Romane & Erzählungen
Ist Liebe verboten?

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"Ist Liebe verboten?"
Veröffentlicht am 01. April 2009, 62 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Ja also hallo erstmal. Ich bin die Sandra und wohne im schönen Hoya an der Weser.Dort besuche ich das Johann-Beckmann-Gymnasium mit dem Ziel 2012 mein Abi zu machen. Meine Hobbies sind Feuerwehr, zeichnen, Mathematik und natürlich schreiben.
Ist Liebe verboten?

Ist Liebe verboten?

Beschreibung

Johanna, ein 16 Jahre altes Mädchen führt ein schönes Leben auf einem Gut im Preußen um 1900. Doch als ein neuer Hausbursche eingestellt wird muss sie sich entscheiden. Wählt sie ein Leben ohne Sorgen, oder entscheidet sie mit dem Herzen.

Vorwort

Vorwort

Diese Geschichte spielt in der Zeit der großen Gutshäuser. Die Industrialisierung hat Deuschland vollkommen erfasst und auf dem Land machen die Gutsherren ihr Geschäft. Dazu zählen auch die vielen Burschen und Mädchen die aus ihren oftmals armen Familien in die Gutsfamilien gehen, um dort gegen Kost und Logis sowie ein wenig Lohn zu arbeiten. Der Umgang zwischen Herrschaften und Dienstboten ist streng geregelt. Dienstboten haben die Herrschaften mit Respekt zu behandeln, während diese ihre Dienstboten nicht immer nett behandeln. Diese Geschichte spielt in einem preußischen Gutshaus. Die Namen sind frei erfunden, sollte es jedoch Paralelen zu realen Personen geben schreibt mir bitte, dann werde ich die Namen ändern. Und nun viel Spaß beim Lesen!

Die Familie von Walsbach

Benedikt von Walsbach
Er ist der Gutsherr und ist im Gegensatz zu seiner Frau freundlich und verständnisvoll. Auch das Dienstpersonal wird von ihm mit einem gewissen Respekt behandelt. Niemals würde es ihm einfallen das Personal ohne ausreichenden Grund anzubrüllen oder zu beschuldigen.

Theodora-Sophie von Walsbach
Sie ist die Gutsherrin und ist immer sehr streng. Sei es bei dem Umgang mit den Kindern oder auch mit dem Dienstpersonal. Sie ist sehr geziert und würde nicht einmal ein Stück Papier vom Boden heben. Das überlässt sie den Stubenmädchen.

Elvira von Walsbach(19)
Sie ist die älteste der drei Gutstöchter und bereits verlobt. Genau wie ihre Mutter macht auch sie keinerlei Anstrengungen das Personal freundlich zu behandeln. Sie wird vom Dienstpersonal gefürchtet.

Johanna von Walsbach(16)
Die mittlere der drei Mädchen ist sehr freundlich und wird von Dienstpersonal verehrt. Auch wenn es ihr nicht gefällt befolgt sie jegliche Standesordnungen, nur wenn sie alleine ist, weicht sie mal davon ab. Doch als ein neuer Bursche an den Gutshof kommt wird dieses verhalten auf die Probe gestellt.

Franziska von Walsbach(5)
Das fröhliche kleine Mädchen lernt gerade die Grundzüge des Gutslebens. Mit ihrer großen Schwester Johanna darf die Kleine kaum Kontakt haben, das es in der Vergangenheit bereits einige Vorfälle gab. Erst wenn Franziska alle Regeln der Ständeordnung befolgt darf sie wieder mit ihrer großen Schwester sprechen und Umgang haben.

Eugen von Walsbach(25)
Der älteste der Walsbach-Kinder studiert bereits in der Stadt Berlin. Die Rolle des Gutsherrn nach dem Tod seines Vater lehnt er entschieden ab. Er gehört zu einer Burschenschaft und lebt ein Leben das sein Vater als unwürdig bezeichnet. Eugen hat fast keinerlei Beziehung mehr zu seiner Familie, und sah sie zuletzt vor 5 Jahren. Sein Studium finanziert er durch Verkäufe von selbstgemalten Bildern.

Konrad von Walsbach(19)
Er ist Elviras Zwillingsbruder und wird später einmal Gutsherr, worauf er von seinem Vater vorbereitet wird. Er hat das gutmütige Wesen von seinem Vater geehrt und unterstützt außerdem den Traum seines kleinen Bruders

Konstantin von Walsbach(12)
Er ist der jüngste der Jungen und möchte in die USA auswandern, was für seine Eltern ein großer Schock ist. Obwohl erst 12 Jahre alt setzt er bereits alles daran seinen Traum zu verwirklichen. Da er nur als Ziehsohn aufgenommen wurde ist er der einzige der Familie der an Hämophilie leidet. Diese Krankheit macht es dem Jungen unmöglich alleine zu sein um etwas vorzubereiten, Ständig steht er unter Beobachtung.

1. Kapitel


1.Kapitel

Noch war es dunkel in dem gewaltigen Park der das Gutshaus umgab. Es war sechs Uhr. In den Kellerräumen herrschte bereits rege Betriebsamkeit. Die oberen Räume der Herrschaften lagen noch im Dunkeln. Nur in einem Raum flackerte bereits ein Licht. Johanna, eine der Töchter des Hauses, war bereits wach und saß auf einem Stuhl am Fenster, eine Kerze auf dem Fensterbrett. Neben ihr lag ein aufgeschlagenes Buch. Morgens, wenn noch alles schlief, las sie gerne das ein oder andere Buch über technische und naturwissenschaftliche Dinge. Es war nicht etwa so dass sie später diese Dinge für einen Beruf nutzen wollte. Nein, sie wollte nur einmal wissen was ihre Brüder lernten wenn sie einmal mehr Kreuzstiche ausführte.

So saß sie also wieder einmal dort und sah auf den Sonnenaufgang der sich hinter den gewaltigen Eichen des Parks abspielte. Doch dann lenkte sich ihre Aufmerksamkeit auf einen Wagen, der vor dem Dienstboteneingang hielt. Kaspar, der Kutscher, lenkte die Pferde. Auf dem Wagen saß ein junger Mann. Johanna wusste, dass heute ein neuer Hausbursche ankam. In der Dämmerung konnte sie nicht erkennen wie er aussah.

Noch bevor sie sich ein paar Gedanken zu ihm machen konnte, klopfte es an die Tür. Wilhelmine, das Dienstmädchen, kam um sie zu wecken. „Guten Morgen. Ich hoffe Sie hatten eine angenehme Nacht. Leonore bringt Ihnen gleich heißes Wasser. Ihr Vater erwartet Sie um sieben Uhr beim Frühstück. Wünschen Sie das ich Ihnen beim Ankleiden helfe?“

Johanna, die inzwischen hinter dem Paravent stand, antwortete: „Ich bräuchte Hilfe mit dem Korsett. Könntest du mit es binden?“ Wilhelmina tat dies und trat dann wieder vor den Paravent. „Ist es gut so?“ „Ja, vielen Dank. Du kannst gehen.“ Wilhelmina verließ das Zimmer.

Kurz darauf klopfte es erneut. „Herein?“ „Guten Morgen Johanna. Ich bringe Ihnen das Wasser. Wünschen Sie sonst noch etwas?“ „Nein, danke. Du kannst gehen.“ Auch Leonora verließ das Zimmer. Kurz darauf war Johanna fertig angekleidet und begab sich in das Speisezimmer. Dort waren bereits ihre Mutter und ihr Vater anwesend. „Guten Morgen, Papa, Mama. „Guten Morgen mein Kind.“ Nun kamen Elvira und Franziska, kurz darauf auch die Jungs in Speisezimmer. Alle setzten sich, sprachen ein kurzes Gebet, und begannen mit dem Frühstück. Elvira kommandierte wieder einmal ohne mit der Wimper zu zucken sämtliches Dienstpersonal rum. Johanna hasste das verhalten ihrer großen Schwester, sagte aber aufgrund der Gegenwart ihres Vaters nicht darüber. Die Jungs ließen sich vom Gerede ihrer Schwester gar nicht stören und aßen mit großem Appetit.

