Der Künstler ist, Louda 2455
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© 2026 Pamola Grey
Alles begann an einem Samstag – Teil 1
Wer kennt ihn nicht, den Titel von Manuela, mit dem sie 1963 die Hitparaden erobert hat? Selbst über 50 Jahre später wird er noch gern gehört. Schuld daran war nur die Wochenzeitung…
„Hei Rudi, verschon mich bitte mit dem Altpapier, das du mir jeden Samstag in den Briefkasten steckst,“ ruft Tom seinem Freund zu, als er ihn beim Motorradputzen in der Garage sieht. Seit Rudi in Rente ist, trägt er Zeitungen und Prospekte aus, um in Bewegung zu
bleiben.
„Grüß dich, Tom,“ lächelt Rudi verschmitzt und zieht den Packen Prospekte und die Wochenzeitung aus seinem Trolley. „Sieh mal, was ich dir alles reingepackt habe – lauter tolle Angebote, von denen du sonst nichts wüsstest.“
„Geh mir doch weg mit den Prospekten, ich brauche…“ versucht Tom abzuwiegeln.
„Der hier,“ unterbricht Rudi ihn und drückt ihm einen Baumarktprospekt in die Hand, „da gibt’s Spielsachen für
Männer.“
Bevor Tom etwas erwidern kann, deutet Rudi auf die Wochenzeitung. „In der Bäckerei Metzger gibt’s heute frische Rosinenbrötchen.“
Rosinenbrötchen – damit hat Rudi bei Tom ins Schwarze getroffen. Die liebt er. Neugierig liest er die Schlagzeile auf der ersten Seite: „Frische Rosinenbrötchen, duftig und lecker, 3 Stück 1 Euro.“
„Na gut, leg sie mir auf den Treppenabsatz, ich sehe sie mir nachher mal an,“ sagt Tom und wendet sich wieder seiner Intruder zu, die er morgen fahren will. Drei Stück für einen Euro – diese Brötchen gehen ihm nicht mehr aus
dem Kopf, während er Motor und Rahmen nachpoliert. „Hm… da hol ich mir am besten gleich welche, bevor sie weg sind,“ entscheidet er spontan.
In der Bäckerei sind drei Kunden vor ihm. Tom sieht sich die Backwaren in der Theke an, überlegt, was er noch mitnehmen kann.
„Was kriegen Sie bitte?“ fragt Frau Metzger freundlich.
Tom schaut sich um und entdeckt eine junge Frau, die gerade aus dem hinteren Teil der Bäckerei kommt, herrlich duftende Brezeln in einen Weidenkorb schüttet. Er muss zweimal hinschauen, um sie wiederzuerkennen: die Haare
kürzer geschnitten, die Hornbrille durch eine rahmenlose ersetzt, auf dem weiß-roten Schurze steht „Gerti“.
Sein Hals wird trocken, die Stimme rauh. Als sie ihn fragt, was er möchte, bringt er nur hervor:
„Ja… ich möchte dich heute Abend zum Essen ausführen… mit dir tanzen gehen…“
Gerti ist überrascht, ein schüchternes Lächeln spielt um ihre Lippen. Die Flecken auf Toms Gesicht stammen wohl vom Motorradputzen, denkt sie. „Ahm… ja, geht klar,“ sagt sie schließlich. „Holst du mich um sieben an der Sportsbar
ab?“
Tom ist sprachlos. Er hatte mit einer höflichen Absage gerechnet.
„Darf ich dir vorher noch was verkaufen?“ fragt sie lachend.
„Ja, ich nehme alle Rosinenbrötchen, die noch da sind,“ antwortet er.
Auf dem Rückweg tankt er seine Maschine voll und beißt genüsslich in ein Brötchen. Die Vorfreude auf den Abend mit Gerti lässt sein Herz schneller schlagen.