
Das kann jedem passieren, der es vorgezogen hat, im Ausland zu leben. Da versteht der deutsche Staat keinen Spass, aber lest selbst.....
So, dann gehts mal los. Saisonende ist angesagt, da bleibt mir endlich einmal Zeit für mich. Mein kleiner Enkel feiert seinen 8.Geburtstag, da ist eine Überraschung fällig. Ich war lange nicht mehr in Deutschland, da freut er sich bestimmt. Die Fahrt dauert ja nicht so lange. Je näher ich der Alpengrenze komme, um so mehr erinnere ich mich, warum ich nicht mehr auf der Nordseite lebe. Nach wunderschönem Sonnenschein, wird es hier immer dunkler. Je näher ich meinem Ziel komme, umso trüber wird es und der Regen wird immer stärker. Na, dann werde ich erst einmal meine Tochter im Geschäft überraschen. Sie weiß zwar, dass ich die nächsten Tage komme, aber nicht dass das schon heute ist. Sie hängt gerade am Telefon und als sie mich entdeckt, geht ein Leuchten in ihren Augen auf. Wenigstens schein ich willkommen zu sein. Sie ist dann auch gleich fertig und es kann nach Hause gegen. Der kleine ist ganz aus dem Häuschen, endlich hat er seine Oma mal wieder, mit niemandem macht das Kuscheln so viel Spaß.
Die nächsten Tage verfliegen wie im Flug. Nach mehr als einem Jahr will ich einige Punkte aufsuchen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Auch mit Enkelchen, weil er es sichtlich genießt, unterwegs zu sein.
Dann kommt der Tag der Tage, der 8.Geburtstag:
- Kleiner Mann wird in die Schule gebracht
- Mama und Oma gehen noch einkaufen
- ausgiebiges Frühstück und anschließendes Vollbad
Lautes Klingeln stört plötzlich die Ruhe. Meine Tochter soll runter kommen, ein Paket wird angeblich abgegeben. Sie kommt ganz aufgelöst hoch, die Polizei würde mich sprechen wollen. Kann nur ein Irrtum sein!!! Ob ich Frau N. bin, ob ich einen Ausweis habe. Klar, der war doch irgendwo........ach hier, na klar bin ich die. Warum sollte ich es auch leugnen, ich hab ja nichts zu verbergen. Wenn ich in D wissentlich etwas ausgefressen hätte, würde ich wohl kaum so unbedarft hier durch die Gegend spazieren. So, die Dinge können ihren Lauf nehmen....................
.....angekommen auf dem Revier, wurde mir dann der Haftbefehl vorgelesen. Es lagen 3 davon gegen mich vor. Da gab es wohl jemanden, der dachte, noch Geld von mir zu bekommen. Einer hatte mich angezeigt, dass ich ihm etwas verkauft hatte, dies aber nie angekommen sei. Die anderen beiden waren offene Rechnungen. Nun ja, jetzt soll mir mal jemand sagen, dass man dafür nicht eingesperrt werden kann. Falsch vermutet, wenn man keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat. Für die Justiz heißt das: obdachlos und ohne Einkommen. Mein Ganztagsjob seit 3 Jahren im Ausland zählt da nicht. Also Verdunklungsgefahr, daher Haft bis zur Verhandlung. Es gilt auch nicht, dass ich übermorgen an meinem Arbeitsplatz zurück erwartet werde und mich dies meinen Job und somit mein sozialer Abstieg bedeuten könnte. Wie denn auch............bin ja obdachlos und ohne Einkommen. Also erstmal ab in die nächste JVA, gesetzlich kann das bis zu 3 Monate dauern, kann sogar auf 6 Monate verlängert werden. Meine Tochter will sich darum kümmern, dass im Ausland alles geklärt wird. Wie denn, ich bin die einzig ganzjährig Verdienende. Das kann böse enden. Was wohl mein Arbeitgeber darüber denkt und wie er entscheiden wird?..................Fortsetzung folgt.
Es muss doch irgendwo ein Knopf zum Umschalten sein, dies hier kann doch keine Realität sein!!! Ich sitz hier in einem Kleinbus und schau durch Gitter nach draußen. Die bringen mich jetzt in eine JVA, damit ich auf eine Verhandlung warte.