Nach dem Frühstück wurde eine Morgenandacht gehalten, bei der die Kinder abwechselnd einen Text aus der Bibel zitieren mussten. Danach begann der Schulunterricht. Die Mädchen wurden von Madame Soirant unterrichtet, die Jungen vom Hauslehrer Herr Krabenbach. Johanna folgte dem Unterricht der strengen Französin ohne Interesse. Weder der Literaturunterricht mit den Werken Goethes, noch der Unterricht im Schönschreiben macht ihr besonders viel Spaß. Im Schönschreiben brachte sie alle Gouvernanten zur Weißglut. Ihre Schrift war schlecht, wie Madame Soirant jedes Mal sagte. Auch ein paar Stunden Mathematik standen auf dem Stundeplan, wenn es auch nicht ganz so viele waren wie bei den Jungen. Das einzige Fach was Johanna wirklich liebte war Geografie. Genau wie ihr kleiner Bruder war sie sehr interessiert an den Kulturen fremder Länder. Doch zwei Stunden Geographie in einer Woche waren ein schwacher Lichtblick.

Als der Unterricht um halb eins endlich endete war sie schnell beim Mittagessen. Heute Nachmittag waren ihre Eltern außer Haus und die Gouvernante in der Stadt, was Johanna die Gelegenheit gab, sich den neuen Hausburschen von Garten aus anzusehen. Gleich nach dem drei Gänge-Menü fuhren die Eltern und die Gouvernante mit der Kutsche weg. Ihrer Schwester war egal was Johanna machte, solange sie ihr nicht auf die Nerven ging, und die Jungs kümmerten sich auch nicht um sie. Sie nahm ihre Handarbeit mit raus, ließ sich im Park nieder und schielte immer wieder verstohlen zum Hausburschen, der ab und zu aus dem Haus trat.

Nach zwei Stunden hatte sie ihre Stickarbeit beendet. Sie ging zurück ins Haus und erledigte ihre Schulaufgaben. Schon oft hatte sie die Aufgaben einfach sausen lassen, als noch andere Gouvernanten sie unterrichteten. Madame Soirant jedoch war sehr streng und es war besser sich mit ihr gutzustellen. Das war auch der Grund warum Johanna überhaupt im Unterricht mitarbeitete. Viel lieber würde sie mit einem der gutseigenen Pferde ausreiten, doch das Reiten war ihr strengstens verboten. Ihre Mutter war als Kind einmal von Pferd gefallen und sich geschworen ihren Kindern das Reiten zu verbieten. Sooft jedoch ihre Zeit es erlaubte ging Johanna in den Stall um bei den Pferden zu sein. So auch an diesem Tag. Nach dem gemeinsamen Abendessen zogen ihre Mutter, die Gouvernante, Elvira und Franziska sich in den Damensalon zurück. Die Jungs gingen auf ihr Zimmer und ihr Vater arbeitete wie jeden Abend im Büro. Johanna wurde auf ihr Zimmer geschickt doch anstatt dorthin zu gehen, schlich sie sich durch die Hintertür in den Park. Im Schutz der Dunkelheit lief sie zum Stall. Leise öffnete sie die quietschende Tür. Der Hund des Kutschers jaulte auf. „Barco, sei still, ich bin es, Johanna.“ Der Schäferhund beschnüffelte sie und ließ sich schließlich auf seinem Platz nieder. Johanna streichelte ihn kurz und wandte sich dann den Pferden zu.

Ihr Lieblingspferd, die Stute Cora, freute sich über ihren Besuch. Johanna öffnete die Tür der Box und trat ganz nah an den warmen Pferdeleib. Ihre Wange ruhte auf dem weichen Fell. Lange stand sie so da, wie lange genau, das wusste sie nicht. Sie schreckte auf als ein Eimer scheppernd umfiel. Als sie sich umdrehte, blickte sie in das Gesicht des Kutschers, einem ihrer besten Freunde. Und neben ihm stand der neue Hausbursche. „Nun, Johanna, mal wieder aus dem Haus geschlichen.“ „Guten Abend, Kaspar“, antwortete sie und kam aus der Box. Dann trat sie auf den neuen Burschen zu. „Guten Abend. Ich habe dich heute morgen ankommen sehen. Willkommen auf Gut Walsbach. Mein Name ist Johanna. Ich bin die mittlere der drei Gutstöchter“. Nach dieser freundlichen Begrüßung war der Junge erst einmal ein bisschen verdattert, das sah man ihm an. Doch nach wenigen Sekunden hatte er sich wieder gefangen. „Guten Abend, gnädige Frau. Mein Name ist Robert.“ „Das „gnädige Frau“ lass doch bitte weg. Die gnädige Frau ist meine Mutter. Mich kannst du Johanna nennen. Ich bin übrigens 16 Jahre alt, und du?“ „17, ich bin 17“, antwortete Robert. „Nun, dann, Robert, wir sehen uns. Ich muss wieder zurück. Wenn jemand herauskriegt das ich schon wieder hier war bekomme ich ganz schönen Ärger.“

So schnell sie konnte lief sie ins Haus. Warum hatte sie ein solch seltsames Gefühl im Bauch wenn sie Robert ansah. Johanna wusste es nicht. Sie ging ins Haus und tat das was sie von vornherein tun sollte. Sie ging auf ihr Zimmer und legte sich zur Nachtruhe nieder. Bevor sie einschlief hatte sie nur einen Gedanken.

Robert!

