Humor & Satire
Der Marktplatz der Sprichwörter

0
"Eine kleine Geschichte zum Vatertag über Chaos, Humor und das, was wirklich trägt."
Veröffentlicht am 14. Mai 2026, 10 Seiten
Kategorie Humor & Satire
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich bin Pamola Grey, eine Geschichtenerzählerin, die die feine Grenze zwischen Realität und Fantasie erkundet. Ich schreibe Fantasy-, Horror- und surreale Geschichten, die im Gedächtnis bleiben. Außerdem male ich eigene Illustrationen, inspiriert von den Welten, die ich erschaffe. I'm Pamola Grey, a storyteller exploring the thin line between reality and imagination. I write fantasy, horror, and surreal stories that linger in your mind. I ...
Eine kleine Geschichte zum Vatertag über Chaos, Humor und das, was wirklich trägt.

Der Marktplatz der Sprichwörter







Das Thema zur SP 118 ist:

"Wenn ich das gewusst hätte" Vorgaben: filigran, piesacken, Kokolores, Fisimatenten, blümerant, allenthalben





„Wenn ich das gewusst hätte“

Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich an diesem Morgen einfach im Bett geblieben. Doch ich stand bereits um sieben Uhr auf der Leitung. Wirklich auf einer Leitung. Unter mir knisterten die Stromkabel, als hätten sie schlechte Laune. „Bleiben Sie auf dem Teppich, Herr Meier!“, rief Frau Krüger aus dem Fenster. „Welchem denn?“, rief ich zurück. „Der

hebt gerade Richtung Bushaltestelle ab!“ Allenthalben herrschte auf dem Marktplatz ein Durcheinander, als hätte jemand die Welt aus den Worten selbst gebaut und sie nun falsch zusammengesetzt. Die Luft war so filigran, dass sie sich anfühlte, als könnte sie jeden Moment zerreißen. Ich trat zurück. Und da begann es mich zu piesacken. Nicht laut, eher wie ein Stören im Kopf, als würde die Welt kurz aus dem Gleichgewicht geraten. Es fühlte sich an, als würde etwas Unsichtbares an allem

ziehen. „Jemand fällt gleich aus allen Wolken!“, rief jemand. Und jemand fiel tatsächlich vor mir aus allen Wolken. Ein Mann hing am Baukran und rief etwas von einem tanzenden Bären. Ich hielt das zunächst für (Kokolores). Bis ich ihn sah. Der Bär trug einen Zylinder. Und Stepptanzschuhe. Und er tanzte, als wäre

der Marktplatz dafür gemacht worden. Mir wurde blümerant. „Keine Fisimatenten!“, rief der Bürgermeister, während er versuchte, mit einer alten Orgel Ordnung in das Chaos zu drücken. Doch die Welt hörte nicht zu. Und dann verstand ich es nicht plötzlich — sondern langsam, während ich zusah. Sprichwörter funktionierten hier nicht mehr wie

Sprache. Sie passierten einfach. „Auf dem Teppich bleiben“ war unmöglich geworden. „Auf der Leitung stehen“ war ich selbst. Und „aus allen Wolken fallen“ geschah direkt vor mir. Allenthalben geschah genau das, was sonst nur gesagt wurde, wenn nichts wirklich passiert. Ich dachte an meinen Vater. Der hatte immer Sprichwörter gesagt,

wenn die Welt kompliziert wurde. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“ „Wer zu hoch fliegt, fällt tief.“ Ich hatte das früher für Kokolores gehalten. Für Sätze, die man sagt, wenn man nichts anderes weiß. Der Bär blieb mitten auf dem Marktplatz stehen. Er sah mich

an. Und in diesem Moment war alles ruhig. Nicht weil nichts passierte. Sondern weil ich verstand, dass Worte manchmal näher an der Wirklichkeit sind, als man glaubt. Der Bär verbeugte sich, setzte seinen Zylinder auf und tanzte weiter. Und ich blieb stehen. Diesmal vorsichtiger mit dem, was ich für Unsinn hielt...