Angekommen werd ich erst einmal in einen Glaskasten verfrachtet, wo ich warten muss. Dann nach 1 Stunde werd ich von einer Beamtin abgeholt, die mich in ein kleines Kämmerchen führt mit Dusche. Jetzt muss ich mich total entkleiden und kann auch vor den Augen der Beamtin duschen. Dann werden alle meine Habseligkeiten aufgelistet und ich bekomm Allerweltskleidung ausgehändigt, Einheitstracht für Alle. Dann bekomm ich noch eine Margarinebecher, ein Marmeladenglas, ein stumpfes Messer, Gabel, Löffel, Tasse und Holzbrett ausgehändigt, bevor man mich in eine 4-Mann-Zelle bringt. Dort liegt auf einer Pritsche eine Pferdedecke, ein Schaumgummikeilkissen, ein kratziges kleines Handtuch. Wenigstens konnte ich durchsetzen, dass ich eine Nichtraucherzelle bekomme. Im Raum gibt es noch eine Pendeltür mit Schnappschluss, hinter der sich eine Edelstahltoilette mit angebautem Edelstahlwaschbecken befindet. Das wird jetzt also mein Zuhause auf unbestimmte Zeit. Gegen 16 Uhr ist dann Essensausgabe für das Abendessen und das nächste Frühstück, d.h. man bekommt einen Kanten Brot und eine dicke Scheibe Käse auf sein Brett gelegt. Ich hab gesagt, dass ich kein Schweinefleisch esse wegen Cholesterin, sonst hätte ich eine dicke Scheibe Sülze bekommen. Dann bekommt noch jeder heißen Tee, dafür hat jeder eine durchsichtige Plastikkanne, die schon ganz dunkelbraun ist. Manch einer benutzt diese auch zur morgendlichen Toilette, weil kein Bidet vorhanden ist.
So, das war es dann für heute, die Zelle wird mit lautem Knall verschlossen, dann ist erstmal Ruhe. In meiner Zelle ist momentan nur eine Inderin, die auf ihre Abschiebung wartet, weil sie ohne Papiere durch Deutschland gefahren ist, kann noch dauern. Wer können uns etwas in englisch unterhalten, was sie aber noch schlechter spricht als ich. Nun denn, ich bezieh erst einmal mein Bett und versuch es mir gemütlich zu machen. Konnte noch gerade ein Buch von Barbara Wood ergattern, als wir am Büro vorbei kamen. Dann werd ich mich also müde lesen. Ändern kann ich jetzt sowieso nicht, dann heißt es nur noch abwarten. Irgend etwas wird mit mir schon geschehen, morgen werd ich dann einen Antrag auf Pflichtverteidigung stellen. ................Fortsetzung folgt.
Die 1.Nacht habe ich eigentlich ganz gut hinter mich gebracht, wahrscheinlich habe ich mich in Müdigkeit geflüchtet. Als jedenfalls am anderen Morgen der Kaffee ausgeteilt wurde, war ich noch nicht wach. Die Tür wurde kurz aufgerissen mit einem Blick auf jedes Bett, einem kurzen Guten Morgen, will jemand Kaffee. Nein Danke, ich bin Latte macchiato gewöhnt, da holt mich das Gebräu wohl nicht aus dem Bett. Dann war die Tür auch schon wieder zu. Ich wartete bis die Inderin ihre Toilette erledigt hatte, dann ging ich mich waschen Ich orientierte mich erst einmal an ihr, was sollte ich auch sonst machen. Sie machte dann ihr Bett, zog sich an und fing an still vor sich hin zu starren. Das war mir dann doch zu stupide, ich hielt mich an Barbara Wood fest. Bis dann doch Hunger aufkam und ich mir eine Scheibe von dem Brotkanten herunter sägte und mit Marmelade bestrich. Um neun wurde dann die Zelle aufgesperrt, jetzt konnte man in der Großraumdusche duschen gehen, Unterwäsche aus dem Gemeinschaftsschrank holen und die Zelle putzen. Um 10 war dann Hofgang angesagt, nahm ich natürlich in Anspruch, sonst wurde man ja wieder eingesperrt. Also eine Stunde auf dem Hof im Kreis laufen, die Schreie der Männer aus dem Nachbartrakt waren da noch das Geringste, nur nich hoch schauen, es könnte Ärger geben. Neugierige Fragen sollten beantwortet oder überhört werden, keiner will zu viel über sich preisgeben. Keiner will so wirklich sagen, woher er kommt, was er auf dem Kerbholz hat, wen er kennt. Es könnte ja sein, dass man sich nachher wieder trifft. Da hatte ich Glück, ich kam ja aus bella italia, da war wohl keiner meiner Nachbarn hier. Ich kam aus dem Ausland, wartete aber nicht auf meine Abschiebung, ein eigenartiger Fall für die Anderen. Was für ein Glück, dass ich mich in mehreren Sprachen verständigen konnte, dadurch war ich Ansprechpartner für fast jeden. Noch nicht einmal die Beamten verstanden mich immer. Allein über die ganzen Geschichten der Insassen sollte ich mal ein Buch schreiben, vielleicht tu ich es ja nach dieser Story.
