Coverbild von Mabel/Amber, Pixabay
Zwischen Bild und Mensch
Aus Beobachtungen in der Streetwork-Praxis.
Oft begegnen wir nicht dem Menschen selbst, sondern unserer Vorstellung von ihm.
Text
Arbeitsbezogene Reflexion aus der Streetwork-Praxis im Rahmen meiner aktuellen Tätigkeit im
Homeoffice
In meiner aktuellen Arbeit im Homeoffice entstehen zunehmend schriftliche Reflexionen über beobachtete Beziehungsmuster und soziale Dynamiken aus der Streetwork-Praxis.
In meiner Arbeit merke ich immer wieder, wie stark Beziehungen von dem geprägt sind, was Menschen sich voneinander vorstellen.
Am Anfang steht oft nicht der Mensch selbst im Vordergrund, sondern ein Bild. Eine Idee davon, wie jemand sein sollte oder wie sich etwas anfühlen müsste.
Dieses Bild entsteht aus Erfahrungen, Erwartungen oder auch aus dem Wunsch heraus, dass es endlich „passt“.
Im Alltag sehe ich dann, wie schnell dieses Bild mit der Realität kollidiert. Nicht unbedingt, weil der andere sich falsch verhält, sondern weil die Vorstellung vorher schon sehr fest war.
Ich erlebe oft, dass genau an dieser Stelle Spannung entsteht. Gespräche verändern sich, Erwartungen werden deutlicher – manchmal auch unausgesprochen.
Akzeptanz bedeutet in solchen Situationen für mich eher, diesen
Unterschied erstmal auszuhalten: den echten Menschen auf der einen Seite und das eigene innere Bild auf der anderen.
Ich sehe auch, dass Nähe schnell dazu führen kann, dass eigene Grenzen verschwimmen. Dinge werden mitgetragen, angepasst oder erst später hinterfragt, weil die Beziehung gehalten werden soll.
Der Selbstwert spielt dabei oft leise mit. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Menschen, die stabiler bei sich bleiben können, in Beziehungen klarer wirken und weniger abhängig von der Reaktion des Gegenübers
sind.
Am Ende erlebe ich Beziehungen selten als etwas, das an einem klaren Punkt scheitert. Es ist eher ein Prozess – aus Erwartungen, Anpassungen und der Frage, wie viel Realität man dem anderen wirklich lässt.