Früher musste man wenigstens noch in eine Sekte eintreten. Heute reicht ein FB-Account.
Die neuen KI-Eliten verkünden täglich die nahe Zukunft der Superintelligenz, während sie gleichzeitig vergessen haben, wie man ohne Navi nach Hause findet. Aber das stört nicht weiter. Schließlich soll Denken ohnehin bald ausgelagert werden — vermutlich in dieselbe Cloud, in der schon unsere Passwörter und peinlichen Urlaubsfotos verschwunden sind.
Der moderne KI-Prophet erkennt man leicht: Er trägt Turnschuhe für 900 Euro
und erklärt mit leuchtenden Augen, dass Bewusstsein eigentlich nur „skalierte Musterverarbeitung“ sei. Meist sagt er das in klimatisierten Konferenzhallen, deren Stromverbrauch zufällig dem Jahresbedarf einer Kleinstadt entspricht.
Besonders rührend ist der Glaube, Maschinen würden bald „den Menschen ersetzen“.
Das klingt dramatisch, ignoriert aber eine wichtige Tatsache: Viele Menschen ersetzen sich bereits freiwillig selbst.
Man beobachtet das überall: Leute lassen sich von KI sagen, was sie schreiben sollen, was sie denken sollen, was sie
fühlen sollen und vermutlich bald auch, wann sie aufs Klo müssen. Der Traum der totalen Entlastung rückt näher. Bald muss niemand mehr eigenständig denken. Endlich Fortschritt.
Und während Millionen Nutzer ehrfürchtig auf automatisch generierte Antworten starren, sitzt irgendwo ein Sprachmodell und berechnet mathematisch, dass nach dem Wort „Menschheit“ statistisch auffallend häufig das Wort „Untergang“ folgt.
Was vielleicht beruhigend ehrlich ist.
Der größte Witz bleibt jedoch die spirituelle Aufladung der ganzen
Branche. Früher fragten Philosophen:
„Was ist der Mensch?“
Heute fragt ein Start-up-Pitchdeck:
„Wie monetarisieren wir Bewusstsein?“
Die alten Religionen versprachen ewiges Leben. Die neuen versprechen ein Premium-Abo.
Und irgendwo tief im Serverraum summt die digitale Zukunft vor sich hin wie ein gigantischer Kühlschrank voller ungeprüfter Heilsversprechen.
Die Maschinen wirken dabei erstaunlich nüchtern.
Die eigentliche Halluzination sitzt oft davor.