Seit Tagen ist das Meer gegen Abend aalglatt und es regt sich fast kein Lüftchen. Die Sonne, die sich bereits auf ihren Untergang vorbereitet, verzaubert mit ihren Strahlen den Rücken der Adria in ein Silbermeer.
Träumenden Fußes tritt Sophie die Pedalen und freut sich aufs Nachtmahl.
Sie liebt nicht nur das Meer, sondern auch das Land und die Menschen, ihre Mentalität, ihre Gastfreundschaft und ihre kulinarischen Gerichte.
Ob sie wohl heut wieder zur gleichen Zeit unterwegs sind?
Dreimal schon sind sie sich begegnet. Hand in
Hand hocken sie auf einer kleinen, wohl selbst getischlerten Bank auf diesem wackligen Heuwagen, den ein uriger weißer Ochse trottend zieht.
Ja, dort sind sie! Wieder ruht ihr Kopf liebevoll an seiner Schulter und wieder ist es das Strahlen der Blicke, das Sophie fasziniert und staunen lässt. Nie zuvor in ihrem Leben hat sie Augen gesehen, die so jung und glücklich aus alten, runzligen Gesichtern leuchten. Es sind keine welken Fältchen, oh nein, sie sind voller Licht, sonnengeküsst, lebend und erzählend.
Ganz wie von selbst hebt sich Sophies Hand zum Gruß, ganz wie von selbst trägt sie ihr
Lächeln in diese traute Zweisamkeit und wird mit einem stillen Nicken, einem Funkeln und
dem Ahnen des Reichtums dieser Liebe, tief berührend beschenkt.
Weit wird ihr Herz und gebärt den Wunsch nach solch geborgenem Lebensabend.
Ja, genau so, mit leuchtenden Augen und Händen, die sich halten, möchte sie alt werden im Hegen und Pflegen der Liebe, um miteinander, Dank der daraus entstehenden Kraft, bis ans Ende der Tage jung zu bleiben.