem Daumennagel.
„Das ist gar nicht wahr!“ ereiferte sich Rudi.
„Ist wohl war!“ entgegnete Alex „Hat dein Papa selber gesagt!“.
Rudi setzte sich wieder hin und war den Tränen nahe.
Balu nickte allwissend, und tat etwas, dass keiner erwartet hatte.
„Jungs!“ sagte er ernst: „Wir fangen jetzt ein neues Leben an“.
Häh?
Jetzt war der Typ nicht nur noch suspekt, sondern auch noch durchgeknallt!
Wie sollte das denn funktionieren, sollten wir uns klonen lassen?
„Fangen wir doch einfach damit an, das wir vergessen was wir bisher konnten, wir beginnen jetzt bei Null, und steigern uns Stück für Stück.“
Das klang immerhin ein wenig logisch.
„Und wie?“ fragte Rudi
„Hast´n Spitzennamen?“
„Ja“.
„Und?“
„Matte!“
„Warum?“
Rudi deutete auf seinen dichten Haarschopf, der tatsächlich ein wenig wie ein brauer Flokati Teppich aussah.
„Achso!“ meinte Balu grinsend, und deutete auf seinen recht beachtlichen Bauch.
„Darum Balu!“ sagte er und grinste nur noch breiter.
Rudi musste unwillkürlich auch grinsen.
„Is Klar Mann!“
So hatte schließlich jeder seinen Spitzennamen, und Balu verlangte, dass wir uns nur noch so anredeten während des Spiels, und überhaupt.
Dann stand er auf, ging zum Ballnetz, und kippte es aus.
„So!“ sagte er mit einem viel versprechenden Nicken.
„Jetzt gehtÂ’s ab!“
Mit „ab“ war wohl in den ersten Minuten eher „abwärts“ gemeint.
Wir sollten uns jeder einen Ball schnappen, und den Platz rauf und runter traben, mit dem Ball am Fuß.
Leichter gesagt als getan.
Ich hatte damit keine Probleme, eher der Ball, denn meine Füße waren irgendwie immer dann nicht da, wenn der Ball da war und umgekehrt.
Aber das war ja nichts Neues für mich.
Von der Seitenlinie kamen Ratschläge und Hilfen von Balu, und manchmal hörte man nur: „Nein nein nein, komm mal her ich zeig das mal!
Diese Rufe kamen, je länger wir so dahertrabten immer öfter.
Dann sollten wir zeigen wie wir auf das Tor schießen das Balu geöffnet hatte, und jetzt kam der kleinste Torwart der Welt ins Spiel.
Da stand er: die Handschuhe waren so groß das sie ihm fast bis zu den Ellenbogen reichten, und die Hose war eine lange wie kurze Hose zugleich, kurz: er sah aus wie eine Disney Parodie von Oliver Kahn.
„Das ist ja lächerlich!“ meinte Matte lässig: „Den hau ich doch durch die Maschen!“
Balu stand hinter ihm, und zerstrubbelte das was ihm seinen Spitzennamen eingebracht hatte.
„Denn man zu!“ sagte er nur: „Jeder hat drei Schuß, jeder verschossene oder gehaltene Ball bedeutet zehn Liegestütze, kein Treffer zwei Runden um den Platz!“.
„nicht für mich!“ höhnte Matte, und legte sich den Ball hin.
Der kleine Disney Kahn stand verloren in seinem riesigen Tor.
Matte setzte in einem Halbkreislauf an, und donnerte den Ball direkt auf den kleinen Kahn.
Es gab ein kurzes „Plopp!“ und er hielt den Ball in den Händen.
„Glück!“ knurrte Matte.
„Jaja!“ meinte Balu lässig.
Der zweite Schuss kam zwar hart, aber völlig unkontrolliert, weil Matte den Ball nicht wirklich gut getroffen hatte.
Er eierte zuerst halbhoch durch die Luft, bekam aber dann einen merkwürdigen Drall, und machte einen scharfen Schlenker.
„Hah!“ hörte man Matte schreien.
Dann geschah etwas das niemand erwartet hatte.
Der kleine Kahn schien von einem unsichtbaren Riesen geworfen worden zu sein, und flog blitzschnell in die rechte Ecke, wo er den Ball kraftvoll neben den Torpfosten faustete.
„Das gibtÂ’s doch nicht!“ entfuhr es Matte erschrocken wie verblüfft, und er blieb wie angenagelt stehen, um zuzusehen, wie der Disney Torwart sich wieder aufrappelte nachdem er mit einer zugegeben coolen Rolle gelandet war.
„Alter Falter!“ entfuhr es Alex.
„Boah! War der…“ einigen blieben die Worte im Hals stecken.
„OH!“ sagte Balu beinahe nebensächlich: „Das ist mein Sohn Fred, sein Spitzenname ist: “Katze“.
„Wie alt ist der?“ wollte Matte wissen, scheinbar vermutete er ein Komplott.