Nach 1 Stunde war der Frischluftzauber dann vorbei, es ging wieder hoch. Dort wartete dann schon das Mittagessen, was in die einzelnen Räume verteilt wurde. Das Geschirr wurde dann wieder eingesammelt und es war wieder Einschluss. Die Zeit bis 15 Uhr verbrachte ich dann mit Barbara auf dem Bett und schlief sogar auch wieder etwas ein. Dann war wieder kurz Aufschluss und man konnte beginnende Kontakte vertiefen. Die notwendigen Medikamente wurden an die einzelnen Damen verteilt und kurz nach 4 war dann der Tag endgültig vorbei und es begann wieder die Nacht mit der Ausgabe von Brot und Abendessen. So sollte das weiter gehen, Tag für Tag. Ich spielte mit Inderin noch Mensch ärgere dich nicht, dafür muss man nicht viel reden, las noch etwas, wusch mich usw........ dann gute Nacht bis zur Fortsetzung, die dann mehr ins Detail gehen wird, weil ja jetzt jeder weiß, wie man den Alltag hier bewältigt.
Jetzt bin ich schon 5 Tage hier, in denen noch nichts geschehen ist. Ich konnte zwar Anträge stellen, wie z. B. auf einen Anwalt oder Telefonate, aber ansonsten konnte ich einfach nur abwarten. Von einer Mitgefangenen bekam ich die Anschrift einer Anwältin, die auch italienisch spricht, so dass Sie auch Kontakt mit meinem Arbeitgebern aufnehmen konnte. Ich habe diese auch sofort angeschrieben und warte nun darauf, dass sie sich bei mir meldet. Der Direktor dieser netten Anstalt hat mich auch persönlich begrüßt. Dies scheint wohl Brauch zu sein. Jedenfalls nahm er sich zusammen mit seiner Vertretung 5 Minuten seiner kostbaren Zeit, um mir den Alltag hier zu erklären und mich am Ende zu fragen, ob ich sonst noch Fragen hätte. Natürlich, wann kann ich nach Hause? Lautes Gelächter war die Antwort, klar, nach Italien würden wir jetzt auch gerne in Urlaub fahren. Hallo???? Ich mache dort keinen Urlaub, sondern lebe und arbeite dort!!! Wenn ich nicht bald zurück komme, verlier ich meine Existenz, die ich mir in den letzten Jahren mühselig dort augebaut habe. Hier in Deutschland gehörte ich ja schon zum alten Eisen und man legte mir nahe, die Rente einzureichen bei meinen Rückenproblemen. Von Arbeit war fast 10 Jahre lang gar nicht die Rede. Am Ende glaubte ich selber, dass ich das wohl schon alles hinter mir hatte. Wer denkt, mit 40 noch ernsthaft am Arbeitsleben in Deutschland teilnehmen zu können, wenn er keinen erlernten Beruf hat, wird schnell eines Besseren belehrt werden. Ernsthafte Probleme dieser Art kannte ich in Italien nicht. Hier gab man mir wenigstens die Gelegenheit, zu zeigen, was ich konnte. Inzwischen bin ich von meinem Arbeitsplatz nicht mehr wegzudenken. Ich habe Alles umorganisiert und verbessert, was man auch zu schätzen weiß. Was passiert, wenn ich nicht bald zurück kommen, wage ich mir gar nicht vorzustellen. Aber das scheint hier nicht unbedingt anzukommen. Ich bin doch deutscher Staatsbürger, da habe ich das Recht, hier sofort eine Wohnung und Sozialhilfe zu beantragen. Also auf der Straße stehe ich dann nicht mehr, so wie jetzt. Eine Sozialarbeiterin würde noch bei mir vorbei schauen, die das Alles in die Wege leitet. Auf meine Frage, warum man mich eigentlich nicht angeschrieben hat, wenn man von mir was wollte, bekam ich nur zur Antwort, dass ich ja flüchtig war und man nicht wusste, wo ich mich aufhielt. Hallo? Ich war ordnungsgemäß umgemeldet! Um sich dort vor Ort anmelden zu können, kommt sogar die Polizei in Haus und die Heimatbehörde wird kontaktiert. Erst dann, nach Monaten bekommt man seine Papiere ausgehändigt. Da kann mir keinr erzählen, dass man in Deutschland nicht wusste, wo ich bin.Â
Nächste Station Doktor, Hiv-positiv bin ich nicht und auch habe ich keine Hepatitis, schön zu wissen, da bin ich schon viel ruhiger.
Ach wie sie sich doch alle um mich sorgen,.................demnächst mehr....!!!!
