Kurzgeschichte
Unter der Brücke? - SP 118

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"Frank läuft neben mir. Oder erinnere ich mich nur daran? "
Veröffentlicht am 08. Mai 2026, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich bin Pamola Grey, eine Geschichtenerzählerin, die die feine Grenze zwischen Realität und Fantasie erkundet. Ich schreibe Fantasy-, Horror- und surreale Geschichten, die im Gedächtnis bleiben. Außerdem male ich eigene Illustrationen, inspiriert von den Welten, die ich erschaffe. I'm Pamola Grey, a storyteller exploring the thin line between reality and imagination. I write fantasy, horror, and surreal stories that linger in your mind. I ...
Frank läuft neben mir. Oder erinnere ich mich nur daran?

Unter der Brücke? - SP 118

Sp 118 Thema: Wenn ich das gewussst hätte Vorgabeworte: filigran, piesacken, Kokolores, Fisimatenten, blümerant, allenthalben







„Unter der Brücke“

Frank, mein Bruder, und ich waren auf dem Weg zur Brücke. „Wenn ich das gewusst hätte“, dachte ich, während ich neben ihm herlief, „wäre ich gar nicht erst mitgekommen.“ Ich heiße Jonas, und Frank hatte die Angewohnheit, mich wie immer zu piesacken. „Das ist alles nur Kokolores“, sagte er und grinste. Die Bäume standen filigran am Wegesrand, als würde der Wald zuhören. Frank blieb stehen. „Was ist?“, fragte ich. Er machte Fisimatenten, als würde er

etwas im Wasser erkennen. „Siehst du das nicht?“ Ich sah nichts. Und trotzdem wurde mir blümerant, als würde sich etwas in mir verschieben. Allenthalben wirkte die Welt falsch zusammengesetzt, als hätte sie Lücken, die ich nicht mehr schließen konnte. Und dann kommt es zurück. Nicht als Déjà-vu. Sondern als Erinnerung, die nicht mehr ausweicht. Ich stehe am Wasser unter der Brücke. Meine Hand umschließt etwas Kaltes. Einen kleinen Schlüsselanhänger. Frank hat ihn immer dabeigehabt. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich ihn

aufgehoben habe — nur, dass er jetzt hier ist. Und dann ist es da. Klar. Unausweichlich. Frank ist hier gestorben. Unter dieser Brücke. Im Fluss. Ich sehe es nicht zum ersten Mal. Ich erinnere mich nur endlich wieder richtig daran. Und plötzlich sehe ich mehr. Blaulicht zwischen den Bäumen. Menschen am Ufer. Meine Mutter kniet am Boden, als hätte man ihr die Kraft aus dem Körper gerissen. Zwei Männer tragen einen schwarzen

Leichensack zum Wagen. Ihre Schreie zerreißen die Stille. Und plötzlich weiß ich wieder, warum mein Kopf all die Erinnerungen verschlossen hat. Frank kommt nie wieder nach Hause. Als ich mich umdrehe, ist er nicht mehr neben mir. Nur der Wind bewegt sich durch die Schatten der Bäume. Ich schaue den Anhänger an. Und alles passt plötzlich zusammen — zu spät, aber vollständig. „Wenn ich das gewusst hätte“, denke ich. Und diesmal weiß ich: Ich habe es gewusst. Ich habe es nur nicht festhalten

können. Mir laufen die Tränen über das Gesicht. Und ich lasse den Anhänger in meiner Hand einfach nicht mehr los...

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Über den Autor

PamolaGrey
Ich bin Pamola Grey, eine Geschichtenerzählerin, die die feine Grenze zwischen Realität und Fantasie erkundet. Ich schreibe Fantasy-, Horror- und surreale Geschichten, die im Gedächtnis bleiben. Außerdem male ich eigene Illustrationen, inspiriert von den Welten, die ich erschaffe.

I'm Pamola Grey, a storyteller exploring the thin line between reality and imagination. I write fantasy, horror, and surreal stories that linger in your mind. I also paint my own illustrations, inspired by the worlds I create.

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