„Sieben!“ erwiderte Balu.
„SIEBEN?“ echoten wir alle, und starrten den kleinen Kerl an als hätte er sechs Arme und einen Raketenrucksack.
„Jo!“ sagte Balu, und wurde von Katze unterbrochen, der ungeduldig schien.
„Wat is nu!“
„Jaja!“ rief Balu und machte eine besänftigende Geste.
„Dein letzter Schuss“ forderte Balu Matte auf, und legte ihm den Ball hin.
Jetzt war Matte nicht unbedingt sicher, ob es ratsam wäre noch zu schießen, denn schließlich stand er inzwischen bei zwanzig Liegestützen und haderte mit dem Gedanken im Anschluss auch noch zwei Strafrunden zu laufen.
„Kann ich aussetzen?“ Fragte er .
Balu schien das zu genießen und erwiderte: „Nö!“.
Matte wirkte jetzt langsam verzweifelt.
„Na gut!“ murmelte er knurrend, und setzte zum letzten Schuss an, der knallhart abging und hoch über das Tor hinweg schoss.
„Darf ich bitten?“ meinte Balu, und wies auf den Boden.
„Zwanzig bitte! Und anschließend zwei Runden, viel Spaß der Herr!“
Nachdem Matte die Stirn runzelnd von Dannen gezogen war, bat Balu auch uns zu schießen.
Es war wie verhext.
Der kleine Kasper im Tor schien nicht im Geringsten beeindruckt, und scheinbar unüberwindbar zu sein.
Entweder dräute es mir, war der echt klasse – oder wir waren total Beschissen.
Nun drängten sich Fragen nach der Herkunft dieses kleinen Kerls auf.
„Das ist mein Sohn“ erklärte Balu stolz.
„Und der spielt für uns?, das ist ja Klasse !“ kam es aus allen Reihen.
„Das ist ein klarer Fall von Fehlanzeige!“ klärte Balu uns auf, „ Katze ist nämlich noch F Jugend Spieler, und kann deswegen nicht bei uns mitmachen!“.
Eine Katastrophe jagte die andere, so konnte man es ganz real sehen.
Außer langen Gesichtern war also nicht mehr viel zu machen.
„Aber das ist auch egal!“ fuhr Balu fröhlich fort: „Wir sind ein Team, und wir können auch ohne Katze gewinnen!“
Da passierte etwas, das mir zuvor nie passiert war: mir platzte gehörig der Kragen.
Ohne im geringsten darauf zu achten was die anderen von mir hielten oder welche Konsequenzen mir daraus entstehen würden, fuchtelte ich wild mit den Händen, und schimpfte los:
„Jetzt hör mal zu Mann!“ brüllte ich wütend: „Wir sind der Rest vom Rest, wir können überhaupt nicht gut genug spielen und überhaupt! Uns will ja doch keiner haben!“
Balu wollte etwas einwerfen fiel mir auf, aber ich war nicht zu stoppen.
„Wir werden nie ein Spiel gewinnen, wir sind nämlich alle zu doof zum Fußball spielen, das sagt jeder, sogar unsere Eltern manchmal!“
So, das hatte gesessen.
Aber Balu lächelte.
Tatsächlich brachte dieser Kerl es doch glatt fertig, nach meinem Wutausbruch auch noch zu lächeln!, der machte mich echt fertig der Typ!
„Tja!“ sagte er nur, und sein Grinsen wurde immer breiter.
„So wie ich das sehe, seid ihr ein Haufen Memmen mit Röckchen, der einfach nur zu feige ist, den Hintern hoch zu kriegen, und lieber jammern und heulen anstatt sich mal den Arsch aufzureißen, aber mir solls egal sein, ich bin ja nicht so einer wie ihr, also dann Jungs! Fröhliches Selbstmitleid noch!“
Er schnappte seinen Ballsack, und schien einfach zu gehen!
Zuerst herrschte Stille, und dann…
„Sind wir gar nicht!“ rief einer
„Ich bin keine Memme mit Röckchen klar?“ rief Alex wütend.
„Und ich auch nicht!“ schrie ich.
„Was´n hier los?“ wunderte sich Matte, der die erste Runde hinter sich hatte.
„Du bist ne Memme mit Röckchen!“ klärte einer der Jungs ihn auf.
„Wills´te eins aufs Maul?“ fragte Matte beleidigt.
„Nö!“ erwiderte der Gefragte.
Balu schien das nicht im mindesten zu kümmern, er setzte seinen Weg samt Ballsack in Richtung Tor weiterhin fort.
„Der haut ab!“ ereiferte sich Matte.
„Tatsächlich“ sagte Alex verblüfft.
„Scheiße!“ gab ich zu.
„Der ist auch nicht besser als alle anderen Trainer die wir hatten“ gab der kleine Kobold von sich, und setzte sich ins feuchte Gras.
Auf einmal, als ob Balu das gehört hätte, blieb er stehen.
Einfach so.