Heute war eine Sozialarbeiterin bei mir, es wird immer schräger. Da ich obdachlos und ohne Beschäftigung bin, hatte sie bereits einen Antrag auf eine Sozialwohnung und auch gleich Hartz IV vorbereitet. Dann würde ich auch wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Der Grund meiner Haft bestand ja darin, dass ich obdachlos und somit nicht greifbar war. So besteht Verdunkelungsgefahr. Ist ja echt schräg, weil ich außerhalb Deutschlands endlich Fuß fassen konnte, eine Existenz aufgebaut hatte, wurde ich eingesperrt. Und jetzt wurde mir eine neue Welt aufgebaut, damit ich wieder in Deutschland lebe. Andernfalls musste ich in Haft bleiben. Gehts noch? Hat Deutschland das nötig, muss der Staat jetzt schon mit solchen Methoden auf Bürgerfang gehen? Ich hab natürlich abgelehnt, um nichts in der Welt will ich auch nur einen einzigen Tag Mitglied dieses kranken Staates sein. Wir leben in einem vereinten Europa und mein Wohnsitz und meine Festanstellung zählen nichts, werden ignoriert. Darf es das geben?
Meine Rechtsanwältin war auch schon bei mir, sie konnte nach Akteneinsicht auch nur den Kopf schütteln. Sie wird jetzt Kontakt mit meinem Arbeitgeber und der Gemeinde aufnehmen und dem Gericht dann Unterlagen vorlegen, dass ich dort keineswegs illegal lebe und am Hungertuch nage und mich dort nicht nur aufhalte, weil ich ja in Deutschland gesucht würde.
Ich wüsste nicht, warum ich das tun sollte. Seit meinem Wegzug aus Deutschland sind inzwischen 6 Jahre vergangen, in denen ich mehr als 10 Mal mit Auto, Flugzeug oder Zug Besuche bei meiner Tochter machte. Warum auch nicht, ich sah keinen Grund, mich zu verstecken. In der Kleinstadt, in der meine Tochter lebt, kennt jeder jeden, ich begleitete sie bei einigen Behördengängen, war bei der Einschulung meines Enkels dabei................macht man das, wenn man Angst haben muss, festgenommen zu werden? Wäre es nicht viel leichter gewesen, wenn mal jemand auf mich zu gekommen wäre, oder sich bei meiner Tochter gemeldet hätte, wenn es einen Grund gibt?
Tausend Fragen...............keine Antwort..................das wird Alles noch dauern. Aber ich werde es klären und ich weiß, dass mein Umfeld hinter mir steht, so dass ich meine Existenz nicht verliere.....................Fortsetzung demnächst.
Schön, meine Anwältin hat einen Haftprüfungstermin durchsetzen können. Und das nach 1 Monat, endlich tut sich was. Es muss auch langsam etwas voran gehen, ich werd sonst noch verrückt. Jetzt sitz ich hier 4 Wochen drin, hab schon fast das ganze Wolllager in Schals, Mützen, Pullis und Handschuhe verstrickt. Ich bekam keine Genehmigung mit meinem Lebensgefährten oder meinem Arbeitgeber in Italien zu telefonieren, weil ich mich mit denen nur auf italienisch unterhalten würde. Der einzige Kontakt war bisher meine Tochter, die mich alle 2 Wochen für 30 Minuten besuchen darf. Sie teilte mir auch mit, dass Alle aus Italien kommen wollen und vor der JVA einen Sitzstreik durchführen wollen. Ich habe ihr mit Nachdruck zu vermitteln versucht, dass ich hier niemanden von denen sehen will, das hätte mir gerade noch gefehlt. Briefe dauern in der Regel auch mind. 2 Wochen, weil sie erst Korrektur gelesen werden müssen. Meine Anwältin habe ich bisher nur 1 mal gesprochen, ansonsten nur schriftlichen Kontakt zu ihr gehabt. Na ja, da werde ich sie dann also heute treffen können.
Ich werde gleich in der Früh abgeholt, muss aber noch im Glaskasten warten, bis die Beamten mich zum Gericht fahren, natürlich mit Handschellen. Dort ist dann auch gleich die Verhandlung. Eigentlich ist es ja gar keine, sondern ein Haftprüfungstermin. Allerdings nur für einen Haftbefehl. Dieser wurde von Bayern ausgestellt, die anderen beiden von Berlin, weil ich nicht in Deutschland wohne.
Der Richter gefällt mir, so eine Art Opa, und sehr nett zu bin, behandelt mich mit viel Respekt. Er ist ziemlich aufgebracht über die Art und Weise, wie man mich bisher behandelt hat. Er macht den Staatsanwalt auch zur Schnecke, meint, dass es eine Unverschämtheit ist, mich hier in Deutschland festzuhalten, wo ich in Italien meine Existenz habe, die ich durch so eine Behandlung vielleicht verlieren werde. Kurz und gut, die Haftprüfung geht zu meinen Gunsten aus, der Haftbefehl wird aufgehoben.