2. Kapitel

Langsam ging die Sonne über dem Park auf, der Nebel begann sich zu lichten. Johanna konnte sich über das schöne Bild des Sonnenaufgangs jedoch nicht freuen. Noch immer kreisten ihre Gedanken um Robert. Sie wusste nicht was mit ihr los war. Warum konnte sie ihn am gestrigen tag nicht ansehen ohne dieses seltsame Gefühl. Wie jeden Morgen saß sie wieder am Fenster, doch anstatt sich mit einem Buch zu beschäftigen, dachte sie die ganze Zeit an die Begegnung im stall. Sie wusste, wenn ihre Mutter von der Begegnung erfuhr, würde man sie wahrscheinlich nicht mehr aus den Augen lassen und ein erneutes Treffen mit IHM wäre unmöglich. Als Wilhelmina anklopfte um sie zu wecken nahm sie es wie in Trance war. Sie ließ sich beim Ankleiden helfen, die tägliche morgendliche Routine spielte sich ab. Und wieder waren alle Gedanken beim Hausburschen. Während Johanna trotz ihrer Gedanken wie immer nett und freundlich war, spielte sich im Zimmer nebenan eine ganz andere Szene ab. Elvira, barsch wie immer, befehligte die Dienstboten wie ein Hauptmann sein Heer. Sie duldete nicht den kleinsten Fehler der Dienstboten und macht auch keinerlei Anstalten Bitte und Danke zu sagen. Die Arbeit der Angestellten war für sie selbstverständlich, sodass sie zum Frühstück erschien ohne irgendeine Arbeit getan zu haben. Johanna, die ebenfalls schon am Tisch saß, hatte wieder klare Gedanken. Sie konzentrierte sich auf das Frühstück um keinen Verdacht bei ihren Eltern zu erregen. Da heute Sonntag war und kein Unterricht stattfand, hoffte sie auf ein paar schöne Minuten im Pferdestall. Da sie sich von diesen Minuten jedoch nur eines erhoffte wollte sie sich nicht eingestehen. Nach dem Frühstück fuhr sie erst einmal mit ihren Eltern und ihren Geschwistern ins nahe gelegene Dorf, um am dortigen Sonntagsgottesdienst teilzunehmen. Der Gottesdienst beanspruchte Johanna voll und ganz. Sie mochte den alten Pfarrer, der sie getauft und eingesegnet hatte sehr gerne. Er war ein freundlicher alter Herr und stets höflich. Johanna bedauerte, dass er so weit vom Gutshaus entfernt wohnte. Gerne hätte sie den einen oder anderen Spaziergang zu ihm gemacht. Aber abgesehen von der Tatsache, dass sie niemals allein hätte dorthin gehen dürfen, war das Haus des Pfarrers einfach zu weit weg. Nach dem Gottesdienst lud der Pfarrer die Eltern ein, doch noch mit ihm zu gehen und ein wenig in seinem Haus zu verweilen. Die Eltern stimmten zu und unter der Aufsicht des Kutschers fuhren die Kinder allein zum Gut zurück. Elvira und Franziska zogen sich in den Wintergarten zurück. Da Johanna keinen Umgang mit der kleinen haben sollte wurde sie von ihrer großen Schwester auf ihr Zimmer geschickt. Die Gelegenheit erwies sich als günstig, wieder in den Stall zu gehen, und zu hoffen dass ER auch dort war. Doch diesen Gedanken verwarf Johanna schnell wieder. Sie wollte Robert vergessen. Und doch ging sie zu Elvira, und bat darum in den Garten zu dürfen. „Was willst du denn da?“, fragte Elvira mit einem etwas misstrauischen Unterton. „Ich möchte ein wenig zeichnen, das Wetter ist doch so schön und gerade jetzt ist das Licht zum Zeichnen herrlich. Bitte erlaube es mir.“ „Na, gut, aber sei pünktlich zum Mittagessen im Speisezimmer.“ Johanna versprach es, nahm ihre Mappe mit hinaus und setzte sich auf eine Bank, die im Schatten einer gewaltigen Eiche stand. So saß sie schweigend eine Weile auf dieser Bank und verewigte Bäume, Wiese und Himmel auf dem weißen Papier. Sie konnte gut zeichnen, wenn sie es wollte. Als sie einmal mehr in den Himmel schauen wollte, bemerkte sie die Person auf dem Weg. Es waren Leonora und Robert, die gemeinsam eine Kiste mit schlecht gewordenem Essen auf der Wiese hinter dem Park vergraben sollten. Leonora bemerkte Johanna nicht, doch Robert ließ sie nicht aus den Augen. Als die Aufgabe erledigt war, sagte Robert etwas zu Leonora, die daraufhin alleine in das Haus zurückging. Er trat jedoch den Weg zum Stall an, wobei er noch mehrmals zu Johanna zurücksah. Dann war er in dem Gebäude verschwunden. Sie versuchte es zu ignorieren, doch die Gedanken an ihn ließen sie nicht los. Und so legte sie ihre Zeichensachen auf die Bank. Mit einem schnellen Blick zum Haus, lief auch sie in den Stall. Robert saß in Coras Box und sprach mit dem Pferd. Er bemerkte Johanna erst als sie die Tür der Box öffnete und begann das Pferd zu streicheln. Robert trat an sie heran. „Guten Morgen, Johanna“, sagte er in einem betont höflichen Tonfall. „Guten Morgen Robert. Ich sehe du magst Pferde sehr.“ „Ja, früher, bei meinen Eltern, durfte ich mich immer um das Pferd des Bürgermeisters kümmern. Nur musste ich das ja jetzt leider aufgeben“. „Warum bist du hierher gegangen wenn es dir doch zu Hause so gut gefallen hat.“ „Nun, Johanna, Sie sollten wissen, dass wir armen Menschen meist keine Wahl haben. Irgendwann werden alle meine Geschwister so wie ich die Heimat verlassen müssen um Arbeit zu suchen. Sie werden das nicht verstehen, aber nicht jeder wächst so wohlbehütet auf wie Sie und Ihre Geschwister. Es gibt auch noch die andere Seite von Preußen, jenseits der Gutshäuser und großen Städten. Kleine Dörfer und Städte, wie meine Heimatstadt, sind in der Entwicklung weit zurück. Das ist auch der Grund warum ich hier arbeiten muss. Fabriken gibt es dort wo ich herkomme nicht, dort hätte ich keine Arbeit gefunden.“Johanna lauschte schweigend seinen Erzählungen. Nachdem er geendet hatte schwieg sie. „Johanna, was ist denn. Sollte ich Sie mit meinen Worten verwirrt haben, verzeiht mir bitte. Aber es ist die Wahrheit.“ „Keine Sorge. Du hast mich nicht verwirrt. Ich hätte nur nicht gedacht dass du es vorher so schlecht hattest. Ich kenne nur dieses Leben. Ein Leben lang unter Beobachtung. Keine freie Entscheidung. Ich würde gerne ein Leben wie deines führen. Wenn ich es könnte würde ich mit dir tauschen. Und hör doch bitte endlich auf, mich wie eine Dame zu behandeln. Du kannst ruhig Du zu mir sagen.“ „Wirklich. Vielen Dank, Johanna. Aber ich denke du musst jetzt gehen, ich glaube ich habe deine Schwester rufen hören.“ Johanna wandte sich zum Gehen, als Robert sie noch einmal festhielt. „Sei heute Nacht um drei Uhr hier im Stall, ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen“. Sie sah ihm ins Gesicht, doch was diese wichtige Nachricht war ließ sich an den ruhigen, sanften Gesichtszügen nicht erkennen. So schnell sie konnte eilte sie ins Haus. Erstaunlich ruhig brachte sie das Mittagessen hinter sich. Die Eltern waren noch immer beim Pfarrer sodass sie das Mittagsmahl alleine mit ihren Geschwistern verzehrte. Nach dem reichhaltigen Essen ging sie auf ihr Zimmer, um ungestört zu sein. Vom Fenster aus beobachtete sie die Wiesen hinter den Parkmauern, doch ihre Gedanken waren bei der kommenden Nacht.Als es Zeit zur Nachtruhe war, legte Johanna sich zwar nieder, hatte aber noch ihre Kleider an, da sie ja das Treffen mit Robert vereinbart hatte. Als es auf der Taschenuhr, die sie von ihrem Vater bekommen hatte, zwei Uhr fünfzig war, öffnete sie leise die Tür ihres Zimmers. Mit sanften, leichten Schritten gelangte sie geräuschlos zur Hintertür. Durch diese gelangte sie in den Garten und ging mit schnellen Schritten zum Stall. Als sie die Tür öffnete, wartete sie schon auf das Bellen des Hundes, doch im Lichtschein einer Kerze sah sie Robert, der den Hund ruhig hielt. Nun stand er auf. Johanna, die nicht wusste was sie sagen sollte, wandte sich erst einmal den Pferden zu. Das erste Wort das gesprochen wurde kam von Robert. „Du scheinst die Pferde ja auch zu lieben.“ „Ja, genau, wie du."  "Wir sind in der Hinsicht ziemlich ähnlich. Aber es sind nicht nur die Pferde die ich liebe.“ „Nun, was hat denn noch deine Gefühle geweckt“, fragte sie, während ein kleines Lächeln ihr Gesicht umspielte. „Nicht was, solltest du fragen, sondern wer“. „Wer? Das heißt du hast dich in ein Mädchen verliebt?“ „Nicht nur in irgendein Mädchen, sondern in dich, Johanna.“ „In mich, aber…“ Bevor sie noch ein weiteres Wort sagen konnte, spürte sie einen Kuss auf ihren Lippen. Sie riss sich los und lief zum Haus, wobei ihr Tränen über das Gesicht liefen. Robert, der sie nicht verraten wollte, rief ihr nicht hinterher und ließ sie gehen. Langsam trat auch er den Weg zum Haus an, betrat den Keller und ging zu Bett. Diese Nacht würde er bestimmt nie vergessen, und er hoffte dass Johanna in den nächsten Tagen noch einmal mit ihm reden würde. Er liebte sie von ganzem Herzen und wollte nicht so schnell aufgeben. Zwei Stockwerke weiter oben lag Johanna in ihrem Bett und weinte. Warum war sie weggelaufen. Sie war doch genauso verliebt, das hatte sie in dieser Nacht festgestellt. War es vielleicht der Kuss, der so überraschend kam. Er hatte ihr doch gefallen. Johanna verstand die Welt nicht mehr. In ihrem Kopf konnte sie keine klaren Gedanken mehr fassen. Alles drehte sich nur noch um ihn. Noch lange lag sie wach im Bett. Erst als die ersten Dienstboten schon aufgestanden waren, schlief Johanna nach endlosem weinen und nachdenken endlich ein. 

