Der letzte Kuss
Gedicht von Reisehummel
(c) wabe
Ein Stück noch wollten sie gemeinsam gehen,
auch wenn so mancher Schritt schon etwas schwer,
die Nordsee wollten sie noch einmal sehen,
sie liebten ihre Inseln und das Meer.
Doch dann kamen die kalten Februarnächte,
selbst der Kamin hielt ihn schon nicht mehr warm.
Fast kraftlos hob er lächelnd seine Rechte
und zog sie sanft und zärtlich in den Arm.
Mit Blicken, die zur Schüchternheit nicht taugen,
liebkosten seine Augen ihr Gesicht,
und als sie sich an ihre Lippen saugen,
bebte sein Mund und flüstert ein Gedicht.
Vom schwarzen Vogel sprach er,
mit ganz weiten Schwingen,
vom Lockruf, Schweben übern großen Fluss,
vom Traum, ihn bald ins warme Licht zu bringen,
dann gab er lächelnd ihr den letzten Kuss.