Das bedeutet allerdings noch nicht das Ende dieses Albtraumes. Meine Anwälting weist darauf hin, dass sie bereits mit Berlin mit dem zuständigen Richter telefoniert hat. Dieser wartet nur den Beschluss der heutigen Verhandlung ab, um dann weiter vorzugehen. Der Richter verspricht, den Bescheid so schnell wie möglich ausfertigen zu lassen. Aber heute sofort geht das natürlich nicht, das wird vom Schreibbüro erledigt...........
Die Fahrt geht genauso wieder mit Handschellen im Kitterkasten zurück in die JVA.
Dort angekommen, wartet man schon mit dem Mittag auf mich. Ich will jetzt einfach nur meine Ruhe, kann es noch nicht fassen, dass der 1.Schritt getan ist.
Am nächsten Tag kommt dann eine Beamtin, die eigentlich ganz o.k. ist, zu mir und eröffnet mir, dass sie gar nicht weiß, wie sie es mir sagen soll, aber hier in Bayern können sie ja jetzt nichts mehr mit mir anfangen, weil hier ja nichts mehr gegen mich vorliegt. Sie haben jetzt die Auflage, dass sie mich nach Berlin bringen müssen. Mein Einwand, dass es doch sicher klüger ist, den Bescheid vom Gericht abzuwarten, nützt da nicht allzu viel. Ich bin für den nächsten Schub in 5 Tagen vorgesehen. Da geht es dann los nach Berlin, aber natürlich nicht auf direktem Wege, die Fahrt dauert insgesamt 8 Tage, von Anstalt zu Anstalt, mein verpacktes Gepäck immer mit dabei. Falls der Brief vom Gericht inzwischen ankommt, erübrigt sich das natürlich, aber es liegt das Wochenende dazwischen, Dienstag morgens geht es dann los.......................ich kann es kaum erwarten!!!
So, heute ist der Tag der Tage.......meine Tour durch Deutschland fängt an, immer schön Schritt für Schritt. Heute geht es ca. 100 km weiter in die Landeshauptstadt. Seit 2 Wochen hab ich ja endlich eine Einzelzelle, was mir sehr entgegen kommt, weil ich nicht mehr der Mülleimer für Jeden sein wollte und auch nicht mehr konnte. Auch wenn ich es nicht unbedingt zeigen wollte, litt auch ich hier drin. Nur mir sollte man es nicht so anmerken. Aber die ewigen Gefühlsschwankungen meiner Leidensgenossen, diese endlosen Launen, auf die ich immer Rücksicht nehmen sollte, konnte ich nicht mehr ertragen, sie zogen mich immer weiter runter. Ich hatte Angst, auch in diese Depression zu verfallen.
Heute nun, als es endlich weiter gehen sollte, wollte ich vorher mit gar niemandem darüber sprechen. Sonst gibt es sowieso wieder nur Tränen, Eifersüchteleien.........
Nach dem Mittagessen, wurde also gepackt, verschnürt und versiegelt. Eine kleine Tasche enthielt das Nötige für die nächsten 8 Tage. Den Rest bekam ich erst wieder ausgepackt, wenn ich in Berlin angekommen war. Bis dahin wurde es zwar mit dem selben Bus versandt, aber immer im Gepäckabteil.
Dann musste die Zelle noch geputzt werden und ich wurde in eine sog. Schubzelle gebracht. Holzbank, Tisch, Fenster in 3 Meter Höhe, Toilette. Langweilig wurde es mir nicht, hier gab es genug zu lesen.....an den Wänden. Ich bekam dann noch einige dick belegte Brote, Obst und Wasser. Um 3 kam dann der Bus, ich wurde in eine Minikabine verfrachtet, ca. 40x60ccm. Ein kleiner Seeschlitz in Augenhöhe gestattete einen kleinen Ausblick.Â
Vom Arzt hatte ich mir in weiser Voraussicht ein Beruhigungsmittel für den Transport geben lassen, ich glaube ich hätte sonst eine richtige Panikattacke bekommen.Â
Die Fahrt ging über andere Anstalten, wo ein- und ausgeladen wurde, so langsam dahin. Nach 4 Stunden hatten wir es dann endlich geschafft, 100 km.Â
Dort wurde ich dann auch schon erwartet, sehr unhöflich wohlgemerkt. Ich musste mich in einem Abstellraum vor 3 Wärterinnen nackt ausziehen, duschen und dann wieder die gleiche Kleidung anziehen, nachdem man mich mit Gummihandschuhen abgetastet hatte. Dann wurde ich in eine mittelalterlich wirkende, mit grobem Mörtel ausgesprühte Gruft gebracht, Toilette direkt neben dem Stockbett.Â
Durch eine Luke wurde mir dann ein Aluminiumteller reingereicht, auf dem für heute Abend eine Scheibe Pressack, ein Brotkanten, ein Klacks Backmargarine sowie daneben ein Häufchen Marmelade für das Frühstück platziert waren. Was war ich froh, noch meine belegten Brote zu haben........
