Standen zufällig auf dem Bahnsteig nebeneinander und warteten auf die Ankunft des Zuges, der sich um 30 Minuten verspätete.
Er lachte sie an. Sie erkannte ihn sofort. Gut sah er aus. Kleine Fältchen um Augen und Mund hatten ihn in den letzten zwanzig Jahren noch attraktiver und männlicher gemacht.
Es war damals für beide die erste große Liebe. Sie waren füreinander bestimmt, nicht für immer, aber für zwei wundervolle Jahre. Verliebt, sorglos, unbeschwert lag das Leben zu ihren
Füßen. Sie schwebten gemeinsam im siebten Himmel, merkten aber zu spät, dass sie in der Hölle aufwachten.
Jeder ging seinen eigenen Weg, konnte ohne den Anderen leben, sahen sich nie wieder, bis vorgestern auf Bahnsteig 4.
Kurz bevor der Zug einfuhr, küsste er sie sanft und zart, strich ihr die Haare aus der Stirn und sagte zärtlich: „ Hey, Teufelin“. Genau wie früher, nahm er ihre kalten Hände, steckte sie unter seine Jacke und berührte damit sein Herz.
Beim Verlassen des Bahnhofs, er mit seiner Frau, sie am Arm ihres Mannes, blinzelten sie sich nochmals zu und
hoben die Hand zum Gruß.
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Sie steht vor dem Spiegel, lächelt über ihre neue Frisur. Haare, rot wie der Teufel. Findet sich schön, jung, begehrenswert, voller Schwung und Lebensfreude.
"Hey, Teufelin", denkt sie, was sind schon zwanzig Jahre?
Im Radio spielt leise Musik, sie bewegt sich im Takt. Das Licht der Stehlampe wirft Schatten, als ob zwei Menschen innig verschlungen miteinander tanzen........................
(C) Martina Wiemers