Meine Geschichte läuft außer Konkurrenz und wird nicht bewertet.
Da ich aber gerne mitschreiben wollte, möchte ich sie mit euch teilen.
Schreibparty 119
Thema: "Das ist schon ziemlich heiß"
Vorgabeworte:
Baumwollsocken, Stimmung, Tasse, unangenehm, Grashüpfer, Katzenjammer
Flüstern auf Papier
Ich habe diese Doodles wirklich seit Jahren gemacht.
Auf Notizzetteln, in Heften, manchmal auf der Rückseite eines Briefes – oft neben einer Tasse Kaffee, wenn die Stimmung ruhig war und der Tag einfach vorbeiging.
Manchmal war es auch unangenehm, weil ich eigentlich etwas anderes hätte tun sollen, aber der Stift wanderte trotzdem über das Papier.
Ich habe sie nie ernst genommen.
Bis ich eines Tages – nach meinem Umzug vor einigen Tagen – eine Kiste aufmachte, in der ich alte Zettel gesammelt
hatte.
Da lag alles durcheinander: Kritzeleien, Doodles, kleine Figuren, Muster und viele andere Dinge aus vielen Jahren, zwischen Notizen, Skizzen und Momenten von Katzenjammer nach langen Tagen.
Da waren auch Zeichnungen von Dingen, die ich nicht bewusst festgehalten hatte – ein Grashüpfer im Gras, schiefe Häuser, Muster aus Linien und Formen, und sogar eine kleine Skizze von Baumwollsocken, die am Rand eines Blattes gezeichnet waren, als würden sie
gerade vom Papier herunterfallen.
Ich blätterte weiter und blieb irgendwann stehen.
Die Figuren wiederholten sich.
Das gleiche Gesicht. Die gleiche Linie. Der Grashüpfer immer wieder an anderen Stellen.
Nur wirkten sie jedes Mal ein wenig anders. Als hätten sie sich entwickelt.
Ich begann zu vergleichen.
Und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass das kein Zufall ist.
Eher eine Art Sprache, die ich über Jahre hinweg benutzt habe, ohne sie zu
verstehen.
Keine Sprache mit Wörtern.
Eher ein Flüstern auf Papier.
„(Das ist schon ziemlich heiß)“
Ich habe immer wieder darüber nachgedacht.
Warum entstehen solche Bilder, wenn man eigentlich nur kurz etwas festhalten will?
Warum bleiben manche Dinge, obwohl sie nie geplant waren?
Vielleicht sind Doodles genau das: Keine Zeichnungen aus Absicht. Sondern Spuren von Momenten – festgehalten
zwischen Tasse, Gedanken, Stimmung, und allem, was man eigentlich nicht sagen wollte.
Und während ich die letzte Kiste sortierte, wurde mir klar, dass ich über die Jahre unbewusst meine eigenen Doodles weitergeführt und Erweiterungen dazu gemalt habe.