3.Kapitel

Als Johanna geweckt wurde war sie noch sehr müde und konnte beim Frühstück kaum den Gesprächen lauschen. Nach dem Frühstück und der Andacht begann der Unterricht. Und obwohl eine Geographiestunde abgehalten wurde folgte sie den Worten der Gouvernante nicht. Immer wieder ging ihr Blick zum Stall und ihre Gedanken waren bei den Geschehnissen der letzten Nacht. Wie gern würde sie jetzt in den Keller hinunterlaufen und Robert sehen. Stattdessen saß sie im Schulzimmer fest und musste dem Unterricht folgen. Nach den fünf Stunden Unterricht, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen, hatte sie ein wenig Zeit und durfte bis zum Mittagsmahl in den Garten hinaus. Sehr bedacht darauf das keiner sie sah, öffnete sie die Tür zum Pferdestall. Sie hatte so sehr gehofft Robert dort zu treffen, doch der Stall war bis auf die Pferde leer. Entmutigt schloss sie die Tür, drehte sich um und blickte in das Gesicht von Robert. Er sagte kein Wort, sondern ging an ihr vorbei in den Stall. Einen Moment lang zögerte Johanna. Nun hatte sie die Wahl: Weggehen und gemäß der Standesordnung weiterleben, oder auch ihr Herz vertrauen und ihren Gefühlen folgen. Einen Augenblick später siegte ihr Herz. Sie folgte ihm in den Stall. Wie immer saß er in Coras Box, doch als er sie sah stand er auf und ging ein paar Schritte auf sie zu. Sie sah im in die Augen, während Robert sie in den Arm nahm. Sie ließ es geschehen. „Nun, Johanna, du bist zurückgekommen“. „Ja, und ich habe dir etwas zu sagen. Ich liebe dich.“ Robert blickte in ihre Augen, aus denen ihm echte Gefühle und Ehrlichkeit entgegenleuchteten. Noch immer hielt er sie im Arm. Langsam näherte sie sich seinem Gesicht und küsste ihn. Er wusste das sie es ehrlich meinte und ließ sie nicht los, bis sie erschrocken feststellte das es Zeit für das Mittagessen war und sie schnell ins Haus zurückmusste. Mit einem letzten schnellen Kuss verabschiedete sie sich von ihm, mit dem Versprechen, das sie sich heute Nacht wieder im Stall treffen würden. So schnell sie konnte lief Johanna ins Haus um bei ihren Eltern und Geschwistern keine Verdacht zu erregen. Jegliche Worte, die heute beim Mittagessen zu ihr gesagt wurden, prallten regelrecht an ihr ab. Weder die Beschwerden über ihr heutiges Verhalten beim Unterricht noch über ihre unordentliche Schrift, die heute wieder mal gerügt wurde, konnten ihr an diesem Tag etwas anhaben. Die heutige Begegnung mit Robert, war ihr bisher schönstes Erlebnis gewesen, und das ließ sie sich nicht nehmen. Nach dem Mittagessen gingen ihre Schwestern und ihre Mutter in den Garten hinaus, was es Johanna unmöglich machte in den Stall zu gelangen. So setzte sie sich in die Bibliothek und las ein Buch. Ihr Vater setzte sich zu ihr. „Johanna, warum bist du nicht draußen bei deinen Schwestern.“ „Papa, du weißt doch das Mama mir jeglichen Umgang mit Franziska verboten hat. Nur weil ich in ihrer Gegenwart die Dienstboten freundlich behandelt habe. Ich versteh das nicht. Das sind doch keine Tiere, sondern auch nur Menschen. Du behandelst sie doch auch gut, warum kann Mama das nicht auch.“ „Weißt du, Johanna. Deine Mutter hatte als sie in deinem Alter war eine gute Freundin. Das Problem war nur das diese Freundin Stubenmädchen war und eigentlich keinen privaten Umgang mit deiner Mutter haben durfte. Als diese Freundschaft herauskam musste das Mädchen das Gut, auf dem deine Mutter lebte, verlassen. Deine Mutter will nur verhindern das es zwischen uns und den Dienstboten Freundschaften gibt.“ Johanna schwieg. Aus einem solchen Standpunkt hatte sie das ganze noch gar nicht betrachtet. Sie hatte immer nur die Bosheit hinter dem Verhalten ihrer Mutter gesehen, und niemals die wahren Gründe. Johanna sah ihren Vater an: „Und du denkst man kann mit einem solchen Verhalten Freundschaften verhindern.“ Ihr Vater sah sie erstaunt an. „Was meinst du damit, Johanna.“ Sie antwortete nicht, erhob sich und ging auf ihr Zimmer. Ihr Vater sah ihr nach und ging ins sein Büro. Das Verhalten seiner Tochter beunruhigte ihn. Warum hatte sie eine solche Frage gestellt. Für gewöhnlich befolgte sie doch die Regeln im Hause. Während er den täglichen Gutsgeschäften nachging, begleiteten ihn diese Gedanken. Am Abend, als das Essen beendet war, ging er in das Zimmer seiner Tochter um mit ihr zu sprechen. „Johanna, ich möchte mit dir reden“. Er setzte sich auf einen Stuhl und blickte seine Tochter an. „Es ist wegen unserem Gespräch von vorhin. Was hatte deine Frage zu bedeuten. Ich weiß das du niemals Fragen stellst ohne das du einen Hintergrund zu der Frage hast.“ Johanna vergrub das Gesicht in ihrem Kissen. „Tut mir leid, Papa, aber ich kann es dir nicht sagen. Vergiss es einfach.“ Er erhob sich. „Gut, wenn du nicht mit mir reden möchtest. Aber solltest du dich entschließen mir die Wahrheit zu sagen, kannst du es jederzeit tun.“ Er verlies das Zimmer. Johanna, die ja noch ein Treffen hatte, dachte nicht mehr lange über das Gespräch nach sondern schlief wenige Minuten später ein. Als es Zeit war zum Treffen zu gehen, öffnete sie die Tür. Schnell war sie im Garten, und bemerkte nicht das eine Gestalt im Schatten der großen Freitreppe sie beobachtete, und auch nicht das diese Gestalt ihr bis zum Stall folgte, in dem Robert schon wartete. Mit einem langen, sanften Kuss begrüßte er sie, doch bevor sie ein weiteres Wort sagen konnten, öffnete sich die Stalltür und Elvira stand dort. „Johanna, geh sofort zurück ins Haus“. „Nein, du hast mir gar nichts zu sagen.“ Elvira machte einen Schritt auf sie zu und schlug ihr ins Gesicht. Robert wollte sie schützen doch Elvira wehrte seine Hand ab. „Wag es ja nicht mich anzurühren, du kannst froh sein wenn in einem Wagen das gut verlässt und nicht zu Fuß. Du brauchst nicht zu glauben das ich das hier für mich behalte.“ Elvira stürmte aus dem Stall. Johanna, die nach dem Schlag ins Haus gelaufen war, lag bereits weinend in ihrem Bett. Sie verstand ihre Schwester nicht. Warum hatte sie sie geschlagen. Was würde nun werden. Elvira würde es sicher erzählen und Roberts Dienstende auf Gut von Walsbach war damit so gut wie sicher. Nach vielen endlosen Stunden des Weinens schlief sie endlich ein. Elvira, im Zimmer nebenan dachte noch lange nicht an schlaf. Nun, da sie über die Geschehnisse nachdachte, hatte sie ihrer Schwester unrecht getan. Schließlich konnte man Gefühle nicht ignorieren oder gar verbiegen. Auch der recht heftige Schlag tat ihr leid. Schon oft war sie mit der Schwester böse gewesen, doch noch nie hatte sie zugeschlagen. Was dachte Johanna jetzt bloß von ihr. Sie beschloss, erst einmal nicht über diese Nacht verlauten zu lassen, doch sie würde darauf bestehen, das Johanna die Beziehung sofort beendete. Diese Nacht hatte in Elviras Wesen einiges in Bewegung gebracht. Sie begann nun hinter den Handlungen anderer nach den Beweggründen zu fragen. Nach endlosem Grübeln schlief schließlich auch sie ein. Und beide fragten sich was der nächste Tag wohl bringen würde.