„Oh oh!“ sagte ich: „Das hat er gehört!“.
Und tatsächlich, er drehte sich um, hob den Zeigefinger, und zeigte auf den kleinen Kobold mit der schnellen Zunge.
„Du! Wie heißt du!“
„Äh – Dirk?“
„Und dein Spitzenname?“
„weiß nicht, hab keinen!“
„Okay?, ich sag dir jetzt mal was Frodo!“
Alles kicherte, das passte irgendwie wie Faust auf Auge.
„Du und deine Jungs da!“ er wies in die Runde und uns war klar, dass alle damit gemeint waren.
„Du und deine Jungs da, sollten sich mal gründlich überlegen was Ihr wollt, Fußball oder nicht, gewinnen oder die Verlierer sein, arbeiten oder rumluschen und die peinlichen Stolperer bleiben die ihr jetzt seid, und dann!“ er machte eine unheilschwangere Pause: „Dann könnt ihr zu mir kommen und mir erklären was Ihr wollt!, ich geh jetzt eine Rauchen!“.
Sprachs und verschwand hinter dem Gebäude in denen sich die Kabinen und der Ballraum befanden.
„Toll!“ äußerte ich mich als erster „Das hast Du ja super hingekriegt!“
„Frodo find ich geil!“ erwiderte Frodo nachdenklich.
„Er hat uns nicht gleich angeschrien!“ gab Alex zu bedenken.
„Und er ist nicht abgehauen!“ vollendete Matte unsere Gedanken.
Die anderen stimmten ein.
Jemand hatte sich zu uns gesellt.
„Er ist auch gar nicht so verkehrt für einen Erwachsenen“.
Das war Katze, und wir sahen zu wie er lässig die Handschuhe auszog.
„außerdem ist er wirklich gut, merkwürdig manchmal, aber gut!“.
„Das blöde ist:“ erklärte Frodo „Er hat ja Recht mit dem was er sagt, wir sind eigentlich ein Haufen Looser sonst nix!“
„Geben wir ihm doch eine Chance!“ schlug ich vor.
„Eher umgekehrt!“ belehrte mich Alex weise „Wir können nur hoffen, dass er es tut…“
Also schlichen wir in einer merkwürdigen Prozession hinter das Gebäude, und auf Balu zu, der gemütlich auf einer Holzbank saß, die Füße auf seinem Ballsack und rauchte.
Unsere unzweifelhaft nervös dreinblickende Gruppe scharte sich jetzt also um Balu, und Matte ergriff einfach das Wort, für uns alle war bereits klar, dass er der Anführer sein würde.
„Also!“ begann Matte und drehte verlegen an den Knöpfen seiner Jacke.
„Ja?“ fragte Balu gelassen.
„Ja das ist nämlich so: wir wollten Dich darum bitten noch mal von vorne und so, weil wir ja spielen wollen und ohne Trainer und das alles geht das ja auch schlecht, und…“
„Ja?“ der genoss das glaube ich total.
„Ja und wir wollten uns entschuldigen und wir machen jetzt auch mit und so…“
„Und?“
„Wie und!“
„Mir fehlt da noch eine Kleinigkeit“.
„Achso?“
„Ja!“
„Naja!“ meinte Matte und wir hatten glaube ich alle den Eindruck, dass ihm der nächste Satz echt schwer fiel.
„Wir wollen ein Team sein!“
Balu grinste jetzt etwas breiter.
„Tja Jungs, worauf warten wir dann noch!“
Die Erleichterung konnte man tatsächlich spüren, es war wie ein lauter Seufzer der durch unsere Bäuche fuhr.
„allerdings nicht mehr heute“ sagte Balu da überraschend und stand auf.
„Für Heute ist Feierabend, ich geb euch allerdings noch eine Hausaufgabe!“.
„Was?“ stöhnte Alex erstaunt: „Beim Fußball auch noch Hausaufgaben?“
„So ist es meine Herren!“ sagte Balu ernst: „Ich möchte das Ihr euch einen Schlachtruf ausdenkt, und ihn aufschreibt, beim nächsten Training will ich dann so einen Zettel haben!“.
Er schwenkte einen Briefbogen vor unserer Nase herum, und gab ihn Matte in die Hände.
„Füllt das aus, und bringt es zum nächsten Mal mit okay?“
Wir nickten und jeder war neugierig darauf was wohl auf dem ominösen Zettel stehen mochte.
So bildete sich um Matte eine große Traube Neugieriger und als wir wieder aufschauten, war Balu verschwunden.
„Komischer Typ“ meinte Flippper, der eigentlich Phillip hieß, aber seit er mal beim Schwimmen mit einer Unterhose mit Delphinen drauf aufgetaucht war, hieß er eben so.
Die anderen nickten, so einer war ihnen auch noch nicht untergekommen.
Und ich hatte ein Problem.
Eigentlich mochte ich den Kerl den ich nicht mochte doch irgendwie.