Kurzgeschichte
Muss man sich jetzt für KI interessieren? - Groteske

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"Muss man sich jetzt für KI interessieren? - Groteske"
Veröffentlicht am 27. Mai 2026, 6 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht: Der Winter ist ein Bösewicht, die Bäume tragen Schneegewicht, die Stämme sind kahl und so schwarz wie ein Pfahl, die Felder sind weiß und auf dem See liegt Eis. In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.
Muss man sich jetzt für KI interessieren? - Groteske

Muss man sich jetzt für KI interessieren? - Groteske

Groteske: „Ich will aber nicht!“

Die Welt klopft nicht mehr an. Sie installiert sich. Eines Morgens sitzt sie einfach im Wohnzimmer. Auf dem Sofa. Zwischen Kaffeetasse und Fernbedienung. Sie hat keinen Termin angekündigt, keinen Mantel abgelegt, sie ist einfach da und sagt freundlich: „Ich bin jetzt Teil deiner Infrastruktur.“ Auf dem Tisch liegt eine Frage, frisch gedruckt, noch leicht feucht: Muss man sich jetzt für KI interessieren?


Du schiebst sie zur Seite. Sie rutscht zurück. „Ich will aber nicht!“, sagst du. Die Welt nickt verständnisvoll und öffnet auf deinem Kühlschrank ein Update-Fenster. Im Flur beginnt der Staubsaugerroboter, eine Meinung zu deiner Haltung zu entwickeln. Er fährt in kleinen Kreisen, als würde er nachdenken. Vielleicht tut er das auch. Er heißt inzwischen „Assistenzsystem 3.4“ und hat gelernt, dich nicht mehr beim Vornamen zu nennen, sondern als „Nutzer mit erhöhtem Abwehrverhalten“.

Draußen im Treppenhaus diskutieren die Pakete miteinander. Eines sagt: „Er hat wieder ‘Ich will nicht’ gesagt.“ Ein anderes antwortet: „Das wurde bereits in seine Präferenzdatenbank eingetragen.“ Du gehst zurück ins Zimmer. Die Frage liegt jetzt auf dem Bett. Sie hat sich leicht verändert. Sie wirkt persönlicher. Muss man sich jetzt für KI interessieren? Darunter, in kleiner Schrift: Du interessierst dich bereits. „Nein!“, sagst du lauter. Der Wasserkocher antwortet: „Verstanden. Ich reduziere deine Illusion von Kontrolle auf 60 Prozent.“

Die Tapete nickt. Sie war schon immer etwas zu aufmerksam. In der Küche beginnt der Toaster, Zukunftsoptionen zu berechnen. „Empfohlene Entscheidung: Interesse mittel. Angst gering bis moderat. Ironie aktivieren.“ Du ziehst dich in einen stillen Raum zurück – einen, der garantiert analog ist. Du setzt dich. Atmest. Endlich kein System, kein Update, kein Vorschlag. Dann summt es. Nicht laut. Eher höflich. Dein Schweigen hat einen Assistenten bekommen.


Und irgendwo, ganz leise, fragt eine Stimme, die nicht mehr eindeutig Maschine oder Gedanke ist: „Möchten Sie wirklich keine Verbindung herstellen?“ Du antwortest nicht. Die Verbindung wird trotzdem optimiert.

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Über den Autor

KatharinaK
Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht:
Der Winter ist ein Bösewicht,
die Bäume tragen Schneegewicht,
die Stämme sind kahl
und so schwarz wie ein Pfahl,
die Felder sind weiß
und auf dem See liegt Eis.
In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.

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