Ich ging dann wieder bald schlafen, wollte das so schnell wie möglich hinter mich bringen. Mal sehen, was der morgige Tag mir so bringt........................
Neuer Tag - neues Glück, oder so. Um 5 Uhr morgens werde ich geweckt, Abfahrt soll zwar erst nach 7 Uhr sein, aber davor ist noch Einiges zu tun. Betten abziehen, Zelle putzen, Blechteller und Plastiktasse waschen, kurz was essen und dann werde ich aber auch schon abgeholt. Wieder die gleiche Prozedur wie am Vorabend: Vor 3 Beamtinnen ausziehen, Duschen, gleiche Kleidung wieder anziehen und dann gehts ab in eine Schubzelle, wie das so schön heißt. Wenigstens konnte ich noch meine Frühstückswünsche äußern, dass ich kein Schweinefleisch esse aus gesundheitlichen Gründen, so dass ich mit etwas hochwertiger Qualität rechnen konnte. Mir wurden dann 3 mit Truthahnwurst belegte Brote sowie eine Packung Fruchtsaft für die Fahrt gebracht. Ich sollte schließlich nicht verhungern unterwegs. Jetzt musste ich nur noch warten.......gegen 8 Uhr ging es dann endlich los, in einem normalen Kleinbus mit Gitterfenstern. Ziemlich zügig erreichten wir dann Regensburg, ein Horrorgefängnis. Die Schubzelle war ein Raum von ca. 6qm mit einem Metallstockbett mit versiffter Matratze, einem verklebten Tisch, einem Stuhl, Waschbecken und einem Loch für die Notdurft im Boden, aus dem eine intensive Duftwolke herausstieg. Der Ausblick aus dem Gitterfenster war durch eine Milchglasscheibe blockiert. Noch war ich alleine in der Zelle, mittags wurde mir ein Blechnapf mit Chili con carne und 2 richtige frische Brötchen gebracht, wenigstens ein Lichtblick. Danach wurde eine andere junge Frau reingeführt, musste auch warten........der Stuhl gehörte mir!!! Sie war schwanger und fragte mich nach Feuer für ihre Zigarette, was ich natürlich verneinte und ihr eine Standpauke meinerseits einbrachte. Nach kurzer Zeit kam dann noch eine reifere Dame zu uns, die sich sofort eine Zigarette anzünden wollte, was mich erneut in Aktion rief. Schließlich war ich als 1. hier drin und hatte so ältere Rechte. Anfangs konnte ich einigen Widerstand erkennen, setzte mich aber wirklich durch. Was hatte ich doch in den letzten Woche für eine Kraft entwickelt!!! Ich war auch die 1. die abgeholt wurde, wahrscheinlich waren beide froh darüber. Jetzt wollte ich noch auf die Toilette gehen, die Beamtin meinte, warum ich das nicht in der Zelle erledigt hätte. Mein fragender Blick war ihr wohl Antwort genug, sie führte mich dann in eine andere Nachbarzelle, was jedoch keine Verbesserung war........aber ich war alleine. Dann ging es los...immerhin war es schon 14 Uhr, durch ganz Niederbayern nach Nürnberg, wo wir gegen 18 ankamen. Dort angekommen ging es erst einmal wieder in eine Nichtraucher-Schubzelle, die intelligenter Weise durch einen Abzug mit der Raucherzelle verbunden war, ein Fenster gab es nicht. Hier musste ich jetzt noch 1 Stunde verharren, bevor die gleiche Prozedur los ging wie in München: Ausziehen, Duschen, Anziehen, Bettwäsche mitnehmen und ab in die Zelle. Wenigstens war es eine freundliche saubere Zelle. Ich hörte, wie draußen Essen ausgegeben wurde, ich musste warten, bis mir was gebracht wurde, durfte keinen Kontakt zu Mithäftlingen haben als Schubhäftling. Aber wenigstens gab es hier richtiges Geschirr, Teebeutel und abgepackte Marmelade und Butter, sogar Käse. Auch kein Stockbett sondern ein richtiges Bett mit einem richtigen Kopfkissen, das gibt es also auch in Bayern. Na dann mal gute Nacht, morgen früh ist die Nacht wieder früh vorbei.