4.Kapitel

Der nächste Tag brach an und Johanna ging zitternd zum Frühstück hinunter. Mitten auf der Treppe wurde sie von Elvira aufgehalten, die sich ihr in den Weg stellte. „Was ist, willst du mich noch mal schlagen?“
„Johanna, bitte, hör mir zu. Ich werde Mama und Papa nichts von den Vorfällen der letzten Nacht erzählen. Aber im Gegenzug verlange ich auch etwas von dir. Ich möchte das du diese Sache mit Robert sofort beendest. Er passt nicht zu dir.“ „Woher willst du wissen was zu mir passt. Ich werde niemals das tun, was du sagst, und ich lebe mein eigenes Leben und wenn ich mit ihm davonlaufen muss.“ Sie ließ Elvira auf der Treppe stehen. Fassungslos starrte diese ihrer Schwester hinterher. So hatte sie Johanna noch nie erlebt. Langsam trat auch sie den Weg in den Speisesaal an. Während des Frühstücks fielen nur wenige Worte, Johanna schwieg ganz. Nach dem Schulunterricht, des sie an diesem Tag noch weniger folgte als ohnehin schon, und dem anschließenden Mittagessen ging sie auf ihr Zimmer. Elvira folgte ihr: „Nun, Johanna, hast du es dir überlegt“. „Was gibt es da zu überlegen, ich habe dir meinen Entschluss bereits mitgeteilt. Robert liebt mich und ich liebe ihn auch. Um nichts in der Welt würde ich das aufgeben.“ „Gut, du wirst schon sehen was du davon hast.“ Elvira verließ das Zimmer und schlug die Tür unnatürlich laut zu. Sofort ging sie in das Büro ihres Vaters. „Papa, kann ich mal mit dir reden“. „Natürlich, Elvira, mein kind, was hast du auf dem Herzen“. „Nun, es geht um Johanna. Ich habe sie letzte Nacht im Stall überrascht, als sie unseren neuen Hausburschen küsste. Er passt nicht zu ihr, und ich dachte du solltest von der Sache wissen.“ „Ich danke dir, ich werde mit deiner Mutter über die Sache sprechen.“ Elvira verließ das Büro ihres Vaters, sie war froh das sie mit ihrem Vater über die Sache geredet hatte und doch fühlte sie sich unbehaglich. Gemeinsam mit Franziska ging sie in den Garten. Gerade als sie die rückwartige Tür des Hauses hinter sich zugezogen hatte, hörte sie wie ihre Eltern sich unterhielten. Während Franziska im Garten spielte hörte Elvira folgendes Gespräch mit.
„Nun, Theodora, was sagst du über die Sache“. „Ich denke Johanna sollte in ein Pensionat. Dort werden ihr solche Gedanken nicht mehr in den Kopf kommen. Robert wird das Gut natürlich sofort verlassen.
„Natürlich, ich stimme dir voll und ganz zu. Trotzdem werde ich Robert eine neue Stelle vermitteln. Hier können wir ich nicht behalten, aber ich weiß aus welcher armen Gegend er kommt, und wie dringend er eine Stelle braucht. Ich werde ihn sofort zu mir kommen lassen, und du solltest raus in den Garten gehen, ich habe das Gefühl wir werden belauscht.“
Elvira, die neben dem Fenster saß, spürte wie sie rot wurde. Sie ging ins Haus, ihre Mutter kam ihr entgegen. „Elvira, bleib bitte draußen. Dein Vater hat was Wichtiges zu klären.“
Elvira folgte ihrer Mutter, während ihr Vater den Diener rufen ließ: „Jakob, würden sie bitte Robert zu mir schicken“. „Selbstverständlich Gnädiger Herr.“ Jakob stieg in den Keller hinab. In der Küche traf er Robert. „Robert, der Gnädige Herr möchte dich sprechen“. Der Angesprochene, der sich natürlich denken konnte um was es geht, schlich nach oben. Er klopfte am Büro an und wurde hineingerufen. „Guten Tag, gnädiger Herr, sie haben nach mir rufen lassen“. „Guten Tag Robert, nun ich habe mit dir zu reden. Elvira ließ mich heute wissen dass du eine Liebesbeziehung zu meiner Tochter Johanna hast. Ist das wahr.“ Robert schaute betreten zu Boden. „Nun, Robert, du wirst verstehen dass ich dich unter diesen Umständen nicht weiter behalten kann. Ich werde für dich eine neue Stelle ausfindig machen, bis dahin darfst du weiter hier bleiben. Jedoch möchte ich, das du bis dahin nicht mehr mit meiner Tochter sprichst, hast du mich verstanden?“ Robert nickte nur stumm. Dann verließ er das Zimmer. Das einzige was er noch mitbekam war, dass Johanna gerufen wurde. Was mit ihr nun geschehen würde, wusste Robert nicht, doch er hoffte dass sie nicht bestraft werden würde. Johanna war nicht minder aufgeregt als Robert. Mit zitternden Schritten ging sie in das Büro und ließ sich auf einem Stuhl nieder. Ihre Mutter und ihr Vater saßen ihr gegenüber. „Nun, Johanna, wir haben von deiner Beziehung mit Robert erfahren, Deine Mutter und ich haben miteinander gesprochen. Du kannst dir sicher denken dass wir dieser Sache nicht zustimmen. Du musst einsehen dass du als Gutstochter eine gewisse Verantwortung hast. Deswegen haben wir beschlossen, dass du einstweilen in ein Pensionat gehen solltest. Dort bekommst du Schulunterricht und du wirst viele gleichaltrige Freundinnen finden. Betrachte das ganze also nicht als Strafe sondern nur als erzieherische Maßnahme. Wir haben mit deiner kleinen Schwester und deinem kleinen Bruder genug zu tun, sodass wir nicht auch noch auf dich achten können. Und dieser Vorfall mit Robert hat uns gezeigt, dass du uns einfach nicht respektierst. Deine Einweisung ins Pensionat wird am 1. des nächsten Monats stattfinden also bereite alles für deine Abreise für.“
Johanna was fassungslos. „Aber, Papa, wieso willst du mich wegschicken“. „Johanna, unser Entschluss steht fest und die zwei Wochen bis zu deiner Abreise werden schnell vergehen. Bereite also alles vor. Das ist meine letztes Wort.“ „Ich hasse euch, wisst ihr. Ihr wollt mich wegschicken, nur weil ich auf meine Gefühle gehört habe und nicht auf das was eine Ständeordnung mir vorgibt. Ihr wollt mich dafür verurteilen dass ich lebe und nicht wie eine Puppe funktioniere. Ihr wisst doch gar nicht was es heißt verliebt zu sein“. Ohne ein weiteres Wort verließ Johanna das Zimmer, ging in ihr eigenes und ließ den Tränen freien Lauf. Ihre Eltern wollten sie also wegschicken. Was würde nun aus ihr und Robert werden. Würde sie ich überhaupt wieder sehen. Ohne das Abendessen zu sich zu nehmen schlief Johanna ein.