Cover Pixabay Tylijura



© Pamola Grey

0

Hörbuch

Über den Autor

PamolaGrey
Ich bin Pamola Grey, eine Geschichtenerzählerin, die die feine Grenze zwischen Realität und Fantasie erkundet. Ich schreibe Fantasy-, Horror- und surreale Geschichten, die im Gedächtnis bleiben. Außerdem male ich eigene Illustrationen, inspiriert von den Welten, die ich erschaffe.

I'm Pamola Grey, a storyteller exploring the thin line between reality and imagination. I write fantasy, horror, and surreal stories that linger in your mind. I also paint my own illustrations, inspired by the worlds I create.

I hope you enjoy traveling to Onswill with me? if you dare.

Leser-Statistik
35

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
drachenzaehmer Ich habe Ihre Geschichten über viele Jahre gelesen und sie haben mich wirklich begleitet. Auch dieser Text hier ist wieder etwas Besonderes, das im Kopf bleibt. Ich finde es sehr schade, dass dieses Buch aus dem Wettbewerb zurückgezogen wurde. Trotzdem wollte ich einfach einmal Danke sagen für all die Welten und Ideen.
LG Mike
Heute - Antworten
PamolaGrey Ich ziehe meine Geschichte aus dem Wettbewerb zurück und stelle sie außerhalb des Wettbewerbs zur Verfügung. Vielen Dank für die Rückmeldungen.
LG Pam
Gestern - Antworten
Kornblume Nun erschließt sich mir der Text viel besser. Danke ,liebe Pam
Bin halt ein Spätzünder und nicht so pfiffig wie Mike,der Drachenzähmer:-)
Wochenendgrüße von der Kornblume
Diese Woche - Antworten
Eichenlaub Hallo Pam,
das ist ein sehr außergewöhnlicher Text, der aber durch die Sprichwörter Sinn macht, und daher auch interessant wirkt.
LG, Gerlinde
Diese Woche - Antworten
Darkjuls Hallo Pam, den Schlusssatz finde ich bemerkenswert. Deine Geschichte zeigt auf, dass an allem etwas dran ist, was sich als Sprichwort ausgeprägt hat. Auch wenn es anders gemeint war, es kann auch genauso eintreten. Die Vorgaben sind schlüssig eingebaut. Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinem Beitrag und grüße Dich herzlich. Marina
Diese Woche - Antworten
Gast Erst beim zweiten Lesen erschloss sich mir dein Beitrag, der gut verfasst ist.
Liebe Grüße Manuela
Diese Woche - Antworten
drachenzaehmer „Beim ersten Lesen wirkt der Text wie ein bewusstes Chaos aus absurden Bildern. Erst beim genaueren Hinsehen zeigt sich, dass viele Szenen wörtliche Umsetzungen von Redewendungen sind. Dadurch entsteht eine zweite Ebene, die dem Text Struktur gibt. Im dritten Schritt wird daraus eine klare Botschaft: Vieles im Leben erschließt sich erst, wenn man bereit ist, hinter die Oberfläche zu schauen. Zusätzlich bekommt der Text durch den Bezug zum Vatertag eine vierte Ebene, die dem scheinbaren Chaos einen emotionalen Rahmen gibt. Für mich ist dieser Text mehr als eine Geschichte – eher eine Botschaft, die sich erst nach und nach erschließt. Das passiert mir beim Lesen nicht oft.“
LG Mike
Diese Woche - Antworten
Kornblume Zitat
*Nicht alles im Leben ist erklärbar. Aber vieles ist wertvoll*
Genauso erschließt sich Dein, für mich etwas rätselhaften Text, nicht ganz.
Trotzdem, alle Vorgabeworte gut eingebaut, doch leider noch nicht hervorgehoben. Vergiss bitte nicht, Deine bisher veröffentlichtenTexte im Forum zu verankerrn, liebe Pam.
"Feiertagsgrüße", schickt die KOrnblume

Diese Woche - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
8
0
Senden

174250
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung