aus der schnelllebigen zeit ins 13. jahrhundert
Aus der schnelllebigen Zeit ins 13. Jahrhundert
Florian Fuchserich, der Bürgermeister von Irrendorf, saß an seinem Schreibtisch und betrachtete die frühlingshaften Blüten, die durch das Fenster seiner kleinen, aber feinen Wohnung in den Raum strahlten. Mit 49 Jahren hatte er sich aus den rauen Verhältnissen seiner Kindheit emporgearbeitet und war nun ein angesehener Mann in der Gemeinde. Doch an diesem Aprilmorgen sollte sich das Leben für immer verändern.
Ein ungewöhnlicher Sturm zog auf, der die Luft zum Vibrieren brachte und die Wolken wie ein wildes Kunstwerk am Himmel tanzen ließ. Plötzlich erfasste ein Wirbelwind Florian und hüllte ihn in ein wirbelndes Licht. Als er seine Augen wieder Öffnete, fand er sich nicht mehr in seiner Wohnung im April 2026, sondern in einem Klösterlichen Garten des 13. Jahrhunderts wieder. Die Luft war frisch, erfüllt von dem Duft blühender Kräuter und dem Geplätscher eines kleinen Brunnens.
Verwirrt blickte Florian umher. Um ihn
herum standen Mönche in schlichten, braunen Gewändern, die mit einem Lächeln auf den Lippen arbeiteten.
> Willkommen, Bruder <, rief einer von ihnen, ein älterer Mann mit einem langen Bart, der mit einer Schaufel frisches Gemüse in den Boden setzte.
> Du bist hier, um zu helfen und zu lernen. <
Florian war baff. Er hatte von den Bettelorden gehört, die in dieser Zeit entstanden, aber jetzt war er mitten in ihrem Alltag. Die Mönche, sowohl Franziskaner als auch Dominikaner, lebten in Bescheidenheit und verbanden Klösterliches Leben mit seelsorgerischer
Tätigkeit. Es war eine Welt, die er nur aus Geschichtsbüchern kannte, und doch fühlte es sich an, als wäre er in einem Farbfilm gefangen, in dem die Menschen lebendig, und voller Leidenschaft waren.
> Betteln ist nicht beschämend, sondern eine Kunst <, erklärte der Bartträger, während er Florian eine Schaufel in die Hand drückte.
> Wir bitten um das, was wir zum Leben brauchen, und geben im Gegenzug unser Wissen und unsere Hilfe. So ist der Kreislauf der Gnade.
Florian, der in der modernen Welt oft mit Zahlen und Statistiken jonglierte, fand sich nun mit der Erde und den Menschen
verbunden. Er half beim Pflanzen von Gemüse und dem Ernten von Kräutern. Die Mönche erzählten Geschichten über ihre Reisen, die Menschen, die sie getroffen hatten, und die Wunder die sie erlebt hatten. Florian fühlte sich lebendig wie nie zuvor. Er lernte, dass die wahre Stärke nicht im Besitz, sondern im Teilen lag.
Nach einigen Tagen, die wie Wochen schienen, kam ein besonders starker Sturm auf. Die Mönche bereiteten sich darauf vor, ihre kleinen Hütten zu sichern. Florian fühlte die Aufregung in der Luft.
> Wir müssen uns zusammen tun! <, rief
er. Mit einem neuen Gefühl der Verantwortung führte er die Mönche an, um die Gärten und Hütten zu schützen. Sie arbeiteten Hand in Hand, und der Sturm, der viele in Angst versetzte, wurde für sie zu einer Gelegenheit ihre Gemeinschaft zu stärken.
Als der Sturm schließlich vorüber war und die Sonne wieder schien, standen die Mönche und Florian zusammen auf einem Hügel und blickten auf das, was sie gemeinsam erreicht hatten. In diesem Moment erkannte Florian, dass er nicht nur Bürgermeister von Irrendorf war, sondern auch Teil einer viel größeren
Gemeinschaft.
Plötzlich spürte er das vertraute Licht um sich herum. Ein sanfter Wind umhüllte ihn, und bevor er sich versah, war er zurück in seiner Wohnung, in Irrendorf. Der Sturm war vorbei, aber die Lehren die er aus dem 13. Jahrhundert mitgebracht hatte, waren für immer in seinem Herzen verankert.
ENDE
Dieter Battisti