5.Kapitel

Die wenigen Wochen bis zu Johannas Abreise vergingen schnell. Bevor Robert gehen musste konnte Johanna sich noch ein letztes Mal mit ihm treffen. Er versprach ihr, dass er sie aus dem Pensionat holen würde. Johanna hoffte dass er dieses Versprechen auch halten würde. Sie wollte keine Sekunde länger als es nötig war in diesem Pensionat verbringen. Johannas Reise zu diesem Institut vergingen schnell. Als ihr Vater sich von ihr verabschieden wollte war sie abweisend und still. Noch immer konnte sie nicht akzeptieren dass sie weggeschickt wurde nur weil sie ihren Gefühlen folgte. Ihre Liebe zu Robert jedenfalls, war durch diese Maßnahme nicht kleiner geworden. Johanna wurde von den Lehrerinnen des Pensionats nett und freundlich aufgenommen und begrüßt, doch Johannas Gedanken waren, wie immer in den letzten Wochen und Tagen bei Robert, der auf einem Gut in der Nähe von Hannover neue Arbeit gefunden hatte. Johanna sollte eigentlich nicht wissen wo Robert hingegangen war, doch sie hatte ein Gespräch belauscht.
Johanna macht sich viele Gedanken, nicht nur über ihn, sondern auch darüber wie sie zu ihm gelangen könnte. Sie wusste dass, wenn sie wirklich aus dem Institut abhauen würde, sie nicht zu ihrer Familie zurückgehen könne. Sie würde verstoßen werden und musste sich damit abfinden. Die ganze Zeit dachte sie an ihren großen Bruder Eugen, der, ohne an die Konsequenzen zu denken, das Gut und die Familie verlassen hatte.
Im Pensionat vergingen die Tage, doch Johanna kümmerte sich nicht um den Unterricht, die Aufgaben oder sonstige Dinge. In jeder freien Minute arbeitete sie an einem Fluchtplan. Im Unterricht war sie schlecht, sodass die Lehrerinnen schon nach wenigen Wochen und Tagen Beschwerden über die Gutstochter hatten, die ihrer Meinungen nach dumm war und keinen Willen zum lernen zeigte. Jegliche Worte, die die Vorsteherin Johanna mitteilte, kamen nicht bei dem Mädchen an. Und auch die freundschaftlich gemeinten Worte der übrigen Schülerinnen, die einige Male ihre Hilfe anboten, waren für Johanna nicht wichtig. Die einzige, mit der Johanna redete, war eine junge Russin, Anastasia Pawlowna Zekowa. Sie war ein Jahr älter als Johanna und teilte sich das Zimmer mit ihr.
An einem Samstag, als Johanna wieder einmal alleine auf dem Zimmer war, ging Anastasia zu ihr: „Johanna, warum sitzt du hier so alleine. Komm doch mit raus zu uns. Katharina zeigt uns gerade die Tierzeichnungen die sie im Zeichenunterricht angefertigt hat. Die musst du einfach sehen.“ Johanna, die ganz vertieft in ihre Arbeit war, reagierte nicht auf die Worte ihrer Zimmergenossin, sondern zeichnete etwas auf ein Blatt Papier. Anastasia ging langsam zu ihr und sah das Papier, auf dem Zeichnungen vom Haus zu sehen waren. Doch nun bemerkte Johanna sie und schob schnell ihre Hand über das Blatt. „Was machst du denn da“, wollte Anastasia wissen und zog an dem Papier. „Das geht dich gar nichts an“, gab Johanna zurück und schob ihre Hand vom Tisch. Anastasia ließ nicht locker und ergriff schnell das Papier. „Das ist ja ein Fluchtplan. Willst du hier etwa abhauen“.
Sie sah Johanna an, diese jedoch sah nur auf den Boden. Anastasia setzte sich auf den zweiten Stuhl und sah aus dem Fenster. „Nun sag schon, Johanna, warum willst du hier weg.“ „Versprichst du mir es keinem zu erzählen“. Johanna sah der zierlichen Russin lange ins Gesicht, und erst als diese ihr Versprechen gab, begann Johanna zu erzählen: „Eines Morgens, als ich schon früher aufgewacht war, sah ich wie unser neue Hausbursche ankam. Ich wollte ihn natürlich sehen und habe ihn im Garten beobachtet. Ich hatte wirklich nichts anderes vor, doch als im wieder mal heimlich in den Pferdestall gegangen bin, habe ich ihn aus der Nähe gesehen. Ich habe mich in ihn verliebt, und er liebt mich auch. Wir haben uns ein paar Mal im Stall getroffen, nachts natürlich, damit es keiner erfährt, doch meine Schwester, Elvira, ist mir eines Nachts gefolgt und hat von mir verlangt die Beziehung zu beenden. Selbstverständlich war ich nicht bereit dazu. So kam es das meine Eltern es erfuhren. Robert musste das Gut verlassen und ich kam hierher. Als ich ein Gespräch meiner Eltern belauscht habe, habe ich erfahren, dass Robert jetzt in der Nähe von Hannover auf einem Gut arbeitet.“ „Und du möchtest natürlich zu ihm, habe ich recht. Nun gut, wenn du das wirklich willst werde ich dir helfen. Ich versteh dich gut. Ich selber habe mich einmal in einen Jungen hier aus der Stadt verliebt. Durch meine heimlichen Treffen mit ihm weiß ich wie du hier herauskommst. Aber versprich mir eines, pass bitte auf dich auf.“ Johanna konnte kaum fassen, was Anastasia da gerade gesagt hatte, doch sie nickte und schon begann Anastasia einen Plan des Fluchtweges aufzuzeichnen.
Nun wollte Johanna nur noch die nächste Vollmondnacht abwarten, damit sie sich nicht in der Dunkelheit verlief. Eine Woche später war es dann soweit. Als das ganze Haus schlief wartete Johanna noch eine Stunde, bis sie ihren Fluchtplan ausführte. Das alte Kleid, das sie für die Flucht mitgenommen hatte, war eines der wenigen Kleidungstücke die sie mitnehmen wollte. Der große Koffer blieb im Pensionat während der kleine Koffer ihr Reisegepäck enthielt. Ihre guten Kleider nahm sie nicht mit, nur ein wenig Wäsche und ein weiteres Kleid. Das Zimmer der Mädchen lag im Erdgeschoss sodass sie ohne Probleme aus dem Fenster klettern konnte. Als sie auf dem Rasen stand, warf Anastasia ihr den kleinen Koffer hinunter, flüsterte: „Viel Glück“, und schloss das Fenster. Johanna suchte die Stelle der Mauer in der einige Steine lose waren und herausgenommen werden konnten. Johanna war zierlich sodass sie ohne Probleme durch das Loch schlüpfen konnte. Sie setzte die Steine nicht wieder ein, da ihre Flucht am nächsten Morgen auch so bemerkt werden würde. Über die vom Vollmond erleuchteten Straßen lief sie dem Bahnhof entgegen. Sie hoffte dass sie nicht zu sehr auffallen würde, denn eine zweite Möglichkeit zu Robert zu gelangen hatte sie nicht. Das Pensionat lag in der Nähe von Köln und bis auf das Gut, wo Robert war, war der Weg zu weit. Also hatte sie ihre Ersparnisse mitgenommen um mit dem Zug zu ihm zu fahren. Die Nacht verbrachte sie in dem kleinen Bahnhofsgebäude und als im Morgengrauen der erste Zug nach Hannover einfuhr, ging sie in ein Abteil am Ende des Zuges. Das Reisen in den unteren Klassen war sie zwar nicht gewohnt, doch es war das einzige was sie bezahlen konnte. Außerdem würde sie hier mit dem zerschlissenen und verknitterten Kleid am wenigsten auffallen. Der kleine Koffer verstärkte den Eindruck, dass sie ein Kind aus einem armen Hause war. Zudem gab Johanna sich selbstbewusst. Sie wollte den Eindruck erwecken das sie es gewohnt war, alleine zu reisen.Während der Fahrt sprach sie mit einer netten alten Dame, und erkundigte sich vorsichtig nach dem Gut von Bersburg, auf dem Robert war. Die alte Dame wurde misstrauisch. „Was ist der Grund für deinen Besuch dort“. Johanna fühlte sich überführt, doch schnell gab sie einen Grund an: „Mein Bruder, Robert heißt er, arbeitet dort und ich habe die Erlaubnis ihn dort zu besuchen. Eine Tante von mir wohnt im nahe gelegenen Hannover, und Robert verbringt am nächsten Sonntag seinen freien Tag dort. Ich möchte ihn einfach mal wieder sehen.“ Das alles sagte sie in einem Zug, sodass es glaubwürdig klang und das Misstrauen aus dem Gesicht der Frau langsam entschwand. Mit viel Geduld erklärte sie Johanna den Weg zum Gut, zeichnete ihr einen Plan und unterhielt sich dann noch eine Weile mit ihr. Kurz von Hannover musste die Frau aussteigen und wünschte Johanna viel Glück. Nun war sie wieder alleine. Nach ein paar weiteren Stationen kam sie in Hannover an, und machte sie zu Fuß auf den Weg zum Gut von Bersburg, zu dem sie noch eine Stunde Fußmarsch zu bewältigen hatte. So kam es, dass der Tag sich schon dem Ende zuneigte, als sie das Gutsgelände erreichte. Wie es der glückliche Zufall so wollte, befand Robert sich bei der Arbeit auf einem Acker. Langsam ging sie auf ihn zu. Erst als sie bereits dicht hinter ihm stand, drehte er sich um. Vor Erstaunen ließ er sein Arbeitsgerät fallen. Ohne ein Wort zog er Johanna an sich und küsste sie. Erst dann schien er fähig zu sprechen. „Johanna, was tust du hier. Wie bist du hierher gekommen.“ „Nun, du hast gesagt das du mich holen würdest. Aber für mich war es einfach aus dem Pensionat abzuhauen. Deswegen bin ich zu dir gekommen. Lass uns zusammen abhauen. Wir werden unser eigenes Leben führen, ohne Standesordnungen.“ Robert sah in ihre Augen. Sie meinte es ernst, sie war zu ihm gekommen um mit ihr zu leben und mit ihm gemeinsam gegen die Standesordnung einzutreten. „Aber Johanna, wenn wir das tun, können wir beide nie wieder zu unseren Familien zurück.“ „Das ist mir egal, du weißt dass meine Familie unsere Liebe nicht akzeptiert. Ich möchte sie nie wieder sehen.“ „Aber ich kann hier nicht weg. Du weißt meine Familie braucht das Geld“. „Dann werde ich hier auf dem Gut arbeiten. Hier kennt mich keiner. Und wir können zusammenbleiben, ohne dass uns das jemand verbieten kann.“ Robert war von ihren Worten überrascht. Niemals hatte er gedacht, dass sie für ihn soviel in Kauf nehmen würde. Doch er wusste, dass jeglicher Widerstand an ihr abprallen würde. So sagte es nichts. Die folgende Nacht verbrachten beide gemeinsam auf dem Feld. Am Nachmittag des nächsten Tages half er Johanna, sich als armes Bauernmädchen herzurichten. Er schnitt ihr die langen Haare ab, färbte ihr das Gesicht mit ein wenig Erde dunkel und raute ihre Hände mit Sand. Nun würde keiner mehr die adlige Herkunft der Johanna von Walsbach erkennen. Mit dem adligen Aussehen legte sie auch den Namen ab. Ab sofort nannte sie sich Olga Andrejewna Kalowa. Nachdem sie sich eine Geschichte zu ihrer Herkunft überlegt hatte, ging sie an das große, schmiedeiserne Tor, und betrat das Gutsgelände. An der großen Eichentür klopfte sie an. Der Diener öffnete die Tür und war erstaunt über das junge  schmutzige Mädchen, das davor stand. „Betteln ist hier verboten“, sagte er und wollte die Tür schon wieder schließen als Johanna etwas sagte: „Bitte, ich möchte nicht betteln, mein Name ist Olga Kalowa, ich wollte hier um Arbeit bitten.“ „Einen Moment bitte“. Der Diener schloss die Tür. Wenige Minuten später öffnete sie sich wieder und der Gutsherr stand vor Johanna: „So, du möchtest also Arbeit haben. Komm herein und ich werde überlegen ob ich dich gebrauchen kann.“ Johanna trat ein und folgte dem Herrn in das Büro. Er setzte sich, und bat Johanna es ihm gleichzutun. „Nun erzähl mir doch erstmal wer du bist und wo du herkommst. Deinem Namen nach bist du eine Russin, aber du klingst nicht danach.“ „Mein Vater ist Russe, ich habe ihn aber nie kennen gelernt. Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen. Sie hat einen kleinen Hof. Von dem Geld was sie verdiente konnte sie mir einen Schulbesuch ermöglichen und mich ernähren, aber nun ist der Hof abgebrannt, und meine Mutter ist bei dem Feuer umgekommen. Nun muss ich mich selber versorgen und muss dringend eine Arbeit haben.“ „Der Zufall will es dass ich eine Küchenhilfe suche. Du kannst die Stelle haben, aber ich werde mich bei der Mamsell davon überzeugen, ob du auch ordentlich arbeitest, betrachte deine Einstellung also nur als probeweise. Du kannst in den Keller hinuntergehen. Melde dich bei der Mamsell, sie wird die alles Weitere sagen. Johanna stand auf: „Vielen Dank, Gnädiger Herr, ich werde sie enttäuschen.“ Schnell lief sie in den Keller hinunter. Nun würde also ihr neues Leben als einfache Dienstbotin beginnen. Sie war jedoch nicht traurig, ihr altes Leben war für sie abgeschlossen und erschien ihr Jahre entfernt 

