Schreibparty 119
Der Sabateur mit dem Grashüpfer
Thema:
"Das ist schon ziemlich heiß ..."
Vorgabeworte:
Stimmung, Tasse, unangenehm, Katzenjammer, Baumwollsocken, Grashüpfer
Cover und Text Schnief
Robert saß mitten im sehr warmen und mehr als sterilen Großraumbüro, zudem war die Stimmung geladen. Die Klimaanlage war komplett ausgefallen.
„Das ist schon ziemlich heiß“, murmelte er und hielt sich an seiner Tasse fest. Darin befand sich längst kein Kaffee mehr, sondern das letzte Eiswasser, welches er in der Etage gefunden hatte. Er träumte ein wenig, dass er lieber jetzt mit dem Boot auf See angelte.
Plötzlich erloschen alle
Bildschirme. Ein unangenehm hoher Alarmton schrillte durchs Büro und den Gängen.
Gleichzeitig leuchtete auf Robert's Smartphone eine rote Digitalanzeige auf:
03:00 Minuten bis zur Kernschmelze und permanentem Datenverlust. Robert reagierte sofort. Er war nicht nur IT-Spezialist, er war heute wohl die letzte Rettung für die Firmendaten. Er rannte mitsamt seiner Kaffeetasse Los. Im Serverraum drückte ihm jedoch eine Wand aus tropischer Hitze entgegen. Ein lauter Katzenjammer entwich dem
überhitzten Hauptprozessor, der laut surrend die Sekunden herunterzählte. 01:45 Minuten. Robert musste unverzüglich das manuelle Kühlsystem auf dem Dach aktivieren.
Auf dem Weg zur Dachluke rutschte er auf dem glatten Linoleum aus. Seine braunen Baumwollsocken boten in den hektisch abgestreiften Businessschuhen absolut keinen Halt. Er fing sich im letzten Moment ab. 00:30 Minuten.
Nachdem er auf dem Dach angekommen war, riss er die Abdeckung des Notkühlers auf. Ein
mechanischer Defekt blockierte die Schaltung, das erkannte er sofort. Ein kleiner, vertrockneter Grashüpfer steckte genau in einem Zahnrad der Elektronik. Nur noch 00:08 Minuten. Robert zog das Insekt mit einer Büroklammer heraus, die er zum Glück in der Hosentasche hatte.
Die Ventilatoren sprangen sofort dröhnend an.
Die Daten waren gerettet, der Timer stoppte bei 00:01.
Robert atmete tief durch, doch seine erleichterte Stimmung schlug sofort wieder um. Ein verdächtiges Scharren hinter den massiven
Lüftungsrohren ließ ihn herumfahren. Er hielt die Tasse mit ein paar Tröpfchen vom Schmelzwasser wie eine Waffe umklammert.
Ein vertrautes Gesicht trat aus dem Schatten, es war Herr Maier aus der Buchhaltung, der einen USB Stick mit einer wahrscheinlichen Sabotagesoftware in der Hand hielt. Ertappt stieß Herr Maier einen kläglichen Seufzer aus, drehte sich um und wollte durch die Dachluke fliehen. Robert reagierte blitzschnell. Da seine Baumwollsocken auf dem feuchtem Metalldach extrem rutschig waren,
warf er sich nicht auf den Verräter, sondern schlitterte wie ein Eishockeyspieler gezielt in dessen Laufbahn. Herr Maier stolperte über Roberts ausgestrecktes Bein. Der USB Stick flog im hohen Bogen davon und landete genau neben einem erschrockenen Grashüpfer vorm Sicherheitsgitter. Robert drückte den Saboteur zu Boden, gleichzeitig informierte er die Security mit dem Handy. Die Schritte der Security auf der Treppe halten Sekunden später.
Herrn Maiers Gesicht rötete sich vor Wut, während er am Boden liegend von Robert fixiert wurde.
Die Stimmung auf dem Dach war eisig, obwohl die Sonne weiterhin gnadenlos brannte. Robert blickte auf seine leere Tasse, die beim Sturz zerbrochen war, und sah Herrn Maier fordernd an.
„Warum, Maier? Das ist schon ziemlich heiß und ich meine nicht das Wetter! Sie haben fast die ganze Firma ruiniert.“ Ein unangenehm scharfes Lachen entwich Herrn Maiers Kehle, das schnell in einen wehleidigen Katzenjammer überging.
„Die Firma hat mich zuerst ruiniert!“, rief er verzweifelt. Er erklärte dann etwas stockend, dass
der neue KI-Büroassistent namens PM seine gesamte Abteilung wegrationalisieren sollte.
Herr Maier wollte die Server lahmlegen, um zu beweisen, dass die Technologie unzuverlässig ist und ohne menschliche Buchhalter im Chaos endet. Robert schüttelte den Kopf, während er sich auf seinen rutschigen Baumwollsocken wieder aufrichtete. Die Security übernahm Herrn Maier endlich und führte den gefassten Saboteur ab.