Kurzgeschichte
Der Hase, der Kauz und der Falke - eine kleine Fabel über die KI-Debatte

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"Der Hase, der Kauz und der Falke - eine kleine Fabel über die KI-Debatte"
Veröffentlicht am 11. Juni 2026, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht: Der Winter ist ein Bösewicht, die Bäume tragen Schneegewicht, die Stämme sind kahl und so schwarz wie ein Pfahl, die Felder sind weiß und auf dem See liegt Eis. In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.
Der Hase, der Kauz und der Falke - eine kleine Fabel über die KI-Debatte

Der Hase, der Kauz und der Falke - eine kleine Fabel über die KI-Debatte

Der Hase, der Kauz und der Falke – eine kleine Fabel über die KI-Debatte

Neulich las ich eine meiner ersten Fabeln. Ein junger Hase verspottet einen alten Kauz. Der Hase hält den Alten für überholt, senil und bedeutungslos. Der Kauz reagiert erwartungsgemäß gekränkt und belehrend. Er pocht auf Erfahrung, Tradition und Respekt. Beide erklären sich gegenseitig zur eigentlichen Ursache allen Übels. Während sie streiten, zieht ein Falke seine Kreise. Wenig später wird der Hase zu dessen Abendessen.

Auf den ersten Blick ist das nur eine Geschichte über Jugend und Alter. Auf den zweiten Blick erinnert sie mich verblüffend an viele Diskussionen über künstliche Intelligenz. Da sind die Hasen. Sie sehen in jeder technischen Neuerung den Beginn einer besseren Zukunft. Alles Alte erscheint ihnen langsam, umständlich und verzichtbar. Künstler, Autoren, Lehrer, Journalisten – viele traditionelle Tätigkeiten werden vorschnell zu Relikten erklärt. Und da sind die Käuze. Sie betrachten die Entwicklung mit Skepsis. Manchmal

mit guten Gründen, manchmal aber auch mit einer Verklärung der Vergangenheit. Sie warnen vor dem Verlust von Kultur, Handwerk und menschlicher Kreativität und reagieren auf jede Neuerung mit Misstrauen. Beide Seiten führen ihre Argumente mit Leidenschaft. Beide Seiten besitzen berechtigte Einwände. Und beide Seiten übersehen gelegentlich etwas Entscheidendes. Den Falken. Der Falke ist die Realität hinter der Debatte. Er steht für wirtschaftliche Interessen, politische Macht, globale

Konzerne und die Geschwindigkeit technologischer Veränderungen. Während wir darüber diskutieren, ob KI gut oder böse ist, werden längst Tatsachen geschaffen. Märkte verändern sich. Arbeitsweisen verändern sich. Machtverhältnisse verändern sich. Der Falke diskutiert nicht. Er handelt. Vielleicht ist das die eigentliche Lehre der Fabel. Nicht die Jugend irrt grundsätzlich. Nicht das Alter hat automatisch recht. Gefährlich wird es erst, wenn beide so sehr mit ihrem Streit beschäftigt sind, dass sie den Blick für das verlieren, was tatsächlich geschieht.

Die KI-Debatte braucht deshalb weniger Lagerdenken und mehr Aufmerksamkeit für die Wirklichkeit. Weniger gegenseitige Verachtung und mehr Neugier. Weniger „Ihr versteht die Zukunft nicht“ und weniger „Früher war alles besser“. Denn während Hase und Kauz noch darüber streiten, wer von beiden recht hat, zieht der Falke bereits seine Kreise. Und der interessiert sich bekanntlich nicht für Argumente POINTEN lassen Spielräume zu älteren Texten. Diesmal trifft es den alten Kauz und den Jungspund.

»Hey, Alter, was schaust du so widerlich gescheit?« Der Hase starrte provozierend zum alten Kauz, der in seiner Eiche in die Sonne blinzelte. »Deine ausgelutschten Ansichten interessieren kein Schwein mehr auf dieser Welt! Du bist senil und flügellahm.« »Wie redest du mit mir? Hast du keinen Respekt?« Unter zusammengezogenen Brauen bedachte der Kauz den Jungspund mit strafendem Blick. »Der Jugend gehört die Zukunft! Dein Korn ist gedroschen«, rief der Hase spöttisch. »Ein Philosoph im Hasenkostüm! Wenn die Nachkommen den Fußstapfen der Altvorderen folgen, ist die Welt wieder

im Lot«, erwiderte der Kauz amüsiert und wiegte scheinheilig sein Haupt. »Ich könnte dich mit einem gezielten Griff in deinen aufsässigen Nacken töten.« »Lass stecken, Alter!« Der Hase tanzte Haken schlagend über die Wiese. Er äffte den Kauz nach: »Wie redest du mit mir? Hast du keinen Respekt?« Ein Falke blinzelte in die Abendsonne und nahm Sekunden später zum Dessert ein Stück vom saftigen Hasenschenkel. »Eins A Qualität, besser als der Alte.«

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Über den Autor

KatharinaK
Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht:
Der Winter ist ein Bösewicht,
die Bäume tragen Schneegewicht,
die Stämme sind kahl
und so schwarz wie ein Pfahl,
die Felder sind weiß
und auf dem See liegt Eis.
In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.

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