Schreibparty 117
Thema:
"Wenn Wünsche Nebenwirkungen haben"
Vorgaben:
Geisterhand, Flasche, absurd, Phantasie, Scheinwerfer, Edelstein
Schon seit Kindheit führte Sophie neben ihrem Tagebuch auch ein kleines Büchlein mit Wünschen. Da sie eine blühende Phantasie hatte, schrieb sie manchmal auch kleine Geschichten dazu. Hatte sich ein Wunsch erfüllt, wurde er jubelnd mit einem gold-farbenen Stift abgehakt.
Auch heute noch gibt es ein paar unerfüllte, die ein wenig neidisch auf die bereits vergebenen Goldhaken blinzeln.
Ein ganz sehnlicher Wunsch wurde im Urlaub am Nordseestrand geboren. Sophie war, wie fast immer, wenn Ferien waren, allein mit ihrer Mama unterwegs. Dieses Mal, in den kurzen Pfingstferien, wohnten sie in Horumersiel,
nur ein paar Schritte vom Deich entfernt, hinter dem sich der wunderschöne Sandstrand ausbreitete.
Auch die Drachenwiese war ganz in der Nähe.
Sophie liebte es, am Rande der Wiese die Decke auszubreiten, um dem Treiben und Toben der
herrlich bunten Drachen zuzuschauen, die wie von Scheinwerfern angeleuchtet im Sonnenlicht tanzten.
Ihre Mama zauberte stets leckere Häppchen
und eine Flasche Apfelsaft aus der Kühltasche.
Auch heute war wieder ein herrlicher Tag. Die Sonne meinte es gut und die kleinen Steinchen im Sand leuchteten wie Edelsteine.
"Ach, Mama, wie schade, dass Papa immer arbeiten muss und nie mit uns fährt."
Die Sehnsucht und der Wunsch wuchs in ihr, einmal mit ihrem Papa gemeinsam, wenigstens einen Tag, auf der Drachenwiese Spaß zu haben.
Wieder zu Haus angekommen, lief sie ihm entgegen und bettelte: "Bitte, Papi, fahr doch in den Sommerferien mit uns ans Meer."
Er schaute sie an:
"Mal sehen, ich weiß es noch nicht."
***
"Sag Papi, welchen Stundenlohn hast du?"
"Na du stellst Fragen, komm, lass mich in Ruh'."
"Nun sag doch, wie hoch ist denn nun der Lohn?"
"Na, zwanzig Euro stündlich hab ich schon."
*
"Kannst du mir bitte einen Zehner leihn?“
der fehlt mir noch zu meinem Geld im Schwein"
*
Was willst du machen, planst du einen Kauf?“
*
„Ach Papa, ich freu mich schon ganz doll drauf.
Möcht einen Drachen basteln, nur mit dir,
das Geld für diese Zeit kriegst du von mir.“
*
„Sophie, das ist absurd, da sag ich nein,
so nimm dein Geld und steck es wieder ein.
Im Kaufhaus gibt’s dafür den schönsten Drachen,
mir fehlt die Zeit für solch unnütze Sachen.“
***
Ihr Blick war flehend und doch,
sie weinte nicht,
erstarrtes Lächeln blich ihr das Gesicht.
Aus war der Wunsch und Traum vom Drachen bau’n,
tags drauf ging sie, noch tief enttäuscht, ihn klau’n.
Danach war dieser Wunsch, wie von Geisterhand aus ihrem Büchlein verschwunden.