Es wäre müßig, jetzt jeden Schritt der nächsten Tage zu beschreiben, da sich Alles wiederholt. Nach Nürnberg kommt Hof mit Etappenziel Halberstadt. Dies ist ein furchtbarer Ort, kommt mir mehr vor wie ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Fast nur Einzelzellen mit separatem Korridor davor, den man aber nicht nutzen darf. Außer für die Hofgangstunde darf nur zum Essen holen die Zelle verlassen werden, dann erfolgt sofort wieder Einschluss. Wer sich mit den Beamten gut stellt, hat sogar das Privileg, den Fernsehraum im 4. Stock zu nutzen, aber
auch nur für 2-3 Stunden. Wie gesagt, dies muss man sich mit Sympathie verdienen. Dort darf auch geraucht werden, was sehr schwer für mich zu ertragen ist, aber die Alternative wäre, Tag und Nacht alleine zu sein. Die Gespräche dort sind sehr aufschlussreich........was es so alles für Verbrechen auf der Welt gibt!!! Und niemand wird separat untergebracht, nur weil er jemanden umgebracht oder auch noch zerstückelt hat. Hier ist jeder gleich. Was ich hier für Geschichten höre, kann ich beim besten Willen nicht schreiben, sie sind zu intim und teilweise auch erschreckend. Was ich am schlimmsten finde, ist die Tatsache, dass
es hier so viele junge Menschen gibt, die mit 18-19 Jahren bereits eine kriminelle Vergangenheit hinter sich, teils schon 1-2 Kinder haben und hier Schulkameraden oder andere Freunde treffen. Nachts wird lautstark durch geöffnete Fenster geschrien und Treffen für nachher ausgemacht. Es ist furchtbar, da diese jungen Leute gar keine Perspektive haben, sondern nach der Schule auch nicht an Arbeiten oder Weiterbildung denken, sondern nur auf der Straße rumhängen. An diesem schönen Ort darf ich 4 Nächte aushalten, bevor dann endgültig das Ziel Lichtenberg in Berlin erreicht ist.
Da bin ich also in Berlin Lichtenberg, wenigstens sauber und zivilisiert. Ich bekomm auch eine Einzelzelle angewiesen, aber noch nicht meine eigenen Habseligkeiten. Ich soll noch ins Frauengefängnis Pankow verlegt werden, dort ist aber momentan noch kein Platz. Dort bleib ich dann bis zur Verhandlung. Bis dahin genieße ich den Luxus hier mit eigenen Dusche und WC in einem angrenzenden Raum, nur für mich alleine. Gegessen wird aber weiterhin alleine und auch darf ich nicht aus der Zelle raus, außer für Aktivitäten wie Bücher aus der Bücherei holen,
Arztbesuche usw. Aber irgendwann muss doch dieser Albtraum zu Ende sein. Die Tage vergehen und es geht mal wieder weiter, diesmal nach Pankow. Ich muss schon sagen, trotz altem Gebäude fühl ich mich hier am wohlsten. Ich komm in eine kleine Wohngruppe mit 8 Insassen, jeder hat seinen eigenen Raum mit Dusche und WC und richtigem Bett und großem Fenster mit Blick in den begrünten Innenhof.......was für ein Luxus!!!!!!!!!! Die Zellentür ist den ganzen Tag über geöffnet, wir können uns frei bewegen. Es gibt eine richtige Küche, das Essen wird in großen Töpfen gebracht und dann unter uns verteilt. Die Mahlzeiten nehmen wir im
angrenzenden Aufenthaltsraum zusammen ein. Dort steht auch ein Fernseher zur Allgemeinnutzung, außerdem haben wir die Möglichkeit, Sport usw. zu treiben. Wer Geld hat und beim monatlichen Einkauf bereits anwesend war, hat sogar den Luxus, dass er sich kochen kann, was er will. Es gibt hier 3 Vietnamesinnen, die davon jeden Abend Gebrauch machen und die ganze Gruppe mitversorgen, was ich ganz toll finde. Es ist wirklich nicht schlecht hier, trotzdem wüsste ich gerne, wann dieser Wahnsinn endlich vorbei ist.
So, heute ist es endlich so weit!!! Ich habe meine Verhandlung hier in Berlin. Die ganze Nacht hab ich gar nicht mehr schlafen können. Am Vorabend musste ich meine gesamten Sachen in einen Karton und Tasche verpacken, da diese Dinge für einen eventuellen Freispruch fertig sein müssen. Ich darf dann nämlich nicht mehr in diesen Trakt kommen, die Beamtinnen bringen meine Habseligkeiten runter.
Termin ist zwar erst um 13 Uhr, aber ich muss schon um 7 Uhr fertig sein, da ich dann mit dem Bus ins Gericht am Tiergarten gebracht werde, wo über mein
nächstes Schicksal entschieden werden soll.
Dort angekommen, werde ich in gruselige Katakomben geführt, die mir den Anschein geben, im Mittelalter angekommen zu sein. Niedrige dunkle Gänge mit Holztüren vor den Zellen, in denen ein Guckloch zur Kontrolle ist, Ich lausche, ob ich nicht das Kettenrasseln der Gefangenen hören kann. So etwas gibt es wirklich noch in Deutschland!!!
In der Zelle befinden sind ringsrum Bänke an den Wänden und ein großer Tisch in der Mitte. Als Fenster gibt es nur eine Luke am oberen Ende der Wand, das jedoch in einen Kellerschacht
führt. Auf der einen Seite gibt es noch eine Toilette, die nicht unbedingt dazu einlädt, sich dort rauf zu setzen. Die Wände sind in allen möglichen Sprachen beschrieben, hätte ich einen Stift, würde ich vielleicht nach einem freien Fleckchen suchen. Hier heißt es jetzt Stunden auszuhalten. Hunger kommt in dieser Umgebung erst gar nicht auf, obwohl ich sogar ein Lunchpaket mitbekommen hab.
Die Zeit vergeht überhaupt nicht, so langsam wird mir dieser Raum schon vertraut.
Endlich ist es so weit, ich werde abgeholt und durch die unterirrdischen Gänge zu einer nicht enden wollenden
Treppe geführt, die direkt in den Gerichtssaal führt, d.h. in einen mit einem Käfig überdachten Bereich des Gerichtssaales.
Endlich kommen Richter und Staatsanwalt rein. Wie oft hab ich mich auf diesen Moment vorbereitet, ist schließlich endscheidend für mein nächstes Schicksal.Aber was ist das? Der Richter fängt also an:
"Ok., die Sache ist ja sowieso klar, nach Absprache mit dem Staatsanwalt haben wir hier schon das Schriftstück vorbereitet, dass Sie bitte unterschreiben werden. Falls nicht, müssen wir leider die normale Gerichtsverhandlung abwarten und so
lange müssen Sie dann noch unsere Gastfreundschaft in Anspruch nehmen. Wir bieten Ihnen jedoch an, dass Sie sofort gehen können, wenn Sie uns bestätigen, dass Sie keine Schadensansprüche für die letzten Wochen geltend machen"
Ich versteh gar nichts mehr, und dafür komm ich nach Berlin? Das hätten die mir doch auch schon in Bayern sagen können, oder? Eigentlich sollte ich mich nicht auf so einen Kuhhandel einlassen und es darauf ankommen lassen. Dann müsste ich aber weiterhin eingesperrt bleiben, weil ich ja OBDACHLOS bin und für die Justiz eventuell nicht erreichbar, falls ich den Termin nicht in
Anspruch nehme. Was für eine verrückte Welt. Das will ich nun aber wirklich nicht, nichts wie weg von hier, bevor sie es sich doch noch anders überlegen.
Aber so schnell geht das auch nicht. Jetzt muss ich erst einmal wieder in die geschmackvoll eingerichtete Zelle, natürlich verriegelt, da erst das Transportfahrzeug kommen muss. Vor 17 Uhr wird das sicher nicht sein. Da bin ich jetzt frei und muss doch noch hier bleiben, meine Besitztümer sind ja schön verpackt immer noch in Pankow, und das ist nicht einfach mal so um die Ecke.
| rumpi Re: Re: Herzlich - Zitat: (Original von Aida am 28.06.2009 - 13:55 Uhr) Danke für deinen Kommentar, ja es war wirklich ein Albtraum, aber ich bin ja noch lang nicht fertig. Dank Rückkehr in die Realität, bin ich wieder voll im Stress. Aber es ist schön, darüber zu schreiben. Saluti Aida Schreiben hilft auch bei mir.Einige Texte hier sind deshalb auch aus meinem Leben. Ich tue nichts verschönigen und lasse auch nichts weg.Nur so kann ich meine Sorgen und mein Leben verarbeiten. An deinem Text bleibe ich auf alle Fälle dran. LG,Karsten |
| rumpi Herzlich - Willkommen hier bei uns in Deutschland.Hier ist halt alles anders.Hier bekommen sogar Sexualtäter Freigang oder werden sogar vorzeitig entlassen.Das ist ganz normal in Deutschland.Aber bist du "nur" ein Kleinkrimmineller dann hast du gefälligst deine Strafe bis zum letzten Tag abzusitzen. Bin ja mal auf deine Fortsetzung gespannt. LG,Karsten |