Männer diskutieren über Schönheit
Bei einer Flussfahrt auf dem Shannon diskutierten einige Männer, zu denen ich auch gehörte, die halbe Nacht über Schönheit, über die von Frauen natürlich. Das begann mit dem Spruch “Schön ist nicht schön. Gefallen macht schön“. Das reichte uns nicht. Es war uns zu selbstverständlich, weil wir ja wissen wollten, ob wir in einem gewissen Maße übereinstimmten. Zuerst war Marylin Monroe eine Favoritin. Wir einigten uns aber darauf, dass sie sehr attraktiv war, jedoch nicht unbedingt schön: Argument: zu kurze Beine.
Später wurde uns bewusst, dass wir uns an dem Schönheitsideal der Renaissance orientiert hatten, nach dem sich die einzelnen Teile des Körpers in einem ausgewogenen Verhältnis befinden sollten. Es gab am Ende eine Übereinstimmjung: Grace Kelly, die Fürstin von Monaco. Die entsprach nicht dem individuellen Geschmack eines jeden von uns, einigen war sie nicht attraktiv, nicht sexy genug. Möglicherweise erscheint eine so ebenmäßige Schönheit dem einen oder anderen als langweilig. Ein Ergebnis also: Was schön ist, muss nicht für jeden attraktiv sein. Die Skulptur der Venus von Milo kam ins Gespräch. Keiner, der
sie nicht schön fand, ein Hinweis darauf, dass Schönheitsvorstellungen doch langlebig sind. In einem gewissen Kulturkreis wurde eingeschränkt. Es wurde daran erinnert, dass zum Beispiel auf bestimmten Südseeinseln die dicksten Frauen lange als die schönsten galten. Genug: Schönheit ist relativ, und dennoch macht es Spaß, sich in einem Gesprächskreis auf einige Gemeinsamkeiten einigen zu können. Wäre das nicht so, gäbe es die Misswahlen und Misterwahlen ja nicht. In der Literatur der Antike galten meines Wissens zwei Ideale: Helena und später Kleopatra. Aber ich lasse jedem seine Schönste und
wenn es Twiggy ist oder wie hieß diese Magere mit den großen Augen. Außerdem hat dieser Monolog einen großen Mangel: Von der Seele, die Schönheit erst lebendig macht, war nicht die Rede.-)))