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Brückengeschichten

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"Brückengeschichten"
Veröffentlicht am 16. Juli 2026, 10 Seiten
Kategorie Kinderbücher
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Über den Autor:

Kurzgeschichten nicht nur für Kinder und Erinnerungssplitter aus meinen Leben findet ihr auf meinen Profil.
Brückengeschichten

Brückengeschichten

Der Wald war in dichten, grauen Nebel gehüllt, als der kleine Waschbär Fendis keuchend die Wunschbrücke erreichte. Hinter ihm im Unterholz knackte es bedrohlich. Der Schattenschleicher, ein riesiger, geheimnisvoller Nachtvogel, war hinter ihm her, denn Fendis hatte aus Versehen eine glänzende Feder des Vogels stibitzt und nun wollte das Tier sie zurückhaben.

Mit lautem Herzklopfen rannte Fendis auf die Brücke. Doch als er genau in der Mitte ankam, passierte etwas Unheimliches, die magische Wunschblume leuchtete nicht mehr bunt. Sie glühte in einem warnenden, tiefen

Dunkelrot und fing an, leise zu vibrieren. Der dichte Nebel kroch an den steinernen Pfeilern hoch und plötzlich schien der Weg ans andere Ufer wie weggewischt. Fendis saß in der Falle.

Das Knacken kam näher. Zwei große, gelbe Augen blitzten im Nebel am Brückenanfang auf. Fendis wusste, dass er schnell handeln musste. Er erinnerte sich an eine alte Waldregel. „Auf der Wunschbrücke rettet dich kein mutiges Schwert, sondern nur ein ehrlicher Gedanke!“ Er drückte die glänzende Feder fest an seine Brust, schloss die Augen und rief gegen den Wind:

„Ich wollte sie nicht stehlen, ich wollte sie nur einmal bewundern! Ich wünsche mir, dass wir Frieden schließen!“

In diesem Moment stieß der Schattenschleicher einen lauten Schrei aus und stürzte sich aus dem Nebel herab. Fendis duckte sich und kniff die Augen noch fester zu. Doch statt eines Angriffs spürte er nur einen sanften Windzug. Als er aufsah, strahlte die Brücke in einem gleißenden, goldenen Licht. Die Wunschblume hatte Fendis' ehrlichen Wunsch in eine schützende Lichtkuppel verwandelt.


Der riesige Vogel landete majestätisch auf dem Brückengeländer. Das goldene Licht spiegelte sich in seinen Augen und der anfängliche Zorn war verflogen. Fendis streckte zitternd seine kleine Pfote aus und legte die Feder behutsam auf den Stein. Der Schattenschleicher neigte den Kopf, nahm die Feder im Schnabel auf und stupste Fendis dankbar an. Mit einem mächtigen Flügelschlag erhob er sich wieder in die Lüfte und der Nebel verzog sich im Nu. Fendis atmete tief durch.

Die Brücke hatte ihn nicht nur gerettet, sondern aus einem vermeintlichen Feind einen Beschützer gemacht.


Die goldene Lichtkuppel war verschwunden, doch die magische Blume sah anders aus als je zuvor. Ihre Blütenblätter schimmerten nun nicht mehr nur bunt, sondern hatten ein sanftes, rhythmisches Glitzern gelernt, das wie ein kleiner Herzschlag im Takt der Brücke pulsierte. Fendis bemerkte schnell, was diese neue Kraft bedeutete, denn die Blume konnte nun Gefühle im ganzen Wald spüren und weithin sichtbar anzeigen.

Als Fendis am nächsten Morgen zur Brücke zurückkehrte, flackerte die Blume in einem unruhigen, zittrigen Orange. Irgendetwas stimmte nicht.

Plötzlich raschelte es im Gebüsch und das Wildschweinkind Borstel stürmte auf die Brücke völlig aufgelöst, weil es sich im tiefen Brombeerdickicht verlaufen hatte und schreckliche Angst vor der Dunkelheit hatte.


Kaum betrat Borstel den alten Stein, reagierte die neue Kraft der Blume sofort. Sie verströmte nicht nur ein warmes, beruhigendes Licht, das die Schatten des Waldes vertrieb, sondern sandte auch ein leises, wunderschönes Summen aus. Dieses Summen legte sich wie eine unsichtbare, kuschelige Decke um Borstels aufgeregtes Herz. Das kleine Wildschwein hörte sofort auf zu weinen

und fühlte sich augenblicklich sicher und geborgen, noch bevor es überhaupt einen Wunsch aussprechen konnte.

Fendis nahm Borstel an die Pfote und gemeinsam folgten sie dem goldenen Lichtstrahl, den die Blume nun wie einen Kompass in den Wald hineinwarf. Die neue Kraft der Brücke war perfekt. Sie beschützte die Tiere nun nicht mehr erst, wenn Gefahr drohte, sondern spendete Trost und zeigte ihnen den sicheren Weg nach Hause, wann immer ein Waldbewohner traurig oder verloren war.





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