Teil 2 – Ich komme heim – und nichts ist sicher
Ich komme spät von der Arbeit nach Hause.
Tankstelle. Spätschicht.
Ich bin müde, meine Beine tun weh, und ich will eigentlich nur noch eins: Ruhe. Vielleicht irgendwas essen und dann einfach nichts mehr.
Ich schließe die Wohnungstür auf und trete
ein.
Stille.
Zu viel Stille.
Ich bleibe kurz stehen, noch mit der Hand am Türgriff. Irgendwas stimmt hier nicht.
Langsam ziehe ich die Jacke aus und gehe Richtung Küche.
„Bitte nicht…“, murmele ich.
Ich mache das Licht
an.
Der Kühlschrank steht offen.
Ich sehe es sofort.
Ich schließe kurz die Augen.
„…Pumuckl.“
Stille.
Dann ein leises, zufriedenes Schmatzen aus dem Nichts.
„Du bist spät“, kommt es
unschuldig.
Ich gehe langsam einen Schritt näher.
„Was hast du diesmal gemacht?“
„Nichts Besonderes.“
Ich öffne den Kühlschrank komplett.
Leer.
Natürlich.
Ich atme einmal tief durch. Länger als
nötig.
„Das war für morgen.“
„Jetzt ist es früher weg“, sagt er zufrieden.
Ich starre in den leeren Kühlschrank.
Meine Müdigkeit kippt langsam in etwas anderes.
„Weißt du eigentlich, wie anstrengend mein Tag war?“
Kurze
Pause.
Dann, kleinlaut:
„…ein bisschen?“
Ich lehne mich gegen die Küchenzeile.
„Ich will einfach nur essen und schlafen.“
„Du kannst schlafen. Essen war halt zuerst dran.“
Ich schließe die Augen.
Ich zähle innerlich bis drei.
Dann höre ich ein
Rascheln.
Meine Hand fährt ruckartig auf die Arbeitsplatte.
Ein letzter Snackbeutel.
Ich halte ihn hoch.
„Du hast mir wirklich das hier gelassen?“
Stille.
Dann vorsichtig:
„Ich bin ja nicht
herzlos.“
Ich setze mich auf einen Stuhl in der Küche.
Erschöpft.
„Ich glaube, ich zieh aus.“
„Dann hab ich die Wohnung für mich allein“, kommt es sofort.
Ich muss trotz allem kurz lachen.
„Du bist unmöglich.“
„Ich
weiß.“
Und während ich den ersten Bissen nehme, wird es wenigstens für einen Moment ruhig.