Im Kaufhaus mit ......meiner Freundin......
Sp 118
"Wenn ich das gewusst hätte".
filigran, piesacken, Kokolores, Fisimatenten, blümerant, allenthalben
Ein neuer Tag.
Allerdings erwache ich aus meinem verrückten Traum, der von totalem Kokolores geprägt gewesen ist, wie nass gebadet auf.
Doch das soll mich heute, wo meine beste Freundin Dagmar bei mir einkehren wird, überhaupt nicht piesacken. Denn gemeinsam wollen wir mit einem langen, ausgiebigen Geschäftsbummel beginnen.
Schon seit längerer Zeit wünsche ich mir eine zarte, weiße Bluse mit durchsichtigen langen Ärmeln, welche mit filgraner Spitze enden soll. Ein auffälliger Kragen wird mich gut gekleidet aussehen lassen, allenthalben würde mir auch ein kleiner Stehkragen an der neuen Bluse genügen. Schnell habe ich die passende Bluse gefunden.
Dagmar zieht es im Geschäft zu den Overalls hin. Mit ihrer sehr schlanken Figur wird sie mühelos etwas Passendes finden. Dabei fällt mir ein, dass auch ich mich früher schon einmal in so einem Overall mit langem Reißverschluss wohlfühlte und ihn gern trug.
Tatsächlich habe ich mich von Dagmar überreden lassen, außer einer Bluse, ebenfalls für mich einen Overall zu kaufen.
In den schönsten Farben mit und ohne Muster ist die Auswahl sehr groß.
Wir suchen beide auf der langen Stange einen Overall nach eigener Wunschfarbe und probieren ihn abwechselnd in der Umkleidekabine an. Dagmar hat die Farbe in rotweiß mit Querstreifen ausgesucht, was sie
auch perfekt tragen kann und ich entscheide mich für den in kompletter, auffälliger oranger Farbe.
Das ausgiebige Schlendern an den großen Innenschaufenstern des Kaufhauses und bei den Rolltreppen das Hoch- und Runterfahren, hat die Zeit wie im Fluge vergehen lassen.
Nun ist der Kaffeedurst, mit einem Stückchen Torte gestiegen und soll dort in einem fröhlichen Einkaufsnachmittragskaffeetratsch enden.
Gerade finden wir einen kleinen Tisch mit unbesetzten Stühlen und geben bei der freundlichen Bedienung unsere Bestellung auf. An dem größeren Nebentisch sitzt eine Mutter mit vier Kindern, die schon ungeduldig
auf ihren Eisbecher warten. Dabei lässt sich so ein kleines Gerangel und ausgelassenem an den Haaren ziehen unter den Kindern kaum vermeiden. Als die Mutter am Nebentisch dann doch mal kurz mit der Hand auf den Tisch klopft und ruft: "Schluss, mit den Fisimatenten", ist alles wieder ruhig.
Ich muss etwas grinsen, denn das Wort hörte ich seit meiner Kindheit von meinem Großvater das letzte Mal.
Meine Freundin Dagmar hat ihren neuen Overall in einer großen Tasche gut verstaut, während ich nach der Bezahlung ihn sofort einfach anbehalten habe und nun stolz mit meinem neuen Outfit am Kaffeetisch des großen Einkaufshauses sitze.
Wir lachen und plaudern nicht nur aus
vergangenen Zeiten, schauen uns die gut gelaunten Gäste dort an, während in der Ecke ein Pianospieler die Zeit musikalisch umrahmt.
Dieser Nachmittag mit meiner Freundin ist so schön, dass wir eine ganze Weile dort sitzenbleiben und ich sie noch zu einem Glas Wein einladen möchte.
Sie ist einverstanden. Da mir jedoch die fruchtige Sahnequarktorte so lecker geschmeckt hat, konnte ich nicht anders und bestellte für mich ein zweites Stück. Dagmar ist bereits Kuchensatt
Nach einiger Zeit wird uns die Flasche Wein serviert. Der gekühlte Weißwein schmeckt hervorragend und Schluck für Schluck mundet
auch ein weiteres Glas...
Langsam schleicht sich der Abend heran, die Weinflasche ist inzwischen fast leer getrunken und so beschließen wir den Tag auf dem Heimweg ausklingen zu lassen.
Beim Erheben vom Tisch bemerke ich im Gesäß plötzlich ein ungewolltes Ratschgeräusch. Meine Hand befühlt auf dem Rücken die Stelle, welches nun im Overall eine kleine, ungewollte Erweiterung erfahren hat.
"Mist, denke ich, einen Overall probiert man immer nur im Stehen an, da sitzt dann alles perfekt, aber im Sitzen mit verführerischem Tortenstückchen...Der neue Overall ist wohl doch etwas zu eng gewesen, da hätte ich mir
das zweite Stück Kuchen verkneifen müssen. Denn bei der Bluse wäre mir das nicht passiert."
Dagmar und ich halten uns beim Aufstehen sofort am Tisch etwas fest.
Wir schauen uns zulächelnd verlegen an und denken:
"Ohoh, der Wein hat es aber in sich. denn so eigenartig blümerant schwirrt es uns beiden plötzlich im Kopfe herum."
Beim Hinausgehen versuche ich mit meiner Tasche, in der sich die neue weiße Bluse befindet, gekonnt den tiefen, aufgerissenen Schlitz im unteren Rückenbereich zu verdecken.
Ich vermisse die perfekte Wertarbeit. Oder sollte dieser etwa in einem hastigen,
verfuschten Zustand zum Verkauf angeboten worden sein?
In dem Augeblick huscht ein weiterer Gedanke durch meinen Kopf und murmele leise vor mich hin, so dass meine Freundin es mithört.
"Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nur beim Blusenkauf geblieben."
Dagmar hält sich die Hand vor den Mund und versucht somit ihr schadenfreudiges Lachen zu verbergen.
GerLINDE