6.Kapitel

Wie vom Gutsherr verlangt hatte, meldete sich Johanna bei der Mamsell, einer streng aussehenden Dame. Sie wurde als Küchenmädchen eingestellt. Schon am Abend beim Abendessen der Dienstboten traf sie Robert wieder. Das die beiden sich bereits kannten, wollten beide nicht geheim halten und auch das sie sich liebten konnten sie nicht verbergen. Die anderen Angestellten hatten nichts dagegen. Nur die Mamsell sollte davon nicht erfahren, da sie sehr streng war was Beziehungen zwischen den Dienstboten betraf. Und so ließen die beiden die Mamsell nichts davon merken. Johanna arbeitete hart und niemand merkte ihr die Herkunft aus gutem Hause an. Und auch Robert verriet nichts über Johannas wahres leben. Für die anderen war sie die Russin Olga. Und so vergingen Tage und Wochen in dem Gutsshaus. Johanna und Robert waren glücklich über ihre neugewonnene Freiheit, auch wenn diese sich nur auf die Stunden nach der Arbeit bezogen war. Nachts trafen sie sich meistens in der Küche, wo sie lange glückliche Stunden verbrachten und immer wieder wenn Johanna an ihren Bruch mit der Familie dachte, dachte sie auch an ihren Bruder Eugen, der noch immer in Berlin war, und vom Verschwinden seiner Schwester nichts wusste. Doch ihre Eltern hatten natürlich mittlerweile davon erfahren das ihre Tochter das Pensionat verlassen hatte. Am Tag nach Johannas Flucht wurde ein Brief an ihre Eltern geschickt, der wenige Tage später das Gut erreichte. Nach dem Mittagessen sprachen Johannas Eltern darüber. Theodora machte ihrem Mann Vorwürfe: „Hättest du Johanna gleich gezeigt wie man mit Dienstpersonal umgeht, wäre das gar nicht geschehen. Schau die Elvira an, die wäre gar nicht auf einen solchen Gedanken gekommen“. „Bitte, Theodora, ich wollte doch nicht, da Johanna uns verlässt. Ich wollte ihr doch nur beibringen mit Freundlichkeit und Verständnis durch das Leben zu gehen.“ „Freundlichkeit zu denen die unseres Standes würdig sind, aber nicht zum niederen Dienstpersonal.“ Theodora verließ aufgebracht das Gutsbüro, Benedikt hingegen setzte sich an den Schreibtisch und schrieb einen Brief. Als er Johanna in das Pensionat gebracht hatte, hatte er eine junge Frau, die Zimmergenossin Johannas kennengelernt. Und dieser schrieb er nun.

Sehr geehrtes Fräulein Zekowa,

Ich schreibe Ihnen in einem Moment großer Sorge. Als ich meine Tochter Johanna in das Institut brachte, lernte ich Sie als eine freundlich junge freundlich Frau kennen, sodass ich hoffe das sie mir eine Auskunft gegen. Ich habe einen großen Schrecken erfahren als ich den Brief der Vorsteherin erhielt, das Johanna das Institut verlassen hat. Ich möchte nicht wissen wo Johanna sich gerade aufhält. Doch ich wäre sehr beruhigt wenn Sie mir schreiben könnten ob es Johanna gut geht.

Benedikt hielt inne im Schreiben. Dann zeriss er den angefangenen Brief. Die Gefahr war zu groß, das Theodora den Antwortbrief fände, und dann hätte das Fräulein Zekowa ein Problem. Theodora würde alles daran setzen, Johanna nach Hause zu bringen und zu bestrafen. Benedikt verließ sein Büro und Elvira erwartete ihn bereits im Flur: „ Vater, ist es wahr, das Johanna verschwunden ist“. Benedikt antwortete nicht, sondern ging an seiner Tochter vorbei. Elvira sah ihm hinterher, und stieg dann die Treppe hoch zu ihrer Schwester Franziska. „Frankiska, kommst du mit in den Garten“. „Natürlich, Elvira, liest du mir denn etwas vor“. „Dann nehme ein Buch mit“. Elvira nahm ihre kleine Schwester an die Hand und verließ mit ihr das Haus. Sie las ihr die Geschichte vor, doch sie folgte dem Inhalt der Geschichte nicht. Immer wieder schweiften ihre Gedanken ab zu Johanna. Doch sie wusste nicht das diese mit ihrem neuen Leben sehr glücklich war und sich mittlerweile mit ihrer neuen Arbeit sehr gut angefreundet hatte. Sie hatte für ihren Robert alles aufgegeben was sie hätte haben können. Doch sie hatte für ihre Liebe alles gegeben. Sie dachte das nun ihr Leben perfekt war, doch das sie noch viel mehr dafür tun musste hätte sie nicht gedacht.

7. Kapitel

Die Monate verstrichen, und Johanna arbeitete noch immer auf dem Gut. Doch dann kam ein verhängnisvoller Tag der ihr Geheimnis auffliegen ließ. Alles begann damit dass der Gutsherr nach der Andacht eine besondere Ankündigung hatte. „Wie ihr alle wisst findet bald schon die Hochzeit meines Sohnes Roland und seiner Verlobten Elvira von Walsbach statt. Benedikt, der Vater der Braut und ein alter Freund von mir, wird bereits heute Nachmittag hier ankommen, deswegen ist höchste Eile angesagt. Das Gästezimmer muss hergerichtet werden und ich erwarte das in der Küche alles getan wird um diesem Gut alle Ehre macht. Und nun an die Arbeit.“ Niemand hatte gemerkt, dass Johanna sehr still geworden war. Schnell lief sie hinunter in die Küche. Das der Sohn der Familie von Bersburg, Elviras Verlobter war, hatte sie nicht gewusst, denn bisher war niemals viel über Elviras bevorstehende Heirat gesprochen worden, und den Namen hatte Johanna nie gehört. Robert, der niemals an der evangelischen Andacht teilnahm, war verwundert, als Johanna so aufgelöst in der Küche ankam. Sie weinte und stürzte sich gleich in seine Arme. Emma, das zweite Küchenmädchen, war über diese starke Gefühlsreaktion von Johanna entsetzt. Sie nahm nun ihrerseits ihre Freundin in den Arm. Sie versuchte Johanna zu beruhigen. „Olga, was hast du denn. Hast du Angst vor der vielen Arbeit“? Von Seiten Johannas kam keine Antwort. Sie hatte sich noch immer nicht beruhigt und hatte Angst. Erst nach einer halben Stunde hatte sie sich wieder gefasst und konnte erzählen, warum sie so verstört war: „Ich muss euch allen etwas beichten.“ Doch dann brach sie ab und wieder flossen die Tränen in Strömen über ihre Wangen. Sie verließ fluchtartig die Küche, stürzte in die Mädchenkammer und legte sich auf ihr Bett. Sie wurde lang Zeit nicht gerufen. Emma und Robert hatten der Mamsell erklärt das Johanna, oder wie sie auf dem Gut hieß, Olga, sich nicht wohl fühle. Zu ihrer Überraschung widersprach die Mamsell nicht, sondern akzeptierte die Entschuldigung, unter der Bedingung dass das Essen trotz allem reibungslos zubereitet wurde und zur Ankunft des Gastes alles fertig war. Emma wurde nach oben geschickt als das Essen zubereitet war, um bei der Herrichtung des Hauses zu helfen. Auf dem Flur traf  den Gutsherren. Sie hatte eine Frage an ihn, und obwohl sie wusste dass er gegenüber den Dienstboten distanziert war, sprach sie ihn an: „Gnädiger Herr, ich habe eine Frage?“ Der Gutsherr war heute im Hinblick auf den Gast sehr wohl gesonnen, sodass er Emmas Frage ,ohne ein Wort zu widersprechen, beantwortete: Nun, Emma, bevor du eine Frage stellst habe ich meinerseits eine. Ist das Essen hergerichtet?“ „Ja, Gnädiger Herr, es ist alles für die Ankunft des Gastes vorbereitet. Und nun habe ich eine Frage. Das neue Küchenmädchen, Olga, wo kommt sie her?“ „Olga hat ihre Herkunft nicht genannt. Warum möchtest du es wissen. Hat sie sich ungezogen benommen oder die Arbeit verweigert?“ „Nein, gnädiger Herr, ich habe keine Beschwerden. Es war eine Frage aus reinem Interesse.“ „Nun Emma, die Frage kann ich dir nicht beantworten. Sind schon alle Aufgaben erledigt. Wenn nicht dann geh jetzt und helfe den anderen. Ich habe noch etwas zu erledigen“. „Jawohl, gnädiger Herr, wie sie wünschen.“ Emma ging in die oberen Räume und half den anderen. Unten hatte Johanna sich gerade von ihrem Lager erhoben. Sie ging in die Küche, und trank ein Glas Wasser. Emma kam zu ihr. „Olga, wie fühlst du dich, ist alles in Ordnung mit dir“. „Emma, bitte, hör mir zu, und stell bitte keine Zwischenfragen. Ich werde dir erklären was ich vorher nicht sagen konnte. Ich bin nicht die für die mich alle halten. Ich bin keine Russin, mein Name ist auch nicht Olga. Mein wirklicher Name ist Johanna. Johanna von Walsbach. Benedikt ist mein Vater, und Elvira meine Schwester. Ich muss hier weg. Bitte hilf mir.

Abbruch

Nachdem diese Story ja jetzt ziemlich lange auf Eis lag, muss ich leider zugeben das ich zur Zeit einfach keine neuen Ideen mehr habe, weswegen ich diese Geschichte jetzt erstmal abbrechen werde. Sollte ich mich irgendwann entschließen weiterzuschreiben, werde ich das dann natürlich auch hier veröffentlichen.

 

LG Sandi1992

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Hörbuch

Über den Autor

Sandi1992
Ja also hallo erstmal. Ich bin die Sandra und wohne im schönen Hoya an der Weser.Dort besuche ich das Johann-Beckmann-Gymnasium mit dem Ziel 2012 mein Abi zu machen. Meine Hobbies sind Feuerwehr, zeichnen, Mathematik und natürlich schreiben.

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Sandi1992 Re: Liebe Sandra, -
Zitat: (Original von mukk am 04.04.2009 - 17:30 Uhr) schöne Schilderung der Klassenunterschiede und gute Darstellung der verschiedenartigen Charaktere,
Gut gemacht!
Liebe Grüße
Mukk


Danke für den netten Kommentar

Vor langer Zeit - Antworten
mukk Liebe Sandra, - schöne Schilderung der Klassenunterschiede und gute Darstellung der verschiedenartigen Charaktere,
Gut gemacht!
Liebe Grüße
Mukk
Vor langer Zeit - Antworten
Sandi1992 Re: Gute -
Zitat: (Original von MaBo am 03.04.2009 - 15:46 Uhr) Geschichte... Mag deinen Schreibsteal sehr...5 Sterne :)


Dankeschön
Vor langer Zeit - Antworten
MaBo Gute - Geschichte... Mag deinen Schreibsteal sehr...5 Sterne :)
Vor langer Zeit - Antworten
Sandi1992 Re: Hi -
Zitat: (Original von MysticRose am 01.04.2009 - 19:15 Uhr) Hallo!
Storys übers Mittelalter (na, ja, vllt. nicht ganz) haben hier noch gefehlt, und damit hast du die Lücke gefüllt und zwar gut gefüllt.
Die Idee ist sehr spannend und ich werde die Story auf jeden Fall weiter verfolgen.
Einziges Kriterium: Schau mal an den Anfang, die Sätze dort klingen mir ein wenig zu abgehackt.
Greats von MysticRose


Danke für das Kommi. Die Anfänge von Geschichten sind bei mir immer ein großes Problem. Habe schon versucht das ganze zu überarbeiten, ist mir aber nicht so gelungen.
Trotzdem danke für den Tipp.
LG Sandra
Vor langer Zeit - Antworten
MysticRose Hi - Hallo!
Storys übers Mittelalter (na, ja, vllt. nicht ganz) haben hier noch gefehlt, und damit hast du die Lücke gefüllt und zwar gut gefüllt.
Die Idee ist sehr spannend und ich werde die Story auf jeden Fall weiter verfolgen.
Einziges Kriterium: Schau mal an den Anfang, die Sätze dort klingen mir ein wenig zu abgehackt.
Greats von MysticRose
Vor langer Zeit - Antworten
Sandi1992 Re: Für -
Zitat: (Original von rumpi am 01.04.2009 - 17:47 Uhr) eine Neueinsteigerin und dann auch noch so jung ist dieses hier eine tolle Leistung.

LG+5 Sterne,Karsten


Dankeschön für das Kommi und das Lob.

LG
Sandra
Vor langer Zeit - Antworten
rumpi Für - eine Neueinsteigerin und dann auch noch so jung ist dieses hier eine tolle Leistung.

LG+5 Sterne,Karsten
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